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Full text of "Die Kirchengeschichte von Spanien"

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Die 


Kirchengeschichte 


von 


Spanien. 


Von 


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Zweiter  Band. 

Vom  vierten  bis  Ende  des  eilften  JahrhonderU  —  Jahr  305  bis  1085. 

Erste  Abtheilmg. 

Vom  Jahr   305  bis  589. 

Mit  einer  Karte. 

• 

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Verlag  tod  Qeorg  Joseph  Manz. 

1 

110     .           Ton,             (oCjl. 

Zweiter  Band. 

Vom  vierten  bis  Ende  des  eilften  Jahrhunderte, 

Jahr  305  —  1085. 


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Erste  Abtheilung. 

Vom    Jahr    306    bli    689. 


Inhalts  -Verzeichniss. 


Fünftes  Buch. 
Die  Bynode  von  Elvlra  tS.  3—136. 

Seite 

Erstes  Kapitel.    $.1.    Anlass  der  Synode.    Hosius  von  Corduba       .  3  —  6 

S'  2.     Die  Synode  fand  nicht  statt  vor  der  Diocletianischen  Verfolgung  6  —  9 

^.  3.     Die  Synode  hat  bald  nach  der  Verfolj^ung  stattgefunden  .  9 — 10 

^  4.     Der  Ort  der  Versammlung 10—11 

Zweites  Kapitel.    Die  Bischöfe  der  Synode  von  Eivira  12—15 

Drilles  Kapitel.  Die  Pfarreien  der  24  zu  Eivira  versammelten  Presbyter  16—23 

Vierte«  Kapitel.    Die  Canones  der  Synode  von  Eivira  •  24>136 

Canon  1  24—38 

Canon  2 38—55 

Canon  3 55—57 

Canon  4  und  5 57—59 

Canon  6  .'^9— 60 

Canon  7,  8,  9 60—61 

Canon  10 61—62 

Canon  11  62—63 

Canon  12  63—64 

Canon  13  64—65 

Canon  14 65—66 

Canon  15  66-70 

Canon  16  70—71 

Canon  17,  18 71-72 

Canon  19  72—73 

Canon  20  73 

CanoD  21,  22,  23 74—76 

Canon  24,  25 76—77 

Canon  26 78—81 

Canon  27 81-82 

Canon  28,29 82 

Canon  30,81 88 


VI  Inhalts-Verxeichniss. 

Seite 

Canon  32,  33 84—  85 

Canon  34 85—  94 

Canon  35 94—  95 

Canon  36            95—  98 

Canon  37 98-  99 

Canon  38 99-101 

Canon  39            101-102 

Canon  40 102-103 

Canon  41            103 

Canon  42,  43 '    .  104—105 

Canon  44,  45 105 

Canon  46,  47,  48 106-107 

Canon  49     107—109 

Canon  50 • 109 

Canon  51,  52 110 

Canon  53     111—112 

Canon  54,  55 112—113 

Canon  56 113-115 

Canon  57 115—116 

Canon  58 117—118 

Canon  59 118-124 

Canon  60 124—125 

Canon  61,  62 125—128 

Canon  63,  64,  65 128-129 

Canon  66,  67 129—130 

Canon  68,  69 130 

Canon  70,  71,  72 131—132 

Canon  73 132 

Canon  74,  75 133 

Canon  76,  77,  78 134—135 

Canon  79,  80 135—136 

Canon  81 136 


Sechstes  Buch. 

Hosiui  von  Corduba  B.  137—309. 

Erstes  Kapitel.     Hosius  von  der  Synode  von  Elvira  bis  zur  Synode 

von  Nic&a,  306—325  137—143 

Zweites  Kapitel.    Hosins  und  die  Synode  von  Nicäa,  325,  144—165 

f.  1.    Der  Aniheil  des  Hosius  an  der  Zusammenkunft  der  Synode  .  144—148 

%.  2.    Hosius  führt  den  Vorsiz  auf  dor  Synode  von  I^icäa  148    159 

f.  3-     Hosius  führte  den  Vorsiz  im  Namen  des  Papstes  Sylvester   .  159-163 

%.  4.    Hosius  nach  der  Synode  von  Nicäa 163—165 

Drittes  Kapitel.    Osius  und  die  Gründung:  der  kirchlichen  Hierarchie 

in  Spanien  166-184 

$.  !•    Die  politische  Eintheilang  des  Landes  vor  Au^stut  166—170 


Inhaltt-VerzeichDi»8. 


J.  2.  Eintheilung  Spaniens  in  drei  Provinzen  unter  Au^aslus.  Die 
Provinz  Tarraconensis.  Neue  Eintheilung  unter  Conslantin 

}.  3.  Die  Kirche  in  Spanien  in  Beziehung  auf  ihre  kirchliche  Or- 
ganisation vor  Hosius 

Viertes  Kapitel.    Hosius  und  die  Anfänge  der  Metropolitan  Verfassung 
in  Spanien  

Fünftes  Kapitel.     Hosius  und  die  Synode  von  Sardika,   343—344 

$-  1.  Hosius  vor  der  Synode  zu  Sardika         .... 

}.  2>  Hosius  Präsident  der  Synode 

$.  3.  Verhandlungen  des  Hosius  mit  den  Arianero 

$.  4.  Sonstige  Thätigkeit  des  Hosius  auf  der  Synode     . 

Sechstes  Kapitel.  Hosius  von  der  Synode  von  Sardika  bis  zu  sei 
ner  Verbannung  nach  Sirmium,  344  —  356 

$.  1.     Die  Rückkehr  des  Hosius  nach  Spanien 

$.  2.     Brief  des  Papstes  Liberias  an  Hosius  vom  J.  353—354 

S'  3.  Die  Synode  von  Mailand.  Verbannung  des  Liberias.  Be- 
ginnende Verfolgung  des  Hosius      .... 

}.  4.  Apostolischer  Brief  des  Hosius  an  Constantius  —  zugleich  das 
einzige  schriftliche  (ans  erhaltene)  Denkmal  seines  gros- 
sen Geistes 

Siebentes  Kapitel.  Der  Fall  des  Hosius  —  zugleich  seine  Aufer- 
stehung          

$.  1.     Hosius  In  Sirmium.     Zeit  und  Ort  der  Verbannung     . 

V  2.  Constantius  kommt  im  Juli  oder  August  357  nach  Sirmium. 
—  Hosius  —  in  den  Händen  der  Missethäter 

S'  3.    Grausamkeiten  —  gegen  Hosius 

J.  4.  Synode  der  Arianer  zu  Sirmium,  Mitte  des  Jahres  357;  die 
zweite  sirniische  Formel.   Hosius  hat  keinen  Antheil  an  ihr 

$.  5.     Die  Schuld  —  und  die  Unschuld  des  Hosius 

J.  6.     Die  Zeugen  gegen  Hosius 

Achtes  Kapitel.  Der  Tod  des  Hosius  zu  Sirmium  —  am  27.  Au- 
gust 357 

$.  1.     Der  selige  Tod  des  Hosius 

$.  2.     Hosius  starb  am  27.  August  357 

Neuntes  Kapitel.  Die  Rückkehr  des  Hosius  nach  Corduba?  — 
Jakobus  der  Aelterc,  der  Apostel  Spaniens,  und  Hosius  von 
Corduba 

Zehntes  Kapitel.    Hosius  der  Grosse 

£ilftes  Kapitel.    Hosius  der  Heilige 

Zwölftes  Kapitel.    Recapitulalion 


VII 

Seite 

170—173  . 

173-184 

185-191 
192-210 
192-193 
193—194 
194-197 
197-210 

211—218 
211-212 
212-213 

213-215 

215  -218 

219-267 
219-222 

222-227 
227—229 

229—242 
242—250 
250-267 

268-284 
268-269 
269-284 

285-299 
300-302 
303-306 
307-309 


Siebentes  Buch. 

Die  Kirche  in  Bpanien  von  dem  Tode  des  Hosios  —  bis 

SU  dem  Eintritte  der  Westgothen  -  in  die  Kirche 

(J.  357  bis  6893  B.  310  -  492. 

Erstes  Kap JteL    Die  Luciferianer  in  Spanien.  Gregorins.    Potamius. 

FlorenUas 310—817 


ym  .Inhalts- VerzeichnisB. 

Sei 

Zweites  Kapitel.    Der  Bischof  Pacianus  von   Barcelona.     Paalinos 

von  Nola  in  Barcelona.    Vigilantius 318 — 

Drittes  Kapitel.  Der  christliche  Dichter  Juvencus.  Papst  Da- 
masus         32&— 330- 

^^   * 

Viertes    Kapitel.      Theodosius    der    Grosse.      Dexter,    Sohn    des 

Pacian 332—334— 

Fünftes  Kapitel.    Aurelias  Prudentius  Clemens       ....  337— 

Sechstes  Kapitel.    Die  Priscillianistcn  in  Spanien  —  bis  zum  J.  385  359— 

$.  1.     Literatur  über  dieselben 359 — 

$.  2.     Der  Ursprung  dieser  Sekte  im  Zeitalter  des  Hosins     .         .  361— 

$.  3.     Die  Häupter  der  Sekte.    Die  Verbreitung  derselben  beson- 
ders in  Lusitanien 366  ~ 

$.  4.    Die  Synode  zu  Saragossa  —  380 369 — 

$.  5.     Die  Priscillianisten  in  den  Jahren  381—385  .  .        372— 

Siebentes  Kapitel.  Die  Geschichte  der  Priscillianisten  vom  Tode 
des  Priscillian,  bis  (einschliesslich)  zu  der  Synode  von  Toledo 
—  Jahr  385—400 379— 

$.  1.     Martinus,  Ambrosius  und  Papst  Siricius   in  ihrer  Stellung 

zu  den  Priscillianisten 379 — 

$.  2.  Ganz  Galizien,  mit  sämmtlichen  Bischöfen  dieser  Provinz, 
föllt  zu  den  Priscillianisten  ab.  Ende  des  Maximus,  des 
Idatius  und  Itacius.  Hieronymus  im  Verkehre  mit  Spanien        383 — 

$.  3.    Die  Synode  von  Toledo 389 — 

Achtes  Kapitel.    Die  Kirche  in  Spanien  von  der  Synode  von  Toledo 

bis  zum  Wegzuge  der  Vandalen  nach  Africa  —  Jahr  400—429        395 — 

Neuntes  Kapitel.  Orosius  von  Bracara.  Die  beiden  Avilus  von 
Bracara.  Severus  von  Minorca.  Bachiarius.  Augustinus  ge- 
gen die  Priscillianisten.     Der  Spanier  Consentius    .        .        .        398 — 

Zehntes   Kapitel.  Die  Kirchenprovinz  von  Bätika  (Hispalisj  —  Jahr 

357—589  414— 

Eilftes  Kapitel.    Die  Kirchenprovinz  von  Lusitanien  (Emerita)  420 — 

Zwölftes  Kapitel.     Die   Kirchenprovinz  Tarraconensis   von  357  — 

589  426- 

Dreizehntes  Kapitel.    Die  Kircbenprovinz  von  Toledo   (Carthagi- 

nensis)  —  357—589 442— 

Vierzehntes  Kapitel.    Die  Kirchenprovinz  Galizien,  357—589       •        456— 

Fünfzehntes  Kapitel.  Idatius  und  sein  Chronicon.  Die  Bischöfe 
Pastor,  Syagrius  und  Cartcrius.  Martinus  von  Braga.  Turi- 
bius  von  Aslorga  und  die  angeblichen  Synoden  von  447—448        465— 

Sechszehntes  Kapitel.  Die  Westgothen  in  Spanien.  Leovlgild  und 

Hermenegild 480— 


Fünftes  Buch. 

Die  Synode  von  Elvira. 


Erstes  Kapitel. 

%  1.    Anlass  der  Synode.    Hosios  von  Corduba 

Der  Sturm  der  Verfolg^ung  war  über  die  Kirche  Spaniens  gegangen. 

La  Blute  der  Märtyrer  hatte  sie  sich  bewährt  und  verjüngt     In  diesen 

Blatsengen  hatte  der  Herr  der  Kirche  starke  Säulen  aufgerichtet,  an 

weldien  die  kommenden  Jahrhunderte  der  Ejrche  Spaniens  sich  stärken 

und  sich  erheben  sollten.  —    Manche  hatten  sich  wohl  auch  schwach 

nid  feig  geseigt,  deren  Namen  die  Geschichte  —  vergessen  hat    Jeden- 

bOs  hatten  die  Bisdiöfe  in  dieser  'Verfolgung   keinen  Basilides   luid 

VirtiaL    Sie  hatten  keine  Märtyrer,  aber  doch  Bekenner,  wie  vor  allen 

Hotias  von  Corduba,  Valerius  von  2iaragO£a,  und  vielleicht  auch  Sabinus 

voi  Sevilla.  —  Diodetian  und  Maximian  entsagten  am  1.  Mai  des  Jahres 

305  der  Regierung.   Constantius  Chlorus  wurde  nun  Augustus  des  Abend- 

\    hndes,  und  nahm  seinen  Sohn  Constantin  als  Cäsar  und  Mitregaiten  an. 

Er  selbst  starb  schon  am  26.  Juli  306.  —  Aber  —  mit  seiner  Eriiebung 

dl  Augustus  hatte  die  Verfolgung  im  ganzen  Abendlande  au%ehört   Alle 

8(ti£en  wurden  nachgelassen,  alle  Oefangenen  wurden  freigegeben,  alle 

VcriMumten  durften  surückkehren.    Valerius  von  Saragossa  konnte  also 

■dum  im  Mai  —  Juli  des  J.  306  wieder  in  seinem  Bisthume  seyn;  auch 

Bfiifais,  sei  es,  dass  er  ge&ngen  oder  verbannt  oder  verborgen  war,  konnte 

1^  wieder  firei  wirken. 

•paa.  KIrclM.   IL  1 


2  Fünftes  Buch.     Erstes  Kapitel. 

In  Spanien  aber,  wie  in  andern  Ländern,  trat  jezt  das  Bedürfhiss  einer 
neuen  Ordnung  der  kirchlichen  Dinge  gebieterisch  hervor.  Aber,  was  in 
Afrika  zum  Schisma  der  Donatisten  führte ,  das  wurde  in  Spanien  durch 
die  Einigkeit  der  Bischöfe,  und  dftrch  die  mächtige  Persönlichkeit  des  Bi- 
schofes  Hosius  geordnet.  —  Auch  sonst  —  nach  einem  gewaltigen  Sturme 
—  bietet  die  Erde  den  Anblick  der  Verwirrung  und  Zerstörung  dar.  — 
Es  drängten  Fragen  zur  Entscheidung,  die  nur  im  Einvernehmen  aller 
Bischöfe  gedeihlich  sich  entscheiden  liessen.  —  In  verschiedenen  Bis- 
thümem  waltete  eine  verschiedene  Disziplin,  besonders  in  Betreff  der 
Oefallenen  und  deren  Busse.  Ordnung  sollte  in  die  Verwirrung,  Ein- 
heit in  die  Vielheit  und  Verschiedenheit  gebracht  werden.  Die  Bischöfe 
Spaniens  sollten  zum  erstenmale  zu  einer  gemeinschaftlichen  Berathung 
zusammentreten,  zum  erstenmale  sollte  sich  die  Kirche  Spaniens  als  ein 
Organismus  darstellen.  Bis  jezt  war,  soviel  wir  wissen,  und  wie  es 
durchaus  wahrscheinlich  ist,  in  diesem  Lande  keine  Synode  gehalten 
worden. 

Allein  das  Bedüräu»  nach  Einigung  ist  immer,  nur  mehr  oder 
weniger  dringend,  vorhanden.  Aber  es  fehlen  die  Kräfte,  es  fehlt  der 
Mann,  der  die  zerstreuten  Kräfte  sammelt,  der  das  ausspricht,  was  alle 
fühlen,  der  das  vollbringt,  was  alle  wollen.  —  Einen  solchen  Mann 
hatte  in  jener  Zeit  Gott  der  Kirche  Spaniens  gegeben ;  er  war  die  Seele 
und  das  Haupt  der  Kirche  dieses  Liandes.  Er  sollte  zu  Grösserm  sich 
vorbereiten  und  vorbereitet  werden.  Er  sollte,  indem  er  die  Kirche  in 
Spanien  sammelte  und  einigte,  sich  vorbereiten,  die  über  dem  ganzen 
Erdkreise  verbreitete  Kirche  Gottes  zu  einigen. 

Dieser  Bischof  war  der  grosse  Hosius  von  Corduba.  Wir  nehmen 
mit  Florez  u.  a.  an,  daas  derselbe  im  J.  256  geboren  sei.  Denn  nach 
Ludor  von  Sevilla  starb  er  nach  vollendetem  lOlsten  Lebensjahre  ^)*  Dt . 
wir  sein  Todesjahr  aus  vielfachen  Gründen  in  das  J.  357  sezen,  so 
kommen  wir  auf  das  J.  256  als  das  seiner  Geburt.  Er  war  bei  seinem 
Tode  mehr  als  60  Jahre  Bischof  gewesen.  Also  hatte  er  um  das  J.  296, 
in  einem  Alter  von  40  Jahren ,  den  bischöf liehen  Stuhl  von  Cordobs 
bestiegen,  welcher  damals  der  hervorragendste,  wenigstens  im  südlichen 
Spanien,  als  Bim  des  Prätors  oder  Prooonsuls,  war^).  —  Auch  ihn  tmf 
die  Yerfolgoag  der  Jahre  303 — 5.  Damals  wurde  er  Glaubensbekenneri 
Er  selbst  hat  dieses  ausgesprochen  in  seinem  herrlichen  Briefe  an  den 
Kaiser  Constaatius  vom  J.  355 — 56:  „Ich  habe  schon  in  jener  firtthen 
Zeit  Christum  bekannt,  als  die  Verfolgong  wüthete  unter  deinem  Gro» 
vater  Maximian.    Und  wenn  du  auch  mich  verfolgest,  so  bin  iob  bereM» 


')  Itidor,  de  vir,  übut  cap,  6. 

^  Der  Proprätor  hatte  den  Titel  Proconsul  —  z.  B.  DiguU  /,  ß,  S^  st  rtaorip^ 

dwiPS  ad  Adhan  Marekmum,  proeoruulm  BattkiH  —  Bedc^r- MarqfiiirdC,  d(l>9 

S.84. 


f.  1.    AdIam  der  Synode.     Hosiu»  von  Cordoba.  3 

dier  «lies  zu  duldeiii  als  daas  ich  unschuldig  Blut  vergieflse,  und  die 
Walu-keit  verleugne  *).^  —  Nach  Saragossa  hat  in  dieser  Zeit  Corduba 
der  Kirche  und  dem  Himmel  die  meisten  Märtyrer  geschenkt.  Und 
wie  wir  dort  den  mächtigen  Einfluss  des  gewaltigen  Vincentius  nicht 
Terkennen,  so  woUen  wir  hier  den  Einfluss  des  die  Geister  beherrschen- 
den Hoaius  nicht  geringschäzen.  Vielleicht  ^  dass  er  beim  Martyrium  des 
FanstuB  und  seiner  beiden  Gefährten  noch  zugegen  war,  dann  aber 
Tcrfolgt  wurde.  —  Dieser  Bekenner  Hosius  war  es  denn  auch|  der  die 
Synode  von  Elvira  leitete,  und  in  ihr,  wenigstens  der  Kraft  des  Geistes 
nach,  den  Voniz  führte;  der  sie  leitete,  nachdem  er  sie  eingeleitet  hatte. 

Athanasius  giebt  uns  ein  indirectes  Zeugniss  dafür,  wenn  er  zum 
Ruhme  des  Hosius  sagt:  „Wo  hätte  je  eine  Synode  stattgefunden,  bei 
welcher  er  nicht  den  Vorsiz  geführt  hätte?  Geschah  es  je  einmal,  dass 
er  durch  seine  weisen  Aussprüche  nicht  alle  zu  seiner  Meinung  hinüber- 
geiogen  hätte?  Welche  Kirche  hat  nicht  die  schönsten  Denkmäler  seines 
Schuzes  aufzuweisen  ^)  ?^  —  Wir  haben  kein  Becht  und  keinen  Grund, 
bei  diesen  Worten  die  Synode  von  Elvira  auszuschliessen,  vielmehr  ist 
sie  eingeschlossen.  —  Denn  mag  auch  Athanasius  hiebei  zunächst  an 
die  Synoden  von  Nicäa  und  von  Sardika  gedacht  haben ,  so  folgt  nicht, 
dasB  er  an  die  Synode  von  Elvira  nicht  gedacht,  weil  er  nichts  von  ihr 
gewuast.  Das  Gegentheil  ist  vielmehr  gewiss.  Hosius  selbst  hat  dieses 
roxausgesezt,  und  er  war  in  der  Lage,  es  wissen  zu  können.  Zu  den 
Kachofen  in  Sardika,  in  deren  Mitte  auch  Athanasius  war,  sprach  er; 
Ihr  erinnert  euch,  dass  in  einer  frühem  Synode  zur  Zeit  unserer  Väter 
fes^estellt  wurde,  u.  s.  w.,  wobei  er  auf  den  Canon  21  von  Elvira  in 
Betreff  des  Kirchenbesuches  zu  sprechen  kommt  ^).  Hosius  sezt  also  die 
Bekanntschaft  mit  dieser  Synode  bei  allen  anwesenden  Bischöfen  des  Mor- 
gen- und  Abendlandes  voraus,  und  wenn  Einer,  so  war  Athanasius  mit 
der  nähern  Geschichte  derselben  bekannt,  weil  er  so  vielfi&ch  im  Ver- 
kehre mit  Hosius  gelebt  hatte.  In  den  Worten  desselben:  welche  Sy- 
node hätte  er  nicht  geleitet,  d.  h.  den  Vorsiz  geführt,  ist  auch  die  von 
Elvira  eingeschlossen. 

An  der  Jugend  des  Hosius  braucht  man  nicht  Anstoss  zu  nehmen; 
dann  wenn  die  Synode  in  den  J.  305  —  8  stattfand,  was  doch  heute 
Ami  ich  allgemein  angenommen  wird,  so  war  er  damals  fünfzig  Jahre  alt. 
Von  den  neunzehn  Bischöfen  aber,  welche  in  Elvira  versanmielt  waren, 
and  ausser  Hosius  noch  drei  bekannt,  d.  h.  sie  werden  noch  ausserdem 
erwähnt,  ohne  dass  man  Näheres  über  sie  erführe.  Es  ist  Liberius, 
Bidiof  von  Emerita,  der  auch  auf  der  Synode  von  Arles  im  J.  314 
«ntcfschrieben  hat     Man  beachte,  dass  der  Vater  der  heiligen  Eulalia 


')  AAma;  kmtor,  Äntmor,  ad  wumtuAoSf  e,  44. 

*)  <t*iifli,  ^po^.  de  fiiga  «na,  oqp.  J.  ed.  Mimtfamon^Migne, 

*)  Qmm.  11.  CamoL  Sardk. 


4  Fflnftes  Bach.     Erstes  Kapitel. 

denselben  Namen  trag^  und  es  mag  jedem  Leser  überlassen  bleiben, 
darauf  seine  oder  keine  Vermuthungen  zu  gründen  über  die  Identität 
oder  Verschiedenheit  beider  Männer.  Auch  Sabinus  von  Sevilla  ist  oben 
erwähnt  -worden.  Er  hat  den  Leichnam  der  Martyrin  Justa  aus  dem 
Brunnen  gezogen,  doch  ist  es  nicht  ohne  Bedenken  zuzugeben,  ob  es 
derselbe  Sabinus  war  (Gabinius  heisst  er  auch).  Es  ist  drittens  Valerius 
von  Zaragoza,  der  Glaubensbekenner,  welcher  durch  Dacian  im  J.  805 
(nach  den  Meisten  304)  verbannt  wurde. 

Man  denkt  zunächst  an  Valerius,  wenn  es  sich  um  die  Einleitung 
und  Leitung  der  Synode  von  Elvira  handelt.  Man  denkt  sich  ihn  als 
einen  Mann,  ehrwürdig  durch  sein  Alter  und  seine  Leiden,  der  Chri- 
stum standhaft  bekannt  hat,  der  jezt  in  harter  Verbannung  noch  fester 
geworden  ist.  Allein  die  Schilderung,  welche,  in  den  Martyrakten  des 
Vincentius,  über  die  Persönlichkeit  des  Valerius  gegeben  wird,  zeigt 
uns,  dass  er  nicht  die  Gabe  hatte,  zu  herrschen  und  andere  zu  leiten. 
Es  heisst:  Da  dieser  Bischof  eine  schwere  Zunge  hatte,  so  übergab  er 
das  Lehramt  dem  Vincentius,  und  beschäftigte  sich  selbst  nur  mit  Gebet 
und  mit  Betrachtung  der  göttlichen  Dinge.  —  Bei  dem  Verhöre  in 
Valencia  aber  antwortete  Valerius  dem  Dacian  kein  Wort  Er  überliess 
das  Wort  und  die  Thaten  dem  Vincentius.  Darum  behandelte  ihn  Da- 
cian mit  Geringschäzung:  Bringt  diesen  Bischof,  sagt  er,  hinweg.  Er 
hat  es  verdient,  in  die  Verbannung  zu  gehen.  Es  ist  möglich,  dass 
Dacian  das  Schweigen  des  Bischofes  für  Furchtsamkeit  und  halbes  Nach- 
geben betrachtete.  Das  Schicksal  des  Valerius  war  jedenfiJls  durch 
diese  Verbannung  nicht  erschwert,  sondern  erleichtert.  Selbst  die  Spa- 
nier, die  doch  ein  Literesse  daran  haben,  den  Valerius  zu  erheben, 
geben  zu ,  dass  er  innerhalb  Spaniens  verbannt  war.  Seine  Verbannung 
bestand  wohl  in  nichts  anderm,  als  dass  er  jezt  nicht  in  sein  Bisthum 
zurückkehren  durftie.  Aber  schon  im  Mai  oder  Juni  des  J.  305  war  ihm 
dieses  gestattet.  Ein  solcher  Mann  aber  war  nicht  geeignet,  Haupt  und 
Seele  einer  Synode  zu  seyn.  Er  kam  nach  Elvira,  weil  er  dazu  ein- 
geladen war,  vielleicht,  weil  die  Bischöfe  von  Leon  und  von  Fibularia 
ihn  mit  sich  nahmen. 

Alles  diess  ist  kein  historischer  Beweis,  dass  Hosius  die  Synode 
von  Elvira  veranstaltet  und  geleitet  habe.     Die  indirecten  Beweise  aber 

sind  doch  so  stark,  dass  es  gewagt  wäre,  das  G^gentheil  anzunehmen. 

■ 

§.  2.    Die  Synode  fand  nicht  statt  vor  der  Diodetianischen 

Verfolgung. 

Wir  konmien  zu  der  Zeit  der  Synode  von  Elvira.  Es  wird  von 
Niemand  geleugnet,  dass  dieselbe  eine  Kirchenverfolgnng  vorausseze,  sei 
es,  d^ßs  diese  stattgefunden,  oder  dass  sie  befürchtet  wurde,  pder  dass 
Beides  zugleich  der  Fall  war.    Morinus  sezt  die  Synode  vor  das  J.  252. 


S.  2.     Die  Synode  fknd  nicbt  atott  vor  der  Diodetianischen  Verfolgung.      5 


Memang  liegt  ein  richtiger  Gedanke  za  Grunde ,  der  aber  ohne 
katarische  Anhahspunkte  ist  Er  meint,  dass  die^ffischöfe  yon  Elvira 
nach  der  Entscheidung  der  Frage  von  der  Eirchenbusse,  womach  allen 
6e£dlenen  am  Ende  des  Lebens  die  Kirchengemeinschaft  im  weitem 
und  engem  Sinne  nicht  Terweigert  werden  dürfe,  —  solche  Beschlüsse 
nicht  mehr  hätten  fassen  können,  welche  die  Gemeinschaft  verweigerten« 
Ich  bin  derselben  Ueberzeugung,  dass  sie  es  nicht  durften.  Aber  ich 
sage,  dass  sie  es  gethan  haben,  und  dass  sie  hierin  von  der  Uebung 
der  andern  Kirchen,  besonders  der  römischen,  abgegangen  sind.  Die 
Bischöfe  Hosius,  Liberius  und  Valerius,  die  im  Anfange  des  vierten 
Jahrhunderts  lebten,  konnten  aber  nicht  wohl  vor  252  Bischöfe  gewesen 
sejn,  sonst  wäre  Hosius  ja  wenigstens  105  Jahre  Bischof  gewesen,  und 
er  erreichte  nur  ein  Alter  von  101  Jahren. 

Fast  alle  Spanier,  welche  ausführlicher  über  die  Zeit  der  Synode 
gehandelt  haben,  sezen  dieselbe  vor  das  Jahr  304,  in  die  Zeit  von 
300  bis  303,  unmittelbar  vor  der  grossen  Kirchenverfolgung.  Pseudo- 
Dexter  und  der  gelehrte  Gonzalez  Tellez  sezen  sie  in  das  J.  300.  Denn 
der  Archidiakon  Vincentius  muss  durchaus  seinen  Bischof  Valerius  nach 
Elvizm  begleitet  haben.  —  Ferdinand  Mendoza  ist  für  die  Jahre  300 
oder  301.  —  Der  Kardinal  Aguirre  kommt  in  einer  ausführlichen  Dis- 
sertation zu  dem  Resultate  des  J.  303,  unmittelbar  vor  dem  Ausbmche 
der  Verfolgung.  Florez  sagt  gleichfalls,  die  Synode  habe  stattgehabt 
TOT  dem  Anfange  der  grossen  Verfolgung.  Er  geht  von  der  irrigen 
VoraiisBeEang  aus,  dass  Valerius  vor  dem  Frieden  des  Constantin  in  der 
Verbannung  starb,  wofür  ich  keinen  Beweis  aus  einem  frühem  Autor 
finden  kann  ^).  —  Spätere  haben  diess  angenommen,  um  den  Valerius 
mehr  za  erheben.  —  Er  neigt  sich  schliesslich  zu  dem  J*  300  oder  301« 

Zo  dem  gleichen  Ergebnisse  kommt  Alexander  Natalis:  Die  Synode 
ist  gehalten  worden,  als  die  Verfolgung  des  Diocletian  bevorstand.  Er 
meint,  die  Verbannung  des  Valerius  habe  eben  nach  dem.jJ*  305  noch 
fortgedaaert,  und  weil,  nach  der  starken  Phantasie  einiger  spanischer 
Schriftsteller,  Valerius  in  keinen  Ort  oder  eine  Stadt  habe  gehen  dürfen, 
die  mehr  als  zwanzig  Häuser  gehabt,  habe  Valerius  nicht  nach  Elvira 
gehen  dürfen.    Doch  giebt  er  ein  bestimmtes  Jahr  nicht  an^). 

Tillemont  entscheidet  sich  für  das  J.  300,  in  seiner  sei  es  beschei- 
denen, sei  es  unentschiedenen  Weise  ^).  Er  erklärt  es  als  gewiss,  dass 
Valerins  in  dieser  Verfolgung  gestorben,  und  giebt  den  Grund  dafür 
n,  dass  er  Märtyrer  genannt  werde.  Wäre  er  aber  auch  gestorben, 
10  konnte  doch  sein  Nachfolger  wieder  Valerius  heissen.  Denn  der  Sy- 
node vom  J.  380  in  Saragossa  wohnte  gleichfalls  ein  Bischof  Valerius  von 


')  Florez,  12,  180 — 191.  —   del  htgoTf  y  tiempo  en  que  se  ceUbro  este  Condiio, 

*)  Alex.  NaL  taee,  3,  dmert,  21,  De  conciUo  lüSberitano, 

^  mmomt,  memoire^,  5,  320;  7,  302-,  besonders  7,  711  —  715, 


6  FBaftet  Bvch.    Etitei  Kapitd. 

Stngossa  an;  und  —  Prudeuüug  sprieht  ja  .tob  dem  mTufiriai  Haine 
der  Valerier'  *j ,  d.  h.  Ton  dem  Geschlechte  der  Valerier,  ans  weldiem 
in  jener  Zeit  die  BischSfe  von  Saragossa  henrorgiengen.  Dass  damals 
in  gewissen  Geschlechtem  die  BisthQmer  in  Spanien  sieh  forterbten, 
weiss  man  ohnedem ,  u.  a.  aas  den  Sjnodalschreiben  des  Papstes  Hila- 
rins  an  den  Metropoliten  Ascanios  Ton  Tarraco  mid  die  Bischöfe  sdner 
Provinz^;.  Die  Schlossfolgerong  des  Tillemont  ist  demnach  irrig ,  weH 
man  schon  zwei  Bischöfe  Valerins  Ton  Saragossa  kenne ,  dfirfe  man 
einen  dritten  nicht  annehmen.  Wir  kennen  auch  rwei  BischSfe  Sabini» 
Ton  SeyAIa;  und  es  ist  wahrscheinlich,  dass  der  Presbyter  Sabinns  in 
Arles  Ton  Sevilla  Coadjntor  nnd  Nachfolger  seines  Oheims  oder  doch 
Verwandten  Sabinns  wurde. 

Remy  Ceillier  ist  derselben  Ansicht  Valerins  war  in  den  Jahren 
908  und  304  nicht  mehr  Bischof  Ton  Zaragoza;  er  wnrde  Märtyrer  spä- 
testens im  J.  305 'j.  Aber  wamm  steht  er  denn  nicht  ab  Heiliger  nnd 
Märtyrer  in  der  gothischen  Litnrgie?  Weil  er  es  nicht  war.  Wer  die 
Akten  des  heiligen  Vincentins  mit  Anfinerksamkeit  liest ,  wird  einaeheo, 
dass  er  nnd  warum  er  es  nicht  wnrde.  Hllt  man  es  für  mdglidi,  dass 
Prudentins,  der  seine  Hymnen  einem  Bischof  Valerins  von  Zaragoza 
widmete,  darüber  geschwiegen  bitte?  In  seinem  Hymnus  auf  Vincen- 
tins geht  er  vielmehr  sehr  vorsichtig  über  Valerins  hinw^;  er  wollte 
ihn  nicht  erwähnen,  weil  er  ihn  nicht  rühmen  konnte.  —  Alle  Mär- 
tyrer dieser  Zeit,  auch  die  Bekennerin  Leocadia,  von  der  Mariana*) 
unbefugter  Weise  sagt ,  „dass  sie  aus  Furcht  vor  den  Feinen ,  nnd  durch 
den  Schmnz  des  Gefängnisses  gestorben  sei'' ,  haben  ihre  eigenen  Feste. 
—  Und  ein  Bischof,  der  einzige  Bischof,  welcher  in  dieser  Verfolgung 
sein  Leben  für  den  Glauben  gelassen,  er  gerade  wäre  übergangen  worden? 
Es  ist  undenkbar.  —  In  Saragossa  selbst  wird  Valerins  nur  als  Bekenner 
verehrt  Ein  Brevier  von  Saragossa  vom  J.  1572  sagt  nur,  dass  Vale- 
rins und  Vincentins  mit  einander  in  Banden  nach  Valencia  geführt  worden. 
Valerins  habe  sich  selbst  —  nach  seiner  Verbannung  —  den  Ort  Enetum 
bei  Barbastro,  nordöstlich  von  Saragossa,  als  Wohnsiz  auserwählt,  und 
dort  sei  er  eines  seligen  Todes  gestorben  im  J.  315  nach  Chr.  —  Wenn 
dem  so  ist,  wie  man  in  Zaragoza  glaubt,  wer  verhinderte  ihn  dann, 
im  J.  305  oder  306  nach  Elvira  zu  kommen? 


*)  DomuM  Valeriorum  in/ukUa,  Siehe  Bd.  1,  S.  322.  —  Die  Uebersezung  Silbert^s 
ist  anrichtig:  Hier  ist  der  Volmer  Bitchofnooknung  Infel  geeckmücket  Das  Hau 
oder  Geschlecht,  nicht  die  Wohnnng  war  Träger  der  infol,  d.  h.  hatte  liaeh 
damaliger  Sitte  die  Bischofswürde  im  Besize. 

*)  Collectio  canonum  eccl.  Hisp.  Epietolae  decretcUes  Hilarü  papae, 

*j  R,  Ceillier f  Hietoire  gin&ale  des  out.  eccl  ed.  von  1858,  /.  ^,  p,  602—615:  —  Le 
concÜe  tenu  a  Elvire. 

*)  Marianaf  4,  12,  —  Lsocadia  virgo  crudtUinim  metu  et  paedore  (fietort)  careeris 
exammaia  perüL 


f.  3.     Die  Synode  hat  bald  nach  der  Verfolgang  BtattgefoDden. 


Eine  eigenfhümliche  Anmoht  vertritt  Aguirre^).  Die  Synode  ist 
geUten  worden  im  Mai  des  Jahres  308.  In  Rom  war  das  Edikt  der 
Verfolgung  im  Märe  —  am  Charfireitage,  den  21.  MXrz  —  angeschlagen 
worden,  die  Nachricht  davon  sei  nach  Spanien  sehr  schnell  gekommen; 
und  die  Bischöfe  hätten  noch  schnell  vor  dem  wirklichen  Ausbn^she  der 
Verfolgung  eine  Synode  gehalten,  um  sich  zu  gemeinsamen  Massregeln 
ni  vereinigen.  —  Es  giebt  überhaupt ,  und  es  giebt  im  vierten  Jahr- 
hundert im  Besondem  kein  Concü,  das  im  Anblicke,  oder  in  Erwartung 
einer  nahenden  Verfolgung  wäre  gehalten  worden.  Wie  konnte  man 
denn  in  Spanien  ahnen  oder  vermutben,  dass  eine  solche  Verfolgung 
im  Anzüge  sei?  Das  wusste  man  nicht  einmal  im  Kaiserpalaste  zu  Ni- 
eomedien ,  das  wussten  nicht  einmal  Diocletian ,  Gkderius  und  MA^rim^n^ 
—  ehe  es  beschlossen  war.  Wie  hätte  man  denn  in  dem  am  Ende  der 
Welt  gelegenen  Spanien  vermuthen  können,  dass  nach  vierzigjährigem 
Frieden  der  Kirche,  und  nachdem  Diocletian  die  Ejrche  achtzehn  Jahre 
in  Rohe  gelassen,  plözlich  ein  solcher  Sturm  gegen  sie  ausbrechen  sollte? 
Es  ist  gegen  alle  historische,  wie  gegen  alle  psychologische  Olaubwür- 
£g^eit,  dass  die  Sjnode  vor  einer  Verfolgung  sollte  stattgefunden  haben. 

Hätten  aber  ^e  spanischen  Bischöfe  nach  der  Hypothese  von  Aguirre 
gehandelt,  so  wäre  sicher  das  mit  ihnen  geschehen,  was  Pseudo-Dexter 
ond  Consorten  in  der  von  ihnen  fingirten  Synode  dos  J.  67  zu  Elvira 
geschehen  lassen');  d.  h.  die  spanisdien  Statthalter  hätten  diese  gün- 
stigste Gelegenheit  gewiss  nicht  versäumt,  sich  des  spanischen  Episco- 
pates  in  seiner  Qesammtheit  zu  bemächtigen.  Was  Aguirre  hier  den 
Bischöfen  zumuthet,  das  zu  thun  wäre  eine  unsägliche  Thorfaeit,  ja  Ver- 
blendung gewesen. 

§.  3.     Die  Synode  hat  bald  nach  der  Verfolgung  statt- 
gefunden. 

Die  Synode  kann  aber  nicht  lange  nach  der  Verfolgung  stattgefun- 
den haben ,  weil  ihre  Bcstimmimgcn  unter  dem  unmittelbaren  Eindrucke 
finer  vorangegangenen  Verfolgung  und  vieler  Abfälle  verfasst  sind.  — 
Die  Ueberschrift,  dass  das  Concil  zu  den  Zeiten  des  Kaisers  Constantin 
gehalten  worden,  verliert  alle  Bedeutung,  wenn  man  erwägt,  dass  damit 
Dar  die  ungefähre  2jeit  des  Concils  unter  der  Regierung  Constantin's 
agedentet  werden  soll.  In  der  Sammlung  der  Canones  der  Kirche 
Spaniens  trägt  das  erste  Concil  zu  Arles,  welches  314  gehalten  wurde, 
^selbe  Ueberschrift.  Wäre  aber  die  Ueberschrift  über  den  Akten  von 
Elvira:   „Zu  Zeiten  des  Kaisers  Constantius^,  richtig,  so  wäre  dieses 


*>  Affuirre  eondL  Ilup.  L  2,  wd,  CataUmi  1753  ~  p,  9  —  15. 
V  Siehe  Bd.  1,  S.  194. 


8  FttDilei  Boch.    Entd  K^iteL 

eine  erwünBcbte  Bestätigung  unserer  Annahme.  Denn  Gonstantius  Chlorus 
lebte  ja  noch  im  Mai  des  J«  306;  er  war  Augustus,  während  Conatan- 
tinui  Cäsar  war.  Mariana  neigt  sich  zu  der  Annahme^  dass  die  Synode 
von  Elvira  325  gehalten  wurde  ^  wenigstens  spricht  er  in  seiner  cur- 
sorischen Weise  unmittelbar  nach  dem  Concile  von  Nicäa  von  der  Sy- 
node zu  Elvira  ^). 

Nach  Baluzius  Seuid  die  Synode  in  den  J.  314 — 25  statt  Seine 
Gründe  haben  aber  bei  Niemand  Anklang  gefunden.  Harduin  hat  sich 
für  das  Jahr  313  entschieden,  weil  die  Canones  von  Arles  —  314  — 
viele  Aehnlichkeit  mit  denen  von  Elvira  hätten.  —  Diese  Hypothese  ist 
ohne  Halt  Mansi  entscheidet  sich  für  das  J.  309.  Denn  im  J.  309 
seien  die  Idus  des  Mai  auf  einen  Sonntag  gefallen,  und  später  seien  die 
Synoden  an  Sonntagen  eröffnet  worden.  Aber  —  man  darf  spätere 
Uebungen  nicht  auf  die  erste  spanische  Synode  übertragen ,  die  in  an- 
dern noch  wichtigem  Punkten  von  den  spätem  Uebungen  abwich. 

Die  Neueren  seit  Baronius  stimmen  denn  auch  für  die  J.  305  oder  306. 
Es  handelte  sich  in  Elvira  um  die  Behandlung  der  Ge£Edlenen;  und  man 
musste  jezt,  nach  der  Verfolgung,  eine  gemeinsame  Disziplin  in  Spanien 
einführen,  sonst  war  die  ganze  Bedeutung  der  Kirchenbusse  in  Frage 
gestellt  Die  Synode  wurde  am  15.  Mai  gehalten,  entweder  begonnen, 
oder  beschlossen «);  Diese  Ueberschrift  wird  allseitig  als  acht  anerkannt 
Im  Mai  des  J.  305  konnte  die  Synode  noch  nicht  stattfinden.  Also 
könnte  man  schwanken  zwischen  dem  Herbste  des  J.  305,  oder  dem 
J.  306.  Da  aber  der  Monat  der  Versammlung  genannt  ist,  so  ist  es 
das  Wahrscheinlichste,  dass  sie  im  Mai  des  J.  306  stattgefunden  habe. 
—  Die  Verfolgung  war  dann  einerseits  noch  in  frischem  Andenken, 
anderseits  hatte  man  sich  im  Laufe  eines  Jahres  überzeugen  können, 
dass  die  Bischöfe  bei  einer  Versammlung  nicht  mehr  von  der  weltlichen 
Obrigkeit  GtefiEdir  zu  befürchten  hätten. 

§.  4.    Der  Ort  der  Versammlung. 

Geographisch  lag  Elvira  nicht  in  der  Mitte  Spaniens,  auch  nicht 
in  der  Mitte  des  christlichen  Spaniens.  Aber  —  die  Synode  musste  in 
der  Provinz  Bätika,  oder  doch  im  Süden  von  Spanien  seyn,  weil  sich 
hier  die  meisten  Bischöfe  &nden.  Die  Synode  musste  ferner  an  dem 
Size  eines  Bischofes  seyn.  Die  Synode  musste  an  einem  möglichst  ab- 
gelegenen, und  doch  zugänglichen  Orte  stattfinden.     In  Cordova  und 


')  Mariana,  4, 16, 

*)  Sie  kann  am  I.Mai  306  eröffnet,  am  15.  Mai  geschlossen  worden  seyn;  die 

zweite  (erste)  Synode  zu  Braga  vom  J.  563  wnrde  am  1.  Mai  eröflhet  (Hefcle, 

C.  G.  8}  18). 


f.  4.     Der  Ort  der  Versaminlang.  9 

SeriUi  hätten  die  StatthiJter,  und  wohl  auch  die  Masse  der  Heiden 
geBiQrt  Basti,  Malaca,  Urci,  Eliocroca  lagen  zu  weit  auf  der  Seite. 
Aed  wmr  Centralpunkt  aller  Strassen,  und  liegt  in  einem  allzu  engen 
TbalkesseL  Die  Wahl  konnte  zwischen  vier  Bischofsstädten  schwanken, 
Castolo,  Egabra,  Martos  und  Elvira.  Aber  Castulo  lag  an  den  Heer- 
strassen ,  Martos  (Tucci)  liegt  ähnlich  wie  Acci.  Bei  der  Wahl  zwischen 
Egahra  und  Elvira  entschied  vielleicht  die  grössere  Wichtigkeit  der 
leztem  Stadt,  vielleicht  nicht  die  schönere  Lage;  denn  auch  Cabra  liegt 
in  einer  paradiesischen  Gegend,  Elvira  konnte  auch  zum  Theil  gewählt 
worden  aeyn ,  weil  das  Bisthum  von  dem  heiligen  Cäcilius  gestiftet  war. 
Jedenfidla  war  diese  Wahl  —  die  beste. 


Zweites   Kapitel. 

Die  Bischöfe  von  Elvira. 

Neunzehn  Bischöfe  waren  in  Elvira  versammelt.  Sie  sind  nach  dar 
Jleihenfolgc  ihrer  Unterschriften:  I)  Felix  Accitanus;  2)  Osius  Cordu- 
bensis;  3)  Sabinus  Hispalensis;  4)  Camerinus  Tuccitanus;  5)  Sinagius 
Epagrensis;  6)  Secundinus  Castulonensis ;  7)  Pai*dus  Mentesanus;  8)  Fla- 
vianus  Eliberitanus ;  9)  Cantonius  Urcitanus;  10)  Liberius  EmeritensiB; 
11)  Valerius  Cäsaraugustanus;  12)  Deccntius  Legionensis;  13)  Melantiiii 
Toletanus;  14)  Januarius  de  Fibularia;  15)  Vincenlius  Ossonobenais; 
16)  Quintianus  Elborensis;  17)  Succesus  de  Eliocroca;  18)  Eutychianiii 
Bastitanus;  19)  Patricius  Malacitanus. 

Von  diesen  neunzehn  Bisthümern  sind  uns  fünfzehn  ohne  weitoe 
Untersuchungen  bekannt.  Wir  kennen  die  Lage  von  Acci  =  GoadiXi 
von  Corduba  =  Cordova,  von  Hispah's  =  Sevilla,  von  Tucd  =  Martoei 
von  Castulo  =  Cazlona,  von  Elvira  =  Granada,  von  Urci  bei  Vera,  von 
Emerita  —  Merida,  von  Cäsaraugusta  ==  Zaragoza,  von  Legio  =  LeoDi 
von  Toletum  =  Toledo,  von  Ossonoba  in  Algarvien  bei  Estoy  oberhalb 
des  heutigen  Villanova,  von  Eliocroca  =  Lorca,  von  Basti  =  Baza,  v(A 
Malaca  =  Malaga. 

Es  wäre  also  nur  zu  fragen),  ob  Elbora  das  heutige  Erzbisthiai 
Evora  in  Portugal,  ob  Mentesa  das  heutige  Guardia  südlich  von  Jafii^ 
ob  Epagra  das  heutige  Cabra  in  Andalusien,  endlich  welche  Stadt  Fiba- 
laria  sei. 

Von  den  Anfängen  der  Bisthümer:  1)  Acci;  2)  Corduba;  3)  Se- 
villa; 4)  Castulo;  5)  Elvira;  6)  Urci;  7)  Emerita;  8)  Leon;  9)  Sara- 
gossa —  ist  in  diesem  Werke  öfters  schon  gehandelt  worden.  Die  Stadt 
Tucci  =  Martos  liegt  auf  dem  Wege  von  Jae'n  nach  Cordova,  ziemlich 
nahe  bei  Jae'n;  es  biess  auch  Civitas  gemella,  oder  einfiach  Oemell«! 


Die  Btseh5fle  von  Elvira.  11 

bne  Zweifel ,  weil  sich  auch  hier,  wie  in  Acci,  Soldaten  zweier  Legionen, 
der  doch  Soldaten  einer  Legio  gemina ,  rielleicht  eben  der  in  Spanien 
teknden  Doppell^on  Gemina,  angesiedelt  hatten.  Die  heutige  Villa 
[■tos  mit  etwa  14,000  Seelen  hat  ihren  Namen  von  (Civ.)  Martis,  nach 
cm  brannten  Geseze,  dass  in  der  spanischen  Sprache  namentlich  das 
in  O  übergeht,  wie  Mjrtilis  in  Mertola,  Luci  (Lucas?)  in  Lugos, 
rigantium  in  Betanzos;  Agiria  in  Daroca,  etc.  *)  Die  Villa  liegt  am  Fusse 
bes  sehr  steilen  Felsenberges ,  auf  dem  eine  sehr  alte  Burg  steht.  Das 
]te  Bisthnm  Tucd  reichte  nördlich  bis  an  und  über  den  Bätis;  denn 
lEtnrgis  gehörte  zu  demselben. 

Das  Bisthum  Epagra  —  lag  zwischen  Elvira  und  Cordova.  Es 
köflst  auch  Ebagra,  und  gewöhnlich  Egabra.  Man  muss  aber  zwischen 
Eptgro  und  Egabra  wohl  unterscheiden.  In  dem  Geseze  13(1)  der  West- 
gothen  wird  Egabro  und  Epagro  neben  einander  genannt  ^).  Noch  deut- 
Gcher  unterscheidet  das  Concil  der  Aera  877  (839) ,  welches  zu  Cordova 
^Iten  wurde.  Die  Kirche  des  heiligen  Casianus  liegt  auf  dem  Ter- 
itorium  von  Egabra,  in  der  Villa,  die  Epagro  heisst,  und  nahe  der 
kidt  Egabro,  welche  unter  dem  Metropoliten  von  Hispalis  steht.  Dar- 
■di  ist  Epagro  der  kleinere  Ort,  und  liegt  im  Gebiete  von  Egabra'). 

Man  unterscheidet  heute  ein  doppeltes  Cabra,  das  Cabra  del  Crlsto, 
IS  am  östlichen  Ende  des  Bisthumes  Jaen  liegt,  und  das  Cabra  In  einer 
er  MhÖDsten  Gegenden  Andalusiens,  welches  beute  im  Bisthume  Cor- 
lora  —  und  9  Leguas  davon  entfernt,  24  Leguas  von  Sevilla  entfernt  ist. 

-  Min  könnte  sich  versucht  fühlen,  das  Cabra  del  Santo  Cristo  für  das 
Ite  Bisthum  zu  halten.  Aber  auf  einer  im  J.  618  zu  Sevilla  gehaltenen 
jnode  beschwerte  sich  der  Bischof  Teudulf  von  Malaga,  dass  ehemalige 
&rreien  seines  Bisthumes  (die  diesseits  der  Gebirge  von  Ronda  und 
ütequera  lagen)  von  den  Bischöfen  von  Astigi,  Egabra  und  Elvira 
iin  vorenthalten  werden^).  —  Daraus  sieht  man,  dass  das  Bisthum 
Igabra  näher  bei  Malaga  lag,  und  dass  Egabra  das  heutige  Cabra  ist. 

-  IMe  Stadt  Ulla,  vier  Meilen  von  Cordova,  gehörte  in  dieses  Bisthum. 
Ton  ülia  war  ein  Presbyter  bei  dem  Concil  von  Elvira.  In  dieses  Bis- 
bmn  gehörte  ferner  das  Municiplum  Ipscense.  Antiquaria,  das  heutige 
btequera,  scheint  einer  der  bestrittenen  Orte  zwischen  Malaca  und 
Epbra  gewesen  zu  seyn.  Dessgleichcn  Singill,  ebenso  Barbe  oder  Barbo. 
iadi  das  heutige  Bisdium  Malaga  reicht  nördlich  bis  zum  Xenil ,  nur 
licr  L^:aa8  von  Cabra. 


^  Sa^bmm,  voeabmlair^,  1861,  p.  XXIX. 

*)Flom,  7, 105;  13,2. 

*)  Helfferich,   der  wettgothitche  Arianismus,  1860,  S.  113.  —     Cannni  haben- 

Cm  tccUnam  supra  arenam  constructamf   quae  sita   est   in   territorio  Egabrense,   tdUa 

fWK  vacatur  Epagro^  atque  civitati  Egabro  vkma, 
*)  Gnk.  EupaUnte  IL  —  m  Cimeä.  Hupan,  ed.  Chmsohx, 


12  Fünftes  Buch.     Zweitat  Kapitel. 

Bei  dem  Bisthume  Mentesa  handelt  es  Mch  gleichfidia  um  die  Frage 
ob  Mentesa  Bastia,  bei  TugiA,  oder  ob  Mentesa  sUdlicfa  von  Jafin  Sil 
des  alten  Bisthumes  war.  Es  lag  so  nahe  bei  Ja€n,  dass  Manche  « 
für  eine  und  dieselbe  Stadt  mit  JaSn  hielten.  Die  Meisten  aber  glauben 
es  sei  da  gestanden,  wo  sich  heute  auf  steiler  Felsenhöhe  der  Qr 
la  Ouardia  befindet,  der  den  Titel  einer  Gra&chaft  führt  Es  ist  ein< 
Legua  von  Ja^n,  und  fünfzehn  Leguas  von  Granada  entfernte  Voi 
dieses  südliche  Mentesa  (der  Oretaner)  rückte  Tarik  kurze  Zeit  nach  da 
Schlacht  am  Guadalete  bei  Xeres.  ,  Tarik  kam  mit  dem  Heere  nad 
Mentesa  bei  Jaen ,  und  zerstörte  diese  Stadt  voq  Grund  aus  ^).  —  Di 
später  keine  Bischöfe  von  Mentesa  mehr  erwähnt  werden,  so  dürfte  darin 
ein  Hauptgrund  für  die  Annahme  liegen,  dass  nicht  Mentesa  Bastisy 
sondern  dieses  südlichere  Mentesa  der  Siz  des  alten  Bisthumes  ge- 
wesen seL 

Bei  dem  Bisthume  Elbora  handelt  es  sich  wieder  um  die  Frage,  ob 
Elbora  am  Tajo,  oder  das  heutige  Evora  in  Portugal  Siz  des  Bisthumes 
war.  Wir  haben  uns  oben  für  die  Annahme  entschieden ,  dass  die  Har- 
tyrer  Yincenz,  Sabina  und  Christeta  aus  Elbora,  dem  heutigen  Tala> 
vera,  stammten,  wir  sehen,  dass  in  den  altspanischen  (Toncilien  die  be- 
treffenden Bischöfe  sich  immer  von  Elbora,  und  nie  von  Ebora^  wie 
doch  das  heutige  Evora  in  der  alten  Zeit  hiess,  unterschrieben  haben. 
Darum  legt  sich  der  Schluss  nahe,  dass  die  also  Unterschriebenen  ehea 
nicht  Bischöfe  des  heutigen  Evora,  sondern  von  Elbora  =  Talavera  ge- 
wesen seien. 

Auf  der  andern  Seite  können  wir  uns  aber  doch  der  ErwiSgung 
nicht  entziehen,  dass  das  Municipium  Ebora,  schon  nach  den  Alta> 
thümem,  die  hier  entdeckt  wurden,  eine  ungleich  bedeutendere  Stadt 
als  Elbora  am  Tajo  war;  und  darum  neigen  wir  uns  zu  der  Annahme,  dass 
das  heutige  Evora  in  der  Zeit  vom  J.  300  bis  711  Elbora  geheissen  habe, 
und  dass  es  Siz  der  nach  ihm  genannten  Bischöfe  gewesen.  Auf  dem 
Aera  704  —  (665)  zu  Merida  gehaltenen  Concile  waren  alle  Bischöfe 
der  Eirchenprovinz  Lusitanien  versammelt,  worunter  auch  der  Bischof 
von  Elbora^),  Es  ist  aber  wenigstens  zweifelhaft,  ob  Elbora  am  Tajo 
zu  Lusitanien  gehörte. 

Wo  lag  das  Bisthum  Fibularia?  Die  Lesart  Salaria,  welche  Einige 
vorziehen,  findet  sich  nicht  in  den  ältesten  Handschriften.  Plinius  unter 
scheidet  ein  doppeltes  Calagurris,  das  Calagurris  Nassica,  und  das  Cala- 
gurris  Fibulariensis.  Das  erstere  liegt  heute  noch  mit  dem  Namen  Ca- 
lahorra  am  rechten  Ufer  des  Ebro,  besteht  heute  noch  als  uralte  Stadt 
und  als  Bisthum,  doch  ist  der  Siz  des  Bisthumes  in  die  nordwestlich 
gleichüeJls  am  Ebro  gelegene  bedeutendere  Stadt  Logronno  verlegt 


')  RoderiaUf  de  rebus  Hup.  3,  2. 
*)  Cone,  Emeriienee  12  «pwa^^omam. 


Die  Bitch5fe  von  Elyira.  13 

Du  zweite  Calagorris  lag  an  der  linken  Seite  des  Flusses  Gallego^ 
r  lä  Zaragoza  in  den  Ebro  mündet,  unweit  südlich  von  der  heutigen 
dko&atadt  Jacca.  Von  Jacca  ist  es  3|,  von  Huesca^  in  welches  Bis- 
■I  es  gehört,  fünf  Leguas  entfernt  —  Heute  heisst  der  Ort,  der 
dar  Stelle  des  alten  Fibularia  liegt,  Loarre  y  Santa  £ngra(n)cia  *). 
Kmo,  Fortseser  des  Florez,  will  nicht  zugeben,  dass  es  ein  Bischofs- 
gewesen,  wegen  der  Lesarten  Sabaria  und  Salaria.  Aber  man  muss 
1  an  die  Lesart  des  Ant  Gonzalez  halten,  dessen  Ausgabe  der 
n  ^Muiiflchen  Canonensammlung  auf  neun  der  ältesten  Codices  sich 
indet,  welche  sämmtlich  „Fibularia^  lesen  ^). 

Ans  diesem  am  Fusse  der  Pyrenäen  liegenden  Calagurris  soll  nach 
ig&n  der  Kezer  Vigilantius  stammen^).  —  Ohne  Zweifel  meint  Au- 
108  in  einem  seiner  Gedichte  an  Paulinus ,  welcher  damals  in  Spanien 
Ute,  dieses  Calagurris,  wenn  er  es  beklagt,  dass  seinen  Paulinus,  die 
ide  des  Vaterlandes  und  eine  Säule  des  Senates,  entweder  BilbÖis, 
r  das  an  Klippen  hängende  Calagurris  besizen  werde  %  Denn  das 
Muntere  Calahorra  liegt  in  einer  Ebene  am  Ebro  ^).  Li  seiner  Ant- 
et  an  Aosonius  sagt  Paulinus,  et  wohne  nicht  in  den  rauhen  Ge- 
JSB  der  schneebedeckten  Pyrenäen,  sondern  in  stolzen  und  volk- 
hsB-StiKdten^).  Ausonius  thue  darum  Unrecht  daran,  ihm  das  bergige 
wgorriM^  und  das  an  spizigen  Klippen  hängende  Bilbilis,  und  „den 
pl  des  miebenen  Derda^  (Lerida)  vorzuwerfen  ^).  Es  sei  Unrecht, 
r  Bilbilis,  Calagurris  und  Ilerda  zu  nennen,  da  er  doch  in  Städten, 
I  Züsgoza,  Tarragona  und  Barcelona  wohne. 

Da  Calagurris  =  flbnlaria  schon  am  Ende  des  yierten  Jahrhunderts 

■w  fillenes  Bergnest  in  rauher  Gegend  war,  so  begreift  es  sich, 
wn  dieses  Bisthum  frühe  wieder  eingieng,  und  ohne  Zweifel  mit 
I  bcnaclibarten  Osea  (Huesca)  yereinigt  wurde. 


)  Siehe  Madoz  »,  v.  toarre,  10,  316, 

)  Eipatma  Bogr,  t  46  (1836),  p.  33  (Calagurru,  p,  28-37).     Cf.  t,  33,  cap,  9.  — 

P.  Canal  h&lt  den  Bischof  Janaftriut  ffir  den  Bischof  von  Calahorra  am  Ebro. 
)  Er  ftommte  aber  aus  Cala^rris  .zwiaehen  Toloaa  und  den   Pyren&en.     Siebe 

8eliiiiidt,  W.,  Vigilantias,  1860,  8.4-5. 
^  35  ^.  Auäoniut  PauUno  suo  S,  Bübüi$ ,  (Mut  haerens  tcopuUä  Calagorris  habebii, 
)  Madoz,  5,242. 

^  Hose,  Adolf,  Panlin,  Bischof  von  Nola  und  seine  Zeit,  1856,  Bd.  1,  S.  169  -176. 
*)  Mmkuuimqti€  mäd  CtJaffurrm  —  exprohroM,  7.  A^Monio  PauUntu, 


Drittes  Kapitel. 

Die  Pfarreien  der  viernndzwanzig  zu  Elvlra  versuuieltii 

Presbyter. 

Neben  und  nach  den  neunEehn  Bischöfim  unterzeklineteii  ▼kiiid' 
zwanzig  Presbyter  in  Elvira.  Dieselben  waren  aber  nioht  «u  gMii 
Spanien  znsanimengekominen,  sondern  durchaus  aus  dem  südlichen  £^ 
nien;  aus  der  Provinz  Bätika,  und  aus  demjenigen  Theile  von  Tanar 
conensisy  welcher  zwischen  Bätika  und  dem  Mittelmeere  liegt.  Au-te 
Provinz  Lusitanien  war  kdner  anwesend.  Der  entfecnteato  war  mm 
Cartagena^  sechs  bis  sieben  Tagereisen  von  Elvira  *),  diesem  Solgem  dar 
Entfernung  nach  die  Priester  aus  Lorca,  aus  Urd,  und  ans  Baria  (VeKa)i 
welche  drei  bis  fünf  Tagereisen  nach  Elvira  hatten.  Die  Namen  vtd 
Pfiirreien  aber  sind: 

1)  Restitutus  von  Epora. .  Epora  ist  das  heutige  Montoio^  am  BMii 
zwischen  Cordova  und  Andujar.  Nach  Plinius  war  es  „eine  verbündete 
Stadt'^,  später  ein  Municipium.  Es  liegt  auf  dem  Gipfel  und  am  Ab- 
hänge eines  schroffen  Febvorsprunges  y  mit  einer  hohen  Steinbrücke  von 
vi&r  Bogen  in  römjLschem  Style  über  den  Fluss  ^).  t)ie  Franzcaea  ver 
brannten  den  Ort  1808.  —  Der  Name  Restitutus  ist  häufig ,  beaopdn 
in  Afirika.  —  Ein  Bischof  Restitutus  von  London  wohnte  814  der  erittt 
Synode  von  Arles  an. 


*)  Lorinser  brauchte  dlf  Tage  von  Valencia  nach  Granada;  Ziegler  sagt,  van 
brauche  drei  Tage  von  Almeria  nach  Granada;  Wolzogen  rechnet  sechs  Tage- 
reisen von  Granada  nach  Murcia  —  Wolzogen,  Reiseskizzen  aus  Spanien, 
1857,  8.  272. 

«)  Willkomm,  Reiseer.  3, 128—29.  PUn,  3,  2.  Florez,  12,  385-92.  Cf.  14, 97. 
Tejada  y  Ramiro  —  Einleit  —  F.  Mendoza,  l  1  de  cone,  EUb,  «.  ßnem,  — 
A.  W,  Zumptf  Mtudia  romanOf  mve  de  selectis  antigukaium  romaruarum  aqriiOmt  com- 
mentaiiones  quattuor,  BeroUni  1859,  p,  319,  —  CeoM-BermudeZf  de  amti^ 
Bupaniae,  Madrid  1832,  p.  369. 


Die  Pfkneien  der  yienmdxwADiig  2a  Elvira  veraanmelteD  Presbyter.      15 

2)  NaUliSy  Presbyter  von  ürsona.  Urso,  oder  Genua  Urbanorum 
ist  em  im  Alterthume,  wie  in  dei:  neuem  Zeit  berühmter  Ort  Heute 
hflHit  die  Stadt  Ossuna,  woher  der  Herzog  von  Ossuna  seinen  Namen  hat 
Dm  t  ist  in  gewohnter  Weise  ausgestossen«  Es  war  eine  zum  Gerichts- 
fefe  Yon  Astigi  gehörende  feste  Bergstadt,  die  lezte  Zufluchtsstätte  der 
Pompejaner.  Von  Astigi  =  Ecija  ist  es  eine  halbe  Tagereise  südlich 
entfeiiit.  Es  liegt  in  einer  weiten  Steppe ,  der  von  Willkomm  soge- 
Btnnten  niederandaluaischen,  hat  auf  aoUt  Meilen  kein  Wasser;  bei  der 
BelageroDg  durch  CXsar  fimd  sich  auf  sechs  Miglien  kein  Holz,  um 
Tkunne  für  die  Belagerung  zu  bauen  *)• 

Natalia  ist  ein  auch  in  der  alten  Earchengesohichte  gefeierter  Name. 
80  hieas  namentlich  um  200  der  Bekenneri  dann  Bischof  der  Thco- 
dstianer,  welcher,  nachdem  er  von  Engeln,  wie  er  sagte,  gegeisselt 
loiden,  zu  Papst  Zephyrin  mit  der  Bitte  um  Wiederaufnahme  in  die 
lüRhe  kam  ^).  Ein  anderer  Bischof  Natalis  wohnte  206  einem  Concile 
in  Garthago  an.  —  Unser  Natalis  ist  der  einzige  von  den  vierund- 
fwanzig  Priestem  in  Elvira,  dessen  Name  ausser  diesem  Anlasse  auch 
lOMt  aoch  genannt  wird.  Er  wohnte  mit  einem  Diakon  314  der  Synode 
IM  Ades  an,  wo  er  sich  unterzeichnet  als  Natalis  a  dvUaU  VrwUnr 

\,  wihiend  eine  Inschrift  bei  Muratori  die  Stadt  Re$.  ünonemium 

«). 

3)  Mannis  ^on  lUiturgi.  Die  Lage  dieser  Stadt  kennen  wir  aus 
IL2,  ILll*). 

4)  l4tfQponianu9  —  war  Priester  von  Eourala  oder  Carula. .  Es  lag 
•of  der  Stmsse  von  Oades  nach  Corduba  ^) ,  eigentlich  auf  der  Strasse 
fOB  Sevilla  nach  Antequera,  zwischen  Basilippo  und  Ilipa.  Cort^  häh 
«  für  den  Ort  Puebla  de  Moron,  Lapie  für  Montelano,  Rcichardt  für 
Caionily  Mendoaa  für  Marchena.  Uebrigons  kommt  Carula  eben  nur 
in  dem  Beichswegweiser  des  Antonin,  und  an  unserer  Stelle  vor,  und 
M  ist  mSglidi,  dass  es  ein  erst  seit  dem  zweiten  und  dritten  Jahrhun- 
dert hk  Anfiiahme  gekonunener  Ort  war,  den  wir  uns  desswogen  nicht 
unbedeotend  vorstellen  dürfen,  weil  derselbe  im  Anfange  des  vierten 
Jihiliiiiiderts  eine  eigene  christliche  Pfiurgemeinde  hatte.  Der  Name 
LaBqM>nii]fl  oder  Lamponianus  kommt  sonst  auf  den  alten  ConGÜien 
mbi  Tor. 


')  Sirtdfo,  3,  141.  —  Appian.  Uitpun.  c.  16,  —   Hirtius  Bell  Http.  26;  41 ;  05  infin.  — 
Ptim.  3, 1,  3.  —  Florez,  Münzen,  2,  624;  3, 130.  —  Bsp.  sag.  10,  76'  — 77.    No- 
nmt,  de  wb.  Hup. 
*)  EMMeb.  5,  28. 

*)  Florei,  10,77.     Gncter,  2..  ^92.    Muratori  MCCV.  6. 
Vr       ')Bd.  1,  8. 186  — 89. 

^1        *}  lim.  Aul  411. ed.  Pankt^  ei  Finder,  1848.   —    Itmera  AmUmini  —  im  An- 
hange. 


/ 


16  Fftnftes  Bmeli.    Drittel  Kapitel. 

6)  Barbatus  von  AstigL  Ob  das  Tielgeiiannte  Aatigi  eineii  Biachcrf 
damals  hatte  ^  wissen  wir  nicht.  Die  Spanier  halten ,  wie  gesagt  ^  Cri- 
spinus  für  den  ersten  bekannten  Bischof  von  Astigi.  Ich  habe  dar- 
über, ob  es  nemlich  im  J.  306  schon  Bischöfe  von  Astigi  gab^  bis  jeil 
keine  bestimmte  Meinung.    Uebrigens  liest  hier  statt  Astigi  —  Mendoia 

—  Advigi;  Loaysa^  der  Herausgeber  der  spanischen  ConciUen  vor 
Aguirre,  liest  Aduingi.  Deutlich  steht  aber  bei  Ant  Gk)ncaleE  —  Astigi; 
und  es  fällt  mir  auf,  dass  der  neueste  Herausgeber  der  Condlien  Sp»> 
niens,  Tejada  y  Ramiro*),  dem  doch  die  Ausgabe  des  Gonsales  vor 
und  zu  Grunde  lag,  zwar  Astigi  liest,  aber  vermuthet,  es  werde  das 
heutige  Alhama,  sieben  Leguas  von  Granada,  oder  gar  Ja^n  geweaen 
seyn.  Offenbar  folgt  er  dem  Ferd.  Mendoza,  der  statt  Astigi  —  Aitiffi 
gelesen  hat,  welches  allerdings  in  der  Nähe  oder  an  der  Stelle  des  h&m 
tigen  Alhama  lag.  —  Auch  in  Beziehung  auf  die  Lage  von  Elvira  fidgt 
Tejada  unbedingt  dem  alten  Ferd.  Mendoza,  uüd  bagt,  es  sei  aiebeÜ 
Miglien  von  Granada  entfernt  gewesen.  Der  Kardinal  Agoirre  rnein^ 
die  Unterschrift  des  Priesters  Termarius  und  des  Lector  Victor  zu  Alks 
314  —  müsse  —  statt:  aus  der  Stadt  der  Bastigentier  —  vielmehr  heisMi 

—  aus  der  Stadt  der  Astigentier.  Aber  es  würde  dann  eher  heisaens 
AsHffitnnoruin^  Sodann  ist  im  J.  306  das  Bisthum  Basti  verbürgt,  das 
Bisthum  Astigi  aber  ist  unverbürgt.  Der  Name  Barbatus  —  der  Bart* 
mann  —  kommt  öfter  auf  den  ConciUen,  besonders  in  Italien,  vor. 

6)  Felicissimus  von  Ateva  —  besser  liest  man  a  Teva.  Ateva  odtt 
besser  Teva  lag  in  dem  Bisthume  Malaga,  östlich  von  Ossona,  westlich 
von  Antequera.  Mendoza  hält  es  mit  Unrecht  für  Ategua.  £a  ist  heute 
noch  ein  bedeutender  Ort,  und  daher  haben  wohl  die  Grafen  vonTeba  ihres 
Namen.  Das  heutige  Teva  liegt  zwölf  Leguas  von  Malaga,  achtzehn 
von  Granada,  und  ist  in  der  Diöcese  Sevilla.  Davon  unterscheidet  man 
Teba  la  vieja  in  der  Provinz  Malaga,  Gerichtsbezirk  von  Campilloi. 
Nicht  weit  davon  ist  Ronda.  —  Auch  der  Reisende  Carter  glaubt  in 
dem  heutigen  Teba  Spuren  einer  alten  römischen  Stadt  gefunden  wn 
haben  *). 

7)  Leo  von  Acinippo.  Ptolemäus  (2,  4,  16)  nennt  sie  unter  dai 
Städten  der  Celtici,  jezt  Ruinen  eines  Theata:«  und  einer  Wasserleitung 
auf  hohem  Berge,  Ij-  Leguas  von  Ronda  entfernt  Florez  führt  mehrere 
Inschriften  an^).     Es  gehörte  zum  Gerichtsbezirke  von  Sevilla.     Auf 


*)  CoUcdon  de  cemones  —  U  2  (iSSO),  p.  27. 

«)  Affuirre  coneiL  —  !•*•  Ausg.  —  2,  19. 

')  Carter,  S.  255.    Auf  der  Spize  eines  hohen  Berges,  eine  kleine  Meile  von  Can- 

nete,  liegt  Teba,  die  wegen  der  vielen  Spuren,  dass  sie  eine  rdmisehe  Stadt 

gewesen,  unsere  Aufmerksamkeit  verdient. 
«)  Florez,  MedaL  1,  152;  3,  6.     Pluer's  Reisen,  S.  427.     Carter's  Reise,  1»  8.  163 

—  70.    Florez,  Eqt.  $.  9,  17 -20. 


Die  Pfkrreien  der  vienindxwansig  su  Elvira  versammelten  Presbyter.      17 

seineQ  Münsen  sind  Aehren  und  Trauben  dargestellt  ^).  Auf  der  Höhei 
wo  Acinippo  lag,  sah  Carter  die  Sierra  Morena,  Cadix  und  das  Meer. 
£r  sah  (1772)  Theile  eines  Theaters ,  die  Mauern  sechzig  Fuss  hoch, 
dreiundirwanzig  Reihen  von  Sizen,  wovon  acht  noch  ganz  erhalten  waren  ^). 
—  Die  swei  Meilen  des  Weges  von  Acinippo  nach  Ronda  waren  voll 
von  Fundamenten  und  Merkmalen  römischer  Städte.  Von  dieser  Stadt 
sind  nngMKlig  viele  Münzen  vorhanden^). 

8)  Liberalis  von  Eliocroca.  Ueb|r  die  Lage  dieser  Stadt,  deren 
Bisdiof  als  der  Drittlezte  unterschrieb,  kann  ein  Zweifel  nicht  obwalten. 
Es  ist  Lorca  heute  noch  eine  bedeutende  Stadt.  Von  hier  kam  das  Bis- 
tfaum  nach  Cartagena,  später  nach  Murcia,  und  dahin  gehört  Lorca 
heute  noch.  —  Aber  es  gilt  hier,  einen  Irrthum  zu  berichtigen,  der 
aeh  gewöhnlich  bei  Nichtspaniem  findet;  es  ist  nemlich  die  Verwechs- 
bng  von  Uorcum  am  Tader  —  Segura  —  dem  berühmten  Orte  der 
Niederlage  der  Scipionen,  und  unserm  Eliocroca.  Mit  Um*echt  ver- 
mnthet  Mannert*),  dass  Huesca,  die  südlichste  Stadt  der  Oretaner,  das 
Oofcum  des  Plinius  seyn  könnte.  Der  Geo^  aph  Forbiger  meint,  dass 
Eliocroca  vielleicht  das  Uord  des  Plinius  sei^).  Der  Spanier  Morales 
behauptet  sogar,  man  wisse  nicht  den  (neuem)  Namen  von  Eliocroca, 
sondern  nur,  dass  es  nicht  weit  von  Cartagena  entfernt  gewesen  sei.  — 
Das  heutige  Lorca  ist  aber  ein  vom  heutigen  Lorquf  verschiedener  Ort 
Beide  bestehen  mit  ihren  alten  Namen  noch  heute  fort.  Die  Villa  Lorquf 
ist  drei  Lc^as  von  Murcia,  vier  von  Mula,  von  Albacete  achtzehn,  von 
Valenda  sechsunddreissig  entfernt^).  Es  liegt  an  der  Segura,  d.  h.  an 
dem  alten  Tader.  (Es  hatte  1857  nur  1,094  Einwohner.)  —  Ich  selbst 
bin  auf  die  Verschiedenheit  von  Lorca  und  Lorquf  (Ilorcum  und  Elio- 
croca) durch  den  Fr.  von  Minutoli  aufinerksam  gemacht  worden,  der 
im  ersten  Bande  seines  Buches:  „Altes  und  Neues  über  Spanien^  — 
1854  —  ein  Kapitel  hat:  „Ein  Besuch  in  Elche,  dem  spanischen  Palmjra.' 
Er  woUte  von  der  Höhe  des  Thurmes  die  Felsen  von  Lorqui  sehen  ^). 
Lorca  aber  kann  man  von  Elche  aus  in  keiner  Weise  sehen,  das  viel 


*j  MoBdeu,  6,  308.  —  Corles,  2,  97—100,  and  ihm  folgend  Madoz  —  wollen  Lacippo 
dem  Acinippo  substitairen.  Aber  Lacippo  lag  anerkannt  südlich  eine  Tage- 
reise von  Acinippo,  —  Carter  —  1,128—30,  nicht  weit  von  Barbesola  und 
der  Seeküste. 

*)  Siehe  Canon  2  von  Elvira. 

»)  Carter,  1, 170. 

«)  PIm.  3,  3,  4.  Mannert,  Geographie  der  Griechen  und  Römer,  2^  Aufl.. 1799.  — 
1.  Bd.  S.  392. 

*)  Forbiger,  Alte  Geographie  —  3.  Bd.  Europa  (1848),  S.  65. 

*>  Midoz,  .Lorqui.*'  Auch  in  dem  historischen  Atlas  von  Spruner  ist  Ilorcum  an 
die  Stelle  von  Eliocroca  gesezt,  und  dann  beigefügt  Eliocroca? 

»)  Minutoli,  1,98  —  111. 

OsBS,  tpan.  Kirche.  IL  2 


18  Ffinftes  Bacb.     Drittet  Kapitel. 

südlicher  und  durch  Berge  verdeckt  ist  —    Lorqui  und  Lorca  liegen 
eilf  bis  zwölf  Leguas  von  einander  ^). 

9)  Januarius  von  Laurum.  Es  gab  ein  doppeltes  Lauro  j  eines  vom 
Flusse  Sucro  westlich ,  zwischen  Valencia  und  llici,  in  weinbertihmter 
Gegend  y  nahe  dem  Meere.  Manche  glauben ,  es  sei  das  heutige  Liria  ^j. 
Das  zweite  bätischc  Lauro  lag  bei  Munda^  wo  Pompejus  geschlagen 
wurde.  Es  heisst  heute  Lora,  vielmehr  Alora.  Es  hiess  auch  Uaoro 
oder  Iluro ,  und  daraus  wird  wohl  Alora  entstanden  sejn  ^}.  Carter 
handelt  ausführlich  darüber.  Nacli  ihm  liegt  Alora  auf  dem  Oipfel  eines 
Berges;  die  Stadt  ist  alt^  und  wurde  von  den  Kömem  Uuro  genannt 
Von  dieser  Stadt  war  wohl  der  Priester  Januarius  nach  Elvira  gekommen. 

10)  Januarianus  von  Barbe.  Barbe  ist  wed^r  Barberiana  noch  Barbe* 
sula  y  welche  beide  Orte  zwischen  Malaga  und  Carteja  lagen  *).  Barbe 
lag  vielmehr  an  der  Strasse  zwischen  SeviUa  und  Antequera.  Nach 
Cortds  und  Madoz  ist  es  beute  la  Pedrera.  —  Aber  ein  anderes  Barbe 
lag  bei  Tucci,  und  Florez  meint,  dass  die  Priest6r  Januarian  und  Leo 
von  Gemella  ihren  Bischof  Camerinus  zum  Concil  nach  Elvira  begleitet 
haben.  Nach  den  mehrgenannten  Schriftstellern  des  Bisthumes  JaoD| 
Rus  Puerta  und  Ximena,  war  Barbe  ein  mit  Tucci  verbundener  Ort, 
und  auf  einem  Alabaster&agment  werde  es  als  Municipium  BarLiUmum 
bezeichnet  Der  westgothische  König  Sisebut  schrieb  an  die  Bischöfe, 
Richter  und  Priester  der  Territorien  von  1)  Barbi;  2)  Aurgi;  3)  Sturgi; 
4)  Illiturgi;  5)  Biacia;  6)  Tugia;  7j  Tatugia  (Accatucci);  8)  Egabro; 
9)  Epagro.  Da  nun  diese  Orte  alle  nahe  bei  einander  lagen,  so  schUesat 
man  mit  Recht,  dass  auch  Barbe  in  jener  Gegend  lag^). 

Das  erste  Barbe  ist  eben  nur  durch  das  Itinerar.  AniUmini  be* 
glaubigt  ^) ;  das  leztere  durch  Inschriften  und  Zeugnisse  aus  dem  siebenten 
Jahrhundert  Es  scheint  der  wichtigere  Ort  gewesen  zu  seyn,  und  lag 
näher  bei  Elvira,  darum  glaube  ich  (mit  Florez),  dass  der  Priester  Ja- 
nuarius aus  dieser  Stadt  stammte. 

11)  Victorin  von  Egabro  —  war  aus  der  schon  erwähnten  Bischöfe- 
Stadt,  oder  aus  dem  nahen  Epagro. 

12)  Titus  von  Ajune;  die  meisten  Schriftsteller  wissen  sich  bei  diesem 
Titus  nicht  zu  helfen.  Ich  bin  der  Meinung,  dass  die  heutige  Villa 
Arjona  dem  Ajune  entspreche.    Der  Uebergang  von  Ajune  in  Arjuna  — 


*)  Mariana  f  2^  23:  Lorquinum  quidam  putantf  alii  Lorcam, 

«)  Appian.  Bei.  civ.  /,  109.  -  Plutarch.  Sertor.  18.  -    iVmpe;.  18.  —  Fhru»,  3,  22-  1. 

4.  2y86,      Lwiu»,  91,20  addit.   Freinsh.    —      Orosnu,  5,  23.   --     Ucker l,    Alle 

Geo^aphie,  1,404.    Furbiger,  68. 
»)  Morus,  4,  2.   Aguirre,  t  2,  74  (2.  ed).   —     Florez,  12,  303.  —     Carler,  1,  203; 

225—27. 
^)  Florez ,  12,  306  -  8;  cf.  9,  54  ~  55. 
»)  Florez,  7,  104.  12,383;  393. 
•)  //.  Ant,  412. 


Die  Pfarreien  der  vienindswADsig  au  Klvira  versammelten  Presbyter.       19 

bietet  wegen  der  Bachataben  A  und  O  und  £  in  A  keinerlei  Schwie- 
ligkeiten  dar.  Denn  diese  Uebergänge  sind  die  Regel.  Etwas  anderes 
ist  es  mit  der  Einfügung  des  R.  Denn  hier  findet  vielmehr  die  imige- 
kekite  B^el  statt,  nach  welcher  das  R  ausrälit.  Es  liegt  demnach  nahe, 
m  sagwiy  daas  hier  die  Abschreiber  durch  Auslassung  des  R  gefehlt 
lubeo.  Denn  der  früheste  von  den  neun  Codices,  aus  denen  Ant.  Gon* 
lalei  die  spanischen  Concilien  edirte,  stammte  doch  erst  aus  dem  sehnten 
Jahrhundert.  Gerade  dieser,  der  Codex  Set  Aemiliani,  enthält  die 
Namen  der  Presbyter  nicht,  sondern  zwei  jüngere  C.  U  und  G  (von 
Ufgel  und  Gerona),  wovon  jener  nach  Gonzalez  aus  dem  Ende  des 
nlmten  ond  Anfang  des  eilften,  dieser  aus  der  Mitte  des  eilften  Jahr- 
IxmdertB  stammt  —  „Es  sind  hier  einige  Ortsnamen  verdorben,^  sagt 
L  Qonsalea,  „aber  wir  halten  es  für  besser,  sie  zu  geben,  wie  sie  sich 
Torfinden.^ 

Alba  Urgao,  das  heutige  Arjona,  ist  ein  vielgenanntes  Municipium, 
welehea  zum  Bisihume  Tucci-Mmrtos  gehörte,  heutzutage  natürlich  zum 
fiiidiame  Jal^'n.  Von  Jae'n  ist  es  fünf,  von  Andujar  zwei  Loguas  ent- 
üent  —  In  Inschriften  heisst  der  Ort  Munieipium  Albense  Urgavanense. 
Dta  heatige  Arjona  kommt  wohl  von  Urg(j)aona  her.  Im  J.  1013  wird 
der  Ort  erwähnt  Im  J.  1244  wurde  es  von  Ferdinand  dem  Heiligen 
in  Basis  genommen  *)• 

13)  Eucharius  von  dem  Municipium.  Von  welchem  Municipium  war 
der  Piiester  Eucharius  gekommen?  Nach  Plinius  gab  es  allein  in  der 
Provina  BKtika  175  Städte,  darunter  neun  Colonien  und  achtzehn  Muni- 
cipien  (wovon  er  selbst  nur  fünf  namhaft  macht).  Aber  seine  Angaben 
äUmmen  aus  den  amtlichen  Aufnahmen  unter  Kaiser  Augustus.  Be- 
sonders unter  Vespasian  und  seinen  Söhnen  mehrte  sich  die  Zahl  der 
Monidpien  in  Spanien  ausserordentlich  Ueberhaupt  war  die  Menge  der- 
!^ben  in  Spanien  unglaublich.  Plinius  nennt  die  von  uns  so  oft  ge- 
nannte Stadt  Evora  ein  Oppidum  —  vom  altem  Bechte  der  Lateiner; 
aber  nach  Münzen  war  sie  unter  Augustus  schon  ein  Municipium.  Nach 
OuD  gab  ee  in  ganz  Lusitanien  nur  ein  Municipium,  nemlich  Lissabon; 
zur  Zeit  des  Kaisers  Trajan  werden  aber  deren  schon  eilf  gezählt  — 
in  einem  engen  Baume  ^).  Der  Spanier  Cean  Bermudez  hat  in  seinem 
^'erke  über  die  römischen  Alterthümer  in  Spanien  —  eine  Anzahl  von 
Xiuücipien  nachgewiesen  ^) ,  deren  Namen  man  umsonst  bei  Plinius  oder 
anderswo  sucht.     Im  Besondem  für  die  Provinz  Bätika  hat  er  nach- 


')  Florez,  12,  379— 82.    Madoz,  2,  565.    Cortcs,  3,  496  —  97. 

*l  Zrimptf  Studia  romana,  p.  314.     At  mumcqnorum  ineredibiUs  eit  in  Hitpanüs  mtää- 

tndo,  wuMgnam  tarnen  partem  hoc  tempore  (zur  Zeit  vom  J.  70—97),  reUqua  demceps 

—  oria  täte  ceneeo, 
')  Cm  BermmdeZf  Sumario  de  he  caUiguidades  romanae  que  hay  en  E^anna,  en  expe- 

cioi  Im  periemeeimtee  a  lae  heUae-ariee^  Madrid  1832, 


20  Fflnftet  Bach.    Drittes  Kapitel. 

gewlesen  das  Mtaue^um  Flavium  AarigiUmum,  d.  h.  Jaän,  das  Mw 
AxtaUanum,  das  Htm.  Flav.  Canamense^  Man.  Flav.  Munigueme,  Flm 
Neseamenae,  Htm.  Flav.  Smffiümse,  Mun.  Flav.  SotonegiUmonan  *).  Yo 
diesen  Städten  kommen  nur  Canama  und  Singili  bei  Plinius  Yor|  ohi 
dass  er  dieselben  als  Municipien  nennt ,  was  sie  ohne  Zweifel  erst  unt< 
Vespasian,  oder  seinen  beiden  Söhnen  wurden.  Angesichts  dessen  —  i 
das  Municipium  des  Priesters  Eucharius  schwer  zu  finden ,  da  ganz  Sp 
nien  toU  war  von  Municipien.  Mendoza  denkt  an  Calagurris  aus  keinei 
andern  Grunde,  als  weil  es  auch  ein  Municipium  war.  Florez  den] 
an  Gades  aus  einem  ähnlichen  Grunde,  wie  er  bei  Carteja  an  Hesychii 
dachte.  Es  scheint  ihm  auflEEillend,  dass  Grades  in  Elvira  nicht  einmi 
durch  einen  Priester  vertreten  seyn  sollte ,  da  Carthagena  doch  auc 
einen  Priester  gesendet  hatte.  Gudes  war  eine  berühmte  Stadt  und  ei 
Municip,  also  —  war  Eucharius  aus  Gades  gekommen. 

Will  man  sich  für  eine  bestimmte  Stadt  entscheiden,  so  hat  allei 
Elvira  einen  Sinn.  Elvira  war  ein  Munidp.  —  Eucharius  untersohric 
sich  in  ähnlicher  Weise  ^aus  dem  Munioip^,  wie  bei  uns  die  Lenf 
sagen:  ich  bin  ^aus  der  Stadt^,  oder  ich  gehe  ^in  die  Stadt^.  D« 
konmit,  dass  die  übrigen  Bischöfe,  wenigstens  die  näher  wohnenda 
je  einen  oder  zwei  Presbyter  bei  sich  hatten;  z.  B.  die  Bischöfe  vo 
Urci,  wohl  auch  Malaca  und  Eliocroca,  Sevilla,  bestimmter  die  S 
schöfe  von  Egabra,  Cordova,  Tucci  und  Castulo.  Warum  sollte  d< 
Bischof  von  Elvira  nicht  auch  einen  Presbyter  bei  sich  gehabt  haben? 

14)  Silvanus  von  Segalvinia.  Ein  Ort  dieses  Namois  kommt  : 
Spanien  nicht  vor;  wohl  aber  bei  Ptolemäus  ein  Ort  Seiambina  od 
Salambina.  Mendoza  und  alle  Folgenden,  unter  andern  Tzschuck 
seinem  grossen  Oommentare  zu  dem  kleinen  Pomponius  Mela,  sind  dies 
Ansicht,  und  ich  habe  keinen  Gruhd,  anderar  Ansicht  zu  seyn.  - 
Florez,  Cortös  und  Madoz  halten  den  Ort  für  das  heutige  Salabrem 
oder  Salobrenna,  bei  Motril,  zwischen  Almeria  und  Malaga,  woman 
der  Ort  zum  Bisthum  Malaga  oder  Elvira  gehörte^). 

15)  Victor  von  Ulia.  Ulia  ist  eine  bekannte  Stadt  zwischen  Corde 
und  Egabra,  welche  zu  lezterm  Bisthume  gehörte,  heute  Montemayor 

16)  Januarius  von  Urci  begleitete  mit  dem  Priester  Emeritus  ▼< 
Baria  seinen  Bischof  Cantonius  nach  Elvira  ^). 

17)  Leo  von  GemeUa  (Tucd)  kam  mit  seinem  Bischöfe  Camerinus. 

18)  Turrinus  von  Castulo  kam  mit  seinem  Bischöfe  Secundinns. 

19)  Luxurius  von  Drona.    Spanier  und  Nichtspanier  gestehen,  da 


>)  Cean,  p.  293,  'Cwn,  p.  273.    Moiäm,  6,  484.    Muraiori,  p.  1108,  1.   —    Zmi 

p,  315  -  i7. 
*)  TzBchueknu  -—  Comm,  ad  Melam  —  Leipzig  1807  sq.  —  7  voL  —  Ein  Auszog  d 

von  erschien  von  Ang.  Weichert  —  Leipz.  1816  —  1.  Bd.  —  Florez,  12, 102i 
»)  Florez,  12,5  —  10.  —   Cortet  y  Lopez,  3,492—93.  —  Madoz,  15,2ia 


Die  Pfarreieii  der  rierandswansig  au  Klvira  versammelten  Presbyter.      21 

ne  von  einem  Orte  Drona  nichts  wissen.     Hardüin,  der  Herausgeber 
des  PHnias ,  hat  auf  das  bei  Plinius  vorkommende  Brana  hingewiesen. 

20)  Emeritus  von  Baria  war  aus  Vera  im  Bisthum  Urci  gd^ommen. 

21 )  Eumantius  von  Solia  —  Solia  lag  zwischen  dem  Flusse  Menoba, 
kate  Guadiamar  und  San  Lucar  la  Mayor;  es  ist  anerkannt  der  leztere 
Ort,  drei  Lieguas  von  Sevilla  entfernt,  und  gehörte  zu  diesem  Bisthume. 

22)  Clementianus  von  Ossigi.  Ossigi  mit  dem  Beinamen:  Laconicum 
—  lag  zwischen  Castulo  und  Illiturgi  an  der  Südseite  des  Bätis  ^),  und 
bei  üe&er  Stadt  trat  der  Bätis  in  die  Provinz  Bätika  ein.  Heute  liegt 
an  ikmet  Stelle  Mengibar  (nach  andern  Maquiz).  Ossigi  lag  östlich  von 
DUtoigi,  und  gehörte  zum  Gerichtsbezirke  von  Corduba.  Seiner  Lage 
aaek  gehörte  es  zu  dem  Bisthume  Tucci  ^). 

03)  Eutyches  von  Carthagena,  und 

24)  Julianus  von  Corduba  —  waren  aus  allbekannten  Städten  ge- 
kommen. Jener  hatte  den  Bischof  Succesus  von  Eliocroca,  dieser  den 
fiadiof  Hosius  begleitet.  —  Er  steht  an  lezter  Stelle  vielleicht ,  well 
er  das  PlrotokoU  der  Verhandlungen  führte,  und  demnach  auch  als  der 
lote  anteneichnete. 


OmeSüan     EUberitanum     decem  Concil  von  Elvira,    von  nenn- 

et nooem  episeoporum ,  Constantini  zehn  Bischöfen  j  zu  den  Zeiten  des 
tem^oribmi  ediium  eodem  tempore,  Constantin  gehalten  zu  derselben 
(pta  ä  Nieoena  synodus  habita  est        Zeit,    wo    auch    die    Synode    von 

Nicäa  stattfand. 
Cum   ecneedissent  mneti  et  reli-  Als  die   heiligen  und  frommen 

gkm  ^pueofn  in  ecclesia  Eliberitana^  Bischöfe  in  der  Kirche  von  Elvira 
ftoe  ett  Felix ,  episeapus  Accütmus^  sassen ,  nemlich  Felix,  Bischof  von 
Omii^  episccpiu  Cordvbentis,  etc.,  item  Acci ,  Osius ,  Bischof  von  Corduba 
prei6y<m  eU,,  die  iduum  Mßjarum  u.  s.  w.,  ebenso  die  Priester  u.  s.  w., 
apud  Elibenm  residerUibus  cunetia,  als  am  15.  Mai  alle  in  Elvira  ver- 
mUmtUnii  diaeanibus  et  omni  plebe^  sammelt  waren,  während  die  Dia- 
qnseopt  univerri  dixerunt:  konen  und  das  ganze  Volk  standen, 

sprachen  alle  Bischöfe: 
Das  Stehen  der  Diakonen  und  des  Volkes  in  Gegenwart  der  Bi- 
lehSfe  und  Priester  entspricht  einer  allgemeinen  kirchlichen  Sitte.  Die 
Dakon^i  wuen  zimächst  als  Begleiter  ihrer  Bischöfe  gekommen;  und 
jene  fernem  Bischöfe,  welche  ohne  einen  Priester  gekommen,  waren 
oder  nicht  ohne  mindestens  einen  Diakon  zu  der  Synode  gekommen« 


*)  Hn.  3,  1.  —  Baeticae  primum  ah  Oui^tania  inßuus. 
')Plorez,  5,24;  12,367-68. 


22  Fflnftes  Buch.    Die  Synode  yon  ElTira. 

Es  konnten  aber  auch  Diakonen  in  B^Ieitnng  ihrer  Preftbjrter  gekommen   ■ 
seyn,  wie  dieses  auf  der  Synode  zu  Arles  314  der  Fall  war.  si 

Der  15.  Mai  wird  als  Tag  der  Versammlung  genannt  An  diesem 
Tage  waren  die  Bischöfe  jedenfalls  versammelt;  ob  dieses  aber  der  Tag 
des  Anfanges,  oder  des  Schlusses  der  Synode  war,  dieses  tritt  keines- 
wegs hervor.  Es  ist  nicht  ungereimt,  zu  sagen,  dass  an  diesem  Tage 
die  Synode  geschlossen ,  dass  die  gefassten  Beschlüsse  in  feierlicher  Weise 
— -  in  Oegenwart  des  ganzen  Volkes  «—  bekannt  gemacht  wurden,  loh 
spreche  es  nur  als  eine  Hypothese  aus,  dass  das  Concil  etwa  am  1.  Mai, 
an  welchem  Tage  die  älteste  Kirche  Spaniens  das  Fest  der  Ankunft  der 
sieben  ApostelschüLer  feierte,  eröffnet,  und  dass  sie  am  15.  Mai,  an  dem 
Tage,  an  welchem  später  und  heute  dieses  Fest  begangen  wird,  geschlossen, 
dass  an  diesem  Tage  die  gefassten  Beschlüsse  verkündigt  wurden  *). 

Es  heisst:  Alle  Bischöfe  sprachen.  Sie  sprachen  die  Beschlüsse  aus, 
über  die  sie  bis  jezt  berathen,  und  die  gewiss  nicht  an  einem  Tage 
spruchreif  geworden  waren.  Sie  sprachen:  Sie  haben  gemeinsam  be- 
schlossen (placmt  inttr  eos).  Also  wurden  an  diesem  Tage  nicht  so  fiut 
die  Beschlüsse  gefasst,  als  vielmehr  die  schon  vorher  gefassten  verkündigt 
Doch  darf  man  sich  nicht  denken ,  dass  alle  gemeinsam  die  Beschlüsse 
ausgesprochen,  sondern,  während  Einer  redete,  die  andern  am  Schlüsse 
jedes  Canons,  wie  auch  zu  Sardika  343,  wie  im  Chore  antworteten: 
placet  oder  placuü.  —  In  der  spätem  westgothischen  Zeit  galt  als  Termin 
für  die  Eröflnung  der  Frühjahrssynoden  der  17 — 18  Juni.  Man  ist  aber  '. 
nicht  berechtigt,  daraus  für  die  Zeit  der  Abhaltung  der  ersten  Synode 
in  Spanien  —  eine  Folgerung  zu  machen.  —  Es  folgen  nun  die  ein- 
zelnen —  81  —  Canones  mit  nebenstehender  deutscher  Uebersezung, 
und  der  Erklärung  derselben.  Die  Uebersezung  soll  treu,  und  möglich 
wortgetreu  seyn,  auf  die  Gefahr  hin,  dass  sie  vielfach  undeutlich  und 
undeutsch  werde. 


Canon  1. 

Von  denjenigen,  welche  nach  der  De  kis  qui  post  baptismum 

Taufe  den  Gözen  geopfert  haben.  idolis  immolavertmt 

Es  ist  beschlossen,  dass,   wer  immer  Placuit  inter  eos:  Qui  poH 

nach  Empfang  der  heiligen  Taufe,  in  er-  fldem  bapiismi  aättiUiris  adutia 

wachsenem  Alter,  zu  dem  Grözentempel,  aetaU  ad  templum  idofiidoUh 

um  zu  opfern,  hinzutritt,  und  das  thut,  was  turf4$  aeeesserU,  et  fecerii,  quoi 

ein  Kapitalverbrechen    ist,    weil   es   die  est  crimen  eapüäUj   quia  etl 


')  Cf.  eputtola  S.  Cypriani  ad  ComeUum  Papam  de  5  presbyterU  et  FortunaUi  pseudo- 
epigcopo  —  eap.  10  —  helttt  es  ebenso :  Qm  (Privatas)  cum  e^ntd  not  m  eoneüioj 
quod  habutmua  Idibus  Majit,  quae  proximae  ßtenmt  etc 


CaooB  1.  23 

iSctae  ICnetluit  laty  dau  er  «neh  am  nmmit  ieeUtU,  placuU  nee  in 
Ende  nicht  die  Communion  emp£Emgen  ftnem  cum  commtmumem  oe- 
MÜe.  dpere. 

Von  den  neun  Handschriften  des  Gonzalez  lesen  vier,  der  Codex 
ißmüianengU,  Toletanus  1  und  2,  und  der  Codex  Bibliotheeae  regitu 
latt  crimen  eapitale  —  crimen  principale.  Mit  Recht  hat  Fr.  Oonzalez 
lie  erstere  Lesart  vorgezogen.  Denn  einmal  ist  das  Wort  an  sich,  d.  h. 
n  früherer  Zeit,  seltener.  Zweitens  kommt  dasselbe  in  demselben,  oder 
n  ähnlichem  Sinne,  gerade  im  vierten  Jahrhundert  gewöhnlich  vor. 
Zweimal  kommt  bei  Ammianus  Marcellinus  vor:  eapitale  aitppUeium  — 
Todesstrafe:  24,  3  (ef.  22,  11  —  capitali  addixit  suppUeio;  suppUcio  capi* 
tafi  midetatuM  eti),  während  man  früher  sich  begnügte,  zu  sagen:  aitp^ 
pticnim.  In  ähnlicher  Webe  steht  L  26,  3  —  capitali  animadvenione 
iamnavit.  Demnach  hiess  in  der  Gesezgebung  des  vierten  Jahrhunderts 
npOalü  senientia  einfach  die  Todesstrafe  ^j.  —  Drittens  findet  man  gerade 
tof  dieser  Synode,  und  überhaupt  in  der  spanischen  Kirchengeschichte, 
lie  Vergleichung  und  Nebcneinanderstellung  weltlicher  und  geistlicher 
Terbrechen,  und  darum  auch  hier  vor  allem  der  Versuch ,  beide  gleich- 
nissig  zu  bestrafen.  Von  spanischen  Bischöfen ,  Idatius  und  Ithacius 
mrde  der  erste  —  unglückliche  —  Versuch  gemacht,  eine  Häresie  (der 
'risdllianistenj  durch  das  Schwert  der  weltlichen  Obrigkeit  zu  strafen, 
md  zu  unterdrücken. 

Das  Opfern  im  hcidnbchen  Tempel  wird  von  den  Vätern  von  Elvira 
*in  Kapitalverbrechen ,  d.  h.  ein  des  Todes  würdiges ,  mit  dem  Tode 
n  bestrafendes  Verbrechen  genannt.  Wie  der  Mord  ein  crimen  eapitale 
!t,  so  ist  das  Opfern  vor  den  Gözenbildern  ein  crimen  eapitale.  Der 
ho  vom  Christenthume  Abfallende,  welcher  dieses  Verbrechen  begangen, 
at  das  Leben  des  Greistes  verloren.  Er  wird  ausgestossen  und  aus- 
geschlossen ,  so  lange  er  lebt ,  aus  der  Gemeinschaft  der  Gläubigen,  und 
uch  vor  seinem  Tode  wird  er  nicht  begnadigt,  er  wird  nicht  mehr  in 
lie  Gemeinschaft  der  Gläubigen  aufgenonmien. 

öie  Bedeutung  der  Commimio,  und  der  Ausschliessung  von 

der  Communio. 

Dass  ^Communio^  sowohl  Kirchengemeinschaft,  als  die  heilige 
Eucharistie  bedeute,  ist  eine  allen  bekannte  und  nicht  angestrittene 
Siehe  ^).     Gerade  weil  das  Wort  in  diesem  doppelten  Sinne  überall  und 


')  LactaDtias,  der  um  die  Zeit  der  Synode  von  Elvira  lebte,  sa^t:  insäL  diu.  6,  20 

—  neque  aeauare  quemquam  crimine  capitali  (licet), 
*)  Drey,  neue  Unlcrsocbungen  über  die  Const.  und  Canones  der  Apostel,  1832, 

S.255. 


24  Ffinftes  Bacb.     Die  Synode  von  ElTira. 

immer  vorkommt  y  darf  man  die  EirohengemeinBchaft  von  der 
nicht  trennen.  Die  Aafimhme  oder  die  Wiederaufiialmie  in  die  Com^ 
fntmto  pacia,  in  die  Gemeinschaft  der  Gläubigen  wurde  vollzogen  und 
besiegelt  durch  die  heilige  Communion,  durch  die  Communio  Dommka. 
Auch  unsere  Synode  gebraucht  das  Wort  bald  von  der  Kirchengemein- 
schaft, bald  von  dem  heiligen  Abendmahl.  Im  leztem  Sinne  steht  es  — 
in  Canon  1  —  cammunionem  aedpere  —  genau  wie  wir  sagen:  er  soll 
die  Communion  nicht  empfangen.  Ebenso  in  den  Can.  2  —  nee  in  finem 
aedpere  eommunumem ,  und  Can.  3  —  ne  illtmsBe  de  dominiea  commur 
nione  videantur  —  Can.  5  —  ad  eommunionem  plactdt  admüti  —  sie  soll 
zu  der  Communion  zugelassen  werden  —  und  accipiat  eavnmtaüonem* 
Ebenso  Can.  6  —  nee  —  irnpertiendam  Uli  esse  eommunionem;  Can.  7,  8, 
9,  10,  12,  13,  14  —  admitti  ad  eommunionem 9  17,  18,  22;  —  post  deeem 
annos  praestari  communio  debet,  —  Ein  starker  Beweis,  dass  Communio 
nicht  bloss  Kirchengemeinschaft,  sondern  vorzugsweise  Abendmal  be- 
deutet, ist  besonders  der  22.  Canon.  Noch  mehr  der  Canon  28  —  der 
Bischof  soll  von  dem,  welcher  nicht  communicirt,  kein  Geschenk  an- 
nehmen. —  Ebenso  Can.  31,  32,  40,  46,  47  das  erste  Mal,  wo  das 
Wort  Communio  vorkommt,  theilweise  Can.  53,  Can.  55,  theilweise 
Can.  61,  ganz  Can.  63,  64,  65  und  66,  theilweise  67  und  69,  ganz  70, 
71,  theilweise  72,  ganz  73,  75,  theilweise  76. 

Dabei  ist  wohl  nicht  zu  leugnen ,  dass  die  beiden  Bedeutungeii  des 
Wortes  Communio,  Gemeinschaft  und  Eucharistie,  nicht  selten  so  in 
einander  überfiicssen ,  dass  schwer  zu  sagen  ist,  welche  der  beiden  Be- 
deutungen überwiege,  oder  in  dem  gemeinschaftlichen  Worte  Communio 
nachdrücklicher  oder  vorwiegend  enthalten  sei. 

In  dem  Sinne  von  Kirchengemeinschaft,  Aufnahme,  Wiederauf- 
nahme ,  und  Ausschliessung  von  der  Gemeinschaft  der  Kirche  dürfte  das 
Wort  Communio  zu  nehmen  seyn  in  dem  Canon  47  —  placuil  uUerius 
non  ludere  cum  de  communione  p<usis  —  es  ist  beschlossen  worden ,  dass  ein 
solcher  nicht  weiter  mit  der  Gemeinschaft  des  Friedens  Spott  treibe. 
Damit  vergleiche  man  Can.  3  —  ne  illusisse  de  dominiea  communione 
videantur  —  damit  sie  nicht  mit  der  Communion  des  Herrn  ihren  Spott 
zu  treiben  scheinen. 

Hieher  gehört  Canon  50  —  a  communione  abstineri,  und  dem  ent- 
sprechend Can.  16  —  und  21,  wo  es  heisst  —  abstmeri  per  quinquennium, 
sie  sollen  fünf  Jahre  ausgeschlossen ,  Can.  21  —  pauco  tempore  absti' 
neaiur  —  er  soll  kurze  Zeit  ausgeschlossen  werden  —  Can.  53  —  ab 
eo  episcopo  quis  reeipiat  commumonem,  a  quo  abstentus  fuerit;  cf.  Can.  74. 
Jeder  soll  von  demjenigen  Bischöfe  die  Gemeinschaft  (der  Kirche)  wie- 
der empfangen,  von  welchem  er  wegen  eines  Verbrechens  ausgeschlossen 


*)  Cf.  Can.  47,  SO,  53,  56,  57,  58,  59,  62,  69,  72,  74,  76,  78,  79. 


Caoon  1,  25 

irordm  ist.  Noch  deutlicher  sind  in  demselben  Canon  die  Worte:  eom- 
mmmme  prwatm,  der  Oemeinschaft  beraubt  Cf.  Can.  57.  —  Canon  72 
bedeutet  eemmunUmi  reeondUari  nach  gewöhnlicher  Auffassung  —  der 
Effchengemeinschaft  wieder  gegeben  werden;  ebenso  Can.  79. 

Die  Zusammensezungen,  in  welchen  das  Wort  Communio  in  unserer 
Synode  Torkommty  lassen  dasselbe  gleichfalls  bald  auf  die  Eucharistie, 
bald  auf  die  Kirchengemeinschaft,  bald  auf  beide  zugleich  beziehen« 
Zweimal  konmit  das  Wort  communio  dominka  vor:  Communion  des 
Herm ,  das  erstemal  im  Canon  3  —  ne  illunsie  de  Dominiea  eommuniane 
videaniur,  das  zweitemal  im  Canon  78  —  daminicae  toeiari  eommunimü 
—  der  Gemeinschaft  des  Herm  wiedergegeben  werden ;  es  kann  aber 
indi  Abendmahl  bedeuten. 

Im  Canon  76  wird  die  Commttnio  Ictica  dem  Diakonen  nach  fünf- 
jähriger Busse  zugesichert ,  welcher  wegen  eines  entdeckten  Verbrechens 
seines  Amtes  entsezt  worden.  Diese  Communio  Icnca  ist  die  Kirchen- 
gcmeinscbaft  —  mit  der  heiligen  Communion,  wie  sie  die  Laien  haben 
und  gemessen. 

Im  Canon  47  findet  sich  das  Wort  —  plaeuit  uUerita  non  ludere  tum 
de  commimione  paeis  —  und  hier  bedeutet  es  zunächst  Gemeinschaft  des 
Friedens  oder  der  Kirche,  und  dann  erst  die  heiligt  Communion.  In 
demselben  Sinne  kommt  communio  neben  pax  im  Canon  61  vor,  aber 
getrennt  von  einander:  —  die  Sünderin  soll  fünf  Jahre  von  der  Com- 
munion ausgeschlossen  werden ,  wenn  nicht  eine  Krankheit  zwingt,  ihr 
-den  Frieden*  früher  zu  geben.  —  Ebenso  bedeutet  in  Canon  61  „P(ue^^ 
die  Kirchengemeinschaft. 

Wenn  communio  die  Kirchengemeinschaft  bedeutet,  so  bedeutet  es 
nicht  gleichzeitig  den  Eintritt  in  die  christliche  Kirche ,  d.  h.  von  denen, 
welche  getauft,  oder  welche  Katechumcnen  werden,  hcisst  es  nicht, 
ds5s  sie  zu  der  ^Communio*  der  Kirche  gelangen.  Ein  neuer  Be- 
weis, dass  es  die  mit  der  heiligen  Communion  verbundene  „Com- 
munio* ist  Zur  Bezeichnung  des  Antrittes  des  Katechumenates,  der 
Taufe,  oder  sonstigen  Eintrittes  in  die  Kirchengemeinschaft,  bei  welchem 
die  heilige  Eucharistie  nicht  gereicht  wird,  finden  sich  folgende  Aus- 
drücke: 1)  ad  bapUsmum  admiiti  —  Can.  4  —  zu  der  Taufe  zugelassen 
werden;  arf  fontem  lavacri  admitti  —  Can.  10;  —  dandum  baptismum 
pUecuU,  non  denegari  —  Can.  11.  —  Nach  Can.  22  —  sollen  Kinder 
der  Häretiker  incuncUmter  recipi  ddtent,  —  Nach  Can.  37  werden  die 
Besessenen  am  Ende  des  Lebens  „getauft'',  der  Getaufte  wird  durch 
Auflegung  der  Hände  „vollendet*'.  —  Kranken  Heiden  werden  auf 
ihren  Wunsch  die  Hände  aufgelegt,  und  sie  werden  so  „Christen*  — 
Can.  39.  —  Vergleiche  femer  Can.  42,  46,  62,  68,  73.  Nach  Can.  44 
soll  eine  „mereirix'^,  wenn  sie  zum  Glauben  konunt,  unverzüglich  „auf- 
genonunen^y  d.  h.  als  Katochumene  angenonunen  werden.   Nach  Can.  68 


26  Fllnftei  Bach.     Die  Synode  von  Elvira. 

soll  eine  Katechumene  am  Ende  des  Lebens  ^getauft^  werden ,   wel( 
Ehebruch  begangen,  ^^et  praefoeaverit^. 

Demnach  sagt  die  Synode  nur  von  denjenigen,  welche  schon  v< 
kommcne  Christen  oder  Christgläubige  gewesen,  dass  sie  zu  der  Co 
munion  zugelassen,  oder  von  ihr  ausgeschlossen  werden.  Von  Heid 
welche  glauben  wollen,  sagt  sie,  dass  sie  als  Katechumenen  zugelass 
oder  daRs  ihnen  die  Hände  aufgelegt  werden  sollen.  Von  Katechumei 
sagt  sie,  dass  sie  zu  der  Taufe  zugelassen,  oder  dass  sie  getaufl  werc 
sollen.  —  Von  Häretikern  sagt  sie,  dass  sie  zu  der  Busse  zugelass 
von  deren  Kindern  sagt  sie,  dass  sie  unverzüglich,  d.  h,  ohne  Bu 
aufgenommen  werden  sollen.  Da  dieselben  die  Taufe  schon  erhall 
hatten,  da  die  spanische  Kirche,  ohne  Zweifel  der  römischen  Kir< 
folgend,  die  Taufe  der  Häretiker  für  giltig  erachtete,  so  bestand 
Aufnahme  derselben  in  der  Firmung,  oder  ,, Vollendung^,  und  wenn 
noch  nicht  getauft  waren,  in  der  einfachen  Aufnahme  zur  Vorbercitu 
auf  die  Taufe  ohne  eine  Busse. 

Das  Wort  Comraunio  wird  demnach  nicht  von  Heiden,  Juden, 
waclisencu  Häretikern  oder  Katechumenen  gebraucht;  diese  alle  mussi 
durch  das  Katcchumenat  und  durch  die  Taufe,  die  Häretiker  theilwe 
durch  Busse  Christen,  dann  Gläubige  werden;  es  bezieht  sich  nur  < 
die,  welche  schon  Katholiken  waren,  und  durch  ihre  Schuld  für  ei 
Zeit  lang  oder  für  immer  der  Communio,  der  Kirchengemeinschaft 
wohl,  als  der  Eucharistie,  verlustig  geworden. 

Sehen  wir  uns  nun  (für  wenige  Beispiele)  nach  spätem ,  besondc 
spanischen  Synoden  um,  und  fragen  wir  nach  der  Bedeutung  des  Wor 
Communio  bei  denselben.  Der  Canon  13  der  Synode  1  von  Toledo  v< 
J.  4U0  sagt:  Diejenigen,  welche  in  die  Kirche  kommen,  und  die  d 
über  betroffen  werden,  dass  sie  niemals  communicircn,  sollen  ermal 
werden ,  dass ,  wenn  sie  nicht  communioiren ,  sie  in  den  Stand  der  Bu 
sich  begeben  sollen.  Wenn  sie  communicircn  (d.  h.  in  der  Kirch« 
gemeinschaft  stehen),  so  sollen  sie  sich  nicht  immer  (der  heiligen  Eucl 
ristie)  enthalten ,  wenn  sie  dieses  nicht  thun,  so  sollen  sie  ausgeschlosc 
werden  (d.  h.  von  der  Eucharistie  und  Gemeinschaft  ausgeschlosf 
werden)  *).  Der  folgende  Canon  14  bestimmt:  Wer  die  in  der  Kir< 
von  dem  Priester  empfangene  Eucharistie  nicht  nimmt,  der  soll  exco 
municirt  werden.  In  ähnlicher  Weise  hatte  die  380  zu  Saragossa  geg 
die  Priscillianisten  gehaltene  Synode  verordnet  —  (Can.  3) ,  dass ,  v 
die  in  der  Kirche  empfangene  Eucharistie  nicht  in  der  Kirche  nehc 


')  Cttn,  13,    De  his,   qui  in  eccUaiam  intrant  et  non  communieemi ,   ut  excommunicen 
—  "Wer  nie  in  der  Kirche  commanicirt,   »oll  ausgeschlossen  werden.     Can. 
Wer  die  EacharisUe,  die  er  vom  Priester  empfangen  hat,  nicht  nimmt,  soll 
Verstössen  werden.  —    Hefele,  Oonc  <s^.  2,  67* 


Canon  1.  27 

HD  Anathem  für  immer  verfallen  sei.  -  Daraus  erhellt,  dass  auch  der 
•0.  14  von  Toledo  1  gegen  die  Priscillianisten  gerichtet  ist. 

Die  Synode  2  von  Bracara  —  572  —  unterscheidet  in  ihrem  Can.  81 
ruchen  Communio  und  Sacramcntum  einerseits,  anderseits  versteht  sie 
\di  wieder  unter  Communio  die  heilige  Eucharistie.  —  Der  folgende 
Hioii82  verordnet,  dass,  wer  bei  seinem  Austritte  aus  dem  Leben  das 
ite  und  nothwendige  Viaticum  der  Communion  verlange,  dem  solle 
I  nicht  verweigert  werden  ' ).  Dieses  Viaticum  wird  in  demselben  Canon 
IS  Sacrament  genannt  Die  vierte  Synode  von  Toledo  —  633  —  ver- 
pdnet  im  Cän.  18,  dass  die  Priester  und  Leviten  vor  dem  Altare  „com- 
Mmiciren^y  der  Clerus  in  dem  Chore,  das  Volk  ausserhalb  des  Chores. 

Ein  Concilium  von  Mileve  verordnet  in  Can.  18,  dass,  wer  in  der 
igenen  Provinz  nicht  communicirc,  in  andern  Provinzen  oder  in  Ge- 
enden  jenseits  des  Meeres  sicli  die  Communion  erschleiche,  dadurch 
en  Verlust  seiner  Communion  oder  seines  Clericats  verschulde.  —  Die 
jnode  von  Agde  506  verordnet  in  Can.  18:  —  Laien,  welche  nicht 
a  Weihnachten ,  Ostern  und  Pfingsten  communiciren ,  sollen  nicht  für 
Katholiken  betrachtet  werden. 

Aus  dem  AngefQlirtei>  ergiebt  sich  zur  Genüge,  dass  —  Communio 
od  Kirchengemeinschaft  zusammenfallen,  dass  wer  von  der  erstem, 
och  von  der  leztem  ausgeschlossen,  dass,  wer  zu  der  Kircben^emein- 
jiaft  zugelassen,  auch  zu  der  Communion,  zu  der  Eucharistie  oder 
cm  Sacramente  des  Altares  zugelassen  ist. 

Indem  nun  unsere  Synode  auf  eine  Anzahl  schwerer  Vergehen  und 
»^ffbrechen  die  Entziehung  oder  die  Vorenthaltung  der  Communion  auch 
m  Ende  des  Lebens  legt,  schliesst  sie  die  betreffenden  Sünder  ebenso 
QO  der  Kirchengemeinschaft,  wie  von  dem  heiligen  Abendmahle,  oder 
Empfange  der  W^egzehrung  der  Sterbenden  aus. 


')  Vergl.  Bracara  IL  von  572  —  Can.  29  —  nunquam  communicetf  morienti  tantum 
a  9aeramentiKm  suboeniaL  —  Can.  30  —  m  ultimo  vitae  dtficUn»  accipiat  commu- 
micnem.  —  Can.  77  —  in  morte  recipere  communionem,  —  Can.  78  —  commtmioneM 
im  exitu  vitae  suae  redpiat  —  Can.  79  —  a  communione  abstineantur  usque  ad  wor- 
in morte  autem  eis  communio  pro  misericordia  detur.  —  C'an.  81  —  p'atiam 
autcipiat  und  —  5  annit  orationibus  tantum  communicans  postea  recipiat 
rramentum  und  sacramentum  in  exitu  consequatur.  Besonders  deutlich  Can.  82  — 
11  quiM  de  corpore  exiens  novisnmum  et  necessarium  communionis  viaticum  expetit,  non 
ei  denegetwr.  Quod  si  in  dewperatione  positus  (wenn  man  an  seiner  Genesang 
Zweifel l)  pott  perceptam  communionem  iterum  sanus  /uerit  /o/CtuSf  tantum  orationia  par^ 
tktp*  sit,  nam  non  accipiet  sacramentum,  donec  conetitutum  poenitentioA  impUat  tmnpu», 
Cf.  4  Tolet  vom  J.  633,  Can.  18  —  quod  post  benedictionem  populo  datam  eommu- 
miatre  debeant  seuxrdotes.  —  Corporis  et  sanguinis  Domini  sacramentum  sumatur,  eo 
orSne,  ut  sacerdos  et  lemta  ante  altare  communicent,  in  choro  clerus ,  extra  chorum 
populus. 


28  Fflnftes  Buch.     Die  Synode  von  EMra. 


Die  Ausschliessung  selbst. 

Das  erscheint  uns  hart,  allzu  hart  Es  war  auch  zu  hart  Die 
heroische  Strenge  der  Synode  von  Elvira  ist  eine  Erscheinung,  die 
ebenso  hohe  Achtung  für  die  erste  Kirche  und  für  die  Bischöfe  Spa- 
niens fordert,  als  sie  uns  die  Ueberzeugung  aufdringt,  dass  diese  Strenge 
das  Maass  überschritten  habe.  Es  giebt  keine  Synode  innerhalb  der 
Kirche,  welche  solche  Beschlüsse  gefasst  hätte').  Die  der  2ieit  nadi 
nächste  Synode  in  Spanien,  welche  uns  bekannt  ist,  ist  die  votn  J.  380, 
durch  eine  Zeit  von  74  Jahren  von  dieser  ersten  getrennt.  Sie  begnügt 
sich  in  Betreff  der  schwersten  Vergehen  zu  sagen  oder  zu  beschliessen: 
er  sei  im  Banne  für  immer  (anathema  sU  in  perpetüum).  Diess  ist  ein 
mit  Absicht  gewählter  mehrdeutiger  Ausdruck ,  bei  dem  man  sich  denken 
kann:  im  Falle  er  sich  nicht  bessert,  und  Proben  seiner  Bekehrung  ab- 
legt Die  erste  Synode  von  Toledo  im  J.  400  kennt  schon  keine  Ver- 
gehen mehr,  welche  auch  auf  dem  Todbette  von  der  heiligen  Commv- 
nion  ausschliessen.  Der  Canon  2  von  Toledo  nennt  denjenigen  einen 
Pönitenten,  welcher  in  Folge  eines  Mordes,  oder  wegen  anderer  sehr 
schwerer  öffentlicher  Verbrechen  öffentliche  Kirchenbusse  gethan,  ein 
solcher  solle  nicht  unter  den  Clerus  aufgenommen  werden.  Also  war 
die  Busszeit  für  die  schwersten  Verbrechen,  wie  für  Mord,  nicht  (ein- 
mal mehr  lebenslänglich;  oder,  wenn  sie  auch  an  sich  lebenslänglich 
war,  so  konnte  sie  doch  nach  dem  Gutbefinden  der.  Bischöfe  überhaupt 
abgekürzt  oder  nachgelassen  werden. 

Es  ist  keine  Thatsache  bekannt,  dass  die  in  den  Canones  von  Elvira 
verhängte  Kirchenstrafe  der  Ausschliessung  von  der  lezten  Communion 
auch  vollzogen  worden  sei.  Vielleicht  trat  sie  gar  nie  in  das  Leben. 
Denn  etwas  Anderes  ist  es,  in  einer  Synode  eine  solche  Verordnung 
aussprechen ,  etwas  Anderes ,  einem  Todkranken ,  welcher  gebeichtet  hat 
und  losgesprochen  worden ,  und  welcher  um  die  lezte  Wegzehrung  bittet, 
dieselbe  verweigern.  —  Darüber  schweigt  die  Geschichte,  was  in  solchem 
Falle  der  einzelne  Bischof,  was  der  grosse  Hosius  that  —  Wenn  er 
den  Bitten  der  Sterbenden  nachgab ,  so  machte  ihm  vielleicht  sein  Ge- 
wissen geringere  Vorwürfe,  denn  er  hatte  sich  inzwischen  überzeugen 
können,  dass  die  Geseze  (vielleicht  nicht  einmal  die  Praxis)  der  E^Irche 
Spaniens  in  einem  unversöhnlichen  Gegensaze  stehen  mit  der  Uebung 
aller  andern  Sarchen,  besonders  der  römischen  Earche,  und  dass  Nach- 
geben in  diesem  Falle  kein  Unrecht  sei. 

Indem  die  Bischöfe  Spaniens  so  strenge  Beschlüsse  fassten,  konnte 
es  ihnen  schon  im  J.  306  nicht  verborgen  seyn,  dass  sie  damit  sich 


I)  Siehe  indes?  CanQn  2  von  Sardika. 


Cadod  1.  29 

Licht  mit  der  bisherigen  Praxis  und  Gesezgebiing  der  übrigen  Earche 
m  Einklänge  befinden.  E^  wäre  eine  sehr  gewagte  Behauptung ,  dass 
bete  n^insehn  Bischöfe  die  Debung  der  übrigen  Kirchen  nicht  gekannt 
litten. 

Unter  einundachtzig  Canones  befinden  sich  nicht  weniger  als  neun- 
ehn,  durch  weldie  den  Sündern  auch  am  Ende  des  Lebens  die  Com- 
nmion  verweigert  wird.  Natalis  Alexander  sagt  zur  Vertheidigung 
leBer  Strenge ,  dass  die  Bischöfe  diese  Beschlüsse  nicht  „necessüaU  prae- 
tpa,  ud  rigore  diadpUnae'^  verfasst  haben,  dass  sie  also  nicht  in  die  Irrlehre 
er  Novatianer  verfSEtUen  seien.  Zu  ihrer  Entschuldigung  wird  auch  sonst 
engt,  dass  sie  nicht,  wie  die  Novatianer,  die  Vollmacht  der  Kirche 
eleagnet  haben,  die  Gefallenen  wieder  aufzunehmen,  dass  aber  in 
Ipanien  besondere  Verhältnisse  bestanden  haben  mögen,  welche  eine 
esondere  Strenge  erfordert  hätten.  Solche  Verhältnisse  walteten  aller- 
ings  ob;  aber  sie  waren  innere,  nicht  äussere;  diese  Strenge  hatte 
Iren  Grand  in  dem  energischen ,  darum  durchfahrenden  und  rückaichts- 
Men  Charakter  der  Spanier.  Indem  die  Bischöfe  solche  Beschlüsse 
iseten,  wussten  sie,  dass  sie  damit  der  Anschauung  und  dem  Wunsche 
er  Gläabigen  entgegenkämen.  Durch  eine  grössere  Milde  hätten  sie 
bor  AergemiBS  gegeben,  als  durch  diese  Strenge. 

Trosdem  hatten  sie  keinen  Grund  und  kein  Recht  dazu.  Diese  Ver- 
»reehen,  für  welche  es  nach, ihren  Beschlüssen  wohl  eine  Kirchenbusse, 
iber  keine  Wiederaufnahme  und  keine  Besiegelung  derselben  durch  die 
leilige  Communion  gab,  kamen  überall  vor,  wenigstens  der  Abfall  von 
lern  Glauben  zu  der  Zeit  der  Verfolgung,  aber  nirgends  wur4e  am  Ende 
les  Lebens  die  Communion  verweigert  In  Spanien  waren  die  äussern 
Terhältnisse,  wie  in  der  übrigen  Christenheit.  Darum  hatten  auch  die 
fisdiöfe  von  Elvira  kein  Recht,  ihre  eigenen  Wege  zu  gehen.  Indirect 
idelt  diese  Beschlüsse  auch  der  Papst  Innozenz  I.  in  seinem  Schreiben 
A  den  Bischof  Exuperius  von  Toulouse:  „Als  unser  Herr,^  sagt  er, 
,der  Kirche  den  Frieden  gab,  und  schon  der  Schrecken  gewichen  war, 
0  beschloss  man,  den  Sterbenden  den  Frieden  zu  geben,  und,  wegen 
ler  göttlichen  Barmherzigkeit,  den  (in  die  Ewigkeit)  Scheidenden  die 
Wegzehrung  zu  reichen,  damit  wir  nicht  die  Härte  und  Unerbittlich- 
ceit  des  Kezers  Novatian  nachzuahmen  scheinen.  Es  wird  also  zugleich 
nä  der  Bosse  (Absolution)  die  lezte  Communion  gereicht,  damit  solche 
fensehen  wenigstens  an  ihrem  Ende,  mit  der  Gnade  unsers  Erlösers, 
ror  dem  ewigen  Verderben  bewahrt  werden  *).^ 

T^^wi^tAii  die  Bisdiöfe  von  Elvira  auch  nicht  die  einzelnen  Kirchen- 
«Mhlüsse  über  die  Busse  der  schweren  Sünder,  so  dürfen  wir  nicht 


■)  /anoe.  I.  ^.6  ad  Extfirwm  Toht,  nr.  2. 


30  Fünftes  Buch.     Die  Syoode  von  Klvira. 

übersehen,  dass  Cyprian,  der  überall  und  besonders  in  Spanien  so  hoch- 
geaclitete  Kirchenlehrer,  es  ihnen  in  klaren  Worten  geschrieben,  was 
Oesez  und  Uebung  der  ganzen  Kirche  in  Betreff  der  Geüedlenen  sei. 
„Der  Papst  Cornelius  hat  mit  Uns,"  schreibt  er,  „und  überhaupt  mit 
allen  in  der  Welt  eingesezten  Bischöfen  beschlossen ,  dass  Männer  dieser 
Art  (in  der  Verfolgung  abgefallene  Bischöfe)  zwar  zur  Busse  zugelassen, 
dass  sie  aber  von  der  Weihe  des  Clcms  und  der  Ehre  des  Priester- 
thumes  ferne  gehalten  werden  sollen.  *  Wenn  selbst  gefallene  Bischöfe 
zu  der  Busse  zugelassen  werden  sollten  (und  nach  der  Busse  zu  der 
Laiencommunion) ,  um  wie  viel  mehr  gefallene  Laien? 

In  der  That  kamen  diese  strengen  Beschlüsse  weder  in  Spanien 
noch  ausserhalb  desselben  zur  Ausführung.  Sie  blieben  ein  todter  Buch- 
stabe. In  der  Wirklichkeit  sind  sie  unausführbar.  Nach  den  obigen 
Worten  des  Papstes  Innozenz  kann  es  scheinen,  als  wollten  die  spani- 
schen Bischöfe  diejenigen  vom  ewigen  Leben  ausschliessen ,  welchen  sie 
die  lezte  heilige  Communion  entzogen,  oder  wenigstens,  was  annähernd 
auf  dasselbe  liinauskommt,  dass  die  also  Gestraften  an  ihrem  Heile  ver- 
zweifelten. Denn ,  wer  an  die  Verzeihung  nicht  glaubt ,  dem  wird  auch 
nicht  verziehen.  Aber  es  wird  sich  um  die  Frage  handeln,  wie  die 
spanischen  Bischöfe  ihrerseits  die  Sache  betrachtet  haben,  und  —  die 
analoge  Behandlung  der  zur  Todesstrafe  Verurtheilten  in  dem  christ- 
lichen Europa,  und  in  Spanien  im  Besondern  scheint  mir  geeignet  zu 
seyn,  das  auf  der  Frage  liegende  Dunkel  am  besten  zu  erhellen. 


Die  heilige  Communion  wurde  früher  besondews  in   Spanien 
und  Frankreich  den  zum  Tode  Verurtheilten  verweigert. 

Es  dürfte  schwer  nachzuweisen  seyn,  zu  welcher  Zeit  im  Abend- 
lande die  Gewohnheit  aufkam,  den  zum  Tode  verurtheilten  Verbreohem 
die  lezte  Wegzehrung  der  Sterbenden  zu  entziehen.  Diess  aber  ist  ge- 
wiss, dass  man  in  Spanien  und  Frankreich  am  längsten  und  am  hart- 
näckigsten an  dieser  Sitte  festhielt,  und  dass  Staat  und  Kirche  in 
Spanien  in  dieser  Angelegenheit  besonders  der  römischen  Kirche  gegen- 
über dieselbe  (exceptionell  strenge)  Haltung  und  Stellung  einnahm,  wie 
die  Synode  von  Elvira  mit  ihren  Beschlüssen. 

Diese  Sitte  kam  in  Deutschland  am  Ende  des  Mittelalters  allmälig 
ab,  und  scheint  überhaupt  hier  nur  wenige  Jahrhunderte  bestanden  zu 
haben.  Denn  in  dem  Concile  zu  Mainz  vom  J.  847  —  ist  d^  Canon  27 
folgenden  Inhaltes :  Von  einigen  Brüdern  (d.  h.  Bischöfen)  ist  die  Frage 
vorgelegt  worden,  über  jene,  welche,  nachdem  sie  gebeichtet  haben, 
ihrer  Lasterthaten  wegen  am  Galgen  starben ,  ob  man  nämlich  ihre  Leich- 
name zur  Kirche  tragen,  für  sie  Opfer  darbringen,  und  die  heilige  Messe 
halten  dürfe,  oder  nicht?     Wir  antworten:  Wenn  allen,  die  über  ihre 


CftBOD   1.  31 

Bteden  wahrhafte  Busse  thiin,  am  £nde  die  beilige  Communion 
gereicht  werden  muss,  warum  denn  nicht  jenen^  welche  wegen 
ihrer  Sünden  die  Todesstrafe  erleiden?  Bei  denen,  welche  dem  Tode 
Btlie  sind ,  ist  die  Bekehrung  zu  Gott  mehr  nach  der  Zerknirschung  des 
flersenfly  als  nach  der  Länge  der  Zeit  zu  beurtheilen.  Beispiele  sind 
der  MOrder  am  Kreuze;  dann  Nahum  1 ;  Ezechiel  33 '). 

Die  Synode  von  Worms  vom  J.  868  hat  fast  wörtlich  in  ihrem 
80ten  und  lösten  Canon  denselben  Beschluss  aufgenomnien :  Wenn  ein 
Verbrecher,  welcher  hingerichtet  wurde ,  aufrichtige  Beicht  ablegte  und 
wQrdig  biiaste,  so  darf  sein  Leichnam  in  die  Kirche  gebracht  und  für 
ihn  Hesse  gefeiert  werden.  —  Denn  derjenige  raube  dem  Menschen 
im  Heil,  der  ihm  die  Busse  zur  Zeit  des  Todes  verweigere^). 

Troz  dieser  Erlasse  und  Verordnungen  verbreitete  sich  doch  im 
Mittelalter  die  Sitte  immer  weiter,  den  Verurtheilten  die  lezte  Weg- 
lehrung  zu  verweigern.  Im  J.  1392  erliess  der  Erzbischof '  Johann 
de  Genstein  von  Prag  eine  sehr  strenge  Verordnung  an  alle  seiner  Le- 
gation Unterworfenen,  worin  er  befiehlt,  den  zum  Tode  Verurtheilten 
die  Sacramente  der  Busse  und  der  Wegzehrung  nicht  zu  verweigern. 
Er  weist  auf  die  alten  cänonischen  Sazungen  hin,  gegen  welche  in 
einigen  Orten  seines  Sprengeis  der  verdammliche  Missbrauch  der  Ver- 
weigerang  sich  eingeschlichen  habe,  und  zwar  durch  weltliche  Obrig- 
koten.     Diess  verbietet  er  unter  Androhung  kirchlicher  Censuren*). 

Die  alten  canonischen  Bestimmungen  sind  wohl  die  oben  angeführten 
deutschen  Concilien,  vielleicht  auch  eine  Verordnung  der  allgemeinen  Sy- 
node von  Vienne  (1311—12),  worin  allen  Justitiarien  und  weltlichen  Herrn 
befohlen  wird,  solches  Unrecht  nicht  zu  begehen  oder  zuzulassen,  und 
den  Verurtheilten  das  heilige  Sacrament  der  Busse  nicht  zu  verweigern  *). 

Aber  es  dauerte  Jahrhunderte  lang,  bis  sich  allmälig  eine  mildere 
Praxis  Bahn  brach.  Im  J.  1435  wurde  das  barbarische  Gescz  in  der 
Stadt  Constanz  abgeschaffit ').   —    Im  J.  1446  erliess  der  Bischof  Gott- 


*)  SmJHttm  ergo  kommt  adimity  quisquis  mortis  tempore  poonitentiam  denegatf  ei  desperat 
dt  eiemenäa  Dei, 

hW^Mn^  Concil.  GmcU.,  Bd.  4  (1860),  S.  121;  357.  -  Uint«Miin,  üeschiclile 
dtr  deulJichcn  Concili«'n,  Mainz  1852,  Bd.  2,  501;  3,  176.  —  Harzhem,  Cou- 
dHa  Germaniae,  2,  159;  320, 

'i  Binlerim,  Concilien,  6,211.     Harzheim,  4,  640—  41. 

*t  CUssentutiirum,  Lib.  V.  TituL  IX.  C  /.  Cum  secundum  statuta  canonica  ultimo  de- 
pmiamdsM  supplicio,  negari  (si  petant)  non  debeat  poenitentiae  sacramentmn,  abusum 
dammahilem  in  guibusdam  partibus  contra  hoc  introductum  aboleri  omnino  volentes,  justi- 
tksrioe  omnes  et  dominos  temporales  j  ut  ab  huiusmodi  desistant  iütusUf  hortamur  etc. 

*)  Mone,  Quellcngcschichte  des  badischen  Landes,  I,  337 K  «Den  27.  Jan.  (1435) 
ward  Hagedorn  erircnkt  und  ward  uf%eselzt,  das  roao  sol  den  verurlalllen 
onserD  Herrn  gen*  (ansera  Herrn,  d.  h.  das  heilige  Abendmahl). 


32  Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvin. 

fried  IV.  von  Würzburg  eine  Sammlung  von  Statuten  unter  fortlaufen* 
den  Titeln  nach  der  Ordnung  des  canonischen  Aechtes  für  seine  Di5- 
cese  *)  f  worin  auch  die  Verordnung  der  Synode  von  Vienne  mit  den 
Worten  eingeschärft  wird: 

jfDtk  nach  dem  Concilium  von  Vienne  den  zum  Tode  Verurtheilten 
das  Sacrament  der  Busse ,  so  sie  es  verlangen ,  nicht  verweigert  werden 
darf,  so  wird  der  in  einigen  Gregenden  eingeführte  verdammungswürdige 
Missbrauch  völlig  abgeschafiTt,  und  allen  Richtern  und  weltlichen  Herm 
befohlen y  dass  sie  solchem  Missbrauche  entsagen,  ja  den  örtlichen  Or- 
dinarien wird  befohlen,  dass  sie,  sobald  es  passend  geschehen  kann,  sie 
daeu  ermahnen,  und  —  falls  es  nöthig  seyn  sollte,  sie  mit  kirchlichea 
Censiuren  zu  zwingen  nicht  verabsäumen  sollen  ^).^  Fast  wörtlich  hat 
schon  eine  Würzburger  Synode  vom  J.  1400  dieselbe  Verordnung  er- 
lassen^). 

Eine  Synode  von  Bamberg  vom  J.  1491,  in  welcher  der  Bisdiof 
Heinrich  TTT,  für  seine  Diöcese  die  kirchlichen  Statuten  sanunelte  und 
erliess,  verordnet  ebenfalls,  dass  die  weltlichen  Herm,  „um  sich  nicht 
eine  ungeheure  Schuld  aufzuladen^,  die  helligen  Sacramente  der  Busse 
und  des  Altares  den  Verurtheilten,  im  Falle  sie  dieselben  verlangen, 
nicht  vorenthalten  lassen  dürfen,  und  dass  —  diese  Verordnungen  auf 
den  K^^nwftln  kundgemacht  werden  sollen  *).  Dagegen  wird  den  Leibern 
der  Hingerichteten  das  kirchliche  Begräbniss  verweigert^)  (eine  Sitte, 
die  auch  heute  nodi  besteht). 

Eine  Baseler  Synode  vopi  J.  1603  befiehlt,  dass  die  Seelsorger  den 
zum  Tode  Verurtheilten,  auf  deren  Bitte,  weder  das  heilige  Sacrament 
dar  Busse  noch  des  Altares  verweigern  dürfen,  oder  verweigern  lassen 
sollen  ^). 

Um  dieselbe  Zeit  wurde  auch  in  Strassburg  die  gleiche  Unsitte  ab- 
geschafft, besonders  auf  Betreiben  des  berühmten  Predigers  Geiler  von 
Eaisersberg,  —  in  Folge  eines  eingeholten  zustimmenden  Gutachtens 
der  Universität  Heidelberg  ^). 

Im  J.  1550  erliess  der  Bischof  Herzog  Robert  de  Croy  von  Gam- 
bray auf  der  in  dieser  Stadt  gehaltenen  Synode,  im  Rückblicke  auf  eme 
Synode  von  1320,  den  Befehl,  unter  Strafe  der  Excommunication  gegen 
die  Ungehorsamen  den  Verurtheilten  die  heiligen  Sacramente  der  Busse 


I)  Harxheim,  L  5,  315  —  316;  Binterim,  7,  228-30. 
*)  BanAem,  5,  349. 
•)  HanMm,  S,  12. 
0  BlDterim,  7,330— 33. 
•)  HarthM,  5,  632. 
*)  Harxhem,  6, 10. 

*)  Kerker  »Geiler  von  Kaisersberg-  in  Bd.  48  (1861,  II.)  S.  649  der  Historisch  - 
poliüf  chen  Blitter. 


Canon  1.  33 

und  des  Altares  nicht  ssu  entziehen,  und  diese  Ezcommunication  solle  in 
'  den  Kirchen  pnblizirt  werden  ^). 

Die  Synodaldekrete  und  Constitutionen  des  Bischofs  Johannes  V. 
TOD  Chur  Yom  J.  1605  verordnen,  dass  der  Verurtheilte  an  dem  Tage, 
an  welchem  er  die  Eucharistie  genommen,   nicht  hingerichtet  werden 
aoUe,  j, wegen  der  Ehre  eines  so  grossen  Sacramentes'^  ^).  —  Vier  Jahre 
^»iter  —  1609  —  wurde  unter  dem  Bischöfe  Jacob  Fugger  eine  Sy- 
node gefeiert,  welche  in  ihrem  Titel  10  über  die  Busse  u.  a.  befiehlt, 
daas  den  Hinzurichtenden  nicht  bloss  das  Sacrament  der  Busse  nicht 
Tcrweigert,  sondern  auch  jene  mit  kirchlichen  Censuren  bestraft  werden 
loUen,  welche  sich  diesem  widersezen.     »Wir  wollen,  dass  dieses  auch 
Ton  der  heiligen  Eucharistie  verstanden  werde,   nur  soll  dieselbe  nicht 
am  Tage  der  Hinrichtung  selbst  wegen  der  Ehrfurcht  vor  einem  so  grossen 
Sacnunente  gereicht  werden  ^).^ 

In  ähnlicher  Weise  verordnet  die  zu  Augsburg  unter  Bischof  Hein- 
rich V.  gehaltene  Synode:  Den  zum  Tode  Verurtheilten ,  welche  reu- 
mftäüg  gebeichtet,  dürfe  die  Eucharistie  nicht  verweigert,  dodi  müsse 
ae  ihnen  vor  dem  Tage  der  Hinrichtung  gegeben  werden  ^).  —  Die 
Wormser  Synode  von  demselben  Jahre  1610  bestimmt,  dass  die  Obrig- 
kaktk  cu  ermahnen  seien ,  dass  sie  die  Verurtheilten  nicht  ohne  die  hei- 
I^  Commanion  sterben  lassen.  Die  6e£Emgenen  sollen  —  von  ihreti 
Banden  frei,  an  einen  geziemendem  Ort  gebracht,  und  nicht  an  dem 
Tage  ihrer  Conmiunion  hingeriditet  werden.  Dasselbe  verordnet  eine 
OsoabrOcker  Synode  vom  J.  1628  9  wiederholt  eine  Synode  von  Cam- 
hnj  nnn  J.  1631,  dass  die  Verurtheilten  den  Tag  zuvor,  oder  wenig- 
stens fttnf  bis  sechs  Stunden  vor  der  Hinrichtung  die  heilige  Communion 
empfangen  sollen.  Eine  Cölner  Synode  vom  J.  1662  sagt,  obgleidi  den 
Verurtheilten  die  lezte  Eucharistie  nicht  vorenthalten  werden  dürfe,  so 
rarlange  doch  die  Ehrfurcht  vor  einem  so  grossen  Sacramente,  dass 
ihnen  dieselbe  einen  Tag  vor  der  Hinrichtung  gereicht  werde.  —  Die 
im  J.  1688  unter  dem  Bischöfe  Herrmann  Werner  zu  Paderborn  gehal- 
tene Synode  verordnet:  j^Den  zum  Tode  Verurtheilten,  welche  reu- 
mOtl^g  gebeichtet  haben,  darf  die  Eucharistie^  nicht  verweigert,  doch 
Duus  ihnen  dieselbe  einen  Tag  vor  der  Hinrichtung  gegeben  werden, 
damit  nichts  gegen  die  einem  so  grossen  Sacramente  gebührende  £hr- 
fiircht  geschehe*).^ 

Die  römische  Kirche  war  stets  die  Mutter  und  Lehrerin  der  christ- 


')  Barzkeim ,  6,  695. 

^)  Harzkeim,  8,  649 r  ^ob  honorem  ianti  $(uramenti." 
*)  Harxkem,  8,  863. 

')  HarxAem,  9,  46;  116;  450;  553;  988. 

*)  Hartkeim,  10,  152  —   ei  commode  ßeri  posaü,   ne  fiHquid  praeter  reverentiam  tanti 
Saertomemä  omimgaL 

Qftati,  spuL  Klielie.    IL  3 


34  Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 

liehen  Erbarmung.  Damm  hat  man  in  Rom  von  jeher  die  Gefangenen, 
und  die  zum  Tode  Verurtheilten  mit  grösster  Milde  und  Liebe  behan- 
delt, und  ihnen  jeden  Dienst  leiblicher  und  geistlicher  Barmherzigkeit 
erwiesen.  —  Im  Jahre  1488  wurde  unter  Papst  Innocenz  VIIL  zu  Rom 
die  Bruderschaft  der  Barmherzigkeit,  oder  des  enthaupteten  Johannes 
des  Täufers  gestiftet.  Die  Mitglieder  derselben  —  confortaioH  —  stehen 
den  Verurtheilten  bei.  Ihre  Mitglieder  müssen  Florentiner  sejm,  oder 
wenigstens  von  Familien,  die  aus  Toskana  stammen,  zur  Erinnerung 
an  die  Stifter  der  Bruderschaft.  Ein  Prälat  und  ein  Bischof,  Mitglieder 
der  Bruderschaft,  trösten  die  Verurtheilten.  Das  heilige  Sacrament  wird 
in  mehreren  Kirchen  ausgesezt,  und  zahlreiche  Gläubige  beten  nnaus- 
gesezt  vor  demselben  für  ^die  armen  Sünder^.  Der  bekannte  Abb^ 
Gaume,  welcher  darüber  (über  die  Vorbereitung  zweier  Verurtheilter 
zum  Tode)  berichtet,  sagt  u,  a.  „Der  heilige  Vater  (Gregor  XVI.  im 
J.  1842)  selbst  verrichtete  eine  lange  Anbetung  vor  dem  in  seiner  Haus- 
kapelle ausgesezten  heiligsten  Sacrament  ^). 

Die  Päpste  haben  sich  dann  auch  Mühe  gegeben,  in  den  katholi- 
schen Ländern  auf  eine  ähnliche  Behandlung  „der  armen  Sünder^  hin- 
zuwirken ,  wie  sie  denselben  in  Rom  zu  Theil  wurde.  —  Dazu  gab 
ihnen  das  katholische  Spanien  am  meisten  Anlass  und  Aufforderung. 
Wenn  ein  strenger  histori^her  Zusammenhang  zwischen  der  excessiyen 
Strenge  4er  Synode  von  Elvira  gegen  die  schweren  Sünder,  und  der 
excessiven  Strenge  gegen  die  zum  Tode  Verurtheilten  nicht  nachgewiesen 
werden  kann,  so  besteht  doch  ein  innerer,  ein  im  spanischen  National- 
charakter liegender  Zusammenhang.  Wenigstens  treten  uns  hier  die 
ersten  Spuren  einer  Härte  gegen  Verurtheilte  entgegen,  welche  sidi 
von  da  über  andere  Länder  verbreitet  zu  haben  Scheint.  Der  Canon  16 
der  Synode  2  (1)  von  Bracara  vom  J.  563  lautet,  dass  den  Selbstmör- 
dern das  kirchliche  Begräbniss  nicht  zu  Theil  werden  solle,  und  fügt 
bei:  „Ebenso  soll  es  auch  mit  denjenigen  geschehen,  welche  für  ihre 
Verbrechen  gestraft  werden  *).*'  Dieser  Canon  gieng  in  das  Dekret  Gra- 
tian's  über,  jedoch  mit  dem  Zusaze:  Man  verstehe  darunter  die  ÜnbiuB- 
fertigen,  welcher  Zusaz  wohl  nicht  nach  dem  Sinne  der  Synode  Ton 
Bracara  ist.  Die  Synoden  von  Mainz  847  und  Worms  868  haben,  wie 
wir  hörten,  anders* entschieden.  -  Jedenfalls  liegt  die  Vermuthung  nahe, 
dass  schon  zu  der  Zeit  der  Westgothen  in  Spanien  wohl  die  Absolution, 
aber  nilßht  die  Communion  ertheilt  wurde.  Noch  nach  der  Synode  von 
Trient  wurde  den  Verbrechern  die  heilige  Communion  verweigert. 


')  Gaume,  Rom  in  seinen  drei  Gestalten,  Regensborgr  1848,  2, 196. 

')  SmiUter  et  de  his  placuüf  qui  pro  suis  sceleribus  pttniuntitr,  Hefele  ,  Conc  Gkscb. 
3,  17.  -  [Pcrmaneder  im  Bd.  12,  561—62  des  FreiburgerKirchenlcx.]  —  Decr. 
Chat,  c.  12,  s,  ßn,  C.  XXIII,  Qu.  5.  Spätere  Synodalbeschlässe  darfibcr  ■.  bei 
Harxheim,  5,  272,  515,  576,  632;  6,  91;  7,  24,  783;  9, 1002. 


Canon  1.  35 

Auch  Benedikt  XIV.  spricht  die  Ansicht  aus ,  dass  diese  Praxis  in 
fli  angeführten  ersten  Canon  der  Synode  von  Elvira  (und  den  folgen- 
n  Ton  ähnlicher  Härte)  ihren  Ortuid  habe^).  —  Er  erzählt,  dass  der 
i^e  Papst  Pius  V.  in  einem  Briefe  an  seinen  Nuntius  bei  dem  spa- 
idien  Hofe,  den  Erzbischof  von  Rossano,  demselben  aufgetragen  habe, 
rüber  mit  dem  katholischen  Könige  Phihpp  U.  zu  verhandeln,  dass 
&  Vemrtheilten  die  Eucharistie  gereicht  werde.  »Wir  glauben, '^  sagt 
HB  V.,  ydass  dieses  heilige  Sacrament  in  keiner  Weise  verweigert  wer- 
n  solle;  da  es  ja  der  christlichen  Liebe  mehr  entspricht,  dass  die 
Vemrtheilten),  um  in  solcher  Lage  den  Versuchungen  des  Teufels 
pferer  widerstehen  zu  können,  mit  der  heiligen  Communion  gestärkt 
erden,  damit,  während  der  Leib  zu  Grunde  gehet,  wenigstens  für  das 
Ittl  der  Seele,  soviel  es  geschehen  kann,  gesorgt  werde*).*' 

Ferdinand  Mendoza  (geb.  1566,  f  1648  zu  Madrid)  gab  seinen  be- 
Uimten  Commentar  zu  der  Synode  von  Elvira  im  Jahre  1594  heraus, 
r  sagt  zu  der  Erklärung  unsers  Canons  (und  den  folgenden) ,  niemals 
i  dem  grossten  Sünder  vor  dem  Tode  die  sacramentale  Absolution 
rweigert,  die  heilige  Eucharistie  aber  sei  demselben,  wenn  er  sie  auch 
Bnsehte,  verweigert  worden,  und  so  werde  es  noch  in  Spanien  ge- 
lten').  —  Noch  mehr,  Benedikt  XIV.,  welcher  in  der  Mitte  des  acht- 
Imten  Jahriiunderts  sdirieb,  betrachtet  diese  Praxis  als  zu  seiner  Zeit 
ich  fortbestehend  in  Spanien  wie  in  Frankreich.  Doch  führt  er  eine 
cradnung  des  im  J.  1582  von  dem  heiligen  Turibius  in  Lima  gehal- 
aen  Concils  an,  welches  vom  heiligen  Stuhle  genehmigt  wurde,  und 
»  verordnet ,  dass  die  zum  Tode  Vemrtheilten  am  Tage  vor  ihrer  Hin- 
eiiteng  den  Leib  des  Herrn  empfangen  sollen ,  damit  sie  mit  Ergebung 
id  zum  Heile  ihrer  Seele  die  Todesstrafe  erleiden  *),*' 

Benedikt  XIV.  stellt  in  unsrer  Frage  einerseits  die  Praxis  der  Ita- 
sner  ond  der  Deutschen,  bei  welchen  den  Vemrtheilten  die  heilige 
r^gzehmng  gereicht  wurde,  anderseits  der  Spanier  imd  der  Franzosen 
■ander  gegenüber,  bei  welchen  dieses  nicht  geschah,  und  fügt  allzu 
9Mheiden  bei  (er  war  noch  Prosper  Lambertini,  als  er  es  schrieb): 
Wir  find  die  Gewohnheit  dieser  Königreiche  weder  zu  billigen,  noch 
i  widerlegen  gesonnen.^ 

Was  Frankreich  betri£Et,  so  erscheint  diese  strenge  Praxis  zur  Zeit 


0  Btjudicti  XIV.  de  Sacr\ficio  Missaef  sub  finem:  Ea  conmeiudo  fortaase  ex  concilio 
nSberiiano  ^raxit  anginem  ~  cf.  Juoeninus  de  Sacramenti»;  dieeertaL  4  de  Eueharistia. 
(^aesL6. 

*\  Bemedieti  XIV.  de  mfnodo  dioeceeanOf  L  7,  cap.  IL 

*)  De  ameXo  lüHberriUmo  cor\fimumdo  ad  dementem  VIII.  Auetore  Ferd.  de  Mendoza^ 
Madriti  1594  f  foL  —  ConeiUum  lUiberiianum  ^  adjunctts  Mendozae  et  aUorum  cotn- 
mmtarSe  (ed,  Gonzalez  Teüez).  Lugdum  1665  y  foL  ConciUa  Hispaniaey  ed.  Aguirre 
"  editl  --  1693  -^  1 ,  p.  340  -^  ediL  2.  a  Joe.  Catalani,  Rom.  1753. 

*)  Agmrrt  Omca.  Büpan.  ed.  1,  4,  288. 

3* 


36  Fünftel  Buch.    Die  Synode  von  EMnu 

des  Kardinals  Robert  Pullein  (f  1147—52)  als  eine  bestehende  Sitte.  — 
^Etwas  Anderes  ist  es;^  sagt  derselbe ,   ^für  seine  Verbrechen,  etwas 
Anderes,  für  den  Namen  Jesu  Schmach  zu  leiden.    Dieses  ist  das  Thor 
des  Himmels  I  jenes  die  Figur  der  Hölle.    Darum  wird  mit  Recht  diesen 
(Verbrechern),  als  Unwürdigen  eines  solchen  Sacramentes,  die  heilige 
Communion  verweigert     Vielleicht  ist  ein  Solcher  des  Lebens  wQrdig 
wegen  der  Zerknirschung  d^r  Reue,  unwürdig  aber  ist  er  der  Eucha- 
ristie wegen  der  infeunirenden  Strafe.     Denn  wie  sollte  würdig  Christus 
in  dem  wohnen  können,  welcher  von  der  Begräbnissstätte  der  Katho- 
liken ausgeschlossen  wird?     Wenn  du  ihm  aber  den  Leib  des  Herm 
reichest,  wie  magst  du  ihm  die  Ehre  der  Begi^bniss  weigern?     Gegen  i 
den  Heiligen  des  Herm,  ja  gegen  den  Herm  selbst  sündigest  du  schwer*)  = 
(d.  h,  wenn  du  ihm  die  Wegzehrung  reichest).*  = 

Das  sind  harte  Worte,  in  die  wir  ims  nicht  finden  können.  Sie  i 
werden  widerlegt  durch  die  Olossa  in  Can.  „Quaesitnm^^  13.  QuaetL  2^ 
welche  sagt:  „Der  Leib  Christi  ist  eine  Speise  der  Seele,  und  nicht  im  \ 
Körpers:  also  erlöst  sie  die  Seele,  und  nicht  den  Körper.''  —  Aber  wie  i 
in  Spanien,  so  in  Frankreich  wandelte  man  die  alten  unbarmherzigen  :: 
Wege.  Als  im  J.  1475  der  Graf  von  Set  Pol  zum  Tode  verurtheilt  « 
wurde,  flehte  er  nach  abgelegter  Beichte  um  die  heilige  Communion.  j 
llan  bot  ihm  statt  des  Sacramentes  —  geweihtes  Brod,  statt  des  Brodai  ^ 
einen  Stein.  Nodi  imj.  1699  schrieb  der.  Franzose  Johann  Granooli%  !; 
dass  in  Frankreich  die  Verurtheilten  die  heilige  Communion  nicht  em-  • 
pfangen^).  Sein  Zeitgenosse  Bonus  Merbesius  (Bon  de  Merbes,  geh.  ^ 
1616,  t  zu  Paris  1684),  französischer  Oratorianer,  meint  wenigstens,  i 
wo  es  Sitte  geworden,  die  heilige  Conmiunion  zu  reichen,  möge  sie  ^ 
beibehalten  werden^).  , 

Am  stärksten  wurde  diese  Streitfrage  in  den  Niederlanden  behandelt  ; 
Auf  der  einen  Seite  suchten  die  Spanier  ihre  Praxis  hier  geltend  la  s 
machen,  auf  der  andern  Seite  sträubte  sich  der  weichere  germaaisotie  \ 
Gteist  der  Niederländer  gegen  solche  ungerechte  Härte.     Der  berühmte  i 
Johannes  Molanus  (Meulen,  1533 — 1585),  Professor  in  Löwen ,  ertiob 
sich  mit  Energie  dagegen.  —    Li  einer  Synode  von  Hecheln  vom  Jahr 
1607  wird  verordnet,    dass  denjenigen,    welche  zum  Tode  vemrtheiH 
seien ,  nodi  zu  r^diter  Zeit  die  heilige  Communion  gereidit  werde  ^. 


I)  Boberti  Btüi  Menteniiarum  L  6,  cap.  53,    Patrol,  iatina  acc.  Mtgne,  L  186,  904^5, 
*)  Grancolas  (geb.  1660,  f  1732)  in  seinem  Werke:  L'anden  SacramerUain  de  fEgUm, 

Par.  Jf,  p.  290. 
*)  Summa  Christiana,  aeu  orthodoxa  morum  diädpUna,  Paritüs  1683,  2foL  —    2Wm^ 

4  üoi  m  #».  —  1770  —  71.  pan  3.  Quaest  17. 
*)  PiAt  Tractatua  de  picturis  et  imaginibus  sacrity  Leodü  1570,  1574,  1590  m  tqjpend. 

Siehe  ChifJUt,  Joh.  Joe.  (geb.  1612  zu  Betan^on,  f  1666  zu  Tournay)  —  «Cnh 

jt^Nun  de  sacramento  Eucharietiae  Mmo  euppUcw  affidendu  non  dene^tmdo*  —  BnuM 


Cadoo  1.  37 

i  jf,tempe9tiv€^  erklärt  Prosper  Lambertini  so ,  dass  zwischen  der 
an  und  dem  Tod  einige  Zeit  in  der  Mitte  liegen  solle,  in 
lie  eucharistischen  Gestalten  consumirt  werden  könnten. 
&jialogie  zwischen  der  Strenge  der  Synode  von  Elvira  in  der 
rang  der  heiligen  Communion,  und  derselben  Strenge,  viel- 
■te  gegen  verurtheilte  Verbrecher  in  Spanien  und  Frankreich 
üitend.  Die  Väter  von  Elvira  aber  sind  mehr  durch  die  spätere 
tntschuldigt  oder  gerechtfertigt,  weil  der  Volksgeist  wenigstens 
n  solche  Strenge  verlangte.  Auch  sehen  wir,  dass  die  Laien 
die  Priester  dahin  drängen*). 

n  wir  die  Aeusserungen,  besonders  des  Papstes  Innozenz  L,  und 
ir  des  Kardinals  Robert  Pullein  berücksichtigen,  so  scheint  es, 
»r  Verweigerung  von  Seite  der  Weigernden  die  tJeberzeugung 
le  lag,  dass  die  also  Sterbenden  ohnedem  für  die  Ewigkeit 
seien.  Eine  solche  Anschauung  aber  darf  man  nicht  ohne  Wei- 
Vätern  von  Elvira  zuschreiben.  Sie  sagen  nicht,  dass  die  also 
n  absolut  und  unwiderbringlich  vom  Heile  ausgeschlossen  seien. 

nicht,  dass  ihnen  nicht  vergeben  werde,  oder  werden  könne, 
agen  nirgends,    dass    sie    von    der  Poenitentia  ausgeschlossen 

Man  muss  vielmehr  nach  der  oben  durchgeführten  Vergleichung 
ren:  Wie  die  zum  Tode  Verurtheilten  durch  die  sacramentale 
I  Lossprechung  von  ihren  Sünden  erlangten,  aber  (ier  heiligen 
yn  nicht  gewürdigt  wurden,  weil  dieses  eine  Gnade  ist,  deren 
dig  sind,  so  wurden  jene  schweren  Sünder  der  ältesten  Zeit, 
Elnde  nahte,  von  ihren  Sünden  losgesprochen;  ihnen  wurden 
Bischöfen  und  Priestern  die  Hände  aufgelegt  (wenn  sie  über- 
h  ein  Verlangen ,  d.  h.  eine  Reue  hatten) ,  sie  wurden  im  Na- 
Borche  und  Christi  getröstet  und  aufgerichtet  Gaben  sie  aber 
esonders  brennender  Reue,  wer  oder  was  mochte  dann  den 
erhindem ,  ihnen  die  heilige  Conununion  zu  reichen,  umso- 
I  ja  die  Zeiten  der  blutigen  Christenverfolgungen  au%ehört 
-  Hosius ,  der  die  mildere  Praxis  der  übrigen  Kirchen  kennen 
ktte,  gieng  hierin  vielleicht  als  der  erste  voran ,  und  die  übrigen 
Tn  und  stillschweigend  seinem  Beispiele.  Wenn  die  strengere 
erhaupt  eine  Zeit  lang  bestand,  so  war  sie  sicher  in  den  J.  380 
ichon  abgekommen. 

Ipanier  Mendoza,  Gonzalez  Tellez,  Aguirre  u.  a.  sind' noch  viel 
lier  in  Erklärung  dieser  und  der  folgenden  Canones,  als  der 


's  4*.  Pohl,  Pastoraltheologie,  Paderborn  1862,  Bd.  1,  S.  421.  —  Bene- 
IV,  de  tynodo  dioecesana,  8f  c,  5,  nr.  1, 

'rag-e,  ob  man  heute  noch  in  Spanien  —  den  zum  Tode  Verurtheilten  die 
Wegzehrung  verweigere',  bin  ich  nicht  im  Stande,  zu  beantworten.  In 
reich  scheint  diese  Sitte  noch  zu  bestehen. 


38  Fünftes  Bach.     Die  Synode  von  Elvi». 

Schreiber  dieses.     So  handelt  z.  B.  Mendoz*  ausführlich  über:  Piaeuä 
et  placüU  üUer  eos.     Er  hat  ans  Anlass  des  Wortes  in  nnserm  Canon 
„Tempel''  ein  Kapitel  über:  quae  sit  iemplanan  arigo,  quae  ratio;  handelt 
von  den  heidnischen  Tempeln  in  Spanien,   und  deren  Zerstörung ,  in 
einem  eigenen  Kapitel  über  die  IdoloUUria,   über  das  cnma%  eapUale, 
besonders  aber^  was  unter  Communion  verstanden  veerde.     £r  verthei- 
digt  die  Synode  gegen  Baronius  und  andere  ^    meint ,    eine  so  grosse 
Strenge  sei  im  Anfange  noth wendig  gewesen ,  und  die  Väter  von  Elvin 
hätten  durch  .dieselbe  ein  abschreckendes  Beispiel  geben  wollen.  —   Im 
Allgemeinen  haben  die  Spanier  die  natürliche  Tendena,  das  anzuführen, 
worin  ihr  Concil  mit  andern  Concilien  und  Gewohnheiten  der  übrigen   : 
christlichen  Welt  übereinstimmt;   wir  suchen  vielmehr  nach  Spuren  der   : 
eigenthümlichen  kirchlichen  Zustände  Spaniens. 

Aguirre  bemerkt  *)  zu  dem   Worte  Placet,   das  Wort  habe  Osius   . 
fragend  in  Sardika  gebraucht ,    wie  44  Jahre  früher  zu   Elvira,      Des 
ist  ein  indirectes  Zugeständniss ,   welches  ich  gerne  acceptire,   dass  Ho- 
sius  Haupt  und  Leiter  auch  der  Synode  von  Elvira  gewesen. 


Cuoi  2. 

Ueber  die  Priester  der  Heiden,      De  sacerdotibus  gentUimmj 
welche  nach  der  Taufe  geopfert      qui  post  baptismum  immo- 

haben.  laverunL 

Flamines,  welche  nach  dem  Empfange  Flamineij    qui  paH  fUem 

der  Taufe  und  der  Wiedergeburt  geopfert  kuxMeri  et  regcneraücmu  %aa\^ 

haben,  sollen  desswegen,  weil  sie  die  Ver-  /leovermU,  eo  quod  ^emiinatw- 

brechen  verdoppelt  haben,  weil  der  Mord  rini  ieelera,    aeeedente  hami^ 

hinzukommt,  oder  die  Missethat  verdrei*  ddio  vd  tripUeaverint  faekmt 

&cht  haben ,  da  die  Unzucht  damit  zu^  eoh(»ercnt^  moechia,  plaauü  to$ 

flammenhängt,  auch  am  Ende  die  Com-  nee  in  finem  aceipere  commm* 

munion  nicht  empfiuigen.  nionem. 

Dieser  Canon  ist  das  grosse  Kreuz  der  Erklärer.  Ich  sende  meine 
Ansicht,  zu  der  ich  aUerdings  auf  bedeutenden  Umw^en  gelangt  bin, 
voraus.  Die  Flamines,  welche  vom  Christenthume  wieder  abfielen,  und 
opferten,  hatten  dadurch  die  Strafe  des  ersten  Canons  sich  zugezogen. 
—  Sie  nahmen  aber  auch  Theil  an  den  grausamen  heidnisdien  SpieleOi 
an  den  Thierkämpfen ,  an  den  Kämpfen  der  Gladiatoren ,  die  sidi  gegen- 
seitig  mordeten,  sie  opferten  also,  und  waren  Mitschuldige  des  Mordes. 
Sie  nahmen  auch  Theil  an  jenen  obscönen  Spielen,  die  besonders  in 
Spanien  so  unzüditig  waren  und  blieben,   dass  ein  Christ  sie  verab- 


>)  Aymnt,  Omeäia  HispanM  •d.  QOalam,  Rm.  17S3,  L  2,  p.  8i. 


US  fieide  geopiert  natte,  jezt,  wenn  er  opiert,  d.  ti.  abtäiit, 
inen  Mord  aad  Unzucht  begehe.  Er  meint,  die  Apostel  hätten 
I  Apoatelconcil  die  drei  Verbrechen  einander  gleich  gestellt,  und 
diess  mit  vielen  Stellen  der  Kirchenväter;  aber  darnach  fragen 
iV).  —  Gonzalez  Tellez  fUhlte  wohl,  um  was  es  sich  handelte, 
weist  auf  die  alten  Menschenopfer  hin ,  die  bei  den  TorrSmischcn 
vorkamen.  DieCimbem,  Gallier,  Germauen  (auch  die  Franken 
rocop)   opferten  Menschen.      Unter  den  Opfern  waren  besonders 

und  Jungfrauen,  welch'  leztere  nicht  selten  vor  der  Ermordung 
lebt  wurden.  Er  weist  u.  o.  auf  Eusebius  dt  praepar.  evangdica 
ie  alten  Lusitanier  hätten  die  Sitte  gehabt,  aus  Eingeweiden  der 
m  zu  weissagen.  In  Bätika  habe  sich  ein  Freund  für  den  an- 
m  Opfer  gebracht.    In  Betreff  der  moechia  verweist  er  auf  Suelon. 

Tiber.  —  Baron,  arm,  34.  —  Er  schlägt  die  Erklärung  vor; 
B,  welche  nach  der  Taufe  Mädchen  dem  Saturn  oder  der  Diana 
eo  quod  gemiruiüerint  iceUra,  oder  sie  eigentlich  verdreifacht  etc. 
rklärung  finde  auch  eine  Bestätigung  in  der  Ueberschrift  unsers 
über  die  Priester   der  Heiden,  welche  nach  der  Taufe  immo- 

(non  gacrificaverunt,  »ed  hottiam  humanam  immotaverantj.  Wenn 
•H»ning  aber  nicht  gefalle ,  so  werde  er  in  dem  folgenden  Canon 
lere  geben.  „Denn  auf  einem  schliipfiig»!  und  durcbaos  dunklen 
f  vo  man  nicht  sichem  Fuas  fassen  könne,  habe  er  wenigstens 
r%  gebahnt,  auf  dem  ein  Änderer  mit  mehr  Talent  die  Wahr- 
ten könne."  Tejada  y  Ramiro  ist  geneigt,  der  Ansicht  des  Gonz. 
teiEutreten. 

r  heute  noch  der  Erktärmig  des  Gonz.  Tellez  folgen  wollte, 
I  seiner  BeweiafUhrong  ein  viel  reicheres  Material;  denn  wir 
lorch   weitere  Forschungen  tiefere  Blicke  in  den  schrecklichen 


40  FtLnftei  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 

viele  Belege  haben,  auch  in  der  römischen  Zeit,  und  im  vierten  Jahr- 
hundert nach  Christus  noch  fortdauern  mochten.  —  Es  galt,  Beispiele 
beizubringen y  oder  es  wenigstens  wahrscheinlich  su  machen,  dass  sur 
Zeit  der  Synode  von  Elvira  Menschenopfer  in  Spanien  vorkamen.  Ich 
selbst  weiss  keine  Beispiele.  Aber  —  man  kann  doch  darauf  hinweisen, 
dass  besonders  in  dem  südlichen  Spanien  vor  der  römischen  Zeit  —  die 
phönizische  imd  libysche  Religion  allgemein  verbreitet,  und  dass  mit 
dieser  überall  zahllose  Menschenopfer  verbunden  waren.  Die  Südlichen 
Spanier  wurden  in  Sprache  und  Lebensweise,  auch  in  der  Religion  so  voÜ- 
konmien  romanisirt,  wie  kein  anderes  Land,  so  dass  sie  selbst  ihre  Sprache 
imd  Literatur  vollkonmien  verlernten  und  vergassen.  Aber  nichts  ist  so 
zähe,  als  die  Religion.  Die  alten  Spanier  nahmen  alle  römisch -griechi- 
schen Gottheiten  an,  und  errichteten  ihnen  Tempel  und  Altäre;  Sie 
behielten  aber  doch  ihre  alten  phönicischen  und  libyschen  Grottheiten 
bei,  von  jenem  Herkules -Melkart  an,  dessen  Tempel  zu  Gades  auch 
im  vierten  Jahrhundert  fortbestand ,  bis  zu  der  fast  obscuren  Salambo  ^), 
deren  Fest  zu  Sevilla  Anlass  des  Martyrtodes  der  heiligen  Justa  und 
Bufina  war,  bis  zu  dem  libysch -phönicischen  Gotte  Nethos  in  der  römi- 
schen Colonie  Acci.  Der  der  Salambo  ähnlichen  Göttin  Artemis- 
Tanais  wurden  Menschenopfer,  und  zwar  Jungfrauen,  dargebracht^).  — 
Der  elende  römische  Kaiser  Heliogabal  (218  —  222  n.Chr.),  von  dem 
gerade  sein  Biograph  Lampridius  erzählt,  dass  er  den  Cult  der  Gt^ttin 
Salambo  nach  syrischer  Weise  in  Rom  eingeführt  habe^  d.  h.  wohl  u.  a. 
sie  in  ähnlicher  Weise  in  Prozession  umhergeführt  habe,  wie  die  Hei- 
den ia  Sevilla,  führte  die  Menschenopfer  in  Italien  wieder  ein.  Der 
Geopferte  musste  ein  einziges  Kind  der  Eltern  seyn,  und  zwar  aus  einer 
vornehmen  Familie  ^).  Heliogabal  wählte  zu  Opfern  für  seinen  Safhm- 
Mithra  oder  Elagabal  Ejiaben  aus  den  ersten  italienischen  Familien.  Er 
wollte  auch  aus  den  Eingeweiden  der  Getödteten ,  wie  später  Julian  der 
Apostat,  die  Zukunft  erkennen.  —  Diejenigen,  welche  die  Erneuerung 
der  Menschenopfer  im  dritten  und  vierten  christlichen  Jahrhundert,  oder 
die  Fortsezung  der  alten  Menschenopfer  in  Spanien  nicht  für  möglich 
oder  wahrscheinlich  halten,  lassen  sich  dabei  von  ihrem  Gefühle,  nicht 
von  positiven  äussern  Zeugnissen  leiten.  —  Li  allen  phönicischen  und 
carthagisdien  Colonieen  femden  die  Menschenopfer  statt;  warum  sollten 
sie  denn  in  den  zahlreichen  Colonieen  Spaniens  nicht  stattgefunden  haben? 


')  Movert,  die  Phönicier,  1  Bd.  1841,  Untersuch angen  über  die  Religion  und  die 

GoUheiten  der  Phönicier  —  S.  585—600. 
*)  Movers,  i,  625.    Ueber  Menschenopfer  überhaupt,  8.  406  flg.  —  8.  801  betend. 

über  Kinderopfer.    Lamprid,  7  —  m  AnUm,  Hüiogabalo:  Salamhimem  omni  phndu 

et  jaetatioM   Syriqd  cuUiu  exhümiL      Movers,  1,689.     Curtuu,  4,  15.   —     SiUut 

ItaL  4,  769. 
')  Lamprid,  c  8,    p Caedit  et  humanat  hostieu,  UctU  ad  hoc  pueria  nobüibuM  et  decons  per 

omnem  Italiam  pairmu  et  matiimitf  credo,  ut  major  esset  utrique  pttrmUi  dohr,   ^ 


CaDon  2.  41 

•er  Herkules  sn  Gades  war  der  tyrische  Baal  oder  Herakles ,  eben  der 
'eaggott  Moloch I  d^n  soviele  Menschen  geopfert  wurden^).  —  Nach 
[eh,  Silins  ItaUeas  und  Philostratus  —  war  der  Herkules  zu  Gades 
iB  igjptischer  Gott  Zu  leugnen  ist  aber  nicht,  dass  Gades  eine  phö- 
iöche  Colonie  war;  und  andere  Schriftsteller,  wie  Diodor,  Arrian, 
astin  und  Appian ,  beseugen ,  dass  der  Cult  ganz  phönicisch  sei  *).  Die 
iüierens  gleicht  sich  nach  Movers  dadurch  aus,  dass  beide  Herkules 
in  und  derselbe,  und  dass  sie  in  gleicher  Art  in  Tyrus,  wie  in  Aegypten, 
erehrt  wurden^).  Gades  aber  wurde  von  Tyrus  aus  gegründet  Es 
t  gewöhnliche  Sage,  dass  Herakles  Ton  Tyrus  nach  Gades  gekommen. 
Mm  er  hier  den  Tcmpeldienst  eingerichtet  habe,  und  gestorben  sei^). — 
)er  Dienst  dieses  phönicischen  Herakles  hatte  stets  Menschenopfer  in 
dnem  Geleite.  Es  wird  zugegeben,  dass  dieser  Tempel  und  Cult  im 
knfimge  des  vierten  Jahrhunderts  noch  bestand.  Wenn  man  das  erstere 
«gesteht,  muss  man  auch  das  leztere  einräumen.  „Die  Menschenopfer 
SAen  darum  länger,  weil  man  in  Cultussachen  länger  ansteht,  Ver- 
aderuDgen  zu  treffen,  als  im  gemeinen  Leben "^j.^  —  Dass  Cadix  kein 
Bithnm  war  und  ¥rurde,  dass  es  nicht  einmal  einen  Priester  nach  Elvira 
Dtnndte,  erklärt  sich  aus  seiner  heidnischen  Vergangenheit  —  Der 
*empel  des  Herakles  war  und  blieb  sein  Heiligthum,  der  Mittelpunkt 
sines  Lebens,  mit  dem  es  stand  und  fiel.  —  Ich  halte  es  nicht  für 
'ahrscbeinlich ,  dass  im  J.  306  eine  christliche  Gemeinde  mit  einem 
Üester  sich  in  Gades  befand.  Als  endlich  unter  Theodosius  dem  Grossen 
ier  GSiendienst  mit  Gewalt  vertilgt  wurde,  so  war  Gades  —  eine  zer- 
illene  und  verödete  Stadt.  Den  Fortbestand  des  heidnischen  Cultus  im 
'•  S06  sezt  auch  Florez  voraus,  indem  er  annimmt,  dass  der  Heide 
litor,  welcher  die  Märtyrer  Germanus  und  Servandus  auf  dem  Ge- 
ieto  von  Gades  hinrichten  liess,  wegen  des  Herkules  in  diese  Stadt 
idi  begeben  habe. 

Diejenigen  heidnischen  Gülte,  mit  welchen  Menschenopfer  verbun- 
la  waren ,  erhielten  sich  in  Spanien ,  und  nait  ihnen  erhielten  sich  auch 
Ee 'MeDschenopfer.     Man  wäre  sehr  im  Lrrthume,  wenn  man  eine  Ver- 


*)  Movert,  401.  —  Will  man  diess  nicht  zugeben,  so  gab  es  zum  Ueberflass  in 
Gades  auch  einen  Tempel  des  Eronos  (Saturn  «>  Moloch).  Strab,  3,  169,  Mela, 
.J,  $.  —  SO.  Ital.  3,  24.  —    PhilostratuMy   Vita  Apoihnü.  5,  4-  5. 

*)  Diodor,  5,  20,  —  Arrum,  exped,  Akxandri,  2,  16,  —  Justin.  44,  S,  —  Appian. 
UbL  mm.  6,  2, 

*)  MoTera,  416. 

•)  StnA;  3,  170,  Mela,  3,  6.  —  Amob,  1,36.—  SaOuit.  B.  Jug,  18.  —  Mover«,  432. 

*)  J.  6.  Müller,  »Geschichte  der  Amerikanischen  Urreligioncn.*'  Basel  1855,  S.  144. 
~  »Viel  schwerer  noch.b&lt*cs,  die  Menschen  von  den  Menschenopfern ,  als 
▼00  der  Anthropophagie  abzubringen''  —  8.  632.  Cf.  Procop,  bell.  goth.  2,  26, 
ftber  die  Menschenopfer  der  Franken;  GrotH  kitt.  Goihorum,  p.  617  —  über  die 
Mensehenopier  der  Gothen. 


42  Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elyira. 

edlungy  ein  Fortschreiten  zum  Bessern  annehmen  würde.     Neben  dem 
zu  seinen  Siegen  fortschreitenden  Christenthume  wurde  das  Heidenthom 
vielmehr  immer  gemeiner  und  blutdürstiger.     Die  j, Aufgeklärten^  unter 
den  Heiden ,  welchen  auch  heute  noch  die  Herzen  unsrer  j, Aufgeklärten* 
entgegenschlagen,  welche  das  sinkende  Heidenthum  erheben  und  ver- 
edeln wollten,  sind  theils  überwiesen  der  Menschenopfer,  thdls  steh^ 
sie  in  dringendem  -Verdachte  derselben.  —   Julian  ist  nahezu,  überwiese 
der  Menschenopfer.    Sein  grosser  Verehrer  Ammianus.  Marcellinus  nennt 
ihn  ergeben  übertriebener  Erforschung  der  Vorbedeutungen,  mehr  einen 
abergläubischen,    als    überzeugungsvollen    Beobachter    heidnischer    Ge- 
bräuche,  der  ohne  Maass  unzählbare  Thiere  schlachtete,  so  dass  man 
theils  fürchtete,  theils  wizelte,   wenn  er  mit  heiler  Haut  vom  Parther- 
kriege heimkehre,    werde   es    an   Opferthieren   fehlen,    ähnlich  jenem 
Marcus  Cäsar,  dem  die  VP'orte  zugerufen  wurden:   die  weissen  Ochsen 
dem  Cäsar  Marcus:   „Wenn  du  siegest,  gehen  wir  zu  Grunde*).*'  — 
Solche  Wuth,  Thiere  zu  schlachten,  führt  mit  innerer  Nothwendigkeit 
zu  Menschenopfern  ^). 

Dass  Kaiser  Hadrian  Menschenopfer  geschlachtet  hat,  ist  kaum  m 
leugnen.  —  Der  bekannte  Apollonius  von  Tyana,  dessen  Leben  später 
Philostratus  als  Gegenstück  gegen  Christus  schrieb ,  stand  im  Verdachte, 
einen  arkadischen  Knaben  geschlachtet  zu  haben,  um  aus  seinen  Einr 
geweiden  die  Zukunft  zu  erschauen^).  Daraus  gehet  wenigstens  hervor, 
dass  solche  Menschenopfer  wirklich  vorkamen. 

Eine  interessante  Entdeckung  der  neuesten  Zeit  beweist  den  Fort- 
bestand des  Herkulescultes  auch  im  vierten  Jahrhundert  in  Spanien.  In 
Tarragona  fand  man  aus  Anlass  von  Neubauten  ein  Herkulesgrab,  wor- 
über der  Freiherr  von  Minutoli  ausführlich  berichtet  hat^.  Die  Grün- 
dung der  Stadt  wird  dem  Herkules  zugeschiieben ,  welcher  mit  kriege- 
rischen Scharren  von  Afrika  herübergekommen,  und  in  Catalonien  ge- 
storben seyn  soll.  Spanische  Gelehrte  meinten ,  das  Grab  und  das  Skelett 
des  wirklichen  Herkules  gefunden  zu  haben.  Minutoli  weist,  mit  Zu- 
grundelegung der  gründlichen  Forschungen  von  Movers,  nach}  woher 
die  frühern  Colonieen  ausgegangen,  die  in  Spanien  gegründet  wurden; 
sodann  sucht  er  nachzuweisen,  dass  die  Erbauung  des  sogenannten  Grabes 


*)  Amm.  Marc.  25,  4. 

')  Julian  warf^sich  auch  zum  Vertheidi^er  der  Exsectio  oder  Castratio  zu  Ehren 
der  Götter  auf,  was  gleichfalls  mit  Menschenopfern  zusammenhängt  Movers, 
1,  688 :  lifiiy  Ol  Sioi  xeJievovOiy  exreuvetv  xai  avrolg  rrp^  iv  i^fifv  aXMi^ütv  —  oraL 
in  Matr,  deorum,  Antinous,  der  Geliebte  Hadrian^s,  ertrank  entweder  im  Nil, 
oder  »opferte  sich  für  die  mystischen  Zwecke  des  kaiserlichen  Nekromao^en"  — 
S.  38  bei  jGrregorovius,  Leben  des  Kais.  Hadrian. 

')  Diess  giebt  selbst  Grcgorovins  zu  a.  a.  0.  6.  250. 

0  Altes  und  Neues  aus  Spanien,  von  Minntoli,  1854,  3  Bd.  8»  153— 217  »das 
Herknlesgrab  in  Tarragona«, 


CaDon  2.  •     43 

s  Herkules  mit  dem  Tempel,  der  über  ihm  gestanden  haben  muss,  in 
m  nerte  christliche  Jahrhundert  ÜEklle,  und  dass  die  ganze  Anlage  mit 
Ol  BQdem,  welche  die  Kämpfe  des  Herkules  darstellen,  ägyptischen 
bnkter  an  sich  trage.  Diese  Ansicht  wird  noch  wahrscheinlicher, 
enn  man  bedenkt,  dass  Tarraco  um  das  J.  260  zerstört  wurde.  Der 
bhaite  Verkehr  zwischen  Aegjpten  und  dem  Orient  und  Spanien  ist 
ich  beaeagt  aus  der  Geschichte  der  Priscillianisten  *).  —  £in  gewisser 
MXCQB  au8  Memphis  in  Aegypten  brachte  die  Irrlehre  nach  S])anien. 
-  Er  fand  bei  einer  vornehmen  Frau  Agape  und  bei  dem  Rhetor  £lpi- 
ms  Glauben.  Isidor  von  Sevilla  nennt  ihn  einen  Schüler  des  Manes, 
od  in  der  Magie  sehr  bewandert. 

Wenn  nun  dieser  Betrüger  die  angesehensten  Männer  und  Frauen 
i  Spanien,  wenn  er  sogar  drei  Bischöfe,  Instantius  und  Salvian  aus 
er  Eirchenprovinz  Merida,  und  später  den  Hyginus  von  Cordova  für 
eine  Irrthümer  gewinnen  konnte  zu  einer  Zeit,  wo  das  Christenthum 
dion  lange  herrschend  war,,  so  werden  wir  es  nicht  auffallend  finden 
Bzfen,  wenn  man  im  dritten  bis  vierten  Jahrhundert  noch  einen  Herkules- 
mpel  und  ein  Herkulesgrab  in  Spanien  baute,  und  wenn  zur  Zeit  der 
ynode  von  Elvira  diesem  und  andern  Göttern,  besonders  des  Orientes, 
iA  Menschenopfer  gebracht  wurden.  —  Minutoli  spricht  keine  Meinung 
trüber  aus,  wessen  das  Skelett  gewesen,  das  man  in  dem  Herkules- 
rabe &nd.  Will  man  eine  Ansicht  aussprechen,  so  liegt  jene  am  näch- 
cn,  dass  es  das  Skelett  eines  Menschen  war,  der  sich  freiwillig  tödten 
AM  für  Herkules.  Wie  Herkules  sich  selbst  verbrannte,  so  ahmten 
nd  lAen  ihn  hierin  viele  nach ,  und  andere  wurden  ihm  zu  Ehren  ver- 
laant  Beispiele  von  Selbstverbrennungen  kommen  in  dieser  Zeit  in 
üeoge  vor.  Dahin  gehört  der  schon  erwähnte  Antinous;  sodann  Pere- 
iinis  Proteus,  dessen  Abentheuer  und  Ende  Lucian  beschreibt^).  Wenn 
icht,  so  war  es  wohl  ein  Mensch,  welcher  dem  Gotte  zu  Ehren  ge- 
[ifert  wurde. 

Beweise  von  der  Verbreitung  des  ägyptisch -orientalischen  Aber- 
laobens  hat  auch  der  Reis^ide  Carter  in  Spanien  gefunden.  Er  bekam 
iiwa  Stein ^  eine  Camee  —  von  Basalt,  schwarzem  ägyptischem  Marmor, 
OQ  welchem,  nach  Monfaucon ,  die  meisten  Abraxas  gemacht  wurden  ^). 
harter  hielt  ihn   zuverlässig  für  einen   von   den  Steinen,   welche   die 


0  Oriffo  istims  mali  OrienM  cu:  Aegyptiu,  Sulp.  Sev.  h.  9.  2,  46,,  —  Au^ustin,  de 
kaer,  70  —  IViadläanitlae  Gnosticorvm  et  Manichaeorum  dogmata  permixta  aectantur.  — 
Manderoach,  Geschichle  des  Priscill.  1851,  S.  6. 

*j  LaetanL  d.  üut.  1,  21  (sunt  taera)  VirtutiSf  in  quibtu  ym  sacerdotea  non  aUeno,  sed 
MO  enunre  tacrifieanL  —  Müller,  amerikanische  Urreligionen  —  S.  635  —  >Sogar 
Männer  von  Stand  wählten  freiwillig  den  Tod  des  Menschenopfers." 

')  Mcmifanam^  Palaeoffraphia  graeca,  —  Hefele,  »Abraxas"  im  Frei  barger  Kirchen« 
lexikon.    Carter,  Reise, '2, 169. 


44     *  Fünftes  Bach.     Die  Synode  tod  Elvira. 

Schüler  des  Basilides  —  u.  a.  Marcas,  den  Weibern  in  Spanien  als  einen 
Talisman  und  Mittel  wider  alle  Krankheiten  auszutheilen  pflegten.  Die 
Charaktere  enthalten  ein  unbekanntes  Geheimniss.'^ 

Derselbe  Reisende  hat  die  Buinen  eines  Tempels  in  Adnippo  (bei 
Honda)  gesehen  und  beschrieben,  welcher  die  augenscheinlichste  Aehn- 
lichkeit  mit  phönicischen  Tempeln  hat,  in  welchen  Menschen  geopfert 
wurden.  Er  sah  noch  die  Fussgestelle  von  1|  Fuss  Höhe,  mit  den 
Spuren  der  Füsse  der  Gözenbilder,  welche  sämmtlich  nach  einem  em- 
zigen  Altare  gekehrt  waren,  auf  dem  geopfert  wurde  ^).  ,;,Die  Kinnen 
zum  Abflüsse  des  Blutes  sind  noch  ganz.''  —  Diese  Form  erinnert  an 
blutige  Opfer,  und  besonders  frappirt  die  Aehnlichkeit  mitlden  mexi- 
kanischen Tempeln. 

Diess  zum  Beweise,  dass  auch  im  J.  306  noch  Menschenopfer  in 
Spanien  dargebracht,  und  wohl  auch  auf  das  Neue  dargebracht  wurden^). 
Auf  den  zweiten  Beweis ,  dass  mit  diesen  Opfern  „moechia^  verbunden 
war,  will  ich  nicht  eingehen,  weil  meine  Erklärung  des  zweiten  Canons 
doch  eine  andere  ist,  als  die  des  Gonzalez  Tellez,  und  weil  die  Materie 
zu  schlüpfrig  ist^).  I 

Der  Wortlaut  des  zweiten  Canons  —  „die  Flamines,  welche  ge- 
opfert, desswegen,  weil  sie  die  Verbrechen  verdoppelt,  da  der  Mord 
hinzukommt,''  scheint  mir  die  Erklärung  von  Menschenopfern  nicht  su- 
zulassen.  Denn  wenn  auch  Menschen  geopfert  wurden,  so  vraren  doch 
nicht  alle  Opfer  Menschenopfer.  Nach  dem  Canon  hatten  aber  alle  Fla- 
mines, welche  opfern,  Theil  an  dem  Morde  und  an  der  Unzucht.  Diesen 
Mord  und  diese  Unzucht  beziehe  ich  mit  den  nicht  spanischen  Erklären! 
1)  auf  die  Spiele  des  Amphitheaters  und  Circus;  2)  auf  die  scenischen 
Spiele  der  alten  Spanier.  Bei  jenen  Spielen  wurde  das  Blut  der  Gla- 
diatoi^n  und  anderer  Unglücklichen  vergossen,  bei  den  leztem  Spielen 
der  Mimen  und  Pantomimen  wurde  die  Unzucht  dargestellt  und  gefmert, 
besonders  nach  den  Berichten  der  heidm'schen  Mythologie. 

Der  entsezliche  Missbrauch,  welcher  mit  dem  Menschenleben,  be- 
sonders durch  die  Gladiatorenspiele,  getrieben  wurde,  ist  allbekannt 
Ebenso  ist  es  bekannt,  dass  solche  blutige  Spiele  nicht  bloss  in  Ronii 
sondern  in  allen  Städten  des  Reiches  gegeben ,  dass  überall  die  Leiden- 


»)  Carler,  2,165. 

')  Siehe  über  die  Menschenopfer  überhaupt  bei  allen  Völkern:  Müller  —  die 
amerikanischen  Urreligionen ,  Basel  1855,  bes.  S.  627  flg.  —  Stephens,  Central- 
Amerika,  2, 184 flg.  —  Yacatan,  üb.  v.  Meissner,  1853,  Kap.  14.  —  Vent,  über 
die  alten  Menschenopfer,  Weimar  1834.  —  Lactant  inst  tUv,  i,  2i  —  LatiaUs 
Jupiter  eHamnunc  (znr  Zeit  der  Synode  von  Elvira)  sanguvM  colüitr  kumano, 

')  Siehe  darüber  Movers,  1,  689  —  und  die  Literatur  daselbst  —  Manch  diese 
Sitte  hat  sich  bis  auf  den  heutigen  Tag  an  einigen  Orten  in  Syrien  —  und 
am  Libanon  erhalten"  —  ßnrckhardt.  Reisen,  1,  257,  388.  Bnkkingham,  Reisen, 
2,347. 


wmleD.  Grosse  und  kleine  StKdte  vetteifiirten  hierin  mit  einander. 
1  baühmten  Amphitheater  eu  Tarragona,  in  welchem  Fructuosiu 
ine  beiden  Gefährten  als  Märtyrer  vollendet  wurden,  miiasten 
r  Füer  der  (glUcklich-unglUcklicben)  Rückkehr  des  Kaisers  Äu- 
aus  dem  cantabrischen  Feldzuge  —  an  einem  Tage  3,ÜÜ0  Sklaven 
eo').  Besonders  die  heidnischen  Priester  und  Priesteriunen  — 
t»  nnd  FUuninieae  —  deren  Aemter  erblich  waren ,  wurden  duich 
z^ommen  gezwungen ,  auf  ihre  eigenen  Kosten  dem  Volke  solche 
nnd  abscheuliche  Spiele  zu  geben,  vofdr  sie  dann  oft  mit  Denk- 
Tafeln  und  Inschriften  abgelohnt  wurden,  welche  ihre  traurigen 
Ute  auf  die  Nachwelt  bringen  sollten  und  znm  Theil  gebracht 
.In  dieser  Art  körperlicher  Gewandtheit  (der  Circus-Spielc, 
r  Spanier  Maadeu)  zeichneten  sich  die  Spanier  vor  allen  andern 
>n  des  Erdkreises  aus  *)." 

m  den  Spielen  des  Circus  im  engem  Sinoe  wird  zu  Canon  62 
elt.  Hier  ist  zunSchst  von  den  blutigen  Gladiatorenkämpfen  die 
—  In  der  Sammlung  der  Inschriften  von  Hasdeu,  deren  es  im. 
1  t,3fi0  sind,  wird  u.  a.  der  glückliche  Ausgang  einee  Gladiatoren- 
in  der  Nähe  von  Chaves  (Aquae  Flaviae)  gefeiert  —  Eine  in  Gra- 
lern  alten  Elvirs  selbst,  gefundene  Inschrift  ist  gesezt  dem  Spanier 
•'■bianus  Evander,  einem  Fähnrich  der  dreizehnten  Legio  rt^ax,  der 
m  göttlichen  Trajon  zum  Lohn^  seiner  Thaten  zehn  Mauerkronen, 
n  BUrgerkronen ,  qnd  eine  Bostrata  oder  SchiSakrono  erhalten 
£>  stammte  aus  der  Stadt  Urso  oder  Oauna.  Als  er  gestorben 
t  Terordnete  der  Legat  und  Procorator  des  Kaisers  in  Bstika  und 
ien ,  daas  sein  Andenken  jedes  Jahr  durch  ein  Festgelsge  und 
i^ämpfen  aof  Kosten  der  Stadt  Osuna  begangen  werden  solle. 
iarcia  Singular  aber  stiftete  einen  Fond,  fUr  zwei  Paare  von 


46  Fünftes  Bach.     Die  Synode  von  Elvira. 

In  der  Stadt  Xeres  de  la  Frontera,  dem  alten  Mimieiphan  & 
rUmum,  fand  sich  eine  Inschrift  des  Inhalts:  Dem  L.  Fabins  Gob 
Sohn  des  Lucius,  dem  Quatuörvirn,  sezte  das  Volk  des  Cae$ar.  Miet 
—  die  gegenwärtige  Gedenktafel ,  für  das  Schauspiel,  welches  er 
Volke  gab  von  zwanzig  Paaren  Gladiatoren  —  für  das  HeL 
den  Sieg  der  Cäsaren.  Sowohl  die  Inschrift,  als  der  Ort,  wo  sie 
gestellt  wurde,  wurde  mit  Bewilligung  der  Decurionen  durdi  gern 
)f€ne  Vota  gegeben ').  Welch*  grausamer  und  mordsüchtiger  QtkÜ 
radc  in  dieser  Gegend ,  besonders  wegen  sich  forterbender  Familienff 
Schäften,  auch  heute  noch  herrsche,  davon  hat  Minutoli  in  seinem  ^^ 
und  Neues  aus  Spanien^  eine  haarsträubende  Geschichte  mitgetheUC 
Puerto  Santa  Maria,  zwei  Stunden  von  Xeres,  tödteten  sich  zwei  ji 
Männer,  welche  im  Uebrigen  die  Achtung  Aller  genossen,  in  d 
Zweikampfe  mit  Messern  ohne  irgendeinen  Anlass  zum  Streite,  nur 
dorn  Grunde,  weil  vor  so  vielen  Jahren  durch  ein  unglückliches 
sammopitroffen  ihre  Väter  sich  getödtet  hätten.  Durch  ihre  gegensei 
grausame  Ermordung  glaubten  sie  ihren  Eltern  ein  herrliches  Tod 
Opfer  darzubringen,  und  selbst  nut  Buhm  aus  dem  Leben  zu  schei 
Dioss  sind  auch  Menschenopfer  und  Gladiatorenkämpfe,  wie  sie  i 
sonst  in  diesen  Gegenden  vorkonunen,  nur  die  Form  ist  eine  an 
geworden  ^).  —  [Eine  fast  noch  schrecklichere  Geschichte  hat  Min* 
erlebt  mit  seinem  eigenen  Bedienten  und  dessen  sterbender  Mutte 
Ein  OfBcier,  Cäcilius  Pap.  Optatus,  vermacht  der  Stadt  Barcelona 
grosse  Sunmie  Geldes,  aus  deren  Zinsen  jedes  Jahr  Bingkämpfe 
halten,  und  Gel  in  den  Bädern  an  das  Volk  vertheilt  werden  soll 
Auch  in  Bom  gab  es  Gladiatoren  aus  Spanien  ^). 

Zu  den  blutigen  Kämpfen  der  Gladiatoren  gehörten  natürlich 
die  blutigen  Thierkämpfe,  welche  in  Spanien  vorzugsweise  Stierkäi 
gewesen  zu  seyn  scheinen  (siehe  Gan.  62). 

Die  christlichen  Flamines  nun,  welche  als  Vorsizer  und  mei 
als  Tii&ger  der  Kosten  dieser  blutigen  Spiele  —  opferten,  hatten  n 
dem  Verbrechen  des  GUMcendienstes  sich  auch  mit  dem  Verbrechen 
Mordes  belastet,  da  sie  ja  die  armen  Opfer  bezahlten  und  gaben,  w< 
in  diesen  Kämpfen  zur  Augenweide  des  Volkes  ihr  Leben  geben  sol 
sei  es  in  den  Faust-  und  Bingkämpfen,  sei  es  in  den  Gladiatorenkäm 
sei  es  in  den  Thierkämpfen.  —  Aber  mit  diesen  blutigen  Spielen  'v 


*)  ^(Mf/tMf  Coü$e.  NT.  $(iX  —  Bapmhu  «6  SO  paria  flmdiatonm  data  pr^  m 
virtoria  CVMMmiiii.     Loci»  «(  mtariptio  Z>.  D,  per  tobellam  dakL 

*)  Altrt  und  Neues  «us  Spanien,  1,28  —  43.  »Ein  Zweikampf  in  Poerio 
Maria." 

*)  Hir*h(>:  Kino  GfwiUcrnacht  in  Merida  —  1,18  —  27. 

*)  (MhvmHf  9ir.96S. 


!  Spiele   verbunden.    Indem  die  Flamines  ifanen  an- 
f  TCranst&lteten ,  machten  sie  sich  des  Lasters  der  Un- 

i  zn   hoher  Blüthe  gelangte  römische  Theater  gerieth   mit 

m  Reiche   immer  mehr  in    Verfall.     Rohe  Spektakel   und 

lÜchkeiten  bildeten  den  Inhalt  der  meisten  spanischen  Spiele, 

n  üdi  die  tiefe  Entartung  jener  Zeit  überhaupt   spiegelt.     Als 

i  der  ongUubliehen  Barbareien,   welche  die   damalige  Bühne 

,  wird   angeführt,   dass   einst  ein    Schauspieler,   welcher  den 

a  Herkules  darstellte,  lebendig  auf  der  Scenc  verbrannt  wurde'). 

r  Rolle   hatte  man   einen   zum   Tode  verurtbeilten   Verbrecher 

[Ein  Seitenstück  aus   der  Wirklichkeit  zu   dem,   was   wir 

t  nnr  als  Wahrscheinlichkeit  Über   das   Herkulesgrab   in   Tarra- 

t  h»ben^J]. 

j  auf  die  Gräuel,  die  sich  auf  den  Brettern  zeigen  dui-ftcii, 

ftei  uiEugeben,   dass  die  Pasiphae  mit  dem  Stiere,    die  Ledn  mit 

[wane   in   möglichster  Naturwalu-heit  dargestellt  wui'deu.      Ein 

I   grobe    Ausschweifungen    verunstaltetes   Theater   mussten    die 

1  verabscheuen.     Tertullian  nennt  die  Theater  Häuser  der  Venus 

R  Bacchus^),      Nicht  anders  drückt  sich   darüber   der  Rbetor  Ar- 

i*),    welcher  die  Theater  Häuser  der  Venus  nennt,   und  in 


^S(ba«k,  Gcidiichle  der  ttramallscbcn  Lilrralur  und  Kunst  in  Spaniern.  3  B<lr, 
:f4i-46  —  BoriFii  —  S"' Auflage,  lÖJi  -  S.  Iri  üfc'.  -  EriUrlun};  des  rDnii- 
«ckea  Tbeateri  in  der  ipilern  Kaiserzeil,  S.  30  Dg.  ForldaaeT  der  scenischen 
Spide  der  RjJtDcr  ond  Zn*ammetihang:  derselben  mit  deo  mittelalterlich  cd  Furccn. 
*i  TtrtdSam.  ad  naiiomtt,  t,  W.     Vidimai  latpe  cfutratum  ÄOin  dtum  a  Ptsnnunte,   tt 

fv  wmmM  errnmabatiB-  Btrailem  iiwtuerat. 
*)  r<rM0nL  dß  Mpactanlü  und  ad  natümei,  I,  10  —  Comti^antur  eoran  eobis  ma- 
jml^m  m  eotpnt  ä^^r«,  Feauitiai  et  iKnnufiia  eopat  intago  aiiiulibtl  dti  vetliL  — 
Am>  rtfipwoDr«!  «M£t  m  ffladiataniiii  eavea,  ubi  super  langaintm  humanuni,  *upeT 
■fväiaBMMM  poauBMm,  prmnd»  taUanl  dei  veitri,  argumenta  tl  hütorioä  nocenlibui 
TerlulL  dt  idahlab^.  2  et  pauint, 


ade.  gemUt,  7,  33.  Erütäuitiit  traclüri  M  Kanorifict  Flora,  (i  (uü  üi  ludii 
t  eenptxtrit  rtt  agi,  U  aügratuiH  ab  {tipanarüna  in  thealral  —  [Augutim. 
A  cääHf:  Dti,  3,  14,  7t,  —  Satriati.  da  gub«ntat.  Dti,  6,  2  ig,  Itidar  Bi^ai. 
4a»£  I.  18.  — 7  —  nrtuB.  dt  tpteiac  10.  "HkKOrum  proprü  tacrarrum  Venerü  etU 
hafmt    Pamptjui  Magnti,    m>h>    theatn   ruo  mmar,    cum    iWsm  arctnt  otimium  twpitur 


I  tt  (faananihaa  apui  UmpS  tibilo  prae- 
«  dtbuiL  Sed  Vtntri  tt  Liben  eoBBtntL  Duo  JMta 
mia  eoK^nrala  tt  coafwuAi  tnls'  m  matt,  AritlatU  »I  Hbtdmii.  Ilaqut  (Aeatnon 
■it,  LA*ri  qii»qut  damut  ttL  Nom  tt  aUot  itdot  leenicoe  lÄberaUa  pr^irie  vo- 
t,   —     (y.  17  —   a   ditatro   Mparamkr,    quod  ttt  prvaatum   ewaittoria»  vnpu- 


48  FfiDfles  Büch.     Die  Synode  von  Elvira. 

derselben  Weise,  wie  Tertullian ,  Venus  und  Bacchus  (Liber)  mit  einin- 
der  verbindet  ^)* 

Wie  Tertullian  und  Amobius  betont  auch  Cyprian  den  nAzertrenn» 
liehen  Zusammenhang  zwischen  Gözendienst  und  den  heidnischen  Spielen. 
Die  Idololatrie  ist  die  Mutter  aller  dieser  Spiele^).  Er  fragt:  Welches 
Schauspiel  ist  ohne  Gözendienst,  welches  Spiel  ohne  Opfer?  Wo  g3Ü)e 
CS  einen  Wettkampf,  der  nicht  durch  einen  Oetödteten  (gleichsam)  em- 
geweiht  würde?  Bei  diesen  Spielen  werde  zuweilen  selbst  der  Httisoh 
durch  die  Banditenstreiche  des  heidnischen  Priesters  ein  Opfer,  da  das 
noch  warme  aus  der  Eehle  emporsprizende  Blut  in  der  Opferschale  auf- 
gefangen werde,  während  es  noch  schäume,  und  dem  gleichsam  dürsten- 
den Oözen  in  das  Angesicht  geschleudert  werde.  '- —  Die  scenischen 
Spiele  aber  schildert  er  in  ihrer  ganzen  nackten  Abscheulichkeit  Nach 
ihm  lehren  die  Mimen  (d.  h.  die  Schauspieler)  den  Ehebruch.  Wenn 
Cyprian  in  seinem  berühmten  Briefe  an  Donatus  schreibt,  dass  die  züch- 
tige Matrone,  welche  zu  den  Schauspielen  gekommen  ist,  vielleicht  ab 
eine  unzüchtige  zurückkehre,  so  liegt  darin  eine  Bestätigung  der  be- 
kannten Worte  des  Tacitus,  dass  die  Frauen  der  Deutschen  in  sicherar 
Keuschheit  leben,  weil  sie  durch  keine  Reize  der  Schauspiele,  durch 
keine  Verlockungen  der  Gelage  verdorben  werden'). 

Lactantius  spricht  ausführlich  von  den  blutigen  Gladiatorenspieles, 
an  welchen  den  Christen  Theil  zu  nehmen  stets  verboten  gewesen.  So 
schrecklich  aber  diese  Blut-  und  Gräuelscenen  seien,  so  weiss  er  doch 
nicht,  ob  nicht  die  scenischen  Spiele  noch  mehr  Verderben  stiften*). 


' )  Minueiui  FtUx  —  Octav,  c.  37,  Nunc  enim  mimus  vd  exponit  aduUeria  vßl  momtnU; 
nunc  enerviä  fuatrio  amorem  dum  fingit,  infligit. 

^)  Cyprian.  Über  de  ep^ctacuUs,  cap.  4.  quod  enim  epectaculum  eine  idolof  quie  ludus 
sine  9acr\ficio  f  quod  certamen ,  non  consecratum  mortuo  f  —  cap,  5,  Qiuod  ei  rwramn  prae- 
rogem,  quo  ad  aliquod  tpecUMCulum  itinere  perveneril,  cof\fitebiiur  per  luparum,  per  pr^ 
eiiiutarum  nuda  corpora^  per  pubUcam  libidinem,  per  dedecue  ptd^UcuMf  per  vulgarem 
Uudviam,  per  communem  omnium  eontumeUam, 

*)  Ofpr,  ep.  1,  ad  Donatum,  c.  8,  —  DeUctat  in  mimie  turpitudinum  ntagieterio  vei  quid 
dornt  geeaerit,  recognoacere ,  vel  quid  gerere  possit,  audire,  ÄduUerium  diedtwr  dm 
videtur;  et,  lenocinante  ad  vida  publicae  auctoritaUs  mcUo,  quae  pudica  forkuM  ei 
^ßeetacubtm  matrona  proceeeerat,  —  reoertitur  impudica,  Cf,  de  hab,  mrginmmf  e.  iS, 
Tadt.  Germania,  19,  —  Ergo  eeptae  pudiciäa  agunt,  nulU»  epeciaciäorum  hUooebrit, 
nuiUe  conmmorum  inritationilnu  connq)ta^.  Auch  Cyprian  spricht  de  htUnt,  tir$, 
c.  21  von  den  convixna  laedva,  LactanL  divin,  instituL  de  vero  cuiiu,  6,  20,  8i 
homiddium  facere  nuüo  modo  licet,  nee  interetee  omnino  concediiur^ 

*)  In  ecenie  quoque  neecio  an  sit  corruptela  viHoeior,  Nam  et  comicae  fabtUae  de  etuprit 
virginum  hquuntur,  out  amorüms  meretrieum.  —  Hietrionum  quoque  impudentiseam 
moiue  quid  aUmd,  nui  Ubidinee  et  docent,  et  inetigantf  quonim  enervaia  eorpora,  ei 
m  muUebrem  inceeeum  habümnque  moüita,  impudica»  foeminae  inhoneetie  geetäme  men- 
HwUur,  Quid  de  mimi»  loquar  corruptelarum  prae/erentibue  diadpHnamt  qm  docent 
adulteria,  dumßngunt,  et  eimulatie  erudiunt  ad  vera,  —    Admonentur  uiigm  (Jt 


CADon  2.  49 

dk  nach  JjactaDz  hängen  diese  Spiele  wesentlich  mit  dem  Gözen- 
«ummmen,  ja  sie  selbst  sind  Gözendienst  Der  Christ,  welcher 
solchen  Schauspielen  anwohnt,  welche  der  Religion  (der  Heiden) 
gefeiert  werden,  ist  abgefallen  von  dem  Dienste  Gottes  zu  den 
y  deren  Feste  er  dadurch  begehet  ^). 
Als  das  Christenthum  den  äusserlichen  Sieg  über  das  Heidenthum 
rangen  hatte,  dauerte  doch  die  alte  Wuth  der  Spiele  fort,  besonders 
den  grSssten  Städten ,  Rom ,  Constantinopd ,  Antiochien ,  Carthago  u.  a. 
Zur  Zeit  des  Chrysostomus  dauerte  das  alte  Unwesen  fort,  und  die 
■Mn  waren  bei  Hochzeiten  und  Gelagen  zugegen.  Augustinus  hatte 
Ihfit  an  sich  die  traurigen  Wirkungen  der  heidnischen  Spiele  im  AUge- 
einen  erfahren^). 

Nach  den  Schilderungen,  welche  Augustinus  von  den  scenischen 
jitlen  giebt,  waren  sie  gerade  die  sittenverderblichsten  von  allen.  So 
»BS  war  die  Wuth ,  mit  der  diese  Spiele  durch  die  Jahrhunderte  herab 
e  GemQther  erfüllte,  dass,  als  nach  der  Verwüstung  Roms  durch 
larich  im  Jahre  41  ü  viele  Römer  nach  Carthago  flüchteten,  sie  täglich 
1  den  Theatern  für  die  Histrionen  wie  im  Wahnsinn  tobten  ^).  — 
qgnstin  beschreibt  selbst  den  schändlichen  Dienst,  welcher  zu  seiner 


€t  virym€$)f   qmd  facere  postmt,  et  tnflammaniur  Ubidinef   quae  aapedu  maxime  eon- 
ejtafiar;  —  probamtqwt  tUa,  dum  rident,  et  —  comtpHareg  ad  eubieuki  reuerimUwr, 

*l  Nam  bidorwm  eeltbratUmea  Deorum  ffta  tuni,  siquidem  ob  natales  eommf  vtl  iem- 
piormm  mooontm  dedieattanea  sunt  constitutL  Et  primüu$  quidem  venationeSf  quae  vo- 
eamtur  munera,  Satumo  sunt  attrihutae;  ludi  taUem  scenici  Libero  ^  drcenses  vero 
Neptuno,  Paulatim  tarnen  et  caeteris  das  idem  honos  tribui  coepü;  singuUque  ludi 
memimbua  eorum  eonseerati  sunty  sieut  Sisinius  Capito  in  Ubris  Spectaculorum  docet, 
Si  quis  igitur  spectacuUs  interest,  ad  quae  reUgionis  gratia  convenitutf  diseessit  a  Dei 
aUim,  ei  ad  deos  se  contuUi,  quorum  natcdes  et  festa  eelebramt  Cf.  Lact,  1,  20  über 
die  Flora  und  die  ludi  FloraUa. 

*)  Cf,  CkrysosL  ham,  7(5)  in  Matth,  —  orat.  de  poeniL  et  in  Herodem,  et  in  Joann, 
BapL  (oDächt).  Cf,  op,  L  3,  212;  11, 119—20,  ed.  Montfaucon-Miffne,  Cf,  oratio 
eamira  buhe  et  theatra;  und  Binterim,  Denkwürd.  4, 1,  8.  563. 

')  AugueL  eonfess,  3,  2.  —  Cf  de  vera  religione,  eap,  22  —  de  dvitate  Dei,  1,32  -^ 
de  ecemeoruM  institutume  ludorwn,  Ludi  scenici,  spectacula  turpitudinum  et  licentia 
vtmitatum  non  hominum  vitiis,  sed  deorum  vestrorum  jussis  Romae  instituti  sunt  (cf  Li- 
wittf  7,  2,  —  VcUer,  Maxim,  2,  4,  4);  —  pontifex  autem  propter  animorum  caven- 
dam  peetileniiam,  ipsam  scemam  construi prokibebat  (cf  2,  8;  13, 14, 25;  4,  26;  6,  10; 
8,  13 — 14;  cf  Euseb,  praqnr,  evang,  13,4-^5),  quae  animos  miserorum  tantis  ob- 
eaecavit  tenebris,  tanta  deformkate  foedami,  ut  eitiam  modo  (quod  ineredibile  forsitan 
erit,  ei  a  nostris  posteris  audietur),  Romana  urbe  veutata,  quos  pestilentia  ista  pos- 
eedäf  aiqwe  isde  fugienUe  Caxthaginem  pervenire  potuerunt,  in  theatris  quotidie  eer- 
tatim  pro  hietrionihus  insanirent  (1,  32,  ^  Cf  2,  6,  Salaian  —  de  gubem,  Dei, 
€g  15;  2,  26),  —  Nonnullae  pudentiores  (matronae)  avertebant  fadem  ab  impuris 
metibme  eeemieemm,  et  ariem  ßagiiii  furtiva  intenUone  dieeebanL  Hoc  tamen  palam 
dierendum  praebebatur  in  templo,  ad  quod  perpeinmdum  saltem  eecretum  quaerebatur 
m  domo.  —    Aug,  de  dp.  Dei  2,  26, 

Gaai,  tpan.  Klrelie.    IL  4 


50  Fünftes  Buch.     Die  Syaode  tod  EWirm. 

Zeit  noch  der  in  Afrika  und  Carthago  verehrten  heidninchen  GHtttm 
Cölestis,  oder  der  Dea  virgo  geweiht  wurde.  Dasselbe  find  nadh  Sal- 
Tian  in  Trier  statt.  Den  Wahn,  dass  durch  solche  Spide  die  €Mter 
geehret  und  yersohnet  werden ,  nennt  Augustin  ,die  unroinstej  scham- 
loseste, gottloseste,  frechste  Sühnung^  \i. 

Von  der  damaligen  Verbreitung   der  alten  heidnisdien   Spiele  in  i 

Afrika  ist  auch  der  Canon  11    der  Synode  von  Hippo  im  J.  383  ein  i 

Beweis,  welcher  verordnet,  dass  die  Sohne  der  Bischöfe  und  der  Cüe-  i 

riker  bei   weltlichen   Schauspielen   weder   mitwirken,    noch    zusdiaiiai  i 

sollen*!;  ferner  der  Canon  33,  welcher  verordnet,  dass  Sdiauspielflni  e 

und  Apostaten,   die  sich  wieder  bekehren,  die  Recondliation  nicht  Ter»  l 

weigert  werden  solle  ^;.  —    Auf  der  fünften  Svnode  von  Carthago  in  i 

J.  401  wurde  verboten,  dass  an  Sonn-  und  Festtagen  Schauspiele  anJ^  i 

geführt  werden;   ein   Schauspieler  aber,   welcher   christlidi   gewordflOi  r 

dfirfe  von  Niemand  zu  seiner  frühem  Beschäftigung  zurfickgefOhrt,  odar  i 

dasu  gezwungen  werden*'.  m 

In  Gallien  dauerte  dieselbe  Spielwuth  fort,  und  wurden  dieaelbn  ' 
kirchlichen  Geseze  gegeben.  Die  Synode  von  Arles  314  scUiesat  m  •- 
c.  4  die  Wagenlenker,  so  lange  sie  dieses  Geschäft  treiben,  toh  der  ' 
Eirchengemeinschaft  aus.  Der  C.  5  schliesst  die  Schan^Mer  glekk-  .< 
fidls  aus^i.  Die  zweite  zu  Arles  im  J.  443  oder  452  gehalte&e  Synodi  ^i 
hatte  noch  Anlass,  dieselben  Strafbestimmungen  zu  wiederiiolen.  CL2l)s';^i 
Pferde-  und  Wagenlenker  und  Schauspieler  sind,  so  lange  sie  diem  ^ 
Geschäft  treiben,  von  der  Communion  ausgeschlossen^).  Troodem  er-  ^ 
hoben  sich  am  Ende  des  fünften  Jahrhunderts  die  beiden  gallischea  fe 
Schriftsteller  Salvianus  und  Sidonius  Apollinaris  gegen  die  Spiele  und  i 
Schauspiele  ihrer  Zeit. 

Zur  Zöt  des  Salvian  waren  die  alten  Schauspiele  so  abscheulidi   « 


it,  €tp»rü  turpegy  fieii  mfi^tts;  kumc,   im^mam,  pmiemdmm^   Mr«** 
ti  dtUsHmäam  takmm   mmawmm  piaeaiiMum,   kag  faimkoM  n 

I,    re/  jcdemlütf   tmjriiuqwt   coa^cte.   «emlis  tt  owiftat  ^■ftfiirii 

■■■iia«i  pimtmrt  frfitf;  U   idtm  mtm  aokm  tUit 

>j  Hcfele,  ConciL  G.,  2,  fA 

Mi   rCMfW   flS   Mß9tttL   OnHH   Mi   TfCOtHOMmBHm   MM   MWtmr. 

*}  Helele,  2,6a 


•>  fielele,  1,176;  2,283. 


Caoon  2.  51 

1  M  sittanverderblichy  wie  zur  Zeit  des  Heidenthumes.  Jedes  Ver- 
und  jede  Schandthat  wurde  hier  ausgeübt,  die  höchste  Wollust 
y  Menschen  sterben,  Menschen  zerfleischen  sehen  von  wilden 
Noch  wurden  die  alten  heidnischen  Gebräuche  dabei  beobachtet*). 

Dieses  weiset  er  mit  Uebergehung  der  andern  Arten  von  heidnischen 
lielen  besonders  an  den  circensischen  und  theatralischen  Spielen  nach  ^). 

Besonders  ist  es  die  Weise  der  Schauspiele,  dass  diejenigen,  welche 
ideiiy  und  welche  ihnen  zusehen,  ein  und  dasselbe  Verbrechen  be- 
hßDL  Denn  während  die  Schauspieler  solches  billigen  und  gerne  sehen, 
i({4ien  sie  durch  die  Augen  und  durch  ihre  Einwilligung  dieselben 
arbrechen;  so  dass  nicht  bloss  die  des  Todes  würdig  sind,  welche 
jcfaes  thun,  sondern  auch  jene,  welche  beistimmen  (Rom.  1,  32).  Daran 
ihnen  fiut  alle  j^Römer^  jener  Zeit  Theil.  —  Wenn  sich  ereignete^ 
as  leider  oft  geschah,,  dass  an  dem  nemlichen  Tage  ein  kirchliches 
Hft  und  ein  öffentliches  Spiel  begangen  wurde,  so  wurden  von  fast 
kn  Christen  j^den  Worten  Christi  die  Worte  des  Mimen  vorgezogen''. 
ionsnd  kam  dann  in  die  Earche,  verirrte  sich  aber  Jemand  dahin, 
id  cifiihr  sofällig,  dass  heute  Spiele  gegeben  wejj^den,  so  lief  er  spom- 
nielis  ans  der  Kirche,  und  rannte  den  Spielen  nach^).  —  Doch  be- 
WfjL  er  aochi  dass  solches  in  den  meisten  Städten  Galliens  und  Spa- 
Ms  nickt  mehr  geschehe  *)  [wegen  der  Einfälle  und  der  Besiznahme 
Bfliben  durch  die  Barbaren],  oder  weil  wegen  der  Verarmung  und 
IS  Elendes  der  Zeiten  die  enormen  Kosten  dieser  Spiele  nicht  mehr 
■toitten  werden  konnten.  „Die  ELendigkeit  des  Fiscus  und  die  Bettel- 
li^gkeit  des  römischen  Staatsschazes'^  in  jener  Zeit  gestatteten  gleich- 
fli  keine  Ausgaben  mehr.  Als  aber  z.  B.  die  Stadt  Trier  schon  drei- 
st zerstört  war,  verlangten  die  wenigen  Adeligen,  welche  den  allge- 
emen  Untergang  überlebt  hatten,  von  den  Kaisem  Honorius  und  Con- 
latius  circensische  Spiele,  um  sich  gleichsam  über  das  allgemeine  Yer- 
BEben  zu  trösten^). 


*j  iSolpigii.  de  gubematione  Dei  l.  6.  e.  2.  —  Salvian  führt  die  damals  üblichen  Spiele, 
Spielbiater  und  Spieler  in  folgender  Terminologie  an  C6, 3):  Equidem,  guta 
Ingmm  est,  nunc  dictre  de  amnüniSf  amphitheatri»  mnlicet,  odeiSf  htsoriis,  pompis, 
atkietit,  petammarüsy  pantomimitj  caeteritgue  portentiM,  quae  piget  dicere,  quia  piget 
mabtm  tale  vel  noue,  de  soM^.^iftorum  ac  theatrorum  impuriitUibus  dico, 

')  In  Betreff  der  Theater  fährt  er  fort :  Qui$  integro  verecundiae  statu  dicere  queatf 
UloM  rervm  twrpium  imUatione*^  illas  vocum  ac  verborum  obeeoenitateMj  üku  motuum 
tKrpitmdimes,  iüas  geshtum  foeiUtaUs.  —  Solae  theatrorum  tmpuritates  tunt,  quae 
hameete  nom  poemtnt  vel  aceiuari, 

')  Sah.  6,  7.  J^pemittur  Dei  temphimf  ut  curratur  ad  tkeatrum,  Eccleeia  vaeuatur,  circus 
mpleter,  Ckrishm  m  aitario  dimUHrnuif  »t  aduUerantee  vitu  impwrissimo  aculo»  ludi- 
rrw  tmyium  fomieaiume  paeeamue, 

*)  Neu  agiimr  m  pbuimie  GalUarvM  urbänt»  et  ^apaedanaif  —  6,  8, 

')  De  geh,  D,  6^  iS.    Cireeneee  ergo  Dreoeri  dmderaüe^  ei  hoc  vaeiatif  hoc  expugnoHf 

A* 


52  Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 

SidoniuB  ApoUinaris   nennt   schmuzige   Gcspiilchc   —   theatralische 
Reden ').  —   Dass  auch  in  und  nach  dieser  Zeit  Weiber  auf  Theateni 
in  der  obscönen  Weise  des  Ileidenthumes  spielten ,  davon  ist  die  spätere 
Kaiserin  Theodora  ein  Beispiel,   welche  der  ^iromme^  Ejuser  Justiniaii 
vom  Theater  hinweg  auf-  den  Thron  neben  sich   erhob.     Procopius  be- 
schreib^ ihre  Laufbahn   und  Leistungen   auf  dem  Theater^).-  —     Was 
mochten  die  strengen  Geseze  in  den  Gesezbüchem  des  Theodosius  und 
Justinian  helfen ,  wenn  das  Leben  so  mächtig  dagegen  reagirte ,  und  die 
Mächtigen  sich  so  schwach  erwiesen?^)     Die  Häufigkeit  überhaupt ,  mft 
welcher  diese  Verbote  auch  in   spätem  Concilien   eingeschärft  werdiii 
mussten,  beweist  den  Fortbestand  des  alten  Ucbels,  wenigstens  in  allflSB 
denjenigen  Ländern,  welche  ehedem  Theile  des  alten  römischen  Reich«  , 
gewesen  waren.     Dieses  Reich  war  längst  zerfallen  und  zerstört,  aÜMf 
die  Greuel,  die  es  grossgezogen,  aber  das  Gift,  mit  dem  es  das  Volk 
der  Heiden  erfüllet  hatte,   lebte  noch  in  den  christlichen  Völkern  ÜMii 
Die  Trullanische  Synode  vom  J.  ()92  sagt  in  ihrem  Canon  51:  Dkm  , 
heih'ge  und  allgemeine  Synode  verbietet  die  Mimen  und  ihre  Schnnpiel%  ' 
die  Schaugepränge  der  Jagden  (d.  h.  wohl  die  Thierkämpfe),  und  im  \ 
theatralischen  Kämpfe.   Wer  diese  Dinge  treibt,  wird,  ist  er  ein  Clenfcfl)^ 
abgesezt,  ist  er  ein  Laie,  ausgeschlossen.     In  milderer  Weiae 
der  Canon  24:   Kein  Cleriker  oder  Mönch  darf  an  Pferderennen 
Theatern  Theil  nehmen.    Ist  er  bei  einer  Hochzeit,  so  muBS  er  aidi 
fernen,  wenn  die  Spiele  anfangen^). 

Wenigstens  in  Betreff  Spaniens  ist  es  eine  erwiesene  Tl 
dass  der  Endpunkt  des  alten  heidnischen  Theaters  mit  den  AnStkoffi' 
des  modernen  Theaters  zusammenfiel,  und  dass,  da  die  alten  Spiflk 
unausrottbar  waren,  der  Clerus  selbst  das  Entstehen  neuer  aof  dbiwt- 
lichem  Boden  wurzelnder  Theaterspicle  begünstigte  ^).  Hier,  in  Spaniea, 
dauerten  im  ganzen  vierten  Jahrhundert  noch  die  Spiele  der  Mimen  und 
Pantomimen  fort^).  —  Die  pantomimischen  Darstellungen ,  an  welchen 
nicht  mehr  das  ganze  Volk  in  den  Theatern  Theil  nahm,  sondern  nur 
entweder  der  Pöbel  auf  der  Strasse,  oder  „eine  gewählte,  geschlossene 


post  cladem,  poU  tanfftunemf  post  mtppUda^  post  captivitatem ,  pagt  toi  evertae  urhit 
excidiaf     Theatra  igüur  quaeriiiSf  eircum  a  prine^bus  poatubuisf 

«)  Sidon.  Äp,  epÜL  3,  13.. 

»)  HiBtor.  arcana,  c.  9.   -     Menagiana,  J,  254-~59  —  (ed,  1713—16). 

»)  Codex  Thäodos,  L,  XV.  tiL  7,  L  4  ßt  8,  —     Cod,  JmU  Üb.  V.  tU.  XVH,  i.  8.  - 

.    Nov.  CXVf  c.  3f  §.  10.  —  Ammian.  Marc.  14,  6  —  föhrt  «trui  müUa  aaliaineum''  ao. 

*)  Uefele,  C.  G.,  3,  304,  307.  4,  47,  c.  35  der  Rdmischen  .Synode  von  826.  - 
Die  Mainzer  Synode  von  852,  —  in  £.  Dümmler)  Geschichte  des  ostfr&nkisehen 
Reiches,  Berlin,  1862,  Bd.  1,343— 44  nnd  die  dortigen  Belegstellen. 

*)  Schack,  25  flg.  Ticknor,  Geschichte  der  schönen  Literatur  in  Spanien « deutsch 
von  Julias,  1852,  1,  207.   »Aufhören  des  griechischen  und  römischen  Theaters.' 

*)  MaeUer,  CommenL  de  yemo,  tnonima  et  hau  aevi  Theodaeiam.  GoUmg.  1796  ^  p.  91  sy. 


Canon  2.  53 

qidbchaft^  bei  Hochzeiten  und  ähnlichen  Festivitäten ,  oder  die  Reichen 
kcifcuipt  und  nach  Beh'eben  in  ihren  Pallästen ,  nahmen  in  der  spätem 
jMneit  immer  mehr  überhand  ^).  Die  Eniser  Carinus  und  Numerian, 
Aue  des  Cams,  stellten  unter  anderm  Tausend  Pantomimen  und  Gym- 
irten  der  Augenweide  des  Volkes  zur  Disposition  %  Der  Cäsar  Gallus 
flends  hielt  Tänzerinnen  im  Ueberfiuss. 

Als  Beweis,  wie  verbreitet  diese  scenischen  Spiele  in  dem  alten 
»nien  gewesen,  werden  auch  die  vielen,  zum  Theil  heute  noch  in 
reo  TrQmmem  vorhandenen  Theater  Spaniens  angeführt,  z.  B.  zu 
KTagona,  Merida,  Corunna  del  Conde,  Sevilla,  Ecija,  Caziona,  be- 
ttdcfB  Sagunt  Jedenfalls  war  das  nc^h  im  sechsten  und  siebenten 
ihiliimdert  in  Spanien  fortbestehende  Theater  wesentlich  heidnisch. 
Im  es  war  sowohl  der  Haltung  als  dem  Inhalte  nach  vom  Anfange 
ii  nm  Ende  mythologisch  ^).  Innozenz  I.  zählt  in  seinem  Schreiben 
ft  £e  in  der  Synode  zu  Toledo  —  J.  400  —  versammelten  Bischöfe 
deo  Hisständen  des  kirchlichen  Lebens  in  Spanien  auf,  dass  viele 
—  ma  der  Würde  von  Priestern  und  Bischöfen  erhoben  wor- 
tef  welche  vorher  Advokaten  oder  Kriegsleute  gewesen,  dass  viele, 
MriAe  dem  Volke  Lustbarkeiten  und  Spiele  gegeben,  zu  der  Ehre 
k  iilfrlistmi  Priesterthomes  gelangt  seien  ^).  Der  König  Sisebut  liess 
Biwhof  Ensebius  von  Tarraco  absezen,  weil  derselbe  gestattet  hatte, 
Sehaospiele  mit  Anspielungen  auf  heidnische  Götterlehren  gegeben 
Indess  ist  der  erwähnte  Brief  Sisebuts  sehr  unklar  ge- 
Statt einer  Abseisung  kann  man  auch  eine  Rüge  in  dem- 
finden^),  und  Florez  sucht  im  Besondern  nachzuweisen,  dass  in 


*)  Cf.  JmUmM  CapUol.  vita  Mord  AureUiy  c.  23.  —  Flavitu  Voptscus  —  Carinus  c.  18,  — 
(y.  Smetam,  DowuL  7.  —  Ptinius  h,  n,  7,  24,  —  Macrobitu  S.  2,  7.  —  AmmiemtUf 
14,  €,  —    Mämoves  de  VAcademU  des  Inscriptions ,  1,  121. 

*)  Amm.  L  e.    Exfrimunt  (feminae)  innumera  simukura,  guae  finxere  fabuhe  theatrtUes. 

»)  8chaik,  28—29;  72  fl^.  (Cf.  Dufresne  zu  Mimus.)  —  Masdeu,  8,  131;  Florez  passim, 
ood  die  Reisebeschrei bongen  von  Laberde,  Pluer,  Carter,  Stmnbume,  DiUon,  in 
ocoerer  Zeit  das  grosse  Sammelwerk:  yi^annapt^toruca''.  —  Schack,  S.73— 75. 
Schock  nennt  den  Gottesdienst  der  Westgothcn  ..mimisch",  und  will  einen  Zu- 
sammenhang mit  den  alten  Spielen  herausfinden. 

*)  (^tmtai  qui  vohgptaUs  et  edUiones  popuh  celebrarunt,  ad  honorem  swnmi  sacerdotn 
pervenisse!  qvonm  onmwm  mammem  ne  ad  societatem  guidem  ordinis  clerieorum  opor- 
tmerat  pervemire,     Innoe.  ^ffütoi.  S.  nr.  4, 

*)  Pddäki,  Bistoria  eecles.  de  Espanna,  2 parte  1605,  p.  188.  —  Mariana,  6,  3,  — 
Florez,  7,317,  —  Eusehio  episeopo  a  Sisebuto  rege  direeta  —  Objeetum  hoe,  guod 
de  buKs  tk§airüs  taworum  ( ToL  ludis  theatris  phanorum)  sc^cet  mhusterio  sie  adeptus, 
tmäi  videtMT  imcertum:  qms  non  videat  guod  etiam  videre  poeniteat,  Beatis  viris  cada- 
Vera  te  amUftrre  foetentia,  et  homines  divinis  cultibus  assidue  deditos  tua  exprobrare 
Bm  fo€tida.  Ergo  dektesps  nostrae  perenniiatis  affatus  negutufuam  expectes,  sed 
,  qmi  Deo  magis ,  guam  miserandis  plaeei  hominibus,  Eeclesitan  Bareinonensem 


54  Fünftes  Bach.     Die  Synode  von  Elvira. 

dieser  Zeit  (Sisebut  starb  621)  Severos  Bischof  von  Barcelona ,  Eusebim 
dagegen  Metropolitan  von  Tarraco  gewesen.  Der  Brief  Sisebuts  ist 
schwer  verständlich.  Mariana  hat  ihn  in  seiner  gewohnten  Eilfertigkeä 
sicher  nicht  verstanden;  Schack  und  Ticknor -Julius  scheinen  sich  auf 
Mariana  gestüzt  zu  haben  ^). 

Was  Isidor  von  Sevilla  von  dem  Theater  und  den  scenischen  Spielen 
sagt,  kommt  im  Allgemeinen  mit  Obigem  Uberein.  Das  Theater  trug 
auch  den  Namen  prosHbidum  etc,  wegen  der  Unsittlichkeit  seines  Cha- 
rakters. Doch  die  Art  und  Weise  seiner  Berichterstattung  scheint  ansa* 
deuten,  dass  derlei  Spiele  zu  seiner  Zeit  in  Spanien  noch  vorkamen. 
Im  Allgemeinen  sagt  er ,  dass  der  Christ  solche  Schauspiele  verabscheuen 
müsse,  weil  er  deren  Urheber,  die  Gözen,  hasse.  —  Denn^)  „diese 
Schauspiele  der  Grausamkeit  sind  nicht  bloss  durch  die  Laster  der  Men- 
schen ,  sondern  durch  den  Befehl  der  Dämonen  entstanden.  •  Der  Christ 
soll  nichts  gemein  haben  mit  der  Wuth  des  Circus,  mit  der  Scham- 
losigkeit des  Theaters,  mit  der  Grausamkeit  des  Amphitheaters,  mit  der 
Wildheit  der  Arena,  mit  der  Ausgelassenheit  des  Spieles.  Der  ve^ 
leugnet  Gott,  der  solches  zu  thun  sich  unterfängt,  er  ist  abge&Uen  toq 
dem  christlichen  Glauben,  der  auf's  Neue  nach  dem  begehrt ,  dem  er 
in  der  Taufe  längst  entsagt,  das  ist  dem  Teufel,  seinem  Pompe  und 
seinen  Werken.** 

Durch  Inschriften  sind  die  scenischen  Spiele  in  Spanien  beoeqgli 
z.  B.  ein  Flamen  und  eine  Flaminica  gaben  scenische  und  drcensiadie 
Spiele  vier  Tage  lang  in  Tucci,  und  dazu  ein  Mahl.  —  Ebenso  be- 
zeugt eine  Inschrift  von  Canama  bei  Sevilla  die  Abhaltung  von  sceni- 
schen Spielen^). 

Nach  dieser  Auseinandersczung  können  wir  sagen,  dass  die  Fla- 
mines, welche  auf  ihre  Kosten  dem  Volke  Spiele  gaben,  erstens  den 
Gözen  opferten,  zweitens  den  Mord  (der  Gladiatoren  und  der  Thier- 


')  FloreZf  25^  85,  —  Martanct,  6,  3.  —  In  Hispania  pari  decemendi  liberiatB  EmMbita 
Barcinon,  episcopus  loco  a  rege  motus  est  lU  ipsitu  Suebuti  UtierM  deelarami^  tub- 
stituto  tdio:  quod  in  theatro  quaedam  ah  histrionibus  agi  concessistet,  guae  ex  vana 
deorutn  tuperstüione  traducta,  cutres  Chrisiianae  abhorrere  uidebantur,  —  SdkadCf  Lc 
—  Ticknor,  Geschichte  der  schönen  Literatur  in  Spanien,  Leipz.  Id52  — 
Bd.  1,  8.  207. 

')  Isidor  Hisp,  etymologiar,  18,  42:  Idem  vero  theaimm,  idem  et  prosHbuhm,  eo  gmod  post 
Utdos  exados  meretriees  ibi  prastarenL  Idem  et  lupanar  vocatum,  ab  ei$€hm  wieretri- 
cibuSf  guae  -^  lupae  nuncupabanhar.  c.  43.  Scena  autem  erat  locus  infra  tkeätim  m 
modum  damus  instructa,  —  ubi  eantabant  comidf  tragid,  atgue  s€diab«mi  kätrioms  et 
mim,  c.  48,  Htstriones  sunt,  gui  muliebri  indumentö  gestus  impudieanam  fiminarum 
expninubitnL 

')  Florex,  9,  63.  —  editis  scenids  ludis  per  gwxtriduum  et  dreensihm  et  ^mh  dkiso,  — 
Bei  Masdeu,  Col,  nr,  744  nach  Ccga  verlegt.  Masdeu,  nr,  819  ^  buüs  seeniäs 
impensa  sua  /actis,  ^ulo  dato. 


€aDoii  3. 


56 


)  Texvchuldeten ,  drittens  Unzucht  begehen  machten  und  be- 
;  denn  nach  dem  Vorgelegtefh  kann  man  das  Geben  und  das 
illen  scenischer  Spiele  nicht  anders  denn  eine  unnatürlidie  Wei- 
nen. 

»ei  bleibt  es  nur  auflallend,  dass  die  spanischen  Erklärer  Men- 
jt>nsaleE  Tellez,  und  neulich  noch  Tejada  j  Bamiro  diesen 
!  nicht  so  verstehen ,  während  die  neuesten  nichtspanischen  Er- 
s.  B.  der  Verfasser  bei  Achterfeldt- Braun  und  Hefele  (1,  122) 
denken  tragen ,  das  homiddium  von  den  Gladiatorenspielen ,  die 
▼om  Theater  jener  Zeit  zu  verstehen. 


CiBon  3. 

nselben,  wenn  sie  den  Gözen 
inr  ein  Spiel  gegeben. 

ISO  ist  beschlossen  worden,  dass 
i  Flamines,  welche  nicht  geopfert, 
mir  ein  Spiel  gegeben,  desswegen, 
sich  der  schrecklichen  Opfer  ent- 
laben,  am  Ende  die  Communion 
ea  solle,  nachdem  sie  jedoch  die 
le  Busse  vollbracht  haben.  Gleich- 
beschlossen, dass  wenn  sie  nach 
le  in  Unzucht  gefallen,  ihnen  die 
lion  nicht  mehr  zu  geben  sei,  da- 
nicht  mit  der  Communion  des 
iohn  zu  treiben  scheinen. 


De  dsdem,  si  idolis  tan- 
tum  munus  dederunt 

Ilcm  flamineij  qui  non  im^ 
molaverirUf  sed  munm  tanium 
dederint,  eo  quod  ae  a  funestie 
€d>ainuermt  sacriflciia,  pltusuit 
eis  in  flnem  praeatäre  eommu" 
nionem^  acta  tarnen  legitima 
poenitentia:  item  ipH  H  poet 
poenitentiam  fuerint  moeehoH, 
plactät  uüerius  lUe  non  esse 
dandam  cammunionem,  ne  illu" 
iiase  (lutieae)  de  dominica  com" 
mtmione  videantur. 


%u9  dare  kann  man  allerdings  von  Almosen,  oder  Geschenken 
7Ötter  verstehen ,  und  sich  dabei  auf  den  Vorgang  mit  Justa  und 
ron  Sevilla  berufen.  [Mendo%a  —  TertulL  apol.  c,  IS  ctrctdt  cau- 
iigio  mendieans,  ExigitM  merctdem  pro  solo  templi,  pro  aditu  saeri. 
noL  $at.  8.  cf.  3,  15,  —  Lucret.  2,  624  —  28.  —  Tertull.  apol.  42. 
f  qtiotusqidsque  jam  jactat.  Porrigat  mmurn  Jupiter  et  aedpiat. 
M.  „AuguHui''  c.  91.  —    Veepasian.  c.  23.  —    TertuU.  ad  natioi%. 

-  ifmuctu«  Felix,  e.  24.     PeUes  (=z  eymhala)  aln  oaedunt  men- 
vicantes  Deos  ducunt,  d.  h.  die  Opferpriester  schlagen  die  Trom- 

nd  führen  ihre  bettelnden  Götter  von  Gasse  zu  Gasse*).]  — 

-  dann  hätten  die  Bischöfe  wohl:  Stipea  statt  munera  geipgt; 
Iten  sie  wohl  wegen  solcher  Bettelgaben  nicht  lebenslange  Busse 
;ty  und  dann  hätten  sie  vergessen,  eine  entsprechende  Strafe  für 


,  Phdo.  1,655. 


( 


56  Fünftel  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 

die  ähnlich  fehlenden  —  Laien  —  d.  h.  die  sonstigen  Cfaristen,  su  be- 
stimmen, die  den  Gözen  Almosen  gaben. 

Binius  versteht  munus  falsch;  Albaspinäus  *)  richtig  von  jpSpiekn*, 
bei  denen  ein  anderer  Flamen  präsidiren  konnte,  nicht  der  chiistlich 
gewordene  Flamen,  welcher  die  Kosten  des  Spieles  bestritt,  das  heisst 
das  Spiel  dem  Volke  gab.  Denn  mitnus  bedeutet  Geschenk  und  Spiel, 
weil  es  ein  geschenktes  Spiel  ist 

Ebenso  Gonzalez  Tellez  —  et  ethtiones  publiea$  po$t  bapUtmum  oels- 
braverint.  Munera  zu  geben  ist  eine  erbliche  Sache  der  Flamines,  m 
ist  necessitas,  nicht  ambitio.  —  TertulL  de  spectae.  12,  —  Er  sagt:  fmmm 
dictum  est  (gpectaculumj  ab  officio,  guomam  officium  etiam  muneris  no- 
men  est.  —  Mortem  homicidiis  (der  Gladiatorcnspielc  zu  Ehren  der  Todten) 
consolabatUur,  Haec  muneris  origo,  Sed  —  ferrum  volupteUi  saÜs  non 
fcunebaty  nisi  et  feris  humtma  corpora  dissiparentur.  Dann  sagt  er  weitefi 
diese  Art  „editionis^  (sc.  munerum)  sei  übergegangen  als  eine  Pflicht  an 
die  in  Würde  und  Amt  Stehenden  „guacsturiu  dieo  et  magistratua,  ä 
flaminia,  et  eaeerdotia. 

Diese  Stelle  Tertullians  dürfte  alle  Zweifel  heben.  Gt>nzal.  Telloi 
weist  femer  auf  den  C  Theodos,  De  deeurionib.  auf  tjujac  Üb.  Obsen. 
Cap.  13.  et  in  L.  6  ff.  De  exeusatt.  Ant.  —  Gothofred,  in  L,  In  hanarOna.  & 
De  vcicat.  munerum. 

Im  engem  Sinne  bedeutet  „mtmus^^  Schauspiel,  besonders  Gla^ 
torenspiel,  von  den  Beamten  und  Priestern  zum  Danke  für  das  empfim- 
gene  Amt  gegeben  dem  Volke  —  (munus  praebere  —  Cie.  de  off.  2,  10^  5f 
—  funetus  est  aedilicio  maximo  munere.  —  Juvenal.  3,  36.  —  Von  Titut 
berichtet  Sueton  c  7 :  Amphitheatro  ckdicato,  munua  edidit  appareOissimim 
largisrimumque.  —  Von  Marc.  Aurcl  als  Thronerben  erzählt  sein  Ko- 
graph:  et  gladiatorumy  quasi  privatus,  quaestor  edidit  munu$  (JuL  Capi' 
tolüi.  0.  ef.  cp.  23).  —  Von  demselben  und  L.  Verus  sagt  derselbe  —  8 
-^  funebre  munus  patri  dederunt  (dem  Antoninus  Pius). 

Aus  solchen  Beispielen  kann  man  ohne  Mühe  ersehen ,  was  j^mum» 
dare^^  in  unserm  Canon  bedeutet  Häufiger  ist  der  Ausdruck  —  edev«; 
doch  haben  wir  auch  das  Wort  dare  gefunden.  Ein  Flamen ,  der  auf 
seine  Kosten  dem  Volke  einen  Gladiatoren-  oder  Thierkampf  giebt,  hat 
des  Mordes  sich  schuldig  gemacht  Weil  er  aber  nicht  selbst  beim  Spiele 
den  Vorsiz  geführt,  nicht  selbst  geopfert  hat,  —  so  soll  ihm  am  Ende 
des  Lebens  die  Gommunion  gegeben  werden. 

Pällt  er  nach  der  angetretenen  Busse  —  in  Unzucht,  so  soll  er  die 
Con^nunion  nicht  erhalten.  Moechia  ist  hier  wohl  dem  Wortlaute  nach 
zu  &ssen,  als  Unzucht  sowohl  wie  EhebrucL 


■)  Aubespine,  Bischof  ▼.  Orleans,  f  1630.     Noten   zu  mebrerea  alten  Coneilicn 
bei  Labb^  o.  i.  w. 


CaDon  4.  5. 


57 


CuoB  4« 

^selben,  wenn  sie  noch  als 
lenen  opfern,  wann  sie  ge- 
ift  werden  können. 

,  wenn  die  Flamines  Catechu- 
1,  und  sie  sich  von  den  Opfern 
my  ist  beschlossen,  dass  sie 
Abflösse  von  drei  Jahren  ge- 
en  sollen. 


De  eisdem,  si  catechumeni 

(idhuc  immolant,    quando 

haptizentwr. 

Item  fltxmines  si  fuerirU  ca* 
tcchuvncni  et  se  a  sacrifieiis  abs'- 
tinuerifUf  poH  tricnnii  tenipora 
piaeuU  ad  baptiimum  admitti 
dd>ere. 


Gan.  42  sind  zwei  Jahre  Vorbereitung  zur  Taufe ;  nach  Can.  4 

ahre  für  die  Flamines  bestimmt,  weil  sie,  meint  Mendoza, 

unterrichten    waren;    denn   „literatV^   glauben   schwerer.    — 

21.  —    Ihre  Schuld  sei  vorher  grösser  gewesen.  —    Gonzalez 

nt,  die  drei  Jahre  seien  nicht  Vorbereitung,  sondern  auch 
Dazu  kommt,    dass  man  die  Flamines  länger  prüfen  und 

dusste. 

Ganon  5. 

a  Frau  im  Zorne  die  Magd    Si  domina  per  zelum  an- 
tödtet.  cülam  ocdderit. 


eine  Frau  (L  e.  Herrin),  von 
li  entbrannt,  ihre  Magd  geisselt, 
s  innerhalb  dreier  Tage  den 
r  Qualen  aufgiebt,  weil  es  in- 
wißs  ist,  ob  sie  dieselbe  mit  Ah- 
aus Zufall  ermordet  hat,  wenn 
it|  soll  sie  nach  sieben  Jahren, 
)  diess,  nach  Ablauf  von  fünf 
oach  vollbrachter  regelmässiger 
ur  Communion  zugelassen  wer- 
1  sie  aber  innerhalb  dieser  be- 
—  Zeit  erkrankt,  soll  sie  die 
n  erhalten. 


8i  qua  domina  furore  zeli 
accensa  flagris  verberaverit  an' 
cillam  suamj  üa  ut  intra  ter- 
tium  diem  animam  cum  cru" 
ciatu  effundat,  eo  quod  incer- 
tum  Sit  volitntate  an  casu  occt- 
derit,  si  voluntate,  post  7  annos, 
si  casu,  post  quinquennii  tem^ 
pora,  acta  legitima  poeniieniiaf 
ad  communionem  placuit  ad- 
mitH^  quod  8%  infra  tempora 
constituta  fuerit  inßrmaUiy  ac- 
cipiat  communionem. 


isa  untersucht,  was  Zelus  und  Zclodyipia  sei.  —  Cf.  Oratian  in 
wma  50  dMnet.  43,  —  Die  Freien  seien  mit  fustibm,  die  Sdaven 

flageUis  und  verberibus  nach  Ulpian  geschlagen-  worden.  — 
inns  Pius  habe  eine  Zeit  milderer  Behandlung  der  Sclaven 

Sein  Rescript  über  die  Sclaven  des  Spaniers  Julius  Sabinus 
Es  war  gerichtet  an  Aelius  Marcian,  den  Proconsul  von 


58  FüDftes  Bach.      Die  Synode  von  Elvira. 

Die  Macht  der  Herren  gegen  ihre  Sclaven  müsae  ungeschmälert 
seyn,  und  keinem  Menschen  dürfe  sein  Recht  entzogen  werden;  aber 
es  liegt  im  Interesse  der  Herren  selbst ,  dass  denjenigen  ^qm  jutU  de- 
preeantur^^,  nicht  die  Hilfe  gegen  Grausamkeit,  Hunger,  oder  unertriSg- 
liche  Misshandlung  entzogen  werde.  „Untersuche  also  die  Beschwerden 
derjenigen  y  welche  aus  der  Familie  des  J.  Sabinus  zu  der  Statue  ge- 
flohen sind,  und  wenn  sie  entweder  härtar  gehalten  sind,  als  billig  ist, 
oder  grosse  Misshandlung  erfahren  haben,  so  sollen  sie  in  die  Gewalt 
ihres  Herrn  nicht  zurückkehren ,  und  wenn  dieser  betrüglich  mdne  Ver- 
ordnung umgehet,  so  soll  er  wissen,  dass  idi  dieses  Vergehen  strenge 
bestrafen  werde.*'  —  Uebrigens  weisen  die  Erklärer  unsers  Canons  auf 
die  bekannten  kaiserlichen  Edikte  seit  Constantin  und  die  zahlreichen 
Erlasse  der  Synoden  zum  Schuze  der  Sclaven  hin. 

Gonzalez  Tellez  weist  in  BetreflF  des  Wortes  flagella  (vielmehr  flagra) 
auf  Gothofredus  in  1. 12,  de  jure  fisci,  —  auf  Just.  LipHus  L  2.  de  eruce,  cap.  3, 

—  Greiser  l.  2,  de  cruce,  cap,  4. 

Auffallend  ist  es  wohl,  dass,  wenn  die  Herrin  die  Absicht  des  Mor- 
des gestehet,  sie  nur  sieben  Jahre  Busse  bekommen  soll,  wenn  dag^g;en 
ihre  Züchtigimg  ohne  ihre  Absicht  die  Sclavin  getödtet  hat,  fünf  Jahre 
Busse  thun  soll.  Dieser  geringe  Unterschied  der  Busszeit  hat  vielleicht 
darin  seinen  Grund ,  dass  das  Bekenntniss  oder  Geständniss  als  Verdienst 
und  als  Theil  der  Busse  angenonmien  wurde,  da  Niemand  die  Herrin 
überweisen  konnte,  dass  sie  mit  Vorbedacht  ihre  Sclavin  getödtet  habe. 

"Wüsste  man  sonst  nicht,  dass  die  „ancilla'^  eine  Sclavin  sei,  so 
würde  die  geringe  B.usszcit  von  sieben  Jahren  für  einen  Mord  diess  be- 
weisen. Die  Bischöfe  wussten  an  sich,  dass  der  Mord  des  Sclaven  so 
straffällig  sei,  wie  der  Mord  eines  Freien.  Aber  wie  die  ELirche  an 
sich  und  mit  einem  Schlage  die  Sclaverei  nicht  aufheben  konnte,  wdl 
sie  zu  tief  in  das  gesellschaftliche  Leben  verflochten  war,  so  konnte  sie 

—  vor  dem  äussern  Forum  der  Kirche  —  vor  dem  Forum  der  kirch- 
lichen Disziplin  den  Todtschlag  eines  Sclaven  nicht  mit  denselben  StraÜBi 
belegen,  wie  den  eines  Freien. 

Es  ist  hier  bloss  von  grausamen  Herrinnen  die  Rede,  die  ihre  Scla- 
vinnen  zu  Tode  geissein,  nicht  von  Herren.  Waren  denn  die  Herren 
in  Spanien  weniger  grausam?  Das  Edikt  des  Pius  Antoninus  in  B^rsff 
des  Spaniers  Jul.  Sabinus  beweist  das  Gegentheil.  Aber  es  ist  walu^ 
scheinlich,  dass  den  Vätern  von  Elvira  keine  solche  Klagen  gegen  die 
Herren  zu  Ohren  gekommen  waren.  An  sich  ist  die  Grausamkeit  der 
antiken  Frauen  gegen  ihre  Sclavinnen  bekannt,  welche,  wie  Böttiger 
in  seiner  „Sabina'  es  darstellt,  stets  mit  scharfen  Instramenten  bewaffne 
waren ,  um  ihre  Sclavinnen  blutig  zu  stechen  oder  eu  schlagen ').  *- 


>)  Friedländer,  Darstellungen  aas  der  Sittengeschichte  Roms  in  der  Zeil  des  Aa- 
gast  bis  lam  Ausgange  der  Antopine  —  Leipzig  1862,  S.  281« 


Canon  6. 


59 


Daio   fiült  nodi  die  durchschlagende,  in  nnserm  Falle  todtschlagende 
Energie  spanischer  Frauen  in  das  Gewicht 

Das  Flagrum  ist  ein  Instrument,  womit  man  hauptsächlich  die  Sclaven 
xichtigte.  Es  bestand  aus  mehreren  Ketten  mit  Metallknöpfen  am  Ende 
—  daher  —  durum  fl.  —  Juv.  5,  173  — ,  welche  an  einem  kurzen  Stiele 
brfestigt  waren ,  wie  eine  Geissei  *).  Es  verursachte  mehr  heftige  Schläge, 
als  daas  es  einschnitt,  während  das  Fiagellum  schnitt  oder  rizte.  —  Doch 
8igt  Ldvius  —  cacsa  flagro  —  28,  tl  ^). 


CaBon  6. 

Wenn  Jemand   durch  böse   Mittel 
einen  Menschen  tödtet. 

Wenn  Einer  aber  durch  boshafte  Künste 
einen  Andern  tödtet,  dem  soll,  weil  er 
dieses  Verbrechen  nicht  ohne  Abgötterei 
rollbringen  konnte,  auch  am  Ende  die 
Commonion  nicht  ertheilt  werden. 


Si  quicunque  per  malefi- 
cmm  Jiominem  interfecerit 

Si  quis  vero  maleficio  intev' 
fecerit  alterum,  eo  guod  sine 
idololatria  perficere  scdus  ncn 
potuit,  nee  in  flnem  impertien" 
dam  Uli  esse  eommumonem. 


Statt  maiUfleio  —  zu  lesen  —  veneficio  ist  kein  Grund.  Denn,  um 
durch  Gift  Jemand  zu  tödten,  dazu  bedarf  es  keiner  Abgötterei,  son- 
dern nur  der  Wirkung  des  Giftes.  Die  römische  Gcsezgebung  beson- 
ders Ton  Constantin  an  —  ist  unerschöpflich  in  Gesezen  gegen  die  nictgi 
und  maieficu  Was  vom  fünften  bis  achtzehnten  Jahrhunderte  Hexen 
and  Zauberer  waren,  das  waren  besonders  im  vierten  Jahrhundert  die 
matefei  nnd  magi.  —  Gothofredus  —  hat  in  seinem  berühmten  Com- 
mentare  zu  dem  Codex  Theodosianus  mit  gründlicher  und  erschöpfender 
Gelehrsamkeit  darüber  gehandelt  Vor  wenigen  Monaten  hat  Bernays  in 
seinem  Werke  über  die  Historia  scuira  des  Sulpicius  Sevcrus,  welches 
in  seinem  aweiten  Buche  die  Hauptquelle  für  die  Geschichte  des  Pris- 
cüfianismus  ist,  —  mit  Benüsung  und  Hinweisung  auf  Gothofred ,  kürzer 
von  der  Magie  des  vierten  Jahrhunderts  gehandelt  ^).  —  Die  Väter 
von  Elvira  theilten  hierin  die  Ueberzeugung  aller  ihrer  Zeitgenossen; 
ob  mid  wie  weit  sie  hierin  im  Irrthume  waren,  weiss  bei  diesem  dun- 
kda  Gkbiete  der  Natur  und  des  Geistes  Niemand  zu  bestimmen.  Selbst 
Onos  wird  von  dem  Heiden  Zosimus  ein  Aegyptier,  d.  h.  ein  Magiw, 
em  Zauberer  genannt    Magi  sunt^  qui  eulgo  malefici  vocantur.     Hi  vio" 


*)  PUmL  Am^  4,  2,  10.  -    Martial,  8,  23;  4,  79, 

*)  PlamL  Mere.  2, 3,  80.  —  U^  Dig.  47, 10,  9.  —  pinsere,  rumpere  —  SueUm.  „  Clamlitu**^  8; 

Otko,  2.  —    Lot  Pacai,  30,.  5.  —  Ämm.  MarceL  31,  8.  —   Rieh,  AnL  —  ^.  v.  flagrum; 

fiageOum. 
*)  Siehe  unlen  bei  der  Geschichte  der  PriscilUanisten.  —    ß*,  über  die  Chronik 

des  Solpicius  Sevelras,  BerL  1861. 


60 


Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 


lerOia  tanium  earminis  kUerimtaU  (Bhaban.).  —    Mens  hautU  nulh 
polluta  vmem,  Ineantata  perit  —  Lttean  f). 


CtDOB  7. 

Ueber  die  wegen  Unzucht  Büssen- 
den,  wenn  sie  wieder  sündigen. 

Wenn  etwa  ein  Gläubiger  nach  dem 
Falle  in  die  Unzucht,  nachdem  er  die 
festgesezte  Zeit  Busse  gethan,  wieder  die 
Unzucht  begehet,  so  soll  er  auch  am 
Ende  die  Conmiunion  nicht  empfangen. 


De  poenümtibus  mot 
si  rursus  moechave 

Si  guU  forte  fiddis  pc 
mm  moechiaey  posl  tempa 
itUuta  aeia  pomiUrUiaj 
ftterü  famicatus  f  placuii 
finem  habere  eum  eommur 


CUOB  8. 

Ueber  die  Weiber,  welche  ihre  Man-    De  feminis,  quae  v 
ner  verlassen  und  andere  heirathen.       vvri^  suis  alüs  nul 


Ebenso  sollen  Weiber,  welche  — 
ohne  einen  vorausgehenden  Grund  — 
ihre  Männer  verlassen,  und  sich  andern 
zugesellt  haben ,  auch  am  Ende  die  Com- 
munion  nicht  empfangen. 


Item  feminae,  qitat 
praeeedente  causa  reli 
viros  suoB  ei  aXteris  se  c 
verint,  nee  in  flnem  ac 
communianem. 


Mendoza  handelt  hier  ausführlidi  von  der  Geschichte  der  Eh 
düngen,  und  meint,  dass  die  spanischen  Bischöfe  zuerst  die  Un 
lichkeit  der  Ehe  ausgesprochen  haben. 


Ganon  9. 

Ueber  die  Weiber ,  welche  die  ehe-  De  feminis,  quae  adt 

brecherischen  Männer  verlassen,  und  viros   rdinqimnt    et 
andere  heirathen.  nuhunt 


Ferner  soll  einem  christlichen  Weibe, 
welches  einen  ehebrecherischen  Mann,  der 
ein  Christ  ist,  verlässt,  und  einen  andern 
heirathet,  diese  Heirath  verboten  werden. 
Thut  sie  es  dennoch ,  so  soll  sie  nicht  vor- 
her die  Conmiunion  empfangen,  bis  der- 
jenige, welchen  sie  verlassen  hat,  aus  diesem 
Leben  abgeschieden  ist ,  wenn  nicht  etwa 
eine  Krankheit  sie  ihr  zu  geben  zwingt. 


lUm  femina  fldelis 
adulterum  virum  relique 
lern  et  alterum  dueU^ 
heatuTj  ne  dueat:  ei  • 
non  prita  aecipiat  com 
nem,  nüt,  quem  reliquUj 
eulo  exierüy  niri  fonü 
cesiUas  infirmüatia  dar 
ptderit 


>)  TartulL  (U  idoL  9. 


Canon  10. 


61 


lener  Canon  fOhrt  den  klaren  unterschied  zwischen  Separatio  und 
tio  der  Ehe  ein«  Der  Ehebruch  trennt  die  Eheleute  —  a  tharo 
la,  jd>er  er  trennt  die  Ehe  nicht,  weil  er  die  Wiedenrerheirathung 
schuldigen  Theiles  unter  der  Strafe  der  Ausschliessung  verbietet 
diesen  —  und  die  entsprechenden  anderen  —  Canones  haben  sich 
ter  von  Elvira  um  die  Kirche  grosse  Verdienste  erworben.  Wie 
rche  Spaniens  in  Beziehung  auf  diese  Frage  den  übrigen  Kirchen 
seidentea  im  klaren  Aussprechen  der  Lehre  und  Disziplin  voran- 
ist,  so  in  der  Lehre  von  der  unbefleckten  Empf&ngniss  der  selig- 
tingfrau^  und  von  dem  Ausgehen  des  heiligen  Geistes  von  dem 
und  dem  Sohne  zugleich.  ^Dass  die  katholische  Kirche,^  sagt 
jrk  ausgepiügtem  nationalen  Selbstgefühle  der  Spanier  Ferd.  Men- 
u  Papst  Clemens  VIII.,  ^  deren  Sid^erung  dir  nicht  der  Zufall, 
menschliche  Weisheit,  sondern  Christus  selbst  übertragen  hat, 
I  Spanien  viel  zu  verdanken  habe,  das  kann  dir,  um  anderes  zu 
then,  nicht  allein  dieses  Concil  nahelegen,  sondern  dich  davon 
ugen'  (hoc  unum  concUium  non  »uadere  tibi  tantufn^  sed  et  per- 
i  potestj.  —  Gonzal.  Tellez  weist  auf  c.  65  von  Elvira,  und  c.  93 
^  TruUana  —  t;.  692  % 


GUOB  10. 

der  Verlassenen   eines  Kate- 
enen,  wenn  sie  einen  andern 
heirathet. 

snn  diejenige,  welche  ein  Katechu- 
rerlässt,  einen  Mann  nimmt,  so  kann 
der  Taufgnade  zugelassen  werden, 
ird  auch  in  Betreff  von  Frauen -Kate- 
nen  zu  beobachten  sejn.  Wenn  Jene 
IXabige  ist,  welche  geheirathet  wird 
9BI,  der  seine  unbescholtene  Gemah- 
rlaasen  hat,  und  wenn  sie  gewusst 
taa  Jener  eine  Gemahlin  habe,  welche 
le  Grund  verlassen,  so  soll  ihr  am 
die  Communion  ertheilt  werden. 


De  relicta  catechumeni^  $i 
alterum  duxerit 


Si  ea,  quam  eatechnmenut 
rdinquü,  duxerit  maritum,  pot^ 
est  ad  fontem  lavcmri  admitti: 
hoe  et  circa  feminas  catechw 
mencu  erit  obsennrndum.  Quod 
9i  fuerü  fiddü,  quae  ducitur 
ab  eo,  qui  uxorem  inculpateun 
rdmquitß  et  cum  sderit  illum 
habere  uxorem,  quam  tine  eauaa 
reliquit,  plaeuit  in  finem  huku^ 
modi  dari  communionem. 


hsß  die  Fassung  des  Canon  an  Undeutlichkeit  leidet,  brauche  ich 
erst  zu  bemerken.  Die  Ueberschrift  selbst  ist  undeutlich,  weil  es 
ittwe  bedeuten  könnte.    Denn  bei  Idatius ,  und  nach  ihm  bei  Isidor 


[efele,  ConciL  Gesch.  3,  98, 103, 288,  486,  549. 
ändert  der  englischen  Kirche,  18409  S.  164. 


Schrödl,  das  erste  Jahr- 


62  FfiDftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 

von  Sevilla  heisst  die  Wittwe  des  im  J.  453  durch  Maximus  ermordeten 
Kaisers  ValcntiDiaA  lU.  —  die  ^Hinterlassene^  (relieta  VaUniinUmi)  Uth 
Uui  ehron.  parv.  —  Isidftr,  de  rebv»  Vandalorum  ^).  —  Doch  kann  es 
hier  nicht  Wittwe,  Hinterlasscnc ,  es  muss  Verlassene  bedeuten.  Ein 
Katechumene  verlässt  seine  Gemahlin,  und  nimmt  eine  andere  (Heidin). 
Diese  kann  in  das  Katechnmenat  und  in  die  Kirche  eintreten.  Denn 
sie  hat  von  der  Heiligkeit  und  Unauflöslichkeit  der  Ehe  nichts  gewusit 
Oder  eine  Katechumenin  verlässt  ihren  (heidnischen)  Mann.  Dieser  kann 
zur  Taufe  gelassen  werden ;  denn  auch  er  hat  die  Natur  der  ehristliehen 
Ehe  nicht  gekannt. 

Aber  anders  gestaltet  sich  die  Sache,  wenn  die  zur  (zweiten)  Ehe 
Genommene  eine  Christin  ist,  und  wenn  sie  weiss,  dass  der  Mann  seine 
Frau  ohne  Grund  verlassen  hg^.  Dann  handelte  es  sich  darum ,  ob  sie 
am  Ende  des  Lebens  die  Communion  empfangen,  oder  nicht  empfimgen 
soll.  Aber  es  wurde  beschlossen,  ihr  am  Ende  die  Communion  su  ge- 
währen. 

GUOB  11. 

Von   der  Katechumena,  wenn   sie    De  catechumena,  si  gra- 
schwer  erkrankt.  viter  aegrotaverit. 

Wenn  aber  innerhalb  der  fünf  Jahre         Intra  qtdnquennii  atUem  tenh 

die  Katechumena  schwer  erkrankt,  so  ist  pora   aüechumena  m  (^raviUt 

beschlossen ,  .  dass  ihr  die  Taufe  ertheilt,  fuerit  infirmata,  dandum  ei  ba- 

nicht  verweigert  werden  solle.  ptismam  placuit,  nan  denegarL 

Das  Auiem  deutet  auf  den  vorhergehenden  Canon.  Sonst  daaert 
das  Katechumaiat  nur  zwei  Jahre  (c.  42),  bei  einer  Frau  aber,  welche 
einen  Mann  zu  Lebzeiten  von  dessen  rechtmässiger  Gemahlin  geh^irattiet 
hat,  soll  es  fünf  Jahre  dauern,  weil  sie  auch  gegen  die  heidnische  Sitte 
und  das  Naturgesez  gesündigt  Wird  sie  aber  während,  der  fünf  Jahre 
Probe-  und  zugleich  Busszeit  krank,  so  muss  sie  getauft  werden.  GkmnL 
Tellez  sagt,  sie  erhalte  fünf  Jahre  Busse,  weil  sie  noch  vor  der  Tauft^ 
und  bei  dem  Bestehen  der  ersten  Ehe  gesündigt  habe.  —  Hefele  CmsI 
die  Canon.  9,  10  und  11  in  folgender  Weise  auf  und  zusammen.  Di^ 
selben  besprechen  zwei  von  einander  verschiedene  Fälle,  von  deMD 
jeder  wieder  zwei  Unterabtheilungen  hat. 

1)  a)  Wenn  ein  Katechumenus  seine  noch  ungetaufte  Fraa  ohne 
Grund  verlassen,  und  diese  einen  andern  genommen  hat,  bo  darf  sie 
dennoch  getauft  werden. 


')  Ebenso  — '  Bincmari  Rhem,  annaUt  —  869  —  T^eutbergam,  Lotham  regit  n 
(die  Wittwe  des  am  S.  Aag.  869  zu  Piaccnza  t  Königs  Lothar).  ^  Siehe 
Dümmler,  E.,  Geschichte  des  oslfränkischen  Reiches,  1862»  8.683.  r-  Bvtt 
MonmmeiUa  Script  7,  486, 


Canon  12. 


63 


b)  Ebenso  9  wenn  eine  Eatechumena  ihren  (noch  ungetanften  Mann 
ohne  Grmnd)   verläast  und  dieser  heirathet  wieder,   so  darf  er  getauft 

Anders  stelle  sich  die  Frage,  ob  Jemand  die  gegen  das  Recht  Ver- 
lassene heirathen  könne;  und  der  Fall  und  die  Antwort  sei  doppelt. 

2)  a)  Wenn  eine  Getaufte  wisse,  dass  Jemand  seine  Frau  ohne 
Grfimd  Terlassen,  und  sie  heirathe  ihn  dennoch,  so  darf  sie  erst  auf 
dem  Todbette  wieder  communiciren  (s.  l.Cor.  7,  12). 

b)  Wenn  aber  eine  Katechumena  einen  solchen  heirathet,  so  werde 
ihr  die  Taofe  auf  fünf  weitere  Jahre  (Probezeit)  verschoben,  und  nur 
im  Falle  der  Erkrankung  dürfe  sie  früher  getauft  werden. 


GanoB  12. 

Von  den  Weibern,  welche  das  Ge- 
werbe von  Kupplerinnen  treiben. 

Eine  Mutter,  oder  Verwandte,  oder 
jede  Gläubige,  wenn  sie  das  Gewerbe 
der  Kupplerinnen  treibt,  soll  darum,  weil 
sie  ein^i  fremden,  oder  vielmehr  ihren 
eigenen  Leib  verkauft  hat,  auch  am  Ende 
die  CSommunion  nicht  empfangen. 


De  mulieribus,  quae  leno- 
cinium  fecerint 

Mater,  vel  pareru,  vel  quae- 
libet  fidelia,  H  lenocinium  exer- 
cuerü,  eo  quod  alienum  corpus 
vendiderit,  vel  potiua  «uun^  plor 
etat  eam  nee  in  flnem  aedpere 
commumanem. 


Spitere  Sammler  der  Kirchengeseze,  wie  Ivo,  p.  8.  c.  306  — 
Borduurd  W.  19,  6  —  lesen:  msi  in  fine  non  aceipiat  eammunianem.  — 
Heodosa  handelt  hier  eap.  25  „de  poena  lenocinii^^.  —  Er  führt  die  Stelle 
an  —  L4.  (dt  praetor  ^  de  hi$  qui  notantur  infamia.  —  Leno- 
faeUp  qid  quaestuaria  mancipia  habet;  sed  et  qui  m  liberia  hunc 
exereet,  m  eadem  causa  est,  —  Yalentinian  und  Theodosius 
(l  Imenet  fn.  C.  de  speetaeuUs.  L  10)  verordneten,  dass  Sclaven,  Kinder 
and  Verwandte,  welche  also  missbraucht  würden,  aus  der  Gewalt  ihrer 
Ellani  oder  Herren  zu  entlassen  seien,  und  den  Schuz  der  Bischöfe  oder 
Defenaoren  anrufen  dürfen.  —  TerUüL  de  idololatr.  c.  11.  —  Nach  den 
Geaeseo  Solon*s  seien  die  „lenanes^  zum  Tode  verurtheilt  worden.  Der 
Tyrann  Cleomenes  von  Methymna  Hess  mehrere  „Unas^  in  Säcken  in 
das  Meer  werfen. 

Hit  gleicher  Strafe  werden  nach  unserm  Canon  belegt,  Eltern, 
«ridie  ihre  Kinder,  Verwandte,  welche  ihre  Verwandten,  Frauen,  welche 
flire  Sdaven  u«  -s.  w.  also  verkaufen.  —  Es  heisst  einen  fremden ,  oder 
▼iehnehr  ihren  Körper.  Das  begreift  man  bei  Eltern,  und  auch  Ver- 
moidten.  Bei  Sdavinnen  muss  es  auf  das  Verhältniss  des  Eigenthumea 
boogea  werden.  Ueberhaupt  aber  darauf,  dass  die  Frau,  welche  ein 
Bolcfces  Gewerbe  treibt,  >dem  Willen  und  der  schlechten  Absicht  nach 


64 


Fanftes  Bach.  *  Die  Synode  Ton  Elyinu 


ihren  eigenen  Leib  vei*kauft,  ihn  in  der  Regel  verkanft  hat,  und  nun 
die  Sünde  y  die  sie  selbst  nicht  mehr  vollbringen  kanoi  durch  andere 
wie  durch  Glieder  des  eigenen  Leibes  vollbringt. 


CUOB  13. 

Ueber  die  Gott   geweihten  Jung-    De  virginihus  Deo  dicaiiSf 
frauen,  wenn  sie  Unzucht  treiben.  si  adulteraverinL 


Virgmei,  quae  $e  Deo  ^ 
tavcruniy  ri  factum  perdideritU 
virffinitatiM,  dque  eidem  Ubiäbi 
ieroitritU  non  üUelUffenUi  quid 
admiservfU,  plaatä  nee  in  finm 
eis  dandam  e$$e  eammunianem. 
Quod  ti  Memel  pereueuae  ad 
infirmi  earpon»  lapeu  vUkUm 
omni  tempore  vUae  iuae  hȊuh 
modi  feminae  egerint  pomhm 
Uam,  td  dbttmemU  9e  a  eoA% 
eo  quod  lap9ae  pofmt  rftleaii- 
tur,  placuü  eoM  m  p%an  eam* 
munionem  aedpere  debere. 


Wenn  Jungfrauen,  welche  sich  Gott 
geweiht  liaben,  die  Gelübde  der  Junji^äu- 
liehkcit  zu  Grunde  richten,  und  derselben 
Lust  fröhnen,  und  nicht  einsehen,  was  sie 
verloren  haben,  ist  beschlossen  worden, 
dass  ihnen  auch  am  Knde  die  Communion 
nicht  ertheilt  werde.  Wenn  solche  Frauens- 
personen sich  einmal  bethören  lassen,  oder 
durch  den  Fall  des  schwachen  Fleisches 
verdorben  —  die  ganze  Zeit  ihres  Lebens 
Busse  thun,  so  dass  sie  jeder  Unzucht  sich 
enthalten,  ist  beschlossen  worden,  dess- 
wegen  weil  sie  vielmehr  gefallen  zu  seyn 
scheinen ,  so  sollen  sie  am  Ende  die  Com- 
munion empfangen  dürfen. 

Mendoza  behauptet,  dass  es  schon  zu  der  Apostel  Zeit  in  SpanicB 
gottgeweihte  Jungfrauen  gab.  Diess  ist  wahrscheinlich,  aber  nidit  er- 
wiesen. Für  die  übrige  Kirche  ist  Justin  der  Märtyrer  der  erste  Zeuge 
um  150.  Hierher  mag  man  auch  die  Geschichte  der  heiligen  Theda, 
des  Lazarus  und  der  heiligen  Martha,  sowie  der  heiligen  Olcilia  reehnen. 
Für  Spanien  hat  man  kein  früheres  historisch  beglaubigtes  Beispiel,  ab 
das  der  heiligen  Eulalia  von  Merida ,  ein  oder  zwei  Jahre  vor  der  Synode 
von  EUvira.  —  Aber  da  ich  erwiesen  zu  haben  glaube,  daaa  die  Eirdie 
Spaniens  von  dem  Apostel  Paulus,  —  sodann  von  doi  Siebenminnera, 
welche  von  Petrus  und  Paulus  gemeinsam  nach  Spanien  gesendet  wor- 
den, gegründet  wurde,  —  da  sonach  die  Kirdie  von  Spanien  nach  dflr 
Kirche  von  Rom  und  überhaupt  Italiens,  da  sie  in  Leben  nnd  £inridi- 
tungen  sich  durchaus  nach  der  römischen  Kirche  bildete  —  (ao  das 
man  in  einem  gewissen  Sinne,  namentlich  in  Beziehung  auf  die  Litaigie 
—  die  G^talt  der  ältesten  römischen  Kirche  aus  der  G^eatalt  der  llteaten 
apanischen  Kirche  erkennen  kann),  da  die  beiden  Heiligen  Pndentiaiia 
und  Praxedis  in  der  Mitte  des  zweiten  Jahrhunderts  ohne  Zweifelr  Oott 
geweifaete  Jungfrauen  —  virgine$  Deo  dieaiae  —  waren,  — *  ao  reMit 
aieher  der  Stand  der  gottgeweihten  Jungfrauen  in  Spanien,  wenn  nidil 
in  das  erste,  so  doch  in  das  aweite  christliche  Jahrhundert  carfklL  -* 


Cadod  14. 


65 


sagt  Mendoza  weiter  —  dass  unter  dem  Abfalle  dieser  Jung^ 
*h  eine  etwaige  Ehe  mitgemeint  sei;  denn  gerade  durch  eine 
•en  sie  ihre  Verblendung  zu  erkennen,  und  ^dass  sie  nicht  ein- 
s  sie  verloren  haben^.  [Oonc*  Turon.  v.  461  —  c.  tf.  —  Cone. 
e.  iO-A  (angebliche  Synode) ;  besonders  aber  ToUtaman  1, 16, 19]. 
die  Tochter  eines  Bischöfe ,  oder  Priesters,  oder  Diakons,  die 
ge^weihet  hat,  sündigt  und  heirathet,  so  dürfen  ihre  Eltern 
inen  Verkehr  mehr  haben;  sie  selbst  wird  excommunicirt  und 
iivenn  sie  stirbt,  das  Sacrament  wieder  erhalten  —  ToUi,  4,  55. 
,  erklärt  die  Worte  „non  inteUiginUs^^j  wenn  sie  keine  Reue 
1  „Uzp^aei^,  wenn  sie  nicht  mit  ihrem  Willen  gesündigt  haben. 
3llez  unterscheidet  zweierlei  Jungfrauen  in  Spanien;  er  weist 
higenia  —  21.  Sept.,  Thecla  und  Petronilla.  —  Einige  sind 
feinung,  dass  es  schon  Klöster  um  diese  Zeit  in  Spanien  ge- 
e.  Aber  —  wie  sollte  dieses  möglich  sejrn?  Das  Beispiel 
i  von  Merida  beweist  das  Gegentheil,  und  vor  dem  vierten 
rt  haben  nachweisbar  nirgends  Männer«  oder  Frauenklöster 
Die  gottgeweihten  Jungfrauen  sonst  und  in  Spanien  legten 
Dgesichte  der  Kirche  die  feierlichen  Gelübde  der  beständigen 
chkeit  ab ,  wozu  auch  das  Gelübde  kam ,  liiemals  in  den  Stand 
sa  treten;  sie  unterschieden  sich  wohl  durch  irgendeine  Aus- 
in der  Kleidung,  vielleicht  auch  Stellung  in  der  IGrche,  und 
sonst  in  den  Häusern  ihrer  Eltern  oder  Anverwandten.  Diese 
et  sich  noch  bis  zur  neuesten  Zeit  bei  den  katholischen  Arme- 
Constantinopel.  Liest  man  femer  das  Leben  und  die  Lebens- 
r  heüigen  Rosa  von  Lima,  „der  ersten  Blume  der  Heiligkeit  im 
t  Amerika'',  sodann  das  Leben  der  im  J.  18Ö0  seliggesprochenen 
[aria  Anna  de  Paredes  von  Quito  (f  1645),  so  begegnen  wir  hier 
1  Erscheinung,  dass  die  gottgeweiheten  Jungfrauen  in  dem  Hause 
tem,  aber  hier  an  einem  abgelegenen  Orte,  wohnten. 


Cuon  14. 

weltlichen  Jungfrauen,  w'enn 
sie  gefallen  sind. 

^uen,  wenn  sie  ihre  Jungfräu- 
nicht  bewahren ,  wenn  sie  diejcni- 
rmthen,  welche  sie  geschwächt  ba- 
ld sie  als  Ehegatten  behalten,  wer- 
eil  sie  bloss  den  Eintritt  in  die 
fleckt  haben,  nach  einem  Jahre 
I8B6  wieder  aufgenommen  werden 
Wean  sie  aber  mit  andern  Man- 

•pui.  Kixehe.    II. 


De  virginihus  saecularibus, 
si  moechaverint 

Virgines,  quae  virginUatem 
tuam  non  custodierint,  H  eos- 
dem  qui  eas  violaveHnt  duxc" 
rint  et  tenuermt  marUoi,  eo  quod 
eolas  nuptia»  violavenM,  poH 
annum  sine  poemtentia  reeon^ 
cüiari  debebunt^  vel  n  alios 
tognoveHM  viros,  eo  quodmoe-^ 

5 


66  Fünftes  Bach.     Die  8ynode  von  Elvira. 

nern    gesündigt   haben,    iat    beschlossen  ehatae  nmtj  plaeuU  per  quin^ 

worden y   darum,   weil   sie  die  Ehe  ge-  quennii  tempora  ocUl  Ugiüma 

brechen,  dass  sie  nach  Vollendung  der  ge-  poenitentia  admitti  eoi  ad  com^ 

sezmässigen  Busse  von  fünf  Jahren  zur  munionem  oporUre. 
Communion  zugelaken  werden  sollen. 

Alle  Erklärer  fassen  sich  kurz  bei  diesem  Canon.  Mendoza  citirt 
einige  gleich  lautende  Canones,  und  weist  hin  auf  c.  72.  ' —  Aubespine 
erklärt,  dass  also  Gefallene  die  Virginität  nicht  gelobt  hätten,  und  dass 
;,ohne  Busse^  bedeute  ^ohne  Strafe'.  Gonz.  Tellez  sagt,  im  Orient  sei 
für  solche  Gefallene  drei  Jahre  Busse  bestinmit  gewesen ;  die  Gefallenen 
aber  haben  bis  zu  der  Ehe  getrennt  von  einander  leben  müssen. 


Ganon  15. 

Von  der  Ehe  derjenigen,    welche    De  conjugio  eorum ,  qui  ex 
aus  dem  Heidenthume  kommen.  gentüitate  veniunL 

Wegen  Ueberfluss  an  Mädchen   sind  Propier  eapiam  ptuüarum 

den    Heiden    christliche    Jungfrauen    in  gentiUbm  minime  in  matrimo' 

keiner  Weise  zur  Ehe  zu  geben ,  damit  nium  dandae  etaU  virginee  dmr 

nicht  das  in  seiner  Blüthe  üppige  (Jugend-  etianaty  ne  aetaa  in  flore  tumait 

liehe)   Alter  dem  Ehebruche   der  Seele  in  aduUerium   ammae   reeoir 

verfidle.  vatur. 

Mendoza  und  Tejada  y  Ramiro  (der  sich  gewöhnlich  auf  Mendoia 
und  Gonzalez  Tellez  stüzt) ,  verweisen  hier  auf  TertuU.  L  2  ad  uxorenu  JL 
/.  AreU  II ;  —  Gonz.  Teil,  auf  die  Ehe  des  Heiden  Valerian  mit  der 
heiligen  Gäcilia,  der  Chlotilde  mit  Chlodwig  —  s.  Baron.  494,  Nr.  28 
bis  32 ;  auf  Bellarm.  de  matrim.  7,  Oif. 

Es  ist  zuerst  aufTallend ,  dass  die  Synode  für  die  betreffenden  Elfen 
—  denn  diese  geht  der  Canon  an  —  keine  Kirchenstrafen  im  Falle  dar 
Uebertretung  ansezt,  wie  auch  der  Canon  81  den  Frauen,  welche  unter 
ihrem  eigenen  Namen  Briefe  schreiben  und  annehmen,  keine  kirchlichen 
Strafen  dictirt.  Demnach  haben  wir  hier  weniger  ein  strenges  Verboty 
als  eine  ernste  Warnung,  nicht  leichtsinnig  und  ohne  die  Bedingung 
der  christlichen  Eandererziehung,  christliche  Töchter  heidnischen  Männern 
zur  Ehe  zu  geben. 

Wir  begegnen]^hier  zugleich]  einer  Erscheinung,  welche  sich  durch 
die  ganze  EJrchengeschichte,  besonders  der  ersten  vier  Jahrhunderte, 
gleichmässig  hindurchzieht,  und  durch  sie  bestätigt  wird,  —  der  Er- 
scheinung der  beständigen  Ueberzahl  christlicher  Frauen  und  Mädchen 
über  die  christlichen  Männer.  Die  Bischöfe  der  Christenheit  konnten 
höchstens  vor  solchen  Ehen  warnen.  Es  war  aber  nicht  möglich,  sie 
zu  verbieten;  denn  sie  verbieten ,  —  hiess  die  Ehe  verbieten.    Aber  die 


CAnon  15.  67 

^bubensinnigkeit  und  die  daraus  hervorgehende  Thatkraft  der  christ- 
idMD  Frauen  hat  sulest  doch  den  Sieg  über  die  matten  heidnischen 
iiiuier  daTon  getragen.  Diese  glaubten  weder  an  ihr  Heidenthiun ,  das 
ie  ans  GleichgUtigkeit  nicht  verlassen  mochten,  noch  glaubten  sie  an 
ha  Christenthum  ihrer  Frauen.  Aber  sie  liessen  ihre  Frauen  gewähren^ 
nd  ne  gaben  deren  beständigem  Andringen  nach,  dass  die  gemein- 
jiafUichen  Kinder  christlich  getauft  und  erzogen  werden  dürften.  — 
V'eiiii  nun  diese  alten  Heiden  starben,  starb  mit  ihnen  das  alte  Heiden- 
xum  aus,  und  das  junge  Christenthum  lebte  in  den  christlich  erzogenen 
löhnen  auf  und  fort  —  Wir  sind  darum -weit  entfernt,  es  tadeln  zu 
rollen,  dass  die  Yäter  von  Elvira  solche  Ehen  verboten,  bleib^i  aber 
ei  der  Behauptung  stehen,  dass  ihr  Verbot  —  eine  Warnung  war. 
litten  sie  selbst  an  die  Möglichkeit  einer  allseitigen  Durchführung  des- 
dben  geglaubt,  so  mussten  sie  eine  —  wenn  auch  die  kleinste  —  Kirchen- 
trafe  auf  die  Uebertretung  des  Verbotes  sezen. 

Unter  den  schweren  Vorwürfen,  mit  denen  der  (zeitlveilige)  Schis- 
BStiker  Hippolyt  in  seinen  neu  entdeckten  zehn  Büchern,  „Widerlegung 
iDer  Häreaieen^  den  Papst  Kallistus  I.  beschwert,  ist  auch  der  über 
iie  unstandesgemässen  Ehen.  Diese  Ehen  zwischen  Freien  und  Edlen 
Fnuen)  und  zwischen  Männern  aus  dem  Stande  der  Sdaven  und  der 
Irmem  Freigebomen  waren  nach  den  römischen  Gesezen  und  nach  der 
Meadidien  Meinung  keine  wahren  Ehen.  Kallistus  aber,  'der  früher 
nDirt  Sdare  gewesen,  erklärte  nun  solche  Ehen  als  wahre  und  voll- 
phige  vor  der  Kirche.  Da  nur  sehr  wenige  Männer  aus  den  hohem 
Sttnden  Christen  waren,  um  so  grösser  aber  die  Zahl  der  christlichen 
Jmigfrmnen  aus  den  höchsten  Ständen  war  (man  denke  an  Agnes,  Ana- 
rtasia,  Cäcilia),  —  so  waren  diese  Christinnen  gezwungen,  Heiden  zu 
ibinem  zu  nehmen. 

Dem  gegenüber  erlaubte,  wie  sein  Gegner  Hippolyt  sagt,  Papst 
Eallistas  den  Frauenspersonen,  welche  unverheirathet  waren,  und  in 
las  Alter  kamen,  welches  Hippolyt  fjhxicc  äva^ia^  die  Väter  von  Elvira 
Etft  gleichlautend  y^neta»  in  flore  tumens*',  wir  aber  nach  dem  gewöhn- 
Sehen  Sprachgebrauche  ^yOetas  nubilis'^  nennen,  und  welche  ihre  (adelige) 
Würde  nicht  durch  eine  nicht  standesgemässe  Ehe  verlieren  wollten, 
eben  Sdaven  oder  einen  Freien  zu  wählen ,  und  ihn  (in  einer  durch 
daa  Greaes  nicht  erlaubten  Ehe)  zum  Manne  zu  haben  *).     Daraus  nun 


•>  SppoL  etr,  haeres,  ed.  Oxon.  1851,  —  /.  9,  p.  461  —  xai  ya^  xai  ywai^iy  exe- 
rpt^gVy  tl  avetyd^i  mv,  xai  tjltxi^  yt  exHatowTO  aya^i^  rj  eocvruy  d$iay  firj  ßov- 
iaarro  na&ai^ty  iSta  to  CfJaj?J  voixiuwQ  yafJOfS^ai,  exeev  iva  cy  Sy  cu^uvrai 
€vymurcrf  tirt  oixenfY,  etre  iJiev^epw,  xai  rovrov  xgevety  avri  aydghg  fjc^  vofua  yeya- 
/affiutfv.  'SrSiv  tJQ^Ofxo  ittixei^iy  stißrai  ieyofuvai  aroxtoiis  ifHx^fMotots  ^  xai  xegi- 
UffuWStu  xpog  TO  ra  OvJUafißayo/uva  xarafldXXetVy  Stet  t6  fjofre  ex  dovJLov  ßov- 
itf$m  Sxß<^  rittf^r ,  fojn  i(  ainJiovc ,  Sia  r^  6vyyev€tetv  xcU  wnQcyxoy  o^oücy.  — 

5» 


68  Ffioftes  Bach.     Die  Synode  tob  Hrin. 

seien  schwere  Verbrech^i  heirorg^angeiiy  weil  durisdiche  Fimuen  wegen 
ihrer  Verwandtschaft  and  ihres  Reichthums  sich  geschämt  hätten ,  Kin- 
der ans  solchen  Ehen  zu  haben.  Damm  wirft  er  dem  Papste  —  die 
Schuld  an  der  Unzacht  und  an  dem  Morde  zugleich  vor. 

In  einer  gelehrten  Untersuchung  handelt  Döllinger  (Hipp,  und  Kat 
listusy  iSSSy  S.  159 — 189;  von  diesen  Ehen,  und  spricht  die  (auch  von 
mir  getheiltej  Ueberzeugung  aus,  dass  der  rigoristische  Hippolyt  in 
solchen  Fällen  gerathen  oder  geboten  hätte,  überhaupt  keine  Ehe  einso- 
gehen,  d.  L  die  überwiegende  Mehrzahl  der  christliehen  MädcheQ  zu 
einem  durch  die  Umstände  gebotenen  Cölibat  ermahnt  und  verhalten 
hätte.  Ebenso  habe  der  Bischof  Pinytus  von  Knossus  auf  Creta  eine 
grosse  Anzahl  von  Laien  dazu  nöthigen  wollen,  ehelos  zu  bleiben*). 
Wenn  wirklich  einzelne  Verbrechai  der  von  Hippolyt  erwähnten  Art 
aus  der  Erlaubniss  des  Kallistus  hervorgegangen  seien,  so  könne  dieser 
in  keiner  Weise  dafür  verantwortlich  gemacht  werden. 

Die  Tochter  eines  senatorischen  Geschlechts  konnte  in  Folge  ^ines 
Senatsbeschlusses  imter  Kaiser  Marc  Aurel  und  Commodus .  mit  Frei- 
gebomen  niedem  Standes  keine  Ehe  eingehen,  ohne  ihren  Rang  als 
femkia  dariaima  zu  verlieren  (=  ri^v  ionntov  i^op  xa&aigeiv  des  Hip- 
pel jt).  Heirathete  sie  einen  Freigelassenen,  so  behielt  sie  ihren  Rang, 
weil  dasGresez  solche  EheQ.  ignorirte;  vor  demselben  galt  sie  als  unvei^ 
ehelicht  Trozdem  konaütan  ihre  Söhne  Decurionen  werden.  Eallistas 
erkannte  nun  die  vor  dem  Geseze  ungiltige  Ehen  als  kirchlich 


Döllinger  bemerkt,  S.  159  —  zu  den  vorsiehenden  Worten,  dass  schoi^  ud  Jdir 
1853,  zwei  Jahre  nach  dem  Erscheinen  des  Werkes,  drei  verschiedene  LcsarleOi 
d.  h.  Emendationen ,  aufgestellt  seien.     Miller,  der  erste  Herausgeber,  schlage 
vor,    nach  istdrpe^ev  —   einzuschalten:    diia^rehy    und   zu    schreiben:    ^Jtadfi 
Mtuoivro  cd  h  a$ifc,  exerge^pev  a^uxgnir.  —   Bunsen  macht  einen  andern  an  den 
Haaren   herbeigezogenen   Vorschlag;    ebenso  Wordsworth.     Döllinger   tehlSgt 
viertens  vor,  zu  lesen:  xoi  yag  neu  ywou^iy  ixirg*^f>iVy  ti ävavSQOi  ilev,  tteU  ^liwip 
xtuovrai  (oder  xeuotvro)^  ayct^ia  (vielmehr  ayd^m)^   riff  kcoorOn  o^uxir  ipr  foji  fk»-. 
iotvro  xaScugei¥^  d.  h.  Weibern,  wenn  sie  männerlos,  und  noch  im  Alter  glühen» 
der  Begierden  seien,  gestattete  er  Unwürdiges,  falls  sie  ihrem  Bange  vor  der 
Welt  nicht  entsagen  wollten.    Ich  mache  den  fünften  Vorschlag,  za  lesen  and 
zu  übersezen:  Denn  auch  den  Weibern  gestaltete  er,  wenn  sie  noch   unver- 
heirathet,   und  von  unwürdiger  (d.  h.  heftiger)  Begierde  der  Jugend  entifindet 
wären,  oder  wenn  sie  ihre  eigene  Würde  dadurch  nicht  verlieren  wollten,  dass 
sie  eine  nicht  standesmässige  Ehe  eingehen,   mit  einem  Sclaven  oder  Freien 
in  einer  nicht  standesmässigen  Ehe  zu  leben.     Mein  Vorschlag  verlangt  nnr, 
d3^8  fiij  zweimal  gesezt  werde:  tj  iccvrüv  d^iav  fiij  fiovJtotvro  xa^cu^cjy  ffta  r» 
fd^.vofjLifjuog  yofi^S^cu,     Es  scheint  mir  nicht  wahrscheinlich,  dass  (wie  Döl- 
linger S.  161  es  auffasst)  das  yo/ufuas  ytt/Joj^^ou  —  das  erste  Mal  eine  recht- 
mässige kirchliche  Ehe,  das  zweite   Mal  in  demselben  8aze  ^  y^fu^  y^YOfuf- 
fwnjy  —  eine  rechtmässige  römische  Ehe  bedeuten  sollte. 
1)  EuUb,  h.  t.  4,  23,  «d  Sclißoe^ler  -  4,  3i,  ßdidii  Bugo  Lamm»,  Seaphtnoe,  1862. 


Canon  15.  69 

3iai  an«  Dieas  konnte  in  einer  Zeit  nichts  Auffallendes  seyn,  in  der 
.  R  Heliogabal  um  Geld  die  unyrürdigsten  Subjecte  als  Senatoren 
norte,  die  Kinder  der  Senatoren  als  Opfer  seinen  Gözen  schlachten 
mBy  und  sein  eignes  Pferd  zum  Consul  ernannte.  Es  ist  ein  grosses 
erdienst  des  Festes  EallistuS;  dass  er  Ehen  niit  Sdaven  für  kirchlich 
big  erklärte.  Zu  diesem  Zwecke  wurde  der  Sciaye  entweder  vorher 
agelaasen,  oder  er  blieb  vorerst  in  seinem  frühem  Stande.  Dabei 
tte  Kmllist  Allerdings  mit  den  natürlichen  Yorurtheilen  der  christlichen 
"anen  zu  kämpfen.  Tertnllian  wirft  ihnen  ihre  Abneigung  vor^  einen 
mem  Christen  zu  heirathen,  um  nicht  dadurch  ihren  Stand  zu  ver- 
ren.  Darin  also  harmonirt  Tertullian  der  „Strenge^  mit  dem  j,laxen^ 
lilistuB  *). 

Dabei  haben  wir  Anlass,  auf  einen  sonst  selten  beachteten  Grund 
r  Vennehrnng  der  Christen  in  den  ersten  Jahrhunderten  hinzuweisen. 
i  den  Heiden  war  es  damals  Sitte,  aus  der  Ehe  keine  Kinder  zu 
ben.  So  musste  nothwendig  die  Zahl  der  Heiden  stetig  abnehmen, 
5  der  Christen  stets  zunehmen,  deren  Ehen  fruchtbar  waren.  —  Bild 
ler  Christin  dieser  Zeit  war  eine  „Marcia^  mit  ihren  Tugenden  und 
Uem  ^).  Hippolyt  nennt  sie  eine  gottesf ürchtige  Zuhälterin  des  Com- 
)dos.  Die  apostolischen  Constitutionen,  deren  achtes  Buch  nach  den 
stenochangen  von  Seb.  Drey  in  dem  vierten  Jahrhundert,  jedenfidls 
>r  der  Zeit  des  Epiphanius,  entstanden  ist  ^),  verordnen,  dass  eine  solche 
BcUcDeii  Tirog  dniatov  Sovlfi^  ixeivq)  fdövtp  axoXd^ovaa,  als  Christin 
nfgenommen  werden  solle.  So  musste  auch  Marcia,  trozdem  dass  sie 
oeUion;  des  Kaisers  Commodus  war,  in  der  Gemeinschaft  der  Earche 
eben,  sonst  hätte  sie,  wie  Hippolyt  erzählt,  nicht  den  Papst  Victor 
1  sich  rufen,  und  ein  Verzeichniss  der  nach  Sardinien  deportirten  Christen 
m  ihm  begehren  können.  „Victor  betrachtete  also  wohl  ihr  Verhältniss 
1  Commodos  als  ein  eheliches,  als  ein  inaequäle  eonjugium;  Commodus 
handelte  die  Marcia,  die  er  ihrer  niedrigen  Geburt  wegen  nicht  förm- 
di  heirathen  konnte,  doch  ganz  als  seine  Gemahlin,  so  zwar,  dass  er 
idben  ihr  keine  andere  Gemahlin  gehabt  zu  haben  scheint,  und  ihr  alle 
!kren  einer  Kaiserin  erweisen  liess.  Endlich  aber  musste  auch  sie,  um 
kr  eigenes  Leben  und  das  vieler  Anderer  vor  dem  verrückten  Tyrannen 


*)  TvtuXL  ai  uxor,  2,  8  —    ut  gentiUs  quidem  extraneis  junctae  UberUxtem  suam  amü' 

ImU,  moMtrae  vero  diaboU  servot  siH  conjungant,  et  in  statu  suo  perseverent, 

*)  PkUas,  9,  12,  —  edL  MtUeTf  p.  466  —  ^  Mccpxia,  oioa  ^tXoSeoc  ncüLXaxri  KofiftoSov, 

^  Drey,  Neoe  Untersochun^en  über  die  Constitationen  and  Canones  der  Apostel, 

1832  —  8. 145  —  147,  ond  im  Freiburger  Kirchenlexikon :  Art  Constit  d.  Ap.  — 

(CotuL  8,  32),     Cf,  Auguttin,  de  ßde  et  openbuSf  c.  19,  —  de  eoncuhinaf  si  pro/eesa 

se  akttm  eognitunam,  eikan  ti  ab  illOf  cui  tubdita  est,  dimmütaiitr!  merito 

ad  perdpiendum  bc^tismum  non  debeat  admüH, 


70  Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 

zu  retten,  an  der  Verschwörung ,  die  seine  Ermordung  beschloss,  TheQ 
nehmen  *)*'. 

Die  Väter  von  Elvira  be&nden  sich,  genau  erwogen ,  auf  dem  Bo- 
den des  Papstes  Kallistusj  was  sie  nicht  verhindern  konnten,  d^vor 
warnten  sie.  Ein  Menschenalter  später  war  Spanien  ein  christliches  Land 
geworden  y  und  der  Canon  hatte  zum  grossen  Theile  seine  Bedeutung 
verloren.  Die  Glaubensinnigkeit  und  Glaubenskraft  der  spanischen  flauen 
—  hat  aber  in  der  R^el  über  die  Glaubenslosigkeit  und  Mattigkot 
unchristlicher  oder  akatholischer  Männer  gesiegt^). 


Ganon  16. 

Ueber  katholische  Mädchen,    dass    De  pueUis  fidelihfis ,  ne  in- 
sie  sich  mit  Ungläubigen  nicht  yer-        fidelibus  conjtmgantur. 

binden  sollen.  «     ^.  .  ^     ^ 

Man  solle  auch  Eezem,  wenn  sie  nicht  noluerirU  ad  Eccletiam  eatho' 

zu  der  katholischen  Kirche  -—  übertreten  Ueam,  nee  ipsiB  ctxthoUeoi  doa^ 

Wollen,  nicht  katholische  Mädchen  (zur  Ehe)  da»  esse  puelUuy  sednequeJit' 

geben ;  sondern  es  ist  beschlossen,  dass  sie  daeis  neque  haereUdB  dort  pUh 

weder  Juden  noch  Eezem  gegeben  wer-  cuit,  eo  quod  nuUa  posiit  em 

den,  darum,  weil  keine  Gemeinschaft  zwi-  societas  fideli  cum  infldde:  m 

sehen  dem  Gläubigen  und  dem  Ungläu-  contra  interdictum  fecerinipO' 

bigen  stattfinden  kann:   wenn  die  Eltern  rentes,  absiineri  per  qtnnquair 

gegen  dieses  Verbot  handeln,  sollen  sie  nium  placet, 
fünf  Jahre  ausgeschlossen  seyn. 

Während  im  vorstehenden  Canon  keine  Eirchenbusse  festgesezt  wird, 
sollen  nach  diesem  die  Uebertretenden  fünf  Jahre  Busse  thun.  Denn 
ich  sehe  keinen  Gnmd,  diese  Kirchenbusse  auch  auf  den  Canon  16  la 
beziehen.  Warum  dieser  Unterschied  der  Behandlung?  —  Eine  chxirt- 
liehe  Frau  eines  heidnischen  Mannes  war  in  geringerer  Gefahr ,  ihren 
Glauben  zu  verlieren,  als  die  katholische  Frau  eines  häretischen  oder 
jüdischen  Mannes.  Jener  kümmerte  sich  in  der  Regel  nicht  um  ihre 
Religion,  und  liess  sie  in  derselben  gcwldiren.  Auch  durft;en  wohl  in 
der  Regel  die  Kinder  christlich  erzogen  werden.  Hier  bei  der  Häresie 
imd  dem  Judenthume  war  die  christliche  Frau  alsbald  von  einem  &st 
unentrinnbaren  Neze  umringt;  die  ganze  Synagoge  und  die  ganze  Sekte 
umgab  sie,  und  zog  stets  engere  Kreise  um  sie.     Man  schloss  sie  von 

0  Düllinger,  Hippolytus  und  Kallistas,  Seite  158  bis  189.    Cf.  Herodian,  1,16. 

—  Phihsophumena,  P,  11— H,  und  die  Citate  im  Bd.  1,  S.  14a 
^  Trozdem  schmeicheln  sich  die  Eogländer,  dass  sie  durch  Niederlassungen  and 

gemischte  Ehen  Spanien  allmälig  protestantisiren  werden. 


Canon  17.  18. 


71 


jadem  kathoIiBcheii  LuftrogOrab;  nnd  —  wenn  ihr  Mann  weniger  eifrig 
war,  weniger  fimatisch,  so  lag  er  im  Banne  der  ganzen  Y^rwandtsdiafty 
der  ganzen  Synagoge.  Sie  musste  abfallen,  oder  zu  ihren  Eltern  zurück- 
ffelieB.  Aber  gerade  di^e  hatten  sie  an  einen  häretischen  oder  jttdi* 
achen  Miuin  hinausgegeben ,  um  ihrer  ledig  und  los  zu  werden.  —  Dazu 
kommt,  dass  die  katholischen  Töchter  „propter  copiam  pudlarum^^  wohl 
gezwungen  seyn  konnten,  Heiden  zu  heirathen,  wenn  sie  überhaupt 
heiralfaen  sollten  oder  wollten,  nicht  aber  Juden  oder  Häretiker,  deren 
Zahl  eine  ▼erhältnissraässig  unbedeutende  war.  Endlich  konnte  man  sich 
für  Ehen  mit  Heiden  —  auf  den  Apostel  Paulus  und  die  heilige  Schrift 
—  besonders  1,  Cor.  7,  14  berufen, 

WoDte  ein  Häretiker  ein  katholisches  Mädchen  heirathen,  so  musste 
er  zu  der  Kirche  übertreten.  Von  den  Ansprüchen  und  dem  Einflüsse 
der  Juden  in  Spanien  werde  ich  bei  Canon  49  und  später  sprechen« 


Gtnoi  17. 

Von  denjenigen,  welche  ihre  Töch- 
ter mit  heidnischen  Priestern  ver- 
binden. 

Wenn  etwa  Einige  ihre  Töchter  mit 
Pnestom  der  Gözen  verbinden  sollten,  so 
soU  ihnen  anch  am  Ende  die  Communion 
Bicht  ertheilt  werden. 


De  his ,  qui  fUiaa  stMS  so- 

cerdotibiis  Gentüium  con- 

jimgtmt 

Si  qui  forte  iaeerdoHSbm 
idolorum  ßias  $ua8  —  junxe^ 
rinty  plaeuU  nee  in  flnem  eis 
dandam  esse  communionem. 


Die  Frau  eines  Heiden  konnte  Christin  bleiben.  Die  Frau  eines 
iieidmschen  Flamen  musste  Heidin  werden,  selbst  opfern,  und  bei  Opfern 
inwesend  seyn.  —  Das  Wort  ^yforte*^  aber  kann  andeuten,  dass  damals 
den  Bischöfen  solche  Fälle  nicht  bekannt  waren,  oder  dass  sie  in  den 
lezten  Zeiten  nicht  vorgekonunen. 


Gtnoi  18. 

Von  den  Bischöfen  und  (Kirchen-) 
Dienern,   wenn  sie  fleischlich   ge- 
sündigt haben. 

Bischöfei  Priester  und  Diakonen,  wenn 
äe,  in  ihrem  Amte  stehend,  entdeckt  wor- 
den sind,  dass  sie  Unzucht  begangen  ha- 
ben, —  sollen  —  wegen  des  Aergernisses 
md  des  gemeinen  Verbrechens,  auch  am 
Ende  die  Gonununion  nicht  empfangen 
dürfen. 


De  sacerdotibu&  et  mmi- 
striSy  si  moechaverint 

Episeopif  pre^pytetes  et  dia- 
cones  si  in  ministerio  pasUi  de- 
tecti  fuerint  qttod  sint  moe^Ü, 
plactdt  propter  scandalum  et 
propter  profanum  crimen  nee 
in  finem  eos  communianem  ac" 
cipere  debere. 


72 


Ffinftes  Bach.     Die  Synode  von  Elvirf. 


Nach  Aguirre  ist  hier  jede  captda  ülieita  unter  dem  Verbrechen  au 
verstehen.  Dass  in  dieser  Hinsieht  üch  die  Bischöfe  von  den  Pxiestem 
und  Diakonen  nicht  trennten,  erforderte  die  natürliche  Billigkeit,  und 
wohl  auch  der  Bückblick  auf  Bischöfe,  wie  Basilides  von  Merida,  und 
Martialis  von  Astorga^). 


De  clericis  negoHa  et  nun- 
dinas  sectantibus. 

Episcopi^  prc8byUre8  ei  diu" 
cvnes  de  locis  niü  negotiandi 
causa  non  diacedant,  nee  dr^    ; 
cumeuntes  provineiai  quaeHuth 
SOS  nundiruu  sectentur:  eane  ad    . 
vicium  eibi  eonqtdrendum  aiA    ■ 
filium   out  libertum  aut  mer* 
cenarium     aut     amieum    out 
queniHhet  mittönt,  et  et  volvr 
erint  negotiari,  iofiira  provm^ 
dam  negotientur. 


Gtooii  19. 

Von  den  Clerikem ,  welche  Geschäf- 
ten und  Märkten  nachgehen. 

Bischöfe,  Priester  und  Diakonen  sollen 
Handelsgeschäfte  wegen  von  ihren  Stellen 
sich  nicht  entfernen,  noch  in  den  Pro- 
Yinzen  umherziehend  des  Gewinnes  wegen 
die  Märkte  aufsuchen ;  jedoch  mögen  sie, 
um  sich  den  Lebensunterhalt  zu  erwer- 
ben, entweder  einen  Sohn,  oder  einen 
Freigelassenen,  oder  einen  Miethsmann, 
oder  einen  Freund,  oder  sonst  Jemand 
schicken,  und  wenn  sie  Handel  treiben 
wollen,  so  sollen  sie  innerhalb  der  Pro- 
vinz handebi. 

Aus  dieser  Armuth  erhellt  nach  Mendoza,  dass  das  Concil  vor  Con- 
stantin  stattfand.  Auch  die  apostolischen  Constitutionen  —  l.  8.  de  epiic. 
et  cler.  erlauben  den  Handel  —  cap.  M,  31,  —  Dagegen  L  15.  c,  Theodm. 
de  episc.  et  cler,  —  Gouz.  Tellez  weist  u.  a.  auf  BarboBa ,  juM  eeclei,  J, 
e,  40.  nr.  S3.  —  auf  Sulpic.  Sever,  LI,  c.  23.  —  „inhiant  poseeseianibut'f 
wogegen  Bcrnays  jüngst  in  einer  Schrift  über  die  Chronik  des  Sulpic. 
Severus  nachgewiesen  hat,  dass  der  leidenschaftliche  Sulpicius  Sev.  in 
seinen  Beschuldigungen  gegen  die  Bischöfe  seiner  Zeit  alles  Maass  übtf- 
schreite.  Der  heilige  Martinus  war  ihm  alles,  und  alle  andern  wuen 
ihm  nichts.  Er  weist  auf  den  Vater  Gregor's  des  Grossen  j  I,  e.S  tk 
Vit,  patr.  —  auf  Nicotins  von  Trier.  Darüber  Oazaeua  ad  Caetian,  dL 
coen,  inst,  2,  3,  —  Bellarm»  l.  2.  de  mon,  42.  —  Spondan.  in  Baron.  57.  i. 
—  398,  15. 

Was  bedeutet:  provincia?  Nicht  Spanien,  sondern  eine  der  vier 
Provinzen,  in  welche  damals  schon  Spanien  zerfiel,  und  zu  welchen 
sp&ter  auf  dem  Festlande  nur  noch  die  fünfte,  Carthaginensis, 


■)  Bei  diesem  Anlasse  trage  Job  zu  Bd.  1,  8.262  nach,  dass  der  damalige  Pro- 
curator  von  Astorga  wirklich  Docenarios  hiess,  und  dass  unter  Marc  Aarel. 
ein  L.  N.  Crispinus  Martialis  Saturninas  als  Ug,  Aug,  und  jwridiau  von 
Asturicn  und  Galicien  vorkommt  —    Zumpt,  Studio  romaruif  1859,  p.  147-^^8, 


Cadod  20. 


78 


wn  ist  naft&riich  weh  mit  eingeschlossen,  dass  sie  des  Handels  wegen 
idit  nach  Afrika ,  nach  Rom  oder  Gallien  reisen  sollten. 

In  den  Worten:  einen  Freigelassenen,  Miethsmann  etc.,  sehe  ich 
■e  Andeatang^  dass  die  Macht  des  Christenthmnes  damals  sdion  die 
Jarerei  theilweise  aofgehoben.  Christliche  Laien  hatten  noch  Sclaven ; 
«r  die  Bischöfe  ^  Priester  und  Diakonen  hatten  nur  noch  Freigelassene. 


Gtooi  20. 

eher  die  Wucher  treibenden  Cle-    De  clerids  et  laicis  usij^ 
riker  und  Laien.  rariis. 


Wenn  ein  Cleriker  entdeckt  wird ,  der 
rachttrzinsen  annimmt,  so  soll  er  abge- 
it  and  ausgeschlossen  werden.  Wird  ein 
lie  überwiesen,  dass  er  Wucherzinsen 
igenommen ,  und  wenn  er  nach  der  Zu- 
dtweisung  verspricht,  dass  er  darauf  ver- 
ehten,  und  solche  nicht  mehr  eintreiben 
oUe,  so  soll  ihm  verziehen  werden.  Be- 
rrt  er  aber  in  dieser  Ungerechtigkeit ,  so 
Ue  er  aus  der  Kirche  Verstössen  werden. 


8i  quis  clericarum  deUcius 
fuerit  usurcu  aecipere,  placuit 
eum  degrculari  et  abstineri.  Si 
quis  etiam  laicus  accepüse  pro^ 
batur  usuras,  et  promiserit  cor^ 
reptua  jam  $e  cesscUurum  nee 
ulteriue  exacturum,  placuit  ei 
veniam  tribui:  si  vero  in  ea 
iniquitate  duraverit,  al»  ecclesia 
esse  projidendum. 


Mendoza  und  Gonz.  Tellez  sammeln  hier  in  ihrer  Weise  die  andern 
rspanischen  Belegstellen  fUr  die  Behandlung  der  Wucherer  in  der 
!ten  iü'rche.  Siehe  Salmasius  de  usuris,  eap  10.  —  Balierini,  Petr,  de 
rt  dicino  et  naturali  circa  usuram.  BononiaCj  17 48.  —  2  vol.  4,  libri  VL 
dB  Doctrina  della  chiesa  cattolicüj  circa  Vusura  dichiarata  e  dimostratoj 
1734  in  4P  et  Bologna  1747  in  4".j  —  Hefele,  über  die  Wucher- 
der  Alten,  Tüb.  Quartalschrift,  J.  1841,  S.  405  flg. ')  und  die 
rl  Darlehen,  Mantes  pietatis,  Rentenkauf,  Wucherzinsen  etc  im  Frei- 
sger  Kirchcnl.  —  Der  Jude  Jost  sagt  verläumderisch ,  dass  aus  solchen 
Unionen  folge,  dass  der  katholische  Clerus  damals  in  Spanien  auf  der 
iedrigsten  Stufe  der  Sittlichkeit  gestanden,  und  „wir  sogar  Grund  zu 
ler  Vermuthung  haben ,  dass  sich  die  Geistlichkeit  selbst  bisweilen  der 
Moi  zu  Beförderung  eigennüziger  Absichten  bedient  habe')^. 


0  HefcIe,  .Rigorismas  in  dem  Leben  and  den  Ansichten  der  allen  Christen*  — 

Tüb.  Quartalschr.  1841,  p.  396  flg. 
')Joft,   Geschiebie  der  Israeliten   seit  der  Zeit  der  Maccabäer  bis  auf  unsere 

Tage,  1825,  B.  5,  S.  11. 


74 


Ffinftes  Buch.    Die  Synode  von  Elvira. 


Guoi  2L 

Von  denjenigen,  welche  allzu  saum- 
seUg  im  Kirchenbesuche  sind. 

Wenn  Jemand,  welcher  in  der  Stadt 
wohnt,  drei  Sonntage  nicht  in  die  Kirche 
kommt,  der  soll  eine  kurze  Zeit  ausge- 
schlossen werden,  damit  ihm  eine  Zurecht- 
weisung zu  Theil  werde. 


De  Ms  qui  tardim  ad  ecde- 
siam  accedtmt 

Si  guis  in  civitate  poiUu» 
tres  domimccu  <xd  eedenam  noii 
aceesserit,  pauco  tempore  o6i- 
tmeatur,  lU  correptui  e9$e  t^ 
deatttr. 


Siehe  Can.  11  (14)  von  Sardika.  —  Aus  diesem  Canon  schliesst  man 
mit  Recht,  wie  aus  der  Einleitung  zu  der  Synode,  dassdie  Kirchen  in 
Spanien  während  der  Verfolgung  nicht  demolirt  wurden.  —  In  der 
„Stadt''  aber  ist  gesagt,  weil  die  Landbewohner  die  Entfernung  von  der 
Kirche  entschuldigen  könnte,  wobei  man  aber  nicht  an  eine  Gefahr  des 
Kirchenbesuches  für  sie  zu  denken  hat. 


Canon  22. 

Von  Katholiken,  welche  zu  einer  De  catholicis  in  haeresim 

Häresie  übergehen,  wenn  sie  zurück-  transeuntibtcs ,  si  rever- 

kehren.  tantur. 


Wenn  Jemand  von  der  katholischen 
Kirche  zu  einer  Häresie  übertritt  und 
wieder  umkehrt,  so  soll  ihm  die  Busse 
nicht  verweigert  werden,  weil  er  seine 
Sünde  erkannt  hat;  er  soll  zehn  Jahre 
Busse  thun ,  und  nach  zehn  Jahren  muss 
ihm  die  Communion  ertheilt  werden. 
Werden  aber  Kinder  herübergeführt,  so 
müssen  sie,  weil  sie  nicht  mit  ihrer 
Schuld  gefehlt  haben,  unverzüglich  auf- 
genonmien  werden. 


ßi  qtUs  de  catholicä  eedt* 
sia  ad  haeresem  transUum  f^ 
cerit  rurstisqne  recurreritj  pUh 
cuit  huic  poenitenUam  tum 
denegandam  eo  quod  eo{ 
verit  peccatum  suum ;  qui 
deeem  annia  agat  poenU&Mam^ 
cui  po9l  deeem  anhas  praeämi 
communio  debet;  H  vero  in* 
f(mt€8  fuerint  tramdueH,  qmi 
non  8UO  viUo  peceaveritU  tfumuh 
ctanter  recipi  debent  (debebuni)* 


Canon  23. 

lieber  die  Zeiten  der  Fasten.         De  temporihus  jemmiorum. 


Die  Auflage  (Vermehrung)  der  Fa- 
sten soll  in  jedem  Monate  gehalten  wer- 
den ^  mit  Ausnahme  der  beiden  Monate 


J^unii  steperpoHHones  (Ae.  T. 
2  8tiperimpa8itkme$)per  iingulot 
men9e8  plaeuU  ceUbrari,  exe^püi 


Canon  &.  75 

i£  und  Aogiuti  yregeai  der  Sch^vrach-     ^Uebm  duamm  memium  JüUi 
A  Kmnelncr,  et  Augutti  propter  quorumdam 

infirmitaienu 

IMe  bdden  Monate  Juli  und  AuguBt  sind  nicht  ausgenommen  wegen 
er  Feldarbeiten,  da  um  die3e  Zeit  besonders  in  Südspanien  längst  alle 
dder  Terdorrt  sind,  sondern  —  wegen  der  unerträglichen  Hize  und 
er  Fieberkrankheiten.  Dann  vollends  ist  j^Ecija^  die  Bratpfanne  von 
Adahmen;  dann  ist  das  I^nd  um  den  Quadalquivier  verödet  und  ver- 
OTTt;  dann  brütet  versengend  eine  afrikanische  Sonne  über  der  Salz- 
eppe  von  Oberandalusien;  dann  verbirgt  sich  Alles  am  Tage,  und  wer 
mal  mufis,  reist  in  der  Nacht 

SuperpotiUo  und  superpositio  jejunn  ist  ein  strengeres,  als  das  ge- 
r5hnlicbe  kirchliche  Fasten.  Man  sagte  auch :  jejunium  mperponere;  dies 
tptrpotUus  (ißjy^i)}  mperjejuYiart.  Bei  Hieronymus  (tpitaph.  PauUze 
1  und  i7J  heisst  es:  Duplex  oder  dtq)lie€Uum  j^unium.  In  Actis  mar" 
ffum  Nunndarum  nr,  8  heisst  es:  CorUinuatis  in  earcere  gemina  super" 
tmücne  jejtmiorum ,  et  orationibus  saepe  repetiHs  *).  Bei  diesem  Fasten 
Dthielt  man  sich  des  Brodes  und  jeden  Trankes.  —  Faustus  Rheg.  ep,  5. 
pricbt  von  „altema  jejunia^^  Das  continuare  jejunium  heisst  im  Griechi- 
Aen  awemreiv  rijv  vficxslav  (Sozom.  h.  e.  i,  Jl). 

Ein  solches  jejumum  superpositum  hielten  die  Väter  der  ägyptischen 
Vt&ste  während  der  Quadragesimalzeit  (Hieron.  ep.  22).  In  dem  Leben 
lea  hdligen  Samson,  Bischofs  von  Dole,  heisst  es  1 ,  10,  dass  er  zuweilen 
JSyperpcsUianes  iriduanas  facere  contendebat^^ ;  imd  Lib.  2,  12  —  super- 
fosUümes  frequentissimas  y  nee  non  et  biduanasj  interdum  autem  et  totas 
Adomadas  — peragensy  sepUmo  demum  die  reficiebatur,  Rhabanus  Maurus 
~  2,  26  d.  instit.  elerie.  sagt:  Wer  die  vorgeschriebenen  Fasten  nicht 
äh,  der  sündigt  Wer  aber  zu  den  vorgeschriebenen  noch  freiwillige 
Bgt,  der  wird  seinen  eignen  Lohn  erhalten.  Epiphan.  c.  22  in  expos. 
\L  ceOhoL  sagt:  xai  ol  anovSctioi  SmXäg,  xcA  rgmlägy  xai  TerganXäg 
'm^i&eyrai  (superponunt).  Greg.  Tur,  vii.  patr.  15  nennt  das  augmenitum 
ii$imentiae  den  Genuss  nur  von  Gerstenbrod  und  Wasser.  Cf.  Pallad. 
%  Jdstor.  laus.  1 ,  eap.  20. 

SuperposUiones  heissen  sodann  die  den  Mönchen  aufgelegten  Buss- 
tefen  —  Martene  tmecd.  4,  7.  —  cf.  CapUula  Theodor.  Cantuar.  c.  52; 
—  z.  B.  in  der  Regel  Columban's  heisst  es :  ,,Qm  vituperat  aliquem  fra- 
trem  obseguium  dantem^  tribus  Superpositionibus  poeniteatJ^  Regula  8.  Do- 
Mi^  cap.  29.  —  Reg.  Halitgarü  —  c.9  et  10.  —  Aehnlich  sagt  man : 
SuperposiHo  silentU  —  Columban.  poenit.  5  et  6.  —  de  poenitent.  mensura — 9. 


0  Pastio  9Ct  JaeM,  Mariani  et  aliorum  plurimonn»  m<Mrtynim  in  Numidia  —  <9>.  Ruinart, 
Le.p,271.  —     Cf.  MenarduM  eoncordia  regtd.  c.  54.   —     Du  Can^€  —  plossa* 
s.h.p. 


76  FUnftes  Baeh.    Die  äyoode  von  ElTira. 

Petita  C^umaeens.  epkt.  1,27  —  Videant  dhcrM,  tämm  mtperfluae  locii- 
«0m  utite  iäaühtm  imptmi,  an  tuperponi  debeaL  —  SuperpomÜo  pmA^ 
marum  ist  VermehniDg  des  gein-öhnlichen  Offidums;  auch  bedeutet  es 
die  Aofl^^g  Ton  Buss-  (d.  h.  hier  Straf-)  Psahnen.  Wie  mperpoM 
<Ba  sagte  man:  tuptrpotiU  pmlmL  —  £ndlich  heisst  mparpoiUuM  über- 
haupt ausserordendichy  z.  B.  die  Synode  von  Rom  826  yerordnet  €.26 
—  Kein  Bischof  darf  von  den  untergebenen  Cüerikem  und  heüigen  Qitan 
mehr  als  das  gesezlich  Festgesezte  verlangen ,  oder  ansserordentUdie 
(mperpotUa)  Leistungen  an  Frohnen  yerlangen  *). 

Bei  den  Fasten  assen  die  Christen  nur  einmal;  entweder  um  dis 
neunte  Stunde  oder  am  Abend.  In  der  Quadragesima  dauerte  das  Faata 
bis  zum  Abend.  Die  Stationsfasten  oder  Sen^j^wua  dauerten  bis  zur 
neunten  Stunde^).  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  die  Väter  von  Elvva 
unter  der  Superpontio  das  Fasten  bis  zum  Abende  gemeint  haben  |  das 
am  Anfange  jeden  Monats  stattfand.  Aber  jedes  Land  hatte  hierin  seine 
eigene  Praxis ,  und  aus  Mangel  an  weitem  Nachrichten  sprechen,  inf 
eine  bestinmite  Ansicht  über  die  Dauer  und  Art  des  Fastens  in  Spaniea' 
nicht  aus. 

CiBon  24. 

Von    denjenigen,    welche    in    der    De  his,   qui   in   peregn 
Fremde  getauft  werden ,  dass  sie    haptizantur ,  ut  (id  denm 
nicht  unter  den  Clerus  kommen.  non  venianL 

Alle,   welche  in   der  Fremde  getauft  Omnes  qtd  in  peregre  fiterM 

worden,  weil  ihr  Leben  in  keiner  Weise  bapUxaii,  eo  quod  eorum  mi* 

bekannt   ist,    sollen    in    andern   Provih-  nime  rit  cogmta  vita,  platuü id 

zen    nicht  in   den  Clerus   aufgenommen  cUrum  non  este  promovendm 

werden.  in  alienü  provinciia. 

Corp,  jur.  canon.  c.  4,  Bist,  98.  —  Derlei  Beschlüsse  zu  fass^i  gab« 
zu  aller  Zeit  ^die  Afrikaner^,  die  nach  Europa  kamen,  den  reichslM 
Anlass.     Cf.  Carthag.  4,  22.    Gregor.  M.  ep.  2,  25, 

CaQOi  25. 

Ueber   die  Empfehlungsbriefe  der    De  qnstoUs  cammunicato* 

Bekenner.  riis  confessorum. 

Wer   immer  Briefe    eines   Qonfessor  Omnü  qui  otttdertt  Ukrm 

bringt,  dem   sind,    mit  Entfernung  des     eönfes9oriai,    sifilaio    tumdm 


1 


I)  Hefelc,  ConciL-G.  4,{r. —  Siehe  Böhmer,  »die  christlich-kirchliche  Alter- 
thumswissenschafl«,   Brcsl.  1839,  2,  98.    —     Binterim,   Denkwürdigkeiten, 

5,  2  (1829.) 
*)  August,  de  tnorib.  eccL  cath.  i.  c.  33,   Soerote»  h,  e.  5,  2L  —    Cpiü,  Hi«r.  oot  18. 


Canon  25.  77 

imens  des  Confessor,  kirchliche  Empfeh-  eonfessoris,  eo  quod  omnes  sab 

mgsbriefe  zu  geben ,  weil  alle  unter  dem  Jiac  nominis  glaria  passim  con- 

[eOigenscheine  dieses  Namens  da  und  dort  cutiant  simplices,  communica" 

k  Einfältigeni  v^^rren;  iariae  ei  dandae  nmt  lüerae. 

Hendoza  handelt  Ton  den  Privilegien  der  Bekenner,  besonders  In- 
B^enzbriefe  zu  geben,  —  was  hier  —  als  bekannt,  besonders  aus  der 
eidiichte  Cyprian^s  —  anzunehmen  ist  Mendoza  und  mit  ihm  Baro- 
ns (Jahr  306,  nr.  48)  nehmen  an,  dass  hier  solche  libelli  pacis  oder 
riedeasbriefe  gemeint  seien.  Dieser  Erklärung  steht  die  Erwägung  ent- 
sgen,  dass  dann  der  Can.  25  nicht  hätte  verordnen  können,  es  sollen 
khen  Gre&Uenen  lüerae  eammunicatoriae  gegeben  werden.  —  Gonz. 
eDez  ericlärt  epüt,  confessariae  für  solche,,  welche  confessores  gaben, 
id  meint,  Betrüger  hätten  sich  derselben  bedient,  um  von  EinfUtigen 
eld  zu  erpressen. 

Aguirre  erklärt  gegen  Aubespine,  dass  die  Einfältigen  durch  solche 
riefe  angetrieben  wurden,  die  „laptos'^  aufzunehmen.  —  B.  Geil  Her 
2,  607 — 8  der  neuen  Ausgabe  v.  1858);  und  nach  ihm  Migne  (Dictum^ 
de»  CaneileSj  1,820)  —  femer  München  in  seiner  Abhandlung 
das  erste  Concil  von  Arles  (Bonner  Zeitschrift  für  Philosophie  und 
heologie,  H.  27,  51  flg.))  ^i^dlich  Hefele  (C.  6. 1,  137)  verstehen  unter 
an  Confessor  den  Reisenden  selbst,  welcher  das  Concept  eines  für  ihn 
m  ihm  selbst  ausgestellten  Empfehlungsbriefes,  in  dem  er  sich  Con- 
szor  nennt,  dem  Bischöfe  vorlege  (wohl  um  dessen  Unterschrift  zu 
rlangen?j. 

Allein  —  solche  Briefe  erwähnt  meines  Wissens  die  alte  £archen- 
fischichte  nicht  Dagegen  macht  die  Analogie  mit  dem  Gebahren  der 
onfeBsorez  zur  Zeit  Gyprian's  die  Erklärung  des  Aubespine  (der  auch 
erbst  beitritt,  Tüb.  Quartalschr.  1821,  30),  annehmbar,  dass  Christen, 
dche  reisen  wollten ,  nicht  von  dem  Bischof,  sondern  von  einem  Gon- 
88or  sich  Empfehlungsbriefe  geben  Hessen.  Diese  Unsitte  will  unser 
iDon  abschaffen;  würde  ein  Reisender  solchen  Brief  seinem  oder  einem 
idem  Bischof  präsentircn ,  so  sollen  dieselben  dem  Reisenden  mit  Be- 
ätigung  des  erstem  Briefes  (iublato  nomine  confeesaris)  gewöhnliche 
*ier€ie  eommumeatoriae  ausstellen,  d.  h.  ein  Zeugniss,  dass  er  in  der 
irchlichen  Gremeinschaft  stehe*). 


')  C/.  ComdL  AreL  i.  e.  P.    De  hii,  qui  amfßMtortim  UiUroM  affenmt,  plaadi,  ut  ntblaiii 
at  äüuiM,  mUoM  aee^nant  eommunioatoriai. 


78  Fünflet  Bach.    Die  Synode  von  Elvira. 


'.I 


Canoi  26. 

Dass  an  jedem  Sam&tage  gefastet       Ut  omni  sabbato  jefth 

werde.  natur. 

Den  Irrthom  zu  verbessern  haben  wir  Errarem  pkteuU  corrigi,  «( 

beschlossen,  dass  wir  nenüich  an  jedem     omni  tabboH  die  iuperpoääo^' 
Tage  des  Sabbath  das  Fasten  halten  sollen,     nes  eel^emta. 

Mendoza  handelt  ausführlich  von  dem  Gebote  des  Samstagsfasteni 
in  4er  abendländischen,  von  seinem  Verbote  in  der  morgenläncGschei 
Kirche.  —    Im  Oriente  fastete  man  nicht,   weil  durch  den  Kinfl^i;^  Jer 
Judenchristen  die  Feier  des  Sabbathes  neben  dem  Sonntage  herrschend    ' 
blieb  [Etutb,  .5,  24.  —    Iren,  fragm.  —    Epiphan.  haer.  30.  —    Can.  ql^. 
65  [aO].  —    ConsUt.  apost.  2,  59;  5,  15,  20  —  nSv  fiävrot  adßßmop  —  \^ 
evtfQaivead'e ,  7,  23  —    rd    aüßßarop   fdävtoi  xul  xr^v  KvQiax^p   (|UDI 
Sonntag)    4oQTÜißT€^    ort  xo   f4€v   Srjfiioxfgyicc^   iisriv  vnöfivfjfiay    17  H   ■ 
&vu(nüa€(X}Q\   —    den    man  als  Erinnerungstag  an   die   Schöpfung  be- 
gieng«  —     Der   Montanist   'fertullian    sagt,    dass    die  Katholiken   ap 
Samstag  nicht  fasten  (de  jejun,  14  adv.  psych.  —  quanquam  va9  eHam 
$abbatum,  iiquando  continuatis,  nunguam  nisi  in  pasctia  putalM  jejunandm  ^ 
(cf.  dr.  Mardon^  4,  12  —  veniam  jejunii  dico),  was  auch  die  Mo&tanisfcei 
nicht  thaten  '). 

Darüber  herrschte  im  Orient  eine  verschiedene  üebung,  ob  noan  m 
Sabbathe  arbeiten  dürfe  oder  nicht;   denn  während  das  Concil  vonliio- 
dicea  c.  29  sagt:  ov  Set  xQ'^'^^cc^oifg  lovSatieiP,  xcü  ip  tq>  aacßßfh^  agph 
XäCeip,  verordnen  die  ComtüiU.  ap.  8,  33:  oi  SovXoi  außßär(p  xak  J&- 
QiaxrjP  axoXcc^Q}aap  ip  vfi  ixxhjaUf  Sid  r^p  SiSacxakiap  xriq  evaeßela^ 
Anderseite  finden  wir  wieder  Uebereinstimmung  zwischen  teztem  Wort«  ^ 
über  den  Kirchenbesuch  am  Samstage,  und  den  Can.  16  und  49  voft 
Laodicea :  dass  am  Samstage  die  Evangelien  und  andere  Theile  der  SduJ^ 
vorgelesen  werden  sollen;  und  dass  man  in  der  Quadragesima  das  Bnd 
nur  am  Samstag  und  Sonntag  opfern  dürfe.  —    Später  bemerkt  mden 
Epiphanius ,  dass  nur  in  einigen  Gegenden  am  Sabbathe  Gottesdienst  gj^  ^ 
halten  werde  (expos.  fid.  c.  24 :  ip  ruA  Sä  rönoig  xou  ip  toiq  adßß$0^   ^ 
avpü^eig  inirekovct). 

Darnach  kann  man  den  Samstag  als  einen  „abgewürdigten^  Sonntag   • 
bezeichnen.     Im  Abendlande  war  derselbe  kein  „gebotener^   Feiertag. 
Aber  dennoch  —  war  an  demselben^  audi  im  Abei^ande  hat  aonnlig*  - 


■)  Hefele,  Cohcilien,  1, 138;  794.  —  3,  308.  —  Drey,  Untersuch,  über  die  Conti 
und  Canonei  der  Apostel,  6.  283—85  zu  Can.  65  (66)  d.  Ap.  —  Bes.  Nickes  in: 
»ZeiUchrifl  für  die  e^esammte  kathol.  Theologie-  —  Wien  1856,  8  Bd.  H.  1, 
S.  43-54. 


CaDon  26.  ^ 

GoResdienst  Noch  zu  seiner  Zeit  sagt  Augustin ,  doss  in  Nord- 
^  labbatum  maxitne  Ai  lolerU  eonvenire,  qtä  auriutU  verbum  Dei" 
16.  al.  fi6  ad  Ca*ul.  §.  3JJ.  —  Gregor  der  Grosse  nannte  zwei  Jahr- 
)t  ^äter  —  diejenigen  ßümer,  welche  die  Arbeit  am  Sabbathe 
B  voUten,  „Predigei-  des  Antichmt"  (q>.  13,  1). 
ni  Anderes  ist  es  mit  dem  Fasten  am  Sabbatlie.  Dieses  Fasten 
,die  römische  und  cinijje  Kirchen  des  Abendlandes",  sagt  Au- 
ip.  c  ad  Camil.}.  —  Der  Mittwoch  und  Freitag  waren  Stations- 
kdt  der  orientalischen  Sitte,  der  I'reitag  und  Samstag  nach  der 
D.  Die  alesandrinischo  scheint  die  Sitte'  der  römischen  Kirche 
en  zu  haben.  —  Aber  TortuUian  kennt  nur  den  Mittwoch  und 
Ja  Stationxtage  (de  jejun.  c.  14).  Marcion  empfahl  das  Fasten 
tige,  weil  an  diesem  Tage  der  hose  Gott  der  Juden  ausgeruhet 

dem  Werke  der  Weltschöpftjug  (Epiph.  hai^.  42).  —  Von  da 
t  lÖO  —  meint  Beveridge,  habe  man,  statt  am  Samstage,  am 
£  zu  ^ten  augefangeu'j. 

die  rSmischo  Kirche  habe  an  ihrer  alten  Praxis  festgehalten,  — 
'  and    sein   Zeitgenosse   Cassion   behaupten   (wohl   mit  Recht), 

romische  Praxis  von  dem  Apostel  Petrus  stamme,  womit  es 
immt,  dass  Alexandrien,  die  Kirclic  des  heiligen  Markus,  die- 
ois  hatte  (Cau.  3,  10  de  inst,  cofirwb.  —  Augmt.  ad  t'asuLj.  — 
Tährt  den  Grund  an,  weil  Simon  Mugus  am  Samstage  durch 
in  der  liübe  ^-i.'stiji-iit  wurde,  eine  Erkläi-uiig,  welche  —  nach 
I  —  die  meisten  Bömer  verwarfen.  Innozenz  I.  (ep.  ad  Decen- 
t.4J  giebt  als  Grund  an,  dass  am  Freitag  und  Samstag  —  die 
HU  Furcht  vor  den  Juden  sich  verborgen  gehalteo.  »Den  Freitag 
ir  wegen  des  Leidens  des  Herrn ,  den  Sabbath  dürfen  wir  nit^t 
n,  weil. er  ein  Zwischentag  ist  zwischen  Trauer  ond  Freude." 
doaa   befindet  sich  im   Irrthume   aus   spanischen  PatriotiBii^aB, 

b^ianptet,  dass  die  Täter  von  Elvira  dsa.Samstagsfasten  erst 
rt.  Sie  hatten  es  viehnehr  —  nicht  etwa  aOa  Afrüta,  wie  u.  a. 
neint,  wo  noch  im  fünften  Jahrhundert  keine  feste  Praxis 
,  sie  hatten  es  vielmehr  aus  Rom  bekommen.  Dieas  konnte 
it  erst  im  vierten  Jahrhundert  der  Fall  sejn,  sonst  hätte  Inno- 
im  J.  400  dieses  wissen,  müsseu.  Schon  Hieron jmus  rechnet 
stags^ten  in  Rom  und  in  Spanien  unter  die  unvordenklichen 
reiche  man  aia  apostolische  Ueberlieferung  festhalten  miisse  (de 
quod  quaeria,  utrutn  jejunattdum  lU:  tt  dt  Ettehariatia  an  aeei- 
uotidüj  quod  Somana  ecclesia  et  Hiapaniae  ob$ervare  perhiberUur, 
tädan  et  mppol]/tui,  vir  disertiirimui;  et  carptim  diverä  leriptoreg 
aueteribu»  ediäere.  —    Ego  illud  te  admonendum  ptOo,   traditisnei 

•trtfii,  Cod.  com»»,  eecltrtai  priautiaaa  vindie.  ac  iäat^.  —  Load^  1678.  —  L2. 


80  Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 

eedmcuticoi  ita  obtervandoB,  ut  a  majartbui  tradUae  $urU  —  ep.  71 
LtteMum  Baeticum  genere).  Das  Fasten  des  Samstags  war  also  m  1 
und  Spanien  eine  unvordenkliche  Uebung.  Mit  Recht  leitet  Bish 
aus  Canon  26  von  Eivira  die  in  Spanien  schon  bestehende  SitM 
(—  Denkw.  5,  2  —  128,  vergi.  2,  2— 615  —  Tergl.  derselbe  im  JSjÜm 
1821,  2,  429.  —  Ueber  die  Synode  zu  Elvira,  S.  417--444  —  ff 
Herbst  in  der  Tübinger  Quartalschrift,  1821  —  S.  1—44  ;,die 
von  £lvira),  am  Samstage  zu  fasten.  Trozdem  ist  seine  Erklärung 
Canons  völlig  falsch.  Er  versteht  mit  Fleury  unter  disr  j8i 
gesteigertes  Fasten,  —  und  behauptet,  die  Synode  habe  dieses 
und  ein  gewöhnliches  Stationsfasten  befehlen  wollen.  Dadurch 
der  alte  Gebrauch  nur  in  seine  Grenzen  gewiesen.  —  Mit 
weist  Hefele  auf  Canon  43  von  Elvira  (welchen  man  niushsehe), 
dasjenige  bedeute,  was  allgemein  geschehen  soUe,  nidit  abefi 
jyder  Irrthum^  bestanden  habe.  Der  Canon  wolle  sagen,  dass  am 
tage  Superpositio  gehalten  werde. 

Was  bedeutet  nun  aber  hier  SuperpasiHo?  ■ —  Es  bedeutet  j| 
dings  Fasten,  gesteigertes  Fasten,  aber  in  dem  Sinne  von  CMli| 
jtjunium,  oder  von  die»  superpasUua^  (j^unii).  Der  Samstag  soUlBj 
Stations£EbBttag,  also  ein  Semijejunium ,  ein  Fast^i  bis  zur  neunten 
er  sollte  aber  dennoch  eine  SuperposHio  oder  ein  dks  »uperpötüM 
weil  er  als  Fasttag  dem  Freitag  angereiht  wurde.    [So  Aguirre^)*]^ 

Dass  Mittwoch  und  Freitag  Stationstage  in  Spanien  waren, 
aus  der  Passio  des  heiligen  Fructuosus  —  von  Tarraco.  Am 
hatte  er  mit  seinen  Gefährten  die  Station  gehalten  im  Gefängnisse^ 
Freitage,  dem  Tage  seines  Todes,  war  er  —  um  lOUhr'lioi 
nüchtern ,  und  blieb  es ,  ^tU  in  paradiso  —  iolveret  itatianem^  (Tk 
de  jejtmiiSj  p,  1 ,  eap.  19  et  p.  2,  cap,  15).  Da  der  Canon  26 
tionsÜEtöten  am  Mittwoch  nicht  abschaffte,  so  hatte  man  weni( 
Spanien  drei  Stationsfasttage,  den  Mittwoch,  Freitag  und  Samstag. 
Rom  waren  es  der  Freitag  und  Samstag,  der  Mittwoch  dagegen  istfli 
unbestritten.  Binterim  sagt  (Denkw.  2,2  —  613),  dass  die  Römer^ 
Fasttage  in  der  Woche  hielten.  Dagegen  5,2—124  sagt  er:  ,1b < 
Regel  waren  zwei  Stationstage,  der  Mittwoch  und  Freitag  nadij 
orientalischen  Disziplin,  der  Freitag  und  Samstag  nach  der  römwl 
Disziplin.^^ 

Ist  die  erwähnte  Annahme  des  Beveridge  gegründet,  so  erkläztl 
auch  die  schwankende  Praxis  in  Spanien.     Die  sieben  Apostelsdl 


*)  A^uirre  will  in  einer  Dissertation  beweisen ,   dass   Can,  65  (66)  apoUoL  d 
schoben  sei.     Wie  Aguirre,  so  Gonzalez  Tellez:   Continuato  jejunio  ftriM  ti 
Nickes  1.  c.  S.  50.  —    »Der  Canon  23  will  nichts  anders  als  vorschreiben, 
die  Superpositio  jeden  Monat  beobachtet  werde.     Ebenso  verhält  es  sieb 
Can.  26  derselben  Synode.    Er  verordnet  jeden  Samstag  die 


Canon  27. 


81 


den  Freitag  und  Samstag  als  Stationsfasttage  von  der  römischen 
iickeb  Später  kam  von  andern  Kirdien  die  Haltung  des  Mittwoches 
I  Slalionstages  y  und  augleich  die  Folgerung  oder  Folge,  den  Samstag 
Dan  sa  lassen«  Daher ,  wie  in  Afrika ,  in  verschiedenen  Bisthümem 
16  verschiedene  Gewohnheit.  Die  Sjnode  von  Elvira  befiehlt  die  römi- 
ke  Feier  des  Sabbathes  als  Fasttages  j  und  behält  stillschweigend  den 
ittwoeh  beiy  vielleicht  weil  sie  hierin  den  einzelnen  Bisthümem  ihre 
M  WaU  lassen  wilL 

In  Frankreich  war  der  Samstag  Fasttag  nur  in  der  Quadragesima 
^pafg  CaeBorü  AreL  ad  motuich,  cap.  22.  —  AurdUm.'  ÄreL  in  app. 
ptL).  — i-  In  England  hielt  man  den  Mittwoch  und  Freitag,  nicht  den 
imstag  (Beda  fM.  AngL  3,  5.  Dagegen  t,  3  Condl.  Hwrdwn.  p.  1986). 
In  Deutschland  hielten  einige  Bisthümer  den  Samstag,  andere  den 
iHwoch.  An  den  Frdtagen  fasteten  im  neunten  Jahrhundert  alle,  an 
n  Samstagen  nur  einige  (Rhab,  Maur.  d.  insHt.  elerie.  2,  23).  —  Im 
1307  herrschte  in  der  Djözese  Köln  eine  grosse  Verschiedenheit  (Har%^ 
■i  C.  Gem.  4,  108). 

Am  strengsten  scheinen  jedenfalls  die  Spanier  im  Fasten  gewesen 
t  seyn,  obgleich  man  ihre  Praxis  im  Einzelnen  nicht  verfolgen  kann. 
■  das  J.  400  wurde  am  Samstag  wenigstens  in  Südspanien  noch  ge- 
ilet (nadi  obigem  Briefe  des  Hieronymus).  Später  aber  bildete  die 
cndiiedenheit  der  r(imischen  und  der  orientalischen  üebung  einen 
nmd  des  Streites  und  der  Spaltung.  „Nachdem  Innozentius  I.  (402 
ia  417)  in  einer  Decretale  das  Sabbath-*  oder  Sonnabendfasten  legalisirt, 
IS  CemtSUum  Truü.  quinuextum  can.  55  aber  einen  ausdrücklich  anti- 
iouiGiien  Beschluss  gefasst  hatte ,  ward  dieser  Unterschied  endlich  selbst 
it  eine  angebliche  Ursache  zum  Riss  des  kircblichen  Bandes  zwischen 
und  Occident*^  [Guericke,  Lehrbuch  der  christlich -kirch- 
Archäologie,  2.  Aufl.  Berl.  1859^  S.  148 ')]. 


GanoB  27. 

on  den  Clerikem,  dass  sie  fremde 
'nnen  nicht  in  ihrem  Hause  haben 

sollen. 

ISn  Bischof  oder  jeder  andere  Cleriker 
dl  entweder  nur  eine  Schwester ,  oder 
M  Tochter  als  eine  Gk)tt  geweihte  Jung- 
hs  bei  sich  haben:  eine  Fremde  aber 
ft  haben  ist  Tcrboten« 


Be  clericiSy  ut  extraneas 

feminas  in  domo  non  ha- 

heant 

Episcopus  vel  quiUbet  cUius 
clericiu  aut  sororem  aut  fiUam 
virginem  dieatam  Deo  tanUan 
aecum  ?uAeat:  extrcmeam  ne- 
quaquam  habere  placuü. 


*)  Hefele,  G.  G.  3,  308. 
Gast,  spaa.  Kirdie.   IL 


6 


82 


Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 


Cf.  Nieam.  c3.—  Aneyr.  19i  —  Genmd,  7.  ^  lUard.  5.^  2  ToleL  3. 
—  i  Hiq^al  3.-4  ToUt.  42-^43.  —  2  Bracar.  15.  —  2  AH.  3.  —  1  Ar- 
vem.  IS.  —  Agd.  506,  10.  11.  —  1  Turon.  4.  —  2  T.  3—4.  —  «fc.  — 
ef.  Qonxal.  TeU,  in  tU.  Decretal. :  de  cohabüatione  elericorum.  —  Ankngend 
die  virgina  deo  dicatae  — ,  so  weist  Gonz.  Tdl.  u.  a.  auf  Oregor'B  voa 
Nazianz  Gedicht:  Ad  HdUrUum  pro  monaehis  exhoriatoHium  (Migne,  ptär. 
graeea,  37,  1469  —  ed.  Clemeneet-CaUlau,  2,  996  eq.).  —  Davon  lebtca 
die  Einen  allein  in  ihren  Häusern ;  aU(u  simul  congregtMtae,  commune  4h 
eidenum  proßentur  eaelatis  vitae,  ae  aeguaU»  vitae  modoe.  AUae  mk 
pettenUbuB  aaeident  Inflrmitj  aut  frcUr^ua  pudieitiae  teatibuBi  —  Besondoi 
gross  war  in  Armenien  die  Zahl  solcher  Gott  geweihten  JungfiiuMi^ 
und  es  ist  bemerkenswerth,  dass  diess  bis  zum  heutigen  Tage  der  Fdl 
ist  (s.  Gams,  Eirchengeschichte  des  1«.  Jahrk,  Bd.  3  (1858),  S.  699— OOft 
Während  im  Abendlande  später  alle  Gott  geweihten  Jungfrauen  in  Km- 
ster  eintreten  mussten,  erhielt  sich  im  Orient  die  alte  Sitte ,  dass  m 
allein  in  ihren  Häusern  leben  ^  wie  schon  Justin  um  das  J.  löO  es  te» 
zeugt  y  bis  zur  Gegenwart. 


Cuoi  28. 

Ueber  die  Gaben  derjenigen,  welche 
nicht  communiciren. 

Ein  Bischof  soll  von  demjenigen , 
welcher  nicht  communicirt,  kein  Ge- 
schenk annehmen. 


De  oblaüonüms  eorum,  ^ 
non  communicant     i 

Epieecptan  plaeuit  et  l4 
qtd  non  comtnimitai, 
aceipere  non  debere. 


D.  h.  von  keinem  Büsser  oder  Catechumenen ,  oder  einem  soldiai 
der  sich  durch  eigene  Schuld  von  der  heiligen  Conmiunion  annnrhlifji 
(Drey,  S.  255,  und  die  dort  angeführten  Belegstellen). 


li 

t\ 

ff 
ii 

i: 

Ir 


Gadod  29. 

Von  den  Besessenen,  wie  sie  in  der 
Kirche  gehalten  werden  sollen. 

Ein  Besessener,  der  von  einem  un- 
ruhigen Geiste  gequält  wird,  dessen  Name 
soll  weder  am  Altare  mit  seiner  Gabe 
genannt,  noch  soll  gestattet  werden,  dass 
er  selbst  in  der  Kirche  Dienste  leiste. 


De    energumenis    guaUiUr 
habeantur  in  ecclesiis.    'I 

ir 
Energianenui  qui  €i6  g'riitflfl  * 

epirüu  exagUatur,  kuiui  noäm  ^ 

neque  ad  altare  emn  oblaHmt  jj 

eeee  reeUandum,  netpentnlkiifh^ 

dum  lA  iua  manu  in  eoeMl 

minigtret. 

Vergl.  c.  78  (79)  apott.  —  ap.  Contt.  8,  32.  —    Drey,  8.  403.  -  y 
c£  Can,  37  von  Elvira.  —    Carthag.  4  (3)  91.  ^ 


CmnoB  30.  31. 


88 


Ganoi  30. 

iejenigen,  welche  nach  der 
n  Unzucht  gefallen  sind,  nicht 
:onen  werden  sollen. 


De  his  qui  j>ost  lavacrum 
moechati  sunt,  ne  subdia- 
'  cones  fiant 

Subdiaeanoa  eos  ordinari  nan 
dihere  qui  in  adoleseentia  $ua 
fuerinZ  moechati,  eo  quod  pod- 
madum  per  mbreptionem  ad  oZ- 
tiorem  gradum  promoveaniur: 
vd  ri  qui  iunt  in  praeteritum 
ordinaU,  amoveantur. 


eigen  sollen  nicht  als  Subdiakonen 

werden,  welche  in  ihrer  Jugend 
t  begangen  haben,  desswegen  weil 
hher  durch  Unterschieichung  zu 
hem  Stufe  betördert  werden.  Wenn 

der  Vergangenheit  einige  ordinirt 
sind,  so  sollen  sie  entfernt  werden. 

nzaL  Teiles  versteht  unter  „moechaii^^  Ehebrecher,  und  weist  auf 
fs  Brief  ad  Antonianum  (cap.  27?)  hin,  wo  jf,moechui^^  einen  ad- 
deutet  Solche  seien  früher  nicht  absolvirt  worden.  Diese  Strenge 
s  auf  Papst  Zephyrin  gedauert,  wogegen  der  Montanist  Tertullian 
1er  den  Verfasser  des  „Pastor  Hermae^  einen  „Ptutor  moeehorum^ 
^TcrtuU,  de  pudic.  c.  20.  —  e.  cp.  10  —  ecriptura  Pattoritf  quae 
iechae  amat);  indem  er  es  mit  Hohn  beklagt,  dass  der  „Pontifez 
m,  quod  est  episcopua  episeoporum  —  edicit:  Ego  et  moechia  (e)  et 
itmis  ddida,  poenitenHa  functis  dimittoJ^  Merkwürdig  sind  die 
tn  Zeugnisse  in  dieser  Schrift  für  den  römischen  Pontifikat;  denn 
»m  heisst  er  cap.  13  den  honus  pastor  et  benedictue  Papa  ef.  de 
30,  wo  er  den  Papst  Eleutherius  „benedictus^^  nennt.  —  Äguirre 
t,  wohl  richtiger,  moechia  von  Unzucht  überhaupt,  und  weist  auf 
Htstol.  60  (Ol).  Der  Verfasser  bei  Braun -Achterfeldt —  erklärt, 
djenige,  welcher  einmal  Subdiakon  geworden,  nachher  leicht  zu 
liem  Weihen  aufsteige  (L  c.  S.  101). 


CanoD  3i. 

en  Jünglingen,  welche  nach    Be  adolescentihus,  qai post 
ufe  Unzucht  begangen  haben.      lavacrum  moechati  swnt 


glinge,  welche  nach  der  heiligen- 
i^^ade  Unzucht  begangen ,  nach- 
aber  geheirathet  haben,  sollen  nach 
^ter  vorgeschriebener  Busse  zu 
mmunion  zugelassen  werden. 

mdosa  sagt,  dass  die  Strafe  der 
heit  der  eingegangenen  Ehe ,  und 


Adolescentea  qui  post  fidem 
lavacri  salutaris  fuerint  moc' 
chati,  cum  duxerint  uxores,  acta 
legitima  poenitentia  placuü  ad 
communionem  eos  admitti. 

„moechia^  aufhöre   durch  die 
weist  auf  Can.  14  und  72  hin. 

6» 


84 


Fünftes  Buch.    Die  Synode  von  Elvirt. 


Glioi  32. 

Von  den  excommunicirten  Priestern, 

dass  sie  im  Nothfalle  die  Commu- 

nion  ertheilen. 

Bei  einem  Priester,  welcher  durch  einen 
schweren  FaU  in  den  Ruin  des  (geistigen)' 
Todes  gerathen  ist,  soll  man  keine  Busse 
verrichten  können,  sondern  vielmehr  bei 
dem  Bischöfe:  wenn  aber  die  Krankheit 
drängt,  ist  es  nothwendig,  dass  ein  Prie- 
ster die  Communion  ertheile,  und  ein 
Diakon,  wenn  der  Priester  (Bischof)  es 
ihm  befiehlt 


De  excommunicatis 

teri8J^  ut  in  necessitc 

munionem  de^ 

Apud  pretbyterum 
gravi  lapiu  in  ruinat 
indderü,  plaeuü  poa 
agere  nan  deberey  9e 
aptid  qnseopum:  eoger* 
infirmitaU  neeesse  est 
Urem  eommtmianem  j 
debere,  et  diaeonem  s 
$erU  ioeerdat. 


Die  Reconciliation  der  BUsser  stand  nur  den  Bischöfen  zu 
doza  weist  auf  Cypr.  ep.  13  ad  Clerum  hin,  wo  es  u.  a.  heisst: 
nüenUs)  premi  inflrmitcüe  aliqua  et  perietdo  coeperinty  €iH>€MHOl 
fnCtn  et  manu  eis  a  vohis  in  poenitenüam  impoHta,  cum  pace 
tyribus  (d.  h.  hier  den  Bekennem)  eibi  pramiwa  ad  Dominum  ren. 
OonzaL  Tellez  sagt,  der  Diakon  habe  ihnen  die  Eucharistie,   n 
Absolution  geben  dürfen ,  und  der  Bischof  habe  speziell  befragt 
müssen.    Binterim  erklärt:  im  Falle  der  höchsten  Noth  solle  der 
die  Communion  reichen,  und,  wenn  er  es  verlange,  der  Dia 
dabei  unterstüzen.    Dicss  ist  gesucht     Die  Diakonen  leiteten  ds 
Spanien  manche  Gemeinden  ohne  einen  Priester  (s,  c.  77  — 
regens  plebem  sine  episcopo  vel  pre^ytero)y  und   mussten  darum  i 
heilige  Communion  spenden.    Hefele  (C.  G.  1,  139)  sagt,  in  der 
schrill  müsse  es  heissen:  De  presbyteris,  ut  excommunieatis  etc. 
ist  hier  ja  ebenso  von  excommunicirten  Priestern,  wie  Laien  di< 


Gttioi  33. 

Von  den  Bischöfen  und  Dienern,  dass    De  episcopis  et  m 
sie  sich  der  Frauem  enthalten.         ut  ab  uxorihus  ahst 


Es  ist  den  Bischöfen,  Priestern  und 
Diakonen  und  überhaupt  allen  im  Dienste 
(des  Altars)  stehenden  Clerikem  ver^ 
boten  (geboten),  dass  sie  sich  nemlich 
ihrer  Frauen  enthalten,  und  keine  Kin- 
der erzeugen  sollen;  wer  dagegen  han- 
deln würde,  soll  von  der  Würde  des 
Clerus  entfernt  werden« 


Plaeuü  m  totum  y 
episcopis,  presbyteris  < 
nibus  vel  omnibus  de 
sitis  in  ministerio  abs> 
a  conjugibus  suisy  et  n 
rare  filios:  qiäcumque 
cerüy  ab  honore  iMerie 
terminekiTm 


Canon  34.  85 

Dass  bei  der  Erklärung  dieses  berühmten  Canons  Paphntitiiis  stets 
1  den  Vordergrund  gezogen,  und  von  Verschiedenen  verschieden  be- 
•Ddeh  wird,  lässt  sich  denken,  Herbst  (Qnartalschr.)  lässt  sich  in  eine 
iftangSTolle  Erörterung  über  diesen  Canon  ein,  und  Binterim  zieht 
nm  derb  und  herb  gegen  die  ^Quartalschreiber'',  denen  er  in  corpore 
n  Anfsaa  des  Einen  zuschreibt,  zu  Felde.  (Katholik,  S.  430—32).  — 
of  eine  Erklärung,  eigentlich  geschichtliche  Entwicklung  des  CöUbates 
w  imirtri  tecUäae  brauchen  wir  hier  umsoweniger  einzugehen,  als 
e  Quellen  hiefür  allen  zugänglich  sind. 

Gadoi  34. 

HB  keine  Wachskerzen  auf  den    Ne  cerei  in  coemeteriis  in- 
egT^bnissorten  angezündet  werden  cendantvr. 

^^^^  Cereos  per  diem  plaeuU  m 

Während  dds  Tages  sollen  keine  Wachs-  coemeUrio  non  incendi,  inquie- 

■Bcn  auf  dem  Gottesacker  angezündet  ^o^^  ^f^  aanctorum  ipirüua 

Orden  y   denn  die  Geister  der  Heiligen  won  sunt,     Qtä  haec  non  ob" 

Den  nicht  beunruhigt  werden.    Welche  iervaverint,  arceantur  ab  eceU^ 

nicht    beachten,   sollen   von  der  «wi«  eommunione. 
thaft  der  Kirche  ausgeschlossen 


Li  Betreff  der  Worte :  inqmetandi  non  sunt  —  weist  Mendoza  mit  Recht 
if  &  Worte  des  von  dem  Grabe  aufgerufenen  Samuel:  qttare  mquietcuH 
§  mi  $useüarer?  (1.  Eon.  28,  15).  —  Es  ist  bekannt,  wie  schon  im 
reiten  und  dritten  christlichen  Jahrhundert  die  Erklärung  dieses  myste- 
EMn  Vorganges  die  christlichen  Schriftsteller  beschäftigte,  und  wie 
Buds  schon  die  Hexe  von  Endor  ein  Kreuz  der  Exegeten  war.  Ueber 
i  schrieb  der  vielbesprochene  Uippolyt  in  einem  —  bis  auf  ein  Bruch- 
idL  —  vex4omen  Briefe  *).  Nach  ihm  erschien  der  Dämon ,  nicht 
imu€l  (Möhler,  Patrologie,  1840,  8.  589).  Von  den  ehedem  vier  Ho- 
lEen  des  Origenes  über  das  erste  Buch  der  Könige  haben  wir  noch 
ra,  wovon  nur  die  zweite  im  Griechischen  —  vnig  rijg  iyyaarQifiijd'ov 
-  tiber  die  Hexe  von  Endor.  Leo  AUatius  hat  dieselbe  nach  einem 
bmiiscripte  im  Vatikan  —  zu  Lyon  1629  in  8^  drucken  lassen,  von  wo 
ie  m  die  Ausgabe  der  Werke  des  Origenes  von  de  la  Bue  übergieng 
2,180  sq.)-  Origenes  hielt  diese  Homilie,  ohne  Vorbereitung,  auf  Be- 
bU  eines  Bisdiofes,  da  er  schon  auf  der  Kanzel  war.     Nach  ihm  hat 


')  Ein  Pragmenl  gab  Simon  de  Magistris  —  eif  rip^  iyycUfrptfiuSov  —  ans  einem 
▼atikan.  Codex  in  f,Acta  Martyrum  Oatiennum*^  —  Romae  1795 ^  p,  160,  Döl- 
lioger,  Hippolyt,  S.  41  —  42,    Mignty  BOr.  gr.  10  (op.  Htppofyt,),  p.  607:  oCSh 


86  Fünftes  Bach.     Die  Synode  von  Elrira. 

die  Hexe  wirklich  die  Seele  des  Samuä  hervorgernfeiu  Der  wahre 
Samaäy  nicht  ein  Grespenst^  erschien.  Ein  D&mon  hätte  nicht,  wie 
Samueli  das  Kommende  Yoraussagen  können  [R  CeiUier,  t  2  (1868)  y  153]. 

—  G^en  diese  Erklärung  erhob  sich  zuerst  Methodius  —  de  PythaniiM 
eotUra  Origerym  [Hieran,  eatal  83.  —  Möhler,  U  e.  086.  —  B.  CeülM», 
3j  66.  (1859)]  in  einer  Abhandlung^  die  wir  nicht  mehr  besisen.  JSi 
könnte  auch  das  Buch:  De  reiurrcetUme  canira  Origenem  —  gemeint  seja; 
wenigstens  sagt  Methodius  in  den  vorhandenen  Auszügen  des  Photon 
aus  seinem  Buche  —  cap.  19  —  xcd  6  2a(AOvriX  q>atv6fiepog  cig  S^lk 
iartv  ögcerös  äv^  nagiartjaiv  j  6ri  a^ua  Tugiixeiro,  d.  h.  der  Dämoa 
nahm  des  Samuä  Grestalt  an. 

Während  Basilius  unentschieden  sagt:  SSccfiOvijX  ^  ihwiai,  17  8om^ 
8C  iyyceCTQifivd'ov,  haben  wir  von  seinem  Bruder  Gregor  von  Nyssa  emfll 
Brief  an  den  Bischof  Theodosius:  negl  Xfjg  iyyccargifitf&ov ,  der  die  & 
scheinung  für  ein  Blendwerk  Satans  hält  (op.  td,  MartUi-Migne^  i,  2jl12). 

—  Eusthatius  von  Antiochien  verfietsste  eine  ausführliche  Schrift  —  dQ 
td  Tfjg  iyyuaxQijAvd'ov  ^coigtifia  duxyvoßtnixög  —  eonira  Oriffenmn  it 
Engattr.  disBerUUio.  Leo  AJlatius  gab  dieselbe  1629  mit  der  erwähnte 
Homilie  des  Origenes  zuerst  heraus.  (Sie  ist  an  einen  Eutropios  ge* 
richtet)  Er  zeigt,  dass  Satan  keine  Gewalt  über  die  Seelen  der  G^ 
rechten  habe.  Die  Erscheinung  selbst  sei  nur  ein  Phantom  Satans*  gl* 
wesen.  Eusthatius  behandelt  den  Origeiies  allzu  hart  und  mit  grosMr 
Verachtung,  erwähnt  auch  der  uns  nicht  erhaltenen  Schrift  des  Meths- 
dius  gegen  ihn  ^).  Anastasius  der  Sinaite  beantwortet  die  Frage  nad^ 
dem  Vorgange  Justin  des  Märtyrers,  ob  Samuel  wirklich  ^rschknoii 
bejahend ,  weil  alle  Gerechten  unter  der  Gewalt  Satans  gestanden  (Anb^ 
Hat.  Sinait.  quaeaUanes  154  —  qu.  1I2J. 

Von  den  Lateinern  sprechen  sich  gegen  die  wirkliche  Erscheinui^ 
Samu^Fs  aus :  Tertullian  (de  anima  c.  «57  —  nee  enim  pytlumieo  apirM 
minta  lieuiU  €mimam  Samuelis  ef fingere);  Philastrius  betrachtet  die  Mflt 
nung  des  Justin  und  Origenes  nicht  bloss  für  eine  (voa  ^^  besonden 
behandelte)  Kezerei,  sondern  fügt  bei:  eumque  plurimi  huU  acqmutm 
mendacio  malint  y  in  perpetuum  deacendunt  interitum,  cum  Propheta  dieti: 
Jtutorum  animae  in  manu  Domini,  et  non  tangit  eas  mors.  —  Troz  dieMC 
Androhung  sagt  dennoch  Sulpicius  Severus  —  fdstor,  aacr,  J,  36:  ^ 
Savl  per  midierem,  cuiua  viscera  epiritua  erroria  impleverat,  Samu^Um  ctw» 
eaUtm  conauUi.  —  Hieronymus  hinwieder  neigt  sich  an  mehreren  Stellen 
in  Kürze  zu  der  Ansicht,  die  Erscheinung  sei  ein  Blendwerk  gewesei 
(in  Ezechieh  13, 17  —  qualia  fuit  illa,  quae  viaa  eat  auaeUaa$e  JBaanuSaiiL 


*)  Eualhatii  in  hexaimeron  cammentaritis  ac  de  engastrimytho  dimertat.  ad»,  Orig,  <—  Lm 
AUatius  primus  in  lucem  protulk,  latine  veriit  —  Lugd.  1629,  p.  3iS  sq.  —  Daran 
schloas  Leo  AUatius  selbst  noch:  de  engastrimytho  syntagma^  c.  iO,  p,  442$^. 
Dallaeut,  de  usu  pcUrumf  Gen.  1686,  p.  297. 


den  Lebenden  erscheinen  könne  (ad  Simpliäanvm  —  qu.3. 1,2,  — 
p^  pglhoniaam  quomtidii  evoeari  poluerit.  Sanrnttü  forte  phat^ 
%itf  non  gpiritm).  —  Von  dea  acht  Fragen  des  Duicitius  behan- 
e  «echste  anser  Thema  —  utrum  Samuel  ptr  pythonüiam  vere 
le  btfamo  evoeatui.  Samuffii  forte  phaniaima,  non  tpiritu»  apparuit 
iederholong  der  Antwort  an  Simplician,  Bischof  von  Ifailand 
ad  Simpl.  L  2.  qrt.  3).  —  Inzwischen  sei  er  andern  Sinnes  ge- 
:^  mit  Rficksicht  auf  Eccies.  46,  23  —  und  Matth.  17,  3-  —  Das- 
nederholt  er  in  seiner  Schrift:  De  eura  pro  mortuü  gerenda  — 
— .-  Samuel  prophoa  defunctui  vivo  Sauli  etiam  regi  futura  prae- 
juamvit  nonnulli  non  ipium  ftdtu  gut  poeut*«et  magiä$  artilna 

BM  verschiedene  Anschaaong  findet  sich  denn  auch  bei  den  Exe- 
lor  BpStem  Zeit  Thomas  von  Aquin  ist  für  das  „phantatma". 
mnc  Zeit  ist  noch  die  dritte  rationalistisclie  Erklärung  hinzuge- 

daas  die  Hexe  von  Endor  durch  ihre  taschenapielerische  Ge- 
dikeit  den  Saul  hinter  das  Licht  geführt  habe.  (Jostin  der  Mar- 
n»  Karl  Semisch,  Breslau  1840—42,  2,  463—64). 
len  bejahenden  und  remeinenden  Erklttrem  des  Vorganges  zu 
geket  der  Zeit  und  der  Entschiedenheit  der  Bejahung  nach  voran 
der  Märtyrer,   welcher  u.  a.  auf  die   wirkliche  Erscheinung  des 

einen  Beweis  für  die  Unsterblidikeit  der  Seele  stUzt  Kai  6ri 
9  «i  vmr«*,  «n*Sei|«  vfSv  ix  rov  —  rriv  .Sofiov^  V^'X^"  "^fl- 
inä  rije  ijfyaargtfiij&ov ,  tög  ^^ioia€y  6  ^aoüX.  Es  scheine,  dass 
«len  der  also  (d.  h.   im  alten  Bande)   Gerechten  und   der  I^o- 

ODter  die  Gewalt  solcher  Mücht«  gefallen,  wie  sie  hier  bei  der 
■on  Endor  als  Tbatsache  hervortrete.  Darum  sollen  wir  bitten, 
uerQ  Seelen  bei  dem  Tode  nicht  in  die  Gewalt  solcher  Mächte 


88  Ffinftes  Buch.     Die  Synode  von  EMra. 

nicht  die  onbedeatenderen,  Justin  und  Origenes,  hatten  sieh  für  die 
Wirklichkeit  der  Erscheinung  ausgesprochen;  zwei  andere^  Teriolliaa 
und  Hippolyt,  jener  von  der  Kirche  getrennt  ^  dieser  erst  durch  seinen 
Tod  wieder  mit  ihr  vereint,  und  selbst  Urheber  eines  Schisma ,  hatten 
sich  dagegen  ausgesprochen.  Dazu  kommen  die  klaren  Worte  deac  kd» 
ligen  Schrift  (Jes.  Sir.  46,  23):  „Damach  entschlief  Samuä,  und  er  offen- 
barte dem  Könige,  und  zeigte  ihm  das  Ende  seines  Lebens,  und  tt 
erhob  seine  Stimme  von  der  Erde  in  der  Prophezeiung,  um  die  GoC^ 
losigkeit  des  Volkes  zu  tilgen, '^  —  Worte,  welche  später  den  Augustm 
zwangen,  seine  fiühere  Meinung  zurückzunehmen.  Wer  möchte  also 
es  auffitUend  finden,  wenn  die.  Väter  der  Meinung  waren,  dass  Todta 
aas  ihren  Gräbern  wieder  aufgerufen,  wenigstens  durch  gewisse  Mittdi  — 
ihre  Seelen  beunruhiget  werden  können? 

Doch  kann  das  Wort:  ingttietandi  nan  mnt  —  nicht  bloss  bedeuten: 
sie  sollen  in  ihrer  Ruhe  nicht  gestört,  nicht  beunruhiget  werden;  soih 
dem  auch:  man  soll  nicht  den  abergläubischen  und  yerbrecherisdben 
Versuch  machen,  dieses  zu  thun,  sei  es  mit,  sei  es  ohne  Ehrfolg;  denn 
eine  solche  Aufmerksamkeit  und  Ehre,  die  ihnen  durch  die  am  hdlen 
Tage  an  ihren  Gräbern  brennenden  Lichter  erwiesen  werden  will,  ver- 
schmähen „die  Geister  der  Heiligend,  da  eine  solche  Ehre  ihnen  nicht 
zukomme.  Indess  lebten  die  Väter  von  Elvira  in  einer  Zeit,  wo  die 
Beschwörung  der  Todten ,  das  Hervorrufen  und  Hervorzaubem  der- 
selben, namentlich  zum  Zwecke  der  Prophezeiung,  ebenso  oder  noch 
mehr  an  der  Tagesordnung  war,  als  heute  —  in  den  Tagen  des  aber- 
gläubischen Unglaubens,  und  des  gesunkenen  Bai  Empire.  Nicht  ans 
unserer,  sondern  aus  der  Denkweise  ihrer  Zeit  müssen  wir  in  emer 
Frage,  die  den  Glauben  nicht  direct  berührt,  die  Meinung  jener  Bischöfe 
beurtheilen.  Damals  glaubte  alles,  und  auch  diese  Bischöfe,  dass  man 
durch  böse  Künste,  durch  Magie,  nicht  bloss  veneflcio,  sondern  auch 
„fnalefieio*'  (Can.  5)  Jemand  „vergeben^,  d.  h.  tödten  könne.  Damals 
glaubten  Christen ,  Heid^i  und  Juden ,  also  auch  diese  Bischöfe , '  dass 
man  durch  Magie  oder  Zauberformeln  die  Todten  hervorrufen  könne'). 
Zu  einer  Zeit,  wo  die  dämonische  Besessenheit  so  sehr  in  die  Ejreke 
hereinragte  und  hereintrat,  dass  sie  z.  B.  die  Bischöfe  von  ElVini  in 
mehreren  Beschlüssen  veranlasste  (Can.  29,  37),  dass,  als  z.  R  Origenes 
seine  erste  uns  erhaltene  Homilie  über  das  1.  Buch  der  Könige  hieh, 
plözlich  ein  Mensch  von  einem  Dämon  besessen  und  gequält  wurde, 
was  den  Origenes  nicht  hinderte,  seine  Rede  fortzusezen  (R.  Ceillier, 
2,  163);  —  darf  man  sich  nicht  wundem  und  keinen  Anstoss  daran 
nehmen,  dass  die  spanischen  Bischöfe  als  Grund  ihres  —  auch  sonst 
begründeten  Verbotes  —  die  Beunruhigung  oder  Nicht -Beunrohigoiig 
der  Todten  angeben. 


3 
t 


')  Synod,  4  Joletan,  —  c.  29  <^  de  derids  mayos  out  anupicm  cqmmdtnSbm»^ 


Canon  34.  89 

ist  hat  man  die  Todten  weniger  durch  Kerzen ,  als  durch  G^ 
rebete,  Zauberformeln,  allerlei  Gaukelwerk ,  durch  „Ineaniationes, 
und  arUs  vnagieas^^  hervorgerufen.  Die  Christen  in  Spanien^ 
Tage  Ldditer  auf  den  Gottesäckern  anzündeten,  mochten  dabei 
ler  weniger  klare  Gedanken  und  Wünsche  haben,  oft  nur  den 
I,  die  Todten  zu  ehren,  oder  deren  Aufinerksaml;eit  auf  sich  ta 
Ton  ihnen  gehört,  oder  erhört  zu  werden.  Indess  giebt  es  nichts 
inter  dem  Monde.  Wie  das  Todtenbeschwören ,  so  ist  das  Tisch- 
md  Tischklopfen  unserer  Tage  nur  eine  Repristinirong  des  Wahn- 
erglaubens  jener  alten  Zeit.  Denn,  sagt  Tertullian,  ti  et  tnagt 
naia  edunt,  et  jam  defunctorum  infamant  (indamant)  €tnimas;  si 
n  eloquium  oraeuU  elidunt  (elidunt);  ti  mtdta  miraeula  dretdatorüs 
ü  Ituhmt,  M  et  somnia  immüttmt  habentes  semel  mvitatortun  ange" 
t  daemonum  assistentem  Mi  potestatem,  per  quos  ei  eaprae  et 
e  divinare  eomueverunt  —  ete*  (Tertull,  apolog,  c,  23,  — 
m,  Phon.  6,  762.) 

r  haben  oben  —  zu  Canon  2  —  von  den  blutigen  Menschen- 
ener  Zeit  gehandelt  Es  wurden  aber  auch  viele  Menschen,  beson- 
laben,  getödtet,  um  aus  deren  Eingeweiden  die  Zukunft  zu  er- 
u  Diess  bezeugen  u.  a.  die  obigen  Worte  des  Tertullian:  „me 
en  Ejiaben,  damit  sie  Orakel  sprechen.'^  Diese  Art  der  Men- 
fer  kann  man  ßQ€(pofi(XVT€la  oder  paedanumteia  heissen  (Junivs, 
feü»  puerarum;  Bonifado  BaUhastxr,  L  8,  21  —  histaria  ItuUcra, 
WS2.  —  Elmenhont,  Notae  ad  OenrmRwn  de  eccle».  dogmat.  Harn" 
U4  —  p.  195  et  210.  Infantea  impolluti  ad  magiam  adhibiti). 
:hter  Lucan  sagt  —  6,  556: 

Nee  refugU  caedes,  vivum  n  sacra  cruorem 

Extaque  fwiereae  potcunt  trepidantia  mensae  —  cf.  707, 

ideref^  der  Kinder  (TertüU.  c.  23)  bedeutet  (mimam  mffocare, 
ie  Tertullian,  und  noch  mehr  als  dieser  glaubt  der  Kirchenvater 
ler  Märtyrer  nicht  bloss  an  das  wirkliche  Hervorrufen  des  Samuä, 
bt  auch  an  das  Hervorrufen  beliebiger  Todten  durch  Todten- 
(rer,  und  gründet  auch  darauf  einen  Beweis  für  die  persönliche 
er  der  Seele  nach  dem  Tode:  vexvofAavretccv  (ikv  yuQ  xoti  ai 
oQwv  naiStov  inonrevacig  xal  ^jv/äv  dv&Qionlvtov  xX^jöeig  xac 
i€Poi  nagä  rote:  fiäyoig  ovetgonofmol  xcci  nägcSgoi  —  n€tadt(oaav 
T«  xai  fi€rä  d'ävarov  iv  ald&fjöei  eidiv  ai  i/n;/«/,  x(A  ol  rpvxoüg 
ovTOfv  Xa(ißav6fA€voi  xa\  (fimöfisvoi  av&gconoi^  ovg  Saifiovio^ 
'  xal  fiaivofi^vovg  xaXovai  ^üvreg:  „die  Prophezeiungen  der  Todten, 
)  Beschauungen  (der  Eingeweide)  unverdorbener  Knaben,  und 
Tomifungen  menschlidier  Seelen,  und  die  bei  den  Magiern  so- 
en  Traumsender  und  Beisizer  -^  mögen  euch  überzeugen,  dass 
e  Seelen  nach  dem  Tode  noch  Empfindung  haben;  ebenso  die 
I  GMstem  Verstorbener  ergriffenen  und  hin  und  her  gezerrten 


90  Fanftet  Buch.     Die  Synode  tob  Elrirm. 

Men wehen,  welche  man  aUgemein  Besessene  und  Wahnsinnige  nennt' 
(aq^  I,  IS). 

Diess  sind  nene  Zeugnisse  f8r  die  Fortdaaer  der  Menschenopfer  in 
jener  Zeilj  und  machen  die  bezügliche  Anklage  g^^  Julian  den  Apo- 
staten um  so  wahrscheinlicher.    Denn  gerade  als  Julian  so  seinem  Feld- 
snge  gegen  die  Perser  sich  anschikte,    j^schlachteten  die  Heiden  eine 
grosse  Menge  Kinder  beider  Geschlechter,  beschauten  deren  Eingeweide, 
ja  genossen  sogar  ron  deren  Fleisch'  (SocraL  3,JS  —  oig  xai  cnXciyx^Hh 
axanovftevotr  ntüSmQ  xatadOeiv  äfp^f'ogovg^  äd^yag  xai  d^leiag,  Mi   • 
aoQxäv  änoytvBa&tu.     Kai  xavra  inoiovy  xavd  xe  xäg  äiXag  nöXntt   ' 
xai  xatä  rd^ji&fjvag^  xai  xazä  r^v  !AlE^avSg€uaf).     Solches  geschab   -i 
am  hellen  Tage,  und  in  vielen  Städten,  besonders  in  den  grossen  Welt-   < 
Städten  Athen  und  Alexandrien.     Den  beständigen  und  nothwendigeo  i 
Zusammenhang   zwischen  Menschenopfern  und   dem  Genuss  des  Man*    : 
schenfleisches  hat  Müller  in  Basel  in  seinem  geschäzten  Buche  über  die  i: 
amerikanischen  Urreligionen  überzeugend  nachgewiesen.  ;: 

Ebenso  erzählt  Dionysius  der  Grosse  bei  Eusebius,  dass  Kaiser  Vi-  (h 
lerian  unter  dem  Einflüsse  seines  Magus  Macrian  Kinder  habe  schlachtea,  ;. 
sie  den  Gözen  opfern^  und  die  Eingeweide  Neugebomer  habe  unter  os 
suchen  lassen  (h.  e.  7,  10  —  mäSccg  ä&Xiovg  anoo^päxtBiw ,  xäi  r^am  ^i 
ivatfjvcDw  wttäQmv  xara&veiw,  xai  ankdyxva  v€oymj  diatQcip  se.  —  ^ 
vnoti&i/devog  MaxQiavög).  —  Noch  schlimmer,  wo  möglich,  trieb  ;; 
es  der  Tyrann  Maxentius  in  Roiu.  Er  liess  Schwängern  den  Leib  wdr  \} 
schneiden,  die  Eingeweide  Neugebomer  erforschen,  Greister  dtiren  ela,  ^ 
hoffend,  dass  er  dadurch  den  Sieg  über  seine  Feinde  gewinnen  werde  ^ 
(ywoCLxag  iyxvfiovag  ävacxi^ovroq  y  rtnk  Si  vBoyvwv  ankdyxva  ßgetpA  j^ 
SuQew(0(Aivov y  —  xai  rivag  a^QtiTonoitag  im  daifiövcDV  ngogxXfjifeig  —  i^ 
avvtCTafiivov  —  Eum,  ä.  «.  8,  14).  4 

Kurze  Zeit  nach  der  Synode  von  Elvira  —  waren  also  in  der  Haupt-  <i 
Stadt  des  Reiches  die  grausamsten  Menschenopfer,  und  das  Beschwörai  ;^ 
oder  Hervorrufen  der  Todten  an   der  Tagesordnung.     Wäre  es  nidit  ^ 
schreiendes  Unrecht,    die  Väter  von  Elvira  des  Aberglaubens  zu  be-  • 
schuldigen,  als  hätten  sie  selbst  an  die  Möglichkeit  solcher  Todtenbe- 
schwörungen  geglaubt?     Was  Ueberzeugung   des  ganzen  Alterthumsi  t^ 
war,  worüber  wir  nicht  urtheilen  können,  weil  es  zu  den  „Nachtgebietea*  , 
des  Natur-  und  Yölkerlebens  gehört,  was  das  ganze  vierte  christliche  \i 
Jahrhundert  erfüllte,  was  mit  blutigen  Zügen  in  die  Gesezgebung  und  ^ 
die  Geschichte  dieses   Jahrhunderts   eingeschrieben  ist,   —    womit  die  t. 
„Aufgeklärtesten^,  wie  Julian  und  Amm.  Marcellin.,  sich  jedenfidls  mehr  ^ 
beschäftigten,   als  die  christlichen  Dunkelmänner,   das  war  auch,   das    : 
musste  auch  Ansicht  der  spanischen  Bischöfe  seyn.    In  Dingen  des  natür- 
lichen Wissens,  Wähnens  und  Glaubens  werden  die  katholischen  Bischöfe 
stets  auf  dem  Boden  ihrer  Zeit  stehen  müssen;   und  wenn  sie,   wie 
B.  B,  Virgilius  von  Salzburg,  Gerbert,  Albert  der  Grosse,  in  einzelnen 


Canon  34.  91 

Pudlen  ihrer  Zeit  um  Jahrhunderte  Toraus  sind,  so  werden  sie  miss- 
Tentmden,  oder  kommen  in  den  Geruch  der  Zauberei  oder  Kezerei. 

Spanien  ist,  wie  j,das  Land  des  Sonnenglanzes'',  so  „das  Land  des 
KoMDseheineB^.  In  keinem  Lande  wird  bei  den  Gottesdiensten,  und 
bei  den  Leichenfeierlichkeiten  ein  grösserer  Aufwand  darin  gemacht 
IVoz  der  Plünderung  der  Kirche  ist  diess  noch  heute  der  FalL  Als  im 
J.  1843  die  Stadt  Barcelona  von  den  schwersten  Leiden  heimgesucht 
oad  glücklich  befireit  worden  war,  fanden  nur  in  den  Hauptkirchen  fol- 
gnde  Dankfeste  statt  In  S.  Maria  del  Mar  —  42  Dankämter;  eine  drei- 
aeknatüDdige  Aussezung  des  SaneHssimum,  wobei  1,230  Wachskerzen 
brannten.  In  S.  Maria  del  Pino ,  ein  Dankamt  eum  expotUume  SancHsnnd 
oad  Te  Deum^  wobei  264  Wachskerzen  brannten;  eine  Andacht  zur  hei- 
ligen Filumena  mit  60  Kerzen;  3  Dankämter  zu  Ehren  der  seligsten 
JoDgfrma,  mit  je  40  Kerzen.  In  San  Justo  j  Pastor:  über  20Hoch- 
imter  cum  expontUme  SancHstimi;  ein  dreizehnstündiges  Gebet  cum  eX' 
pomiione  mit  124  Kerzen.  In  San  Miguel:  22  feierliche  Dankämter;  ein 
drozehnatündiges  Gebet  mit  304  Wachskerzen ;  20  Abendandachten  mit 
ftedigt  In  8.  Jaime :  ein  dreizehnstündiges  Gebet  mit  250  Kerzen.  In 
der  Kathedrale:  2  feierliche  Dankämter  zu  Ehren  der  heiligen  Eulalia 
mä  196  Kerzen.  Aehnliche  Andachten  ÜEmden  in  allen  übrigen  Kirchen 
ilrtt  (Lorinaer,  Reisesk.  1,  162—63). 

Einige  Jahre  später  reiste  Mor.  Willkomm  über  Barcelona  zurück. 
Er  war  am  Palmsonntage  in  dieser  Stadt,  und  sah  die  grosse  Prozession 
des  Palmsonntages,  von  der  er  u.  a.  sagt:  Hierauf  kamen  in  unabseh- 
barer Doppelreihe  Tausende  von  schwarzgekleideten  Personen  mit  ent- 
bltetem  Haupte ,  brennende  Wachskerzen  in  den  Händen  haltend  (Will- 
komm, Zwei  Jahre  in  Sp.  3,  341).  —  Am  Gründonnerstage,  sagt  er, 
strömt  alles  in  die  Kirchen,  um  vor  dem  von  Hunderten  von  Kerzen 
umstrahlten  Manummto  (plastisches  Bild  der  Einsezung  des  heiligen  Abend- 
miUes)  SU  beten.  —  Am  Freitag  Nachmittags  ist  das  „ErUierro^  -—  die 
Gimblegong  Christi.  —  Tausende  von  Kerzen  flammten  in  dem  nacht- 
riiwanen,  von  Weihrauchswolken  erfüllten  Dome*)  [S.  343]. 

Am  6.  Januar  1854  wurde  die  Leiche  einer  königlichen  Prinzessin 
isi  Eseurial  beigesezt  Hackländer  sah  die  Vorbereitungen  zur  Leichen- 
feier, und  sagt  darüber  u.  a.:  „Die  Kirchendiener  waren  beschäftigt, 
liesenhafte  Broncecandelaber  mit  Wachslichtern  zu  bestecken,  oderWachs- 
bckeln  von  merkwürdiger  Dicke  um  die  Estrade  aufzustellen^  (Ein  Winter 
m  Spanien,  2,  81).  —  Und  über  die  Feier  bei  dem  Einzüge  der  Leiche 
0.  a.:  Ana  den  Thttren  des  Domes  strahlte  reiches  Licht  hervor,  zu  dem 
adi  das  Auge  gern  wandte,  namentlich  gegen  den  flinmiemden  Glanz 


*)  80.2,237  —  30  sagt  derselbe  über  die  Missa  del  Galio  in  Sevilla:  »Troz  der 
Taosende  Ton  Kerzen,  die  in  den  Kapellen  und  namentlich  am  Hochaltar 
lammten ,  war  das  Innere  der  Kirche  nur  matt  erhellt.« 


92  Fünftes  Bach.     Die  Synode  von  Elnra. 

der  Hnnderte  von  Wachskerzen  vor  dem  Chor  und  im  SdiiffiSy  weL 

—  aus  dem  Dunkel  gesehen ,  —  wie  ein  Weihnachtsbaom  mit  wm 
ligen  Lichtem  aussah  (8.  88).  Alle  überstrahlte  aber  der  grosse  Bra 
candelaber^  dessen  man  sich  nur  zum  Begräbnisse  eines  Mi%Iiedea 
königlichen  Familie  bedient,  mit  seinen  neun  Büscheln  angesünm 
Wachskerzen  (8.  88). 

Die  8itte,  Wachskerzen  auf  den  Gräbern  der  Todten 
besteht  heute  noch  in  Spanien  y  besonders  am  Allerseelentage  (W 
Reiseerinn.  aus  dem  J.  1850,  Leipz.  1852,  1,218 — 62.  —    Die 
de  lo$  DifufUos  —  der  AUerseelenvorabend  in  Madrid).    j,Enorme 
von  Wachskerzen,^    berichtet  Willkomm,    ^werden  eonsuoEiirt, 
das  8chmüdcen  der  Grabstätten  besonders  darin  besteht,  dass  man 
nende  Wadiskerzen  auf  oder  ror  denselben  aufstellt,  wozu  man 
zttglich  lange  und  dicke  Kerzen  von  weissem  Wachs  verwendet 
Kerzen  werden  vor  den  (Grab  -)  Nischen  entwedier  auf  Leuchtern, 
auf  Gerüsten  aufgestellt    Bei  den  Granden  und  andern  vornehmen 
habe  ich  zuweilen  bis  100  brennende  Kerzen  in  Form  von 
angestellt  gefunden.  —    Eine  Grabnische  kostet  3  Thaler  auf  4 
Ist  diese  Zeit  yerstrichen,  so  muss  die  2iahlung  erneuert  werdeny 
nicht,  so  werden  die  Gebeine  in  das  oiorio  eomun  —   das 
Beinhaus  —  gebracht    Diese  geringe  Pietät  gegen  die  Versto! 
kundende  Einrichtung  besteht  in  allen  spanischen  Ejrchhöfen.   Die 
Leute,  die  ihren  Verstorbenen  keine  Nische  kaufen  können,  pflegv 
Stellen,  wo  ihre  Angehörigen  ruhen,  mit  einer  in  den  Boden 
Kerze  von  gelbem  Wachse,  an  welcher  ein  Zettel  mit  dem  N 
Todten  befestigt  ist,  zu  bezeichnen.^ 

Diese  in  Spanien  seit  der  ersten  Zeit  der  Kirche  herrschende 
erklärt  die  Verlegenheit  oder  die  üble  Laune,  mit  welcher  die  b 
den  Spanier  den  Canon  34  von  Elvira  behandeln.    Gt)nzalez  Teiles 
das  Verbot  sei  gegen  die  Uebung  der  ganzen  Kirche,  besonders  8 

—  Dazu  kommt  noch,  dass  der  Kezer  Vigilantius,  der  zwar  kei 
bomer  Spanier,  aber  doch  Pfarrer  im  Bisthume  Barcelona  war  ^), 
Hieronymus  früher  in  einem  Briefe  an  Paulin  von  Nola  im  Ernste 
VigilanUta^^  genannt ,  der  ihm  von  Paulin  zugesandt  und  empfohlen 
den  war,  gegen  Reliquien-  und  Li  cht  er  dienst  eiferte.  Er  sagte  a.i 
j,Fast  heidnischen  Gebrauch  sehen  wir  unter  dem  Verwände  der  Bl 
gion  in  den  Kirchen  eingeführt,  da  bei  hellem  Ti^e  eine  Unmasse Ü 
Lichtem  angezündet  wird ;  und  überall  küsst  und  betet  man  an  so  €ii 
Staub,  der  in  einem  kleinen  Gefässe  in  kostbare  Leinwand  gehüllt  ist* 


«)  Tejada  y  Ramiro,  Coleccion,  2,  67. 

*)  Schmidt  W.,  »Vigilantius,  s.  Verhältniss  z.  hl.  Hieronytnut  u.  z.  Kirehenld 

damal.  Zeit  —  Münster  —  1860,  S.  5. 
')  Op.  Hter<m.  ed.  Martkau^-  VoUarsi,  2,  389—90, 


Canon  34  93 

blieb ib  heidnisch  die  Lichter  auf  den  Gräbern  der  Märtyrer  ^),  so 

im  0  scbeinea  könnte ,   dass  die  Väter  ron  Elvira  gerade  dasjenige 

«IriB  liaben,  was  Vigilantius  als  katholische  Sitte   seiner  Zeit  be- 

4Hh(  ond  tadelt y  oder  wie  sich  Dr.  Herbst  ausdrückt:   „Vigilantius 

I,  wts  zu  Elvira  unter  Bann  rerboten  wurde  ^).^    Vigilantius  eiferte 

fegen  die  „moleg  ctreorum^,  gegen  den  massenhaften  Eerz^iver- 

I,  wovon  er  sich  besonders  bei  seinem  firühem  Gönner  Paulinus 

ibeneugen  können*);  und  er  hatte  in  diesem  Tadel  seine  Naoh- 

in  dem  heutigen  Portugal,    wo   man  langsam  und  mit  Würde 

ide  Priester  „Wachslichtverschwender^  heisst^). 

gPer  dum''  seien  die  brennenden  Kerzen  verboten  worden ,  sagt 
Woza,  weil  die  Väter  die  nächtlichen  £a?ct46ui«  (wenigstens  der  Männer?) 
ik  verbieten  wollten.  Seit  Gallienus  hätten  die  Christen  eigene  Gottes- 
ker  gdabt  *).  —  Der  folgende  Can.  37  beweise  die  Erlaubnisse  Lichter 
k  Gottesdienste  zu  gebrauchen.  Mendoza  sagt  femer ,  er  habe  einst 
In  gedacht y  die  Lichter  auf  den  Gräbern  seien  verboten,  gewesen, 
laicht  die  Heiden  auf  diese  Gräber  aufinerksam  zu  machen;  allein 
b  Viter  von  Elvira  hätten  dann  gewiss  dieses  als  Grund  ihres  Ver- 
Nb  angedeutet    Loaysa,  einer  der  frühesten  Erklärer  unserer  Synode^ 

ti  «dir  mit  Unrecht  ^  unter  den  „Sandi^  seien  die  lebendigen  Gläu- 
n  verstehen,  welche  durdi  die  Sorge  um  ihre  „eerä^'  in  ihrer 
gestört  würden.  Ebenso  Aguirre.  Andere,  wieHurtado^)  und 
i,  verstehen  unter  den  j^Sancti^'  die  Bischöfe.  Mendoza  sagt  be- 
•Wa  —  von  dem  Worte  Sancti,  und  seiner  Erklärung  des  ganzen 
«■:  ;,Qu<u  inUüexif  proba  sunt,  credo  et  quae  non  irUellexi/'  Die 
A*"*  sind  aber  ohne  Zweifel  die  Martyi-er  zunächst  der  Jahre 
W  fcis  305.  —  Gonzalez  Teil,  meint,  der  den  „Heiligen*'  durch 
fc  Kerzen  gewidmete  Cult  habe  ihnen  missfallen,  und  solches  sei 
•e  Art  Beunruhigung  derselben  gewesen.  Sodann  meint  Gonzalez, 
ta  müsse  Canon  34  und  35  umstellen,  und  statt  ^^per  diem''  — 
WWf  lesen ,  ein  guter  Einfall ,  der  aber  schwerlich  Beifall  findet.  — 
b  Aufsaz  bei  Braun -Achtcrfcldt  (2,  94 — 97)  erklärt  gegen  Florez 
5.206  —  7}  die  Worte:  non  sunt  inquictandi  —  sie  werden  keines- 


')SchnHdt,  S.  23  — 29.     .Gebrauch  der  Lichter  auf  den  Gräbern  der  Märtyrer." 

•»Tüb.  Quartalschr.  1821,  S.  34. 

'jBqsc,  Paulin  von  Nola  und  seine  Zeil,  1856,  2,  S.  76  u.  88.  —  Paulini  op. 
td,  Sfuratori,  p,  385;  427;  472. 

)  Klose  iu  dem  Art  «Portugal-,  Bd.  8.  v.  Herzog's  Realencyclopädie.  Cf.  Ba- 
nn. 34  y  311,  —  58  f  70.  —  PauUn.  in  nataL  3.  S.  Felicis.  —  Spondan.  de  coeme- 
trriit  sacriSf  pari.  2.  L  1.  cap,  20.  —  Bellarmin,  de  purgator.  2,  i9.  —  Suarez, 
L  1.  in  3  parL  Disp.  55.  Sect.  1, 

S  Äiuput  de  eiuitai.  />et,  1,  13. 

'i  Im  unico  wtartyrio,  resoL  34,  digress,  1,  sect,  6, 


94  Fünftes  Bach.     Die  Synode  von  Elrira. 

fklljB,  d.  h.  de  kOnnen  gar  nicht  beunruhigt  werden.      (Flores  meinly 
der  Canon  verbiete ,  die  Geister  der  Gläabigen  m  bennnihigen^)     Ei 
sei  ein  der  Christen  unwürdiger  Gebrauch,  die  bösen  Geister  aa  iner- 
söhnen,  indem  man  auf  dem  Sterbebette  (Can«  37)   oder  nachher  auf 
den  Gräbern  Lichter  anzünde.     Solcher  Dienst  würde  die  Geister  der 
Heiligen  beunruhigen.    Binterim  erklärt  (Katholik,  1821,  2,  435):  «Damit 
die  Priester,  welche  die  heiligen  Functionen  vollsiehen,  dadurch  nidhft 
gestört  werden.^     Hefele  spricht  sich  nicht  näher  aus,  führt  aber  die 
annähernd   richtige  Erklärung  des  Baronius   an:    „Manche  Neophjtai 
brachten  aus  dem  Heidenthum  die  Sitte  herüber,  auf  den  Gräbern  recht 
viele  Liichter  anzuzünden.     Die  Synode  verbiete  dieses,  weil  dadordi 
die  Seelen  der  Verstorbenen  metaphorisch  beunruhigt,  d.  h.  durch  solchea 
Aberglauben  beleidigt  würden.^    Meine  Erklärung  habe  ich  oben  schon 
gegeben ,  dass  die  Christen ,  und  selbst  die  Bischöfe  von  der  allgemeinen 
Meinung  theilweise  befangen  waren,  es  sei  den  Menschen  möglich,  die 
Todten  hervorzurufen,  sie  wenigstens  zu  beunruhigen. 


i 


Gaioi  35.  \ 

Dass  Weiber  nicht  auf  den  Begrab-    Ne  foeminae  in  coemeterik 
nisspläzen  die  Nacht  über  wachen  '  pervigüefU. 

^^*^®^-  .      PUuuit  prohiberi,  im  fof   ^ 

Man  £Emd  für  gut,  zu  verbieten ,  dass  fnmae  in  eoemetario  penrigUai^ 

Frauen   nicht   auf  dem  Gottesacker   die  «>  <P*od  aaepe  sub  obUniu  of 

Nachtwachen  halten  sollen,   weil  sie  oft  <•<>'»"  laUnUr  sedara  eamaä^ 

anter  dem  Vorwande  des  Gebets  heim-  <i^* 
lieh  Verbrechen  begehen. 

Hier  ist  nicht  von  den  Vigilien  an  den  hohen  Festtagen  und  in  dflD 
Kirchen  die  Bede,  welche  allgemeine  Sitte  waren,  sondern  von  dflii 
Nachtwachen  auf  den  Gräbern  der  Märtyrer,  welche  nur  den  FrmeOi 
nicht  den  Männern,  verboten  werden.  Es  hängt  aber  dieser  Canon  ntft 
Can.  34  enge  zusammen.  Beide  beziehen  sich  auf  den  Cult  der  neafln 
glorreichen  Märtyrer,  die  Spanien  in  der  jüngsten  Verfolgung  erhaitan 
hatte,  und  damit  es  nicht  scheine,  als  nussbilligen  die  Bischöfe  diesen 
Cult,  so  nennen  sie  im  Can.  34  diese  Märtyrer  „Heilige'^.  Nicht  den 
Cult,  sondern  dessen  Auswüchse  tadeln  und  verbieten  sie.  Sie  mtusten 
Beispiele  aus  jüngster  Zeit  vor  sich  haben,  dass  sich  heidnischer  Aber- 
glaube hier  geltend  machte,  und  dass  Frauen  gemeine  Laster  begangen 
oder  zugelassen  hatten.  Der  Anstand  und  der  gute  Name  der  Christen 
vor  den  schmäh-  und  scheelsüchtigen  Heiden  und  Juden  PMtfAte  hiiBr 
eine  grössere  Strenge  zur  Pflicht  —    Die  Begräbnisspläae  befinden  sich 


i 


Canon  36.  95 

der  Städte  und  im  Dunkeln  (Hieron.  EsuOl  40.  —   PtudenL 
.   —    Ueber  Vigilien  in  Spanien  noch  im  seehsssehnten  Jahiv 

-  8.  Tiifeda  y  Bamvro,  Coleeeian,  t  5  (1855),  p.  236.  nr.  XX., 
stattfindende  Missbräuche  unter  Strafe  des  Bannes  verboten 

-  (Cf.  Oyprkm.  de  arat.  dorn.  cp.  36.  -^  TertuU.  ad  uxor»  3,  4 — 5. 
eaUeh.  18, 17.  —  Ambros.  P9. 118  (8.  43).  —  8erm.  60.  — 
ed.  MaH.^Viülarn,  1,  728,  1,  089;  2,  396.  —  Hü»,  in  PmOm. 

\).  —    Gregor.  Naz.  or.  2  de  paeeha  6.  2.  —   PaiMn.  in  neAal.  7 

-  Augtatm.  eonfe$$*  9y  7.  —  Bidon.  Apoll.  5,  ep.  17.  —  Baron. 
19.  —  in  MarlyroL  5.  Jan.  —  Iridor  1,  ep.  22  de  off.  eeeUe,  — 

Denkw.  4, 1 ,  846  %.  —  6,  2, 151. 


Guoi  3S. 

ne  Gemälde  in  der  Kirche      Ne  picturae  in  ecdesia 
seien.  fiant. 

len  in  den  Kirchen  keine  Bilder  PlaeuU  pieturat  in  eoeUda 

enj  damit  nicht  das^  was  ange-  eete  non  dä>ere,  ne  quod  etMr 

yerehrt  -wird,  an  den  Wänden  Umt  et  adoratur  in  panMm 

werde. 

Zahl  ist  Legion  y  die  diesen  Canon  erklärt  haben.  Siehe  Hen- 
ronius  —  J.  57.  111.  J.  305.  41  ^  der  den  Canon  für  unter- 
iftlt;  Bellarm.  l.  2  de  imagin.  9.  —  wegen  Feuchtigkeit  der 
rielmehr  dass  die  Heiden  nicht  spotten;  es  durften  aber  Tafeln 
irchen  seyn.  —  Die  Bischöfe  hätten  heidnische  Irrthümer  ge- 
denn  in  der  That  habe  der  Bilderdienst  erst  nach  dem  Sturze 
snthums  ohne  Ge&hr  entstehen  können.  —  Falsch  ist  aber  die 
lg,  dass  hier  nur  die  Bilder  Gottes  gemeint  seien ,  und  dass 
noch  keine  Heiligenbilder  gegeben  habe.  Richtig  ist  die  Be- 
dass  auf  diese  Bilder  keine  Strafe  gesezt  worden.  Andere 
damit  nicht  die  Heiden  meinen ,  unser  Gott  sei  ihren  Gittern 

theilweise  wahr  ist  es,  zu  sagen ,  die  abendländische  Kirche 
Anfuige  keilie  Bilder  Gottes  darstellen  lassen.  Wohl  sagt 
lix  mit  Recht:  Quem  colimus  Detmi^  nee  osiendimm  nee  videmta. 
ieht  sich  aber  auf  den  heidnischen  Wahn,  dass  das  Gözenbild 
seL  —  Amob,  l.  3.  —  l.  6  in  princ.  —  Laet.  2,  2  de  div.  imt., 
iselbe  Anschauung,  wie  die  Väter  von  Elvira:  cum  satia  eU 
o$mna  precibue  adorare.  —  At  enim  praeeenJU»  non  niti  ad  imo" 
üdtunt.  Er  gebraucht  das  herrliche  Bild:  Nachdem  Gt)tt selbst 
i  iity  bedarf  es  nicht  mehr  seines  Bildes»  —  Optatos  von  Ifileve 


96  Fttnftet  Bach.     Die  Synode  von  Elvira. 

erwähnt  einige, Bilder *).  —   F.  Hendoza  meint,  daae  das  Bfldenrerbot 
auch  mit  der  Arcandisziplin  sosammengehangen  habe.  —     Beaohteiuh    . 
werth  ist,  dass  auf  der  bilderstürmendcn  Synode  von  754  alles  g^g&a    . 
die  Bilder  vorgebracht  wurde,  nur  dieser  Canon  nicht;  dass  aaoh  der    ^ 
Bildergegner  Claudius  von  Turin  seiner  nicht  erwähnt  (wahrscheinlioli    . 
wusste  man  nichts  davon).    Gronz.  Tellez  meint  mit  Recht,  dass  die  Vltsr    ^ 
es  hätten  sagen  müssen,  wenn  sie  die  Bilder  wegen  des  Spottes  dar 
Heiden  verboten.    Er  ist  für  die  Erklärung,  dass  Tafeln  nicht  verbota    r 
seien.     Florez  und  Braun -Achterfeldt  (S.  9S)  beziehen  das  Verbot  asf   • 
den  Spott  der  Heiden.     Aubespine   meint,  der  Canon  verbiete  nur  die 
Abbildungen  Gottes,  weil  er  j^adaratur^  sage.    Ganz  mit  Unrecht I    Adth 
rare  bezieht  sich  hier  vielmehi*  auf  den  Dienst  der  Heiligen,    CoUre  ui  , 
den. Dienst  und  die  Anbetung  Gottes,  wovon  wir  oben  schon  im  drittoi    ' 
Buch  bei  Fructuosus  von  Tarraco  ein  Beispiel  gehabt,  und  wovon  sidi 
Jeder  durch  die  in  jedem  grössern  Lexicon  s.  v.  adoro  angeführten  Stelki 
der  Classiker  und  der  kirchlichen  Autoren  überzeugen  kann,  z.  B.  LMit^    . 
J8,  43.  —    Virgil.  Am,  2,  700.  —  10,  077.  —  (3,  437).  —    Omd.  THd.  ^ 
1,  3,  41.  —  Stat.  Silv.  3.  praef.  —  4.  praef.  —  Plin.  h.  n.  12, 14  (32)^62.  *" 

—  Juvenal.  14,  97;  15,  2.  —  Besonders  PUniua  hitt.  natur.  27^  1  (i).—  ^ 
adorare  priscorum  m  invenitndo  euram.  —    QumeiiL  imUL  10,  i,  88  A» 
mum  tietU  iocroi  veUtstaU  lucos  (uiaremia.  —    Cf,  Skttku  Theb.  12,  8H    ^ 

—  longe  sequere  et  vestigia  »emper  adara.  i    " 


Das  Wort  adarare  wurde  besonders  von  der  in  der  Eaiserseit 
gerissenen  Sitte  gebraucht,  die  Herrscher  nicht  anzubeten,  wie  man  U  ^^ 
uns  gewöhnlich  sagt,  sondern  dadurch  zu  verehren,  dass  man  nach  dv  ^ 
Sitte  des  Morgenlandes  die  Rechte  zum  Munde  führte  —  adora$  u  e.  §t  ^, 
o»  ducis  manum  — ,  und  sich  mit  dem  ganzen  Körper  verbeugte.  So  sii|||  ^ 
Plin.  h.  n.  28,  2  (5)  25:  In  adarando  dexteram  ad  osetdtan  referimu$  Wi.i^ 
tumque  corpus  circumagimus.  Dieses  Sichumkehren  und  eine  KaaihaH|^ 
Zuwerfen  wäre  nach  unserer  Anschauung  unschicklich.  —  Ebenso  Wf  ^ 
schicklich  wäre  es,  mit  bedecktem  und  verhülltem  Haupte  Jemand  vtf^  ^^ 
ehren  wollen.  Aber  Sueton  erzählt  von  Vitellius,  dem  Vater  des  E%  >I 
sers  Vitellius,  C.  Caesarem,  d.  h.  den  Caligula  —  adorare  vi  Deum  tmr  :^ 
9iajt;udi,  cum  reverms  ex  Syria  non  alüer  adire  ausu»  enet,  quam  eapiU  [^ 
velato   circumvertemque  se,  deinde  proeumben»  8uei,  VüdL  9*A  ^jc 

—  Cf.  Hieran.  4,  953.  —  5,  SP.  —   (den  Tempel)  —  Minue.  Fettr,  a  *  ^^ 

—  Caedlius,  rimtdacro  Serapidis  denotato,  td  vulgus  iuperdOiatum  «oht   * 
manum  ori  admovena  oseulum  UAiia  impreuiL  —    Hieron*  m  Oieom.  n  ,^ 

—  Qta  adorant,  eolent  deasculari  manum  mam.  ^ 


>)  Äugmt  17  de  ßd«  et  eymh,  •-  de  emL  Dei,  4,  31.  —  epiei.  111  (HB)  ai  Fkrit 
ttadcm.  —  jEu&eb,  de  praqxgr,  eoang.  3,  3.  —  Cmwtonl.  «9».  4  ai  emeL  9oeL  — 
dem.  AUae.  ad  getUee  tp.  4.  ^  in  etromai.  5.  5.    Novaikm.  de  HmiaL  c  tf  «f  7. 


CaDon  36.  97 

Wir  sind  gewohnt ,  die  Worte:  Heilige  soll  man  yerehren,  Gott 
soll  man  anbeten,  cu  übersezen;  Sancti  eolendi,  Dem  adorandu». 
Nach  der  Sprache  des  Alterthums  müaste  man  umgekehrt  übersezen: 
SbuCs  adorei^iur,  Dem  eolatur,  —  Dass  calere  mehr  bedeute,  als  ado^ 
nrt,  ist  u.  a.  aus  den  schon  angeführten  Worten  des  Martyriums  des 
heiligen  Fructuosus  su  entnehmen:  Fruciuosm  dixit:  Ego  timim  Deum 
tdo.  Augurim  diaconim  dixit:  Ego  Deum  (mmipotentem  eolo.  Femer 
am  den  Worten  des  Pri&ses  Aemilian  an  den  Diakon  Eulogius:  Num^ 
fmd  eine  Fructu€9wn  eolis'/  (Betest  du  wohl  gar  den  Fruotuosus  an?),  so- 
wie der  Antwort  des  Eulogius:  Ego  Fmchtosum  non  eolo,  sed  tptum  eolo, 
fitem  €i  Fruetuotm.  —  Noch  deutlicher  aus  der  Stellung  der  Worte  des 
Aemilian:  Qta  emdiuntur,  qui  Umentur,  gui  adorcmlur,  n  Du  non  eoltm^ 
iHPy  nee  imperatonan  vuUm  adorantur?  Wen  soll  man  noch  hören,  wen 
ftrditen,  wen  rerehren,  wenn  man  die  Gatter  nicht  anbetet  (ihnen  nicht 
dienet) ,  das  Angesicht  der  Kaiser  nicht  verehrt  ^)  ?  Diess  gehet  endlich 
aas  der  Stellung  der  Worte  in  unserm  Canon  hervor.  (Siehe  Alex.  NettaL 
k,  etde».  eaee.  HL  diestrt  21.) 

Binterim  meint,  die  Sjnode  habe  nur  jene  unpassenden  Bilder  ver- 
boten, die  Jeder  nach  eigenem  Belieben  in  den  Kirchen  anbrachte.  Das 
Bicfatige  hat  sicher  Dr.  Hefele  getroffen,  wenn  er  aus  Anlass  der  Gte* 
sehidite  des  Bilderstreites  sagt:  ^Sehr  stark  rigoristisch  sprach  sich  gegen 
die  Anwendung  der  Bilder  —  in  den  Kirchen  die  berühmte  Synode  von 
Elvira  im  J.  306  aus.  (Ich  nehme  mit  Vergnügen  Akt  davon ,  dass 
hier  das  Jahr  306  angegeben  ist ,  während  es  in  Band  1  heisst :  305  oder 
306L)  —  Aber  gerade  sie  steht  an  der  Grenzmarke  zweier  Perioden, 
am  digange  der  constantinischen  Zeit.^  Es  waren  nun  die  beiden  Haupt- 
gründe  (Juden-  und  Heidenthum),  die  früher  gegen  die  Bilder  sprachen, 
nidit  mehr  vorhanden.  j,Von  nun  an  wurden  sehr  zahlreiche  Abbildungen 
Chrisdi  aber  auch  der  Apostel  und  Märtyrer  in  Form  von  Gemälden, 
Mosaiken  und  Statuen  gefertigt,  und  zum  Theile  von  Constantin  selbst 
m  Kirchen  und  an  öffentlichen  Pläzen  aufgestellt.^    [Hefele,  C.  G.  Bd.  3 

(lasB),  assT.] 

Noeh  auf  einen  andern  wichtigen  Umstand  ist  hinzuweisen.  In  und 
vor  dem  J«  306  gab  es  gar  keine  christliche  Kimst,  nicht  in  Rom,  viel 
weniger  in  den  Provinzen.  Die  „Pictur<ie^  dieser  Zeiten  waren  EÜLeck- 
«reien  und  Schmierereien ,  keine  Bilder.  Der  berühmte  Perret  hat  nach- 
gewiesen, dass  in  den  römischen  Catacomben  die  besten  Bilder,  nament^ 
lidi  auch  der  seligsten  Jungfrau  aus  dem  ersten  und  zweiten  christlichen 
Jakriinndert  stammen^).    Nachher  zerfiel  die  Kunst  überhaupt,  und  die 


•)  Siebe  Bd.  1,  &  266. 

*)  Fr.  Aug.  Lehner:  lieber  die  früheste  Eolwickelang  des  Mariencultus  ~  Wien, 
1662  —8.33  —  34.  »Et  sind  theils  Wand8:emälde ,  thcils  Sculpturarbeiten, 
theilt  in  Gold  emaillirte  Darstellungen  auf  dem  Boden  yon  Glasgemälden,  die 

^iBS,  span.  Kirche.    II.  7 


96  Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  EMra. 

Malerei  insbwondere.  Die  Catacomben  geben  davon  Zeogniss.  A 
diesB  in  Rom  der  Fall  war ,  welch^  grauenhaften  Anblick  müasea  yoI 
diese  Oenälde^  in  einer  apanischen  Kirche  im  J.  306  dargeboten  hi 
—  Es  gab  allenCngs  chr]8tli<^e  Künstler.  Die  vor  wenigen  Jahren 
gefundene  Paaio  der  Quaiuor  coranoU  lehrt,  dass  dieselben  vier  in 
Bur  Zeit  des  Diocletian  gemarterte  Bildhauer  aus  Siscia  in  Paom 
waren.  Allein  aus  ihrem  Martyrtode  folgt  nichts  für  ihre  Kunst 
in  Rom  stand  es  mit  der  Kunst  doch  immer  noch  am  besten. 

Man  denke  sich  um  ein  Menschenalter  zurück,  und  beachte,  we 
Werth  damals  die  christliche  Kirnst  hatte,  und  ^was  es  danuds  füi 
malte  und  gekleidete  Heilige  in  unsern  Kirchen  gab.  Wenn  man 
lieh,  wie  Schreiber  dieses,  in  der  Basilika  des  heiligen  Boni£Ei<dus 
neue  Blüthe  der  christlichen  Kunst  sn  betrachten  Anlass  und  Grel( 
heit  hat,  kann  man  die  christliche  Kunst  schäsen  und  bewundem.  'S 
aber  an  den  Wänden  d^  Kirche  von  Elvira,  in  welcher  jene  Bis 
versammelt  waren,  Wandgemälde  oder  Gemälde -an  der  Wand  siel 
fanden ,  so  haben  sie  den  Augen  der  Betrachtenden  wahrscheinlich  h 
erbaulichen  AnbUek  dargeboten.  Jede  andere  Sjnode,  welche  im  J 
sich  über  die  Bilder  auszusprechen  gehabt,  hätte  Wahrscheinlich  ei 
gesprochen,  wie  die  Synode  von  Elvira.  Und  wenn  dieselben  Bi» 
im  J.  400  sieh  über  die  Bilder  auszusprechen  gehabt,  so  hättei 
wahrscheinlich  ihrem  Canon  eine  andere  Fassung  gegeben. 


GanoB  37. 

Von  den  nicht  getattften  Beses-  De  energumenis  non  h 

,  senen.  aatis. 

Diejenigen,  welche  von  unreinen  Gel*  Eot  qui  ab  immundü . 

Stern  geplagt  werden,  können,  wenn  sie  Ubus  vexantiurf  d  in  flne  n 

in  Todesgefahr  sich  befinden,  getauft  wer-  fuerini  eonttüuU,  b(^tiMar\ 

den ;   wenn  sie  Gläubige  sind ,  ist  ihnen  eet^  H  fUkles  fuerini,  dw 

die  Communion  zu   geben.     Man   muss  esse  communionem.    Proh 

auch  verbieten,  dass  sie  öffentlich  Kerzen  dam  etiam  ne  kicemoi  h 

anzünden  f  wenn  sie  es  gegen  das  Verbot  blice  accendant;  Hfacerec 

Üiun,  sollen  sie  von  der  Communion  ferne  irUerdidum  vduerintf  a& 

gehalten  werden»  anh4r  a  eammumone. 

Mendoza  handelt  in  seiner  Weise  von  der  Geschichte  det  Li 
In  den  Kirchen.     (Siehe  Binterim,  Denkwürdigkeiten,  4,  1,  122 


uns  die  altchristlicfacD  Marienbilder  vorführen.  Einige  tUmmen  a«s  dem  s^ 
und  dritten,  die  meitlea,  besonders  die  Reliefs,  aus  dem  viertea  und  fi 
Jahrbunderl.«  Dem  Verfasser  stand  das  neueste  Werk  Rospi^s  fiber  die 
^mben  noch  nfcht  xu  Gebote,  wie  such  dem  Sehrtlber  dieses  niclit 


Caaon  38.  99 

ioa  erhelle  auchy  dass  die  Bischöfe  Spaniens  die  Lichter  in  den  Kirchen 
lljgt  haben  I  was  sicher  zu  bezweifeln  Niemand  eingefallen.  Auch 
«des  Teiles  tritt  Mendoza  bei,  dass  hier  die  Lichter  in  den  Kirchen 
leint  seien,  welche  die  Akolythen  trugen.  Auch  in  der  Kirche  Afrika's 
den  aolche  Leute ,  ron  denen  oft  schwer  zu  sagen ,  ob  sie  besessen, 
r  mente  ei  corpore  eapü  seien ,  dazu  verwendet,  die  Kirchen  zu  fegen, 

andere  Handdienste  zu  leisten.  Die  Erfahrung  zeigt  heute  noch, 
(  solche  Leute,  körperlich  und  geistig  hinfällig,  bei  denen  GutmÜthig- 

nnd  Terschmizte  Bosheit  seltsam  sich  begegnen ,  sich  in  die  Kirchen 
Igen,  und  ihr  Glück  darein  sezen,  als  sogenannte  Sacristeilttmmel 

so  gcriren.  Ihre  Freude  ist  ebenso  unbändig,  wie  ihr  Stolz,  wenn 
sich  vor  dem  Publikum  hier  wichtig  machen  können.  Braun-Aditer» 
It  (2,  95)  versteht  das  Anzünden  der  Lichter  von  den  Lichtem  auf 
I  Todbette,  womit  die  Besessenen  etwa  die  Dämonen  verscheuchen 
r  begütigen  wollten.  Vom  kirchlichen  Amte  sei  hier  nicht  die  Rode, 
er  das  ^publietf^  bedeutet  vor  dem  ,,Publikum*  in  der  Kirche.  Das 
rbot  geht  aber  nicht  blos»  auf  das  Anzünden  der  Kirdbenlampen  bei 

eigenen  Taufe  der  Katechumencn  oder  wohl  eher  bei  ihrer  Com* 
oion,  wie  Dr.  Hefele  meint,  denn  wegen  einer  solchen  Kleinigkeit 
■e  sicher  kein  Canon  verfiisst  worden ,  —  sondern  auf  das  Anzünden 

Kerzen  überhaupt  beim  Gottesdienste,  wozu  sich  solche  Leute  her- 
liSngten^).  Das  liegt  auch  in  der  Fassung.  Wenn  sich  diesdben 
its  sagen  lassen  ,^  sollen  sie  von  der  Communion  ausgeschlossen  werden, 
erdings  passt  die  Ueberschrift  nur  auf  einen  Theil  des  Canon.  Die 
\tUtr  sind  mehr  als  „chriUiani" ;  es  sind  Gläubige,  die  schon  getauft 
I,  ehrUticmi  sind  zunächst  Katechumenen.  —  Hier  aber  bedeutet  com" 
uo  zum  erstenmale  das  Abendmal,  zum  zweitenmale  die  Kirchen- 
leinschaft.     Denn  da  die  Besessenen  die  Communion  erst  am  Ende 

Lebens  empfangen  durften,  so  konnte  ihnen  die  Entziehung  dM> 
en  nicht  als  Strafe  im  Falle  des  Ungehorsames  angedrohet  werden. 
le  Strafe  bestand  vielmehr  in  dem  Einreihen  unter  die  Süsser,  und 
t  Hinausweisen  aus  der  Kirche. 


Ganoii  38. 

IS   im  Nothfalle  auch   Gläubige  Ut  in  necessitate  et  fideles 

taufen  können.  haptizent 

[n  Betreff  derjenigen,  welche  von  ihrem  Loeo  petegrt  ruwigqnUi  aut 

Imorte  weit  zur  See  reisen,  oder  wenn  si  eoeUda  proxma  non  fiurü, 

i  Kirdie  nicht  sehr  nahe -ist,  könne  passe  fidelem,    q»   Uwatorum 

Oliafaiger,  welcher  seine  Taufe  voll-  swun  inisgrtmn  Mlki ,  nee  dt 


1  Oder  WM  sie  iür  «eh  xu  than,  —  nicht  unterUitea  wollten. 

1 


l 


c 


100  Faoflet  Buch.     Die  Synode  von  Elviri. 

ständig  hat,  auch  nicht  in  zweiter  Ehe  bigamus,  baptiaare  in 

lebty   einen  im  Nothfalle  der  Krankheit  täte  infirmitatis  poaiium  Mte- 

befindlichen  Kateehomenen  taufen,  so  je-  ehwnenum,  üa  td  H  Muperv^ 

dochy  dass  er  ihn,   wenn  er  am  Leben  xerit  ad  episcopum  eum  pa^ 

bleibt,  zum  Bischöfe  führe  —  und  er  durch  dueatj  ut  per  numue  impoei 

Auflegung  der  Hände  voDendet  werde.  tianem  perfid  potsii. 

Mendoza  zeigt,   dass  die  Bischöfe  allein  die  regelmässigen  TänÜBr 
waren.     JSr  verweist  auf  Tertullian  aap,  17  de  bapUsmo:  DoiuU  qukkm 
habet  juM  aummu»  eaeerdoe,  qui  est  epieeapus,    Dehinc  pretbyteri  et  diaam^ 
non  tarnen  eine  epiecapi  auetoritaU^  propter  Eccleeiae  honorem*     AUoqiäi^ 
etiam  laieii  iue  etL  —    Tunc  enim  eonstaniia  mcettrretUü  excipüwr,  em. 
utget  eireunutantia  perieUtantii.   —    Sacerdoe  bedeutet  Bischof  und  Pk^ 
ster,  zum  Unterschiede  heisst  hier  der  Bischof  ;,der  höcliste  Priestei^  * 
Gyprian  nennt  seine  Priester  stets  „conaaoerdotes^.  —    Cjf.  Hiercn^  oAl  ' 
Lucif.  c  20  —  27.    Ambros.  3,  1  —  de  eacram.   —    Zrtd  2,  24  de  of.  ^ 
«eete.   —    Auguit*  ad  Fartimatian,  eap.  4.   —     Gelanta  L    ad  LmoatL 
eap.  9^). 

Dass  die  Firmung  gleich  nach  der  Taufe  erfolgte,  ist  allbekannt  — 
Hieron.  ^r.  Ludf.  €.8  —  9.  —  Ambros.  de  sacram.  3,  2.  —  C.  laA  ' 
e.  47(48).  —  Hefele,  Conc  G.  1,  746  —  „dass  die  Getauften  nach  dsr  * 
Taufe  mit  dem  heiligen  Chrisma  gesalbt  werden  sollen.^  —  TertulL  ie 
bapL  7  —  sagt:  Exinde,  egresH  de  lavacro,  perungimur  benedicta  uneOmi  ^ 
de  prMna  discipUna.  Diess  geschah  auf  der  Stime  —  PrudentU  i^ycto-  ' 
machia  — 

Post  inscripta  oleo  fronti  signacuhf  per  quae 
ünguentum  regale  datum  est  et  chrisma  perenne, 

Dehinc  (TerL  c.  8)  manus  imponitur  per  benedictionem  advocant  et  mvir 
tans  epiritum  aanctum.  Cf.  Cyprian,  73, 6  ad  Jubaj.  —  ad  Januar,  cap..  2.— 
Paieian.  de  baptismo,  cap.O.  Die  Firmung  ist  die  Vollendung  oder  cq>Q€tyis,    *" 
dieBesiegelung:  lavacro  enim  peccata  pitrgantur,  chriemate  eptritus»  eanetm   ^■ 
iuperfitnditur:  utraque  vero  ista,  manu  et  ore  ontiHitie  impetramut^    Tanfe   . 
und  Firmung  sind  unzertrennlich.  —    Cf.  CansUt.  apatt.  3,  16 ;  e.  77  ymn  . 
Elvira.  —    Euseb.  6,  43.  ^ 

In  der  römischen  Elirchc  gab  es  indess  zur  Zeit  Cyprian^s  —  46  P^   j- 
byter,  7  Diakonen,  7  Subdiakonen ,  42Akolythen,  52Lectoren,  Eza^  . 
eisten  und  Ostiarier  (Wittwen  und  Hilfsbedürftige  über  1,500).    Hier  wir 
Novatian  ein  Besessener,  wiurde  exorcisirt,  verfiel  in  eine  gefährliche  ' 
Ejrankheit,  und  bettlägerig  erhielt  er  die  Taufe.     Es  gab  also  auch,  da-  '^ 
mals  schon  eine  Taufe  durch  Begiessimg  mit  Wasser;  und  der  in  anaeM 
Canon  38  und  in  Can.  37  vorgesehene  Fall  kam  an  ihm  zur  Anwendaq^ 
Da  er  wieder  gesund  wurde,  erlangte  er  nicht  das  Uebnge.y 


')  Auch  Ammian.  MarcelHn.  ip.  15,  7  —  ahjicert  episoopvm  sede  saeerdöialL 


Canon  39.  101 

man  nach  der  Ordnung  der  Kirche  theilbaft  werden  muss,  der  Firmimg 
dvch  den  Bischof  (xov  atfQuyia-d'fivtu  vno  xov  inufxönov).  '  Trozdem 
w«de  er  Presbyter  (durch  Papst  Fabian?),  durch  welche  Schleichwege, 
md  nicht  enählt,  aber  unter  dem  Widerspruche  aller  Presbyter  und 
lider  Laien.  Die  Firmung  aber  hatte  er  nicht  erhalten;  warum  nicht, 
wird  nicht  gesagt  Nach  alter  Sitte  aber  schloss  die  klinische  Taufe 
fun  dem  Eintritte  in  das  Clerikat  aus. 

In  patriotischer  Uebertreibung  behauptet  Mendoza  zu  diesem  Canon, 
da«  es  damals  in  Spanien  die  meisten  Bisthümer  und  Kirchen  in  der 
Welt  g^eben.  Verglichen  mit  Afrika  ^  Italien  und  dem  Oriente  ist  eher 
dtt  G^^theii  wahr.  Denn  zur  Zeit  Cyprian's  schon  zählt  man  mehr  als 
87  Bischöfe  in  Afrika ,  und  zur  Zeit  des  Cornelius  kamen  60  Bischöfe  in 
Born  snsammen.  Im  J.  306  aber  gab  es  neben  den  19  in  Elvira  vereinigten 
Kidiöfen  yielleicht  noch  Bischöfe  in  Tarraco,  Barcino,  Astorga,  Lissa- 
bon, Braga,  und  Astigi.  —  Es  ist  bekannt,  dass  in  den  Briefen  des 
FBeado-Isidor  —  den  Päpsten  des  ersten  bis  vierten  Jahrhunderts 
Bdefe  über  die  heilige  Firmung  angedichtet  werden,  woraus  denn  auch 
ia  CaUekUmui  ranumua  Stellen  dtirt 

Den  bapHtmui  integer  hat,  wer  kein  Verbrechen  nach  der  Taufe  be* 
gieag.  —  Die  Bigami  waren  anrüchig.  Aguirre  weist  auf  Epipkan. 
i«r.  59.  —  Das  Führen  des  in  der  Noth  Getauften  zum  Bischöfe  hatte 
kdnen  andern  Zweck,  als  dass  dieser  die  Taufe  vollende,  d.  L  die 
Firmung  ertbeile,  nicht  aber  (s.  Braun -Achterfeldt  S.  103),  dass  der 
Bisdiof  die  Taufe  bestätige. 


Guon  39. 

Von  den  Heiden,  wenn  sie  in  Grefahr    De  gentüibus,  si  in  discri- 
die  Taufe  verlangen.  mine  baptizari  expeUmt. 

Heiden,  wenn  sie  in  einer  Krankheit  Gentiles  ri  in  inflrmitate  de^ 

verfangen ,   dass  ihnen  die  Hände  aufge-  rideraverint  ribi  manum  imponi, 

legtwerden,  wenn  ihr  Leben  einigermassen  si  fuerit  earum  ex  cdigua  parte 

dui>ar  ist,  so  sollen  ihnen  die  Hände  auf-  honesta  vita,  placuit  eis  ma" 

gdegt,  und  sie  so  Christen  werden.  nam  imponi  et  fleri  christianos. 

Die  Spanier  sind  bei  diesem  Canon  sehr  kurz.  Mendoza  hat  — 
sonderbar  genug  —  nur  wenige  Zeilen  über  ihn.  Bei  uns  zu  Lande 
hat  er  in  lezter  Zeit  mehr  Beachtung  gefunden.  Katerkamp  versteht 
onter  dem  Aufl^;en  der  Hände  die  Aufnahme  in  den  niedersten  Grad 
der  Katechumenen.  Ebenso  bedeute  christianos  in  Can.  45  einen  Eji* 
techumenen.  Auch  Constantin  der  Grosse  erhielt  vor  seiner  Taufe  die 
Händeauflegung.  Dr.  München  in  Köln  sucht  den  Sinn  unsers  Canon 
also  zu  erklären,  mit  Rücksicht  auf  die  eng  damit  verwandten  Q^io^QS  37 


102 


FtinfteB  Bach.      Die  Synode  von  Elvira. 


und '98:  j,Wer  auf  dem  Festlande  erkrankt,  und  einen  Bischof  mÜBii 
kann,  darf  nicht  nur  die  Taufe,  sondern  sogleich  die  Finnong  erhalten').' 
Diese  Erkllrung  eignet  sich  Dr.  Hefele  mit  den  Worten  an  (C.  G.  1, 144): 
j,So  aufgefasst  steht  dieser  Canon  auch  im  richtigen  Verhältniss  so  den 
beiden  yorausgehenden  und  zur  milden  Praxis  der  alten  EJrche  in  Be- 
treff der  Kranken.^  Dagegen  erhob  sich  Dr.  Nickes  zu  Set.  Paul  in 
Rom  —  mit  grösster  Energie^).  ,,Da8s  Dr.  Hefele  nicht  uigestanden,  den 
Herrn  Dr.  München  vollkommen  beizustimmen,  das,  ja  das  wundert  mich«' 
Richtig  aber  sind  seine  Bemerkungen  über  den  Unterschied  Ton  eM* 
ttkmut  und  fidelis.  6o  heisse  nach  Can.  51  auch  ein  Häretiker,  ebeä 
weil  er  die  Taufe  empfangen.  Nach  Can.  45  sei  eaieehitmenua  und  cM- 
siUmus  gleichbedeutend.  „Die  Sache  hat  ihre  Richtigkeit^  Cf.  Gui. 
67,  73  sq.  —  Ganz  richtig  ist  femer  die  Argumentation,  dass  nach  des 
Sprachgebrauche  unserer  Synode  ^^christianus^*^  im  Can.  39  nur  einen 
Katechumenen  bedeuten  könne.  Die  Handauflegung  sei  darum  die  Auf- 
nahme in  das  Ejitechumenat. 

Einem  solchen  „Katechumenen''  sichere  die  Kirche  auf  den  Fall 
seines  Todes  die  Gnade  der  Begierdtaufe  zu.  Es  scheint  mir  aber,  dass 
Dr.  Nidces  noch  auf  den  Can.  77  verweisen  konnte,  wo  von  den^, 
welche  die  Taufe,  durch  einen  Diakon,  aber  nicht  die  Firmung  durch 
den  Bischof  erhalten  hatten,  gesagt  ist:  sub  fide  qua  qtäs  ereduüi,  po^ 
mit  eme  jutUu. 


CUOB  40. 

Dass  die  Gläubigen  nicht  das,  was 
ein  Gözenopfer  ist,  annehmen  sollen. 

Es  ist  yerboten,  dass,  wenn  die  Be- 
emet  ihre  Antheile  erhalten,  sie  das,  was 
den  Gözen  gegeben  worden,  nicht  als 
ihren  Antheil  annehmen  sollen.  Wenn 
sie  es  nach  diesem  Verbote  wieder  thun, 
so  sollen  sie  fünf  Jahre  von  der  Com- 
munion  ausgesdilossen  werden. 


Ne   id    quod   idolothyUm 
est,  fideles  acdpianL 

Prohiberi  plaeuU,  ui  cum  fo- 
tioncB  suas  (»edphaU  paaaeaora^ 
quidguid  ad  idolum  datum  fit 
erity  accepto  non  ferani:  $i  poä 
interdictum  feeerintf  per  guAir 
quermii  spatia  tempornm  a  eamr 
mtuUone  e$se  areendoi. 


Die  Poae$9ore8  sind  (nach  Mend.)  die  dommt,  welche  ihre  Rationen 
Ton  ihren  Verwaltern  erhielten  —  Columella,  1,8,  —  Diese  Oekonomen 


0  Manchen  I  üeber  das  erste  Coneil  von  Arlet  —  Bonner  Zeilscbrifl  von  Aehle^ 

fcldt-Brwin,  9, 78.  —  26,  49;  27,  42  üg. Can.  6  von  Arles  —  Z>«  Ait,  fd 

M  vf^rmiiaU  credere  volunt,  placuit  debere  his  manum  imponi. 
f)  2ieits€hrift  für  katholische  Theologie  —  v.  Scheiner  und  Hänsle  in  Wien,  8,1 

(1856),  S.  33  — &8:    «Bemerkungen  zum  ersten   Bande  der  Hefele*schen  Coo* 

^lien^e^ehiehtef« 


Canon  41. 


108 


ieiflt  auf  sich  die  Sorge  für  die  „tcusrifida^.  —  Ambroi.  ep.  ad 
m/p.  —  Auguttin.  ep.  104  (4t!)  ad  Public.  «.  fln.  —  Eine  zweite 
1^  ist,  die  Herren  sollen  nicht  conniviren,  wenn  ihre  Oekonomen 
isch  kaufen  —  Colum.  I,  H  —  Sacrifteia^  nisi  ex  praeeepto  DamM 
I  fvilUeus).  Gonzal.  Teiles  erklärt  —  aeeepto  ferant  =  geneh- 
Der  Ver£Bis8er  bei  Braun -Achterfeldt  erklärt  (2,97):  Die  Eigen- 
■ollen  nicht  gestatten,  dass  ihre  Verwalter  die  üblichen  Opfer 
1  Einkommenden  an  die  Götter  entrichten,  eine  Erklärung,  die 
und  natürlich  ist  —  Hefele  erklärt:  Wenn  die  Besizer  yon 
&Gken  ihre  Rechnung  (ratione$Jj  z.  B.  Früchte  Ton  ihren  Päch- 
fiUeicht  noch  Heiden  y  einnehmeni  so  sollen  sie  nichts ,  was  schon 
iösen  geopfert  war,  annehmen.  —  Das  Wahrscheinliche  scheint 
e  Besizer  sollen  die  Rechnungsposten  ihrer.  Verwalter  nicht  ge- 
sn,  welche  Gaben  oder  Ausgaben  für  den  Gözendienst  präsen- 
amit  sie  sich  nicht  indirect  am  Gözendienste  betheiligen. 


GUOB  41. 

ie  Herren  ihren  Sclaven  ver^ 
iten,  Gözen  zu  verehren. 

Gläubigen  sollen  ermahnt  werden, 
riel  sie  können,  sie  es  verhindern, 
i  Gözenbilder  in  ihren  Häusern 
wenn  sie  aber  Gewalt  von  ihren 
fürchten ,  so  sollen  sie  wenigstens 
bst  rein  bewahren;  thun  sie  es 
o  sollen  sie  von  der  Kirche  fern 
t  werden. 


Utprohibeant  dommi  idola 
colere  servis  suis. 

Admimeri  plaeuü  fiddee,  iil. 
in  quantum  posiunt  prof^ibeatU 
ne  idola  in  domibu»  tuü  ha^ 
beant :  ei  vero  vim  meUnmi  ser^ 
vorum,  vel  8t  ipeoe  pwros  con^ 
servent;  ei  non  fecerint, 
a6  eeeleeia  habeantur. 


Coriolan  handelt  bei  diesem  Canon  von  der  Idololatrie.  (Com" 
we  de  eaneU.  general,  Rom.  1024.  —  Summa  condUarum  omnium; 
Fr.  Longo  a  Coriolano  etc.  Paris,  1045.  —  F(d.)  —  Uebertrieben 
irenn  Gonzalez  Tellez  sagt,  alle  Elviraner  seien  damals  Christen 
,  nur  die  Sclaven  noch  Heiden,  weil  der  Eingang  laute:  ^a^an^ 
umibue  et  omni  pld>e'' ;  das  heisst  doch  wohl;  das  ganze  Volk,  so 
gläubig  war.  —  Der  Glaube  selbst  ist  eine  Gnade ,  und  so  kam 
las8  Herren  Heiden  und  Sclaven  Christen,  dass  Sclaven  Heiden 
nachdem  ihre  Herren  Christen  geworden. 


104 


FÜBflet  Bacb.      Die  Sysode  tod  EIt!». 


42. 

Von  denen,  die  zum  Glauben  kom- 
men, wann  sie  getauft  werden  sollen. 

Diejenigen ,  welche  xn  den  ersten  An- 
fingen der  Glaubenswflligkeit  gelangen, 
wenn  ihr  Wandel  gut  ist,  sollen  inner- 
halb zweier  Jahre  xn  der  Gnade  der  Taufe 
zogelassen  werden,  wenn  nicht  Krank- 
heit ein  zwingender  Grand  ist,  schneller 
den  Gefährdeten  oder  nach  Gnade  Ver- 
langenden zu  Hilfe  zn  kommen. 


Dehisquiadfidemveniimi^ 
quando  b^g^HsetUur. 

Eo9  gm  ad  prUnofn  ßdem 
er^ulUaÜs  tBccedmUj  at  btmm 
fuerint  amvenaUonii,  MHf 
bienmum  temporum  ji^aeuü  ml 
haptismi  gratiam  admÜH  dAir% 
niii  infirmUaU  eompdUnie  eöB^ 
gerü  ratio  vdoeius  wi6t?efi>rgfw^ 
ridiiarUi  vel  graüam  potiulMt 


CaiMi  43. 

Von  der  Pfingstfeier. 

Gemäss  der  Auctorität  der  Schriften 
ist  die  Unsitte  abzustellen  beschlossen  wor- 
den, dass  wir  nemlich  alle  Pfingsten 
firiem  sollen,  damit  nicht,  wer  es  unter- 
liesse,  eine  neue  Häresie  einzuführen 
seheine. 


De  cdebratione  pentecostes. 

Pravam  instUuäanem  emeur 
dari  plaeuit  juxta  auciorUaUm 
scripturarum,  ut  cuneH  dkm 
Penteeoties  celebremua,  ne  ai  ^idii 
non  feeeritf  novam  haart0m 
induacisse  notetur. 


Nach  den  meisten  Erklärem  bedeutet  hier  „penteeotU^  nicht  du 
Pfingstfest,  sondern  die  fünfzig  Tage  —  zwischen  Ostern  und  Pfingsten. 
Denn  die  Handschrift  ToleL  I.  liest  hier:  diem  PmUeostes  paH  Paidia 
ceUhremui  non  guadrageMmam  nisi  quinquagesimam  —  d..h.  wohl,  diB 
Feier  des  vierzigsten  Tages  oder  der  Himmelfahrt  Christi  hat  nur  dann 
eine  Bedeutung,  wenn  derselben  die  Feier  des  fünfzigsten  Tages,  oder 
der  Sendung  des  hdligen  Geistes  folgt  —  Dass  es  im  J.  306  vcfrsclue- 
dene  Häresieen  in  Spanien  gab,  erhellt  aus  dem  Concile  von  Elvin 
selbst  —  V.  c.  22.  —  Die  hier  verbotene  Unsitte  erinnert  an  die  Mon- 
tanisten, welche  das  Zeitalter  des  heiligen  Geistes  erst  mit  Montanta^ 
mit  HaximiUa  und  Priscilla  eintreten  lassen  ^).  Sie  erinnert  aber  auA 
an  die  spätem  Priscillianisten ,  deren  Keime  und  Vorläufer  eines  viel 
Xltem  Datums  in  Spanien  gewesen  zu  seyn  scheinen,  als  man  gewShsr 
lieh  annimmt  —  Auf  diese  Unsitte  scheint  sich  auch  das  Kapitel  19 — 76 
der  CoUatio  21  des  Cassian  zu  bezichen,  welcher  auf  die  Frage,  warum 
fttnfzig  Tage  nach  Ostern  das  Fasten  unterbleibe,  da  doch  Cljristus  schon 
nach  vierzig  Tagen  zum  Himmel  aufgefahren  sei,  den  Mönch  Theonas 


I)  Heibst,  Qoartalschr.  1821,  S.  39. 


GanoB  44.  45. 


106 


rten  ISsst,  dass  es  yon  ältester  Zeit  an  in  der  Kirche  so  gehalten 
n  sei.  —  Insofern  war  es  wenigstens  der  Anschein  einer  „neuen 
ie',  die  zehn  Tage  nach  der  Himmelfahrt  nicht  zu  feiern.  Deut- 
noch  erklärt  Hieronjmus  dieäe  „neue  Häresie'^  als  montanistisch  *). 
jt  Rauben,'  sagt  er,  „dass  desswegen  nach  den  vierzig  Tagen  —  das 
L  gehalten  werden  müsse:  obgleich  der  bald  darauf  folgende  Tag 
fitsten  und  die  Ankunft  des  heiligen  Geistes  —  uns  eine  Fest- 
rerkünden.  Und  aus  Anlass  dieses  Zeugnisses  halten  Montanus, 
k  und  Maximilla  auch  nach  Pfingsten  die  Quadragesima :  weil^  wegen 
egDAhme  des  Bräutigams,  die  Söhne  des  Bräutigams  üeisten  müssten. 
Jebuog  der  Kirche  aber  kommt  zu  dem  Leiden  und  zu  der  Auf- 
rang  des  Herrn  durch  die  Bezähmung  des  Fleisches,  damit  wir 
i  das  körperliche  Fasten  uns  auf  die  Sättigung  des  Geistes  vor- 


ÜiDon  44. 

den  heidnischen  Buhlerinnen,    De  meretricibus  paganis  si 
wenn  sie  sich  bekehren.  convertantur. 


diejenige,  welche  ehedem  eine  Buh- 
war und  nachher  einen  Mann  ge- 
hat,  wenn  sie  später  zu  der  Glau- 
kratwilligkeit  konmit,    soll  unver- 
Ikfc  angenommen  werden. 


Meretrix  guae  aUquando  fu" 
erit  et  portea  habuent  mari" 
tum,  8i  poHmodum  ad  ereduli" 
taUm  venerü,  ineuneianUr  pkn 
euU  C8H  t^eeipimdafn» 


Guon  45. 

den  Eatechomenen ,  welche  die 
Kirche  nicht  besuchen. 

iTer  ehedem  ein  Katechumen  war  und 
iogste  Zeit  nicht  in  die  Kirche  kam, 
i  Aber  Jemand  von  dem  Clerus  ihn 
mt,  dass  er  ein  Christ  ist,  oder  wenn 
e  glaubwürdige  Zeugen  für  ihn  auf- 
ly  dem  soll  die  Taufe  nicht  verwei- 
irerden,  desswegen  weil  er  den  alten 
dien  verlassen  zu  haben  (desswegen 
er  in  seinem  alten  Menschen  gefehlt 
iben)  scheint 


De  catechumenis  qui  eccle- 
siam  non  frequentant. 

Qui  aliquando  fuerit  caU" 
chumenus  et  per  inflmta  tem- 
pora  nunquam  ad  ecclesiam  ac- 
cesserit^  si  eum  de  clero  guisque 
eognoverit  esse  Christianum,  out 
tetiei  dUqui  extiterint  fldeles, 
placuit  ei  baptismum  non  ne^ 
gari,  eo  quod  veterem  homi^ 
nem  dereUquisse  videatur  (eo 
quod  in  veterem  hominem  de^ 
liquisse  videttUtr). 


CmumaUar,  im  Mattk,  cap,  9,  15  -^    VemmU  dieSf  eum  aufarehtt  oh  eis  ^ponmu^ 


et 


106 


Ffinftet  Buch.     Die  Synode  tob  ElTirm. 


Von  den  Glaabigen,  die  abgefaUen 
sind,  wie  lange  sie  Busse  thun  sollen. 

Wenn  ein  apostasirter  Gläubiger  die 
Ilngste  Zeit  nicht  in  die  Kirche  gekom- 
men y  wenn  er  aber  dodi  endlidi  zurück- 
kehrt, nnd  den  Gtözen  nicht  geopfert  hat, 
80  soll  er  nach  zehn  Jahren  die  Com- 
mimion  empfangen. 


De  fiddibus  si  oposi 
ritU  quamdim  poeni 

8i  qui»  fkkUi  aptml 
uißniia  tonpoTU  od  €€ 
tum  {MceeuarU,  n  tarn 
quando  fuerii  recerma 
erit  idoiaUHTj  poH  deeen 
plaeuU  camnnmUmem  q 


Mit  Recht  sieht  Hefele  in  diesem,  wie  in  dem  Can.  45  ei 
ziehuDg  auf  die  kurz  vorhergegangene  Christenverfolgung,  in  der  Id 
aus  Furcht  sich  ferne  hielt  von  der  Kirche,   wenn  er  auch  den 
nicht  opferte. 


CaMi  47. 

Von  einem  Verheiratheten ,  wenn 
er  öfters  die  Ehe  bricht. 

Wenn  ein  Glitubiger,  der  verheirathet 
ist,  nicht  einmal,  sondern  oft  die  Ehe  ge- 
brochen hat,  der  soll  am  Ende  des  Lebens 
aufgenonunen  werden:  wenn  er  Besserung 
verspricht,  werde  ihm  die  Conmiunion  ge- 
reicht; wenn  er  wiederhergestellt  auf  das 
Neue  die  Ehe  bricht,  ist  beschlossen  wor- 
den, dass  er  nicht  mehr  mit  der  Commu- 
nion  des  Friedens  Spott  treiben  könne. 

Vergl.  Can.  69  und  78. 


De  eo,  qui  uxorem  ) 
saepius  moechatt 

Si  qui$  fdeH»  habm 
rem  non  $emd  $ed  9atp 
nwechaiHi,  in  fb%e  ma 
eanveniendus:  quod  si  i 
miserit  ee$$atwrwfn,  detur 
munio:  si  resuseiiatus  na 
crü  moechatus,  plaeuit  t 
fiofi  ludere  eum  de  camn 
paeis. 


GUOB  48. 

DasB  der  Clerus  von  den  Getauften 
nichta  annehme. 

Es  soll  abgesteUt  werden,  dass  nemlich 
die,  welche  getauft  werden,  wie  es  bis 
jezt  üblich  war,  kein  Geld  in  die  Nische 
werfen,  damit  nicht  der  Priester  das,  was 
er  omaonst  empfangen  hat,  um  Geld  zu 
TertheQen  acheiiie.  Auch  sollen  ihnen  von 


De  haptijsatis  ut  nü 
c^^kU  clerus. 

Emendari  phseuü,  m 
b(xptizaniur ,  td  fieri 
ntünmos  in  eoneha  na 
t€mt,  ne  saeerdos  qtiod 
aeeq^  preüo  distrahi 
deatur.      Nequs   pedes 


CaBOB  49. 


107 


tem  oder  Clerikem  nicht  die  lavandi  9uni  a  ioeetdeftStnu  vd 
raschen  werden.  derieit. 

werden  die  Stolgebtthren  bei  der  Taufe,  wie  sie  bis  jezt  üblich 
id  wahrscheinlich  durch  die  freiwilligen  Gaben  der  Gläubigen 
g  kamen,  untersagt').  Ein  ähnlicher  heidnischer  Gebrauch 
«  bei  den  alten  Apologeten  erwähnt,  z.  B.  Clemena  Alex.  — 
ap.  2.  —  Arnob.  5,  19.  —  Das  Wort  coneha  wird  in  kirdi- 
rachgebrauche  bei  uns  am  häufigsten  gebraucht  für  Altamische 
nische.  —  Dann  bedeutet  es  jedes  muldenartige  Gefäas  in  der 

kirchlichen  Zwecken.  Z.  B.  Paulin  von  Nola  spricht  von  — 
ientum  agmina  eoneharum  —  poema  28,  4i — 42.  —    So  steht 

auch  von  dem  Gefässe,  worin  das  Taufwasser  sich  befindet^ 
E88  die  Taufe  durch  Untertauchen  oder  durch  Begiessung  er- 
bedeutet auch  eine  Nische  am  Eingange  in  die  Kirche,  in  welche 
ngen  Münzen  als  Opfer  für  die  Kirche  und  ihre  Diener  zu 
gten,  also  Opferstock. 

Getauften  sollten  die  Füsse  nicht  gewaschen  werden.  Diese 
sehte  auch  in  Mailand  (Amhros.  de  iaeram.  3,  1).     Ambrosius 

dass  diese  Gewohnheit  sich  nicht   in  Rom  fand,    yielleicht, 

wegen  der  grossen  Menge  der  Täuflinge.  „In  allem, ^  sagt 
iche  ich  der  römischen  Kirche  zu  folgen ;  aber  auch  wir  andern 

haben  unsere  Einsicht.  Was  darum  anderswo  mit  mehr  Recht 
i  wird,  halten  auch  wir  mit  mehr  Recht  fest^  Auch  in  Gallien 
lese  Sitte.  Cf.  K  Ceillier,  2,  610  —  der  aber  den  Canon  mit 
o  auffasst,  als  sollten  die  Cleriker,  nicht  der  Bischof  den  Ge- 
5  Füsse  waschen.     Nur  eine  Handschrift  liest  statt  vd  —  $ed 

Das  Verbot  in  Elvira  erfolgte  wohl  wegen  der  Gleichf örmig- 
1er  römischen  Kirche.   —    Cf.  Corpus  jur.  can.  c  104.  Cau8a  L 


Canon  49. 

i  Früchten  der  Gläubigen, 
nicht  von  den  Juden  ge- 
ignet  werden  sollen. 

genthümer  sollen  ermahnt  wer- 
t  zuzugeben,  das  ihre  Früchte, 
)  von  Gott  mit  Danksagung  ern- 
ten den  Juden  gesegnet  werden, 
unsem  Segen  nicht  unnüz  und 


De  frugibics  fidelium,  ne  a 
Judaeis  baptijsentur. 

Admoneri  placuitposseMorei, 
ut  non  patiarUur  fmctu»  8uo8j 
quo8  a  deo  percipiunt  cum  gra- 
iiarum  actione,  a  Judaeis  be^ 
nedici,  ne  nosiram  irrüam  et 
inftrmam     faciant    benedictiO' 


die  zweite  (drille)  Synode  v.  Bracara  v.  J.  572:  c.  7  —    die  Getstliehen. 
för  die  Taufe  nichts  fordern,  wohl  aber  freiwillige  GescheDke  aDoefamen. 


106  Ftinftes  Buch.    Die  Synode  von  Elvira. 

kraftlos  machen:  wenn  Jemand  nach  dem  nem:  $i  guit  po^  interdkium 
Verbote  es  zu  thun  sich  unterfienge,  der  soll  facere  usurpaveni,  peniha  tA 
ganz  von  der  Kirche  ausgestossen  werden,      eecUsia  abjidaiur. 

Christliche  Gutsbesizer  konnten  entweder  heidnische ,  wie  Can.  40 
schliessen  lässt,  oder  auch  jüdische  Pächter  auf  ihren  Gütern  haben; 
jene  und  diese  konnten  die  Früdite  der  Felder  sich  von  den  Joden  be* 
nedidren  lassen.  Es  ist  ebenso  gesucht,  als  unwahr,  wenn  Jost  unfter 
dem  Segnen  der  Früchte  den  Tischsegen  oder  das  Tischgebet  frommer 
Juden  Tcrsteht,  das  dieselben  einer  Mahlzeit  vorausgeschickt  hätten,  die 
sie  gemeinschaftlich  mit  Heiden  oder  Christen  genossen^).  „FruüuiF 
heisst  nie  Mahlzeit  oder  Speisen.  Im  nächsten  Canon  steht  für  die  MiaUU 
zeit  „eUms^^,  was  auch  das  gewöhnliche  Wort  ist 

Die  Juden  waren  besonders  in  Bätika  auch  im  Binnenlande  überall 
yerbreitet,  und  hatten  es  stets  bis  auf  ihre  Vertreibung  am  Ende  das 
fünfzehnten  Jahrhunderts  auf  eine  JudaYsirung  des  ganzen  Landes  ab- 
gesehen. Wer  dieses  nicht  einsehen  will,  der  will  partheiisch  zu  ÜA> 
gunsten  der  Christen  seyn.  Eine  „liberale^  Geschichte  der  Juden  m 
Spanien  schrieb  der  Gaditaner  Adolf  de  Castro,  eine  seiner  anreite 
Erstlingsarbeiten  ^).  Kürzlich  hat  der  Franzose  La  Bigaudiftre  vom  Stande 
punkte  des  seichtesten  Liberalismus  und  ohne  Quellenkenntniss  über  die 
Judenverfolgungen  in  Spanien  geschrieben.  —  Unpartheiischer  sind  die 
Schriften  des  deutschen  Gelehrten  H.  v.  Grätz  über  die  Juden.  In  seiner 
Abhandlung:  j,Die  westgothische  G^ezgebung  in  Betreff  der  Juden*  — 
Breslau  1858,  giebt  er  zu  und  weist  nach,  dass  die  strengen 
gegen  die  Juden  ein  Akt  der  Nothwehr  waren,  und  dass  die  Juden  j( 
Art  Proselytenmacherei  trieben^).  Adolf  Helfferich  in  seiner  mida^ 
erwähnten  Schrift  nimmt  wieder  entschieden  Parthei  für  die  Jaden  *)k 


')  Jost,  5,  33.  —    »Wenn  es  viele  Juden  in  Spanien  gab,  die  Pachtun^n  haU(% 
oder  mit  den  Landwirthen   in  enger  Verbindung  lebten,    so   nahmen   sie  anck 
Thcil  an  den  Erntefesilichkeiten^  wobei   die  besten  Früchte  zum  Grenasse  der     "* 
Gäste  hergegeben  wurden.     Da  die  Juden  sich  nicht  in  der  Uebung  ihrer  Gc-    ^. 
brauche  stören  liesscn,  so  gab   die  Gewohnheit,  die  Früchte  zu  tcgnea    "^ 
(Berachoth  sect.  IV.)^   den  Geistlichen   der   Kirche   einen  Anstoss^  und   sie  W- 
fürchteten,   mit  ihrem  Segen   nichts  auszurichten,  wenn   den  Jaden  dtest  ph 
stattet  würde,   weil  das  Gebet  der  Juden  bei  der  Gottheit  das  GegentheU  du    ~" 
Ihrigen  bewirken  müsse.** 

*)  Adolf o  de  Castro  —  Hutuma  de  h»  Judiot  en  Espanna ,  1847.  —  Amador  d$  ht 
Bios,  Estudkfs  htsioricos,  poUticos  y  literan'os  sobre  los  JutUos  d/s  Equmma,  1848.  — 
Histaire  des  pers^cutions  religieuses  en  Espagne,  Jui/s,  Mores,  ProUsUmts  —  pm  I# 
Bigaudikrt  —  Paris  JSGO. 

')  Grätz,  »die  westgothische  Gesezgebung  in  Betreff  der  Juden*,  1858,  8.  5.  — 
»Diese  Geseze,  welche  man  als  Ausfluss  —  eines  grausamen  Fanatismus  ge- 
brandmarkt hat,  dürften  in  milderm  Lichte  erscheinen,"  u.  s.  w. 

^  Helfferich,  der  westgoth.  Arianismus  u.  s.  w.  1860  —  S.  69  flg.  Siehe  von  demi. 
—  EnUtehang  und  Geschichte  des  Westgothenrechtes ,  Beri.  1858-  S.  41  fl^* 


Canon  50.  109 

Pie  Jaden  sind  stets  im  Rechte.  Sie  werden  verfolgt  ^von  dem  unver* 
sShnliehen  Hasse  der  katholischen  Geistlichkeit^^  aus  keinem  andern 
Grande,  als  weil  sie  in  einer  überaus  glücklichen  Lage  waren.  Doch 
kann  er  nicht  leugnen ,  dass  der  katholischen  Kirche  in  Spanien  von 
d«  mit  dem  Judenthume  verbündeten  Arianismus  grosse  Gefahr  drohte. 

Die  Juden  segneten  die  Früchte  auf  dem  Felde  nach  ihren  Cere- 
BMMiien.  Ob  die  Bischöfe  schon  damals  die  Feldfrüchte  segneten ,  können 
vir  nncli  den  vorliegenden  Quellen  nicht  wissen.  Denn  auch  dadurch 
machten  die  Juden  den  Segen  der  Bischöfe  unwirksam  ^  dass  sie  über^ 
hmpt  auf  den  Feldern  oder  innerhalb  der  Lebenskreise  der  Christen 
ihre  religiösen  Funktionen  übten.  Das  älteste  uns  erhaltene  Sacramen- 
tirinm  Gregorys  L,  welches  wohl  mehr  Gelasius  L  zuzuschreiben  ist, 
cnthilt  unter  andern  Segnungen  und  Weihungen  —  Benediktionen  des 
Brodes,  der  Aehren^  der  Trauben  u.  s.  w.  —  Die  Juden  waren  vor  den 
Qizisten  nach  Spanien  gekommen ;  sie  hatten  grössere  Macht  und  grossem 
Bckhthum  als  die  Christen ,  sie  waren  die  zudringlichsten  Proselyten- 
Okidber.  So  erklärt  es  sich,  dass  viele  Christen  in  Spanien  judaisirten, 
nd  die  Juden  in  ihren  religiösen  Gebräuchen  nachahmten  oder  gewähren 
fienm  (cf.  Tolet  4;  c.  63.  —  Nach  Can.  58  haben  viele  Geistliche  und 
Laioi  sich  bisher  von  den  Juden  bestechen  lassen  und  sie  beschüzt). 


GuoB  50. 

Van  den  Christen,  welche  mit  Ju-    De  Christianis y   qui  cum 

den  essen.  Judaeis  vescuntur. 

Wenn  aber  ein  Cleriker  oder  Gläu-  Si  vero  quis  clericu»  vel  fide- 

biger  mit  Juden  Speise  geniesst,  so  soll  lis  cum  Judaeis  cibumiumpserü, 

«r  von   der   Communion  ausgeschlossen  placuit  eum  a  eommunione  abi- 

Verden,  damit  er  gezüchtigt  werde.  tineri,  ut  debeat  emendari. 

Dieses  Verbot  findet  sich  auch  in  andern  alten  Concilien.  Cf.  Laodic 
C.37;  38.  Synode  zu  Yannes  oder  Vennes  in  der  Bretagne  im  J.  465 
-  Can.  12.  —  Synode  von  Agde  im  J.  506  —  Can.  40.  —  (Cf.  Ora- 
tim.  Decr.  e.  14,  eama  XXVIIL  qu,  l.J  —  Synode  von  Epaon  im  J.  5l7y 
CiiL  15.  —  Synode  von  Orleans  538  —  Can.  13.  —  Synode  zu  Ma^on 
VQB  584  —  Can.  15  —  unter  Strafe  der  Excommunication.  (Cf  Syn. 
Tmllana  —  Can.  11.  —  3  Tolet.  Can.  14.  —  4  Tolet  Can.  62.  Ebenso 
kg  Virigoih.  Üb.  IZ  tiL  2.  L  8.  —  1. 12.  tü.  S.  l  7.) 


110  Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 


GuoB  51. 

Dass    Häretiker    nicht    unter    den    De  haereticis,  ut  ad  cl 
Clerus  aufgenommen  werden,  x  non  promoveantm 

Wenn  ein  Gläubiger  aus  irgend  einer  Ex  omni  haered  fidi 

Häresie  kommt,  so  soll  er  in  keiner  Weise  venerit,  minime  e$i  ad  a 

unter  den  Clerus  befördert  werden.    Sind  promovendu$:  vel  qui  m 

solche  früher  ordinirt  worden,  so  werden  prcieterüum  ardinatif  mne 

sie  ohne  Bedenken  abgesezt  deponantur. 

„FiddU^^  bedeutet  hier  den  Christen ,  welcher  die  Eezertaufe  erl 
hat,  und  dessen  Taufe  nicht  zu  erneuern  ist 


Cuon  52. 

Von  denjenigen ,  welche  Pasquille    De  his  qui  in  ecclesia  l 
in  die  Kirchen  legen.  los  famosos  ponun 

Diejenigen ,   welche  Pasquille  in   die  •»        Hi  qui  invenU  fuertnt 
Kirchen  legten  und  entdeckt  worden  sind,     los  famosoi  in  ecclesia  p< 
sollen  ausgeschlossen  werden.  anathematizentur. 

In  der  römischen  Gesezgebung  war  auf  dieses  Verbrechen  1 
Geisselung  bis  zum  Tode,  theils  überhaupt  Todesstrafe  gesezt:  Cod,  i 
dos.  de  famos,  libell.  bes.  Lib.i).  tit.34.  leges  10.  —  Cf.  JuvenaLO,  243.  St 
Oetav.  eap,  55  —  etiam  sparsos  de  se  in  curia  famosos  libellos  nee  €sq 
nee  redargtut.  —  AuguUin.  civit.  Dei,2,9  — 14  weist  auf  den  U 
schied  der  Griechen  und  Römer  in  dieser  Beziehung  hin,  indem 
erlaubten,  dass  z.  B^  auf  den  Theatern  Götter  und  Menschen  nad 
lieben  au%ezogen  würden,  die  Römer  dagegen  die  Menschen  in  E 
nahmen,  während  sie  gegen  die  Götter  alles  gestatteten.  Diese  I 
sieht  gegen  die  Menschen  und  diese  Rücksichtslosigkeit  gegen  die  G 
hatte  schon  fr*üher  Amobius  mit  gewohnter  Energie  hervorgehobe 
cf,  Ämob.  4,  34 — 35  —  adv.  gentes:  majestatis  sunt  apud  vo$  rd,  q 
vestris  sequius  obmurmur(werint  aliquid  regibus.  Carmen  malum  eo9 
bere,  quo  fama  äUerius  coinquinatur  ei  vita,  decemviraUbui  sdtü  eVi 
noluislis  impune.  Unser  Canon  steht  im  Deer.  OraU  ean,  3.  Ckm 
Quaest.  1. 


Canon  Ö3. 


111 


CaMi  53. 

m  Bischöfen,  welche  mit  ei-  De  episcopis,  qui  excom- 

iswärtigen  Excommunicirten  municato  alieno  communis 
Gemeinschaft  haben.  cant. 


Mi  allen  gefallen,  dass  Jemand  von 
gen  Bischöfe  die  Communion  em- 
von  welchem  derselbe  wegen  eines 
ms  ausgeschlossen  wurde.  Wenn 
erer  Bischof  es  sich  herausnimmt, 
ulaasen,  während  der  Bischof  es 

keiner  Weise  thut  oder  zulässt, 
chem  ihm  die  Communion  entzogen 

der  möge  wissen ,  dass  er  über 
!>inge  seinen  Mitbrüdem  unter  6e- 
iines  Amtes  werde  Rechenschaft 
nüBsen. 


Plaeiät  euncUs,  td  ab  eo 
episeopo  quu  recqdat  commu" 
nionem  a  quo  abHentus  in  cri" 
mine  aliguo  qtda  fuerü;  quod 
n  (üiu8  epiacopuB  prae$ump$erit 
eum  admitlij  illo  adhtte  mirUme 
faciente  vd  eamentienU  a  quo 
fuerü  commumone  privaiuif 
tciat  te  huiuimodi  eau8€u  inter 
frairea  esse  cum  Status  sui  pe^ 
rieulo  praestaturum. 


a  Erklärer  verweisen  auf  die  Canones  Nicaea  I,  c.5;  Can.  apo§L 
L  —  Drey,  Untersuchungen,  S.  259  u.  405.  Hefele,  C.  G.  1, 784; 
i  von  Arles  I;  Can.  2  u.  6  von  Antiochien  341;, Can.  13  (16) 
rdica.  —  Femer  auf  Orange  I.  von  441  —  Can.  11;  auf  Hippo 
,  c  19;  Carthag.  IV.  —  398  —  c  6.  —  Saragossa  L  v.  880  — 

—  3  Toledo  V.  J.  589,  Can.  11 ;  Turin  v.  401  —  Can.  7. 
3  ganze  Eirchengeschichte  Spaniens  seit  dem  Tode  des  Hosius 
en  traurigen  Beleg  von  der  Unordnung  und  Verwirrung  der  kirch- 
Verhältnisse,  welche  durch  Einmischung  von  Bischöfen  in  die 
ition  anderer  Bischöfe  entstand.  Dahin  gehörte  u.  a.  die  Intru- 
B  Kezers  Priscillian  als  Bischofs  von  Avila  durch  die  kezerischen 
s  Salvianus  und  Instantius,  das  gewaltthätige  Verfahren  des  Bi- 
Itbacius  von  Ossonoba.  Diess  beweisen  die  Dekretalbriefe  der 
IKriciufl  vom  J.  385  an  Himerius  von  Tarragona,  Innocentius  I. 

404  an  die  auf  der  Synode  zu  Toledo  im  J.  400  versammelten 
3:  „De  dissensione  corruptaque  diseipUna  ecclesiarum  Hispaniae^^, 
'  Dekretalbrief  merkwürdig  genug  aus  der  ,,Collectio  canonum 
'■  Hupancuf^  ausgeschlossen  ist;  des  Papstes  Leo  I.  vom  J.  447  an 

Turribius  von  Astorga,  sowie  an  die  übrigen  Metropoliten  von 
i;  diess  erhellt  aus  den  zwei  Schreiben  des  Papstes  Hilarius  vom 
an  den  Metropoliten  Ascanius  von  Tarraco;  aus  dem  Briefe  des 

Hormisdas  vom  J.  517  an  den  Metropoliten  Johannes  von  Tar- 
^  und  aus  swei  Briefen  desselben  an  die  spanischen  BisM^öfe;  aus 
lireiben  des  Papstes  VigiHus  vom  J.  538  an  den  Bischof  Pro- 

von  Braga  etc. 


112 


Fünftes  Buch.     Die  Synode  Ton  Elvint. 


Aus   dem   vorliegenden  Canon    könnte   mit   grösserm    8> 
Rechte,  als  aus  Canon  58  von  Elvira  auf  eine  damals  schon 
Metropolitanverfassung  in  Spanien  geschlossen  werden.    So  er 
auch  Gonzalez  Tellez  die  Worte :  Cum  siatua  $ui  perieulo  —  d 
auf  einer  Provincialsynode  geschehen  solle.     Da  aber  eine  so 
liehe  Verfassung  im  J.  306  in  Spanien  noch  nicht  bestehen  kc 
sie  überhaupt  noch  nirgends  bestand,  so  enthalten  diese  Wort 
unbestimmte  Drohung,   da  die  Bischöfe  hofiten,   es   werde 
Warnung  sein  Bewenden  haben.     Auf  diesen  wie  auf  Can. 
wir  noch  in  Buch  6  —  £jip.  3  zurückkommen. 


Canon  54. 

Von  den  Eltern,  welche  das  Gelöb- 
nis? der  SponsaHen  brechen. 

Wenn  Eltern  das  gegebene  Wort  der 
Sponsalien  brechen,  sollen  sie  drei  Jahre 
ausgeschlossen  seyn;  wenn  jedoch  der 
Bräutigam  oder  die  Braut  in  einem  schwe- 
ren Verbrechen  ertappt  worden,  so  sind  die 
Eltern  entschuldigt;  wenn  bei  denselben 
ein  Vergehen  sich  findet,  und  sie  sich  be- 
fleckt haben,  so  wird  die  obige  Sentenz 
aufrechtgehalten. 


De  parentibus, 
sponsalium  fn 

Si  qui  parenUs  / 
rirU  sponscdiarumj  ti 
pare  abttineantur;  H 
spoiuus  vd  tponsa  ii 
mine  fuerwl  depreh 
exeusati  parenUs:  i 
fuerit  viüuim  et  po 
mptrior  $ententia  si 


Dieser  Canon  steh^  auch  im   Corp.  jur.  canan.  c.  1,  Ca 
QuauL  3. 


GaiOB  55. 

V 

Von    den    Priestern    der    Heiden, 
welche  nicht  mehr  opfern. 

Priester,  welche  nur  Kränze  tragen, 
aber  weder  opfern ,  noch  auf  ihre  Kosten 
etwas  den  Gözeu  geben ,  sollen  nach  zwei 
Jahren  die  C^mmunion  empfangen. 


De  sacerdotibus 
qui  jam  non  sa 

SacerdoUiy  qui 
ronas  portant,  nee 
nee  de  iuis  tumpUbu 
idolapr<Mestani,plac\ 
nUan  aceipere  eomrn 


Hefeloi  hierin  dem  Aubespine  folgend^  versteht  unter 
dhUi  —  ehemalige  —  schon  getaufte,  heidnische  Flamines 
diesot  Amt,  wenigstens  den  Titel  desselben,  noch  ab  Christi 
Kin  Christ  gewordener  Flamen  hat  sich  ferne  von  allen  Opfer 
or  hat  aber,  wahrscheinlich  zur  Zeit  der  ChristenYerfolgong 


CMon  56.  113 

1^  seines  frUhem  Standes,  den  Kranz,  getragen'}.  Für  diwe 
e  ȟ  er  xwei  Jahre  Busse  thun,  ein  Jahr  weniger,  als  er  Ka- 
ie luttte  seyn  miisBon  (s.  Can.  4),  wenn  er  anch  vorher,  noch 
<,  geopfert  hatte.  Unser  Canon  steht  in  Beziehung  eu  Canon  2 
^>Beh  Can.  2  erhielten  die  Christen ,  die  als  Flamines  opferten, 
Spielen  Theil  nahmen,  auch  vor  dem  Tode  die  Communion 
Ä  C«n.  3  erhielten  sie  die  Communion  an  dem  Endo  des  Le- 
rn ate  Festspiele  gegehen,  aber  nicht  geopfert  hatten. 
Code  des  vierten  Jahrhunderts  war  eine  viel  laxere  Praxis  in 
ingerissen,  worüber  sich  Innozenz  1.  in  dem  erwähnten  Briefe 
mischen  Bischöfe  beschwert.  Diese  Bischöfe  hatten  in  grosser 
ate  ordinirt,  deren  früheres  Leben  sie  von  den  Weihen  aus- 
Dieselbcn   hatten   nach   der  Taufe  weltliche  Aemter  bekleidet, 

exereitaliotu  ver»ati  sunt)  namcntiich  als  Sachwalter,  sie  waren 
^vcsen ,  sie  hatten  dem  Volke  Festspiele  gegeben ,  was  die 
DO  Eirira  unter  lebenslänglicher  Busse  verbot  fquanto»  qui  vo- 

eäitionei  populo  celtf/rarurU ,  ad  honorem  nimmt  Mcerdotü 
'  —  and  waren  dennoch  Bischöfe  geworden,  da  sie  nicht  ein- 
'  den  niedem  Clcrus  hatten  aufgenommen  werden  sollen  (tpitt. 
S,  4).  In  ep.  2,  12  an  Victricius  von  Rouen  beklagt  sich  Inno- 
:h€all8  über  solche  Männer,  die  von  Bischöfen  ordlnirt  worden, 
sie  vorher  in  weltlichen  Aenatern  Spiele  gegeben  (conttat  eo» 
lumif  etiam  voluptalet  txhibere,  quas  a  diabolo  inventaa  mm  du- 
at,  et  ludorum  vel  rnttnerum  t^rpt^aiibui  [ve^L  Caa,  ^ 
me,  auf  MavmtJ. 


.  Cawa  5«. 
a  Obrigkeiten'  und  Duum-    De  moffiatratibus  ei  dwM- 
vim.  ,  viris. 

Ugistrat  ab»  soll  das  eine  Jahr,  MoffUraUa  twra'ioto  atmo 

aa  er  du  EhiiiinTirat  begleitet,  7U0-  agtt  duuntvtralumfprokt' 

(MKD  bleöbeii,  dua  er  sich  d^-  bembim  plaeet,  td  »e  <d>  eede- 

der  Kir^e  ferne  halte.  tia  eohÜ>«aL 

nL  Teiles  weäat  auf  Conrionttn.  L  S  de  epiie.  H  deriri»  vaati!,  32i 
,  vorin  Bischöfe  und  Priester  von  ÜeberqaluBe  solaber  Lutea 
urden.  Der  g^elute  J.  Qothofredns  meint  in  seiner  SchHüt: 
•dieL  Chriitiitnonim  emt  gentil^nu  communkm^,  auf  Betreihen 


Utt«  fOrt)  n«9Ma£),  .CWowM*,  ^.  m  JCtOr.  —    Arii  1610,  n  <■.'    £<y- 
W7/,  Ml,  im  S*.~    Dam  fit  Vorrede  tu  Beeker*!  CWlnt  —  diflte  Anf- 
«,Bcfa,1868,  H.  VU.  ^ 
■fM.Klnh«.    U.  8 


114  Fttnftet  Bach.    Die  ajiiode  von  ElTinu 

dw  Hotinsy  was  mir  sehr  wahmcheinlich  ist  0(.  lab.  12.  Ooi. : 
jyiif  Deeurion.'^  -^  Die  aaf&Uende  Hilde,  womit  die  DvomTin 
wenigstens  den  Spielen  prilsidiren  y  und  dnrdb  ihre  Gegenwart  i 
ligen  nrassten  ($edeni  H  in  tpeekuntUi  jnAUeii  $aeerdoimn  amiimn,  \ 
tiraiuwnque  eolUgia,  panüfiea  maximi,  ei  maximi  curianei;  mdä  i 
populm  et  ienakit  —  Amob.  4,  35)^  hier  behandelt  wordeo,  dttrfti 
weniger  in  dem  Umstände  liegen,  dass  durch  ein  Verbot  der  Ki 
dass  die  Christen  solche  Aemter  übernehmen,  die  widitigsten  i 
in  den  Städten  den  Händen  der  Heiden  anheimge&llen  wXreni  ab 
dass  sich  Niemand  solchen  Aemtem  entstehen  konnte,  den  die  B 
folge  und  die  Wahl  tra£  -«  Was  das  Duumvirat  in  den  wpm 
war  das  Amt  eines  Decurio  (Rathsherr,  Senator)  in  den  kleinem 
nischen  StXdten.  Diese  Aemter,  denen  man  sich  nich^  entliehen  1 
waren  mit  den  erdrückendsten  Lasten  und  Auq;aben  Terknüpft 
Staats-  und  die  Kirchengeschichte  des  gansen  vierten  Jahrhundi 
voll  Ton  diesem  Gtegenstande.  Weil  die  von  Constantin,  und  bei 
von  Constantius  gegebenen  Gesese  —  dem  katholischen  Giems,  di 
Constantius  dadurch  gefügig  machen  wollte,  eine  glKniende  äusssi 
nahmsstellung  gaben,  weil  der  Clerus  u.  a.  Ton  der  Last  des  D 
nats  befreit  wurde,  so  drängten  sich  yiele  Individuen  aus  keinem  i 
Grunde  unter  den  Clerus  ein,  als  um  seiner  bevorzugten  StelluB| 
haftig  au  werden»  —  Die  Decurionen  waren  besonders  bei  der  dai 
aerrüttenden  Steuereintreibnng  die  unglücklichen  Werkseuge.  £ 
sizer  von  mehr  als  25  Morgen  Land,  also  alle  vermögliehen  Leute, 
haftbar  für  die  Steuern  des  ganzen  Bezirks.  Viele  flohen  au  de 
baren,  um  dieser  Last  zu  entgehen.  Die  senatorischen  Familien 
frei  von  dem  Decurionat.  Constantin  gab  auch  den  Staatsproft 
und  den  Aerzten  Befreiung  von  dem  Deeurionate  (Geseze  vom  < 
326,  333).  Durch  Geseze  vom  J.  313  und  319  —  erhielt  der 
Befreiung  von  allen  öffentlichen  Lasten  —  muneraj  j,dle  theils  in  1 
Aemtem,  theils  in  Abgaben  bestanden,  oder  in  dem  verrufenen 
rionat  Beides  vereinigten.^  Dem  sofortigen  Zudrang  der  befreiun 
gen  Beichen  zum  geistlichen  Stande  musste  schon  im  n&chaten  Jal 
durch  ein  ganz  rohes  allgemeines  Verbot  begegnet  werden,  welch« 
wahrscheinlich  nicht  selten  umgangen  wurde  {€od,  TheodoB.  XV. 
Burckhardt,  die  Zeit  Constanstin  des  Grossen,  Basel  1853,  S.  9 
410,  456).  Eine  Reihe  von  Gesezen  Constantin*s  aus  den  Jahi 
bis  331  (Cod.  Theodos.  XII ,  1)  zeigt  uns,  durch  welche  zum  Tli 
zweifelte  Mittel,  z.  B.  Vermählung  mit  Sclavinnen,  Flucdit  in  die 
zu  den  Barbaren,  in  andere  Städte,  in  Verstecke  *—  man  dem  £ 
nate  zu  entfliehen  suchte. 

Decurionen  in  Spanien  waren  die  Mitglieder  des  Rathes  der 
Sie  kommen  auf  den  von  Masdeu  gesammelten  Lischnften  nur  Ön 
Duumwim  dagegen  227mal  vor.     Die  Inschrift  daselbst  Nr.  704 


CwaftT.  .         .  1« 


ßmmo  ISikMmut  A  im.  Tiiinfirff fr  ffTfrfn  laüftfiin  (JUantm 
\,  wi  kanliisk.  ein  PatekitattM^  «»  «moIoIii  Aom^onI^ 

I JL  F.  iJJMfÜawf  pcmerunL  -^  Die  Wfirde  der  Deeuriimep  und 
B  ihattaL  imYmüfgpnf  ffia  der Fbindto  an  &  FindSen  ge- 

In  beiden  IWen  konnten  idel^  ^die  Cttirietai  denrnd^  ludit 
.  Onieffieiie  Doomti^^ 

■I  m»  luthdddUben'GMbiVnefaen^QntiBrtoei^^  BMfluriiiig 
HitteB  die  flnelfSfe  den  TennOgHdien  Ghrietan  die  Aniidune 
I  Tetbotad,  so  Iiitfen  sie  eine  Üniiri%^fishkeit  Verlangt,  und  ttsi^ 
m  de  «b  tiodh"  den  Vorwarf  der  Auflehnung  gegen  die  lie- 

Gewalten  nnd  Obrigkeiten  sogeeogte.  DerumTerfalngen  dül 
fOB  BKfin  keine  KiroheAetraftn'  Ober  dÜB^-^  ouiedeAi'geilnifteD 
rin,  aondAm  rie  bktten  efo  -wMfaorend  «ibree  AmisjalüreB  ton  der 
m;  ei  fat  keine  Sbefei  sondern  ttne'Mattnregel  der  Ordniäi^ 
webr.  Die  BeKatidiabg  mur  tnild«,  aber  aneh  gtetNsbt .  -  ^ 
HuunTirn  d v  Slldte  traren' gUEeh  den  bdden  Gönadn  inBeip. 

dauerte  in'der'BigeT  ein,  amreilen  fünf  Jafare.  In  ebi^gU 
Sakhen,  wib  Cbürt^teai  Tämgona,  in  Coftanä  dd  Göäde,  -^ 

CSmiia-^i  hiäiien  Oe  DttomTirn  QuoiiierMH;  iMl  es  in  dWTluÄ 
n,  oder'ireit  die  Tier'  epiftisr  anf  sweT  reÄüfirf  tmrden.  IKÄ 
deba  aacb  Toikonimen,  waren  Prieater  {Matim,  S.'erä.ß,4l). 
188  man  das  Duumvirat  spanischer  Städte  als  Ehren^L  Die 
i8  GrermamcuSy  die  Cäsam  Drusus  und  Nero,  sowie  Caligok, 
iimiTim   von  Cartagena;    Oermanicus  und  Drusus ,  SOhne  des 

waren  Duumvim  von  Ouadix*).  Die  Decurionen  waren  sonst 
r  des  RatheSi  der  Curia ,  des  Ordo  in  den  spanischen  Stftdten. 
ith  tritt  aber  spiter  ganz  hinter  den  Duumvim  zurück.  Bei  der 
iden  Centralisation  des  Staates  waren  seine  GeschXfte  wohl  auf 
lucirt,  wie  auch  der  Senat  in  Rom  immer  meht  ein  Schatten, 
rbleibsel  veigangener  Zeiten  wurde. 


Gaaoi  57. 

len,  welche  Gew&nder  zur  De  his,  gui  ve$ümmta  ad 

aLücknng   eines   Aufzuges  omandam  pompam  dede^ 

geben.  runt 

ranen  oder  deren  Männer  sollen  Maironae  vel  earum  tnoHH 

linder  mr  Ausachmückung  eines  vettimmta  mm  ad  armayiam 


.  -i 


s,  Mauzen  t.  Spanien,  1, 122— ISO  und  Tabula  IL  p.  816—340  —  über 
fena;  auf  den  Mftnien  erscheinen  Nero  und  Dmtns  als  Qalnqnennalen» 
als  (Ehren*)  Ma^strate  auf  fünf  Jahre. 

8* 


116  FÜDftei  Bueh.     Die  Synode  Yon  Elvira. 


weltlidien  Festau&uges  geben;  und  wenn  waeeuUiriter  pampam  nmd 
sie  es  thun,  sollen  sie  drei  Jahre  aus-  et  ri  fteerirU^  triennh  iM 
geschlossen  sejn.  neorUiir. 

Eine  Pompa  bedeutet  theils  einen  feierlichen  Leichenzug  (PUtA  1 
i,  i,  92.  —  Cie.  Tute.  5,  32.  —  de  off.  1,  36.  —  pr.  Milo.  13.  —  Om^ 
„Attie.^  22f  2.  —  Virgil  Qe.  3,  22.  —  Am.  5,  53.  —  Prap.  2, 13^  19.  ^ 
FaH.  6j  663.)y  theils  einen  Triumphzug  (Ov.  PofU.  3,  4,  05.  —  8emL 
beat.  25,  4.  —  MartiaL  8j  78.  2.  —  Suetan.  „Caaar''  eap.  37  —  ^ 
iriumpho  inter  pomptu  fereula  trium  verborum  prtutuUt  Hiulum  [\ 
Veni.  Vidi.  VicL  —  liidar  etym.  18,  2)\  theils  einen  Au&ug  bei 
Zeiten  (Ov.  Heroid.  epüt.  12,  151.  —  Luean.  2,  352). 

Am  häufigsten  bedeutet  es,  wie  in  Can.  57,  den  feierlichen  Ad 
bei  den  circensischen  Spielen,  wobei  u.  a.  die  Götterbilder  gen 
wurden  (Ovid.  FaH.  4, 391.  —  Liv.  30^  38.  —  Sueton.  j^J. Cauar^  eap.7\ 
FeretUum  circenti  pompa;  cfk  Cic.  Ait.  13,  28,  3.  -r-  Sueion.  h 
cap.  16.  —  Cäligul.  eap.  15).  In  lezterm  Sinne  kommt  es  auch 
chenschriftstellem  vor,  z.  B.  bei  Tertuüian.  de  tpeetae.  7,  —  »ed 
patdo  pompaHor  tuggeetua,  quibuB  proprie  hoc  nomen  pompa 
QmLi$euinque  pompa  eirci,  etti  pauea  eimtdaera  dreumferai.  In  ime 
latria  est;  et  ti  unam  theruimi  (Prozessions-  oder  Oötterwagen) 
Jovie  tarnen  plaiuiintm  ett.  —  Minue.  FeL  ^Oetav.*^  37  —  maUe 
tibus  et  pompia  veitria  et  spectaeuüi  ab^inemui.  —  Bei  Augustin 
diese  Spiele  ludi  pompatid  {Op.  5y  14S.  Serm.  21  de  «cr^  ef.  di 
bolo  c.  2.). 

In  Verbindung  damit  steht  der  auch  in   die  Eirchensprache 
gegangene  Ausdruck,  z.  B.  bei  der  Abschwörung  im  Taufiritus: 
oder  pomp(u  diaboli  —  Pomp  oder  HofEsuiih  des  Teufels  —  cf. 
de  apectac.:  sine  pompa  diaboli  —  eap.  12.  —  (ef.  Amob.  1,  59  po 
monis);  Augtutin.  —  pompae  diaboli  —  op.  6',  652;  653;  661  —  ed. 
—  Sälvian.  6,  6,  —  Isidor  de  offic.  eccUi.  2,  24  —  25.  —  Binterimi 
würdigk.  4,  1,  660  —  der  aus  Plato  de  leg.  die  Stelle  anführt:  A(| 
cationes  et  pompaa  diis  agitari. 

In  unserm  Canon  bedeutet  also  pompa  den  Festaufzug  bei  dei 
censischen  Spielen,  bei  welchen  auch  die  Bilder  der  Gözen  heromgil 
wurden.  Die  Christen,  die  aus  Schwachheit  oder  Furcht  G^wlnder^ 
gaben ,  nahmen  indirekt  Theil  an  dem  Gözendienst  und  seinen  Gitt 
und  verdienten  darum  ganz  anders  gestraft  zu  werden,  als  die  Duunwk 


0  Eine  Intchrifi  in  THrrftco  lautet:  if.  LaeHo  Sainmano  dtcmiaH  asdaUiM  p 
patri  kariatim,  Laelia  Cotte  aoror.  Die  pompa  aediL  war  der  ganie  Appavft 
Schmuck,  mit  welcliem  die  Aedilen  bei  ihren  öffentlichen  Fanktionen  ul 
besonders  bei  den  circensischen  Festen.    Florez,  24,  210. 


CMoa  5a  117 


Cntm  58. 


jenigen  y  welche  Empfeh-  De  his,  qui  communicaUh 
tfe  bringen,  dass  sie  über  rias  literas  portant,  ul  de 
lanben  befragt  werden.  fide  interrogentur. 

Ily  und  besonders  an  dem  Orte,  Plaeuit  tMque  et  maxime  in 

er  erste  Stuhl  des  iSpiscopates  eo  loco,  in  quo  prima  caihedra 

ollen  diejenigen,  welche  Briefe  comiUiUa  est  epiaeopatus,  td  in- 

ngemeinschaft  überbringen,  be-  ierrogentur  hi  qid  cammtiaueii^ 

len,  ob  sich  alles,  durch  ihr  torioi  literoi  tr€uikmt,  an  omnia 

augniss  bestätigt,    richtig  ver-  reete    habeani   iuö    teHimonio 

camprobcka. 

'  die  eaUudra  prima  —  siehe  unten  Buch  6  —  Kap.  8  {.  3.  — 
1  an  die  mit  Empfehlungsbriefen  sich  Meldenden  konnten  nicht 
:  haben,  zu  erforschen,  ob  in  den  jenseitigen  Bisthümem  alles 
Stande  sei,  sondern  —  ob  die  sich  Meldenden  ihre  Briefe  nicht 
erschlichen  oder  gestohlen  hätten.  —  Betrüger  bedienten  aioh 
ener  Briefe,  um  sich  in  die  Ounst  der  Christen  einzusohleichen 
EU  erschleichen. .  Andere,  die  in  ihrer  Heimath  excommunidrt 
hten  sich  in  einer  andern  Gemeinde  einzuschleichen,  um  viel- 
feer  triumphirend  zurückzukehren.  Häretiker  konnten  so 
tt  suchen,  das  Gift  ihrer  Irrlehre  zu  verbreiten« 
isa,  Florez  u.  a.  haben  in  den  Worten:  ^ erste  Cathedra  des 
s''  ein  Zeugniss  der  damals  in  Spanien  bestehenden  Primatial- 
finden  wollen.  Zu  diesem  Zwecke  haben  sie,  ohne  durch 
ken  unterstüzt  zu  seyn ,  statt  —  prima  eaihedra  epüeopatuM  — 
piiecptu  primae  cathedrae.  Schon  dieses  Manoeuvre  beweist, 
rer  Sache  nicht  sicher  waren.  Alle  die  von  Anton  Gonzalez 
in  neun  Handschriften  lesen  vielmehr:  der  erste  Stuhl  des 
nicht  der  Bischof  des  ersten  Sizes.  Dieser  ist  kein  anderer, 
chöfliche  Stuhl.  Nicht  die  Bisthümer  werden  dem  Primatial* 
gegengesezty  sondern  zwischen  Pfarreien  und  bischöflichen 
ird  unterschieden.  Auch  die  Presbyter  hatten  ihre  cathedrae, 
erundzwanzig  Presbyter  zu  Elvira  sassen  neben  und  unter  den 
Bischöfen  auf  vierundzwanzig  cathedrae. 
inwurf  ist  ohne  Bedeutung,  ob  es  denn,  wenn  das  Bisthum  der 
sisst,  deren  mehrere,  einen  zweiten  und  dritten  gebe.  Innerhalb 
nms  giebt  es  nur  einen  bischöflichen  Stuhl ,  nur  eine  cathedra 
I  wie  ihn  Cyprian  nennt,  aber  es  giebt  mehrere  cathedrae, 
Bisthum  mehrere  P&rreien  hat  Nicht  Bisthum  wird  mit 
ondem  cathedra  wird  mit  cathedra  verglichen.  Es  mag  über- 
ifaeinen,  zu  sagen,  der  erste  Siz  des  Bisthums,  statt  der  Si« 


118 


Fünftes  Boch.     Die  8yBode  von  EMn. 


des   Bisthums,  aber  wer  hat   ein  Recht,  jedes  überflOfleige  Wort 
beanstanden?    Wir  sagen  bald:   der  Papst,  bald   der  römiscbe  Fi| 
bald  der  Papst  in  Rom.    Wem  fällt  es  darom  ein,  zu  fragen:  gielil 
vielleicht  einen  andern,  als  den  römischen  Papst,  oder  wohnt  dsr 
anderswo  als  in  Rom?    Logisch  betrachtet,  ist  es  ttberflOsaig  n 
der  römische  Papst;  aber  so  zu  sagen  —  ist  Gewohnheit ,  gl« 
üeberlieferung  der  Sprache.  —  Den  Bischöfen  aber  wird  grössec»^ 
sieht  bei  Aufiiahme  derer ^  welche  Empfehlungsbriefe  brachten, 
pfohlen ,  weil  ein  Irrthum  der  Bischöfe  hierin  —  folgenschwerer  ist, 
weil  Niemand  ist,  der  den  begangenen  Fehler  heilen  könnte;  wohl: 
darum,    weil  derjenige,   der   mit  seinem  Empfehlungsbriefe  von 
Bischöfe  angenommen  worden,   dadurch  gleichsam  einen  Freil 
den  Umfang  des  ganzen  Bisthums,  und  mehr  oder  weniger  f&r 
Bisthümer  hat. 

Solche  Briefe  konnte  man  sich  aber  auch  erschleichen , 
fremden  Namen  ausgestellte  sich  erwerben,   man  konnte  ao  an 
unter  einem,  auf  einen  fremden  Namen  ausgestellten  kirchliehett 
reisen.    Darum  haben  die  Pfarrer,  und  vor  allem  die  Bischöfe 
Fragen  genau  zu  ermitteln,  ob  der  Brief  für  diese  Person 
sei,  woher  sie  denselben  erhalten  u.  dgl.    Bei  diesem  Anlasse 
allerdings   der  Bischof  sich  über   Verhlütnisse  einer  anderen 
erkundigen,  aber  nur  —  zu  dem  Zwecke,  um  sich  zu  versichem, 
üeberbringer  ein  Recht  habe,  Empfehlungsbriefe  eines  katho 
schofes  vorzuweisen  (^cf.  can.  apott.  34).  .'' 

Mendoza  kann  indess  in  seiner  Erklärung  des  Canon  nicht  xm 
unter  der  prima  cathedra  —  den  Bischofissiz  überhaupt  zu  ver8tehen|i 
zuzugeben,  dass  sich  aus  demselben  nicht  der  Bestand  von  Erzbisthd 
und  Primatialsizen  in  Spanien  nachweisen  lasse.  i 


G«soi  59. 

Dass   die  Gläubigen  nicht,  um  zu 
opfern,  in  das  Capitolium  hinauf- 
steigen sollen. 

Es  ist  zu  verhindern,  dass  nicht  etwa 
ein  Christ,  gleich  einem  Heiden ,  zu  dem 
GMSzen  des  Capitols,  um  zu  opfern,  hin- 
anfetoige,  und  dort  zusehe;  so  er  dieses 
thot,  wird  er  dem  gleichen  Verbrechen 
unteriiegen;  ist  er  ein  Gläubiger  (d.  h. 
getauft),  so  soll  er  nach  zehn  Jahren  der 
Tollbrachten  Busse  aufgenommen  werden. 


De  fiddihuSy  ne  ad  0 
tolium   causa  sacrifiei 
ascendant 

Prohibendum,  ne  qub  i 
itianui,  ui  OenäUe,  ad  id 
CapiioUi  eauea  eaertfk 
aseendat  et  videai;  fm 
fecerit,  pari  erkmme  Umä 
H  fuerit  ftdeliM,  ptmtr  4 
annoi  aeia  poenümfia 
piatur. 


Cmiod  59.  119 

Die  Strmfe  der  „OiTiaiiani^  oder  Eateohumenen  tat  nicht  angegeben. 
Em  EAtechumene  oder  Getaufter  konnte  cur  Zeit  der  Verfolgong  auf 
du  Capitolimn  hinaofrteigen ,  um  dort  swar  nicht  sn  opfern  j  aber  um 
pKhen  und  für  einen  Heiden  angesehen  zu  werden ;  er  opferte  indirekt 
San  Abfall  war  Mhnlich  dem  des  Libellaticus  j  der  sicli  von  der  Obrigkeit 
bwriieinigen  lisst,  dass  er  geopfert  habe.  Das  Hinangehen  und  Sehen 
wurde  ferner  als  Huldigung  gegen  den  und  Anbetung  des  Gtösen  be- 
taditet,  wie  Tertullian  sagt  (de  idololoMa  10):  Si  CapÜoUimi,  ri  Sero' 
maerißcaior  et  adoraiar  imraverOf  a  Deo  exddamj  quemadmodum 
j  vel  iheairwn  spectatar, 

Hortado  und  andere  bezogen  die  Stelle  auf  das  Capitol  in  Bonii 
«dl  sie  nicht  wnssten,  dass  römische  Pflancstädte  allenthalben  sich  mit 
Cipitolen  in  Nachahmung  der  Mutterstadt  schmückten.  —  EnaU  eoUmiae^ 
ngt  AoL  Gellius  (J6, 13),  quati  efflgia  parvae  nmulaeraque  guaedam  poptdi 
Bamaii;  darum  hatten  sie  auch  Capitolien.  —  Die  bisherigen  Erklärer 
Uwn  nch  indess  begnügt,  auf  die  Capitole  Ton  Gapua  {SuOon.  „Tiber.'^  — 

4#,  „OaUgulaf^  cap.  57);   von  Benevent  {Sudan,  de  grarnmaUeU  — 

0);  Ton  Carthago  (Cgpritm.  ad  CameL  de  5  prtA.  et  Fartunaio  — 

13  -—   eompeüuntur  lapH^  ut  linguii  atque  arej  quo  in  eapüolio  ante 

,  eaeerdotüme  eonvieium  faeUmt;  eap.  18  —  quid  tupered,  quam 

eapitoUo  eedat\  derselbe  —  de  lapeie  cap.  8  —  quando  ad  eapi- 

epemie  ventum  ett;  eap.  24  —  unue  ex  hit,  qui  eponie  Ck^^Uum  fMyo- 

ateendit);  von  Narbonne  in  Gallien  (Autoniut  —  de  clor.  urb. 

IJ.  Sidon.  ApoUinar.  earm.  74,  40  oder  5,  23  —  Salve  Narbo  —  ddu^ 
Mi,  eapitoiiie,  moneUt  etc.);  au  Antun  —  Auguelodunum  (Eumen.  pro 
tmL  idkel.  —  inter  ApoUinii  templum  atque  CkipitoUum);  sodann  au  Tou- 
louse —  Tolosa  —  hinauweiBen.  (S.  Martyr.  S,  Satumini  eap.  2  —  eceteda 
fotva  juJda  CapitoUum;  eap.,  4,  ad  CapitoUum  tolua  aitrahitur]  und  Sidon. 
J^poüin.  epieioL  9^  16  —  de  gradu  eummo  CapitoUorum  praedpitatum.  —  Ve* 
n«tf.  Fortun,  L  2, 11.  Martyr.  rom.  29.  Novemb.  —  Oregor.  Tur.  h.  Fr. 
1,28). 

Kürzlich  aber  hat  Dr.  Braun  in  Bonn,  von  dem  wir  wünschen,  dass 
sr  aüie  werthTollen  Abhandlungen  in  ähnlicher  Weise  gesammelt  und 
Üboirbeitet  herausgebe,  wie  £.  Lassaulx  seine  „Studien  des  dassischen 
Akerdiams',  Begensburg  1854.  4,  und  von  dem  ich  vermutfae,  dass  er 
wenigstens  der  zweiten  bessern  Hälfte  des  mehrfach  citirten  Auf- 
yZu  der  Eirchengeschichte  Spaniens^  in  der  Zeitschrift  ftir  Philos. 
■nd  kathol.  Theologie,  Heft  81,  39.  82,64  —  sei,  —  ein  Ptogramm 
haausgcgoben;  „Die  Eapitole,^  Bonn  1849,  worin  er  u.  a.  die  urkund- 
fieh  nachweisbaren  Capitole  der  ganzen  römischen  Welt  zusammenstellt 
Unter  anderm  weist  er  nach  ein  Capitol  in  Ravenna  aus  der  Poirio 
&  ApoEUtutrii;  ein  Capitol  zu  Florenz  aus  der  Kirche  S.  Maria  auf  dem 
Capitol;  ein  Capitol  für  Verona  aus  einer  Inschrift,  die  auch  bei  Orelli 

.  68  steht;  für  Mailand  (VghdU  Jtalia  eaer.  4,  201);  für  Modeoa 


120  Fanflet  Buch.    Die  Synode  von  Elvinu 

undFalerii  (U&rcdU,  de  Oä.  inter.  t.  2,  p,  291)  and  Ani  Siardini,  defß   i 
müdd  edifid  di  Bavenna,  p.  173,  174).  — 

Ftk  den-  Nachweis   von    Capitolen   in  Rheims,    Niflmes,    SaintaSi    i 
Besannen ,  Glermont  (Autan)  und  Pamiers  —  begnügt  sich  Braun,  aof  j 
die  von  Ducange  s.  ▼.  Capitoliom  beigebrachten  Stellen  sa  verweiaen  ^)*  t 
Ausführlich  handelt  Braun  von  den  Capitolen  der  Städte  Augsburg,  Tri«  i 
und  Köln  in  Deutschland.    Für  Augdburg  bezeugt  es  die  Paaio  d^r   ' 
heiligen  Afra,  a«  der  der  Richter  Oaius  spricht:  Aecedem  ad  Ctqniaikm   .< 
§aerißea,  und  welchem  Afra  antwortet:    Mein  Gapitolium  ist  ChristaH 
den  ich  vor  Augen  habe.    Für  Köln  bezeugt  es  u.  a.  die  Kirche  S.  ICsria 
im  Capitol,  für  Trier  u.  a.  die  Vita  des  heiligen  Agritius  —  ap.  BoUand. 
13.  Jan.  p.  778.  —  ef.  29.  Jan.  p.  919.  —  Guia  Trevirar.  ed.  WffUenbath 
€t  Muellerj  1,  7;  p.45  —  ad  lithti  MosdUu  juxta  CapüoUum. 

Für  Spanien  wissen  die  Spanier  eben  nur  die  beiden  Capitole  m 
Ghranada-Elirira  und  in  Sevilla  nachzuweisen  —  aus  Inschiiften.  BmA< 
führt  die  Inschrift  aus  Sevilla  an :  Jd.  P.  (Stjatuam  m  Capü(oHo)  F.  £ 
loeo  IV  TUu.  C.  C.  B.  D.  aus  Coro  AnUq.  HUpal.  I,  12.  Wenn 
ftraun  auf  unser  Elvira  die  Worte  des  Plinius  bezieht:  IlUberk  — 
quondam  urMi  iemu  vettigitan  (PUn.  3,  6),  so  ist  diess  eine  Varwf 
lung  mit  Gaucoliberis-Collioure  bei  RoussiUon.  —  Für  das  Capitol 
Elvira  wird  angeführt  Pedrasza  (s.  Buch  2,  10)  1  j  17,  und  Qonm.  !< 
lu  diesem  Canon;  aber  beider  Auctorität  ist  nieht  sehr  zuverlässig.. 

Da  indess  Spanien  unter  allen  Provinzen  am  meisten  romaniairt 
so  darf  man  annehmen ,  dass  es  auch  hier  verhältnissmttssig  am  m« 
Capitole  gegeben  habe.  —    In  Barcelona  heisst  heute  das  bekannt 
Montjuich;   die  einen  leiten  den  Namen  von  Mam  Jovis,  and< 
Mant  Judaeorum  ah,  weil  hier  die  Juden  im  Mittelalter  gewohnt 
oder  begraben  worden.  Beide  Ansichten  möchte  Florez  (Eip.  sag.  29y 
ef.  34,  55 — 57)  vereinigen.     Zur  Zeit  des  Heidentbums  habe  der 
Jupitersberg  geheissen.     Dagegen  lässt  sich  geltend  machen, 
Name  demnach  schon  feststand  —  Jupitersberg,  als  die  Juden  in 
angebliche  Berührung  mit  ihm  traten.      Pomponius  Mela  nennt 
Mons  Joüii  am  Fusse  der  Pyrenäen,  oder  bei  den  Sealae 
nördlich  von  Empoiias  (Florez,  24,  53;  Marea,  Marea  Hup.  U  2,  t* 
nennt  aber  einen  zweiten  Mom  Jovia  —  Juxta  Jovii  montem  BubritM  '^ 
th  Bardnonii  Uiore,  inter  Subttr  et  Tolobin,  majui.  —    Neben  dem  ^ 


0  Santonense  bedeutet  aber  nicht,  wie  Braun  S.  19  sagt,  Saintoog,  sondero 

sodann  heisst  Apamiense  hier  nicht  Pamicrs,  sondern  Apamea,  denn  Thyrsus:^^^ 
nicht  in  Pamiers,  sondern  in  Apamea  im  Oriente  Märtyrer.    £benso  ist  be--^^ 
cange  und  darnach  bei  Braun  das  Citat  über  Autun  unrichtig;  nicht  in  ttr-^^'* 
Panegyricns  an  Constantius,  sondern  in  seiner  oratio  pro  regtaur.  tehoUt  eap,    ^j 
Auitm  bezeugt  Eumenias  das  Capilo)  daselbst,    Perner  bM  Prann  das  Qmf^^^ 
von  Pampelopa  ausgelassen. 


Caood  59.  121 

Amg  ist  —  an  der  Küste  von  Barcelona,  swiadien  Sobiir  und  To- 
Ikj  der  LJobregat,  ein  grösserer  Floss.  Das  kann  nur  der  beatige 
a^nch  swiscben  Barcelona  und  dem  Llobregat  —  Eubrieatu»  —  seyn. 
in  Rom  den  Jupiter,  weil  er  seinen  Tempel  auf  dem  Capi- 
hjUte,  den  capitoliniscben  nannte,  so  hiessen  im  Nordosten  von 
lüen  die  Berge,  auf  -welchen  Jupiters  Tempel  standen,  die  capitoli- 
dien.  Denn  wie  Barcelona  seinen  Jupitersberg  oder  sein  Capitolium 
IIa,  alao  —  das  benachbarte  Gerona.  Ein  Berg,  zugleich  eines  der  Forts, 
Uie  die  Stadt  überragen,  heisst  heute  noch  MontjuicL  (Siehe  Gerona 
i  Mmdom;  es  war  dieses  das  Capitol  der  alten  Bischo&stadt  Gerona.) 

iSn  Capitol  in  Uerda  oder  Lerida  darf  man  um  so  sicherer  annehmen, 

■  der  Feldherr  Sertorius  diese  Stadt  zum  Size  seines  neuen  Reiches 

''chle.    Da  er  in  ihr  römische  Schulen  und  einen  Senat  einsezte,  warum 

'""tt  er  es  an  einem  Capitolium  haben  fehlen  lassen?     Die  Beschrei- 

der  Lage  der  Stadt  bei  Luean.  (Pharsal  4,1t— 16  —:  CMt  iumei 

9  Unique  exeret>U  in  altum  —  pingue  solum  tumulo:  super  htmc  fun^ 

^^i'ctiiKa  iwTffÜ  lletda  manu,  —    At  proxima  rvptB  Signa  tenet  Magni 

ZT^'^li  '^^  Caesar  eoUe  minore  castra  levat)  —  weist  auf  einen  solchen 

T*j*^5wden  Berg  hin.  —    Ebendahin  weist  uns  die  Beschreibung  Le- 

^   *  ^  Ausonius  (ad  PauUnum  ep.  4,  58^59  —  guae  defectis  juga  per 

£7^^  mtniä  arida  torreniem  SieaHm  despeekU  Hüerda)  —  das  dürre 

^T^;  das  an  schroffen  Höhen  herab  in  Trünmiern  liegt,  blickt  auf 

,^r^f9ttom  Sicoris  nieder,  über  welchen  —  nach  Lucan  —  eine  ge- 

^"VBrticke  geschlagen  war. 

/J*  Oalagurris  Fibularia,  —  Loarre  —  hatte  wenigstens,   wie  das 

^^%>Q]i  hängende^  Bilbilis  des  Martialis,  keinen  Mangel  an  Anhöhen 

^^pitol,  (Bilbilis  aid  haerena  scapulis  Calagorris  habebü  —  Auson. 

.    ~~  ^7).   —     Das  andere  berühmtere  Calagurris   am   Ebro  war 

'tJ*'^*^^    eine  Festung,   in  der  Sertorius  belagert  vnirde,    und  von 

"•^f  »ich  Pompejus  und  Metellus  unverrichteter  Dinge  zurückziehen 

CXUmus  epitome  93).     Sertorius  fiel  durch  den  Verrath  des  Per- 

I^ie  Stadt  Galahorra  konnte  nicht  erobert,    nur  ausgehungert 


Utt  Oapitolium  der  Stadt  Pampelona  (Pompelo)  hat  Ducange  nach- 

ff^^  aus  einem  alten  Statut  für  das  Königreich  Navarra  —  fuU  or^ 

ii^"*)  qtiod  in  Capitolio  venderetttr  bladum  (=  bUj  Korn).  —    Braun, 

W  ton  ich  diese  Stelle  nicht  finde,  weist  dagegen  auf  die  Passio  der 

lirtjwf  Vincentius  und  Orontius  in  dem  Flecken  Rosas  am  Ter,  2^  Le- 

py  ▼Ott  Figueras   {Bhodae  am  Fuss  der  Pyrenäen) ,   beati  mariyres  — 

iiriMS  ihodas,  ubi  jam  dictus  —  Ruflnus  Capitolium  constituerat ,  per^ 

*)  —   Acta  Set.  t  2.  Januar.  (22),  p.  390.     Von   Pampelona 


1 


f)CipHoIien  gab  e8  sach  da,  wohin  niemala  die  Römer  gedrungen  waren,  z.  B. 
AI  fliJdefbeim  ^  siehe  Lüntzel,  »Geschichte  der  PiQcete  nnd  Stadt  Hildes- 


122  FttBlIet  Bach.    Die  Syaode  tod  Elvira. 


enfthlt  M.  Willkomiiiy  cbm  es  lich  rtthme,  die  erste  Stedt  Speniok^ 
wesen  so  sctü,  welche  das  Licht  des  Eyangeliains  empfieng.  Ihr  ^ 
Bisdiof  soll  der  heilige  Fermin,  ein  Schüler  ihres  Apostels,  des  hsE 
Satamin  (yon  Toulouse)^  gewesen  sejn.  Aus  diesem  Ghnmde  ist  E^i 
ein  sehr  gewöhnlicher  Mannsname  in  Psampdona,  wie  überhaupt  in  | 
Navarra  (wie  Esithis  in  Gazorla),  und  am  Tage  des  Heiligen  wird, 
grosser  Jahrmarkt  gehalten  (Willkomm ,  Wanderangen,  1,  265). 

Üeber  das  alte  Saragossa  (CaeiorauguMia)  hat  derselbe  WiUkfl^ 
einige  topographische  Untersuchongen  angestellt  Er  bemerkt  mit  Bl^ 
dass  die  römische  Stadt  nicht  so  gross  gewesen,  wie  die  heutigei  ds  ^ 
fianptstrasse,  der  Coso,  welches  Wort  durch  Cormption  aus  Faua 
den  "^  Wallgraben  —  jetzt  in  krummmr  Linie  mitten  in  der  Stadt 
—  Das  Kloster  Santa  Engracia  liegt  im  höchsten  Theile  der.  Stadt, 
beherrscht  sie.  Es  war  wahrscheinlich  die  Burg  und  das  Capi 
(Wanderungen,  2,  20,  2fi,  28.)  —  Von  allen  bedeutenderen  spaniicki 
Stiidten  lag  nur  Leon  unbedingt  in  der  Ebene.  Da  dieses  splÜeRi£| 
niem  aUsu  j,spanisch^  vorkam,  so  erfanden  sie  die  Fietion,  dass 
suerst  auf  der  Höhe  gelegen  habe,  in  ruhigem  Zeiten  aber  in  difl 
▼erlegt  worden  seL  Allein  Leon  war  keine  römische  Fflanastadt, 
ein  Lager  der  Soldaten,  und  es  war  nach  der  Form  der  alten 
die  meist  in  der  Ebene  lagen,  gebaut  Von  einem  Capitol  konnte, 
keine  Rede  seyn  (auch  heute  noch  ist  es  eine  Inselstadt)  (i 
Bd.  2, 140).  Es  hatte  über  20  Fuss  dicke  Stodtmauem  nebst  Tbl 
Dagegen  lag  von  Anfang  an  die  römische  Stadt  Astorga  auf  einer  *<i 
Umgegend  beherrschenden  Höhe  (Ziegler,  2,  153),  und  war  eine  FesMJ 
Auch  die  Stadt  Lugo,  das  alte  Bisthum  JLucut  AugutÜ  —  Luotmäti 
liegt  auf  einer  Höhe  von  770  Fuss,  der  einzigen  Anhöhe  in  einem  l| 
kreise  von  4  Leguas  (Ziegler,  2,  160—61).  Die  Stadtmauern,  12— liVlj 
hoch,  6 — 7  dick,  sollen  römischen  Ursprungs  seyn.  j 

Das  römische  Capitolium  hiess  auch  eUvuB  Capüolmus  (Oieer.  M 
2j  1,7.  —  Liv.  3, 18.  —  Der  Hügel  war  in  zwei  durch  eine  FJM 
das  Iniemumtium,  getrennte  Gipfel  getheilt;  der  nördliche  und  höeU 
wo  jezt  die  Kirche  ara  CotU  steht,  war  Festung,  und  hiess  arz,  i 
niedrige  im  Süden,  jezt  Monte  CapHnOj  trug  den  Tempel  des  ( 
pitol,  der  dem  Jupiter,  der  Juno  und  Minerva  geweiht  war.  | 
mittlere  eeüa  war  die  des  Jupiter  (Tae.  Hut  4,  53.  —  Becker,  Hu 
buch  der  römischen  Alterthümer,  1 ,  386  —387.  —  Braun,  S.  \%  \ 
Neben  dem  berühmten  Capitolium  gab  es  in  Rom  ein  (ki^püoUmn  vi 


heim«  —  Theil2,  8.  51  (Hild.  1858):  Candtlam,  qwu  singuliM  nocHlnu  anM| 
mperiori  ckmatro  ante  capitolium.  —  Im  J.  1221  stellt  Bischof  Siesfried  ein«1 
kundc  ans  j^tii  elavuiro  nostro  auperiori  ante  nostrum  capitulum;"  im  J.  i23b  Bte 
Conrad  „in  ocpUoiio  eociesiae  nottrae;*  im  J.  1240  heiMt  €6:  acta  jmiI 
m  eafMio^  ebepso  lÜiS* 


Cadoii  59.  123 


a  QniriiiaL  Der  Spanier  Martialis  sagt  daher  (7,  73):  —  Inde 
veUrem  prtmpicii  kUk  Jovem.  —  Cf.  5,  22  —  anHquum  fjovem  — 
VmfB  I^  L.  5f  iS8*  —  Vaier,  Max.  4j  4,  11.  —  Aber  auch  arx  bedeutete 
im  gansen  Berg,  z.  B.  arx  CapitoUnOf  Liv.  6j  20;  arx  CapiioUi,  TaeU.  h. 
ig  78.  —  Siehe  Becker,  1 ,  386.  Borat,  Carm.  1,2,3.  —  Ovid  am. 
ifSfSS.  —  Oft  steht  arx  et  CapüoUum,  Cie.  CaUl.  4,  9, 18.  —  Act.  in 
Vor.  2—6,  72,  184.  ^  LH).  2,7.-3,  18.  —  5,  47.  —  Aul.  QdL  5, 12. 

Die  Bnxg  in  Spanien  schliesst  darum  auch  oft  das  Capitolium  oder 
len  Jupiterstempel  in  sich.  Diess  gilt  gewiss  yor  allem  von  der  be- 
iflhmten  Burg  von  Tarraco  (Martiäl.  10,  104  —  Hispanae  pete  Tarra^ 
fmk  arem;  siehe  Hymnus  auf  Fructuosus,  Buch  3,  4.)  Auton.  de  clor, 
wb.  Ton  Sevilla  —  e.9  —  Non  aree  potau  tibi  Tarraco  eertat;  vor  allem 
ibsr  an  denselben  in  Poema  X.  V.  233  Paulinus ; 

£i  eapitB  intigm  despeetans  Tarraco  pontum 

Und  mit  erhabenem  Haupt  blickt  Tarraco  nieder  zum  Meere. 

Tarraco,  das  j,Werk  der  Scipionen^'y  die  Residenz  der  Römer  in 
fl^uien,  an  Umfang  mit  Carthago  wetteifernd ,  hatte  sicher  ihr  Capi- 
dknn,  hatte  jedenfalls  ihren  j^alten  und  neuen  Jupiter''  (s-Tempel);  denn 
ffon  GhJba  erzählt  Sueton,  „g^^od  oblatam  a  Tarraeonmribuä  e  vetere 
kmplo  Jovii  eoronam  auream  librarum  15  eonfla8$et,  etc.  (Galba  12.) 
«-  Ebenso  berühmt  war  die  Burg  der  kaiserlichen  Stldt  Emerlta,  deren 
üaftag  und  Trttmmer  heute  noch  nachgewiesen  werden  (Historia  de 
Ist  mitlyuiihuki  de  Merida  —  por  Femandez  y  Pertz,  Badajoz  1857).  — 
Smmit  lib.  4.  AnHq.  Lue.  tit.  uU.  weist  einen  Tempel  des  Jupiter  am 
flBiBe  Exarrama,  eine  halbe  Legua  von  Torrano  (südöstlich  von  Evora), 
Bach.  —  Auch  Evora,  dessen  Alterthiimer  Resende  beschrieben,  liegt 
nf  einer  Anhöhe.  —  Toledo  hatte  seine  Burgen  j  und  vielleicht  auch 
lernen  Jnpiterstempel.  —  Ob  Valencia  eine  Burg  gehabt ,  kann  ich  nicht 
tnden;  um  so  bekannter  ist  es  von  dem  nahen  Murviedro.  —  (Fischer, 
Gemälde  von  Valencia,  2Bde,  1803.  —  Minutoli,  Altes  und  Neues  aus 
Spanien,  1,  1 — 17,  das  Corpusfest  in  Valencia.) 

Die  Biiehofsstadt  Lorca  ist  an  dem  Abhänge  eines  steilen  Berges 
pbaat,  and  war  firüher  ein  überaus  fester  Plaz  (Lorinser,  1 ,  279).  Auch 
Bm  li^  auf  dem  nördlichen  Abhänge  eines  Berges  (1,  296).  Selbst 
im  in  der  Tiefe  liegende  Guadix  hatte  seine  Burg ,  und  hat  heute  noch 
&  Spuren  davon  (Lorinser  sah  das  stattliche  Gebäude  einer  schönen, 
wd  einer  kleinen  Anhöhe  gelegenen  Kirche,  1 ,  304  und  Madoz  s.  v. 
Guadix).  —  Die  Bischofsstadt  Urci  lag  auf  einer  Anhöhe.  —  Die  alte 
Bischofntadt  Astigi  ist  rings  von  Bergen  überragt.  —  In  Malaga  saih 
der  Reisende  Carter  (Reise  von  Gibraltar  nach  Malaga  —  1772  —  deutsch 
1TZ9  y  2  y  266)  einen  Capitolinischen  Berg.  Er  sagt :  „Die  Lage  kommt 
gaum  mit  derjenigen  überein ,  welche  die  Römer  in  allen  ihren  Colonieen 
n  ihrem  Capitolium ,  zur  Nachahmung  des  Capitolii  in  Rom  erwählten^ 


124  Ftlnflet  Bach.     Die  Synode  yon  Elvira. 

[der  Berg  liegt  gegen  Morgen  nach  der  See  hin*)].  •—  Gadix 
keine  römische  Colonie.  Um  so  gewisser  SeTÜla)  dessen  Capitol  d] 
eine  Inschrift  verbürgt  ist,  wie  das  Ton  Oranada.  Wie^  Sevilla ,.  so 
Gordova  nach  dem  zweiten  Jahrhundert  seine  Stelle  geändert  Die 
rUhmte  CoUmia  Patricia  lag  fiüher  mehr  gegen  die  Östlichen  Berge 
es  ist  die  Vermathung  erlaubt,  dass  es  ein  Abbild  der  Siebenhügeli 
sejn  sollte. 

Die  Lage  des  alten  Castulo  —  Cazlona  —  wurde  im  J«  1782 
Franz  Perez  Bayer  untersucht    Es  lag  an  der  recht^a  Seite  des  Flu 
Guadalimar,  bei  einer  Mühle  Namens  Caldona,  auf  einer  doppelten 
hohe,  mit  allen  Zeichen  einer  Festung  (Cortia,  Diceianario^  2,  332 — 
—  An  der  Stelle  des  alten  Mentesa  bei  Ja^'n  steht  heute   der 
la  Guardia.    Willkomm  beschreibt  ihn  als  ein  unzugänglich  scheine] 
Felsennest.   —    Auch  in  Gartagena  zeigt  man  noch  ein  altes  Gai 
und  ein  römisches  Amphitheater  (Willkomm,  Zwei  Jahre  in  Span 
3|  327).  —    Der  Ort  Martos,  Givitas  Martis,  oder  Tucci,  gleichfalls 
Bischo&siz,  liegt  am  Abhänge  eines  hohen  Berges,  dessen  Gipfel 
Castell   krönt     (Itinerario  deacriptivo   de  Espanna  p.  Laborde,   Valei 
1826,  p.  487 --88).  —    Endlich  —  Cabra,  das  alte  Bisthum  Ega' 
hatte  wenigstens  im  Mittelalter  eine  Festung  (Madoz,  5,  48). 

Die  ^Capitole'  in  Spanien  sind  ein  noch  unangebautes  Feld, 
wird  Sache  der  Spanier  seyn,  welche  namentlich  für  die  Geschi^ 
ihres  Landes  zur  Zeit  der  Biömeirherrschaft  so  viel  geleistet  haben, 
Untersuchungen  weiter  zu  führen. 


Guoi  60. 

Von  denen,  welche  getödtet  werden,      De  his ,  qui  destrueni 
während  sie  Gözenbilder  zerstören.  idola  occidwntur. 

Wenn  Jemand  Gözenbilder  zerbricht,  Si  quis  idola  frcgerii  et 

und  dabei  getödtet  wird,   da  dieses   im  dem  fuerit  oecisw^  quatenu 

Evangelium  nicht  geschrieben,  auch  nicht  evangelio  ser^tum  non  ett  m 

gefunden  wird,  dass  es  je  unter  den  Apo-  inioenieiur  stA  apoHoHi  itnqt 

stein  geschehen  sei,  der  soll  nicht  unter  die  factum ,   plaetät  in   numei 

Zahl  der  Märtyrer  aufgenommen  werden.  tum  non  reeipi  martyrum. 

Den  eifrigen  Spaniern  ist  dieser  Canon  viel  schwerer  auf  das  E 
gefallen,  als  die  grosse  Strenge  so  vieler  Canones.     Denn  leztere 
gleichsam  aus  ihrer  Natur  selbst  genommen ,  dieser  Canon  aber  ist  gCj 


')  Der  Alcataba  der  Mauren,  wo  ehemaU  (nach  Carter)  der  vornehmste  li 
niache  Tempel  stand.     »Die  Trümmer  zci^n,  dass   hier  zur  R5mef  Zeit 
Fettim^  und  prichti^r  Tempel  stand.« 


Cabob  61.  62.  125 

3«  Natar;  and  viele  —  haben  wenigstens  seine  Aechtheit  bestritten« 
^  der  ansfOhrlich  über  denselben  handelt,  meint,  wie  Tejada  j 
im  J.  1850,  die  Schwestern  Justa  und  Rufina  von  Sevilla  haben 
im  Anlasw  dazu  gegeben,  und  der  Bischof  Sabinus  habe  die  Sache  viel- 
kidit  in  Anregung  gebracht  Er  meint,  an  sich  seien  die  also  Getöd- 
ftelBi  Märtyrer  gewesen,  nur  von  der  Kirche  nicht  anerkannt  —  Hatten 
die  Bischöfe  von  Elvira  einen  Anlass  zu  diesem  Canon,  so  war  es  das 
?orgehen  der  heiligen  Qermanus  und  Servandus  (s.  Buch  4,  12) ;  damit 
iber  Niemand  glaube,  dass  sie  denselben  die  Ehre  der  Märtyrer  rauben, 
Agen  die  Bischöfe  bei:  ,»Wenn  er  dabei  getödtet  wird.^  Denn  diese 
Mntyrer  wurden  nicht  bei  dem  Zerstören  der  Gösenbilder  getödtet 

Wahrscheinlich  aber  waren  diese  Beiden  nicht  die  einsigen  Spanier, 
mkk»  Göienbilder  zertrümmerten,  obgleich  der  Reisende  Carter  (2,  204) 
ibectreibt,  wenn  er  meint,  j,die  ersten  Christen  unterliessen  es  nie,  die 
GOzenbilder,  welche  ihnen  in  die  Hände  fielen,  zu  zerstören.^  Unter 
lUoi  christlichen  Kaisern  hat  Theodosius  der  Grosse,  ein  Spanier,  es 
ncragsweise  als  seine  Pflicht  betrachtet,  die  Tempel  und  die  Qözen- 
lUsr  des  Heidenthums  zu  zerstören.  Der  spanische  Bischof  Idatius 
oihlt  in  der  Form  des  Lobes:  ^^Cynegius,  der  Präfekt  des  Orients 
(glfiichfall8  ein  Spanier),  erlangt  grossen  Ruf,  und  —  mit  herrlichen 
Wecken  j^chmückt,  drang  er  bis  nach  Aegypten,  und  zerstörte  überall 
die  Gözenbiider  der  Heiden''  (s.  über  des  Cjnegius  Leichnam,  6. 1 ,  66 
—  <.  Ckroniean  Idatü  ad  ann,  388). 

CUOI  61. 

Ton  denen,  welche  zwei  Schwestern    De  his ,  qui  duahus  soro- 
zur  Ehe  nehmen.  ribus  copulantiir. 

Wenn  Jemand  nach  dem  Tode  seiner  Si  quis  poit  obUum  uxorit 

Frau  deren  Schwester  heirathet,  und  sie  tuae  sororem   ejitt   duxerit   et 

leibst  eine  Gläubige  ist,  so  sollen  sie  fünf  ipsa   fuerit    fldelis,    quinquen^ 

Jakre  Ton  der  Communion  ausgeschlossen  nium    a   communione  placuü 

voden,     wenn    nicht    etwa    dringende  abstineri,    nUi   forte    velodua 

Knnkheit  den  Frieden  früher  zu  geben  dqri  pacem  neccesHtaa  coegerit 

■Odngt.  infirmitatis. 

Btatü.  epitL  160.  —  Oone,  Neoeae$ar.  c  2.  —  c.  1  und  8  X  de  eon* 
affn.  (IV,  14);  Sjfl%.  Trident.  Sesi.  24,  ep.4  de  ref.  mairim. 


Cuoi  62. 

Ton  den  Wagenlenkem  und  Schau-  De  aurigis  et  pantomimis 

Spielern ,  wenn  sie  sich  bekehren.  si  cowvertcmtwr. 

Wenn  ein  Wagenlenker  oder  Schau-  Si  auriga  out  pantomimiu 

ipieler  glauben  wollen,  so  sollen  sie  zuvor  eredere  voluerint,  placuU,  ut 


126  Fttnftei  Bucli.    Die  Synode  von  Elvira. 

ihren  Kttnsten  entsagen,  und  dann  erat  priut  arUbui  euif  rmumtimi,  4  i 

aufgenommen  werden,  so  dasa  sie  nachher  tune  demum  iUMC^^kmUt^^  fli  ^ 

nioht  mehr  au  denselben  aurückkehren;  ut  üUerius  ad  ea  non  rwm  ^ 

wenn  sie  wagen  wollten,  es  gegen  das  Ver-  taniur,    qtd   d   faecrt  ctmUm  i 

bot  au  thun,  so  sollen  sie  aus  der  Kirche  mterdicUan  teiUavtrirU^  t'^  ü 

ausgeÄtossen  werden.  eiantur  ab  tedetku  ■  , 

Vergl.  oben  die  Erkl&rung  des  Canon  2  und  8.  —  AuHfm  ii  v 
suüSlchBt  der  Wagenlenker ,  der  bei  den  Circusspielen  sieh  am  defe  l 
Preis  bewirbt  (Sueton.  „CdiiguM^  ep.  54).  Aurigabai  (CaUgyta)  m^  i 
frudo  plutifariam  circa  —  Rieh,  Illustrirtes  Wörterbuch  der  rMd  :i: 
-sehen  Alterthfüner,  1862,  p.  65  — 66.  Der  Pantomime  hat  olmedeai  t 
wie  wir  oben  Can.  2  sahen,  ein  durchaus  unsittliches  Gewerbe.  Dai  c 
Wort  kam  in  Italien  zuerst  zu  den  Zeiten  des  Augustus  anf  ^  dtt  ii 
Pantomime  hat  viele  Aehnlichkeit  mit  unsem  BaUettttnzem;  dortl  i: 
Gesten  und  Mienenspiel,  ohne  Hilfe  der  Stimme,  spielte  er.  Er  tr^  ie 
eine  Maske,  und  eine  Tracht,  die  je  seiner  Rolle  entsprach, ^  and  gi^  j 
wohnlich  unsittlich  und  leicht  war.  —  Das  durch  ihre  Spiele,  webb  .« 
gewöhnlich  Liebesgeschichten  und  mythologische  Szenen  darstellten,^  :k 
gerichtete  Sittenverderben  in  Rom  war  so  gross,  dass  mehrere  TTawflr  c 
zu  Tdrschiedenen  Zeiten  sich  genöthigt  sahen,  sie  aus  Italien  an  ver  % 
bannen  (Macrob.  8at.  2,  7.  —  SueUm.  Augud.  ep.  45,  Nero.  16.  —  Ikh  , 
mU.  7.  —  TaeU.  Annäl.  4, 14.  —  13,  25.  —  PlMus  See.  panegffr.  46,  A 

—  Domitian  hatte  die  Spiele  verboten,  Nerva  sie  wieder  erlaubt,  ^ßMfaa 
hob  sie  wieder  auf  —  (neqttc  enim  a  te  minore  concerUu,  ui  tollere»  jnp»- 
tOfnimo9j  quam  a  patre  tuOj  ut  reUUueret,  exactum  e$L  —  Caemodor. 
variar.  epieL  1,  20J.  —  Ant  Bich,  Alterthümer,  S.  443  —  BöttiebBTi 
(kleine  Schriften  archäolog.  und  antiquar.  Inhalts),  1850,  Bd.  1,  400  — 
nennt  die  Pantomime  der  Römer  ^den  Abgrund  der  dramatischen  Kunst'*). 

—  Cf.  desselben  Bd.  3,  394—401.  —  Becker-Rein,  j,Gallu8,  oder  römi- 
sche Szenen  aus  der  Zeit  August's^,  1849,  Bd.  3,  280.  Dritte  Ausg.  von 
1863,  S.  360—61. 

'  Der  Kardinal  Aguirre  erhebt  sich  bei  diesem  Canon  gegen  die  &m 
dem  fieidenthum  vererbten  imd  bis  heute  noch  fortgeschleppten  Stier- 
kampfe der  Spanier,  deren  sich  diese  sonst  so  willenskräftige  und  edle 
Nation  bis  heute  noch  nicht  zu  erwehren  im  Stande  war,  obgleieh  sie 
unberechenbaren  Schaden  angestiftet,  und  ein  blutdürstiger  Satanaengel 
im  Fleische  und  im  Geiste  des  spanischen  Volkes  sind.  j^Waä  iat  neki» 
scher,  ^  sagt  er,  „als  ein  Thier  zu  reizen,  damit  es  Menschen  zerfleisoha 
Spanien  allein  hat  bis  jezt  dieses  Heidenthum  beibehalten  |  zum  unter* 
gange  der  Seelen,  und  Niemand  ist,  der  es  überweise  und  yerkindflM 


')  Friediftnder,  Ladw.,  Darstellungen  ans  der  Sittengeschichte  Roms,  in  der  2eit 
von  August  bis  mm  Ausgang  der  Antonine  —  Leipiig  1662  —  S.'268— 283. 
Cf.  279-86. 


Canon  62.  127 

or  Vegeket  nidit  blots  Todsünden,  sondern  ihr  seid  Mörder,  und 
m  eaeh  wird  das  Blut  aller  derjenigen  gefordert  werden,  welche  Ton 
na  Thieren,  sei  es  in  der  Rennbahn,  sei  es  auf  dem  Wege  ermordet 
■dm.*  Aneh  die  Zuschauer  seien  nicht  ohne  Schuld.  —  Es  ist  nahesu 
ihguiflidi,  dass  diese  blutigen  Greuel  des  Heidenthumes  annoch  fort- 
oern,  die  an  dem  Lebensmarke  dieses  Volkes  xehren,  dessen  grosse 
äfigei  wie  u.  a.  der  heilige  Vinzenz  Ferrer  —  so  sehr  dagegen  ge- 
tat  kaben.  Als  im  Jahre  1812  —  vier  Stierkämpfer  kurz  nach  einander 
»  den  Stieren  serfleischt  wurden,  verboten  die  Bischöfe  die  Theil- 
ihme  an  den  Kämpfen  bei  Strafe  der  Verweigerung  der  Absolution. 
Jber  wieder  siegte  die  alte ,  die  grausame  Leidenschaft  des  Volkes.  Im 
.  1652  wurden  wieder  vier  Kämpfer  ermordet,  —  und  Alles  ist  beim 
iktm  geblieben^).  Möchten  die  Spanier  einmal  einsehen,  wie  sehr  sie 
■h,  und  uns  allen  schaden  durch  diesen  aus  dem  Heidenthume  ver^ 
Oreuel.  —  Wenn  heute  irgendwo  in  Spanien  ein  Gtözenbild 
I,  Tarnende  von  Händen  würden  sich  im  Augenblicke  geg^i  es 
ibeben ,  es  in  tausend  Stücke  zu  zertrünmiern.  Der  6öze  ist  in  euerem 
igmetk  Heraen.  Mit  der  Kraft  des  Glaubens ,  und  mit  (}er  Kraft  des 
IRDenSy  mit  welchem  Gott  euer  Volk  begnadet  hat,  erwürget  diesen 
ihldfirstigen  Gözen  in  euerem  eigenen  Herzen. 

Es  ist  nicht  zu  berechnen,  zu  wie  vielen  Greueln,  Blut-  und  Un- 
htkm  diese  grausame  Leidenschaft  das  spanische  Volk  in  allen  Klassen 
■d  Sünden  schon  getrieben  hat  Ein  trauriges  Beispiel  aus  der  neuem 
KiiAaBgeschichte  Spaniens  erzählt  Minutoli  —  (Altes  und  Neues  aus 
,  1,59— 78j  u.  d.  T.  ^Ein  Exclaustrado^  Die  Kirohenfeinde 
die  durch  einen  Stierkampf  entzündete  Blutgier  des  Volkes  von 
hnelona  im  J.  1835,  und  hezten  dasselbe  gegen  ein  Kloster,  das  in 
knd  gesteckt  wurde,  damit  die  Mönche  mit  verbrannt  würden. 

Die  Stierkämpfe  waren  in  der  alten  Zeit  allgemein  verbreitet,  wäh- 
nd  sie  heute  nur  noch  auf  Spanien  beschränkt  sind,  da  selbst  Portugal 
■k  ihrer  erwehrt  hat  Sie  fanden  in  Rom  seit  J.  Cäsar  statt  (Suetan. 
iflwJffiii*  cp.  21.  —  B^tticher,  Vermischte  Schriften,  1850,  3,199); 
noDders  auch  in  Thessalien  (a.  a.  0.  3,  325—334  j,Ein  Sieg  des  Alter- 
hmß  über  die  Modernen.'  Plin.  h.  n.  8^  45) ,  mit  einer  ganz  andern 
baskfertigkeit,  ab  es  in  Spanien  geschieht  —  Dass  Stierkämpfe  schon 
■  allen  Spanien  heimisch  waren,  sieht  man  aus  den  zahlreichen  Münzen - 
IMJuBgen  bei  Flores  „Medalku^f  auf •  welchen  die  wüthenden,  zum 
lapfe  sich  auareckenden  Stiere  ausserordentlich  häufig  vorkommen. 
Bildie  Stiere  finden  sich  auf  den  Münzen  von  Asido  [Forbiger,  3  (nicht  2), 
il8]|  CSalagurrisi  Cascantum,  Celsa,  Certima,  Clunia  —  acht  Stiere 


0  HlBitoli,  Altes  und  Neaet  aat  Spanien,  Berl.  1864,  2,  S.  71  —  122  »dM  Süer- 


128 


Ffinftea  Buch.     Die  Synode  tob  Elvirft. 


— r  Dertosa^  Jlreavica^  Gncnrris,  Obuloo,  Orippoi  Segoyi»,  Tc 
Tiiriaw). 

Zur  Zeit  der  Gothen  Terschwanden  diese  StierkSmpfe,     UnCei 
Mauren  worden  sie  wieder  allgemein.    Die  heutigen  Spanier  aber 
sie  von  den  Heiden  v^d  Mauren  ererbt,  -—  und  schämen  sicJl  diesei 
Schaft  nicht» 

Cuon  63. 

Von  den  Frauen,  welche  ihre  Kin-    Be  tixoribus,  quae  ßi 
der  aus  dem  Ehebruclie  tödten.  adfdterio  necant 


<  Wenn  eine  Frau  in  Abwesenheit  des« 
Mannes  durch  Ehebruch  empfangen  hat, 
und  nachher  die  Frucht  tödtet,  so  soll 
ihr  auch  am  Ende  die  Communion  nicht 
ertheilt  werden,  .weil  sie  das  Verbrechen 
▼erdoppelt  hat 


8i  qua  per  adüUeriw 
$€nie  marito  mo  eoneepen 
que  past  faeUuu  oedderit 
euit  nee  m  finem  dandm 
eornmunionemp  eo  quod 
naverit  tedui. 


OeminfmU  »eeUa,  durch  Ehebruch  und  Mord;  siehe  Oan.  2. 


Cuon  64. 

Von  den  Weibern,  welche  bis  zu  De  femims,  qudeusqi 

ihrem  Endef  mit  Fremden  ehe-  mortem  cum  alienis 

brechen.  adidterant 


Wenn  Eine  etwa  bis  zum  Ende  ihres 
Lebens  mit  einem  fremden  Manne  Ehe- 
bruch getrieben,  soll  ihr  auch  am  Ende 
die  Communion  nicht  gereicht  werden. 
Wenn  sie  aber  deiiselben  yerlässt,  so  soll 
sie  nach  zehn  Jahren  die  Communion  em- 
pfMigen  —  nach  vollbrachter  vorgesdirie- 
bener  Busse. 


8i  qua  luque  in  ftnem 
ti$  nute  cum  aUeno  viro 
moeehata,  plaeuUf  nee  in 
dandam  ei  eeee  eommunx 
Si  vero  eum  reUqueritf 
deeem  ontiM  acdpiat  cö 
nionem  acta  UgiUma  ; 
teniUa, 


Guoi  65. 

Von  den  Frauen  der  Cleriker,  wenn 
sie  die  Ehe  brechen. 

Wenn  die  Frau  irgendeines  Clerikers 
die  Ehe  gebrochen  hat,  und  ihr  Gemahl 
weiss,  dass  sie  Unzucht  treibe,  und  er  sie 
nicht  sogleich  yerstösst,  der  soll  auch  am 
Ende  die  Communion  nicht  empfangen, 


De  adulteris  woaribu, 
rieorum. 

Si  euna  deriei  uxat 
moechata  et  aderit  eam  m 
Hots  moecfuxri  et  non  eoi 
Hmprt^ecent,  nee  in  pfu 
cipiat  c(mmivnkmemp  iw 


Canon  66.  67. 


129 


es  nicht  scheine,  dass  von  den- 
Ly  welche  ein  Vorbild  des  guten 
is  seyn  sollen,  die  Beispiele  der 
dien  ausgehen. 


qtä  exemplum  btmae  eonvena- 
iionü  e8$e  debent,  ab  eis  vide- 
aniur  Bedenan  magitteria  pro^ 
eedere. 


ynaaL  Tellez,  Herbst  (Quartalsch.  1821,  43)  —  u.  a.  verstehen  den 
Ton  den  hohem  Clerikem,  welche  ihre  Prauen  zum  Dienste  bei- 

en,  der  Canon  sei  so  streng,  weil  solche  Männer  den  Schein  von 
hatten.  —   PUnius  See.  epist.  6,  3i. 


Ganoi  66. 

lenjenigen,  welche  ihre  Stief-    De  his,  qui  privignas  stuis 
nütter  zur  Ehe  nehmen.  ducunt 


9in  Einer  seine  Stiefinutter  zur  Ehe 
men,  der  soll,  weil  es  ein  Incest 
:ch  am  Ende  die  Communion  nicht 
Igen. 


8i  qui»  privignam  ntam  du" 
xerit  uxorem,  eo  quod  $U  tn- 
cestus,  placuU  nee  m  flnem 
dandam  esse  eammunianem. 


Guon  67. 

der  Ehe  einer  Katechumenin. 

\  wi  verboten ,  dass  eine  Gläubige 
Katechumene  entweder  Zierbcngel 
laarkräusler  halten.  Die  dagegen 
■ollen  von  der  Communion  ausge- 
len  werden. 


De  conjugio  catechwmenae 
foeminae. 

Prohiberidum  rU  qua  flddis 
vel  catechumena  out  eomatos 
Qut  viros  cinerarios  habearU: 
quaecunque  hoc  fecerint,  a  com" 
munione  areeaniur. 


1«  Ver&sser  der  Ueberschrift  hat  den  Canon  selbst  nicht  verstan- 
I.  a.  ein  Beweis,  dass  diese  Ueberschriften  erst  bei  der  CoUecHo 
0n  eeelesiae  Hispanae  beigefügt  wurden.  Von  den  neun  Händ- 
en des  Anton  Gonzalez  liest  die  Hälfte  cenorarios^  eine  generarios 
merarios^).  Die  Abschreiber  haben  dieses  Wort  nicht  verstanden. 
wü  sind  Sclaven,  welche  Brenneisen  in  der  Asche  heiss  machten, 
r  omatriz  bei  dem  Frisiren  ihrer  Herrin  Dienste  zu  leisten  (Varro 
V.  129.  UV.  p.  32.  [ed.  1581]  Tertull.  ad  uxorem,  2^8),  und 
e  oft  in  üblem  Verdachte  des  Umganges  mit  ihr  standen  (et  cinerariis 


iendoxa  mitsverstcht  den  Canon  von  einer  wirklichen  Ehe;  er  liest  aber  nicht 
■Mi^diii  ond  eomatif  sondern  nach  eigener  Erfindung  comici  et  scenici. 

M,  tpaa.  Kirehe.    II.  9 


130 


Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 


pertgrinae  procerUaÜt.    Oinerctriua  wird  auch  mit  daiXog  ixalgcLq 
Nach  Brmun-Achteifeldt  bedeutet  es  einen  ^^Cicisbeo^.^-^    Ein 
oder-  gleiches  Geschäft ,  wie  die  dnerarii^  hatten  die  emiflonei 
^Gallus'';  Rieh,  ^Alterthümer«). 

Ein  t^  eamcUut  ist  zunächst  ein  Haarmensch,  der  üppi 
trägt  (SuOan.  Cal.  35.  —  MartiaU  i2,  70) ;  •—  sodann  der  künstlic 
Haar  trägt  (MarHal.1,  73,  8.  —  10,  SJ,  3,  12).  —  Daher  sa 
Comato  calvo  turpius  —  d.  h.  hässlicher,  als  ein  Kahlkopf 
ohne)  Perrücke;  femer  sind  comati  Leute,  welche  nach  Art  d< 
oder  Kind^  lange  herabwallende  Haare  trugen,  also  im  AI 
Zierbengel  I  Stuzer  (Rieh.  8.  v.  comatus)  ^). 


GtDOi  68. 

Von  einer  ehebrecherisclienKateclin- 
menin,  wenn  sie  ihr  Kind  tödtet. 

Hat  eine  Katediiumene  durch  Ehebruch 
empfangen  und  es  erstickt  (getödtet),  so 
soll  sie  am  Ende  die  Taufe  erhalten. 


De  catechumena 
quae  filium  n 

Catechumena  j  si 
uUerium  eonceperit  < 
eaverit ,  placuit  eat 
baptizari. 


Canon  69. 

Von  den  verheiratheten  Männern, 
welche  nachher  in  Ehebruch  ver- 
fielen. 

Wenn  Einer,  welcher  eine  Frau  hat, 
einmal  gefallen  ist ,  so  soll  er  fünf  Jahre 
Busse  thun ,  und  so  wieder  aufgenommen 
werden,  wenn  nicht  einegef^rlicheKrank- 
heit  ihm  vor  dieser  Zeit  die  Communion 
zu  geben  zwingt;  dasselbe  wird  in  Betreff 
der  Frauen  zu  beobachten  seyn. 


De  viris  conjugatl 
in  adulterium  i 

Si  quis  forte  ha 
rem  sernel  fuerit  lap8\ 
tum  quinquenmum 
bere  poenitenüam  et 
ciUari,  nin  neceseitc 
tatii  coegerit  ante  te 
cammtmionem:  hae  ei 
minas  cbservandtsm. 


Gegen  aduUeri  sind  die  Canones  2,  7,  18,  30,  31,  47 
es,  68,  70,  78. 


')  Becker,  Gallus,  3  Ausg.  von  1863,  v.  Rein,  2, 138;  3, 197.  —    Ten 
/eminar,  l.  2,  cap,  7  —  structores  capiUaturae,  —  Böttiger,  »Sabina",  1, 143. 
^PJotina%  S.  232  flg. 


Caoon  70.  71.  72. 


181 


Casai  79. 

m  FrauMi,  welche  mit  Vor- 
i    ihrer   Männer  Ehebruch 
treiben. 

1  eine  Frau  mit  Wissen  ihres  Män^ 
brach  begeht ,  so  soll  ihm  auch  am 
e  Communion  nicht  ertheilt  wer- 
mh  er  sie  aber  veriässt,  so  soll  er 
in  Jahren  die  Communion  empfan- 
nn  er  sie  nemlich,  nachdem  er  um 
hebruch  gewusst,  einige  Zeit  in 
Hanse  behalten  bat 


De  feminiSy  quae  consciis 
viris  adtUterant 

Si  cum  eonscierUia  mariti  uxor 
fuerit  moeckata,  plactdt  nee  in 
piem  dandam  ei  commumo- 
nem:  ai  vero  eam  reHquerit^ 
poit  deoem  tmnos  €Keipiat  com- 
munionem,  ti  eam  cum  seiret 
aduUeram  äliguo  tempore  in 
domo  8ua  retintät. 


CaeoD  71. 

Ton  Enabenschandem. 

^enschändem  soll  auch  am  Ende 
imunion  nidit  ertheilt  werden. 


De  sttipratorUms  puerorm^. 

Stupratoribus  puerorum  nee 
in  finem  dandam  e$86  eommu- 
fUonem. 


>er  die  Verbreitung  dieses  Lasters  bei  den  Alten  s.  u.  a.  „Gallus^ 
Msker  —  Rein,  1863.,  Bd.  3,  S.  66—67  und  W.  Rein:  Römisches 
h^cht,  1844,  S.  863— 868. 


Udod  72. 

m  unzüchtigen  Wittwen,  wenn  De  viduis  moechis  si  cum- 

diher  denselben  zum  Manne  dem  postea  maritum  duxe- 
nehmen.  rint 


m  eine  Wittwe  Unzucht  getrieben, 
^  nachher  denselben  zum  Manne 
ist  sie  nach  voUbrachter  gesez- 
r  Busse  von  fünf  Jahren  durch 
Eununion  mit  der  Kirche  zu  ver- 
:  wenti  sie,  nach  Yerlassung  yon 
einea  andern  zur  Ehe  nimmt,  so 
ancfa  am  Ende  die  Communion 
1  ertheiien;  oder  wenn  Jener  ein 
i;er  ist,  den  sie  nimmt,  so  soll  er 
oh  seim  Jahren,  nach  vollbrachter 


8i  qua  vidua  fuerit  moe^ 
chata  et  eumdem  poitea  habu- 
erit  mOritum^  post  quinquennii 
tempus  acta  legitima  poenitentia 
placuit  eam  communioni  recon^ 
eiliari:  ii  alium  duxerit  rekkto 
iUo,  nee  in  flnem  dandam  e$9e 
eommunionem;  vd  si  fuerit  üle 
fidelis  quem  aeeepü,  commu" 
nionem  non  accipiet,  nisi  post 
deeem     annoi    acta    Ugiäma 

9» 


132  Fünftes  Bach.     Die  Synode  von  Elvira. 

gesezmässiger  Busse,  die  Communion  em-     poeniteniiay    vel   si 
pfangen,weiin  nicht  etwa  Krankheit  nötbigt^     coegerit  velodiua  dari 
ihm  früher  die  Communion  zu  ertheilen.       nwnem. 

Corp.  jnr.  ean.  e.  7.  Causa  XXXI.  QuaesU  1. 


CaBOD  7a 

Von  den  Angebern.  Bi  ddatoribt 

Wenn  ein  Gläubiger  ein  Angeber  ist^  Delator  H  qim  exU 

und  durch  seine  Angaben  Jemand  pro-  Ua,  et  per  ddaJtkmcm 

scribirt  oder  getödtet  worden  ist,  so  soll  quis  fuerit  pro$cnptu8 

er  auch  am  ]£nde  die  Communion  nicht  fectut,  placwt  eum  rui 

empfangen:  ist  die  Sache  weniger  erheb-  aceiperecommtmumen, 

lieh    gewesen,    so    wird    er    nach    fünf  causa  fuerit,  intra  ( 

Jahren   die  Communion   empfangen:   ist  nium  aecipere  poterii 

er  ein   Catechumene,    so    soll    er   naeh  nionem;   si  catechun 

fünf  Jahren    zu    der   Taufe    zugelassen  erit,  post  quinquermv 

werden.  admütetur  ad  baptisTi 

Corp.  jur.  ecmon.  e.  6.  —  Causa  V.  quaest.  6. 

In  dieser  Zeit  trieben  besonders  die  frumerUarü  das  6es 
Anklägerei  im  grössten  umfange.  Sie  waren  die  privilegirtej 
Spione,  die  Verwalter  des  öffentlichen  Fuhrwesens,  die  durcl 
Anklagen  oder  den  Schrecken  davor  namentlich  in  den  e 
Provinzen  die  angesehenen  Leute  auf  das  schändlichste  branc 
Schon  Hadrian  bediente  sich  ihrer  als  Spione.  Später  vn: 
als  Botschafter  und  selbst  zu  Executionen  gebraucht,  weil  si< 
hinkamen.  ^Eine  Bande  böser  Menschen,  unter  hoher  Protec 
genseitig  sich  stüzend  und  haltend,  diesen  hilf  loa  gegenüber  die 
altangesehenen  Familien  in  Gallien,  Hispanien  oder  Syrien,  g 
und  zu  den  grössten  Opfern  genöthigt,  um  nicht  als  Theiln< 
erdichteten  Verschwörungen  denuncirt  zu  werden.  Später,  i 
stantin,  der  die  Angeber  hasste  —  (Gesez  gegen  Delatoren  voi 

—  Co€L  Theodos.  X.  10  — )  kam  die  Saqhe  wieder  auf,  nur  untc 
Namen ;  abermals  waren  es  die  Uebernehmer  des  kaiserlich« 
Wesens,  welche  als  „Agtntes  in  rebus^^,  als  „Veredarii^^  jene  sei 
Rolle  weiter  spielten^  —  (Burckhardt,  die  Zeit  Constantin^s  des 
1853,  S.  73— 74,  und  daselbst  die  Belegstellen).  Unter  Constan 
erreichte  das  Spionenwesen  seinen  Höhepunkt   (Ser.  Hist.  Aug.  „h 

—  „Commod."  4.  —  Maximus  et  BaUnnus,  <kq>.  10.  —  Clauf^ 
cap,  17.  —    AureL  Victor  ep.  Caes.  39—41.) 


Caiton  74.  75. 


Csnra  7i. 

den  falschen  Zeugen. 
«^er  Zenge  wird ,  jo  nacbdem 


De  falsis  tcstibus. 


autem  non  probaverit  oattvento 
cUto,    placuit    per    ^itin^tcn- 


i  tacuerit  Änstotiä,   und  in   der 


Faitu»  teHU  prout  at  cri- 
echen  Mt,  ausgeschlossen  wer-  mm  abatinetiütir :  ti  tarnen  non 
1  jedoch  dasjenige  nicht  lebcns-  fiteril  mortaU  quod  olijecU,  et 
ist,  was  er  angezeigt,  und  er  ca  prohaverit,  quod  non  tacuerit, 
1  wird  er  dafür,  daas  er  niclit  ge-  biennii  tempore  abilimbUur f  «i 
hftt,  irwei  .Jahre  ausgeschlossen 
enn  er  es  aber  vor  dem  versam- 
eroa  nicht  beweist,  so  soll  er 
:  auageschlossen  bleiben, 
findet  hier  an  dem  Worte  nor, 
iie  Lesart;  diu  tacuerit,  durch  keine  aito  Handschrift  unter- 
Jagegen  i«t  in  der  Interpunktion  ein  doppelter  Irrtbmn  durch 
reiber  in  den  Canon  gekommen,  der  darum  auch  theiis  nicht 
i,  tbeils  miss  verstau  den  wurde.  Es  musa  nicht  interpungirt 
t  probaverit  quod  Tum  tacueril,  liimnii  Umport  abttinebitur ,  aon- 
robaverit,  guod  non  tacuerit,  ete.  Wenn  er  seine  Anklage  be- 
1  er  desswegen,  weil  er  nicht  geschwiegen  bat,  zwei  Jahre 
i;  —  und  es  darf  nicht  hciaaen;  «  autem  non  proliavcrü,  con- 
'  placuit  per  quinqttennium  abitineri,  sondern:  «i  nun  proliaverit 
ero :  wenn  er  seine  Anklage  nicht  vor  dem  yersammelten  Clenu 
»U  er  ftlnf  Jahre  Busse  thun. 


CtHB  79. 

en,  welche  Priester  oder  De  Mb,  qui  sacerdotavd 
nklagen,  ohne  ob  zu  be-  ministros  accusant  nee 
probant. 

Si  qtäi  autem  epiieopum  vel 
prabytenm  vd.  dfoconum  faUia 
criminxbv»  appetierit  et  probare 
non  potuerü,  nee  in  finem  dan- 
dam  ei  eue  communionem. 


weißen. 

tber  Jemand  änen  Bisdiof  oder 
ler  Diakon  mit  falsehen  Inzieh- 
t  und  sie  nicht  beweisen  kann, 
-uch  am  Ende  die  Communion 
alt  werden. 


I,  14. 


ncDDl;  MM  Uatträ  —  die  scbverere  Leiarl?  Dr.  Niekes  lieit  allzu  ge- 
eoKoattm  darieenm  placuit  (a.  •■  0.  S.  37  — 43),  wodoreb  er  lich  selbit 
cntiadni««  des  CsDoni  anmSglich  machl.  Daraach  dürften  «eine  Worte : 
.  dem  Dr.  Hetele  iit  es  nicht  gelungen ,  dasaelbe  (den  CanoD.T  S.  38)  für 
ikonfl  vor  Aenderang  und  falte  her  Auslegung  iicher  in  «lellen-  —  auch 
D  ibre  AnweadoDg  finden- 


134 


Fünftes  Buch.     Die  Synode  von  Elvira. 


Gmioi  7%. 

Von  den  Diakonen,    wenn  es   er=- 

wiesen   wird , .  dass   sie   vor    ihrer 

Würde  gesündigt  haben. 

Wenn  ein  Diakon  ^ich  ordiniren  lässt, 
and  es  sich  nachher  erweisst,  dass  er  eine 
Todsünde  begangen  hat,  der  soll,  bei 
freiwilligem  Bekenntnisse,  nach  vollbrach- 
tieir  gesezmässiger  Busse,  nach  drei  Jahren 
die  Communion  empfangen;  wenn  ein 
anderer  ihn  entdeckt  hat,  so  soll  er  nach 
fünf  Jahren  vollbrachter  Busse  die  Com- 
manion  mit  den  Laien  empfangen  dürfen. 


De  diaconibus,  H  ante  ho- 
norem peceasse  proba»Uur. 

Si  qui9  diaeanum  se  pemd' 
itrü  ordinari  et  poBtea  fuerU 
detectus  in  crimine  mortis  quoi 
aliquando  eommiserüj  si  tpotdi 
fuerit  confofsus,  placuü  em 
acta  legitima  poeniUntia  pott 
triennium  accipere  eomwunkh 
nem:  quod  si  alius  cum  däS' 
xeHt,  post  quinqumnium  ada 
poenitentia  accipere  communis^ 


nem  Imcam  debere^ 

Ccftnmunio  Icdca  ist  offenbar  Laiencommunion ,  und  falsch  die  & 
klärung  des  Gonzalez  Tellez,  es  sei  ihm  nur  der  Umgang  mit  Laien 
gestattet  gewesen. 

Ctnon  77. 

Von  den  Getauften,  welche  vor  der    De  haptizatis,  qui  nondum 
Firmung  erterben.  confirmati  moriuntür. 


\ 

4 


Wenn  ein  Diakon,  welcher  eine  Ge- 
meinde ohne  Bischof  oder  Presbyter  leitet, 
einige  tauft,  so  wird  sie  der  Bischof  durch 
die  Segnung  vollendein  müssen:  sind  sie 
aber  vorher  aus  dem  Leben  geschieden, 
so  wird  Jeder  unter  dem  Glauben,  welchen 


Si  gtiis  diaconns  regens  pU' 
htm  sine  episcopo  vel  presbyten 
aliquos  baptizaveritj  episcopm 
eos  per  benedictionem  perfUtH 
debebit;  quod  si  ante  de  saeaii, 
recesserintj  sub  flde  qua  qsk 
credidit  poterit  esse  justus. 


er  gehabt,  gerechtfertigt  werden. 

Diess  entspricht  der  Eirchenlehre ,  dass  die  Firmung  nicht  absolut 
nothwendig  zum  Heile  ^ei.  Aus  diesem  Canon  erhellt,  dass  es  Gemein- 
den ohne  Priester  gab,  die  nur  unter  Diakonen  standen. 


Ctnon  78. 

Von  verheiratheten  Gläubigen,  wenn 
sie  mit  einer  Jüdin  oder  Heidin  Un- 
zucht begangen  haben. 

Wenn  ein  verheintheter  Gläubiger  (ge- 
taufter Christ)  mit  einer  Jüdin  oder  Heidin 


De  fidelibus  conjugatis  si 

cum    Judaea    vel    gentUi 

moechatae(i)  fuetinL 

Si  quis  fldeUs  haben»  uxc 
rem   cum   Judaea    vel  gentiH 


begebt,  so  soll  er  von  der  Com- 
reme  gelialten  werden.  Wenn 
'er  ihn  entdeckt,  so  soll  er  itach 
massigen  Busse  von  fünf  Jahren 
^ommoDioD  des  Herrn  wieder 
imen. 


-  * 

18& 

fiierit  moechatus ,  a  eommu- 
nionc  arceatur:  quod  n  aliv» 
eitm  detexerit,  pant  qttitu/ueri- 
niiim  acta  Inßtima  pomitcntia 
polerü  dominicae  sodari  com- 
munioni. 


qni   taiiidam  lu~ 
dunt. 

Si  quit  ßiieli)  aUam,  Ut  at 
lab'dam  luierit  nummi»,  pla- 
cuit  eitm  abalirfri ,  et  li  emen- 


Canon  79. 
len,    welche    mit    Würfeln     De   hts 

spielen, 
ein  Gläubiger  mit  Würfeln ,  dsH 
Ti  Warfelbrette  um  Geld  spielt, 
usgeschlossen  werden;  wenn  er 
rt  und  es  aufgiebt,  so  wird  er  datu»re(tavcrit,pt>itannumpo- 
m  Jahre  wieder  zur  Gemein-  Itril  crnimunioni  recondlinri. 
elaasen. 

s  Spiel  mit  Würfeln  und  um  Geld,  das  später  in  Spanien  auch 
estrsft  wurde,  weil  es  u.  a.  zu  vielen  blutigen  Streitigkeiten 
kb,  wurde  zu  Elvira  unter  doppeltem  Anlass  verboten,  weil 
Vörfeln  Gözenbilder,  besonders  das  der  Venus  stand  (Juomal 
MC.  de  tranguillat.  14.  —  Priron.  Sat.  J-J.  —  Martial.  14,  17.  — 
taii'is  71  —  ul  qviiqite  canem,  aut  saitonem  miserat  —  tollebat 
qui  Venerem  jectrat.  —  Canit,  der  Hundswurf,  war  der  schlecli- 
f;  bei  dem  Wurfe  8mio  zeigten  alie  Würfel  die  Zahl  sechs; 
wurf  war  der  beste  —  ProperL  4,  9,  19;  Horat.  eattn.  2,  7,  25.- 
&Dt.  lUch  unter  „aibavua,  latrtmculi,  latrvnetdaria  Uända"  — 
eil  dieses  Spiel  an  sich  einen  unsittlichen  Charakter  hat,'  als 
el  um  Geld  ■).  —  Auch  bei  den  alten  Römecn  war  das  Spiel 
strenge  verboten'). 


CUOB  80. 

1  den  Freigelassenen.  Be  liberti'<. 

a  verbieten,  dass  nemlich  Frei-         Prohibendum,  ut  libtrti,  guo- 

deren   Patrone   in    der  Welt  rum  patroni  in  »aeeulo  fuerint, 

ht  unter  den  Clerus  aufgenom-  ad  elerum  non  promoveantur. 
en. 


r,  Galloi,  3,  252—266  CS.  325-343  der  3.  Aufl.  v.  1863)  .die  geselligen 
',  iil  der  ADsichl,   dass    auf   den   virr  Würfeln   keine  Figaren,    aondero 
I  gewesen,   und  dass  der,  welcher  vier  vecsebiedene  Zahlen  geworfen, 
«DDiworf  gethan  habe  (S.  32Sl. 
,  S.  333-34. 


▼OB  ElTiia.    C 


*21 


Die  FrageUsseDim 
■  heidnischen) 


81. 


_-  .  rarie   Ler  Fraaen.  De  feminar^m  fj 

Ne  faninac  *u>  _r 
que  maritorum  norr.i 
da  scribere  audeant,  c 
mnt,  vel  liUerag  air. 
ficas  cid  Buum  mA^j' 
8cripta$  accipiani. 


lusLt  in  ihrenii 
;jjKr  9aaner.  an  Laien 
.^jiiuüüc  sind,  zu  schrei- 

aoch  aach  sollen 
[irca  Xamen  geschrie- 
Tun  Irgendjemand 


.:w  .*t 


^^^ 


jiiua.    Jer  mehr  eine  Warnung,  als  ein  Vertvjt 

XI   ier  miditigem,  oder  vorherrschenden  sociaiec 

:.4    11  5«Hiuien.     ,Ich  würde,*'  sagt  Carter  (2,284',  -k 

.    ««aui   .eil  ;ille  Grebräaclie  erzählen  wollte,   welche  di( 

^  .toMcirti  beibehalten  haben.    Eine  Frau  nimmt  in  ;^ 

gu    >aat^a  ihres   Mannes  an,   und  verliert  bei  dcj 

«^.    jiu   ^iipfn*     Der  Sohn  hat  die  Freiheit,  sich  nach  sein« 

j^utar  MnMr  lu  nennen,  und  wählt  gewöhnlich  den  N: 

-dtiulii».  nach  dem  spanischen  Sprichwort: 

El  hijo  de  ruyn  Padre 

Ttama  el  apelUda  de  la  Madre, 

^  S'üu  euM«  K^n  Vaters  nimmt  den  Namen  der  Mutter  ai 
A^iuv  .*«K-b.  das»  das  Concil  den  Frauen  nicht  verbietet,  E 
:&viu  y.uuilivunamen  zu  schreiben,  sondern  nur  gebietet,  diis; 
Vjk«A*%*^^  'hi-w  Mannes  beifügen  sollen.  Daher  wohl  die  vielen 
.•^tt\«  »  v^j^anion.  Diess  ist  einmal  Vulkssittc,  und  scheint  a 
i»va»  >»;rtJkllKrh  oder  verwerflich  zu  seyn. 


Sechstes  Buch. 

Hosius  von  Corduba. 


Erstes  Kapitel. 

•ritt  v«i  der  Synode  von  Elvlra  bis  zur  Synode  von  Nicfta, 

306—325. 

Vor,  wahrscheinlich  nach  der  Niederlage  des  Maxentius  kam  der 
iMliof  Hosius  zu  dem  Kaiser  Constantin,  aus  welchem  Anlasse  —  ist 
ebt  bekannt  Eusebius  erzählt,  dass,  als  Constantin  die  Vision  des 
(des  Labarum)  am  Tage,  und  wieder  in  der  Nacht  hatte ,  er  die 
der  ihm  verborgenen  Lehre,  das  ist  die  Bischöfe,  zu  sich 
srief ,  welche  ihn  über  das  Zeichen  und  die  Lehre  vom  Elreuze  unter- 
iditeten ,  und  welche  er  in  seine  Nähe  und  in  seinen  Rath  zog  ^). 

Man  glaubt,  unter  denselben  sei  Osius  gewesen  (Tillemont,  Ceillier 
La.).  —  In  einem  im  Anfange  des  Jahres  313  geschriebenen  Briefe  an 
3idlian ,  Bischof  von  Carthago ,  dem  er  3,000  Folles  für  die  Bedürfnisse 
cmer  Gläubigen  zuweist,  heisst  es  u.  a.:  „Wenn  du  die  erwähnte  Summe 
riüütst,  so  wirst  du  dir  Mühe  geben,  dass  an  alle  oben  Erwähnte  nach 
lern  an  dich  von  Hosius  gerichteten  Breve  —  dieses  Ge^d  vertheilt 
nrde^).^  —  Daraus  geht  wenigstens  hervor,  dass  Hosius  imBathe  des 
sase. 


*)  EuHb.  k  e.  10,  6.  —    Nicephor.  h.  «.  7,  42.  —    Bar<mim,  312,  92. 


138  Sechstes  Buch.     Erstes  Kapitel. 

In  dem  Streite  der  Donatisten  vertrat  Hosiim  ei&ig  die  Sache  der  i 
Katholiken.  Dies  erhellt  aus  den  von  den  Schismatikern  ihm  gemachtea  ;, 
Vorwürfen.  Obgleich  er  dem  Kaiser  im  Ganzen  zur  Milde  rieth,  so  i 
beschuldigten  ihn  die  Donatisten  dennoch,  dass  er  den  Kaiser  g^gen  mt  ;. 
eingenommen  habe;  er  habe  dem  Bischof  Cäcilian  von  Carthago  geholfen,  r 
und  Viele  zur  Gemeinschaft  mit  demselben  gezwungen.  Er  habe  den  j 
Constantin  zur  Härte  gegen  sie  vermocht.  Aus  diesen  Vorwürfen  gehen  s 
die  Verdienste  des  Hosius  hervor*).  ,i 

Dieser  wohnte  der  Synode  von  Arles  im  J.  314  nicht  an,  sei  6i^  ;. 
dass  er  an  der  Seite  des  Kaisers  blieb,  sei  es,  dass  er  auch  den  Scheüi  'i 
der  Partheilichkeit  meiden  wollte ,  und  er  sich  schon  gegen  die  Donatisteii  »i 
ausgesprochen  hatte.  Es  ist  allgemeine  Annahme,  die  ich  firüher  auek  -;_ 
getheilt,  dass  Hosius  bis  zum  J.  325  in  der  Nähe  des  Kaisers  geblieben  sei  ^ 
—  Heute  bin  ich  zweifelhafter  Ansicht  geworden«  —  Denn  am  18.  April  , 
321  erliess  der  Kaiser  Constantin  an  Hosius  ein  Dekret,  worin  die  Sclavea  ,= 
als  Freie  erklärt  werden,  deren  Freilassung  in  Gegenwart  der  Bischdft  ^ 
und  der  Kirche,  oder  durch  Geistliche  in  irgend  einer  Weise  ausge-  . 
sprechen  worden  sei.  Daraus  geht  nicht  hervor,  dass  Hosius  zur  Zeit  ^ 
des  Erlasses  dieses  Dekretes  sich  in  der  Nähe  des  Kaisers  befand.  ^ 

Der  Heide  Zosimus  erzählt,  wegen  der  Hinrichtung  des  Crispus  und 
der  Fausta,  und  des  Eidbruches  gegen  Licinius  habe  Constantin^  ge*   . 
stachelt   von  seinem  Gewissen,  sich  an  den  Neuplatoniker  Sopat^  ge>   ^ 
wendet,  um  entsündigt  zu  wenden.    Auf  die  Antwort,  für  solche  MkM 
thaten  gebe  es  keine  Sühne,  habe  sich  ein  aus  Spanien  nach  Rom  ge>    ' 
kommener  Aegyptier  durch  die  Frauen  am  Hofe  in  die  Nähe  des  Kaisea 
gedrängt,  und  den  Kaiser  überzeugt,  dass  das  Christenthum  jedeMiaee-    / 
that  tilge  ^).    Darauf  hin  habe  der  Kaiser  seine  Bekehrung  zum  Christen- 
thum durch   den  Bau  einer   neuen  Hauptstadt,  und  durch  das  Verbot     ' 
heidnischer  Orakel    kundgegeben.     Gegen    diesen    Bericht   ärgumentirt 
Sozomenus   (1,5),  dass  Crispus  im  20.  Jahre  des  Constantin  326 — 2? 
ermordet  worden,  während  Constantin  schon  vor  dem  Kriege  mit  Maxen-    * 
tius  Christ  gewesen  sei.    Etwas  Wahres  aber  mag  an  dem  Berichte  des  ^ 
Zosimus  seyn.    Hosius,  denn  dieser  war  der  Zauberer,  der  Magier ,  cter 
Aegyptier    des    Zosimus ,    welcher    sich    den    mächtigen   Einflojss'  des 
grossen  Mannes  auf  Constantin  nicht  anders ,  als  eine  Verzauberung  i» 
selben  denken  konnte,  kam  vielleicht  wieder  aus  Spanien  im  J.  323 — 21 
zu  dem  Kaiser,  und  gewann  alsbald  seinen  frühem,  ja  einen  grossem 
Einfluss,   als  früher. 

Constantin  sandte  im  J.   324  den  Hosius  aus  Aiilass  des  Streue» 
über  die  Osterfeier,  und  wegen  der  Unl*uhen,  welche  Anus  zu  Alexan* 


')  Augustin,  contra  epUiolam  Parmmianif  lf4  —  5, 
^ifg  ytyofjuyog,  —    ^b«.  2^  29. 


Hotiiia  TOQ  der  Synode  voa  Elviim  bis  zur  Synode  von  Nic&a,  306 — 325.    139 

cien  liet'vuigerufen  hatte,  in  diese  Stadt,  um  den  Frieden  su  yermitteln. 
]m  darf  annahmen,  dass  Hosius  soweit  des  Griechischen  mächtig  war, 
■i  er  ohne  Dohnetschw  seine  Mission  rollziehen  konnte.  Hosius  war 
87  —  68 ,  Athanasius  etwa  24  Jahre  alt  Damals  wohl  lernten  sich 
der  Grosse  und  Athanasius.  der  Grosse  kennen,  deren  innige  und 
■srtrennliche  Freundschaft  eine  so  rührende  Erscheinung  in  ,der  Ge- 
ludite  des  vierten  christlichen  Jahrhunderts  ist.  Hosius  war  der  Ueber- 
JDger  des  bekannten,  yielleicht  von  Eusebius  von  Nicomedien  inspirirten 
Bhreibens,  worin  Constantin  seine  vollkommenste  Unwissenheit  über 
m  Kern  des  Streites  kundthut,  und  beide  Partheien,  den  Bischof 
Isländer  und  den  Kezer  Arius,  auf  gleichem  Fusse  behandelt  (EuBeb. 
t  GmtL  2, 6*3.  —  Soerai.  1,7)^).  Hosius  liess  sich  hier  in  theologische 
!ii{Nitationen  ein,  indem  er,  dem  Sabellianismus  gegenüber,  Wesen  und 
iononen  in  der  Gottheit  zu  erklären  und  zu  unterscheiden  suchte. 
Jbsrt  de  Broglie ,  von  dessen  berühmten  Werke :  ^Die  Kirche  und  das 
imische  Reich  im  vierten  Jahrhundert^,  zur  Zeit  vier  Bände  erschienen 
■d,  hat,  wie  mir  scheint,  von  der  geistigen  Kraft  des  Hosius  eine  viel 
■  niedrige  Vorstellung.  Er  sagt  u.  a.:  „es  war  ohne  Zweifel  ein  sehr 
Allendes  Vorkommniss ,  welches  die  frivole  Bevölkarung  von  Alexan- 
EMD  (anm  Spotte?)  erregen  musste,  aus  den  fernsten  Ländern  des 
bsnds  eiaen  Bischof  ankommen  zu  sehen,  welcher  nur  das  Lateinische 
«ach,  und  ausserdem  ohne  Reinheit  und  mit  einem  Prövinzialdialekte, 
m  m  der  gebildetsten  Stadt,  welche  ein  Product  der  griechischen  Cir 
üinlkm  war,  eine  der  schwierigsten  Fragen  lösen  sollte,  welche  in 
SB  wechselseitig  sich  berührenden  Gebiete  der  Theologie  und  Philo- 
ipfcje  vorkommen  können').^  ^ 

Wir  sehen  uns  umsonst  nach  Gründen  um,  die  eine  so  geringe 
ismnng  von  den  geistigen  Gaben  des  Hosius  rechtfertigen.  Es  wird 
igends  aosdrücklioh  bezeugt,  dass  Hosius  auch  das  Griechische  ge- 
vocheii  habe,  wohl  nur,  weil  es  sich  von  selbst  verstand.    Denn  dass 


awipoc  a^wxiCroVf  w  Svofia  für  ^y'Oöiofy  fAiäg  de  rüv  ev  r^  '/axccvioc  xoAtuv  ovo/ua 

Kovd^ovß^  (Corduba),    vxij^x'^  ixiönoßcog'  jraw  re  ccvrov  i^cuta,  Kai  öta  ri/ut^ 

fyer  6  ßccöUso^;  ef.  e.  8.  —   ro  de  juxxov  (in  Alexandricn)  extxpareOrepov  ^  xal 

riff  Tov  ßaöüJiac  Oxovd^^  xai  d^iomörucg  rov  dutxovrfOauevov  rolg  y^äfLuoUSiy.  — 

SowmeHu»  1,  16,   —  xdfixei  ayÖQa  tov  ayuff  avTW  xiorei  xai  ßita  exiö^fiov^   xai 

redp  vMi^  rov  öoyfAarog  opuokoyiatiQ  «v  roii  n^oö^^ey  x^^^  ev^oxitiipcöra.  —   if¥  de 

«eror  '€}0tog  6  Ho^Sovßi^  knißwiMoq, 

^  Ahtrt  de  BrogUe^   rigUie  ei  Fempire  romain  au  qiKUrihne  sikcU,     Bd.  1  and  2  er- 

fchienen  18Ö6,  und  enthalten  die  Regierangszeit  des  Kaisers  Constantin,  Bd.  3 

■nd  4  erschienen  1859,  and  enthalten  die  Regierangszeit  der  Söhne  Constantin^s, 

and  die  Zeit  des  Apostaten  Julian.     Der  Verfasser  macht  Gebrauch  von  der 

Conciiicngeaehtchte  des  Dr.  Hefeie»  und  findet  sich  als  Laie  und  Staatsmann 

in  der  Kirchengeschichte  weniger  zurecht,  als  in  der  politischen  Geschichte. 


140  SechitM  Buch.     Entet  Ka^teL 


er  den  Vonis  ea  Nidia  geffihrt,  ynrd  von  allen  sog^gebeD.  Ein  Ym^  i 
fidzender  aber  mius  die  Verhandlangen  leiten;  er  mnm  die  Bednar  v».  i 
stehen,  und  mnss  den  Inhalt  der  Beden  znsammen&sBen  kOnnen.  Dwi  ^ 
also  wSre  j^das  seltsamste  Vorkommniss'  gewesen,  anf  der  einen  Ssila  i 
300  Bischöfe,  die  nur  gneclusch  sprachen  und  varstanden,  nndtiü^  n 
ihnen  einen  Prilsidenten,  der  nur  lateinisch  yerstand  und  es  anliledi  x 
sprach.  j 

Welch  kolossalen  Fehl^  hätte  aber  Oonstantin  g^nacht,  wi^l  i 
w  einen  Mann  als  Vermittler  nach  Alexandrien  gesendet,  dem  db  ^ 
Eigenschaften  eines  Vermittlers  fehlten,  mid  welch  kolossalen  FehUr  ^ 
hätte  der  67  Jahre  alte  Hosins  begangen ,  wenn  er  eine  solche  SendoDg  -^ 
übernommen  hätte,  welche  schon  durch  die  Lächerlichkeit  ihrer  Am  L 
fühmng  zu  Wasser  werden  musste?  Ebenso  ung^ründet  ist  es,  »  ^ 
sagen,  Osius  sei  in  Spanien  ^fem  von  jedem  Studium^  in  dem  tiNT*  ^ 
lieferten  Glauben  auferzogen  worden ,  und  dass  nur  der  einfältige  Glaobl  ^ 
denselben  zu  Alexandrien  das  Richtige  habe  finden  lassen.  -^ 

^Hosius  untersuchte,^  sagt  Broglie '),  ^alles  mit  G^wissenhaftigkaib  ^ 
Er   liess   sich  Bechenschaft   geben    sowohl   von  der  neuen  Liehre  im  ^ 
Arius,  als  von  den  andern  früher  verdammten  Irrlehren,  zum  BeispU  ^ 
von  der  des  Sabdlius,  welcher  die  Arianer  ihre  katholischen  GegiMl  ^' 
beschuldigten«    Osius  liess  sich  in  der  Bedeutung  der  griechiaohen  Am   - 
drücke  unterrichten,  welche  ihm  sehr  fremd  waren,  er  wiederholte  stam  .. 
melnd  (hört!)   die  Worte  Substanz  und  Hypostase,   hörte  gedold^  dil  l 
unendlichen   Discussionen   der  Dialektiker   von  Alexandrien   an,   dam  -^ 
gab  er  sein  Gutachten  ab,  und  obgleich  wir  nicht  die  Ausdrücke  dm    . 
selben  besizen,  so  ist  es  doch  nicht  zweifelhaft,  dass  es  zermalmend  fkr  . 
Arius  war.** 

Aber  wie  mochte  das  Gutachten  eines  die  Schlagworte  der  Contra     j 
versc  „stammelnden^  Greises  erdrückend,  zermalmend  ftir  Arius  seynl 
Einem  so  wenig  gebildeten  Manne  gegenüber,  der  in  so  hohem  Ate 
erst  zu  Alexandrien  die  Anfangsgründe  der  Theologie  sich  mühsam  be^    ^. 
bringen  lassen  muss,  hätte  denn  doch  Arius  gewonnenes  Spiel  gehabt 
A.  de  Broglie  beruft  sich  auf  die  Worte  des  Socrates ,  aber  diese  sagen 
wörtlich  '):  Osius,  der  Bischof  von  Corduba,  hat,  indem  er  die  Lehre  d« 
Libyers  Sabellius   (von  welchem  die  sogenannten  Philosophumena  dei    _. 
Origenes  gelehrt  haben,  dass  er    vierzig  Jahre  früher    [und  zwar  in 


')  BrogUtj  If  386,  —  ^,11  se  fit  ensetgner  U  sens  de  terms  grecB,  qui  bti  ÜaimU  fort 
itrangera:  U  rip^ta  en  balbutiant  les  mots  de  auhstanoe  et  cP^poMtcue  (Socr.  3,  8,)  — 
puit  ü  dtmna  son  opinion,  et  il  n^est  pas  douteux,  qu'eUe  fkt  accablante  p<mr  Arms.* 

*)  "Oßwg  yap  6  HoQSwßif^  n^  h  'Joxayia  ixiaxoxo^^  —  ro  £ctfliJlMov  rov  ^ißvo( 
ixßaJieiv  doyfia  xpoSv/movftevo^y  ripf  xepi  ovOucc  ftai  wtoffraffeta^  xsxoofrai  (iljn^iVy 
ifTtf  xai  aMf  erepeef  epiOxeJUa^  vxoSeat^  yeyovev.  MAa  tcrt  für  ff  tr  IVtMcaft  ixt- 
yerofievr;  övvodog  jrtpi  ripf  tovtov  ^i^nfCiy  ovSh  Xoyov  i^üa^er  (muss'  hcissen':  r^v 
Xipl  TOVTOV  (ifTtfOtv  odSk  JLoyoo  jj(üoeev),    Socr,^3f  8  (7). 


Honiu  TOB  der  Synode  Ton  Elvira  bis  sar  Synode  von  Nicia,  306 — 325.    141 

ob]  gelebt  habe^  als  man  bie  jezt  angenommen)  widerlegen  wollte!^), 
1  Akocandrien  die  Streitfrage  über  das  Wesen  und  die  Hypostase 
w^k  ovaiae  xcri  ynoardiceoDg)  behandelt  ^  was  später  zu  einem  andern 
den  Anlass  gegeben  hat.  Aber  die  Synode  von  Nicäa  hat  diese 
mit  keinem  Worte  berührt  Das  Leztere  ist  tmwahr.  Auch 
ein  Laie,  und  kein  Theologe  er  hatte  kein  Verständniss 
li  kein  Interesse  für  -theologische  Streitfragen.  Seiner  Tendenz  liegt 
niher,  diese  Streitfragen  von  dem  Standpunkte  des  E^aisers  Oonstantin 
i  betrachten,  welchem  sie  als  blosse  persönliche  Streitigkeiten  und 
whthahqpeien  erscheinen. 

Ans  seinem  Berichte ,  aus  welchem  ein  indirekter  Tadel  g^en  Oslos 
ndurchsehimmert,  geht  wenigstens  so  viel  hervor,  dass.  Osius  selbst 
•  l^reitfragen  behandelte,  um  die  es  sich  zu  Alexandrien  handelte, 
id  —  selbst  ein  Theologe  und  gewandter  Dialektiker,  erstens  den  Un- 
nofaied  zwischen  Wesen  und  Person  in  der  götdichen  Dreieinigkeit 
Bm»riiob  und  nachwies,  indem  er  sich  für  die  Bezeichnung  der  Personen 
■  Wortes  j^ypostase^  bediente,  dass  er  zweitens  jener  beständigen 
Iwdinidignng  der  Arianer  widerlegend  entgegentrat,  ab  seien  die  Ea- 
loliken  mit  ihrer  Lehre  von  der  gleichen  Wesenheit  des  Vaters  imd 
m  Sohnes  der  Irrlehre  des  Sabellius  anheimgefallen.  Die  Controversen 
megten  sich  also  in  ähnlichen  Entgegnungen  und  Gegensäzen,  wie  die 
ü  Kallistos,  Hippolytus  und  Sabellius  zu  Bom  um  das  J.  220^  wie 
ie  jfes  Dionysius  von  Alexandrien,  der  Sabeliianer  in  der  Pentapolis, 
wtk  im  Dionysius  von  Bom  um  das  J.  257,  wie  die  der  Eusebianer  im 
.  341  za  Antiochien  gegen  die  Katholiken.  Osius  zeigte  in  Alexan- 
osn  (324 — 25)  und  musste  zeigen,  dass  die  katholische  Lehre  von  der 
ottiieit  des  Sohnes,  von  der  sabellianischen  Irrlehre ,  nach  welcher  der 
lim  keine  Person,  sondern  nur  eine  Erscheinung,  ein  Durchgangs- 
oment  der  (in  ihm  menschgewordenen)  Gottheit  ist,  himmelweit  ver- 
Ueden  sei.  —  Eine  solche  Disputation  hätte  ein  Mann  nicht  unter- 
dunen  und  durchführen  können,  der  erst  zu  Alexandrien  angeÜEUigen 
Ute,  sich  mit  den  herrschenden  Streitfragen  zu  beschäftigen. 

In  dem  von  Photius  ims  erhaltenen  Auszuge  der  Kirchengeschichte 
CS  Ariancrs  Philostorgius  wird  erzählt,  dass  vor  der  Synode  von  Nicäa 
iJezander  von  Alexandrien  nach  Nicomedien  gekommen,  und  mit  Osius 
m  Corduba  und  andern  bei  diesem  befindlichen  Bischöfen  sich  unter- 
ledet  und  es  dahin  gebracht  habe,  dass  sie  —  in  der  feierlichen  Form 
Synodalabstimmung  —  den  Arius  excommunicirt,  und  die  gleiche 


')Döninger,  Hippolytus  und  Kallistus,  8.200%  Sabellius  lehrte  um  218 
ia  Rom.  Er  wir  ein  Libyer  aus  der  Peulapolis.  Weil  derselbe  bisher  erst  im 
J.  257  erwihnt  wurde,  eu  welcher  Zeit  Dionysius  der  Grosse  fge^en  seine  Lehre 
ciosehriti,  giaaMe  man,  dass  er  erst  um  diese  Zeit  in  der  Pentapolis  anfse- 
Ireten  sei.     Cf.  Origmi»  phÜMopk  9, 10—12. 


142  Sechstes  Buch.     Erstes  KapiteL 

Wesenheit  des  Sohnes  mit  dem  Vater  ausgesprochen  haben.  —  P 
storgius  hat  zu  viele  —  bewusste  oder  unbewusste  —  Irrtfatlmai 
arianischen  Interesse  in  Umlauf  gesezt,  als  dass  diese  seine  Aii| 
weil  sie  vereinzelt  dasteht,  Glauben  verdiente^).  -  • 

Sowohl  Eusebius  in  seinem  Leben  ConstantinS|  als  Theodoni 
Cyrus  erwähnen  di^  Sendung  des  Hosius  nach  Alexandrien,  ohne  ji| 
seinen  Namen  zu  nennen.  Eusebius  sagt,  dass  der  Ejuser 
auf*  die  Kunde  von  den  in  Alexandrien  ausgebrochenen  Streii 
„ergri£fen  von  dem  tiefsten  Schmerze,  sogleich  einen  von  den 
fürchtigen  Männern  seiner  Umgebung,  den  er  genau  kannte  —  ab 
durch  die  besonnene  Kraft  seines  Glaubens  probten  Mann, 
sudem  durch  das  glänzende  Bekenntniss  des  Glaubens  in  firiihenr' 
gefeiert  war,  als  Friedensstifter  nach  Alexandrien  sandte.'  Diesen  li 
nannte  Eusebius  nicht,  aber  er  kannte  ihn?).  Er  ist  gezwungen,  üs 
loben ,  aber  er  thut  es  mit  Widerstreben ,  und  unterdrückt  wenigil 
den  Namen  des  berühmten,  und  so  hoch  in  der  Gunst  des  Kii 
stehenden  Mannes,  eines  Mannes,  weldier,  wie  er  zugestehen  4 
nicht  bloss  der  Ueberbringer  des  kaiserlichen  Briefes  war,  sondern  tf 
nach  den  Absichten  des  Kaisers  den  Frieden  herzustellen  suchte.    ^ 

Theodoret,  welcher  bekanntlich  zu  gleicher  Zeit  mit  Socratei 
Sozomenus  seine  Kirchengeschichte  schrieb,  und  die  historischen 
des  Eusebius  als  seine  Vorarbeiten  benüzte,  spricht  von  der 
des  Hosius,  dessen  er  später  mit  hohen  Ehren  gedenkt,  in  einer 
aus  der  hervorgeht,  dass  er  nicht  wusste,  dass  Hosius  dieser  Greoi 
nach  Alexandrien  war.  „Als  der  Kaiser  dieses  ierfuhr,  sandte  etf^ 
die  Quelle  der  Uebel  selbst  zu  verstopfen,  einen  wegen  seines  Sdll 
Sinnes  vielberühmten  Mann  mit  Briefen  ab,  um  den  Streit  beizuhl 
und  die  Eintracht  in  die  Gemüther  zurückzuführen.  Als  er  sich  aU 
dieser  Hoffiiung  täuschte^  so  berief  er  jene  berühmte  Versanmilung  I 
Nicäa*).*'    Weil  hier  Theodoret  den  Gesandten  einen  „negißöfixog^'j  A 


>)  PhÜMtor^.  eecl.  hist,  1,7   —    öwodtxouc  ¥?^<C  ayofioJLoy^Cai   xapaßMUßd^» 
ovCiav  Tfä  xccrgi  rcv  viov,  xai  rov  "A^etov  axoxtj^v^aöScu, 

')  Euseb.  vitß  Constantini  2,  63  —  ravra  Sk  xvSofurog  6  ßcMiXtvg  xed  rip  ^ 
vxe^aXyrjOag  ^  CvyuftOQoy  re  oixeiav  t6  x^ayfia  StfUvtKy  xapc^^ua  n^  < 
avrüv  Seoöeflcüv ,  ov  ei  ifjriOraro  Oti^povt  xiCretag  a^er^  deSoxt/uucfffiuvw  <d 
loLfJUtQWOfuvov  TctiQ  vxkp  evösfietocf  ifioAoyuttc  nara  rovg  efix^Stv  /poroüf»' 
ßtvOeu  el^ijvT^  Tolg  narä  ripf  j4Xi^oyd^euxy  du6Tu6n  hutifutti'  y^aufui  ^  i 
Mcuorarov  SC  avrov  roig  t^  tQeöxeJUotg  airiotg  exiriStfCiv,  Dann  folgt  da 
kannte  Brief  des  Kaisers.  Zum  Lobe  des  Hosius  aber  fugt  Eusebius 
hinzu:  L  2,  63  —  dajxowlro  Se  w  rfi  ypctf)^  fiovov  övfixgdrruvy  dJUa  nai  r^ 
Horaxdfi^/HxrrfK  vevfiari  xcdog  xayaScfy  xai  i/v  rd  xayra  &90^ßiff  **^f  ^  ^ 
7h  dk  ^  apa  x^sirrov  ij  xarä  ripf  rw  y^fifjtarog  duatondeef, 

*)  TheoäortL  h.  eccUg,  1,6  —  xai  rtva  ruv  is^  ayxtvoift  4tM^ifioipru¥  «tc  rtfw  jiJL 
yqctfifjuxruy  dxiCreüLt. 


Hosios  Ton  der  Synode  Ton  Elvira  bis  snr  Synode  von  Nic&a,  306—325.     143 

aTidberühmten'  Mann  nennt,  und  später  Eusebius,  indem  er  eine  Ueber- 
■dift  der  sn  Nicäa  versammelten  Bischöfe  giebt,  den  Osius  gleichfalls 
wtfaßöijTog  nennt  y  könnte  man  vermuthen,  dass  Theodoret  mit  diesem 
Aidikate  den  Hosius  selbst  andeute;  aber  mehr  als  eine  Vermuthung 
jit  es  nicht  Beachtenswerth  ist  y  dass  er  demselben  Scharfsinn  — 
(ifXiwoui  —  9olerUa)  zuschreibt. 

Auffiiliend  ist  es  femer,  dass  Osius  sich  mit  einem  solchen  Briefe 
desKiubers  senden  liess,  dessen  Inhalt  ihm  nicht  verborgen  seyn  konnte, 
ind  der  seiner  Ueberzeugung  entgegenstand.  Dieses  that  Hosius  wohl, 
toI  ihm  zum  voraus  nicht  verborgen  war,  dass  die  Arianer  sich  nicht 
fBgen,  dass  aber  der  Kaiser  nachher  um  so  mehr  seinem  Rathe  nach- 
geben würde. 


f  il 


Zweites  Kapitel. 

Hoslus  imd  die  Synode  von  Nic&a  —  325. 


§.  1.    Der  Antheil  des  Hosius  an  der  Zusammenkunft 

Synode. 

EosebiuSy  Rufinas,  Socrates,  Theodoret  und  Sozomenus/  — 
haupt  die  Zeitgenossen  schreiben  die  Initiative  in  der  Berufunf 
Synode  von  Nicäa  dem  Kaiser  zu.  Von  keiner  Seite  wird  des  Pi 
erwähnt.  —  Der  Kaiser  aber  war  kein  Theolog,  und  hatte  dieses  kü 
durch  seinen  Brief  nach  Alexandrien  bewiesen.  Er  wollte  äussern  Fi 
haben,  er  verstand  vom  Dogma  nichts,  und  betrachtete  jeden 
darüber  als  Wortgezänke  und  Liebe  zu  dem  Streite.  In  dieser  Me 
wurde  er  von  seinen  Hofleuten,  und  besonders  den  Eusebianen 
stärkt. 

Aber  Constantin  verstand  eben  so  wenig,  wie  das  Dogma,  e 
Hierarchie  und  die  Regierung  der  Kirche.  Ihm  lag  es  nahe, 
einen  Machtspruch  den  Frieden  äusserlich  herzustellen.  Ihm  lag  es 
den  streitenden  Partheien  absolutes  Stillschweigen  aufzulegen,  da  in  { 
Augen  Alexander  ebenso  Unrecht  hatte,  als  Arius,  ja  wohl  gröe 
weil  er  den  Arius  excommunicirt,  imd  seine  Sentenz  der  ganzen  f 
mitgetheilt  hatte.  Es  musste  Jemand  da  seyn,  welcher  den  Kais« 
den  Umfang  wie  auf  die  Grenzen  seiner  Macht  aufmerksam  m 
und  ihm  i^eigte,  auf  welchem  kirchenrechtlichen,  und  allein  giltigei 
entscheidenden  Wege  er  den  ausgebrochenen  Streit  schlichten  k 
Nicht  er  sollte  der  Kirche  den  innern  Frieden  geben ;  er  sollte  ab< 
Kirche  Mittel  und  Wege  geben,  sich  selbst  den  gestörten  kirch 
Frieden  wieder  zu  geben;  er  sollte  die  Kirche  veranlassen,  sich 
ihren  eigenen   Glauben  auszusprechen.     Bis  jezt  hatte    es    sahl 


redenden  Bischäfe  Aea  Oriente  berafen;  aber  diese  Synode 
ente  allgemeine,  nicht  bloss,  veil  ihre  BeschlUise  von  der 
irdut  angenommen  wurden ,  und  die  ganze  Kirche  Terbindende 
icht  bloss,  weil  die  Zahl  der  hier  versammelten  BischSfe  weit- 
ler  war,  als  sie  auf  einer  frühern  Synode  gewesen,  sondern 
h  desshalb,  weil  in  den  Legaten  des  Papstes,  dem  Bischöfe 
od  den  Presbytern  Vitus  und  Vincentius,  einerseits  die  gesammte 
lea  Abendlandes,  anderseits  das  von  Christus  gesezte  Oberhaupt 
ia  Tertreten  und  erschienen  war. 

lAbendläudem  war  es  leichter  und  natürlicher,  sich  dem  Primate 
ÜKhea  Papstes  zu  fügen  und  zu  beugen,  den  Orientalen  war 
Imrer  nnd  femer  liegend.  Von  den  Ländern  des  Orients  war 
^  ausgegangen,  und  verbreitet  worden  naeh  dem  Occident, 
tima  von  Jemsalem,  von  Antiochien  und  Algxandrien  konnten 
>U  eines  hohem  Alters  rHhmen,  als  die  rSmiache  Kirche.  Petrus 
BT  neben  Jahre  vorher  erster  Bischof  von  Antiochien  gewesen, 

M«r  Bischof  von  Rom  warde.  Indem  aber  die  dreihundert 
h  Tersammelten  orientaliscbea  BiscbSfe  nach  der  Reihenfolge 
dcBcbriften  feierlich  den  Vorrang  der  rfimischen  Kirche  aner- 
'i  W  diese  Synode  die  erste  allgemeine   Synode   der  ganzen 

—  £s  handelte  sich  damals  nicht  um  das  Recht,  sondern  um  die 
>%keit  der  Berufung  einer  allgemeinen  Synode.  Der  Papst 
HM  nicht  bloss  vennSge  göttlichen  Rechtes,  sondern  auch  ver* 
■Mnischen  Rechtes  —  beut  zu  Tag«  und  in  spüterer  Zeit  diese 
■(  Faktisch  gieng  die  Berufung  der  craten  drdi  im  Uoi^enlande 
XD  Synoden  znerst  von  den  Kaisem  aus;  und  indem  die  Päpste 
I  fügten ,  erkannten  sie  damit  keinenfalls  das  diesafallsige  Recht 
tt  an.  sondern  sie  nahmen  die  Thatsache  der  Bemfime  an.  Veil 


146  Sechstel  Boch.     Zweites  Kapitel. 

Eklektiker  und  Dilettant,  w'ire  nie  zu  einem  solchen  Entschlnsae 
kommen  9  wenn  nicht  Bischöfe  oder  kirchliche  Männer  ihn  dahin  gebi 
hätten.  Als  nach  ,der  Synode  von  Nicäa  die  Eosebianer  und 
bischöfe  überhaupt  sein  Ohr  hatten  y  war  er  diesen  unbedingt  su 
Der  grosse  Athanasius  musste  fallen  y  und  der  elende  Arius  musste  f 
bilitirt  werden,  weil  der  willensschwache  Ejuser  unter  dem  Drucke  I 
Beratfaer  stand.  Jezt,  vor  und  zur  Zeit  der  Synode  von  Nieäa,  bea 
sich  Constantin  kirchlich,  und  überschritt  wenigstens  nicht  in  wesendil 
Stücken  die  Grenzen  seiner  Macht  Warum?  Weil  er  jezt  kircU 
und  charakterfeste  Rathgeber  an  der  Seite  hatte.  Sie  alle  übdj 
Hosius,  dessen  imponirender,  die  Geister  beherrschender  PersSnlidl 
sich  der  Kaiser  um  so  lieber  beugte,  weil  er  voll  der  Hochachtang; 
dem  grossen  Manne  war,  dessen  Gleichen  er  bis  jezt  unter  den  dl 
liehen  Bischöfen  noch  nicht  gefunden  zu  haben  glaubte. 

Constantin  kannte  nicht  den  Nuzen  und  die  Nothwendigkeit 
Synoden.  Qsius  kannte  sie  besser,  als  irgend  einer  seiner  Zeii 
£^  hatte  in  einer  Synode  zum  erstenmale  die  Kirche  von  Spaniea 
einigt  und  geeinigt  Jeart  wollte  er  die  ganze  Kirche  durch  das 
einer  Synode  einigen.  Niemand  hatte  —  nach  meiner  Ueberzeoj 
einen  grösseren  Einfloss  auf  die  Berufung  dieser  Synode,  also 
grösseres  Verdienst  um  die  Berufung  der  allgemeinen  Synoden, 
mand  leugnet  z.B.,  dass  an  der  Berufung  der  dritten  allgemeinen 
Nestorius  den  grössten  Antheil  hatte  —  431.  —  Warum  sollte  mif; 
Antheil  des  Hosius  an  der  Berufung  der  ersten  Synode  leugnen?  j 

Doch  es  fehlt  an  positiven  Beweisen,  und  es  scheint  verdiv 
dass  Eusebius,  im  Grunde  der  einzige  gleichzeitige  Berichterstatter  f 
die  Synode,  über  diese  Sache  hinweggehet  —  Aber  Eusebius,  deral 
seinen  Helden  rühmen  und  verherrlichen  will ,  dessen  Leben  Co 
ein  fortlaufender  Panegyrikus  ist,  hat  nichts  weniger  als  eineGes 
der  Synode  von  Nicäa  geschrieben.  Er  hat  dicke  Pinselstriche  zu 
sten  seines  Helden  aufgetragen;  er  erzählt  einige  Aeusserlichkei 
Nebensachen,  dagegen  von  den  Verhandlungen  selbst  nichts,  weHj 
der  Verlauf  derselben  persönlich  zuwider  war,  und  er  selbst  daria.! 
tragisch-  komische,  d.  h.  eine  traurige  Rolle  gespielt  hatte.  Ihm  ko| 
der  grosse  Antheil  des  Hosius  an  dem  Zustandekommen  and  i 
Ghmge  der  Synode  nicht  verborgen  seyn.  Er  konnte  ihm  nicht  bbA 
als  gram  seyn,  und,  selbst  Hofbischof,  —  konnte  er  nicht  anden 
eifersüchtig  auf  den  Einfluss  des  Hosius  auf  den  Kaiser  seyiL 
Sein  Schweigen  beweiset  nichts. 

Ein  anderer  Zeitgenosse  hat  über  die  Synode  von  NiCäa  niolit 
schrieben.  —  Die  Schrift  des  Athanasius :  De  decretis  Nicaenae  StflnOi 
—  enthält  keine  Geschichte  des  äussern  Verlaufes  der  Synode,  sonc 


')  AtkanoM.  op.  ed.  Maur,  1,  164"  187. 


^eit,  bexiehungs-weise  Unwissenheit  erhellt  anch  daraoa,  daas 
m  Sylvester  den  Juline  ala  rfimischen  Papst  jener  Zeit  neimt 
t  abfaSng^g  Ton  der  Erzählung  des  Easebini  ist  Tbeodoret, 
ueh  Ensehius)  berichtet,  dase  der  Kaiser  jene  vielgenaiinte 
.  Ni<Aa.  versammelto ').  — 

«OB  erscheint  demnach  als  einziger  Berichterstatter.  Da  Hosiua 
n  Vorsizender  der  Sjnode  war,  Eusebius  aber  davon  nichts 
U,  —  so  erscheint  auch  sein  Schweigen  in  vorliegenden  Falle 
tUch,  wenigstens  sla  verdächtig.  Rufinus  von  Aquileja,  der 
t  und  Fortsezer  des  Eusebius,  weiss  nicht  viel  mehr,  als  dieser, 
findet  sich  bei  ihm  die  vielleicht  aus  der  mündlichen  Tradition 
aDO Notiz,  daas  Constantin  „auf  den  Rath,  oder  nach  dem 
t«n  der  Bisdiöfe"  die  Synode  nach  NicSa  berufen  habe*), 
it  bei  diesen  „Bischöfen"  znerat  an  Osios,  den  Rath  und  Ver- 
ha  Kaisers,  denken  müsse,  kann  wohl  nicht  bezweifelt  werden. 
Kschöfe  mögen  seinem  Rathe  beigestimmt  haben;  er  war  aber 
Iv  änäussreichste  Rathgeber ,  und  selbst  der  nnwiirdige  Eusehitu 
omedien  konnte  nicht  gegen  ihn  aufkommen. 
gauMse  des  RuSnus  war  der  Aquitanier  Sulpicios  Sevems.  Bei  ihm, 
1  ^aüger  Geschichte"  einzelne  Detaiiangaben  über  die  Eirchen- 
tl  des  vierten  Jahrhunderts  von  grossem  historischem  Werthe 
^  sind,  findet  eich  die  positive  Angabe,  dass  nach  der  Ueber- 
ds  Zei^Dossen  Hosius  der  Veranlassor  der  Sjnode  von  Nic&a 
«Die  Synode  von  NicSa  kam,  wie  man  glaubte,  auf 
Btreiben  zu  Stande"  (Ijlieama  »ynodua  ouetore  illo  coirfeeta 
')').    Sulp.  Severus  spricht  hiemit  [die  aUgemeine  Anschauung 


148  Sechstes  Buch.     Zweites  Kapitel. 


jener  Zeit,  aus;  xmdf  wie  wir  bald  sehen  werden,  gaben  die 
jener  Zeit,  welche  den  Osius  nicht  weniger,  als  den  Athanasins 
ein  indirektes  Zeugniss  für  die  Wahrheit  der  Thatsache  selbst 

Mass  man  zugeben,  dass  in  dem  Geiste  des  Kaisers  de^ 
eine  allgemeine  Synode  zu  berufen,  nicht  allein  und  ausschlieBslii 
wachsen  konnte,  dass  er  Rathgeber  suchte  oder  £EUid,  muss 
geben,  dass  in  dieser  Zeit  Hosius  in  dem  Rathe  des  Kaisers  den 
Einfluss  hatte,  so  wird  das  positive  Zeugniss  des  Bufinus  und  noch 
des  Sulpitius  Severus  yon  grossem  Gewichte  seyn,  während  das  Seh 
des  Partheimannes  Eusebius  diesem  Zeugnisse  nichts  von  seinem 
nehmen  kann.    Wenn  aber  Osius  diesen  Einfluss  auf  den  Kaiser- 
und  ausübte,  so  erhellt,  dass  er  um  die  katholische  Kirche  dadurcb 
die  grSssten  Verdienste  erwarb ,  ■.  und  dam  schon  wegen  diesea 
Verdienstes  sein  Andenken  für  aUe  Zeiten  im  Segen  bleiben  man. 

§.  2.    Hosius  fuhrt  den  Vorsiz  auf  der  Synode  von  NicSa. 

Eine,  wenn  auch  gedrängte,  Geschichte  der  Synode  von  IfidUflr 
schreiben  liegt  nicht  in  dem  Plane  dieses  Werkes ').  —    Hier  soll  Mt 
über  dasjenige  gehandelt  werden ,  was  mit  dem  Spanier  Hosius  in  (witi^ . 
lieber  oder  angeblicher)  Verbindung  steht  —  Die  Synode  dauerte  ns;^ 
14.  Juni  bis  zum  26.  August   des   Jahres  325.     Von   abendländisclii''^ 
Bischöfen,  welche  der  Synode,  deren  Mitgliederzahl  jezt  .gewöhnlich  dt  ^ 
318  angegeben  wird,  beiwohnten,   werden  nur  Hosius  von   Gorclobiy  /" 
Gäcilian  Yon  Carthago ,  Marcus,  Metropolit  von  Calabrien,  Nicasiuant^ 
Dijon,  Domnus  von  Stridon  angeführt.  ^ 


')  Eine  solche  findet  sich  von  mir  in  dem  von  Aschhach  hcransgegebeoen  Krehi^ 
lenikon. 

')  Marcus  Calabriae  (provindae  Calabriae),  während  einige  Zeilen  vorher  steht:  Mi^  "" 
CM«  Metropolitanus  Calahriensis,    Provinciae  Africas^  Ccucüianus  Ccurthagmemsit.  f^ 
vinciae  DcUm<Uiae  (Dardaniaef)  Bunius  Stoborum.     Provincias  PannoiiuM,   Dmttt  ' 
Stridonensis.   iVovtnaiae  GaUictrum  —  Nicasius  Divionensis.  —    Manaham ,  AnhMli  ^ 
»Der  Triumph  der  katholischen  Kirche  in  den  ersten  Jahrhunderten«  —  ^*^ 
üem  Englischen  v.  Reiching  —  Regensb.  1861  —  sagt  —  8.  183  —  Boaiafi  » 
schof  von  Stobi  in  Macedonien.    Die  Stadt,  welche  bei  den  SchriflstelleaiM^ 
heisst  (Straboy  8,  389,   —    Ptolem.  3,  13.  34,  —    Livius,  33,  19,  39,  54.40,^^ 
—  Plin.4,  10.  17)^    dagegen   Stopi    auf  der   Tabula  PeuHnger.  (f) ,  war  spUi« 
Hauptstadt  von   Macedonia  salutarts  (Forbiger,  Handbuch  d.  alten  G^eogiapU^ 
3»[1848J,  S.  1,058),  wird  in  der  ersten  Unterschrift  der  Synode  von  Nidlt^^'^ 
Provinz   Dalmatien,   in  der  zweiten   der  Provinz  Dardanien  zugeceeboct,  a^j 
der  Unterschrift:  Bornas  Triporum.    Nach  Lequim  -^  orisM  ekrisÜoHK,  nach 
strate  —  Antiquitates  scelesiae  Ulustr.  t  2,   nach  Carol.  a  8.  Paulo,  nach  Binterim!^^ 
Denkwflrdigkeiten,  1,2,  S.  485  flg.  gehörte  Stobi  (es  trägt  noch  heote  difli*- 
Namen)  zur  Kirchenprovinz  Thessalonich  in  Macedonien.    Dagegen  war  Scql 
(Ptokm.  3,  9,  6.  —  8,  11,  5.  —    Geo^.  Rav.  4, 13.  —    Nicspk,  Biymm.  4, 11  - 


f.  2.     Hoiiiu«  rnhrt  dirn  VorsiE  auf  der  Synode  von  NicKa.  149 

El  ü(  <»ii  gelSafiger  Irrthnm ,   daea  das  Abendland   eu  Nicäa  nicht 
RH)  war.     Diese  Vertretung  ist  vielmehr  unleugbar ,  und  giebt  der 
Bfinheit  der  Synode  eine  verBtärkte  Bedeutung. 
Uann  beachte  man ,  da«s  die  Art  und  Weise  der  Vertretung  nicht 
Ja&lle   oder  dem   GutdUuken   überlassen,  daas   sie   vielmehr  zum 

/«»tgeBtellt ,  also  auch  die  Einladungen  darnach  ergangen  waren. 
a  beachte ,  dass  aus  jedem  Lande  der  lateintscbcn  Kirche  ein  Ver- 
in  Nicäa  anwesend  war.  —  Afrika  war  durch  CäciHan,  Spanien 
irch  Hosius,  Gallien  (Britannien  und  (rermanien)  war  durch 
s,  Italien  durch  die  beiden  römischen  Presbyter  und  den  Bischof 

aos  Calabrieu ,  Pannonien  und  die  angrenzenden  Länder  waren 
Domnas  yon  Stridon,  Illyrien,  soweit  es  lateinisch  war,  war 
Itt  durch  DaciuB  und  Buniua  vertreten. 

er  war  Voreizender  zu  Nicäa?  —  Der  Kaiser  Constantin  eröffnete 
ikber  Anrede  die  Synode.     Hören   wir  zuerst  den   Bericht  des 


ma  CoBH,  l  9.  c  4.  —  f\xieop.  il,  aed.  4,  4)  flauptsUdI  von  DsrdaDieii,  und 
I  de«  Etibiichor»  von  [llyriciim,  am  diius,  und  nördlich  von  Stobi,  idd- 
«tlich   von  Kardira,    untfr   welchem   mehrere    Biatliümer   stunden   (Farbiger, 

Ifiaby.  E>  bpitil  heule  U>kub.  An  Scodcii,  spilet  Prima  Jusliniano  in  der 
vriat  Pntevd.lana,  heule  Seodur  oäet  Sculari  (Forbiger,  3,844),  kann  man 
>U  nicht  denken.  Der  im  Jahr  1860  lu  Ulm  gestorbene  Pbilolog  Th.  L.  Fr. 
M,  welcher  in  der  Geog-raphic  der  Haemas- Halbinael,  wie  kaum  ein  an- 
atj,  bewandcil  war,  hat  die  Schritt  dos  Kaiscre  Con^Unlm  des  Purpur- 
(kMnen  —  dt  firofindit  —  (de  lAemalibutJ  ngni  Bgzanlini  —  heiausgegcben  — 
Vmgae  1847.  Darin  heitst  e»;  ixa^ia  Maxilmia(  IL,  üj>'  ^i/iäm  itöttit  S 
«<  ineral  wird  genannt  Srößoo  (Talel,  p.  3).  —  Die»  iit  wörllleh  dem  ^W- 
i^fot  —  Reiiebegleiler  —  des  jBngem  (de«  Gr«mma(ikera)  Hieroeles  im  An- 
ige  de»  secbsteo  Jabrhunderlt  —  enlnommen,  der  zueril  von  Caralut  •  8.  Paulo 

deiien  ^Gaographia  tacra'  —  Parii  1641;  Anut^daa  1704,  Fol  —  edirt, 
eder  abgedruckt  wurde  in  Äntiquilatet  eccieiiae  iUoMlralat,  Soataa  1697,  FoL  2  voL, 
d  in  dem  ./nperium  orienlaW  des  Ansel.  BandurÜ  —  Ptirü  1711  —  2  voL  Fol.  — 

■  beate  Ausgabe  galt  die  von  Wesseling  in  seinen:  ^lUntrana  veUraM  Ba- 
mcrmm'.  -  Amtulod.  1735,  p.  631  -  734.  —  Einen  geringem  Werlh  legt  Tafel 
f  die  Anagabe  de*  Imm.  Becker  in  Berlin  —  BonwH  1840.  ~-  mnen  eor- 
nen  Teit  hat  Tafel  aelbsl  aU  Anhang  la  ConalanL  Porphyrog.  erwähntem 
crke  —  (p.  11  -  17>  gegeben.  (Diese  Ausgabe  isl  von  A.  Polthaal:  „BBilio- 
ca  kitorka  medä  atvi'  ~  BeroL  1862  _  uberseheD  worden.)  Die  im  J.  1858 
(ekündigte  Autgabe  des  .Reise begleiten'  v.  M.  Cb(.  MQIIer  —  in  der  von 
TDin  Didot  heranigegebenen  Sammlung  der  kleinern  griechischen  Geographen 

isl  meinet  Witiens  noch  nicht  erschienen.  In  dem  ,/niiai  «cefasüinni 
OH  CemttmL  tabjadmtium'  von  Leo  Sapiens  (a.  886  —  911)  Bndel  lieh  da* 
Mham   Stobi   Dicht  mehr.      Bei   der   Unsieherheit  der    Lesarien   wollen   wir 

dabingea teilt  uja  lassen,  ob  der  Bisdiof  Bmma  Siakarwm,  «och  BoJiai 
ih'gii«  nnd  Boniiu  Triponm  genannt,  zu  den  lateiaiscben  oder  griechitcben 
tehfrfen  gehört  habe.     FQr  das   erslere   spricht  der  Umstand,   datt   er   nnler 

■  laleinJBcheD  Biaebcfen  steht.  —  Der  Metropolit  von  Calabrien  war  der 
Kbo(  von  ßheginm. 


150  Secbstes  Buch.     Zweites  Kapitel. 

Augenzeugen  Eusebius^):  Nachdem  alleBischQfe  in  den  bestuumteni 
eingetreten  waren ,  an  dessen  Seiten  sich  sehr  viele  Size  befanden, 
sich  Jeder  an  seinen  Plaz,  und  schweigend  erwarteten  sie  die 
des  Kaisers.    In  Bälde  traten  die  Hofbeamten  ein,  jedoch  nur 
die  gläubig  waren;  und  als  sofort  die  Ankunft  des  Kaisen 
wurde,  standen  alle  auf;  er  aber  erschien  jezt  wie  ein  Bote  Grottetj 
Gold  und  Edelgestein,  eine  herrliche  Erscheinung  (besonders  i&i 
Augen  eines  Hofbischofes,  wie,  Eusebius),  sehr  gross  und  schlank, 
Schönheit  und  Majestät      Mit  dieser  Hoheit  yerband    er  suglmk 
yiel  Bescheidenheit  und  religiöse  Demuth,  so  dass  er  seine  Ai 
erbietig  zu  Boden  schlug,    und  sich  auf  den  für  ihn  .bereif 
goldenen  Stuhl  nicht  sezte,  bis  ihm  die  Bischöfe  das  Zeichen 
geben  hatten.     Nach  ihm  liessen  aber  auch  sie  sich  alle  auf  ihm^ 
nieder.     Jezt  erhob  sich  der  dem  Ejiiser  zunächst  rechts  sizeac 
schofy   und  hielt  an  ihn   eine    kurze   Anrede,    Gott   um    seine 
dankend.    Nachdem  er  sich  wieder  gesezt,  sprach  der  Elaiser  mit 
Stimme  also: 

„Es  war  mein  höchster  Wunsch,  meine  Freunde,  euerer  V< 
lung  mich  erfreuen  zu  können.  Ich  muss  dafür  Gott  danken, 
mir  zu  allen  andern  Gnaden  auch  diese,  die  allerhöchste,  erwi< 
nemlich  euch  alle  einträchtig  und  in  einer  Gesinnung  hier  ▼< 
zu  sehen.  Möge  kein  böslicher  Feind  dieses  Glück  uns  wieder 
und  nachdem  die  Tyrannei  des  Feindes  Christi  besiegt  ist,  soll  der'| 
Dämon  das  göttliche  Gesez  nicht  mit  neuen  Lästeinmgen  verfolgen. 
Zwietracht  in  der  Ejrche  halte  ich  für  schrecklicher  und  schmerzlich( 
jeden  andern  Ejrieg.  Sobald  ich  durch  Gottes  Hilfe  über  die  Feinde 
hatte,  glaubte  ich,  es  sei  jezt  nichts  mehr  nötbig,  als  mit  denen, 
ich  befreit,  in  gemeinsamer  Freude  Gott  Dank  zu  sagen.  Als  ich  nun 
von  euerer  Zwietracht  hörte,  war  ich  überzeugt,  diesen  Gcj 
keinem  andern  nachsezen  zu  dürfen,  und  habe  in  dem  Wunsche,  M 
meine  Dienstleistung  Hilfe  bringen  zu  können ,  euch  schleunigst  berd 
Ich  werde  a1)er  nur  dann  meinen  Wunsch  zu  erreichen  Rauben,  ii 
ich  die  Gemüther  aller  vereint,  und  friedliche  Eintracht  erblicke,  nd 
ihr,  als  Gottgeweihte,  auch  andern  verkündigen  müsst.  Zögert  i 
nicht,  meine  Freunde,  zögert  nicht,  ihr  Diener  Gottes;  entfernt 
Ursachen  des  Streites,  und  löset  aUe  Knoten  des  Zwistes  durch  die 
seze  des  Friedens  auf.  Dadurch  werdet  ihr  das  Gott  angenehmste  ^ 
vollbringen,  und  mir,  euerem  Mitdiener,  eine  überaus  grosse  Fre 
bereiten.*' 

Also  lässt  Eusebius  den  Kaiser  sprechen  ^) ,  wobei  er  sicher  Ein 
von  dem  Seinigen  beigemischt  hat.  —    Theodoret ,  dessen  Bericht  i 

0  Nach  der  Uebersezung  von  Hefele,  C.  G.  1,267  —  68. 
»)  JSW».  viL  Comt.  5, 12. 


{.  2.     Hosiiu  ffihrt  den  Voniz  anf  der  Syoode  tod  Nic&a«  151 

die  jSJTüode  ansBerordentlich  mager  ist ') ,  hat  einige  fremdartige  Beieäse 

£eferat  über  dre  Rede  des  Kaisers  gezogen.  —    Ebenso  bat 

flieh  nur  auf  den  Bericht  des  £asebius  gestüzt.    Sosomenos  hftlt 

^  Reihenfolge  der  Ereignisse  nicht  fest,  und  reiht  in  der  Weise  von 

j^^Q^ten  die  einseinen  Nachrichten  an  einander.  Die  Bede  des  Kaisers^ 

^  tf  miftiheilty    ist  offionbar  eine  Paraphrase  oder   vielmehr  Umstel- 

^£  der  Bede  bei  Ensebins^).      Beide  sagen,  dass  der   Kaiser  lat^ 

^di  getpreohen,  nachher  aber  seine  Worte  von  Jemand  grieichisch  vor- 

\    l^^*8^  w<»rden,  dessen  indess  der  Kaiser  gleichfalls  mächtig  gewesen, 

^.    4^  er  Dftchher  in  dieser  Sprache  an  den  Disputationen  Theil  genom- 

^^  Evebius,   und  nach  ihm   Andere,  sagen,   dass   der  Kaiser  nach 

sn:  Waitigter  Bede  —  das  Wort  an  die  Yorsizenden  der  Synode  abge- 
^.j  iHlea  tuibe^).  Wer  war  nun  jener  Bisdiof,  welcher  die  Empfangsworte 
-«;i;  Mte  Kaiser  richtete,  wer  waren  femer  die  Yorsizenden  der  Synode? 
x:  s  Ubm  Eosebius  jenen  nicht  nennt,  scheint  er  sich  selbst  damit  zu  be» 
■idmcD.  Man  wird  dabei  an  jene  Kirchweihrede  erinnert,  welche  Eu* 
;g^  mKqi  im  J.  335  nach  der  Synode  von  Tyrus  —  zu  Jerusalem  hielt  *), 
,  ia  wM  er  aber  keineswegs  seine  rednerische  Thätigkeit  mit  Stillschweigen 
ttsgcht,  denn  er  sagt:  |,Daselbst  haben  auch  Wir,  welchem  Grösseres 
ikrVadienst  anvertraut  wurde,  mit  mannigfachen  öffentlich  gehaltenen 
r  zc  Baiadas  Fest  verherrlicht,  indem  vrir  theils  die  Zier  und  Pracht  der 
is;  kiii|^eQ  Bauten  in  der  Schrift  darstellten,  theils  die  prophetischen 
^  Qmik  ab  in  dieser  Zeit  eingetroffene  und  in  dem  Baue  selbst  erfüllte 
^  ^olilken*),«  —  Er  erzählt  weiter,  dass  er  über  den  Bau  der  Basilika 
•iBMli  verfasst,  und  es  dem  Eidser  gewidmet  habe.  „Dieses  Budi,^ 
iw<^fort,  „werden  wir  passend  an  den  Schluss  dieses  Werkes  an- 
:^.  »n,  aad  zugleich  jene  Festrede  über  die  dreissigjährige  Begierungs* 
^  >^<Mi  Kaisers  anfügen,  welche  wir  kurz  nachher,  nachdem  Wir  nach 
e.  *  ^*"*tttinopel  gereist  waren,  vor  dem  Kaiser  selbst  vorgetragen,  indem 
1^  vir  daioals  zum  zweitenmale  in  dem  kaiserlichen  Pallaste  den  höchst^i 
^  ,  Hsn  und  Gott  aller  Dinge  mit  Lobpreisungen  erhoben.  Als  dieses 
''fi^^bto  Kaiser  hörte,  schien  er  vor  Freude  aufiBujauchzen  ^). 
''M  machte  er  auch  nach  beendeter  Bede  kein  Hehl ,  als  er  die  an- 
^^noden  Bischöfe  an  seinen  Tisch  zog,  und  ihnen  jedwede  Ehre  anthat^ 


^-e^ 


.   T- 


i: 


^'        *)  2Uo(hr.  k.  eeeU$.  1 ,6. 
J*       ^Sonm.  1,19. 

*)  Ib^Sidov  rov  Jicyov  roig  r^  ßwodcv  jtpoddpotg,    Aueb,  3,  13, 
£z^       *)  Vit  Corui.  4,  15  —   erSa  dij  xai  ^  fit  lg  xCn  vxhq  i^fiaf  ayaMv  ij^ua/juvot^   fcoi- 
MÜtuc  Toic  *k  t6  MOtvov  dietiehOi  r^  ia^Triv  hrifMäfuv, 
*)  Siehe  des  Eusebias  Festrede  (zQ  Tynis)  in  1.  10  seiner  Kirchengeschiehte,  wo 
er  zu  zeigen  saeht,  dass  die  einzelnen  Theile  der  Basilika  eine  mjsüsehe  Be<* 
deutong  haben. 
^)  Oi  d^  Mor^ipt^otifjurog  6  rä  ^«^  f^^i  ycerw/ierta  eann. 


152  Seclitif«  Bicb.     Zweitn  KapileL 

Der  Hofbi«ciM>f  EiuebiiiSy  der  das  W^rmodhfius  in  so  ngea 
Sdiwingimgeii  Tor  dem  Kaiser  emporsteigen  liess,  wchmi  aicli 
auch  sein  eigenes  Lob  ror  seinen  Lesern  zu  TerkQiidige&.  Es 
mir  nicht,  dass  dieser  lobhudelnde  Hofbisehof  es  Qber  sicfa  ( 
hätte y  sich  selbst  zn  verschweigen,  wenn  er  die  Aiurede  an  det 
gehalten  hätte;  er  hätte  es  wohl  nicht  über  sich  gebracht,  diese) 
mitsuthrilen *).  Es  ist  wahr,  dass  Sozomenns  wörtKeh  sagt,  c 
nachdon  rieh  aDe  Bischöfe  gesezt,  Eusebius  Pamphili  sich  erhob 
Anrede  an  den  Kais^  gehalten,  und  um  seinetwillen  einen  Danl 
an  Gt>tt  Yorgetragen  habe,  während  Socrates  des  ganzen  Vc 
nicht  erwähnt^).  —  Dagegen  berichtet  Theodoret  ebenso  Im 
Alsbald  begann  der  grosse  Eusthatius,  weldier  Patriarch  von  Ai 
geworden  war,  mit  den  filumen  der  Lobeserhebungen  das  Hi 
üjusers  zu  schmücken  ^  und  er  erwiderte  seinen  frommen  Eifer 
bührendem  Danke ')»  ^—  Theodoret  verdient  soviel  Glauben,  al 
menns,  ja  er  ist  kritischer  und  gewissenhafter.  —  Für  Sozomenu 
dagegen,  dass  es  in  der  Kapitelsüberschrift  zu  Eusebius  —  Leb 
stantin*s  —  3,  11  —  heisst:  „Stillschweigen  der  Synode,  nachc 
Bischof  Eiisebius  etwas  gesprochen  hatte.^ 

Diesen  Widerspruch  sucht  der  Herausgeber  der  Historia  U 
d.  h.  de»  Scholastikus  Epiphanius,  welcher  im  Auftrage  Cassioc 
drei  Werke  von  Socrates ,  Sozomenus  und  Theodoret  übersezte  u: 
arbeitete,  dadurch  zu  heben,  dass  er  behauptet,  nach  Eusthatius 
tiochien  habe  auch  Eusebius  Pamphili  einige  Worte  gesprochen  *). 
Choniat.  sagt  in  seinem  „Thesaurus  orthodoxae  fidei^  (5,  7):  „] 
bezeugt  in  dem  dritten  Buche  des  Lebens  Constantin^s,  dass  e 
in  der  Synode  gesprochen  habe.  (Nicetas  also  hält  den  Eusebii 
für  den  Verfasser  der  Ueberschriften  seiner  Kapitel.)  Wenn  wl 
dem  Theodoret  Glauben  schenken,  hat  zuerst  Eusthatius  gesproc 
wie  aber  Theodor  von  Mopsveste  schreibt,  ist  dem  Alexander, 
von  Alexandrien,  diese  Ehre  übertragen  worden.*' 

Wo  Theodor  dieses  sage,  berichtet  Nicetas  nicht.  Von  Theod 
lorenen  Schriften  ist  besonders  durch  Angelo  Mai  Vieles  neu  auf]§ 
worden;  noch  aber  fehlt  es  an  Registern^  und  es  ist  besser,  in  dies< 
unvollständig  zu  seyn ,  als  Tage  lang  seine  sämmtlichen  Schriften 
sie  jezt  bekannt  sind,  zu  durchsuchen,  bei  der  augenscheinliche] 
schoinlichkeit,  nichts  zu  finden.  —  Des  Nicetas  Angabe  ist  durchai 
würdig.   Theodor ,  welcher  um  428  starb ,  und  schon  um  370 — 38( 


*)  Ho  arthoilt  auch  Baronius  (325,56  —  ^),  und  indirect  Tillemont 

•)  8oMOm,  if  iff.  --  avcUfrac  Eiiöißiof  6  17a/ut^üov  Jioyov  riva  rtä  ßceatXei  x^ 

•)    Th90d.   h,  9.    1,6. 

*)  Histor,  tripart  2,  S, 


aaidnen  war  terner  berTomgend  darch  sein  hohes  Alter,  wilh- 
dutiiia  erst  vov  wenigen  Jahren  Patrisrch  geworden  war.     (Er 

B87  im  Exil.)  So  begreift  man  auch,  wanun  Eusebins  den 
ndt  nennt,  dessen  entschiedenster  Gegner  er  war. 
mos  dagegen  ist  für  Euaebius  als  Redner,  erstens  well  er  unter 
Hittiint  der  gelehrteste  and  beredteste  Bischof  gewesen,  was 
nner  Weise  zugebe,  sodann  weil  »  im  Eingange  seines  Werkes 
Ntolich  haben  wir  selbst  den  siegreichen  KSnig,  als  er  mitten 
Vtnammlung  der  Diener  Gottes  sass,  durch  den  Hymnus  auf 
wu^ährige  Regierung  geehrt ')."  Aber  in  der  eigenen  Chronik 
«faias  heisst  es,  und  zwar  zum  J.  330:  „Das  Fest  der  z^anzig- 
ifiegierung  des  Constantin   wurde  za  Nicomedien  begangen, 

folgenden  Jahre  z«  Rom  gefeiert."  In  dem  —  wegen  seiner 
im  Genauigkeit  anerkannten  „Chronieon  patthalt"  heisst  es  zum 
Uch  dem  Beridite  über  die  Synode  von  Nicäa:  Constantin  er- 
Minen Sohn  CoDstans  im  November  zum  Augustus,  begieng 
■  iwsnzigste  Jahr  seiner  Regierung,  und  feierte  die  Vicennalien 

dnreh  glilozende  Schenkungen.  Frosper  berichtet,  dass  das 
Nicomedien  und  in  Rom,  Idatius,  dass  es  nur  in  Born  begangen 
J.   Von  Nicäa  ist  keine  Rede;  und  die  Bede,  welche  Etuebius 

!e,  Cone.  Getcfa.  1,34. 

I  Hehle  trid  der  HeiDnng  de«  Valesiu»  bei,  Codc.  Geiefa.  1,  33—34;  1,268. 

tarnt,  hAb.  6,  mt.  nr  U  eoneäa  —  6  —    nci^  in  leiner  *tet«  «chwanliendeD 

I  in  Alexander.  ' 

ffcle,  Jahrbächer  der  lamiichen  Getchiehle  —  NördlinKen  IBM,  S.  586.  — 

1  Born  zarüekgekehrl  (T)  begieng  CoDgtanllD   leioe  2C|jäbrise  RegieruDgi- 

bII  groisem  Pompe  —  Jnli  325  —   nach  den  F.  C.  im   folgenden  Jahre. 

itgl.  dagegen  Idtltr,    Ctroa.  //.,  U2  A.  —■■  Ckta».  poul.  p.  282.   —    Bieb> 


Zweites  Kapitel. 

Hoslns  und  die  JSynode  von  Nic&a  —  325. 


§.  1.    Der  Antheil  des  Hosius  an  der  ZuBammenkunft  der 

Synode. 

Eusebius,  Rufinus,  Socrates,  Theodoret  und  Sozomenus,' — über  : 
haupt  die  Zeitgenossen  sehreiben  die  Initiative  in  der  Berufung  der 
Synode  von  Nicäa  dem  Kaiser  zu.  Von  keiner  Seite  wird  des  Papatei 
erwähnt.  —  Der  Kaiser  aber  war  kein  Theolog,  und  hatte  dieses  kürsBeb 
durch  seinen  Brief  nach  Alexandrien  bewiesen.  Er  wollte  äussern  Frieden 
haben,  er  verstand  vom  Dogma  nichts,  und  betrachtete  jeden  Streit 
darüber  als  Wortgezänke  und  Liebe  zu  dem  Streite.  In  dieser  Meinoiif 
wurde  er  von  seinen  Hofleuten,  und  besonders  den  Eusebianem  be- 
stärkt. 

Aber  Constantin  verstand  eben  so  wenig,  wie  das  Dogma ,  so  die 
Hierarchie  und    die  Regierung   der  Kirche.    Ihm  lag  es  nahe,   dordi    ; 
einen  Machtspruch  den  Frieden  äusserlich  herzustellen.    Ihm  lag  es  nahe^    • 
den  streitenden  Partheien  absolutes  Stillschweigen  aufzulegen,  da  in  seinen 
Augen  Alexander  ebenso  Unrecht  hatte,   als  Arius,  ja  wohl  grössores,    - 
weil  er  den  Arius  excommunicirt,  und  seine  Sentenz  der  ganzen  Kirche 
mitgetheilt  hatte.    Es  musste  Jemand  da  seyn,  welcher  den  Kaiser  auf 
den  Umfang    wie  auf  die  Grenzen  seiner  Macht  aufmerksam   machte^    . 
und  ihm  zeigte,  auf  welchem  kirchenrechtlichen,  und  allein  giltigen  und 
entscheidenden  Wege  er  den  ausgebrochenen  Streit  schlichten  könnte. 
Nicht  er  sollte  der  Kirche  den  Innern  Frieden  geben ;  er  sollte  aber  der 
Kirche  Mittel  und  Wege  geben,  sich  selbst  den   gestörten  kirchlicheil 
Frieden  wieder  zu  geben;  er  sollte  die  Kirche  veranlassen ,  sich  über 
ihren  eigenen   Glauben  auszusprechen.     Bis  jezt  hatte   es    BahlreiGhe 


f.  1.    Der  Antheil  des  Hosim  an  der  Zvaammenkunft  der  Synode.       145 

iioden  eiiiBelner  LSnder  und  Theile  der  Kirche  gegeben.  Eine  all- 
meiiie  Synode  der  ganzen  Ejrche  war  noch  nicht  gehalten  worden. 
k  Synode  von  Arlee  im  J.  314  war  der  Ucbergang  von  den  Prorin- 
■kynoden  su  den  allgemeinen  Synoden  gewesen.  Dort  war  die  eine 
[ilfie  der  Kirche ,  dort  waren  die  Kirchen  kteinischer  Zunge  vertreten 
ewesen.  Dort  waren  die  Bischöfe  aus  gans  Afrika ^  Italien,  Illyrien, 
illien,  Germanien y  Britannien,  Spanien  zusammengetreten.  Der  Orient 
ar  Ton  dem  Schisma  der  Donatisten  nicht  berührt  worden.  Der  Occi- 
2Dt  war,  wenigstens  bis  jezt,  von  der  Irrlehre  der  Arianer  nicht  be- 
ihri  worden.  Für  die  Synode  von  Nicäa  wurden  zunächst  nur  die 
riecfaisch  redenden  Bischöfe  des  Orients  berufen;  aber  diese  Synode 
ar  die  erste  allgemeine,  nicht  bloss,  weil  ihre  Beschlüsse  von  der 
insen  Kirche  angenommen  wurden ,  und  die  ganze  Elirche  verbindende 
raren,  nicht  bloss,  weil  die  Zahl  der  hier  versammelten  Bischöfe  weit- 
Qs  grösser  war,  als  sie  auf  einer  frühem  Synode  gewesen,  sondern 
orzöglich  desshalb,  weil  in  den  Legaten  des  Papstes,  dem  Bischöfe 
[osius  und  den  Presbytern  Vitus  und  Vincentius,  einerseits  die  gesammte 
iTcfae  des  Abendlandes,  anderseits  das  von  Christus  gesezte  Oberhaupt 
er  Kirche  vertreten  und  erschienen  war. 

Den  Abendländern  war  es  leichter  und  natürlicher,  sich  dem  Primate 
SS  römischen  Papstes  zu  fügen  und  zu  beugen,'  den  Orientalen  war 
eis  schwerer  und  femer  liegend.  Von  den  Ländern  des  Orients  war 
e  Kirche  ausgegangen,  und  verbreitet  worden  nach  dem  Occident 
ie  Kirchen  von  Jerusalem,  von  Antiodiien  und  Alexandrien  konnten 
dl  wdd  eines  hohem  Alters  rühmen,  als  die  römische  Kirche.  Petrus 
ilbst  war  sieben  Jahre  vorher  erster  Bischof  von  Antiochien  gewesen , 
le  er  erster  Bischof  von  Rom  wurde.  Indem  aber  die  dreihundert 
t  Nidia  versammelten  orientalischen  Bbchöfe  nach  der  Reihenfolge 
r  Unterschriften  feierlich  den  Vorrang  der  römischen  EJrche  aner- 
innten,  war  diese  Synode  die  erste  allgemeine  Synode  der  ganzen 
irche.  —  Es  handelte  sich  damals  nicht  um  das  Recht,  sondern  um  die 
othwendigkeit  der  Berufung  einer  allgemeinen  Synode.  Der  Papst 
it  gewiss  nicht  bloss  vermöge  göttlichen  Rechtes,  sondern  auch  ver* 
Sge  historischen  Rechtes  —  heut  zu  Tage  und  in  späterer  Zeit  diese 
efngniss.  Faktisch  gieng  die  Berufung  der  ersten  drei  im  Morgenlande 
shaltenen  Synoden  zuerst  von  den  E^aisem  aus;  und  indem  die  Päpste 
ch  dem  fügten,  erkannten  sie  damit  keinenfalls  das  diessfallsige  Recht 
nr  Kiöser  an,  sondem  sie  nahmen  die  Thatsache  der  Berufong  an,  ^eil 
e  ihren  eigenen  Wünschen  entsprach. 

Solche  Erwägungen  und  Entschlüsse  aber,  aus  welchen  die  Be- 
ilug  der  Synode  von  Nicäa  hervorgieng,  konnten  unmöglich  ihren 
iteo  und  einzigen  Grund  in  dem  Geiste  Constantins  haben.  Er,  der 
ir  an  dem  Handgreiflichen  festhielt,  und  sich  den  Christen  zugewendet 
atte,   weil  sie  seine  Plane  am  besten  forderten,  er  —   ein  christlicher 

Quu,  spsB.  Kirche.  IL  10 


146  Sechstel  Buch.     Zweites  Kapitel. 

Eklektiker  und  Dilettant,  wäre  nie  zu  einem  solchen  Entschliuae  ge- 
kommen,  wenn  nicht  Kschöfe  oder  kirchliche  Männer  ihn  dahin  gebiii^ 
hätten.  Als  nach  ,der  Synode  von  Nicäa  die  Eusebianer  und  die  Hofr 
bischöfe  überhaupt  sein  Ohr  hatten  y  war  er  diesen  unbedingt  su  WiUflB. 
Der  grosse  Athanasius  musste  fallen  j  und  der  elende  Arius  muaate  reha- 
bilitirt  werden,  weil  der  willensschwache  Kaiser  unter  dem  Drucke  üUer 
Beratfaer  stand»  Jezt,  yor  und  zur  Zeit  der  Synode  von  Nicäa,  benafan 
sich  Constantin  kirchlich,  und  überschritt  wenigstens  nicht  in  wesentlidMi 
Stücken  die  Grenzen  seiner  Macht.  Warum?  Weil  er  jezt  kirehlioha 
und  charakterfeste  Rathgeber  an  der  Seite  hatte.  Sie  alle  übemgl 
Hosius,  dessen  imponirender,  die  Geister  beherrschender  PersSnIichhjl 
sich  der  Kaiser  um  so  lieber  beugte,  weil  er  voll  der  Hochachtung  yor 
dem  grossen  Manne  war,  dessen  Gleichen  er  bis  jezt  unter  den  chriii 
liehen  Bischöfen  noch  nicht  gefunden  zu  haben  glaubte. 

Constantin  kannte  nicht  den  Nuzen  und  die  Nothwendigkeit  der 
Synoden.  Osius  kannte  sie  besser,  als  irgend  einer  seiner. ZeitgenosMk 
£^  hatte  in  einer  Synode  zum  erstenmale  die  Kirche  von  Spanien  Te^ 
einigt  und  geeinigt  Jeset  wollte  er  die  ganze  Kirche  durch  das  Mittd 
einer  Synode  einigen.  Niemand  hatte  —  nach  meiner  Ueberzeagung  «^ 
einen  grösseren  Einfluss  auf  die  Berufung  dieser  Synode,  also  auch  eia 
grösseres  Verdienst  um  die  Berufung  der  allgemeinen  Synoden.  Ifis» 
mand  leugnet  z.B.,  dass  an  der  Berufung  der  dritten  allgemeinen  Synoll 
Nestorius  den  grössten  Antheil  hatte  —  431.  —  Warum  sollte  nuai  im 
Antheil  des  fiosius  an  der  Berufung  der  ersten  Synode  leugnen? 

Doch  es  fehlt  an  positiven  Beweisen,  und  es  scheint  verd3lcb% 
dass  Eusebius,  im  Grunde  der  einzige  gleichzeitige  Berichterstatter  Qbör 
die  Synode,  über  diese  Sache  hinweggehet  —  Aber  Eusebius,  der  allek 
seinen  Helden  rühmen  und  verherrlichen  will ,  dessen  Leben  ConstaiitiM 
eia  fortlaufender  Panq^kus  ist,  hat  nichts  weniger  als  eine  Geschichli 
der.  Synode  von  Nicäa  geschrieben.  Er  hat  dicke  Pinselstriche  su  Ott* 
sten  seines  Helden  aufgetragen ;  er  erzählt  einige  Aeusserlichkeiten  wi 
Nebensachen ,  dagegen  von  den  Verhandlungen  selbst  nichts ,  weil  ifatt 
der  Verlauf  derselben  persönlich  zuwider  war,  und  er  selbst  darin  ein 
tragisch-  komische,  d.  h.  eine  traurige  Rolle  gespielt  hatte.  Ihm  konnls 
der  grosse  Antheil  des  Hosius  an  dem  Zustandekommen  und  des 
Ghudge  der  Synode  nicht  verborgen  seyn.  Er  konnte  ihm  nicht  andei% 
als  gram  seyn,  und,  selbst  Hofbischof,  —  konnte  er  nicht  anders  aif 
eifersüchtig  auf  den  Einfluss  des  Hosius  auf  den  Kaiser  seyn.  — 
Sein  Schweigen  beweiset  nichts. 

Ein  anderer  Zeitgenosse  hat  über  die  Synode  von  Ni4^  nidit  ge- 
schrieben. —  Die  Schrift  des  Athanasius :  De  deeretü  Nieaenae  ßi^nodi ') 
—  enthält  keine  Geschichte  des  äussern  Verlaufes  i&t  Synode,  sondern 


I)  Atkamu,  op.  «2.  Maw.  1,  164"  187. 


Der  Anüieil  des  Hosias  an  der  Znaaminenknnft  der  Synode.       147 

twortong  von  Ein'VTÜrfeii  gegen  deten  Beschlüsse;  und  ist  erst 
S60  und  354  yer&sst.  Es  handelte  sich  ihm  besonders  nm  die 
;iing  des  Wortes:  dptoovaioq.  —  Socrates,  welcher  100  Jahre 
Synode  sclnrieb  j  giebt  einen  theils  wörtlichen  y  iheils  sachlichen 
18  des  Eosebios  Geschichte  Constantins  *).  —  Sozomenus  führt 
)  des  Eusebios  fast  i^örtlich  an,  und  fügt  nur  bei,  flass  der 
des  KMsen  (nach  Alexandrien)  Hosius  inrar.  Ucber  die  Be- 
ir  Synode  sagt  er  kurz:  ^AIs  der  Gesandte  ohne  Erfolg  ssu- 
B,  so  berief  der  Kaiser  eine  Synode  nach  Nicäa^).*  —  Seine 
gkeity  be^ehungs weise  Unwissenheit  erhellt  auch  daraus,  dass 
60  Sylvester  den  Julius  als  römischen  Papst  jener  Zeit  nennt 

0  abhängig  von  der  Erzählung  des  Eusebius  ist  Theodoret, 
nach  Eusebius)   berichtet,  dass  der  Kaiser  jene  vielgenannte 

1  Ni<äUt  versammelte*),  — 

MOS  erscheint  demnach  als  einziger  Berichterstatter.  Da  Hosius 
m  Vorsizender  der  Synode  war,  Eusebius  aber  davon  nichts 
11 ,  —  so  erscheint  auch  sein  Schweigen  in  vorliegendem  Falle 
dich,  wenigstens  als  verdächtig.  Rufinus  von  Aquilqa,  der 
or  und  Fortsezer  des  Eusebius,  weiss  nicht  viel  mehr,  als  dieser* 
findet  sich  bei  ihm  die  vielleicht  aus  der  mündlichen  Tradition 
ne  Notiz,  dass  Constantin  ^auf  den  Rath,  oder  nach  dem 
en  der  Bischöfe'^  die  Synode  nach  Nicäa  berufen  babe*)^ 
f  bei  diesen  „Bischöfen^  zuerst  an  Osius,  den  Rath  und  Ver- 
»  Kaisers,  denken  müsse,  kann  wohl  nicht  bezweifelt  werden. 
Sschöfe  mögen  seinem  Rathe  beigestitiimt  haben;  er  war  aber 
r  einflussreichste  Rathgeber,  und  selbst  der  unwürdige  Eusebius 
nedien  konnte  nicht  gegen  ihn  aufkommen. 

enosse  des  Rufinus  war  der  Aquitanier  Sulpicius  Severus.  Bei  ihm, 
jyheiliger  Geschichte^  einzelne  Detailangaben  über  die  Ejrchen- 
I  des  vierten  Jahrhunderts  von  grossem  historischem  Werthe 
ten  sind,  findet  sich  die  positive  Angabe,  dass  nach  der  Ueber- 
der  Zeitgenossen  Hosius  der  Yeranlasser  der  Synode  von  Nicäa 
pDie  Synode  von  Nicäa  kam,  wie  man  glaubte,  auf 
treiben  zu  Stande^  (Jj^ieaena  aynodua  auctare  illo  eanfecta 
)  ^).    Sulp.  Severus  spricht  hiemit  [die  allgemeine  Anschauung 


f.  i,  8. 

u  1,  16—^17,    ixtl  axgcotrog  ixemjti  6  rtjv  el^irpnjv  ßgaßevffai  dx€6rttJLfjuvoCy 

iii^  6vvodov  ttg  Nuteuav  r^  BiSvyiag, 

loreL  k.  eec.  i,  6  —  ixBtSij  dt  r^  iJüriSo^  i^pevOSTjy  rrpf  nokod-qvXkrjrw  huivrjfv 

r  JViMeekay  övinjyei^e  ffvvodov, 

.  Aüft  eee.  1,  1,  —    7\iiii  iUe  ex  sacerdotum  sententia  apwi  wrhem  Ntcae- 

^pweeipdU  condUum  eotwocaL 

C  iStMr.  hiti,  Bocra,  2,  40, 

10* 


148  Sechstes  Buch.     Zweites  Kapitel. 

jener  Zeit  aus;  xmdy  wie  wir  bald  sehen  werden ,  gaben  die  Arianei 
jen^  Zeity  welche  den  Osius  nicht  weniger,  als  den  Athanasins  haiwtqi, 
ein  indirektes  Zeugniss  für  die  Wahrheit  der  Thatsache  selbst 

Mass  man  zugeben ,  dass  in  dem  Geiste  des  Kaisers  dei^  EntscUiiai^ 
eine  allgemeine  Synode  au  berufen ,  nicht  allein  und  ausschliesslich  er 
wachsen  konnte ,  dass  er  Rathgeber  suchte  oder  &nd,  muss  .man  «a* 
geben,  dass  in  dieser  Zeit  Hosius  in  dem  Rathe  des  Kaisers  den  gcSssl» 
Einfluss  hatte,  so  wird  das  positive  Zeugniss  des  Bufinus  und  noch  mdki 
des  Sulpitius  Severus  von  grossem  Gewichte  seyn,  während  das  Schweqp 
des  Partheimannes  Eusebius  diesem  Zeugnisse  nichts  von  seinem  Wertlf 
nehmen  kann.  Wenn  aber  Osius  diesen  Einfluss  auf  den  Ejdser  haH 
und  ausübte,  so  erhellt,  dass  er  um  die  katholische  Kirche  dadurch  mk 
die  grössten  Verdienste  erwarb , ;  und  dass  schon  wegen  dieses  einiigtt 
Verdienstes  sein  Andenken  für  alle  Zeiten  im  Segen  bleiben  muss. 

§.  2.    Hosius  fuhrt  den  Vorsiz  auf  der  Synode  von  Nicfta. 

Eine,  wenn  auch  gedrängte,  Geschichte  der  Synode  von  NidUi  n 
schreiben  liegt  nicht  in  dem  Plane  dieses  Werkes ').  ^  Hier  soll  nur 
über  dasjenige  gehandelt  werden ,  was  mit  dem  Spanier  Hosius  in  {mA 
lieber  oder  angeblicher)  Verbindung  steht.  —  Die  Synode  dauerte  ▼«■ 
14.  Juni  bis  zum  26.  August  des  Jahres  325.  Von  abendländiseha 
Bischöfen,  welche  der  Synode,  deren  Mitgliederzahl  jezt  gewöhnlich  id 
318  angegeben  wird,  beiwohnten,  werden  nur  Hosius  von  Gordditf 
Cädlian  von  Carthago ,  Marcus,  Metropolit  von  Calabrien,  Nicasius  tos 
Dijon,  Domnus  von  Stridon  angeführt. 


')  Eine  solche  findet  sich  von  mir  in  dem  von  Ascbbach  herausgegebenen  Kirthei' 
lenikon. 

*)  Marcus  Calabriae  (promnciae  Cahbnae),  während  einige  Zeilen  vorher  steht :  JKi^ 
CM«  MetropoUtanus  CalabriensiB.  Promnciae  Africaej  Caeciliantu  CarthagineHm,  Br^ 
vmciae  DalnuUiae  (Dardaniae?)  Bunins  Stoborum.  Provinciae  Pannoniakf  Ikmmf 
Stridonensis.  Provinciae  GaUiarum  —  Nicasius  Divionensis.  —  Manabam ,  AmbrtNi 
»Der  Triumph  der  katholischen  Kirche  In  den  ersten  Jahrhunderten**  — >  M* 
üem  Englischen  v.  Reiching  —  Regensb.  1861  —  sagt  —  S.  183  —  Bonioi,  B^ 
schof  von  Stobi  in  Macedonien.  Die  Stadt,  welche  bei  den  SchriflsteltenSliU 
heiflst  (Strahoy  8,  389,  —  Piolem.  3,  13,  34,  —  Livius,  33, 19.  39,  54.  40,  ü- 
—  Plin.  4,  10.  17)  y  dagegen  Stopi  auf  der  Tabula  PeuHnger,  (t)^  war  sp&teie 
Hauptstadt  von  Macedcnia  salutarxs  (Forbiger,  Handbuch  d.  alten  Qeographic^ 
3»[1848J,  S.  1,058),  wird  in  der  ersten  Unterschrift  der  Synode  von  Nieia  dcf 
Provinz  Dalmatien,  in  der  zweiten  der  Provinz  Dardanien  zogerechact,  ait ; 
der  Unterschrift:  Bonius  Tr^ionon.  Nach  I^equien  ~  oriens  ehrisiian,,  nubSdtd  1 
strate  —  Antiguiiates  ecclesiae  iUusir.  t  2,  nach  Carol.  a  8.  Paulo,  nach  Binterili 
Denkwürdigkeiten,  1,2,  S.  485  flg.  gehörte  Stobi  (es  trägt  noch  heute  dies« 
Namen)  zur  Kirchenprovinz  Thessalonich  in  Macedonien.  Dagegen  war  St^ 
(Ptokm.  3,  9,  6.  —  6,  11,  5,  —    Qeogr.  Ran.  4,  13.  —    Nicspk  Btymm.  4, 18.  - 


f.  2.     Hosius  führt  den  Vorsiz  aaf  der  Synode  von  Nic&a.  149 

Es  ist  ein  geläufiger  Irrthum,  dass  das  Abendland  eu  Nicäa  nicht 
Straten  war.  Diese  Vertretung  ist  vielmehr  unleugbar  j  und  giebt  der 
Jlgfwieinheit  der  Synode  eine  verstärkte  Bedeutung. 

Sodann  beachte  man ,  dass  die  Art  und  Weise  der  Vertretung  nicht 
m  Zufalle  oder  dem  Gutdünken  überlassen ,  dass  sie  vielmehr  zum 
■aas  festgestellt  y  also  auch  die  Einladungen  darnach  ergangen  waren, 
-  Man  beachte  y  dass  aus  jedem  Lande  der  lateinischen  Kirche  ein  Ver- 
in  Niti&a  anwesend  war.  —  Afrika  war  durch  Cäcilian,  Spanien 
durch  Hosius  7  Gallien  (Britannien  und  Germanien)  war  durch 
,  Italien  durch  die  beiden  römischen  Presbyter  und  den  Bischof 
aus  Calabrieu,  Pannonien  und  die  angrenzenden  Länder  waren 
dreh  Domnus  von  Stridon,  lUyrien,  soweit  es  lateinisch  war,  war 
ieUeieht  durch  Dacius  und  Bunius  vertreten. 

Wer  war  Vorsizender  zu  Nicäa?  —  Der  Kaiser  Constantin  eröffiiete 
i  feierlicher  Anrede  die  Synode.     Hören  wir  zuerst  den  Bericht  des 


Anna  Comn,  L  9.  c,  4.  —  Procop,  d,  aed,  4,  4)  Hauptstadt  von  Dardanien,  und 
8iz  des  Erzbischofs  von  lUyricum,  am  Axius,  und  nördlich  von  Stobi,  süd- 
westlich von  Sardica,  unter  welchem  mehrere  Bisthümer  standen  (Forbiger, 
3, 1,095).  Es  heisst  heute  Uskub.  An  Scodra,  später  Prima  Justiniana  in  der 
Provinz  Praevalitana,  -heute  Scodar  oder  Scutari  (Forbrger,  d>  844),  kann  man 
wohl  nicht  denken.  Der  im  Jahr  1860  zu  Ulm  gestorbene  Philolog  Th.  L.  Fr. 
Tafel,  welcher  in  der  Geographie  der  Maemus- Halbinsel,  wie  kaom  ein  an- 
derer, bewandert  war,  hat  die  Schrift  des  Kaisers  Constantin  des  Purpar- 
gebornen  —  de  provindia  —  (de  thematibus)  regni  Byzantini  —  herausgegeben  — 
TMMgae  1847,  Darin  heisst  es:  ijta^x^  Maxedoviag  11.^  wp*  i^tfAova  jroXii/p  8 
und  zuerst  wird  genannt  Zroßov  (Tafel,  p.  3).  —  Diess  ist  wörtlich  dem  Svy- 
aohifiOQ  —  Reisebegleiter  —  des  jungem  (des  Grammatikers)  Hierocles  im  An- 
fange des  sechsten  Jahrhunderts  —  entnommen,  der  zuerst  von  Carolus  a  8.  Paulo 
in  dessen  „Geographia  sacra*  —  ParU  1641;  Amsterdam  1704,  FoL  —  edirt, 
wieder  abgedruckt  wurde  in  Antiquitates  ecclesiae  iUustrataef  Romae  1697,  FoL  2  voL 
and  in  dem  „Imperium  Orientale*'  des  Anscl.  Bandurii  —  Pcaris  1711  —  2  voL  FoL  — 
Als  beste  Ausgabe  galt  die  von  Wesseling  in  seinen:  pitineraria  veterum  Ro- 
«MMomm«.  —  Amstelod.  1735,  p.  631  -  734.  —  Einen  geringern  Werlh  legt  Tafel 
aof  die  Aasgabe  des  Irom.  Becker  in  Beriin  —  Botmae  1840.  —  Einen  cor- 
reeten  Text  bat  Tafel  selbst  als  Anhang  zu  Constant.  Porphyrog.  erw&hntem 
Werke  —  (p.  11  — 17)  gegeben.  (Diese  Ausgabe  ist  von  A.  Potthast ;  pBibUo- 
d^Ka  kistorica  medü  aevi'^  —  BeroL  1862  —  übersehen  worden.)  Die  im  J.  1858 
angekündigte  Ausgabe  des  »Reisebegleiters**  v.  M.  Chr.  Müller  —  in  der  von 
Firmin  Didot  herausgegebenen  Sammlung  der  kleinern  griechischen  Geographen 
—  ist  meines  Wissens  noch  nicht  erschienen.  In  dem  „Index  eceluiarum 
tkrano  Constant,  subjadentium^  von  Leo  Sapiens  (a.  886 — 911)  findet  sich  das 
Bistbam  Stobi  nicht  mehr.  Bei  der  Unsicherheit  der  Lesarten  wollen  wir 
et  dahingestellt  seyn  lassen.,  ob  der  Bischof  Burnus  Stoborum,  aueh  Bodius 
Siobiorum  und  Bonius  Tryaorum  genannt,  zu  den  lateinischen  oder  griechischen 
Bischöfen  gehört  habe.  Für  das  erstere  spricht  der  Umstand,  dass  er  unter 
den  lateinischen  Bischöfen  steht.  —  Der  Metropolit  von  Calabrien  w^r  der 
Bischof  von  Rhegium, 


150  Sechstes  Buch.     Zweites  Kapitel. 

Augemseiig^n  Eusebios  ^) :  Nachdem  alle  BiscbQfe  in  den  bestiiiimten  C 
eingetreten  waren ,  an  dessen  Seiten  sich  sehr  viele  Size  befanden,  heg 
sich  Jeder  an  seinen  Plaz,  und  schweigend  erwarteten  sie  die  Ankoi 
des  Kaisers.  In  Bälde  traten  die  Hofbeamten  ein^  jedoch  nur  soldi 
die  gl&ubig  waren;  und  als  sofort  die  Ankunft  des  Kaisers  gepieU 
wurde  y  standen  alle  auf  3  er  aber  erschien  jezt  wie  ein  Bote  GpotteSy  .t< 
Gold  und  Edelgestein^  eine  herrliche  Erscheinung  (besonders  in  di 
Augen  eines  Hofbischofes,  wie,  Eusebius),  sehr  gross  und  scUank,  n 
Schönheit  und  Majestät  Mit  dieser  Hoheit  verband  er  sugleich  sd 
viel  Bescheidenheit  und  religiöse  Demuth,  so  dass  er  seine  Augen  el 
erbietig  zu  Boden  schlug ,  und  sich  auf  den  für  ihn  .bereitstehend! 
goldenen  Stuhl  nicht  sezte,  bis  ihm  die  Bischöfe  das  Zeichen  dazu  g 
geben  hatten.  Nach  ihm  liessen  aber  auch  sie  sich  alle  auf.  ihre  & 
nieder.  Jezt  erhob  sich  der  dem  Kaiser  zunächst  rechts  sizende  B 
schofy  und  hielt  an  ihn  eine  kurze  Anrede,  Gott  um  seinetwill^ 
dankend.  Nachdem  er  sich  wieder  gesezt,  sprach  der  Elaiser  mit  sanfll 
Stimme  also: 

„Es  war  mein  höchster  Wunsch,  meine  Freunde,  euerer  Yersama 
lung  mich  erfreuen  zu  können.  Ich  muss  dafür  Gott  danken,  daiA. 
mir  zu  allen  andern  Gnaden  auch  diese,  die  allerhöchste ,  erwiesen 
nemlich  euch  alle  einträchtig  und  in  einer  Gesinnung  hier 
zu  sehen.  Möge  kein  böslicher  Feind  dieses  Glück  uns  wieder 
und  nachdem  die  Tyrannei  des  Feindes  Christi  besiegt  ist,  soll  der 
Dämon  das  göttliche  Gesez  nicht  mit  neuen  Lästerungen  verfolgen, 
Zwietracht  in  der  Ejrche  halte  ich  für  schrecklicher  und  schmerzlicheir:^ 
jeden  andern  Krieg.  Sobald  ich  durch  Gottes  Hilfe  über  die  Feinde 
hatte,  glaubte  ich,  es  sei  jezt  nichts  mehr  nöthig,  als  mit  denen, 
ich  befi:*eit,  in  gemeinsamer  Freude  Gott  Dank  zu  sagen.  Als  ich  nun  ^^ 
von  euerer  Zwietracht  hörte,  war  ich  überzeugt,  diesen  Gegen^i^ 
keinem  andern  nachsezen  zu  dürfen,  und  habe  in  dem  Wunsche,  dva\ 
meine  Dienstleistung  Hilfe  bringen  zu  können ,  euch  schleuiMgst  benzAi 
Ich  werde  aber  nur  dann  meinen  Wunsch  zu  erreichen  Rauben,  wei 
idi  die  Gemüther  aller  vereint,  und  friedliche  Eintracht  erblicke,  weld 
ihr,  ah  Gottgeweihte,  auch  andern  verkündigen  müsst  Zögert  lii 
nicht,  meine  Freunde,  zögert  nicht,  ihr  Diener  Gottes;  entfernt  al 
Ursachen  des  Streites,  und  löset  alle  Knoten  des  Zwistes  durch  dieG 
seze  des  Friedens  auf.  Dadurch  werdet  ihr  das  Gott  angenehmste  We 
vollbringen,  und  mir,  euerem  Mitdiener,  eine  überaus  grosse  Freu* 
bereiten.^ 

Also  lässt  Eusebius  den  Kaiser  sprechen  ^) ,  wobei  er  sicher  Einig 
von  dem  Seinigen  beigemischt«  hat.  —   Theodoret,  desäen  Bericht  üb 


•)  Nach  der  Uebersezung  von  Hefele,  C.  G.  1,267  —  68. 
*)  Eu8,  Vit,  Comt,  3, 12. 


%.  2.     Hoflias  flUirt  den  Vonis  aaf  der  Synode  von  Nicäa.  151 

&  Synode  «osserordentlidi  mager  ist  *)  ^  bat  einige  fremdartige  Beisäse 

Referat  über  die  Rede  des  Kaisers  gezogen.  —    Ebenso  bat 

sieb  nur  auf  den  Beriebt  des  £usebius  gestüzt    Sozomenus  bXit 

is  Reihenfolge  der  Ereignisse  nicht  fest^  und  reibt  in  der  Weise  yon 

JttMdoten  die  einaelnen  Nacbricbten  an  einander.  Die  Bede  des  Kaisers^ 

ik  er   mitdieilt|    ist  ofiGonbar  eine  Paraphrase  oder  viebnebr  Umstel- 

Jng  der  Bede  bei  Eusebius^).      Beide  sagen  ^  dass  der  ELaiser  latei- 

gesproobeni  nacbber  aber  seine  Worte  von  Jemand  grieobiBcb  vor- 

worden,  dessen  indess  der  Kaiser  gleicbüedls  mächtig  gewesen^ 

^  er  nachher  in  dieser  Sprache  an  den  Disputationen  Tbeil  genom- 

mok  habe. 

Euaebius,   und  nach  ihm  Andere,  sAgen,   dass   der  Kaiser  nach 
Wttkdigter  Bede  —  das  Wort  an  die  Yorsizenden  der  Synode  abge- 
tMca  habe  *),    Wer  war  nun  jener  Bisdiof ,  welcher  die  Elmpfangsworte 
m  den  Kaiser  richtete,  wer  waren  femer  die  Yorsizenden  der  Synode? 
^iAjiu  Eusebins  jenen  nicht  nennt,  scheint  er  sich  selbst  damit  lu  be- 
vädmen.   Kan  wird  dabei  an  jene  Kirchweihrede  erinnert,  welche  Eu- 
^  «Am  im  J.  335  nach  der  Synode  von  Tyrus  —  zu  Jerusalem  bieh  *), 
^  VDhd  er  iber  keineswegs  seine  rednerische  Thätigkeit  mit  Stillschweigeiti 
ttsgdit,  denn  er  sagt:  „Daselbst  haben  auch  Wir,  welchem  Ghrösseres 
nac   Ihr  Verdienst  anvertraut  wurde,  mit  mannigfachen  öffentlich  gehaltenen 

*  n:  Undis  Fest  yerherrlicht ,  indem  wir  theils  die  Zier  und  Pracht  der 
ce  Uni^ifihtti  Bauten  in  der  Schrift  darstellten,  theils  die  prophetisoben 
.^^  Gtteke  als  in  dieser  Zeit  eingetroffene  und  in  dem  Baue  selbst  erfüllte 
:bt:     ^"Alhn*).«  —    Er  erzählt  weiter,  dass  er  über  den  Bau  der  Basilika 

fli  Aeb  verfasst,  und  es  dem  ELaiser  gewidmet  habe.  „Dieses  Budi,'' 
Abt  er  fort,  „werden  wir  passend  an  den  Schluss  dieses  Werkes  an- 
1^,  isiieB;  und  zugleich  jene  Festrede  über  die  dreissigjährige  Begierungs- 
rc^^-  iflft  dei  £siBers  anfügen,  welche  wir  kurz  nachher,  nachdem  Wir  nach 
.  c  Goattintinopel  gareist  waren,  yor  dem  Kaiser  selbst  vorgetragen,  indem 
<?r    m  dunals  zum  zweitenmale  in  dem  kaiserlichen  Pallaste  den  höchsten 

*  B&m  und  Gott  aller  Dinge  mit  Lobpreisungen  erhoben.  Als  dieses 
dbr  gotigeliebte  Kaiser  hörte,  schien  er  vor  Freude  aufisujauchzen ^). 
Jkmea  machte  er  auch  nach  beeildeter  Bede  kein  Hehl,  als  er  die  an- 

den  Bischöfe  an  seinen  Tisch  zog,  und  ihnen  jedwede  Ehre  antbat^ 


*)  neodor,  k,  eedea,  1,  6, 

*)  Saxam.  1,  19. 

')  [JetQiSidcn  rcv  JLcycr  roig  r^  öwodov  jt^edpoif,    Aueb,  3,  13, 

*)  ViL  Contt,  4,  45  —  ivSa  dij  xai  ^fJLel^  rtäv  vjrk^  fffiöcf  ayaMv  ij^uafuvoi^  xot' 
miJLeuf  ralf  Ue  ro  xoiyov  SteUe^eÖt  n^  io^r^  irifM&fuy. 

*)  Siehe  des  Easebius  Festrede  (za  Tyrns)  in  1.  10  seiner  Eirchengeschiehte,  wo 
er  zu  zeigen  sacht,  dass  die  einzelnen  Theile  der  Basilika  eine  mystische  Be- 
deutung haben. 


152  Sechst»  Bocli.     Zweites  Kapitel. 

Der  Hofbiflchof  Ensebius,  der  das  Weihrauch&M  in  so  ungemeeseneB  i 

Sohwingangen  vor  dem  Kaiser  emporsteigen  liess^    scheut  sich  nicht,  i 

auch  sein  eigenes  Lob  vor  seinen  Lesern  zu  verkündigen.    Es  sdieint  s 

mir  nicht,   dass  dieser  lobhudelnde  Hofbischof  es  über  sidi  gebradit  i 

hXtte,  sich  selbst  zu  verschweigen,  wenn  er  die  Anrede  an  den  Kaissr  c 

gehalten  hätte;  er  hätte  es  wohl  nicht  über  sich  gebracht,  dieselbe  nicht  i 

mitiutheilen  ^).     Es  ist  wahr ,  dass  Sozomenus  wörtlich  sagt ,   dass ,  •—  i. 

nachdem  sich  alle  Bischöfe  gesezt,  Eusebius  Pamphili  sich  erhoben,  eina  9 

Anrede  an  den  Kaiser  gebalten,  und  um  seinetwillen  einen  Dankhymm  m 

an  Gt>tt  vorgetragen   habe,    während  Socrates  des   ganzen  Voi^ganga  % 

nicht  erwähnt^).  —     Dagegen   berichtet  Theodoret   ebenso   bestimmt:  e 

Alsbald  begann  der  grosse  Eusthatius,  welcher  Patriarch  von  Antiodiia  l. 

geworden  war,  mit  den  filumen  der  Lobeserhebungen  das  Haupt  dsi  - 

Kaisers  zu  schmücken  >  und  er  erwiderte  seinen  frommen  Eifer  mit  ge*  = 

bührendem- Danke ')•  —    Theodoret  verdient  soviel  Glauben,  als  8010-  s 

menus,  ja  er  ist  kritischer  und  gewissenhafter.  —    Für  Sozomenus  sprioiil  ^ 

dagegen,  dass  es  in  der  Kapitelsüberschrift  zu  Eusebius  —  Leben  Ood-  j: 

stantin's  —  3, 11  —  heisst:  „Stillschweigen  der  Synode,  nachdem  der  " 

Bischof  Eusebius  etwas  gesprochen  hatte.^  ^^^ 

Diesen  Widerspruch  sucht  der  Herausgeber  der  Histaria  (ripatliltif  ^ 

d.  h.  des  Scholastikus  Epiphanius,  welcher  im  Auftrage  CSassiodor^s  dfa  j^ 

drei  Werke  von  Socrates,  Sozomenus  und  Theodoret  übersezte  und  üb»  : 

arbeitete,  dadurch  zu  heben,  dass  er  behauptet,  nach  Eusthatius  von  Ab-  ^ 

tiodiien  habe  auch  Eusebius  Pamphili  einige  Worte  gesprochen  *).    Niostei  ^ 

Choniat.  sagt  in  seinem  „Thesaurus  arthodoxae  fidei*'  (5,  7):  „EaseUv  ^ 

bezeugt  in  dem  dritten  Buche  des  Lebens  Constantin^s,   dass  er  saent  ^ 
in  der  Synode  gesprochen  habe.     (Nicetas  also  hält  den  Eusebius  sdbit 

für  den  Verfasser  der  Ueberschriften  seiner  Kapitel.)     Wenn  wir  jedoch  . 
dem  Theodoret  Glauben  schenken,  hat  zuerst  Eusthatius  gesprochen,  — 
wie  aber  Theodor  von  Mopsveste  schreibt,  ist  dem  Alexander,  Bisdutf 
von  Aleyandrien,  diese  Ehre  übertragen  worden.^ 

Wo  Theodor  dieses  sage,  berichtet  Nicetas  nicht  Von  Theodor^s  ve^ 
lorenen  Schriften  ist  besonders  durch  Angelo  Mai  Vieles  neu  au%eftmdeB 
worden;  noch  aber  fehlt  es  an  Registern j  und  es  ist  besser,  in  diesem  Falb 
unvollständig  zu  seyn,  als  Tage  lang  seine  sämmtlichen  Schriften ,  soweit 
sie  jezt  bekannt  sind,  zu  durchsuchen,  bei  der  augenscheinlichen  Wah^ 
scheinlichkeit,  nichts  zu  finden.  —  Des  Nicetas  Angabe  ist  durchaus  glaub- 
würdig.  Theodor,  welcher  um  428  starb,  und  schon  um  370—380  blühte. 


')  So  artheilt  auch  Baronios  (325,56^59),  und  indirect  TillemonL 

*)  8o3um.  i,  Iß.  —  avaffrcBg  E^ißuK  6  Uafi^ülav  JLoyov  riva  rä  ßaaUei  jr^ipttfifSif 

Med  SC  €wra¥y  rä  ^a  xo^i^^*^  v^uvov, 
*)  Theod,  h,  6.  i,  6. 
*)  Histor.  tr^KorU  2,  5, 


f.  2.    Hotins  führt  den  Vonis  aaf  der  Synode  von  Nicäa.  153 


kt  «in  nlherer  Zeiigenowey  und  verdient  in  dieser  Beziehung  mehr  Olau- 
bca.  als  die  jüngeren  Sosomenus  und  Theodoret  Theodor's  Worte,  dass 
die  Sjnode  dem  Alexander  diese  Ehre  anvertraut  habe,  sind  an  sich 
^bobwilrdiger.  Denn  einmal  geht  der  kirchlichen  Bangordnung  nach 
ileiandrien  vor  Antiochien  *) ;  wenigstens  wird  in  dem  berühmten  Canon  6 
nm  Nicäa  der  Patriarch  von  Alexandrien  vor  dem  von  Antiochien  ge- 
■mnt  Auch  stehen  in  der  Beihenfolge  der  Unterschriften  zu  Nicäa 
ladi  OainB  und  den  beiden  römischen  Presbytern  zuerst  die  Bischöfe 
von  Alexandrien  und  seiner  Kirchenprovinz.  —  Der  Bischof  Alexander 
v«a  Alexandrien  war  femer  hervorragend  durch  sein  hohes  Alter,  wäh- 
rend EnsthatiuB  erst  vor  wenigen  Jahren  Patriarch  geworden  war.  (Er 
ilarb  um  337  im  Exil.)  So  begreift  man  auch,  warum  Eusebius  den 
Bedner  nickt  nennt,  dessen  entschiedenster  Gegner  er  war. 

ValeBioB  dagegen  ist  für  Eusebius  als  Redner,  erstens  weil  er  unter 
allen  anerkannt  der  gelehrteste  und  beredteste  Bischof  gewesen,  was 
ick  in  keiner  Weise  zugebe,  sodann  weil  er  im  Eingange  seines  Werkes 
nge:  ,, Neulich  haben  wir  selbst  den  siegreichen  König,  als  er  mitten 
ia  der  Versammlung  der  Diener  Gottes  sass,  durch  den  Hymnus  auf 
leine  xwanzfgjährige  Regierung  geehrt  ^).^  Aber  in  der  eigenen  Chronik 
des  Eusebius  heisst  es,  und  zwar  zum  J.  330:  „Das  Fest  der  zwanzig^ 
jUiz^;en  Regierung  des  Constantin  wurde  zu  Nicomedien  begangeui 
and  im  folgenden  Jahre  zu  Rom  gefeiert.^  In  dem  —  wegen  seiner 
Ustorischen  Genauigkeit  anerkannten  „Chronicon  poBchdU^  heisst  es  zum 
J«  325 y  nach  dem  Berichte  über  die  Synode  von  Nicäa:  Constantin  er- 
nannte seinen  Sohn  Constans  im  November  zum  Augustus,  begieng 
aaek  das  zwanzigste  Jahr  seiner  Regierung,  und  feierte  die  Viccnnalien 
ni  Rom  durch  glänzende  Schenkungen.  Prosper  berichtet,  dass  das 
Fest  in  Nicomedien  und  in  Rom,  Idatius,  dass  es  nur  in  Rom  begangen 
worden*)«    Von  Nicäa  ist  keine  Rede;  und  die  Rede,  welche  Eusebius 


■)  Hefele,  Conc.  Gesch.  1,  34. 

*)  Auch  Hefele  tritt  der  Meinung  des  Valesius  bei,  Conc.  Gesch.  1,  33-34;  1,268. 
TUlemomif  mim.  6j  not,  nw  U  eonciU  —  6  —  neigt  in  seiner  stets  schwankenden 
Weise  za  Alexander.  * 

*)  Scheiffele,  Jahrbücher  der  römischen  Geschichte  —  Kördlingen  1853,  S.  588.  — 
•Naefa  Rom  zurückgekehrt  (?)  begieng  Constantin  seine  20jährige  Regierungs- 
ieier  mit  grossem  Pompe  —  Juli  325  —   nach  drn  F.  C.  im  folgenden  Jahre. 

—  Vetgl.  dagegen  Ideler,  Chron,  II. ,  442  Ä.  —  Chron.  pasch,  p.  282.  —  Rich- 
tiger, wie  mir  scheint,  sagt  in  seinen:  „Armalea  veUrum  regnorum  et  populorttm 
imprimia  r&manomm  eonfeeti''  a  Cor.  Tim.  ZumpHo,  tertium  ediL  ab  Aug.  WUh.  Zumptio 

—  Berotimi  1862  —  p.  180  der  Verfasser  und  Herausgeber :  Jahr  326  —  Bomae, 
Auf  dem  Weg«  dahin  hatte  Constantin  den  Crispus  und  den  Licinianns  in 
Folge  der  Verleamdnng  (der  Fausta)  ermorden  lassen,  worauf  auch,  nach  Ent- 
deckung des  Betruges,  Fausta  sterben  musste.  Romae  vicennalia  sua  circa  Idus 
JmUas  agitat  HtUna  morbo  decedit  (Äug.  18),  ao  Romae  s^elitnr^  tUHieta  Borna, 
quam  mrmu  non  videat,  Comtaniinu*  Sirmium  petit. 


154  Sechstes  Bach.     Zweites  Kapitel. 

gebalten,  wurde  darum  wohl  zu  Nicomedien  vorgetragrä,  waaidi  natifa> 
Lieh  immer  eine  grosse  Menge  von  Bischöfen  aufhielt,  sei  ea,  daas  fi«- 
sebius  im  Juli  325  sich  von  Nicäa  dahin  begab,  sei  es,  dass  dieses  Feit 
erst  326  zu  Nicomedien  begangen  wurde.  Constantin  aber  koante  so- 
wohl im  J.  325  als  326  seine  Vicennalia  begehen,  denn  im  J.  906 
war  er  Cäsar,  im  J.  306  Augustus  geworden. 

Bei  Baronius  zu  Ann.  325  —  55  ist  die  angebliche  Rede  des  Eaaduh 
tius  an  den  Kaiser  mitgetheilt,  die  yiele  Merkmale  der 
sich  trägt,  in  der  es  u.  a.  heisst:  Pakt  glorifieatur,  /Utui  wmA 
Spiritus  aaneiuB  (mnunciatur,  trinUas  eomuManiiaUB,  tma  dkrinäas  ii 
Mbu8  peraonü  et  hypottoiibus  (warum  nicht  vtl  oder  u  e*  kf^oiiaiibmli 
pruedieaiur.  Die  weitern  Worte:  Ariut  nobis,  qui  a  futcre  aecepUdmm 
minationem,  oraUom»  eauta  eH  et  eonveniu»:  qui  neado  quamodo  alieetm 
in  preabyteratum  ecclesiae  AUxandrinae  ^  nos  UOuit,  cum  esaei  aiimui  s 
doetrina  —  apostolorum  et  prophetarum,  machen  die  Aech&eit  noch  ¥8^ 
dächtiger,  würden  aber  im  Falle  der  Aechtheit  eher  auf  den  PmtriardiSi 
von  Alexandrien  als  Redner  hinweisen.  Den  Arius  möge  der  KaiiV 
bereden,  yon  seiner  Meinung  abzugehen;  wo  nicht,  so  möge  ihn  im 
Eiuser  völlig  aus  der  Gemeinschaft  Christi  und  der  Eircbe  entfemeib 
So  konnte  doch  kaum  ein  Bischof  sprechen,  so  konnte  wenigstens  te 
grosse  Hosius  nicht  sprechen.  Und  hätte  ein  Bischof  in  der  ecsisi 
allgemeinen,  im  heiligen  Geiste  versammelten  Synode  so  geeprocbsii 
so  wäre  wenigstens  er  vom  heiligen  Geiste  sehr  verlassen  gewesen. 

Kommen  wir  nun  zu  der  Frage  des  Vorsizes.  Eusebius  sagt  efe 
fach,  dass  der  Kaiser  die  Weiterführung  der  Synode  den  „VorsizendeK'f 
Toig  ngoäSgoigy  überlassen  habe.  Dieses  kann  im  Allgemeinen  bedeulaiy 
den  ersten  Bischöfen,  den  Patriarchen,  [wie  denn  Theodoret,  indem  er 
die  Einleitungsrede  dem  Patriarchen  von  Antiochien,  Eusthatius,  so- 
schreibt,  bemerkt,  dass  derselbe  nach  dem  Tode  des  Philogonius  -« 
Bischof  geworden*)  —  rr^v  ngoeSgiav  hxxdv  — ];   es  kann  aber  auch: 


*)  T%€odoret.  op.  «cf.  Sirm.-Schuhe  (1769)  —  jrpoedpia  ixkhfiiev^  3,  756  —  d« 
Bistham —  (man  könnte  es,  wenn  auch  gezwungen,  auf  den  Vorsii  der  Synode 
bezichen):  JSvCräStogy  6  r^  !/4yrioxicjy  eMxhjöiagy  ripf  x^oedpüiv  Xeg^  —  ▼erfL 
Erklär,  ad  1  Tim^th,  8,  6  —  r^  alctliweiag  t6  jtd^og  ^  t^  MpotSpuap  it^dfUf^s 
—  (wenn  er  die  Leidenschaft  der  Ueberhebung  aas  seinem  Episcopate  nihrt). 
Den  Athanasias  nennt  Tiieodoret :  6  r^  Idle^ayd^oo  rou  xecvtv^ifftov  xpaeS^ 
didSoxoc  —  den  Nachfolger  des  Vorranges  des  berühmten  Alexaader  (3,760); 
▼on  Chrysostomus  sagt  er,  dass  er  —  xoJUcixtc  r^  axo(fr(>JUM^  MfOiS^ 
rcBQ  ^^^fxwc  de^dfjuyoffy  dass  er  oft  vergebens  zum  Bischöfe  ernaant  wordefl 
sei  (3,  935).  Cf.  3, 1,139  —  x^oed^  d^u^caroäiQ  d$mSif¥tu  -«  et  3, 1,226; 
4,  1,313;  3,  803;  4,370.  Makarins,  der  damalige  Patriarch  tod  Jenitalen, 
heisst  bei  Th.  6  r^  xoXtue  xqM^  (H.  e.  1,17);  überhaupt  heisst  M^otSftf 
bei  ihm  Bisehof  —  op.  4, 1,189  Bischof  von  Alexandrien;  4,1,190  —  Bisehof 
des  Morgenlandes;  4,  1,278  —  Bisehof  von  Antiochien;  ir^.  f%  äoUtfam 
3,791 


1*  bei  der  äyiiode  im  tibche,  so  geben  uns  die  Aktenstücke 
TarhAadluDgen  selbst  eine  um  so  bestimmtere  Antvoit.  Kuh 
t  aabeatreitbv  imd  nnwiderleg;Iich  Hosius  von  Cordub«  den 
BfBbrt,  wenn  uiders  derjenige  den  YorsiE  führt,  dessen  Namen 
1  Unterschriften  als  der  Erste  steht  —  Dass  der  Kaiser  selbst 
ratender  sejo  konnte «  bedarf  hier  nicht  der  weitem  AusfUh- 
'  konnte  es  nicht  seyn,  weil  er  dazu  nicht  die  Sendung  und 
theologische  Bildung  hatte.  £r  selbst  nannte  sich  mit  Becht 
"ür  die  äussern  Angelegenheiten  der  Kirche  *).  —  Für  Euetha- 
^orsiaenden  haben  sich  verschiedene  Stimmen  erhoben.  Dieser 
iDÜdigt  Theodoret  indirect,  oder  sucht  sie  geltend  zn  machen, 
ivch  Eusthatius  hält  nach  seiner  Darstellung  nicht  bloss  die 
Dgsrede  an  den  Kaiser;  in  einem  Sendschreiben  an  die  Manche 
^rntesia,  OsroSne,  STrien,  Pbänicien  und  Ciliiaen  sagt  er  aus- 
:  kDcd  (von  uns  bekannten)  Glauben  hat  uns  gelehrt  Jener 
welcher  durch  die  Hand  des  grossen  Petrus  die  Bischofsweihe 
EusthatiuE  der  Grosse ,  welcher  auf  der  Synode  die  erste  Stelle 
und  aus  Liebe  zu  der  Frömmigkeit  die  Verbannung  erduldete*)." 
weniger  sagt  ein  unter  den  Schriften  des  Proclus  von  Conatan- 
[ch  befindender  Brief,  welcher  den  Namen  des  Patriarchen  Jo- 
'on  Antiochien   (um  437)    and    der  Synode    des  Morgenlandes 

f   xtpi  rwv  tvffiänrf  ixifuUCTipm   ixiSxeifiatSai  r^-avrüy  rni/^ff  turrpitpet 

Ux.  1,  8. 

n.  1,  17  —  !MtertaSia{  —  ulttaTtn   thai   tdo(i  ^upor  r^  »tfl  rai/ra  ßovi^, 

btDM)  GregoriDS  Nsiiauz. 

)  dai  K&bere  dwübei  bei  Befeie,  C.  G.  1,  33. 

i»r«.   op.   4,  1313  —   ^1.    Timd.  151.  —  ^toSvfiJTou  xe«  reit   ~   ftoni- 


156  Secbsta«  Bach.     Zweitet  Kapttal. 

triigt*),  dass  Easthaiius  unter  den  Vätern  von  NicXa  der  ente  in  i 
Vertheidigang  der  orthodoxen  Lehre  war.  Allein  in  die  Worte  i 
Theodoret  wird  zuviel  hineingelegt;  denn  der  berühmte  Bischof  ii 
Cyrus,  welcher  rieh  des  Wortes  „ngtorevcty^  bedient,  yersteht  damn 
nicht  den  Vorriz  in  dem  gewöhnlichen  Sinne,  sondern  die  henrorragei] 
kirchliche  Thätigkeit  des'  Eusthatius  zu  Nicäa.  Er  sagt  z.  B.  in  ein< 
Briefe  an  Proclus  yon  Constantinopel ,  dass  der  angesehene  Laie  P 
lippus  —  die  erste  Stelle,  den  Vorsiz  in  der  Stadt  Cyros  einnehme 
fhr  sagt  in  dem  berühmten  Briefe  an  Papst  Leo  L  vom  J.  449:  In  aU 
Dingen  gebührt  Euch  die  erste  Stelle  ^).  Er  nennt  die  rSmisdie  Eirc 
ngoxcc&fjfjiävfj  rfjg  oixovfiävtjg ,  ähnlich  wie  Ignatius  sie  ngoxct&i^fi^Pfi  i 
Ayantiq  nennt  ^).  —  Der  Brief  15  trägt  die  Ueberschrift:  2tX߀Cv^  ng 
reüorci,  —  Silvano  primciH. 

Die  Worte  des  Theodoret  also  bedeuten  nidit,  dass  Eusthatius  d 
Vorsiz  zu  Nicäa  geführt  habe.  —  Dazu  kommt  noch  (nach  Hefele) ,  di 
der  Pluralis  des  Eusebius  „die  Vorsizenden',  und  der  Rang  des'I 
triarchen  yon  Alexandrien  vor  dem  yon  Antiochien  dagegen  spred 
Nebstdem  sage  die  Synode  in  ihrem  Schreiben  an  die  alexandrinke 
Gemeinde:  j,T)ass  ihr  Bischof  Alexander  von  allem,  was  geschehe 
Leiter  und  Theilnehmer  —  xvgiog  xai  xoircovög  —  gewesen  sei  *)." 

Matthias  Schröckh  stellt  in  seiner  Eirchengeschichte  ^)  die  Theoi 
auf,  dass  die  beiden  Bischöfe  Alexander  und  Eusthatius  m  dem  Vorn 
mit  einander  abgewechselt  haben,  sie  also  die  „ngöeSgoi"  gewesen  ae» 
Er  kann  nicht  leugnen,  dass  Osius  die  Akten  als  der  Erste  unterschrii 
allein  er  leitet  diess  aus  seinem  grossen  Ansehen  bei  dem  Kaiser  her. 
Diese  Behauptung  ist  ohne  Grund.  Dass  Hosius  den  Vorsiz  gefüb 
erhellt  imbestreitbar  aus  den  Akten  des  Concils  selbst.    Die  erste  Unt 


')  Joannes  Äntiochenwi  epUcopus  et  Orientis  synodus  Proclo  ConMtantinopolitano.  I 
Brief  ist  nur  lateinisch  vorhanden,  dass  er  aher  eine  Uebersezung  aus  d 
Griechischen  ist,  geht  aus  den  Worten  hervor:  decem  miUia  libros  adversus  erro 
9cnpto§f  und  —  «iecem  müUa  mala.  Die  betreffenden  Worte  lauten:  Apmd  hea 
simum  JEvsthaHum  f  qui  sanctorwn  patrum,  qui  apud  Nicaeam  congregati  hmt,  pm 
exisiens  fidem  orthodoxam  canßrmavit  —  wahrscheinlich  hiess  es:  jr^c#r«v0ter  < 
jtiörtv  ogSodo^ov  ißeßaicjöiy.  —  Es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass  Theodo 
dieses  Schreiben  redigirt  hat.  Denn  die  Redewendungen  gleichen  auffalle 
dem  oben  citirten  Briefe  151  des  Theodoret  an  die  Mönche.  Nicephorus  C 
listi  führt  über  Eusthatius  nur  die  Worte  des  Theodoret  an  (kist.  ecd.  8,  16), 

')  Theodoret  epist.  47  (4y  1106).  —  toy  jtepißJiexrov  ^^üutxov,  rw  r^  i^ture^ea;  i 
letag  xgtaravOYra  (cixntati»  nostrae  primaten), 

*)  Theodoret  tp,  113  (4,  1187)  dta  navta  yoQ  6ft^  ro  x^ioreveiy  apfiorret  —  Va 
entsM  primae  in  omnibue  tenere,  convenit. 

*)  Dadurch  könnte  man  sich  in  der  Ansicht  bestärken  lassen,  dass  dem  Theodoi 
der  Text  der  ignatiani sehen  Briefe  vorgelegen  und  vorgesehwebt  habe. 

*)  SoetoL  i,  9. 

•)  Schröckh,  Kircbengcscb.,  Thl  V,  8.  335» 


$.  2.     Hosias  ftthrt  den  Voniz  auf  der  Synode  von  Nic&a.  157 

scbrift  findet  sich  nach  dem  Symboliun  am  £nde  der  20  Canones  yon 
Kida  in  lateinischer  Ueberseasung: 

Ottut  €pitcapus  dvitaÜB  Cordubensis  provinciae  UigpanUu  dixit:  Ita 
9tiö,  Hcui  tuperiui  scriptum  ett. 

VÜMig  (^nicht  Victor)  et  Vineeniiut  presbyteri  urbiB  Romae  pro  vmenxbiU 

jKqMB  et  epitcopo  no$tro  saneto  Silvestro  subBcripsimu»,   ita  crederUts, 

aufra  $oriptum  OL 

Dann  wird  bei  den  Unterschriften  ^  genau  wie  in  Arles,  die  geo- 
giaphische  Reihenfolge  der  einzelnen  Länder  eingehalten.  Eis  folgen  die 
BiNliöfe  von  Aegypten,  voran  Alexander  Älexandriae  magnae,  ThebaiS| 
Libyen  y  Palästina  (Macarius  von  Jerusalem  als  der  erste  ^  Eusebius  von 
Cfaarea  als  der  fünfte),  Cöle- Syrien,  Arabien,  Mesopotamien,  PersiSy 
dum  Cilioien,  Cappadocien,  Armenien,  Pontus,  Galatien,  Asien,  Ly- 
£ea,  Phzygien,  Pisidien,  Lycien,  Pamphylien,  die  Cycladen,  Carlen, 
Imrien,  C^em.  Dann  folgt  Bithynien,  Provinz  Europa,  Provina 
Diden  (mit  Sardika),  Mösien,  Macedonien,  Achaja,  Thessalien,  Cala- 
UeDy  Afrika y  Dardanien,  Dalmatien,  Pannonien,  Gallien,  Gothien, 
Boqpbonis.  —  Hätte  man  den  Osius  und  die  römischen  Presbyter  Ehren 
Über,  etwa  wegen  der  weiten  Entfernung  ihrer  Länder,  als  die  ersten 
uA  tmterzeichnen  lassen,  —  so  wären  offenbar  der  Primas  CäciUan 
fOD  Carthago  und  die  übrigen  Abendländer  nicht  an  die  lezten  Stellen 
gekommen. 

Eine  andere  erhaltene  Liste  der  Unterschriften  lautet:  OeiuB  Cordur 
Uaää  ^piecopus  dixit:  Sie  ,credo,  gitemadmodum  dictum  est.  —  Victor  et 
preebyteri  romam^  etc.  ita  credentee,  ncut  scriptum  est^  —  Unter- 
sind 225  Namen,  in  der  ersten  Liste  227  (resp*  225)  Namen, 
dinmter  eine  ziemliche  Zahl  Chorbischöfe  *). 

Georg  Zoc^a  und  nach  ihm  Dom  Pitra  imd  Carl  Lenormant  haben 
die  Bruchstücke  einer  koptischen  Uebersezung  der  Akten  der  Synode 
von  NicSa  mitgetheilt,  worin  es  u.  a.  heisst:  Elenchus  episcoporum  Con^ 
eSn  Nicaeni  super  fide^): 

Haee  sunt  nontina  episcoporum  qui  subscripserunt:  Uli  ipsi  qui  con^ 
prspati  sunt  Nieatae,  qui  subscripserunt  super  fide  orthodoxa. 

Ex  Hisipahia  Osius  civitatis  Cordubae :  „Ita  credo  quemadmodum  supra 
senptum  est^.  —  Vito  et  Innocentius  presbyteri:  „Subscripsimus  pro  episcopo 
9ostro  qtä  q^iscopus  Romae  sst;  ita  credit,  quemadmodum  supra  scriptum  est/^ 

Auch  Gelasius  von  Cyzicus,  bei  dem  sich  freilich  viele  Lni;hümer 
finden,  führt  den  Osius  überall  als  Yorsizenden  der  Synode  an. 


*)  Mwui,  a  a  U  2,  €92,  697.     • 

*)  SpicUegvum  solemense,  t.  1  (1852),  p.  513,  516,  529.  —  Hiezu  bemerkt  Pitra 
(SpidL  i,  529):  s.  Mcam,  Canc.  L  2,  692  tt  697.  Littera  5,  in  quam  deginit,  vox 
credentes,  ob  affiadUMUm  uit/n  proximae  vods  sicut,  irreptiase  videtur,  Si  enim 
eredente  (wie  die  koptische  Uebersezung  lautet)  r^tosueriM,  texiut  copiiau  et 


158  Sechstes  Bach.     Zweites  Kapitel. 

Für  den  Vorsiz  des  Osiue  zeugen  femer  zwei  Stellen  in  den  Schrifioi 
des  Athanasius.     Die  erste  ist  oben  angeführt^):    „Wo  hätte  je  eine 
Synode  stattgefunden,  bei  welcher  er  (Osius)  nicht  den  Vorsis  gefOhii 
hätte?  ^)  —    Dass  Athanasius  zuerst  darunter  die  Synode  ron  NitiU md 
Sardika  verstanden  hadbe,   wer  möchte  es  leugnen?     Auch  sieht  man 
daraus,  dass  Osius  nicht  bloss  Ehrenpräsident  war,  oder  nicht  bloas  dift 
Ehre  hatte,  seinen  Namen  zuerst  zu  unterzeichnen,  sondern  eneh*^ 
Verhandlungen  leitete   und  beherrschte,    indem   er  durch   scharfe*  nad 
richtige  Rede,  sowie  durch  die  Gabe  der  Ueberredung  —  ein  gtjbmniäi 
Leiter  der  Menschen  war.     Was  hier  Athanasius  aus  mA  qmcht,  dsi 
wiederholen  —  nach  seinem  Berichte  —  die  Arianer  bei  dem  KmiM^ 
Constantius  (im  J.  355  und  356).     Sie  sagen:   „Dieser  (Osius)   ist  M 
Stande,  durch  seine  Rede  und  seinen  Glauben  alle  g^en  uns  su  Obop- 
reden^   Dieser  ist  der  Leiter  der  Synoden,  und  wenn  er  schreibt,  h9Mk 
alle  auf  ihn.     Dieser  hat  auch   das  Glaubensbekenntnis»  in  NiiäLa  tv- 
fasst,  und  die  Arianer  überall  als  Häretiker  verschrieen^).' 

Es  scheint,  dass  neben  dem  jung^i  Athanasius  dem  Ghroeseii  dtf 
alte  Hosius  der  Grosse  die  Verbandlungen  zu  Nicäa  in  erster  Linie  ge^ 
leitet  und  beherrscht  habe,  der  Mann  des  starken  Glaubens ^  und  der 
Gkbe,  alle  zu  überreden  und  zu  leiten. 

Die  „Vorsizenden'  der  Synode  (ngöeSQo^f  rfjg  awöSov  —  £tiMl. 
3, 13)  waren  demnach  Hosius  und  die  beiden  römischen  Presbytec^ 
welche  nach  ihm  unterschrieben.  Indem  aber  Eusebius  eine  Beschrei- 
bung der  zu  Nicäa  yersammelten  Bischöfe  gab,  waltet-  bei  ihm  dtf 
geographische  Gesichtspunkt  vor;  er  beginnt  mit  dem  Morgenlande,  nÜ 
er  schrieb,  und  schliesst  mit  dem  fernsten  Abendlande,  von  wo  HoM 
stammte.  Aber  auch  er  gab  Zeugniss  von  der  Oecumenicität  der  Synodt 
von  Nicäa.  j^Von  allen  Kirchen,  welche  das  ganze  Europa,  Afrika  und 
Asien  erfüllten,  waren  die  auserwählten  Diener  Gottes  versanundit;  uad 
dasselbe  Haus  Gottes  umfasste  Syrer  und  Cilicier,  Phönicier  und  Arabar 
und  Palästinenser;  zu  diesen  Aegyptier,  Thebäer,  Libyer,  und  die  t«s 
Mesopotamien.  Selbst  ein  persischer  Bischof  war  auf  der  Synode,  tmd  oa 
Scythe  fehlte  nicht  in  dem  Chore;  Pontus,  Galatien  und  PamphyUflB^* 
Cappadocien,  Asien  und  Phrygien  —  sandten  ihre  Auserwählten;  aber 


latmae  verstanes  consentient  üebrigens  habe  man  sich  nach  Vergleich  der  fO^ 
achiedenen  Lesarten  dahin  zu  vergleichen ,  dass  die  beiden  römischen  Presbyter 
Vitas  (nicht  Victor,  welcher  griechisch  immer  Saaru^  heisst)  and  Vinetntiw 
hicssen.  —    Pitra  legt  auf  diese  Ueberseznng  grossen  Werth. 

»)  Bd.  2,  S.  5. 

*)  Äthan,  apoL  de  fitga  sua,  cap.  5,   —  fcoia/;  yoQ  ov  nadifj^ccro  9vy6doio^  mä  lipß 

*)  Äthan,  ad  menachoa,  cap.  42  (p.  i,  29i  ed.  Mantf,)  —  cmmv  i^iv  h  JAp^  mi 
xüfm  xeiSetv  xayrag  xetS^  ^fuw,  —  Oiroq  nai  «fwodw  naSi^yeltai'  —  einf 
med  liffß  h  Nmedp^  Mißrw  i^ero  (hk  Nica/enam  fidmn  edüHi). 


S»  3.     Hotias  ftthrte  den  Voni«  im  Namen  des  Papstes  Sylvester.     159 

weh  Thnoier  und  Maeedonier,  Adiajer  und  Epiroten  ^  yon  welchen 
tme  am  entfemtesten  wohnen^  kamen  herbei.  Ja  sogar  von  den  Spa- 
war  jener  viel  gerühmte  Bischof  einer  ^  welcher  unter  den  Vielen 
Ton  der  königlichen  Stadt  (Rom)  war  der  Vorsteher  (der  Kirche) 
Alters  weggeblieben  y  von  ihm  gesandte  Priester  aber  füllten 
Stdle  ans  (Em.  3,7).  —  Dagegen  führt  Socrates  (1,  13)  den 
QmaMy  wie  er  es  in  den  Akten  und  dem  uns  verlorenen  Buche  des  Atha- 
tmiom  —  Svpoducög  —  vorfand,  als  den  ersten  unter  den  Bischöfen  zu 
KdUt  «d:  OsiuSy  Bischof  von  Corduba  in  Spanien,  so  glaube  ich,  wie 
ei  oben'  geschrieben  ist;  von  Rom  die  Priester  Vitus  und  Vincentius; 
Alexander  ans  Aegj^ten ;  Eusthatius  aus  dem  grossen  Antiochien ;  Ha- 
Ctfios  von  Jerusalem,  und  die  Uebrigen. 

Die  G^esohichtschreiber  müssten  sich  glücklich  schäzen  (zuweilen  auch 
sglttcklich?),  wenn  sie  in  allen  historischen  Fragen  so  sichere  Anhalts- 
pmkte  za  einer  Entscheidung  hätten,  wie  in  der  Frage  nach  dem  Vor« 
nie  m  Nieäa.  Wer  leugnet,  dass  Hosius  den  Vorsiz  geführet,  der 
kamt  entweder  nicht  die  Ausschlag  gebenden  Zeugnisse,  oder  er  hat 
an  IntereiBe  daran,  die  Thatsache  zu  bestreiten. 

§.  3.     Hosins  fiahrte  den  Vorsiz  im  Namen  des  Papstes 

Sylvester. 

Horios  war  aber  ein  ein£BUiher  Bischof;  und  anders  wird  er  nie  ge- 
Bamit  £ine  Metropolitanverfassung  gab  es  damals  noch  nicht  in  Spa- 
nien; vnd  wäre  er  auch  Metropolit  von  ganz  Spanien  gewesen,  so  hätte 
ihm  diesea  keinen  Vorrang  zu  Nicäa  gegeben.  Dass  er  in  der  Gunst  des 
Kaiaers  stand,  das  theilte  er  mit  vielen  Bischöfen  zu  Nicäa,  namentlich  den 
beiden  Eusebius.  An  Alter,  persönlichem  Ansehen  im  Orient  und  vor  allem 
an  der  Bedeutung  des  Bisthums  überragte  ihn  Alexander  von  Alexandrien. 
Waram  war  er  aber  doch  Vorsizender?  Weil  der  Kaiser  ihn  dazu  be- 
stimmte, oder  weil  er  der  Tüchtigste  war,  kann  man  sagen.  Aber,  das 
Lestere  zugegeben,  brauchte  er  nicht  vom  Kaiser  vorgeschlagen  zu  wer^ 
den;  denn  seine  Befähigung  hiezu  war  den  Bischöfen  sicher  besser  be- 
kannt, als  dem  Kitiser.  Aber  Hosius  selbst  war  ein  so  kirchlicher, 
energischer  und  consequenter  Mann,  dass  er  die  Uebertragung  einer  so 
überragenden  und  innerkirchlichen  Stellung  von  dem  Kaiser,  „dem  Bi- 
schöfe der  auswärtigen  Dinge',  gewiss  nidit  angenommen  hätte.  Der 
Wunsch  des  Kaisers  war  noch  keine  Uebertragung  des  Vorsizes. 

Ck>n8tantin,  welcher  auf  den  Bath  der  Bischöfe,  gewiss  vor  allem 
des  Hosius,  die  Synode  berief »  hatte  wahrscheinlich  dem  Hosius  die 
Verhandlung  mit  dem  Papste  (und  den  Bischöfen  des  Abendlandes)  über- 
lassen. .Der  Papst  war  um  seine  Beistimmung,  um  seine  Mitwirkung, 
selbst  um  sein  persönliches  Erscheinen  «—  vom  Kaiser  (oder  vielmehr 
naeh  dem  Wonadie  des  Kaisers  von  Hosius?)  ersucht  worden.     Ihm, 


160  -  Sechstes  Buch.     Zweites  Kapitel. 

dem  Nachfolger  des  Petras  ^  dem  ersten  Bischöfe  der  Christenheit ,  und 
zugleich  dem  Haupte  der  übrigen  Bischöfe,  kam  w^en  seineB  kirdi^ 
liehen  Vorranges  (nicht  etwa  bloss,  weil  er  Bischof  der  „IcönigKchen 
Stadt^  war,)  der  Vorsiz  auf  der  Synode  zu.  Aber  er  konnte  oder  wollte 
nicht  konmien.  Die  Entfernung,  das  Alter,  die  Verschiedenheit  .^er 
Sprache,  manches  Andere  hielt  ihn  ab.  Darum  —  übertrug  er  —  den 
Vorsiz  in  seinem  Namen  dem  Horius.  £r  sandte  aber  zudem  noeh, 
nicht  «twa  zwei  römische  Bischöfe,  sondern  zwei  römische  Priester, 
welche  seine  Stelle  yertreten  sollten.  Wären  Bischöfe  gesandt  w(»deD, 
so  konnten  Zweifel  und  Schwierigkeiten  in  Betreff  des '  Vorsizes  ent- 
stehen; diese  schnitt  Sylvester  zum  voraus  durch  die  Sendung  von  ein- 
fiichen  Priestern  ab. 

Was  bei  allen  folgenden  Concilien  im  Oriente  ges<^hah ,  warum 
hätte  es  bei  der  Synode  von  Nicäa  nicht  geschehen  sollen?  Uebtaül 
präsidirten  die  Gesandten,  oder  wenigstens  die  Bevollmächtigten  des 
Papste^.  Die  zweite  Synode  —  Constantinopel  I  von  381  —  Icann  hie- 
her  nicht  bezogen  werden,  weil  bei  ihrer  Berufung  nicht  ein  allgememei 
Concil  beabsichtigt  wurde.  Aber  zu  Ephesus  —  431  —  präsidirte  Oyrill 
von  Alexandrien ,  im  Namen  und  Auftrage  des  Papstes  Cölestia ;  auch 
als  zwei  Bischöfe  und  ein  Presbyter  von  Rom  kamen ,  blieb  Cyrill  Vor- 
size^der,  und  an  zweiter  Stelle  unterschrieb  einer  der  römischen  Bischöfe. 
Zu  Chalcedon  —  451  —  präsidirtcn  die  päpstlichen  Legaten. 

Wenn  aber  Hosius,  schon  wegen  seiner  Kenntniss  der  lateinisdien 
und  griechischen  Sprache,  wegen  seiner  .Geschäfbgewandthelt,  wegen 
seiner  Herrschaft  über  die  Gemüther  der  tüchtigste,  gleichsam  der  ge- 
bome  Präsident  der  Concilien  war,  warum  sollte  denn  Papst  Sylvester 
diese  Eigenschaften  nicht  ebenso  gut  an  ihm  erkannt  und  anerkannt 
haben,  als  der  Kaiser?  Um  so  besser  war  es,  dass  sich  Papst  und  Ejdser 
leicht  in  ihm  vereinigten. 

Niemand  von  den  Alten  hat  behauptet  oder  angedeutet,  dass  Hosius 
im  Auftrage  des  Kaisers,  oder  dass  er  nicht  im  Namen  des  Papstes  den 
Vorsiz  geführt  habe.  Der  Kaiser  hat,  streng  genomm^,  die  Synode 
nicht  einmal  eröffiiet;  sie  war  schon  im  Gange,  als  er  kam.  Er  hatte 
aber,  eine  unbezwingbare  Lust  oder  Leidenschaft,  Predigten  theils  zu 
hören,  theils  zu  halteü,  und  er  wäre  ganz  gewiss  nicht  abzuhalten  ge- 
wesen ,  bei  einer  so,  yortrefflichen ,  wohl  nie  mehr  wiederkehrenden  Ge- 
legenheit eine  seiner  stereotypen  Friedenspredigten  zu  halten  ^). 


J)  Keim,  Theod.,  der  Uebertritt  ConstaBtin^s  des  Grossen  zum  Christeotfaume, 
Zürich' 1862  —  S.  62.  »Er  sah  das  Predigen  als  seine  Pflicht  an,  wenn  auch 
die  Redegahe  Anderer  ihn  beschämte.  Er  studirte  darauf  bei  Nacht,  und  schrieb, 
ohnehin  schireibselig,  seine  Rede  in  der  Regel  lateinisch  nieder.  Der  Gang 
•einer  Predigten  war  stereotyp.  —  Bis  zulezt  schrieb  er^^  und  hielt  er  seine 
Beden.    Vor  seinem  Tod  hielt  er  sich  sogar  eine  lange  Leichenrede,  in  welcher 


%.  3.     Hotias  fQhrt  den  Vorsis  im  Namen  des  Papstes  Sylvester.      161 

Was  die  frühem  Schriftsteller  nicht  leugnen  und  nicht  ausschliessen, 
den  Vorsii  des  Hosius  ira  Namen  des  Papstes ,  das  berichtet  der  Ge- 
lefaichtschreiber  der  Synode  von  Nicäa,  Gelasius  von  Cjzicus,  mit  be- 
ilminten  Worten.  Er  führt  die  obigen  Worte  des  Eusebius  über  die 
m  Nicäa  Tersammelten  Bischöfe  an,  und  fügt  zu  den  Worten  über 
HoahiB  hinsu*):    j^CAber  auch  von  den  Spaniern  war  der  vielgerühmte) 

—  Hoahis  gekommen^  welcher  zugleich   die  Steller  des  Bischofes  des 
groven   Rom  yertrat,  mit  den  römischen  Priestern  Vitus  und  Vincentius 

—  [welcher  zugleich  unter  den  Vielen  sass^)].^  Photius  von  Constan- 
tinopely  weleher  einen  Auszug  aus  dem  Werke  des  Gelasius  giebt,  führt 
gerade  diese  Stelle  an:  ^Er  (Gelasius)  sagt,  dass  Hosius  von  Corduba, 
und  Vitus  und  Vincentius,  die  römischen  Priester,  als  Gesandte  d^ 
römischen  Bischofs  Sylvester,  dort  gewesen  seien  ^).  J.  Frohschammer 
macht  dagegen  geltend,  dass  Gelasius  jene  Worte  dem  Eusebius  unter- 
schoben habe,  bei  welchem  in  der  That  nichts  ausgefallen  sei^).  Aber 
er  behauptet  nut  Unrecht,  dass  Gelasius  etwas  dem  Berichte  des  Euse- 
bius Entgegengeseztes  sage.  %Beide  Berichte,^  meint  er,  „können  nicht 
lugieich  wahr  sieyn.^  Aber  wenn  das  unwahr  ist,  was  Gelasius  von  Gon- 
stantinopel  (welches  im  J.  326  noch  nicht  bestand) ,  schreibt,  folgt  d€fnn 
daraus  die  Unwahrheit  des  über  Rom  Berichteten?  Frohschanmier  be- 
ortheilt  oder  verurtheilt  seine  eigenen  Einwürfe*  durch  das,  was  er 
(S.  123  flg.)  über  den  von  Theodoret  näitgetheilten  Brief  Alexaiider*s 
Ton  Alexandrien  —  an  Alexander  von  Byzanz  sagt  Durfte  Theodoret 
Alezander  Bischof  von  Constantinopel  nennen ,  ehe  diese  Stadt  bestand, 
durfte  er  dieses  Wort  in  den  Brief  an  Alexander  sezen, —  dann  durfte 
such  Gelasius  jenen  Zusaz  über  Osius  zu  den  Worten   des  EusebiuB 


er  weniger  sich,  als  den  Andern  wehe  that;  er  meinte  sich  mit  dieser  leztcn 
That  die  schwere  Reise  zu  erleichtern  (Etueb.  viL  Conat.  4,  22;  57,  —  4,  33, 
4f  29;  32,  —  Constantin's  oraL  ad  coetum  sanci,  2,  Die  Leichenrede  v,  Const  4,  55), 
Bekanntlich  hat  auch  Karl  der  Grosse  in  seinen  lezten  Jahren  zu  predigen  an- 
gefangen, und  zwar  mit  grosser  Kraft  und  Salhung  (s.  Ahog,  Universalgesch. 
d.  ehristL  Kirche,  7^  Aufl.  1859,  S.  411  — 412.  Admoniiio  dvmni  CaroU  tmpero- 
iorit,  aus  Periz,  monum,  f.  3,  101  —  103),  Frommen  und  cifiigcii  Laien  tbut 
nichts  weher,  als  dass  sie  nicht  predigen  dürfen.  Sie  versprechen  sich  die 
grdssten  Wirkungen  von  ihren  eventuellen  Reden,  und  meinen,  das  ^muUMr 
taeeai  m  eedesia'  schliesse  sie  vom  Predigen  nicht  aus  —  cf.  Burckhardt,  Con- 
stanlin  d.  Gr.,  S.  401  — 2. 

*)  Gelam  kUtoria  coneil  Ntcaenif  L  2,  5  -^  apud  Harduin  C,  1,346  —  462;  Marui, 
2,  754^945. 

*)  Gtia».  2,5  —  (ovrog  6k  Ujrdvtry  6  xavu  ßo<afxtyog)  o^Oßio^,  iytexatv  xai  rov 
rojtav  rov  r^  fieyiön^  'Ptotnjg  ijtiöxoxov  ^Ußd6rpov,  Ouv  x^tgßvri^tg  'Ptautjg  Bi- 
Tt0t€  «cd  Boeevrüo  C^^ig  jtoJUoig  aua  öwtSgewavJ, 

*)  PkoL  MUotk,  88  —  ift  xpoatixov  UUfteOr^oo  rov  ^Ptiiuifg  xccptPvaL 

*)  Frohschammer,  Beiträge  zur  Kirchengeschichte  in  drei  Abhandlungen,  Lands- 
hut 1860.  —    -lieber  den  Vorsiz  auf  der  Synode  zu  Nicäa-  -  S.  117—138. 

Garns,  span«  Kirche.    IL  11 


162  Sechstes  Bach.     Zweites  Kapitel. 

machen,  ohne  den  Vorwurf  „der  Fälschung''  zu  verdienen.  -  Gegen 
solche  Vorwürfe  bemerkt  Hefele  (1,  35),  dfllss  „Gelasius  den  Bericht  des 
Eusebius  nicht  sclavisch  abschrieb,  sondern  da  und  dort  Einschiebsel 
machte )  d.  i.  Notizen  einflocht,  die  ihm  anderswoher  bekannt  waren. 
So  schob  er  gleich  nach  den  Worten  über  Osius  auch  eine  Naehricht 
über  den  Bischof  von  Byzanz  ein,  und  veränderte  in  demselben  Kapitel 
die  von  Eusebius  angegebene  Zahl  von  250  Bischöfen  ohne  weiteras  in 
die  Zahl  ^dreihundert  und  darüber^,  ohne  mit  einer  Sylbe  anzudeuten, 
dass  -er  das  Wort  des  Eusebius  nicht  buchstäblich  wiedergegeben  habe. 
Diess  berechtigt  uns  zu  der  Annahme,  Gelasius  habe  auch  an  dieser 
Stelle  die  ihm  sonst  zugekommene  Notiz  über  Osius  unbedenklich  in 
die  Worte  des  Eusebius  eingeschaltet,  keineswegs  aber  den  Eusebius 
missverstanden''.  —  Die  Wahrheit  ist,  dass  Gelasius ,  dassl^otius,  dsss 
ailO)  welche  die  unleugbare  Thatsache  des  Vorsizes  des  Hosius  ane^ 
kannt  hAb^i,  sich  den  Vorsiz  desselben  nicht  andera,  denn  in  Folge 
einer  Uebertragung  von  Seiten  des  Papstes  erklären  konnten.  Diese 
war  die  kirchliche  Anschauung  aller  Zeiten;  Eusebius,  und  die  ihm 
folgt«!,  widersprechen  dem  nicht;  und  Niemand,  auch  Frohschammer 
nicht,  hat  bis  jezt  genügend  erklärt,  wie  Hosius  zu  dieser  Ehre  oder 
Würde  hätte  kommen ,  wie  er  die  erste  Stelle  unter  den  dreihundert 
Bischöfen  hätte  einnahmen  können,  wenn  er  nicht  die  Stelle  des  ecsteo 
Bischofes  der  Earche  vertreten  hätte. 

Dass  Hosius  im  Namen  des  Papstes  ^u  Nicäa  den  Vorsiz  gefühlt, 
haben  alle  Katholiken,  nicht  bloss  Baronius '),  sondern  auch  die  ganien 
oder  halben  Gallikaner,  Valesius^),  Petrus  de  Marca,  Alexander  Na- 
talis,  Baluzius,  angenommen.  Tillemont  behandelt  die  Frage  allzu  ober- 
flächlich; Ceülier  bejaht  sie  ^).  —  Neulich  haben  auch  Hefele  und 
AI.  de  Broglie  die  Frage  bejahend  beantwortet  Weil  in  allen  Unter- 
schriften und  bei  Socrates  der  Name  des  Hosius  bei  den  Legaten  des 
Papstes  und  an  der  Spiz^  stehe  ^),  und  man  i;Licht  begreifen  könne, 
warum  in  Gegenwart  zweier,  sonst  auf  ihren  Vorrang  so  eifersüchtigen, 
Patriarchen  ein  mfacher  Bischof  von  Spanien  allen  andern  den  Bang 
abgelaufen  hätte  —  (aurait  pris  U  pas  sur  totis  les  antra)  — ^ ,  so  müsse 
man  annehmen,  dass  er  den  anerkannt  ersten  Siz  der  Christenheit  ver- 
treten habe.  Femer  haben  in  der  Mehrzahl  der  folgenden  Concilien 
die  Päpste  gewöhnlich  drei  Legaten  als  ihre  Stellvertreter  gesendet, 
einen  Bischof  und  zweil  Priester  (?);  drittens  nenne  Athanasius  den  Osius 
das  Haupt  und  den  Leiter  aller  Concüien;  viertens  sei  es  natürlich,  dass 


0  Baron,  325.  20, 

*)  VaUs,  ad  Socrat.  1,  i3,  i 

')  Osius  avaii  FhonMur  de  repr^enUr  h  personne  du   Pape^   et  dritte  eon   U^aL  — 

CeiUier,  L  3,  eap,  19  (p,  420-^21), 
*)  Le  nom  d*Osiua  est  rapprochi  de.cebu  des  Ugats  du  p4xpe  (Broglie^  2^-20). 


f.  4.     Hosins  nach  der  Synode  von  Nic&a.  163 

CoMtuitin,  welcher,  ohne  den  Schein  der  Unterdrückung ,  dennoch 
cbm  entscheidenden  Einfluss  auf  den  Gang  der  Synode  habe  behalten 
voDcn,  den  Papst  Sylvester  gebeten  habe,  in  dem  gemeinsamen  Interesse 
der  Kirche  und  des  Staates ,  an  die  Spize  des  Concils  den  Vertrauten 
■BMI  An-  and  Absichten  zu  stellen,  welcher  schon  zu  Alexandrien 
KiantniBH  von  der  ganzen  Angelegenheit  erlangt  habe. 

Noeh  beachte  man,  dass  nach  den  erwähnten  Worten  der  Arianer 
Onus  wahrscheinlich  das  berühmte  Glaubensbekenntniss  von  Nicäa  redi- 
girthat»). 


§.  4.    Hosius  nach  der  Synode  von  Nicäa. 

Von  jezt  an  bis  zur  Synode  von  Sardika,  durch  achtzehn  Jahre, 
des  Hosius  keine  Erwähnung  mehr  in  der  Oeschichte.  Es  ist 
mdit  SQ  zweifeln,  dass  er  bald  nach  der  Synode  in  seine  Heimath  zurück- 
geehrt  seL  Ob  er  von  dort  einmal  oder  öfter  noch  nach  Italien  oder 
h  den  Orient  gekonmien,  ob  er  den  Kaiser  noch  gesehen,  darüber 
Üben  wir  keine  Andeutungen.  —  Im  J.  326  reiste  Constantin  nach 
ftom,  ennordete  auf  dem  Wege  dahin  den  Crispus  zu  Pola  und  die 
Ikosta*)  —  und  feierte  in  Rom  seine  Vicennalien.  In  den  Jahren  324 
ud  325  hatte  er  im  Oriente  dem  Christenthum  über  das  Heidenthum 
fie  Herrschaft  zu  geben  gesucht.  Wahrsagerei  und  heidnische  Opfer  wur- 
den gesezlich  verboten.  Ein  Gesez  verordnete  die  Erweiterung  aller  christ- 
Bdm  Kirchen.    Ein  Gesez  vom  J.  325  verbot  alle  Gladiatorenspiele  ^). 

In  Sonmier  des  J.  326  wollte  er  in  dem  annoch  heidnischen  Rom 
dm  Sieg  des  Ghristenthums  erklären  und  durchführen.  „Nach  der  Sitte 
der  Vicennalien  sollte  das  Heer  an  irgendeinem  Tage  feierlich  zum  Ca- 
pitol  und  zu  der  heiligen  Opferstätte  ziehen.  Constantin  unterliess  nicht 
wir  den  Aufisug,  er  verhöhnte  in  verachtendster  Weise,  gleichsam  in 
Inter  und  berechneter  Provocation  die  alte  Sitte.  Es  war  sein  Bruch 
■il  dem  Heidenthum.  Senat  und  Volk  war  wüthend,  offen  ergossen 
Mk  die  Schmähungen,  welche  gleichzeitig  am  Mord  des  Crispus  den 
vekUichsten  Stoff  zur  Vergleichung  der  neuen  ^goldenen  Zeit^  mit  dem 
Atmen  f  mit  dem  neronischen  Zeitalter  fanden.  Die  Schmähungen 
ükten  Einen  grossen  Erfolg,  die  Verlegung  der  Residenz  von  Rom  ^).'' 

Im  Zosanmienbang  mit  dem  Vorstehenden  nun  erzählt  der  Heide 


'1  *E^iStTO  —  expotuü  ßdem. 

*i  Broglie,  ehap.  5  —  meurtre  de  Crispus  et  de  Fausta,  2,  71 —  133, 

*»  Cod,  Theodos.  XV,  T.  12.  —  Eus.  vit  Const.  4,  25.  «Es  wurde  gegeben,  um 
vergessen  zu  werden,**  Burckhardt,  Constantin  der  Grosse  (1853),  S.  399. 

*)  Tb.  Keim,  Constanün^s  Uebcrtritt,  S.  55.  —  Zosimus,  2,  29.  —  r^  dk  jtea-giov 
waraiaßoüöi^  soqt^^  xccS'  j^v  dydyxtf  to  ötqcctoxsöov  ^  Uvai  sis  ro  HaxsnUioVy  avO' 
der  €vttßt(ta¥  aycudip  —  ripf  ye^ovCuxy  xai  rov  S^uov  aveCnjOev. 

4  4    • 


164  Sechstet  Bach.     Zweites  Kapitel. 

Zosimiis  [was  schon  oben  berichtet  wurde*)],  dass  w^en  der  Hinrich- 
tang  des  Crispus  und  der  Fausta,  und  wegen  des  Eidbmehes  gegen 
Licinius  (dem  er  das  Leben  versprochen,  es  aber  genommen  hatte),  der 
Kaiser  Gewissensangst  empfunden,  und  sich  an  die  heidnischen  Priester 
am  Entsündigung  gewendet  habe^).  Da  diese  geantwortet,  für  solche 
Verbrechen  gebe  es  keine  Art  von  Sühne,  habe  sich  ein  aus  Spanien 
nach  Rom  gekommener  Aegjptier  (d.  i.  Magier)  durch  die  Frauen  bei 
Hofe  in  die  Nähe  des  Kaisers  zu  drängen  gewusst,  und  ihn  überseogt, 
dass  das  Cbristenthum  jede  Art  von  Missethat  zu  tilgen  im  Stande  sei 
Dann  habe  der  Kaiser  seinen  Uebertritt  zuerst  zu  erkennen  gegeben  — 
durch  seine  Geseze  gegen  die  heidnische  Erforschung  der  Zukunft,  so- 
dann durch  die  Erbauung  einer  neuen  Hauptstadt 

Nehmen  wir  einen  Augenblick  die  Wahrheit  der  Thatsachen  an. 
Hosius  wäre  dann  nach  der  Synode  von  Nicaea  in  seine  Heimath  zurück- 
gekehrt, aber  aus  Anlass  der  Anwesenheit  des  Kaisers  zu  Born  im 
Sommer  326  wieder  nach  Rom  gekommen.  Nicht  unwahrscheinlich  ist, 
dass  Constantin  in.  Folge  seiner  verübten  Missethaten  eine  Zeit  lang 
dumpfer  Verzweiflung  anheimfiel ;  dass  er  innerlich  sogar  vom  Chriiteo- 
thume,  dem  er  doch  stets  nur  äusserlich  angehört  hatte,  abfiel,  viel- 
leicht sogar  dem  Christengotte  Vorwürfe  machte,  oder  ihn  für  ohn- 
mächtig hielt,  weil  er  ihn  so  tief  hatte  sinken  lassen,  dass  er  auf  kone 
Zeit  bei  heidnischen  Priestern  oder  bei  Neuplatonikem  Tr9st  geeuchft; 
dass  erst  der  (gerufene  oder  nicht  gerufene)  Bischof  Hosius  ihm  wieder 
Muth  und  Hoffnung  auf  Vergebung  eingefiösst.  —  Wenn  aber  2k>8imii8 
von  den  Frauen  an  dem  Hofe  des  Kaisers  redet ,  so  könnte  darunter  nur 
die  heilige  Helena,  die  Mutter  des  Kaisers,  verstanden  werden.  Nach 
Zosimus  war  sie  äusserst  betrübt  über  den  Tod  ihres  Enkels  Crispus. 
Sie  starb,  etwa  79  Jahre  alt,  nachdem  sie  ein  Testament  gemacht,  und 
ihrem  gegenwärtigen  Sohne  die  lezten  Ermahnungen  gegeben ,  bei  voUein 
Bewusstseyn,  Sie  und  der  Kaiser  bedurften  in  dieser  Zeit 
eines  Hosius.  Nach  Eusebius  Hess  der  Kaiser  ihren  Leichnam  in 
jydie  königliche  Stadt'',  d.  h.  nach  Born  bringen,  und  dort  beisezen^) 
(Socrates  versteht  darunter  Constantinopel).  Daraus  folgert  man,  dass 
Helena  nicht  in  Bom  gestorben;  ihr  Tod  erfolgte  wohl  326,  nach  andern 
327  oder  328.  Aber  nach  neuem  Untersuchungen  feierte  der  Kaiser 
seine  Vicennalien  Mitte  Juni  326  zu  Bom,  und  Helena  starb  den  18.  Au- 
gust, zu  der  Zeit,  als  der  Kaiser  noch  in  Bom  war.  Nach  Nic^honis 
(8,  31)  starb  die  Kaiserin  in  Bom  selbst,  und  ihr  Leib  wurde  zwei  Jahre 


')  8. 138. 

*)  Zoi,  2,  29,    Sozam.i,  5.     Burckbardt,  S.  402. 

*)  IJiiiürfj  yow  dopv^popifc  ijti  r^  ßaöUevovöay  jroJLiv   (to   Oxrjyog)  areftoui/^tro ,    er- 

recv^d  di  ij^tot/s  ßaCUmolg  axeriSero  —  Euseb,  vit  Corut,  3,  47,  -^   7%eo</<or.  /,  17, 

—  SocraL  i,  17,  —    Baron,  326,  60—  64, 


$.  4.     Hosius  nach  der  Synode  von  Nic&a.  165 

&ter  nach  CSonstantinopel  übertragen.  Ich  spreche  meine  Meinung  dahin 
8,  dasa  sie  in  der  Nähe  yon  Rom,  sei  es  an  Altersschwäche,  oder 
eil  die  Mordthatea  im  kaiserlichen  Hause  ihre  Lebenskraft  bradien, 
»ICHrben,  nnd  in  Rom  bleibend  beigesezt  sei'). 

"Wenn  also,  was  nicht  miwahrscheinlich ,  bei  ihrem  Tode  Hosios 

Igegen   war,  so  wird  er,  bei  dem  bleibenden  Weggange  des  Euusers 

den  Orient,  wieder  nach  Spanien  zurückgekehrt  seyn,  während  Burk- 

irdt  ohne  den  Schein  eines  Grundes  sagt : .  „Hosius  wurde  gestürzt, 

\er  verschwand  wenigstens  für  sehr  lange  Zeit  aus  den  Geschäften  ^).^ 

Marcellus  yon  Ancyra  citirt  aus  einem  Briefe  des  halb  arianischen 
ischofes  Narcissus  von  Neronias,  dass  Osius  von  CSorduba  ihn  (wahr- 
heinlich  in  Nicäa)  gefragt  habe,  ob  er  in  Gott  zwei  Substanzen  an- 
shme,  wie  Eusebius  von  Cäsarea,  und  fügt  bei:  Ich  weiss  aus  seinen 
chriften,  dass  er  glaubt,  es  seien  drei.  —  Nach  einem  von  allen  Seiten 
Zweifel  gestellten  Berichte  des  Gelasius  von  Cyzicus  hätte  Osius  mit 
idem  hervorragenden  Häuptern,  der  Katholiken  zu  Nicäa  mit  einem 
sidnischen  Philosophen  dispufirt,  welcher  sich  in  Folge  davon  bekehrt 
ttte»)r 

Ein  platonischer  Philosoph  Chalcidius,  der  nach  gewöhnlicher  An- 
ihme  im  sechsten  Jahrhundert  lebte,  dedicirte  einem  Christen  Osius 
ler  Hosius  seinen  Commentar  zu  dem  Timäus  des  Piaton.  Es  ist  nicht 
ihndieinlich,  dass  darunter  Osius  von  Corduba  gemeint  sei. 

Lridor  von  Sevilla,  ein  Gegner  des  Hosius,  der  zugesteht,  dass  er 
IE  gewandter  Redner  war  (eloquentiae  viribti$  easercüätm),  berichtet,  dass 
etsdbe  zwei  schöne  Schriften  verfasst  habe.  „Er  schrieb  an  seine 
efcwester  einen  Brief  über  das  Lob  der  Jungfräulidikeit  im  Schmucke 
Der  schönen  und  beredten  Darstellung;-  auch  verfasste  er  ein  anderes 
Terk  —  über  die  Erklärung  der  priesterlichen  Gewänder  im  alten  Te- 
imente,  ausgearbeitet  in  vortre£Flichem  Verständnisse  und  Geiste  ^).^ 

Von  diesen  Schriften  ist  uns  leider  nichts  eriialten;  wir  sehen  aber 
18  dem  einzigen  uns  erhaltenen  Briefe  an  den  Kaiser  Gonstantius, 
eiche  geistige  Kraft  und  Frische  Hosius  noch  —  hundeH  Jahre  alt  — 


')  Siehe  TüUmonty  m.  f.  7,  i  — 19  und  Notes  swr  Samte- Helene.  Es  giebt  in  der 
Nähe  von  Rom  (unter  der  Villa  del  Grande)  eine  Catacombe  der  heil.  Helena, 
welche  durch  ihre  Grösse  und  ihren  Mosaikfüssboden  vor  andern  Gatacomben 
sicH  auszeichnet  Siehe:  Die  römischen  Gatacomben  v.  Spencer  Northcote  — 
äbers.  v.  Rose,  Göln  1859,  S.  102. 

*)  Burckhardt,  .8.  421. 

>)  TOlemont,  m.  6,  646;  681  (ed.  Parts  1799). 

*)  Jsidor.,  de  viris  iüußtribus  c.  5. 


Drittes  Kapitel. 

Oslos  DDd  die  GrflndDiis  der  kirchlichen  Hierarchie 

In  Spanien. 


§.  1.    Die  politische  Eintheilung  des  Landes  vor  Augustus. 

Die  VerthefloDg  der  einzelnen  Volksstänime  vor  den  Zeiten  der 
römiBohen  Hemchaft  in  Spanien  ^)  —  hatte  keinen  Einfluss  aaf  die  Ein- 
ftthrong  des  Christenthumes  in  dem  Lande.  —  Zur  Zeit  der  rönusdien 
Herrschaft  traten  die  einzelnen  Volksstänime  zurück;  sie  giengen  auf 
und  unter  in  den  Bewohnern  der  spanischen  Provinz.  Es  war  weder 
förderlich  y  noch  hinderlich  für  die  Verbreitung  des  Christenthumes,  dasi 
z.  B.  in  dem  mittlem  Spanien  Celtiberier  wohnten,  in  den  nördlicheo 
Theilen  Vasconen,  Asturier,  Galizier.  Die  Volksstämme  mit  ihren  Eigen- 
äiümlichkeiten  verschwanden,  als  der  eine  römische  Staat  mit  der  gleichen 
Sprache,  den  gleichen  Gesezen  und  derselben  Verfassung,  alle  Volks- 
stämme verband.  Wenn  auch  noch  Eigenthümlichkeiten  der  Volks- 
stänmie  fortbestanden,  und  theilweise  noch  fortbestehen,  wie  die  der 
alten  Vasconen,  der  heutigen  Basken,  so  zeigen  sich  doch  nirgends 
Spuren,  dass  die  Geschichte  der  Kirche  in  Spanien  dadurch  wäre  be- 
rührt worden. 

Dagegen  war  die  politische  Eintheilung  des  Landes  unter  den  Rö- 
mern maassgebend  für  die  Einrichtung  und  Verwaltung  der  Kirche  in 
Spanien.  Eine  genaue  Beachtung  und  Kenntnissnahme  von  der  politi- 
sdien  Lage  des  Landes  giebt  uns  ganz  überraschende  Au&chlüsse,  und 
giebt  uns  zuverlässige  Einblicke  in  die  äussern  Wege  und  Formen  der 
Einführung  des  Christenthumes  in  dem  Lande.    Wenn  wir  die  Strassen 

')  Spaniea  im  Sinne  der  alten  Römer  amfasste  die  ganze  pyrenäische  Halbintel 


$.  1.     Die  poliUsche  Eintheilaag  des  Landet  vor  AugastoB.  167 

nd  die  Verkehrswege  des  Landes  genaa  keimen,  können  wir  darnach 
loi  äuseem  Gang  der  Ausbreitung  der  Kirche  im  Lande  annähernd 
xtchlieseen.  Wenn  wir  wissen  und  beachten,  welche  Theile  Spaniens 
n  dem  lebhaftesten  und  ununterbrochensten  Verkehre  mit  Rom  standen, 
ron  wo  aus  das  Christenthum  nach  Afrika,  nach  Spanien,  und  in  alle 
Linder  des  Abendlandes  yerbreitet  wurde,  können  wir  daraus  —  mit 
Zuziehung  anderer  Quellen  —  mit  ziemlicher  Gewissheit  erkennen,  in 
irelchen  Gegenden  Spaniens  das  Christenthum  sich  zuerst  ausbreitete.  -* 
Ir'on  den  volkreichsten  Städten  können  wir  auch,  nach  der  Analogie  mit 
indem  Ländern,  annehmen,  dass  sie  früher,  als  andwe,  christliche  G^ 
ndnden  hatten. 

Im  J.  Roms  Öl  6,  in  der  Zeit  zwischen  dem  ersten  und  zweiten 
)anischen  Kriege,  drang  Hamilkar  erobernd  in  Spanien  vor.  Sein  Nach* 
biger  Hasdrubal  gründete  im  J.  625,  243  Jahre  vor  Christus,  die  Stadt 
ind  den  Seehafen  Neu-Carthago,  der  bis  zum  heutigen  Tage,  unter 
lem  Wechsel  so  vieler  Regierungen,  seine  Bedeutung  als  Kriegshafen 
Spaniens  behauptet  hat.  —  Als  die  Punier  sich  das  südliche  Spanien 
interworfen,  und  von  ihren  festen  Punkten  aus  —  das  ganze  Land  unter 
bre  Botmässigkeit  zu  bringen  —  Aussicht  hatten,  traten  die  eifersüch- 
igen  Römer  dazwischen,  und  schlössen  zunächst  im  J.  526  einen  Ver-' 
ng  mit  Hasdrubal,  nach  welchem  der  Ebro  von  den  Carthaginiensem 
icht  überschritten  werden,  und  auch  das  südlich  vom  Ebro  gelegene, 
en  Römern  verbündete,  Saguntum,  unter  dem  Schusse  der  Römer 
leiben  zollte^). 

Nach  dem  Tode  Hasdrubal's  übernahm  Hamilkar's  Sohn,  Hannibal, 
!e  Gewalt  in  Spanien,  und  wollte  durch  Unterwerfung  des  ganzen 
andes  sich  den  Weg  zum  Kriege  mit  den  Römern  bahnen.  Er  eroberte 
a  Jahre  536  Sagunt,  und  zerstörte  es.  Den  Römern  und  denPuniem 
«r  dieser  Anlass  zum  Kriege  willkommen.  Neben  Italien  wurde  Hi- 
Nmien  ein  Hauptschauplaz  des  zweiten  punischen  Krieges.  —  Nach 
wechselnden  Erfolgen  übernahm  P.  Com.  Scipio ,  der  Sohn  und  Neffe 
er  in  der  Schlacht  bei  Ilorcum  gefallenen  P.  Cornel.  und  Cn.  Comel. 
dpio,  im  J.  544  der  Stadt,  210  vor  Christus,  die  Führung  des  römi- 
^en  Heeres  in  Spanien.  Innerhalb  vier  Jahren ,  bis  zum  J.  548 ,  ver- 
leb er  die  Punier  aus  ganz  Spanien.  Das  ganze  südliche  oder  jensei- 
ge  Spanien,  sammt  Gades,  war  und  blieb  in  der  Hand  der  Römer, 
Qd  dieser  Theil  des  Landes  wurde  zuerst  und  vollständig  romanisirt 
*ie  Bewohner  dieses  reichen  und  fruchtbaren  Erdstriches  fänden  ihren 
ortheil  in  der  Verbindung  mit  Rom,  und  der  Handel  zwischen  Rom 
nd  Gades  wurde  überaus  belebt  und  blühend. 

Aber  der  Nordwesten  von  Spanien  war  auch  den  Puniem  nicht 
Qterworfen  gewesen,  und  grösstentheils  noch  unbekannt.     Der  Kampf 


»)  PbfybiuM,  2, 13;  3,  27,  29.  -    Lwius  21,  2, 


168  Sechstes  Buch.     Drittes  Kapitel. 

danerte  volle  zwei  Jahrhunderte ,  bis  sich  die  Römer  Herrn  des  ganseii 
Landes  nennen  konnten.  Die  tapfem  Geltiberier  ^)  ^  welche  die  Mitte 
von  Spanien  bewohnten,  konnten  erst  nach  langen  und  wechselv(dlea 
Kämpfen  von  Cato  dem  Aeltem  —  557  der  Stadt  ^),  so  wie  durch  Tiber. 
Gracchus  unterworfen  werden,  574 — 576^).  —  Die  Lusitanier  eriiobca 
sich  unter  ihrem  Führer  Viriathus  zu  entschlossenem  Widerstände  %  — 
Durch  die  Eroberung  von  Numantia  —  621  d.  St.  —  133  v.  Chr.  — 
kam^ü  die  meisten  Völker  des  innem  Spaniens  unter  römische  Herr- 
schaft. Noch  dauerte  der  Kampf  mit  den  nördlich  vom  Tajo  wohnen- 
den Luntaniem ,  welche  erst  von  Julius  Cäsar  —  693  d.  St  -^  völlig 
bezwungen  wurden  ^).  Es  folgte  der  Krieg  mit  Sertorius.  Zulezt  wur- 
den die  nördlichen  Gefoirgsvölker,  namentlich  die  Cantabrer  und  Asturer, 
von  Augustus  —  732  — '  und  Agrippa  gänzlich  überwältigt*). 

Erst  seit  Augustus  war  die  ganze  Halbinsel  römisches  G^Uct  Viele 
römische  Golonien  wurden  angelegt,  und  durch  ein  Kez  von  La^dstrassen 
das  ganze  Land  durchzogen  und  verbunden^).  Vor  den  Zeiten  des 
Augustus  y  und  seit  der  Vertreibung  der  Carthaginienser  aus  dem  Lande 
wat*  dasselbe  in  zwei  Theile ,  oder  zwei  Provinzen  zerlegt  worden.  Schon 
im  J.  550  d.  St.  werden  zwei  Proconsuln  für  Spanien  erwähnt').  — 
Das  diesseitige  oder  nordöstliche,  und  das  jenseitige  oder  südwestliche 
Spanien  fiel  zusammen  einerseits  mit  der  spätem  Provinz  Tarraconenai^ 
anderseits  mit  den  beiden  Provinzen  Bätika  und  Lusitanien.  Jenes  htiaä 
auch  das  innere,  dieses  das  äussere  Spanien^). 

Zuerst  galt  der  Ebro  als  eine  von  der  Natur  gesezte  Grenae'^ 
Doch  war  nach  dieser  Scheidungslinie  die  Ausdehnung  der  beiden  Pro- 
vinzen in  gar  keinem  Verhältnisse  der  Grösse  zu  einander.  —  Später 
scheint  sich  das  diesseitige  Spanien  bis  zum  Gebirge  von  Castulo  erstreckt 
zu  haben.  —  Man  nahm  gewöhnlich  eine  von  hier  und  den  Quellen 
des  Bätis  bis  nach  Carthagena,  oder  nach  Murgis  (Almeria)  gezogene 
Linie  als  Grenze  der  beiden  Provinzen  an  *').  —  Die  Grenzlinie  lief 
vom  heutigen  Cabo  de  Gata  aus,  vormals  Promontorium  Charidemi^'); 


»)  FUn-,  2, 17. 

•)  Appian,  Bigp,  41,  —    Ptutarch,,  Cato  maj,  10.  —    Liv.  34,  17. 

•)  Strabo,  5,  162^63,    Liv.  40,  49.    Flor.  2,  17. 

<)  Straho,  3,  3  (2,  3).     Appian.  Hisp.  73  —  74.     Orosius,  5,  4. 

*)  Caesar,  Bell  dviU,  1,  60.     Appian.  Hisp.  102.     Sueton.  Caesar.  34. 

•)  Dia  Com.  53,  25;  29.  —    Liv.  28,  12.    Flor.  4,  12. 

*)  SaäusL  kist  fr.  p.  820^  Cort.  —  Polyb.  3,  39.  -  Strabo,  3,  160.  —   Itiner.  Asüm. 

•)  Li».  29,  13,  7. 

•)  Cicero,  pro  lege  Manu.  12.  -  pr.  Font.  3.  -  Liv.  28,  18;  30,  30;  32,  28;  45,  16. 

Plin.  3,  1,  2.  -     TadL  annal.  4,  13.    Flor.  4,  2.    Strab.  3,  166. 
«•)  Liv.  32,  28.  —    Caes.  B.  civ.  3,  73. 

")  Stephan.  BtfxanU  —  »Ibcrien"  —  nach  Artemidur,  —    Strab.  3,  166, 
»»)  FtoL  2,  4,  7. 


S-  1.     Die  iK>lititcbe  Eintheilung  des  Landes  vor  Augnitas.  169 

lachen  CSarthagens  und  Almeria,  vor  Alters  rwischen  Abdera  und 
rea  (i)j  giong  swiachen  Illitargis  und  Castulo  (Andujar  und  Cazlona) 
V  den  BäÜBy  lief  von  da  in  nordwestlicher  Richtung  über  den  Anas, 
■  hier  zog  sie  direct  nördlich,  und  swiachen  Toledo  und  Talayera 
I  hl  Reynajy  doch  n&her  der  leztem  Stadt ,  über  den  Tagus  oder  Tajo. 
ermnf  lief  sie  wieder  nordwestlich,  rechts  an  Salamanka  (Salmaütika) 
ruber,  welche  Stadt  noch  im  jenseitigen  Spanien  lag.  Nordöstlich 
a  Salmantika,  welches  an  dem  Tormes,  einem  Nebenflusse  des  Duero, 
gt,  über  den  eine  steinerne  Brücke  von  27  Bogen  führt,  die  noch 
r  Hälfte  ein  Werk  der  Römer  ist  ^) ,  erreichte  die  Grenze  der  beiden 
lanien  den  Durius  oder  Duero,  und  folgte  von  nun  an  dessen  ge- 
Iknimtem  und  gewundenem  Laufe  bis  zu  seinem  Ausflüsse  in  das  Meer 
i  Oporto  *). 

Dadurch  zerfiel  Spanien  in  zwei  iHumlich  sehr  ungleiche  Provinzen, 
c  grössere  nordöstliche,  die  kleinere  südwestliche.  Die  grössere  Be- 
ilkening  und  Fruchtbarkeit  aber  des  jenseitigen  Spaniens  wog  jene 
illerenz  wieder  auf.  Wegen  dieser  Eintheilung  in  Spanien  sagte  man: 
iqfoniae,  d.  i.  die  zwei  spanischen  Provinzen').  Auch  in  späterer  Zeit, 
ichdem  das  Land  in  drei  Provinzen  eingetheilt  war,  sprach  man  vom 
BMeitigen  und  jenseitigen  Spanien  ^).  Das  diesseitige  Spanien  bedeutete 
an  die  Tarraconensische  Provinz,  das  jenseitige  aber  die  Provinzen 
nitAnia  und  Bätika.  Ebenso  blieb  es  bei  lateinischen  und  griechischen 
iiriftstellem,  besonders  bei  leztem,  Sitte,  Hispaniä  statt  Hispania  zu 
Iraben  ^). 

Als  römische  Verwalter  Spaniens  erscheinen  zuerst  zwei  Proconsuln  ®). 
ie»  dauerte  von  den  beiden  Scipionen  an,  dem  Vater  und  Oheim  des 
:qpio  Afrikanus  des  Aeltem ,  bis  auf  Cornelius  Lentulus  und  L.  Ster- 
üus,  welche  im  J.  u.  c.  555  erwählt  wurden^).     Später,   vom  J.  554 


*)  Willkomm,  Wanderun^^en  durch  das  uordöstl.  und  centrale  Spanien,  1852, 
Bd.  2,  S.  343-49. 

*)  Minuloli,  Spanien  und  seine  fortschreitende  Entwicklung,  Berlin  1802,  S.  23. 

*)  Caemu-,  B.  Civ.  1,  10,  —  SaUusL  CaUL  18.  —  Liv.  28,  18,  —  30,  3.  -  PUn. 
17,  26;  (40),  30,  30, 

*)  Flonu,  4,  12. 

*)  Das  Itineranum  Antonini  schreibt:  de  ItaUa  in  Hispanicu,  —  Bei  spätem  Griechen 
kommt  Xxayia  und  Xxoevuu  abwechselnd  vor,  z.  B.  bei  Theodoret  die  Einzahl, 
3,  949  (Schulze -Noeuelt);  die  Mehrzahl,  1, 1425,  3,451;  773.  —  Agathias  — 
ed.  Barm,  p,  306  —  schreibt:  Xjtovux.  Gregor  von  Tours  sezt  bald  die  Ein- 
zahl, bald  die  Mehrzahl  —  Hitt  eccL  Franc,  5,  39.  -  cf.  4,  8;  1,24  de  gUma 
mariyrum.  Mehrere  Beispiele  s.  oben  bei  den  Zeugnissen  der  Kirchenväter  für 
die  Reise  des  Paulus  nach  Spanien.    (Band  1,  S.  40  flg.) 

•)  Liü,  28,  38,  29, 11;  13, 

^  Noniue  Ludov,,  „Hispania**  1607  —  bei  SchotHue,  BiMpamia  iUuetrata,  L  IV  -- 
capJl4.  —    Lio,  31,  50, 


170  Sechftes  Buch.     Drittes  Kapitel. 

an  —  wurde  das  Land  durch  zwei  Propr&toren  verwaltet  ^).  Die  Fh>- 
prätoren  wurden  auweilen  auch  noch  ProconBuhx  genannt^).  In  ■mwef. 
ordentlichen  Zeiten  wurden  auch  besondere  Magistrate  ernannt.  «Ala  im 
J.  Ö69  ein  Krieg  in  Spanien  drohte,  wurde  neben  den  beid^  Prilomi 
der  Consul  M.  Porcius  Cato  nach  Spanien  gesendet  ^),  In  dem  Kriegei 
welcher  g^^  Sertorius  geführt  wurde,  wurden  Q.  Metellus  ala  F^ 
consul,  und  Cn.  Pompejus  als  Quästor  mit  consularischer  Grewalt  moh 
Spanien  gesendet  *).  Pompejus  selbst  liess  seine  Provinz  Spanien  dmdi 
seine  beiden  Legaten  Afhmius  und  Petrejus  verwalten. 


§.  2.    Eintheilung  Spaniens  in  drei  Provinzen  unter  Augustu   . 
Die  Provinz  Tarraconensis.    Neue  Eintheilung  unter  Con- 

stantin. 

Augustus  theilte  im  J.  727  Spanien  in  die   drei  Provinzen:  T*n«- 
conensis,  Bätika  und  Lusitania  ^).     Die  neue  Eintheilung  ruhte  indeti.  . 
auf  natürlichen  und  geographischen  Gründen,  und  scheint  thatsSdilidi   ] 
schon  vorhanden  gewesen  zu  seyn.    Schon  Cäsar  unterscheidet  das  dies-    ' 
seitjge  Spapien,    das  Land  vom  Gebirge  bei  Castulo  bis  zum   Flonp 
Anas,  also  die  Provinz  Bätika,   sodann   das  Land  vom  Anas  bis  an    \ 
Meere  —  also  Lusitania^).  —    Bätika  wurde  als  Provinz  dem  Senile 
zugetheilt  ^).    Die  beiden  andern  Provinzen,  Lusitania  und  Tarraconenni 
wurden  kaiserliche  Provinzen  ^).     Von  jezt  an  wurden  je  drei  Prätoiren 
nach  Spanien  gesendet;  zwei  vom  Kaiser,  einer  vom  Senate. 

Die  Provinz  Tarraconensis  umfasste  zwei  Drittheile  von  Spanien. 
Diese  Provinz  stand  unter  einem  Statthalter  mit  consularischer  Macht 
(Proconsul) ,  welcher  drei  Legionen  ^)  und  drei  Legaten  zu  seiner  Dispo- 
sition hatte.  Zwei  dieser  Legionen  standen  in  dem  nördlichen  Spanien,  die 
erste  zwischen  dem  Durius  und  dem  Cantabrischen  Meere.  Die  zweite 
Legion  mit  dem  zweiten  Legaten  stand  östlich  von  jener  —  bis  zu  den 
Pyrenäen.  Der  dritte  Legat  mit  der  dritten  Legion  stand  im  Innern 
des  Landes,  im  Lande  der  Celtiberier,  und  in  dem  Lande  zwischen  dem 
Ebro  und  dem  Meere.  Die  drei  unter  Augustus  in  Spanien  stehenden 
Legionen  waren  die  Legio  IV  Macedonica;  die  Legio  VI  Victrix,  und  die 


«)  Liü,  30,  41  (31y  50).  —  S3,  26,  ~-  44,  17,  -    46,  16, 

*)  Pigh,  AnnaL  1599.  II,  253. 

•)  Liü.  33,43.  -  34,  8;  17.  18;  21, 

*)  L{v.  epitom.  91.  92, 

*)  Mela,  2,  6,  3.  —    Appian,  Hispan,  102. 

•)  Bell  civ,  1,  38. 

^)  Dio  Cau,  53,  12.    (Sueton.  Octav.  27.)    Strabo,  17,  840, 

*)  Dio  C.  l,c    Sirabo,  3,  4,  20  (166). 

^  TaeiL  Ann.  4,  5.  -^    StrcUt.  L  c 


f.  2.    Einüieilung  Spaniens  in  drei  Provinzen  nnter  AogOBtns  etc.     171 

^  JT*)  Gemina.  Spiter,  xor  Zeit  der  Kaiser  Oalbä^  Vitellins  und 
apasian  j  werden  die  Legio  I  Adjutrix  ^) ,  und  Legio  VII  Oemina  er- 
duit.  Ans  dem  Standlager  der  LeEtem  ist  die  Stadt  Legio  y  jezt  Leon, 
rfoig^;angen  »). 

Der  Pxltor  von  Tarraconensis  irohnte  gewöhnlich  in  der  Hauptstadt 
nacoy  abwechselnd  in  Cartagena.  Im  Sommer  bereiste  er  das  Lmere 
s  Landes  %  Der  Prfttor  von  Bätika  wohnte  in  -  Corduba ,  der  von 
■ikuiien  gewöhnlich  in  Emerita. 

Durch  Augustus  wurde  ganz  Spanien  in  gewisse  G^riohtssprengel 
igedieilt,  Convenha  jttridiei  genannt  ^).  Ea  waren  im  Ganzen  yierzehn 
Idier  Obergerichtshöfe,  auf  welchen  die  Streitigkeiten  der  Provinzialen 
leiter  Listanz  entschieden  wurden.  Doch  erscheinen  wenigstens  einige 
eser  Conyentus  schon  in  fiüherer  Zeit*).  In  der  Provinz  Tarraco- 
ssis  befanden  sich  sieben,  in  der  Provinz  Bätika  vier,  endlich  in  Lu- 
mia  drei  Obergerichtshöfe'). 

Diese  Eintheilung  in  drei  Provinzen  blieb  bis  auf  die  Zeiten  der 
Deinherrschaft  des  Kaisers  Constantin ").  Durch  Constantin  ehielt 
«nien  einen  Vicarius,  der  zu  Sevilla  residirte*),  und  unt^  dem  Pi^ 
stiiB  Ton  Oallien  stand.  Das  Festland  selbst  wurde  in  fünf  Provinzen 
Iheilt.  Bätika  und  Lusitania  blieben  in  ihrem  frühem  Bestand.  Die 
orins  Tarraconensis  dagegen  wurde  in  drei  Provinzen  zerlegt,  in  Tar- 
sonensis  im  engern  Sinne,  in  die  Provinz  Carthaginensis  mit  der 
npAstadt  Neu-Carthago,  und  in  die  Provinz  Galicien  mit  der  Haupt- 
ilt  Asturica  (nach  andern  Bracara) ;  dazu  kam  als  sechste  Provinz  Mau- 
tania  Tingitana,  welches  schon  Kaiser  Otho  aus  besonderer  Gunst  zu 
r  Provinz  Bätika  geschlagen  '^) ,  und  als  siebente  Provinz  die  Inseln 
i  Hittelmeere,  welche  indess  erst  zur  Zeit  Thcodosius  des  Grossen  und 
iner  Söhne  als  eigene  Provinz  erwähnt  werden  **). 

Die  Provinz  Lusitanien  grenzte  im  Westen  und  Süden  an  das  atlan- 
»ehe  Meer,  im  Osten  an  den  Anas,  bis  zu  der  nördlichen  Ausbeugung 
%  leztem,  durch  welche  er  dem  Tagus  am  nächsten  kommt.  Von 
I  an  lief  die  Grenze  nördlich  über  den  Tajo  an  den  Duero,   und  war 


')  Tac  HUt.  3,  H,    (Dio  Coms,  53,  26.) 

»)  Tac,  Bist.  2,  67;  86, 

*)  Päufy,  Realencychp.  IV,  888  —  Legio.  —  Matdeu,  ffisL  criL  Hispan.  VI,  Nr.  917-^43, 

«)  Strab.  3,  167. 

•)  Hin.  3,  3;  4    ^  4,  20  und  21,  (35).  —     VelUj.  PaUrc.  2,  43. 

*)  SueUm.  Caesar.  7,  cf.  mit  Caes.  B.  civ.  2,  19.  —    B.  Alex.  56. 

')  PUn.  l.  e. 

•)  Zosim.  2,  32;  33. 

*)  Notitia  dignitatum  Occid.  cp.  20,  ed.  Buecking,  1853.  ■—   Cod.  Theod.  L.  5  de  sponsaL 

und  L.  61  de  eure.  pubL 
••)  Tae.  HisL  1,  78. 
")  Noiiiia  dignüatum  m  part  Oceid,  c.  20. 


172  Sechstes  Buch.     Drittes  Kapitel. 

dieselbe  mit  def  oben  angegebenen  Grenze  zwischen  dem  yormaligeii 
diess-  und  jenseitigen  Spanien.  Denn  die  neue  Eintheilong  unter  As* 
gustus  war  eigentlich  nur  die  Zerlegung  des  jenseitigen  Spaniens  in 
zwei  Hälften,  die  durch  den  Anas  geschieden  wurden ,  während  das  diti^ 
seitige  Spanien  nur  den  Namen  wechselte ,  und  von  nun  an  die  Tam- 
conensisohe  Provinz  hiess.  Die  alte  Provinz  Lusitania  bildet  den  grOnten 
Theil  des  Territorialbestandes  des  heutigen  Königreichs  PortugaL  Nor 
im  Süden  war  Lusitanien  weniger  breit,  als  Portugal,  da  Portogid  jen- 
seits der  Guadiana  (des  Anas)  Besizungen  hat,  die  Gebiete  von  OliTenfis 
Mourao ,  Serpa ,  und  andere  Ortschaften  ^).  Dagegen  erstreckte  aidi  l4h 
sitania  in  der  Mitte  —  weiter  nach  Osten,  es  erreichte  hier  mehr  ab. 
das  Doppelte  seiner  jezigen  Breite,  bis  nach  Talavera  de  la  Bejm^ 
welches  tief  im  heutigen  Spam'en  liegt  Auch,  wo  Lusitania  nach  Nofr 
den  wieder  schmaler  wurde,  schloss  es  noch  die  jezt  spanische  Stidt 
Salamanca  ein.  Von  heutigen  bedeutenden  spanischen  Städten  lagm 
innerhalb  der  Grenzen  des  alten  Lusitania  (neben  Talavera  nnd  Salar 
manca)  die  Städte  Avila  (was  von  andern  bestritten  wird),  Ciudad  Bo* 
drigo,  Coria,  Plasencia,  Caceres,  Merida,  die  alte  Hauptstadt  Lob- 
tanias,  Alcantara,  TruxiUo,  Medellin^)  u.  a.  —  Im  Norden  jedoch  hat 
das  heutige  Portugal  jenseits  des  Duero  noch  die  beiden  kleinen  Phh 
vinzen  —  Tras  os  Montes  —  (jenseits  der  Berge) ,  und  Entre  Minho  • 
Duero,  während  der  Duero  die  Grenze  des  alten  Lusitaniens  bildete. 

Die  Grenzen  der  Provinz  Bätika,  welche  im  Vorstehenden  adioä 
angegeben  sind,  erlitten  durch  die  Eintheilung  unter  Oonstantin  kebs 
Veränderung.  Die  gleichen  Grenzen  hatte  die  neue  Provinz  Cartfaa^ 
giniensis  gegen  Süden  und  Westen.  In  diese  Provinz  gehörten  noch 
Toledo,  Segorve,  Siguenza  und  Osma,  selbst  Palentia^  Complutont 
(Alcala  deHenares),  Auxuma,  Segovia,  Segobriga,  umsomehr  Valencia 
und  Valeria.  Diese  Provinz  war  wie  ein  schmaler  Keil,  der  sich  mittea 
durch  ganz  Spanien, schob,  der  sich  zwischen  die  beiden  Pjto vinzen  Ta^ 
raconensis  und  Asturien  einschob,  und  der  fast  bis  zum  cantabrischen 
Hochgebirge  reichte  ^). 

Die  Provinz  Galizien  —  lief  von  Ocelodurum  oder  Zamora  am 
Duero,  entlang  dem  Nebenflusse  des  Duero,  Ezla,  —  bis  zu  den  Bergen 
von  Saldanna  und  Oca.  —  Uebrigens  war,  nach  neuern  Untersuchungen, 
Asturien  und  Galizien  schon  eine  seit  der  Mitte  des  zweiten  Jahrhun- 
derts  von   Tarraconensis   getrennte   Provinz,    welche   wenigstens   eine 


')  Schäfer,    Geschichte  Portugals,  I,  2.   —      Die  Halbinsel   der  Pyrenfiea,  ▼oo 

M.  Willkomm,  1855,  S.491.  —    NoniuM,  c  29. 
*)  Hutoria  e  Memoriat  da  Academia  Recd  da*  Sciencia$  de  IMoa,    t,  IX,  p.  2(3 

(Schäfer  L  c).    PUn,  3,  2.  Ä.  n.  4,  36  (21). 
*)  FloreZf  Ifmiu$  d«  h  Qortha^iMnief  6,  2—Ö3, 


f.  3.  Die  Kirche  in  Spanien  in  Besiehung  auf  ihre  kirchl.  Organisation  etc.     173 

eigene  Abgaben-  oder  Finaiisverwaltung  —  unter  einem  römischen  Pro- 
enntor  hatte  ^).  Znweilen  beissen  diese  obersten  Beamten  auch  juridiei 
mA  Ugaii.  —  Schon  unter  Antoninus  Pias  erscheint  sie  als  eigener 
Bcnrk ,  Tielleicht  wurde  sie  unter  Hadrian  eine  kaiserliche  Provinz  unter 
imk  Namen  Galizien  und  Asturien  (Gruterj  inscr.  420.  5.  — ). 

Unter  dem  Kaiser  Commodus  erscheint  ein  Procurator  von  Asturien 

nd  Omlicien  ^).    Nach  Zumpt  wurde  Asturien  und  Galizien  durch  Cara- 

cdla  Ton  Tarraconensis  getrennt  (S.  150).    Antoninus  Pius  habe  zuerst 

mgen  der  Einfälle  der  Mauren  Asturien  und  Galizien  auf  kurze  Zeit 

fliaem  besondem  Legaten  übergeben,  Caracalla  habe  die  Trennung  zu 

met  bleibenden  gemacht    Die  von  Procuratoren  verwalteten  Provinzen 

kBeben  noch  in  einer  begrenzten  Abhängigkeit  von  den  durch  Legaten 

vorwalteten  Provinzen.     In  Asturien,  wie  in  der  Provinz  Tarraconensis 

adieinen  auch  juridiei  —  Gerichtsverwalter  —  als  obere  Beamte.     Es 

cncheint  ein  gevdsser  L.  Novius  Grispinus  Martialis  Saturninus,   und 

Aot  UDBerer  obigen  Beweisführung  keinen  Eintrag,  dass  nicht  Basilides, 

«»dem  Martialia  unwürdiger  Bischof  von  Astorga  gewesen  sei  ^).  Zumpt 

meint  femer  (S.  148))  M.  Aurel  habe,   als  er  die  Legio  VII  gegen  den 

£infiül  der  Mauren  in  die  Provinz  Bätika  sandte,   die  Provinz  Tarra- 

eonensia  in  zwei  getheilt;   und  Asturien  habe  ihren  Legaten    erhalten 

(mam  legaHi  AugusU  juridiei  nominantur).  Nach  der  Vertreibung  der  Mauren 

aoi  B¥*^^  sei  Asturien  wieder  mit  Bätika  vereinigt  worden,  doch  habe 

Um»  nieht  lange  gedauert,  denn  aus  einer  neulich  gefundenen  Inschrift 

(Ordä  nr*  0,914)  erhelle,  dass  die  definitive  Trennung  durch  Caracalla 

geteb^en,  und  C.  Julius  Cerealis  heisst  leg,  Aug.  pr.  pr.  —   Somit  ge- 

Bdmhf  was  diese  Provinz  betrifft,  unter  Constantin  nichts  Neues. 

Das  dritte  oder  Tingitanische  Mauritanien  kam,  wie  man  glaubt, 
aar  Z^eit  des  Diocletian  politisch  zu  Spanien,  und  blieb  bis  zum  Ein- 
falle der  Barbaren,  als  gesonderte  Provinz  damit  verbunden.  Ob  ea 
überhaupt  hier  jemals  Bischöfe  gegeben  habe,  ist  zur  Zeit  noch  nicht 
bewiesen.  Auch  die  Balearen  erscheinen  um  das  Jahr  400  als  eigene 
Provinz. 


§.  3.     Die  Kirche  in  Spanien  in  Beziehung  auf  ihre  kirchliche 

Organisation  vor  Hosius. 

Alle  Versuche,  eine  kirchliche  Organisation  Spaniens  vor  oder  zur 
Zeit  der  Synode  von  Elvira  oder  auch  nachher  —  nachzuweisen ,  haben 


*)  Zumptf  Stmdta  rttmana,  1859,  p,  142 iq,  —     Becker- Marquardt,  Handbuch  der 

römischen  Alterthümcr,  3, 1,  80  —  82. 
*)  Ortüif  sr.  3,  574  —  Inseriptionum  latinarum  selectarum  ampliasma  colUcHOf  Turic.  1828, 
*)  Siehe  Bd.  1,  S.  246-251. 


174  Sechstes  Boch.     Drittel  KapiteL  | 

keine  Thatsacben  j  sondern  nur  Vermuthungen  zn  ihrem  Aqflgaiig«b( 
berief  die  Synode  von  Elvira?     Gewiss  kein  Metropolit, 
solcben  gab  es  nicht  —    Hosius  war  aber  Bischof  d^  Pro^ 
Stadt  von  Bätika,    er  hatte  den  Ruhm  eines  Bckenners  erkngt, 
gab  er  wahrscheinlich  den  Anstoss  dazu.     Die  Formen  der 
Hierarchie  waren  noch  nicht  da,   aber  ein  halb^  Jahrhundert 
der  gewaltige  Geist  die  Kirche  Spaniens,  der  diese  Formen  bildel 

Da  aus  den  81  Canones  von  Elvira  sich  keine  Schlüsse  auf  k 
stehen  einer  kirchlichen  Hierarchie  in  Spanien  ziehen  lassen,  w 
es  sich,  ob  sich  aus  der  Ordnung  der  Unterschriften  keine  solchen 
ziehen  lassen.  Die  Bischöfe  unterschreiben  in  der  —  Buch  5^ 
angegebenen  Ordnung:  1)  Felix  von  Guadix;  2)  Hosius  von 
3)  Sabinus  von  Sevilla;  4)  Camerinus  von  Tucci - Martos ;  5)  Sil 
Epagra-Cabra;  6)  Secundinus  von  Castulo-Cazlona;  7)  Pardos 
tesa;  8)  Flavian  von  Elvira;  9)  Cantonius  von  Urci;  10)  Ldl 
Merida;  11)  Valerius  voii  Saragossa;  12)  Decentius  von  Leon; 
lantius  von  Toledo;  14)  Januarius  von  Fibularia  (Loarre);  15) 
tius  von  Ossonoba;  16)  Quintianus  von  Elbora;  17)  Su< 
Eliocroca- Lorca;  18)  Eutychianus  von  Basti -Baza;  19) 
Malaca. 

:  Man  ist  hiebe!,  besonders  nach  der  Analogie  von  Afrika, 
Voraussezung  ausgegangen  (wie  noch  neulich  der  Verfasser  bei^ 
Achterfeldt) ,  dass  die  Bischöfe  nach  der  Zeit  ihrer  Ordination^ 
zeichnet  haben.  Felix  von  Acci  war  der  älteste,  sagte  man, 
schrieb  er  zuerst.  Andere,  wie  Gonzalez  Tellez,  meinen,  aofl 
Kleinigkeiten  hätten  sich  jene  Männer  gar  nicht  eingelassen  (< 
dem  Spruch  Worte:  minima  non  curat  prtzetar).  Aber  Hosius 
zweiter  Stelle  Bedenken  erregt.  Wie  konnte  er,  der  früh« 
J.  294  Bischof  gewordgi ,  unter  den  neunzehn  Bischöfen  der  z'' 
sejn,  besonders  wenn  man,  wie  die  meisten  Spanier,  die  S] 
die  Jahre  300 — 304  sezte?  Auch  Bischof  Valerius  schien  an] 
Stelle  zu  weit  zurückzustehen. 

Es  fällt  auf,  dass  nicht  auch  noch  zwei  andere  Punkte  ßd 
erregten,  dass  nemlich  Felix,  der  Inhaber  des  'ältesten  Bisthm 
Spanien,  gerade  auch  der  älteste  Bischof  seyn  sollte,  d.  h.  daai 
neunzehn  möglichen  Fällen  gerade  der  neunzehnte  eintrifft,  «ir 
dass  die  neunzehn  Bischöfe,  deren  es  zwölf  südspanisohe  sind,  | 
so  auf  einander  folgen,  dass  zuerst  in  einer  ununterbrochentti 
neun  südostspanische,  dann  die  sieben  andern  direct  hinter  eil 
zulezt  drei  Bischöfe  des  Südens  stehen.  —  Das  wäre  doch  ein  a 
Spiel  des  Zufalls,  dass  hinter  einander  neun  in  der  Nähe  von 
residirende  Bischöfe  dem  Alter  nach  allen  andern  weiter  entfernt 
schöfen  vorangehen  sollten. 


f.  3.  Die  Kircbe  in  Spanien  in  BcsiehuDg  auf  ihre  kirchl.  Organisation  etc.     175 

Doch  hat  man  nur  stark  an  Osius  an  zweiter,  und  weniger  stark 
la  Valerius  an  eilfter  Stelle  sich  gestossen.  Darum  hat  Florez  (10,  168) 
bihaoptety  dass  durch  die  Schuld  von  Abschreibern  diese  unerwartete 
Bdienfolge  der  Bischöfe  entstanden  sei;  dieselben  hätten  nemlich  ge- 


1)  AceiUmuM  2)  Cordvhensia 

3)  Hupalemii  4)  Tueeitanus 

anstatt: 

1)  AeeUanuB  11)  Cordubmm 

2)  HupalensiM  12)  TuccUanu». 

In  ähnlicher  Weise  sagt  der  Verfasser  der  Abhandlung  ,,zur  Earchen- 
gosdiichte  Spaniens*  in  der  Zeitschrift  von  Achterfeldt  und  Braun  (1852,2): 
yÜB  mSgen  nemlich  die  Namen  der  Bischöfe  in  zwei  Columnen  ge- 
idurieben  gewesen  seyn,  die  eine  zehn,  die  andere  neun  enthaltend. 
Der  Abschreiber  aber  verstand  diese  Eintheilung  nicht,  und  statt  die 
Namen  der  einen  Columne  hinter  einander  zu  lesen,  las  er  jede  Reihe 
gleich  YoUstiindig  hinter  einander,  so  dass  er  fortwährend  von  einer  in 
die  andere  gerieth.* 

Aber  auch  bei  dieser  Annahme  treten  auffallende  Erscheinungen 
ein ,  die  man  nur  nicht  beachtet  hat  Es  steht  nemlich  der  Bischof  von 
Aed  aoch  hier  als  der  erste.  Dann  stehen  fünf  südwestliche  Bischöfe 
£rect  hinter  einander,  dann  drei  entferntere,  dann  wieder  sechs  süd- 
wtiKche  nach  einander,  dann   vier  entferntere,   endlich  der  lezte  aus 


Wir  haben  die  Unterschriften  der  Toletanischen  Concilien  von  dem 
dritten  im  J.  589  gehaltenen  bis  zum  siebenzehnten  im  J.  694  gehal- 
tenen Tor  uns,  die  Metropoliten  stehen  nach  ihrem  Alter  voran,  dann 
liehen  gleich&Ils  die  Bischöfe  nach  der  Zeit  ihrer  Ordination  {CoUecHo 
etnomim  eeeU$.  Hi9p<mae  —  ed.  Ant.  Gonzalez,  Madr,  1S08  [1821 J).  Aber 
nirgends  stehen  die  Bischöfe  in  dieser  seltsamen  Reihenfolge^  wie  die 
xa  Elvira;  überall  sind  sie  in  Beziehimg  auf  die  Lage  ihrer  Bisthümer 
mehr  sertheilt  und  zerstreut  Davon  abgesehen,  wird  es  sich  fragen, 
wie  die  ältesten  Handschriften  lauten,  nach  deren  Wortlaute  man  sich 
richten  muss.  Fraiiz  Gonzalez  hat  zu  seiner  Sammlung  der  Earchen- 
geseze  Spaniens  neun  (9)  der  ältesten  Codices  benüzt.  Diese  Codices 
lesen  einstimmig  den  Hosius  an  zweiter  Stelle.  Nicht  eine  Handschrift 
liest  anders.  Die  ältesten  Codices  (C.  Alveldenäs  und  C.  Aemilianm)  tragen 
die  Aufschrift  der  Jahre  976  und  994  (Gonzalez  praefat.).  —  Auch 
diese  haben  den  Bischof  Sabinus  nicht  an  zweiter ,  sondern  an  dritter 
SteUe. 

Wir  wollen  demnach  nachzuweisen  versuchen,  dass  die  Bischöfe 
von  Elvira  nicht  nach  dem  Alter  ihrer  Weihe,  sondern  nach  dem  Alter 
ihrer  Bisthümer  unterschrieben.     Gelänge  dieser  Beweis,  so  würde  sich 


176  Sechstet  Buch.     Drittes  Kapitel. 

daraus  für  die  Aufhellung  der  ältesten  Eirchengeschichte  Spaniens  kein 
geringer  Gewinn  ziehen  lassen.  Auf  den  Einwurf  dürfte  kein  G^widit 
zu  legen  seyn,  dass  eine  solche  Ordnung  der  Unterschriften  auf  keiner 
andern  Synode  sich  finde.  Diess  Bedenken  hebt  sich  u.  a.  dordi  die 
Erwägung,  dass  —  wenn  die  Väter  von  Elvira  in  Angelegenheit  der 
Kirchenbusse  ihre  eigenen  Wege  im  Gegensaze  gegen  die  BeacblQne 
der  katholischen  Kirche  gegangen  sind,  es  für  sie  eine  nnbedentende  . 
Sache  war,  in  der  an  sich  harmlosen  Frage  der  Reihenfolge  der  unter-  , 
Schriften  ihre  eigenen  —  wenn  auch  spanischen  —  Wege  zu  gehei^. 

Dass  das  Bisthum  Acci  oder  Guadix  das  erste  und  älteste  Bisthm  : 

in  Spanien  sei,  ist  allbekannt,  und  oben  gezeigt     Diesen  Vorrang  im  i 

Alters  hat  ihm  nicht  Toledo,  nicht  Sevilla,  nicht  Cordobs  oder  flsntimi  ^ 

di  Compostella,  streitig  machen  können.      Torquatus,    das  Haupt  dm  ^ 

sieben  Apostelschüler,  war  erster  Bischof  in  Acci,   deaswegen  imtBr  |= 

schreibt  der  Bischof  Felix  von  Acci  als  der  erste  in  Elvira.  —    Gnafiz  ^ 
war  indess  politisch  niemals  eine  bedeutende  Stadt;  deaswegen  bssehte 

ihm  seine  Auszeichnung,  das  älteste  Bisthum  Spaniens  zu  seyn,  ksiiMS  - 

Vorrang  an  Ehre  oder  Macht.  . 

Cordova  war  die  Hauptstadt  des  südlichen  Spaniens.     Da  Panhi  ( 

nach  Spanien  kam,  kam  er  wohl  auch  in  diese  Stadt;  ebenso  vielleiflhl  i 

einer  der  Apostelschüler,  etwa  der  heilige  Euphrasius.    Die  Kirche' wl  i 

das  Bisthum  sind  offenbar  aus  dem  ersten  christlichen  Jahrhondert  —  ; 

Die  politische  Bedeutung  und  Stellung  der  Stadt  spricht  dafür,'  im  i 

dort  zuerst  das   Christenthum  verkündigt,  und  ein   bischöflicher  SloU  : 
errichtet  wurde. 

Das  Gleiche  gilt  von  dem  berühmten  Sevilla.    Nebstdem   bat  nickt  '^ 
bloss  Italica,  sondern  auch  das  nahe  Sevilla  Anspruch  auf  den  heiljgeB 
Gerontius,  der  im  siebenten  christlichen  Jahrhundert,  wie  Torquatos  ii    ; 
Toledo,  und  wie  Euphrasius  zu  Illiturgi,   eine  seinem  Andenken  gt  •: 
widmete  Kirche  am  Ufer  des  Flusses  Bätis  hatte. 

Das  Bisthum  Tucci,  der  Reihe  nach  das  vierte,  reichte  nSnUieh  ^ 
über  den  Bätis,  und  in  seinem  Umkreise  lag  das  Illiturgi  des  Euphrssiiii^ 
Grundes  genug,  dass  wir  seinen  Ursprung  aus  dem  ersten  christliches  ^ 
Jahrhundert  herleiten.  —  Das  Bisthum  Egabra,  das  fünfte  in  der  Beihe^  ' 
lag  in  weiter  Ausdehnung  von  Norden  nach  Süden  an  der  Strasse  zifi*  - 
sehen  Cadix,    Malaga -Antequera   und  Sevilla  nach  Cordova   und  Ol-  - 
stulo ;  es  lag  auf  dem  muthmasslichen  Wege  des  Apostels  Paulus  durdi  ' 
Spanien,  es  lag  zwischen  Hispalis,  Astigi  und  Corduba  einerseits ,  knitt'  ' 
seits  zwischen  Acci,    Iliberris  und  Illiturgi,    den  Städten  der  Sieben-  ^ 
männer;  es  selbst  war  eine  bedeutende  Stadt  in  paradiesischer  Gtegen^  ^ 
so  dass  sich  Niemand  wundem  darf,   wenn  es  schon  im  apostolischen  ' 
Zeitalter  Bischöfe  hatte.  —    Das  sechste  Bisthum,  Castulo,   ist  schon 
dfter  in  diesem  Werke  vorgekommen  als  ein  Bisthum  aus  der  ältesten 


t  demselben,  wo  mcht  mit  grüsserm  Rechte  sagen  kann,  als  dass 
itim  Castolo - Beaoia  nach  JoSn  verlegt  worden  sei,  so  iBsst  sich 
;«r  Sicheriieit  annehmen,  dass  das  Bisthnm  Mentesa  den  heiligen 
na  für  seinen  Begründer  hielt,  und  die  Stellung  des  Bischofs 
itoaa  in.  den  vordem  Reihen  der  Unterschriften  der  Synode 
li  daraus  erklären. 

folgen  achtens  and  neontena  die  Bisthümer  Elvira  und  Urd  — 
le^annt  apostolischen  Ursprungs.  Das  Bisthtun  Emerita,  das 
et  Reihenfolge  nach ,  ist  doch  wahrscheinlich  nicht  apostolischen 
{68,  sondern  dürfte  aus  dem  zweiten  christlichen  Jahrhunderte 
.  Das  BisÜium  Saragossa,  das  eilfte  der  Reihe  nach,  ist  wohl 
Uer,  als  Merida,  und  wahrscheinlich  von  Tarraco  aus,  gegründet 

irtlhrend  anderseits  das  zwBlfte  Bisthum,  Leon,  von  Saragossa 
1  vielleicht  erst  um  257,  gegründet  worden  seyn  dürfte.  Es 
I  dreizehntes  das  Bisthum  Toledo. 

der  spStern  Würde,  eu  welcher  sich  Toledo  erhob,  wurde 
sacht,  dem  Bisthume  das  möglichst  grSsste  Alter  su  rindiziren. 
)  Toletaner  wissen  sich  allein  des  heiligen  Eugenius  zu  rUhmen, 

aie  einen  SchlUer  des  heiligen  Dionysius  von  Paris  nennen. 
B  alte  spanisdic  Liturgie  weiss  weder  von  Dionysius  dem  Areo- 

DOch  von  seinem  angeblichen  Schüler  Eugenius.  Dieses  ist  ein 
lendes  Zeugniss  gegen  seine  Existenz.  Auch  stammt  die  Tra- 
ler  Eugenius  erst  aus  dem  spätem  Mittelalter.  Umsonst  beruft 
h  «of  das  rämische  Uartyrolo^um ,  für  welches  der  Kardinal 
I  die  wichtigste  Auctorität  ist  Manche  Heilige,  an  deren  Hei- 
te  selbst  die  stärksten  Zweifel  hatte,  z.  B.  den  Qregorius  von 
bat  er  dennoeh  aufgenommen ,  weil  er  liebgewordene  Traditionen 
riesen  irollte.    Die  sanze  Lfurende  von  DinnvHinR  ist  ISnffst  aufh 


178  SechBtet  Buch.     Drittes  KapiteL 

auf  der  ersten  Synode  von  Toledo  anwesend  war,  und  eine  entsdiieda 
historische  Person  ist:  ^Er  gilt^'  wie  die  alte  Zeit  uns  belichtet,  J^i 
Toledo  als  der  neunte ,  in  Complutum  ab  der  erste  Bischofs  (Ildtf.'d 
viris  illitstr.  c,  2).  —  Wenn  wir  nun  jedem  der  yorausgi^^angeneii  «ob 
Bischöfe  eine  Regierung  von  18  Jahren  zutheilen,  was  fttr  den  Dnreh 
schnitt,  und  verglichen  mit  der  Regiemngszeit  der  spätem  Bischöfe  Ta 
ledo*s  zur  Zeit  der  Westgothen,  zu  viel  ist,  so  kämen  wir  etwa  bii 
zum  Jahre  260  Tor  Christus  zurück.  Nehmen  wir  15  Jahre  ihrer  Be 
gierungszeit  an,  so  kommen  wir  bis  zum  Jahre  280  zurück.  Dana 
konnte  wohl  Melantius  noch  der  erste  Bischof  von  Toledo  seyn ;  er  battt 
dann  25 — 26  Jahre  regiert  Um  dem  Gewichte  des  Zeugnisses^  weleliai 
in  der  Angabe  des  üdefons  liegt,  zu  entgehen,  haben  einige  SpaiMr 
ohne  allen  Grund  behauptet,  Udefons  fange  die  Bischöfe  Toledo^s  eot 
Yom  J.  325  zu  zählen  an,  yielleicht  weil  in  diesem  Jahre  GcHUtaotii 
Alleinherrscher  wurde,  oder  eine  neue  christliche  Aera  begrttndeta 

Der  Bischof  Melantius  von  Toledo  aber  unterschrieb  als  der  droi- 
zehnte  unter  den  Vätern  von  Elvira,  weil  sein  Bisthum  erst  seit  ki^ 
zerer  Zeit  gegründet  war.  Dasselbe  muss  nun  yon  den  sechs  leilMi 
Bisthümem  gesagt  werden,  welche  schon  desswegen  sänuntlich  löe 
jüngere  Stiftung  sind,  weil  sie  sich  theils  in  entfernteren,  theOs  ii 
yölÜg  unbedeutenden  Städten  befEuaden.  Beides  ist  der  Fall  mit  dem  - 
der  Reihe  nach  yierzehnten  —  Bisthume  von  Fibularia  Calagorris  (sidbe 
oben  S.  14 — 15  ^  Kap.  2);  mit  Ossonoba  in  Alganre,  dem  fünfkehdlai 
etwas  weniger  mit  dem  Munidpium  Elbora;  mit  dem  siebzehnten  ml 
achtzehnten  Bisthume  Eliocroca  und  Basti ,  endlich  mit  dem  neunsehnten 
Bisthume  Malaga.  Allerdings  gehörte  Malaca  zu  den  bedeutendem 
Städten  des  südlichen  Spaniens.  Aber  es  war  eine  Handelstadt,  und 
Yon  dieser  gilt  im  Allgemeinen ,  was  wir  oben  im  Besondem  von  Qa/iä^ 
Cartagena  und  Carteja  gesagt  haben.  Wie  die  See-  und  Uandelstidl 
Cartagena  erst  später  einen  Bischof  erhielt  und  ihn  nicht  behielt,  n 
darf  es  nicht  auffallen,  wenn  die  bedeutende  Handelstadt  Malaga  spllor 
einen  Bischof  erhielt,  als  kleinere  Städte  in  Bätica. 

Wir  sind  weit  entfernt,  zi:^ behaupten,  dass  Spanien  im  Jahre  306 
nur  die  neunzehn  hier  genannten  Bischöfe  gehabt  habe,  denn  wir 
dass  Tarracp  und  Asturica  schon  um  250  Bischöfe  hatten, 
hatte  hnch  Barcelona  im  J.  306  schon  einen  Bischof  Demnach  stelleB 
wir,  mit  Einrechnung  der  leztem,  folgende  Reihenfolge  der  Bisthümer 
Spaniens  nach  der  Zeit  ihrer  Entstehung  auf: 

1)  Das  Bisthum  Acci,  gegründet  in  den  Jahren  64—69  nach  Christ«; 
2)  das  Bisthum  Cordoya,  gegründet  im  ersten  Jahrhundert;  ebeneo  8)  du 
Bisthum  Sevilla.  —  Nidit  weniger  die  Bisthümer:  4)  Tued;  5)  Efplttt 
6)  Castulo;  7)  Mentesa;  8)  Elvnra;  9)  Urd.  10)  Das  Bisthnm  TwiM» 
gegründet  im  ersten  oder  zweiten  christlichen  Jahihundert?  11)  du 
Bisthum  Emerita,  gegründet  kn  zweiten  christliohen  Jahrhundert;  12)  du 


I  Buan»  vuugv  uoucrwiuuuiig,  tsiuu  uc 
iteiwdiriften  der  24  Presbyter  zu  Elvira  als  aiu  einem  älmlicheD 
I  •llmlliga?  GrÜDdiuig  ihrer  Pfarreien  herrorg^angeD  za  be- 
ll. Denn  zaent  unterschreibt  Bestitutus  von  Epor«  —  an  der 
I  airiscben  Cordova  and  Ulitui^.  AJb  der  zweite  unterschreibt 
oKt  auch  genannte  Presbyter  Natalia  von  Urso-Ossuna,   im  Bis- 

Aatigi,  auf  der  Strasse,  welche  der  Apostel  Paulus  vielleicht 
.te,  veno  &r  von  Sevilla  nach  Astigi  zog.  Als  der  dritte  unter- 
it  Maonu  von  lUiturgi,  der  Erbe  des  heiligen  Euphrasius.  Als 
irte  Lamponian  von  Karula ,  einer  Stadt  an  der  Strasse  von  Gades 
Jorduba.  Als  der  fünfte  unterzeichnet  Barbatoe  von  Ästigt ,  der 
des  heiligen  Paulos  (und  des  heiligen  Crispinus).  Weiter  aber 
ch  die  Reihenfolge  nicht  wohl  verfolgen. 

ir  schauen  uns  nach  weiteren  Stiizen  für  unsere  (vorläufige)  Hy- 
I  Ton  dem  ZusammenhaDge  der  Untcrachriften  der  spanischen 
fa  (zu  Elvira)  mit  dem  Alter  ihrer  Bisthümer  um.  Wir  begegnen 
iten  Synode  zu  Arles  im  J.  314,  welcher  spanische  Deputirte  an- 
n,  vriihrend  der  grosse  Bischof  Hosius  sich  wohl  in  der  Um- 
;  des  Kaisers  befand.  Bei  den  Untcrscliriften  der  Bischöfe,  Prio- 
id  DiakoDoa  wird  zu  Arles  fast  ganz  die  gcograpliische  Keihen- 
ier  Lage  ihrer  Biathümer  eingehalten.  —  Es  wird  angefangen 
r  Insel  Sidlien;  dann  folgt  Italien,  hierauf  Oallien,  Britannien, 
Spanien,  Mauritanien  und  Sardinien,  endlich  die  Provinz  Afrika, 
I  der  Umkreis  vollständig  beachrieben  iat  Aus  Spanien  waren 
rdiiete   von  sechs  Städten   anwesend;    aus   der  Stadt  Bätica,  aus 

anfl  Eroerita,  aue  Tarraco,  Zaragoza  und  Basti.  —  Hätten  die 
r  ihreneits,  wie  im  Allgemeinen  die  Italiener  und  die  Gallier, 
aeh  ihnen   die  A&ikaner,   die  geographische  Reihenfolge  in  ihren 

«hnflMTt  >iAihAhii1tnn  -    an   Wittfin    hia  Atwa   an   nntprv.Pir.hnof  • 


180  Sechstes  Buch.     Drittes  KapiteL 

aus  Zaragoza ;  6)  Termarius ,  Priester  aus  Basjd,  —  Alles  bestStigt  uns 
Yermuthungy  dass  die  Vertreter  Spaniens  zu  Arles  nach  demselben  j 
steme  unterzeichnet  haben,  wie  die  Bischöfe  zu  Elvira.  Fünf  Stäi 
die  in  Elvira  vertreten  waren,  sind  auch  in  Arles  vertrete:  1)  Emei 
und  derselbe  Bischof  Liberius,  der  i^u  Elvira  gewesen  war;  2)  die  b 
sehe  Stadt,  das  heisst  Sevilla  (wie  sie  auch  bei  Strabo  heisst,  3,  141 
f]  BiüTig),  und  der  Priester  Sabinus,  wohl  ein  Verwandter  des  Biad 
Sabinus  von  Sevilla;  3)  die  Stadt  Urso  und  derselbe  Priester  Nata 
der  sich  zu  Elvira  unterschreibt:  JSataUs  preabyter  Urama,  während 
acht  Jahre  nachher  zu  Arles  einen  kühnern  oder  einen  mehr  poödso 
Anlauf  nimmt,  und  sich  ex  dviUtte  Ursul^niium  NataUs  pretbyier  nei 
Auch  die  Städte  Zaragoa^a  und  Basti  waren  zu  Elvira  durch  ihre 
schöfe  vertreten;  von  Tarraco  allein  war  Niemand  erschienen. 

Will  man  alle  Umstände  und  Gelegenheiten  (zu  Folgerungen) 
ntizen,  so  ergiebt  sich  aus  dem  umstände^  dass  wir  wenigstens  zwei 
Elvira  anwesende  Männer  auch  in  Arles  wieder  treffen,  dass  die  i 
der  beiden  Synoden  nicht  weit  von  einander  getrennt  sejn  kponte.  V 
man  noch  scharfsichtiger  seyn,  so  kann  man  also  argumentiren:  ^at 
von  Ossuna  unterschrieb  zu  Elvira  als  der  zweite  unter  24  Priesti 
Wurde  zu  Elvira  nach  dem  Alter  der  Weihe  unterzeichnet,  so  n 
er  wohl  schon  ein  bejahrter  Maim  gewesen  seyn.  Nun  machte  er  a 
acht  Jahre  später,  im  J.  314,  noch  eine  weite  Reise  in  das  Aasli 
also  werden  die  Presbyter  zu  Elvira  wohl  nicht  nach  ihrem  Alter  un 
zeichnet  haben.  Diese  Argumentation  hätte  vielleicht  mehr  Glaobf 
digkeit^  wenn  nicht  Hosius  in  allzu  bedenklicher  Nähe  wäre,  der 
87  Jahren  noch  die  Synode  von  Sardika  leitete  und  beherrschte,  \ 
wenn  nicht  die  benachbarten  Sevillaner  sich  ihres  Priesters  JDon  Bu 
mente  erinnerten,  der,  nachdem  er  in  einer  Weise,  die  wir  hier  nä 
anzugeben  uns  nicht  getrauen,  seine  natürliche  Lebenskraft  bethätigt  i 
bewahrt  hatte,  neunundneunzig  Jahre  alt  —  die  Priesterweihe  erhi 
von  nun  an  jeden  Tag  seines  noch  übrigen  Lebens  von  zweiundzwao 
Jahren  die  heilige  Messe  feierte  —  in  voller  Kraft  des  Leibes  und  * 
Geistes,  und  endlich  im  Jahre  *1679,  in  einem  Alter  von  121  Jahr 
starb  ^).  Unter  solchen  Verhältnissen  konnte  auch  den  Natalia  aus  < 
Stadt  „der  Ursulentier^  sein  Greisenalter  nicht  abgehalten  haben,  aus 
Landes  zu  reisen. 

Li  derselben  Ordnung  nun,  in  welcher  sie  zu  Elvira  unterschrieb 
folgen  die  Namen  auch  in  den  Unterschriften  der  Spanier  zu  Ar! 
Dass  Liberius,  der  einzige  in  Arles  anwesende  Bischof,  zuerst  unt 
zeichnet  hat,  erklärt  sich,  aus  seiner  bischöflichen  Würde,  Ihm  \ 
bührt  der  Vortritt  als  Bischof  vor  den  Priestern  und  Diakonen.  1 
spätem  spanischen  Abschreiber,  welche  in  dem  Verzeichnisse  der  V 


0  Ziegler,  Beise  nach  Spanien  (1852),  1,  954. 


.  Dj>  Küche  in  Spanien  in  Beziehung  auT  ihre  tirchl.  Org&niiation  e 

ihres   Landes   fest  nur  Priester  sahen,   übersahen,   dasa  Uberiiia 

iBi'er  sei.     Sie  meinten,   er  gehöre  noch   zu   den  voranstehenden 

ien   Btfldiöfeii.      Sie  schrieben  also,  nicht   beachtend,    däss    der 

t  Bethausius  aus   der  Stadt   Rheims  schon   vorausgegangen  war, 

■mul:  ex  dvüate  llhemorum  (statt  Emeritensiumj   Liberius  episcopus, 

Saetmua,   und  sie  achrieben  so  in  der  Gedankenlosigkeit  oder 

der  Stadt  Rheims  zwei  verschiedene  Bischöfe  zu, 

den  Bischof  Liberius  von   Merida  folgt  in   den   Unterschriften 

iester  Sabinus  aus   der  bätischen  Stadt.     Die  Spanier  sind  nicht 

■Den    über   diese   Stadt,      Viele   meinen,   man   dürfe  an   die  Stadt 

I  (heute  Baeza  am  Bätis)  denken,   wohin   später  das   Bisthum  von 

k  verlegt  vnirde.     Florez  will  diess  nicht  zugeben,  und  meint,  ea 

l  irgendeine  nntergcgangeno  alte  Stadt  seyn,  deren  Lage  man  jezt 

nehr  kenne.    Auch  der  deutsche  Geograph  Forbiger  ist  derselben 

,  daas  die  von  Strabo  erwähnte  Stadt  Bätis ,  weil  sie  von  keinem 

Schriftsteller  erwähnt  werde,   bald  wieder    verschwunden  seyn 

'J.    Dieaca  ist  aber  eine  ebenso  seltsame  als  unnöthigc  Rosignation. 

»äss  doch,   wo  die  eingegangenen  Städte  Sagnnt,  Numantia,  Illi- 

[Fibularia),   Ossonoba,   Castulo,   Mentesa  und   Urci   lagen.     Wie 

nun   die  Lage   der  Stadt  Bätica,  welche  noch  im  J.  314  bliihete, 

vergessen   seyn?     Für   uns  kann,   schon   wegen   dos  Namens 

and   wegen   der  bevorzugten   Stelle,  an   welcher  derselbe  za 

iterzeichnct ,  kein  Zweifel  bestehen,  dass  Hispalia —  die  bUtische 

»,  die  Stadt,  von  welcher  an  der  Bätis  für  grosse  Schiffe  schiff- 

vi,   und   bis   zu  welcher  sich  die  Fluth  des  Meeres  erstreckte  *). 

iibinus  unterzeichnet  sich   der  mehrerwühnte  Natalis,   nicht  ohne 

Diakon  Cytherius.     Seine  Pfarrei  muss  eine  der  ältesten   in  Spa- 

fwesen  seyn,  und  wie  er  in  Elvira  eine  bevorzugte  Stellung  ein- 

iften  hatte,  so  auch  jezt  zu  Arles. 

Rt   nach  den   Unterschriften   der  Priester  zweier  bätiacher  Städte 

die  Unterschriften    der  Gesandten    von  Tarraco.      Wenn  Spanien 

r  neuen  Eintheilung  unter  Constantin  irgendeine  Hauptstadt  hatte, 

'  es  Tarraco,     Aber  die  Vertreter  dieser   alten   und  ruhmreichen 

■tehen  zu  Arles  hinter  denen  aus  der  Provinz  Bätica,  weil  in  den 

;eln   der  leztern   das  Christenthum  früher  geblüht  hatte.   —     Auf 

no   folgen  die  Vertreter  von   Saragossa,   wohin  das   Christenthum 

fcfcyiTiHj-li    von   Tarraco  gekommen    war.      Endlich    folgt    die   Stadt 

rän  Südosten  von  Spanien  mit  ihren  Vertretern  als  die  lezte,  ganz 


hrbiger,    Bandbuf-h  der  allen  Geographie,   3(1848),  S.  64.    -     Sirabo'«  Erd- 
iMchreibDiif ,    äberie:tl    und    durch    AaincrkuDg^n    erlKulerl    von   A.  Forbiger, 
i(Bl%.  1857,  2  Bdchen.  S.  9.  —    FrUdemmn,  ad  Snabon.  t.  7,  p.  5!)7  »?. 
la  heUsI  London  die  ThcTnscStodt,  Paris  die  tJeine-Sladl,  lisrlin  die  Spree - 
h*dt,  Lciptig  die  FleiHe.Sl«dt,  Florenz  die  Atno-Stadt,  u.  •■  w. 


182  Seclutei  Bocli.     Drittes  Kapitel. 

entsprediend  der  Unterschrift  des  Biscbofii  von  Basti  sh  Eünr^y  iro  der- 
selbe unter  nemuebn  als  der  vorleEte  unterzeichnet  hat 

Wir  b^;egnen  demnach  auch  hier  in  Arles  der  Anwendung  des- 
selben Prinzips,  wie  zu  Elvira,  dass  zuerst  die  Vertreter  der  ältesten, 
zulezt  die  Vertreter  der  jüngsten  Bisthümer  unterzeichnen;  daas^  uriüi- 
rend  im  Allgemeinen  zu  Arles  die  geographische  Ordnung  festgehatten 
wird,  die  Spanier,  sobald  nach  dieser  Ordnung  die  B^e  des  Unter- 
zeichnens an  sie  kommt,  zu  dem  bei  ihnen  (wahrscheinlich  durch  Osioi) 
eingeführten  Modus  der  Unterschrift  nach  dem  Alter  der  BisthOmer 
zurückkehren. 

Auf  der  Synode  zu  Nicäa  —  325  —  waren  keine  Spanier,  aussv 
Osius,  und  wenige  Abendländer  anwesend.  Dagegen  erschienen  vA 
Osius  auf  der  Synode  zu  Sardika  noch  fünf  andere  Bischöfe  aus  Spanien: 
Osius  von  Corduba,  Anianus  von  Castulo,  Florentius  von  Emerita,  Do- 
mitianus  von  Asturica,  Castus  von  Cäsaraugusta,  Prätextatus  von  B•^ 
cino  —  Baroelona.  —  Wir  haben  drei  (resp.  fünf)  versehiedene  Ve^ 
zeichnisse  der  in  Sardika  unterschriebenen  Bischöfe.  Ein  VerzeichmM 
haben  wir  in  einem  Briefe  der  Synode  von  Sardika  —  an  die  Eardie 
von  Alexandrien,  in  der  Angelegenheit  des  Athanasius;  ein  zweites  in 
dem  Schreiben  der  Bischöfe  an  den  Papst  Julius  von  Rom;  ein  drittel 
in  einem  Schreiben  an  alle  Bischöfe  (nebstdem  zwei  unvolIständige)i 
In  den  zwei  ersten  Verzeichnissen  stehen  die  spanischen  Bischöfe  pi* 
mittelbar  neben  und  nach  einander,  und  zwar  jedesmal  so,  dass  im 
Bischof  von  Castulo  als  der  erste,  der  Bischof  von  Barcelona  als  te 
lezte  unterzeichnet  Dagegen  in  dem  dritten  Verzeichnisse,  wo  nur  d^ 
Namen  der  Bischöfe,  keineswegs  aber  ihre  Bischofssize,  stehen,  befindea 
sich  die  spanischen  Bischöfe  weder  an  hervorragender  Stelle,  noch  stehen 
sie  in  einer  Gruppe  neben  einander.  In  diesem  dritten  Verzeichnisse  ist 
vielmehr  der  Bischof  von  Barcelona  vor  den  übrigen  Spaniern,  und  in 
der  Reihe  der  Unterschreibenden  der  achte.  Florentius  von  Emerita, 
wohl  derselbe  Florentius,  welcher  im  J.  314  als  Diakon  mit  seinem 
Bischöfe  Liberius  zu  Arles  unterzeichnet,  und  darum  wohl  schon  dp 
bedeutendes  Alter  erreicht  hatte ,  steht  als  der  vierzehnte  in  der  Reihen- 
folge, Domitian  von  Astorga  als  der  neunzehnte.  Castus  von  Saragossa 
ab  der  achtundvierzigste ,  endlich  Anianus  von  Castulo  als  der  zweiund- 
fünfzigste. Auf  dieser  dritten  Liste,  auf  welcher  Protogenes  von  S*^ 
dika,  der  schon  316  Bischof  gewesen,  sogleich  nach  Hosius  und  den 
zwei  römischen  Presbytern,  dagegen  Athanasius,  welcher  im  Jahre  328 
Erzbischof  geworden  war  (Hefele  1,  429),  erst  als  der  neunundfünf- 
zigste unterzeichnet,  haben  die  Bischöfe  wahrscheinlich  nach  dem  Alter 
ihrer  Ordination  unterschrieben. 

Die  Brüder  Ballerini  haben  noch  ein  viertes  und  fünftes  mangel- 
haftes Verzeichniss  jener  Bischöfe  mitgetheilt.  Das  vierte,  welches  sich 
im  Anhange  eines  Sendschreibens  an  die  Christen  in  der  Mareotis  findet, 


i.  3.  I>ie  Kiiehe  in  SpaDien  in  Beziehang  auf  ihre  kirehl.  Organisation  etc.     183 

it  nur  27  Untenchiiften,  davon  von  den  fünf  Spaniern  nur  den  Domi- 
in  ▼on  Astoiga,  yieUeicfat  auch  diesen  nicht,  weil  sich  zwei  Bischöfe 
■na  Namena  zu  Sardika  finden.  In  dem  zweiten  Schreiben  des  Atha- 
MM  an  dieselben  stehen,  unter  argen  Schreibfehlem  schwer  erkennbar, 
Ei  Ibrigen  vier  Spanier  ^).  —  Wir  können  füglich  von  den  zwei  lezten 
lai  Terstümmelten  Verzeichnissen  absehen,  sowie  das  dritte  —  das 
na  Ider  nicht  näher  berührt  —  bei  Seite  lassen.  Dagegen  ist  für  uns 
!■  erste  und  das  zweite  Yerzeichniss  massgebend,  weil  hier  die  aus 
j^mieii  gekommenen  Bischöfe  bei  einander  stehen.  —  In  dem  Schreiben 
tat  Synode  Ton  Sardika  an  die  Kirche  von  Alexandrien  steht  zuerst 
Ums  von  Corduba  als  Präsident  Dann  folgen  Vincentius  von  Capua, 
Uspodina  von  Neapel,  Athanasius  und  Januarius  von  Benevent  Dann 
blgen  als  der  sechste  bis  zehnte  die  fünf  Spanier  in  der  oben  ange- 
tiiiten  Ordnung  unmittelbar  hinter  einander:  1)  Castulo,  2)  Emerita, 
i)  Asturica,  4)  Cäsaraugusta,  5)  Barcino. 

In  dem  zweiten  Briefe  an  den  Papst  Julius  haben  sich  die  Italiener, 
rdche  vorher  zwischen  Hosius  und  den  Spaniern  standen,  hinter  die 
Ipanier  zurückgezogen;  Vinzeuz  von  Capua  steht  als  der  vierzehnte  etc. 
Iligcgen  stehen  hier  die  fünf  Spanier  unmittelbar  nach  Osius,  und  zwar 
I  derselben  Reihenfolge,  wie  vorher,  so  dass  man  bei  der  ersten  Unter- 
dkrift  von  einem  Zufalle  nicht  sprechen  kann  (wenn  nicht  irgendein 
ifflianfifcnger  auf  die  Grille  kommt,  dass  sie  in  einem  Zuge  beide  Akten- 
lAe  unterzeichnet  hätten).  Niemand  wird  glauben,  dass  die  Spanier 
isnregen  in  den  vordersten  Reihen  unterzeichnen,  weil  sie  die  ältesten 
VaAßCe  -waren.  Sie  stehen  den  übrigen  in  Sardika  anwesenden  Bischöfen 
m  zwei  Gründen  voran,  aus  einem  Grunde  der  Ehre,  und  aus  einem 
imde  der  kirchlichen  Ordnung  oder  Hierarchie. 

Diese  Spanier  waren  aus  dem  fernsten  Lande  des  bekannten  Erd- 
reises angekommen.  Denn  als  das  Ende  der  Erde  galt  Spanien  stets 
BL  1 ,  Kap.  2).  Die  Synode  von  Sardika  wollte  den  grossen  Hosius,  den 
brwürdigen  Greis  von  87  Jahren,  dessen  Gegenwart  alle  mit  so  grosser 
"reude  erfüllte,  und  die  mit  ihm  gekommenen  Spanier  dadurch  ehren, 
■SS  sie  ihnen  die  ersten  Stellen  bei  der  Unterschrift  ihrer  Erlasse  ein- 
iomte.  —  Es  ist  klar,  dass,  nachdem  es  einmal  festgestellt  war,  dass 
ie  Spanier  nach  einander  und  in  den  vordersten  Reihen  unterzeichnen 
>Ihen,  es  ihnen  überlassen  bleiben  musste,  nach  welchem  Range  sie 
übtt  einander  folgen  wollten.  Die  Spanier  blieben  auch  hier  dem  Prin- 
ipe  treu,  nach  welchem  sie  sich  im  J.  306  zu  Elvira,  im  J.  314  zu 
ürles,  gerichtet  hatten.  Sie  unterzeichneten  nach  dem  Alter  ihrer  Bis- 
bfttner.  Zuerst  also  unterzeichnete  Anianus,  der  Bischof  von  Castulo, 
Vorgänger  zu  Elvira  als  der  sechste  unterzeichnet  hatte,  und 
Bisthum  von  ältestem  Ursprünge  war.    Ihm  folgt  Florentius  von 


*)  Siehe  S.  Leoma  l  op,  l3  (Mignt  p.  ku.  56),  p,  849  sq.  (609  sq.). 


184     SechttM  Bach.    Drittet  Kapitel.    $.  3.   Die  Kirche  in  Spanien  etc. 

Emerita,  dessen  Vorgänge  Liberias  in  Ehim  «Is  der  zehnte,  und  an« 
mittelbar  nach  den  nean  südöstlichen  Bischöfen,  onterzeichn^  hattei 
Diesem  folgte  in  der  Beihe  der  Bisdbof  von  Asturica,  welche  Stadt  rvrar 
weder  in  Elvira  noch  za  Arles  L  vertreten  war,  von  wdcher  wir  aber 
doch  wissen,  dass  sie  schon  am  and  vor  2d0  n.  Chr.  eigene  Bischöfe 
hatte.  —  Diesem  folgte  der  Bischof  Ton  Saragossa,  der  in  Elvira  als 
der  eilite,  and  nach  den  Bischöfen  von  Castalo  ond  Emerita  anter- 
zeichnet  hatte,  während  die  Vertreter  des  Bisthams  Saragossa  in  Ades 
gleich&Us  an  der  vorlezten  Stelle  onterzeichnet  hatten.  Als  der  lezte 
anterschrieb  in  Sardika  der  Bischof  von  Barcelona.  Dieses  Bistham  ist 
bis  jezt  noch  nirgends  erwähnt  worden,  wahrscheinlich  weil  es  noch  nicht 
lange  bestand.  Jedenfalls  wissen  die  Barceloneser  vor  Prätextatos  keinen 
Bischof  anzaf Uhren  {Mann,  eandl.  Coli.  III,  38 — 42  9q,  —  Hefele,  GoncL 
GescL  1,519— 26). 


Viertes  Kapitel. 

Hosios  ond  die  Anfänge  der  Hetropolitanverfassnng  in 

Spanien. 

Haben  ^ir  unsere  Hypothese  ^  dass  die  spanischen  Bischöfe  anf 
ihren  bisherigen  Synoden  nach  dem  Alter  ihrer  Bisthümer  unterzeichnet 
haben,  mit  solchen  Ghünden  und  Belegen  imterstUzt,  dass  sie  der  ge- 
9chiditlichen  Wahrscheinlichkeit  nicht  mehr  entbehren  dürfte;  haben  'wir 
uns  überzeugt,  dass  durch  die  Wahrheit  dieser  Hypothese  —  auf  die 
ilteste  spanische  Kirchengeschichte  ein  neues  und  überraschendes  Licht 
£illen,  und  die  Tradition  von  den  sieben  nach  Spanien  aus  Rom  ge- 
sendeten Bischöfen  dadurch  eine  erhöhete  Glaubwürdigkeit  gewinnen 
würde,  so  wollen  wir  jezt  nachzuweisen  versuchen,  wann  und  wie 
die  Metropolitanverfassung  in  der  Kirche  Spaniens  eingeführt  wurde. 
Eis  ist  diess  eine  Frage,  welche  man  bis  jezt  für  eine  offene  und  unent- 
schiedene gehalten  hat.  Nur  über  die  Thatsache  war  man  einverstan- 
den, dass  die  kirchliche  Eintheilung  und  Gliederung  der  politischen 
Eintheilung  folge,  dass  also,  wenn  es  vor  Constantin  Metropoliten  in 
Spanien  gegeben  haben  soUte,  es  wegen  der  drei  damaligen  Provinzen 
nur  drei  habe  geben  können,  dass  seit  Constantin^s  neuer  Eintheilung 
der  Provinzen  es  fünf  Metropolen  auf  dem  Festlande  von  Spanien  ge- 
geben habe. 

.Nach  der  neuen  Eintheilung  Constantin^s  vom  J.  330 — 32  hatte 
der  Vicarius  von  Spanien  seinen  Siz  in  Hispalis,  während  zu  Cordova 
ein  Comes,  ein  Consularis,  oder  irgend  ein  anderer  Beamter  als  Präses  der 
Provinz  Bätica  wohnte.  —  Als  sechste  Provinz  rechnet  man  die  Balearen, 
mit  der  Provinzialhauptstadt  Palma  ^) ,  und  als  siebente  Mauritania  Tin- 
gitana,  mit  der  Hauptstadt  Tingis   (Tanger).      Sextus  Rufus,   welcher 


<)  Cenni  Caj.f  de  antiquUaU  9eeL  ffupanae,  p,  87  tq. 


186  Seclutei  Buch«    Wertet  KapiteL 

unter  dem  Kaiser  Valentinian  L  schrieb,  l&Bst  die  Balearen  ans,  und 
spricht  nur  Ton  sechs  zu  seiner  Zeit  bestehenden  Proyinieci  SpanieoSi 
welche  er  in  dieser  Ordnung  aufführt:  Tarraconoiais,  Ourtagineusisi 
Lusitania,  Galläcia,  Bätica,  Tingitana  Mauritania. 

Es  wird  &st  allgemein  angegeben,  dass  sich  die  kirchliche  Einthd- 
lung  Spaniens  —  bis  zu  der  Zeit  der  Eroberung  durch  die  Muhame- 
daner  aus  dieser  politischen  Eintheilung  herausgebildet  habe.  In  der 
That  erscheint  Tarraco  im  J.  385  als  die  Metropolis  der  Ksihümer  dsr 
gleichnamigen  Provinz.  Die  Stadt  Asturica  (nicht  Bracara)  erKheint 
als  Metropole  der  Bisthümer  Galiziens,  an  dessen  Stelle  spXter  Bracara 
als  Hauptstadt  des  SueTcnreiches  trat  —  Emerita  war  immer  die  M»* 
tropolis  der  Provinz  Lusitanien.  —  Sevilla  war  immer  die  Metropolii 
der  Bischöfe  von  Bätika.  —  Nur  bei  der  Provinz  Cartagena  war  ein 
langes  Schwanken  und  eine  lange  Unentschiedenheit  Zwar  fand  im 
J.  400  ein  Concil,  das  sogenannte  erste  Concil,  zu  Toledo  —  statt.  — 
Daraus  aber  lässt  sich  tin.  Schluss  nicht  ziehen,  dass  Toledo  damals  ab 
Metropolis  der  Provinz  galt  Vielmehr  hat  der  oben  genannte  Bischof 
Asturius  von  Toledo ,  welchen  sein  Nachfolger  lldefons  als  den  neunten 
Bischof  dieser  Stadt  bezeichnet,  unter  den  neunzehn  dort  versammettea 
Bischöfen  als  der  eilfte  unterzeichnet  Als  erster  unterschrieb  der  Bi- 
schof Patronus  oder  PMruinus,  er  prXsidirte  und  leitete  die  SyAOck 
Aber  welcher  Kirche  stand  Patronus  vor?  —  Er  war  Bischof  und  M^ 
tropolit  von  Emerita.  —  Der  Bischof  Asturius  von  Toledo  war  de» 
nach  weder  Vorsizender  der  Synode,  noch  auch  Metropolit;  er  war  Bh 
schof  wie  die  andern,  und  unterzeichnete  nach  dem  Alter  seiner  Ordi- 
nation. Nicht  die  kirchliche  Stellung,  sondern  die  geographische  Lage 
dieser  Stadt  in  der  Mitte  von  Spanien  erklXrt  es,  dass  Bischöfe  aas 
ganz  Spanien  gerade  in  dieser  Stadt  zusammentraten.  Erst  von  der 
zweiten,  resp.  dritten  Synode  von  Toledo  im  J.  527  kann  man  mit 
einigem  Rechte  sagen,  dass  der  Bischof  Montanus  von  Toledo  daselbit 
als  Metropolit  ftingirt  habe.  —  Dagegen  war  und  blieb  die  Stadt  Tai^ 
raco  stets  der  Metropolitansiz  der  Provinz  Tarraconensis,  da  sie  ohne 
Zweifel  auch  die  älteste  war,  in  welcher  ein  Bisthum  errichtet ,  und 
von  jeher  die  Hauptstadt  der  betreffenden ,  unter  Constantin  so  sehr  ve^ 
kleinerten,  Provinz  war. 

Die  gelehrten  Spanier  aber  können  sich  in  der  Frage,  wann  in 
ihrem  Lande  die  Metropolitaneintheilung  angefangen  habe,  nicht  einigen. 
Florez  nimmt  vor  der  Zeit  Constantin*s  nicht  weniger  als  drei  Primaten, 
und  zwar  Primaten  des  Alters  an,  eine  allzu  verwickelte  Combinati(m, 
für  welche  keine  Beweise  beigebracht  werden  *).  Caj.  Cenni  kommt  der 
Wahrheit  sehr  nahe,  geht  aber  an  der  nahen  Wahrheit  vorüber,  wenn 
er  meint,  man  dürfe  sich  nicht  vorstellen,   dass  die  fünf  Metropolen 


')  florez  4f  69  $q,    Del  Origen  de  h$  Brovmein  Ecktiattieaa  m  E^ptuma, 


xdieint,  dass  die  Annesenhcit  der  sechB  spanisdien  Bischöfe  hk 
der  Anfang  nnd  die  Begründung  des  kirchlichen  MetropoUtan- 
in  Spanien  sei     Diese  sechs  BiscbGfe  —  mit  Einschluss  des 

—  waren  eben  ausgewählt,  je  einer  ans  einer  politiechen,  je 
18  einer  sieb  bildenden  kirchlichen  Provinz,  um  alle  Kirchen 
9  in  Sardika  zu  repijlaentiren.  Die  siebente  zweifelhafte  Pro- 
nritanien  fällt  weg,  da  es  bis  jezt  nicht  gelungen  ist,  Äufklä- 
Über  die  kirchlichen  Verhältnisse  daseibat  zu  geben. 

'  die  Kirchenprovinz  Bätika  gicng  als  Metropolit  Hosius  selbst 
rdika.  Für  die  Provinz  Lusitanien  gieng  Florentius  von  Eme- 
MetropoÜtanbischof  nach  Sardika.  Für  die  neue  Provinz  Carta- 
,  die  eine  politische  Hauptstadt  in  Cartagena,  aber  noch  keine 
le  hatte ,  gieng  der  Bischof  eines  der  ältesten  und  ehrwürdigsten 
er  der  Kirchenprovinz,  der  Bischof  von  Gastulo,  als  provisori- 
etropolit,  nach  Sardika.  Für  die  Provinz  Galizien  gieng  der 
der  damaligen  Hauptstadt  Ästurica  als  Metropolit  nach  Sardika. 
amals  Überhaupt  einen  Bischof  von  Tarraco  gegeben  habe,  ist 
ine  Frage.  Jeden&lls  wird  zwischen  dem  J.  259  und  385,  also 
re  lang,  überhaupt  kein  Bischof  von  Tarraco  in  der  Geschichte 
Für  ihn,  der  entweder  nicht  vorhanilen,  oder  nicht  disponirt 
1  Gehen,  gieng  als  Stellvertreter  der  Bischof  des  —  nach  der 
idt  —  ältesten  und  bedeutendsten  Bisthumes  in  der  Provinz ,  der 
Castus  von  Saragossa,  nach  Sardika. 

Ilich  der  Bischof  von  Barcelona,  für  welche  Provinz  {peng  er? 
politische  Provinz  der  Balearea ,  welche  allerdings  keine  Kircheo- 
wnrde,  aber   nach   der  Analogie  es  doch  werden  konnte  oder 

—  £s  ist  schwer,  über  die  Kirchengeschichte  der  Balearen  zu 
D,  weil  es  fast  ganz  an  Nachrichten  fehlt.    In  den  J.  1632  und 


f 


188  Seehstei  Bacli.    Viertes  KapiteL 

Juden) ,  welchen  er  dem  Baromos  entnommen  hat  *).  In  dem  Venddi- 
msse  der  Bischöfe  des  vandalischen  Reiches  Tom  J.  484  kommen  drei 
Bischöfe  dieser  Insehi  vor,  der  von  Majorka,  von  ICnorka,  und  Yon 
Ebusa,  welche  znr  Zeit  der  Vandalenherrschaft  nnter  dem  Bisdhofe  Ton 
Cagliari  standen  ').  —  Femer  besizen  wir  einen  Brief  von  Gr^por  dem 
Grossen  an  seinen  Defensor  fd.  i.  Nnntinsj  Johannes  in  Spanien,  worin 
er  ihn  auffordert  (auf  der  Reise  nach  Spanien),  auf  die  Insel  Capr^ra 
—  bei  Majorka  —  zu  gehen,  um  dort  zuchtlose  Mönche  zur  Ordnung 
zurückzuführen.  Daraus  schliesst  man,  ob  mit  Recht?,  dass  die  Ba- 
learen  damals  kirchlich  zu  Spanien  gehört  haben  ^).  —  Wir  besizen 
einen  um  dieselbe  Zeit  geschriebenen  Brief  des  gelehrten  Bischofes  li- 
dnian  von  Cartagena,  worin  er  den  Bischof  Vincentius  von  Ebusa  oder 
Ivica  wegen  des  Abei^laubens  zurechtweist,  dass  nemlich  Briefe  rom 
Himmel  fedlen^j. 

Wenn  um  das  J.  600  ein  Bischof  in  Ebusa,  oder  f&r  die  Pitfayuseo 
eingesczt  war,  so  darf  man  wohl  schliessen,  dass  auch  in  Majorka  oder 
Minorka  Bischöfe  sich  befanden.  Aber,  wie  soll  man  es  sich  erklSnm, 
dass  nie  einer  dieser  Bischöfe  auf  einer  spanischen  Synode  erschienen? 
Die  sogenannte  Diöcesancharte  des  Königs  Wamba  kann  uns  kernen 
Aufschluss  geben;  denn  sie  stammt  aus  dem  Mittelalter.  Wir  werden 
also  sagen  müssen,  die  Balearen  hatten  Bischöfe  um  420.  Bald  dazarf 
fielen  sie  in  die  Hand  der  Vandalen,  und  die  drei  Bischöfe  der  Lusah 
kamen  unter  die  Eirchenprovinz  von  Cagliari  auf  Sardinien,  welcha 
Insel  gleichfalls  ein  Bestandtbeil  des  Vandalenreiches  war.  Dieses  Beidi 
fiel  mit  allen  seinen  Bestandtheilen  in  den  J.  532  —  34  in  die  Hand  der 
Oströmer.  In  diese  Gewalt  fielen  auch  die  Balearen'),  und,  ob  man 
auch  auf  Sardinien  keine  Nachrichten  darüber  habe,  muss  doch  ange- 
nommen werden,  dass  die  Bischöfe  der  Balearen  unter  dem  Metropoliten 
von  Cagliari  standen,  bis  die  Inseln  selbst  am  Ende  des  siebenten  Jahr- 
hunderts in  die  Hand  der  Muhamedaner  fielen.  Die  Balearen  wurden 
nur  vorübergehend  von  Karl  dem  Grossen  erobert  Zur  Zeit  der  Muha- 
medaner scheint  das  Christenthum,  wenigstens  die  Bisthümer,  auf  den 
Inseln  verschwunden  zu  seyn. 

Aber  —  im  Jahre  i058,  3|  Jahrhunderte  nach  der  Unterjochung 
Spaniens  und  auch  der  Balearen  durch  die  Araber,  schenkte  der  mau- 
rische Fürst  Hali  die  balearischen  Inseln  dem  Bischöfe  von  Barcelona  — 
auf  seine  Bitten  —  für  dessen  geistliche  Jurisdiction.     In  der  Urkunde 


>)  Baronius  ann.  418.  nr.  43-^63, 

*)   Victor  Vi'tenna,  de  perteeuL     VandaUca  (in  appendice), 

*)  Martini  P.,  Storia  ecclesiastica  di  SardegtuL  (der  Insel).   3  voL  Cagliari  1839  —  40, 

—  i,  p.82;  95, 
*)  FloreZf  5,  406.  appendice  IV. 
*)  Procopiusj  de  hello  VandaUco,  2,  5. 


\ 


I 


Hosiat  and  die  Aof&nge  der  Metropolitanverfassang  in  Spanien.      189 

der  üebeigabe  heisst  es,  dass  schon  Halles  Vater,  Mngejdy  die  geist- 
liche Gerichtsbarkeit  über  die  Balearen  demselben  Bischöfe  auf  dessen 
Ktten  zurückgegeben  habe  (interveniu  jam  dicti  PanUfieis  revoeavit 
äfue  mbdidü  mtuUu  Balearct  sub  jure  et  dioeeeri  8td%9  BarcJUnonermsJ» 
Kdn  Geistlicher  auf  diesen  Inseln  dürfe  seine  Weihe  und  seine  Voll- 
■achten  von  Jemand  anders  empfangen,  als  dem  Bischöfe  von  Bar- 
osioDa.  Diese  Urkunde,  welche  zur  Zeit  der  Einweihung  der  Elathe- 
inle  sa  Barcelona  im  J.  1058  ausgefertigt  wurde,  haben  unterschrieben 
fie  damals  in  Barcelona  anwesenden  Bischöfe,  nemlich  der  Erzbischof 
lon  Arles,  der  Erzbischof  von  Narbonne,  die  Bischöfe  von  Maguelone, 
nm  Nimes,  von  Urgel  ^).  Glaubt  man  wohl,  jene  Uebergabe  wäre 
erfolgt,  und  diese  Bischöfe,  welche  ihrerseits,  etwa  abgerechnet  die  Bi- 
schöfe von  Arles  und  Urgel,  gleichfalls  Ansprüche  auf  die  geistliche 
Jurisdiction  über  die  balearischen  Inseln  erheben  konnten,  hätten  sich 
n  dieser  Unterschrift  herbeigelassen ,  wenn  nicht  das  Bisthum  Barcelona 
die  ältesten  und  begründetsten  Ansprüche  gehabt  hätte?  Man  findet 
unter  den  Unterzeichneten  den  benachbarten  Bischof  von  Gerona  nicht, 
denn  in  Gerona  zeigte  man  eine  erdichtete  päpstliche  Bulle  aus  dem 
sehnten  Jahrhundert,  in  der  man  sich  den  Besiz  der  balearischen  Inseln 
nMhrieb,  oder  vielmehr  durch  einen  päpstlichen  Machtspruch  zuschreiben 
Eev  ') ,  wie  num  in  dieser  Zeit  auch  in  Narbonne  durch  unterschobene 
pipstUche  Bullen  gegen  die  gerechten  Ansprüche  des  sich  wieder  er- 
ksbenden  Erzbisthumes  Tarragona  ankämpfte.  —  Barcelona  behielt  sein 
dfcsi  und  verbrieftes  Recht,  bis  die  Balearen,  unter  dem  Widerspruche 
der  Bischöfe  von  Barcelona,  im  J.  1237  einen  eigenen  Bischof  erhielten  ^). 

Wir  nehmen  demnach  mit  Recht  an,  dass  Bischof  Prätextatus  von 
fineelona  im  J.  343  auch  Bischof  der  Balearen  war,  und  dass  er,  weil 
fiese  eine  eigene  politische  Provinz  bildeten,  als  Vertreter  derselben 
udi  Sardika  gieng. 

Wir  haben  oben  gesagt,  dass  die  Bischöfe  in  Sardika  bei  der  Ord- 
umg  der  Size  und  der  Unterschriften  den  spanischen  Bischöfen  einen 
fTorrang  der  Ehre  eingeräumt  haben.  Allein  —  sie  räiunten  ihnen  auch 
sinen  Vorrang  der  Macht  ein.  Denn  diese  Bischöfe  erschienen  theils 
dfl  wirkliche  Metropoliten,  theils  als  Stellvertreter  der  Metropoliten. 
Bei  der  Reihenfolge  ihrer  Unterschriften  kann  nichts  aufiEallen,  als  dass 
ier  Bischof  von  Saragossa  nicht  vor  dem  Bischöfe  von  Asturica  unter- 
leichnete.  Denn  es  ist  an  sich  wahrscheinlich,  und  auch  oben  von  uns 
ingenommen  worden^),  dass  das  Bisthum  Saragossa  älteren  Ursprunges 
ist,  ab  das  Bisthum  Asturica,  da  das  Christenthum  in  der  Richtung  von 


»)  Die  Urkunden  bei  Florez,  7,  305  — 6. 

^  Petrus  de  Marca,  j,Marca  Eispamca*',  1688,  p.  834. 

*)  DamBto,  1,  298  sq. 

*)  Bd.  1,  S.  252. 


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190  Sechstes  Buch.    Viertes  Kapitel.     > 

Osten  nach  Westen,  von  Tarraco  nach  Saragossa,  von  Saragossa  nach 
Leon  und  Astorga,  in  Spanien  eingeführt  wurde.  —  Mein  man  hat 
zu  beachten ,  dass  der  Bischof  von  Astorga  wirklicher  Metropolit  war, 
und  insofern  den  Vortritt  hatte  vor  dem  Stellvertreter  des  Metropoliten, 
dem  Bischöfe  von  Saragossa.  Dagegen  kann  man  nicht  geltend  machen, 
dass  auch  Anianus  von  Castulo,  der  Erste  der  Unterschriebenen,  nur 
Stellvertreter  des  Metropoliten  war.  Vielmehr  war  Castulo  wenigstens 
damals  noch  die  bedeutendste  Stadt  in  der  Provinz  Cartagena,  in  Ou^ 
tagena  selbst  gab  es  wahrscheinlich  noch  keinen  Bischof,  und  der  K- 
schof  von  Castulo  hatte  auch  sonat  die  meisten  Ansprüche,  Metropolit 
di^er  neuen  Kirchenpro^nz  zu  seyn. 

Die  Frage  aber,  wann  diese  Metropolitanverfiissung  in  Spanien  in 
das  Leben  getreten  sei,  scheint  mir  der  Hauptsache  nach  beantwortet 
zu  sejn.  Der  grosse  Hosius  erwarb  sich  auch  dieses  Verdienst  um  die 
Kirche  seines  Vaterlandes.  Nur  muss  man  nicht  verlangen,  dass  die 
neue  kirchliche  Einrichtung  sogleich  als  ein  vollendetes  Ganzes  hervo^ 
getreten  sei.  Diese  Verfassung  bildete  sich  allmälig,  aber  durch  viele 
E&mpfe  und  Verwicklungen  hindurch,  wie  man  aus  dem  Briefe  des 
Papstes  Siridus  vom  J.  385  an  den  Metropoliten  Himerius  von  Tarribo, 
imd  aus  dem  Briefe  des  Papstes  Linocentius  I.  über  die  Spaltung  uttd 
die  verfallene  Disziplin  der  Kirchen  von  Spanien  ersieht 

Aus  der  Kirchenprovinz  Mauritanien  konnte  kein  Metropolit  nadi 
Sardika  gehen,  denn,  troz  der  Behauptungen  von  Morcelli,  hat  man 
bis  jezt  keinen  Bischof  und  keinen  Bischofssiz  in  diesem  Lande  nach- 
weisen können.  Mauritanien  wurde  in  den  J.  39  —  42  unter  Kaiser  Clau- 
dius erobert,  in  zwei  Provinzen  gctheilt  —  42,  deren  Grenze  der  Fluss 
Muluchath  bildete,  und  welche  durch  zwei  Procuratoren  verwaltet  waren, 
die  in  wichtigem  Angelegenheiten  dem  Legaten  von  Afrika  unterstellt 
waren  *).  Plinius  führt  nur  fünf  Städte  des  Tingitanischen  Mauritaniens 
an,  Zilis  und  Lixus,  beide  am  atlantischen  Meere,  Tingis,  die  Haupt- 
stadt, im  Innern  des  Landes  Babbah,  und  Banasa  am  Flusse  Subur^). 
—  Obgleich  Tacitus  sagt,  dass  Kaiser  Otho  die  Städte  der  Mauren  der 
Provinz  Bätika  zum  Geschenke  gegeben  habe ') ,  so  erscheinen  doch 
bald  darauf  die  beiden  Mauritanien  wieder  vereinigt  unter  einem  Pro- 
curator  %  —  Beide  Mauritanien  erscheinen  vereinigt  auch  unter  Trajan, 
ja  bis  in  die  Mitte  des  dritten  Jahrhunderts.     Denn  aus  einem  Briefe 


0  Marqaardt- Becker,  Römische  Alterthümer ,  3,1,  8.  2d0*-82.  —  Zumpt, 
Studia  romcma,  1Q59 ,  p,  130  — 150,  —  Paaly,  Realencyclopädie  der  elastischen 
Philologie,  Bd.  4  (1846),  Mauritanien,  p.  1664  — 67.  —  Georgii  L.,  Alte  Geo- 
graphie  (1838),  1,  S.  550.     " 

•)  Plin,  J,  1  (1).  —    Strabo,  825.  829,  -    Meia,  3,  18. 

•)  TadL  hisL  1,  78;  2,  58,    cf,  PUn.  5,  1  (1). 

«)  Orem  intcripu  nr.  3.  570  (485). 


Hodna  «Dd  die  Anf&Dge  der  MetropolitanverfassuDg  in  Spanien.      191 

YpijMBB  geht  kenror,  dass  ihm  die  geistige  Sorge  über  beide  Mauri- 
oien  ohUkg  ^) ;  ja  die  Verbindung  mit  Afrika  ist  bis  aaf  Constantin  nach- 
tweisen ^).    Aber  im  vierten  Jahrhmidert  gehört  Tingitana  zu  Spanien. 

Um  das  J.  390  kommt  Mauritania  Sitifensis  vor.  —  Morcelli  nennt 
Bgis  einen  altchristlichen  Bischoüssiz,  aber  er  beweist  es  nicht  ^).  — 
bleich  man  nun  gewöhnlich  behauptet  ^  dass  das  politisch  zu  Spanien 
iiSrige  l^ngitana  in  kirchlicher  Beziehung  einen  Primas  mit  Mauri- 
iiia  CSaesariensis  hatte,  so  ist  es  dennoch  nicht  gelungen,  Bischöfe  da- 
Ibst  nachzuweisen.  Wohl  hatte  nach  der  Liste  der  afrikanischen  Bi- 
böfe  zur  Zeit  der  Vandalen  Mauritanien  Caesariensis  126,  das  westliche 
iä  kleinere  Sitifensis  44  Bischöfe,  aber  —  wo  stehen  denn  Bischöfe 
DB  der  Provinz  von  Tingis?  So  nimmt  denn  auch  der  Reisende  Barth 
[f  dass,  weil  keine  Bischöfe  von  Zilis  oder  Zila  genannt  werden,  es 
idi  keine  daselbst  gegeben^). 

Das  —  waren  allerdings  ausserordentliche  kirchliche  oder  unkirch- 
he  Yerbältnisse.  Aber  was  will  es  denn  bedeuten,  wenn  man,  wie 
axea,  Morcelli  u.  a.,  noch  so  oft  behauptet,  dieses  äusserste  Mauritanien 
be  kirchlich  zu  Afrika  gehört,  wenn  man  k^ne  Beweise  beibringt, 
I  etwa  die  vagen  Worte  Cyprian's,  die  doch  jaicfat  beweisen  können, 
SB  derselbe  Bischöfe  in  diesen  entlegenen  Oegenden  eingesezt  habe? 
»er  scheint  mir,  einzugestehen,  dass  wir  bis  jezt  über  das  kirchliche 
iben  von  Mauritania  Tingitana  nichts  wissen. 


*)  Cjfpr,  tp.  i5;ep,  3  —  habet  etiam  (nostra  provmda)  NunUdiam  et  Mauritaniam  tibi  ca- 


*f  Zh^m,  geoffr.  aaer,  ap.  JBoeclang,  notitia  dignitatum  uiriusque  impenif  2,  p.  146—149; 
452  sg.  —    Dypin,  p,  637,  -    OrelU,  nr.  3.  672. 

•)  Mpreeia,  Africa  ekrisüana  (1816),  1  (21  -33);  326, 

*)  Hein.  Barth,  Wanderongen  darch  die  Küstenländer  des  Mittelmeeres.  Erster 
Bd.»  Berlin  1849,  8. 17.  ~  »So  gab  diese  Stadt  (Julia  Constantia  Zilis)  das 
Beispiel,  dass  der  äusserste  Nordwesten  Afrika^s  passender  und  inniger  mit 
Hispanien  verbunden  werde,  welcher  Grundsaz  hernach  von  Dioclctian  durch- 
gefShrt  wurde ,  so  dass  das  ganze  jezige  Marocco ,  vollkommen  losgerissen  von 
den  sechs  afrikanischen  Provinzen,  zu  Hispanien  geschlagen  wurde.  Bischöfe 
•OS  Zilis  sind  nicht  bekannt 


Fünftes  Kapitel. 

HosiDS  Diid  die  Synode  von  Sardika  —  343  —  341 


§.  1.    Hosius  vor  der  Synode  zu  Sardika. 

Mit  Recht  schreiben  wir  dem  Hosius  den  grossem  Theil  des  Yv» 
dienstes  an  der  Berufung  der  allgemeinen  Condlien  zu ,  an  dem  VaS 
dienste,  durch  welches  der  katholischen  Kirche  eine  Einrichtung  ge- 
schenkt wurde,  mittels  deren  der  heilige  Geist  sie  in  den  schwierig^rtm 
Zeiten  erleuchtet,  geleitet,  geeinigt  und  gereinigt  hat  Wenn  Hodos 
sonst  nichts  gethan  hätte,  so  würde  er  doch  den  Beinamen  des  Grossen 
verdienen ,  er  hätte  doch  der  Kirche  Gottes  unvergängliche  Dienste  ge- 
leistet. —  Siebenzig  Jahre  zählte  Hosius,  als  er  nach  der  Synode  von 
Nicäa  in  sein  Vaterland  zurückkehrte,  gewiss  in  der  sichern  Erwartung, 
dass  er  den  Rest  seines  Lebens  dort  zubringen  werde.  Aber  er  war 
noch  für  viel  schwerere  Kämpfe  vorbehalten.  Bald  nach  der  zweiten 
Verbannung  des  Athanasius  aus  Alexandrien  —  340,  finden  wir  die  bei- 
den Freunde  bei  einander  ^).  —  In  seiner  Gegenwart  hielt  Athanasius 
Besprechungen  mit  dem  Kaiser  Constans.  Im  Sommer  343,  im  vierten 
Jahre  der  Anwesenheit  des  Athanasius  in  Rom  —  berief  ihn  der  Kaiser 
Constans  zu  sich  nach  Mailand,  und  theilte  ihm  mit,  dass  mehrere  Bi- 
schöfe (besonders  Papst  Julius,  Hosius  von  Corduba  und  Maximin  von 
Trier)  ihn  ersucht  hätten,  an  seinen  Bruder  Constantius  wegen  Berufung 
einer  Synode  zu  schreiben.  „Als  ich,''  sagt  er,  „in  dieser  Stadt  (Mai- 
land) weilte,  berief  er  mich  wieder  nach  GaUien,  denn  dorthin  kam 
auch  der  Vater  Hosius,  damit  wir  mit  einander  von  dort  nach  Sardika 


*)  Äthanat.  apoL  ad  CoMtanU  imperoL  c,  3,  —  utayog  iörty  ö  Jlccr^  'OCwf  tixiiv. 


f.  2.     Hosius  Pr&sident  der  Synode.  iQS 

[!>).«  Damit  stimmen  die  Arianer  überein ^  welche  sagen,  dass 
lasius  nach  Italien  und  Gallien  gegangen,  und  dass  Papst  Julius, 
y{  Maximin  von  Trier,  und  „Ossius*'  ihm  Gehör  geschenkt  hätten, 
c  auch  auf  die  Abhaltung  der  Synode  gedrungen  ^). 
iBch  den  neuem  Forschungen  kam  Athanasius  im  Sommer  343 
Mailand,  von  da  begab  er  sich  nach  Gallien,  und  reiste  von  dort 
sius,  den  spanischen  und  sonstigen  abendländischen  Bischöfen  nach 
va,  wo  sie  vor  dem  Spätsommer  des  Jahres  343  nicht  ankonunen 
cn.    Die  Synode  aber  dauerte  wohl  bis  zum  Frühjahre  344^). 


§.  2.    Hosius  Präsident  der  Synode. 

)as  Menologium  der  Griechen  (zum  27.  August)  schreibt  dem  Ho- 
in  der  Berufung  der  Synode  von  Sardika  den  Hauptantheil  zu; 
up  08,  welcher  diese  Synode  zusammen  brachte*).  —  Jedenfalls 
s  er  nicht  bloss  den  Vorsiz,  sondern  er  war  Seele,  Haupt,  Leiter 
Vlies.  —  Man  kann  sagen,  dass  er  die  Beschlüsse  von  Sardika 
te.  Sie  sind  sein  persönliches  Werk  und  Verdienst.  —  Papst  Julius 
5,  wie  es  zur  Zeit  der  Synode  zu  Nicäa  geschehen  war,  wie- 
eine Bischöfe  als  seine  Legaten  nach  Sardika,  damit  in  Betreff 
orsizes  keine  Schwierigkelten  entständen,  derselbe  vielmehr  unbe- 
Q  dem  Hosius  bliebe,  —  sondern  zwei  Presbyter,  welche  nach 
B  unterschrieben  mit  den  Worten:  Julius  von  Rom  durch  die 
jter  Archidamus  und  Philoxenus.  Aber  ihre  Namen  konunen 
inmal  in  dem  Sendschreiben  an  alle  Kirchen  vor.  —  Osius  schlägt 
Qzelnen  Canones  vor,  und  unterschreibt  zuerst  Athanasius  nennt 
Dsdrücklich  den  Vorsteher  der  grossen  Synode*).  —  Theodoret 
dass  Hosius  zu  Sardika  die  erste  Stelle  eingenommen  habe^).  — 
lenus  nennt  die  Bischöfe  von  Sardika,  die  um  den  Hosius  waren 
uq>i  TÖp"Oaiov)'')y  doch  sagt  er  in  demselben  Kapitel,  dass  Hosius 


u  ßjUTtxeftipitro  xdlty  ttc  W  PaXXiag  ^   ixtl  ydp  xai  6  ITarijp  "OOiog  iJQxeroy    iva 

lUlStv  eig  rr^v  £apSixrpf  oötoOwfJtey  —  cap.  4  npol,  ad  Const, 

Er  op.  hiatorico  Ililttrii  —   fragm,  S  (2),  14    •  ■    Athanasius  in   ItaUam   et   GaUiam 

itrpsns  siln  Judicium  compuraviL     Cui  ronuensum  coiHmoduntes  non  rwtSf  Julius  Roma« 

crbis  episcopusj  Alaximus  (Maximinus  Trev.)  et  OssiuSf  caeterique  comphares  ipsommj 

vncilium  apud  Serdicum  fieri  ex  imperatoris  benigmtatß  sumpserunL  —  V.  Niehucs, 

jreschichte  d.  Verhältnisses   zw.  Kaiserthum   und  PapsUhum   im  Mittelalter  — 

l  Bd.  —  Münster  1863,  8.  274. 

Flefelc,  C.  G.,  1,515. 

rj  ecurj  Tffu^,    tov  oöiov  xargog  rjiiufv  *O0tov,    iyrtöMOXov  Kopdcvfli/f  —  Mtü  n^y 

fsvofiempf  Cwodw  xard  rijrv  £aQdtx^  avrog  Ovysx^orsL 

xptnjyo^of  —  Ath,  ad  monach.  16, 

TkewL  h.  e,  2,  12, 

Soxtm,  3, 12. 

jDi,  Span.  Kirche.    IL  13 


194  Sechste«  Buch.     Ffinfles  Kapitel. 

and  Frotogenes  die  Häupter  (aQxovTEs)  der  Synode  gewesen  eeioL 
Ebenso  nennt  Socrates  den  Frotogenes  und  den  Hosius  von  Cordiibt 
die  Häupter  der  Orthodoxen  ').  Die  Eusebianer  in  ihrem  Sendschreiben 
an  die  Bischöfe  von  Afirika  sagen  inuner,  dass  Osins  and  Frotogenes 
Häupter  der  Synode  waren.  Diese  beiden  waren  wahrscheialich  sogleich 
die  ältesten  Bischöfe  der  ganzen  Synode. 

Der  Yorsiz  des  Hosius  wird  so  erklärt,  dass  er  von  dem  Ftpele 
(vielleicht  auch  von  den  beiden  Ejüsem)  einen  besondem  Anfing  er 
halten  habe^). 

§.  3.    Verhandlungen  des  Hosius  mit  den  Arianem. 

Drei  gleichzeitige  Zeugen  berichten  darüber;  Hosius  selbst ,  Aths* 
nasius  und  die  in  Fhilippopolis  versammelten  Eusebianer.  —  Als  die 
Eusebianer  erftihren,  dass  bei  den  vor  ihnen  zu  Sardika  eingetroffenen 
Abendländern  Athanasius  und  die  übrigen  Abgesezten  sich  beflbiden, 
so  beschlossen  sie,  ihre  Thcilnahme  an  der  Synode  von  der  Aussohlie»- 
sung  der  von  ihnen  Abge^ezten  abhängig  zu  machen.  Sie  bewohnten 
zu  Sardika  alle  ein  Haus,  um  eine  geschlossene  Macht  zu  seyn'). 
Ueber  das  Weitere  berichtet  Hosius  selbst:  „Ich  selbst  wohnte  der 
Synode  zu  Sardika  an  — ,  und  habe  die  Feinde  des  Athanasius  wa^ 
fordert,  sie  sollen  in  die  Kirche  kommen,  in  der  ich  mich  befand,  wif 
wenn  sie  Etwas  gegen  ihn  hätten,  es  vorbringen.  Ich  gab  ihnen  mem 
Wort,  und  hiess  sie  guten  Muthes  seyn,  sie  dürfen  nichts  anderes,  ak 
ein  gerechtes  Urtheil  in  allem,  erwarten.  —  Diess  habe  ich  nicht  ein- 
mal, sondern  zum  zweiten  Male  gethan,  indem  ich  ihnen  zugab,  wenn 
sie  vor  der  ganzen  Synode  nicht  wollten,  so  sollten  sie  es  mir  allein 
mittheilen;  und  wieder  habe  ich  versichert,  falls  er  schuldig  erwiesen 
würde,  so  wird  er  durchaus  auch  von  ims  verworfen  werden.  Wiid 
er  aber  unschuldig  erfunden,  so  dass  ihr  als  Verleumder  erscheinel^ 
wenn  ihr  ihn  aber  doch  euch  verbittet,  so  überrede  ich  den  Athanasfosy 
mit  mir  nach  Spanien  zu  gehen.  ^  Athanasius  war  damit  einverstanden, 
und  widersprach  dem  nicht.  „Jene  aber,  die  ihrer  eigenen  Sache  mias- 
trauten,  wiesen  dieses  doch  zurück.^ 

Von  diesem  weicht  der  Bericht  des  Athanasius  nicht  ab.  Er  führt 
die  Arianer  redend  ein,  als  sie  von  Sardika  sich  zu  entfernen  gedachten: 
„Osius  aber,  und  alle  übrigen  Bischöfe  thaten  ihnen  zu  wiederholten 
Malen  die  Bereitwilligkeit  des  Athanasius  und  der  Ucbrigen  kund,  sich 
zu  vertheidigen,  und  ihre  Gegner  als  Verleumder  zu  überweiseiL    Sie 


>)  SocroL  2,  20. 

*)  Petrus  de  Marca  de  eoncord,  sacerdoi.  et  imperii,  L5,  4.  —  NataUB  ÄUx,  k,  eee.  &  4. 

diiB.  27.  Art.  IL  —    Ilefelc,  1,  524. 
*)  Äthan,  ap,  ctr,  Arian,  c.  48, 


f.  3.    Verhaodlungen  des  Hmius  mit  deo  Arianern.  196 

gten  andi:  Vfean  ihr  die  Untersuchung  fürchtet,  warum  seid  ihr  denn 
ikommen?  entweder  hättet  ihr  nicht  kommen ,  oder  — ^  nachdem  ihr 
ämnBoakj  nidit  fliehen  sollen  ^).^ 

Durch  den  Priester  Eusthatius  von  Sardika  liesscn  die  Eusebianer 
m  Orthodoxen  sagen ,  der  Kaiser  habe  ihnen  Nachricht  über  seinen 
ii|g  über  «Ue  Perser  g^eben,.  und  darum  müssen  sie  eilends  abreisen 
rohl  um  ihm  Glück  zu  wünschen).  Osius  liess  ihnen  melden:  ^Wenn 
r  nicht  erscheint,  und  euch  wegen  der  von  euch  ausgestreuten  Ver- 
imdongen,  und  wegen  der  g^en  euch  yorgebrachten  Klagen  recht- 
rtigt,  8o  mög^  ihr  wissen,  dass  die  Synode  euch  als  Schuldige  yer- 
theilen,  den  Athanasius  aber  und  seine  Gtefährten  als  unschuldig  er- 
iren  wird.'  —  Ein  grosses  Lob  wird  in  dem  Schreiben  der  Synode 
n  Sardika  an  alle  Kirchen  dem  Hosius  selbst  gespendet:  |,Nicht  ein- 
al  bloss  und  ein  zweites  Mal,  sondern  oft  Tor  uns  gerufen  haben  (die 
nuier)  es  versehmähet,  zu  erscheinen;  obgleich  wir  alle  Bischöfe  zu- 
immengekommen  waren,  besonders  aber  der  Greis  glückseligen  Alters 
[oäos,  welcher  wegen  seines  Alten  und  wegen  seines  treuen  Bekennt- 
iaaes,  und  weil  er  so  viele  Mühseligkeiten  übernommen  hat,  aller  Ehr- 
irdit  würdig  ist  ^).'' 

Anders  allerdings  lautet  der  Bericht  der  Arianer,  welchen  rie  an 
«e  wirklichen  oder  vermeintlichen  Anhanger  sandten.  Hieher  aber 
)di5rt  nur  das,  was  sie  im  Besondern  über  Hosius  vorbringoi ^).  Sie 
ab  und  scfaliessen  im  Besondem   von  ihrer  Kirchengemeinschaft 

:  1)  den  Ossius,  2)  den  Protogenes,  3)  den  Athanasius,  4)  den  Mar- 
9QDai  von  Ancyra,  6)  den  Asclepas  von  Gaza,  6)  den  Paulus  von  Con- 
itaatinopely  7)  den  Julius  (von  Rom).  Indem  sie  den  Hosius  allen  an» 
fam  voranstellen,  erklären  sie  ihn  eben  damit  als  den  Urheber  deit 
^jtgen  sie  vollbrachten  Unthaten.  Zum  zweitenmale  verdammen  sie  die 
liapier  der  Orthodoxen  in  folgender  Reihe:  „Darum  hat  unsa?e  ganze 
ITenammlung  den  Julius  aus  der  Stadt  Rom,  den  Ossius  und  den  Pro- 
ogODßBy  und  den  Gaudentius,  und  den  Maziminus  von  Trier  (dieser 
ieitere  wohnte  der  Synode  an;  Gaudentius  war  Bischof  von  Naissus, 
md  gleichfalls  anwesend)  verdammt  nach  dem  ältesten  Geseze,  als  die 
Urheber  der  Gemeinschaft  mit  Marcellus,  mit  Athanasius  und  den  übrigen 
Uisseth&tem,  welche  auch  an  den  Mordthaten  des  Paulus  von  Constan- 
tinopel  und  an  seinen  grausamen  Thaten  Theil  genommen  haben.''  Dann 
werden  die  Missethaten  des  Protogenes  und  des  Gaudentius  besonders 
erzählt.  Den  Julius  aber  von  der  Stadt  Rom  verdammen  sie  als  den 
Urheber  und  den  Anführer  der  Uebel,  weicher  den  Missethätem  und 
den  Verdammten  als  der  erste  die  Thüre  der  Gemeinschaft  geöffiiet, 


*)  Aihan,  ad  monach,  279,  292  ed,  Maur»  —   cf,  apoL  amtra  Arian.  c.  36  tq. 
')  Atkanoi,  contra  Arianoi,  cap.  44.   —    Hilar.  frag,  operm  kutor,  nr,  11, 
s)  nUar,  fragm.  HI.  (oUom  U.pmrL) 

13  • 


196  Sechstes  Bach.     Ffinftes  Kapitel. 

uBd  für  die  übrigen  die  Bahn  gebrochen  hat,  die  göttlicben  Bechti 
aulösen:  denn  er  Babm  den  Athanasius  anmassend  und  faerausfordei 
seinen  Schuz,  einen  Menschen ,  in  Betreff  dessen  er  weder  die  Z< 
noch  die  Ankläger  kannte. 

^Den  Ossios  aber  (verdanunen  sie)  wegen  der  obenerwähntai  £ 
und  wegen  Marcus  glückseligsten  Andenkens  ^  welchem  er  iniiner  sei 
Unbilden  zufügte:  aber  auch,  weil  er  alle  Bösen,  welche  w^en 
Verbrechen  nach  Recht  verurtheilt  waren,  aus  allen  Ej^Üften  in  i 
nahm,  und  weil  er  im  Morgenlandc  mit  Missethätem  und  Verwoi 
zusammen  gelebt  hat  Denn  auf  schändliche  Weise  war  er  der  i 
trennliohe  Freund  des  Paulinus,  eheirialigen  Bischofes  in  Dacien, 
Mensöhen^  der  einmal  wegen  Uebeldiaten  angeklagt  und  von  der  I 
verjagt, war,  welcher  bis  eum  heutigen  Tage  in  der  Apostasüe'  vei 
und  öffbotlich  mit  Concubineh  und  Dirnen  Unzucht  treibt,  dessen  fi 
Über.MaUfkia  [emus  maUflciorum  Ubros^)]  der  Bischof  und  Bek 
Macedonius  von  Mopsus  verbrannt  hat  Aber  auch  dem  fiustasiu 
dem  Quimatius  hieng  er  auf  die  schlimmste  Weise  an,  und  wi 
Bujsenfireand,  über  deren  schmählichen  Lebenswandel  niehts  eu 
ist:  denn  ihr  Ende  hat  sie  allen  kundig  gemacht.  Mit  diesen  und 
liehen  Leuten  war  Ossius  immer  verbündet,  immer  ein  Begünstige 
Missetbaten,  wirkte  er  gegen  die  Kirche,  und  brachte  den  Fe 
Glottes  stets  Beine  Hilfe.^ 

Hierauf  kommen  die  Verbrechen  des  Maximus  von  Triei^  a 
Reihe»  •.  Dann  sagen  die  Verfasser:  „Um  dieser  Ursachen  willen  1 
also  das  Concil  für  recht  erachtet,  dass  es  den  Julius  von  der 
Rom,  und  den  Ossius,  und  die  übrigen  oben  Erwähnten  abseztc 
verurtheilte.  Da  dem  so  ist,  so  müsst  ihr,  gelicbteste  Brüder,  euc 
ihneii  in  Acht  nehmen  und  ferne  halten,  und  sie  in  keiner  Wd 
eurer  Gemeinschaft  zulassen:  auch  keine  Briefe  von  ihnen  annel 
und  keine  Friedensbriefe  an  sie  richten  ^).  Und  weil  diejenigen ,  w 
bei  Ossius  waren,  den  katholischen  und  apostolischen  Glauhen  zers 
wollten,  indem  sie  xlie  neue  Sekte  des  Marcellus  billigten,  welche 
Mischung  ist  zwischen  Paulus  (von  Samosata)  und  Sabellius,  so  l 
wir  nothwendig  den  Glauben  der  katholischen  Kirche  festgestellt ,  wei 
diejenigen,  die  mit  Hosius  sind,  verläugnet,  da  sie  die  Häresie  des 
oellus  eingeführt  haben.^  —  An  dem  Anfang  und  Ende  dieses  ni 
trächtigen  Synodalschreibens  heisst  es,  es  sei  nach  Afrika  gesendet  wo 
Aber  es  ist  adressirt  an  den  (Arianer)  Gregor ,  Bischof  von  Alexanc 
an  den  Bischof  von  Nicomedien,  an  den  Bischof  von  Carthago,  an 
Bischof  von  Neapel  in  Campanien,  an  einen  andern  Bisdiof  in  < 
panieui  an  den  Bischof  von  Salona  in  Dalmatien,  an  An£on,  an  Do 


')  Oder  dessen  vernichte  Bücher. 

')  Es  heisflt  liuera»  dominicas,  wohl  statt  pac\ficai. 


1 


f.  4.     SoiMlise  Thltiskeit  des  Hobiiib  auf  der  Synode.  19? 

ftsnisclier  Name),  Desiderius,  Fortunatus,  Eutbicios,  MaximuSf 
■1,  und  alle  unsere  Mitbischöfe  aaf  dem  Erdkreiec,  die  ProsUyter 
I  DiakoQ& 

TTEcits  halten  ancii  die  Orthodoxen ,  oder  „die  nm  Osius"  waren, 
rpler  der  Arianer  abgeaezt  iiad  mit  dem  Bannu  belegt,  wie  es 
icbt  war.  Und  zwar  den  Gregor  von  Alexandrien,  den  Basiliiu 
cjTB,  den  Quintian  von  Gaza;  forner  die  Arianer  Theodor,  Nar- 
icacius,  StepbanuB,  Ursacius,  Valens,  den  Menophantus ,  den 
f.  Sie  sollen  niclit  nur  nicht  mehr  Bischöfe,  sondern  anch  aus 
uigeroeio^iaEl  ausgesc blossen  seyn. 

einem  aiidem  von  der  Synode  erliiBsenen  Aldenstiicke ,  in  dem- 
u  au  den  I'apst  Julius  wird  mitgethoilt ,  was  im  Beeondorn  ia 
der  vollendeten  Schurkon,  dea  Valens  und  de«  Ur.sacius,  be- 
ll worden.  ^Was  aber  in  Betrolf  der  gottlosen  und  der  un- 
ea  Jünglinge  limpcritis  adalacentil-ii«  —  eie  wurden  beide  in 
Greisei  besclilossen  wurde,  da«  büre."  Dann  verweisen  sie 
djesfallaigcs  Sdireibcn  an  die  Kaiser.  Valens  wird  noch  im 
m  des  Mordee  an  dem  Bischöfe  Viator  beschuldigt.  —  Aus 
[teacblUseen  werden  wir  uns  den  unauslöschlichen  Hass  des  Va- 
i  des  UreAcius  —  gegen  Uosius  erklären,  und  wie  sie  darnach 
1,  diesen  Häss  an  ihm  zu  kühlen.  Gott  aber  Hess  es  zu,  dass  der 
t  und  der  Heilige  in  die  Hände  der  Miasethäter  gegeben  wurde. 

kl>  Sonstige  Thätigkeit  des  Hosius  auf  der  Synoda 
n  dem  Berichte  des  Atbanasius  haben  Einige  zu  Sardilca  den 
I  gemacht,  ein  neues,  das  Nicänischc  ergänzendes,  Glaubens- 
Bis  zu  entwerfen'].  Trozdcm  kam  eine  angebliche  Glaubens- 
ron  Sardika  in  Umlauf^  welche  Athanasius  und  die  um  ihn  ver- 
le  Synode  ffir  falsch  erklärten '),  —  Aber  Theodolit  theUt  den- 
1  Sdilosse  der  zu  Sardika  erlassenen  Aktenstücke  die  Glaubens- 
nit,  welche  er  offenbar  für  das  Werk  der  ganzen  Synode  hält*). 
Formel  ist  orthodox  gegen  die  Arianer.  Aber  eigen  ist  hier,  und 
ulass  zn  MiasTcrständnissen ,  dass  vnöarußig  Wesen  bedeutet, 
I  den  HSretikem  gesagt  wird,  dass  sie  statt  vstöartiöie  —  ovaite 
a  *).    Aber  das  Wort  Drei  -  Personen  —  trea  p«rtonae  —  iQia  ngö- 

ittH  pir  yif  mtf,   ä(  ndioüf  oG«tjf  r^  xari  IVinamr  bityUoo,   ygäipai  xtgi 

tuf,    lal   inxiif^ay  y<  xfonirüc    ^  Ji  oyiii  avreSo;  f/ycofeixit/e* ,  tutt  ü^iS* 

h  m  lOfi  xtSrmK  ypäpta^tu.   —    AAimat.   lomtu  ad  Afilüeiainu,   c.  'S-,  (op. 

lUmr.  3,  616—  17.) 

-t.  10. 

9im.  i.   >.  3,  e.   -      Hüloria  IriparL  4,  24.   —     Sotom.  S,  tS. 

I.  SalalU  —  Motad,  4  —  diMteruu.  29.    —     In   der   luIciuiBcben   üebeneznng 

ul  ck  be»«er  nod  wobl  ricbliger:   quam  ipm  Oratd  («lall  A> 


198  Seehitet  Bach.     Fünftes  Kapitel. 

öoma,  wcdcheB  in  der  spätem  griechischen  Dogmatik  Eingmng  £uid^)|  iviri 
▼ennieden,  so  dass  nirgends  gesagt  wird^  es  seien  drei  Pecsoneo  ib 
einem  Wesen«  —  Diese  Formel  ist' lange ,  fast  zu  lange,  und  sie  meint 
Soaomeütis  mit  den  Worten :  Sie  gaben  auch  damals  eine  andere  Sdhrift 
über  den  Glauben  heraas,  breiter,  als  die  von  JNicäa,  welche  jcdodi 
gleichen  Inhalt  hat,  und  nicht  sehr  von  dem  Wortlaute  derselben  ▼e^ 
schieden  ist  Hosius  und  Protogenes,  die  Häupter  der  abendltodinehw 
Bischöfe  zu  Sardika,  schrieben  aus  Besorgniss  vielleicht,  ee  möchtsi 
ihnen  Einige  Abweichung  von  der  Synode  von  Nidia  vorwerfisn,  «i 
(Papst)  Julius,  und  versicherten,  dass  sie  zwar  den  Glauben  von  Nidh 
annehmen,  dass  sie  aber,  wegen  des  Bedürfnisses  der  Deutlichkeit,  jeM 
Formel  erweitert  haben,  damit  die  Arianer  die  Nicänisehe  Formel  weg« 
ihrer  Kürze  nicht  für  sich  ausdeuten  könnten  ^).  —  Da  in  den  vorlii» 
denen  Akten  sich  diese  Sai*dicensische  Glaubensformel  nicht  befiuid|  H 
schienen  sich  Theodoret  und  Sozomenns  zu  irren.  Aber  Scipio  üaSii 
£uid  zu  Verona  eine  alte  lateinische  Version  fast  aller  Akten  von  8ff 
dika.  —  Hinter  den  Canones  steht  ein  kurzer  Brief  des  Osioa  und  Pir» 
togenes  an  Julius ,  offenbar  der  von  Sozomenus  erwähnte.  —  „An  im 
geliebtesten  Bruder  Julius ,  Osius  und  Protogenes  ^).  Wir  erinnern  m 
halten  sie  fest  und  haben  jene  Schrift,  welche  den  zu  Nidia  erkiMH 
katholischen  Glauben  enthält,  und  alle  anwesenden  Bischöfe  waren 
einstimmig.  Denn  drei  Fragen  sind  aufgeworfen  worden:  dass 
Zeit  war,  als  er  nicht  war  (das  Uebrige  fehlt  durch  Schuld  des  AV 
Schreibers).  Aber  weil  nach  diesem  die  Schüler  des  Arius  Schmfchnngei 
vorbrachten:  so  hat  eine  gewisse  Rücksicht  gezwungen  (damit  aidi 
Einer,  getäuscht  durch  jene  drei  Argumente,  vom  Glauben  abweiche)' 

—  das  folgende  ist  undeutlich.  —  i,  Damit  also  kein  Tadel  entstehe 
zeigen  wir  dieses  deiner  Güte  an,  gelieb tester  Mitbruder. ^  —  Als  Aa 
hang  des  Synodalschreibons  von  Sardika  findet  sich  aber  dieselbe  £xpo 
sition,  welche  uns  Theodoret  mittheilt.     In  Betreff  der  Einen  Sjibstsiu 

—  Hypostase  —  heisst  es:  ünam  esse  substaniiam,  quam  ipsi  Oraed  utkm 
appelUmt  etc. 

Also  waren  Osius  und  Protogenes  der  Ansicht,  dass  der  Glaube 
von  Nicäa  gegen  Missvorständnisso  durch  eine  nähere  Erklärung  zu  schüieo 
sei.  Was  wir  haben,  ist  ihr  der  Synode  vorgelegter  Entwurf,  welchen 
die  Synode  verwarf.  Aber  ihr  Entwurf  kam  unter  die  Akten  und  wurde 
bald  unter  die  ächten  Akten  gerechnet,  wie  von  Theodoret^  Sosomenii& 
und  der  Synode  von  Chalcedon  in  ihrer  Anrede  ai^  Kaiser  Marcian^). 

Bekanntlich  wiu*de  Marcellus  von  Ancyra  zu  Sardika  vom  Vorwurfe 
der  Irrlehre  freigesprochen.     Es  tritt  aber  nicht  hervor,   ob  Hosius  ba 


>)  JoawMB  Dcpncue.  de  «.  trinitaUf  ca/).  1.  —   rpei^  vxoeratJeig  ^roi  r^üc  x^iouxa. 

>)  Sogom.  3, 12, 

<)  Baäermi,  <^.  «.  Lwni$  t,  3,  597  sq.  —    Mansi  colL  6\  1209. 

*)  Hardmn,  condL  2,  647,  -     ColeH,  t.  4,  1766, 


f.  4    Sonstige  Th&tigkeit  des  Hosias  auf  der  Synode.  199 

lieser  Frage  eine  besondere  Thätigkeit  ent&ltet  habe.  In  die  über  die 
^TMge  des  HarceUus  obwaltende  Dunkelheit  hat  kürzlich  eine  kleine 
ädirift  LAcht  gebracht:  „Ueber  die  Orthodoxie  des  Marcellns  Ton  An- 
eyim,  ron  Fr.  Aug.  Willenborg ,  Münster  1860.''  —  Damach  hat  es 
■il  der  Orthodoxie  des  Uarcellus  allerdings  eine  eigene  Bewandtniss; 
m  hat  die  aUerbedenklichste  Aehnlichkeit  mit  seinem  Schüler  PhotiniiS| 
ler  den  Logos  für  die  unpersönliche  Kraft  Gottes ,  Christus  für  einen 
imsdien  hält,  durch  welchen  der  Logos  Gottes  gewirkt  hat  —  Aber 
ler  Papst  Julius  und  das  Concil  von  Sardika  sprachen  ihn  dennoch  firei, 
indem  aie  sich  an  die  strengen  gcsczlichen  Formen  hielten.  Denn  seine 
AiAllger,  die  £usebianer,  brachten  ihre  Klagen  gegen  ihn  vor  dem 
Concil  nicht  vor.  Beine  Ankläger  waren  selbst  Häretiker.  Sie  brachten 
?erleiundungen  gegen  ihn  vor.  Dann  wurde  gelesen  die  Schrift  —  des 
Maroelliu  (g^en  Asterius?).  ^Was  er  untersuchungsweise  ausgesagt 
btte,  das  haben  sie  verleumderisch  als  Behauptung  dargestellt  Es 
wurde  also  gelesen,  was  den  Fragen  folgte,  und  was  ihnen  vorher- 
gieng,  und  der  Glaube  des  Mannes  wurde  als  der  rechte  befunden. 
Denn  nicht  legte  er  dem  Logos  Gottes  einen  Anfang  von  der  heiligen 
Maria  bei,  wie  sie  versichert  haben,  noch  hat  er  geschrieben,  dass  sein 
Rock  ein  Ende  habe,  sondern  dass  es  ohne  Anfang  und  ohne  Ende 
•ei').^  Wenn  nun  die  Synode  den  Marcellus  in  den  erwähnten  zwei 
Anklagepunkten  freigesprochen,  so  habe  sie  eigentlich  nicht  geirrt 

Meine  Aufgabe  ist  hier  nicht,  die  Canones  von  Sardika  zu  erklären, 
■<Mie  Hosius  diktirt  hat  Nur  einige  Bemerkungen  will  ich  da  ein- 
f%BD,  wo  seine  eigene  Persönlichkeit  und  seine  individuelle  Richtung 
harrortritt.  Der  Canon  1  verbietet  den  Uebergang  von  einem  Bisthum 
m  einem  andern  (grossem) ,  aus  Geiz  oder  Ehrgeiz.  Wer  dieses  thue, 
loUe  nicht  einmal  die  Communion  unter  den  Laien  haben. 

yOsius  der  Bischof  der  Stadt  Corduba  sprach :  Es  ist  nicht  so  fast 
die  üble  Gewohnheit,  als  die  verderblichste  Comiption,  mit  der  Wurzel 
nmirotten,  dass  keinem  Bischöfe  erlaubt  sei,  von  seiner  Stadt  in  eine 
andere  überzugehen.  Der  Grund ,  aus  welchem  sie  Solches  zu  thun  sich 
unterfimgen ,  ist  deutlich,  da  hierin  kein  Bischof  gefunden  worden  ist, 
der  von  einer  grossem  —  'in  eine  kleinere  Stadt  übergegangen  wäre. 
Daraus  erhellt,  dass  diese  von  dem  Feuer  der  Habsucht  entbrannt 
und  Sclaven  des  Ehrgeizes  sind,  damit  sie  eine  grössere  Gewalt  erlangen. 
Wenn  es  allen  gefällt,  so  soll  diese  Pest  härter  und  schärfer  geahndet 
werden,  so  dass  der  also  Schuldige  nicht  einmal  die  Communion  der 
Laien  am  Ende  empfange.''    Sie  antworteten:  Das  Gelesene  gefällt  uns. 


»)  AtkanoB.  ctr,  Arian,  c,  47,  —  Willenborg,  8.  74-— 75.  Siehe  Klose,  Geschichte 
uDd  Lehre  des  Marcellus  and  Photinus,  Hamburg  1837,  S.  16.  »Da  Marcellas 
ihnen  in  diesem  Punkte  eine  genü^jende  Antwort  gab,  so  sprachen  sie  ihn 
frei,  und  erkannten  ihn  als  Bischof  an.** 


200  Sechstes  Bach.     Fünftes  Kapitel. 

Man  bemoriLe  hier  zwischen  Canon  1  und  2  dieselbe  Steigerung,  wie  in 
den  zwei  Theilen  des  Canons  13  von  Elvira.  —  In  der  unbefugt  strengen 
Strafe,  welche  unser  Canon  über  Bischöfe  verhängt,  „qtd  dupUmeapcrunL 
9celu8^  (welche  das  Verbrechen  verdoppelt  haben),  findet  unsere  obige 
Annahme  eine  Bestätigung^  dass  der  Einfluss  des  Hosius  auch  Eu£3vira 
—  für  solche  strenge  Strafen  in  die  Wagschaale  gefallen  seL  Darun 
ferner,  dass  die  Väter  zu  Sardika  zu  solchen,  durch  frühere  Kirchoi- 
beschlüsse  ausgeschlossenen  —  Strafen  ihr  „PUuxV^  sprachen,  folgt  die 
überherrschende  Macht  der  Persönliclikeit  des  Hosius.  Seine  Rede 
war  eine  Ueberredung  *)• 

Die  Synode  von  Sardika  —  ist  keine  allgemeine;  und  auch  allgd* 
meine  Synoden  sind  in  Sachen  der  Kirchonzucht  nicht  unfehlbar^).  In 
dem  Corpus  juris  canonici  sind  dem  dort  aufgenommenen  Canon  2  von 
Sardika  [c.  2  de  electione  (L  6)]  die  Worte  beigefügt :  um  dt  hoe  poa»' 
UABrit  —  ein  solcher  solle  in  TodesgefiEibr  nicht  einmal  die  Laiencook- 
munion  erhalten ,  „wenn  er  nicht  bereut  hat^.  Diesen  Zusaz,  welcher 
den  ganzen  Canon  aufhebt ,  findet  man  weder  in  dem  lateinischen  noch 
griechischen  Texte  unserer  Synode,  auch  nicht  bei  Dionysius  Exiquiu, 
oder  bei  (dem  angeblichen)  Isidor,  welcher  die  erwälinte  Stra&enteni 
zu  Canon  1  gezogen  hat.  Hefele  vermuthet  nach  Van  Espen,  der  Znsii 
sei  durch  B^ymund  von  Pennaforte,  welcher  die  Dekretalen  sammehi^ 
eingeschaltet  worden. 

Zwingt  uns  die  Unpartheilichkeit,  zu  gestehen,  dass  durch  die  Dk&- 
rung  des  Canon  2  Hosius  und  die  ihm  unbedingt  folgende  Synode  eiMB 
grossen  Fehler  begangen,  und  beschlossen  habe,  was  sie  zu  beschliesMn 


')  Athanasias  nennt  ihn  den  x^oi^ogog  (Vorredner)  dcM  Synode  —  Hutor.  Arian, 
ad  moncuA.  e.  16  —  ef.  --  apolog.  d.  fuqa  sua  —  c.  5  -  xal  Xeytov  6pSäf^  ov 
jrovror  BneUf9;  hat  er  durch  seine  (rechte)  Ucdc  nicht  allf^^ube  rredec?  nnd 
c.  42  ad  mo%.  —  die  Worte  derÄrianer:  Hosius  ist  im  Stande,  dnreh  sein  Wort 
and  seinen  Glauben  alle  gegen  uns  zu  erregen.  Er  hat  den  Glauben  von  Nicit 
entwickelt  (i^Sero), 

')  Dwertath  historica,  qua  ostenditur  cathoUcam  ecclesiam  tribiis  prioribua  aaecuUa  eagti- 
talium  criminum  reis  pacem  et  absolutionem  ticutif/iinni  deneyasse  --  auct.  F.  Jos.  Am^. 
Orsi,  MedioUini  1730.  Wir  haben  dieses  Werk  des  (spätem)  Kardinals  Orii 
oben  zu  der  Synode  von  Elvira,  über  welciie  es  indess  nur  Unbedeutendes 
enthält,  nicht  bcnüzt.  --  Cf.  Sect.  4,  digressio  5  —  de  lUiberitana  mpindo  — 
p.  260  —  281,  Er  handelt  fust  nur  von  der  Zeit  der  Synuüe  und  verlef^t  »ic  vor 
die  Kirchenverfolgung  (p.  260  -278),  Er  sagt  im  Allgemeinen,  dass  am  End« 
des  dritten  Jahrhundeils  die  Kirchenzuchl  strenger  geworden  sei,  als  früher: 
1)  wegen  des  Vcrderbnisses  der  Sitten;  2)  in  Folge  der  Abschaffung  der  Em- 
pfehlungsbriefe der  ßekcnncr;  3)  weil  die  Verfolgungen  seltner  geworden: 
4)  in  Folge  der  Häresie  der  Novatianer,  und  meint  schliesslich  (p.  307  —  8): 
die  Worte:  »Auch  am  Ende  sollen  sie  die  Communion  nicht  empfangen**  —  iq 
den  Canones  von  Elvira  und  c.  2  von  Surdika  —  seien  nur  zur  grössern 
Abschreckung,  und  um  mehr  Busseifer  zu  erwecken,  erlassen  worden. 


$.  4.     Sonstige  Thäügkeit  des  Hobius  auf  der  Synode.  201 

wein  Recht  hatte ^J^  so  müssen  wir  dagegen  das  grosse,  das  glänaende 
V'erdienst  hervorheben ,  welches  sich  Hosius  um  die  ganze  Earche  durdi 
üt  Dictining  der  Caaones  3 — 5  erwarb.  Der  Bischof  Hosius  sprach: 
yAocb  diess  ist  beicufügen  nothwendig,  dass  die  Bischöfe  aus  ihrer  Pro- 
iu  in  eine  andere  Provinz ,  in  welcher  sich  Bischöfe  befinden ,  nicht 
Uofibergehen,  ausser  sie  seien  von  ihren  Mitbrüdern  eingeladen,  damit 
■ir  nicht  die  Thüre  der  Liebe  zu  verschliessen  scheinen  (damit  wir  nicht 
lie  Oelegenheit  abzuschneiden  scheinen ,  einander  Liebesdienste  zu  er- 
veisen).  Wenn  in  irgendeiner  Provinz  ein  Bischof  gegen  einen  Bischof 
einen  Mitbruder  einen  Streit  hat,  so  solle  keiner  von  Beiden  einen  Bi- 
Gbof  ans  einer  andern  Provinz  als  Untersucher  (cognUarem)  herbeirufen. 

Wenn  ein  Bischof  in  irgendeiner  Sache  gerichtet  worden  ist,  und 
ar  glaubt,  er  sei  im  Rechte,  dass  in  dieser  Sache  die  Untersuchung 
imeuert  werde ,>  so  wollen  wir,  wenn  es  euch  gefällt,  das  Andenken 
Im  heiligen  Apostels  Petrus  ehren,  so  dass  von  Denen,  welche  die 
iadie  geprüft  haben,  an  den  römischen  Bischof  Julius  geschrieben  wer- 
len  möge,  und  wenn  or  entscheidet,  das  Gericht  sei  zu  wiederholen, 
io  zoll  es  erneuert  werden,  und  er  selbst  möge  die  Richter  bestimmen: 
veon  aber  die  Sache  keines  weitern  Gerichtes  bedarf,  so  soll  die  frühere 
Entacheidung  bestehen  bleiben.^ 

Durch  diesen  Canon  in  Verbindung  mit  den  beiden  folgenden  hat 
Beaiaa  der  Machtstellung  des  römischen  Primates  und  dadurch  derEnt- 
wiAInng  des  kirchlichen  Lebens  den  grössten  Dienst  und  Vorschub  ge- 
—  Der  Papst  erhält  die  leztinstanzliche  Entscheidung  in  allen 
n  gegen  die  Bischöfe.  Er  ist  der  oberste  Richter  des  christ- 
iidien  £rdkroises.  Er  sendet  auch  seine  L^aten  in  die  kirchlichen  Pro- 
Tmaen,  um  die  streitigen  Fragen^ zu  entscheiden,  und  bei  kirchlichen 
Gerichten  der  Bischöfe  und  über  Bischöfe  den  Vorsiz  zu  führen.  Wir 
kitten  wohl  ein  Recht,  am  27.  August  des  vorigen  Jahres,  dem  (1405) 
Todeztage  des  Hosius,  zu  sagen,  dass  er  das  Ansehen  des  römischen 
Stuhlez  im  Morgen  -  und  im  Abendlande  hob.  —  Li  Betreff  der  nähern 
Eridäning  unsers  Canons  aber  verweise  ich  auf  Hefele,  Conc  GescL, 
8.639—42^). 

—  Den  Canon  4  dictirto  Bischof  Ghiudentius  von  Naissus,  dass,  wenn 
ein  Bischof  durch  das  Gericht  der  benachbarten  Bischöfe  abgesezt  wor- 
den, und  er  noch  eine  Vertheidigung  in  Anspruch  nimmt,  so  solle  kein 
aoderer  Bischof  eingesezt  werden,  bis  der  Bischof  von  Rom  darüber 


*)  Ort!  will  das  Unbefugte  des  Beschlasses  nicht  zugeben,  darum  zieht  er  eine 
gpetochle  Erklärung  vor. 

*)  Siehe  auch  Herbst:  die  Synode  zu  Sardika  —  im  J.  344  oder  347,  in:  »Tüb. 
Quartaltchrift  v.  182&%  S.  1-45,  und  speziell  über  Canon  3  — 5  —  S.  20  — 33. 
—  Bei  Möhlcr,  Athanasius  der  Grosse  —  1827  —  findet  man  keine  Erörte- 
rungen (wie  ich  auch  nicht  finde,  dass  sich  Hefele  darauf  beruft). 


202  Sechstes  Bach.    Fanftes  Kapitel. 


f 


MtBchieden  bat    (Es  ist  die  Appellation  nach  dem  er8tinstuuslidie&  U^ 
theile  gemeint    Hefele,  543 — 46.)  a 

Canon  5.  Der  Bischof  Hosius  sprach:  „Es  wird  beecUossen,  daas  i 
—  wenn  ein  Bischof  angeklagt  ist,  und  die  Tersammelten  Bisclidfe  der  i 
Umgegend  (Provinz)  über  ihn  richten  und  ihn  absezen,  wenn  aber  der  k 
Abgesezte  appellirt,  wenn  er  zu  dem  Bischöfe  der  römischen  Sirdie  « 
seine  Zuflucht  nimmt  und  bei  ihm  Gehör  verlangt:  wenn  dieser  (der  i 
Papst)  es  für  recht  hält,  dass  der  Prozess  erneuert  werde ,  so  möge  er  > 
den  Bischöfen  j  die  in  der  benachbarten  und  angrenzenden  Provinz  siiid,  i 
zu  schreiben  sich  würdigen,  dass  sie  selbst  alles  genau  untersuchen,  und  !> 
nach  der  Wahrheit  entscheiden.  —  Wenn  der,  welcher  um  eine  wie-  i 
derholte  Untersuchung  seiner  Sache  bittet ,  durch  sein  Ansucheft  des  m 
römischen  Bischof  bestimmt,  dass  er  von  seiner  Seite  einen  Priest«  e 
sendet  9  so  wird  es  in  der  Hand  des  (römischen)  Bischofes  seyn,  im  & 
er  will  und  was  er  für  gut  findet;  und  wenn  er  Liegaten  sendet,  fie  t- 
im  Vereine  mit  den  Bischöfen  das  Gericht  bilden,  und  die  AuctoriOt  c 
dessen  besizen,  von  dem  sie  entsendet  sind,  wird  es  bei  ihm  stehen.^  a 
Wenn  er  aber  glaubt,  dass  die  Bischöfe  genügen,  den  Prozess  zu  enft-  « 
scheiden,  so  wird  er  thun,  was  er  in  seinem  weisesten  Ermessen  flir  \ 
gut  findet 

Siehe  da,  die  grosse  Ehrfurcht,  mit  welcher  der  greise  Hosius  von  im 
Nachfolger  Petri  redet  Diese  Ehrfurcht  und  zugleich  Dankbarkeit  wolite 
dem  Haupte  und  Vormanne  der  Earche  Spaniens  inne,  die  sieh  Om 
nahen  Verbindung  mit  der  römischen  Kirche,  und  den  Aposteln  Petm 
und  Paulus  stets  bewusst  war  ^9  ^^  ^u^^  nicht  anders  wusste,  als  dass 
sie  ihre  Liturgie  von  dem  Apostel  Petrus  empfangen.  —  Hefele  &ssk 
den  Inhalt  der  Canones  3 — 5  so  zusammen:  Ist  ein  Bischof  von  soiiieii 
(Tomprovinzialcn  abgesezt  worden,  glaubt  aber  eine  gerechte  Sadie  zu 
haben,  so  kann  er  nach  Rom  appelliren,  und  zwar  entweder  selbst  (e.  6) 
oder  durch  Vermittlung  seiner  Richter  erster  Instanz  (c.  3).  -^  Bom 
entscheidet  nun,  ob  der  Berufung  Raum  gegeben  werden  solle  oder 
nicht  In  diesem  Falle  best&tigt  es  das  erstinstanzliche  Urtheil,  im  an- 
dern beruft  es  ein  Gericht  zweiter  Instanz  (c.  3).  —  Zu  Richtern  zweiter 
Instanz  wählt  es  Bischöfe  aus  der  Nachbarschaft  der  betreffenden  Kirdien- 
provinz  (c  3  und  5).  Der  Papst  kann  aber  auch  seine  Legaten  diesem 
G^chte  beiordnen,  welche  dann  in  seinem  Namen  den  Vorsiz  fOhien 
[o.  5^)].  Wenn  ein  in  erster  Instanz  abgesezter  Bischof  nach  Rom  appelliit, 


>)  läd&r  n.  de  ecei  ojfit,  1,  15  (indirecter  Beweis). 

*)  Siehe  J.  Fcssler,  »der  canonische  Process  —  io  der  Toijastfnianisehen  Zeit") 
Wien,  1860,  S.  50- d3.  Der  Verfasser  verlegt  8.  50  die  Synode  von  Sardib 
noch  in  das  J.  347.  —  Fessler  giebt  keine  weitere  Erklarang;  da§^egen  eiae 
aosführliche  Herbst  a.  a.  O.  nnd  Hefele,  S.  546—555,  mit  Angabe  der  frühem 
l4tcratur. 


f.  4.     Sonstige  Th&tig)cdt  des  Hosius  «uf  der  Synode.  203 

darf  sein  Stuhl  nickt  besezt  werden,  bis  Rom  für  oder  gegen  ihn  — 
entschieden  hat  (c.  4). 

Canon  6.  Der  Bischof  Osius  sprach:  „Wenn  in  einer  Provinz,  wo 
fifther  Tiele  Biachöfc  waren,  nur  mehr  Einer  übrig  ist,  und  Dieser  will 
aas  NaehlXssigkeit  keinen  weitern  Bischof  (ordiniren),  und  das  Volk  hat 
flieh  TeFBammeh,  so  müssen  die  Bischöfe  der  Nachbarpro vina  sich  zur 
errt  mit  dem  einiig  Uebrigen  in*s  Benehmen  sesen,  und  ihm  zeigen, 
daaa  die  Oemcinden  mich  (geistlichen)  Leitern  verlangen,  und  es  sei 
billig,  daaa  auch  sie  kommen,  und  mit  ihm  einen  Bischof  ordiniren; 
wenn  er  aber  auf  die  empfangenen  Briefe  schweigt,  sich  verstellt  (als 
wttaate  er  von  allem  nichts),  und  [nichts  antwortet,  so  müsse  man  dem 
Verlangen  des  Volkes  entsprechen ,  die  Bischöfe  aus  der  Nachbarprovma 
mfiaaen  nonlich  kommen ,  und  einen  Bischof  ordiniren.  Die  griechische 
Fassung  giebt  einen  gana  andern  Sinn:  In  einer  Provinz,  wo  viele  Bi- 
schöfe aind,  versäumt  es  Einer,  bei  einer  Ordination  eines  erwählten 
Bischofea  sich  einzufinden.  Das  Volk  verlangt  aber,  man  solle  nicht 
auf  ihn  warten.  Dagegen  solle  der  AbwQsende  durch  den  Exarchen 
(Bischof j  der  Provinz  berufen  werden ;  man  solle  eine  Zeit  lang  auf  ihn 
warten;  komme  er  aber  nicht  und  gebe  er  keine  Antwort,  so  solle  dem 
Wonach  des  Volkes  willfahrt  werden.  —  Bei  der  Einsezung  eines  Me- 
tropoliten sollen  auch  die  Bischöfe  der  benachbarten  Provinz  eingeladen 
«erden.  Wieder  anders  liest  eine  alte  lateinische  Uebersezung  des  ur- 
ipfln^ichen  griechischen  Textes,  nach  welchem  es  sich  um  die  gleich- 
Wahl  und  Weihe  mehrerer  Bischöfe  handelte.  Diese  Ueber- 
repritoentirt  nach  Hefele  „den  ältesten  griechischen  Text,  wie  er 
««■ige  Jahre  nach  der  sardicensischen  Synode  gestaltet  war.  Diesen 
griechischen  Text  dürfen  wir  aber  darum  für  den  ächten  und  Ursprung» 
liehen  halten,  weil  er  auch  mit  dem  lateinischen  Originaltext  viel  eher 
in  Harmonie  zu  bringen  ist,  als  der  gegenwärtige  griechische^  (S.  561). 
—  Unaer  Canon  hat  noch  den  Zusaz: 

Ea  lat  nicht  zu  gestatten,  einen  Bischof  entweder  in  einem  Dorf, 
oder  in  einer  kleinen  Stadt,  der  ein  Priester  genügt,  zu  ordiniren,  weil 
dort  kein  Bischof  nothwendig  ist,  damit  nicht  der  Name  und  das  An- 
sehen dos  Episcopates  gcringgeschäzt  werde.  Die  aus  einer  andern  Pro- 
vinz Eingeladenen  dürfen  nur  in  den  Städten  einen  Bischof  aufstellen, 
welche  schon  Bischöfe  hatten,  oder  —  in  einer  solchen  und  derart  volk- 
reichen Stadt ,  welche  einen  Bischof  zu  haben  verdient.  Ob  dieses  allen 
gefällt?    Die  Sjnode  antwortete:  Ja. 

Von  der  ältesten  bis  auf  die  neueste  Zeit,  z.  B.  bei  der  Errichtung 
des  Bisthums  Erfurt  durch  Papst  Zacharias  auf  den  Vorschlag  des  hei- 
ligen Bonifacius  ^)^  bei  der  Errichtung  des  Bisthums  Rottenburg  u.  s.  w. 
berief  sich  Rom  auf  diesen  Canon.     Vielleicht  wurde  derselbe  ausser 


')  Seilers,  ßonifacios,  Apostel  der  Deutschen,  Mainz,  1845,  S.  304—5, 


204  Sechstes  Buch.    FOnftes  Kapitel. 

Acht  gelaflBeoy  als  vor  wenigen  Jahren  eine  ElirohenproTnus  Oregon 
dekretirt  yrurde,  die  wegen  Mangel  an  Bevölkerung  nieht  in*8  Leben 
treten  konnte  *).  Ein  BedürfnisB  dagegen  war  die  Dismembrimng  meh- 
rerer froherer  Bifltfaümer  in  Mexiko ,  die  Papst  Pias  JX,  im  Gonsistoriam 
vom  16.  März  1863  verkündigte  ^).  Diese  Vwordnung  von  Sardika  traf 
besonders  die  Kirche  von  Afrika,  in  welcher  das  Presbyterat  von  dem 
Episcopate  so  za  sagen  verschlungen  wurde,  zum  offenbaren  Schaden 
der  Kirche. 

Canon  7.  Der  Kschof  Hosius  sprach:  Unsere  ungestttmme  und  hin* 
fige  Zudringlichkeit  und  ungerechten  Bitten  haben  bewirkt,  dass  wir 
nicht  solche  Gunst  und  solches  Vertrauen  besizen,  da  einige  Bischdfo 
beständig  zum  kaiserlichen  Hoflager  gehen,  besonders  die  Afrikaner, 
welche,  wie  wir  hörten,  den  heilsamen  Rath  unsers  helligsten  Brüden 
und  Mitbischofes  Gratus  verachten  und  verschmähen,  so  dass  sie  vor 
das.Hoflager  nicht  bloss  viele  und  verschiedene  der  Kirche  keineswegs 
nüzliche  Anliegen  bringen,  nicht  damit,  wie  es  sejn  sollte ,  den  Armen, 
den-Wittwen  und  Waisen  geholfen  werde,  sondern  um  Einigen  welt- 
liche Aemter  und  Verwaltungen  zu  verschaffen.  Diese  Verkehrtheit  ve^ 
unsacht  Murren  und  Aergemiss.  Geziemend  ist  aber,  dass  die  Biseböfe 
für  diejenigen  sich  verwenden,  welche  ungerecht  unterdrückt  werden, 
oder  wenn  eine  Wittwe  bedrängt  oder  eine  Waise  beraubt  wird,  di 
diese  Dinge  eine  Fürbitte  rechtfertigen.  Wenn  es  Euch  nun  gefäU^ 
geliebteste 'Brüder,  so  beschliesset,  dass  sich  die  Bischöfe  nicht  su  den 
Hoflager  begeben  sollen,  ausser  etwa  die,  welche  durch  die  Briefe  des 
frommen  Kaisers  entweder  eingeladen  oder  berufen  werden.  Weil  es 
aber  oft  geschieht,  dass  die,  welche  Unrecht  erleiden,  zu  dem  Mitleiden 
der  Kirche  ihre  Zuflucht  nehmen,  oder  auch  die,  welche  "wegen  Ver- 
gehen verbannt  oder  auf  Inseln  deportirt  oder  sonstwie  verurtheilt' wer- 
den, so  ist  diesen  die  Hilfe  nicht  abzuschlagen,  sondern  ohne  Bedenken 
und  Zögern  —  für  sie  um  Verzeihung  zu  bitten.  Diess  also  beschliesset, 
wenn  ihr  einverstanden  seid.  Alle  sprachen:  Also  sei  es  und  werde 
fastgesezt 

Aus  obigem  Canon  glaube  ich  folgern  zu  dürfen,  das  Hosius  nie 
am  Hofe  Constantin^s  erschienen  ist,  ohne  schriftliche  Einladung,  weil 
man  ihm  sonst  hätte  entgegenhalten  können:  Arzt,  heile  dich  selbst! 
Die  afrikanischen  Bischöfe  hatten  durch  seine  eigene  Vermittlung  Unter- 
stüzung  für  ihre  Gemeinden  von  dem  Kaiser  erhalten^).  Bischof  Ghratus 
von  Carthago,  der  in  Sardika  war,  hat  vielleicht  ihm  gemachte  Vor- 


*)  Gams,  Kirchcng^eschichle  des  19.  Jahrb.,  3,  661  flg. 

')  K&InIsche  Bl&tter  v.  25.  März  1863.  —  Allokation  vom  16.  März.  —  Es  wnr. 
den  die  Binthümcr  Mcchoacan  und  Gaadalaxara  ErzbisthÜmcr,  and  sieben  neue 
Bistliümcr  errichtet  (vorher  waren  es  zehn  BIsthümer  sammt  dem  £rzb.  Mexiko). 

•)  8.  137- 


f.  4.    Sonstige  Thätigkeit  des  Hosins  «nf  der  Synode.  206 

rürfe  dadurch  abgelenkt,  dass  er  das  Vergebliche  seiner  Bemühungen 
errorhob.  Die  armen  und  geldgierigen  Afrikaner  aber  suchten  nach 
rie  Tor  —  Hilfe  in  Europa  /  und  waren  2u  allen  Zeiten  unwerthe  Gäste. 
-  Im  An&nge  des  fünften  Jahrhunderts  hatten  die  afrikanischen  Bischöfe 
»ne  Kenntniss  von  den  Beschlüssen  von  Sardika  ^).  Es  soll  nur  eine 
Termuthung  seyn,  dass  der  vorstehende  und  einige  andere  Canoncs  — 
liesee  Versehwinden  oder  Nichtwissen  erklärlich  machen  ^).  —  Das 
iebente  Concil  von  Toledo  ( J.  646)  schreibt  vor  j  dass  die  benachbarten 
iiachdfe  in  Toledo  erscheinen  sollen  „aus  Achtung  gegen  den  Fürsten, 
m  den  Siz  des  Königs  zu  ehren,  oder  zum  Tröste  des  Metropoliten, 
md  auf  die  Einladung  des  Leztern,  je  einen  Monat  im  Jahre' 
can.  6).    Aehnlioh  die  dreizehnte  Synode  von  683  —  c.  8. 

CSan.  8.  Osius  der  Bischof  sprach:  Auch  das  soll  euere  EJugheit 
loch  beschliessen,  dass,  nachdem  entschieden  wurde,  ein  Bischof  sei 
licht  zu  tadeln ,  wenn  er  in  oben  erwUhnten  Anliegen  zu  Hofe  gehe, 
T  (in  diesem  Falle)  auch  einen  bcsondcm  Diakon  an  den  Hbf  schicken 
olle.  Denn  die  Person  eines  Dieners  ist  nicht  gehässig  (invidiosa  non 
dj,  und  was  ihm  beschieden  worden,  kann  er  schneller  zurückbringen. 

Canon  9.  Hosius  der  Bischof  sprach :  Auch  diess  scheint  folgerecht 
a  seyn,  dass,  wenn  Bischöfe  aus  einer  Provinz  an  den  Metropoliten 
iure  Gesuche  senden,  dass  dieser  einen  Diakon  mit  Bitten  an  den  Kaiser 
hsende,  und  ihm  zugleich  Empfehlungsbriefe  an  diejenigen  Bischöfe 
dtgebe,  die  sich  eben  in  den  Gegenden  und  Städten  befinden,  wo  zur 
Seil  der  glückliche  und  selige  Augustus  den  Staat  regiert. 

Hat  der  Bischof  aber  Freunde  am  Hofe,  welcher  etwas  an  sich 
Jehickliches  zu  erlangen  wünscht,  so  ist  ihm  nicht  verwehrt,  durch 
einen  Diakon  sein  Ansuchen  denen  mittheilen  zu  lassen,  von  denen  er 
reiss,  dass  sie  in  seiner  Abwesenheit  für  ihn  eine  wohlwollende  Für- 
prache  einlegen  können. 

Die  nach  Rom  kommen,  sollen  —  wie  gesagt,  unserm  heiligsten 
Smder  und  Mitbischofe  der  römischen^ Kirche  die  Bitten  übergeben,  die 
ie  haben,  dass  er  sie  selbst  vorher  untersuche,  ob  sie  schicklich  und 
gerecht  sind,  und  er  soll  Fleiss  und  Sorge  tragen,  dass  sie  an  das  Hof* 
Bger  gelangen.  Alle  sprachen,  es  ge&lle  ihnen,  und  der  Bath  sei 
«säend.  —    (Ein  Zusaz  des  Bischofs  Aljpius  von  Megaris  folgt) 

Canon  10.  Der  Bischof  Hosius  sprach:  Ich  halte  auch  diess  für 
lotbwendig,  dass  ihr  sorgfältig  darüber  verhandelt,  dass,  wenn  ein 
leicher  oder  wenn  ein  Scholastikus  (ein  Gelehrter)  vom  Forum  oder 
tm  einer  Beamtenstelle  ab  Bischof  postulirt  wird,  er  nicht  ordinirt  werde. 


')  Die  sogenannte  pPrUca"  ist  nicht  afrikanischen  Ursprungs. 
*)  Aus  der  Synode  zu  Carthago  von  348  scheint  hervorzugehen,  dass  dort  Canon  5 
—  mit  Bekiehnng  auf  C.  18  und  15  von  Sardika  erlassen  wurde  —  Hefäe,  8.  61iy.' 


206  ßechates  Buch.     Panftes  Kapitel. 

wenn  er  nicht  vorher  das  Geschäft  eines  Lektor,  oder  das  Amt  eines 
Diakons  oder  Presbyters  verwaltet  bat,  und  so  soll  er,  wenn  er  würdig 
ist,  durch  die  einseinen  Stufen  zu  der  Höhe  des  Bistbumes  enqK>c8teigen. 
Durch  diese  Beförderungen,  die  lange  Zeit  in  Anspruch  nehmen  mussten, 
konnte  sein  Glaube,  seine  Bescheidenheit,  seine  Würde,  seine  Demutk 
geprüft  werden.  Wird  er  als  würdig  erfunden,  so  möge  er  mit  dem 
göttlichen  Priesterthume  geschmückt  werden ,  denn  es  schickt  sich  nidri;, 
noob  ist  es  mit  der  Einsicht  oder  Zucht  verträglich,  dass  ein  Bisdio^ 
Presbyter  oder  Diakon,  welcher  Neophyt  ist,  verwegen  oder  leichtaimug 
ordinirt  werde,  da  dieses  der  Völkerlehrer  Paulus  verboten  hat  (1.  Tim. 
3,6);  sondern  die,  deren  Leben  lange  Zeit  geprüft,  deren  Verdiensle 
anerkannt  worden  sind.    Alle  sprachen  ihre  Beistimmong  auB. 

Canon  11.  Der  Bischof  Hosius  sprach:  Auch  diess  müsst  ihr  fest- 
sesen,  dass  —  wenn  ein  Bischof  aus  einer  Stadt  in  eine  andere ,  oder 
aus  seiner  Provinz  in  eine  andere  geht,  und  mehr  der  Ehrsucht,  als 
der  Frönmiigkeit  dienend  in  einer  fremden  Stadt  lange  wohpen  will; 
es  ist  aber  der  Bischof  dieser  Stadt  nicht  so  unterrichtet  und  geldirt, 
so  soll  der  Ankömmling  ihn  nicht  zurücksezen,  und  nicht  häufig  pre- 
digen, um  ihn  zu  Schanden  und  verächtlich  zu  machen,  so  dass  er  durch 
solchen  Anlass  sich  den  Weg  bahnen  will,  die  ihm  zugewiesene  Kirche 
zu  verlassen,  und  zu  einer  andern  überzugehen.  Bestimmet  also  dne 
Zeit,  denn  einen  Bischof  nicht  aufzunehmen  ist  inhuman,  und  wenn  sr 
zu  lange  bleibt,  ist  es  vom  Uebel.  Ich  erinnere  mich  aber,  dass  unsen 
Brüder  (unsere  Väter)  in  einem  frühem  Concil  beschlossen  haben,  düs 
wenn  ein  Laie  in  der  Stadt,  wo  er  wohnt,  drei  Sonntage,  d.  L  drei 
Wochen  die  Kirchen  nicht  besucht,  er  von  der  Communion  ausgeschlossen 
werde.  Wenn  also  diess  —  in  Betreff  der  Laien  bestimmt  ist,  so  soll 
und  darf  auch  kein  Bischof,  wenn  es  keine  Noth wendigkeit  ist,  längere 
Zeit  von  seiner  Kirche  abwesend  seyn.  Alle  sprachen:  Ja  (s.  oben 
Synode  von  Elvira  c.  21). 

Canon  12.  Der  Bischof  Hosius  sprach:  Weil  nichts  übersehen  we^ 
den  darf,  giebt  es  einige  Brüder  unsere  Mitbischöfe,  welche  nicht  ia 
der  Stadt  wohnen,  für  die  sie  als  Bischöfe  eingesezt  sind,  entweder 
weil  sie  dort  wenige  Gilter,  anderswo  aber  genügende  Besizungen  haben, 
oder  auch  aus  Anhänglichkeit  an  ihre  Angehörigen,  denen  sie  zu  Willen 
sind;  diesen  kann  insoweit  nachgegeben  werden,  dass  sie  zu  ihren  Be» 
aizungen  gehen,  und  die  Frucht  ihrer  Arbeit  anordnen  oder  darüber 
▼erfügen,  dass  sie  drei  Sonntage,  d.  i.  drei  Wochen  —  wenn  ein  lln* 
gerer  Aufenthalt  nothwendig  ist,  auf  ihren  eigenen  Gründen  verweilen, 
oder  wenn  eine  Stadt  ganz  nahe  ist,  wo  sich  ein  PreBbyter  -befindet, 
soll  er  (der  Bischof),  damit  er  den  Sonntag  nicht  ohne  Kirche  zuzu- 
bringen scheine,  dorthin  gehen,  damit  weder  seine  häuslichen  Angele- 
genheiten durch  seine  Abwesenheit  Schaden  leiden,  und  er  —  dadurch, 
daw  er  nicht  häufig  in  die  Stadt,  wo  ein  Bischof  wohnt,  kommt,  dem 


g.  4.     Sons^ge  Thäügkeit  de%  Hosiut  auf  der  Synode.  207 

)rwQrf  der  Eitelkeit  und  dea  Ehrgeisea  entfliehe  (ist  eine  Beschi^Ln- 
Qg  des  Gan.  11). 

Can.  13.  Der  Bischof  Hosius  sprach:  Auch  dieses  möge  allen  gefallen, 
m  —  wenn  ein  Diakon,  Presbyter,  oder  sonst  ein  Cleriker  von  seinem 
idiofe  ausgeschlossen  ist,  uid  er  zu  einem  andern  Bischöfe  gehet, 
■m  dieaer  weiss,  dass  er  von  seinem  Bisthume  abgesest  worden,  so 
1  er  ihm  die  Communion  nicht  bewilligen.  Wenn  er  es  thut,  soll  er 
Men,  dass  er  vor  der  Versammlung  der  Bischöfe  Rechenschaft  geben 
rd.  Alle  sprachen:  Diese  Bestimmung  wird  den  Frieden  bewahren^ 
d  die  Eintncht  sehtLsen.  —  [Hefele  weist  auf  Canon  5  von  Nicäa, 
d  6  von  Antiochien  —  341.  Noch  näher  liegt  es,  auf  Canon  63  von 
vira  sa  verweisen;  dort  heisst  es  von  .dem  fremden  Bischöfe,  der 
len  AusgeMhloasenen  aufiiimmt:  $eiat  $e  ht^umnodi  cau»m  inier  fraireB 
B  cum  9kU»it'9ui  peneulo  praetUOurum;  hier  heisst  es:  $eiat  $c  eonvin 
(ü  epueapi»  eauHu  eise  dictumml. 

Canon  14.  Der  Bischof  Hosius  sprach:  Was  mich  noch  drängt,  darf 
i  nicht  verschweigen.  Wenn  etwa  ein  aomiger  Bischof  (was  nicht 
m  soll)  schnell  und  hart  gogen  seinen  Presbyter  oder  Diakon  ver- 
irl  und  ihn  aus  der  Kirche  Verstössen  will,  so  ist  Vorsorge  isu  treffen, 
m  nicht  ein  Unschuldiger  verdammt  werde  oder  die  Gemeinschaft  ver- 
re.  Darum  soU  der  Abgesezte  die  benachbarten  Bischöfe  ansprechen 
r&n,  seine  Sache  soll  gehört  und  sorgfältig  untersucht  werden,  denn 
n  Bitlenden  darf  das  Gehör  nicht  verweigert  werden.  Jener  Bischof 
Adher  mit  Recht  oder  Unrecht  ihn  ausgeschlossen,  soll  es  in  Geduld 
tn^ecn ,  dass  die  Sache  untersucht ,  und  sein  Spruch  von  Vielen  ent> 
sder  bestätigt  oder  verbessert  werde.  Bevor  jedoch  alles  genau  und 
cgaam  untersucht  ist,  darf  den  Ausgeschlossenen  kein  Anderer  in  die 
smeanschaft  auftiehmen  (griechisch:  der  Ausgeschlossene  darf  die  Ge- 
anschaft  für  sich  nicht  verlangen).  Wenn  aber  einige  zusammenge- 
ieme  Cleriker  Uebermuth  und  Prahlerei  an  ihm  gewahren,  da  es  nicht 
Bsend  ist,  ungerechten  Uebermuth  und  Tadel  zu  ertragen,  so  müssen 
1  einen  solchen  mit  scharfen  und  schlagenden  Worten  anlassen,  damit 
in  den  geziemenden  Befehlen  des  Bischofs  gehoi*che.  Denn,  wie  der 
sehof  seinen  Untei^benen  eine  aufrichtige  Liebe  und  Zuneigung  er- 
sisen  soll,  so  sollen  auch  die  Untergebenen  gegen  ihre  Bischöfe  die 
licht  ihres  Dienstes  aufrichtig  erfüllen. 

Darauf  folgt  als  Zusaz  Can.  18  der  Lateiner:  j,Bischof  Januarius 
on  Benevent)  qprach,''  der  im  Griechischen  fehlt 

Can.  15.  Bischof  Hosius  sprach:  Auch  diess  wollen  wir  alle  fest- 
len,  dass  —  wer  aus  einem  andern  Sprengel  einen  fremden  Kirchen- 
soer  ohne  Zustimmung  des  eigenen  Bischofb  und  ohne  seinen  Willen 
diniren  will,  dessen  Ordination  soll  ungiltig  seyn.  Wer  sich  dessen 
er  unter&Dgen  hat,  der  soll  von  unsem  Brüdern  den  Mitbischöfen 
oaahnt  and  zureehtgewiesen  werden. 


208  Seolutes  Buch.    Panftes  Kapitel. 

Den  Canon  16  sprach  Bischof  A^tins  von  Thessalonich;  Canon  t7 
Olympius  von  Aö'nus  in  Thracien.  Den  Canon  18 ,  der  in  dem  lateini- 
schen Texte  fehlt  y  sprach  Bischof  Qaudentius.  Derselbe  Gaudenti« 
sprach  den  Canon  20;  diese  vier  Canones  werden  hier  übcrgai^^en,  -mä 
sie  nicht  Hosius  verkündet  hat  Der  Canon  19 ,  den  Hoeius  sprach, 
fehlt  im  Lateinischen:  „Es  ist  die  Ansicht  meiner  Wenigkeit ,  da  irir 
rahig  und  geduldig  seyn,  und  stets  Mitleid  gegen  alle  haben  müsseD, 
man  solle  s^^ar  die,  welche  von  einigen  unserer  Brüder  einmal  in  im 
Olerus  aufgenommen  sind ,  -wenn  sie  zu  den  Kirchen ,  für  welche  A 
eingesezt  wurden,  nicht  zurückkehren  wollen,  hinfort  nidit  mehr  mat 
nehmen.  Eutychian  aber  soll  sich  nicht  den  bischöflichen  Namen  ai- 
massen,  und  MusXus  soll  nicht  als  Bischof  betrachtet  werden.  Veriämga 
sie  aber  die  Laienconmiunion,  so  solle  sie  ihnen  nicht  verweigert  werden 
Alle  sprachen:  So  ist  es  gut^  —  Die  erwähnten  Beiden  waren  FA^ 
tendenten- Bischöfe  von  Thessalonich  gewesen.  Es  erklärt  sich  auch  im 
Wegbleiben  der  Canones  18  und  19  aus  dem  lateinischen  Texte  dams, 
dass  dieselben  nur  eine  örtliche  Bedeutung  hatten  *)• 

Schliesslich  hat  der  lateinische  Text  noch  einen  Canon  12  d.  L; 
Der  Bischof  Hosius  sprach :  ,,£s  ist  aber  auch  eine  Bestimmung  nbA> 
wendig,  geliebteste  Brüder,  damit  nicht  etwa  einige,  unwissend  darülMr, 
was  in  der  Synode  beschlossen  worden  (über  die  Reisen  an  das  Htf 
lager)  plözlioh  in  die  Städte  kommen ,  die  an  der  Ueerstrasse  *)  liegiL 
Es  muss  also  der  Bischof  einer  solchen  Stadt  ihn  (den  zu  Hofe  reitCfr 
den  Bischof)  mahnen  und  unterrichten,  dass  er  von  dieser  Stelle  üb 
seinen  Diakon  weiter  sende;  auf  die  Ermahnung  aber  kehre  er  selbst 
in  seinen  Sprengel  zurück.^  Dieser  Canon  gehört  offenbar,  wie  Ganob  20 
des  griechischen  und  lateinischen  Textes  —  zu  Canon  8. 

Im  J.  1852  hat  F.  Larsow  in  Berlin  ^die  Festbriefe  des  heiligen 
Athanasius,  Bischofs  von  Alexandrien  —  aus  dem  Syrischen  überseik 
und  durch  Anmerk.  erläutert''  zum  erstenmale  herausgegeben  ').   Darnach 


«)  Hefele,  S.  579-80;  Herbst,  8.34. 

*)  I»  canali  —  if  JfayajUia  —  cf,  Uucange  ylo^sar,  ».  tl  inf.  kU,  s,  v.  CanaUs  •■  vk 
publica,  —  Hier  wird  iinsor  Canon  —  12  citirt,  und  auf  eine  Stelle  des 
Athanas.  t^L  contra  Arianos,  cap.  50  hing^cwiesen,  wo  die  Unterschriften  der 
Bischöfe  von  Sardika  angeführt  werden.  Hier  heisst  aber:  In  Canali  ItaBat, 
nicht  wie  Dncang^e  n.  s.  Fortsezor  meinen,  die  Bischöfe,  die  auf  den  Strassen 
Italiens  hiehergekommen,  sondern  die  Bischöfe  —  an  der  Heerstrasse  Ilaliens. 
Gonstant  Porphyr,  «eis  admin.  regno*'  cap.  34  sagt,  eine  Gegend  fn  Dalmitieo 
habe  Canali»  gcheissen.  —  Cf,  Ed.  Brmckmeier  ghstar,  diphm.  —  1853  —  vor 
allem  aber  Codex  Th^odoiianus  ed.  Gothofredm  -  Dan,  BiUtmu  im  Ghuarim 
nomicwm  und  im  Commentar  zu  lex  2  de  curiosis  —  Über  6,  tüiäue  29,  lex  2  und  L8 
—  (ä.  5|  /.  15  de  cureu  pubUco, 

")  Er  ist  ohne  Zweifel  ProtcslanU  Um  so  wohlthnender  sind  die  Worte  in  sefncr 
Vorrede  —  B.  VI.     »Wie  würde  sich  dser  geistreiche  Mdhler,  der  durch  seist 


f.  4    Sonttige  Th&tigkeit  des  Hotius  auf  der  Synode.  209 

d  Tmch  andern  Daten  fällt  die  Synode  von  Sardika  in  das  J.  343  oder 
ly  da  Athanasins  drei.  Jahre  nachher  wieder  in  Alexandrien  war. 
Me  hat,  F^Laisow  berichtigend ,  der  die  Synode  in  das  J.  343,  nicht 
4  Terlegt^  nachgewiesen  y  dass  die  Synode  vom  Spätjahre  343  bis  Früh- 
ir  344  dauerte^).  So  kann  man  dieselbe  sowohl  in  das  J.  343  als 
4  Terl^eiL 

Aus  den  eben  erwähnten  Festbriefen  des  heiligen  Athanasins  er- 
iran  ^ir  ferner  (zum  erstenmale),  dass  „in  Sardika  in  Betreff  des 
terfestes  üebereinstimmang  stattfand.  Man  bestimmte  einen  Abschnitt 
a  fünCdg  Jahren ,  nach  welchem  die  Römer  und  Alexandriner  überall 
B  Ostartag  nach  dem  Brauche  anzeigten''  ^). 

Vau  der  Synode  in  Sardika  besizen  wir  noch  mehrere  Aktenstücke; 
mal  ein  Cürcularschreiben  an  alle  Bischöfe,  der  Christenheit ^  das  von 
hanaaiiis  griechisch  (apoL  eont.  Ärianas  c«  44^*5 1),  in  dem  sogenannten 
Hi  HMorieum  des  Hilarins  lateinisch  mitgetheilt  ist  Die  Zahl  der 
tenchrifien  ist  aber  bei  diesem  Schreiben  viel  grösser,  als  bei  den 
den  folgenden;  und  die. Unterschriften  sind  nach  den  einzelnen  Län- 
n  geordnet  Es  smd  285  (282)  Namen ,  darunter  79  Bischöfe  in  Sar- 
ai; die  übrigen  haben  die  ihnen  zugesandte  Encyclica  zum  Zeichen 
r  Uebereinstimmung  unterschrieben  ^  nemlich  34  gallische  Bischöfe, 
Afirikaner,  darunter  Gratus,  nicht  weniger  als  94  Aegyptier,  deren 
■plliche  Unterschriften  wohl  Athanasins  erlangt,  15  Italiener  „am 
^j  12  Cyprier,  15  von  Palästina.  —  E^  giengen  also,  yer- 
wir,  drei  Boten  ab,  die  Unterschriften  einzuholen,  eineac  über 
jpam  und  Palästina  nach  Aegypten,  oder  umgekehrt,  einer  nach  Afrika, 
iMr  nach  Gallien,  der  die  Unterschriften  der  Italiener  „amHeerwege^ 
iCnahm  (oder  es  wurden  dem  Athanasius  die  Unterschriften  von  Gallien 
id  Afrika  zugesendet).  —  Die  grosse  Zalil  der  ägyptischen  Bischöfe 
t  eine  indirecte  Rechtfertigung  des  Pati'iarchen  Cyrill  von  Alexandrien, 
er  im  J.  431  mit  etwa  50  Bischöfen  nach  Ephesus  kam,  und  beschuldigt 
urde,  das  Land  hirtenlos  zurückgelassen  zu  haben.  AUein  es  blieben 
och  noch  50  weitere  Bischöfe  zurück,  mehr  als  genug  für  ein  ver- 
leichsweise  so  kleines  Land  ^). 

Ein  zweites  Sendschreiben' war  an  die  Alexandriner,  ein  drittes  an 


bekannte  Schrift  ),AthanasiU8  der  Grosse  und  die  Kirche  seiner  Zeit,  besonders 
im  Kampfe  mit  dem  Arianismus^,  der  Kirche  nie  hoch  genug  zu  schäzende 
Dienste  geleistet  hat,  gefreuet  haben,  hätte  er  die  Auffindung  der  Festbriefe 
erlebt*  Das  ist  einmal  edel  gesprochen.  Ganz  anders  der  Pastor  Voigt  in 
Hamburg,  dessen  Schrift:  »Die  Lehre  des  Athanasius  von  Alexandrien  über 
den  Logos,**  eigentlich  in  eine  Polemik  gegen  Möhler  ausläuft. 

«)  8.  515—516;  v.  Larsow  —  S.  31. 

«)  Lanow,  S.  31;  141  -  das  Nähere  bei  Hcfole,  S.  316  flg.;  583  flg. 

•)  Hefele,  C.  G.  2,  165.  —  «Er  erschien  mit  50  Bischöfen,  etwa  der  Hälfte 
seiner  Saffraganen.** 

Oams,  Span.  Kirche.    U.  14 


210      Sechstes  Bach.    Ftlnftes  Kapitel.     $.  4    Sonstige  Th&tigkdt  etc. 

den  Papst  Juliiui  gerichtet  Ein  viertes  an  den  Ejdser  Constantins  ge- 
richtetes ist  nicht  erhalten.  In  dem  Briefe  an  den  Papst  werden  die 
berüchtigten  Arianer  Valens  und  Ursados  ^gottlose  und  unTemünftige 
Jünglinge^  {adoleaemtuU,  d.  i.  wohl  erwachsene  Buben)  genannt.  Der 
Papst  wird  ersucht ;.  die  Verhandlungen  den  Bischöfen  von  Italien,  Biet- 
lien  und  Sardinien  mitzutheilen  ^).  Drei  andere  Urkunden  sind  tod 
zweifelhafter  Aechtheit 

Die  Eusebianer  erliessen  ron  Philippopolis ,  östlich  von  Sardika  ')  ge- 
legen^ wo  sie  sich  zu  einem  Afterconcil  zusanmiengethan  hatten^  gleidi- 
ialls  eine  sehr  ausfUhrliche  Encyclica,  die  in  dem  „Optu  Hittoriam' 
(des  Hilarius)  die  Ueberschrift  trägt:  Es  fängt  das  Dekret  der  oriaüi> 
lischen  Bischöfe  in  Bardika  von  Seite  d^  Arianer  an,  weldies  sie  luA 
Afirika  sendeten.  — <  Aus  diesem  Anlasse  klagt  Möhler  über  j^die  Saum- 
seligkeit der  katholischen  Bischöfe  ^  ihre  Beschlüsse  nicht  mitzutheSeö, 
die  «ich  auf  ihre  gute  Sache  verlassend  meinten,  es  werde  sich  alla 
von  selbst  geben'^^).  Diese  Klage,  sehr  oft  gerecht  g^^n  die  Vc^  il 
fechter  der  guten  Sache,  scheint  uns  hier  nicht  gegründet  zu  seyn,  w^u 
man  nicht  etwa  den  grossem  Umfang  des  Schreibens  der  Eusebiiner 
betonen  wilL  Das  Schreiben  hat  73  Unterschriften ,  während  sie  voAet 
behauptet,  sie  seien  80  versammelte  Bischöfe  (uro.  16).  -^  Dm 
Sendschreiben  wimmdt  von  den  unverschämtesten  Lügen.  Der  groM 
Lügner  Valens  von  Mursa,  der  zulezt  unterschrieben  hat,  mag  im 
Schreiben  auch  redigirt  haben.  —  Er  war  es  auch,  der  am  28.  8i|i 
351  nach  dem  Siege  des  Constantius  bei  Mursa  über  Magnentias  te  , 
Kaiser  die  erste  Nachricht  des  Sieges  gab,  behauptend,  ein  Engel  ißk  . 
ihm  die  Kunde  gebracht,  worauf  Constantius  standhaft  an  ihn  glaubliL 


')  Das  Fehlen  der  Namen  der  (meisten)  italienischen  3ischöfc  in  densi  ersten  Sedt  ^ 

schreiben  dürfte  darin  seinen  Grund  haben,  dass  Papst  Julius  die  Unterscbriiki  !> 

nicht  sammelte  oder  nicht  einsendete;  das  Fehlen  der  spanischeh  Bischöfe  dürfte  i-j 
die  weite  Entfernung  —   und  die  Vertretung  sänimtlicher  Bischöfe   durch  ihre 
sechs  Metropoliten  erklären. 

•)  Ueber  Sardika  —  und  seine  Suffraganatc  cf.  lUyricuin  sncrum,  VenetÜM  17$t^^lBi9  ^ 

U  Dan,  Farlaü  —  t.  8.  Fol,    ~    Den  8.  Bd.  edirte  Jac.  Coleti  1819.     Derselbe  • 

enthält  u.  a.  die  Metropolen  —    Scupi  und  Sardika  (Scopia  od.  Uskub).    Dietf  ^ 

zur  Ergänzung  der  Anmerkung  S.  48—49  über  Scupi.  \ 

*)  Athanasins  der  Grosse,  Bd.  2,  S.  74.  \^ 


ü 


Sechstes  Kapitel. 

ImIis  von  der  Synode  von  Sardlka  bis  zh  seiner  Verbannung 

naeh  Sirminm,  344—350. 


§.  1.    Die  Rückkehr  des  Hosius  nacli  Spanien 


Zweifel.-    Ein  indirecter  Beweis  für  sie  li^  in  deim 
folgenden  Briefe  des  Hosius^  dass  er  —   auf  daa  Verfangen  der 
den  Ajthanasius  Ton  Sardika  mit  sich  nach  Spanien  genommen 
^würde.     Athanasius  begab  sich  von  Sardika  nach  Naissus,   ohne 
Zwabi  zu  dem  Bischöfe  Graudentius.     Naissus   lag  nordwestlich   yon 
StfdikAy   in  der  Richtung  gegen  Sirmium.     Auf  dieser  Strasse  musste 
maA  Hofiius  zurückkehren.     Athanasius  feierte  hier  Ostern  des  J.  344. 
Qrteni  des  J.  345  feierte  er  zu  Aquileja,  wohin  er  durch  einen  ihm  zu 
VaiBSoa  übergebenen  Brief  des  Kaisers  Constans  eingeladen  worden.    In 
Aqnileja  erhielt  er  den  ersten  Brief  des  Kaisers  Constantius.     Hier  war 
es  «ach,  wo  er  mit  Bischof  Fortunatian,  der  später  eine  traurige  Rolle 
ipielte,    den  Kaiser  Constans  besuchte.     Die  Worte  des  Athanasius  an 
Constantius  lauten:   „Nie  sah  ich  deinen  Bruder  (Constans)  allein:   nie 
hat  er  mich  allein  angeredet:  sondern  stets  in  Begleitung  des  Bischofis 
der  Stadt y  in  der  ich  eben  war,  und  mit  andern,   die  eben  dort  anwe- 
send waren,  bin  ich  zu  ihm  gegangen.    In  ihrer  Begleitung  bin  ich  ge- 
kommen, und  wieder  hinweggegangen.     Hievon  kann  Zeugniss  geben 
der  Bischof  Fortunatian  von  Aquileja;  aber  auch  der  Vater  Hosius  ist 
im  Stande,  es  zu  sagen''  u.  s.  w.     Sollte  hier  eine  Art  von  Ideenasso- 
cistion  durchscheinen,  so  Hesse  sich  die  Vermuthung  aussprechen,  dass 
Hosius  und  Athanasius  mit  einander  nach  Naissus  reisten,  und  dort  bei 
dem  Bisehofe  Gaudentius  weilten,  dass  sie  dann  mit  einander  über  Sir- 
mium,  den  künftigen  Verbanniihgsort  des  Hosius,   wohin  die  Strassen 

14* 


212  Sechstes  Buch.     Sechstes  Kapitel. 

nach  Gallien  und  nach  Italien  führten,  nach  Aquileja  reisten  und  mit 
einander  den  dort  anwesenden  Constans  besuchten.  Aäumasins  b^ab 
sich  später  noch  nach  Gallien ,  und  erst  von  hier  aus  kehrte  er  in  den 
Orient  zurüd:. 

Von  da  an  viele  Jahre  liegt  die  Geschichte  des  Hosios  und  der 
Kirche  von  Spanien  wieder  in  tiefem  Dunkel  begraben.  —  Spanisdie 
Gelehrte  suchten  einiges  Licht  und  Leben  in  das  Dunkel  zu  bringen, 
indem  sie  in  den  J.  350  oder  354  den  Hosius  eine  oder  mehrere  Syno- 
den halten  lassen ,  zur  Durchführung  der  Beschlüsse  von  Sardika,  und 
der  zu  Antiochien  befohlenen  Metropolitaneintheilung.  —  Ich  sehe  mcH 
welche  Gründe  man  für  solche  Synoden  anzugeben  weiss.  —  Wir  haboi 
gezeigt,  das»  die  neue  kirchliche  Eintheilung  schon  in  Sardika  fiiktM 
durchgeführt  war.  —  Da  ferner  die  Sammlung  der  spanischen  Cco- 
cilien  von  einer  Synode  um  das-J.  350  nichts  weisd,  und  andere  Zeu^ 
nisse  fehlen ,  so  müssen  wir  uns  bescheiden ^  davon  nichts  zu  wissen*). 

9 

.  '■  •>       I  • 

§.  2.    Brief  des  Papstes  Liberius  an  Hosius  vom  J.  353  — 54. 

Der  Kaiser  Constans  —  war  im  J.  350  im  Kampfe  gegen  Magnfen- 
tius  gefallen ;  Magnentius  wurde  bei  Mursa  (Esseck)  28.  Sepl  351  ge- 
schlagen; und  tödtete  sich,  nach  einer  zweiten  Niederlage,  selbst  -^ 
10.  Aug.  353.  —  Jßzt  war  Constantius  Alleinherrsdier,  und  sein  Ehil|^ 
bemühen  war  es  von  nun  an,  dem  Arianismus  im  Morgen-  und  m 
Abendlande  den  Sieg  zu  verschaffen.  — •  Seit  dem  22.  Mai  352  mr 
Liberius  Papst.  —  Der  in  dem  „Opus  higtorieum^  ihm  zugesehriebeM 
Absagebrief  an  Athanasius,  der  in  die  J.  352 — 53  fallen  müsste,  und 
anfängt  ^ßtudens  paei^^  —  wird  von  allen  Seiten  als  unächt  bezeidmot 
und  anerkannt,  weil  er  der  ganzen  Geschichte  zuwiderläuft,  und  sein 
Inhalt  durch  keine  Thatsachen  verbürgt^)  wird.  Ohnedem  sezten  die 
Arianer  fingirte  Briefe  in  Umlauf,  mit  einer  Unverschämtheit,  die  Staunen 
erregt  ^). 

Constantius  wohnte  vom  Oktober  353  bis  Frühjahr  354  zu  Arles 
in  Gallien.  Dahin  schickte  Liberius  eine  Gesandtschaft  mit  der  Bitte, 
Constantius  möge  ein  Concil  zu  Aquileja  veranstalten.  Vincentius,  Bi- 
schof von  Capua,  imd  Marcellus ,  gleichfalls  Bischof  in  Oampanien,  waren 
die  Gesandten.  Der  Kaiser  —  statt  auf  die  gewünschte  Synode  von 
Aquileja  einzugehen,  liess  in  seiner  Gegenwart  eine  solche  in  Arles 
halten,  und  den  dort  Versammelten  ein  Dekret  gegen  Athanasius  vorlegen. 


>)  Hefele  erw&hnt  der  Sache  nicht;  die  Spanier  stüzen  sich  a.  a.  anf  eine  1ral»^ 
ttimmte  Angabe  des  UbelUu  Synodicus  der  Griechen,  —  cf.' Aguirre,  t  2,  16  (der 
ersten  Ausg.). 

*)  Hefele,  626  flg.  —    T.  Quartalschrift  v.  1853,  8.  263  flg« 

*)  Op.  hitU  2,  3.  —    Äthan,  ap.  ad  Constantiwn,  c.  6;  11;  19. 


3.    Synode  von  Mailand.    Verbannung  des  Liberias.    Beginnende  etc.     213 

iB  nnd  UrsaciüB  waren  die  Häupter  der  Arianer.  Sie  drangen  durch, 
td  die  päpstlichen  Legaten,  den  Drohungen  weichend,  untersdürieben 
''erdammung  des  Athanasius. 

Jeber  den  Fall  des  Vincentius  von  Capua,  der  sich  später  wieder 
,    auf  das  tiefste  betrübt,   schrieb  Papst  Liberius   an  Osius   yon 
iba: 

.Inzwischen  kamen,  da  ich  dir  nichts  verschweigen  darf,  viele  Bi- 
)  ans  Italien  zusammen,  welche  mit  mir  den  frommen  Kaiser  Con- 
us gebeten  hatten,  dass  er,  wie  er  längst  schon  zugesagt  hatte,  ein 
11  in  Aquileja  zusammentreten  lassen  möge.  Ich  thei^e  deiner  Hei- 
t  mit,  das9  Vincentius  von  Capua,  zugleich  mit  dem  gleichfalls 
mischen  Bischöfe  Marcellus  unsere  Gesandtschaft  übernahm:  denn 
ftreff  seiner  (des  Vincentius)  hatte  ich  starke  Hofinung,  weil  er  die 
legenheit  selbst  vollkommen  inne  hatte,  und  weil  er  als  Bichter  in 
Iben  Sache  häufig  mit  deiner  Heiligkeit  gesessen  war;  —  so  hatte 
eglaubt,  dass  durch  seine  Legation  das  Evangelium  Gottes  unver- 
bewahrt  werden  könne.  Aber  —  er  erreichte  nicht  nur  nichts, 
m  er  Hess  sich  selbst  zu  jener  Heuchelei  verleiten.  Nach  seiner 
—  bin  ich,  vom  doppelten  Kummer  gebeugt  (wegen  des  Falles 
ji,  und  weil  der  Legat  des  Firstes  gefallen  war)  —  umsomehr 
ilossen,  für  Gott  zu  sterben:  ne  viderer  novistimia  ddatar,  oder 
es  nicht  scheine,  dass  ich  den  Beschlüssen  gegen  das  Evangelium 
tn  Beifall  gebe.'' 

[an  sieht,  dass  wir  einen  Auszug  aus  dem  Briefe  des  Liberius  vor 
aben,  den  wir  zuerst  dem  sogenannten  opus  historicum  verdanken, 
sieht  nicht,  ob  es  eine  Antwort  auf  einen  Brief  des  Hosius  war.  — 
8  stand  mit  allen  katholischen  Bischöfen  in  beständigem  brieflichen 
shr,  und  so  ist  es  nicht  unwahrscheinlich*,  dass  die  Mittheilung  des 
liehen  Schreibens  von  ihm  ausgieng. 


L     Die  Synode  von  Mailand.     Verbannung  des  Liberius. 
Beginnende  Verfolgung  des  Hosius. 

^un  gieug  Lucifer  von  Cagliari,  mit  dem  Priester  Pancratius  und 
Diakon  Hilarius  zu  dem  Kaiser,  mit  einem  würdigen  imd  frei- 
igen Briefe  des  Papstes.  Eusebius  von  Vercelli  begleitete  auf  den 
3ch  des  Papstes  den  Lucifer.  Li  Folge  dess  berief  der  Kaiser  nach 
nd  eine  neue  Synode ,  wo  er  eben  weilte.  Mehr  als  300  Abend- 
r  erschienen.  Sie  kamen,  wurden  angesehen,  bedroht  und  besiegt. 
[rei  Bischöfe  Lucifer,  Eusebius,  und  Dionys  von  Mailand  wurden 
a  Orient  verbannt. 

>)nstantius  schickte  den  Eunuchen  Eusebius  nach  Rom,  um  den 
zum  Abfalle  zu  bewegen.    Ohne  Erfolg.    Nun  musste  der  Präfekt 


214  Sechstes  Bach.    Sechste«  KapiteL 

von  Born  den  Papst  an  den  Hof  senden.  Er  blieb  standhaft  i  und  redete 
mit  apostolischer  Kraft  ^).  Sofort  wurde  er  —  Ende  des  J.  355  oder 
Anfangs  356  nach  Beröa  in  Thracien  verwiesen.  Felix  wurde  Gtegea- 
papst  Auf  dem  Wege  suchte  Bischof  Fortunatian  von  Aqiiileja  den 
Papst,  der  sich  in  ihm  getäuscht  hatte ,  wankend  su  machen^). 

Um  dieselbe  Zeit  liess,  auf  die  Vorstellungen  der  Arianer,  —  Coih 
stantius  den  Hosius  rufen.     ^Nach  so  vielen  und  grossen  Miaaethaten 
glaubten  doch  die  Arianer  —  nichts  vollbracht  zu  haben ,  so  lange  de 
grosse  Hosius  ihre  Bösartigkeit  nicht  erfahren.   —    Sie  scheuten  luk 
weder,   dass  (weil)   er  der  Vater  der  Bischöfe  ist,   noch  vor  der  Zeil  ! 
'  seines  Episcopates,  in  dem  er  sechzig  Jahre  und  darüber  gelebt     Sil 
giengen  also  zu  Constantius,  und  redeten  ihn  also  an:  Wir  haben  all« 
gethan,  wir  haben  sogar  den  römischen  Bischof  verbannt,  und  vor  ihm 
sehr  viele  andere  Bischöfe;  wir  haben  jeden  Ort  mit  Schrecken  erfüllt  . 
So  lange  aber  Hosius  noch  in  seiner  Kirche  ist,   sind  alle  in  ihren 
Kirchen.     Er   ist   im   Stande,   durch  seine   Beredtsamkeit  und  seinen 
Glauben  alle  gegen  uns  zu  überreden  (Ixccvög  iariv  iv  Xoyip  xtü  niaui 
nel&eiv  näwccg  xad^  rjfA&v).   Er  ist  der  Leiter  der  Synoden,  und  wenn  . 
er  schreibt,  wird  er  überall  gehört.    Er  hat  den  Glauben  in  Kicäa  aoi-  ' 
einandergesezt,  und  überall  verkündigt,   dass  die  Arianer  Kezer  seieOi 
Wenn  er  bleibt,  so  ist  die/ Verbannung  der  IJebrigen  fruchtlos;  deoa 
imsere  Häresie  muss  unterliegen.     Beginne  darum ,  auch  ihn  zu  ve^  ^ 
folgen,  und  schone  seiner  nicht,  troz  seines  hohen  Alters. 

Als  der  Kaiser  solches  hörte,  zögerte  er  nicht,  sondern  schrieb  ikDi 
er  solle  zu  ihm  kommen,  um  die  Zeit,  in  welcher  er  zuerst  den  Liberias 
versuchte  (d.  i.  nach  der  Synode  von  Mailand  und  noch  im  J.  355).  Ab 
er  kam,  redete  er  ihn  an  in  seiner  gewohnten  Weise,  er  solle  B&g^ 
Athanasius  schreiben,  und  mit  den  Arianern  Gemeinschaft  halten.  Der 
Greis,  der  solches  nicht  einmal  anhören  konnte,  wurde  betrübt,  diM 
er  eine  solche  Sprache  führte ,  überredete  den  Kaiser  durch  seine  Worte, 
und  brachte  ihn  von  seinem  Vorhaben  ab." 

Hier  begegnen  wir  wieder  der  überherrschenden  Bedegewalt  des 
Hosius.  Die  schöne  und  kräftige  Rede  des  Liberias  —  hatte  unmittelbar 
die  Verbannung  desselben  zur  Folge.  Die  Rede  des  Hosius  stimmte 
den  Kaiser  um.  „Der  Greis  schlug  imd  überredete  {inmhfi^aq  xcu  nticw^ 
aircöv)  den  Kaiser,''  er  kehrte  wieder  in  sein  Vaterland  und  zu  seiner 
Kirche  zurück.  —  Aber  die  Häretiker  klagten,  und  stachelten  wieder 
den  Kaiser  auf,  es  mahnten  und  reizten  die  Eunuchen  (d.  L  zunächit 
der  allvermögende  Eusebius) ,  und  wieder  sandte  der  Kaiser  Briefe  mit 
Drohungen.  „Hosius  wurde  nun  zwar  übermüthig  behandelt,  keinesw^ 
jedoch  aus  Furcht  vor  Verfolgungen  in  seiner  Ueberzeugung  erschüttert 


')  Äik.  hist.  Arian.  cap.  39.  —    Theodoret  —  hist  eceL,  2,  (13)  16. 
*)  Hisnm.  d^  vkU  OL  c  »7. 


$•  4.    Apostolischer  Brief  des  Hosias  an  Constantius  etc.  215 

b  er  aber  {efitatand  in  seinem  Entschlüsse,  da  er  das  Hans  seines  Glaa« 
608  auf  dem  Felsen  aufgebaut  hatte,  so  sprach  er  freimüthig  gegen 
ie  Härene,  indem  er  die  schriftlichen  Drohungen  für  nichts  betrachtete, 
h  für  Wassertcopfen  und  Windstösse.  Da  aber  der  ^aiser  oftmals 
woHäxig)  achrieb,  indem  er  ihm  bald  sdimeicbelte  als  einem  Vater, 
ald  drohte,  nnd  die  Verbminten  au&ählte,  und  sagte:  Bist  denn  du 
or  Einaige,  der  noch  der  Häresie  entgegensteht?  Gieb  nach,  und 
^knbe  gegen  Athanasius;  —  denn  wer  gegen  ihn  schreibt,  der  theilt 
■DB  die  arianisdie  Parthei  mit  uns,  —  so  fürchtete  sich  Hosius  nicht, 
■idem  —  obgleich  durch  Uebermuth  gereizt,  schrieb  er  d^i  folgenden 
def,  welchen  wir  gelesen  haben'': 

.  4.     Apostolischer  Brief  des  Hosius  an  Constantius  —  zu- 
gleich das  einzige  Schriftliche  (uns  erhaltene)  Deiikmal 

seines  grossen  Gieistes. 

Hosius  an  den  Kaiser  Constantius,  Gruss  in  dem  HerrnI 

Ich  war  schon  langst  Bekenner  des  Glaubens,  als  die  Verfolgung 
egann  unter  deinem  Grossvater  Maximian.  Wenn  auch  du  mich  ver- 
ilgst,  80  bin  ich  bereit,  eher  alles  zu  erdulden,  als  unschuldiges  Blut 
1  rergiessen,  und  die  Wahrheit  zu  verrathen:  auf  dich  aber,  der  du 
klefaee  schreibest  und  drohest,  höre  ich  durchaus  nicht.  Höre  also  au^ 
ikbea  zu  schreiben,  und  sei  kein  Arianer,  noch  höre  axd  die  Orien- 
den,  noch  traue  dem  Ursacius  und  Valens.  Denn  was  Jene  sagen, 
■i  sprechen  sie  nicht  wegen  des  Athanasius ,  sondern  wegen  ihrer  eigenen 
Ibesie.  Glaube  mir,  Constantius;  ich  bin  dem  Alter  nach  dein  Gross- 
ifcr:  ich  wohnte  selbst  der  Synode  von  Sardika  an,  wohin  du  und 
sin  seliger  Bruder  Constans  uns  alle  berufen  habet,  und  ich  selbst 
ibe  die  Feinde  des  Athanasius  aufgefordert*),  als  sie  in  die  Kirche,  in 
?r  ich  mich  befand,  gekommen  waren,  sie  möchten  es  doch  sagen,  so 
e  Etwas  gegen  ihn  hätten.  Ich  forderte  sie  auf,  Vertrauen  zu  hab^ 
üd  nichts  anderes  zu  erwarten,  als  —  dass  das  Gericht  in  allem  ein 
erechtes  seyn  werde.  Diess  habe  ich  nicht  bloss  einmal,  sondern  auch 
n  zweites  Mal  gethan,  indem  ich  ihnen  es  überliess,  wenn  sie  es  nicht 
>r  der  ganzen  Synode  wollten ,  so  könnten  sie  es  mir  allein  (vortragen) ; 
dem  ich  wieder  versicherte ,  dass ,  wenn  er  als  schuldig  befunden  wer- 
sn  sollte,  er  auch  von  uns  Verstössen  werden  wird.  Sollte  er  aber 
s  unschuldig  erfunden  werden,  und  beweisen,  dass  ihr  Sykophanten 
ad,  —  wenn  ihr  euch  aber  trozdem  den  Mann  verbittet,  so  über- 
sde  ich  den  Athanasius  mit  mir  nach  Spanien  zu  gehen  ^). 


')  VcrgL  S.  215  —  oder  —  sie  sollten  kommen. 

')  ^'tü   uer''  efiaurov  jteiSw  tov  jiSccydGiofv  iXSety  tlg  ra;  Sjtayiotf  —    so  sicher  ist 
Hosius  seiues  Erfolges,  dass  er  sagt:   ich  berede  ihn.     Die  zwingende  Macht 


216  Sechstes  Bach.    Sechstes  Kapitel. 

Atkänasios  unterwarf  sich  diesem  -^  ohne  Widerspmdi;  JeIIe^abery  ii 
dem  sie  kein  Zutrauen  zu  ihrer  Sache  hatten,  —  lehnten  o$  ebenso  a 
Athanasitts  erschien  nun  wieder  an  deinem  Hoflager,  als  du  an  ihn  schri 
best  und  ihn  beriefest,  und  er  verlangte,  dass  seine  in  Antiochien  gege 
wärtigen  Feinde  entweder  sämmtlich  oder  einzeln  berufen  werden ,  d 
mit  sie  entweder  überweisen  oder  überwiesen  werden ;  dass  sie  entwed 
dem  Anwesenden  Das  beweisen ,  was  sie  über  ihn  sagen ,  oder  den  A 
wesenden  nicht  verleumden.  Aber  —  obgleich  du  ihnen  suredeü 
thaten  sie  ^  nicht');  Jene  vielmehr  weigerten  sich  dessen. 

Warum  also  hörst  du  immer  noch  auf  ihre  Lästerungen  gegen  ihi 
warum  erträgst  du  —  den  Valens  und  Ursacius,  obgleich  sie  Busse  | 
than,  und  ihre  Verleumdung  schriftlich  bekannt  haben?  —  Sie  hab 
gestanden,  nicht,  wie  sie  sich  selbst  ausreden,  mit  Gewalt  gezwunge 
indem  keine  Soldaten  hinter  ihnen  standen,  indem  dein  Bruder  nid 
davon  wusste  (denn  nicht  bei  ihm  geschah  solches ,  was  jezt  geschieh« 
möchte  es  nicht  geschehen  I);  —  sondern  mit  ihrem  fi:eien  Willen  b 
gaben  sie  sich  selbst  nach  Rom,  und  in  Gegenwart  des  Bischofes  m 
der  Priester  schrieben  sie  dieses,  nachdem  sie  vorher  an  Athanasi 
einen  freundschaftlichen  und  friedfertigen  Brief  geschrieben  hatten.  Wa 
sie  aber,  Gewalt  vorscbüzen,  und  dieses  für  Unrecht  halten,  so  bill^ 
auch  du  solches  (die  Gewalt)  nicht j  höre  auf,  Gewalt  anzuwend€ 
schreibe  weder,  noch  sende  Beamte  (xöfnrag  =  comifes).  Gieb  vielmc 
frei  die  Verbannten,  damit  nicht,  während  du  dich  über  die  Gewi 
(gegen  deine  Anhänger)  beklagst,  dieselben  noch  grössere  Gewalt  übe 

Ist  je  etwas  dergleichen  von  Constans  geschehen?  welcher  Bisd 
wurde  verbannt?  wann  ist  e;^"  in  Mitte  der  Bischöfe  erschienen*)?  Welcl 
seiner  Palastbeamten  (nakuxtvog)  hat  gegen  Jemand  eine  Unterschi 
erzwungen,  dass  Valens  und  die  Seinigen  derlei  aussagen?  —  HS 
auf,  ich  bitte  dich,  und  sei  dessen  eingedenk,  dass  du  ein  sterblicb 
Mensch  bist 3).  Fürchte  den  Tag  des  Gerichtes;  bewahre  dich  seil 
rein  auf  denselben.     Lege  dich  nicht  selbst  in   die  kirchlichen  Ding 


seiner  Rede   und  seiner  Persönlichkeit   hatte  denn   wohl  auch  Athanasios 
auf  ihrer  gemeinschaftlichen   Reise   von  Gullien  nach  Sardika  erfahren  •—  oi 
auch  er  hatte  unlcr  diesem  beherrschenden  Zauber  zu  dem  fatalen  Canon  2  v( 
Sardika  Ja  und  Amen  gesagt. 

*)  ijviöXov  —  es  muss  wohl  Iieissen:  rpfiexw, 

*)  Diese  wohlverdiente  Zurechtweisung,  die  sich  u.  a.  auf  die  Synode  von  Mi 
land  bezog,  wo.Constantius  mit  allen  möglichen  Drohungen  sich  den  Bischdf* 
präsentirte.,  mag  den  hochmuthigen  Menschen  nicht  wenig  gestochen  und  { 
troffen  haben. 

')  Wirklich  starb  Constantius  vier  Jahre  nach  Hosius,  fünf  Jahre  —  nachdem 
diesen  Brief  erhalten,  und  es  nicht  auf  die  Hälfte  der  Lebenszeit  des  Hosi 
gebracht  hatte  —  Amviian.  MarctUin.  —  21  f  15:  ultimum  apirans  deflebat  exitu 
diugue  cum  anima  coUucUitua  jam  discessuraf  abüt  e  vita  3  Nön,  Octobrntmf  tm/x 
vitaegu«  atmo  quadra^enmo  ei  mensibus  pauds. 


9"  t    Dieses  schreibe  ich  dir ,  aus  Soi^  fUr  dein  Seelenheil.    Wm 
e  Dinge  acbeUngt,  Über  die  dn  mir  gesi^irieben  hast,  so  ver- 


k  aoUiesse  midi  'weder  den  Arianem  an ,  ri^mehr  spreche  ich  das 
m  gegen  ihre'  Eezerei :  noch  schreibe  ich  gegen  den  Äthanasias, 
a  Wir  (d.  i.  Hosius  als  Vorgisender  und  in  seiner  Überragenden 
g  in  der  Kirche),  und  die  r&mische  Kirche,  und  die  ganee  Synode 
ardika)  unschuldig  erklärt  hat  Du  selbst  hast  dich  davon  Ubeiv 
hast  den  Mann  zu  dir  berufen,  und  hast  gestattet,  dass  er  mit 
in  seine  Heimath  und  zu  seiner  Eirdie  zurUckkehrea  dürfe.  — 
liegt  dens  nun  der  Qnmd  zn  einer  so  grossen  Vei^nderuDg?  Die- 
■ind  seine  Feinde,  die  es  schon  vorher  waren:  und  was  sie  jezt  flu' 
laan  sie  sprechen  es  nicht  in  söner  Gegenwart  ans) ,  das  h«ben  sie 
bevor  dn  den  Athanasius  zu  dir  gerufen  hast,  g^en  ihn  gesagt: 
Imd  sie ,  nachdem  sie  zu  der  Synode  gekommen ,  gemurmelt :  nnd 
,  wie  oben  gesagt,  die  B«weise<  verlangte,  haben  sie  keine  toiv 
1  können:  denn,  wenn  sie  solche  gehabt,  so  wSren  sie  nicht  so 
ilidk  entwichen  (nadi  PhilippOpolis).  Wer  hat  dich  nun  nach  so 
Zeit  Überredet ,  deine  eigenen  Schriften  und  Reden  zu  vergessen? 
inne,  nnd  gieb  nicht  gottlosen  Menschen  nach,  damit  du  nicht 
ddne  Nachgiebigkeit  gegen  andere  selbst  an  ihrer  Schuld  Theil 
rt.  —  Demi  so  zwar  fehlest  dn  mit  andern,  in  dem  Gerichte  aber 
Id  allein  Kechenschafl  geben.  Jene  wollen  durch  deine  Hilfe  — 
ügenen  Feind  schädigen,  sie  wollen  dich  zum  Helfershelfer  ihrer 
1  Schlechtigkeit  machen,  damit  sie  durch  dich  ihre  verdammungs- 
;e  HXresie  in  der  Kirche  ausbreiten ').  —  Es  ist  aber  nicht  ver- 
;,  Andern  zur  Lust  —  sich  selbst  in  augenscheinliche  G«&hr 
u    HSre  anf,  ich  bitte  dich.     Folge  mir,  Constantius.     Denn  so 


218       Seeliftct  Bvdi.    Seclistef  Kapitel.    $.  4.   ApMtoUaditr  Mef  etc. 

ob  wir  mehr  dankbar  für  die  Eibahiing  dieses  einzigen  sdiriftlicheQ 
Denkmales  des  Hosiua,  od^  mehr  betrübt  über  den  Verlust  seiner  übrigen 
Schriften  seyn  sollen*  Wir  wollen  es  —  in  keinen  Vergleich  bringen 
mit  den  heftigen  Angriffen  des  Lncifer  yon  Cagliari  gegen  den  Kaiser 
Constantias.  —  Ab^  vergleicht  man  es  mit  dem  ^pBache  gegen  Con- 
stantius''  des  Hilarius  von  Poitiers,  so  steht  es  an  Freimüthigkeit  und 
entschiedener  ^raehe  hinter  demselben  nicht  eurück,  zeichnet  sich  aber 
TortheUhaft  an  Gemessenheit  und  Ruhe  der  Sprache  aus,  wobei  alle^ 
dings  in  Anschlag  su  bringen  ist,  dass  die  Schrift  des  Hüarius  nach 
den  Synoden  yon  Bimini  und  Seleucia  verfasst  ist 

jySo  schrieb  1^  fl&hrt  Atfaanasius  fort,  „dieser  Abrahamitische  Grei^ 
der  wahrhaft  Heilige  dachte  und  schrieb  so;  er  aber  (Cönstantiaa) 
hörte  au  drohen  mebt  auf,  und  suchte  stets  nach  Vorwänden  zum  An- 
griffe gegen  ihn.  Er  sezte  ümx  zu  mit  heftigen  Drohungen,  um  ihn 
entweder  mit  Gewalt  auf  seine  Seite  zu  ziehen,  oder  im  Falle  des  Wi- 
derstreben» zu  verbannen.  Aber  —  wie  die  babylomsehen  Führer  und 
Satrapen,  da  sie  nach  einer  Gel^^nheit  zur  Anklage  des  Daniel  suchten, 
sie  nur  im  Geseze  Gottes  selbst  fanden,  —  so  konnten  auch  jezt  die 
Satrapen  der  Gt>ttlo8igkeit  —  keine  andere  gegen  den  Greis  —  auch 
nur  ersinnen.  —  Denn  allen  war  er  bekannt  der  wahrhaftige  Heilige^ 
und  sein  unantastbares  Leben,  sowie  sein  Haas  gegen  die  Häresie.  So 
verleumdeten  sie  nun  auch  ihn,  nicht  mehr  wie  Jene  bei  Darios  (des 
ungern  die  Beschuld^ngen  gegen  Daniel  hörte) ,  sondern  wie  Jesabel 
den  Naboth,  und  wie  die  Juden  —  vor  Herodes,  indem  sie  sagten:  Er 
unterschreibt  nicht  nur  nicht  gegen  Athanasius,  sondern  er  verdunsit 
audb  uns  seinetwegen;  und  er  hasst  so  sehr  die  Häresie,  dass  er  so^ 
den  Andern  schreibt  ^) ,  sie  sollen  eher  den  Tod  erdulden ,  als  Verrälh« 
an  der  Wahrheit  werden.  Denn  um  der  Wahrheit  willen  wird  unser 
geliebter  Athanasius  verfolgt,  der  römische  Bischof  Liberius  und  alle 
Uebrigen  erdulden  Nachstellungen.  Als  Constantius,  das  Haupt  der 
Gottlosigkeit,  und  der  König  der  Häresie  dieses  gehört,  und  besonders, 
da  er  erfahren  hatte,  dass  in  Spanien  auch;  noch  andere  die  Gesinnong 
des  Hosius  theilen,  so  versuchte  er  es,  sie  z^r  Unterschrift  (gegen  Aths- 
Aasius)  zu  bringen,  und  da  er  sie  nicht  zwingen  konnte,  so  liess  er  den 
Hosius  kommen,  den  er  —  in  der  Verbannung  ein  Jahr  zu  Sirmiiun 
zurückhielt,  indem  der  gottlose  Mensch  weder  Gott  fürchtete,  noch  anf 
die  Hochachtung  seines  Vaters  gegen  Hosius  Rücksicht  nahm,  noch  — 
der  Erbarmungslose.  —  Scheue  vor  dem  Alter  trug;  denn  er  (Hosioe) 
war  hundert  Jahre  alt  *).*' 


')  Der  lebhafte  Briefwechsel,  den  Hosius  stets  führte,  mag  auch  die  Mittheilanf 
seines  obigen  Schreibens  an  andere  Bischöfe,  und  durch  diese  an  den  Atha- 
nasius erklären. 

'^  4'ihan(u,  Mitoria  Aricmarum  ad  monachos,  cap,  42  -  45, 


Siebentes  Kapitel. 

Der  Fall  des  Hosins  —  zn^leich  seine  Attferstehims. 


§.  1.     Hosius  in  Sirmium.    Zeit  und  Ort  der  Verbannung. 

•  CoxiBtantiiis  hielt  den  Hosius  über  ein  Jahr  in  der  Verbannung.  Da 
U18  nun  ausgemacht  ist|  und  von  allen  SeiteA  zugegeben  wird,  dass  die 
sogenannte  zweite  Formel  von  Sirmium  ^  mit  der  Hosius  in  Verbindung 
gebracht  wird,  im  Jahre  357  zu  Sirmium  yerfasst  wurde ,  so  müssen 
den  Anfang  der  Verbannung  des  Hosius.  in  das  Jahr  356  sezen.  — 
Florez  nelmie  ich  femer  an,  dass  Hosius  seinen  Brief  noch  im  Jahr 
30  geschrieben,  wenigstens  zur  Zeit  als  er  von  der  Verbannung  des 
lAorins  noch  nichts  wusste*).  —  Sonst  hätten  wohl  statt  des  allge- 
meinem Ausdruckes:  j^Es  wird  ihm  nachgestellt^  ' —  die  Arianer  (in 
den  dem  Osius  in  den  Mund  gelegten  Worten)  gesagt:  er  ist  verbannt 
worden.  Wir  erklären  die  Worte :  Constantius  Hess  den  Hosius  kommen 
(ßetanäiAnsTUi  röy'ücnoy),  von  einer  persönlichen  Gegenwart  des  Con- 
stantius in  Sirmium. 

Sein  jeweiliger  Aufenthalt  kann  aus  den  erlassenen  Gesezen  nach- 
gewiesen werden.  Vom  Jahre  355  haben  wir  achtzehn  Gesezo  des  Kai- 
sers; das  erste  und  zweite  erlassen  von  Mailand,  das  dritte  von  Sirmium, 
das  vierte  ohne  Ortsangabe;  ebenso  die  {e;r  fünf  und  sechs.  Das  siebente 
ist  fälschlich  von  Rom  datirt  Die  folgenden  Geseze  sind  fast  ausschliess- 
lich von  Mailand  datirt,  wo  Constantius  den  grossem  Theil  des  Jahres 
zubraohte.  —  Dort  weilte  er  noch  im  October  und  November  des  J.  355. 
—  Nach  einem  kurzen  Feldzuge  am  Bodensee  kehrte  er  nach  Mailand 
in  die  Winterquartiere  zurück '). 


*)  Florez,  10,  212. 

')  Cf.  Ammkoi,  Marcelim.  15,  4.     Su^  Seoer.  h.  9.  2,  39.   —     SocnOu,  2,  36.  — 


220  SeehBtes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

Constantiiis  brachte  gleichfalls  einen  Theil  des  Jahres  356  in 
land  zu*).  Wir  haben  Vom  J.  356  —  acht  Geseze;  fünf  tragen  die 
Unterschrift  yon  Mailand,  eines  keine ,  eines  von  Fortan  TVqfani,  mom 
von  Constantia.  —  Es  ist  nicht  bestimmt  nachzuweisen ,  dass  Constaih 
tius  im  J.  356  zu  Sirmium  weilte.  Um  so  sicherer  steht  seine  Anw^ 
senheit  daselbst  im  Jahre  357  fest  —  Wir  nehmen  an,  dass  er  den 
Hosius  in  der  ersten  Hälfte  des  Jahres  356  berief  ^  der  auf  dem  Land- 
wege durch  Gallien,  Rhätien  und  Obe^)annonien  reisend,  gegen  IGtle 
des  J.  356  in  Sirmium  ankommen  mochte.  War  ihm  befohlen  worden, 
über  Mailand  zu  reisen,  so  führte  die  Strasse  über  Aquileja,  Emou 
(jezt  Laibach)  und  Siscia  (jezt  Sisseck  an  der  Save)  —  nach  Sirmiuia 
Siscia  —  war  yor  dem  Emporblühen  von  Sirmium  —  die  wichtigsli 
Stadt  in  Pannonien  gewesen'). 

Sirmium  selbst  lag  am  linken  Ufer  des  Savus.  Es  lag  am.  Ejreo- 
Zungspunkte  verschiedener  Strassen  nach  Italien,  Gallien,  Germanien, 
südlich  zur  Hämushalbinsel ,  und  auf  doppeltem  Wege  nach  Constao- 
tinopel,  auf  directem  Wege  über  Naissus  und  Sardika,  und  entlang  der 
Donau  —  per  eircuUum  ripae  Isirieae,  dessen  Stationen  wir  oben  ve^ 
folgt  haben  ^).  —  Es  war  als  Hauptniederlage  aller  Eriegsbedürfiiisse 
der  Bömto  in  den  Kriegen  gegen  die  Dader  und  andere  DonaüvSlker 
—  zu  hoher  Blüthe  gelangt,  und  die  grösste  Stadt  in  Pannonien  uAd 
Slyricum,  mit  einer  grossen  Waffen&brik,  einem  geräumigen  FoiuiDi 
und  einer  kaiserlichen  Burg*).  Hier  war  der  Kaiser  Probus  geboren^ 
der  auch  in  der  Nähe  der  Stadt  ermordet  wurde.  —  Hier  weilte  Dio- 
cletian  gern  und  oft,  und  erliess  eine  Menge  seiner  Geseze  von  hier^. 

Die  im  Jahre  1853  durch  Wattenbach  und  Th.  G.  Karigan  mitge- 
thcilte^),  jüngst  von  Th.  Keim  erklärte  —  „Passio  sanetarum  quatuor 
eoronatorum^^  ^)  führt  uns  in  die  Umgegend  von  Sirmium ,  wo  DiocletiaB 


Sozom.  4,  9.  —  Scheiffele,  O.,  Jahrbücher  der  römischen  Gesch.,  1853,  8. 59& 

—   C.  T,  Zumpt,  annale»  f  1862,  p.  183. 
')  Ammian,  A£,  16  f  7. 
*)  Forbiger,  A.  G.,  3,475. 
*)  Bd.  1,  S.  400. 

*)  PloUm.  2, 16,  8.  —  Strabo,  L  7,  5  (2, 3U),  —  fferodian,  7,  2.  —  PUn.  3,  25,  —  Etänp. 
fiy  17,    -    hin.  Anton,  p.  124.  ISl.     Amtkian.  M.  17,  13;  19,  11.    -     Zosim,  2, 18. 

Orelti  inacript  nr.  3617.    —    lüyricwn  sacr.   ed.  Farlati  et  CoUti,  t,  7    -    ed.  1817, 

p.  449—671  —  „EceUsia  Sirmienns'', 
*)  Wieiersheiffi,  Gesch.  der  Völkerwanderung,  Bd.  3  —  1862  —  8.  25;  Forbifcr, 

3, 479. 
*)  Im  Fcbraarheft  1853  der  Sizungsberichte  der  philos.  histor.  Klasse  der  k«iserl 

Akademie  der  Wissenschaften;   erschien   auch  im  besondern  Abdrucke:   Paano 

eanctorum  quaiuor  coronatonim.   —    Aus  einer  Handsch.  der  Bibliothek  in  Gotha 

mitgeth.  —    Wien  1853,  25  8. 
^  Eine   christliche  Quelle   über   die    erste  Regierungsseit  Pioeletian's   r~   vod 


|.  1.    Hotiiu  in  Slrmiom.    Zeit  und  Ort  der  VerbaDBong.  221 

eben,  and  urar  am  Anfiuige  seiner  Begiemngy  «nweaend  ist  -  In  den 
{rossen  Steinbrüchen  in  der  Nilhe  hat  Diocietian  822  Arbeiter;  yier  der 
Oeschiektesten  daninter  sind  inSgelieim  Christen:  Claadius,  CastoriiiSy 
Brnpromanns,  Nicostratpa.  —  In  der  Nähe  befindet  sich  seit  drei  Jahren 
im  Bischof  CTrill  von  Antiochien  in  Verbannung.  Also  war  Sinniiim 
ükm  vor  Hosios  ein  Ort  der  Yerbanniing  für  Bischöfe.  —  Wir  kannten 
Jan  CyriUns  schon  vocher'als  achtzehnten  Bi8du>f  von  Antiochien.  Er 
kalte  im  Jahre  804  oder  806  den  Tyrannus  soin  Nachfolger,  und  regierte 
wnaig  Jahre  ^).  — r.  Unsere  Passie  .ist  auch  eine  ganz  merkwürd%e 
BastMtiftiing  der  gleichsam  stoss-  .und  zwangsweise  erfolgenden  Christen- 
perfidgang  durch  und  unter  Diocietian.  Dieser  mtisste  gleich  im  An- 
Su^  sdner  B^gierung  theils  aus  Gtötterfurcht,  theila  ditrch  Drohung^ 
{CBwongen  werden,  die  Christen  yerfolgen  zu  lassen.  Ebenso  tritt  hier 
Khon  sein  bekannter  J&hzöm  hervor.  j^Wüthend  be&hl  Diocietian  die 
POnfe  (zu  den  Obigen  noch  Simplicius)  in  bteiemen  Särgen  lebendig 
in  den  Fluss  —  Save  —  zu  werfen''  —  am  8.  NoTcmber.  Nach  einem 
^uÜButhalte  von  eilf  Monaten  gieng  Diocietian  nach  Rom  ^).  —  Ein  Gesez 
les  .Diodetian  ist  aus  Sirmium  vom  1.  Januar  286  datirt.  Am  längsten 
ireüte  er  im  J.  294  au  8inniQm>  und  in  dieses  Jahr  verl^  Keim  dea 
red  der  fünf  Christen  ^). 

IrenäuSy  der  erste  bekannte  Bischof  von  Sinniüm,  wurde  in  der 
Verfolgung  von  d04  folg.  —  Märtyrer  unter  dem  Präfekten  Probus  tqu 
Ptamonien  y  dessen  ächte  Maitjrakten  erhalten  sind  *).  Irenäus  ist  Patron 
der  Kirche  von  Slrmiom. 

Auch  der  Kaiser  Constantin  weilte  oft  und  lange  in  Sirmium ;  z.  B 
■i  J.  315,  im  J.  817  —  18,  im  J,  319  —  320»)  u.  s,  w.  Diejenigen, 
vddie  annehmen,  dass  Hosius  um  diese  Zeit  stets  im  Gefolge  des  Kai- 
Mn  gewesen,  und  dass  er  erst  nach  der  Synode  von  Nicäa  nach  Spa- 
nien zurückgekehrt  sei,  sind  desswegen  auch  gezwungen ^  einen  {rühem 
llngern  Aufenthalt  des  Hosius  in  Sirmium  anzunehmen. 


Th.  Keim  (Prof.  in  Zürich)  —  in  »Heidenheim**:  Deutsche  Vierteljalirschrifl  — 
Nr.  5  —  vom  30.  Mai  1868,  S.  3—11. 

*)  Euteb.  k,  eccL  7,  32.  —  chronic,  ad  a.  306, 

*)  Siehe  oben  S.  98  —  die  sogen.  Coranati  worden  nicht  in  Rom  gemartert,  son- 
dern ihre  vier  Glaubensgenossen,  der^n  Qedftchtniss  —  in  Rom  sofort  an  einem 
Tage  —  mit  den  vier  (fünf)  Märtyrern  Pannoniens  begangen  wurde. 

*)  Vergl.  auch  Th.  Mommsen:  Ueber  die  Zeitfolge  der  Verordnungen  Diocletian^s 
and  seiner  Mitregenten,  1860  —  z.B.  S.  355 — 356.  Mommsen  gesteht,  dass 
sich  seit  Tillemont  (HiMtoire  des  emperewrs,  t  4)  Niemand  damit  beschäftigt  habe. 
Nach  jfllbfricum  tacntm"  t  7,  p,  465  —  69  giengen  Ep&netus  and  Andronicas 
dem  Iren&as  als  Bischöfe  voran. 

*)  Acta  mart,  nncera  —  L  c,  p,  432 — 34,  Rainart  sezt  sein  Martyrium  —  auf  den 
(25.)  M&rz  304. 

*)  Wieteraheim,  3, 187. 


3S2  Sechstef  Bach.    SiebeDtes  Kapitel. 

Einen  grossen  Theiji  des  Jahres  321  l^aohte  Gonstantm  ^  in'  Sa- 
mium  zu.  Am  17«  April  erliesa  er  Ton  dort  ein  Gesea.  Sohoh  am  fi^ 
genden  Tage  erliess  er  an  den  j^Bischof  Osins^  das  obenerwHhnte  OeNs 
-^  de  m€mumi$9i$  in  eedetia  ^).  Wenn  auch  Hosins  selbst  nicbl  in  Sn 
miom  eben  weilte,  so  war  doch  diese  Stadt  für  ihn  dämm  in  firühenr 
Zeit  —  ein  Ort  der  Freude,  wie  später  ein  Ort  der  Leiden  imd  Qiuden: 

Wie  Constantin,  so  weilte  sein  Sohn  Constantios  wiederholt  in  Bb- 
mium^  wo  er  u.  a.  im  J.  851  —  der  bekannten  haibarianisohoi  Synode 
pribddirtey.anf  welcher  dia  erste  sogenannte  sinnische  Formel  -entfmrfct 
worde,  welche  Hilarios  orthodox  deutet,  Athanasius  mit  Recht  verwiill^ 
da.  darin  der  Sohn  dem  Vater  unterworfen  genannt  wird.  Bischof  Ph^ 
tinqs  wurde  verbannt,  und  Germinius  der  Arianer  ihm  som  Nadifolg* 
gegeben.  — - .  Im  J.  352  gab  CJonstantius  yon  Sinnium  aus  verschiedsii 
G-esese,  wo  er  noch  im  Dezember  weilte.  In  den  J.  368  bis  356  Udl 
er  sich  in  Gallien  und  Italien  auf;  doch  wurde  im  M3Lrz  356  ein  Geiei 
aus  Sinnium  erlassen. 

§.2.     Cioiistantius   kommt  im   JuH   oder  August   357  nach 
Sirmium.  —  Hosins  —  in  den  Händen  der  Missethftter. 

Constantius  hielt  sich  in  den  ersten  Monaten  des  Jahres  367  nodi 
in  Mailand  auf.  Die  Geseze  vom  Februar,  März  und  April  d.  J.  siod 
aus  Mailand  datirt.  —  Ende  April  bis  Anfangs  Juni  weilte  er  in  Bodl 
Dort  brachte  er  nach  Ammiah.  Marcellinus  30  Tage  zu,  und  reiste  am 
29.  Mai  wieder  ab.  —  Aber  —  wir  haben  noch  ein  vom  29.  April  ani 
Mailandy  vom  1.  Juni  aus  Rom  datirtes  Gesez.  Mit  den  31  Tagen  seines 
dortigen  Aufenthaltes  mag  es  demnach  seine  Richtigkeit  haben;  allein  seiae 
Ankunft,  wie  Abreise  muss  einige  Tage  später  angenommen  werden« 

Damals  hatten  die  römischen  Matronen  den  Muth^  den  die  M^ner 
nicht  hatten,  den  Kaiser  um  die  Rückkehr  des  Papstes  Liberius  zu  bitten. 
—  Er  hielt  ihn  aber  noch  länger,  als  ein  Jahr  zurück,  und  sendete  ihn 
zurück,  nachdem  er  ihn  zum  Nachgeben  vermocht  hatte  j^durch  den 
Ueberdruss  an  der  Verbannung^.  Nach  Ammian.  M.  reiste  der  Kaiser 
unmittelbar  —  aus  Rom  nach  Illyricum  —  über  Trient  (per  Tridentum 
üer  in  Illyricum  festinavit  —  10 ^  10 J]  und  zwar  nach  Sirmium. 

Aber  wir  haben  zwei  im  Juni  von  Mailand  erlassene  Geseee^  und 
ein  —  drittes  aus  einem  Orte  „Vallis^,  der  sonst  nirgends  vorkommt 
Denn  der  Ort  Vallis  in  Afrika  kann  nicht  gemeint  sejn;  ja  wir  haben 
noch  zwei  Geseze  vom  zweiten  und  vierten  Juli  aus  Mailand.  Daer  nächste 
Gesez  vom  15.  Juli  trägt  keine  Ortsangabe;  ebenso  wenig  ein  Gesez 
vom  31.  Juli,  vom  28.  August,  und  drei  weitere  —  bis  zum  Desember. 
Dann  sind  zwei  Geseze  im  Dezember  aus  Mailand,  und  zwei  spätere 
aus  Sirmium  datirt 


*)  Siehe  oben  —  S.  138. 


$.  2.    ConsUntias  kommt  im  Juli  oder  AagQst  357  nach  Sirmium  etc.    228 

Dft  eeehs  OeBese  ohne  Ortsangabe  —  in  der  Mitte  zwischen  den 
BS  Mailand  ergangenen  Oesezen  stehen ,  so  hat  sich  der  ehrliche  Gotho- 
«dos  an  der  Meinung  yerleiten  lassen ,  Qonstantias  ^sei  bis  Mitte  De- 
■nbers  Tom  Juni  an  in  Mailand  geblieben  ^  und  dann  eirst  nach  Sir- 
nm  gereist  —  über  Trient  Gk>thofred  vwl^  desshalb  mit  Unrecht 
ia  Vorginge  mit  Hosius  in  das  Jahr  3Ö8.  Er  sagt  zum  J.  868:  Liberius 
>  mie  Hoeiusi  welche  in  Sirmium  weilten^  wurden  ei^  in  diesem  Jahre 
Sizen  wiedergegeben. 

£b  finden  sich  sonst  wohl  einzelne  Geseze  ohne  Ortsangabe  des 
;  aber  ich  finde  in  der  Zeit  von  851  bis  361 ,  der  Alleinherr* 
shaft  des  Constanthis  -^  nirgends  so  yiele  Geseze  ohne  Ortsangabe, 
ia  ist  mQglichy  selbst  nicht  unwahrscheinlich  ^  dass  Constantius  in  einem 
ewinen  Sume  das  Incognito  wahren  wollte.  —  Die  Zeugnisse  seiner 
UBweeenfaeit  in  Sirmium  sind  aber  so  bestimmt  und  stai^c,  dass  sie  nicht 
eaweifelt  werden  darf.  Er  kam  u.  a.  auch,  um  den  Widerstand  des 
[osius  bezwingen  zu  helfen. 

Dieser  -^  war  schon  ein  Jahr  in  der  Hand  der  Bösewichter  Valens 
nd  Ursachis,  deren  jener  in  dem  nahen  Mursa  (jezt  Esseck) ,  der  andere 
1  dem  nahen  Sitigidunum  (jezt  Belgrad)  ihren  Siz  hatte  ^  der  sie  allem 
knscheine  nach  nie  festhielt  —  Es  wäre  schweres  Unredit  g^en  Ho* 
iosi  wenn  man  nicht  berücksichtigen  wollte  ^  dass  die  Lage  keines  der 
«bannten  Bischöfo  dieser  Zeit  —  mit  der  seinigen  verglichen  wer- 
\m  kann.  —  Liberius  war  zu  Beröa  in  Thraden,  aber  bei  ihm  waren 
Mmsche  Cleriker;  und  von  persönlicher  Verfolg^g  gegen  ihn  ist  nir- 
fmä»  eine  Spur.  Es  ist  nur  die  Rede  von  der  Einsamkeit  oder  Ver^ 
MBenheit  seiner  Verbannung,  —  Eusebius  von  Vercelli  —  hatte  zwar 
en  seinem  Wächter,  dem -Bischöfe  Patrophilus  von  Scythopolis,  vieles 
a  dulden,  —  Ungebühr  und  Grausamkeit,  aber  er  hatte  stets  Gefährten 
1  seiner  Noth,  stets  Brüder  an  seiner  Seite  (Servua  Bei  Eusebius  cum 
miervii  »ui$  qui  mecum  fldei  causa  labarant,  PatropMlo  custodi  cum  suis). 

-  Von  Lucifer  kann  hier  nicht  die  Rede  seyn,  da  er  als  Schismatiker 
ndigtej  und  sein  stets  polterndes  und  herausforderndes  Wesen  —  per- 
Snliche  Insulten  eher  erklären  würde.  —  Dionysius  von  Mailand,  der 
ach  Cappadozien  verbannt  wurde,  starb  im  Exil  —  aber  man  erfährt 
ichts  ITäheres  über  ihn. 

Es  bleibt  nur  Hilarius  von  Poitiers  übrig.  Aber  er  bewegte  sich 
ut  grOsster  Freiheit  in  seiner  Verbannung,  verfasste  Schriften,  reiste 
on  einem  Orte  zum  andern,  schrieb  ungehindert  Briefe  nach  allen 
leiten,  stand  mit  den  Halbarianem  im  besten  Einvernehmen,  und  kehrte 

-  endlich  nach  Gallien  zurück,  ohne  dass  bis  zur  Stunde  Jemand  das 
ächste  Motiv  seiner  Rückkehr  weiss  ^).  Wer  möchte  es  wagen,  die  Lage 
es  Hilarius  mit  der  des  Osius  zu  vergleichen? 


')  Nach  Sufy,  Sev.  h.  s,  2,  45  wurde  er  aU  Bahestörer  des  Orients  zurfickverwiesen« 


1 

234  Sechttes  Buch.    Siebentes  Kapitel,  jj 


Ja  —  HomuB  hatta  einen  Begleiter  an  seiner  Seite  —  den  Potamioi  - 

▼on  Lissabon.  —    Aber  die  Verleomder  des  Hosiusi  die  oftgenannten  = 

Fanstin  und  Uaroellin,  sahen  sich  gezwungen,  cum  Böhme  des  Bona  ^ 

an  sagen,  dass  er  den  Potamios  als  Abtrünnigen  schon  in  Spanien  Te^  2 

folgte.  —    jyPotamios,^  sagen  sie,  «Bischof  der  Stadt  Lissabon ,  Te^  '•■ 

theidigte  inerst  den  katholischen  Glauben,   verleugnete  jedoch  qiitBr  > 

um  den  Lohn  eines  vom  Staate  gegebenen  Grundstückes  (praemiB  pmi  ' 

fUeäUB)^  nach  dem  er  yerlangt  hatte,  den  Glauben.  —    Ihn  entdeckte  3 

Onus  Ton  Corduba  bei  den  Kirchen  Spaniens  —  und  er.  wies  ihn  aorttck  a 

als  gottlosen  Eeaer.     Aber  Osius  wurde  nun  selbst  auf  die  Klage  dfli  s 

Potamius  su  dem  Könige  Constantius  gerufen  ^).^  i 

Wir  erfahren  hier  -^  einen  neuen  Incidenapunkt  über  die  VerbM-  ^^ 

nnng  des  Hosius,  der,  mag  er  —  bei  der  notorischen  LügfflahafljgWl  2 

unserer  Ludferianer  —  viel&ch  auf  Erdichtung  beruhen,  doch  insoftoi  > 

andere  Angaben  ergänzt  und  bestätigt,  nach  welchen  —  Potamius  an-  ^ 

gleich  mit  Hosius  in  Sirmium  war.  —    Diess  bezeugt  uns  HHariini  nit  « 

den  Worten:  qoi  Urne  apud  Sirmium  in  $mtmtiam  Poiamü  (Uqm  (M  s 

coneeiteranl  —  welche  damals  in  Sirmium  der  Meinung  des  Potamiii  s 

beigetreten  waren  ^).    Dieses  bestätigt  femer  auch  Phdbadius  Ton  Ag«  z 

in  seinem:  JU6er  eontta  Arianoi  top.  5  —  welcher  anführt:   «den  Borf  e 

des  Potamius,  der  Tom  Morgenlande  und  Tom  Abendlande  übersandsk  e 

worden  ist  (quae  ab  orieHte  et  oeddtnte  irantmüta  atj.     Derselbe  sagt:  .: 

jiMan  muss  verstehen  den  Ursacius,  Valens  und  Potamius,^  indem  m  : 

diese  drei  Männer  auf  die  gleiche  Linie  der  Heuchelei  stellt.  —  Andemn  c 

heisst  es,   dass  ^^unter  dem  Namen  des  Potamius''  (sub  nomine  FaUmä)  i 
—  die  sogenannte  zweite  sirmiscbe  Formel  übersendet  worden. 

Daraus  geht  zur  Genüge  hervor,  dass  Potamius  wirklich  im  J.  357  • 

mit  und  neben  Hosius  zu  Sirmium  anwesend  war.     Aber  —  wie  ksa  c 

Potamius  nach  Sirmium?    Kam  er  dahin  als  Verbannter,  mit  oder  naek  . 

Hosius?    Kam  er  dahin  —  mit  oder  ohne  seinen  freien  Willen?    Aths-  ; 

nasius  erwähnt  seiner  überhaupt  nicht,  weder  hier,  noch  sonst,  troz  dei  \ 

Briefes,  den  Potamius  nach  der  Synode  von  Rimini  an  ihn  geschiiebeB  < 

hat,  in  welchem  er  sich,  wie  Gregor  von  Elvira,  rein  waschen,  und  : 
als  orthodox  darstellen  wollte. 

Es  liegt  aber  —  nachdem  Potamius  schon  in  Portugal  vom  Glauben 
abgefallen,  und  dort  von  Hosius  „entdeckt''  worden  war,  nahe,  sa  ▼e^ 
muthen,  dass  er  —  vielleicht  nicht  beim  Kaiser,  aber  bei  den  beiden 
Ohrenbläsern  des  Kaisers  Valens  und  Ursacius  den  Hosius  denuncirt 
habe,  dass  er  —  entweder  freiwillig,  oder  —  einer  ergangenen  Ein* 


>)  Hunc  Onus  de  Corduba  apud  ecclesias  Ilispantarum  ei  detexit  et  repulä  ui  impiim 
haereticum,  Sed  et  ipse  Osius,  Poiamü  quertla  accersUus  ad  ComikmiÜmm  r^gsm  — 
L  c,  cap,  9  • —  Hbelius  precutru 

*)  HiL  ^  über  de  synodis  —  um  358  —  c<9>.  d. 


].  2.    CoDtUtntius  kommt  im  Juli  oder  August  357  nach  Sirmium  etc.     225 

tduDg  gerne  folgend,  -r-  den  Hosius  als  Quälgeist  nach  Sirmium  be- 
leitet habe.  —  Allerdings  weiss  Athanasius  nichts  von  seiner  Denun- 
ation,  aber  der  Bericht  der  Luciferianer  und  sein  Bericht  können  sich 
igänzen.  —  Die  Klagen  und  Einzelheiten,  mit  denen  Valens  und  Ur- 
ans dem  Kaiser  in  den  Ohren  lagen ,  und  die  oben  angeführt  wurden, 
muten  sie  füglich  yon  Potamius  erfahren  haben. 

Der  Portugiese  Michael  Joseph  Maceda  giebt  sich  in  einer  grossen 
äMertation,  —  die  ein  Anhang  seines  berühmten  Werkes  ist:  Hosius 
w€  äoncHu  —  BanarUae  1790^)  —  vergebliche  Mühe,  den  Potamius 
8  unschuldig  darzustellen^).  —  Er  will  ihn  aus  seinem  an  Atha- 
isius  nach  der  Synode  von  Rimini  gerichteten  Briefe  rechtfertigen. 
.ber  Niemand  ist  Richter  in  seiner  eigenen  Sache.  Und  ausdrücklich 
arichtet  Hieronymus,  „dass  einige  der  dort  gefallenen  Bischöfe  an  die 
tdcenner,  die  wegen  Athanasius  verbannt  waren,  Briefe  zu  schreiben 
pgmnnen^  (aXü  ad  tos  confessores ,  qui  <u6  nomine  Athanasii  exulabcmJt^ 
^eperwU  liUras  miUere,  —  adv.  Luciferianos  —  cap.  19),  —  Das  trifft 
of  Gregor  von  Elvira,  es  trifft  aber  auch  der  Hauptsache  nach  —  auf 
^otamius  zu.  —  Gregor  und  Potamius,  die  beide  der  Synode  von  Bimini 
nwohnten,  sehrieben  an  die  Häupter  der  Orthodoxen,  um  bei  ihrer 
Uekkehr  nach  Spanien  sich  dadurch  in  ein  günstiges  Licht  zu  sezen. 
*  Aber  wie  man  kein  Recht  hat,  aus  dem  Lobe,  das  sich  Gregor  von 
ÜTira  in  seinem  Briefe  an  Eusebius  selbst  spendete,  an  seine  Gerech- 
i|jkeit  und  Unschuld  zu  glauben,  so  ist  Maceda  nicht  im  Rechte,  aus 
Im  Briefe  des  Potamius  den  Schluss  zu  ziehen,  dass  er  „Freund  des 
A&inasius''  im  Jahre  359  war,  und  dass  er  im  J.  357  an  der  soge- 
ittimten  zweiten  Formel  von  Sirmium  keinen  Theil  hatte  ^). 

Die  Belastungszeugen  gegen  Potamius  sind  Hilarius  von  Poiticrs, 
'kSbadius  von  Agen,  die  erwähnten  Luciferianer,  indirecte  Zeugen 
jagen  ihn  sind  Hieronymus,  im  Zusammenhalte  des  uns  erhaltenen  Briefes 
les  Potamius  selbst,  —  sodann  Athanasius,  der  den  Brief  desselben  nicht 
«antwortet  zu  haben  scheint  —  Wenn  wir  uns  aber  nach  den  Ent- 
istangsseugen  umsehen,  welche  bei  Hosius  mehr  Glaubwürdigkeit  ver- 
lienen ,  so  weiss  uns  —  auch  Maceda  —  keinen  anzuführen ,  —  als  den 
^otamius  selbst,  und  seine  Auslassungen  —  können  wir  nicht  als  Ent- 


*)  Das  mir,  nach  ver^ebüchen  Nacbforschung^en  in  München,  Wien  und  Rom  — 
endlich  dnrch  die  Güte  des  Dr.  Jos.  Nolte  aas  Paris  gesendet  wurde. 

*)  —  Pi>iamiM  imnoceiUy  mnocentiae  M.  Hosü  vindexj  p.  381 — 440. 

*)  Tillemont  —  mmn,  8, 195  —  ist  im  Irrthnme ,  wenn  er  aus  dem  Umstände,  dass 
PoUmiiit  Arianer  wurde,  sehliesst,  Potamius  könne  seinen  (orthodox  lauten- 
den) Brief  nicht  geschrieben  haben.  Anderswo  (j.  7,  p.  774  —  Noten  zu  Euscb. 
▼on  Vercelli)  —  nennt  er  ihn  »einen  miserablen  Bischof  von  Lissabon**.  —  Ihm 
folgen  die  Brüder  Ballerini  in  Annahme  zweier  verschiedener  Potamius.  Cf,  op, 
Zsnofuf  €piac  p,  310.  Bei  diesen  fleissigen  Schriftstellern  ist  es  um  so  auflal- 
der,  dass  sie  sich  der  obigen  Stelle  des  Hieronymus  nicht  erinnerten. 

äsms,  span.  Kirehe.    II.  15 


226  Sechstes  Bach.     Siebentes  Kapitel. 

lastung  zulassen.  Niemanden  wird  die  Ausrede  überzeugen ,  dass  di« 
Belastungszeugen  Hilarius  und  Phöbadius  nicht  sagen ,  dass  Potamin 
Bischof  von  Lissabon  gewesen.  —  Denn  —  einen  zweiten  Potamia 
anzunehmen  y  ist  überall  kein  Grund  vorhanden.  Dazu  kommt ,  dasa  de 
Styl  der  beiden  Tractatus,  die  den  Namen  des  Potamius  tragen ,  im 
unsers  Briefes  —  unverkennbar  sich  gleichen ,  in  Beziehung  auf  bari» 
rische  Sprache ,  grässliche  Bilder  und  Unverständlichkeit  des  Siniies. 

Femer  wird  es  Niemand  überzeugen ,  dass  die  sogenannte  zweifa 
Formel  von  Sirmium  gefälscht ,  dass  das  obenerwähnte  Buch  des  Ph5 
badius  gefälscht  worden  y  worin  Potamius  dem  Valens  und  Ursacius  - 
gleichgestellt  werde.  Maceda  sucht  die  Worte  des  Phöbadius  —  „tarn 
vestrum,  id  est  epittola  Potamü,  quae  ab  Oriente  et  Occidente  transrmm 
est^^  —  als  vollendeten  ünsinn  darzustellen,  und  daraus  die  Pälscboni 
zu  erweisen  *).  —  Aber  —  auf  solche  Argumente  kann  man  sich  nich 
verlassen  y  weil  dadurch  alle  historischen  Zeugnisse  in  Frage  gestellt 
würden. 

Hatte  Hosius  an  dem  Kaiser  Constantius ,  an  seinem  verrätherischei 
Mitbischofe  Potamius  aus  Spanien  —  zwei  gewaltige  und  gefährliche 
Gegner  9  umlauerten  und  umlagerten  ihn  ohne  Zweifel  in  Sirmium  no^ 
viele  andere  falsche  Brüder,  Spione  und  Schergen  der  Gewalt,  denen 
gegenüber  der  hundertjährige  Greis  allein  stand,  und  denen  er  alleii 
ein  Jahr  lang  einen  Widerstand  leistete ,  der  über  jedes  Lob  erhabeq 
ist,  —  so  fehlt  es  vollends  der  deutschen  und  jeder  Sprache  an  Worteo, 
um  die  diabolische  Verworfenheit  seiner  beiden  Todfeinde  Valens  und 
Ursacius  darzustellen,  in  deren  Hände  Hosius  —  nach  den  verborgenen 
RathscMüssen  Gottes  ausgeliefert  war. 

„Diese  beiden  Ungeheuer  der  Gottlosigkeit^  [duo  iniguüatis  portenta^)] 

—  waren  beinahe  inmier  von  ihren  Sizen  entfernt  ^) ;  nach  Sirmium  aber 
hatten  die  Beiden  sehr  nahe,  und  ohne  Zweifel  —  quälten  sie  obM 
Ende  den  Hosius.  An  ihm  sich  furchtbar  zu  rächen,  hatten  sie  —  al> 
gesehen  von  ihrer  bodenlosen  Schlechtigkeit ,  von  menschlichem ,  und  toc 
ihrem  arianischen  Standpunkte  aus  die  ärgsten  Gründe.  Sie  —  wusstei 
sich  gehasst  und  verabscheut  von  Hosius.  —    Unter  seiner  Leitung  batt« 

—  die  Synode  von  Sardika  —  gerade  sie  —  vor  den  von  ihr  ver- 
dammten Arianern  gekennzeichnet  und  gebrandmarkt,  indem  sie  diese 
Beiden  j^gottlose  und  unverständige  Jünglinge*^  (d.  i.  dumme  'Jungen) 
nannte.  —  Dann  hatten  Valens  und  Ursacius  Busse  gethan,  an  Papst  Julius 
geschrieben,  waren  nach  B.om  gereist,  hatten  die  Arianer  verdammt,- 
347 1   auch  wehmüthig  und  demüthig  an  Athanasius  geschrieben. 


I)  Pho€bcuL  c.  5  L  eoHira  Ananas, 

*)  Siehe  Il^fricwn  gaerum,  t  7,  1817,  p.  587  —  Ecclesia  Munttm, 

^)  L,  c.  qua  (tcUna  Mun,  Vakn»)  fnre  umper  abfidt. 


§.  3.     GrauBamkeiten  —  gegen  Hosius. 

rie  ihre  Rache  aaf  jede  Art  an  ihm  kühlten,  daran  yrVn 
wofeln,  Vf&oa  bs  auch  nicht  noch  besonders  berichtet  würde, 
irar  fGr  ihn.    Niemand  schUzte  ihn. 

VerbannoDg  dauerte  ein  Jahr  asd  dartlber,  Mitte  des  J.  356 
üeber  die  Verfolgung  des  Kaisers  sagt  Athanasius  im  Ällge- 
Er  that  dem  Hosius  solche  Gewalt  an,  und  hielt  Ihn  so  lange 
tas  er  —  erschSpft  (&XißivTa),  endlich  kaom  mit  Valens  und 
Gemeinschaft  hielt*  —  Anderswo  sagt  er,  daas  Hosius  Heber 
nte  erduldete,  als  dass  er  die  Wahrheit  verrieth.  „FOrchtend 
ngen  des  Constantius,  schien  er  jenen  (den  Arianem)  nicht  zu 
hen;  sondern  die  viele  Gewalt  und  das  tyrannische  Ver- 
les  Constantius,  und  die  zahlreichen  Misshand- 
nnd  die  Schläge  zeigen,  däss  er  nicht,  weil  et  aas 
lielt,  sondern  weil  er  wegen  der  Schwachheit  des 
ie  Schläge  üicht  mehr  ertragen  konnte,  ihnen  eine 
;  nachgab  *). 

[inzuftlgung  eines  neuen  Umstandes  der  Verfolgung  erzählt  er 
ass  Hosius  später  „wegen  der  vielen  über  alles  Maass  ihm  et- 
:liDtge,  und  wegen  Nachstellungen  gegen  seine  Verwandten, 
in  Augenblick  wich,  als  Greis,  und  schwachen  Leibes*)", 
len  Verwandten  des  Hosius  kennen  wir  eben  nur  seine  Schwester. 
;lich,  dass  sie  ihres  Besizes  beraubt,  oder  gequält,  und  so 
rächt  wurde,  ihm  zu  schreiben,  dass  er  nachgehen  solle  (vor- 


228  Sechstes  Buch.     Slebeotes  Kapitel. 

ausgesezty  dass  sie  damals  noch  lebte).  In  allen  Jahrhunderten  haben 
die  Verfolger  der  Kirche  sich  dieses  höllischen  Mittels  bedient  j  um  sick 
an  den  standhaften  Bischöfen  zu  rächen.  —  Heinrich  U.  von  England 
verfolgte  die  Verwandten  des  Thomas  Becket.  Als  Heinrich  VIIL  Tot 
England  y  der  grosse  Wüthericb,  des  Kardinals  Reginald  Polus  (Pole)  - 
nicht  habhaft  werden  konnte ,  liess  er  seine  Mutter  ^  seinen  Bruder  ^  und  '^ 
mehrere  seiner  Freunde  hinrichten. 

Die  Berichte  des  Socrates  und  Sozomenus  über  die  Grausamkeiten  T 
gegen  Hosius  lassen  sich  auf  Athanasius   zurückführen.     Socrates  sagt, 
;,der  in  jener  Zeit  allberühmte  Hosius ,  Bischof  von  Corduba,   war  nn- 
freiwillig  in  Sirmium  zugegen**  *).  —    Er  verwechselt  aber  die  Synode  , 
von  351  gegen  Photinus  —  mit  der  von  357.  —   Hosius  konnte  im  Jib  '" 
351   unmöglich  als  Verbannter  in  Sirmium  seyn  y   indem  er  damals  —  ^ 
innerhalb  des  dem  Magnentius  unterworfenen  Gebietes  sich  befand').—  /* 
Socrates  berichtet  zum  zweitenmale  den  gleichen  Irrthum.     Sonst  aber  "^ 
ist  es  wahr,  dass  er  (fünf  Jahre  später)  durch  die  NachsteUungen  der  ' 
Arianer  in  die  Verbannung  geschickt  wurde.    ^^Damals,^  fährt  Socnliei ' 
fort,   „liess  ihn   auf  Betreiben  der  in  Sirmium  Weilenden   der  Eaiier  ^ 
konmien,  indem  er  verlangte,  dass  er  entweder  durch  Ueberredung  ode^  ° 
mit  Gewalt  den  Anwesenden  beistimme.      Wäre  diess  geschehen,  9  ^ 
schien   ihrem  Glaubensbekenntniss   das  gewichtigste  Zeugniss  su  Thel ''}~ 
geworden  zu  seyn.    Desswegen  nun  war  er,  wie  ich  sagte,  geawuQga  ^ 
und  unfreiwillig  anwesend.     Da  er  es  aber  verweigerte  ^) ,  sich  ihw  ^ 
beizugesellen,  so  thaten  sie  dem  Greise  durch  Schläge  und  Martern«*'^ 
die  äusserste  Gewalt  an.     Desswegen  fügte  er  sich  auch  gezwungen  —  ^ 
den  damals  ausgegebenen  Glaubensformeln  und  unterschrieb.^ 

Wie  —  wenig  zuverlässig  —  abgesehen  von  den  aus  Athanasiü  _ 
entlehnten  Einzelnheiten  —  dieser  Bericht  sei,  beweisen  auf  das  Nett  " 
die  Schlussworte:  „Solchen  Ausgang  hatten  die  damals  in  Sirmium  for  '^ 
sich  gdienden  Dinge.  Der  Kaiser  Constantius  aber  verweilte  längen  u 
Zeit  in  Sirmium,  weil  er  den  Ausgang  des  Krieges  gegen  Magnentiv  ^ 
abwartete.^  Dann  erst  folgt  der  Bericht  über  das  Ende  des  Magnen- 
tius, die  Sjrnode  von  Mailand  355,  und  unmittelbar  nachher  die  Synode  _ 
von  Bimini  359. 

Sozomenus  erwähnt  eines  Briefes  des  Hosius  an  die  A^'tianer,  seine  . 
Verbannung  und  seine  Leiden  in  Sirmium  [wovon  des  Zusammenhanget  ^ 
wegen  in  %.  4]  *).  ^ 


•)  Socrat.  2,  29.  31. 

*)  Eine  Uebersicht  über  die  Literatur  über  Photin  und  die  Synoden  von  Sinninn 

siehe  in  meinem  Artikel  •»Photinns"  im  Freiburgcr  Kirchenlexikon»  Bd.8)440>  "^ 

—  Hefele,  1,623. 
')  —  Soc,  2f  31  ^  ijtil  dh  avrof  Mo^eiro  CwriS^öSat,  MhffciQ  rt  mU  CrgaftJUiötK 

0  Soxom.  4,  6f  13,  15. 


US,  nnd  die  Bpätern  Epiphanius,  Sulpicios  Sevenis  und  An- 
Lblen  nichts  von  Verfolgungen  gegen  HosiuB  in  seiner  Vei> 
in  der  sie  nur  indirect  handeln. 

beiden  Xjuciferianer  können  die  Verbannung  nicht  leugnen, 
1  sie  ein  Intwesse  haben ,  den  Fall  des  Hosius  mÖgUdist  ecla- 
Luenhaft  dannstellen ,  —  so  erdichten  sie.    Sie  sagen :  „Aber 

auf  die  Klage  des  Fotanuus  zu  dem  Kaiser  CoDStantius  be- 
^rschreckt  durch  Drohungen,  aus  Furcht,  er  ein  Greb  and 
te  VerbannoDg  und  Aechtung  zu  erdulden  haben,  giebt  die 
Grottlomgkeit ,  nnd  —  nach  sc  vielen  Jahren  —  fällt  er  ab 
n*)."  —  E»  ist  seltsam,  dass  sie  von  einer  Furcht  der  Ver- 
len ,  und  von  Drohungen  1  Aber  —  sie  müssen  doch  so  viel 
ch  zugestehen,  dass  Hosius  verbannt  und  verfolgt  wurde,  und 

dem  Zwange  unterlag  (wenn  er  überhaupt  unterlegen  ist). 

ode  der  Arianer  za  Sinuium,  Mitte  des  J.  357;  die 
rmisclie  Formel    Hosius  hat  keinen  Antheil  an  ihr. 

Mitte  des  Jahres  357  and  in  der  Anwesenheit  des  Eüsers 
,  der  vor  der  sweiten  Hslfte  des  Juli  nicht  wohl  in  Sirmiam 
e,  da  er  in  den  ersten  Tagen  des  Monats  noch  in  Mailand 
n  die  Arianer,  die  sich  inzwischen  strenger  in  die  Partheien 
und  Gangarianer  (Änomäer,  Agtianer,  Eunomianer)  geecbie- 
,  eine  Synode,  deren  Ergebniss  die  zweite  sirmische  Formel, 
rh    mn    vorilhoi^i-flhftndp.r  Slew  der  strnnp^n   Arianer  —    über 


230  Sechstes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

ansezen  zu  dürfen.  Der  ausführlichste  Bericht  darüber  findet  uch  W 
SozoHienuSy  der  aber  leider  verschiedene  Dinge  mit  einander  Terwech- 
seit,  und  desswegen  weniger  zuverlässig  ist;  —  Es  gehört  nicht  in 
meiner  Aufgabe,  die  verschiedenen  sirmischen  Formeln  auseinand^  n 
sezen,  und  zu  halten.  Denn  troz  der  Verwirrung,  welche  Socrates  und 
Sozomenus  in  diese  Geschichte  gebracht  haben,  muss  es  als  historisobe 
Errungenschaft  der  Gegenwart  angenommen  werden ,  dass  die  erste  grom 
Synode  von  Sirmium  semiarianisch ,  und  damals  Hosius  nicht  zugegen,  die 
zweite  vom  J.  357  ganz  arianisch,  zur  Zeit  der  Anwesenheit  des  Hosius,  dit 
dritte  im  J.  358  wieder  semiarianisch  war,  zur  Zeit  der  Anwesenhot 
des  Papstes  Liberius  ^).  Diess  vorausgesezt,  fügen  wir  die  Erzihltmjf 
des  Sozomenus  hier  ein^): 

„Als  der  Kaiser  zu  dieser  Zeit  in  Sirmium  weilte ,  berief  er  eiti 
Synode  der  Bischöfe  (351).  Aus  dem  Morgenlande  waren  neben  mehreren 
andern  Georgius  von  Alexandrien ,  BasUius  von  Anoyra  (das  anerkannte 
Haupt  der  Halbarianer)  und  Marcus  von  Arethusa  —  dahin  gekommefi. 
Aus  den  Provinzen  des  Abendlandes  aber  Valens,  Bischof  von  Mivbi^ 
und  der  Bekenner  Hosius;  er,  der  theilgenommen  hatte  an  der  Synode 
von  Nicäa,  nahm  an  dieser  unfreiwilligen  Antheil.  Denn  dieser  im 
kurz  zuvor  durch  die  List  —  und  die  Nachstellungen  d^  Arianer  — 
zu  der  Verbannung  verurtheilt  worden,  und  wurde  auf  Betreiben  der 
in  Sirmium  Zusainmengetretenen  von  dem  Könige  berufen.  Denn  ae 
glaubten y  wenn  sie  ihn,  sei  es  durch  Ueberredung  oder  durch  Gewalt 

—  zur  Beistimmung  brächten,  einen  überall  berühmten ,  und  von  alka 
bewunderten  Mann,  er  ihnen  ein  hochschäzbares  Zeugniss  ihres  eigeneo 
Bekenntnisses  seyn  werde.  Als  sie  nun  in  Sirmium  zusammengekommoi 
waren  (es  war  dieses  das  Jahr  nach  dem  Consulate  des  Sergius  nvA 
Nigrinian,  in  welchem  Jahre  weder  im  Morgenlande  noch  im  Abend- 
lande  ein  Consul  war   (es  sind  die  beiden  Jahre  350  und  351  gemeint) 

—  wegen  der  von  den  Tyrannen  im  Reiche  erregten  Verwirrung;  »o 
sezten  sie  zunächst  den  Photinus  ab,  als  einen  Anhänger  des  Sabellins 
und  des  Paulus  von  Samosata.  Als  dieses  geschehen  war,  gaben  ne, 
entgegen  dem,  was  früher  geschehen  war,  drei  Glaubensformeln  heraos. 
Die  eine  schrieben  sie  in  griechischer  Sprache,  die  zwei  andern  in 
lateinischer  Sprache;  dieselben  waren  weder  dem  Wortlaute,  noch  dem 
^inne  nach,  fast  überall,  weder  unter  einander  noch  mit  den  frühern 
Formeln  —  übereinstimmend ')." 

—  Dann  geht  er  an  eine  Beschreibung  dieser  drei  Formeln,  die  er 
gleichfalls  verwirrt.  Seine  Hauptirrthümer  bestehen  aber  darin,  dass  er, 
dem  Socrates  nachfolgend  und  ihn  überbietend,   drei  Synoden  von  351? 


')  Das  Nähere  bei  Hefelc,  8.  618  -  652  —  656  ü^. 
»)  Sox.  4,  6. 
»)  Ibid. 


f.  4:     Synode  der  Arianer  su  Sinnium,  Mitte  des  J.  357  etc.        231 

57  und  358  in  eine  einsige  susammenwirft^  die  vom  J.  351 ,  und  dass 
r  diese  einzige  Synode  —  unglaublich  zu  reden  —  drei  verschiedene 
flaubensformeln  —  herausgeben  lässt.  Seine  Inhaltsangabe  der  zweiten 
nnischen  Foimel  ist  indess  nicht  unrichtig. 

Nachdem  sich  Sozomenus  an  seinen  unvereinbaifen  Widersprüchen 
Icht  gestossen,  fährt  er  in  Betreff  des  Hosius  fort:  ^^Solches  beschlossen 
B  in  Betreff  des  Glaubens ,  während  der  Kaiser  selbst  zugegen  war. 
onus  nun  weigerte  sich  zwar  anfangs,  ihnen  beizustimmen.  Da  er  aber 
sswungen  wurde,  und,  wie  gesagt,  er  —  ein  Greis  —  Schläge 
i  erdulden  hatte,  so  stimmte  er  bei  und  unterschrieb.''  Dann  wird 
diter  yon  Photinus  gehandelt 

Unrichtig  ist  es  femer,  dass  —  Constantius,  nachdem  er  von  Rom 
hch  Sirmium  (357)  gekommen,  dahin  den  Liberius  aus  Beröa  berieft), 
as  Leztere  geschah  vielmehr  erst  im  J.  358.  Doch  enthält  das 
fölfte  und  fünfizehnte  Kapitel  des  vierten  Buches  des  Sozomenus  eine 
Dgabe  über  einen  Brief  des  Hosius  an  die  Arianer,  welche  wir  in 
ai  nächsten  Paragraphen  zu  verwerthen  gedenken. 

Dagegen  können  wir  indirect  aus  den  Angaben  des  Sozomenus,  im 
asammenhalte  mit  andern  Nachrichten  und  Berichterstattern ,  schliessen, 
«8  der  Synode  von  357  nur  abendländische  Bischöfe  beigewohnt  haben. 
idem  scheint  die  Zahl  derselben  nicht  gross  gewesen  zu  seyn.  „Ho- 
m  hatte  nemlich  ,^  berichtet  Sozomenus  ^) ,  „zugleich  mit  einigen  dort 
Endlichen  Bischöfen,  um  die  Streitigkeiten  des  Valens,  Ursacius  und 
tfminius  (Bischofes  von  Sirmium)  zu  heben,  gezwungen  in  Sirmium, 
ie  gesagt  worden,  seine  Uebereinstimmung  dahin  ausgesprochen,  dass 
der  das  Wort  „gleichen  noch  ähnlichen  Wesens^'  gebraucht  werden 
Ute;  da  diese  Worte  weder  irgendwo  in  der  heiligen  Schrift  gefunden 
irden,  und  eine  allzu  neugierige  Erforschung  —  über  den  Geist  des 
Bnschen  hinausgehe.  Als  sie  nun  darüber  einen  Brief  des  Hosius  sich 
■gewirkt  hatten,  so  überschickte  Eudoxius  einen  Brief,  in  welchem 
dem  Valens,  Ursacius  und  Germinius  seinen  Dank  aussprach,  und 
ihrer  Thätigkeit  zu  verdanken  bekannte,  dass  die  Abendländer  richtig 
urten.'' 

Hier  werden  also  nur  —  mit  Hosius  —  vier  Bischöfe  aufgeführt, 
ilche  damals  in  Sirmium  sich  befanden.  Als  fünften  müssen  wir  den- 
iben  den  Potamius  beifügen.  —  Zu  demselben  Ergebnisse  der  ge- 
igen Zahl  der  anwesenden  Bischöfe  gelangen  wir,  wenn  wir  auf  den 
Ticht  des  Hilarius  über  diese  Synode  und  ihre  Glaubensformel  Rück- 
ht  nehmen.  Wir  führen  sie  nach  ihm  an.  Er  giebt  der  zweiten  sir- 
ischen Formel  die  üeberschrift:  Exemplum  blasphemiae  aptid  Sirmium 
r  Onum  et  Potamium  conscriptae   —    (Ein  Exemplar  der  Blasphemie, 

')  Soz,  4,  15, 
')  lind.  4,  12. 


232  Sechstes  Bach.     Siebentes  Kapitel. 

welche  in  Sinnium  —   durch  Hosius  und  Potamius  niedergeschrieben 
wurde  (vorausgesezt,  dass  diese  Ueberschrift  von  Hilarius  selbst  ist). 

^Da  es  sich  zeigte,  dass  in  Betreff  des  Ql^bens  —  einiger  Strot 
herrsche ,  so  ist  in  Sirmium  alles  mit  Fleiss  verhandelt  und  erörtert  woi^ 
den ,  und  zwar  in  Gegenwart  unserer  heiligsten  Brüder  und  Mitbisehöfe 
Valens,  ürsacius  und  Germinius.** 

Dem  Aktenstücke  selbst  geht  der  Name  seines  Verfassers  weder 
voran,  noch  nach.  Denn  es  ist  nicht  zu  zweifeln ,  dass  die  UebeK>- 
schrift  der  zweiten  sirmischen  Formel:  Exemplum  blasphemiae  Apmi 
Sirmium  per  Osium  et  Potamium  conscriptae  —  sei  es  von  Hilarius*), 
dem  das  Wort  blasphemia  äusserst  geläufig  ist,  oder  von  einem  Redactor 
seiner  Schriften  herrühre.  Es  ist  natürlich,  dass,  wenn  die  ZMA  dsr 
versammelten  Bischöfe  eine  grössere  gewesen  wäre,  die  Namen  der  An- 
wesenden beigefügt  worden  wären,  um  der  Formel  grössere  Auctoritti 
zu  verschaffen.  —  Wir  sind  berechtigt  anzunehmen,  dass  nur  Valens, 
Ürsacius,  und  der  von  ihnen  jezt  beherrschte,  in  spUtem  Jahren  aber 
sich  von  ihnen  emanzipirende  Bischof  Germinius  sich  zu  einem  Concilia- 
bulum  zusammenthaten.  —  Nebstdem  nehmen  wir  an,  dass  Potamius 
sich  dazu  hergab,  seinen  Namen  der  Formel  zu  leihen,  als  wäre  erder 
Verfasser. 

Aber  die  von  Athanasius^),  und  nach  ihm  von  Socrates*)  uns  mit- 
getheilte  zweite  sirmische  Formel  —  hat  nach  „Germinius'^  noch  dm 
Zusaz:  „und  der  Uebrigen^,  woraus  zu  entnehmen,  dass  eine  grössere 
Zahl  anwesend  gewesen.  Woher  hat  Athanasius  diesen  Zusae?  und 
wenn  derselbe  acht  ist,  warum  fehlt  er  bei  Hilarius?  Die  Schrift  des 
Hilarius:  „Ueber  die  Synoden''  ist  verfasst  am  Ende  des  Jahres  368; 
die  Schrift  des  Phöbadius:  „gegen  die  Arianer^,  welche  der  sirmischen 
Formel  ihr  Entstehen  zu  verdanken  hat,  ist  höchst  wahrscheinlich  etwas 
früher,  und  gleichfalls  im  J.  358  verfasst,  vielleicht  noch  am  Ende  des 
J.  357,  die  Schrift  des  Athanasius  dagegen:  „üeber  die  Synoden*,  ist 
nach  den  Sjrnoden  von  Rimini  und  Seleucia  verfasst,  also  am  Ende  des 
J.  359  oder  im  J.  360.  —  Demnach  scheint  die  Auslassung  des  Hilarius 
mehr  für  sich  zu  haben.  Dazu  kommt ,  dass  die  zweite  sirmische  Formel 
lateinisch  verfasst  war^),  und  uns  Athanasius  eine  griechische  Uebe^ 
sezung  mittheilt.  Die  Uebersezung  gieng  wohl  von  den  Arianem  selbst 
aus,  denn  von  Sirmium  wurde  die  Formel  u.  a.  nach  Antiochien  ge- 
sendet. Die  Uebersezer  «her  machten  den  Zusaz:  „und  die  Uebrigen', 
um  der  Formel  mehr  Gewicht  zu  verschaffen.  Aber  gerade  dieser  Zo- 
saz  ist  ein  Beweis,  dass  ausser  den  genannten  (und  Potamius)  andere 


')  So  meint  Valesius  zu  Socr.  2,  30.  Ann.  3. 
')  Äthan,  de  synod.  cap.  2S. 
.  »)  SocraL  2,  30. 


{.  4     Synode  der  Arianer  sa  Sirmitim,  Mitte  des  J.  357  etc.        233 

ischöfe  nicht  sngegen  waren;  denn  sonst  werden  die  Anwesenden  na- 
entlidi  aufgeführt  So  hielten  es  die  Arianer  und  Orthodoxen  in  Sar- 
ka;  so  hielten  es  die  Halbarianer  zu  Sirmium  im  J.351  und  im  J.  368  sq. 

Wenn  Hosins  wirklich  dem  Conciliabulum  der  drei  Arianer  ange- 
»hnt  hätte 9  so  hätten  sie  gewiss  seineli  Namen  nicht  ausgelassen,  da 
)  ja  das  Protokoll  führten,  und  es  in  Händen  hatten.  Ja  selbst  an 
r  Gegenwart  des  Potamius  kann  man  zweifeln,  weil  er  nicht  erwähnt 
ird.  Jedoch  dgnete  er  sich  die  Formel  an,  und  wenn  er  sie  auch 
eht  Ycrfasste,  so  unterschrieb  er  sie  doch  und  colportirte  sie. 

Die  Formel  selbst  aber  lautet,  mit  Weglassung  der  einleitenden 
^orte,  also:  Es  ist  anerkannt,  dass  es  nur  einen  Gott  und  allmächtigen 
iter  gebe,  wie  es  geglaubt  wird  auf  der  ganzen  Welt,  und  einen  ein- 
g;en  Sohn  desselben,  unsem  Herrn  Jesum  Christum  den  Erlöser,  der 

■  ihm  vor  der  Welt  geboren  ist  (ante  ituetda  gmUum).  Zwei  Götter 
ler  könne  und  dürfe  man  nicht  lehren;  denn  der  Herr  selbst  sagt: 
li  gehe  zu  meinem  Vater,  und  zu  euerem  Vater,  zu  meinem  Gotte 
id  XU  euerem  Gotte  (Joh.  20,  17).  Durum  ist  der  Gott  aller  einer, 
id  der  Apostel  lehrt:  Ist  denn  Gott  nur  der  Juden,  nicht  auch  der 
«den?  Ja,  auch  der  Heiden.  Denn  —  es  ist  ein  einziger  Gt>tt, 
elcher  den  Beschnittenen  durch  den  Glauben,  und  den  Unbesohnit- 
nea  durch  den  Glauben  gerecht  macht  (Rom.  3,  29 — 30).  —  Aber  auch 
Mr  das  Uebrige  hat  man  sich  verständigt  (d.  h.  das  obige  Kleeblatt), 
id  es  konnte  kein  Meinungsunterschied  Plaz  greifen.  Was  aber  einige 
ler  Viele  [mehr  oder  weniger  Andere]  ^)  in  Bewegung  sezte  in 
Blreff  der  Substanz'),  welche  griechisch  „uaia^^  genannt  wird,  das  ist 
bmit  es  deutlicher  verstanden  werde)  homounUmy  oder  was  genannt 
ffd  homoeugion  (gleichen  und  ähnlichen  Wesens),  davon  dürfe  durch- 

■  keine  Erwähnung  gethan  werden;  noch  solle  Jemand  es  predigen, 
Bi  dmn  Grunde  und  der  Ursache,  weil  es  weder  in  den  heiligen  Schriften 
rthalten  ist,  und  weil  es  über  das  Wissen  des  Menschen  hinausgeht, 
id  weil  Niemand  die  Geburt  des  Sohnes  erzählen  kann,  von  dem  ge- 
hrieben ist:  Wer  wird  erzählen  seine  Geburt  (Jes.  &3,  8)?  Es  ist  aber 
lenbar,  dass  nur  der  Vater  weiss,  wie  er  seinen  Sohn  erzeuget  hat, 
id  nur  der  Sohn,  wie  er  vom  Vater  gezeugt  worden.  Es  ist  kein 
sdenken  (nulla  onMguUasJf  dass  der  Vater  grösser  sei.  Es  kann  Nie- 
and  zweifelhaft  seyn,  dass  der  Vater  —  an  Ehre,  Würde,  Herrlich- 
eit,  Majestät,  und  schon  wegen  des  Namens:  Vater  —  grösser  sei  als 
BT  Sohn,  der  es  selbst  bezeugt:  Der  mich  gesandt  hat,  ist  grösser,  als 


0  Bei  Hilarins:  quasdam  aut  multos.  Die  Cod,  Lip9,  et  Par,  lesen:  qw>$dam  haud 
wuUoB,  —  Atfaanas.  liest:  jtoJUovs  rivag  —  worunter  man  nieht  Anwesende, 
sondern  Abwesende  zu  verstehen  hat 

*)  Im  Griechischen  Covßorayria;  bei  Athanas.,  bei  Socrates  öwßttccftagy  bei  Ni- 
eephor.  Cowörccvriotig. 


234  Bechates  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

ich  (Job.  14y  28).  —  Und  dass  diess  katholisch  sei,  ist  Niemand  unbe- 
kannt, dass  es  nemlich  zwei  Personen  des  Vaters  und  des  Sohnes  seien, 
der  Vater  grösser,  der  Sohn  (dem  Vater)  unterworfen  —  mit  allem 
dem,  was  der  Vater  ihm  unterworfen  hat.  Dass  der  Vater  keinen  An- 
fang habe,  dass  er  unsichtbar,  unsterblich,  des  Leidens  nicht  fAhig  sei; 
dass  aber  der  Sohn  aus  dem  Vater  geboren  sei,  Gott  aus  Gott,  Licht 
aus  dem  Lichte.  Aber  die  Geburt  des  Sohnes  wisse,  wie  Torher  ge- 
sagt wurde.  Niemand  als  sein  Vater.  Der  Sohn  Gottes  selbst  aber  -^ 
unser  Herr  und  Gott  habe,  wie  gelesen  wird,  Fleisch  oder  einmi  Körper, 
das  ist  die  Menschheit  angenommen  aus  dem  Leibe  der  Jungfrau  Maria, 
wie  der  Engel  es  verkündigt  hat  (Luc  1,  31).  Wie  aber  alle  Scbriftoi 
lehren ,  und  besonders  der  Völkerlehrer  der  Apostel ,  dass  er  die  Mensck 
heit  angenommen  —  aus  Maria  der  Jungfrau,  durch  welche  er  gelitten 
hat  [per  quem  (ic  hominem)  compassua  est],  Diess  aber  ist  der  SohfaiM 
des  gapzen  Glaubens  und  dieses  seine  Begründung,  dass  die  Dreieinig- 
keit immer  festzuhalten  ist,  wie  wir  in  dem  Evangelium  lesen:  Gehet 
hin,  und  taufet  alle  Völker  in  dem  Namen  des  Vaters,  und  des  Sohnes 
und  des  heiligen  Geistes  (Matth.  28  >  19).  Ganz  und  vollkommen  ist  die 
Zahl  der  Dreieinigkeit  Der  Paraclet  aber  der  Geist  ist  durch  den-  Sohn, 
dec  kam,  gesendet  nach  der  Verheissung,  dass  er  die  Apostel,  und  alle 
Glaubenden  unterrichtete,  lehrte,  heiligte. 

Fragen  wir  nun  nach  dem  Verfasser  dieser  Formel.  Das  Ergebni» 
unserer  Untersuchung  ist,  dass  weder  Potamius  noch  Hosius  zusamnien, 
noch  Jeder  —  von  diesen  allein  der  Verf&sser  sei;  ferner  —  dass  da 
Sinn  der  Formel  die  Ueberzeugung  des  Valens  und  Ursacius  ausdrücke, 
soweit  sie  eine  solche  hatten ,  dass  aber  die  Formel  selbst  von  Germinins 
sei  es  dictirt,  sei  es  niedergeschrieben  wurde. 

Uilarius  sagt  ohne  weiteres,  diese  Formel,  die  er,  und  mit  Becht, 
stets  Blasphemie  nennt,  sei  ^von  Hosius  und  Potamius''  geschrieben 
worden  ^).  Sollte  indess  die  Ueberschrift  der  von  ihm  mitgetheilten 
Formel  nicht  ^us  seiner  Feder  geflossen  seyn ,  -7-  so  war  er  wenigstens 
eine  Zeitlang  dieser  Ansicht,  dass  die  Formel  zugleich  das  Machwerk 
des  Osius  und  Potamius  gewesen ,  denn  er  spricht  von  Denjenigen,  welche 
damals  bei  Sirmium  der  Meinung  des  Potamius  und  Osius  beitraten  (qui 
tune  apud  Sirmium  in  iententiitm  Potamii  atque  Osii  —  eonfieuerani  — 
de  8yn,  c(xp.  3).  Aber  —  Hilarius  steht  mit  dieser  Aussage  ganz  isolirt  da. 
Phöbadius,  der  vor  ihm  gegen  die  sirmische  Formel  geschrieben,  weiss 
davon  nichts;  Athanasius  und  Epiphanius  wissen  nichts  davon.  Solpi- 
cius  Severus  weiss  nichts  davon.  Die  Spätem  sind  hier  zu  übergehen. 
Es  war  an  sich  möglich,  dass  beide  Spanier  zusammen  sich  in  der  An- 
nahme der  Formel  geeinigt  hätten;  Hosius  aus  Zwang,  Potamius  ans 
—  gebrochener  —  Ueberzeugung.     Aber  dann  konnte  nur  einer  der- 


n  Exemplum  hkuphemitu  per  Ontm  et  Potamiitm  contcriptae. 


f.  4.     Synode  der  Arianer  sa  Sirmium,  Mitte  des  J.  357  etc.         235 

selben  die  Formel  schreiben  oder  dictiren.  Diess  liegt  in  der  Natur  der 
Sache  j  dasa  jedes  Document ,  das  die  Meinung  einer  Mehrheit  ausdrückt, 
nur  Ton  Einem  concipirt  oder  redigirt  wird.  Nun  kann  es  bezweifelt 
werden,  dass  die  mehrerwähnte  Ueberschrift  der  Formel  von  Hilarius 
itamme ,  es  kann  aber  nicht  bezweifelt  werden ,  dass  die  eben  angeführten 
Worte  —  aus  Kap.  3  —  Worte  des  Hilarius  seien.  Hier  stellt  er  den 
Potamias  dem  Hosius  voran,  den  Unbekannten  dem  Bekannten,  den 
einmal  Oenannten  und  dann  in  Vergessenheit  Begrabenen  dem  Ällbe^ 
kannten.  Warum  dieses?  da  doch  der  natürliche  Zug  dahin  zieht,  stets 
die  Bekannteren  voranzustellen;  wie  man  z.  B.  fast  immer  Valens  und 
Ursados  sagt;  wie  z.B.  Hilarius  bei  Nennung  der  Semiarianer  stets  den 
BasiliiB  als  ihr  Haupt  voranstellt.  Aber  Potamius  steht  voran,  weil 
ffilarios  weiss,  dass  er  die  sirmische  Formel  —  mit  seiner  Unterschrift 
fersendet  hat  Er  mochte  sich  also  denken,  dass  Potamius  die  Formel 
gesehrieben,  Hosius  sie  dictirt  habe.  —  Zu  dieser  Meinung  konnte  er 
aus  mehreren  Gründen  kommen ;  erstens  aus  den  oben  angeführten  Ein- 
gangsworten der  Formel,  in  welchen  nur  drei  Bischöfe  angeführt  sind, 
Ton  denen  es  heisst:  „In  Gegenwart  unserer  heiligsten  Brüder  und  Mit- 
Utdiöfe  Valens^  Ursacius  und  Germinius^.  —  Der  Wortlaut  kann  hier 
die  Meinung  hervorrufen,  dass  der  —  oder  die  Schreibenden  verschie^ 
dene  Personen  von  den  Genannten  seien;  denn  es  erscheint  als  wider- 
sinnig, dass  die  obigen  Drei,  wenn  die  Formel  ihr  Machwerk  gewesen, 
oeh  selbst  heiligste  Brüder  und  Mitbischöfe  genannt  haben  sollten;  es 
erscheint  als  widersinnig,  wenn  bloss  drei  Bischöfe  irgendwo  versanmielt 
■nd,  dass  sie  selbst  sagen,  statt  etwa  —  da  wir  versammelt  waren,  da 
msere  heiligsten  Brüder  und  Mitbischöfe  versammelt  waren.  Zweitens 
—  ist  die  Betheiligung  des  Potamius ,  wenn  nicht  an  dem  Conciliabulum, 
80  doch  an  der  Versendung  der  Formel  erwiesen.  Drittens  hat  Hosius 
in  irgendeiner  Form  gegen  die  erwähnten  drei  Arianer  einen  Akt  der 
Nachgiebigkeit  vollzogen.  Viertens  waren  die  Semiarianer,  die  ich 
w^en  ihres  Hauptes  Basilianer  nennen  will,  aufs  Höchste  erbittert 
über  die  zweite  sirmische  Formel,  deren  Urheber  sie  aus  der  Gunst 
ond  Nähe  ihres  Abgottes,  des  Kaisers,  hin  weggeschoben  hatten,  und 
in  ihrem  ohnmächtigen  Zorne  —  mochten  sie  den  ihnen  zum  Tode 
verhassten  Osius  —  den  sie,  hätte  er  ein  halbarianisches  Symbol  unter- 
zeichnet, über  die  Sterne  erhoben  hätten  —  vielleicht  mit  dem  wahren 
Sachverhalt  nicht  bekannt,  umsomehr  —  verleumden  und  verlästern, 
imd  den  Hilarius  in  seiner  irrigen  Meinung  bestärken.  —  Hilarius  selbst 
aber  befimd  sich  in  den  Jahren  358  bis  360  in  dem  Zustande  einer 
Au%er^heit,  welche  ihn  zu  einer  ruhigen  Prüfung  weniger  geeignet 
machte.  —  Er  war  „innerhalb  der  zehn  Provinzen  von  Asien*'  gestellt, 
in  der  Mitte  von  lauter  Halbarianem.  Denn  „ausser  dem  Bischöfe  Eleu- 
sius  (von  Cyzikus)  —  und  Wenigen  mit  ihm,  kennen  grösstentheils  die 
zehn  Provinzen,  innerhalb  deren  ich  mich  befinde,  in  der  That  Gott 


236  Sechstes  Buch.     Siebentes  Kapitel« 

nicht''  ^).  Aber  gerade  dieser  Eleusias,  den  er  mit  Basiliiis  und  Eofithatins 
;,einen  heiligsten  Mann''  nennt,  war  ein  anerkanntes  Haupt  der  Halb- 
arianer,  und  hat,  so  zu  sagen,  niemals  ein  katholisches  Lfebenss^chen 
von  sich  gegeben.  Niemanden  fällt  es  ein ,  ihn  desswegen ,  weil  Hüarius 
ihn  für  einen,  katholischen  Bischof  erklärt,  auch  für  einen  solchen  zu 
erklären.    £r  ist  und  bleibt  ein  Arianer  ^). 

Hilarius  ist  der  einzige,  der  den  Hosius  für  den  Urhebdr  oder  den 
Miturheber  der  zweiten  sirmischen  Formel  hält.  Also  sind  Diejenigeii, 
welche  auf  sein  Zeugniss  gestüzt,  ihn  für  den  Urheber  halten,  nicht  im 
Rechte,  oder  sie  sind  durch  die  Consequenz  gezwungen,  den  Eleusiui 
für  einen  Katholiken  zu  halten,  bloss  weil  es  Hilarius  sagt  und  ▼e^ 
bürgt  T-  Hilarius  hat  sich  in  gar  vielen  Fällen  getäuscht  Er  schreibt 
u.  a.  im  J.  360  an  den  Eoiiser  Constantius:  „Ich  habe  keinen  geringen 
Zeugen  meiner  Klagen^  meinen  Herrn,  deinen  frommen  Cäsar  Julianus' 
(dominum  meum  rdigioium  Caesarem  iuum  Jidumum).  Nach  einem  Jahre 
schon  warf  Julian  die  Maske  ab,  und  zeigte  die  wahre  Natur  seiner 
FriSmmigkeit  —  Aber  vielleicht  findet  man  dieses  Beispiel  nicht  passend, 
weil  Julian  noch  am  6.  Januar  361  zu  Vienne  an  dem  Gottesdienste  der 
Christen  Antheil  nahm  ^).  —  Doch  —  in  Beziehung  auf  die  Täusdiung 
habe  ich  dieses  Beispiel  angeführt.  Hilarius  liess  sich  durch  die  ange- 
führten Gründe,  und  durch  die  ihn  umgebenden  Halbarianer  —  zu  dem 
Irrthume  über  Hosius  hinreissen. 

Selbst  der  Canoniker  Gottfried  Hermant,  der  Ver&sser  der  aus- 
führlichsten Geschichte  des  Athanasius,  die  bis  jezt  erschienen,  der 
seinen  ganzen  Sprachschaz  erschöpft,  um  den  schrecklichen  Fall  des  Ho- 
sius zu  erzählen,  kann  doch  nicht  umhin,  auf  die  Aussage  des  Hilarias 
einen  geringen  Werth  zu  legen  %  £r  sagt  u.  a.  (Buch  8,  Kap.  3  — 
der  Fall  des  Hosius):  ^Der  heilige  Hilarius,  welcher  in  dergleichen  Be- 
gebenheiten einen  grossen  Eifer  bezeigte,  und  sich  mitten  unter  den 
Arianem  befand,  wusste  doch  nicht  genauer,  was  im  Abendlande  vor 
sich  gegangen,  liess  sich  aber  sehr  heftig  darüber  aus."  —  Wenn  femer 
Hilarius  aus  dem  von  ihm  vorausgesczten  Falle  des  Hosius  auf  ein  yor- 
ftusgcgangenes  schlechtes  Leben  desselben  schliesst  (qui  idcirco  M 


■)  HiL  de  syn.  63^ 

*)  Hefele,  8.  656,  661,  689,  695,  70Ö,  708,  712.  —  Cf.  Epiphan,  haer,  73,  nr.  23. 

—  SocraL  9,  38,  40.  —    Sozom.  4,  15,  20, 

*)  Aas  Heachelei,  wie  selbst  sein  Lobredner  Amm.  Marcell.  sagt,  21,2  —  uiqu 
omne»  -*  aif  «vt  fovorem  üUceretf  adhaerere  cmütä  Chrütiano  fingthat,  a  gmo  jim 
pridem  oceidie  desciveraL  —  £t  ut  kaec  inierim  celartntwr,  feriarum  die,  quem  eeU' 
brantet  menee  Januario  Christiam  Epiphania  dictitant,  progreeeue  in  ecrum  eocietiamf 
eoUemniier  numine  orato  diecessit, 

*)  Hermant  G,,  Vie  de  saint  Aihanaee,  patriarche  d*Alexandrie  —   P.  1671  und  1679 

—  2  voL  in  4^,  —     Deutsche  Uebersezung:  von  Croneck,   Regien  sb.  1744  — 
2  Tble.  ia  Folio. 


$.  4.     Synode  der  Arianer  sa  Sirmium,  Mitte  des  J.  357  etc. 

aiu$,  ne  judido  kumano  iffnararetur ,  qualis  ante  vixmet  —  de  «yn. 
ap.  63) y  80  habe  ich  bis  jezt  Niemand  gefunden ,  der  nicht  —  gegen 
olches  Urtheil  protestirt  hätte  —  auf  Grund  der  übrigen  Zeugen, 
reiche  den  heihgen  Wandel  des  Hosius  verbürgen.  —  In  der  Aus- 
ige aber  von  dem  schlechten  Leben  des  Hosius  hat  Hilarius  zur 
\oth  noch  einen  Mitzeugen  in  der  Person  der  bekannten  Ludferianer. 
ins  ihren  Worten  aber:  er  giebt  seine  Hände  der  Ungerechtigkeit, 
r  verbündet  sich  mit  den  Gottlosen  —  (dai  mamu  impietatijy  kann 
lan  dem  Wortlaute  nach  nur  auf  ein  Nachgeben,  auf  eine  Unter^ 
tbrift  der  sirmischen  Formel  schliessen.  —  Welchen  Werth.  sodann  — 
18  Zeugniss  des  Gregor  von  Elvira  gegen  Hosius  habe,  werden  wir 
piter  untersuchen.  —  Es  bleibt  also  zunächst  für  die  Urheberschaft 
ea  Hosius  —  an  der  sirmischen  Formel  —  Hilarius  der  einzige  Zeuge. 
Venn  man  nun  seiner  Aussage  von  dem  schlechten  Lebenswandel  des 
UmuB  nicht  ^aubt,  weil  er  in  dieser  Annahme  allein  steht,  und  selbst 
on  den  Arianem  verlassen  dasteht,  die  ihm  nur  den  Umgang  mit  einem 
dllachten  Bischöfe  vorwarfen,  während  sie  andern  katholischen  Bischöfen, 
ihne  Zweifel  mit  Unrecht,  ganz  andere  Dinge  nachsagten,  —  so  hat 
Dan  auch  kein  Recht,  auf  dieses  alleinstehende  Zeugniss  des  Hilarius  — 
an  entscheidendes  Gewicht  zu  legen '). 

Pböbadius  vonAgen,  Athanasius,  und  der  Wortlaut  unserer  Formel 
igen  nichts  von  einer  Betheiligung  des  Hosius  an  ihr.  Die  uns  vor- 
ipgende  Formel  ist  so  zu  sagen  aus  Einem  Gusse,  und  von  einer  und 
iflrselben  Hand.  Sie  ist,  mit  Ausnahme  der  Schlusssäze,  klar,  zusam- 
nenhängend,  zudem  ist  sie  in  klarem  und  durchsichtigem  Latein  ge- 
idiiieben.  Der  alte  Hosius  —  in  seiner  äussersten  Bedrängniss,  wäre, 
Jtgeta  seine  Ueberzeugung  handelnd,  einer  solchea  i^ache  nicht  fähig 
^esen.  —  Dass  er  aber  auch  die  Formel  nicht  unterzeichnet  habe, 
i;eht  daraus  hervor,  dass  sein  Name  nicht  vorkommt,  weder  am  An- 
ange  noch  am  Ende.  Auch  madite  er  sich  dieselbe  nicht,  wie  später 
?otamius,  zu  seinem  Eigenthume,  denn  Phöbadius  —  weiss  nichts  von 
mem  Briefe  desselben,  sondern  nur  von  einem  Briefe  des  Potamius, 
rorin  er  sich  die  Formel  aneignete  und  sie  vertheidigte. 

Aber  konnte  nicht  Potamius  Verfasser  der  Formel  seyn?  Es  giebt, 
^ube  ich,  schlagende  Gründe  gegen  diese  Annahme.  —  Der  erste  ist 
Be  ganz  unvereinbare  Verschiedenheit  der  Sprache.  Dii  beiden  Tractate 
md  der  Brief  des  Potamius  an  Athanasius  —  und  unser  AktenstütA: 
lefaliessen  jede  Möglichkeit  —  einer  Vergleichung  aus^  Der  wirklidie 
?otamius  hat  kaum  einen  Saz  ohne  ein  utrirtes  Bild  geschrieben.  Einer 
ler  erträglichsten  und  verständlichsten  seiner  Säze  ist  der  erste  —  des 
rraetats,  d.  i.   der  Anrede  —  über  Lazarus:   Orandi,  fratres,   Hupare 


■)  Wie  et  z.  B.   die   ConeiUor.  regia  coli  ed.  CoUä  -r-    Vetut  1728  ohne  weiteres 
thot,  indem  sie  ansere  Formel  —  per  0mm  et  PcUamium  Sirmii  eoneerqfia  nennt. 


238  Sechstes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

grandique  miraeulo  per  ambiguas  curtu  hine  inde  in  caneavo  vertiginia  änu 
pronis  flttcUbu»  torqueor  (Vom  grossen  Staunen,  Brüder ,  und  von  grossem 
Wunder  werde  ich  —  durch  zwiefache  Sorgen  von  hier  und  dort,  in 
dem  hohlen  Schlund  des  Wirbels  —  kopfüber  in  den  Fluthen  gequält). 
Leute  von  so  ausgeprägtem  Style  können  nie  natürlich  und  klar  achreibeD. 
—  Schon  beim  ersten  Anlaufe  werfen  sie  —  mit  gleichen  Beinen  — 
sich  in  den  tiefen  Schlund  schwülstiger  Auslassungen.  —  Unsere  sir- 
mische  Formel  dagegen  ist  —  wie  gesagt  —  nüchtern ,  klar  und  durch» 
sichtig  geschrieben,  und  —  wie  aus  einem  Gusse  (mit  Ausnahme  das 
Schlusses). 

Einen  zweiten  Grund  gegen  die  Autorschaft  des  Potamius  finde  ich 
in  der  Schrift  des  Phöbadius  —  Über  contra  Ärianos.  Diese  Sohrift  ist 
unmittelbar  hervorgerufen  durch  die  zweite  sirmische  Formel^  ist  nkJift 
unwahrscheinlich  im  Auftrage  gallischer  Bischöfe  ver£aast,  und  kann 
auch  als  deren  Antwort  auf  die  sirmische  Formel  betrachtet  werden, 
welche  sie  dem  heiligen  Hilariua  zusendeten,  der  hierauf  sein  Werk: 
de  eynodii  arienUüüan  verfasste  *).  Die  Schrift  besteht  nur  aus  23  aiemr 
lieh  kursen  Kapiteln.  Die  Schrift  kündigt  sich  als  ^^Bede  an  die  ge- 
liebtesten Brüder^  an.  —  Dem  Phöbadius  lag  der  Wortlaut  unsenr 
^Formel  vor,  und  aus  seiner  Widerlegung  könnte  man  dieselbe  fast  recoDr 
struiren.  —  Im  dritten  Kapitel  finden  sich  die  oben  angeführten  Worte: 
,9 Aber  man  muss  sehen  auf  Ursacius  und  Valens  und  Potamius,  welche 
oft  mit  denselben  Worten  den  einzigen  Gott  im  heimtückischen  Betrage 
bekannt  haben.^  —  Im  fünften  Kapitel  sehen  wir,  dass  gleichaam  mr 
Erklärung  der  von  ihm  nicht  verfassten  Formel  —  Potainius  einen  eigenen 
Brief  ausgehen  liess ,  aus  dessen  Kauderwelsch  uns  eine  Stelle  mitge- 
theilt  wird.  Der  Brief  des  Potamius  nemlich,  der  vom  Morgen-  und  Abend- 
lande (nach  Gallien)  übersendet  wurde  (epistola  Potamii,  quae  ab  Oriente 
et  Oeddente  tranamiua  eetj  —  sagte  unter  anderm:  „das  Fleisch  und  der 
Geist  Christi  seien  —  durch  das  Blut  Mariens  verschmolzen ,  und  zu  einem 
änzigen  Dinge  geworden,  und  so  sei  Gott  leidensfahig  geworden^  ^). 

Angesichts  dieses  blühenden  Unsinns,  den  Potamius  von  sich  gab, 
begreifen  wir  wohl,  warum  die  Erzarianer  die  Redaktion  ihrer  Formel 
nicht  in  seine  Hände  legten.  Er  hätte  sie  in  einen  unverdaulichen  und 
unverständlichen  Brei  zusammengeknetet,  und  so  das  ganze  Concept  Te^ 
dorben.  Er  dtfrfte  ihre  Formel  nur  colportiren  —  und  sie  mit. dem 
Schilde  seines  —  noch  wenigen  bekannten  —  Namens  decken,  da  die 
Erzarianer  selbst  ihre  Namen  an  den  Eingang  der  Formel  zu  sezen  sich 
begnügten.  —   Möglich,  dass  dieser  Eingang  in  den  nach  dem  Abend- 


')  De  jyn.  oop.  2, 

*)  i%oe6.  eap.  5  —  eame  et  spiritu  Christi  coagulatiM  per  eanguinem  Mariae  et  in  imifM 
eorpm  redaeti$,  pauibiUm  Deum  factum,  —  Coagulo  bedeutet  im  späterD  Lateio 
a.  «.  Kftte  bereiten ,  und  ^ctyaguhu'^  heitst  der  K&te  —  8.  Duoomg^.  «^  A.  v. 


{.  4.     Synode  der  Arianer  za  Sirminm,  Mitte  des  J.  357  etc.        239 

lande  versendeten  £xemplaren  der  Formel  sogar  weggelassen  wurde. 
Mit  Recht  erwidert  Phöbadius  auf  die  Worte  des  Potamius:  „Ihr  hftbet 
also  aus  dem  Geiste  Gottes,  und  dem  Fleische  Christi  —  ein  unsag- 
bares Drittes  (neseio  quid  tertium)  gemacht,  das  —  aus  Zweien  —  Keines 
Ton  Beiden  geworden  ist  (ex  täroque  neutrum)  —  wie  diese  „herrlichen 
Lehrer**  —  egregii  doctores  —  meinen. 

Einen  dritten  Grund ,  dass  Potamius  die  Formel  nicht  verfasst ,  sehe 
ich  darin,  dass  sein  Name  derselben  nicht  einverleibt  ist  —  Warum 
nicht,  ist  nicht  unsere  Sache  zu  untersuchen.  —  Aber  es  ist  auch  nicht 
ab-  und  einzusehen,  warum  er,  der  in  ihr  nicht  genannt  wird,  sie  ver^ 
&B8t  haben  sollte*). 

Es  bleiben  Valens,  ürsacius  und  Germinius  übrig.  Die  „Uebrigen^ 
£dlen  weg,  weil  Niemand  sonst  genannt  wird,  als  das  —  damals  unzer- 
trennliche, aber  nach  dem  Tode  des  Constantius  getrennte  —  Kleeblatt 
—  In  Betreff  dieser  Drei  sagen  wir,  dass  die  Formel  die  Meinung  der 
^beiden  ungeheuer  der  Gottlosigkeit^  ausdrückt,  dass  aber  Germinius 
die  Formel  verfasst  hat  —  Dass  sich  die  Drei  unter  sich  selbst  „unsere 
heiligsten  Brüder  und  MitbischÖfe^  nennen ,  darf  nicht  auffallen ;  es  war 
diess  in  jener  Gegend  und  Zeit  stylgerecht  und  üblich.  Im  Jahre  366 
schrieben  die  vier  Arianer  „Valens,  Ürsacius,  Gajus  und  Paulus''  einen 
Brief  an  „ihren  frömmsten  Herrn  Bruder  Germinius'^,  der  inzwischen 
Ton  ihnen  —  zu  den  Semiarianem  wieder  abgefallen  war,  zu  denen  er, 
wie  mir  scheint,  stets  —  im  Herzen  —  gehörte,  worin  sie  ihn  anklagen, 
dass  er  nun  das  „Homoiusion^  vertheidige,  da  er  früher  mit  ihnen  Anomäer 
gewesen  ^).  Im  Contexte  des  Briefes  sagen  die  vier  Arianer,  die  zu- 
sammen schreiben,  dass  Germinius  „von  unsem  Herren  Brüdern  und 
Hitbischöfen  Valens  und  Paulus  (a  dominis  nostris  fratribus  et  coepücöpU 
nottris)  crmahnt  —  auf  die  über  ihn  umlaufenden  Gerüchte  zu  antworten 
sich  nicht  herbeigelassen  habe.^  Achnlich  nannten  nun  357  —  sich  die 
drei  Versammelten  zu  Sirmium  —  „unsere  heiligsten  Brüder  und  Mit- 
bischöfe**,  nemlich  Jeder  der  Drei  —  seine  beiden  CoUegen. 

Aebnlich  lässt  sich  aus  der  —  indirecten  —  Antwort  des  Germinius 
-—  sehen ,  dass  die  Redaktion  der  sirmischen  Formel  nur  in  eine  einzige 
Hand  gelegt  wurde.  Im  J.  359  wurde  die  sogenannte  dritte  (besser 
Vierte)  simusche  Formel  verfasst  Ueber  die  Verfassung  derselben  nun 
erzählt  Germinius  *) :  „Ich  wundere  mich,  dass  Valens  entweder  vergessen 


*)  Dagegen  sagen  die  Maariner- Editoren  des  heil.  Athanasius:  Vita  Äth,  ann.  357, 
nr.  3  —  Patamius  iüiua  (formulae  Sirmiantu),  ut  vulgo  exufimatwr,  cartifex.  Unter 
diesem  „artifex*'  wfire  die  Formel  von  Niemand  verstanden  worden,  und  Hi- 
larias  hätte  mehr  Gmnd  gehabt,  von  den  „deUramenta*'  Pbtamii  —  statt  Om 
—  za  reden. 

•)  Hilar.  fragm.  XIV. 

*)  Hilar.  fragm.  XV. 


240  Sechstes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

hat  9  oder  es  trügerischer  Weise  nicht  zu  wissen  sich  anstellt ,  was  früher 
verhandelt  und  entschieden  wurde.  Denn  —  unter  dem  Kaiser  Con- 
stantius  guten  Andenkens ,  als  unter  Einigen  Streit  in  Betreff  des  Glan* 
bens  \7ar,  als  in  Gegenwart  desselben  Kaisers,  in  Gegenwart  des  Bi- 
schofs G^org  von  Alexandrien,  Pancratius  von  Felusium,  Basilius  des 
damaligen  Bischofs  von  Ancyra,  während  auch  Valens  und  UrsadiUi 
und  meine  Wenigkeit  zugegen  waren,  nachdem  bis  in  die  Nacht  dne 
Disputation  über  den  Glauben  gehalten,  und  bis  zu  einer  bestimmten 
Entscheidung  gebracht  worden  war,  hat  der  von  uns  allen  dazu  aas- 
gewählte Bischof  Marcus  den  Glauben  dictirt  (die  Formel  niederge- 
schrieben) ,  in  der  die  Worte  stehen :  dass  der  Sohn  dem  Vater  in  allem 
ähnlich  sei,  wie  die  heiUgen  Schriften  sagen  und  lehren:  mit  welchfiB 
ganzen  Bekenntnisse  wir  alle  einverstanden  waren,  und  das  wir  mit 
unserer  Hand  unterzeichnet  haben.  ^    Also  Germinius. 

So  —  ist  auch  die  zweite  sirmische  Formel  —  von  einer  Hand  ge- 
schrieben, von  einem  Bischöfe  dictirt  worden.     Von  Valens  (und  ü^ 
sacius)  besizen  wir  zwei  Schreiben.    Der  erste  Brief,  wahrscheinlich  ani 
dem  J.  347,  ist  zu  Rom  von  Valens  eigenhändig  geschrieben ,  und  von 
Ursacius  unterschrieben  *).    Sie  erklären  dem  Papste  Julius,  dass  sie  — 
alle  ihre  Lügen  und  Verleumdungen  gegen  Athanasius  als  solche  ane^ 
kennen  —  und  widerrufen,  und  dass  sie  mit  grösster  Begier  die  Ge- 
meinschaft mit  Athanasius  umfangen.    Zugleich  legen  sie  Anathema  auf 
die  Arianer.     Darauf  schrieben  sie  von  Aquileja  aus  einen  ganz  kuneo 
Brief  an  Athanasius,  worin  sie  ihre  Gemeinschaft  mit  ihm  ausspreehen, 
und  um  die  Gegenleistung  der  Gemeinschaft  ihn  bitten^).     Zwischen 
der  Schreibart  dieser  Briefe  einerseits,   und  dem  Style  der  zweiten  wt- 
mischen  Formel  finde  ich  viel  weniger  Berührungspunkte,  als  zwischen 
dem  Style  der  Briefe  des  Germinius  —  und  der  Schreibart  der  sirmi- 
Bohen  Formel.  —    Z.  B.  steht  susceptio  hominis  ex  virgine  Maria  —  io 
seinen  Briefen  —  und  hominem  iuseepisse  de  Maria  virgine  steht  in  der 
sirmischen  Formel.  —    Der  Grieche  Germinius  sagt  in  seinen  Briefen: 
pauiane$  statt  pamo  Chritti  —   eben  so  hcisst  es  in  der  Formel  von 
Christus:  compoBmm  für  passum,  über  welchen  Ausdruck  (mitgelitten  — 
statt  gelitten)  Phöbadius  ^)  und  Hilarius  spotten.     Femer  heisst  es  in 
den  Briefen:   Et  in  spiriium  sancUim,  id  eH  parcusUtumf  qtd  nobit  a  Df^ 
paire  per  Filitan  datut  ett;  in  der  Formel  heisst  es:  PtaraeUiui  «iMn 


1)  AüumoB,  apol  etr,  Arianotf  eap.  58.  Athanas.  erhielt  diesen  lateinisch  geschrie- 
benen Brief  durch  Bischof  Paulinas  von  Trier  —  Hi»tor,  Ar,  ad  monacko9f  cap.  26, 

*)  er  operß  kittor,  frogm,  IL  —  Äüum,  L  c,  —  Hosius  selbst  sagt  in  seinem  Briefe 
an  Constantlns,  dass  sie  diess  vorher  Cit^ort^ovJ  gethan  hätten.  Vergl.  damit 
—  Äthan,  eap,  26  ad  monach, 

*)  Phoeb,  cap,  19  —  quaii  aUud  tit  compaü  quetm  paH.  —  Hikar,  dt  i^/modU  eap,  79  — •' 
i^MfiMi  ^ttufesi  SGitba$U:  aed  dicant,  oro,  con^HUium  quando  eojfnovenmtf 


^rminius  war  Grieche;  denn  er  war  im  J.  351 — 52  durch  den 
Constantius  von  (dem  Bisthumc?)  Cyzicus  nach  Sirmium  yersezt 
^fördert  worden  *) ;  und  hatte  im  J.  355  zu  Mailand  —  eine  her- 
uide  Rolle  gespielt.  Er,  des  Griechischen  und  Lateinischen 
1^,  konnte  die  zuerst  lateinisch  geschriebene  Formel  sogleich  in 
icchische  übertragen.  Ihm ,  dem  veränderlichen  Hof  bischofe,  kam 
t  darauf  an,  gegenüber  „seinen  zwei  heiligsten  Mitbischöfen^  — j 
der  griechischen  Uebertragung  Zusäze  zu  erlauben.  Diese  Zu- 
ad :  „und  die  übrigen^  — ;  besonders  aber  der  Schluss  der  Formel 
rmium,  das  Bckenntniss  der  Dreieinigkeit,  welches  man  durchaus 
lolischen  Sinne  deuten  kann,  das  aber  zu  dem  Vorangehenden 
aast  Es  sollte  die  Semiarianer  des  Orients  —  mit  der  zweiten 
ben  Formel  versöhnen.  Ich  glaube,  dass  dieser  Zusaz  Ursprung- 
r  griechisch  geschrieben  war,  und  dass  wir  im  Lateinischen  eine 
czung  vor  uns  haben.  Ich  glaube  es  u.  a.  wegen  der  Worte: 
usula  est  totius  fidä,  wo  früher  gelesen  wurde:  clavü,  —  Das 
»che  Wort  xetpühciov  —  musste  mit  iumma  oder  capui  fidei  über- 
trden ,  das  ungewöhnliche  Wort  ciawtula  hat  nicht  diese  Bedeutung. 
lern  dem  Phöbadius  vorliegenden  Exemplare  der  sirmischen  Formel 
1  die  Worte:  per  quem  compassus  est  —  den  Schluss  der  FormeL 
sr  sagt:  congruo  igitur  omnia  fine  clauderUes:  dicenta  flUum  Dei 
m  de  Maria  suscepiut,  per  quem  eompasms  est  [sie  schliessen  alles 
ein  entsprechendes  Ende ,  indem  sie  sagen ,  dass  der  Sohn  Gottes 
iria  die  Menschheit  angenommen,  in  welcher  er  auch  (mit-)  ge- 
lat].  —  Phöbadius,  der  die  Formel  mit  Heraushebung  ihrer  Worte 
!gt,  führt  die  folgenden  Worte  über  die  Trinität  nicht  mehr  an, 
jweifel,  weil  sie  ihm  nicht  vorlagen. 
an    beachte  ferner,  dass  Germinius  als  Halbarianer  der  unterlie- 


242  Sechstes  Bach.     Siebeotes  Kapitel. 

Freunde  und  Förderw  hatte,  und  —  man  wird  begreifen ,  warum  — 
er  durch  Beifügung  einer  „dautula'^  sich  den  Rücken  zu  decken ,  und 
eine  Bückzugslinie  zu  sichern  suchte. 

So  wären  wir  denn  zu  dem  Ergebnisse  gelangt ,  dass  —  Hosius  an 
der  zweiten  sirmischen  Formel  keinen  Antheil  hat,  dass  Potamius  nach- 
träglich sich  dieselbe  aneignete,  und  dass  sie  unter  seinem  Namen  Ye^ 
sendet  wurde,  dass  Valens  und  Ursacius  —  ihre  Urheber  waren,  dass 
die  Fassung  oder  Bedaction  der  Formel  auf  Bechnung  des  Genninius 
zu  schreiben  sei,  und  dass  von  diesem  auch  zwei  Zusäze  herrühren. 

§.  5.    Die  Schuld  —  und  die  Unschuld  des  HosiuB  *). 

Die  Behauptung,  die  heutzutage  noch  die  herrschende  ist,  dass 
Hosius  die  zweite  sirmische  Formel  unterschrieben  habe,  stüzt  sich  auf 
keine  entscheidenden  Gründe^).  Glaubt  man  denn,  hält  man  es  dam 
für  möglich,  dass,  wenn  solches  geschehen,  diese  gottlosen  Ärianer 
seinen  Namen  hinweggelassen  hätten?  Die  Formel  hatte  yielmehr  Ton 
Anfang  an  keine  Unterschriften.  Das  arianischo  Kleeblatt  hatte  seine 
guten  Gründe ,  die  Unterschriften  wegzulassen.  Denn  sie  hätten  ja  doch 
nur  den  Namen  des  Potamius  noch  beifügen  können.  Diese  Vierzahl 
hätte  sich  so  kläglich  ausgenonmien ,  dass  sie  der  Formel  ihren  Einfluss 
geraubt  hätte.  Warum  aber  sezten  sie  die  Unterschrift  des  Hosius  nicht 
hinzu?  Weil  sie  dieselbe  nicht  bekommen  konnten,  und  nicht  bekom- 
men hatten. 

Wenn  —   aber  Hosius   gar    keinen   Antheil  an   der  Formel   hatten 
warum  wurde  denn  sein  „Fall^   als  Sieg  der  Ärianer  ausposaunt,  und 
von  der  ganzen  katholischen  Kirche  —  als  furchtbarer  Schlag  empfunden? 
Ich  sage:  Hosius  hatte  gar  keinen  faktischen  Antlieil   an  der  sirmischen 
Formel,  von  deren  Existenz  er  —  wie  ich  glaube  —  nicht  einmal  wnsste; 
er  wurde  aber  so  sehr  in  den  Schein  der  Theilnahme  an  derselben  hin- 
eingezogen, dass  alle  Welt  an  seine  Theilnahme,  oder  an  seine  Schuld 
glaubte.    Gleichzeitig  mit  dem  Ausgehen  der  Formel  gelang  es  nemlich 
den  drei  Arianern  zu  Sirmium,  von  Hosius  eine  —  sei  es  schriftliche,  sei 
es  nur  mündliche  Erklärung,   einen  Act,  zu  erlangen,   dass   er  in  ihrer 
Gemeinschaft  stehe.  —  Diese  Erklärung  verlangte  und  erlangte  Constantius 
durch   die  (oben  beschriebenen)   Grausamkeiten  und  Martern,    die  der 
herzlose  Tyrann  über  den   hundertjährigen  Freund  seines  Vaters  ver- 
hängte, und  die  bis  zu  einem  Grade  gesteigert  wurden,   dass  Hosii» 


')  Geschrieben  am  Todestage  des  Hosius ,  den  27.  Augast  (1863). 

•)  Selbst  der  Spanier  Aguirre.  meint  (concil.  Hisp,  dissert,  16  [17]  excurs,  6)  — »Ho- 
sius habe  die  Formel  im  katholischen  Sinne  unterschrieben,  weil  sie  einen 
solchen  zuliess.  Richtiger  wäre  es,  zu  sagen,  Valens  und  Ursacius  haben  deo 
Hosius  getäuscht 


$.  5.     Die  Schuld  —  und  die  Unschuld  des  Hosius.  243 

denselbeii  j^nf  einen  Augenblick  wich''.  —  Er  konnte  dieses  in  einem 
gewissen  Sinne  mit  seinem  Gewissen  vereinigen,  weil  die  drei  Arianer 
—  sich  ihm  gegenüber  als  Erzkatholiken  gerirten  und  heuchelten. 

Was  also  hat  Hosius  gethan?    Er  hat  in  irgendeiner  Form  erklärt, 
dass  er  mit  den  Drei  —   Glaubens-  oder  Kirchengemeinschaft  haben 
wolle.     Den  Ausschlag  giebt  hier  das  Zeugniss  des  Athanasius.     Denn 
AthanasioB  hat  nie  wissentlich  etwas  Falsches  berichtet.     Athanasius  er- 
dLhlt  stets  nur,  was  er  aus  sicherer  Quelle  erfahren  hatte.     Athanasius 
war  Zeitgenosse;   Athanasius  war  zwar  dem  Schauplaze  der  Begeben- 
heiten ebenso  ferne,  wie  Hilarius,  Phöbadius  und  die  Luciferianer  Fau- 
stin und  Marcellin,  aber  —  als  dem  Haupte  aller  Orthodoxen  —  flössen 
ihm  von  allen  Seiten  die  zuverlässigsten  Berichte  über  das  Geschehene  zu. 
Durch   langjährigen  Aufenthalt  im  Abendlande  —  war  er  der  lateini- 
idien  Sprache  vollkommen  mächtig  ^) ,  falls  die  Nachrichten  aus  dem 
ibendlande  ihm  in  dieser  Sprache  zugiengen.  —     Dazu  konmit,  dass 
idn  Bericht  über  den  Hosius  —  mit  allen  andern  Nachrichten  sich  am 
besten  in  Einklang  bringen  lässt,  und  dass  dieser  Bericht  Einzelnheiten 
enthält,  nach  denen  wir  uns  umsonst  bei  Hilarius  und  Phöbadius  um- 
idien ,  die  sich  nur  in  (ganz  gut  gemeinten)  AUgemeinheiten  gegen  und 
über  Hosius  ergehen. 

Der  Ejiiser  CJonstantius  verlangte  von  Liberius^),  von  Hosius,  und 
überhaupt  den  katholischen  Bischöfen  zwei  Dinge,  Gemeinschaft  mit  den 
Arianem ,  und  Aufheben  der  Gemeinschaft  mit  Athanasius.  Der  Kaiser 
Terlangte  355  von  Liberius  —  Unterschrift  gegen  Athanasius,  und  die 
Gemeinschaft  mit  den  Arianern.  Ebenso  verlangte  Constantius  von  Hö- 
rn, dass  er  gegen  Athanasius  schreibe,  und  mit  den  Arianem G^mein- 
ichaft  habe^).  —  Er  schrieb  ihm:  „Folge,  und  schreibe  gegen  Athana- 
moMz  denn  —  wer  gegen  ihn  schreibt,  der  steht  ganz  auf  unserer,  der 
Arianer,  Seite.''  —  Man  sieht  wohl,  dass  dem  Kaiser  „das  Schreiben 
gegen  Athanasius^,  d.  h.  die  Aufhebung  der  Gemeinschaft  mit  ihm  noch 
wichtiger  war,  als  die  Gemeinschaft  mit  den  Arianern.  Ebenso  schreibt 
Hosius  an  Constantius:  Was  die  Dinge  anbelangt,  über  welche  du  an 


*)  HiaL  Ar.  ad  wum,  cap.  26,  —  Ohne  Zweifel  hat  Athanasius  die  ihm  von  Panlin 
von  Trier  in  lateinischer  Sprache  gesendeten  Briefe  des  Valens  und  Ursa- 
eias  selbst  in  das  Griechische  übersczt.  —  Statt  Trier  lesen  die  Mauriner  — 
Editoren  de«  Athanas.  —  Paulin.  von  Tribur  —   Vitii  Set.  Äthan,  nnn.  349,  nr,  13. 

')  Athanas,  ad  monach.  cap.  35,     »Ersteres   wünsche ,   lezteres   befehle  der  Kaiser« 

—  sagt  Hefele  S.  637;  —  aber  die  Worte  des  Athanas.  lauten:  Der  Ver- 
schnittene (Eusebius)  kam   nach  Rom,  und   forderte  den  Liberius   zuerst  auf 

—  Mccra  jiSeefoßiov  fihy  vjroy^a^xti  ^  roip  de  J^(^^iiavoig  xoivuv^ßai,  JUyeav'  Tovro 
ßaßüLtvg  floviercu,  nai  fuJiivei  öe  xoi^cu'  Die  lateinische  Uebersezung:  iüud 
imperator  exoptat,  hoc  te  facere  jubet  —  ist  nicht  genau.  nDas  Wollen«  ist  kein 
Wunsch,  sondern  ein  Befehl. 

^ )  cap.  43  —  xaS'  iquiüy  füv  ypa^ ,  ir^  Si  rovg  !/4geiccvovg  extl  ^V^  xotv<avüc¥. 


244  Sechstes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

mich  geschrieben  hast,  —  so  höre  meinen  Entschluss:  Mit  den  Arianern 
vereinige  ich  mich  nicht,  sondern  ich  spreche  Anathema  über  ihre  Ke- 
zerei;  noch  schreibe  ich  gegen  Athanasius,  den  Wir,  und  die  römische 
Kirche,  und  die  ganze  Synode  als  unschuldig  erklärt  hat.^ 

Auch  die  Arianer  (Valens  und  Ursacius) ,  indem  sie  fortfahren,  den 
Kiüser  gegen  Hosius  zu  reizen ,  sagen :  „Er  untersciireibt  nicht  nur  nicht 
^egen  Athanasius ,  sondern  er  verurtheilt  uns  auch  seinetwegen  ^).^  Aus 
der  Stellung  der  Worte  scheint  hervorzugehen,  dass  sie  die  Unterschrift 
gegen  Athanasius  —  für  das  Wichtigere  halten. 

Der  unzerstörbare  Starrsinn  des  Constantius,  der  sich  sogar  in  seiner 
ganzen  äussern  Haltung  auf  die  abgeschmackteste  Weise  kundgab^),  bürgt 
dafür,  dass  -während  seines  ganzen  Aufenthaltes  in  Sirmium  immer  diese 
zwei  Forderungen  an  Hosius  gestellt  wurden:  „Schreibe  gegen  Atha- 
nasius, und  —  habe  Gemeinschaft  mit  den  Arianern.^  Constantius  nahm 
schwerlich  an  der  zweiten  sirmischen  Formel  ein  besonderes  Inter^se; 
jedenfalls  war  er  Semiarianer.  —  Als  Hosius  nicht  nachgeben  wollte, 
80  schritt  er  zur  Gewalt  [wobei  wir  dem  Kardinal  Aguirre  ohne  Wd- 
teres  zugeben ,  dass  —  bei  Anwendung  der  Foltern  und  bei  den  Schlägen 
Constantitts  persönlich  nicht  zdgegen  war^)].  —  Man  thäte  aber  den 
beiden  Schurken  Valens  und  Ursacius  —  mit  der  Annahme  nicht  Un- 
recht, dass  sie  persönlich  Hand  an  Hosius  gelegt.  Denn  einige  Jahre 
früher  —  glaubten  sie  ihre  bischöflichen  —  Hände  nicht  zu  entweihen, 
indem  —  sie  den  Diakon  Hilarius  —  entblössten,  und  seinen  Rüd^ea 
geisselten.  Das  thaten  Valens  und  Ursacius  —  zugleich  mit  den  Vcr 
Bchnittenen.  Sie  verhöhnten  und  spotteten  den  Hilarius,  und  brachen 
in  rohes  Gelächter  aus  *).  —  Wenn  sie  selbst  Aehnliches  an  Hosius  nicht 
thaten,  so  geschah  es  nicht  aus  einem  Reste  von  Schamgefühl  oder 
Menschlichkeit,  sondern  aus  kluger  Berechnung,  weil  sie  sonst  seine 
„Gemeinschaft^  nicht  erlangt  hätten. 

„Solche  Gewalt  aber  übte  Constantius  an  dem  Greise,  und  so  lange 
hielt  er  ihn  in  Haft,  dass  er  —  gebeugt  von  den  Ucbeln  —  kaum  mit 
Valens  und  Ursacius  Gemeinschaft  hielt,  jedoch  nicht  gegen  Athanasius 
unterschrieb.  Aber  auch  so  (aber  auch  diesen  geringen  Fehler)  achtete 
der  Greis  nicht  geringe.  Denn  —  als  es  zum  Sterben  kam,  —  bezeugte 
er  in  Form  eines  Testamentes  die  (ihm  angethane)  Gewalt,   er  anathc- 


')  Atk,  /.  c.  cc^.  45. 

')  Ammian,  MarcelUn,  16,  10  nee  dextra  vullunif  nee  laeva  ßeciebai,  tamquam  ßgv»*^ 
tum  hommi*.  —  Er  sass  da,  wie  eine  Bildsäule,  ohne  beim  Anstoss  des  Radft 
—  eine  Bewegung:  zu  machen,  ohne  sich  des  Speichels  zu  entledigen,  ohne 
die  geringste  Bewegung  mit  der  Hand  zu  machen. 

»)  Aguirre  dxM,  16  (17)  exe.  5. 

*)  Atk,  ad  mon,  cap,  41. 


•I 


c  j    lu.   U1C9C1    vjririaiirj    £tU   laiicii ,     wai    xj.uoiuo.    —      hil   uubcixa^    ucr 

Jlen  Gewalt  für  einen  Augenblick;  aber  —  indem  er  das  nicht 
ras  seinen  Fall  vollendet  hätte,  indem  er  nicht  Anathema  gegen 
«ins  sprach,  erhob  er  sich  wieder,  und  machte  —  in  der  innem 
(chcn  Bedeutung  des  Wortes,  dasjenige  wieder  gut,  was  er  — 
lern  Uebermasse  der  körperlichen  Leiden,  einen  Augenblick  Un- 
*ethan  hatte, 

^Denn  wegen  der  vielen  über  alles  Mass  gegen  ihn  verhängten 
5,  und  wegen  der  Verfolgungen  seiner  Anverwandten  —  wich 
jn  eine  Stunde,  er,  ein  Greis  und  schwachen  Körpers*),*  — 
SVorte  des  Athanasius  stehen  in  seiner  Schrift:  „Apologie  wegen 
Flucht**,  die  wahrscheinlich  noch  im  Jahre  357  verfasst  ist,  und 
in  derselben  des  Todes  des  Hosius  und  seines  Widerrufs  vor  sei- 
ode  keine  Erwähnung  geschieht,  vielleicht  zu  einer  Zeit,  wo 
sius  die  Nachricht  von  seinem  Tode,  und  deA  nähern  Umständen 
3selben  noch  nicht  erfahren,  vielleicht  noch  nicht  erfahren  hatte, 

Tor  seinem  Tode  seinen  Fehler  zurückgenommen  hatte. 
9t  nach  diesem,  und  zwar  im  J.  358,  wurde  die  Schrift:  Hütoria 
titn  ad  monachos  von  ihm  verfasst^),  worin  sich  die  genauen 
;hten  über  den  Tod  des  Hosius  finden.  Die  dritte  Stelle  über 
iler  des  Hosius  findet  sich  in  der  Schrift:  apologia  contra  Arianos 
S9:  „Obgleich  er  (Hosius)  eine  kurze  Zeit,  fürchtend  die  Drohun- 
8  Constantius,  ihnen   (den  Arianem)  —   nicht  zu  widersprechen 

aber  die  viele  Gewalt,  und  die  tyrannischen  Massnahmen  des 
itius,  die  unzähligen  Misshandlungen  und  Schläge  beweisen,  dass 
ty  weil  er  uns  für  schuldig  hielt,  sondern  —  weil  er  wegen  der 
hhcit  des  Greisenalterä  die  Schläge  nicht  ertragen  konnte,  einen 
Jjck  (eine  kurze  Zeit)  ihnen  nachgab^  *).  Diese  Worte  stehen 
ilnss«  des  Wftrkos.  dossßn  Ahfassunfiwzeit  cfiwöhnlich  in  das  Jahr 


246  Sechstes  Bach.     Siebentes  Kapitel. 

—  Sie  lauten  weniger  bestimmt;  ja  nach  ihnen  könnte  es  scheinen,  — 
als  hätte  Hosius  den  Athanasius  —  verleugnet.  —  Aber  es  ist  eine 
unbestrittene  Regel,  dass  die  dunkleren  Stellen  durch  die  klareren  und 
bestimmteren  erklärt  werden  müssen;  und  so  muss  denn  —  der  Bericht 
des  Athanasius  in  seiner  Schrift  an  die  Einsiedler  —  als  massgebend 
und  entscheidend  —  angenonmien  werden. 

£8  muss  demnach  zugegeben  werden ,  dass  erstens  Hosius  kirchliche 
oder  Glaubensgemeinschaft  mit  den  Arianern  eingieng,  und  —  zweitens 
in  der  Weigerung  ausharrte ,  sich  von  Athanasius  nicht  zu  trennen.    Aber 

—  ist  dieses  kein  Widerspruch?  Musste  nicht  der  nothwendig  auf  Atha- 
nasius verzichten,  der  mit  Valens  und  Ursacius  Gemeinschaft  eingieng? 
Es  scheint;  aber  es  ist  nicht  so.  —  Wenn  und  soweit  Hosius  fehlte, 
war  sein  Fehler  —  ein  ungleich  geringerer,  als  der  aller  Bischöfe  vor 
und  nach  und  neben  Hosius  (höchstens  mit  Ausnahme  des  Athanasius 
selbst).  —  Denn  —  nach  dem  formellen  Widerrufe  des  Valens  und 
Ursacius  —  in  den  J.  347  —  51  —  gieng  nicht  nur  der  Papst  Julius, 
und  die  katholischen  Bischöfe  Gemeinschaft  mit  ihnen  ein,  —  sondern 
die  Freude  über  ihre  vermeintliche  Busse  —  war  eine  allgemeine;  und 
ihre  Rückkehr  galt  als  grosser  Sieg  über  die  Arianer.  Mit  beredten 
Worten  feiert  Athanasius  diesen  Sieg  *).  —  Allein  —  wie  kam  denn 
Hosius  im  J.  357  dazu,  ihren  katholischen  Betheurungen  zu  glauben,  da 
inzwischen  ihr  Rückfall  —  aller  Welt  bekannt  und  fühlbar  geworden  war? 

Wenn  und  soweit  er  gefehlt  hat,  werden  ihn  jene  mehr  als  drei- 
hundert katholischen  Bischöfe  entschuldigen ,  welche  im  J.  359  zu  Rimini 
versammelt  waren.  Arianische  Bischöfe  waren  etwa  achtzig  anwesend, 
darunter  Valens,  Ursacius,  und  Germinius.  —  Hier  traten  Valens  und 
Ursacius  hervor,  und  verlangten^  die  Synode  solle  die  arianische  dritte 
(vierte)  sirmische  Formel  vom  22.  Mai  359  annehmen.  Die  katholischen 
Bischöfe  verlangten,  ihre  Gegner  sollen  das  Anathem  sprechen  über 
jede,  auch  die  arianische,  Häresie.  —  Da  diese  sich  weigerten,  erklärten 
die  Katholiken  den  Ursacius,  Valens,  Germinius  und  Cajus  als  Kczer 
und.  für  abgesezt  —  am  21.  Juli  359,  und  meldeten  diess  dem  Kaiser**  ^). 

—  Nach  vielen  Verhandlungen  wurden  die  Orthodoxen  übertölpelt ,  über- 
listet, und  —  gebrochen,  —  Schon  am  10.  October  —  nahmen  die  zehn 
(vierzehn)  Deputirten  der  Orthodoxen  zu  Nico  in  Thrazien,  unter  ihnen 
Restitutus  von  Carthago,  Gregor  von  Elvira,  und  Hyginus,  der  Nach- 
folger des  Hosius  in  dem  Bisthume  Corduba ,  das  Symbol  der  Arianer  an. 
Darauf  beugten  sich  auch  die  Bischöfe  von  Rimini  —  mit  Ausnalime 
von  zwanzig;  und  schliesslich  gaben  auch  diese  zwanzig  —  nicht  etwa 
Misshandlungen  und  Schlägen,  wie  sie  Hosius  ein  Jahr  lang  erduldet 
hatte,  sondern  den  Bitten  und  den  Tbräncn  des  kaiserlichen  Beamten 


')  ad  mon,  ccq),  27, 

')  Hefele,  S.  681  und  die  dort  an^efülirlen  Bclo^'stcllen. 


f.  5.     Die  Sthold  —  nnd  die  Üoscltiild  dw  Hosins.  247 

■  und  den  heiligsten  Betheucrungen  .ihrer  gpliebtesten  Herren 
%  a]ens  und  Ursacius   nacb.    —     Unter   äen  Nachgebenden 
1  der  heilige  PhüliHtlius  von  Agen,   und  der  heilige   Serratiua 
—    Dem  Valens   und   Ursacius   gelang  es,  die  Ortho- 
■  —  zu  überlisten. 

Alf  Bischof  Claudias  —  die  ßlaaphemieon  des  Valens  vorlas,  so 
Mte  Valens,  dass  dtess  seine  Ansicht  sei,  und  rief  aus:  „Wer  leugnet, 
CIinstQs  der  Herr,  der  Sohn  Gottes,  —  vor  aller  Zeit  —  aus  dem 
geboren  sei  —  der  sei  j\nathem.  Alle  riefen  zusammen:  Ana- 
mt.  —  Wenn  Jemand  leugnet,  dass  der  Sohn  ähnlich  dem  Vater 
Jen  Schriften  sei,  der  sei  Anatheni,  —  Alle  antworteten:  Ana- 
ätl  Valens:  Wenn  Jemand  nicht  lehrt,  dasa  der  Sohn  Gottes 
Bit  dem  Vater  sei,  dem  sei  Anathem.  —  Alle  riefen  zusammen: 
«n  »ei  er,  —  Wenn  Jemand  den  Sohn  Gottes  eine  Creatnr  nennt, 
e  übrigen  Geschöpfe,  der  sei  Annthem.  (In  diesen  Worten  ver- 
«'aI«Da  vor  den  überlisteten  Katholiken  seine  HUresic;  Christus  ist 
y»e  Creatnr,  aber  niclit  wie  die  übrigen  Geschöpfe.)  Acbnlich 
sie:  O  sei  Anatliema.  —  Wenn  Jemand  sagt,  dass  der  Sohn 
n  Nichts,  und  nicht  aus  Gott  dem  Vater  sei,  der  sei  Anathema, 
le  rirfen  zusammen:  Anathema  sei  er.  —  Wenn  Jemand  sagt: 
ir  eine  Zeit,  da  der  Sohn  nicht  yrar,  der  sei  Anathema." 
Kee  Worte  nahmen  alle  Biachi5fe  und  zugleich  die  ganze  Gemeinde 

feinem  gewissen  Beifallklatschen  und  Ju  bei  aus  brü  eben  auf").  — 
K  alle  den  Valens  bis  zum  Himmel  erhoben,  und  ihren  Verdacht 
Itn  —  mit  Reue  verdammten,  sprach  derselbe  Claudius,  der  vor- 
fc  te^en  begonnen  hatte:  Es  ist  noch  Einiges,  was  meinem  Herrn 
Bradcr  Valens  enlgangen  ist,  dieses  wollen  wir,  wenn  es  euch 
(,  damit  kein  Zweifel  Übrigbleibe,  gemeinsam  verdammen.  ,Wenn 
tA  *agt,  der  Sohn  Gottes  sei  zwar  vor  allen  Zeiten,  aber  nicht 
lept  vor  aller  Zeit,  so  daas  noch  Etwas  vor  ihm  wäre  —  der  sei 
ema,  —  Alle  sprachen:  Anathema  sei  er.  Und  vieles  Andere, 
Dcfa  verdächtig  zu  seyn  schien,  verdammte  Valens,  sowie  es  Clau- 
Un  vortrug*).  —  Dieses  war  in  den  (uns  verloren  gegangenen) 
»dliiQgen  der  Synode  von  fiimini  buchstäblich  enthalten.  —  £s 
die  AoflÖBung  des  Concilg;  freudig  und  gleichsam  als  Sieger  — 
B  alle  BisdiSfe  nach  Hause."  Jeder  Theil  Üelt  sich  für  den  Sieger: 
i  das  Grlanbensbekenntniss  selbst  war  für  die  Arianer,  aber  die 
er  angefügten  Bekenntnisse  ftir'  die  Unsrigen ,  ausser  jenem ,  das 
I  angefügt,  das  damals  nicht  verstanden,  zu  spät  allerdings  bemerkt 

alfk.  SertT.  iül.  lae.  2,43  -  44. 

I    kor    oero   eatieti   epiacopi   tt  tota  nntiti  tcctetia  plarini  qvodam  tl  Iripudü   Foloifti 

rtm  fntptnait. 

tifon.  dütl.  «A.   fjuafaianoi   —  e.  18.  19,  • 


248  Sechstes  Bach.     Siebentes  Kapitel. 

wurde.  So  wurde  das  Concil  entlassen,  und  nach  gutem  Anfange  — 
nahm  es. einen  schmählichen  Ausgang ^).^ 

Valens  —  hatte  vom  Jahre  357  —  3ö9,  und  namentlich  vom  Mai 
bis  Spätherbst  des  Jahres  359  so  viele  neue  Schurkereien  und  Bobeo- 
streiche  gegen  die  Katholiken  begangen,  dass  die  Nachgiebigkeit  des 
Hosius  gegen  ihn,  das  Eingehen  der  Gemeinschaft  mit  ihm  —  doch  unver- 
gleichlichst entschuldbarer  erscheint,  als  das  aller  Katholiken  in  BiminL 

—  Hier  kann  man  sagen,  namentlich  auf  Rechnung  des  heiligen  Phö- 
badius  von  Agen:  Wer  von  euch  ohne  Sünde,  wer  von  euch  ohne 
grössere  Sünde  ist,  als  er,  —  der  werfe  den  ersten  Stein  auf  ihn,  — 
Wenn  man  aber  von  dem  Falle  des  Hosius  —  redet,  so  muss  man  iha 
mit  dem  Falle  seiner  Zeitgenossen  —  vergleichen,  und  zugeben^  da« 
sein  Fall  ein  Fehler,  und  kein  Fall  war. 

Hosius  gieng  die  Kirchengemeinschaft  mit  den  Arianern  ein.  Was 
heisst  diess  ?  Entweder  schrieb  er  ihnen  einen  Brief,  oder  unterseichnete 
einen  ihm  vorgelegten  Brief,  oder  erklärte  er  mündlich,  in  Kirchen- 
gemeinschaft mit  ihnen  stehen  zu  wollen ,  —  oder  er  feierte  die  heiligen 
Geheimnisse  mit  ihnen,  wie  wir  uns  ausdrücken  würden,  er  celebrirte 
in  der  Hauptkirche,  in  der  Kathedrale  des  Germinius  zu  Sirmium.  — 
Diess  —  w^re  eine  eklatante  und  unleugbare  Thatsache  gewesen,  die 
alsbald  nach  allen  Weltgegenden  hinausgetragen  worden  wäre.     W^enn 

—  nun  gleichzeitig  damit  die  zweite  sirmische  Formel  ausgegeben  wo^ 
den  wäre  9  so  lag  der  Schein  der  Theilnahme  des  Hosius  an  derselben 
offen  vor  9  und  es  schien  —  sein  Abfall  von  dem  Glauben  von  Nitiia 
unleugbar  zu  sejn. 

Es  fehlt  uns  aber  an  allen  Nachrichten,  auf  welche  Weise  Hosiu» 
mit  den  Arianern  Gemeinschaft  machte.  Es  liessc  sich  viel  llir  eine 
schriftliche  Erklärung  desselben  sagen.  —  Aber  sehr  auffallend  wäre, 
dass  sein  Brief  sollte  verloren  gegangen  seyn,  den  zu  verbreiten  und 
zu  erhalten  die  Arianer  doch  das  grösste  Interesse  haben  mussten,  wenn 
man  nicht  sagen  will,  dass  er  ihnen  missliebige  Ausdrücke  enthalten 
haben  könnte.  —  Ich  gestehe  aufrichtig,  dass  ich  zur  Zeit  mir  noch 
keine  feste  Ansicht  darüber  —  erworben  habe. 

Heinrich  Florcz ,  dessen  Darstellung .  der  Geschichte  des  JSosius  — 
ein  Muster  von  Wahrheitsliebe ,  Gründlichkeit  und  Klarheit  ist ,  führt,  um 
den  sogenannten  Fall  des  Hosius  auf  sein  gehöriges  Mass  zurückzuführen, 
das  Beispiel  des  heiligen  Martinus  von  Tours  an.  Dieser  liess  sich  nach 
äusserstem  Widerstreben  —  dahin  bewegen,  mit  den  Ithacianischen  Bi- 
schöfen zu  Trier  —  im  J.  385  bei  der  Einweihung  des  Bischofs  Felix 
von  Trier  —  Kirchengemeinschaft  zu  halten,  doch  weigerte  er  sich  der 
ihm  zugemutheten  Unterschrift.  —  Aber  —  bald  überfiel  ihn  Reue. 
Und  zurückkehrend  „seufzte  er  trauernd,  dass  er  auch  nur  eine  Stunde 


')  Su^ie.  8ev.  2,  44  —  botip  initiot  fotdo  exitu  consummatum. 


$.  5.     Die  Sehttld  —  und  die  Unsehold  des  Hosius.  249 

h  in  diese  Yerderbliche  Verbindung  habe  ziehen  lassen^  ^).  —  „Eb 
rband  sich  Martin  mit  den  Schuldigen  auf  eine  Stunde;  den  ncmlichen 
»drack :  ^auf  eine  Stunde^  —  gebraucht  Athanasius  von  Hosius.  Es 
reate  Martinas  seinen  Fehler.  EvS  bereute  Hositis  seinen  Fehler.  Aber 
wie  MartinuB  durch  seine  Nachgiebigkeit,  die  er  selbst  verdammte, 
tht  seinen  guten  Ruf  verlor,  so  darfauch  Uoslus  ihn  nicht  verlieren  '^).^ 
Man  darf  nicht  die  unberechenbaren  äussern  Folgen  seines  Fehlers 
ihm  als  eine  Schuld  anrechnen.  —  Sonst  käme  man  unausweichlich 
liin ,  die  Schwere  oder  die  Lässlichkeit  einer  Sünde  nach  dem  äussern 
üdrucke  und  Schaden  zu  bemessen,  man  käme  z.  B.  dahin,  einen 
►rd,  der  verborgen  bleibt,  für  unerheblicher  zu  erklären,  als  einen 
men  Diebstahl,  der  durch  besondere  Umstände  —  zu  einem  allge- 
inen  Scandale  wird.  —  Florez  führt  femer  die  Nachgiebigkeit  des 
lügen  Basilius  gegen  Kaiser  Valens  an,  der  am  Epiphaniafeste  dem 
ittcsdienste  anwohnte,  und  aus  dessen  Händen  der  Heilige  die  dar- 
reichten Gaben  annahm^). 

Florez  wirft  die  Frage  auf,  warum  die  Arianer  den  Hosius  nicht 
angen ,  ebenso  gegen  Athanasius  zu  schreiben ,  als  mit  ihnen  Gemein- 
laft  zu  halten.  Er  meint,  das  Lczterc  ;liättc  ihnen  genügt,  um  den 
hein  seines  Einverständnisses  —  mit  ihnen  zu  erlangen;  sie  hätten 
ter  v^eitem  Qualen  seinen  Tod  befürchten  müssen,  und  dann  wäre 
len  der  Gewinn  so  zu  sagen  in  den  Händen  erstorben.  „Sie  be- 
iigten sich  also  mit  dem,  was  sie  erlangt,  und  da  sie  nichts  weiteres 
eichten,  so  rächten  sie  sich  durch  das  von  ihnen  ausgesprengte  Ge- 
ht, oder  dadui'ch  —  dass  sie  durch  Täuschung  seine  Unterschrift  er- 
t  hatten  *).*' 

Daraus  erhellt,  dass  —  streng  genonmien  —  das  pomphafte  Wort 
[1  oder  Sturz  (chtUe  dCOsiu»^))  keineswegs  auf  die  Schwäche  oder 
1  Fehler  des  Osius  zutreffe.  —  Er  fiel  keinen  Augenblick  aus  der 
lade  Gottes;   denn  —  er  war" keinen  Augenblick  ganz  gefallen.     Die 


*}  cum  moestus  ingemitcerety  se  vel  ad  horam  noxiae  communwni  fuisse  permixium  — 
Sulffic,  Sev.  dinlog.  3,  13, 

*)  Flortx,  10,  19 L 

*)  Es  war  am  6.  Jan.  872.  Die  Mauriner- Ediloren  (t.  1,  cap.'JfJ,  nr.  V)  sagen 
d.irübrr:  Videtwr  nutem  BcuiKus  in  iliis  donts  acetpiendis  piws  mnsnluisse  errfesiae 
päd,  quam  legum  ecrlesiasticarum  severitati.  Aehnlicli  Ä  Ceillier(t.  4,  p.357):  »Es 
scheint,  dass  Basilius,  wenn  er  sich  an  die  genaue  Beubachlun^  der  Kirchen- 
zQcht  gehaUen  hätte,  die  Gabe  eines  erklärten  Arianers  und  Verfolgers  der 
Kirche  hätte  zurückweisen  müssen.  Aber  —  der  Heilige  Ihat  bei  diesem  An- 
lasse, wa<i  ihm  das  Nüzlichste  für  die  Kirche  zu  seyn  schien." 

*)  Florez,  10,192—93. 

*)  Hermant,  vie  de  ttaint  AthatKue  —  l.  8,  eh.  3.  —  Tittemnnf,  mimoiresj  —  f.  7, 
p.  300—  321  —  art.  8  (^T.  nennt  Hosius  „le  grand  Osius**),  —  Viel  billiger  urthcilt 
R.  Ceillier. 


250  Sechstes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

Gnade  verliess  ihn  bis  zu  einem  gewissen  Grade ,  aber  sie  verliess  ihn 
nicht  ganz.  Weil  er  noch  widerstand,  so  stand  er  nocL  Weil  er  den 
Athanasius  nicht  fallen  Hess,  so  Hess  ihn  Gott  nicht  fiillen.  —  Nidit 
aus  Furcht  vor  dem  Tode,  nicht  aus  Verlangen  nach  der  Bückkehr  — 
hatte  er  eine  Stunde  nachgegeben,  sondern  —  um  von  dem  üebermasse 
der  körperlichen  Qualen  einen  Äugenblick  ausruhen  zu  können. 

£&  ist  Zeit,  dass  man  zwischen  dem  Falle  des  Hosius  und  des  Libe- 
rias einen  Unterschied  mache ;  denn  —  dieser  entsagte  der  Gemeinsdiaft 
mit  Athanasius,  und  fiel  insofern  vom  Symbole  von  Nicäa  ab.  —  Hosius 
hat  gefehlt,  wi^  andere  Heilige  gefehlt  haben,  —  aber  er  ist  nicht 
ge&llen. 

Der  Fall  besteht  —  in  dem  ^uizlichen  und  rückhaltslosen  Aa%ebea 
seines  eigenen  bessern  Willens.  Von  dem  —  wirklich  Ge&Uenen  kann 
man  alles  erlangen,  was  man  will,  woil  er  keinen  Willen  und  keine 
Gnade  mehr  hat  Von  Hosius  erlangten  seine  Feinde  nicht  alles,  was 
sie  wollten.  Sie  musstcn  sich  mit  dem  Schein  des  Sieges  begnügen; 
denn  —  überwunden  hatten  sie  ihn  nicht,  weil  Gott  —  den  im  Fallen 
Begriffenen  —  in  seine  allmächtigen  und  allbarmherzigen  Arme  nahm, 
und  —  ihn  wieder  erhob. 

§.  C.    Die  Zeugen  gegen  Hosius. 

Die  Aussagen  des  Athanasius  über  Hosius  haben  wir  gehört  — 
Aus  dem  Ende  des  J.  357  oder  dem  Anfange  des  J.  358  ist  die  mehr- 
erwähnte Schrift  —  des  Phöbadius  von  Agon  —  liber  contra  Ariano$f 
an  deren  Schluss  er  sich  —  (cap,  23)  —  also  gegen  Hosius  ausspricht'): 
Aber  es  entgeht  mir  nicht,  nachdem  alF  dieses  erörtert,  und  in  das 
Licht  der  öffentlichen  Kenntnissnahme  gestellt  worden,  dass  der  Name 
des  ältesten  — -  und  stets  glaubenseifrigen  Bischofs  Hosius  —  wie  ein 
Widder  gegen  uns  losgelassen  werde,  um  dadurch  die  —  Verwegenheit 
unsers  Widerspruches  —  abzuweisen.  x\ber  denen ,  welche  diese  Kriegs- 
maschine —  gegen  uns  aufrichten ,  antworte  ich  —  mit  wenigen  Worten. 
Seine  Auctorität  kann  keine  Instanz  gegen  uns  seyn,  weil  er  entweder 
jezt  irrt,  oder  immer  geirrt  hat.  Denn  —  die  Welt  weiss,  was  er  bis 
auf  diese  Zeit  festgehalten  hat,  mit  welcher  Stacndhaftigkeit  er  in  Sa^ 
dika  —  und  bei  den  Verhandlungen  in  Nicäa  —  beistimmte  —  und  die 
Arianer  verdammte.  Wie,  wenn  er  jezt  entgegengesezt  denkt,  wenn 
er  das  vertheidigt,  was  früher  von  ihm  verworfen;  das  verwirft,  was 
von  ilmi  vertheidigt  wurde?  Ich  sage  wieder:  seine  Auctorität  ist  keine 
Instanz  gegen  mich.  Denn  —  wenn  er  wohl  neunzig  Jahre  übel  ge- 
glaubt hat,  so  glaube  ich  nicht,  dass  nach  neunzig  Jahren  seine  Ge- 
sinnung eine  richtige  sei.     Wenn  er  aber  jetzt  richtig  denkt  ^   was  soll 

I)  C€^.  23  —  de  Hosio  episcopo  Cordubensi  Judicium  auctoris. 


§.  6.     Die  ZeBgen  gegtn  Ilosiui.  251 

vaa  Denen  halten,  die  —  bezeiclmet  mit  dem  Glauben,  den  er 
hstte,  aus  der  Welt  geschieden  i^ind?  wae  würde  mao  vod  ihm 
müssen,  wetm  er  vor  dieser  Sjiiode ')  eutäcblafen  wäre?  Ea  wird 
I,  wie  gesagt,  die  Auctoi'itat  einer  schon  vorher  gerichteten  Mei- 
nicbts  gelten,  weil  sie  gegen  sich  selbst  steht.  CrcwiBS  lesen 
Ke  Gerechtigkeit  des  Gerechten  wird  ihn  nicht  retten ,  an  dem 
la  er  abirret  lEzeeh.  33,  12).     Änion. 

ei  Jahre  später  konnte  man  diese  Worte  auf  Phcihadius  selbst 
is*rni  Rechte  anwenden.  Man  konnte  es  mit  melir  HeciU  von 
[en,  nachdem  ihn  nicht  unmenschliche  Misshandlungen,  jalire- 
idcn,  nicht  Verbannung  oder  Todesgefahr,  sondern  die  ThrSuen 
des  Beamten  Tauruü  zum  Falle  gebracht  hatten,  dem  das 
Tersprochen  war,  wenn  er  alle  Bischüfe  in  Kiniini  —  »um 
gebracht  hätte  ^).  —  Der  Mann,  der  uns  diess  berichtet,  ist  ein 
■her  Landsmann  und  Zeilgenoaae  des  l'höbadiua,  ,Als  der 
von  allen  galt  unaer  Fögadius  (Phöbadiizs) ,  und  Scrvatio, 
ft  von  Tongern."  Aber  Tnurus  bittet  und  weint  —  Phöbadius 
t  sich  bereit  zur  Verbannung  und  zu  jeder  Todesstrafe  (omne  sup- 
m).  -So  vergiengen  mehrere  Tage  —  in  diesem  Wettkampfc.  Als 
beu  wenig  zum  Frieden  gediehen,  so  wurde  allmällg  auch  er  naeh- 
ftr  [mfraetier  (ar'f)]  —  und  zulezt  wurde  er  durch  einen  ihm  ge- 
U  Vorsehlag  überwunden  *),"  d.  h.  Valens  und  Ursacius  —  nahten 
icicheltcn  und  heuchelten,  fanden  Eingang  und  Glauben,  bo- 
iea  l'höbadius,  —  und  brachten  ihn  —  neben  und  mit  Taurus 
Nachgeben  und  zum  Falle. 

Worte  des  Phubadius  gegen  Ilosius  also  sind  hinfällig,  soweit 
Geticht  in  sich  schliessen.  Phöbadius  kannte  den  Hergang  ku 
licht.  Er  spricht  von  einer  Synode,  wo  keine  Synode  war, 
nicht  etwa  drei  Bischöfe  eine  Synode  ausmachen.  Er  sezt  die 
penheit  des  Osius  auf  derselben  voraus,  gegen  welche  der  Wort- 
A.  h.  das  Wegbleiben  seines  Namens  in  dem  Documeute  der  an- 
ben  Synode  —  spricht  —  Im  Uebrigen  sieht  man,  wie  er  sich 
Mfaeih'guiig  des  Hosius  an  der  ihm  vorliegenden  Formel  dachte.  — 
Kheiolich  stand  in  dem  Briefe  des  Potamius,  dass  Hosius  auch 
I  .Glaubens"  sei,  und  das  Gerücht  „seiner  Gemeinschaft"  mit  den 
lochte  schnell   durch  alle  Länder  getragen   worden  seyn. 


B  Synude  fand  nichl  itaü. 

r«  D/fMioHÜ  aitdoriitu  —  kniin  ancli  lipisatti :  pr6jniiicirlicli('ii  ~  i^f.  Uitut, 
ip.  ß  —  pratfvdinata  Meiile«lia  —  [ür   ~~  praejadinmt;  Jagegcn   —    Opiis 
r.  ftagm-  I,  4   —   optu  —    duniiuilaliaat  miiUoram  ac  mctii  jirttejmlicaluia. 

:   wirklich    Conial   im   J.  3M  —  dem  Todrsjulirc  des  Coaatantiat  — 
[Oia  Tktodat.  ed.   GothofitAu  tt  BiUa-,  I.  1  (1736,  p.  LXI—II). 
I  W  eiiTtmiim  propotila  ooTKÜtiaiie  tvmeitvr.     Salp.  Seu.  h.  aacra  2,  if, 


252  Sechstes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

—  Sonst  aber  müssen  wir  bekennen ,  dass  die  Ausdrücke  des  PhSbadios 
über  Hosius  gemessen  und  würdig  sind ,  und  Zeugniss  ablegen  von  dem 
Schmerze,  den  der  vermeintliche  Abfall  des  Hosius  in  den  Herzen  der 
Katholiken  geweckt  hatte.  —  In  sofern  stechen  die  Worte  des  heiligen 
Phöbadiüs  —  in  wohlthuender  Weise  —  von  den  scharfen  Worten  des 
heih'gen  Hilarius  gegen  Hosius  ab. 

Hilarius  —  ist  neben  Phöbadiüs  imd  Athanasius  —  der  dritte  un- 
mittelbare Zeitgenosse  des  Hosius  —  und  der  Vorgänge  in  Sirmium. 
Der  unmittelbare  Anlass  —  der  Verfassung  seines  Werkes:  „I4ber  desynodu 
8€u  de  fide  orimtalium  ^) ,"  vcrfasst  gegen  Ende  des  J.  358^),  war  zun 
Thcil  —  die  zweite  sirmische  Formel.  —  Er  erhielt  im  J.  358  Briefe 
von  den  gallischen  Bischöfen,  nach  einer  Verbannung  von  drei  Jahren, 
nach  denen  ihnen  ,,jüngst  aus  Sirmium  ^^ein  gottloses  glaubensloses  Glau- 
bensbekenntnisse gesendet  worden ,  das  sie  nicht  nur  nicht  angenommen, 
sondern  —  ausdrücklich  verdammt  hätten*'  *).  In  Folge  dessen  —  will 
er  seinen  Mitbrüdern  „die  Zwiegespräche  heilsamer  und  gläubiger  Rede* 
mittheilen.  —  Vielleicht  haben  sie  ihm  die  Abhandlung  des  Phöbadiüs 
zugesendet,  die  man  als  den  Ausdruck  des  Glaubens  der  Kirche  von 
Gallien  betrachten  kann.  —  Diese  Abhandlung,  und  die  vor  Ostern 
358  gehaltene  Synode  der  Halbarianer  zu  Ancyra,  auf  welcher  die  zweite 
sirmische  Formel  auf  das  entschiedenste  verworfen  wurde*)",  erklären 
zur  Genüge  die  Aeusserungen  des  Hilarius  gegen  Hosius.  —  Achtzehn 
Anathematismen  wurden  dort  —  gegen  die  Katholiken  und  die  strengen 
Arianer  erlassen.  Hilarius  hat  zwölf  davon  in  seine  Schrift  aufgenomr 
men,  und  ihnen  einen  orthodoxen  Sinn  unterlegt*).  —  Die  Stellen, 
welche  sich  in  dieser  Schrift  gegen  Osius  finden,  sind  schon  oben  an- 
geführt worden  ^).  —   „Einige**  gallische  Bischöfe  hatten  ihn  —  um  Mit- 


*)  TTilan'm  Pictaritmsis ^  geschildorl  in  sfiiiem  Kampfe  g;<*sen  den  Ariunismus,  von 
Ad.   VirliUaiisei ,  Klai^onfurl  1860,  S.  43  — 45. 

^)  de  syn.  '»jp,  2.  —  Dir  Synoden  von  Rimini  und  Ancyra  waren  schon  aofe'e- 
kündigt  —  cnp  8  —  cum  compcrisscm,  synodos  in  Ancyra  alquc  Arimtnu  coo- 
gregandas. 

')  tied  nttntt'ntam  etiam  fdgmficatamqne  damnnsse, 

*)  et  auditis  iis^  quae  apud  Üintuuni  conscripta  impiissime  eianty  irreUyiosorum  audaci'i* 
quihusditm  sententiarutn  suarum  decretis  contradixerunt. 

*)  de  syn.  cap.  12    ~  28. 

•)  sie  lauten  der  Reihenfolge  naeh  :  i)  cap.  3  —  qui  lunc  apud  Sirmitun  in  seilten- 
tinm  Potamii  atque  Osii  —  concesserant.  —  2)  cap.  tt  —  Eremplum  blasphemüu 
apud  «SVrmium  per  Osium  et  Potamium  consniptae  (^wenn  dieses  Worte  de»  HiUriU» 
sind).  —  S)  cap.  63  —  91110  apud  Sirmium  per  immemorem  gestorum  suoram  dieto- 
rumque  Osium  novae  et  tarnen  suppuratae  (schon  vorher  aiisgebrul<t)  Jam  diu  ««• 
pietatis  doctrina  proruperat.  Sed  de  eo  nil  loquor^  qui  idcirco  est  resenyatus,  *f 
judicio  humano  ignoraretur ,  qunlis  ante  vfrisset.  —  4)  cap.  87  -  Oro  vos,  ne  qin^ 
quam  alius  ex  hit  praeter  senem  Osium  j  et  ipsum  illum  nimium  sepulchri  sui  amanteJ^ 
reperiatuTf  qui  tacendum  esse  existimet  de  utroque  (de  homousio  et  homoiusio). 


.1 


$.  6.     Die  Zeugen  gegen  Hosius.  253 

eilung  des  Glaubens  und  der  Symbole  der  Orientalen  ersucht.  Indem 
ilariua  in  diesem  Werke  (eap,  60 — 71)  zu  Torsichtigem  Gebrauche  des 
Portes  hömousion  —  mahnt,  welches  Wort  einen  dreifachen  falschen 
nn  zulasse,  giebt  er  dem  Hosius  und  dem  Protogenes  entschieden  Recht, 
eiche  zu  Sardika  —  den  von  der  Synode  nicht  angenommenen  Ver- 
ch  einer  Erweiterung  oder  Erklärung  des  kurzen  Symbols  von  Nicäa 
ichten  *).  Er  vertheidigt  zugleich  den  Gebrauch  des  Wortes:  homoc" 
von,  d.  h.  er  sucht  die  Halbarianer  zu  den  Katholiken  herüberzuziehen. 
'  wünscht  den  Orientalen  (dem  Basiliqs  von  Ancyra  und  den  Seinigen) 
liiok,  dass  sie  den  Kaiser  Constantius  —  zu  ihrer  Meinung  hinüber - 
id  zurückgeführt  hätten  (cap.  7S).  —  Er  geht  selbst  schonender  mit 
üens  und  Ursacius,  als  mit  Hosius,  um,  indem  er  u.  a.  sagt:  ^^Es 
5gen  mir  die  beiden  Bischöfe  Valens  und  Ursacius  verzeihen,  weil 
\i  nicht  glauben  kann ,  dass  sie  solches  vermöge  ihres  Alters  und  ihrer 
ebung  nicht  sollten  gewusst  haben ^  (cap.  79),  Es  macht  einen  weh- 
üthigen  Eindruck ,  dass  üilarius  die  Semiarianer  mit  Beflissenheit  „hei- 
fste  Männer **   nennt  ^),   während  er  gegen   den   „Vater  der  Bischöfe*' 

harte  Worte  in  Bereitschaft  hat,  während  er  für  Athanasius  kein 
irendes  Prädikat  hat  ^).  —  Einige  Erklärung  mag  in  den  Schlussworten 
iner  Schrift  liegen,  dass  er  die  Glaubensformel  von  Nicäa  vor  seinem 
eile  nicht  gehört  habe^).  Hilarius  hat  wohl  nicht  beachtet,  dass  es 
denkliche  Consequenzen  hätte,  wenn  jeder  Einzelne  —  sich  seine 
gene  Theologie  zurechtsezte.  —  Er  hat  vielleicht  nicht  beachtet,  dass 
e  Semiarianer,  die  an  dem  „ähnlichen  Wescn^  festhielten,  die  Gott- 
al  des  Sohnes  und  des  heiligen  Geistes  leugneten,  und  dass  sie  die  von 
m  versuchte  orthodoxe  Ausdeutung  des  „Homoiusios^  nicht  adoptirten. 

Die  Katholiken  nahmen  darum  auch  Anstoss  an  seiner  Schrift,  und 
rer  Ueberraschung  über  deren  Inhalt  gab  Lucifer  von  Cagliari,  damals 
fch  nicht  Schismatiker,  in  einer  Zuschrift  an  Hilarius  Ausdruck,  auf 
eiche  wir  die  Antwort  des  Heiligen  besizen  *j.  Er  beruft  sich  auf 
ine  Worte:  „similia  substantiae  piam  intelliycntiam^^ ;  aber  —  vielleicht 
ar  dieses  „fromme  Verständniss*'  bei  ihm  allein;  —  er  beruft  sich  dar- 


•)  S.  198. 

*)  DtT  »heiligste "  ßasilius  von  Ancyra  —    war  von  der  Synode  von   Sardika  ex- 

conimunicirt  worden.  —    S.  197. 
*)  Im  J.  355  —  56   haUc   er   ihn   einfach   genannt:  Athanasius   —  ad  ConsUmt.  l.  l, 

6 — 7.     Im  J.  360  nennt  er  ihn  einfach:    Athanasius  —  Hb,  ctr.  Canst.  c.  IL 
*)  Regtneratus  pridem,    et  in  episcopatu  aliquantisper  manenSf  fidem  Nicaenam  nurnquam 

nut  exsulaturus  audivi:  sed  mihi  homousii  et  homoeusii  inteUigentiam  Evangelia  et  Apo- 

stoU  intimaverunL  —    R.  Ceillierf  t,  4,  p.  54  —  je  n*ai  out  parier  de  la  fn  ck  Nic^e 

quau  moment  de  mon  exiL 
*)  Saneti  Hiiarii  cipologetica  ad  r^rehensores  libri  de  synodis  responsa.    Auch  Anguslin 

hatte  das  Werk  de  sgnodis  —    gegen   den  Rogatisten  Vinzenz  von  Carlenna  za 

vertheidjgcn  —  ep,93  —  nr,  31  —  32. 


254  Sechstes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

auf,  dass  er  an  seinen  halbarianischen  Freunden  nieht  „den  wahren 
Glauben,  sondern  die  Hoffnung  auf  Wiedererlangung  des  wahren  Gkn- 
bens^  —  gerühmt  habe.  Lucifer  hatte  ihm  wegen  der  Anrede:  »o  ihr 
heiligsten  Männer^  (die  drei  genannten  Semiarianer,  cap.  SO)  Schmeichelei 
vorgeworfen.  Er  hält  dem  Lucifer  entgegen ,  dass  auch  er  —  die  Äehn- 
lichkeit  des  Sohnes  —  mit  dem  Vater  —  lehre.  Er  lobe  nicht,  son- 
'dem  er  schone  (die  Ärianer) ;  und  das  sei  keine  Gottlosigkeit  undNadh 
giebigkeit. 

Sein  erstes  und  zweites  Buch  an  Constantius  sind  noch  sehr  sanft 
gehalten.  Aber  im  Jahr  360  erfolgte  bei  ihm  ein  Umschlag.  Er  nennt 
den  Constantius  einen  Antichrist  ^) ,  einen  Vorläufer  des  Antichrist,  einen 
neuen  Feind  Christi,  den  Grausamsten  unter  allen  Grausamen,  den 
grössten  Verbrecher  unter  allen  Menschen,  einen  neuen  Verfolger  der 
christlichen  Religion,  einen  Sohn  des  Nero  und  Decius,  einen  falschen 
Propheten,  einen  Wolf  im  Schaafskleide,  ein  falsches  Schaaf,  einen  reis- 
senden  W^olf ,  einen  Judas  ^  und  was  dergleichen  kräftige  Ausdrücke  — 
weiter  sind.  Aber  er  rechtfertigt  indirect  den  Hosius,  wenn  er  in  Be- 
treff der  Synode  Von  Rimini  sagt:  „Du  zwingst  den  Glauben  der  Abend* 
länder  —  zu  dem  Unglauben ,  die  in  .einer  einzigen  Stadt  (Rimini)  Ijn- 
geschlossenen  schreckst  du  durch  Drohungen,  schwächst  du  durch  Hunger, 
bringst  du  durch  den  Winter  herab,  verderbest  du  durch  Verstellung* 
(eap,  7J*).  —  Er  sagt  von  den  Bischöfen  von  Seleucia,  in  deren  ICttc 
er  am  27.  Sept.  359  war,  dass  er  unter  ihnen  so  viel  Gotteslästerer 
(blasphemorum)  gefunden  habe,  als  dem  Constantius  gefällig  war  feap.  12)] 
er  fand ,  dass  105  Bischöfe  dort  das  „Honweusion^^  —  die  Aehnlichkdt^ 
neunzehn  das  „Anomoeon^^  —  die  ünähnlicheit,  und  nur  die  Aegyptier 
das  „Ilomousion^^  —  die  gleiche  Wesenheit  des  Sohnes  mit  dem  Vater 
bekannten.  —  Er  dringt  jezt  —  auf  das  „gleichen  Wesens  mit  dem 
Vater*  (cap.  17,  18,  20,  21)  und  polemisirt  gegen  das  „ähnlichen  We- 
sens*, das  in  der  Schrift  nicht  begi'ündct  sei.  Mit  dem  gleichen  Scharf- 
sinne, mit  welchem  er  früher  das  „ähnliche  Wesen*  vertheidigt  hatte, 
—  bekämpft  er  es  jezt.  —  Die  Aehnlichkeit  hat  der  Mensch  mit  Grott, 
dem  Sohne  kommt  die  Gleichheit  mit  dem  Vater  zu.    —    Nur  wer  -die 


')  Lib.  etr.  Constantium,  cap.  5.  6.  7.  8.  9.  10,  11.  12. 

•)  Nach  Ceiüier,  L  c.  p,  S8  —  wollte  Hilarius  durch  seine  harte  Sprache  verhin- 
dern, dass  Constantius  nicht  ferner  die  Völker  in  den  Arianism  ziehe.  Ce  re- 
mede  Aaii  violentf  tnais  n^cessaire  aux  maux  prAenta  de  VEgUat,  —  Seine  Worte 
seien  nicht  heftiger,  als  die  Christi  —  und  des  heil.  Stephan ns  —  gegen  ibre 
Feinde.  —  Mit  Recht  bemerkt  Ceillicr,  dass  diese  Schrift  nicht  an  CodsUd- 
tius,  sondern  an  die  Bischöfe  von  Gallien  gerichtet  ist.  —  Er  schrieb  sie  in 
J.  360  —  Hieronymns  aber  sagt:  —  cataUg.  100  —  „et  'alhu  in  Cowtoift««» 
guen  post  mortmn  ejus  aar^mt,*  Vielleicht  —  liess  er  das  Bach  erst  nach  dem 
Tode  des  Constantius  erscheinen. 


J.  6.     Die  Zeugen  gegen  Hosias.  256 

eichheit^  schon  bekannt  hat,  darf  „die  Aehnlichkeit^  lehren.  —  Auch 
sr  nennt  er  die  zweite  sirmische  Formel  —  „einen  Aberwiz  des  Ho- 
is  und  eine  Ausgeburt  des  Valens  und  Ursacius^  ^). 

In  dem  vielgenannten  „opus  historieum^^  das  eben  so  viele  Spuren 
r  Aechtheit,  als  der  Unächtheit  an  sich  trägt,  und  das  —  nach  dem 
richte  des  Rufinus  noch  zu  Lebzeiten  des  Hilarius  bis  zur  Unkennt- 
likeit  entstellt  und  verfälscht  worden  war  ^) ,  —  kommt  durchaus  nichts 
Bsliebiges  über  Hosius  vor;  es  werden  ihm  vielmehr  in  den  dort  mit- 
iieilten  Aktenstücken  die  grössten  Lobsprüche  ertheilt  £s  ist,  im 
sammenhalte  mit  den  unten  mitzuth^ilenden  Worten  des  Augustinus 
über  die  Achtung  der  gallischen  Bischöfe  gegen  Hilarius ,  eben  nicht 
wahrscheinlich,  dass  sich  der  nach  Gallien  zurückgekehrte  Hilarius  — 
Q  dem  Ungrunde  seiner  scharfen  Auslassungen  gegen  Hosius  über- 
igte, und  dieselben  —  wenigstens  stillschweigend  zurücknahm.  — 
hatte,  wenn  wir  dem  Rufinus  glauben  dürfen,  es  an  sich  selbst  er- 
iren,  wie  leicht  man  durch  falsche  Brüder,  „durch  Feinde  und  Uebel- 
»ilende'^,  selbst  „durch  Bestechung  seines  eigenen  Schreibers^  (cor* 
p€o  fwiario)  in  den  dringendsten  Verdacht  der  Eezerei,  und  in  die 
ingendste  Gefahr  der  Excommunication  kommen  kann. 

Michael  Maceda  zählt  fünf  Zeugnisse  des  heiligen  Hilarius  gegen 
wius  auf  ^).  Aber  schon  die  Ueberschrifk :  S.  Hilarii  opera  inUrpolata 
c  videntur  in  rebu»  HosH  (die  Werke  des  heiligen  Hilarius  scheinen 
der  Angelegenheit  des  Hosius  verfälscht  zu  seyn),  —  ruft  Bedenken 
uns  hervor.  —  £r  meint,  weil  Hilarius  eines  so  sanften  und  milden 
ieBens  war,  konnte  er  so  harte  Worte  gegen  Hosius  nicht  schreiben; 
in  könne  an  die  Aechtheit  solcher  Ausdrücke  nicht  glauben,  ohne  dass 
runter  die  Ehre  des  Hilarius  Schaden  litte.  —  Maceda  kann  nicht  be- 
äfen,  wie  Hilarius  so  sanfte  Worte  für  die  Arianer,  so  harte  Worte 
gen  Hosius  hatte,  darum  leugnet  er  ein&ch,  dass  er  sie  geschrieben 
be.  —  Ich  fürchte,  dass  auf  diesem  Wege  weder  Hosius  noch  EUla- 
m  gerechtfertigt  werden.  Wir  sagen  mit  dem  heiligen  Hieronymus: 
obald  zugegeben  wird,  dass  alles,  was  sich  immer  in  den  Büchern 
hädlichcs  findet,  von  andern  verdorben  worden  sei,  so  wird  nichts 
ükT  denen  eigen  bleiben,  deren  Namen  es  trägt;  sondern  —  es  wird 
nen  zugeschrieben  werden,  von  denen  angeblich  die  Fälschung  aus- 
ht.    Es  wird  aber  auch  denen  nicht  angehören,   deren  Namen  unge- 


*J  Susc^is  adoersum  deliramenia  Osü  et  incrementa  Ursacii  ac  VaUntis  —  etnendationum 
tu€trum  detmnationes.  ct.  Const.  23. 

*)  Rufimus  de  aduüerat,  Ubrormm  Ortgemis,  cap,  38.  —  Wenn  es  nemlich  identisch 
ist  mit  dem  bei  Rufinus  ond  Hieronymus  (cat.  100)  angezeig^ten  Werke.  — 
TiUem.  —  6.  Hilaire  ort.  13  (m.  7^454).  —  Die  Erzählung  des  Rufinus  aber 
stellt  Hieronymus  in  Abrede;  er  nennt  sie  »eine  immerhin  noch  ertrftgliche 
Verleumdung  dieses  Glaubensbekenners*  (c^l.  adv.  Ubraa  Ruf,  2,  19), 

^)  M.  Maceda,  p.  96  -  160. 


256  Sechstes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

wiss  ist;  und  so  wird  es  geschehen,  dass  —  ^während  allen  alles  gehört,  1 
nichts  mehr  Jemand  eigen  ist  ^j.*'  j 

Wir  sagen,  dass  der  heilige  Hilarius  über  den  Antbeil  des  Hosiiu 
an  der  zweiten  sirmischen  Formel  falsch  unterrichtet  war,  und  dass  darum 
seine  Aussprüche  gegen  Ilosius  nur  einen  bedingten  geschichtlichen  W^ 
haben,  indem  sie  u.  a.  die  Stimmung  abspiegeln,  die  im  Kreise  der 
Semiarianer  gegen  Hosius  damals  herrschte. 

Der  Zeit  nach  folgt  das  Zeugniss  des  Gregor  von  Elvira,  dem  vir 
unten  ein  eigenes  Kapitel  widmen  werden,  gegen  Hosius.  —    Gregor    [ 
hatte  während  oder  nach  der  Synode  von  Bimini  —  an  Eusebius  über   ] 
seine  eigene  Standhaftigkeit,  und  über  den  Fall  der  Bischöfe  und  des 
Hosius  geschrieben.  —    Ihm  antwortet  Eusebius,    der  sich   damals  in 
Aegyptcn,  dem  dritten  Orte  seiner 'Verbannung,  befand,  wabrschcinlick    ' 
im  J.  360:  „Dem  Herrn,  dem  heiligsten  Bruder,  dem  Bischöfe  GregoriuL   ' 
Eusebius  Heil  in  dem  Herrn.  —    Ich  habe  den  Brief  deiner  Aufrichtig-    ' 
keit  empfangen,  aus  welchem  ich   ersehen  habe,  dass  du,  wie  es  sidi   '^ 
für  einen  Bischof  und  Priester  Gottes  geziemt,  dem  Uebertreter  Hosim   " 
Widerstand  geleistet,  und  —  wälirend  zu  Rimini  so  viele  gefallen  sind    * 

—  durch  die  Gemeinschaft  mit  V^alens,  Ursacius  und  den  Uebrigen,  ' 
welche  sie  vorher,  nach  Anerkennung  des  Verbrechens  ihrer  GK>ttes-  ^ 
lästerung,  verdammt  hatten,  deine  Zustimmung  verweigert  hast,  indem  ^ 
du  den  Glauben  bewahrtest ,  den  die  Väter  von  Nicäa  geschrieben  haben.  ^ 
Darum  wünschen  wir  dir  Glück,  wir  wünschen  auch  uns  Glück,  —  ' 
weil  du  —  bei  dieser  Festigkeit  und  in  der  Fülle  dieses  Glaubens  stehend, 

—  dich  gewürdigt  hast  —  unserer  eingedenk  zu  seyn.  —  Wenn  du  * 
aber  in  demselben  Bekenntnisse  verharrst ,  und  mit  den  Heuchlern  jeder 
Verbindung  entsagest,  so  sei  unserer  Gemeinschaft  versichert.  —  Hit  * 
allen  möglichen  Abhandlungen ,  mit  aller  dir  möglichen  Anstrengung  — 
strafe  die  Uebertreter,  züchtige  die  Ungläubigen,  ohne  Furcht  vor  der  -■ 
weltlichen  Gewalt,  wie  du  es  gethan^j:  denn  Derjenige  ist  mächtiger,  < 
der  in  uns  ist,  als  der  in  der  Welt  ist.     Wir  aber  —  deine  Mitpriester    . 

—  die  wir  uns  in  der  dritten  Verbannung  befinden  ^) ,  sagen  dieses,  vis    c 
wir  als  offenbar  erkannt  haben:   denn  alle   Hoffnung  der  Ariomaniten 
(Arianer)   ruhet  nicht  in  ihrer   (Kraft  oder  innern)  Uebereinstimmang^ 
sondern  auf  dem  Schuze  der  weltlichen  Gewalt:   sie  kennen   nicht  die 
Sohriil,  welche  sagt,  dass  die  verdammt  sind,   welche  ihre  HoffiiuDg 


')  Hieron.  apoL  adv,  lihros  Rufini ^  2,  17. 

*)  ut  fidsü  —  allerdings  war  Gregor  —  am  10.  OcU  359  zu  Nice  in  Thraeien  - 

aus  Furcht  vor  der  weltlichen  Gewalt  unterlegen.    Ohne  es  zu  wissen  oder  zb 

wollen,  spricht  Eusebius  dem  Schismatiker  sein  Urtbeil. 
*)  Er  war  zuerst  in  Scythopolis,  übergeben  dem  grausamen  Patrophilns  (8.223): 

dann  in   Cappadocien   (Hieron.  catal.  96);   dann   in   Oberägypten  (TheodortL  ^ 

iccL  3,  2.  —    Soor.  3,  5.  —    Sozam,  5,  12), 


leiuer   oeiie   oieueiiueii  —   unsürer   r^r^eueiineu  —   yersicnem 

ige  Zweifel  an  der  Äechtheit  dieses^)  (von  den  Ludferianam 
m)  Briefes  werden  leicht  beseitigt  Das  Wort:  Anomofütae  — 
ach  in  dem  Briefe  des  Eusebius  —   an  die  Kirche  von  Ver- 

Ebenso  das  Wort:  transgressore$  —  üebertreter,  das  ein  dem 
eigenthümliches  ist.  —  Dazu  kommt  die  grosse  Sehnsucht  nach 
und  die  Freude  über  deren  Empfang,  die  sich  in  dem  obigen 
eichfalls  zu  erkennen  giebt.  (Auch.  Hilariüs  verlangte  nach 
md  Liberius  fühlte  sich  vereinsamt)  —  Aber  —  das  Zeugniss 
>ius  für  den  Fall  des  Hosius  hat  nur  so  viel  Werth,  als  der 
itatter  Gregor  Glauben  verdient.  '^-  Man  hat  noch  nie  gehört, 
r  sich  selbst  lobt,  und  andere  tadelt,  desswegen  Glauben  ver- 

Nach  allen  andern  Nachrichten  haben  in  Rimini  —  alle  Bi- 
ehgegeben.  Wenn  nun  Ghregor  seine  Standbafltigkeit  preist, 
n  Selbstlob  —  mehr  als  verdächtig.  —  Er  musste  dann  wenig- 
3annt  worden  seyn.  Denn  —  der  Prjtfekt  Taurus  hatte  ja  den 
md  die  Vollmacht,  die  widerstrebenden  Bischöfe  zu  verbannen, 
icht  mehr  als  fünfzehn  —  wären  ^). 

— -  Gregor  war  überhaupt  nie  verbannt  gewesen  ^).  —  Michael 

st  meines  Wissens  der  erste,  welcher  auf  das  entscheidende 

des  Faustin  und  Marcellin  hinweist:   „Gregorius*)  ist  aus  der 

Vertheidiger   des   Glaubens   der   einzige,    der   weder  fliehen 


Mcht  muss  es  heisscn :  Diacones  —  die  Diakonen. 

faceda  leugnet  die  Aechlheil   —   p.  156  flg.,   und   behauptet,   er  sei   eine 


258  SechBtes  Bach.     Siebentes  Kapitel. 

musste^  noch  die  Verbannung  erduldete^).  ~  Dem  Vorwurfe  des  Ab- 
falls,  der  hieraus  für  Ghregor  hervorgieng,  suchten  sie  durch  das  bo6-  : 
haft  lächerliche  Mährchen  entgegenzutreten ,  das  sie  über  das  tragiscbe 
Ende  des  Osius  ausspannen.  —  Aber  Maceda  musste  gerade  aus  der  z 
ihm  bekannten  Stelle  des  Hieronymus:  ^Andere  (Bischöfe)  beganna  i 
(nach  der  Synode  von  Rimini)  an  diejenigen  Bekenner,  welche  wegea  £ 
Athanasius  verbannt  waren ,  Briefe  zu  schreiben''^). —  scUiessen,  da»  ^ 
der  Brief  des  Eusebius  acht,  und  eine  Antwort  auf  einen  von  Ghr^jor  ^ 
erhaltenen  Brief  war. 

Gerade  —  der  Brief  des  Eusebius  zeugt  gegen  Gregor.    Er  beweiil  ^ 
seinen  Fall  in  Rimini ,  den  er  vergessen  machen  wollte,  indem  er  ein€B  -.^ 
lobenden  Brief  eines  Glaubensbekenners  vorzeigte.  —  Aber  Eusebius  ->  ^ 
wurde  von  ihm  getäuscht.    Das  Zeugniss  des  Gregor  gegen  Hosios  yv:  3 
liert  alles  Gewicht ,  wenn  man  beachtet,   dass  Gregor  selbst  ge&llfla  ,[: 
wAr,  was  schon  —  neben  den  später  anzuführenden  Gründen,  Iierv(V»  j^ 
geht  1)  aus  dem  einstimmigen  Berichte,  dass  alle  Bischöfe  in  Brnnoi  ^ 
nachgaben,  das  heisst,  fielen;  2)  aus  seinem  Briefe  an  den  Olaniieiii*  , 
bekenner  Eusebius;  3)  daraus,  dass  er  nie  verbannt  war,  ihm  übeEliai||!t 
kein  Haar  gekrümmt  wurde.     [Mit  Recht  weist  Tillemont  die  AngJ^ 
des  Pelagianers  Julian  als  unwahr  zurück,  dass  in  Rimini  von  660  kaoi  ^ 
sieben  Bischöfe  standhaft  geblieben.    ;,Diese  sieben  Bischöfe  wären  ohil  t 
Zweifel  verbannt  worden,   und  ihre  Verbannung  hätte  Ao&ehen  gltf 
macht  ^j.'^   —   Die   Ausrede   beweist  nichts,    dass  der  widerspreolMwb ' . 
Gregor  gleichsam  unbemerkt  geblieben  sei.  —   Ein  stiller  WiderspnMk 
wird  nicht  angerechnet*)]. 

Die   in   dem  nicht'  erhaltenen  Briefe   des  Gregorius  angesponnesft  !^ 
Lüge  von  seinem  Widerstände  gegen  Hosius  wird  weiter  ausgesponius  ^_ 

—  in  der  lächerlich -tragischen  Erdichtung  des  Faustin  und  MareelÜB  ^ 

—  von  dem  Ende  des  Hosius.     Da  die  beiden   Luciferianer  in  Boa 
lebten,  wo  sie  um  das  J.  384^)  —  ihren  „libeUus  precum^^  an  EaiB«   _ 


1)  Mich.  Maceda,  S.  161. 

*)  AJü  ad  eos  confsssores,  gm  sub  nomine  Athanasii  exulab€mtf  co^enmt  litteras  miUere 
—  JERaron,  adv.  Lud/er,  cap.  19.  —    Maceda,  p,  167  —  08. 

')  AMffutL  op,  imperf,  ctr.  Julian.  1,  75.  —  Tiüemont,  t.  6,  469.  —   Ceiliier,  4,  564-S5. 

*)  Ich  begreife  hier  den  U.  Florez  nicht  (12,  120-24),  der,  seine  Augen  ytt- 
schlieasend  —  'vor  den  Worten  des  Hieronymus  und  des  Faustin  und  Marcellio» 
sieh  zu  sagen  begnügt:  »iVo  no  sabemos,  n  en  e/ecto  experimantö  rigortt  dep(f* 
de  Im  Minigtros  imperiales.  —  En  S.  Oregano  es  cierta  (t)  la  resitUnda:  mm^ 
«9  derto  el  dsetierro;'^  —  ganz  falsch:  gewiss  ist  sein  Fall,  and  gewiss  ist,  ^ 
er  nicht  verbannt  wurde. 

*)  Entweder  am  Ende  des  J.  383  oder  im  Anfange  des  J.  384.  Die  Antwort  dei 
Theodosins  ist  vom  J.  384.  Tillem.  Üstoire  des  emperewrs,  t.5,  286  (ThsodMel, 
ort  19). 


S.  6.     Die  Zeigen  geges  Hoii«e.  2M 

▼erfiuMten,  so  müasen  wir  den  Spaaier  Of^gor  «-  ale  den 
Urheber  der  Schauer -Mährchen  betrachten,  die  sie  aus  und 
an  Yorbringen«  .  Hier  aber  sind  nur  ihre  Worte  ansoftthren: 
tbt  seine  H&nde  der  Ungerechtigkeit ,  und  —  frevelt  nach  so 
ren  gegen  den  Glauben'^),  Worte,  deren  Unbestimmtheit 
e  Erkllrongen  rechtfertigen, 

dt  nach  folgt  Epiphanius  von  Salamis.  —  Er  tiieilt  ein  Akten- 
Semiarianer  mit,  erlassen  von  der  Synode  lu  Anoyra  vom 
rin  es  u.  a.  heisst:  ^wie  sie  denn  die  Kirche  selbst  dordi 
EU  verurtheilen  meinten,  welche  sie  dem- ehrwürdigen  Bischöfe 
Igten  9  worin  die  Ungleichheit  des  Wesens  sich  findet*  3).  •-* 
rianer,  die  unter  ihrem  Haupte  Basilins  versammelt  wareUi 
ie  zweite  sinnische  Formel  fttr  einen  Brief  des  Hosius  m 
sen  selbst  aber  nennen  sie  ^ehrwürdig* ;  und  sind  der  Meinung, 
rengen  Azianer  ihm  swien  Brief  mit  List  abgewonnen  haben'). 

aus  milde  und  'schonend  ist  das  Urtheil  des  Sulpicius  Sevems 
ogenannten  Fall  des  Hosius*).  —  j,Es  war  die  Meinung  (ver- 
sss  auch  Hosius  von  Spanien  derselben  Gottlosigkeit  'bage- 
was  dessw^;en  wunderbar  und  unglaublich  scheint  ^  weil  er 
ad  der  ganzen  Zeit  seines  Lebens  als  der  standhafteste  (Yer- 
iserer  Parihei  galt,  und  man  glaubte,  dass  die  Synode  von 
seinen  Betrieb  zu  Stande  gekommen :  er  mttsste  denn  nur  etwa, 
ron  dem  Greisenalter;  denn  er  war  älter  als  hundert  Jahre  — 
oilige  Hilarius  in  seinen  Briefen  schreibt,  aberwizig  gewor- 

jeit  des  Sulpicius  Severus  herrschte  über  Hosius  in  Gallien 
re  und  richtigere  Auffassung,  als  die  des  Hilarius.  Denn  — 
[ien  Bisehöfe  hatten  den  Htoius  längst  in  Schuz  genommien; 
i  Yorgange  folgten  auch  die  spanischen  Bischöfe,  mit  Aus- 
Ueicht  allein  des  Gregor  Baeticus. 


preatm,    cp,  9  —    „dat  manus  impietatif   et  past  tot  oHnos  praevaricatwr   m 

—  Maceda  nennt  es  „mfctmis  Ubellus^f  p,  167. 

i*  —  73fl4  (Semiarianorum)  —  taOxfQ  oiy  evoutöccv  xnarcci/n^i^eöSai  np 
9ÜCV  di  cov  iSrJQoßay  jtcc^  tov  aiÖcöiuov  ixiOKOxov  'Oöiov  y^fifmrtaVy  iv 
ytTCU  ro  dvo/ÄOiov  ovCiay. 

Andeiu  tind  Vorstehendes  Worte  des  Epiphanias  selbst  ^  ef,  Maeeda, 
• 

quague  ab  Hispemia  in  eamdem  perfidiam  eoneeuisM  opmio  fini:  qmod  so  mirwn 
mer$dibiU  vid^tur,  guia  omni  fere  aetatts  sua«  Umpcrt  con$Umtimmiu  n^ttrantm 
if  et  Nicaena  synodut  auctore  iüo  confecla  habebeUur:  nisi  fatiscente  a$oo;  etenim 
eeniencurio  ßtiij  ut  aanctim  Hiiarius  in  epistohM  refert,  deHraveriL  —  8u^.  Seo,, 

40.  —  Das  WoH:  d^Uraoeni  beziehe  ich  auf  die  Worte:  ^dMrammta  Osü*' 
.  BUar,  cp,  23  Üb,  cantr.  ConelcmtiuM. 

17» 


260  Sechstes  Bach.     Siebentes  Kapitel. 

Denn  —  sagt  Augustin  von  den  Donatisten ,  denen  Hosius  ein  Dorn 
im  Ange  warM:  ^^Was  sie'  (die  Donatisten)  über  Hosius  aassagen,  das 
haben  sie  zu  beweisen.  Wenn  sie  es  aber  nicht  beweisen  können,  so 
sagen  sie  umsonst,  dass  sie  wissen,  wie  er  gelebt  habe^).  —  Denn 
dieses  verdient  mehr  Glauben  (wenn  überhaupt  Hosius  von  den  Spaniern 
yerurtheilt,  von  den  Galliern  aber  freigesprochen  wurde),  dasd  die  Spa- 
nier, durch  falsche  Beschuldigungen  (wohl  auch  des  Gregor)  über  üin 
getäuscht,  und  durch  schlaue  List  irre  geführt,  gegen  den  Unschuldigen 
ein  Verdammungsurtheil  aussprachen,  später  aber  friedfertig  in  christ- 
licher Demuth  dem  Urtheile  ihrer  Mitbischöfe  beitraten,  welchen  die 
Unschuld  des  Hosius  bekannt  war,  damit  sie  nicht  (die  Spanier),  indem 
sie  mit  hartnäckiger  und  leidenschaftlicher  Verkehrtheit  ihre  Vorurtheile 
vertheidigten ,  in  das  Sacrilegium  einer  Kirchenspaltung,  welches  alk 
Verbrechen  hinter  sich  zurücklässt,  durch  blinde  Gottlosigkeit  Terfielen').' 

Durch  diese  Worte  ist  dem  Gregor  von  Elvira  sein  Urtheiil  ge- 
sprochen, und  ist  EUlarius  widerlegt  —  Mit  Unrecht  hat  er  ana  dem  ' 
nicht  bewiesenen  Falle  des  Hosius  geschlossen,  dass  er  ihn  durch  sein  - 
früheres  Leben  verschuldet.  Aber  —  dann  musste  ec  dasselbe  UrftfaeQ  • 
über  die  400  Bischöfe  von  Rimini  fällen ,  die  nach  viel  geringerm  Wida>  ' 
Stande  fielen,  unter  anderm  gegen  seinen  Landsmann,  den  heiligen  Phl-  f 
badius,  gegen  den  heiligen  Servatius  von  Tongern«  Auch  ihm  warte  } 
die  Luciferianer  vor,  was  er  dem  Hosius  vorwarf,  dass  —  er  ein  Ab-  ^ 
trünniger  geworden,  dass  er  seine  eigenen  frühem  Schriften  surttd;* 
genonunen,  weil  „er  den  Abtrünnigen  sich  günstig  erwiesen,  um  nicht  < 
zu  sagen,  dass  er  die  Kezer  begünstigt  habe^  ^j. 

Die  Aussagen  des  Socrates  und  des  Sozomenus  können  nur  nadi  ^ 
dem  Werthe  der  ihnen  vorliegenden  Quellen  beurtheilt  werden.  Ihre 
Lrthümer  sind  zu  zahlreich,  —  und  waren  oft  zu  leicht  vermeidlicb,  • 
als  dass  man  nicht  jede  ihrer  Aussagen  mit  Vorsicht  aufzunehmen  hätte  *> 
—  Socrates  berichtet  [grossentheils  falsch]  ^) ,  dass  die  Arianer  den  Pho- 
tinus  zu  der  Unterschrift  der  —  von  ihm  mitgetheilten  zweiten  sinni- 
schen Formel  (von  357)  haben  zwingen  wollen ,  dass  Basilius  von  Ancyra 
mit  ihm  disputirt,  dass  seiner  Parthei  die  (zweite)  sirmische  Formel 
wegen  ihrer  Widersprüche  missfallen,  dass  sie  deren  Exemplare  wieder 


•)  S.  138. 

*)  c/I  Hiiar.  de  aynod,  cp,  63  ^   welche  Stelle  vielleicht   die  Donatisten  im  Ange 

hatten,  da  sie  ihnen  convenirte. 
')  Auguitm.f  contra  epistoL  Portnentant^    i,  4. 
*)  tibell.  precum  cp,l   —    fctotm  praevaricatoribug ,   ut  non   dicamtts,    qma  fant  Aoe- 

reiicit. 
*)  MacedcLf  p.  187,  —   Adeo  foede  in  hac  Hoaii  narratione  äberrtmt ,   iiaque  falsa  veru 

admiicmit,  ut  ez  yfmt  txtundere  aliud  vix  queas  quam  didicisse  nimorem  de  laptu. 

•)  S.  228  ng.  -  1. 2,  31. 


S«  6.    Die  Zeugen  gegen  Hoaius.  261 

angesogen,  dass  ConstantiuB  durch  ein  Edikt  deren  Aasliefening  be- 
bhlen,  daas  HoBius  damals  in  Sirmimn  gewesen  (im  J.  351),  dass  er 
ichläge  und  Qualen  erduldet,  und  dass  er  den  damals  erlassenen  Glau- 
»ensfoimeln  sich  beigesellt  und  sie  unterzeichnet  habe  ^).  —  Bei  solcher 
]!onfiDBion  kann  Socrates  kein  Gewährsmann  seyn. 

Auch  SoEomenus  ist  der  Meinung  von  der  Gleichzeitigkeit  der  drei 
innischen  Formeln,  und  sagt  dasselbe  von  Hosius,  wie  und  nach  So- 
xitea:  „durch  Sehläge  gezwungen  —  stimmte  er  bei,  und  unterschrieb'^^). 
-  Später  sagt  er:  ^^Hosius  wurde  zugleich  mit  einigen  Bischöfe  jener 
regend,  zur  Aufhebung  der  Streitigkeiten  zwischen  Valens,  Ursacius 
nd  Germinius  (ist  offenbar  ein  Missverständniss  der  Eingangsworte  der 
weiten  sirmischen  Formel)  durch  Gewalt  in  Sirmium  gezwungen,  und 
atte  eingewilligt,  dass  weder  das  Wort  ^^gleichen'^  noch  j^ähnlichen 
V^eeens'^  gebraucht  werde,  —  da  diese  Ausdrücke  nicht  in  der  heiligen 
chrift  vorkommen,  und  da  es  über  den  Geist  des  Menschen  gehe,  das 
Vemea  Gottes  erforschen  zu  wollen  ^).^  Dagegen  ist  neu  und  beachtens- 
'erth  der  Zusaz: 

yEudoxiuB  (damals  Eindringling  in  das  Bisthum  von  Antiochien)  — 
shrieb  also  an  Valens,  Ursacius  und  Germinius  einen  Brief,  worin  er 
lammt  einigen  Andern)  ihnen  Dank  sagte,  dass  sie  den  Brief  des  Ho- 
os  hierüber  erwirkt,  und  er  schrieb  es  ihnen  als  Verdienst  zu,  dass 
ie  Abendländer  nunmehr  den  rechten  Glauben  haben  *).^  Dazu  konmien 
ie  Worte  in  I.  4,  15  —  ^^Als  Eudoxius  und  Diejenigen,  welche  mit 
im  der  Parthei  des  A^tius  anhiengen ,  zu  Antiochien  den  Brief  des  Ho- 
m  erhalten  hatten,  hatten  sie  das  Gerücht  verbreitet,  dass  auch  Libe- 
K.das  Wort  ^jgleichen  Wesens^  verdammt,  und  nun  bekenne,  dass 
T  Vater  dem  Sohne  unähnlich  sei  *).^  —  (Auf  das  Siegesgeschrei  der 
aomöer  in  Antiochien  —  hielten  die  Semiarianer  noch  vor  Ostern  des 
358  ihre  von  wenigen  Bischöfen  besuchte  Synode  zu  Ancyra  — ,  in 
r  sie  u.  a.  die  zweite  sirmische  Formel  verdammten.)  Wenn  Sozo- 
Bnus  überhaupt  ein  zuverlässiger  Berichterstatter  wäre,  so  wären  wir 
der  Annahme  geneigt,  dass  Hosius  wirklich  an  Valens  imd  Ursacius 
len  Brief  geschrieben ,  und  darin  —  sich  seine  Gemeinschaft  mit  ihnen 
»llzogen  habe.  —  Allein  —  wir  können  auf  seine  Aussage  nur  ge- 
iges  Gewicht  legen,  und  meinen,  dass,  was  er  einen  Brief  des  Hosius 
jnnt,  vielmehr  ein  Brief  der  drei  Urheber  der  zweiten  sirmischen  Formel 


*)  e^    ayoepajg     raig     rore     SoSeiöaig     vxayogtvöeöi     xai     OweStro    mcU    wtiy^a^, 

Socr.   2f  31, 
*)  Soz,  4f  6  —  OtrfnjveOe  rt  xai  vxeypoc^e. 

')  Ist  offenbar  Auszag  aus  d&r  zweiten  Formel,  die  Hosius  unterzeichnet  haben  soll. 
*)  Sotom.  4,  f2. 
*)  S^tzom.  i,  15,  —    CeiUier,  t,  4,  550  sq,  —   Petavius  „Diss.  de  Sirmiensi  et  Ancjfrana 

PUudoeynodo"  appendix  ed.  t  2  —  op,  Epiphanü,  —  Maceda^  p,  188 — i89^ 


262  Beöhties  Baeli.    Siebentes  Kapitel. 

irar,  mit  weldiem  sie  die  üeberse&dang  dieser  Foimel  in  den  Orient 
begleiteten  y  und  worin  sie  die  „Gemeinschaft^  des  Hosias  mit  ihnen 
meldeten.^).  Dagegen  hat  Sozomenns  die  Nachricht  von  dem Danksagangs- 
briefe  des  Eadoxius  an  die  drei  —  nicht  erdichtet  ^  sondern  dieselbe  in 
irgendeiner  Qaelle  gefanden ,  welche  zur  Zeit  ftir  nns  nicht  mehr  vor- 
handen ist  —  Da  es  sich  hier  um  eine  Nachricht  über  die  strengen 
Arianer  handelt,  so  kann  w  sie  not  dem  Anomöer  —  Philostorgins  ge- 
ftinden  haben ,  dessen  Eirchengeschichte  uns  nur  in  den  Auszügen  des 
Photius  erhalten  ist^). 

Philostorg^usy  ebenso  ein  Gegner  der  flalbarianer,  als  der  £adio- 
liken,  sagt  (nach  obigem  Auszuge)  über  den  „Fall''  des  Hosius:  jfi 
selbst  aber  (der  Kaiser)  erschien  in  Sirmium,  und  verweilte  dort  Zi 
welcher  Zeit  er  auch  den  römischen  Bischof  Liberius  y  der  von  den  B5- 
mern  gar  sehr  zurückverlangt  wurde ;  von  seiner  Verbannung  befreite, 
und  ihn  den  —  nach  ihm  Verlangenden  zurückgab.  Damals  ab^r,  sigt 
dieser  (Photius  redet) ,  habe  auch  Liberius  gegen  das  „Gleichen  Wesens',  ' 
und  gegen  Athanasius  unterschrieben;  ebenso  auch  der  Bischof  Hosius,  tk  ' 
eine  Synode  daselbst  stattfand ,  und  sie  zur  Uebereinstimmung  führte  *).*  ' 

—  Man  sieht|  dass  dieser  Bericht  einen  grossem  Werth  nicht  heanspmeheo  ' 
kann^  als  der  des  Socrates  und  Sozomenus. 

Theodoret  erzählt  nichts  von  dem  Falle  des  Hosius.  —    In  der  —  ' 
^istoria  tfipariita'^  ^)  kommen  die  Worte  des  Socrates  vor,  —  Njce-  ] 
phorus  Callisti  folgt  dem  Socrates  und  Sozomenus  ^).  -*    Vigilius  vn  * 
Tapsus   sagt:    „Es  kamen  gegen  die  sacrilegische  Einheit  des  gottlosen 
Bekenntnisses,  welche   durch  Hosius,  Valens,    Ursatius  und  Germini«} 
und  die  Uebrigen  von  gleicher  Schlechtigkeit  in  Sirmium  geschrieben 
worden  war,  alle  morgenländischen  Bischöfe  zusammen   (es  waren  viel- 
mehr sehr  wenige  Bischöfe  in  Ancyra) ,  und  gaben  andere ,  das  ist  zwSlf 
Erklärungen,  welche  in  dem  Concil   von  Nicäa  nicht  enthalten  sind^].' 

—  Ich  folge  unbedingt  der  Meinung  des  Valesius  und  des  Maceda^),  dsss 
dem  Vigilius  bei  diesen  Worten  die  Schrift  des  Hilarius:  „Ueber  die 
Synoden*'  vorgeschwebt  oder  vorgelegen  habe.  Denn  dieser  führt  von 
den  achtzehn  Anathematismcn  der  Synode  von  Ancyra  nur  zwölf  ao* 
Hilarius  hat  die  fünf  ersten  und  den  lezten  ausgelassen,  und  die  übrigen 


*)  G,  Hermant,  8,  3  —   meint,    der  Brief  des   Hosias   sei   eben  die  Z'weite  sirnil- 

sehe  Formel  gewesen. 
*)  Philostorgius  ist  etwas  aller  als  Socrates  und  Sozomenus.  —  Maceda^  p.  tO'i   ''*■ 
*y  Philostorg.  eccles.  hisU  l.  4,  3. 
*)  hisL  trip,  5,  9, 
*)  NicepK  Cal,  Hb,  9,  31.  36. 
•)  Viffüius  T,  ach,  Nestor.  €t  Eutych.,  5,  3, 
^  Maeeda,  p,  i95. 


{.  6.    Die  Zeugen  gegen  Hosins.  268 

ordiodox  avugedeotet  ^).  —  Vigüinsy  der  140  Jahre  nach  dem  Tode 
des  floeins  lebte,  hat  kein  Gewicht,  und  ist  sehr  oft  falsch  unterrichtet^ 
indem  er  u.  a.  die  Pseudo- Synode  zu  Philippopolis,  die  sirmische  Synode 
▼on  351  j  die  Synode  ron  Ancyra  von  358  —  für  katholische  hält 

Spätere  Schriftsteller  übergehen  wir.  —  Von  den  Historikern  der 
neaem  Zeit  hat  Baronius  —  mit  dem  Au%ebote  aller  Beredtsamkeit  von 
dem  schauerlichen  Falle  des  Hosius  gesprochen ,  obgleich  er  nur  zu- 
giebty  dass  Hosius  die  zweite  sirmische  Formel  unterschrieben  (nicht 
geschrieben)  habe  —  und  sagt,  dass  er  (im  J.  360)  —  in  der  Gemeinschaft 
ier  Kirche  gestorben  sei^).  —  Der  Franzose  Gottf.  Hermant  schreibt  j^mit 
Sehmerz  und  Thränen,  und  mit  zitternder  Hand'^  über  den  Fall  des 
Hosius  ^) ,  obgleich  nach  ihm  Hosius  nur  aus  Zwang  unterschrieben  hat^ 
ond  er  die  Sprache  des  Hilarius  eine  heftige  nennt,  da  (}ie  Eirchen- 
geschichte  den  Hosius  von  allem  (sonstigen)  Verdachte  gegen  ihn  frei- 
ipreche,  da  selbst  die  Arianer  zu  Philippopolis  ihm  nichts  vorzuwerfen 
imssten.  —  unwahr  ist  es  demnach,  dass  „der  Fall  des  Hosius  der 
ie&te  ist,  der  bisher  in  der  Kirche  vorgekommen^;  denn  selbst  — 
ivenn  Osius  die  sirmische  Formel  verfasst  hätte,  so  hob  seine  nachfol- 
^de  Reue  alles  wieder  auf. 

Tillemont,  der  mit  Vorliebe  von  „dem  grossen  Hosius,  dem  Glau- 
bensbekenner  handelt^  *) ,  spricht  von  seinem  Falle  —  in  seiner  schwan- 
kenden Weise  bald  in  schrecklichen,  bald  in  mildernden  Worten.  — 
^Seine  Unterzeichnung  (der  sirmischen  Formel),  so  erzwungen  sie  auch 
var,  hörte  doch  nicht  auf  ein  Verbrechen  zu  seyn.*'  —  Alexander  Na- 
bfis  spricht  mit  Mässigung  von  dem  „Falle^  des  Hosius.  Er  habe  ge- 
drungen unterschrieben,  aber  habe  vor  seinem  Tode  widerrufen.  Die 
juciferianer  verdienen  keinen  Glauben*).  —  Noch  nüchterner  und  bil- 
iger  urtheilt  Remy  Ceillier®).  —  Er  verwirft  durchaus  die  Angriffe 
les  Hilarius  gegen  Hosius,  ;,der  sich  so  zu  sagen  ausser  Stand  befand, 
lie  Wahrheit  zu  erkennen,  und  für  das  Werk  des  Hosius  eine  Schrift 
lahm,  die  dessen  Namen  trug^  (vielmehr  ihn  nicht  trug,  wie  noch  heute 


*)  de  synod.  cap.  i2 — 26. 

«)  Annales  Baron,  ann.  357  —  nr.  14  (17)  —  38. 

*)  Hermantf  Vie  de  samt  Athaneuef  L  8,  c.  3, 

*)  Mimoires,  t.  7,  300  —  21  —  Le  grand  Osius  —  Confesseur  —  ort.  1.  Beßexions  sur 
sa  chute.  ort,  8.  Chute  d* Osius.  Aach  er  sagt  von  Hilarius,  »dass  sein  Eifer  ihn 
in  seinen  Kämpfen  erregte  und  dass  er,  in  der  Mitte  der  Arianer  befindlich, 
die  Dinge  nicht  so  genau  wissen  konnte,  und  dass  auch  die  Arianer  dem  Ho- 
sius nichts  vorzuwerfen  wussten.**  Tillemont  hat  in  diesem  Eap.  die  Worte 
Hermants  reproducirt. 

*)  NataUs  Alex.  saec.  4,  dissertatio  32  —  artic.  2  —  Utrum  Osius  secundae  Formulae 
Sirmiensi  subscripseritf  ac  in  Haeresi  sit  defunctus. 

*)  R.  Ceiüier,  Eist  d,  auUurs  sacrfy  (nouvelU  €diL)y  t  3,  p.  397  (396^-98), 


264  Seclittee  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

der  Augenschein  lehrt).  „Wenigstenis  kann  man  nicht  leugnen,  daae 
HilariuB  über  das  Leben  des  Hosius  bis  zur  Zeit  seines  Falles  übel  unter- 
richtet war^.  Der  einzige  Umstand,  dass  Hosius  nicht  gegen  Atbanasius 
unterschrieben,  müsse  jeden  Verdacht,  den  der  heilige  Hilarius  und 
einige  andere  der  Alten  über  die  Reinheit  des  Glaubens  des  Hosius  ver- 
breitet, aufheben.  Denn  hätte  er  die  Formel  der  Arianer  unterschrieben, 
so  würde  er  auch  dem  Athanasius  Anathema  haben  sprechen  müssen. 

Der  Italiener  Casp.  Saccareili  lässt  den  Hosius  unterschreiben.  — 
Er  glaubt  fast  unbedingt  den  Aussagen  der  Luciferianer  ^).  —  Die  Dar 
Stellung  des  Florez  ^)  —  über  das  Ende  und  den  Tod  des  Hosius  ist  — 
über  jedes  Lob  erhaben,  und  ohne  Zweifel  das  Beste,  was  über  ib 
geschrieben  worden  ist,  obgleich  Florez  vor  hundert  Jahren,  und  in 
dem  der  fremden  Literatur  wenig  erschlossenen  Spanien,  manche  Quellen 
nicht  kannte,  die  uns  heute  zugänglich  geworden. 

Die  ausführlichste  Apologie  des  Hosius  besizen  wir  von  dem  (ehe- 
maligen) Jesuiten  Maceda  (nicht  Macedo)  u.  d.  T.:  Hosius  t>ere  Howu 
h,  e«  Hosius  vere  innocens  vere  sanctus,  DissertaUones  duae:  1)  de  com' 
merMio  M.  HosU  Cordubensis  episcopi  lapsu;  2)  de  sanctitate  et  euUu  legi- 
timo  ^usdem;  accedit  3)  Poiamius  innacensy  innocentiae  üf.  Hosii  vinda, 
seu  de  mnoeentia  Potamii  Ülyisiponensis  episcopi;  deque  emolumenJLo  ta 
M.  HosU  ismoeenltiam  inde  manantCy  auctore  Michaele  Josepho  Maeeda 
pre^t>ffiero.  Bononiae  1790^  ein  starker  Quartband  von  492  Seiten.  Diess 
ist  ein  sehr  verdienstliches  imd  gelehrte»  Werk,  aber  seine  Vorzüge 
werden  bedeutend  in  den  Schatten  gestellt  durch  das  Bemühen,  alle 
Zeugnisse  gegen  Hosius  als  unterschoben  zu  erklären.  Hosius  ist  über- 
haupt nicht  gefallen,  und  hat  nicht  gefehlt.  —  Die  Zeugnisse  des  Atha- 
nasius gegen  ihn  (oder  vielmehr  für  ihn)  sind  unächt.  —  Athanasius 
selbst  hat  von  dem  Falle  des  Hosius  nie  etwas  gehört,  sicher  nicht 
daran  geglaubt^).  —  Maceda,  der  alles  hinwegdisputiren  will,  über- 
sieht, dass  Athanasius  den  Fehler  der  Schwachheit  keinen  Fall  nennt, 
und  dass  er  in  ganz  andern  Ausdrücken  von  dem  Falle  des  Liberiu:« 
redet.  —  Maceda  verwirft  alle  Stellen  des  Hilarius  gegen  Hosius  als 
verdächtig  oder  unächt.  Es  wäre  die  Nachweisung  genügend  gewesen, 
dass  Hilarius  getäuscht  worden.  Der  Brief  des  Eusebius  von  Vcrcelli 
ist  gleichfalls  unächt.  —  Auch  das  Zeugniss  des  Phäbadius  ist  von  ge- 
ringer Bedeutung.     Was  die  Spätem  sagen,  hat  ohnedem  keine  Glaub- 


»)  Hktor,  tccUs.  L  5  (Bomae  1111),  p.  HfjG  -  51. 

*)  Erpanna  sagradoy  t.  10  (1716),  p.  KJfj—'JM         j,El  santo  y  gran  Padre  Osin." 

*)  Macetia  —  qt».  5.  —   Testimouia  tria,    qune  ex  S,  Äthaiiasio  afferri  solent  m   //'W«w. 

tpuria  esMC  prohantur  —   p.  51''^76,  —   cp.  6'.  Ä.  Athanasius  nunquam  vel  auMviU  1*^' 

credidU  laptum  H<mif  p,  11^-80, 


$.  6.     Die  Zeugen  gegen  Hosios.  265 

irdigk^t  —  Also  wird  HoeiuB  gereditfertigt^  indem  alle  Zeugnisse 
er  und  gegen  ihn  —  als  unterschoben  in  Frage  gestellt  werden  ^). 

Trosdem  findet  sidi  bei  Maceda  viel  Neues  und  Treffliches  —  zu 
insten  des  Hosius.  Als  im  J.  358  Basilius  von  Ancyra  nach  Sirmium 
m  f  und  den  Kaiser  wieder  von  dem  strengen  zu  dem  halben  Arianis- 
18  hinübersogy  als  Valens  und  Ursadus  von  der  zweiten  zu  der  dritten 
mischen  Formel  übergiengen,  da  —  schüzten  sie  als  Entschuldigung 
re  Unwissenheit  vor»  —  Wäre  Hosius  irgendwie  bei  der  zweiten  sir- 
sehen  Formel  betheiligt  gewesen,  so  hätten  sie  sich  nothwendig  zu 
inen  Ungunsten  hinausreden  müssen.  Aber  sia,  die  vielgewandten, 
^Iten  den  Schild  ihrer  Unwissenheit  den  Angriffen  ihrer  semiarianischen 
sgner  —  und  den  Vorwürfen  des  betrogenen  Kaisers  entgegen.  ^Warum 
hmen  sie  sich,^  sagt  er,  „so  sehr  der  Briefe  des  Hosius,  lassen  in- 
dischen die  zweite  sirmische  Formel  ohne  dessen  Namen  in  die  Welt 
sgehen,  obgleich  darin  die  Namen  des  Valens,  Ursacius  und  Germi- 
iis  ganz  deutlich  stehen?  Warum  produciren  diese  Füchse  jenen  Brief 
cht?"*)  —  Es  wäre  in  der  That  unbegreiflich,  warum  der  Brief  des 
oaius  sollte  verloren  gegangen  seyn,  —  wenn  er  je  vorhanden  war? 

Die  spanischen  Literaturhistoriker  Nicolaus  Antonio  (in  der  neuen 
usgabe  von  Perez  Bayer)  und  de  Castro  —  folgen  dem  H.  Florez  — 
der  Darstellung  des  Hosius  nach^).  / 

Von  den  neuern  deutschen  Historikern^)  sagt  L.  Stolberg  von  Ho- 
ts: dass  er  endlich,  mit  Streichen  misshandelt,  ohne  doch  zur  Unter- 
brift  des  Verdammungsurtheils  wider  Athanasius  vermocht  zu  werden, 
th  zur  Kirchengemeinschaft  mit  Valens  und  Ursacius  hinreissen,  oder 
slmehr  in  dumpfer  Betäubung  hohen  Alters  und  ausgestandener,  schmäh- 
her  Pein  sich  hinschleppen  Hess.  —  Dass  er  auch  das  neue  -^  Glau- 
nsbekenntnis  der  Arianer  unterschrieben  habe,  sagt  Athanasius  zwar 
cht,  und  Sulp.  Severus  möchte  es  gern  bezweifeln;  aber  so  gern 


*)  p.  87 — 95  —  cp,  7  —  cp.  8  —  5.  HUarii  opera  tnterpolata  esse  videntur  in  rebus 
Hosiij  95 — 150,  cp,  9  —  de  fragmentis  äS.  Uilariiy  et  epistola  S.  Eusehii  VercellensiSf 
151  —  172,  —  cp,  10  —  de  testimonio  s,  Phoebadii  in  Bosinvi,  p.  172-176.  —  cp.  IL 
—  de  s.  Epiphcmio,  p,  176 — 81  —  cp.  12  —  de  Sulpicio  Severo,  p.  181 — 186,  — 
cp,  IS  —  dt  Soerate,  Sozameno,  Cassiodoro  et  Nicephoroy  p.  186 — 193.  —  cp.  14  - 
de  Philostorffio  et  Vigilio  Tapsensi,  p.  193-98.  ^  cp.  15  —  de  MarceUino  et  Fau- 
stino  Luci/erianiSf  ac  de  S.  Isidoro  Hispnlensi,  p.  198 — 220. 

^  Hilar.  de  apiod,  cp,  79.  -  Sozom,  4,  13-14-15.  —  Ceillier,  4,  552,  —  Maceda, 
p.  192. 

*)  Antonio,  Nie,  BibUothoca  hispana  vetus,  cur.  Fr.  P.  Ba^ero.  MaL  1788,  U  1  —  cf, 
dt  Aguirre  Collect.  conciL  HUp.  t.  i,  excurs,  V.  —  p.  264  sq,  —  Rodriguez  de  Castro, 
Biblioteca  espannola,  tomo2,  1786  (Um,  1 ,  1781)  —  0«o,  Obispo  de  Cordova, 
p,  167  - 172. 

*)  Dm  Ilfyricum  sacrum^  t,  7 ,  p,  686  (1817)  sagrt:  Tandem  Vaimtis  dolo  deceptus 
(Osius),  ac  iormentis  et  illatis  plagis  compulsus  secundae  Sirmiettsi  formulae  subscripsit. 


266  SeehBtes  Bach.     Siebentes  KapiteL 

wir  es  wollten,  dürfen  wir  diesen  Zweifel  nicht  hegen,  da 
die  Aussagen  seiner  zwei  heiligen  Zeitgenossen,  des  Hilarins  und  des 
Eusebias  von  Vercelli,  so  laut  gegen  ihn  zeugen*).  —  Th.  Kttt^rkamp 
sagt:  9 An  dieser  Formel  scheiterte  die  Tugend  des  ehrwürdigen  Bisdioft 
von  Corduba;  er  hatte  zu  Sirmium  sein  Exil,  wo  er  von  Aher  und  Noth 
tief  gebeugt,  vielleicht  auch  durch  die  eingewebten  richtigen  Grundsiie 
getäuscht,  sich  verleiten  liess,  die  Formel  zu  unterschreiben,  worauf  er 
die  Ik'laubniss  erhielt,  in  sein  Vaterland  zurückzukehren^).^  Aehnlieh 
sagt  Ritter:  „Alle  menschliche  Eraffe  ist  beschränkt;  auch  die  Standhaf- 
tigkeit  des  Hosius  wurde  hier  gebrochen;  er  unterschrieb  die  Formel, 
widerrief  aber  auf  dem  Todbette ^).^*^  —  Alzog  sagt:  „Durch  die  — 
angewandte  List  war  selbst  der  greise  Hosius  in  der  Verbannnng  ge- 
täuscht, und  zur  Annahme  der  zweiten  sirmischen  Formel  vermocht 
worden  ♦).*'  Nach  Hefele  ist  Hosius  durch  —  Vexationen  aller  Art  zur 
Unterschrift  dieser  Formel  endlich  gezwungen  worden,  aber  Hilarins 
thue  dem  Hosius  gewiss  Unrecht,  wenn  er  ihn  —  för  deren  Verfasser 
erkläre  *). 

Viel  ausftihrlicher,  und  mit  Ausschmückungen,  denen  die  firanzösisdie 
Oeschichtschreibung  sich  nicht  so  leicht  entziehen  kann,  berichtet  Alb^ 
de  Broglie  den  „Fall'^  .des  Hosius^).  Nach  ihm  hatte  Constantius,  auf  die 
Nachricht,  „dass  dessen  Verstand  schwach  werde,  den  Hosius  kommen 
lassen,  hoffend,  dass  seine  gewandten  Räthe  Valens  und  Ursacius  endlich 
seinen  Widerstand  brechen  würden.  Er  kam,  begleitet  von  PotamioB 
von  Lissabon.  Einen  Monat  lang  wurde  der  —  mehr  als  hundertjährige 
Greis  belagert  mit  Andringen,  Drohungen,  Zusezungen  jeder  Art  Eine 
harte  Wohnung  unter  einem  rauhen  Himmel^),  fem  von  der  Sonne 
seines  Vaterlandes  —  war  die  geringste  der  Qualen,  die  man  ihm  auf- 
legte. Tausend  Beraubungen  erhöhten  für  ihn  die  Schwächen  des  Alten, 
und  gleichzeitig  verfolgte  man  ihn  mit  Argumentationen  und  Sophismem, 
denen  sich  sein  sehr  einfacher  Geist  immer  mit  Mühe  hingegeben  hatte, 
und  denen  sein  geschwächter  Verstand  jezt  nicht  mehr  nachkommen 
konnte®).    Endlich  ebenso  müde,   wie  betäubt,   nicht  mehr  begreifend, 


')  Fr.  L.  Stolberg,  Geschichte  der  Religion  J.  Chr.,  11.  Tbl.,  1817,  8. 183. 

*)  Th.  Katcrkarop,  des  ersten  Zeitalters  der  Kirchengeschichte  zweite  Abtheilaog) 

1825,8.218-19. 
•)  Jos.  Ign.  Ritter,  Handbuch  der  Kirchengeschichte,  5.  Aufl.  1854,  1,  195. 
*)  Job.  Alzog,  Univcrs.  Geschichte   der  christl.  Kirche,  7.  Aufl.  1859,  S.  261.  ^ 

Ebenso  Ä.  GiUzel,  Kirchengeschichte,  Bd.  2  (1847),  S.  226. 
»)  Hefele,  Concilien-Gescbichte,  1855,  Bd.  1,  S.  653—54. 
•)  A,  de  Broglie,  t.  3;  18  sq,  (s.  den  Titel  —  8.  139),  p.  383-85. 
0  Doch  hatte  Kaiser  Probus  dort  den  Weinbau  eingeführt. 
*)  auxquels  stm  esprit  tr^^aimpU  s'^tait  toujours  difficUemmt  prSU,   €t  auxqueU  sa  tetc 

affaiblie  ne  pouvait  maintenant  plus  »uffire. 


'rr 


e  auch  Liberius  schwach').^  —  Also  der  französische  Publizist  und 
riker. 

Von  den  deutschen  protestantischen  Historikern  schweigen  Gieseler 
K«  Hase  über  Hosius.  August  Neander  sagt:  ;,Indem  man  die 
rzeichnung  dieses  Bekenntnisses  durch  den  in  der  Verbannung 
iden  —  Oreis  Hosius,  der  auch  für  den  Urheber  des  Bekenntnisses 
^eben  wurde}  erzwang,  wollte  man  demselben  desto  mehr  Gewicht 
(haffen  ^).^  Endlich  sagt  Guericke,  dass  Valens  und  Ursacius  lügen- 
die  Abfassung  des  zweiten  Sirmischen  Symbols  —  dem  Hosius  zu- 
iricben^). 

Ich  selbst  bin  noch  im  Jahre  1861  —  unter  dem  Banne  der  allge- 
en  Meinung  über  und  gegen  Hosius  —  gestanden.  —  Ich  habe  mit 
tt  gesagt:  ;,Es  wird  allgemein  zugegeben,  dass  —  Hosius  die  söge- 
te  zweite  sirmische  Formel  unterzeichnet  habe*).*'  —  Seitdem  habe 
lurch  längere  und  eingehende  Beschäftigung  mit  dem  Streitpunkte  — 
▼on  dem  Unrechte  der  allgemeinen  Meinung,  und  auch  meiner  da- 
jen  Meinung  gegen  Hosius  überzeugt  —  Ich  leiste  nun  froh- 
en Herzens  —  einen  lauten  und  aufrichtigen  Widerruf. 
US  ist  besser,  als  sein  Ruf.  Hosius  ist  nicht  gefallen,  sondern  hat 
08  Schwachheit  gefehlt  Zwischen  der  Gemeinschaft  mit  Valens, 
cras  und  G^rminius,  und  der  Unterschrift  der  zweiten  sirmischen 
ael  —  ist  ein  Unterschied  wie  zwischen  Fehler  —  und  Fall. 


Hiezu  als  Beweis  die  Citate:  MarceJl  p.  34.  —  AihanoM.  solit,  840—41.  —  So- 
2om.  4,  12.  —  Effqthan.  73,  14.  —  Soor.  2,  31.  —  Aihanaa.  dß  «yn.  902.  904.  — 
HUar.  1156. 

Allgemeine  Getehichte  der  christlichen  Religion  und  Kirche,  von  Aug.  Neander, 
IL  .^  -  1829.  8.  86.^. 


Achtes  Kapitel. 

Der  Tod  des  Hosins  —  zn  Sirminn  —  am  27.  Äugest, 

357  n.  Chr. 


§.  1.    Der  selige  Tod  des  Hosius. 

DenFehler,  welchen  Hosius  in  seiner  Nachgiebigkeit  begangen,  sühnte 
und  tilgte  er  durch  aufrichtige  Reue  und  Busse.  „Aber  auch  dieses 
(diesen  Fehler)  vernachlässigte  der  Greis  nicht ;  denn  —  als  er  am  Ster- 
ben war,  legte  er,  wie  in  Form  eines  Testamentes,  Zeugniss  ab  von  der 
(crlitt^ien)  Gewalt,  er  sprach  das  Anathema  über  die  arianische  Eeserei, 
und  er  verlangte,  dass  Niemand  sie  annehme^  ^), 

So  weit  Hosius  gefehlt,  so  hat  er  seinen  Fehler  —  vollkommen 
ausgegh'chcn.  Er  hat  bezeugt  die  Gewalt,  d.  h.  er  hat  erklärt,  dass  er 
nur  der  erlittenen  unerträglichen  Gewalt  gewichen  sei.  Er  hat  diess  in 
Form  eines  Testaments,  d.  h.  feierlich  vor  dem  Angesichte  Gottes,  vor 
dessen  Gericht  er  treten  sollte,  erklärt,  und  —  im  Angesichte  der  Mai- 
schen, die  nicht  richten  sollen.  —  Er  hat  das  Anathema  gesprochen  über 
die  arianische  Häresie,  damit  Niemand  glaube,  dass  seine  vorübergehende 
Gemeinschaft  mit  —  Valens  und  Ursacius  —  ein  Uebergehen  zu  ihrer 
Häresie  sei.  —  Es  ist  unwandelbare  Lehre  der  katholischen  Kirche,  dws 
die  Sünde  —  durch  auiGrichtige  Reue  und  Busse  gesühnt  und  au%ehoben 
wird,  —  dass  die  verlorne  Gnade  wieder  gewonnen  wird.  —  Indem  (Jotl 
dem  Hosius  vor  seinem  Tode  die  Gnade  des  Widerrufs  und  erneuerter 


')  dXla  Hai  ovt(iK  owt  rffiilrjOtv  6  yigtofv.  fuJUMV  yap  dßtoSvijöKetv ,  taöxig  dtanSf- 
fitvof  efMttQTVQOTO  Ttpf  ßucv ,  Mai  Tvpf  'Agtuxvfjv  tapeCiy  dvaSefiart^e ,  Mai  xcc^i^tdf 
fjofdiva  Totvnpf  axodixe<f^€u.    Ath,  hist  Ar.  cp,  4ö, 


.->,—, 


MM^m        m^-^A  a*^«  ■»      ^h«^i^^*^  *    ^4k» 


Schritte  auffa&ufteM.'' 

§.  2.    Hosius  starb  am  27.  August  357. 

losius  starb  in  der  Verbannung  —  nach  dem  Berichte  des  Atha- 
;.  Athanasius  berichtet  mehrfach  über  den  Tod  des  Hosius.  Die 
%!  in  der  er  darüber  am  genauesten  berichtet,  wurde  im  Jahre  357  oder 
^rfasst  —  Er  schrieb  an  ^^seiner  Geschichte  der  Arianer  an  die  Mönche^, 
och  Bischof  Leontius  Castratus  von  Antiochien  lebte  ^j,  an  dessen 

spätestens  der  Arianer  Eudoxius  im  Anfange  des  J.  358  trat  Er 
Ltet  in  seinem  Werke  noch  den  Tod  des  Hosius,  und  den  —  Mitte 
.  3Ö8  —  erfolgten  Abfall  des  Liberius  von  Athanasius.  —  Man  sagt 
dass  Athanasius  noch  Ergänzungen  zu  seinem  Buche  gemacht,  in- 
ir  dasselbe  —  u.  a.  von  den  Mönchen,  an  die  er  es  gesendet,  zurück- 
igte^).  —  Allein  —  ich  sehe  nicht  ein,  warum  Athanasius  —  nicht 
ore  Jahre  an  diesem  Werke  sollte  gearbeitet  haben.  Warum  muss 
lenn  sagen,  er  habe  es  am  Ende  des  J.  SÖ?^  oder  Anfang  des  J.  358 
st?  Er  kann  ja  ebenso  gut  in  den  J.  356,  357  und  358  daran 
eitet  haben.    Als  er  das  Buch  anfieng,  lebte  Leontius  noch  (357 j; 

es  zur  Hälfte  vollendet,  konnte  er  den  Tod  des  Hosius  und  den 
l  des  Liberius  schon  erfahren  haben*), 
iber  —  wenn  Hosius  nach  Spanien  zurückgekehrt,  so  hätte  Atha- 

—  wohl  nicht  einmal  seinen  Tod,  geschweige  denn  —  die  nähern 
inde  desselben  erfahren  können.  —  Ueber  Spanien  erfuhr  man  im 
mlande  nichts,  gar  nichts.  —  Eusebius  von  Cäsarea,  und  alle  fol- 
n  Kirchenhistoriker  — -  erzählen  nichts  von  Spanien,  weil  sie  nichts 
iesem  Lande  erfethren  haben.  —  Nur  Hioronymus  hatte  einige  Nach- 
n  aas  und  über  Spanien,  die  er  theils  von  Palästina-Reisenden,  wie 


270  Sechstea  Buch.     Achtes  Kapitel. 

z.  B.  VigilantiuSy  Orosius,  theils  brieflich,  wie  von  dem  Bätiker  Luciaiiu 
erhalten ,  dem  er  im  J.  394  —  einen  Brief  ^  Antwort  auf  einen  oder 
mehrere  erhaltene  Briefe  schrieb,  und  der  durch  mehrere  von  Spanien 
gesendete  Copisten  sämmtliche  Werke  des  Hieronymus  für  sich  abadirei- 
ben  liess^). 

—  Dass  man  in  Spanien  nichts  ans  dem  Morge&lande,  niohti  im 
Morgenlande  von  Spanien,  wenn  nicht  in  den  grössten  Zwiscbenrämneii, 
und  mit  den  grössten  Entstellungen,  erfuhr,  beweist  auf  das  Schlagendste 
—  Idatius,  der  jedenfalls  nach  dem  J.  427  seine  Chronik  ^bu  schreibeD 
begann.  Er  wusste  damals  nicht,  und  konnte  es  nicht  erfiEÜbüpen,  w« 
nach  dem  Tode  des  Theophilus  (f  412)  Patriarch  von  Alexandrien  ge- 
worden war^). —  Zum  J.  435  schreibt  er,  dass  der  Priester  Germanus  ans 
Arabien  nach  Galizien  gekommen,  und  dass  man  durch  seine  Aussagen, 
und  die  Erzählung  von  Griechen  erfahren  habe,  dass  der  Bischof  Juvenal 

von  Jerusalem  mit  andern  Bischöfen  Palästina*8  und  des  Orients  nach 

§ 

Constantinopel  (vielmehr  nach  Ephesus  im  J.  431)  berufen  worden  sei, 
wo  —  in  Gegenwart  des  Kaisers  Theodosius  11.  —  eine  Synode  stiti- 
gefunden  habe,  um  die  Häresie  der  Ebioniten  niederzuschlagen  ^  welche 
Nestorius  wieder  erweckt  habe.    Dem  fügt  er  bei: 

„Zu  welcher  Zeit  aber  die  Heiligen  Johannes  (von  Jemsalem), 
Hieronymus  und  andere,  die  oben  erwähnt  wurden,  gestorben  seien, 
oder  —  wer  auf  Johannes  vor  Juvenal  gefolgt  sei,  indem  nemlieh 
bekannt  ist,  dass  ein  älterer  Mann  kurze  Zeit  —  Bischof  gewesen  id, 
das  hat  die  Bede  der  Erz&hlenden  uns  nicht  mitgetheilt^).'^  '^ 

Zum  Jahre  436  sagt  er :  „dass  zu  einer  und  derselben  Zeit  xu  Ale»  i 
zandrien  Cyrillus,  zu  Constantinopel  Nestorius   der  ebionitische  Eenr 
Bischof  sei,  das  zeigt  der  Brief  desselben  Cyrill  an  Nestorius.  —  Diese 
Briefe  sind  mit  anderm  zu  uns  gebracht  worden.^ 

Also  erst  24  Jahre  nach  dem  Amtsantritte  des  Cyrill  erfuhr  man 
in  Spanien,  dass  derselbe  Bischof  von  Alexandrien  sei,  aber  —  mm 
hätte  es  nicht  erfahren,  wenn  nicht  die  Irrlehre  des  Nestorius  —  aus- 
gebrochen wäre. 

Diess  ist  mehr  als  genug  für  den  Beweis,  dass  Athanasius  in  seiner 
Verborgenheit  weder  die  Nachricht  von  dem  Tode  des  Hosius,  noch 
weniger  die  nähern  Umstände  desselben  erfahren  hätte,  wenn  —  der- 
selbe in  Spanien  erfolgt  wäre. 

Wir  —  in  Deutsdiland  sind  heute  Spanien  doch  ohne  VergjkllkDg 
näher,  und  durch  den  Schienenweg  —  noch  näher  gerückt    Aber  — 


*)  Hieron,  ^.  71  ad  Luomium  Baedeitm, 

*)  IdcUii  chronicon  ad  ann,  416.  —  Älexandrinae  eccUsiae  pa$t  Theopküum  qms  pnun- 
derii,  ignoram  kaec  seribenM. 

*)  Johannes  war  Bischof  von  381  bis  417>  PrayUis  von  417  bis  418  oder  420,  Ju- 
venal von  da  bis  458. 


$.  2.    Hosins  starb  am  27.  Aaguat  357.  271 

aa  können  wir  denn  von  dem  kirchlichen  Leben  in  Spanien  erfahren? 
-  Wenn  Verfolgungen  ausbrecheni  bekommen  wir  einzehie  Nachrichten, 

Zeiten  der  Buhe  —  keine.  Todesfälle  von  Kardinälen ,  Erzbischöfen 
id  Bischöfen  erfahren  wir  niemals.  —  Kirchliche  Blätter  aus  allen 
indem  sind  uns  zugänglich.  —  Aber  nach  spanischen  sehen  wir 
\B  vergebens  um. 

Die  Nachricht  des  Athanasius  über  den  Tod  des  Hosius  —  ist  ein 
dierer  Beweis^  dasa  derselbe  in  der  Verbannung  gestorben  sei;  ferner, 
k  seine  Schrifk  —  an  die  Mönche  nicht  später,  als  im  J.  358  geschrieben 
pk  kann,  sum  Theil  im  J.  357  vor  dem  Tode  des  Leontius  Castratus 
»n  Antiochien,  der  im  J.  357  oder  Anfisrngs  358  starb,  —  da  die  Nach- 
3hten  von  Sirmium  —  bis  zu  Athanasius  in  seiner  Verborgenheit  --r- 
enigstens  3 — 4  Monate  unterwegs  sejn  mussten,  so  müssen  wir  den 
od  des  Hosius  noch  in  das  J.  357  sezen. 

Wir  gehen  über  zum  zweiten  Beweise.  Ihn  bieten  die  griechischen 
eniien ').  Sie  feiern  das  Andenken  des  Hosius  am  27.  August,  als  dem 
Ige  seines  Todes,  und  sagen  u.  a. :  „Er  (Hosius)  wiurde,  da  viele  andere 
isdiofe  von  Gonstantius  von  ihren  Sizen  vertrieben  wurden,  weil  sie 

die  Absezung  des  grossen  Athanasius  nicht  willigen,  oder  besser  ge- 
gt,  weil  sie  in  die  Irrlehre  des  Arius  nicht  einwilligen  wollten,  in  die 
erbannung  geschickt,  und  nachdem  er  viel  Hartes  erduldet  hatte,  fand 

in  derselben  seinen  Tod^).'' 

In  den  griechischen  Menologien  und  Menäen  wird,  wie  in  den  latei- 
sehen  Martyrologien ,  Brevieren,  Legenden  u.  s.  w.  in  der  Begel  das 
odächtniss  der  Seligen  und  Heiligen  an  dem  Tage  ihres  Todes  angesezt 
d  gefeiert.  Nun  finden  wir  zum  27.  August  auch  das  Gedächtniss  des 
ipstes  Liberius ,  welcher  am  24.  September  (366)  starb.  —  Aber  das 
edächtniss  der  beiden  Männer  wurde  in  der  griechischen  Kirche  an 
lem  und  demselben  Tage  gefeiert,  wegen  der  Gleichheit  ihrer  Kämpfe 
id  Schicksale,  und  weil  sie  in  den  Augen  der  Orientalen  die  Vor-* 
mpfer  des  Abendlandes  für  Athanasius  waren.  —  Sie  sind  an  dem- 
Iben  Tage  zusanunengestellt,  etwa  wie  die  Päpste  Soter  und  Cajus  am 
1»  April,  die  Päpste  Cletus  und  Marcellinus ^)  am  26.  April,  zusammen 


0  Ueber  die  Afenaeen  und  das  Menoloywm  der  Griechen  (die  sich  zu  einander  an- 
Blli^tnd  verhalten,  wie  die  Heiligenleg^ende,  oder  auch  das  Brevier  zu  dem 
Mtrfyrologium)  s.  Leo  AUatnu  dt  Ubria  €cekna$tici§  Graecorum  —  Par,  1645; 
Fabricius,  bibliotheca  praeca,  ed.  HcurUsSf  t  10,  Hatnb.  1S07,  p.  140  sq,  —  Acta 
Sanctor.  t.  1  Februarii,  et  ad  d.  10  Martii.  —  Menaiea  graecae  eccles,  —  12  tom. 
in  4  voL  fol,  Venetiis,  Pineüi  1623—29;  1643-48;  1684;  Venetüa  1820,  4  Um.  in 
3  voL  40.  —  1843,  12  part.  in  3  voL  4©. 

*)  ovrof  —  *y  e^o^ia  xcc^exifipSr]^  xai  xoJUa  dvöxe^  Ma^re^ijC€cg  —  ev  avrj  rw  ßicv 
xarelüöe  —  ad  27.  Aug.  —  Aehnlich  das  griechische  Menologium  zum  27.  Aug. 
—  «d.  ürbini  1727,  wovon  unten« 

')  Er  starb  wahrsch.  den  24.  Oct.  304. 


272  Sechstes  Buch.     Achtes  Kapitel. 

gefeiert  werden  (und  wie  auch  nach  der  Meinung  vieler  Petrus  und 
Paulus,  die  nicht  an  demselben  Tage  gelitten,  dennoch  an  demselben 
Tage  gefeiert  werden).  Von  Cyprian  und  Cornelius,  die  am  18.  Sept 
gefeiert  werden,  sagt  schon  Hieronymus,  dass  sie  nicht  in  dranselben 
Jahre,  aber  an  demselben  Tage  (14.  September)  gelitten  hatten^). 

Da  nun  Liberius  nicht  am  27.  August  starb,  so  erfolgte  der  Tod  des 
Hosius  an  diesem  Tage.  —  Aber  —  woher  wussten  die  Yetüjsaer  der 
Menäen  den  Todestag?  Dass  Hosius  in  der  Verbannung  gestorben  sei, 
konnten  sie  aus  den  Zeugnissen  des  Athanasius  ersehen;  keineswegs 
aber,  dass  er  am  27.  August  gestorben.  Wir  müssen  danmn  anndmien, 
dass  er  an  diesem  Tage  schon  von  Anfang  an,  d.  h.  sogleich  nach 
seinem  Tode  in  die  Kirchenbücher,  oder  in  die  Diptychen  der  Kirchen  des 
Orients  eingetragen  worden  sei.  Florez  hat,  wohl  zuerst,  auf  diesen 
Beweis  kurz  hingewiesen^);  ebenso  kurz  Maceda^). 

Erfahren  wir  aus  denselben  den  Todestag  des  Hosius,  so  doch  nidit 
das  Jahr.  —  £s  kommt  aber  zur  Bestätigung  des  Jahres  357  uns  ein 
Gesez  entgegen,  welches  Constantius  am  28.  August  357  nach  Spanien, 
und  zwar  nach  Corduba  sendete.  —  Vom  J.  336  bis  zum  28.  August  357, 
und  wieder  vom  J.  341  bis  zum  J.  365  wurde  kein  Gresez  nach  Spanien 
erlassen.  Speziell  in  den  1 1  Jahren  der  Alleinherrschaft  des  Constantiue 
von  350  bis  361  erliess  derselbe  nur  ein  einziges  Gesez  nach  Spanien, 
das  vom  28.  August  des  Jahres  357,  an  dem  Tage  nach  dem  Tode  de« 
Hosius^).  £r  erliess  diess  Gesez  nicht  nach  Sevilla,  den  Siz  des  Vicarius 
für  Spanien,  nicht  nach  Tarraco  oder  Emerita,  sondern  nach  Corduba, 
den  gewöhnlichen  Wohnort  des  Consulars  oder  Proconsuls  fUr  die  Pro- 
vinz Bätika.  —  Das  müsste  denn  doch  einer  der  wunderbarsten  Zufälle 
gewesen  seyn,  wenn  dieses  Zusammentreffen  ein  zufälliges  gewesen  wäre, 
wenn  unter  den  vielen  tausend  möglichen  Tagen  der  Sendung  —  der 
Zufall  gerade  auf  den  Tag  nach  dem  Tode  des  Hosius  gefallen  wäre.  — 
Warum  aber  —  an  diesem  Tage  —  Constantius  ein  geldeinbringendes 
Gesez  nach  Spanien  zu  senden  Anlass  und  Gelegenheit  hatte,  wollen 
wir  im  nächsten  Kapitel  untersuchen. 

Man  beachte  aber,  dass  die  Menäen  der  Griechen  den  27.  Augost 
als  Tag  des  Todes  des  Hosius  angeben,  dass  nach  den  Berichten  des 
Athanasius  der  Tod  des  Hosius  nicht  wohl  später  als  im  J.  357  eing^ 
treten  seyn  kann,  man  beachte  ferner  —  das  ausdrückliche  Zeugniss  der 
Menäen,  und  das  indirekte  Zeugnis»  des  Athanasius ,   dass  Hosius  nicht 


')  HUron,  cp.  67  de  vir,  iüust, 

«)  £sp.  sagr.  10,  202. 

')  Aguirre  —  dissert  2,  exe,  1  —  sagt,  Hosias    habe  wegen   Schwäche  nicht  nach 

Spanien  zarfickkehren  können  (pia  Osii  mort  apud  Sinnium), 
*)  lex  3,  de  honit  pro§aiptor%am  —  Ctulesäno  consulari  Baetioas,  5  CaL  S^temb.  DtiL  - 

(wann  in  Cordaba  angekommen,  wird  nicht  gesagt). 


$.  2.     Ho8iu8  starb  am  27.  Aa^it  357.  278 

D  semem  Vaterlande,  dass  er  als  Verbannter  gestorben ,  man  beachte, 
Ias8  AD  dem  Tage  nach  seinem  Tode  der  Kaiser  von  Sirmiam,  wo 
r  damals  weilte ,  ein  Gesez  nach  Spanien,  und  zwar  nach  Corduba,  den 
iiacbofssis  des  Hosias,  richtete ,  nnd  man  wird  vielleicht  zageben ,  — 
lass  die  Annahme  und  Angabe  von  dem  am  27.  August  867  erfolgten 
Tode  des  Hosius  zu  Sirmium  —  nicht  mehr  den  Namen  einer  leeren 
I}rpothese  verdiene ,  dass  sie  einen  hohen  Grad  geschichtlicher  Wahr^ 
eheinliehkeit  gewonnen  habe.  Trozdem  —  ist  es  noch  heute  ziemlich 
llg«meine  Annahme,  dass  Hosius  im  J.  859  in  seiner  Heimath  Spanien 
gestorben  sei  ^) ,  wenn  auch  das  Mährchen  der  Luciferianer  über  seinen 
ngischen  Tod  keinen  Glauben  mehr  findet  —  Ja  nicht  Wem*ge  — 
baben  bis  auf  die  neuere  Zeit  die  Zeit  seines  Lebens  bis  zum  J.  361  aus- 
dehnt, wie  Baronius,  der  seinen  Tod  zwar  in  das  J.  860,  aber  doch 
mch  in  das  Todesjahr  des  Constantius,  d.  i.  361 ,  sezt  ^),  während  Albert 
Fabricius  seinen  Tod  ohne  Weiteres  in  das  J.  861  versezt').  ->  Aber, 
wenn  sich  der  Beweiss  beibringen  liesse,  dass  der  Nachfolger  des  Hosius 
schon  der  Synode  von  Rimini  im  J.  350  angewohnt  habe,  so  könnte 
man  den  Tod  des  Hosius  nicht  wohl  später,  als  in  das  J.  358  ansezen. 

Von  Allen  wird  Hjginus  als  Nachfolger  des  Hosius  bezeichnet  und 
ingenommen  *).  —  Bis  jezt  war  diese  unmittelbare  Nachfolge  mehr  oder 
weniger  zweifelhaft,  weil  Hygin  in  der  Kirohengeschichte  erst  in  den 
J.  380  bis  387  hervortritt  -^  Aber  wir  haben  ein  Verzeichniss  der 
14  Bischöfe,  welche  als  Gesandte  der  Synode  von  Rimini,  zu  Ustodizo 
oder  Nice  in  Thraden  —  am  10.  October  359  vom  Glauben  abfielen. 
Diese  Bischöfe  sind:  Restitutus,  Gregorius,  Honoratus,  Athenius,  Iginus, 
(iL  i.  Hyginus),  Justinus,  Priscus,  Primus,  Taurinus,  Lucius,  Mustacius, 
Urbanus,  Honoratus,  Solutor^). 

Ucbcr  die  Träger  dieser  Namen  habe  ich  eine  Untersuchung  ange- 
stellt, deren  Ergebnisse  u.  a.  sind,  dass  die  Bischöfe  zu  Rimini,  un- 
gefähr nach  der  Zahl  der  Bischöfe  aus  einzelnen  Ländern,  ihre  Ge- 
sandten an  den  Kaiser  auch  aus  den  Bischöfen  der  verschiedenen  in  Rimini 
vertretenen  Länder  auswählten,  dass  sie  also  einem  Geseze  der  Billigkeit 
und  Klugheit  folgten,  welches  in  ähnlichen  Fällen  überall  angewendet 
wird.  —  Da  Afrika  stärker ,  als  jedes  andere  Land ,  zu  Rimini  vertreten 


')  Also  a.  a.  Pressel  ia  dem  protest.  Kircbcnlexikon  von  Herzog  A.  Hosius,  während 

er  nach  Hauswirth  (in  dem  Freiburger  Kirchenlexikon)  uro  das  J.  358  in  Spanien 

starb. 
')  Baron,  tmnaL  357,  nr.  36S9, 
*)  Fabric.  btbUoth,  ffraeca,  L  9,  />.  298  —  ed,  Harh»  — >  DiacMtU  e  vUa  major  centenario 

a,  C\  361. 
*)  Etpamta  Mogradoj  tO,  214—218,  Hygino,  Detde  cerca  M35S,  ka$ia  cerea  del  388. 
*>  er  optrß  kisior.  Fragmmu.  8.  —  ^«sAi,  M  praevarieaii  nmt  Uffoii  a  fidt  vera,  mcqnimt 

(An.  359,  die  10.  octob). 

Garns,  Span.  Kirche.    II.  18 


274  Sechfites  Bach.     Achtes  Kapitel. 

war,  flo  sandte  es  auch  mehr  Deputirte.  Restitutio  Ton>  Garthago  war 
Haupt  der  Oeaandtsehaft.  Nebstdem  sind  zwei  Bischöfe  HoDoratos  ge- 
nannt ^  ein  Torwiegend  afrikanisdier  Name.  Der  Name  Athenius  kommt 
in  Gallien  und  Afrika  vor.  —  Solutor  ist  ein  afrikanischer  Name;  ebenso 
Primus.  Prisous  kommt  in  Afirika  und  Gallien  Tor«  —  Muatadua  ist  ein 
spanischer  Name.  Lucius  kann  jener  Bischof  dieses  Namens  seyn,  welcher 
im  J,  380  der  Synode  von  Zaragoza  anwohnte  *) ,  und  daselbst  das  Pro- 
tokoll verlas«  Doch  ist  der  Name  Lucius  über  die  ganze  Kirche  ver- 
breitet —  Wir  nehmen  von  den  14  Gesandten  etwa  6  für  Afirika  in 
Anspruch 9  3  für  Spanien,  nämlich  Mustacius,  dann  den  Bischof  Hygin» 
von  Corduba,  und  den  Bischof  Gregor  von  Elvira  (wovon  unten). 
Die  übrigen  sechs  —  waren  Gallier,  u.  a.  Taurinus,  Italiener,  etwi 
Justinus,  Urbanus,  und  lUyrier. 

Aber  —  ist  denn  Hygin  ein  spanischer  Name?  Wb  kennen  (neben 
dem  bekannten  Grammatiker)  nur  den  Papst  dieses  Namens,  und  den 
Bisehof  von  Corduba.  Es  ist  mir  bis  jezt  nicht  gelungen ,  einen  andern 
Bischof,  oder  überhaupt  einen  andern  Träger  dieses  Namens  zu  entdecken. 
D^  Name  ist  so  zu  sagen  ausgestorben,  oder  vielmehr  —  nie  in  das 
Leben  getreten.  Nun  vereinigen  sich  aber  eine  Menge  von  UmstilndeD, 
die  dieser  Vermuthung  entgegenkommen,  dass  Iginus  zu  Nice  im  J.  369 
derHyginus  von  Corduba  sei,  der  in  der  traurigen  Geschichte  Priacillian'fl 
eine  so  traurige  Bolle  spielt.  Als  ihn  Ambrosius  um  das  J.  387  bei 
Trier  sah^  war  er  unter  der  Wucht  des  Alters  und  der  Leiden  erlegen^). 
Als  Hieronymus  im  J.  302  sein  Büchlein  j,Von  den  berühmten  Mftnnern' 
schrieb,  war  Gregor  von  Elvira  sehr  betagt,  aber  er  lebte  nocL  -* 
Nun  erzählt  Sulpicius  Severus  von  den  Gesandten  der  Orthodoxen  in 
den  Kidser:  i,Von  unsrer  Seite  werden  ausgewählt  junge  Leute,  ohne 
Gelehrsamkeit  und  ohne  Vorsicht^).''  Diess  trifft  auf  Hyginus  gensa 
zu.  Da  er  noch  im  J.  387  lebte,  war  er  359  noch  ein  junger  Bischo£ 
Seinen  Mangel  an  Vorsicht  hat  er  später  mehr  als  genug  bekundet,  und 
von  seiner  Gelehrsamkeit  erfahren  wir  nichts.  —  Er  fiel  zu  Nice  ans 
Schwachheit  Auch  darin  blieb  er  später  sich  treu,  da  er  zuerst  ein 
Gegner,  später  ein  Anhänger  Priscillian's  war.  Da  femer  jüngere  Bi- 
schöfe leichter  zu  Concilien  reisen ,  als  ältere ,  so  begreift  sich  auch  hi0^ 
aus  leichter  seine  Anwesenheit  in  Rimini.  —  Eine  besondere  Beachtoog 
aber  verdient  der  Name.  —  Da  er  der  einzige  Uyginus  seiner  Zeit  wir, 


')  CanciUum  CaeMoraugust,   primum  12  qftscoporum,   Redtentur  —  fenfenluM.    I^aut  ^ 

scoput  Uffit,    cf.  ColUct,  can.  eccl.  Hispan. 
*)  AmbroM,  ^isL  24  VaUnL  Eyginum  episcopum  senem  in  exiUum  dud  eomperif  €ui  mB 

jam  nin  exirmmu  tupereiset  gpiritiu, 
*)  Sulpic^  Seo.  k  9,  2,  41:   »ßd  tx  parU  noairorwm  Uguniitr  Aoaimcf  adoU$cmita§f  panß 

düdi  Mt  ttamMt  ifntti 


lg  über  den  sogleich  erfolgten  Tod  des  Uosiua.  —  Hoiiiis  'fiel, 
luiiu,  so  tief,  einmal,  damit  die  Welt  erkenne,  wie  er  bta  jest 
labe  (ittireo  at  raervatut  ne  judieio  hmnano  ignoraretur,  quaii» 
Met  —  «9.  ßS).  Nachdem  aber  dieses  6tra%ericht  an  ihm  roll* 
«r,  folgte  du  weitere  Gericht  seines  alsbaldigen  Todes.  —  Den 
I.  h.  den  sogleich  erfolgten  Tod  des  Hosins,  schiebt  der  heilige  Hi- 
eichsun  als  von  ihm  selbst  eraehnt  —  ihm  zu.  Er  hatte  eine 
rke  Sehnsncht  nach  seinem  Grabe,  darum  starb  er  auch  sogleich. 

angeführten  GrUnden,  welche  fUr  den  zu  Sirmium  erfolgten 

Hosins  Straten,  stellen  wir  nun  die  schwachen  Gründe  entgegen, 
is  jezt  so  ziemlich  alle  erlegen  sind,  die  Über  den  Tod  des 
schrieben  haben.  Denn  mit  Ausnahme  der  Spanier  Agnirre, 
&jitonio-Perez  Bayer  und  des  Maceda  —  haben  alle  mir  vorliegen- 
riftsteller  die  Rückkehr  des  Hosius  nach  Spanien  angenommen, 
-gius  also  verdient  keinen  Glauben,  wenn  er,  nach  einer  blossen 
lung,  und  der  Analogie  mit  Liberias,  welcher  nach  Rom  zurOck- 
behauptet,  dass  auch  Hosius  seinen  bischöflichen  Siz  wieder  er- 
be. —  Das  Zeugniss  des  Gr^or  von  Elvira  aber  fiült  mit  dem 
iden  Anhänger  Faustin  und  MarceUin  zusammen.  —  Jenes  haben 
1  mitgetheilt  (8.  256j.  Gregor  rühmt  sich ,  dass  er  dem  lieber, 
losiue    widentanden   habe   {b-tauffreMaori  te   Otto  didiei  retliti$ae). 

und  Weise   dieses   erdichteten   Widerstandes   hat  aber   Gregor 
leiden   AnbHngem   mitgetheilt,    und   sie    erzählen    dem    Kaiser 
iuB,   was   sie   für   wahr   halten,    was   aber   Gregor    nach    dem 
ber  359   erdichtet,  und  w^ter  ansgesponnen  hatte, 
ius  also,  erzählen  sie,  auf  die  Klage  des  Potamius  zu  Constantfns 

erschreckt  durch  Drohungen,  und  aus  Furcht,  er  —  reich  und  ein 
lochte  Verbannung  und  Aechtung  erleiden,  gtebt  seine  Hände  da 


276  Sechstes  Buch.     Achtes  Kapitel. 

mit  ihm^  der  bereits  abgefallen  "war,  nicht  Gemeinschaft  halten  wollte, 
er  in  die  Verbannung  geschickt  werden  sollte.  Aber  eu  dem  hdligen 
Gbegoriusy  dem  standhaftesten  Bischöfe  der  Stadt  Elvira,  brachte  ein  zu- 
verlässiger Bote  die  Kunde  von  dem  gottlosen  Abfalle  des  Hosius.  Damm 
fügte  er  sich,  eingedenk  des  heiligen  Glaubens  und  des  göttlichen  Gte- 
richtes ,  nicht  in  die  verbrecherische  Gemeinschaft  mit  ihm.  Hosiua  aber, 
dem  es  eine  um  so  grössere  Qual  war,  wenn  Jemand  nach  aeineiii 
eigenen  Falle  aufrecht  stand,  mit  unversehrter  Festigkeit  des  Schrittes 
den  reinen  Glauben  wahrend,  liess  durch  die  Staatsgewalt  den  Gregor, 
den  Mann  des  starken  Geistes,  herbeibringen,  indem  er  hofifte,  dass  er 
demselben  Schrecken  nachgeben  werde,  vor  welchem  er  — *  Hosius  — 
gewichen  war.  Es  war  aber  damals  Clementinus  Vicarius  (d.  h.  oberster 
Beamter  in  Spanien),  welcher  nach  einem  Einvernehmen  mit  Hosius, 
und  der  allgemeinen  Vorschrift  des  Königs,  den  heiligen  Gregorios 
durch  das  Gericht  nach  Corduba  einbringen  liess. 

Inzwischen  sezte  das  Gerücht  alles  in  Unruhe,  um  die  Sache  ntther 
kennen  zu  lernen,  und  das  Volk  fragte  sich  aligemein:  Wer  ist  denn 
dieser '  Gr^^orius,  welcher  einem  Hosius  zu  widerstehen  wagt?  denn 
die  Meisten  wussten  noch  nichts  von  dem  Falle  des  Hosius,  auch  hatten 
sie  es  noch  nicht  so  recht  erfahren,  wer  denn  der  heilige  Gregorius  s^ 
Er  war  auch  bei  denen,  weldie  ihn  vielleicht  kannten,  noch  ein  gem^er 
(rudU)  Bischof,  obgleich  er  bei  Christus  kein  gemeiner  Vertheidiger  des 
Glaubens  war,  nach  dem  Verdienste  seiner  Heiligkeit  Aber  nun  siehe 
—  man  gelangte  zu  dem  (Reichs-)  Vicar,  und  viele  von  den  Verwal* 
tungsbeamten  waren  anwesend,  und  Osius  sizt  da  als  Richter,  ja  sogsr 
über  dem  Richter,  sich  stüzend  auf  den  königlichen  Befehl;  und  der 
heilige  Gregor ,  nach  dem  Beispiele  seines  Herrn ,  steht  als  Schuldiger 
da,  nicht  in  einem  schlechten  Gewissen,  sondern  nach  der  Stellung 
des  gegenwärtigen  Gerichtes:  übrigens  durch  seinen  Glauben  war  er 
freL  .  Gross  war  die  Erwartung  aller,  nach  welcher  Seite  sich  der  Si^ 
neigen  werde.  Und  Osius  stüzt  sich  auf  das  Ansehen  seines  Alten, 
Gr^or  aber  stüzt  sich  auf  die  Auctorität  der  Wahrheit  Jener  hat  Ve^ 
trauen  auf  den  irdischen  König,  dieser  dagegen  Vertrauen  auf  den 
ewigen  König.  Und  Osius  stüzt  sich  auf  die  Schrift  des  Kaisers,  aber 
Gregor  hält  hoch  die  Schriften  des  göttlichen  Wortes.  Und  da  Osius 
in  allem  widerlegt  wird,  so  dass  er  durch  seine  eigenen  Aussprüche, 
welche  er  früher  ftir  den  Glauben  und  ftir  die  Wahrheit  geschrieben 
hatte,  überwiesen  wurde,  sprach  er  aufgeregt  zu  dem  Vicare  Clemen- 
tinus: Dir  ist  nicht  die  Untersuchung  übertragen,  sondern  die  Executian.* 
du  siehst,  wie  er  den  königlichen  Befehlen  widerstrebt:  vollzieh*  also^ 
was  dir  aufgetragen  ist,  schicke  ihn  in  die  Verbannung.  Aber  Clemen- 
tinus, obwohl  er  nicht  Christ  war,  bezeugte  doch  Achtung  vor  der 
bbchöflichen  Würde,  besonders  an  einem  solchen  Mann,  der  dieselbe 
in  seinen  Augen  mit  Anstand  und  Treue  aufrecht  hielt ,  und  antwortete 


ind  Todten  zu  richten,  gestatte  heute  nicht,  duB  ein  menscUioher 
xpnch  gegen   midi,   deinen   geringsten    Knecht,  auggetproehen 

der  ich,  fOr  deo  Olauben  deines  Namens,  als  ein  Schuldiger 
ihend,  zum  Schauspiele  geworden  bin.  Du  selbst,  ich  bitte  dich, 
ikeute  in  deiner  Sache;  da  selbst  wirst  dich  würdigen,  den  ür- 
-nch  als  Bücher  zu  fällen.      Ich  wttnsche  nicht,   dase  du  dieses 

weil  ich  die  Verbannung  fürchte,  da  mirfflr  deinen  Namen  jede 
Qss  ist  Aber  Viele  werden  von  den  Lrwegen  der  AbtrUnnigkeit 
^fUhrt  werden ,  wenn  sie  die  gegenwärtige  und  plSzliche  Strafe 

ne  80  chriirtliche  Bitte  zu  erhSren,  konnte  Christns  der  Herr  nicht 
yDenn  da  er  noch  viel  neidisdier  und  heiliger  Gott  mit  s^en 
«n  Worten  interpellirta ') ,  siehe  pltizlich,  während  Hosins  die 
E  sa  Bprecheu  wi^,  verserrt  er  den  Hund,  verdreht  er  znglcdch 
cken,  und  wird  er  von  seinem  Size  auf  die  Erde  heruntergewor^, 
acht  hier  aus,  oder,  wie  einige  wollen,  verstammte  er.  Sofort 
er  wie  todt  hinweggetragen.  Als  sich  nun  alle  wunderten,  wurde 
mer  Heide  Clementinus  schreckenbleich.  Und  obgleich  er  Richter 
ürchtete  er  sich  doch,  es  möchte  gegen  ihn  mit  einer  Khnlichen 
träfe  vorgegangen  werden,  und  warf  sich  zu  den  Füssen  des 
1  tfannes  nieder,  und  beschwor  ihn,  er  möohto  seiner  schonen, 
g^en  ihn  nur  aus  ünkenntniss  des  gOttlicboi  Gesezee  gefehlt, 
^t  so  fast  aus  eigner  Willktlr,  als  auf  das  (^eheiss  seines  Anf- 
tem.  —  Dann  war  starres  Staunen  in  allen ,  und  die  Bewunderung 
e  gSttliohe  Kraft;  denn  in  ihm  ist  ein  ganz  neues  Schauspiel  ge- 
worden'). —  Denn  Jener,  welcher  ein  menschliches  Urtheil  ver^ 
m  wollte,  erlitt  alsbald  ein  göttliches  schwereres  Urtheil:  und 
liter,  weldier  zum  G^erichte  gekommen  war,  fürchtete  blass  und 


278  Seckttet  Bach.     Aelites  Kapitel. 

knieenden  Biobter  gebeten ^  dass  er  als  Richter  seiner  schone.  Diess  ist 
der  Grund,  dass  Gregorius  aus  der  Zahl  derer ,  welche  den  reiMB 
Glauben  vertheidigten ,  weder  in  die  Flucht  getrieben,  noch  io  die  Ve^ 
bannung  gejagt  wurde,  da  Jedermann  sich  fürchtete,  an  ihm  sich  wdlor 
lu  vergreifen  ^). 

Seht  ihr  also  die  wunderbaren  Documente  des  von  Gk>tt  bestraften 
Abfalls?    Ganz  Spanien  weiss  das  besser,   dass  wir  dieses 
nicht  erdichten   (in  diesen   Worten   bekennen   die   LOgenschmiede 
unwillkührlich  Farbe).    Aber  auch  dem  Potamius  blieb  der  Abiall  von 
dem  heiligen  Glauben  nicht  ungestraft.    Denn,  da  er  su  dem   Ghrond- 
sCQcke  eilte ,  das  er  für  die  Unterschrift  des  gottlosen  Glaubens  von  dem 
Blaiser  au  erlangen  verdient  hatte,  erlitt  er  neue  Strafen  wegen  der 
Zunge,  mit  welcher  er  gelästert  hatte,  er  stirbt  auf  dem  W^pe,  ohne 
aaeh  nur  die  Augenlust  des  Genusses  seines  Grundstückes  au  haben.  Fttr 
den  Geiaigen  —  war  diese  Qual  nicht  gering.    Der  starb,  welcher  "wegen 
der  Begierde  —  nach  einem  Grundstücke  des  Fiscus  den  Glauben  ver- 
leugnet hatte,   und  —  da  er  zu  dem  Grundstücke  eilt,  wird  er  mit  der 
Todesstrafe  heimgesucht,  bevor  er  auch  nur  des  Augentrostes  theilhaftig 
wurde.  —  Aber  auch  Florentius  (von  Merida) ,  weldier  um  den  Fall  des 
Hosius  und  Potamius  wusste ,  und  an  irgendeinem  Orte  Gemeinschaft  mit 
ihnen   machte,   ist  gleichfiüls   einer  neuen   Todesstrafe   anheimgefallen 
(dedit  et  ip$e  nava  iupplieia).    Denn  —  während  er  —  bei  der  Versamm- 
lung des  Volks,  auf  dem  Throne  sass,  wird  er  plözlich  herabg^worfen, 
und  wird  geschüttelt,  nachdem  er  aber  an  die  firisdie  Luft . gebracht 
worden ,  kommt  er  wieder  zu  Athem.    Wieder  und  zimi  zweiten  Hak 
kehrt  er  zurück,  und  sezt  sich,  und  es  ergeht  ihm,  wie  zuvor,,  aber  er 
begreift  noch  nicht,  dass  ihm  für  seine  schuldvolle  Gemeinschaft  diese 
Strafe  geworden.  —    Da  er  trozdem  darauf  beharrte,  wieder  hineinzo- 
gehen,   so  wird  er  in  der  Weise  zum  dritten  Male  von  seinem  Throne 
hinuntergeschmettert,   dass  es  schien,   als   würde  er  von  dem  Throne 
selbst  —  als  ein  Unwürdiger  zurückgestossen ,   und  auf  die  Erde  hin- 
geworfen, wurde  er,  indem  er  zappelte,  so  gequält,  dass  ihm  mit  einer 
gewissen  Grausamkeit  und  unter  grossen  Tormenten  —  das  Leben  sua- 
gepresst  wurde.    Und  nun  wird  er  aufgehoben ,  nicht  als  einer ,  der  vom 
Tode  sich  erhebt,  sondern  —  als  einer,  der  begraben  werden  muas.   Es 
weiss  das,  was  wir  berichten,  die  grosse  Stadt  Emerita,  in  deren 
Kirche  —  das  Volk  dieses  mit  seinen  eigenen  Augen  sah.   Man  betrachte 
auch,  dass  Florentius  diess  erduldete,  welcher  noch  nicht  die  Gottlosig- 
keit unterschrieben  hatte,  sondern  nur,  weil  er  mit  den  AbtrttnnigeB 
vom  Glauben  Gemeinschaft  machte,   da  ihm  ihre  Abtrünnigkeit  nicht 
verborgen  war.    Solches  haben  wir  erzählt,  damit  jene,   die,  während 


•)  HbelL  preeum,  c^.  9^ii. 


Ir  einen  Abtrünnigen  ni  halten.  —  Denn  et  'war  erstens  in  Bimini. 
ol  nrdtens  zn  Nice ,  oder  doch  in  Rimini.  Er  wurde  drittens  nicht 
timt,  weil  er  ge&llen  war.  Er  schrieb  viertens  an  EasebinB,  weil 
B&llen  war,  um  sich  weiss  au  brennen.  Er  poaannte  fünftens  io 
^elt  ans,  daas  er  —  allein  aufrecht  gestanden  sei.  Er  trennte  sich 
rtens  von  der  katholischen  Kirche,  um  glauben  zn  machen,  dass  er 

gefallen  sei.  Er  ersann  siebentens  ein  ganisee  Nez  Ton  LUgen,  um 
I  seine  Oegner  einzufangen,  —  aber  die  Bosheit  gräbt  sich  selbst 
Grube,  and  fingt  sich  in  ihren  eigenen  Nezen.  —  Er  meinte  es 
,  saperitlng  zu  machen;  er  meinte  alle  Vorncht  angewandt  zu  haben, 

dennoch  war  er,  mit  Sulp.  Sevemg  za  reden,  „wenig  vorsichtig'. 
1  —  „wenig  gelehrt*  war  er,  troz  seiner  traetatta,  die  er  in  „niederer 
i"  schrieb').  Dass  er  femer  im  J.  359  ein  „homo  adoleiemt"  war*), 
let  leicht  daraus,  dass  er  im  J.  392  noch  unter  den  Lebenden  ncfa 
id.  —  Dass  er  zu  Nice  in  Thracien  als  zweiter,  und  gleich  nach 
Voraizenden  Restitutus  von  Carthago  unterzeichnet,  kann  man  ans 
m  überall  hervortretenden  EHirgraze  ableiten,  wenn  man  nach  einem 
inlichen  Grunde  sucht. 

Jedenfalls  muss  er  eich  durch  seinen  Eifer  und  seine  Entschieden- 
bemerklich  gemacht  haben,  weil  er  an  den  Kaiser  als  Vertreter  der 
de  gesendet  wurde.  Jedenfalls  muss  man  von  den  Orthodoxen  in 
Dl  voranssezen,  dass  sie  diejenigen  zu  ihren  Sachwaltern  wählten, 
«eichen  sie  am  meisten  Entschiedenheit  erwarteten,  diejenigen, 
lie  neh  schon  vorher  —  als  Vertheidiger  der  orthodoxen  L^re 
»gethao  hatten. 

Die  orthodoxen  Deputirtas  wurden  in  das  Städtchen  Nice  gebracht, 
D  «ach  die  Häupter  der  Arianer  kamen.  Den  Leztem  gelang  es, 
ierzebn  Orthodoxen  zu  fiberlisten  imd  einznschltchtem ,  so  dass  sie 


280  Sechstes  Buch.    Aehtes  Kapitel. 

Die  betreflFende  Urkunde  vom  10.  October  359  lautet  im  Auamge: 
Da  die  BischQfe  in  der  Station  Nice  sich  befiuideny  nämlidi  Restitutiii, 
GbregoriuB  etc.,  so  sprach  Restitutus:  Ihr  wisst,  dass  wir  in  Bimini  gegen 
UrsaciuSy  Valens,  Germinius  und  Oajus  als  gegen  die  Urheber  d« 
Uebels  das  Urtheil  sprachen,  das  ist,  dass  sie  von  unsrer  Gemeinschaft 
getrennt  werden  sollen.  Weil  wir  aber  jezt  persönlich  zusammengetreten 
sind  und  alles  erwogen  haben ,  und  weil  wir  an  ihnen  solches  gefunden 
haben,  was  Niemand  missfallen  darf,  nämlich  den  katholischen  Glauben 
nach  ihrem  Bekenntnisse,  welches  auch  wir  alle  unterschrieben  haben, 
sowie  dass  sie  niemals  Kezer  gewesen;  desswegen  weiter,  weil  ein  ein- 
trächtiger Friede  ein  Gott  gar  wohlge&Uiges  Ding  ist,  —  haben  Wir 
beschlossen,  dass  nach  unserm  gemeinsamen  Uebereinkommen  alles,  wai 
XU  Ariminum  verhandelt  vnirde,  als  null  und  nichtig  gelten  solle.  Weil 
wir  alle  hier  anwesend  sind,  so  muss  auch  Jeder  aussprechen,  ob  er 
mit  dem  einverstanden  sei ,  was  ich  ausgeführt  habe ,  und  er  muss  es 
eigenhändig  unterschreiben.  Sämmtliche  (14)  Bischöfe  antworteten:  Es 
gefällt  uns '}  -r-  und  sie  unterschrieben. 

Also  auch  Gregorius  von  Elvira  sprach  sein  Placet,   und  er  unter- 
schrieb. —  Der  weitere  Verlauf  der  Ereignisse  gehört  nicht  hieher.  Wir 
wollten  nur  zeigen,  wer  der  Mann  sei,  welcher  sich  zum  Helden  und 
Rächer  der  Orthodoxie  dem  Hosius  gegenüber  aufwarf,.,  wer  der  Mann 
sei,  der  sieh  von  seinen  luciferianischen  Anbetern  zu  einem  Heiligen 
stempeln  lässt,  welcher  grosse  bislang  in  der  G^chichte  unerhörte  Wun* 
der  gewirkt  haben  will  oder  soll,  Wunder,  die  weder  Christus,  nock 
die  Apostel,  noch  andere  anerkannte  Heilige  vollbrachten,  der  Mann, 
welcher  sich  als  Werkzeug  der  göttlichen  Strafgerechtigkeit  an  Hosius 
—  darstellte.    Noch  Tillemont  hat,  sich  stüzend  auf  den  Belobungsbriei^ 
den  Ghregor  in  eigner  Sache  an  Eusebius  schrieb ,  dem  Wahne  gehuldigt 
(von  den  Spaniern  abgesehen ,  die  hier  einem  patriotischen  Zuge  folgen), 
unter  den  400  Bischöfen  der  Synode  zu  Rimini  sei  dieser  Gregorius 
vielleicht  der  Einzige,  welcher  nicht  abgefallen  ^).    Umgekehrt  —  er  ist 
tiefer  ge&llen,  als  die  andern  alle.    Denn,  sei  es  vor  oder  nach  seinem 
Falle,  sehr  wahrscheinlich  nach  demselben,  glaubte  er  sich  durch  seinoi 
Brief  an  Eusebius  wieder  rein  waschen  und  die  Welt  glauben  machen 
zu  können,  dass  er  allein  au&echt  gestanden  sei.  —  Allein  gerade  dieser 
Brief  ist  zum  Verräther  an  ihm  geworden.    Wir  vdissten  nicht,  irer 
jener  Ghregorius    sei,    der   zu   Nice  in   Thracien  mit   seben   dreizehn 
Collegen  rief:  Placet.    Aus  der  Antwort  des  Eusebius  aber  an  ihn,  die 
er  selbst  ohne  Zweifel  colportirt  und  sie  dem  Hilarius  mitgetheilt  hst, 
wenn  und  soweit  dieser  Verfasser  des  (1590  entdeckten)  cfjpu»  hUUnrw» 
ist,  sehen  wir,  dass  er   (wie   ihn  Hieronymus  nennt)  der  bätische  Gre- 


I)  «X  cptrt  kistorico,  fragm,  8,    Ab  universis  epucopU  dktum  e§t:  Piac$t  «I  gubaenpaenßi' 
•)  Tillenumi,  m.  6,  461;  464;  522. 


$.  2.     Hothis  mrb  am  27.  AvLgü$i  357.  281 

gorios  Ml  und  dass  der  Titel  eineB  TVam^rettor  oder  eiiies  Praevaneator, 
den  er  dem  Honus  Eirweisen  will,  mit  grösserem  Rechte  ihm  selbst 
gebBhre.  —  Auf  ihn  selbst  gehen  die  Worte,  die  seine  Genossen  an 
Hodos  Tenchwenden:  ,,Erschreckt  durch  Drohnngen,  und  iFÜrcht^fid,  er 
mOdite  Verbannung  und  Aechtung  erdulden,  giebt  er  seine  H&nde  der 
Oottloaigkeit,  fiült  Tom  Glauben  ab,  und  —  kehrt  nach  Spanien  zurück^  ^). 

Aber,  «^  man  giebt  zu,  dass  Gregor  in  Rimini  war,  weil  man  es 
iidit  leugnen  kann;  daraus  folge  nicht,  dass  er  auch  am  10.  Oct  360 
in  Niee  war.  —  Jenes  Zugeständniss  genügt  uns  vollkommen.  In 
Bimini  fielen  alle  Bischöfe,  also  auch  Gregorius,  und  sein  Selbstlob 
rechtfertigt  ihn  nicht,  sondern  klagt  ihn  an.  Qui  s'exeuie,  iaeeu$e,  — 
IndesSy  wie  es  Tor  Hygin  von  Corduba  in  der  Kirchengeschichte  des 
Abendlandes  nur  einen  dieses  Namens,  den  Papst  Hygin^),  gab,  so 
findet  sich  vor  Gregor  von  Elyira  in  der  Kirchengeschichte  des  Abend- 
landes auch  nur  ein  einziger  Bischof  Gregor.  Es  ist  der  Bischof  Gregor 
nm  Portus  bei  Rom,  welcher  zu  Arles  im  J.  314  unterschrieb  ^).  Damals 
war  erst  das  Bisthimi  entstanden.  „Während  aber,^  sagt  DöIIinger,  „die 
Qallischen,  Italienischen,  Spanischen^)  Bischöfe  hier  immer  zu  dem 
Hamen  ihres  Sizes  hinzusezen:  de  eivitaU,  ist  der  Bischof  von  Portus  der 
einzige,  welcher  sich  unterzeichnet:  Gregaritit  epUenpui  de  Joco,  qui  ett 
^  Porta  Romae^^),  Vielleicht  war  dieser  erste  abendländische  Bischof 
fieses  Namens  ein  gebomer  Morgenländer.  Im  Morgenlande  wurde  im 
fierten  Jahrhundert  der  Name  Gregor  häufig,  im  Abendlande  erst  nach 
lern  vierten  und  jfünften  Jahrhundert. 

Demnach ,  da  alle  andern  Indizien  vortrefflich  auf  Gregorius  Baeticus 
mtreffen,  so  geschieht  ihm  kein  Unrecht,  wenn  wir  annehmen,  dass  er 
m  10.  Od  369  zu  Nico  vom  Glauben  abgefallen  sei. 


I)  MmU  pertemiuif  et  meiuens  ne  —  exiiUum  pro»cnpHonemve  pateretur,  dat  mohum 
mqnetati,  et  —  praewtruxUw  m  fidem^  et  regreditwr  in  Higpaniat  —  Ubeü.  preettm,  cap,  9. 

*)  Eio  MöDch  dieses  Namens  —  in  dem  Orient  —  erscheint  noch  in  den  VUae 
patrwm  —  zum  23.  October,  in  dem  Leben  des  hl.  Macarias  Romanas. 

*)  %.  DölUnger,  Hippolytus  und  Ssllistus,  1853,  S.  80  flg. 

0  Es  war^ur  ein  spanischer  Bischof  za  Arles,  s.  oben  S.  179  —  81. 

*)  »Hier  ist  offenbar  locu$  —  der  dvUae  cntgegengcsczt,  und  demnach  sicher,  dass 
Portos  noch  keine  Stadt  war.  Beachten  wir  ferner  die  Reihenfolge  der  Unter- 
schriften': Zaerst  stehen  die  Bischöfe  ans  Italien,  dann  die  Qallischen,  Bri- 
tannisebeo.  Spanischen,  hierauf  die  Afrikanischen,  und  ganz  zulezt,  also  von 
den  Italienischen  getrennt,  stehen  noch  die  Bischöfe  von  Portos  ond  Centom- 
eellae  und  die  beiden  von  Ostia  gesandten  Presbyter  {CondUorum  Oaiiiae  eoOectio 
Tom.  I,  p.  106,  Pari»  1789),  doch  wohl  darom,  weil  diese  dicht  bei  Rom  be- 
ündlichen  Kirchen  die  jüngsten,  eben  erst  errichteten  waren.  Wir  dürfen  also, 
mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  wenigstens,  die  Einsezong  eines  Bisthoms  in 
Portos  in  das  Jahr  313  oder  314  sezen."  —  Man  beachte,  dass  diess  nicht 
meine,  sondern  Döllin^ers  Worte  und  Argomente  sind.  —  DöUing.  L  c  8.  80 — 81. 


382  SedMtea  Bmcb.    Aebies  Kapitel. 

Die  Verlftiimdangen  dieses  Abtrünnigen  und  SohiimAÜkevB  ram  htbm 
das  UrtheU  der  kommenden  Jahrhunderte  im  Abendlande  über  Bsmm 
bestimmt.  Hosius  wurde  verurtheilt,  weil  den  Abendländern  die  iMMh 
talischen  Quellen  versdilosaen  waren.  Hilarius^  Phöbadias,  Fanstm  and 
Marcellin  —  haben  den  Stab  über  Hosius  gebrochen.  Angostin  wude 
nicht  beachtet  Vor  allem  aber  gab  den  Ausschlag  der  ScfaaiieiroiBiai 
den  Gr^^r  über  Hosius  in  Umlauf  seste.  Der  Mensch  hat  dnen  aii- 
gebomen  Zug  zum  Schauderhaften,  und  Strafwunder  imponiren  ikn 
mehr  9  als  Wunder  der  Gnade  und  Vergebung.  Je  grilaslicher  die 
Farben  in  dem  Berichte  der  Luciferianer  über  Hosius  au%etragen  waraiy 
um  so  unbedingter  fanden  sie  Glauben«  Die  spätem  Spanier  haben  mehs 
als  andere  dazu  beigetragen ,  das  Andenken  ihres  grossen  Hosius  mü 
Schande  und  mit  Schmach  zu  bedecken  und  zu  verschütten.  Es  war 
des  christlichen  Spaniens  gefeiertster  Schriftsteller,  der  Kirchenlehnr 
Isidor  Ton  Sevilla,  welcher  in  seiner  SchrifiT:  de  viris  iilu$iribu$  —  esfp.^ 
—  den  Lügen  der  Gregorianer  unbedingten  Glauben  schenkt ').  Horns 
ist  (nach  Isidor)  —  nach  langem  äusserstem  Greisenalter  und  schon  an 
der  Schwelle  des  Lebens  selbst,  durch  den  Pfeil  der  Schlange  zuaammsD- 
gestürzt  Denn  herb<eigerufen  von  dem  Fürsten  Constantioa,  dordi 
Drohungen  erschreckt,  und  fürchtend,  er  ein  Greis  und  reich,  möchte 
Verlust  seines  Vermögens  und  Verbannung  zu  erdulden  haben,  stimmte 
er  sogleich  der  arianischen  Gottlosigkeit  bei,  und  verdammte  das  Wort 
homoutian,  das  er  zugleich  mit  den  übrigen  heiligen  Vätern  der  Kirdhe 
zur  treuen  Bewahrung  übergeben  hatte,  ergriffen  von  der  Wutfa  der 
Gh)ttlo8igkeit:  sein  Leben  endigte,  wie  er  es  verdiente,  alsbald  ein  grau- 
samer Tod^). 

Unser  Schmerz  bei  Mittheilung  dieser  Worte  wäre  unvergleichlich 
gröäser,  wenn  wir  nicht  sähen,  dass  sie  fast  wörtlich  den  Luciferianeni 
nachgeschrieben  sind,  und  wenn  wir  nicht  wüssten,  dass  sie  Erdichtungen 
sind.  Aber  kein  Wunder,  dass  von  nun  an  im  Abendlande  —  alles  mit 
Abscheu  auf  den  Hosius  sah.  Die  Worte :  calumniarc  audacUr;  umper 
aliquid  haeret  —  waren  auf  schreckliche  Weise  in  Erfüllung  gegangen. 
Hosius  war  in  dem  Bann  der  öffentlichen  Meinung.  Honorius  von  An- 
tun ^) ,  Tritbemius ,  Possevin ,  und  andere   —   schrieben  nach ,   was  sie 


0  Die  Schrift  ihm  abznspreehen ,  a.  a.  desshalb,  weil  Ildephons  ihrer  nicht  er- 
wähnt, hilft  nichts,  da  —  sie  doch  unter  Isidors  Namen  verbreitet  war  nod  iit 

*)  Itid,  L  c.  Hie  autem  pott  longvm  Senium  veiutUUis,  id  est,  post  centesimum  frimm 
annum  in  ^mo  jftm  iimite  vitas  a  fidei  iimiHbius  subruens,  ssrpsntis  jaado  osnddil 
N<xm  aeeersiitts  a  Consttmtio  principe,  tninisque  perterriius,  mstuens  im  jener  st  dau 
damna  rerum  vel  sxsilmm  pcUsreiur,  iüico  (!!)  Arianae  impistati  consensit^  et  voesbubm 
„komousion" ,  quod  simul  cum  Patribus  sanetis  caelsris  Eoclssüs  ssfusndum  tnui^deni, 
arrspius  impietatis  fitrare,  dawmavit:  cuius  quidem  vitam,   ut  msruü,   oon/sstm  exit» 

*)  Ehnmr,  de  servier,  sooL  3,  i.    JVitksM,  d,  uir»  HL  --  /Wsdm.»  «n^r.  eoe« 


$•  2.    Hotivi  ftUrb  am  27.  Atigait  357.  28S 

Torfimdett.  Buonhis  lenkte  eu  milderm  Urtheile  ein.  Seitdem  schwanken 
die  ürtbeüe.  Fast  alle  Spfttern  lassen  den  Hosius  in  Spanien  sterben.  Nmf 
Aguirrey  Flores,  Antcmio-Perez  Bayer,  Maceda,  lassen  ihn  eines  from- 
fflSB  Toda  in  Sirrainm  sterben.  —  Tillemont  weiss  nicht,  ob  er  den  Yer* 
Immdnngep  glauboi  soll,  oder  nicht.  —  Auch  Ceillier,  im  Gänsen  milder 
utheileiMi,  iMsit  3m  in  Spanien  sterben.  Ebenso  Hermant,  der  nicht  nm- 
Un  kann,  die  Erstthlang  der  Lnciferianer  als  eine  amusante  mitzutheilen  ^). 

—  Manai  — -  iKsst  ihn  erst  im  J.  359  —  au  Sirmimn  fallen  nnd  die  zweite 
■rmische  Formel  nnterzeidinen^).  Nach  Möhler  hat  er  auch  unterzeichnet, 
iit  aber  bald  darauf  gestorben ,  ob  in  Spanien  oder  Sirmium ,  darüber 
mgt  er  nidits*).  —  Hefele  ist  geneigt,  dem  Florez  zu  folgen*).  End- 
fieh,  Alb.  de  Broglie  sagt  in  seiner  rhetorischen  Weise:  ^Kaum  war 
dv  Ab&ll  des  Hosius  bekannt ,  und  während  der  Held  so  vieler  Kämpfe 
cndiöpft  auf  dem  W^;e  nach  Spanien  sein  erniedrigtes  Greisenalter 
Unsciiieppte :  so  wurde  Liberius  schwach^).'' 

Damit  schliessen  wir  dieses  Ejipitel.  Wir  sind  zu  dem  klaren  und 
eotschiedenen  Ergebnisse  gelangt,  dass  Hosius  im  Schoosse  und  in  der 
Gemeinschaft  der  Kirche  Gk)tte8,  —   eines  seligen  Todes  gestorben  sei 

—  am  27.  August  des  Jahres  357  zu  Sirmium  in  Pannonien  (in  der  Ver- 
bannung) —  und  dass  die  Berichte  über  seine  Rückkehr  nach  Spanien 
imd  seinen  tragischen  Tod  daselbst,  theils  auf  Vermuthungen ,  theils  auf 
bewussten  Lügen  von  Schismatikern,  von  Gefallenen  und  Abtrünnigen 
bsruhen. 

Dennoch  aber  glaube  ich  im  Ganzen  bei  dem  urtheile  stehen  bleiben 
a  dürfen,  das  ich  im  J.  1860—61  über  den  sogenannten  „Fall^  des 
fiosius  aussprach,  nur  mit  der  Beschränkung,  dass  ich  dieses  Urtheil 
nunmehr  auf  den  „Fehler'^  des  Hosius,  und  auf  die  Verdunkelung  seines 
Andenkens  bei  der  Nachwelt  beziehe.  —  Es  drängt  sich  immer  wieder 
der  Gedanke  auf,  warum  musste  Hosius  so  lange  leben,  warum  wurde 
er  aufgespart  für  diese  lezte  Prüfung ,  warum  war  es  ihm  nicht  vergönnt, 
mit  ungetrübtem  Glänze  eines  durch  alle  Jahrhunderte  strahlenden 
Ruhmes  aus  dieser  Welt  zu  scheiden?  Wir  werden  uns  trösten  über 
sein  Unglück,  sein  ^Fehltritt''  wird  uns  in  einem  andern  Lichte  er- 
scheinen, wenn  wir  sagen,  der  Herr  habe  ihn  so  lange  leben  lassen, 
damit  er  vor  dem  Austritte  aus  dem   Leben  jenes  Unrecht  sühne  und 


')  Hermant  hat  ein  eigenes  Kapitel  über  den  Tod  des  Hosius,  B.  8,  4 

*)  Mamti  —   Suppiementum  condliorumf  L  1,   dts$ertatio  de  tpochia  Scurdic.  et  Sirmiene, 

eoneä.  p.  207, 
*)  Möhler,  Athanasins  der  Grosse,  und  seine  Zeit  1827,  Bd.  2,  S.  204. 
*)  Hefele,  1,  654.  —  Ebenso  L  H.  Reinkens  in  .Hilarius  von  Poiliers«,  Scbaffh.  1864, 

8. 161. 
*)  BrogUe^  3,  385  —    A  peine  la  difection  d'Oeiue  itait  —  eile  cotmue,   ei  pemdant  que 

k  hSros   de  UnU  de  btUee  trAtTudi  langmssament  9vr  U  chemin  ^Etpa^ne  $a  tfkUkue 

hmäUe:  Libire  fadbHsaaii, 


264  Sedutes  Buch.    Achtet  Kapitel. 

tilge  y  das  er  durch  übertriebene  Hl&rte  zu  Elvira  (und  Sardika)  begangen 
Gott  tiberliess  ihn  seiner  eigenen  Schwachheit  bis  zu  dnem  gewissen 
Orade.  Aber  —  er  verliess  ihn  nicht;  dorch  seine  Strafe,  und  sein 
verdunkeltes  Ansehen  bei  der  Nachwelt  sühnte  er  seinen  Fehler.  —  Wie 
Moses,  der  Liebling  Gottes,  das  gelobte  Land  nicht  betreten  durfte, 
weil  er  einmal  in  seinem  Leben  im  Vertrauen  auf  Grott  gewankt  hatte, 
so  konnte  Hosius  dem  Gerichte  Gottes  und  der  Menschen  auf  Erden 
uicht  entgehen,  weil  er  zweimal  in  seinem  Leben  die  göttliche  Barm- 
herzigkeit yerläugnet  und  sie  ausgeschlossen  hatte.  Aber  Qott  liess  ihn 
nicht  sinken  aus  seinen  barmherzigen  Armen ,  er  ist  wieder  auferstanden, 
und  die  Zukunft  wird  seinem  Andenk^i  das  Recht  und  die  £hre  wieder- 
fahren lassen,  die  ihm  die  Vergangenheit  vorenthalten  und  entfeogen 
hat  Er  starb  in  der  Einheit. d^  Kirche,  und  protestirte  gegen  die  ihm 
angethane  Gewalt.  Er  protestirt  für  alle  aus  Schwachheit  G^aUenen, 
und  er  verlangt,  dass  ihnen  der  Weg  der  Busse  und  der  Wiederannahme 
geöffnet  werde.  In  den  Gang  seines  Lebens  aber  und  in  sein  Andenken 
bei  der  Nachwelt  hat  Gott  die  Worte  eingeschrieben:  Beati  miteriearda^ 
qutmiam  ipH  miseneordiam  eonsequenUir  (MaUh.  5,  7»)^). 


>)  (Tfibinger)  Theologische  Qaartalschrift,  J.  1861,  S.  372— 73. 


Neuntes  Kapitel. 

Ne  Rflckkehr  des  Hosios  nach  Gordoba?  —  Jakobos  der 
Aeltere,  der  Apostel  Spaaieas,  nad  Hosios  vom  £«rdnba. 

Wenn  man  dem  Gregor  von  Eivira,  dem  Anführer  der  Laciferianer, 
it  der  Frage  entgegentrat:  warum  er  denn  —  fUr  den  Glauben  —  aUein 
:e  Verbannung  nicht  gelitten,  —  so  wies  er  auf  die  Zeichen  und  Wunder 
n,  die  Gott  durch  ihn  gewirkt,  so  dass  kein  Heide  oder  Jude,  ge- 
hweige  denn  ein  Christ,  es  ferner  wagte,  ihn  heiästigen  au  wollen, 
18  Furcht  vor  plöslichem  und  grausamem  Tod.  —  Wenn  man  ihm  ent- 
anhalten  wollte,  dass  Hosius,  dem  er  widerstanden,  und  den  er  su 
ode  gebetet  zu  haben  —  sich  rühmte,  nicht  einmal  nach  Spanien  zu- 
ickgekehrt  sei,  so  konnte  er  mit  einer  Mentalreservation  antworten: 
ewiss,  er  ist  zurückgekehrt,  zurückgekehrt  mit  königlicher  Pracht,  auf 
Osten  und  im  Auftrag  des  Kaisers,  und  mit  dessen  strengsten  Befehlen, 
uss  —  alles  sich  (wie  Hosius)  des  Kaisers  Willen  fugen  solle«, 

Wirklich  —  Hosius  kehrte,  wir  können  es  mit  höchster  Wahrschein- 
shkeit  nachweisen,  nach  Spanien  zurück,  nicht  der  lebende,  sondern 
sr  gestorbene  Hosius.  Das  heisst,  seine  Leiche  wurde  am  28.  August  357 
if  Kosten  des  Kaisers  von  Sirmium  nach  Corduba  zurückgeführt,  um 
iselbst  feierlich  und  kaiserlich  dem  Grabe  übergeben  zu  werden,  nach 
elchem  Grabe  Hosius  so  sehr  sich  gesehnt  hatte. 

Nach  den  Beweisen  fragt  erstaunt  der  Leser.  —  Unter  den  Grau- 
mkeiten,  welche  die  Arianer  gegen  die  yerbannten  katholischen  Bischöfe 
^engen ,  führt  Athanasius  wiederholt  auch  diese  an ,  dass  sie  den  Ver- 
andten  die  Herausgabe  der  Leichen  der  verstorbenen  Bischöfe  verwei- 
3rten,  um  die  Lebendigen  und  Todten  noch  mehr  zu  quälen*). 


')  HiMtoria  Arianorum  ad  monacko$f  cap,  72.  nae  iüi  (Ariani)  negtte  corpora  deßmetorwn 
ad  humandum  tradidere,  sed,  ut  sua  laterent  homicidia,  ocaätarunt  apoL  de  fuga 
aua,  cap.  7.  — 

ra  6k  6tifiara  rth  rertievriptortav  Mi  rolg  Idtous  xccrä  ripr  d^xv^  dxodo^ijvai 
xexoapuKtfiv  (also  gaben  sie  die  Leichname  später  doch  heraasV  Ferner  cap.  7 
ad  mo«,  —  dxoSavavrccc  owt  iXttAöiy  dJUei  rouf  oYSptiuroof  fuffoOöi  tovc  dsnl^onag 
(e  viia)  xcu  raie  oixitotc  ccdrtify  ixißaolmiovSiy,  —  ef,  fragmmUa  vor,  ed,  MarUf.  p,  1020. 


I 


286  Sechstes  Buch.     Neuntes  Kapitel. 


Daraus  geht  heryor,  dass  die  Verwandten  der  verstorbenen  Eaiholikcaii 
denselben  entweder  in  die  Verbannung  nachgefolgt  waren,  oder  wenig- 
stens auf  die  Kunde  von  deren  Tode  deren  Leichen  —  abholen,  und 
mit  sich  nehmen  wollten.  —  Sie  wollten  wenigstens  ihnen  die  lezte  Ehre 
erweisen,  und  ihnen  ein  katholisches  Begräbniss  geben. 

Aber  —  derselbe  Athanasius  sagt,  dass  Hosius  den  Arianem  (dem 
Constantius)  wegen  der  vielen  erlittenen  Schläge,  und  den  Nachstelliuigm 
gegen  seine  Verwandten  auf  einen  Augenblick  nachgegeben  habe  *)•  — 
Die  nächste  Erklärung  ist,  dass  diese  Verwandten  den  Hosius  in  Beine 
Verbannung  begleitet  hatten ,  und  dass  sie  auch  bei  seinem  Tode  augegn 
waren.  —  Man  braucht  die  menschliche  Natur,  und  man  braucht  & 
Natur  eines  Spaniers  auch  nur  von  ferne  zu  kennen,  um  enuniadMDi 
dass  der  sterbende  Hosius  keinen  dringenderen  Wunsdi  haben  konnti^ 
als  wenigstens  im  Tode  aus  der  Hand  und  Nähe  dieser  Gottlosen  erreltel 
und  in  dem  Lande  seiner  Väter  begraben  zu  werden,  dass  —  seine  Ve^ 
wandten  keinen  innigem  Wunsch  hatten,  als  wenigstens  seine  irdisdifli  % 
Ueberreste  —  mit  sich  in  die  Heimath  nehmen  zu  können. 

So  wurde  es  in  Spanien  zu  aller  Zeit  mit  denen  gehalten,  die  aHK 
wärts  starben;  wenn  es  irgendmöglich  war,  wurden  ihre  Leichen  lurtt^i- 
gebracht,  wenn  sie  auch  nicht  ausdrücklich  vor  dem  Tode  diesen  WuiMh 
ausgesprochen  hatten.    Von  hervorragenden  Todten,  die  im  vierten  Jah^  ^ 
hundert  ausserhalb  Spaniens  starben ,  können  hier  Papst  Damasos  udl  ::- 
Theodosius  der  Grosse  gar  nicht  in  Frage  kommen.  —  Aber  der  mtkß  ^ 
erwähnte  Präfekt  des  Orients ,   Cjuegius ,    ein   eifriger  Ejttkolik  ufli  ^ 
Spanier,  der  die  Gözenbilder  in  Aegjpten  zerstört  hatte ^),  ein  Verf 
wandter  des  Theodosius^),   und   wahrscheinlich,   wie    dieser,   aus  dtf 
Stadt  Cauca  ^) ,  in  Galizien ,  starb  im  J.  38S  zu  Constantinopel  ^).     «b 
starb ,  berichtet  der  Spanier  Idatius ,  Cynegius ,  der  Präfekt  des  Orient^  b  - 
während  seines  Consulates^)  zu  Constantinopel.     Er  brachte  alle  PnM>r 
vinzen ,   welche  seit  langer  Zeit  erschöpft  waren ,  in   den   alten  Btad  - 
zurück,  und  drang  bis  nach  Aegypten  vor,  und  zertrümmerte  die  GtöüB^ 
bilden   Desswegen  wurde  unter  grossem  Weinen  der  ganzen  Hauptstick 
sein  Körper  zu  den  Aposteln  geleitet  —  am  19.  März,    und  nach  einem 
Jahre  brachte  ihn  seine  Frau  Achantia  nach  Spanien  auf  dem  Landwege').' 

>)  Äthan,  de  fitga  9ua  eap,  5,  ef,  S.  227. 

•)  ».  S.  125. 

*)  Theodosius  nennt  ihn  „parens  carissime  et  amantistime"  —   in  dem   Reseript  titf 

den  vielgenannten  „Ubellus  precum'^, 
*)  Tkäodomui,  natüme  Hitpanu$f  de  provinda  OaUaedaej  cwUate  Camea  —  ckrm.  /^ 

od  ofin.  379. 
^)  Idatü  chranieon  ad  388,  FasH  Idatiani  ad  o.  388, 
*)  Das  Jahr  388  ist   Theodoeio  A.  II  et  Cynegio  V  Com.   —    (Chromohgia  O^ 

TUodomani,  t  1  ap.  Gothofred.  Bat»,  p.  CXXVIIL) 
^  Et  poMt  (mnum  tranatuHt  «um  matrifna  ejus  AekanHa  ad  ERtpama»  peduire  {i  e-^ 

qua  perfitwr  per  pedet),  —  Faüi  Id,  ad.  omi.  388.  —  v.  Bd.  1,  55. 


Die  Rflokiehr  dea  Hosius  nach  Cordubal  287 

-  Es  renUht  sich  von  selbst,  dass  der  Leichnam  des  CjnegiuSy  bevor  er 
roTtforiseh  in  der  Kirche  zu  den  Aposteln  in  Constantinopel  beigeseet 
urdoi  einbalsamirt  worden  ist  —  Achantia,  die  Wittwe  des  Cynegius, 
ar  ohne  allen  Zweifel  selbst  eine  Spanierin;  sie  verlangte,  nach  dem 
ode  ihres  Gemahls  sich  einsam  fühlend  in  einer  ihr  fremden  Welt, 
sn  Rest  ihrer  Tage  in  ihrer  Heimath  zuzubringen.  —  Sie  hätte  es  aber 
mdaIs  über  sich  gebracht ,  ohne  den  Leib  ihres  Gemahles  heimzukehren. 
ie  selbst  führte  ihn  mit  sich,  den  viel  weitern  Weg  von  Constantinopel 
Mh  Spanien,  und  —  ihr  Weg  führte  sie  wohl  —  über  Sirmium  *).  — 
«oan  denselben  Gefühlen ,  demselben  Drange  folgten  32  Jahre  früher 
is  Verwandten  des  Hosius,  indem  sie  ihn  mit  sich  nach  Spanien  zurUok- 
ihrten.  Höchstens  vier  Jahre  vor  dieser  Uebertragung  wurden  die 
knpter  der  Priscillianisten ,  und  dieser  selbst  —  in  Trier  —  durch  das 
ehwert  hingerichtet,  wegen  der  Verbrechen  der  Magia  und  des  Male- 
anm;  ich  zweifle  nicht,  dass  sie  unmittelbar  nachher  —  ohne  Weiteres, 
Hneharrt  wurden,  —  Dennoch  erzählt  Sulpicius  Severus:  ^Die  Leiber 
er  Hingerichteten  wurden  nach  Spanien  zurückgeführt,  und  es  wurde 
um  eine  glänzende  Leichenfeier  gehalten^  ^). 

Es  wäre  uns  nicht  schwer,  den  Nachweis  durch  die  Reihe  der  Jahr^ 
nderte  zu  führen,  dass,  was  in  der  innersten  Natur  des  spanischen 
harakters  liegt,  auch  in  allen  Jahrhunderten  sich  wiederholte.  —  Der 
panier  kann  den  G^anken  nicht  ertragen,  in  fremder  £rde  zu  ruhen, 
1er  seine  Angehörigen  nicht  in  der  Heimath  begraben  zu  wissen.  — 
b  verweisen  hier  auf  das  zurück,  was  oben  ausführlich  zu  Canon  34 
■d  35  der  Synode  von  Elvira  auseinandergesezt  wurde.  —  Ich  zweifle, 
b  es  ein  Volk  gebe^  das  mit  den  Todten  so  vertraut ,  als  wie  mit  Leben- 
j|en,  umgehet,  als  die  Spanier;  ein  Volk,  das  den  Todten  so  viele 
lore  erweist,  als  wären  es  Lebendige;  ein  Volk,  das  vor  den  Leich- 
men  so  wenig  natürlichen  Abscheu  hat,  als  die  Spanier.  Dort  wird 
SS  Angesicht  der  Todten  nicht  verhüllt,  wenn  sie  zu  Grabe  getragen 
rerden.  Die  unglückliche  Johanna,  Wittwe  des  Königs  Philipp,  des 
^aters  Karls  des  Fünften,  führte  die  Leiche  ihres  Gemahles  stets  mit 


')  Die  bekannten  Nachrichten  über  Cynegius  nach  den  vorhandenen  Quellen  hat 
zaaammengestelU  Goihofred.  Ritter  in  der  IVosopogrtqthia  des  Codex  I%€odot,; 
todann  Joh.  Matth.  Garzon  m  IcUuü  epitcopi  chronicon,  ed,  de  Rom  m  „Compte 
rmdu  de  la  eammisnon  royak  d^kUt*  vol.  X,  —  BruxeU.  1845  [auch  in  einem 
Separatabdrncke  erschienen  —  (Nota  XI),  auch  abgedruckt  bei  Mtyne  Fat  tat, 
L  74,  p,  7S5J.  —  Garzon  argnmentirt  über  des  Cynegius  Heimath ,  wie  ich, 
aber  mit  einem  Anfluge  von  spanischem  Patriotismus  sagt  er :  Noetratem  (d.  L  einen 
Spanier)  mquam;  nam  quo  pertmety  ut  conjux  Ackantia  ab  urbe  ConetantUu^Hiana 
mmeneo  ftre  ttinere  m  Sispaniam  dedaiceret,  nin  ut  eum  tn  majorum  euorum  monu- 
wmtum  mfarretf 
*)  Su^,  Sev,  A.  «.  2f  51.  —  Biremptorum  corpora  ad  BUpamoM  relata,  magnitqwe 
^keequÜM  oekbraia  eorum  fimtra. 


288  Sechstes  Buch.    Neuntes  Kapitel. 

sich  henun,  und  wartete  lange  vergebens  —  auf  dessen  WiederbelebaDg.  — 
Ihr  Trübsinn  war  nicht  zu  heilen;  aber  die  Art  und  Weise,  wie  sie 
ihn  an  den  Tag  legte ,  ist  doch  auch  ein  Zeichen,  wie  man  die  Todten 
in  Spanien  überhaupt  betrachtet  und  behandelt  *).  Wenn  von  dem 
heiligen  Franz  von  ßorgia  erzählt  wird,  dass  der  Anblick  der  todten  Königin 
Isabella  y  der  Gemahlin  des  Königs  Karl  V.,  ilm  so  sehr  weg^  ihrer 
Entstaltung  erschüttert  hatte ,  —  so  liegt  auch  darin  —  eine  indiidcte 
Bestätigung  des  Gesagten. 

In  firischer  Erinnerung  noch  ist  der  tragische  Tod  des  Spankrs 
Jos^  Borges.  Es  war  am  8.  Dezember  1861 ,  am  Feste  der  unbefleckten 
Empfängniss  Maria's,  zugleich  am  lezten  Tage  der  grossen  —  vom 
8.  Dezember  1854  bis  8.  Dezember  1861  verlaufenen  Festoktave  von 
sieben  Jahreswochen ,  da  ihn  an  der  Grenze  des  Kirchenstaates  der  Tod 
ereilte.  Er  umarmte  seine  spanischen  Landsleute,  deren  es  ellf  waren, 
und  rief:  Unsere  lezte  Stunde  ist  gekommen,  sterben  wir  als  brave 
Spanier.  —  Sie  wurden  an  der  Stelle  verscharrt  Aber  die  Freunde  d« 
Verstorbenen,  der  Vicomte  Charles  von  St  Priest  und  der  Fürst  von  Scilla, 
überwanden  sich ,  den  General  Lamarmora  in  Neapel  um  die  Erlaubniss 
der  Ausgrabung  der  schon  verwesenden  Leiche  -^  anzugehen.  Der 
Todte  wurde  ausgegraben,  und  in  Rom  beigesezt,  da  es  aus  mehrfiichen 
Gründen  nicht  angieng,  ihn  nach  Spanien  zu  bringen^).  — 

Was  von  den  Spaniern  gilt,  das  gilt  und  galt  besonders  in  früherer 
Zeit  von  allen  Völkern.  Die  Sitte  der  Einbalsamirung  und  Heimführong 
dei'  Leichen  war  im  vierten  Jahrhundert  —  allgemein.  Vier  Jahre  nacb 
Hosius  starb  Constantius,  am  3.  October  (nach  a.  3.  November)  361  zu 
Mopsucrene  in  Cilicien  ^).  „Der  Leichnam  des  Gestorbenen  wurde  sodann 
einbalsamirt,  und  in  Särgen  eingeschlossen;  Jovianus  aber,  damals  pr<h 
teetar  domesticu8^),  erhielt  den  Befehl,  den  Leichnam  mit  königlichem 
Pomp  bis  nach  Constantinopel  zu  geleiten,  wo  er  neben  seinen  Ange> 
hörigen  beigesezt  wurde^^). 


*)  Hefele,  Ximenes,  2.  Aufl.  1851,  S.  227;  229;  465.  — 

*)  Allgemeine  Zeitung  von  1862,  Nr   1;  4. 

*)  Polliwitum  tgUnKT  corpus  dtfunctiy  conditumque   in  localis ,  Jovianus  etiam  tum  proteclor 

domeaticuM,  cum  rtgia  protequi  pompa  ConstantinopoUm  usque  jussus  tat,  prope  necessi- 

twUnn  ejus  kumandum.    Ammkm.  Marc.  L  21  y  16.  — 
*)  Anderswo  heisst  er:   damesHcorum  ordinis  primus   —    25,  5   der  Ertte  des  Corps 

der  Haostrappen.     s.  Amm.  Marc,  ubersezt   von  Wagner,  1794  —    Bd.  3.   s.  t. 

domegtioiu  und  proteetor, 
*)  s.  oben  S.  165  Aber  die  Leiche  der  bl.  Helena.  —  Die  Sitte  der  Einbalsamirong 

herrschte  auch  bei  den  Persern,    Amm.  M,  19,   1  —  kctuU   10  «temimter,  fy- 

■nw/o  vtkentM  hmmnum  mortuorum,   ita  curate  poUinctaf  ut  imapines  euent  eorporihu 

mmileM  jam  wtpuUii,  cf,  Salmtu.  ad  Scr^/Hor,  Hi»tor.  Aug,  t  II,  p,  422,  —  cf.  Amm. 

M»  25,  5  —  von  der  Leiche  des  Julian  Apostata:  corpore  eurato  pro  copia  remm 

§t  tempona,  ut  ubi  ipte  oUm  $UUuerat,  eomUreiur  (also  auch  Julian   hat  sich  den 

Ort  seines  Grabes  vorher  aaserwähll  —  in  Tarsus). 


Die  Rfickkohr  des  Hosins  nach  Cordaba?  289 

Doch  die  Einbalsamirung,  und  die  Verbringung  in  die  Heimath, 
ler  an  den  yorherbestimmten  Ort  des  Begräbnisses  fand  nicht  bloss  — 
ti  fürstlichen  Personen  statt  (\rie  wir  in  Betreff  Spaniens  schon  oben 
(hört).  Unter  den  von  dem  Rhetor  Ausonlus  aus  Bordeaux  gefeierten 
rofessoren  ist  Aemilius  Magnus  Arborius,  Rhetor  in  Toulouse,  Oheim 
fl  Ausonius.  Er  starb,  als  Redner  geehrt  und  bewundert,  in  Constan- 
)opel;  er  starb,  reich  und  hochgeehrt  von  dem  Kaiser  Theodosius, 
ich  zu  Lebzeiten  seiner  Eltern.  Aber  der  E^iser  selbst  liess  seine 
^iche  in  die  Heimath  (entweder  nach  Tolosa  oder  Burdigalis)  bringen, 
3  er  in  dem  gemeinschaftlichen  Grabmale  seiner  Familie  beigesezt  wurde. 

In  pcttriam  sed  te  seckmf  ac  monumenta  tuorum 
Principis  AugvMi  restituit  pietas  '). 

Der  Freund  und  Schüler  des  Ausonius,  Paulin  von  Nola,  brachte 
9  Leiche  seines  Sohnes  Celsus,  violleicht  von  Barcelona  aus,  wo 
wohnte,  nach  Complutumj  und  sezte  sie  neben  den  Märtyrern,  den 
Qaben  Justus  und  Pastor ,  bei  ^).  —  Der  heil.  Augustinus  betrachtet  es 
i  besondere  Erhebung  und  Befreiung  des  Geistes,  dass  seine  in  Ostia 
i  Rom  sterbende  Mutter  Monica  sagte:  Leget  diesen  Leib  wo  immer 
eder;  die  Sorge  für  ihn  kümmere  euch  nicht.  —  Um  das  eine  nur 
tte  ich  euch,  dass  ihr  meiner  bei  dem  Altare  gedenken  wollet,  wo  ihr 
imer  seid.  Ich  aber  dachte  an  deine  Gaben,  mein  unsichtbarer  Gott, 
3  du  senkest  in  die  Herzen  deiner  Gläubigen,  und  wunderbare 
iichte  wachsen  aus  ihnen,  ich  freute  mich  und  dankte  dir,  indem  ich 
ich  an  das  erinnerte,  was  ich  wusste,  von  wie  grosser  Sorge  sie  stets 
unruhiget  gewesen  wegen  des  Grabes,  das  sie  sich  vorherbestimmt  und 
bereitet  hatte  neben  dem  Leichnam  ihres  Mannes  ^).  —  Er  führt  ferner 
•e  Worte  an,  da  sie  gefragt  wurde,  ob  sie  sich  nicht  fürchte,  ihren 
dchnam  so  ferne  von  ihrer  Heimath  zu  lassen:  Nichts  ist  fern  von 
>tt,  und  man  darf  nicht  fürchten,  dass  er  mich  nicht  finde  am  lezten 
Ige,  um  mich  vom  Grabe  zu  erwecken. 

König  Lothar  IL,  mit  dem  das  ephemere  Reich  Lothringen  aufhörte, 
irb  eines  schnellen  Todes  zu  Piaccnza  am  8.  August  869  ^  und  wurde 
rt  im  Kloster  Set.  Antonin  beigesezt.  Aber  die  Leichen  fast  aller 
iner  Begleiter,  die  derselben  Seuche  erlegen  waren,  wurden  grössten- 


*)  Auson»  Commemoratio  Profestorum  BurdigaUnsium  —  XVII.  cf,  Parentalia,  III,  — 
cf,  Garzofif  L  c,  not.  X/, 

*)  8.  Band  1,  S.  332.  Dies  war  allgemeine  Siltc,  wie  Maximus  v.  Turin  hom.  8i 
sagt :  Nam  ideo  hoc  a  majoribus  provUum  est,  ut  Sanctonim  ossibua  nostra  corpora  sociemus 
—  v.  J.  H.  Kessel,  SL  Ursula  and  ihre  Gesollschaft,  Köln  1863,  S.  31-32  und 
die  Belegstellen  daselbst.  —  Stimmen  aus  Rom.  Von  den  Benediktinern  in 
Set  Paul,  1860,  S.  272. 

')  Auff.  Con/etM.  9,11  —  quando  (quanta)  cwra  semper  aeatuaaset  de  $epukhrO,  quod 
tibi  providerat  et  praeparaverat  juxta  eerput  vui  suL 

Qams,  ipaiL  Kirche.   IL  10 


290  Sechstes  Buch.    Neuntes  Kapitel. 

theils  —  nach  Köln  geschafi);  *).  —  Sechs  Jahre  später  starb  Kaiser 
Ludwig  n.  zu  Brescia  —  12.  Aug.  875.  —  Seine  Leiche  wurde  in  feier- 
lichem Zuge  von  Brescia  nach  Mailand  nicht  geführt ,  sondern  getragen. 
Also  erzählt  Andreas  von  Bergamo ,  der  selbst  vom  Oglio  bis  zur  Adds 
die  Bahre  tragen  half  ^). 

Der  grosse  Spanier,  der  Kardinal  Aegidius  Albomoz,  Erzbischof 
Yon  Toledo,  vielfach  ähnlich  dem  grossen  Hosius,  starb  zu  Viterbo 
24.  Aug.  1367.  Er  hatte  verlangt,  in  Spanien  (Toledo) ,  seiner  Heimath, 
begraben  zu  werden.  Und  es  heisst  in  seinem  Epitaphium :  Inmcti  dnera 
tarn  saeri  merüo  capitis  eervicibus  virorum^  Regumque  et  Ma^iHratuum 
Äjuitio  delaU  ToUttsm;  also  —  sein  Leichnam  wurde  von  Italien  bis  To- 
ledo getragen,  und  dort  ihm  von  König  Heinrich  von  Castilien  fast 
königliche  Ehre  erwiesen^). 

Die  menschliche  Natur  bricht  sich  in  allen  Zeiten  und  unter  allen 
Himmelsräumen  wieder  Bahn.  Giebt  es  ein  metaphysischeres,  wenn  man 
will  speculativeres,  d.  h.  weniger  von  GefUhlen  oder  sogenannten  Vo^ 
urtheilen  und  Traditionen  geleitetes  Volk ,  als  die  Nordamerikaner  sind? 
—  Aber  siehe  da.  Tausende  von  jungen  Nordamerikanem,  die  Monate 
lang  vor  Bichmond  standen ,  bestellten  zu  Lebzeiten  ihre  eigene  Einbai- 
samirung  für  den  Fall  ihres  Todes ,  um  als  Leichen  ihren  Hinterlassenen 
zujgesendet  zu  werden.  Mehrere  Einbalsamirer  machten  in  diesem  Zweige 
merkantiler  Thätigkeit  die  glänzendsten  Geschäfte.  Ein  Berichterstatter 
erzählt  u.  a.:  „Von  dem  Doctor  (d.  h.  einem  der  Einbalsamirer)  erfahr 
ich,  dass  schon  gegen  2000  Leichname  von  Offizieren  und  Soldaten  im 
Laufe  dieses  Krieges  einbalsamirt  worden  seien.  Für  einen  Gemeinen 
nimmt  der  Doctor,  der  natürlich  diese  2000  —  nicht  alle  einbalsamirte, 
sondern  eine  Menge  Concurrenten  hat,  25  Dollars  (59  Gulden)  und  für 
einen  Officier  —  50  Dollars.  Das  Hauptmaterial  ist  Wasserglas  mit 
Gyps  *).« 

Während  wir  uns  erinnern,  dass  „die  Asche**  Napoleon's  Bonaparte's, 
der  am  5.  Mai  1821  auf  dem  Felsen  Set.  Helena  —  unter  dem  Toben 
aller  Elemente  starb,  im  J.  1840  nach  Paris  gebracht,  und  —  mit  allem 


')  AnndUa  Xantenies  J.  870  bei  Pertz  tcript  //.,  234:  —  quorum  corpora  pariter 
Coloniam  exportata  cttque  humata  sunL  —  v.  Dömmler,  Geschichte  des  ostfräDkischen 
Reiches,  Berlia  1862,  2  Bde.,  S.  683. 

*)  Andreas  presbyter  Berg,  chronic,  cap,  17 —  18.  —  ap,  Pertz  scripU  3,  238,  —  Dumm- 

1er,  S.  823. 
*)  ef,  Pigrpwra  docta  seu  Vita^  CardinaUum,  Monach,  1714  —  L  2,  p,  380.    Albornoz 

war  provisorisch  in  Assisi  beigesezt  worden,  s.  H.  Leo,  Geschichte  yon  ItalieO) 

Bd.  4,  535.    MuraUni  scrtpL  rer.  iL  XT.,  p,  692. 

0  AllgenL  Ztg.  —  Nr.  197  —  16.  Juü  1862. 


Die  RQckkehr  des  Hosius  nach  Corduba?  291 

denklichen  Leichengepränge  im  Dom  der  Invaliden  beigesezt  wurde  *), 
len  wir  eben:  Am  13.  Oetober  (1863)  fand  auf  dem  W&bringer  Fried- 
fe  (nicht  weit  von  Wien)  die  Ausgrabung  der  Gebeine  Beethovens 
d  Schuberts  statt,  um  dieselben  in  metallene  Särge  zu  übertragen, 
»ethoven  war  am  27.  März  1827  gestorben;  Schubert  im  J.  1828.  — 
ie  Ueberreste  (d.  i.  Skelette)  der  beiden  TonkUnstler  wurden  in  Metall- 
tge  gelegt  y  diese  sodann  verschlossen  und  versiegelt ,  und  sie  sollen  in 
sonderen  Grüften  beigesezt  werden^). 

Während  unsre  Zeit  mit  souveräner  Verachtung  auf  den  Reliquien- 
tlt  der  Kirche  als  auf  Gözendienst  niederblickt ,  widmet  sie  ihren 
jröseen^  einen  gleichen  oder  grösseren  Cult,  und  rechtfertigt  so  durch 
re  Thaten  die  Verehrung  der  Reliquien  der  Heih'gen« 

Wer  möchte  nunmehr  zweifeln,  dass  Hosius  der  Sterbende,  und  seine 
erwandten  die  Ueberbringung  seiner  Leiche  nach  Spanien  wünschten? 
DT  —  der  Kaiser  Constantius  konnte  diess  verhindern.  Aber  er 
itte  das  lebhafteste,  ein  wahrhaft  brennendes  Interesse,  die  Leiche  auf 
ine  Kosten,  und  mit  kaiserlicher  Pracht  nach  Spanien  bringen  zu 
iten.  —  Wenn  er  dieses  that,  konnte  er  dadurch  erstens  seine  Grau- 
mkeiten  gegen  Hosius  etwas  zu  bedecken  hoffen.  —  Zweitens  Hosius 
itte  feierlich  widerrufen.  Wenn  der  Kaiser  ihn  mit  allem  Pompe  und 
if  seine  Kosten  zurückbringen  liess,  so  leistete  er  dadurch  der  Meinung 
orschub,  dass  Hosius  als  Arianer  gestorben  sei.  —  Drittens,  es  war 
Igemeine  Sitte  des  Kaisers,  dass  er  auf  seine  Kosten  —  die  Bischöfe 
I  den  Synoden  hin-  und  zurückreisen  liess.  So  erzählt  Ammian.  Mar- 
ilL,  dass  er  —  durch  die  Menge  der  von  ihm  berufenen  Synoden,  zu 
eichen  die  Bischöfe  auf  öffentliche  Kosten .  und  auf  den  Staatsposten 
II-  imd  zurückreisten ,  das  Staatsfuhrvvesen  zu  Grunde  gerichtet  habe  ^) ; 
imit  stimmen  selbst  die  Arianer  in  Sardika  fast  wörtlich  überein,  sie, 
ie  doch  gewiss  —  von  der  Liberalität  def.  Kaisers  den  ausgedehntesten 
rebrauch  machten*),  während  z.  B.   die  nach  Rimini  zur  Synode  im 


')  1840  —  15.  Dec.    Napoleon^s  Ueberreste  werden  mit  grossem  Pompe  im  Dom 

der  Invaliden  beigesezt,  Ghillany,  Chronol.  Handb.  f.d.  neoere  pol.  Geschichte, 

Nürnb.  1856,  S.  97. 
*)  Kölnische  Ölätter  Nr.  293  —  17.  Okt  1863.    S.  ebendaselbst  den  ausführlichen 

Bericht  über  die  Ueberführung  der  Leiche  des  am  13.  Okt.  t  Ministers  Billault 

nach  Paris  —  18.  Oct.  —  N.  294.  —  Die  neue  Beerdigung  fand  am  23.  Okt  statt. 

Umsonst  protestirten  die  Verwandten  Beethovens  »gegen  die  Entweihung  seiner 

Asche«,  während  P.  Schubert,  wabraeheinlich  ein  Sohn  Seh.,  die  Einweihung 

der  Grüfte  vollzog.    Allg.  Ztg.  26.  Okt  1863. 
*)  Amm,  Marc  21,  16  —  ut  caiervis  antistiium  jumentit  publicia  uUro  eitroque  discurrtn" 

fAw,  pet  ijfnodoMf    quoM  appeliant,   dum  ritum  omnem  ad  wum  trakere  conatur  carbi- 

iritm,  rei  vekiculariae  succiderei  nervo$, 
^  tt  op.  kUtar,  fragm,  III ,   25   —    curtusque   ip$e  pubUcus  ad  nihiium   dedueüur.   — 

▼ergL  Ang.  Neander,   A.  Geschichte   der  christl.  Religion   und   Kirche,  2,  2 
(1829),  S.  865-66. 

19* 


292  Sechstes  Buch.     Neantes  Kapitel. 

J.  359  reisenden')  Bischöfe  aus  Aquitanien,  Gallien  und  Britannien 
ihnen  gebotene  Wohnung  und  Pflege  auf  Staatskosten  ablehnten, 
Ausnahme  von  drei  armen  Bischöfen  aus  Britannien. 

Wie  splendid  freigebig  —  sich  Constantius  gegen  den  Papst  Libe 
benahm,  ist  allbekannt.  In  seinem  Namen  brachte  der  Verschnitt 
Eusebius  dem  Papste  die  prächtigsten  Geschenke.  Der  Papst  wies 
zurück.  Darauf  legte  Eusebius  seine  Geschenke  in  der  Peterskii 
nieder.  Liberius  sandte  sie  zurück  ^).  —  Als  er  von  Mailand  nach  Tl 
cien  verbannt  wiurde,  sandte  ihm  der  Kaiser  500  Goldstücke  Schmer: 
geld.  Der  Papst  antwortete  dem  Uebcrbringer:  Gehe,  und  gieb  es  < 
Kaiser.  Er  braucht  es  für  den  Sold  seiner  Soldaten.  Die  Kais 
sandte  gleichfalls  500  Goldstücke.  Liberius  sagte:  Bringe  auch  d 
dem  Kaiser,  denn  er  braucht  sie  auch  für  die  Adjustirung  seiner  i 
daten.  Darauf  brachte  der  Eunuch  Eusebius  andere  (500).  Libe 
antwortete  ihm:  Du  hast  die  Kirchen  des  Erdkreises  geplündert, 
bringst  mir,  wie  einem  Verurtheilten,  Almosen.  Geh\  und  werde  za 
Christ »). 

Derselbe  Constantius  erliess  im  J.  357  —  zwei  Geseze  zur  Er 
terung  der  Privilegien  der  römischen  Kirche.    Das  zweite  ist  vom 
zember  867  aus  Mailand  an  den  Afterpapst  Felix  gerichtet  ^) ,  und  de 
die  dem  Clerus  ertheilten  grossen  Vorrechte  und  Exemtionen  auch 
deren  Angehörige  aus. 

Warum  —  Constantius  so  verschwenderisch  gegen  Bischöfe  i 
Cleriker  war,  sagt  Hilarius  —  mit  bezeichnenden  Worten:  „Wir  stre 
jezt  gegen  einen  trügerischen  Verfolger,  gegen  einen  schmeicheln 
Feind ,  gegen  den  Antichrist  Constantius :  der  nicht  den  Rücken  schl 
sondern  den  Bauch  streichelt;  nicht  ächtet  zum  Leben,  sondern  n 
macht  zum  Tode;  nicht  in  Bande  legt  zur  Befreiung,  sondern  in  seil 
Palast  honorirt  zur  KnechMbaft ;  nicht  die  Seite  verwundet,  sond 
das  Herz  besezt;  nicht  das  Haupt  mit  dem  Schwerte  abschneidet,  sond 
die  Seele  mit  Gold  tödtet;  nicht  öffentlich  mit  dem  Feuer  droht,  sond 
im  Geheimen  die  Hölle  anzündet.  Er  streitet  nicht,  um  nicht  besi 
zu  werden:  sondern  er  schmeichelt,  um  zu  herrschen.  Christum  beke 
er 9  um  ihn  zu  leugnen;  die  Einheit  fördert  er,  damit  nicht  Friede  t 


')  Su^.  Sev.  h,  »ac.  2,  4t  —  ita  missü  per  lilyricumf  Italianif  A/ricam,  Hispai 
Galliasque  Magiatri  oJfidalibuSf  acctfj-mU  macti  (os  hics  wohl :  coacti)  400  et 
quanto  amplius  Oceidtntales  episcopi  Ariminum  convenere:  quibus  omnibus  annoncu 
eeUaria  dare  imperator  praeceperat  Sed  id  nostris  (i.  e.  Aquitanis)  GaUU  ac  l 
tannis  indeeeng  vümm:  rtpudiatii  fiscalibuSf  propriis  sttmtibus  vivere  maluerunt  7 
iantum  ex  Britannia  inopia  proprü  publica  tut  sunt. 

*)  Alhanas,  €ul  monaeh,  eap,  36,  37, 

*)  ThMl.  hiMi,  ecd,  2,  13, 

«)  CodBx  ThMdoM.  lib,  16,  tu,  2  de  epigcopü,  Ux  13  et  14. 


Die  Rückkehr  des  Hosius  nach  Corduba?  293 

ie  Irrlehren  unterdrückt  er,  damit  keine  Christen  seien;  die  Hohen- 
ciester  ehrt  er,  damit  es  keine  Bischöfe  gebe;  die  Dächer  der  Kirche 
mt  er,  mn  den  Glauben  niederzureissen  \).^ 

Ohne  Zweifel  weigerte  sich  Hosius ,  so  lange  er  konnte ,  auf  Kosten 
9  Kaisers  erhalten  zu  werden.  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  seine  Feinde 
:h  dadurch  an  ihm  rächten,  dass  sie  ihn  ,,reich^  ^)  nannten.  Aber  — 
ch  seinem  Tode  konnte  er  es  nicht  verhindern,  dass  Constantius  mit 
iserlichem  Pompe  ihn  nach  Spanien  zurückbringen  Hess«  —  Insofern 
nnte  es  fast  buchstäblich  wahr  seyn,  was  seine  Feinde  sagen:  ^Er 
hrt  nach  Spanien  zurück  mit  grösserem  Ansehen,  mit  sich  führend 
8  Königs  drohenden  Befehl ,  dass  wenn  ein  Bischof  mit  ihm  nicht  Ge- 
einschaft haben  wollte,  er  verbannt  werden  sollte').^  —  Ohne  Zweifel 
288  der  Kaiser  in  ganz  Spanien  durch  seine  Agenten  verkünden ,  dass 
•iuB  seines  Glaubens  geworden,  und  —  dass  alle  andern  Bischöfe  in- 
itfem  niit  Hosius  Gemeinschaft  machen  müssten  (indem  sie  ihn  etwa  in 
kre  Kirchenbücher  eintragen,  und  seiner  bei  dem  heiligen  Opfer  ein* 
;edenk  sejn  müssten) ;  werdessen  sich  weigerte,  sollte  verbannt  werden« 
Hfir  wissen  nicht,  ob  ein  Bischof  damals  verbannt  wurde;  Gregor  sagt 
lis  G^gentheil  von  sich  selbst.  —  Es  ist  femer  kaum  ein  Zweifel,  dass 
n  Corduba  —  eine  grossartige  Leichenfeier  für  Hosius  veranstaltet 
wurde,  zu  welcher  die  spanischen  Bischöfe  eingeladen  wurden.  —  Wenn 
ill  dicss  auf  Kosten  des  Fiscus  geschah,  so  hatte  Constantius  daran  seinen 
Vortbeil,  der  gute  Name  des  Hosius  aber  seinen  Nachtheil. 

All  diess  kostete  Geld,  viel  Geld.  Der  Kaiser  woUte  splendid  thun. 
Aber  seine  gemachten  Auslagen  sollte  ihm  Spanien  selbst  mit  Zinsen 
keimbezahlen.  —  Wenn  das  Ansehen  des  Hosius  noch  mehr  darunter 
Btt,  so  konnte  es  dem  Kaiser  nur  lieb  seyn.  —  Desswegen  schrieb  er 
lenn  am  28.  August  357 ,  den  Tag  nach  dem  Tode  des  Hosius ,  zu  Sir- 
miam  (wo  er  im  strengsten  Incognito  wei)te,  weil  seine  hier  erlassenen 
Greseze  zwar  das  Datum,  aber  nicht  den  Ort  des  Erlasses  tragen): 

An  Cälestinus  den  Consularis  von  Bätica.  Wenn  Jemand ,  nach  der 
Beschaffenheit  des  Verbrechens,  dem  Todesurtheile  verfallen  ist,  und 
dem  Fiscus  seine  Stelle  eingeräumt  hat,  so  soll  sogleich  die  Behörde 
des  Procurator  Patrimonii  schriftlich  von  dir  aufgefordert  werden,  sein 
Vermögen  in  Beschlag  zu  nehmen ,  so  dass  diese  Objecte  dem  Fiscus  zu 
Gute  kommen:  und  alsobald  soll  über  die  Besizergreifung  derselben  mit 
den  betreffenden  Schreiben  vorgeschritten  werden*). 


')  Bilarius  contra  Const.  Imp.,    cap.  5. 

^  So  nennen  ihn  die  Lucifcriancr,  und  nach  ihnen  Isidor  Hisp. 

')  LihtUua  precum  —  cap.  9. 

*)  Codex  Theodos,  Hb.  IX.  Tit.  42  —  de  bonis  proscriptorum  seu  damnatorum,  lex  3,  — 
CaeUttino  Cona.  Baeticae.  ühi  alitfuis,  pro  gualitate  rriminis,  vivendi  sentaUiam  passtu 
fiico  fectrit  locunif   super  occupaudis  rebus  ejus  statim  officium  Rrocuratoris  Patrimonii 


284 


SeetasU*  Buch.    Achtet  Kapitel. 


tilge,  das  er  durch  übertriebene  Härte  eu  Elvira  (und  Sardika)  begangen. 
Qott  ilberliess  ihn  seiner  eigenen  Scbwochheit  bis  zu  einem  gewisBco 
Grade.  Aber  —  er  verlieea  ihn  nicht;  durch  seine  Strafe,  und  sau 
verdunkeltes  Ansehen  bei  der  Nachwelt  sühnte  er  seinen  Febler.  —  Wie 
Moses,  der  Liebling  Gottes,  das  gelobte  Land  nicht  betreten  durfte, 
weil  er  einmal  in  seinem  Leben  im  Vertrauen  auf  Gott  gewankt  hatte, 
so  konnte  Husius  dem  Gerichte  Gottes  und  der  Menschen  atif  Erden 
nicht  entgehen,  weil  er  zweimal  in  seinem  Leben  die  göttliche  Barm- 
herzigkeit verläugnet  und  sie  ausgeschlossen  hatte.  Aber  Gott  lieaa  ihn 
nicht  sinken  aus  seinen  barmherzigen  Armen ,  er  ist  wieder  auferotanden, 
und  die  Zukunft  wird  seinem  Andenken  das  Recbt  und  die  Ehre  wied»- 
fiihren  lassen,  die  ihm  die  Veigangenheit  vorenthalten  und  entsogcn 
hat.  Kr  starb  in  der  Einheit  der  Kirche,  and  proteetirte  gegen  die  ihm 
angethane  Gewalt,  lir  protestirt  für  alle  aus  Schwachheit  Gefallenen, 
und  er  verlangt,  dass  ihnen  der  Weg  der  Busse  und  der  WiedenonlJuiw 
geöffnet  werde.  Li  den  Gang  seines  Lebens  aber  und  in  sein  A"^wVfT' 
bei  der  Machwelt  hat  Gott  die  Worte  eingeschrieben:  BtaÜ  nüairiatrd^ 
quoniam  ipti  miMricortÜam  eonxquentw  (UaOh.  S,  f')*)- 


<)  (Tabingcr)  Tlieologiticha  Quarlslichrin,  J.  1861,  S.  372—73. 


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^  wurde 

ier  Jahr- 
{»anischcn 
«\  —    Der 
zu  ruhen, 
wissen,   — 
u  Canon  34 
-  Ich  zweifle, 
vie  mit  Leben- 
ixlten   so  viele 
vor  den  Leich- 
_    _    .  .nier.     Dort  wird 

o'ten  «Ir?  Kfc.-.*  -  1   Grabe  getragen 

»t  feieni'.i:  l.:«:  i^.--  -.«inigs   Philipp,   des 

?m  Gral'*:  El^ml    »    -.  ^  Gemahles  stets  mit 

ach  dezi  &nr<tU9^:  '•  - 
iteo,  welche  oh  aiii*-  ...  ,     ^         /^    n      u  . 

*..,       -  .  '  *  .     .^  n    vorhandenen  Quellen   hat 

gen.  lunit  AUdiiik'.L     -  i-    j      /    i     'n    i 

°       ,  **■  i ''jraphia   des    toaex    Imouüs.; 

an  die  HcnOHU^    l»    ..  ;,i..'c;n,     ««/.    de  Jiam   in   „Compte 

I  um  die  ^^'miJtr    ^  Bruxell.  lS4ö    [auch  in  einem 

.  •:..!i  abgedruckt  bei  Migne  Pat,  lau 

•ies   Cyne^^ius   Heiniath,    wie  ich, 

lismussagter:  Nostratem  (d.i.  einen 

Achantia  ah  urbe  Constantinopolitana 

'it  cum   in    majorum  suorum  monu- 

nl  Hispanicu  reiata,   magnitqu* 


*  ♦^i.r.  :...-.: 

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286  Sechstes  Buch.     Neuntes  Kapitel. 

Daraus  geht  henror,  dass  die  Verwandten  der  yerstorbenen  Eattioliken 
denselben  entweder  in  die  Verbannung  nachgefolgt  waren,  oder  wenig- 
stens auf  die  Kunde  von  deren  Tode  deren  Leichen  —  abholen ,  und 
mit  sich  nehmen  wollten.  —  Sie  wollten  wenigstens  ihnen  die  leste  Ehre 
erweisen  y  und  ihnen  ein  katholisches  Begräbniss  geben. 

Aber  —  derselbe  Athanasius  sagt,  dass  Hosius  den  Arianem  (dem 
Constantius)  wegen  der  vielen  erlittenen  Schläge,  und  den  Nachstellungen 
gegen  seine  Verwandten  auf  einen  Augenblick  nachgegeben  habe  *).  — 
Die  nächste  Erklärung  ist,  dass  diese  Verwandten  den  Hosius  in  sdne 
Verbannung  begleitet  hatten,  und  dass  sie  auch  bei  seinem  Tode  zug^en 
waren.  —  Man  braucht  die  menschliche  Natur,  und  man  braucht  die 
Natur  eines  Spaniers  auch  nur  von  ferne  zu  kennen,  um  einznsdien, 
dass  der  sterbende  Hosius  keinen  dringenderen  Wunsdi  haben  konnte, 
als  wenigstens  im  Tode  aus  der  Hand  und  Nähe  dieser  Gottlosen  errettet 
und  in  dem  Lande  seiner  Väter  begraben  zu  werden,  dass  —  seine  Ver- 
wandten keinen  innigem  Wunsch  hatten,  als  wenigstens  seine  irdischen 
Ud>erreste  —  mit  sich  in  die  Heimath  nehmen  zu  können. 

So  wurde  es  in  Spanien  zu  aller  Zeit  mit  denen  gehalten,  die  aus- 
wärts starben;  wenn  es  irgendmöglich  war,  wurden  ihre  Leichen  zurück- 
gebracht, wenn  sie  auch  nicht  ausdrücklich  vor  dem  Tode  diesen  Wunsch 
ausgesprochen  hatten.  Von  hervorragenden  Todten,  die  im  vierten  Jah^ 
hundert  ausserhalb  Spaniens  starben,  können  hier  Papst  Damasus  und 
Theodosius  der  Grosse  gar  nicht  in  Frage  kommen.  —  Aber  der  mehr- 
erwähnte Präfekt  des  Orients,  Cjuegius,  ein  eifriger  Kadiolik  und 
Spanier,  der  die  Gözenbilder  in  Aegjpten  zerstört  hatte ^),  ein  Ver- 
wandter des  Theodosius^),  und  wahrscheinlich,  wie  dieser,  aus  der 
Stadt  Cauca^),  in  Galizien,  starb  im  J.  38S  zu  Constantinopel  ^).  j,Es 
starb,  berichtet  der  Spanier  Idatius,  Cynegius,  der  Präfekt  des  Orients, 
während  seines  Consulates^)  zu  ConstantinopeL  Er  brachte  alle  Pro- 
vinzen, welche  seit  langer  Zeit  erschöpft  waren,  in  den  alten  Stand 
zurück,  und  drang  bis  nach  Aegypten  vor,  und  zertrümmerte  die  Gözen- 
bilder. Desswegen  wurde  unter  grossem  Weinen  der  ganzen  Hauptstadt 
sein  Körper  zu  den  Aposteln  geleitet  —  am  19.  März.  Und  nach  einem 
Jahre  brachte  ihn  seine  Frau  Achantia  nach  Spanien  auf  dem  Landwege  ^).^ 

>)  Äthan,  de  fi^ga  «ua  eap,  5,  cf.  S.  227. 

«)  ».  8.  125. 

*)  Theodosius  nennt  ihn  „parens  cariMsime  et  anumtienme"  —    in  dem    Rescript   auf 

den  vielgenannten  gUbellus  precum'^. 
*)  ThMKiatimM,  natume  Hiepemuiy  de  pnwmeia  GaUaedae,  ewitaU  Cauca  —  ehron,  Idol 

ad  ami.  379. 
^)  Idatii  cknmieon  ad  388,  Fatti  Idatiani  ad  o.  388, 
0  Das  Jahr  388  ist   Theoiomo  A.  U  et  Cyntgio  V  Com.   -    (Chnmoiogia   Codki» 

HUodomam,  t  1  ap.  GotkofrmL  Ritter,  p.  CXXVIII.) 
^  Mi  po§i  mumm  irmuiM  mm  mainma  ejtu  ÄekmUia  ad  Hupmria»  pedeetre  iu  e,  via, 

pimpmßiim^pm^  pmk»).  —  fheti  M  od:  omu  JSä.  -~  v.  Bd.  1,  55. 


Die  Rflokkehr  des  Hosius  naeh  Corduba?  287 

—  Es  fgratrfit  eich  von  selbst,  dass  der  Leichnam  des  Cynegius,  bevor  er 
proTtforisch  in  der  Eorche  za  den  Aposteln  in  Constantinopel  beigesest 
«nirde,  einbalsamirt  worden  ist  —  Achantia,  die  Wittwe  des  Cynegius, 
irar  ohne  allen  Zweifel  selbst  eine  Spanierin;  sie  verlangte ,  nach  dem 
lode  ihres  Gemahls  sich  einsam  fühlend  in  einer  ihr  fremden  Welt, 
den  Rest  ihrer  Tage  in  ihrer  Heimath  zuzubringen.  —  Sie  hätte  es  aber 
niemals  über  sich  gebracht ,  ohne  den  Leib  ihres  Gemahles  heimzukehren. 
Sie  selbst  führte  ihn  mit  sich,  den  viel  weitern  Weg  von  Constantinopel 
nach  Spanien,  und  —  ihr  Weg  führte  sie  wohl  —  über  Sirmium*).  — 
[}enAa  denselben  Gefühlen ,  demselben  Drange  folgten  32  Jahre  früher 
Sie  Verwandten  des  Hosius ,  indem  sie  ihn  mit  sich  nach  Spanien  zurück- 
führten. Höchstens  vier  Jahre  vor  dieser  Uebertragung  wurden  die 
Hlnpter  der  Priscillianisten ,  und  dieser  selbst  —  in  Trier  —  durch  das 
Schwert  hingerichtet,  wegen  der  Verbrechen  der  Magia  und  des  Male- 
Sdnrn;  ich  zweifle  nicht,  dass  sie  unmittelbar  nachher  —  ohne  Weiteros, 
rerscharrt  wurden*  —  Dennoch  erzählt  Sulpicius  Severus:  „Die  Leib^ 
der  Hingerichteten  wurden  nach  Spanien  zurückgeführt,  und  es  wurde 
ihnen  eine  glänzende  Leichenfeier  gehalten^  ^). 

Es  wäre  uns  nicht  schwer,  den  Nachweis  durch  die  Reihe  der  Jahr^ 
Imnderte  zu  führen,  dass,  was  in  der  innersten  Natur  des  spanischen 
Charakters  liegt,  auch  in  allen  Jahrhunderten  sich  wiederholte.  —  Der 
Spanier  kann  den  Gedanken  nicht  ertragen,  in  fremder  Erde  zu  ruhen, 
)der  seine  Angehörigen  nicht  in  der  Heimath  begraben  zu  wissen.  — 
Wir  verweisen  hier  auf  das  zurück,  was  oben  ausführlich  zu  Canon  34 
ond  35  der  Synode  von  Elvira  auseinandergesezt  wurde.  —  Ich  zweifle, 
)b  es  ein  Volk  gebe^  das  mit  den  Todten  so  vertraut,  als  wie  mit  Leben- 
iigen,  umgehet,  als  die  Spanier;  ein  Volk,  das  den  Todten  so  viele 
Bhre  erweist,  als  wären  es  Lebendige;  ein  Volk,  das  vor  den  Leich- 
[lamen  so  wenig  natürlichen  Abscheu  hat,  als  die  Spanier.  Dort  wird 
das  Angesicht  der  Todten  nicht  verhüllt,  wenn  sie  zu  Grabe  getragen 
werden.  Die  unglückliche  Johanna,  Wittwe  des  Königs  Philipp,  des 
Vaters  Karls  des  Fünften,  führte  die  Leiche  ihres  Gemahles  stets  mit 


')  Die  bekannten  Nachrichten  über  Cynegius  nach  den  vorhandenen  Quellen  hat 
zaaammengestelU  Goihofred.  Ritter  in  der  ProMopographia  des  Codtz  Th€odo$,; 
sodann  Joh.  Matth.  Garzon  m  Idatä  «pUcopi  chroniconf  ed.  dt  Rom  m  „Campte 
rendu  de  la  c<mmisnan  royak  d^kUt*  vol.  X,  —  BruxelL  1845  [auch  in  einem 
Separatabdrucke  erschienen  —  (Nota  XI) ,  auch  abgedruckt  bei  Mtgne  Fat  tat, 
U  74,  p,  755],  —  Garzon  argnmentirt  über  des  Cynegius  Heimath,  wie  ich, 
aber  mit  einem  Anfluge  von  spanischem  Patriotismus  sagt  er :  Noetratem  (d.  L  einen 
Spanier)  inguam;  nam  quo  pertmetf  tU  eonjux  Achantia  cA  urbe  CotutantmopoUtana 
mmauo  ftrt  itinere  m  Sispaniam  dodäeertt,  niai  ut  eum  in  taajorum  suorum  monif- 
montwm  infarrttf 

*)  Su^,  Sev,  A.  «.  2f  5L  —  Buremptorum  corpora  ad  Supaniai  rüataf  magnioquit 
M  cütbnUa  eortm  fimtra. 


i 


296  Sechste«  Bach.     Neantes  Kapitel. 

Apoetolate  in  SpaDien  wurde  ans  dem  römiBchen  Brevior  entfernt,  aber 
auf  das  Andringen  der  Spanier  im  J.  1625  wieder  in  dasselbe  aufge- 
nommen. Dort  heisst  es:  „Mox  (Jacobos)  in  Hispaniam  profeehu^  Uri 
aHiquöi  ad  Christum  eonvertit:  ex  quarum  numero  sepUm  pattea  Epücopi 
a  bento  Petro  ardinati,  in  Hispaniam  primi  direcii  tuni,^  Also  auch  hier 
ist  Jacobus  an  die  Stelle  des  Apostels  Paulus  gesezt  —  Bei  dem  Spanier 
Hariana,  der  fast  mit  Geringscbäzung  über  diese  Sache  hinweggeht, 
werden  die  7  Apostelschüler,  nebstdem  Petrus  von  Ebora  (vielmehr  von 
Braga),  Athanasius  und  Theodor  als  Jünger  des  Jacobus  bezeichnet*). 

Petrus  hat  den  Beinamen  Rates ,   und  soll  erster  Bischof  in  Bracara 
gewesen  sejn.  —  Athanasius  gilt  als  erster  Bischof  von  Zaragoza.     Pe- 
trus soll  in  Rates ,  einem  Ort  südwestlich  von  Braga  am  Meere  gelegen, 
gelitten   haben.     Aber  ein  solcher  Ort  ist  unauffindbar.    Er  hat  sicher 
nie  existirt.      Aber   —    auffallend  ist  mir  die  Aehnlichkeit  des  Namens 
mit  dem   Kloster  Raitu,  dessen  Bewohner  im  Lateinischen  gewöhnlich 
Rhatenses  heissen.    Das  Kloster  Rayeh  (Raithu)  wurde  unter  Justinian  L 
in   Arabia  Petraea  gegründet,  nahe  beim  Sinai.    —    Johannes,   Freund 
des  Climacus,  war  wohl  sein  erster  Abt.     Er  veranlasste  dessen  Werk: 
Seala  oder  xklfioc^j  und  schrieb  Scholien  dazu.    Im  J.  601   —   werden 
43  (34)  Mönche  von  den  Blemmyem  ermordet.    Um  650  blühte  Theodor 
von  Raithu,   Freund  des  heiligen  Maximus,    von   dem  wir  noch  eine 
Schrift  haben. 

Nun  beachte  man:  Petrus  von  Rates,  und  Theodor  sind  Schüler  des 
Jacobus.  Theodor  und  Athanasius  sind  neben  Jacobus  begraben.  Der 
Name  Athanasius,  im  Morgenlande  allverbreitet,  passt  auf  einen  Mönch 
von  Raithu  um  so  mehr ,  als  die  Kirche  daselbst  den  Namen  des  heiligen 
Athanasius  trug ').  —  Diese  drei  Männer  also  können  Mönche  des  Klosters 
Raithu  gewesen  seyn,  und  den  Leib  des  heiligen  Jacobus  nach  Europa 
geflüchtet  haben,  um  die  Mitte  des  siebenten  Jahrhunderts.  —  Dass  sie 
hiebei,  so  weit  möglich,  den  Landweg  einschlagen  mussten,  kann  nicht 
bezweifelt  werden. 

Jacobus  kam  nach  Spanien,  —  und  allmälig  bildete  sich  die  An- 
schauung (mit  Hinzunahme  der  Traditionen  über  Pauli  Aufenthalt) ,  dass 
er  lebend  —  in  das  Land  gekommen.  Hosius  kehrte  nach  Spanien 
zurück,  und  —  es  war  leicht,  die  Meinung,   die  in  der  Redeweise  des 


')  Mariana  de  rebus  Hisp,  4,  2  —  nobia  receptas  opiniones  movere  non  erat  animus.  — 
No9t  quoniam  rerum  antiguitcu  certam  scriptioni  derogat  fidem^  neque  quid  certi  de 
Jacobi  apoMtoU  ditcipulis  afferi  potest^  liberum  lectori  Judicium  de  tota  hoc  re  reUnquo- 
mue,  —  Auch  Mariana  sagt  von  Hosius  (4,  17):  His  fidei  formulis  susdpiendis 
Osiut  Cordubensia  venerandam  canitiem  sugiUasse  fertur  valde  care  aestimans  pauculot 
vitae  annoSf  quot  iUa  aetas  recipiebat.  —  Selbst  die  Lügen  Gregors  führt  er  wie 
baare  Münze  an. 

*)  Ed.  Robinson,  Palästina,  Bd.  1  (1841),  S.  488. 


Die  Rückkehr  des  Hosius  nach  Cordubal  299 

Landes  eine  StOce  hatte,  zu  verbreiten,  und  im  Abendlande  bis  zum 
heutigen  Tage  zur  herrschenden  zu  machen ,  —  dass  er  nicht  als  Leich- 
nam,  sondern  lebend  zurückgekehrt  sei. 

Grenau  in  dieser  drastischen  Weise  —  sprachen  im  Jahre  962, 
wohl  anderthalb  Jahrhunderte  —  nach  der  Entdeckung  des  Leibes  des 
Apostels  Jacobus,  die  Bischöfe  des  nordöstlichen  Spaniens :  istum  ApostO' 
laium  non  erat  —  Ap,  S.  Jaeobi;  gida  üle  apoitolus  interfectus  hie  venU, 
nuUo  modo  auUm  vivu»  (dieser  Apostel  kam  getödtet  hieher,  in  keiner 
Weise  lebendig).    [Fiorez,  t  19,  p.  372.] 


Zehntes  Kapitel. 

Hosius  der  Grosse. 


Auch  christliche  Bischöfe  tragen  den  Ehrennamen  —  der  Grossen. 
Wir  haben  einen  Papst  Leo  den  Grossen  und  Gregor  den  Grossen. 
Papst  Nikolaus  I.  Wird  von  Manchen  der  Grosse  genannt.  Athanasins 
"wird  ziemb'ch  allgemein  der  Grosse  genannt.  Ebenso  der  heilige  Basi- 
lius  von  Cäsarea.  Man  hat  vielfach  den  heiligen  Hilarius  den  Athanasins 
des  Abendlandes  genannt.  Man  ^ird  es  mir  zu  Gute  halten,  wenn  ich 
den  Hosius  —  den  Athanasius  des  Abendlandes  nenne.  Man  wird  es 
erklärlich  finden,  wenn  ich  Hosius  den  Grossen  nenne,  weil  mir  in 
dieser  Bezeichnung  Athanasius  vorangegangen  ist  *). 

Diesen  Ehrennamen  giebt  er  ihm  wiederholt,  und  er  giebt  ihn  — 
ihm  allein.  Hosius  besass  aber  auch  alle  Gaben  des  Geistes  und  Herzens, 
die  ihn  zu  einem  wahrhaften  Fürsten  der  Kirche  machten.  —  Er  war 
ein  von  Gott  gesendeter,  ein  providentieller  Mann.  —  Er  war  aufge- 
wachsen in  einem  Lande,  das  bis  jezt  der  Entwicklung  des  kirchlichen 
Lebens. gänzlich  ferne  geblieben,  das  —  auswärts  kaum  genannt  wurde. 
—  Er  zog  nun  nicht  nur  dieses  Land  in  die  allgemeine  Strömung  des 
kirchlichen  Lebens  hinein ,  —  sondern  —  er  concentrirte  in  seiner  Person 
das  kirchliche  Leben  überhaupt,  indem  er  die  Geschichte  der  christlichen 
Kirche  wenigstens  ein  Menschenalter  zum  grossen  Theile  leitete  und 
bestimmte. 

Er  besass  das  /c^pia^c«  xvßegvrjcieojg  —  die  Gabe  der  Regierung  im 
höchsten ,  in  einem  unvergleichlichen  Grade.  Er  war  ein  geborner  Leiter 
und  Regierer  der  Geister.   —    Längst   bevor  er  der  Vater  der  Bischöfe 


*)  Äthan,  ad  episc.  Aeg,  cap.  8  —  xapd  rov  ,utyd/ov  xai  ofXoXoyrjrov  'Ooiov,  de  Juga 
cap.  5.  xeQi  —  rov  /ueycUov  —  'OOiov  ■—  xepiTTcr  iörtv  efxk  xai  Jieyety;  cap,  9  — 
rov  fuytklov  mcu  6fAoloYfjT0v  *Ooiov, 


Hosius  der  Grosse.  301 

geworden,  hörten  die  Bischöfe  auf  seinen  Wink.  —  An  dem  unendlich 
folgenreichen  Ereignisse  der  Hinwendung  des  ei^sten  Kaisers  zu  der 
christlichen  Kirche  —  hat  er  den  grössten  Antheil,  und  wahrscheinlich 
einen  grossem  ^  als  jenes  Zeichen ,  das  dem  Kaiser  erschienen  scjn  soll 
—  mit  der  Inschrift:  In  hoc  Hgno  vinces.  In  der  Person  des  Hosius 
ernte  Constantin  die  christliehe  Kirche  achten  und  lieben.  Vor  dem 
^ssen  Hosius  beugte  sich  Constantin  der  Grosse. 

Bei  der  unendlich  wichtigen  Frage,  die  durch  alle  Jahrhunderte 
berab  die  Geister  bewegt  ^  und  um  welche  sich  in  einem  gewissen  Sinne 
ille  andern  Fragen  bewegen,  über  das  Verhältniss  der  Kirche  zum 
Staate,  oder  —  was  im  Grunde  dasselbe  ist,  über  die  Freiheit  der 
Kirche,  war  es  dem  Hosius  gegeben,  die  richtige  Mitte  zu  finden,  und 
In  seiner  eigenen  Person  die  Cancordia  inter  sacerdoüum  et  Imperium  her- 
Eustellen.  Die  Kirche  musste  sich  dem  Kaiser  nahen;  aber  —  sie  hätte 
dem  Schuze  ihre  Freiheit  zum  Opfer  gebracht ,  wenn  nicht  vor  allen  — 
er  eine  starke  Mauer  in  dem  Ha^se  Gottes  —  der  neuen  Sklaverei  wider* 
standen  wäre.  —  Er  musste  am  Hofe  weilen;  —  aber  einen  Hofbischof 
bat  er  nie  gespielt;  er  erzwang  sich  Achtung  auch  von  den  Widerstreben- 
ien  und  Widerwilligen.  —  Die  mit  Blindheit  geschlagenen  Heiden  und 
Arianer  —  wussten  sich  seinen  Einfiuss  nur  durch  Zauberei  zu  erklären. 
Elin  Zauberer  war  er  nicht.  Aber  Gott  hatte  seiner  Erscheinung,  seiner 
Person  selbst  jenen  holden  Zauber,  und  zugleich  jene  imponirende  Macht 
verliehen,  dass  ihm  Niemand  widerstehen  konnte  oder  wollte. 

Von  dem  heiligen  und  lieblichen  Kirchenlehrer  Bonaventura  heisst 
es:  Diese  Gnade  hatte  Gott  ihm  geschenkt,  dass  alle,  die  ihn  sahen, 
sogleich  von  herzlicher  Liebe  zu  ihm  ergriffen  wurden.  Von  dem  hei- 
ligen Bomualdus  heisst  es,  dass  sein  Anblick  alle  erheiterte.  —  So  auch 
wurde  Jeder,  der  in  das  ehrwürdige  Angesicht  des  grossen  Hosius  blickte, 
erfreut  und  getröstet  Wer  immer  zu  ihm  kam,  gieng  getröstet  und 
erfreut  von  ihnl  hinweg. 

Das  Christenthum ,  das  alle  natürlichen  Tugenden  geweihet  und  er- 
hoben hat,  hat  auch  die  Freundschaft  erhoben  und  geadelt.  —  Grosse 
Seelen  und  grosse  Herzen  —  finden  sich  zu  einander  gezogen.  —  Die  ' 
zärtlichste  und  die  edelste  Freundschaft  und  Liebe  verband  Hosius  den 
Grossen  und  Athanasius  den  Grossen.  Denn  Beide  lebten,  stritten  und 
litten  für  dieselbe  heilige  Sache,  für  die  Sache  des  Gottmenschen,  für 
den  Glauben  an  ihn,  den  Gottessohn,  der  die  Welt  erlöst  und  die 
Kirche  gegründet  hat.  —  Diese  Freundschaft,  die  zuerst  den  Jüngling 
Athanasius  im  J.  324 — 25  mit  dem  Greise  Hosius  zu  Alexandrien  ver- 
band, dauerte  in  ungeschwächter  Kraft  ein  Menschenalter  fort;  und  so 
mächtig  war  sie  in  dem  grossen  Hosius,  dass  ihn,  den  die  aufgelegten 
Martern  zu  einem  vorübergehenden  Nachgeben  gegen  die  Arianer  ver- 
mocht hatten,  dieselben  nicht  vermögen  konnten ^  von  Athanasius  sich 
zu  trennen. 


302  Sechstes  Bach.     Zehntes  Kapitel. 

Der  Geist  und  die  Liebe  des  grossen  Hosius  war  ongeiheilt  der 
ganzen  und  untheilbaren  Earche  zugewendet  Wo  ist,  fragt  Athanasius, 
eine  Kirche  ^  die  nicht  sprechende  Denkmale  seiner  Theilnahme  aufzu- 
weisen hätte? —  £r  war,  wie  den  leiblichen ,  so  den  geistigen  Anliegen 
der  christlichen  Völker  voll  Theilnahme  zugewendet  —  Auch  die  Sklaven 
sind  ihm  zu  unvergänglichem  Danke  verpflichtet  Aber  in  dem  Mittel- 
punkte der  einen  Kirche  y  in  der  römischen  Ejrche,  concentrirte  sich  be- 
sonders seine  ehrfurchtsvolle  Liebe.  Er  forderte  die  um  ihn  versammelten 
Bischöfe  auf,  das  Andenken  des  Apostels  Petrus  zu  ehren ,  und  seinen 
Nachfolgern  nicht  bloss  den  Primat  der  Ehre,  sondern  auch  das  oberste 
Richteramt  in  der  Kirche  zu  übertragen.  Die  Jahrhunderte  haben  ge- 
stritten über  zufällige  und  über  wesentliche  Rechte  des  Primates.  Wir 
haben  keinen  Beruf,  in  diesen  Streit  einzutreten.  Aber  wir  sind  der 
Meipung,  dass  Hosius  in  der  Hand  Gottes  ein  Werkzeug  war,  dem 
Nachfolger  des  Fürsten  der  Apostel  zu  seinen  wesentlichen  Rechten  zu 
verhelfen,  und  dass  ihm  die  Kirche  überhaupt,  und  die  römische  Kirche 

—  im  Besondern  —  dafür  verpflichtet  sei. 

Die  allgemeinen  Synoden  wären  wohl  auch  ohne  Hosius  in  das 
Leben  getreten.  Aber  -r-  dennoch  war  er  in  der  Hand  des  unsichtbaren 
Hauptes  der  Kirche  -^  das  begnadigte  und  bevorzugte  Werkzeug,  in 
der  Kirche  ein  Institut,  eine  Einrichtung  in  das  Leben  zu  rufen,  durch 
welches  der  heilige  Geist  in  den  entscheidenden  Wendepunkten  ihrer 
Geschichte  sie  erleuchtete,  regierte  und  einigte, 

Ehre  darum  und  unsterblicher  Ruhm  sei  dem  grossen,  dem  «user- 
wählten, dem  in  seiner  Art  einzigen  Manne,  dem  Vater  der  Bischöfe, 
dem  abrahamitischen  Greise,  dem  Stolze  und  der  Zierde  des  christlichen 
Spaniens ,  dem  Vater  Hosius.  Menschliche  Bosheit  und  menschliche 
Kurzsichtigkeit  hat  —  durch  die  Jahrhunderte  herab  —  sein  hehres  Bild 
verdunkelt  und  angeschwärzt  —  Sie  haben  einen  Mann,  an  dem  sein 
Jahrhundert  sich  erbaut  und  aufgerichtet  hat,  mit  so  unglüchlichem  Er- 
folge verleumdet  und  verlästert,  dass  er  seit  fünfzehn  Jahrhunderten  in 
der  abendländischen  Kirche  ein  Gegenstand  des  Aergemisses  und  ein 
Stein  des  Anstosses  geworden  ist.  —  Sollte  es  mir  iü  etwas  gelungen 
seyn ,  diese  ehrwürdige  und  hehre  Gestalt  von  den  Flecken  zu  reinigen, 
mit  denen  Lüge  und  Verleumdung  ihn  besudelt  und  entstellt  hat,  in 
etwas    ihn    darzustellen    in    seiner  Grösse   und   Würde,    —    wahrlich, 

—  ich  könnte  Gott  niemals  genug  für  eine   solche   mir   gewordene 
Gnade  danken. 


Eilftes  Kapitel. 

Hosius  der  Heilige. 


Heilig  —  nennt  Athanasius  selbst  den  Hosius;  heilig  dem  Namen 
und  der  Wahrheit  nach.  Die  morgenländische  Kirche  hat  den  Hosius 
unter  die  Zahl  ihrer  Heiligen  aufgenommen,  und  noch  heute  gilt  er 
als  solcher.  —  Wenn  die  Kirche  des  Abendlandes  diesem  Beispiele  nicht 
gefolgt  ist,  so  liegt  der  Hauptgrund  keineswegs  in  dem,  was  mit  Hosius 
zu  Sirmium  geschah,  oder  geschehen  seyn  soll.  Er  liegt  vielmehr  in 
der  Geschichte,  die  die  Luciferianer  über  ihn  erdichteten,  und  die  zu 
einer  Zeit,  wo  man  keine  Kritik  übte,  gerade  wegen  ihrer  Ungeheuer- 
lichkeit Glauben  fand.  —  Denn  die  menschliche  Natur  hat  zu  Straf- 
wundem —  eine  sonderbare  Hinneigung. 

Da  dieses  Mährchen  im  Morgenlande,  wo  man  den  Fehler  des  Ho- 
sius so  gut  kannte,  wie  im  Abendlande,  nicht  bekannt  war,  so  kam  der 
Name  des  Hosius  in  das  Verzeichniss  der  Heiligen.  Am  27.  August 
findet  sich  Hosius  sowohl  in  dem  Menologium,  als  in  den  Menäen  der 
Griechen 9  und  zwar  in  folgender  Weise: 

Menäen  —  zum  27.  August. 

An  demselben  Tage  (das  Gedächtniss)  unsers  heiligen  Vaters,  des 
Bischofs  Hosius  von  Corduba: 

Schon  wenn  ich  deinen  Namen  ausspreche,  o  Heiliger, 
Bringe  ich  dir,  dem  Todten,  das  gebührende  Lob. 
Dieser  Glückselige,  welcher  sich  fiiiher  in  der  Tugendübung  ausge- 
zeichnet hatte,  welcher  mit  allen  Tugenden  geziert  war^  wurde  auf  den 
Siz  des  Bisthums  Corduba  in  Spanien  erhoben.    £r  hatte  aber  einen 


304  Sechstes  Buch.     Eilftes  Kapitel. 

Eifer  für  unsern  orthodoxen  Glauben ,  und  er  war  zugegen  bei  der 
grossen  und  ersten  Synode ,  wo  er  den  Kampf  mit  den  Arianem  durch- 
führte ,  und  sie  zurückschlug  ^}.  Die  in  Sardika  veranstaltete  Synode 
brachte  er  selbst  zu  Stande ,  und  er  nahm  unter  den  dort  Versammelten 
die  erste  Stelle  ein.  Dieser  wurde,  nachdem  viele  andere  Bischöfe  von 
Constantius  von  ihren  Sizen  vertrieben  worden,  weil  sie  nicht  für  die 
Absezung  des  grossen  Athanasius  stimmen  wollten,  oder  besser  gesagt^ 
weil  sie  nicht  an  dem  schlechten  Glauben  der  Arianer  Theil  nehmen 
wollten^  in  die  Verbannung  geschickt,  und  nachdem  er  vieles  Harte  in 
derselben  erduldet  hatte,  fand  er  in  derselben  das  Ende  seines  Lebens. 

Menologium  Basilianum  zum  27.  August. 

Nachdem  es  den  Abt  Poemen  und  den  Papst  Liberius  gefeiert ,  hat 
es  über  Hosius  das  Folgende: 

Und  das  Andenken  unsers  heiligen  Vaters  Hosius,  Bischo&  von 
Corduba  ^) : 

Hosius,  Bischof  von  Corduba,  verliess  die  Welt,  und  vnirde  Mönch, 
und  nachdem  er  sich  vorher  im  ascetischen  Leben  ausgezeichnet,  und  durch 
alle  Tugenden  geleuchtet  hatte,  und  mit  vielen  Wundem  geschmückt  war, 
80  wurde  er  Von  dem  Erzbischofe  von  Rom  —  zum  Bischöfe  der  Stadt 
Corduba  erwählt.  Da  er  aber  für  den  orthodoxen  Glauben  Eifer  hatte, 
so  erschien  er  in  der  grossen  Synode ;  wo  er  den  Wahnsinn  des  Ariud 
widerlegte,  und  die  seelen verderbliche  Kezerei  —  zurückschlug.  Aber 
auch  die  in  Sardika  veranstaltete  Synode  brachte  er  selbst  zu  Stande, 
und  er  nahm  unter  den  dort  Versammelten  die  erste  Stelle  ein.  Später 
aber  wurde  er  unter  dem  Kaiser  Constantius,  der  Arianer  war,  in  die 
Verbannung  gesendet,  mit  vielen  andern  Bischöfen,  weil  er  sich  des 
orthodoxen  Glaubens  annahm.  Und  nachdem  er  in  der  Verbannung 
viele  Leiden  erduldet,  zahllose  Prüfungen  ertragen,  eilte  er  freudig  zu 
dem  Gotte,  für  den  er  kämpfte^). 

Im  Morgenlande  also  —  steht  der  Name  des  Hosius  in  dem  Ver- 
zeichnisse der  Heiligen.  —  Dort  hatten  die  Verleumdungen  Gregors  und 
seiner  Nachbeter  keinen  Boden  gefunden.  Daraus  folgt  allerdings  nicht, 
dass  Hosius,  wie  Bivar^)  und  manche  Spanier  meinten,  seine  eignen 
Kirchen  und  Feste  in  der  Kirche  des  Morgenlandes  habe.  Vielmehr 
steht  in  dem  gewöhnlichen  Kalender  der  Griechen  —  am  27.  August  — 


')  xcd  fiv^jfnf  Tov  h  ayiois  xarQog  ijfjuäv  'Ooiov, 

')  lieber  die  Menäen  und  Menologien  haben  neulich  Job.  N.  Neale-  in   England, 

und  Daniel  in  Halle  (1853)  geschrieben. 
*)  J.  360  des  Pseudo  -  Dexter. 


Hotius  der  Heilige.  305 

Dur  der  Name  des  heiligen  Poemen  *)  y  wie  auch  bei  jxob  im  EjJender 
gewöhnlich  nur  ein  Name  steht;  nur  der  Kalender  der  Aethiopier  hat 
zum  27.  August  auch  den  Namen  des  Papstes  Liberius  ^).  —  Den  Griechen 
gilt  also  HosiuB  heute  noch  als  Heiliger,  wie  z.  B.  den  Lateinern  Gregor 
▼on  Elvira  —  cum  24.  April  —  als  Heiliger  gilt,  weil  Baronius,  troz 
der  stärksten  Zweifel  an  dessen  Heiligkeit,  es  nicht  über  sich  bringen 
konnte,  denselben  aus  dem  römischen  Martjrologium  wegzulassen^). 

Die  BoUandisten  haben  zum  23.  September  den  Papst  Liberius  — 
unter  die  Heiligen  aufgenommen,  obgleich  er  in  der  abendländischen 
Kirche  als  solcher  nicht  verehrt  wird.  —  Florez  hat  es  mit  Recht  be- 
merkt *) ,  dass  sie  am  27.  August  mit  wenigen  &st  geringschäzigen  Wor- 
ten an  Hosius  yorübergegangen.  —  Wir  wollen  nicht  sagen,  dass  der 
Papst  bei  ihnen  mehr  Gewicht  gehabt,  als  ein  längst  von  der  öfTentlichen 
Meinung  aufgegebener  Bischof;  —  aber  vielleicht  standen  auch  sie  unter 
dem  Eindrucke  der  Verleumdungen  der  Luciferianer. 

Unter  den  Neuem  hat  zuerst  Baronius  mildere  Bahnen  in  dem  Ur- 
theile  über  Hosius  eingeschlagen.  Nicol.  Antonio,  und  mehr  noch 
ä.  Aguirre  versuchten  mit  Glück  seine  Ehrenrettung^).  Die  Frage  seiner 
Beiligsprechung  hat  Henr.  Florez  zuerst  mit  wenigen  Worten  behandelt, 
j^dem  er  sagt:  ^^Da  seine  Tugenden  heroische  waren,  so  könnte  die 
\BiUge  Kirche  von  Corduba  um  seine  Verehrung  als  Heiliger  nachsuchen, 
jidem  sie  sich  auf  den  Vorgang  der  Kirche  des  Morgenlandes  als  Bei- 
spiel beriefe.  Er  nennt  ihn  mit  Recht  den  „heiligen  und  grossen  Vater 
Boaius''  ^).  —  Der  Spanier  Michael  Maceda  hat  eine  grosse  Abhandlung 
lUeber  die  Heiligkeit  und  die  rechtmässige  Verehrung  des  grossen  Ho- 
rius**  geschrieben^).  —  Er  hat  sein  Werk  dem  damaligen  Bischöfe  von 
Corduba,  Antonio  Caballero  y  Gongora  gewidmet.  Er  hofile,  dass  noch 
\mter  dem  Papste   Pius  VI.   die  Heiligsprechung  des  Hosius   erfolgen 


*)  Aäsemani,  Kalendaria  ecclesiae  universae,  t.  C,  —  z.  27.  Aug.  —  Indest  verehrt 
die  rotsische  Kirche  im  Allgemeinen  die  als  Heilige,  welche  die  griechische 
Kirche  in  ihre  Menologicn  aufgenommen  hat  —  Strahl,  russische  Kirchen- 
gischichtc  —  p.  702  —  bei  Daniel:  Codex  Uturgicus,  t  4,  (185S),  p.  249, 

*)  DaniMl,    L  c.   p,  266  —  Liberius  patriarcha  Rotnae. 

*)  cf.  Die  neueste  römische  Ausgabe  von  1845  —  Ratisbonae  1846  — -  lUiberi  in 
Bitpania  saneti  Grtgorii  episcopi  et  eon/euoriM  (ist  wörtlich  aus  Usuardus :  Item 
cwitate  Heliberri,  »ancü  Gregorii  epiacopi  et  conf,), 

*)  /We»,  10,  200. 

»)  Antonio-Fr.  Perez  Bayer,  Bibliotheea  vetus  Bispana,  t.  /,  p.  133—138.  Madrid  1788. 
—  Aguirre  f  conciL     Biepaniae,  t.  2.  dissert.  2;  13—15.  excure. 

•)  y  hamendo  tido  heroycas  aas  acciones,  pudiera  la  Santa  Igleaia  de  Cordoba 
eolieitar  eu  culto,  airviendola  de  egemplar  la  practica  de  la  Iglesia  del  Oriente, 
L  10,  165  —  214  —  „El  Santo  y  gran  Padre  Oeio." 

')  Maceda:  Boeiue  vere  eanctue;  de  eanctUaU  et  cuUu  legitimo  M.  Boeii  diuertatio  eeamda. 
Bommiae  1790,  p.  241^380. 

OiBS,  tpaa.  Kirehe.    IL  20 


306  Sechstes  Bnch.     Eilftes  Kapitel. 

werde.  —  Die  energische  Sprache,  deren  er  sich  Spanien  und  Rom 
'gegenüber  bedient,  nachzuahmen  —  wäre  für  uns  nicht  rathsam.  Ob 
Ton  Spanien  aus  Schritte  in  dieser  Sache  geschehen,  wissen  wir  nicht ^). 

Aber^es  scheint  uns,  dass  —  unter  dem  Vorgange  der  zunächst 
betheiligten  Elirche  von  Corduba,  und  der  Eirchenproyinz  von  Sevilla, 
die  Elirche  von  Spanien  —  Anlass  und  vielleicht  die  Pflicht  hätte,  das 
gegen  den  grossen  und  heiligen  Bischof  von  Corduba  begangene  Unrecht 
zu  sühn^i.  Wenn  das  katholische  Spanien  nur  einen  kleinen  Theil  der 
Mühen  und  des  Eifers  aufwendete,  den  es  aufgewendet  hat  in  der  An- 
gelegenheit seines  Apostels  Jakobus,  so  dürfte  es  das  Ziel  erreichen.— 
Es  ist  wahr  und  es  ist  gut,  dass  man  in  Rom  nichts  übereilt.  Aber  es 
handelt  sich  um  die  Sühnung  eines  Unrechts,  das  seit  fün&ehn  Jahr- 
hunderten an  einem  der  grössten  Männer  der  Kirche  begangen  wird. 
^  handelt  sich  um  einen  Bischof,  der  sich  um  die  Kirche  überhaupt, 
und  um  den  römischen  Stuhl  unvergängliche  Verdienste  erworben  hat 
Den  Versuchen  aber,  sich  der  griechischen  Elirche  zu  nähern,  an  der 
Niederreissung  jener  grossen  Scheidewand  zu  arbeiten  ^  die  seit  acht 
Jahrhunderten  die  Kirche  des  Morgenlandes  von  der  des  Abendlandes 
trennt,  würde  es  gewiss  nicht  hinderlich  sejn,  wenn  die  heilige  römische 
Kirche,  indem  sie  den  grossen  Hosius  unter  die  Zahl  ihrer  Heiligen  auf- 
nähme, damit  erklärte:  Diesen  edlen  und  grossen  Mann  —  nehmenirir 
aus  euem  Händen  an  und  auf.  Wir  haben  ihn  verkannt  Aber  —  weil 
er  in  eurer  Elirche  als  Heiliger  gefeiert  wird,  weil  wir  uns  überzeugt 
haben ,  dass  ihr  hierin  bisher  im  Rechte ,  wir  aber  im  Unrechte  waren, 
so  danken  wir  euch  für  diese  Gabe,  und  vnr  wollen  von  nun  an  in 
gemeinsamer  Liebe  und  Hochachtung  das  Andenken  eines  der  grössten 
und  edelsten  Männer  begehen  und  bewahren,  den  Gott  als  eine  une^ 
schütterliche  Säule  in  seiner  heiligen  Kirche  aufgerichtet  hat. 

Wir  aber  bitten  zu  den  Heiligen,  die  mit  Christus  im  Himmel 
herrschen,  besonders  denen,  „welche  Spanien  so  sehr  verherrlicht  haben 
durch  Tugend,  HeiUgkeit  und  Wunder'^,  dass  durch  ihre  Fürbitte  j,der 
heilige  und  grosse  Vater  Hosius''  —  ebenso  von  der  streitenden  Kirche 
auf  Erden  unter  der  Zahl  der  Heiligen  verehrt  werden  möge,  wie  er  — 
nach  unsrer  Ueberzeugung,  unter  den  Heiligen  im  Himmel  wandelt 


*)  BibUotheeae  acriptonim  sodetatit  Jesu  Supplement  I  (ed.  Caballero)  f  Rom.  1814  — 
p,  180 — 81  —  Hiepania  eccUsiaque  universa  optimia  omtnibua  proseguebantur  Äueion» 
defeneioniM  Hosianae,  qua  praestantisiimum  inter  patres  ecclesiae  virum  erudite  et  nsr- 
vo$€  purpat  «6  Arianismi  crimine.  -^  Backer  ^  bibliothique  des  €crivams  de  la 
pagnie  de  Jisus,  4.  (1858),  p.  363. 


Zwölftes  Kapitel 

RecapltDlatlon. 

Da  ich  an  dem  Schiasse  dieses  Buches  über  Hosius^  an  welchem 
ieh  —  in  den  Jahren  1860  bis  1863  zu  yerschiedenen  Zeiten  g^earbeitet 
ikabe,  angelangt  bin,  —  habe  ich  den  ursprünglichen  Wunsch  und  Plan 
rollendet,  der  mich  zu  diesem  Werke  zog.  —  Denn  ich  wollte  die 
Eirchengeschichte  Spaniens  nur  bis  zu  dem  Tode  des  Hosius  yon  Cor- 
hiba  schreiben.  —  Da  ich  aber  von  verschiedenen  Seiten  zur  Fortsezung 
les  Werkes  ermuntert  worden  bin,  besonders  desswegen,  weil  überhaupt 
ine  Kirchengeschichte  von  Spanien  diessseits  der  Pyrenäen  noch  nicht 
"orhanden  ist,  so  stelle  ich  der  Fortführung  dieses  Werkes  gern  meine 
Seit  und  meine  geistigen  Kräfte  zur  Verfügung.  —  Die  Verhältnisse 
iber  verlangen  von  nun  an  eine  gedrängtere  Behandlung,  um  so  mehr, 
e  weniger  historische  Controversfragen ,  welche  auf  ihre  Lösung  harren, 
dch  ihr  in  den  Weg  stellen  werden.  —  Bei  den  unentschiedenen  Streit- 
lonkten  allein,  z.  B.  hü  der  Frage  nach  dem  Ursprünge  der  mozara- 
[liflchen  Liturgie,  oder  bei  der  Frage  nach  der  Ankunft  des  Apostels 
Jakobos  in  Spanien ,  werde  ich  länger  verweilen.  Diesen  unentschiedenen 
Streitfragen  müsste  auch  die  von  der  spanischen  Inquisition  beigezählt 
werden,  wenn  sie  nicht  in  den  lezten  Jahren,  besonders  durch  deutsche 
Schriftateller,  ihrer  Erledigung  entgegengeführt  worden  wäre.  Das  vor- 
liegende Werk  ist  eigentlich  eine  Reihe  von  Forschungen  über  die 
dunkeln  und  im  Streite  liegenden  Fragen  der  Kirchengeschichte  Spa- 
aiena,  und  theilweise  auch  der  allgemeinen  Kirchengeschichte,  welcher 
die  Frage  über  die  lezten  Jahre  des  Apostels  Paulus,  und  die  Frage 
Sber  die  lezten  Schicksale  des  Bischofs  Hosius  unbestreitbar  angehören. 

Lddem  ich  auf  die  vorstehenden  Erörterungen  über  Hosius  von  Cor- 
duba  zurückblicke ,  bin  ich  in  keinem  wesentlichen  Punkte  schwankender 
oder  anderer  Ansicht  geworden.    Er  war,  nach  meiner  Ueberzeugung, 

20* 


308  Sechstes  Bach.     Zi^ölftes  Kapitel. 

Haupt  und  Seele  der  Synode  von  Elvira  im  J.  306 ,  er  vor  allen  führte 
den  Kaiser  Constantin  dem  Christenthume  zu,  er  hat  das  grösete  Ver- 
dienst um  die  Synode  Yon  Nicäa,  er  präsidirte  derselben  im  Auftrage 
und  Namen  des  Papstes  Sylvester,  er  ist  der  Gründer  der  Metropolitan- 
verfassung  der  spanischen  Kirche,  er  —  hat  keinen  Antheil  an  der 
zweiten  sirmischen  Formel,  er  ist  nicht  zu  dem  Arianismus,  und  nicht 
von  Athanasius  abgefallen,  er  starb  in  der  Verbannung  am  27.  August  357 
zu  Sirmium,  und  sein  Leichnam  wurde  nach  Spanien  zurückgebracht 

Es  würde  aber  —  meinen  Erörterungen  nicht  entgegengetreten,  wenn 
Jemand  den  Beweis  antreten  wollte,  dass  Hosius  allerdings  einen  An- 
theil an  der  (S.  233 — 34  mitgetheilten)  zweiten  sirmischen  Formel  htbe^ 
dass  er  ihr  nemlich  den  orthodoxen  Zusaz  beigefügt,  und  sie  dadorcb 
aufgehoben  habe :  „Diess  aber  ist  der  Kern  und  Schlussgedanke  und  die 
Besiegelung  des  ganzen  Glaubensbekenntnisses,  dass  die  Dreieim'gkdt 
aufrecht  zu  erhalten  ist,  wie  wir  in  dem  Evangelium  lesen:  Gehet  und 
taufet  alle  Völker  im  Namen  des  Vat^ ,  und  des  Sohnes  und  des 
heiUgen  Geistes  1     unversehrt,  vollkommen  ist  die  Zahl  der  Trinität*).* 

—  Indem  Hosius  der  ihm  vorgelegten  Formel  diesen  orthodoxen  Zusas  bei- 
fügte ^  könnte  man  sagen,  hielt  er  sich  auf  katholischem  Boden,  und 
konnte  mit  d,en  Arianem^  die  sich  denselben  gefallen  Hessen,  dadurch 
vorübergehende  |Circhengemeinschaft  eingehen,  während  sie  das  Haupt- 
gewicht auf  die  vo]:hergehenden  Explikationen,  er  dagegen  auf  den 
Schlttss  legte.  —  Die  oben  mitgetheilten  Berichte  des  Fpiphanius  .ufid 
des  Sozomenus^),  nach  welchen  die  Arianer  einen  Brief  des  Hosius  sich  er 
schlichen  haben,  würden  bei  solcher  Erklärung  eine  sachgemässere  Be- 
stätigung finden.  —  Was  gegen  diese  Erklärung  spricht,  ist  oben  schon 
angeführt  (S.  234 — 242),  womach  Germinius  von  Sirmium  die  ganie 
Formel  redigirt  und  diesen  dem  Ganzen  widersprechenden  Zusaz  auf 
eigene  Faust  eingeschaltet  hätte.  Für  dieselbe  spräche  u.  a.  der  Umstand, 
daiss  das  seltene  Wort:  elamula  (für  caput,  flnis,  x€(paixciov)  sich  b^ 
spanischen  Schriftstellern,  u.  a.  schon  bei  Aur.  Vrudentius  Clemens  findet: 

—  merüi  quia  clatmila  pax  est  (psychom.  778) :  der  Friede  ist  der  Schluss, 
das  Ergebniss  des  Verdienstes.  -^  Nicht  minder  findet  sich  das  Wort 
häufig  bei  spanischen  Profanschriftstellem ,  z.  B.  bei  Columella  aus  Cadix 
(daimdam  imponere  disputatUmi  —  de  re  not,  3,  19]  clausula  peraäi 
operU  mei  —  2,  57);  bei  Seneca  (beatae  vitae  clausulam  imponäiy 
epiH,  60);  bei  Quinctilian  (inst.  or.  2,  2  —  ad  omnem  daitsulam;  8^  5^ 
et  passim).  —  Es.  leuchtet  ein ,  dass  eine  solche  Gemeinschaft  dea  Hosius 
mit  den  Arianem  keine  Gemeinschaft  gewesen  wäre.  Er  hätte  ihnen 
widersprochen;  sie  aber,  weil  sie  wem'gstens  eim'ge  Zeilen  als  Anhang 
zu  ihrer  Formel  von  ihm  in  Händen  hatten,  dieselben  als  Uebereinstim- 


*)  Nach  der  Ueberteznng  von  Reiokeas,  S.  158 — 59. 
«)  8.  259—261. 


Recapitnlation.  809 

mimg  mit  ihrer  Formel   ausposaunt  ^  und  —   für  ihre  Lügen  bei  der 
Mit-  und  Nachwelt  Glauben  gefunden. 

Das  vorliegende  Buch  über  Hosius  war  fast  zu  Ende  gedruckt,  als 
mir  die  schöne  Monographie  ;,Hilarius  von  Poitiers.  Eine  Mon.  von 
Dr.  Joseph  Hubert  Reinkens,  Prof.  —  zu  Breslau*)/*'  zukam,  die  ich 
demnach  leider  für  mein  Buch  über  Hosius  nicht  mehr  benüzen  konnte. 
—  In  Betreff  der  Verurtheilung  des  Hosius  durch  den  heiligen  Hilarius 
ist  der  Verfasser  gleicher  Ansicht;  er  sagt:  ^^ich  stimme  Hefele  (I,  653 
—54)  vollkommen  in  der  Annahme  bei,  dass  Hilarius  in  Bezug  auf 
Hosius  hintergangen  worden^  (S.  161).  „Hosius  unterschrieb,  nicht  die 
Absezung  des  Athanasius,  aber  die  zweite  sirmische  Formel^  (S.  160). 
Potamius  verfasste  nach  ihm  die  sirmische  Formel.  Es  fällt  ihm,  wie 
mir  auf,  dass  dieselbe  nur  3  Namen  trägt;  da^m  schlägt  er  vor  zu  lesen: 
^foendenUbui,  statt  pr<ieientibu8  (S.  158).  —  Er  sagt  femer,  dass  Hilarius 
fin  der  grössten  Aufregung^  seine  Schrift:  „Über  contra  CantUmHum^ 
)egofinen ,  die  aber  erst  nach  demi  *  Tode  des  Kaisers  ^^chienen  sei 
Retnkens,  6.  209;  -s.  oben,  ß.  254  —  56)*  —  Von  dem-  sogenannten 
fOpt48  hisioricum^  sagt  .er,  dass  es  eine  verstümmelt  auf  uns  gekommene 
Jchrift  des  Hilarius  sei,  welche  dieser  noch  ih  der  Verbannung  ver- 
Mste  (R,  S.  210  —  20  „die  historischen  Fragmente^).  In  einem  Anhange 
die  lateinischen  üebersezungen  der  Bibel  um  die  Mitte  des  4<  Jahr- 
londerts)  tritt  der  Verfasser  der  von  mir  (Band  1 ,  8.  86  — 102)  ver- 
achten Ausführung  über  den  römischen  Ursprung  der  „vetus  luüa^  bei 
R.y  S.  335  —  51),  wofür  ich  ihm  um  so  mehr  dankbar  bin,  als  er  meines 
KTiMens  bierin  der  erste  ist,  welcher  sich  bestimmt  ausspricht'-^  Hilarius 
lelbst  hätte  für  meine  Beweisführung  reiche  Ausbeute  geliefert,  was  ich 
EU  spät  bemerkt  habe.  —  Sollte  ich  in  der  Vertheidigung  des  Hosius 
vielleicht  Ausdrücke  gebraucht  haben,  die  nicht  frei  von  einer  gewiss^i 
Gfereiztfaeit  gegen  den  heiligen  Hilarius  als  Gegner  des  Hosius  sind,  so 
kann  ich  diese  Ausdrücke  zwar  jezt  nicht  mehr  ^zurücknehmen,  aber 
lodi  —  missbilligen. 


I)  Schaff baasen,  1864,  359  8. 


Siebentes  Buch. 

Die  Kirche  in  Spanien  von  dem  Tode  des  Hosiiu 

—  bis  zn  dem  Eintritte  der  Westgothen  —  in 

die  Kirche  (J.  357  bis  589  n.  Chr.). 


Erstes  Kapitel. 

Die  Laelferianer  in  Spanien.  Gregrorins.  Potamlus.  Florentiu 

Schon  zu  Lebzeiten  Lucifers  vod  Cagliari,  gestorben  370  oder  371*)) 
dessen  lezte  Lebensjahre  in  Dunkel  gehüllt  sind,  hat  Gregor  von  EUvira 
'sich  in  den  Vordergrund  gestellt,  und  eine  Art  Oberleitung  dieser  schis- 
matischen  Sekte  übernommen.  Faustin  und  Marcellin  berichten,  daas 
Gregor  den  Lucifer  gesehen ,  und  in  ihm  einen  heiligen  Mann  gefunden 
habe.  Diese  Zusammenkunft  kann  nicht  vor  der  Rückkehr  Lucifers  im 
J.  362  stattgefunden  haben ,  wo  er  über  Neapel  und  Rom  nach  Cagliari 
heimkehrte^).  Sie  berichten  weiter,  dass  für  ihre  Anhänger  in  Rom 
j,der  seligste  Ephesius^  zum  Bischöfe  geweiht  wurde,  von  einem  andern 
ihrer  Bischöfe,  nemlich  „von  dem  standhaftesten  Taorgius,  gleichfaUfl 
von  einem  Manne  voll  unanfechtbaren  Glaubens,  aber  „unter  der  Ge- 
hässigkeit  eines  falschen   ihm   zugelegten    Beinamens^  ^).      Der    Name 


')  Hieron,  chron,  ad  a.  374  (371):  Luci/er  Calaritanus  ejoitcopus  moritUTf  qm  cum  Gre- 
porio  epiteopo  Hupantarum ,  et  Philone  Lihyae ,  numquam  se  Arianae  mtMcmt  pramtaü. 

*)  UbelL  prßcum  --  c,  16  —  beatut  Luci/er  de  quarto  exilio  Romam  pergenSf  mgretnt 
est  NeapoUm, 

*)  c,  23  -^  emb  invidia  faUi  impoeiti  cognomentL 


t 

Die  Lnciferianer  in  Spanien.     Gregorins.     Potamins.    Florentius.      311 

B;iii8  ist  unerhört,  und  manche  Spuren  weisen  darauf  hin,  dass 
r  dem  Taorgius  der  uns  wohlbekannte  Gregorius  steht.    Er  war  nach 

gekommen,  den  Luciferianem  einen  Bischof  zu  ordiniren.  Aber 
;  Damasus  war  zu  fürchten.    Darum  nannte  Gregorius  sich  Taor-or«for, 

einerseits,  dass  er  nicht  erkannt,  anderseits,  dass  er  erkannt  würde,  ^^^ 
ihm  der  Ruhm  bliebe,  in  der  Hauptstadt  der  Christenheit  den  ersten  ^"^ 
of  fLLr  die  allein  wahren  Katholiken  ordinirt,  und  so  der  Christen- 
gleichsam  ein  neues  achtes  Haupt  gegeben  zu  haben.    Sein  ver- 
wes Vorgehen  nennen  seine  Anhänger  die  ^^Gehässigkeit  eiues  falschen 
sugelegten  Beinamens'',   wobd  sie  natürlich  die  Gehässigkeit  auf 

Damasus  fallen  lassen,  der  die  wahren  Katholiken  durch  seine 
Igung  zwang,  sich  zu  verstecken  und  zu  verstdlen.    Den  Hosius 

Gregor  zu  Tode  gebetet.  Vielleicht  wäre  ihm  diess  auch  mit 
usus  gelungen,  wenn  er  nicht  seine  Wunderkraft  durch  einen  er- 
sten Namen  gelähmt  hätte. 

7regor  hatte  sich  durch  die  Thatsache  die&er  Weihe  wenigstens 
LfUcifer  als  Coadjutor  —  mit  dem  Rechte  der  Nachfolge  beigeordnet 
irfte,  vielleicht  auf  der  Rückreise,  wahrscheinlicher  auf  dem  Wege 
^tika  nach  Rom   —   den  Lucifer  in  Cagliari  besucht  haben.    Wir 

darum  seine  Reise  nach  Rom  in  die  Jahre  366  bis  371.  j^Es  kam 
ucifer)  der  heilige  Gregorius ,  und  bewunderte  an  ihm  die  so  grosse 
irsamkeit  in  den  heiligen  Schriften,  und  sein  Leben  selbst,  das 
isam  ganz  in  den  Hinmiel  versezt  war.  Ein  wie  grosser  Mann 
Lucifer  gewesen  seyn,  da  ihn  sogar  selbst  Gregorius  bewundert, 
ei  allen  wunderbar  ist^),  nicht  bloss  in  Folge  jenes  Zusammen- 
8  (ex  collirione  illa)  mit  Hosius,  sondern  auch  wegen  der  göttlichen 
aden,  die  er  in  sich  hat,  und  wodurch  er  die  Gnade  des  heiligen 
w  vollbringt  ?** 

)iese  Sektirer  schwingen  mächtig  das  Weihrauchfass  der  Lobpreisung 
i  ihre  Häupter.  Aber  so  klar  es  ist,  dass  Gregor  eine  grössere 
d  an  dem  Schisma  trägt,  als  Lucifer,  von  dem  es  zum  Verdrusse 
iekte  seinen  Namen  trägt ^),  so  klar  ist  es,  dass  sie  an  Gregor 
^e  Lobsprüche  verschwenden,  als  an  Lucifer.  Denn  der  Lebende 
echt,  und  als  „der  lihellus  preetem^'  verfasst  wurde,  lebte  und  wirkte 
>r  als  ihr  Haupt.  Li  Spanien  gewann  die  Sekte  durch  ihn  Aus- 
ing,  und  scheint  dort  längere  Zeit  nach  seinem  Tode  fortgewirkt 
ben.  Da  die  katholischen  Bischöfe  in  Bätika  sich  der  Sekte  wider- 
L,  so  klagten  die  Sektirer  über  Verfolgung.  —  Sie  nennen  einen 
er  Vincentius,  der  mit  dem  seligen  Gregorius  Gemeinschaft  hielt 


op.  25  —  atm  iUum  ctdmiratur  et  Gregorius,  qui  apud  cunctOM  cuimirabilis  ett, 

«p.  24  sagen  sie  gleichfalls:  fM  cognomenti  dUcuäamus  invidiamf  qua  not  Jaetant 

996  LuefferianoM, 


d 


312  Siebentes  Bach.    Erstes  Kapitel. 

Gegen  diesen  wandten  sie  sich  zuerst  an  den  Conmilam  der  Proyins 
Bätika;  dann  versanunelte  sich  —  eine  Volksmenge  aus  andern  Orten; 
am  Sonntage  drangen  sie  in  die  Kirche,  wo  sie  den  vorher  gewarnten 
Vincentius  nicht  fanden ;  wie  auch  seine  Gemeinde  nicht  Aber  die  Er- 
bitterten schlugen  gewisse  Christo  geweihte  Ministranten  so,  dass  sie 
in  Bälde  starben').  Diess  geschah  in  der  Kirche  selbst.  Es  erbitterte 
den  Anhang  des  Vincentius;  und  nun  traten  die  Bischöfe  selbst  auf ,  und 
schritten  ein.  j,Sie  verlangen  die  Auslieferung  der  Decurionea  jener 
Stadt,  dass  sie  in  Bande  gelegt  würden.  Einer  der  Vorsteher  starb  ao 
Hunger  und  Kälte,  unter  dem  Wehklagen  jener  Provinz,  die  sein  ehr- 
bares Leben  kannte;  die  herrlichen  und  katholischen  Bischöfe  Luciosos 
und  Hyginus  waren  die  Urheber  dieser  Grausamkeit,  und  wohl  drangen 
sie  in  die  Basilika  ein,  aber  in  den  Glauben  des  Volkes  konnten  sie  nicht 
eindringen.^  Die  Sektirer  bauten  sich  sofort  auf  einem  (abgelegenen) 
Felde  eine  Basilika,  wo  sie  mit  Vincentius  sich  versammelten.  Aber 
aus  verschiedenen  Orten  strömte  wieder  das  Volk  und  die  Decurionen 
zusammen.  Auch  Priester  kamen  zu  dem  Orte.  Sie  erbrachen  die 
Thüren  jener  Kirche,  und  nahmen  weg,  was  zum  heiligen  Dienst  gehört 
Zulezt  nahmen  sie  selbst  den  Altar  aus  der  Kirche,  und  stellten  ihn  in 
einen  Tempel  zu  den  Füssen  des  Gözen.  Das  thaten  jene,  die  durch 
Pönitenten  —  von  ihrer  gottlosen  Unterschrift  —  wegen  des  Gutes  der 
Einheit  und  des  Friedens  —  in  die  katholische  Gemeinschaft  aufgenom- 
men wurden^). 

Der  historische  Gehalt  dieses  Berichtes  ist  noch  nicht  ermittelt.  Ich 
gebe  einige  Vermuthungen.  Die  gottlose  Unterschrift  bezieht  sich  auf 
Rimini  und  das  J.  359.  Dort  hatte  Hyginus  (zu  Nice)  unterschrieben; 
vielleicht  war  auch  Bischof  Luciosus  dort  gewesen.  —  ^Die  Pönitenten* 
—  waren  zunächst  Liberius  der  Papst  und  seine  Anhänger,  von  denen 
sich  die  Luciferianer  ferne  hielten.  —  Die  Abgefallenen  also  —  nahmen 
die  Abgefallenen  wieder  in  die  Gemeinschaft  der  Kirche  auf.  —  Der 
Priester  Vincentius  befand  sich  wahrscheinlich  in  dem  Bisthume  des 
Luciosus.  Hjginus  wirkte  mit  ihm  gegen  Vincentius,  entweder,  weil  er 
Metropolit,  oder  weil  er,  wie  es  später  von  ihm  hcisst,  „in  der  Nachbar- 
schaft sich  befand^.  In  der  Mitte  zwischen  dem  Bisthum  Elvira,  von 
wo  aus  Gregor  wirkte,  und  Corduba  liegt  das  Bisthum  Cabra,  und  in 
ihm  j,die  Stadt^  Epagro.    Es  ist  zu  beachten,   dass  hier  —  im  J.  839 


')  certa  Chruto  Dto  devota  mimsteria ,  guae  illtc  inventa  mnif  ita  ßtstibut  eHaenmtf  ut 
non  multo  pott  expirarent  (entweder  Kirchendiener  oder  GoU  geweihte  Jongfraoen) 
—  cap,  20.  Dagegen  bei  Gregor  Tur.  H,  Franc,  lib.  3,  10  sind  ^mmUtma  Eedmarvm 
pretioBtu,*  kirchliche  Gerälbe. 

*)  Diest  ist  eine  indirecte  Bestätigung,  dass  Hyginus,  vielleicht  auch  Lueiosus, 
in  Rimini  359  waren. 


Me  Lndferianer  in  Spanien.    Gregorios.    Potamius.    Florentius.      313 

bnliche  Sekte  entdeckt  ^  und  yon  den  Bischöfen  von  Corduba- 
^  und  Acd  einer  Synode  mr  Anzeige  gebracht  wurde ').     Aus 

Berichte  geht  ferner  die  geringe  Verbreitung  der  Sekte  hervor, 
ty  ausserhalb  des  Bisthums  Elvira,  nur  einen  Priester  und  eine 
ide.  Noch  bestinunter  tritt  das  energische  Entgegenwirken  der 
.  Bevölkerung  hervor.   —    Diese  Stimmung  zeugt  eben  nicht  von 

besondem  Geruch  der  Heiligkeit,  in  dem  Gregorius  in  seiner 
th  stand.    Die  Sekte  erscheint  als  Winkelkirche. 

unbestimmten  Ausdrücken  spricht  auch  Hieronymus  von  einer 
itung  der  Luciferianer  in  Spanien,  ja  von  dem  Hauptsize  derselben 
em  Lande,  in  dem  ihr  Haupt  wohnte.  —  „Wenn  Christus,^  sagt 
thodoxe  bei  Hieronymus,  „keine  Kirche,  oder  wenn  er  seine  Kirche 

Sardinien  hat,  so  ist  er  allzu  arm  geworden.  Und  wenn  Satan 
lien,  Gallien,  den  Orient,  Indiens  Völker,  die  barbarischen  Na- 
,  und  die  ganze  Welt  besizt:  wie  sind  denn  des  Ejreuzes  Fahnen 

Winkel  der  ganzen  Erde  (d.  i.  Spanien)  getragen  worden  ?    Na- 

hat  der  mächtige  Widersacher  Christo  —  das  garstige  Iberien 
sen:  schmuzige  Leute  und  ein  armes  Land  Wollte  er  nicht  be- 
.^  Das  ist  rhetorisch  übertrieben.  Nicht  ganz  Sardinien,  noch 
r  ganz  Spanien  war  schismatisch.  Aber  dort  und  hier  sassen  die 
jr  der  Sekte,  Lucifer,  und  nach  dessen  Tode  —  Gregorius.  — 

lassen  sich  zu  Gunsten  I^ucifers  einige  Gründe  beibringen,  dass 

Schisma  nicht  bis  zum  Ende  beharrt  ^).  Für  Gregorius  stehen 
Tründe.  Denn  der  Umstand ,  dass  er  im  römischen  Martyrologium 
ist,  wie  gesagt,  für  sein  Ende  in  der  Gemeinschaft  der  Ejrche 
eweis.  Er  steht  nicht  in  jenem  uralten  Elirchenkalender,  den  wir 
"omanum  parvum^*  nennen,  und  den  uns  Ado  mitgetheilt.  —  Ihn 
)rst  Usuard  am  Ende  des  neunten  Jahrhunderts  in  das  Verzeich- 
Iner  Heiligen  aufgenommen.  Diess  war  eine  Arbeit  ohne  kirch- 
anction.  Unter  den  Quellen  des  Usuard ,  der  fast  immer  von  Ado 
ig  ist,  war  vielleicht  auch  der  ^ylibellus  precum",  oder  die  Schrift 
idor  „über  die  berühmten  Männer*',  wo  (cap.  14)  Gregor  „ein 
r,  [ein  heiligster,  ein  wunderbarer]  Mann*'  g^iannt  wird.  Der 
ebene  Buchstabe  entschied.  —  Er  kam  in  das,  und  er  blieb  in 
surtyrologium.  —  Die  Spanier  Nie.  Antonio  und  S.  Aguirre  im  17., 
r  de  Castro  und  Perez  Bayer  im  18.  Jahrhundert,  haben  ihn  nach 


tm,  t.  10,  p.  525 -- 532.   Florex,  t  /5  —  Concil.  Cordubenae  839.  —  Daraus  Helf- 
iek,  pa^.  108 -^  114. 

tRahffUi  ado.  LudferianoSf  eap.  15.     Iberern  excetram  (rrüher  hiess  et :  et  Celti- 
of  — J,  eap.  16. 
K  20  ^  verbis  ewn  (Lud/.)  a  nobis  dissentire,  non  rebu*:  si  quidem  rec^nat,   qui 

Ariami  baptuma  eotueeuti  $unt. 


314  Siebentes  Buch.     Erstes  Kapitel. 

Kräften  Tertheidigt  ^^als  -würdigsten  Prälaten^ ').  —  Aber  nur  Florez  hat 
Eingehendes  über  ihn.  —  Er  ringt  mit  schweren  Zweifehl  an  seiner 
Heiligkeit.  Er  kann  nicht  beweisen,  dass  er  jemals  angehört,  Schis- 
matiker zu  sejn.  Es  fällt  ihm  auf;  dass  er  2u  Granada  kein  eigenes 
Fest- Officium  habe,  sondern  dass  er  schlechtweg  als  Heiliger  (ie eommtmt 
eonfessorum  Pontifieum  begangen  werde  ^).  Er  meint,  man  könnte  ihn 
auch  als  Heiligen  fallen  lassen ;  aber  —  die  Ehre  so  vieler  Martyrologien 
stehe  auf  dem  Spiele  ^). 

Die  Wahrheit  steht  aber  über  der  Ehre  der  Martyrologien.  Un- 
fehlbar ist  nur  Gott  und  nur  die  Kirche.  Die  Martyrologien  haben 
diesen  Anspruch  oder  dieses  Vorrecht  nicht.  Wenn  Gregorius  von  EI- 
vira  kein  Heih'ger  ist,  und  wenn  alle  Martyrologien  bis  zu  dem  Ende 
der  Zeiten  ihn  unter  den  Heiligen  nennen,  so  wird  er  dadurch  nicht 
beatificirt  und  nicht  canonisirt. 

Von  den  verschiedenen  „mittelmässigen  Tractaten^  ^],  die  Gregorius 
geschrieben  haben  soll,  ist  auf  die  Nachwelt  nichts  gekommen;  auch 
jener  Brief  nicht,  den  Eusebius  von  Vercelli  beantwortet  hat  —  Da- 
gegen „das  elegante  Buch  vom  Glauben  —  an  die  Kaiserin  Flaccilla'' 
ist  uns  erhalten,  das  Hieronymus  für  ein  Werk  des  Gregorius  hielt 
Es  ist  jezt  anerkannt,  dass  diess  die  Schrift  des  Priesters  FanstinuB  an 
die  Flaccilla:  „de  irinU(xte  «tue  de  flde  corUra  Arianoi^'  sei^).  Wie  kam 
Hieronymus  zu  seinem  Itrthume?  Vielleicht,  dass  Gregorius  diese 
Schrift  auch  als  die  seinige  verwerthete.  Auf  seinem  Standpunkte  war 
er  nicht  so  ganz  im  Unrechte.  Denn  das  Ideal  der  Urkirche,  die  er 
wieder  herstellen  wollte,  muss  auch  die  Gemeinschaft  der  Güter  als  ihre 
Eigenschaft  aufweisen.  Diess  muss  auch  auf  geistige  Güter,  wie  z.  B. 
Schriften  —  seine  Anwendung  finden.  Gregorius  als  Haupt  dieser  Kirche 
konnte  sonach  auch  die  Schrift  eines  seiner  Unterthanen  —  die  seinige 
nennen. 

Mit  Gregorius  stehen  in  mehrfacher  Verbindung  die  Bischöfe  Pota- 


')  Aach  die  BoIIandisten  haben  ihn  zum  24.  April  als  Heiligen.  —  Fhrez,  t  12, 
p.  il6  —  iil.  —  Aguirre  t.  2  C.  dissert.  16.  excurs.  4  (er  und  Florez  lassen  den 
Gregorius  nach  Sirmiuro  verbannt  scyn).  —  de  Castro,  Joseph  Rodrigunx  de, 
Biblioteca  Espannola,  Madrid.  178  t  ~  86,  2  vol.  —  t  2,  p.  172  —  74.  —  N,  An- 
tonio —  ed.  Fr.  Perez  Bayer,  Bibliotheca  Hispana  vetus,  t.  t,  Mat,  1788,  p.  138^ 
146.  —  /i6.  2.  cap.  2  und  cap.  3. 

*)  p.  134  —  85  —  »was  mir,«  sagt  er,  »nicht  wenig  Befremden  erregt,  da  man  &chte 
und  löbliche  Nachrichten  von  seinem  Leben  hat." 

')  Er  glaubt,  wenn  Gregor  irrthümlich  unter  den  Heiligen  st&nde,  so  hatte  Gott 
dafür  gesorgt,  dass  der  Irrthum  offenbar  würde  —  p.  134. 

*)  Gregorius  BaeticuM  Elibtri  episcopus  usgue  ad  eitrrnnam  senectutem  dwenoM  wudioeri 
sermone  tractatus  composuii,  et  de  Pide  elegantem  lihrum,  qui  hodieque  mpereste  diäter 
—  Hier,  et  105. 

•)  Florez,  12,  136  —  141    -  Escritos  de  S.  Gregorio. 


Die  Lnciferianer  !■  Spanien.     Gregorius.     Potamius.    Florentius.       315 

miiis  und  Blorantiaa.  —  Der  leztere  erscheint  wohl  schon  anf  der  Synode  p,^,^ 
SU  Ades  im  J.  314,  als  Metropolit  zu  Sardika  im  J.  343,  mid  —  wieder  ^<» 
in  dem  j^UbeUna  preetan^  des  Faustin  und  Marcellin»  —  Die  leztem  lassen  k«*. 
ihn  eines  tragikomischen  Todes  sterben,  weil  er  mit  den  beiden  ,|Pii&- 
yarioatoren^,  nut  Hosius  und  mit  Potamius  irgendwo  zusammengekommen. 
Dieas  kann,  wie  schon  gesagt,  bei  der  Leichenfeier  des  Hosius  zu  Cor- 
duba,  Ende  des  J.  357  oder  Anfang  des  J.  358,  geschehen  seyn.  Floren- 
tios  war  damals  schon  ein  bejahrter  Mann.  Er  kann  einige  Zeit  nach- 
her, auf  seinem  Bischoftstuhle  zu  Emerita  sizend,  einem  Schlaganfalle 
unterlegen  seyn.  —  Denn  die  frömmsten  Priester  sind  schon  am  Ahare 
oder  in  den  Kirchen  gestorben,  und  kein  Vernünftiger  sah  darin  ein 
Stni%ericht  Gt)ttes.  —  In  ihrer  Weise  aber  berichten  die  Verfasser  des 
jjtäfdhu  preeum^:  ^Da  er  in  der  Versammlung  der  Gemeinde  auf  seinem 
Throne  sizt,  so  wird  er  plözlich  hin  weggeworfen,  und  er  zappelt  an 
allen  Gliedern ,  aber  aufgehoben  und  hinausgetragen  kommt  er  wieder 
zo  Athem.  Da  er  wieder  und  zum  zweitenmale  hineinkommt  und  sich 
sezt,  geht  es  ihm  ebenso,  indem  er  noch  nicht  die  Strafen  seiner  be- 
mackelten  Gemeinschaft  erkennt  Da  er  dennoch  zum  drittenmal  hinein- 
zogeken  hartnäckig  genug  ist,  wird  er  so  zum  drittenmale  vom  Throne 
hinweggeschtittelt,  dass  er  gleichsam  als  Unwürdiger  von  dem  Throne 
selbst  —  zurückgestossen  zu  werden  schien,  und  hingeschleudert  auf  die 
Erde,  wurde  er  zappelnd  so  gequält,  dass  mit  einer  gewissen  Heftigkeit  ' 
and  unter  grossen  Qualen  ihm  der  Geist  herausgepresst  wurde.  Und 
nun  wird  er  au%ehoben,  nicht  als  einer,  der,  wie  früher,  zu  sich  kommt, 
sondern  —  der  begraben  werden  muss').^ 

Lassen  wir  das  schmückende  Beiwerk  weg ,  so  kann  sich  die  Sache 
auf  einen  Schlaganfall  in  der  Kirche  —  mit  tödtlichem  Ausgange  — 
reduciren.  —  Wenn  beigefügt  wird:  „Es  weiss  dies,  was  wir  erzählen, 
die  grosse  Stadt  Emerita,  in  deren  Kirche  das  Volk  dieses  mit  eignen 
Augen  sah^  —  so  haben  wir  an  diesem  Zusaze  nichts  auszusezen.  — ^ 
Aber  nur  unsre  Sektirer  sehen  in  diesem  natürlichen  Falle  ein  Straf- 
wunder, dem  ihre  Gegner  nie  entfliehen  können. 

Ebenso  kann  das,   was  sie  von  Potamius  erzählen,  auf  einer  That-    p^^ 
Sache  beruhen.    Es  ist  von  andrer  Seite  her  erwiesen ,  dass  dieser  Mann   "■*"* 
—  wohl  aus  Feigheit  —  Arianer  wurde.    Wir  haben  ihn  bei  Hosius  in  li 
Sirmium  gefunden.  —   Sein  Brief  an  Athanasius  überweist  ihn  des  Ab- 
falles.   Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  er  auch  in  Rimini  —  359  —  war.  — 
Es  find^i  sich  in  dem  s.  j,opus  Historie.^   des  Hilarius  zu  dem  Briefe, 
den  Liberius  aus  seiner   Verbannung  an  die  (arianischen)  Bischöfe  des 
Orients  schrieb,  als  Zusaz  die  Worte:  „Was  ist  in  diesem  Briefe  denn, 
was  nicht  der  Heiligkeit,  was  nicht  der  Gottesfurcht  entspränge?   Aber 
Potamius  und  Epictetus,  indem  sie  sich  freuen,   den  Bischof  der  Stadt 


Liu 

bOB 


')  Ei  mde  jam  toüitury  non  ex  more  (martef)  resumenduif  ted  tepelienäut,  Ub.jprec  e.  It, 


an 

Atba. 

naiina. 


316  Siebentes  Buch.     Erstes  Kapitel. 

Rom  zu  verdammen^  wie  es  in  der  (den  Akten  der)  Synode  von  Ari- 
minum  enthalten  ist,  wollten  diess  nicht  hörend).  Aber  auch  der  Bischof 
Fortunatian  (von  Aquileja) ,  der  wieder  denselben  Brief  verschiedenen 
Bischöfen  übersandte,  richtete  nichts  aus.''  —  Der  Sinn  der  Worte  ist 
nicht  zu  ermitteln;  aber  es  geht  daraus  doch  eine  feindliche  G^miung 
des  Potamius  gegen  Papst  Liberius  hervor,  sei  es,  dass  jener  —  zuerst 
in  Rimini  die  Rolle  eines  Orthodoxen  spielte,  und  gegen  Liberius  als 
einen  Abgefallenen  eiferte,  sei  es  —  dass  er  als  Arianer  den  Papst  an- 
feindete,- der  sich  von  jener  Synode  ferne  hielt  Das  leztere  ist  nicht 
unwahrscheinlich,  denn  der  neben  ihm  genannte  Epictet  war  wohl  der 
bekannte  Bischof  von  Civita-Vechia,  eines  der  Häupter  der  Arianer 
zu  Rimini.  —  Aber  —  als  anerkannter  Arianer  nach  dem  orthodoxen 
Spanien  zurückzukehren ,  fand  Potamius  wie  Gregorius ,  nicht-  geratheo. 
scia  Er  schrieb  also  einen  orthodox  lautenden  Brief  an  Athanasius,  wohl  £ut 
gleichzeitig  mit  Gregorius ,  worin  er  ihn  in  einem  wahren  Kauderwelsch 
zu  den  Sternen  erheb}.  Es  schreibt:  „An  den  Herrn,  den  Bruder ,  den 
glorreichsten  und  seligsten  Bischof  Athanasius^  —  Potamius;  —  der 
Brief,  welchen  Athanasius  gewiss  so  wenig ,  als  wir ,  verstanden  y  und 
den  er  sicher  nicht,  beantwortet  hat,  wimmelt  von  hässlichen  Bildern'). 
Doch  schinmiert  einiges  Talent  des  Verfassers  hindurch. 

Die  Briefe  beider  Spanier  liefen  —  in  einer  Richtung  nach  Aegypten. 
Wer  weiss,  ob  Gregor  und  ob  Potamius,  <iie  sich  vor  der  Rückkehr 
nach  Spanien  beide  von  ihrem  Abfalle  weiss  brennen  wollten,  ihre  Briefe 
nicht  durch  denselben  Boten  nach  Aegypten  sandten?  —  Denn  j, Andere 
fiengcn  an,  an  die  Bekenner,  welche  wegen  Athanasius  verbannt  waren, 
Briefe  zu  senden**  ^). 
stine  Von  Potamius  besizen  wir  noch  zwei  „Tractate**  über  Lazarus,  den 

tau*'  vom  Herrn  Erweckten ,  und  über  den  Martyrtod  des  Propheten  Isaias  *). 
Er  beschreibt  einen  verwesenden  Leichnam  sehr  anschaulich.  Maria  und 
Martha  haben  sich  nach  der  Länge  ihres  Leibes  vor  dem  Herrn  nieder- 
geworfen und  haben  hebräische  Worte   gräcisirend  (graectssando)  aus- 


')  Sed  Potamim  et  EpicUtuSf  dum  damnare  urbts  Romae  epUccpwn  gaudent,  Mtcut  m 
Ariminensi  aynodo  contxnetWy  audire  ka€c  noluerunt  (cd.  audire  h<uc  potuerunt)  cap. 
histor,  Fragm,  IV  (Alias  1  partis). 

*)  Er  sagt  u.  a. :  ffSuhslcmtiae  fihula  concatenata  TrinitatU  umtäte  —  indem  das  Band 
der  Substanz  mit  der  Einheit  der  Trinilät  zusammengekettet  war,  ähnlich  wie 
die  S.  238  angeführte  unsinnige  Phrase.  —  In  dem  Briefe  kommen  aoch  die 
Worte:  anathema  maranatha  vor,  wornach  zu  ergänzen  ist,  was  über  das  Vor- 
kommen dieser  Worte  —  in  Bd.  52  (1863,  2)  —  8.  278  der  Historisch-politischen 
Blätter  steht.  Herr  Dr.  Nolte,  dem  ich  zum  Dank  verbunden  bin,  hat  a.  a.  die 
Güte  gehabt,  mir  Varianten  aus  Pariser  Handschriften  zu  diesem  Briefe  zo 
übersenden.    Ich  werde  vielleicht  anderwärts  sie  benüzen  können. 

')  Hier,  d,  adv,  Lucif,  cap,  19, 

0  •-  8.  237-3a 


Die  Luciferianer  in  Spanien.     Gregorius.     Potamios.     Florentius.       317 

gestOBsen.  j^Soldaten,  Juden,  Heiden,  Proselyten,  die  erlauchtesten 
Senatoren ,  edle  Richter ,  Sklaven  und  fast  die  ganze  Stadt  war  zugegen, 
um  SU  sehen,  ob  Lazarus  wirklich  auferstehe,  dessen  Verwesungsgeruch 
allem  Volke  —  schon  von  Weitem  entgegenschlug  ^j.**  Er  spricht  zu 
dch  selbst:  ,, Wohlan,  wohlan,  Potamius,  du  Knecht  des  lebendigen 
Gottes:  wenn  du  etwas  vermagst,  so  erzähle  doch  nur  ein  Weniges  von 
dem  Lobe  des  Herrn. **  Christus  weinte,  weil  die  Schwestern  weinten^). 
Die  Legende  von  der  Durchsägung  des  Jesajas  —  ist  dem  malerischen 
Hange  des  Potamius  sehr  zusagend.  Er  beschreibt  das  Durchsägen  des 
Leibes  nicht  bloss  so,  dass  man  es  sehen,  sondern  es  auch  hören  muss^). 
Die  ganze  Rede  ist  die  Beschreibung  einer  den  Menschen  von  oben  bis 
onten  durchschneidenden  Säge. 

Dieser  Potamius  starb  denn  —  nach  dem  Berichte  des  ,^Ubellus 
preeum^  —  auf  dem  Wege  zu  dem  Grundstücke  (fundus) ,  das  er  zum 
Lohne  für  seine  Unterschrift  von  dem  Kaiser  erhalten  hatte,  ohne  noch 
den  Lohn  für  seinen'  Verrath  gesehen  zu  haben.  —  Wenn  diese  Quelle 
nicht  sonst  so  viel  Unv^ahres  und  Unmögliches  berichtete ,  so  hätten  wir 
keinen  Grund,  die  Wahrheit  des  Berichtes  zu  bezweifeln.  Denn  derlei 
kann  geschehen,  und  ist  oft  geschehen.  Die  Worte  im  Evangelium: 
0  du  Thor ,  noch  diese  Nacht  wird  deine  Seele  von  dir  genommen  wer- 
den (Lac.  12,20),  sind  wohl  schon  oft  in  Erfüllung  gegangen,  und 
konnten  auch  an  Potamius ,  dem  ersten  bekannten  Bischof  von  Lissabon, 
sich  erfüllen^). 


')  CKtta  foetar  jom  longius  <f€  sepvdcro  populos  feriebat, 

*)  fletuM  fletänu  recontrabat  (reddebat)^  er  erwiderte  Thr&Den  mit  Thräneo.  Das 
Innere  des  Grabes  nennt  er:  secretarium  horrorü. 

')  ut  serra  Stridore  redproco  gulcos  denHum  duceret.  —  cf,  TertulL  cap,  14  de  patientia; 
Mcatur  Jesajas  f  lapidatur  Stephanvs.  —  Ä.  Prudentius  Clem.  peristqth,  5  (Vincentius) 
F.  524  —  secioque  Esaiae  proxmum, 

*)  Bei  Nk.  Antonio  kommt  Potamius  nicht  vor;  auch  nicht  bei  de  Castro.  Seinen 
Brief  edirte  d'Achery  —  zuerst  1657  —  SpicUeg.  IL,  p.  366  (lll,  299  der  neuen 
Ausgabe  —  1723).  Ganz  mit  Unrecht  sagt  Bahr,  er  sei  355  vor  dem  Abfalle 
des  Potamius  zu  den  Arianern  —  geschrieben.  Die  2  „tractatus^  haben  die 
Br.  Ballerini  mit  Recht  aus  den  Werken  des  Zeno  von  Verona  ausgeschieden 
—  Veron.  1729  —  p.  307  —  312.  —  Die  drei  Schriften  s.  bei  GaUandi  BibL  patr, 
l5,  prolegom.  XVII  et  p,  96  (Venet  1765  —  81),  and  daraus  bei  Migne  Patrol. 
laL  8,  p,  1410—18. 

Mir  scheint  die  üeberschrift  des  Briefes:  Epistola  Potamii  ad  Äthanasiwn 
ab  Arianit  impetitwn,  postguam  in  conciUo  Ariminensi  subscripserunt  —  die  richtigere 
zu  seyn,  gegenüber  von  (xallandi  und  B&hr  —  :  Die  christlich-römische  Literatur, 
Carlsh.  1837,  2.  Abthlg.  S.  131  — 3Z  —  Florez,  t  14,  p.  178—183  macht 
misslungene  Versuche,  den  Potamius  zu  rechtfertigen.  Die  Abhandlung  Ma- 
ceda^s  über  ihn  ist  schon  angeführt  (S.  225). 


Zweites  Kapitel. 

Der  Bischof  Paciuias  von  Barcelona.   Panllnns  von  Nola 

in  Barcelona.   Vigilantins. 

PacianuB  steht  als  Heiliger  am  9.  Märe  in  dem  römischen  Hartyro- 
logium:  „Zu  Barcino  in  Spanien  des  heiligen  Bischofs  Pacian,  der  durch 
sein  Leben  wie  seine  Beredtsamkeit  leuchtete,  welcher  zur  Zeit  des 
Ejusers  Theodosius  schon  im  äussersten  Alter  sein  Leben  endete ').'  — 
Quelle  für  alle  Berichte  ist  Hieronymus,  welcher  schreibt:  „Padsn, 
Bischof  von  Barcelona  —  an  den  Pyrenäen,  von  gefeilter  Beredtsamkeit, 
und  ebenso  durch  sein  Leben  wie  seine  Beredtsamkeit  leuchtend ,  schrieb 
verschiedene  Werkchen,  unter  welchen  „der  Hirsch''  und  „gegen  die 
Novatianer''.  Unter  dem  Fürsten  Theodosius  ist  er,  schon  im  äussersten 
Alter,  gestorben^).*'  —  Die  Worte  des  Honorius  von  Autun  sowohl, 
als  des  Ado,  der  ihn  zum  9.  März  den  Heiligen  beizählt,  sind  nur  ein 
Auszug  aus  den  Worten  des  Hieronymus '). 


')  Er  steht  auch  in  den  Momanum  parvum:  Barcinonaef  Paciani  epiäcopi  —  was  für 
eine  sehr  frühe  Verehrung  in  Rom  spricht 

*)  catal/og,  c.  106,  Die  Lesart:  castiyatae  eloquentiae  ist  entschieden  der  andern: 
castitaie  et  ehquentia  vorzuziehen,  u.  a.  desswegen,  weil  die  leztcre  näher  liegt, 
und  weil  die  Sprache  des  Pacian  wirklich  eine  gefeilte,  eine  reinliche  ist  — 
(ef,  p.  196  ap.  Antonio).  Honor.  August,  hat  c.  107  diese  Worte  ausgelassen. — 
Avekiat  der  Ruhm  der  ^caatiuu*'  bei  einem  Bischöfe ,  der  verheirathet  gewesen, 
weiliger  gebräuchlich. 

*)  Apud  Bareinonam  s,  Padani  ep.,  tarn  vita  qutxm  sermone  clarif  qui  optima  wetuetiUt 
mortuuM  €$t,  Tkeod.  princ,  tempore  in  p€u:e  —  Ado  —  nutrt^r.  9  Mart  —  ebenso  üsoard. 
In  einigen  Martyrol.  steht  er  unter  dem  11.  März.  Die  Bollandisten  haben  nur 
wenige  Zeilen  über  ihn  (Ada  Set,  L  2,  p,  4  —  Martü), 


Der  Bischof  PadaDns  vob  Barcelona  etc.  319 

Derselbe  nennt  den  Dexter  einen  Sohn  des  Pacian  ^) ,  woraus  ohne 
iTidersprach  fblg^,  dass  dieser  vor  dem  Antritte  des  Priesterthoms  in 
sr  Ehe  gelebt.  —  Nach  Prätextatus  im  J.  343  ist  Pacian  der  sweite 
IS  bekannte  und  yerbürgte  Bischof  von  Barcelona.  Wir  haben  oben 
{genommen  y  dass  Prätextatus  schon  zu  den  altem  Bischöfen  gehörte, 
e  in  Sardika  unterschrieben  ^).  —  Dennoch  wollen  wir  bei  der  Frage, 
I  Pacian  ihm  unmittelbar  nachgefolgt,  neutral,  d.  i.  unentschieden, 
eiben.  Sezen  wir  (mit  den  BoUandisten  und  andern)  das  Todesjahr 
is  Pacian  etwa  in  das  Jahr  390,  nehmen  wir  an,  dass  er  im  äussersten 
iter  gestorben,  etwa  mit  85  Jahren,  so  konnte  er  ganz  wohl  dem 
ütextatus  um  das  Jahr  350  nachfolgen,  in  einem  Alter  von  c  50 — 55 
khren.  (Florez  lässt  ihn  etwa  von  360  —  390  Bischof  seyn,  sezt  aber 
B  Synode  von  Sardika  in  das  Jahr  347.)  —  Mehr  wissen  auch  die 
anischen  Schriftsteller  über  Pacian  nicht  mitzutheilen  ^). 

Von  sich  selbst  erzählt  Pacian,  dass  er  von  Kindheit  an  seinen 
irgil  gelernt,  also  die  literarische  Bildung  seiner  Zeit  genossen  habe^). 
ician  schrieb  an  den  Novatianer  Sympronian  drei  uns  erhaltene  Briefe,    ,. 
B    zusanmien    den    Titel:     contra   NovaUanos    —    haben.     —     Sie   ^^^ 
iissen  nach  dem  Jahre  377  geschrieben  seyn,  weil  die  hier  erwähnten    «im 
pollinaristen  in  diesem  Jahre  verdammt  wurden^).     Der  erste  Brief  g^JHT 
t  die  Aufschrift:  „de  catholico  nomine^;  der  zweite:  „ad  Sympranianum  j^^^^ 
tjus  lüeria^.     Er  nennt  den  Novatianer  „seinen  Bruder*,   obwohl  er  *'•■•'• 
ine  Sekte  zu  den  Häresieen  zählt  ^).    Tillemont  und  Ceillier  meinen, 
sterer  habe  bei  oder  in  Barcelona  gewohnt    Denn  Sympronian  war 
cht   „gegenwärtig*;   als  Pacian  mit  katholischen  Angelegenheiten  be- 
bäftigt  war,  wurde  ihm  nach  etwa  dreissig  Tagen  der  Brief  des  Sym- 
onian  eingehändigt,  auf  den  nach  andern  vierzig  Tagen  ein  zweiter 
ief  folgte.    Dies  erklärt  man,  meint  Florez,  ungezwungen  nur  von 
mi  Datum  des  Schreibens,  welches  einen  weiten  Zwischenraum  zwischen 


*)  Hieron.  d.  vir,  ilL  e,  132  —  Dexter  Paciani,  de  quo  mpra  dixif  ßUus, 

«)  8.  182. 

*)  ef.  Nie.  Antonio  cum  notis  Perez,  -  Bayer  I ^  p.  194 — 197  —  de  Castro  j  p,  200  —  3. 
—  Aguirre,  t2  —  conc.  Hisp .  p.  79  —  1 12  der  ersten;  Ti;  p.  «^i^  —  54  der  Aus- 
gabe von  CaUlani,  1753.  —  Fiorez^  t.  29  (nach  des  Verfassers  —  1775  —  Tod 
erschienen),  p.  82  —  92,  —  Obras  de  Paciano  —  por  Vic.  Naguera  Ramon,  Val, 
1780.  —  cf,  —  Dupin,  nouv.  biblioth.  —  t.  2,  p.  175  -  183.  —  Tillemont,  mim.  8, 
p.  537^541,  —  Ä  Pacim.  —  R.  CeilUer,  t  6.  cap.  19,  p.  713-  739.  —  Nouveü, 
idition,  Par.  1860,  t,  5 ,  cap,  iL  —  p.  156 --  171.  —  Gallandi,  biblioth.  t.  7,  pr(>^ 
kgom.  cap.  3.  —  A.  Fabricü  biblioL  med.  et  inf.  latin.,  t  5,  p,  189-^90,  —  Tr,  G, 
SckOnemann  biblioth.  histor.  liter.  Patr.  ItUin.  I,  p.  357  — 361.  —  Bäkr,  a.  a.  O., 
p.  138  —  39.  —  Joe.  Feasler  Institution,  patrolog,  (1850),  L  2,  p,  228^382. 

*)  §t  tarnen  ego  a  parvulo  didieeram  —  ^^  2,  cap,  5  ad  Sympronianum, 

*)  epiet.  1,  eap,  6. 

')  and  dommitm  (darieiimum).  ep,  1,  i. 


320  Siebentes  Boch.    Zweites  Kapitel. 

diesem  und  dem  Empfänger  annehmen  lässt^.  Sympronian  hatte 
allenthalben  um  Lösung  seiner  Fragen  und  Zweifel  angefrugt^  und  war 
nirgends  befiriedigt  worden.  In  feiner  Weise  schreibt  diess  Pacian  dem 
geistigen  Stolze  des  Novatianers  zu.  —  „Es  ist  also  deine  Schuld ,  mein 
Bruder,  nicht  die  der  Andern,  wenn  dich  Niemand  —  überzeugt  hat 
Denn  heute  noch  steht  es  bei  dir,  dass  du  auch  meine  Schrift  verachtest, 
wenn  du  es  vorziehst,  sie  zu  verwerfen,  anstatt  zu  billigen.  Denn  auch 
dem  Herrn  und  seinen  Aposteln  widerstanden  sehr  viele,  und  Niemand 
konnte  von  der  Wahrheit  überzeugt  werden,  der  nicht  mit  dem  eignen 
Willen  ihr  beistimmte.^  „Ueber  den  katholischen  Namen^  gi^ng  die 
Controverse,  den  eben  die  Novatianer  der  Kirche  bestritten,  da  er  nicht 
apostolischen  Ursprungs  sei.  „Nicht  von  einem  Menschen  ist  dieser 
Name  entlehnt,  der  durch  so-  viele  Jahrhunderte  nicht  verschwand.' 
Christ  ist  mein  Name,  Katholik  mein  Beiname^).  Pacian  weiss,  dass 
das  Wort  aus  dem  Griechischen  stanmit;  aber  diese  Sprache  ist  ihm  so 
ferne,  dass  er  es  mit  ,Justi  obedient^  —  „gehorsam  dem  Rechte^  oder 
mit  „Einheit'' ,  d.  h.  die  eine  Kirche  —  übersezt  '^), 

Dann  handelt  er  (cap  9.  — 15 J  von  der  Busse  in  der  katholischen 
Kirche.  „Ich  würde  mehr  schreiben,^  schliesst  er,  „wenn  ich  nicht 
durch  die  Eile  des  zurückkehrenden  Dieners  gedrängt  würde.  Wenn 
du,  Bruder,  deutlicher  deine  Meinung  kundgiebst,  so  wirst  da  voll- 
kommener belehrt  werden.^  —  Der  Gegner  antwortete  mit  einem  Tractate, 
and  einem  Begleitschreiben  —  in  malitiöser  Weise.  Er  fand  aber  an 
Pacian  seinen  Meister.  Pacian  handelt  in  seinem  zweiten  Briefe  von  dem 
Wesen  der  Novatianer  und  der  Katholiken.  Der  Gegner  wollte  nicht 
Novatianer  heissen,  und  Pacian  hatte  ihn  zuerst  für  einen  Montanisten 
gehalten.  „Um  meinen  Namen  beneidest  du  mich,  und  du  scheuest 
dich,  den  deinigen  zu  nennen^  (cap.  4),  —  Der  Brief  handelt  zum  grossen 
Theile  —  von  der  Persönlichkeit  des  Novatian.  —  Der  dritte  und  längste 
Brief  des  Pacian  ist  eine  —  vielfach  den  Wortlaut  des  Gegners  mit- 
theilende —  Widerlegung  der  von  Sympronian  gesendeten  Abhandlung. 
Es  ist  selbst  eine  schöne  und  umfassende  Abhandlung  über  die  Busse 
innerhalb  der  katholischen  Ejrche,  und  eine  Widerlegung  der  Härte  der 
Novatianer,  welche  fach  dem  Falle  keine  Busse  und  keine  Wideraof- 
nahme  zulassen.    Die  Häupter  der  Novatianer  ^  der  verbrecherische  No- 


')  Florez,  29,  p,  85  —  die  Worte  —  ep.  2,  cap.  11  ^fVacare  tibi  »eribis:  et  ideo  tt 
conUnnaaa  deUctant  Mihi  vero,  catholicis  negotiis  oecupato,  pott  30  /erme  dies  Hh 
finpa  Im0  tmditae  §unt,  pott  alios  40  repetttoM"  —  erkläre  kh  so,  dass  Pacian  den 
enlpa  vnd  zweiten  Brief  dreissig  und  vierzig  Tage  nach  seinem  Datum,  d.  b. 
dedt  Anlaiigen  desselben,  empfangen,  und  glaube,  dass  der  Briefschreiber  in 
der  Nfthe  der  Stadt  gewohnt.  ~  ef,  ep,  1,  14,  ep.  3,  öl. 

^  C.  7.    Motto  der  ZeiUchrift  »Der  Katholik»,  welche  mit  dem  J.  1821  begann. 

*)  ep,  2,  3  wird  cathoUeue  erklärt :  fiUue  regia,  id  est  populu*  christianuM. 


Der  Bischof  Pacianas  yon  Barcelona  etc.  321 

tuSy  der  ehrgeizige  Novatian,  welcher  Papst  werden  wollte,  die  he- 
ckten Evaristos  und  Nicostratus  —  hätten  selbst  vor  AUen  der  Busse 
dürft.  Pacian  widerlegt  den  Gegner  meistens  aus  der  heiligen  Schrift, 
»n  Vätern  kennt  und  nennt  er  nur  den  Cyprian,  und  einmal  den 
rtnllian^). 

Pacian  schrieb  ein  Werk  y  das  Hieronymus  „CervuB*',  er  selbst  jpCer-  D«r 
Ua*  nennt  Cervulum  faeere  (den  Hirsch ,  das  EUrschchen  spielen)  —  "*^i^^' 
r  eine  aus  dem  Heidenthum  vererbte  Unsitte ,  am  ersten  Januar  in  p*«>^ 
llen  Von  Thieren,  besonders  von  Hirschen,  Kühen ,  Ziegen ,  Possen 
d  bösen  Unfug  zu  treiben^).  —  Die  Schrift  wurde  aber  von  denen, 
i  sie  zunächst  angieng,  übel  aufgenommen.  ^^Diess  hat,^  sagt  er  im 
ngang  seiner  nächsten  Schrift,  ,,das  Hirschchen  jüngst  bewirkt,  dass 
r  Unftig  nur  um  so  sorgfältiger  geübt  wird,  je  nachdrücklicher  er  ge- 
lehnet  wurde,  und  dieser  mein  Tadel  —  eines  offenbaren  und  oft 
ederholten  Scandals  dieses  Treiben  nicht  unterdrückt  hat,  sondern  erst 
rin  unterrichtet  zu  haben  scheint.  Ich  Unglücklicher!  Welches  Ver- 
sehen habe  ich  begangen?  Idti  meine  fast,  sie  hätten  es  nicht  ver- 
inden,  das  Hirschchen  zu  spielen,  wenn  ich  es  ihnen  durch  meine 
ige  nicht  gezeigt  hätte.''  Diese  Schrift  gilt  zur  Zeit  als  verloren, 
ahrscheinlich  ist  sie  zur  Warnung  kurz  vor  Neujahr  ausgegeben  wor- 
n,  und  eine  Rotte  boshafter  Buben  hat  um  so  mehr  getobt  und  getollt. 

Kurz  darnach^,  vielleicht  für  die  folgende  Fastenzeit  ^) ,  erliess  Pacian    Di» 
•  eine  sehr  schöne  und  rührende  Schrift  über  die  Reue  und  Busse  der  ^t^/l*^ 

von 

atholiken,  zunächst  für  die  ihm  anvertraute  Gemeinde  bestinmit.  Sie  ^^•' 
ist  uns  interessante,  im  Ganzen  nicht  erfreuliche  Blicke  in  die  sittlichen 
istände  jener  Zeit  werfen.  Die  öffentliche  Busse  bestand  damals,  und 
idan  will  eine  Anweisung  geben,  wie  man  zum  Heil  der  Seele  sie 
vernehmen  und  vollbringen  möge.  Aber  —  der  öffentlichen  Busse  gicng 
e  Exomologtm,  das  freiwillige  Bekenntniss  seiner  Sünden,  voran.  — 
amach  war  die  Busse  niemals  eine  erzwungene,  sondern  sie  wurde 
siwillig  von  denen  übernommen ,  die  sich  als  Schuldige  bekannt  hatten, 
idem  sie  beichteten,  erklärten  sie  sich  zur  Busse  bereit  Viele  aber, 
e  notorische  Sünder  waren,  traten  mit  befleckter  Seele  und  mit  be- 
d^tem  Leibe  zu  dem  Tische  des  Herrn;  und  ee  '||(Mcbah,  dass  sie  frech 


*)  €p,  3f  48.  Der  erste  Brief  ist  in  15,  der  zweite  in  17,  der  dritte  in  56  Kapitel 
getheUt    Die  beste  Analyse  derselben  findet  man  bei  R.  Ccillier. 

*)  8.  Ausführliches  darfiber  bei  Florez,  p.  86— 89.  —  liidor.  de  off,  todn,  1,  40 
—  SummtM  speeU»  monttruostu  in  ferarum  habitu  transfirmcmtur,  s.  unten  —  4 
dmeO.  ToUt,  ean.  11.  —  c/.  Sermo  129  und  ISO  —  m  appendke  ffasiMiM  8.  Au- 
fmUäd  ~  ed,  Maurin,  -—  t.  5,  2»  —  Es  liessen  sich  einige  QrtM&i  anführen, 
dass  gerade  die  Rede  129  die  verlorene  Schrift  Pacians  sei.  —  cf.  Dueange  glost, 
«.  V.  Cenmbu,  Strena,  Vetuia. 

*)  wohl  aueh,  um  dem  flblen  Eindrucke,  den  der  ^Cenrnhu*  gemacht,  entgegen- 
xntreten. 

Omu,  Span.  Kirehe.    II.  21 


322  Siebentes  Bach.     Zweites  Kapitel. 

leugneten ,  wenn  zuweilen  der  Bischof  sie  zur  Beicht  ermahnen  wollte. 
Indem  Pacian  besonders  nach  dieser  Seite  sich  an  die  ^Brtider^  wendet 
bestätigt  er  eine  uns  sonst,  u.a.  durch  Hieronymus,  bekannte  Thatsache 
aus  jener  Zeit,  dass  die  ^Zahl  der  —  in  den  Bussgraden  stehenden  ^ 
Männer  eine  verschwindend  kleine  gegenüber  den  Frauen  war.  —  Diese 
waren  also  gottesfürchtiger,  und  insofern  frömmer  und  geneigter,  ihre 
Sünden  zu  bekennen. 

Traf  der  Vorwurf,  gar  nicht  zu  beichten,  vor  allem  wohl  die  Mäimer 
der  höhern  Stände,  jene  Reichen,  die  das  angenehme  Barcelona  sich 
zum  Wohnsiz   auserwählt ,   die  auf  den  Landgütern  und  am  Meere  sich 
die  Zeit  vertrieben,  so  gab  es  eine  andere  Klasse  von  Büssem,  die  nicht 
lässig  im  Bekenntnisse  waren,  abelr  nach  übernommener.  Busse  leicht- 
sinm'ger  und  gewissenloser  dahinlebten ,  denn  zuvor.  Sie  meinten,  wenn 
sie  nur  gebeichtet,   sei  alles  gut.  —    „Wenn  euch,''  schliesst  er  diese 
Schrift,   ^die  Pein  der  Beicht  erschreckt,  so  denket  an  die  Hölle,  die 
euer  Bekenntniss  löscht.    Ihre  Kraft  erwäget  aus  dem,  was  ihr  sehet 
Es  brennen  in  un versiegendem  Feuermeer  der  Aetna  auf  Sidlien,  der 
Vesuv  in  Campanien.   —    Gedenket,  Brüder,  dass  in  der  Hölle  keine 
Beichte  ist,  und  dass  dort  keine  Busse  auferlegt  werden  kann,  da  die 
Zeit  der  Busse  schon  verzehret  ist.  —  Bei  dem  Glauben  der  Earche  bitte 
ich  euch,  Brüder,   bei  meiner  Hirtensorge,  bei  euer  aller  Seelenheile 
beschwöre  und  flehe  ich  euch  an,  dass  ihr  euch  nicht  schämet  dieses 
Werkes,  dass  ihr  nicht  lässig  seid,  ehestens  zu  den  geeigneten  Heil- 
mitteln zu  fliehen,  den  Schmerz  der  Reue  in  euch  zu  erwecken,  euern 
Leib  zu  hüllen  in  das  Bussgewand,  euch  mit  Asche  zu  bestreuen,  durch 
Fasten  euch  zu  kasteien,  durch  Kunmier  euch  zu  verzehren,  durch  die 
Bitten  Vieler  euch  helfen  zu  lassen.    Soweit  ihr  euch  in  der  Busse  nicht 
verschonet,  so  weit  wird  Gott  eurer  schonen.*^  — 
DU  Die  kleine  Schrift  ^^tractcUus  de  baptismo^  ist  an  die  Kinder  (parvuU) 

gerichtet,  die  zu  der  Taufe  sich  bereiten.  Ihr  Bischof  legt  ihnen  das 
Wesen  der  Erbsünde,  und  den  Fall  aller  in  dem  einen  Sünder  Adam, 
das  Wesen  der  Erlösung  in  der  Gerechtigkeit  des  einen  Christus  aus 
und  an  das  Herz ,  in  einer  Sprache ,  die  allerdings  einen  vorhergehenden 
genauen  Unterricht  lipaussezt.  Er  schliesset:  „Wir  werden  also,  Ge- 
liebteste, nur  einmal  von  unsern  Sünden  rein  gewaschen,  einmal  nur 
erlöst,  einmal  haben  wir  das  Reich  der  Unsterblichkeit  empfangen;  ein- 
mal sind  glücklich  die,  deren  Missethaten  nachgelassen,  deren  Sünden 
zugedeckt  sind.  Haltet  standhaft  fest,  was  ihr  empfangen,  bewahrt  es 
glücklidi;  wollet  ferner  nie  mehr  sündigen:  bewahrt  euch  selbst  von 
nun  an  nein  und  makellos  bis  auf  den  Tag  des  Herrn.  Grosser  und 
unausspvechlicher  Lohn  ist  den  Gläubigen  hinterlegt:  was  kein  Auge 
gesehen,  noch  ein  Ohr  vernommen,  noch  was  in  eines  Menschen  Hen 
gedrungen.  Damit  ihr  diess  erlangen  möget,  ringet  mit  den  Arbeiten 
der  Gerechtigkeit  und  mit  Gelübden  des  Geistes.    Amen.' 


Schrift 

▼OB 

der 
Taoft. 


Der  Bischof  Pacianus  Yon  Barcelona  etc.  823 

18  Pacian  durch  gewandte  Gabe  der  Rede  hervorrage ,  ist  unbe- 
Aber  seine  Sprache  ist  auch  rührend  und  herzgewinnend.  Es 
ihr  uns  das  Bild  eines  väterliehen,  ehrwürdigen,  vom  Geiste 
gesalbten  und  geweiheten  Kirchenhirten  entgegen,  der  auch  baldehraag 
inem  Tode  unter  den  Heiligen  verehrt  wurde.  — -  Man  hatte  diepi||![2a. 
der  Ruhestätte  seiner  Gebeine  verloren,  doch  erhielt  sich  die 
ass  sie  in  der  Kirche  des  hl.  Justus  sei.  Der  Bisehof  Don  Juan 
Loris  suchte  nach  ihnen,  liess  am  13.  Juni  1593  vor  vielen  Zeugen, 
r  Aerzte,  nachsuchen,  —  und  es  fanden  sich,  ohne  Bezeichnung 
amens,  Gebeine  von  einem  menschlichen  Leibe.  Sie  wurden  in 
^assung  in  dem  Armarium  der  Sakristei  niedergelegt  Dieser 
verordnete  im  J.  1595,  dass  das  Fest  des  Heiligen  jährlich  als 
dupUx^^  erster  Klasse  begangen  werde,  und  wies  reiche  Mittel 
b'ger  Feier  an  ^).  —  Er  liess  sich  auch  zu  den  Füssen  des  dem 
i  geweihten  Altares  in  der  Kathedrale  begraben.  -^  Auf  Bitten 
rus  und  Volks  von  Barcelona  —  erhob  der  nächste  Bischof  Don 
Coloma  auf  der  Synode  von  1600  das  Fest  des  Heiligen  zu  einem 
3n  Feiertage.  Da  die  Wunder  an  dem  Grabe  sich  mehrten,  er^ 
[er  Bischof,  dass  die  gefundenen  Gebeine  der  Leib  des  heiligen 
seien.  Sie-  waren  der  ö£Fentlichen  Verehrung  in  der  Kapelle  und 
ar  des  Heiligen  in  der  PfEurkirche  S.  Jtuto  y  Poitar  ausgesezt^). 

erste  Ausgabe  der  Schriften  des  Pacian  ist  von  J.  Tillet  — 

)38.    Eine  zweite  erschien  zu  Rom  durch  Paul  Manutius  1564 

den  Schriften  des  Salvian  und  Sulp.  Severus  —  fol. —  Sie  stehen 

Sibliothcca  patmm  max.  LugcL  1077,  .4,  305  ag,  —  bei  Agtärrt,  An«. 

{.  2,  p.  79  sq.,  und  -~  bei  Gallandi,   t.  7,  p,   255  —  257  —  276  fil" 

bei  Migne,  P.  lat.  13,  1051  —  1094).  —  Diese  Ausgabe  nennen  ^'^'*'* 

.  Bahr  —  S.  139,  und  FtssUr,  2,  232  —  die  beste  von  allen.  — 

3r  neue  Herausgeber  des   R,  Ceillkr  kennt  nichts  Weiteres.  — 

erschieaen  in  Spanien  zwei  andere  Ausgaben;   die  eine  ist  von 

ez  im  Anliange  zu  t  29  —  der  Espanna  Sagrada  —    S.  JgJesia 

elona:   Bardnonensium  praesulum  opera  quae  extant  —  nuM  pri^ 

unum  collecta,  p.  390  —  43S,  wo  die  5  Sohriften  des  Pacian  in 

uns  eingehaltenen  Ordnung  aus  Handschriften  in  Barcelona  selbst 

;ilt  sind. —  Als  Franz   Perez  Bayer  1755  in  Rom  weilte,  nahm 

hrift  von  dortigen  Handschriften   des  Pacian,   und  nach  diesen 

im  lateinischen  Texte  und  in  spanischer  Uebersezung:    Paciani 

Ute  extcuU,      Ohras  de  Padano,  obispo  de  Barcelona,  tradußidas  e 


um. 


wrich,  McUh^  nomina  et  acta  epi$coporum  Barcinon,,  B.  1760, 
idMM,    Coronica   universal  del  pr,     de    Cathahmyaj    1609  ^    l  5,   cap.   fj.      Acta 
f  L  c  p.  4,  —    Franc.  Diago,   historia  comitum  Barcinonensium ,   1603  —   i.  i, 
12,     Anton.   Vinc.  DomeneCf  histor.  generali»  Sanctorum  CataL  —  Bare.  1602. 

21» 


linas 

▼OB 

NoU. 


324  Siebentes  Buch.     Zweites  Kapitel. 

ihatradat  par  VicerUe  Naguera  Ramon,  Valencia  —  Mantfori  1786  in  4^, 
welcher  Ausgabe  ein  Leben  Pacians  yoransteht  ^). 

Der  Nachfolger  des  Pacian  war  der  ebenso  würdige  Bischof  Lampius, 
der  auf  der  Synode  zu  Toledo  —  J.  400  —  erschien ,  und  besonders 
pm.  wegen  seines  yäterlichen  Verhältnisses  zu  Paulinus  von  Noia  bekannt  ist 
•^  Im  J.  389  wurde  Paulin  zu  Bordeaux  von  Bischof  Delphinus  getauft. 
Sofort  begab  er  sich  nach  Spanien  ^  wo  eir  vier  Jahre  verweiltte  «—  bis  394. 
Dort  besass  er  Güter.  Er  wohnte  theils  in  Vasconien^  theils  auf  seinen 
Landgütern,  die  er  bei  Saragossa,  Barcelona  und  Tarragona  besass^). 
&  lebte  als  guter  Katholik,  aber  wollte  Laie  bleiben.  Hier  verfinsste 
er  die  Paraphrasen  von  drei  Psalmen.  Seinen  Aufenthalt  in  Complutom 
391  oder  392  haben  wir  früher  erzählt  ^j. 

Allmälig  veräusserte  Paulin  seine  Güter;  Er  verlor  seinen  Bruder, 
der  ermordet  wurde.  Er  änderte  Kleid  und  Namen,  und  trat  in  den 
Mönchstand  (392  od.  393),  etwa  40  Jahre  alt.  Therasia  wurde  seine 
Schwester^).  —  Sie  hatte  ihn  zum  hohem  Leben  geleitet.  —  Paulio 
weilte  in  Barcelona,  als  am  Weihnachtsfest  393  das  Volk  auf  ihn  sich 
stürzte,  und  verlangte,  dass  er  sich  weihen  lasse.  Er  sträubte  sich;  das 
Volk  bedrohte  sein  Leben  ^).  Er  war  nach  Nola  zu  gehen  entschlossen. 
Sie  wollten  ihn  zu  Barcelona  festhalten.  Doch  —  stand  man  von  diesem 
Verlangen  ab.  ^—  Bischof  Lampius  weihte  ihn.  —  Gegen  Pfingsten  394 
verliesstti  Paulin  und  Therasia  Spanien  für  inmier.  Sie  reisten  über 
Narbonne;  von  da  zur  See  nach  Italien®). 

Den  Vigilantius  wollen  wir  mit  wenigen  Worten  beseitigen.  Er 
war  kein  Spanier.  Er  stammte  aus  Calagorris  im  Norden  der  Pyrenäen  ^j. 
Es  ist  mit  nichts  zu  erweisen,  dass  der  Schauplaz  seiner  Thätigkeit 
Spanien   gewesen.      Alles  weist  auf  Aquitanien  hin.    —    Die   Priester') 


»)  Brunet  Manuel  du  Ubraire,  ed,5,  L  4 -^  1863,  p.  306,  —  F.  Perez  Bayer  ap,  An- 
tonio, p.  196— 97 ,  Bayer  nennt  den  Commentar  d.  Noguera  Ramon  vortrefflich  - 
fgpraemissa  dissertatione  de  Paciani  vita  et  gettis.'' 

*)  Aueon,  episL  24.  V,  87  —  89,  Nunc  tibi  trans  Alpes,  et  marmoream  I^frenen  Caesarea^ 
Auguetae  domus  est    Tyrrhenica  propter  Tarraco ,  et  oatrifero  superaddita  Barcino  pof^- 

»)  Kirch.  G.  1,  332. 

0  IdaL  ad424, 

•)  VI  subita,  invitus,  quod  fateor,  adstrictus,  ep,2,  2,  v.  ep,  1 ,  10  in  Barcinonenn  -- 
Ecclesia. 

•)  8.  Ad.  Buee,  Paulin,  Bischof  von  Nola,  und  seine  Zeit  (350—450),  Bd.  1, 
1856,  8.137-207. 

*)  Itm»"  Anton,  p,  467,  an  der  Strasse  zwischen  Lugdunum  und  Tolosa,  jezt  C*- 
zeres  oder  Martres ,  wo  sich  viele  Ruinen  fanden ;  s.  Ukert,  Qteogr.  der  Grieehen 
und  Römer,  S.  406.  —  Forbiger,  Bd.  3,  S.  160.  —  Mariana  nennt  ihn  einen 
Pampelonesen  —  l,  4  —  cap,  20  —  Vigilancio  naturcU  de  Pamplona,  jr  preebitero  dt 
Barcelona  —  ed,  Madrid  —  18p4  (Bd.  30  und  31  der  BibKoteea  de  AMtores  Espe»- 
uolee). 

•)  epkt  Eier,  109,  138. 


Der  Bischof  Paoianus  yon  Barcelona  etc.  325 

Riparina  und  DesideriuS;  die  über  ihn  an  Hieronymus  schrieben  ^  hiüt 
man  gewöhnlich  für  Priester  in  Spanien.  Aber  —  Desiderios  war 
wohl  der  sonst  bekannte  Freund  des  Sulpicius  Semems  y  ein  Aquitanier, 
oder  doch  ein  Gallier.  —  Es  übrigt  nur  das  Zeugniss  des  Gennadius: 
Vigilantiusy  Presbyter,  von  Nation  ein  Gallier,  hatte  eine  Kirche  in  dem 
spanischen  Bisihum  Barcelona  ^).  Aber ,  Gennadius  lebte  (aat  einf  Jahr- 
hundert später.  Wir  sehen  nicht,  woher  er  diese  Nachricht  hat,  können 
aber  im  Allg^neinen  dem  neuesten  Biographen  des  Vigilantius  beistimmen, 
dass  derselbe  vielleicht  aus  seiner  Heimath  habe  fliehen  mtissen^).  — 
Die  Bewegung,  die  er  verursachte,  fällt  in  die  Zeit  von  396 — 407. 
Vielleioht  floh  er  vor  den  Barbaren,  die  so  lange  nördlich  an  den 
Pyrenäen  sassen,  nach  Spanien.  —  Wie  er  aber  bis  zum  J.  396  im 
besten  Rufe  stand,  so  dass  in  einem  Briefe  an  Paulin  ihn  Hieronymus 
den  heiligen  Vigilantius  nennt ^),  so  kann  er  später  wieder  von  seinen 
IrräiiUnem  zurückgekehrt  seyn,  oder  doch  aufgehört  haben,  sie  zu 
verkündeb. 


0  yiffilantius   preshyter,    natione    OcMua,    EKspaniae    Bcareilonetuit  paroekuu   tedmam 

tenmL  —  OemuuHus  cap.  35  de  vir,  iü. 
*)  Wilh.  Sehmidi,  Vigilantius,  sein  Verh&ltniss  zum  heiligen  Hieronymus  und  lar 

Kirchenlehre  damaliger  Zeit  —  Münster,  1860  —  S.  63. 
*)  Hier,  epitt  68.  ad  PauUn,  —  e.  //  Semetum  Vt^iUmtittm  prethjftemm  gito  amdUtOit  tu*- 

ctperim,  meUui  est  ut  ^ftius  verbiSf  quam  meiß  disca»  Utierig  —  J.  c  S96,  —  «.  I9ic  ilsi- 

umia,  p.2S0-^34  (l  2,  11).  —  TUlmont  m.  1 12,  und  hes.  die  erwähnte  Schrift 

▼.  W.  Schmidt 


Drittes  Kapitel. 

Der  ehristliehe  Dichter  JovencHS.   Papst  DtmtSBS. 


§•  1. 

Nach  dem  «firikanischen  Bischöfe  Commodianus   ist   der  spanische 

Priester   Cajos   Yettius   Aquilinus  Juvencus    —    der   erste    bedeutende 

NAdh   diristliche  Dichter' lateinischer  Sprache.   —    Er  stammte  aus  sehr  edlem 

1^«r  G^schleehte^  und  blühte  unter  Constantin  dem  Grossen.    Hieronymas 

'"1*^  sezt  ihn  in  seinem  Chronicon  zu  dem  Jahr  329  M.  —  Er  scheint  dessen 

cos*  ' 

Hauptwerk  selbst  in  Händen  gehabt  zu  haben.  Denn  in  seiner  Erklärung 
dies  Matthäus  führt  er  zu  Kap.  2,  11  —  den  Dichter  an:  Pulcherrime 
munerum  sacramenta  Juvencus  presbyter  uno  versiculo  comprefiendit: 

2%UMj  aurunif  myrrhamy  regique,  hominique,  Deoque  Dona  feruntj 

eine  Erklärung  der  Geschenke  der  drei  Weisen,  die  bis  zur  Stunde  — 
sich  erhalten  hat.  —  Juvencus  selbst  weist  auf  den  Frieden  hin,  den  zu 
seiner  Zeit  Constantin  der  Kirche  gegeben: 

ffaec  mihi  pax  Christi  tribuitf  pax  haec  mihi  secU, 
Quam  fovti  indulgens  terrae  regnator  apertae, 
Constantintu  f  adest  cui  gratia  digna  merenti. 

Demnach  wäre  die  Blüthezeit  des  Juvencus  näher  in  die  Jahre 
325 — 337  zu  sezen.  Er  war  ein  Zeitgenosse  des  Hosius  von  Corduba. 
—  Dass  er  aus  so  hohem  Stamme ,  dem  Priesterthum  sich  widmete ,  und 
dass  er  gleichsam  für  die  spätem  christlichen  Dichter  die  Bahn  brach, 


')  Hier,  cat,  84,  —  JuvencttSf  nobilissimi  generis,  Hispanua  presbyter,  quatuor  evangeUa 
hexameiris  versibus  pene  ad  verbum  transferens,  guatuor  libros  compotuity  et  nonnuUa 
eodem  metro  ad  Sacramentorum  ordinem  pertinentia.  Floruit  $ub  Corutantino  principe- 
•^  ef,  ep,  70  ad  Magnum;  Juvencus  presbyter  sub  Constantino  historiam  Domini  Sal- 


f.  1.     Der  christliche  Dichter  JaveBcas.  327 

;  direnToU  flir  ihn  and  für  sein  Vaterland,  ist  ein  Zeichen,  wie  tief 
\s  Chriatenthnm  in  Geist  und  Herz  der  Spanier  gedrungen  war'). 

Die  „Historia  Evangeliea^^  in  4  Büdiem  —  hält  sich  meist  an  Mat-  8«im 
äus^).    Dieses  Werk  ist  keineswegs  eine  versifizirte  Erzählung.    Es  Emm. 
t  erhabene  und  liebliche  poetische  Parthieen ,  wo  der  Stoff  es  zuliess  ^*^'^' 
!er  gestattete.  —  Das  Studium  der  alten  römischen  Dichter,  vor  allem 
8  Virgil,  tritt  überall  zu  Tage.    —    Der  Prolog  ist  dem  Ende  der 
etamorphosen  Ovids  nachgebildet: 

Nee  metuSf  ut  nnindi  rt^fnant  ine^ndia  Mciim 
Höc  opui:  hoc  etentm  fortan  me  8ubtr<thet  ipU, 
I\mc,  gutim  flammivoma  detcendet  nube  eonuecms 
Judex,  aUithroni  ffenitoris  ffhria,  Christua*). 

Diese  Worte  drücken  wie  die  religiöse  Weihe  und  Olaubenskraft 
is  Verfassers,  so  das  Gefühl  seines  Berufes  als  Dichter  aus.  Seine 
rophezeiung  hat  ihn  nicht  getäuscht.  —  Auch  den  Lucretius  Carus  hat 

benüzt.  —  Den  Virgil  aber  hat  er  an  vielen  Stellen  sichtbar  nachge- 
jDt^).  —  Sein  ausgezeichnetes  dichterisches  Talent  hat  er  durch  das 
udium  der  besten  römischen  Dichter  gebildet.  —  Die  Heiden  konnten 
id  sollten  so  durch  die  klassische  Form  für  den  christlichen  Inhalt  ge- 
mnen  werden^).  —  Dieses  Werk  ist  nüzlich  für  die  Schrifterklärung; 

spiegelt  die  zu  jener  Zeit  herrschende  Exegese  ab  ^).  —  Ihm  ist  un- 
tstritten  die  Vetus  liala  als  Text  vorgelegen;  sicher  hat  er  auch  den 
iechischen  Text  beigezogen  ^).  —  Da,  wo  die  drei  Synoptiker  überein- 
immen,  folgt  er  fast  immer  dem  Matthäus. 


wMtoris  vernbue  etpUeavitf  nee  pertimuit  EoangeUi  majeaUUem  «tt6  metri  Ugu  mittere,  — 
chronic.  Hier,  o.  332  (329):  Juvencus  preshtfUrj  natione  Hispanus,  EvangeUa  heroieU 
ttrtibus  expUcaL  —  c/.  Honor,  Äug.  1 ,  85.  —   Trithemiu»  de  tcriptor.  eccL  —  c,  62, 

—  Petr.  Crinitus,  de  poii.  latin.  IV.  88.  —  EU.  Dupin,  2,  p.25.'-  R.  CeiUier,  ed, 
2,  3,  p.  116-  118.  —  Fahriciusy  bibliot.  lat.  ed.  Mann,  1754,  t  III,  p.  212.  — 
Nie.  Antonio,  l.  2,  eap.  4.  —  de  Castro  t.  2,  p.  174  —  78.  —  Von  den  Alten 
handeln  noch  von  ihm :  Gelanus  decretum  —  Juvenci  iaboriosum  opus  non  spemimue, 
Med  miramur,  —   Venant  FortunaL  L  1  de  vit  MarU  —    ITieodulf,  AttreL,  L  4,  e,  1, 

—  Alcuin,   L  2  etr.  Feücem. 

')  cf.  Gebser  A.  R.,  BibUotheca  latina  poitarum  veterum  christianorum  —  voL  L  Con- 
tinene  Juvenci  hisL  Evangel.  LI.  —  Jenae  1827  —  „  Vita  Caji  VetHi  AqwL  Juvend* 
-/».  5-7. 

*)  Das  Aasführlichste  darüber  bei  Gebser,  p.  12—45.  —  e/.  Casp.  Barthiua  Ad- 
versar.  XI,  23,  —  LVI,  13.  —  Job.  Nie  Funcciua,  de  vegtta  laänae  Unguae  tene- 
cttUe.     Marburg  1744,  p.  175,  III,  19.  -  NieoL  Antonio,  L  2,  4  -^  p,  164 "168. 

•)  De  CoMtro,  p,  178  —  bezieht  die  Worte  mit  Unrecht  auf  das  Fegfeuer. 

*)  Gebeer,  p.  26  —  28. 

»)  M.  Sckröekh,  christliche  Kirchengescbichle,  B.  V.,  S.  263  (278).  —  DaaM,  bei 
Erscb  ond  Graber  ^Juoencue^. 

*)  Gebeer,  p.  30-^33. 

')  Geb§$r,  p.  43,    spongus  p,  spongia;  cf,  DanieL 


328  Siebentes  Bach.     Drittes  Kapitel. 

p«r«Q  Die  erste  Ausgabe  ist:    Davmtriae  (Deventer)  1490.  —   Ei  folgt: 

^^  Paris.  1499  foU  ed  Joe.  Faber  —  mit  Sedulius.  —  Dennodi  aflinte 
Aldus  y  ilass  er  —  Venet.  1502  (1501)  der  erste  Hersu^gdber  sei 
im  J.  1605  erschien  daas.  Werk  2U  Leipzig  düig.  BaeealariL  —  Im 
J.  1509  erschien  zu  Bouen:  Juvmcua  preshyter  immemam  evangdUe  Ugu 
maiettatem  heraieia  versibus  eondudms  ab  Jodoco  Badio  Aseenno  paueu 
elueidatus  —  in  4^).  Diesen  Titel  hat  audi  die  edü,  princepe.  —  EdiL 
LipHens.  II,  ann.  1517,  —  Coloniae  Agrip,  1537  —  aum  SeduUo.  — 
Juvenci  hispani  presbyteri  hiitor,  ev.f  versu  her.  deser.  Veneunt  Oypsvid  1534 
(Ipswich)«  —  ed.  Basileenne  1537  —  cum  Aratare  et  enehtridio  Prudentü, 

—  Ibid.  1541  cum  SeduUo  et  noU»  Badii.  —  Park,  apud  Petr.  OaÜerum 
1545.  —  Basel  1545  —  mit  Sedul.  und  Arator.  —  Basil  stud.  Podmami 
1551.  —  Basil.  1554  per  Oparinum  (in  der  Sammlung  kteinischer  Dichter 
von  Georg  Fabricius).  —  Lugduni  1566  ap.  Jo.  Tomaesium.  —  ibid.  1588. 

—  MaUand  1569  -  4^.  -   Cagliari  1573,  in  8°.  —  Lugd.  1616  —  in  4°. 

—  (Auch  in  den  bibUo^.  patrum  von  Paris,  Cöln  und  Lyon.)  —  Im 
18.  Jahrh.  ragen  drei  Ausgaben  hervor  von  Erhard  Reusehius  —  Fron- 
eof.  et  lApsiae  1710  —  mit  den  Noten  aller  frühem  Editoren.  —  Die  Aus- 
gabe von  Gallandi,  Venet.  1765  —  t.  4.  —  (bis  dahin  die  29.  Ausgabe 
des  Juvencipi^b|^.  Alle  andern  überragt :  Aq.  Juvenci  Historitie  EvangtU- 
eae  l.  TV;  e^^ffßfrearmina  dubia  aut  supposita  ad  Mss.  Codices  Vaüeanot 
aliosque  et  oM  väkres  editiones  recensuit  Faustin,  Arevalus.  Bomae  1792  — 
in  4^  —  Noch  im  J.  1827  nennt  Gebser,  noch  im  J.  1853  nennt  Daniel 
dieselbe  die  ,,neueste  Ausgabe^  ^).  —  Alle  seine  Mühen,  sie  von  ^ien 
und  Rom  zu  bekommen,  waren  vergebens  (Oebser,  p.  9  —  n.  11).  — 
Heute  steht  sie  in  t.  19  der  Patrol.  lat.  ed.  Migne,  p.  10  —  388^  und 
ist  Gemeingut  geworden.  —  Gebser  hat  (Jenae  1827)  von  der  Histor. 
evangeliea  nur  das  erste  Buch  mitgetheilt,  mit  Noten.  —  Bahr  nennt  die 
diss.  Gebsers  die  Hauptschrift  über  Juvencus  (die  christlichen  Dichter, 
p.  23—27). 

Von  dem  Werke  des  Juvencus :  Über  in  Oenesim  — ,  das  in  ebenso 
viele  Kapitel,  als  die  Genesis  selbst,  eingetheilt  war,  kannte  man  früher 
nur  die  vier  ersten  Kapitel,  bald  unter  dem  Namen  des  Tertullian,  bald 
des  Cyprian,  bald  des  Salvian.  Mass.  Der  Mauriner  Martene  fand  eine 
dichterische  Umschreibung  der  Genesis  aus  einem  Manuscripte  des  11.  Jahr- 
hunderts in  Altcorvei ,  mit  dem  Namen  des  Juvencus.  Sie  verräth  in 
allem  die  Spuren  desselben  Verfassers  mit  der  „EvangeUca  historia^.  — 
Das  Gedicht  besteht  aus  1441  Hexametern^). —  Arevalo  in  seiner  Aus- 
gabe hat  dieses  Gedicht  in  den  Anhang  verwiesen,   u.  d.  T.:    Juveneo 


')  Arevalo  zählt  14  Codices  und  29  Ausgraben  des  Juvencus  auf. 
*)  Durand,  collect  vet.  Ser^>t.,   L  9,  p,  14  ^  Par,  1733.   —    Daraus  bei  Gallandi, 
t,  4,  p,  587  sq. 


-1 


f.  1.     Der  christliche  Dichter  Juvencns.  329 

m&ra  «ÜrAtito.  Er  bezweifelt  dessen  Aechtheit  M.  —  Er  fügt  zwei  s«ta« 
dflinare  Gkdidite  hinzu :  (2e  laudüms  domini  und  TriumpAti«  CArwft  A^ot-  i« 
10:  —  Heute  aber  müssen  alle  Zweifel  an  der  Aechtheit  jenes  Gedichtes  ^^' 
n  ffenmim  yerstommen.  —  In  dem  von  Martaie  gefundenen  Gedichte 
ind  sieh  eine  Lücke  zwischen  dem  8.  und  10.  Kapitel,  welche  nun  Dom 
^tra  durch  54  von  ihm  zu  Genesis  Eap.  9  aufgefundene  Verse  aus-  dareb 
;efüUt  hat  Demselben  Pitra,  welchem  der  afrikanische  (und  zugleich  ^1^ 
ler  erste  lateinische)  Dichter,  Commodianus,  seine  Wiederherstellung  ^^ 
'erdankt,  verdankt  unsre  Zeit  auch  die  Wiederbelebung  des  Juvencus.  «te»^ 
it  kann  sich  rühmen,  den  schon  vorhandenen  „beinahe  sechstausend 
iTerse  beigefügt  und  ein  so  grosses  Werk  der  Vergessenheit  von  14  Jahr- 
innderten  entrissen  zu  haben^  ^).  —  Ihm  lagen  2  Codices  von  Laon, 
1  von  Canterbury  vorj  lezterer  in  sehr  ruinösem  Zustande.  Die  beiden 
jodices  von  Laon  stammen ,  der  eine  aus  dem  neunten ,  der  andere  wohl 
voB  dem  Anfange  des  zehnten  Jahrhunderts.  Alle  drei  Codices  waren  an 
len  gleichen  Stellen  mangelhaft,  wiesen  also  auf  den  gleichen  «Ursprung 
lin.  —  Pitra  hat  mit  Glück  den  Dichter  wieder  hergestellt.  Wir  zweifeln 
licht,  dass  wir  den  ächten  Juvencus  vor  uns  haben.  Die  Gedanken, 
las  Festhalten  am  Wortlaute  und  die  Sprache  mahnen  an  den  Verfasser 
ler  jfHüioria  evangeUea'^.  —  Wir  theilen  aber  Pitra's  Me|||Mg  nicht,,  dass 
Javencus  die  ganze  heilige  Schrift  dichterisch  behandeS^Pft«.  —  Sinnig 
ist  seine  Vermuthung,  der  Dichter  habe  seine  .,Metra  in  tteptcUeuchum^ 
iDter  Kaiser  Julian  aus  bekanntem  Anlasse  verfasst.  —  Entscheidend 
ist  für  uns,  dass  es  in  einem  im  11.  Jahrh.  verfassten  Cataloge  eines 
Codex  S*  Ncaarii  Lorshensis  heisst:  „Cypriani  (i,  e,  Juvenci)  metrum  super 
Hqptateuchum ,  libros  Begum,  Esther  j  Judith  et  Machabaeorum,  Pitra  theilt 
nur  mit:  Metrum  in  Exodum^  d.  i.  eine  ähnliche  dichterische  Umschrei- 
bung des  zweiten  Buches  Mosis,  wie  das  liber  in  Genesim.  —  Sie  geht 
mit  bedeutenden  Lücken  vom  1.  bis  40.  Kapitel,  und  enthält,  wie  sie 
vorliegt,  1392  Verse,  —  Es  folgt:  metrum  super  librum  Jesu  Nave^  586 
Verse.  Femer:  In  Leviticitm,  Numeros  et  Deuteronomium  selecta  fragmenta^ 
im  Ganzen  1204  Verse.  Das  Uebrige  war  nicht  zu  enträthseln.  —  In 
den  bis  jezt  erschienenen  drei  weitem  Bänden  des  Spicilegium  (t.  IV,  — 
V.  1858)  finden  wir  nichts  über  Juvencus,  von  dem  wir  annehmen^  dass 
er  alle  oder  die  meisten  historischen  Bücher  der  heiligen  Schrift  dichte- 
risch behandelt  habe.  —  Die  Gedichte  über  die  heiligen  Sakramente,  die 
ihm  Hieronymus  zuschreibt,  sind  vielleicht  eine  Verwechslung  mit  den 
Sfetren  zu  dem  alten  Testament. 


')  ef,  nr.  16  sq.  seiner  prolegomena,  welche  aus  6  Kapiteln  bestehen,  bei  Mi^e  P, 
latiMi,  i9j  p,  11  —  54,  —  8.  auch  den  Art.  Javencus  von  Daniel  in  Ersch  und 
Grober  —  Allg.  Encyclop&die ,  J.  1853. 

^  ^pieätgium  SoUsmmst,  ed.  Pitra,  i.  1  (1852) ^  p.  171  —  261,  —  proUgam.  t  /  Sp. 
p,  XXXV — XLV  —   Artic.  9.  —  „Cajua  VetHus  Äquilitu  Juvencus,** 


330  Siebentes  Buch.     Drittes  Kapitel. 

Javencas  ist  ein  christlicher  Dichter,  dessen  Ruhm  keine  Zeit  Ta^ 
dunkeln  wird,  und  da  er  jezt,  wie  es  scheint,  zum  grossem  Theil  dis 
Licht  wieder  erblickt  hat,  so  hat  ihn  seine  frohe  iüinung  wohl  nicht 
getäuscht,  dass  seine  Schriften  bis  zum  Weltgerichte  dauern  werden'). 


§.  2. 

Daasp  Papst  Damasus  wird  hier  nicht  so  fast  als  Dichter,  denn  als  Spanier 

ein  eingereiht.  —  Aus  einer  von  Baronius  mitgetheilten  Inschrift  des  Damasus 
n\!^,  ersieht  man ,  dass  der  Vater  des  Damasus  —  in  der  Kirche  des  (Spaniers) 
heib'gen  Laurentius  zuerst  Exceptor  (Notar),  dann  Lector,  Diakon  und 
Priester  gewesen.  Seine  Tochter  Irene  starb,  20  Jahre  alt,  nach- 
dem sie  das  Gelübde  der  Keuschheit  abgelegt^).  Da  seinen  Aemtem 
zufolge  Antonius  frühe  nach  Rom  aus  Spanien  gekonmien  seyn 
muss,  so  wird  seit  Tillemont^j  angenommen,  dass  Damasus  in  Born 
geboren  sei.  —  Seit  dem  Jahre  1741  suchte  sich  in  Rom  diese  Ansicht 
wissenschaftlich  zu  begründen.  —  Anton  Maria  Merenda  —  in  seiner 
Ausgabe  des  Damasus  vom  J.  1754  —  verfocht  diese  Meinung,  dass 
sowohl  Damasus,  als  sein  Vater  Antonius  von  früher  Jugend  in  Rom 
gewohnt.  Denn  —  das  Amt  eines  Lector  sei  nur  jungen  Leuten  anver- 
traut worden,  —  Damasus  sei  etwa  80  Jahre  alt  zu  Rom  384  gestorben. 
Das  Jahr  seiner  Geburt  werde  also  um  304  anzunehmen  seyn,  und  an- 
genommen, dass  er  in  Spanien  geboren,  müsste  er  4  oder  6  Jahre  alt 
mit  seinen  Eltern  nach  Rom  gekommen  seyn.  Das  sei  schwer  zu  glau- 
ben*). Doch  stehe  in  dem  ältesten  Leben  des  Damasus,  dass  er  selbst 
ein  Spanier  von  Geburt  gewesen.  Von  Laurentius  und  Damasus  sagt 
diese  Vita:  y^quos  una  genuit  patria,  una  promovit  Ecclesia"  ^), 

Gegen  solche  Versuche  erhob  sich  der  damals  zu  Rom  weilende 
Franz  Perez  Bayer,  Priester  von  Valencia,  in  seiner  gelehrten  Schrift: 
Damasus  et  Laurentius  Hispanis  adserti  et  vindicati,  Romae  1756,  Er 
weist  die  Einwürfe  der  Gegner  als  leere  Vermuthungen  zurück.  —  Die 


')  Der  neue  Herausgeber  von  R.  Ceillier  sagt  u.  a.  von  den  Metren  des  Jav^cus: 
dans  son  ensembUf  cette  paraphrase  du  Pentateuque  parait  une  entreprise  mcdheureusty 
au  point  de  vue  littiraire  (R.  CeillteTf  5,  117), 

*)  Bar.  annales  384  —  nr.  16  in  appendice  t.  12  —  Carmen  31  et  35  Damast,  Hat 
pater  Exceptor  y  Lector  f  Levita,  Sacerdoa  creverat 

*)  TiUemonty  8,  p,  386  et  773.  — 

*)  Ebenso  Greg.  Jac.  Terribilinus  in  appendice  opusc.  sancti  Damas,,  p.  1. 

*)  Mart.  Milenus  SarazaniuSf  opusc.  heati  Damasi,  Romas  1638,  —  p.40;  47;  60;  62. 
Acta  S,  Damasi  ex  Cod.  ms.  archivii  canonicor,  S.  Petri,  —  Ein  sehr  starker  Be- 
weis dafür,  dass  Laurentius  ein  Spanier  gewesen,  ist  das  Verh&ltniss  des  An- 
tonius und  Damasus  zu  der  Kirche  desselben,  welche  von  Damasus  ihren 
neuen  Namen  eihielt. 


$.  2.    Papst  DamasQs.  331 

daren  Zeugnisse  der  Alten  müssen  hier  entscheiden.  In  den  Akten  des 
)ama8ii8  wird  er  zu  drei  Malen  in  verschiedenen  Wendungen  ein  Spanier 
genannt.  —  Femer  in  dem  sogenannten  Papstcataloge  des  Felix  IV  um 
60  h&Bst  es:  ^Damasus,  von  Nation  ein  Spanier,  dessen  Vater  An- 
onius,  regierte  17  Jahre,  2  Monate,  11  Tage.**  —  Ebenso  die  ver- 
chiedenen  andern  Papstcataloge,  bis  auf  Anastasius  Bibl.  —  F.  Perez 
^ayer  untersucht  ausführlich  die  Auctorität  dieser  Zeugnisse  und  ihr 
Uterthum.  —  Er  widerlegt  mit  leichter  Mühe  die  Einwürfe  der  Gegner. 

Unter  diesen  ist  auch  der  Einwurf,  dass  die  SpaDier  selbst  über 
üe  Gegend  oder  den  Ort  der  Heimath  des  Damasus  nicht  einig  seien, 
üs  ob  der  Apostel  Paulus  desswegen  nicht  nach  Spanien  gekommen 
rire,  weil  man  den  Schauplaz  seiner  dortigen  Thätigkeit  nicht  kennt. 

In  Spanien  selbst  ist  die  Frage  seines  Geburtsortes  ein  Gegenstand 
les  Streites  gewesen;  es  sind  beßonders  drei  Ansichten  geltend  gemacht 
forden,  für  Madrid,  für  Catalonien,  für  Guimaraens,  einem  Städtchen 
m  Erzbisthume  Bracara,  dessen  früherer  Name  nicht .  beki^int  ist.  Aber 
ler  Name  von  Madrid  kommt  im  10.  Jahrhundert  zuerst  vor.  —  Die 
Srttnde  für  Catalonien  sind  sehr  neuen.  Ursprungs.  Nie.  Antonio, 
h,  Perez  Bayer  und  de  Castro  —  entscheiden  sich  für  Guimaraens^). 
[ch  trete  dieser  Anseht  bei,  u.  a.  desswegen,  weil  in  Bracara  von  un- 
wrdenklichen  Zeiten  sich  Damasus  einer  besonderen  Verehrung  erfreute, 
md  —  weil  die  rivalisirenden  Orte  ai>erkannt  erst  sehr  spät  mit  ihren 
Ansprüchen  au%etreten  sind. 

Von  der  Regierung,  den  Thaten  und  den  Schriften  des  Damasus 
soll  hier  nicht  die  Rede  seyn.  Am  ausführlichsten  über  ihn  haben  die 
erwähnten  Sarrazani,  Merenda^j  und  Fr.  Perez  Bayer  "*),  nach  diesen 
Nie  Antonio,  de  Castro  u.  a.  gehandelt 


*)  &  Castro,  hihUoUca  etpannola  t.  2  (1785) y  —  p.  181^200.  —  Nie.  Antonio, 
p.  181^194,  l  2,  cap.  6.  -  M.  Schröckh,  Kirchengescbichte,  Bd.  8,  S.  106-122. 

*)  Danuui  Papae  Opuscula  et  gesta  diatribis  illustrata  ab  Ant,  Merenda,  Romas  1754  fol. 

')  Fast  alle  Neaeo  kennen  die  Schrift  des  Perez  Bayer  nicht;  Migne  hat  sie  ab- 
gedruckt in  Patrol.  latina,  t.  74 ,  p.  530—670.  —  cf.  Memoriaa  resuscitadas  da 
antiga  Guimarads  pelo  padre  Torquato  Peinodo  cfÄzevedo  Em.  1692  —  Porto  1845 
S.505,  V.  Damasus  in  Ersch  and  Gruber  Enc.  (»Damasas,  walirscheinlich  nicht 
in  Spanien,  sondern  in  Rom  geboren.**) 


Viertes  Kapitel. 

TInedesiHS  der  Grosse.   Dexter,  Sehn  des  Paeiu. 

Diese  ausserhalb  Spaniens  lebenden  Spanier  des  vierten  Jahrhunde 
wollen  wir  sogleich  an  den  Spanier  und  heiligen  Papst  Damasus  anreih< 
—  Denn  —  einmal  gereichen  diese  Männer  Spanien  selbst  snir  £1 
und  zur  beständigen  Zierde.  Sodann ,  da  das  Kapitel  über  die  Lucifc 
aner  in  Spanien,  und  da  die  folgenden  E^apitel  uns  den  Zustand  c 
spanischen  Kirche  in  dieser  Zeit  keineswegs  in  günstigem  Lddite 
scheinen  lassen,  so  suchen  wir  für  uns  selbst  und  für  unsre  Leser  i 
Recht  nach  den  Lichtseiten  der  Geschichte  Spaniens  in  dieser  Zeit. 

Schwer  wäre  es  uns,  an  Theodosius  dem  Grossen  schweigend  v 
überzugehen,  der,  wie  irgendeiner,  dieses  Beinamens  würdig;  dem  ni< 
bloss  das  römische  Reich,  das  er  aufs  Neue  erhoben  und  geeinigt,  d 
auch  die  römische,  die  katholische  Kirche  zu  bleibendem  Danke  v 
pflichtet  ist,  der  mit  starker  Hand  das  Heidenthum  und  den  mit  il 
verbundenen  Ärianismus  im  Reiche  niedergehalten  und  zurückgedräc 
der,  selbst  sittenrein  und  fleckenlos,  mit  Ausnahme  seines  unglücklicl 
Jähzornes ,  für  reine  Sittlichkeit  und  ernste  Lebensstrenge  durch  Beisj 
und  Geseze  gewirkt  hat. 

Dass  Spanien  das  Vaterland  des  Theodosius  sei,  hat  bis  heute  ^ 
mand  bestritten.  Aber  das  lag  im  Streite,  ob  er  aus  der  Stadt  Itali 
der  Heimath  des  Trajan  und  des  Hadrian ,  oder  ob  er  —  ein  Galizier 

Der  Comes  Marcellinus  in  seiner  Chronik  ist  der  erste,   der   i 
^  einen  Italicenser  nennt  *).     Er  lebte  wohl  in  Ulyricum  unter  Justinian 
150  Jahre  nach   Theodosius.    Die  Entfernung  des  Ortes  xmd   der  2 
macht  seine  Angabe  weniger  glaubwürdig.     Der  Chronist  Idatius  ist 


■)  CkrünicoH  McurceUmi  —   a.  379  (Anfang  dess.):     T%0odonui   Hi^pamu  ItaUcat 


Theodosius   der  Grosse.     Dexter,  Sohn  des  Pacian.  333 

Landsmann  und  fast  ein  Zeitgenosse  des  Theodosius.  — -  Er  sagt  sni  dem- 
selben Jahre :  Theodosius,  ein  Spanier  von  Geburt,  aus  der  Stadt  Qauca  in 
ier  IVoTinz  Gali^ien,  wurde  von  Gratian  zum  Augustus  ernannt').  -> 
Diess  ist  entscheidend.  £s  giebt  aber  noch  einige  andere  Gründe^). 
Der  mefarerwähnte  Cynegius  stanmite  offenbar  auch  aus  dem  nordöst- 
lichen Spanien ;  er  war  aber  ein  Verwandter  des  Theodosius  ^).  —  Dass 
die  Gaiizier  selbst  den  Kaiser  als  ihren  Landsmann  betrachteten,  werden 
irir  im  Kapitel  7  sehen.  —  Die  in  einem  erdichteten,  zuerst  von  Wala- 
6ried  Strabo  mitgetheilt^  Briefe  angegebene  Thatsache ,  dass  Theodosius 
der  Grrosse  zur  Zeit  seines  Aufenthalts  in  Spanien  sich  an  dem  „heiligen 
Bischof  Gregorius  von  Corduba^,  und  seinem  Eifer  für  die  Heiligen 
erbaut  habe,  wird  von  Baronius  in  der  Einleitung  zu  seinem  römisdien 
Martyrologium  schlagend  widerlegt  ^).  —  Für  einen  Bischof  Gregorius 
aber  für  Corduba  bleibt  kaum  eine  Zeit  übrig. 

Der  Heide  Zosimus,  dessen  Geschichte  bis  zu  der  Einnahme  Roms 
durch  die  Gothen  reicht,  stimmt  genau  mit  dem  Spanier  Idatius  überein; 
Theodosius  war  aus  der  Provinz  Galizien  in  Spanien,  aus  der  Stadt 
Cauca  ^). 

Der  Vater  des  Theodosius  hiess  Theodosius,  und  war  einer  der  her- 
Torragendsten  Feldherm^ner  Zeit.  Die  Mutter  hiess  Thermantia.  Er 
selbst  wurde  im  J.  346  geboren.  Nachdem  sein  Vater  am  Rhein  und 
la  der  Donau  —  sowie  in  Britannien  sich  ausgezeichnet,  erstickte  er  in 
Afrika  den  Aufstand  des  Firmus.  Tapferkeit,  Talent  und  Glück  zeich- 
neten ihn  aus  ®).  Aber  sein  Glück  erweckte  ihm  Neider.  Er  wurde  bei 
Valentinian  I.  verleumdet  als  Kronprätendent,  ungehört  zum  Tode  verur- 
theilt,  und  nachdem  er  die  heilige  Taufe  erhalten  hatte,  bot  er  ent- 
idilossen  sein  Haupt  dem  Nachrichter  dar^).  —  Sein  Sohn  Honorius  hinter- 
liess  zwei  Töchter,  Thermantia  und  Serene,  die  spätere  Gemahlin  Stilicho^s. 

Theodosius  wurde  im  J.  376  in  die  Verfolgung  gegen  seinen  Vater 
Terwickelt  Er  wurde  nach  Spanien  verbannt.  Er  beschäftigte  sich  dort 
mit  Landbau  und  bürgerlichen  Angelegenheiten.  Aelia  Flaccilla  war 
seine  Gemahlin   gleich&Us  eine  Spanierin.    Hier  in  Spanien  wurde  ihm 


*)  nUotUmuß  naHone  MUpanus,  de  provinda  QaUaedae,  cwiUUe  Cauca,   IdaL  chran,  379, 
^  Fhrez  4,    386  —  87  ist  für  Cauca.      Ebenso   Wietersheim ,   Völkerwanderong. 

Band  4  (1864),  S.  115.  —   Pallmann,  Geschichte  der  Völkerwandening,  1863, 

8.  139. 
*)  So  heisst  er:  parena  in  dem  von  uns  nicht  erw&hnten  ReMcHpiitm  des  Theodosius 

auf  den  oft  erw&hnten  UbeUm  prtcum,  jp 

*)  de  martyr,   Romano ,   cap.  7.     de  ßde   ^is$ohnim,    quae    Chropuitii,    HeUodori,    ^    ' 

Hieronjfmi  nomine  mMcr^tae  tunt. 
*)  ix  fähf  r^  tv  *Ißtf^ifc  HaJUcuxiccff ,   xcAutg  de  Koboko;  cpfjuifuvov),  —    Zoiim.  hi$L 

I,  4,  eap,  24,    Ebenso  Socraie$,  L  5,  c,  2,  —  ef,  PacaL  panegyr,  oap.  4. 
*)  Ammkm,  129,  5.  -^  Ckuidum.  eonntL  Honor.  4.  —  BaeaL  5, 
0  Bknm,  ckronieon,  ann,  379  (376);  Onmm,  L  7,  34,  —  Wietersheim,  4,  S.  93. 


334  Siebentes  Buch.     Viertes  Kapitel. 

sein  ältester  Sohn  Arcadius  geboren  —  377.      Aus  dieser  Ehe  hatte  er 
überhaupt  2  Söhne  und  eine  Tochter.  —  Flaccilla  starb  im  J.  385*). 

Die  Stadt  Oauea  war  nach  Florez  nicht  Coca  in  Altcastilien ,  welches 
zur  Provinz  Carthaginensis  gehörte.  Die  Spanier  behaupten  darum ,  der 
Ort  sei  zwischen  Braga  und  dem  Minho  gelegen.  Aber  es  fällt  auf, 
dass  es  eine  „civitas^^  genannt  wird,  deren  Lage  doch  kaum  unbekannt 
sejn  dürfte,  und  —  es  bleibt  die  Möglichkeit,  dass  Galizien  im  4.  Jahr- 
hundert sich  so  weit  gegen  Süden  erstreckte,  dass  Cauca,  Avila  und 
Segovia  noch  zu  Galizien  gehörten,  imd  dass  darum  das  Gränzgebirge 
zwischen  Alt-  und  Neucastilien,  die  Sierra  de  Guadarrama,  auch  die  Gränz- 
scheide  der  beiden  Provinzen  war;  —  später  aber  Galizien  nur  so  weit 
reichte,  als  das  Reich  der  Sueven.  —  Im  J.  1847  fand  man  in  der  Nähe 
von  Emerita  einen  schöngearbeiteten  silbernen  Schild,  welcher  zur  Feier 
der  1 0jährigen  Regierung  des  Theodosius  gemacht  wurde*).  —  Den 
grossen  Kaiser  auf  den  Wegen  seiner  Thaten  und  Schicksale  zu  begleiten, 
liegt  nicht  in  dem  Plane  dieses  Werkes. 

Dem  Theodosius  folgten  allerdings  Landsleute  und  selbst  Verwandte 
auf  der  Bahn  seiner  Ehren  und  seines  Glückes.  Aber  so  weit  wir  diese 
Männer  kennen,  brauchte  sich  ihrer  Spanien  und  der  edle  Kaiser  nicht 
zu  schämen.  —  Der  oft  evwähnte  Ojnegius  ist  ein  Beweis  dafür.  — 
Der  Papst  Damasus  steht  in  keiner  Verbindung  mit  dem  Kaiser.  Aber 
es  ist  doch  ein  erhebender  Gedanke,  dass  der  „mächtige  Monarch  und 
der  heilige  Papst'' ,  auf  die  als  das  Ideal  ihrer  Wünsche  die  katholischen 
Völker  stets  hoffen,  zu  gleicher  Zeit  regierten,  stanunend  nicht  bloss 
aus  demselben  Lande,  sondern  auch  aus  derselben  Provinz,  wenigstens 
aus  dem  nordwestlichen  Spanien.  Für  Theodosius  ist  es  besonders  ehren- 
voll, dass  er  sich  mit  den  tüchtigsten  Spaniern  umgab,  mit  unbestech- 
lichen Männern,  wozu  wir  neben  Cynegius  und  Dexter  auch  Prudentius 
zählen;  um  so  ehrenvoller,  wenn  wir  uns  des  berüchtigten  Spaniers,  des 
Hofhotars  Paulus  am  Hofe  des  Constantius  erinnern  ^). 

Dexter,  der  edle  Sohn  des  ehrwürdigen  Bischofs  Pacian  von  Barce- 
lona, war  einer  der  Spanier,  welche  im  Auslande  nicht  nur  ihr  Glück 
suchten  und  machten ,  sondern  die  durch  ihre  Tüchtigkeit  zu  Ruhm  und 
Ansehen,  und  einem  unvergänglichen  Namen  gelangten.  Hieronymus 
sagt  von  ihm:  Dexter,  der  Sohn  des  Pacian  (von  welchem  oben),  ein 
in  der  Welt  angesehener  Mann,  und  ergeben  dem  Glauben  Christi,  soll 


')  TilUmontf  histotre  des  empereursy  t.  5,  I,  empereur  Thtodose  I,  ort,  /— ^  VL  dt  la 
familh  de  Theodose,  p,  189^192. 

*)  Hübner,  Emü  Karl,  die  antiken  Bildwerke  in  Madrid,  Berlin  1862.  —  Silber- 
schild des  Theodosius,  S.  213—216. 

>)  s.  Reinkens,  L  e.  S.  94^96;  118  —  und  die  Belegstellen  das.  —  Ammm^ 
MarcelL  14,  5.  ->  Tiüemont,  kisL  d.  empermrs,  t  4,  385  —  86,  405,  441,  508;  er 
warde  unter  Julian  lebendig  verbrannt 


Theodosiat  der  Grosse.     Dexter,  Soha  des  Pacian.  3S5 

ne  allgeineine  Geschichte  mit  der  Widmung  an  mich  yerfasst  haben, 
ie  ich  aber  noch  nicht  gelesen  *).  —  Dexter  hat  das  grosse  Verdienst, 
dem  er  sich  auf  den  Vorgang  des  Sueton  berieft),  den  Hieronymus 
it  80  glücklichem  Erfolge  zu  der  Abfassung  seines  bahnbrechenden 
iTerkes:  de  viris  ühuiribtt»  ermahnt  zu  haben. 

Die  „omnimada  Mstoria^^  des  Dexter,  welche  Hieronymus  nicht  ge- 
aen,  hat  vielleicht  Niemand  gelesen.  Denn  sie  wird  von 'keinem  der 
Iten  citirt,  da  doch  die  Chronisten  Idatius  und  Prosper  von  Äquitanien 
e  kaum  hätten  umgehen  können.  Mir  scheint,  dass  sie  unvollendet 
lieb,  mid  nie  erschien,  dass  sie  also  auch  nicht  verloren  gieng^).  — 
her  za  der  Zeit,  als  eine  überschwengliche  Phantasie  den  Geist  des 
Mmiflchen  Volkes  zu  übermannen  drohte,  als  Cervantes  dieser  gefähr- 
chen  Richtung,  in  seinem  unsterblichen  Don  Quixotc  entgegentrat  — 
504,  wendete  der  Jesuit  Hier.  Roman  de  la  Higuera  (geb.  zu  Toledo 
338,  t  1611),  seine  grossen  Talente  und  Kenntnisse,  beherrscht  von 
inem  spanischen  Hyper- Patriotismus,  dazu  an,  die  Geschichte  Spaniens 
1  fälschen.  Er  und  „die  um  ihn^  behaupteten,  man  habe  in  dem 
Zoster  Fulda,  in  dem  Lande  der  Hyperboräer  für  einen  Spanier,  die 
1ux>nik  des  Dexter  entdeckt,  welcher  Flavxus  Lucius  Dexter  geheis^en  p»ea. 
abe.  Derselbe  habe  sich  nach  Spanien  zurückgezogen,  sei  Stadtpräfekt  Dezttr. 
on  Toledo  geworden,  und  431  gestorben.  Nach  den  neuesten  For- 
^hungen  ist  kaimi  ein  Zweifel,  dass  Higuera  selbst  Verfasser  des  Pseudo- 
Texter  sei.  Nur  die  Herausgabe  überliess  er  seinen  Nachfolgern  Tomas 
'amayo  de  Vargas,  Juan  Tamayo  de  Salazar,  Lorenzo  Ramii*cz  de 
"rado,  Fray  Francisco  de  Vivar,  und  leider  auch  Rodrigo  Caro.  Durch 
ie  siegreiche  „Censura  de  hiitarias  fabulasas^^  von  Nikolaus  Antonio 
5eb.  1617  zu  Sevilla,  f  1684  zu  Madrid),  welche  aber  erst  1742 
rschien,  fast  100  Jahre,  nachdem  sie  geschrieben  war,  ist  zwar 
'seudo  -  Dexter  (und  seine  Fortsezungen  Maximus,  Heleca,  Luit- 
rand)  für  inmier  beseitigt;  aber  in  und  ausser  Spanien  wirkt  heute 
och  Pseudo- Dexter  nach,  und  findet  Glauben.  Ein  Grund  davon  ist, 
ass  de  la  Higuera  nie  ganz  in  der  Luft  schwebende  Dinge  erfand, 
)ondem  er  trug  alle  neuen  Funde  in  seine  Chroniken  ein,  die  er  wohl 
)en  desshalb  zu  publiciren  unterliess,  und  brachte  dann  daraus  über- 
ischende  Bestätigungen  und  Erläuterungen  vor,  welche  noch  jezt  täuschen 
üssten^  wenn  man  nichts  wüsste  von  seiner  immer  weiter  fälschenden 


')  cL  Rmfinunif  l.  2  —  ante  annosfere  decem,  cum  Dexter  amicus  meutf  gut  Praefecturam 
tubninietrcnfit  Praetoriiy  me  rogcuaet  etc. 

*j  Suetons  Lebensbeschreibungen  berühmter  Römer  in  vier  Büchern.  Wiederher- 
gestellter lateinischer  Text  mit  deutscher  Uebersezung  und  Erläuterungen  von 
Hermann  Borgens.    Leipz.  1863. 

*)  Ebenso  meinen  FerrercUf  1,  265;  und  Bahr,  die  christlichen  Dichter  und  Ge- 
schichtsschreiber Roms,  S.  113. 


'Hü 


336  Siebentes  Buch.     Viertes  Kapitel. 

Thätigkeit.  So  sind  auch  die  meisten  seiner  Inschriften  nur  interpolirt, 
nur  in  verschiedenen  seiner  Werke  in  verschiedener  Weise ,  einige  jedoch 
hat  er  ganz  erfunden  *).^ 

Pseudo  -  Dexter  erschien  erst  nach  dem  Tode  seines  Verfassen 
U»  d.  T.:  Fragmentum  ehronici,  tiv€  amnimodae  hi8U>ri(te,  cum  ehrmeo 
Marci  Maximi,  et  additionibui  8.  Bratdioms  et  Heleeae,  edidü  Jo.  Cal- 
deron;  Caesar  -  Augustde  1619  —  4^*,  wieder  abgedruckt  mit  Noten  des 
Rodrigo  Caro,  Hispäli  1627.  —  Torialba  hatte  das  Manuscript  an  Job. 
Calderon  (ein  Franziskaner)  gesendet  —  £s  erschien:  Flavim  Luäm 
Dexter  y  Chromeon  omnimodae  Justoriae,  opera  et  studio  Fr.  Bivarii  eom- 
merUariü  illustratum  Lugduni  1627 ;  Matriti  1640,  Fol.  (Dazu  Pseudo- 
Maximus,  Mat.  1651).  —  Zur  Vertheidigung  der  Aechtheit  des  Pseudo- 
Dexter  erschien :  Fl.  L.  Dextro  o  novedades  aniiguas  de  Espanna  defendidm 
por  Th.  Tamayo  de  Vargas,  Madrid  1624  in  4^ 

Im  17.  Jahrhundert  bekämpften  neben  Antonio^)  —  der  Marquis 
von  Mondejar^),  der  Kardinal  Aguirre^)  und  Ferreras^)  den  Pseudo- 
Dexter.  —  Im  18.  Jahrhundert  nahm  sich  kein  namhafter  Gelehrter 
seiner  an.  —  Dagegen  scheint  es,  dass  im  19.  Jahrhundert  Pseudo- 
Dexter  diesseits  der  Pyrenäen  wieder  Glauben  finde  ^). 


')  Emil  Hühner  im  Monatsberichte   der .  Atiademie  der   Wissenschaften  xu  Berlio 
J.  1861  -  T,  Berlin  1862,  S.  529-530. 

')  Seine  „Centura*'  ist  aach  abgedruckt  in  dem  1.  Bd.  der  BibUotheca  HitpimavttUj 
von  Perez  Bayer,  1788. 

')  Gcupar  Ihannez  de  Segovia^    Peralta  y  Mendo,  dieeertacionea  eccleaiaetic<u. 

*)  CoUectio  —  concil.  omnium  Uiepaniae. 

»)  Ferreras,  /,  264—272,  —  JRoreZy  29,  92-97. 

*)  Denn  im  J.  1846  erschien  in  der  Patroloffia  latina  des  Abbe  Migne,  dessen  bohr 
Verdienstlichkeit  ich  stets  anerkenne  und  vertheidigc,  die  Ausgabe  des  Bivar, 
ohne  Andeutung,  dass  das  Werk  nicht  acht  sei;  Buse  citirt  in  seinem  schöoeo 
Buche:  »Paulinus  von  Nola  und  seine  Zeit«,  2  B&nde,  1856,  den  Dexter  steU 
als  wirkliche  Oeschichte,  in  den  verschiedenen  Encyclopädien  z.  B.  von  Wetzer- 
Weltc,  Herzog,  Ersch  und  Gruber,  Didot- Höfer  ist  zwar  die  Unächtheit  be 
hanptet,  und  dennoch  aus  dem  Plagiate  Unwahres  als  Oeschichte  erziblK 
z.  B.  dass  Dexter  Statthalter  von  Toledo  gewesen,  dass  er  Flavius  Lucios  ge 
heissen ,  u.  m.  a.  Selbst  der  überaus  genaue  Aug.  Poithast  sagt :  Dexter  Paeimi, 
ßareeloneu  in  Htspctnia  epiecopuMf  statt  Padcmif  Paremone  in  ERsp.  episeopi  ßL 


Fünftes  Kapitel. 

Anrelias  Pradentlas  Clemens. 

Der  grosse  christliche  Dichter,  der  von  keinem  seiner  Nachfolger 
Terdankelty  vielleicht  von  keinem  übertrofFen  worden  ist,  wurde  unter 
den  Consuln  Phüippus  und  Sala,  im  J.  348^  in  der  Provinz  Tarraconensis 
geboren').  —  Wenige  nennen  Rom,  andere  Tarraco  seine  Geburtsstadt 
—  Die  Meisten  schwanken  zwischen  Calagurris  am  Ebro,  und  zwischen 
Gäsaraugusta.  Da  es  an  allen  äussern  und  sonstigen  Zeugnissen  fehlt, 
80  bieten  bloss  die  Worte  des  Dichters  selbst  —  den  Anhaltspunkt  für 
die  eine  und  andere  Ansicht 

Neben  Rom  —  nennt  der  Dichter  drei  Städte  „unsere*'  Stadt  Sie 
liegen  sämmtlich  in  der  Provinz  Tarraconensis.  £s  ist  die  Hauptstadt 
selbst,  es  ist  Tarraco,  die  er  also  anredet:  Pradm- 

0  triplex  honor,  o  iri/orme  cubnen,  J^^ 

quo  nostrae  eaput  excitatwr  urbiSf  Tarr*- 

cunctis  urbibus  eminens  Hiberisl 
ExuUare  tribus  Übet  patronü, 
quorum  praesidio  fovemur  omnes 

terrarum  populi  I^renearum  '). 

„ünsre  Stadt*'  bedeutet  hier  einmal  die  gemeinschaftliche  Provinz, 
deren  Haupt,  zugleich  erhabener  als  alle  andern  Städte  Spaniens,  Tarraco 
i^  —  Es  ist  zweitens  aus  und  in  dem  Sinne  der  Elirche  von  Tarraco 
gesprochen,  für  welche  er  diesen  Hymnus  verfasste,  der  auch  bald  — 
Wohl  zunädist  in  Tarraco  —  in  die  Feier  des  Festes  aufgenonmien  wmrde. 


CO. 


*)  pr€uf<Uio  V,  24  —  25  —  in  eathem,    —     ObUtum  veteris  m«  SaUae  eonsulis  argueriM : 

er  quo  prima  dies  mUU, 
•)  perisiepk,  —  hymn.  6  (auf  Fructaosas  von  Tarraco)  V,  142-^147. 

GaoM,  Span.  Kirche.   IL  22 


338  Siebentes  Buch.     Fünftes  Kapitel. 

—  Der  Hymnus  ist  nicht  bloss  vollständig  in  dem  Sanctorale  (Brevier), 
sondern  die  Schlussverse ,  anfangend  mit:  o  triplex  hanor  —  sind  zwei- 
mal, zuerst  in  die  Vesper,  dann  wieder  mit  dem  ganzen  Hymnus  in 
die  Landes  eingereiht.  —  Damit  es  aber  nicht  scheine,  dass  durch  die 
Worte:  „ünsre  Stadt"  der  Dichter  seine  Geburtsstadt  bezeichne,  so 
fordert  er  Tarraco ,  die  Mutter  der  Frommen ,  auf,  sich  der  drei  Patrone 
zu  erfreuen,  „deren  Schuz  Wir  alle  Völker  der  Pyrenäenländer -- ge- 
messen". —  Ja  er  trennt  sich  wieder  von  „unsrer  Stadt",  indem  er 
sagt:  „Du  versammelter  Chor  aus  beiden  Geschlechtem,  besinget  ge- 
ziemend euren  Fructuosus  *)." 
Pro-  Ganz  andre  Gründe  streiten  für  Calagurris  als  Heimath  des  Dichters, 

^„■j"und  noch  ist  der  Streit  zwischen  Saragossa  und  Calagurris  nicht  ent- 
^■•■*  schieden.  —  In  dem  Hymnus  auf  die  Märtyrer  Emeterius  und  Cheli- 
donius^)  preist  der  Dichter  zuerst  Spanien  glücklich  wegen  des  Besizes 
derselben^),  die  er  zugleich  „die  Patrone  der  Welt"  nennt*).  —  Dann 
bringt  er  sie  wieder  in  Beziehung  zu  dem  Lande  der  Vasconen*).  Er 
endet  mit  den  Worten®): 

Hoc  bonum  Salvator  ipsty  quo  fruamWf  praestitttf 
martyrum  cum  membra  nostro  conaecravit  opptdOf 
Sospitant  quae  nunc  cohnos,  quos  Iberu8  adluit. 
State  nunc,  hymnite  matres  pro  receptis  parvulia, 
conjugum  salute  laeta  vox  maritarum  strepat, 
sit  dies  haec  feeta  nobU,  sit  sacratum  gaudium. 

Hier  sagen  wir  wieder,  dass  der  Dichter  in  dem  Sinne  und  für  dea 
Gebrauch  der  Kirche  von  Calagurris  sprach.  —  Da  wir  aber  aus  eiflcni 
andern  Hymnus  wissen,  dass  der  Bischof  Valerius  von  Saragossa,  dem 
Prudentius  zunächst  seine  Hymnen  widmet,  in  jährlicher  Feier  das  Ge- 
dächtniss  der  Märtyrer  des  benachbarten  Calagurris  begeht^),  so  können 
wir  ohne  Bedenken  sagen,  dass  dieser  Hymnus  auch  für  den  Gebraucli 
der  Kirche  von  Saragossa  verfasst  worden,  und  darum  „unsre  Stadt"^ 
auch  bedeute,  die  uns  benachbarte,  zu  unsrer  Provinz  gehörige  Stadt 
Calagurris. 

Aber  —  noch  viel  auffallender  nennt  Prudentius  Calagurris  ^unsre 
Stadt"   in  dem  (in  der  Uebersezung  von  Silbert  mitgetheilten)  Hymnus 


')  VeBtnan  pscUUU  rite  Dructuosum, 

*)  perist,  h.  1,  —  s.  K.-G.  von  Spanien,  1,  S.  293  —  94. 

*)  hym,  V,  4,    PoUet  hoc  felix  per  orbem  terra  Hibera  stemmate  (kann  auch  bedeuten 

das  Land  des  Ebro,  also  die  Provinz  Tarrac). 
*)  paironos  mundi  —  V.  12. 
•)  V.  94-99. 
•)  V.  115-20. 
')  perist,  ep.  li  —  Äywm.  in  S,  Hyppofytum  —  v,  237 —  38: 

Inter  soUempnes  Cypriani  vel  Chelidoni 

Eulahaeque  dies  currat  et  isis  tibi. 


AnreÜQS  Prudentins  ClemeDt.  3S9 

if  die  achtsehn  Märtyrer  Ton  Saragossa.    Hier  nennt  er  die  Märtyrer 
on  Tarraco,  und  fährt  dann  fort: 

Seinen  Felix  bringet  das  kleine,  aber 
An  Oebeinen  Heiliger  reiche  Giron; 
Unter  Calagnrris  erhebt  die  Beiden, 

die  wir  verehren.  • 

Barcelona  hebt  sich  im  Schaz  des  hohen 

Cucnsatas  *)*»  — 

Hier  werden  vier  Städte  der  Provinz  Tarraconensis  genannt ,  aber 
lur  das  eine  Calagurrls  heisst  das  unsrige.  —  Es  scheint  schwer  zu 
ejTLy  sich  nicht  für  Calagurris  als  die  Heimaih  des  Dichters  zu  ent- 
diciden.  Doch  ehe  —  wir  dieses  thun,  geziemt  es  dich,  die  für  die 
nächtige  Rivalin  Saragossa  kämpfenden  Gründe  zu  erwägen.  Sie  stehen 
Q  demselben  Hymnus  zusanunengedrängt:  p^ 

Achtzehn  hoher  Märtyrer  Asche  hütet  dmtiiu 

Unser  Volk,  verehrend  in  einem  Grabe. 
Saragossa  heisset  die  Stadt,  der  solch  ein 
Reichthnm  bescheert  ward. 

Er  nennt  femer  Saragossa  ;,unsre  Zierde'^  ^).    Aehnlich  V.  76  — 

Deine  Palme  grünete  hier,  o  Vinzenz. 
V.  85  sagt  er: 
•  Ohne  Preis  der  Unsrigen  wich  auch  keiner 

Je  der  Stdrme  — 

und  wieder  V.  89  flg. : 

Gabst,  o  Vinzenz,  Märtyrer,  welcher  ferne 

Sterben  sollte,  nnserm  Lande  (his  tenia)  nicht  früher 
Du  des  Blntes  rosigen  Thaa,  die  nahe 

Marter  verkündend?') 

Dieses  Pfand  verehret  die  Stadt  (hoc  cohmt  eivea),  als  rnhten 

Eingeschränkt  in  ihrem  Bezirk  die  Glieder; 
Das  Gebein  des  Märtyrers  schant  als  Mntter 

Dort  sie  begraben. 

Unser  ist  er,  litt  er  auch  fern  in  einer 

Unbekannten  Stadt  nnd  gewährt  ihr  siegreich 
Seines  Grabes  Glanz,  wo  Saguht  sich  nahe  der 

Küste  erhebt  ^ 

Unser  ist  er!   Unsere  Eampfesschnle  (Notier  et  noHra  puer  in  palaestra) 

Lehrt  in  hoher  Togenden  Ennst  den  Knaben 
Mit  des  Glaubens  Gelen  gesalbt,  den  Satan 

Mächtig  besiegen. 

Unsers  Tempels  rühmliche  achtzehn  Palmen  (tenq^lo  in  itio) 

Waren  knnd  dem  Jüngling;  des  Vaterlandes 
HeiUge  Lorbeem  (bmreii  patrit)  lehrten  ihn  bald  nach  gleicher 

Glorie  ringen. 


»>Vm.4.  —  V.  29-34. 

•)V.  (Ä 

*)  s.  S.-G.  1,  982  (K.-G.  bedeutet  die  vorliegende  Klrchengeschfehte  von  Spanien). 

22* 


340  Siebentes  Buch.     Fünftes  Kapitel. 

Von  der  Martyrin  Encratis  sagt  derselbe  —  V.  141 — 44: 

Diese  neue  Zierde  verlieh  zum  Ruhm 

Christus  selber  unserm  Saragossa 
Dass  sie  einer  Martyrin  Heimath  werde, 
Welche  noch  lebet 

Dass  der  Dichter  in  Saragossa  lebte,  darf  beute  als  unbestritten  an- 
genommen werden  (früher  hielt  man  theils  Rom,  theils  Calagorris  Tür 
seinen  Wohnsiz).  Diess  zeigen  u.  a.  die  Schlussworte  unsers  Hymnus: 
V.  197—200. 

Wirf,  erlauchte  Stadt!  zu  det  Heiligen  Gr&ber 

Jezt  mit  mir  dich  nieder;  zur  Auferstehung 
Folgst  du  dann  den  Seelen,  die  mit  dem  Körper 

Bald  sich  erbeben. 

Der  Bischof  Valerius,  als  dessen  Pfarrkind  sich  Prudentius  beeeichnet, 
kann  nur  der  Bischof  von  Saragossa  seyn  *) ,  dessen  Familie  nach  da- 
maliger spanischer  (Un-)  Sitte,  deren  Schuld  natürlich  dem  Einzeben 
nicht  zur  Last  fallen  kann,  „das  infulgeschmückte  Haus  der  Valerier' 
war.  —  Er  redet  in  dem  Hymnus  11  den  Valerius  also  an: 

Zahllos  sind  der  Heiligen  Gebeine,  die,  Valerianus*), 
Christi  Geweihter!  in  Rom  unsre  Augen  gesehen, 

und  er  schliesst  den  langen  H3rmnus  also:  ^ 

Täuseht  das  G^dächtniss  mich  nicht,  so  feiert  die  herrliche  Roma 

In  den  Iden  Augustes,  —  den  Tag,  den  —  heiliger  Meister  (»cmete  Magislerl)^ 

wie  wünscht^  ichs! 
Zählen  solltest  du  selbst  unter  die  Feste  des  Jahrs. 

unter  den  festlichen  Tagen  des  Cyprian  oder  Chelidon 

Oder  Eulaliens  sei  dieser  dir  feierlich  auch 

So  für  das  gläubige  Volk,  dess  Leben  vertraut  dir  ist,  betend. 

Höret  dein  Flehen  geneigt  Christus,  der  £wige,  an. 

Ausgeschlossen  wird  so  dir  der  Wolf  vom  gefülleten  Schafstall, 

Kein  gefangenes  Schaf  mindert  die  Heerde  dir  dann. 

Also  führst  du  dein  krankes  Schaf,  auf  der  Aue  verweilend. 

Führest  mich,  emsiger  Hirt,  endlich  zur  Heerde  zurück. 

Also,  wenn  mit  milchigen  Schafen  die  Heerde  du  fülltest, 

Wirst  ein  Gefahrte  entzückt,  du  des  Hyppolylus  soyn. 

Was  entscheidet  nun  bei  der  Frage,   ob    Calagurris   oder  ob  - 
Saragossa^)? 


>)  K-G.,  2,  a 

•)  So  heisst  er  wohl  wegen  des  Versmasses  —  cf.  E.-G.  1,  382. 

')  Für  lezteres  stimmen  Aldus  Mannt  1501;  Aelius  Antonius  Nebrlssensis ;  J^ 
Spiegelius;  Georg  Rcmius  —  ad  Weilz;  X^stus  Senensit  bibL  L  4;  Jaatm.  Vata^ 
chran.  hisp.  J.  351;  Possemn,  in  apparatu  v,  Attrelius  Pntd.  —  Älfons  Garda  Ma^ 
morua,  de  Academ.  Hisp.  —  Ludovicus  Nonius  —  not,  in  Hitpaniam  cap.  82.  " 
Joannes  Henichius  Hist.p,  2,  saec.  4,  cap,  3.  —  Luceis  Osiander,  mitom*  Ustor,  eecUf' 
eentur,  4,  L  1,  cap.  26.  —   QuensiediuSf   de  patnis  iUustr,  viror,  mtb  CoMaanmg,  " 


Anrelius  Pradentiiia  Clemeni«  SU 

Bei  der  Unzahl  von  Schriftstellern  ist  es  sehr  aufiGdlendi  dass  sie 
or  entweder  für  die  eine  oder  andere  Stadt  sich  entschieden  ^  dass 
or  der  eine  oder  andere  Calagurris  für  seine  Gebnrtsstadt ,  Saragossa 
ag^en  für  seine  Wohnung,  für  seine  zweite  und  eigentliche  Heimath 
al^  wie  es  z.  B.  bei  den  Spaniern  Laurentius  und  Damasus  der  FaU  war. 

Ich  würde  mich  unbedingt  dafür  entscheiden,  dass  ^der  Dichter  zu 
Uagnrris  geboren  wurde,  zu  Saragossa  den  Best  seiner  Tage  verlebt, 
od  dort  wohl  audi  seine  Bildung  genossen  habe,  wenn  —  die  Gründe 
ir  Galagorris  als  Heimath  des  Dichters  entscheidend  wären  ^).' —  Aber 
-  wenn  er  es  «unsre  Stadt*  nennt,  nennt  er  es  noch  nicht  seine  G(e- 
ortsstadt  Es  ist  doch  ein  grosser  Unterschied  zwischen  dem  g^notlbvm 
^pidum^  des  Pmdentius,  und  zwischen  den  Worten  des  Spaniers  Mela 
mde  na  mamu^  —  woher  wir  sind,  nemlicfa:  von  Tingintera  an  der 
[eerenge.  —  Es  ist  eine  sinnreiche  Vermuthung,  zu  sagen,  dass  Fnt- 
entius  Calagurris  unsre  Stadt  nenne,  weil  dasselbe  —  nach  Plinius  zu 
em  Gerichtsbezirke  von  Saragossa  gehört  habe. 

Allein  j,unsre  Stadt''  nennt  er  es  mit  Nachdruck;  —  erstens,  weil 
ie  Stadt  Leon  auf  den  Besiz  der  Märtyrer  von  Calagurris  sehr  g^pründete 
Lnsprüche  erhob;  zweitens,  weil,  nach  dem  Hymnus  ptriaL  1  damals 
lalagurris  die  besuchteste  Wallfahrtsstätte  Spaniens  war,  wo  «die  Patrone 
ler  Weif  angerufen  wurden ,  und  wohin  wahrscheinlich  Fntdentnis  auch 

Centuriat^fM  Magd,  t  1, -^  emU,  4  —  eap.  10.  —  Stephan  Ckamiiltard  m  Ml  Bnt> 
dentü,  —  Martmus  Carrüb  —  Bist  S,  Valerii  (aasffihrlich).  —  Ludov«  JDieM  d$ 
Äux  in  der  spanischen  Version  der  Hymnen  des  Pradentias.  —  Lnpercius  und 
Bartholomäus  Leonardo  y  Argensola,  Epist  über  diese  Streitfrage.  —  Emmanuel 
Bisco,  Etptmna  sagrada,  t.  81,  p,  25  —  109,  besonders  92—109.  —  Carol.  Ao^- 
stinas  AntaiduB  praes,  der  itaL  Version  der  Sehrift  evntra  SynmuichiM,  —  Andr. 
Miüer  ad  Aymn.  8  KaL  Jan.  —  Stephan.  Borgia,  Kardinal  m  opert:  „Vaiieana 
confetsio  beaä  Pairi  —  Bemy  Ceiaier,  naw.  id.,  t  8,  p.  100.  Bomae  1776.  — 
Ebendahin  neigt  sich  F.  Arevalo,  und  von  den  Neaern  Mtddeldarp/^  p.  3 — 6. 
Bahr,  S.  41,  —  Rohrbacher-Rnmp,  Kirchengeschichte,  Bd.  8,  S.  96— 97.  — 
ObbariQS  —  1845  verzweifelt  daran,  etwas  Bestimmtes  zu  wissen;  ähnlich  sagt 
Alb.  Dressel:  Patria  igitwr  poitae  urhs  quaenam  /uerit,  adhtte  quaeritur.  — 

Für  Calagurris  als  die  Heimath  des  Dichters  sind  von  den  Spaniern  u.  a.: 
Gardas  LoaUa  —  CoUect.  coneil.  Bup,  po$t  conciL  Lucens«;  J.  Markma,  L  4,  eap.  7.  — 
Thomas  Tamaj/o  de  Vargas.  —  Joann.  Marieta,  hutoria  €<desiatL  L  21,  p.2X  — 
Am.  Oihenart  Notitia  utriusque  Vasconiae,  cap.  7 ,  p.  139.  —  Nicol.  Antonio ,  Hb.  2 

—  cap.  T —  der  —  nach  Arevalo  „ingens  pondua  huic  causae  adjecit".  —  Franz 
Perez  Bayer  entscheidet  sich  in  Folge  eines  0>dex  ÄemüUm.  aus  dem  10.  Jahrh. 
für  Calagurris.  —  Ebenso  B.  Fhrez,  1 15,  p.  328.  t  29,  292.  —  de  Castro,  t  II, 
p.  213  sq.  —  Von  Nicht  -  Spaniern  sind  u.  a.  zu  nennen:  Goldast,  praef.  MannaL 
BibHc  —    00.  Fabriäus,  ap.  Weitz,  p.  308.  —    Bhetus,  erüie.  saer.  l  3,  eap.  26. 

—  de  Calagwrri  Nassica  V.,  Prudentii  patria  diatriba  auct.  0.  Z.  —  Albert  Fabri- 
cms,  BibUoth,  tat  vetus  t.  2,  eap,  2,  Üb.  IV.  —  Jos.  Moret,  atmaL  l,  4,  eap,  4.  — 
TUUmont,  mim.  1 10,  p.  561.  —  Christop.  Ceüarius  in  prarfat.  ad  ediL  IhtdentH, 
Matth.  Sekröckh,  K-G.,  8,  S.  101  u.  a.  m. 

0  s.  TOtaoNy  10,  561. 


342  Siebentes  Bach.    FOnfies  Kapitel. 

gewaII£Edirtet  "war;  drittens,  weil  Calagarris  so  nahe  bei  and  gewisser- 
massen  so  identisch  mit  Saragossa  war,  dass  lezteres  für  die  Matterstadt 
des  erstem  gelten  konnte.  Viertens,  gerade  in  dieser  Zeit  machte  ein 
anderes  Calagorris,  das  gallische  jenseits  der  Pyrenäen,  so  sehr  von  sich 
reden,  dass  darin  für  den  Dichter  eine  Aafforderung  lag,  za  unter- 
scheiden zwischen  anserm,  dem  nahen  Calagurris,  der  begnadeten  Stadt 
der  glorreichen  Blutzeugen  Christi,  und  dem  andern  Calagorris,  der 
Stadt  des  Vigilantius,  den  Hieronymus  den  Doimitantias ,  imd  den 
stummen* Quintilian  nennt  Erst  in  neuester  Zeit  ist  es  gelungen,  die 
Lage  des  gaUischen  Calagorris  genau  zu  ermitteln.  Vielfach  wurde  die 
Heimath  des  Vigilantius  in  Spanien  gesucht;  und  gleichwie  Gennadius 
am  Ende  des  fünften  Jahrhunderts  sich  bemüht,  den  unliebsamen  Haon 
nach  Spanien  hinüberzuschieben,  so  bemüht  sich  Prudentius  am  Anüeunge 
des  fünften  Jahrhunderts,  sein  Calagurris  der  Märtyrer  von  dem  Cala- 
gorris des  Kezers  zu  unterscheiden  und  zu  säubern. 

Wir  stehen  also  für  Saragossa  als  die  Heimath  des  Dichters  ^).  Wir 
sagen:  Prudentius  stanmite  jedenfalls  aus  der  Provinz  Tarraconensis,  und 
sehr  wahrscheinlich  aus  der  Stadt  Saragossa.  Der  Dichter  beschreibt  in 
seiner  Vorrede  seine  Lebensbahn:  £r  ist,  ^wenn  er  sich  m'cht  täuscht,*^ 
im  J.  348  geboren.  Den  Ort  seiner  Geburt  hätte  er  angeben  können, 
ohne  zu  sagen  „wenn  ich  mich  nicht  täusche^.  Aber  —  vielleicht  bat 
er  ihn  gerade  darum  nicht  angegeben,  weil  es  sich  von  selbst  verstand, 
dass  er  aus  Saragossa  stammte,  woselbst  es  ein  Geschlecht  „Clemens' 
gab.  Vielleicht  kann  man  auch  den  psychologischen  Grund  geltend 
machen,  dass  derjenige,  welcher  an  dem  Orte  schreibt,  woher  er  stammt, 
leichter  den  Ort  auslassen  werde  bei  Angabe  der  Zeit  seiner  Geburt,  als 
wenn  sein  Geburtsort  ihm  als  ein  entferntes  Objekt  gegenüber  steht  ^). 

Es  ist  von  andern  schon  bemerkt  worden,  dass  Prudentius  wahr- 
scheinlich anter  dem  gefeierten  Rhetor  Petrus  zu  Saragossa  seine  Aus- 
bildung erhielt,  in  der  sich  klassische  und  christliche  Bildung  vereinigten. 
—  Zu  einer  näher  nicht  zu  bestimmenden  Zeit  machte  er  eine  Reise 
nach  Rom,  auf  jener  grossen  Heerstrasse,  die  von  Leon,  oder  auch  von 
Gades  nach  Rom  führte.  Dort  betete  er  in  Imola  (Forum  JuUi)  am 
Grabe  des  heiligen  Märtyrers  Cassian ;  er  dachte  mit  Sorgen  zurück  an 
sein  Haus  in  Spanien ,  aber  er  erreichte  in  Rom ,  was  er  verlangt   (Dass 


')  Dafür  spricht  noch  das  in  S.  aus  Münzen  nachweisbare  Geschlecht  der  Clemens 
(Florez,  MedaüoM  t,  1,  Tab,  9,  num.  9);  ferner  das  Verhältnisse  in  welchem  sich 
Prudentius  in  hpn,  perüt,  11  —  zu  Valerius  als  seinem  Seelenhirten  stellt,  der 
für  seine  glückliche  Rückkehr  gebetet;  ferner  die  Worte  des  Epilogus :  ne  paterno 
m  €Uri  (der  Dichter  befindet  sich  in  seinem  väterlichen  Hause).  V.  25. 

*)  Darüber  habe  ich  eben  jezt  in  München  einige  Erfahrungen  gemacht  Die  hier 
Gehörnen  betrachten  diess  gleichsam  als  selbstverständlicli.  Ich  dachte  dabei 
freilich  nicht  daran,  diese  Erfahrungen  für  die  Vaterstadt  des  Prudentius  ver- 
werthen  %n  wollen. 


Aureliat  ProdentiiiB  ClaiMiit.  S4S 

jandweg  nadi  Rom  eingeschlagen,  ist  auch  ein  — -  sobwaeher  — 
für  seine  Heimath  im  nördlichen  Spanien.)  Sein  Bekenntnisai 
in  der  Hize  der  Jugend  sich  einem  ausgelassenen  Leben  hin* 
j  -wird  bis  heute  noch  als  baare  Wahrheit  angenommen^).  Man 
i  dabei  ganz  und  gar,  dass  alle  Frommen  und  alle  Heiligen^ 
s  wenn  sie  früher  in  weltliche  Geschäfte  yerwickelt  waren,  lüm- 
Lenntnisse  ablegen.  Bei  Augustinus  liegen  bestimmte  Thatsachen 
Aber  —  wenn  Cyprian  oder  wenn  Paulinus  von  Nola  sich  an* 
so  sehen  wir  darin  den  Ausdruck  ihrer  Demuth  und  Zerknir- 
—  Ist  es  ohnedem  eine  fast  unerklärliche  Ersdieimmg,  wie  der 
dentius  mit  57  Jahren  —  eine  solche  Vollendung  als  christlicher 
bewährt  Seine  unsterblichen  Werke  zeugen  gegen  sein  Be- 
i;  sie  bezeugen,  dass  er  von  Jugend  an  in  dem  und  aus  dem 
it,  was  er  am  Abende  seines  Lebens  so  unvergleichlich  beschreibi 

Dgt 

lentius  war  also  nach  vollbrachten  Studien  Anwalt ,  und  als 
gezwungen,  es  manchmal  mit  der  Wahrheit  nicht  allzu  genau 
len.  Zweimal  war  er  kaiserlicher  Statthalter  ,,edler  Süidte^^), 
3r   zu    der    Würde   eines    kaiserlichen   Palastbeamten   erhoben 

Dass  er  in  spanischen  Städten  gewaltet  habe,  wird  mit  nichts 
et    Es  ist  wahrscheinlicher,  dass  es  in  Italien  geschehen ,. oder 

Auslande,  da  der  Kaiser  Theodosius  tüchtigen  Spaniern  — 
ßhtige  Aemter  anvertraute.  Der  Ausdruck  mHUiae  gradu  eveetum 

viele  zu  der  Annahme  verleitet,  dass  Prudentius  auch  ein 
gewesen  sei.  —  Denn  —  der  Nachdruck  liegt  darauf,  dass  der 
Q  in  seine  unmittelbare  Nähe  gezogen,  ihm  also  die  Würde 
nes  Palastbeamten  aufgetragen  habe.  —  Prudentius  gehörte  zu 
nannten  militia  Palatina^   zu   den   Hofchargen,    die,   wie   die 

und  Protectorea,  das  Vorrecht  hatten,  Waffen  zu  tragen,  was 
«rerboten  war*). 

nont,  p.  561.  —  Dressel  sagt  proleg,  p.  III,    Similes  igitur  sid  habuü  Tertuüuh 

C^fpricmum  et  al. 
'atio  V.  16:       Bü  legum  moderamine 

Frenos  nobiUum  reximus  vrbium 
Jus  civiU  bonis  reddidinus,  terruimtu  reo», 
),      '^  Tandem  miliHae  gradu 

Euectum  pietas  PrindpU  extuUt, 
Assumtum  propius  atare  jubena  ordme  proximo, 
dex  Theodos,  ed.  Gothefr.-Ritter,  üb.  VII.  —  paratitlon  —  und  Üb.  VI,  L  9  et,  24. 
.  hi,  qui  amissam  militiam  nostro  judido  receperunt,  —  In  einem  mUltiUriscben 
e,  wie  der  römische  stets  war,  galt  es  als  höchste  Anszeichnang,  militari- 
1  Titel  und  Rang  zu  haben.  —  s.  Nicol.  Antonio ,  pag.  221.  —  Mtddsldorpf, 
\iidentio  et  theoiogia  Prudentiana  Commentat,  Wratisl,  1823.  4  —  p,  8.  —  In 
m.  2,  47  —  gebraucht  Prudentius  die  Worte:  nee  arte  fortes  bellica -^  wob} 
von  sieb.  —  Gennadius  cap.  73  —  nennt  ihn  einlach;  mih*  Palaiimtf% 


344'  Siebentes  Bach.    Fünftes  Kapitel. 

Er  hatte  schon  das  sieben  und  fün£Eig8te  Jahr  erreicht;  et  war  er- 
graut (wie  der  Dichter  Martial)  bei  seiner  Heimkehr  nach  Spanien  und 
beschloss  y  den  Best  seines  Lebens  in  seiner  Heimath  nur  Gott  zu  leben. 
Er  beschloss  nun,  das  dichterische  Talent,  mit  dem  er  ausgestattet  war^ 
zum  Lobe  Gottes  zu  verwerthen.  Kein  Tag,  keine  Nacht  sollte  ver- 
gehen, ohne  daas  er  Gott  Hymnen  sänge,  kämpfte  g^en  die  Lrlehren, 
den  katholischen  Glauben  erklärte,  die  Greuel  des  Heidenthumes  zer- 
träte, den  Idolen  Roms  Schmach  bereitete,  den  Märtyrern  sein  Lied 
widmete,  die  Apostel  lobte*). 

Dieses  Programm,  die  von  ihm  übernommene  Au%abe  hat  er  wirk- 
lich und  fast  buchstäblich  gelöst.  Man  sezt  sein  Lebensende  um  das 
8«iM  J.  413,  was  nicht  mehr,  als  eine  Yermuthung  ist.  Li  seinen  Schriften 
ten  finden  sich  keine  Andeutungen  über  den  im  J.  409  erfolgten  ISnfall  der 
Barbaren  in  Spanien,  so  dass  die  Vollendung  derselben  vor  diese  Zeit 
üüen  könnte.  —  Einige  seiner  Schriften  scheinen  in  der  Zeit  vor  405 
verfasst  oder  angefiEmgen  zu  seyn. 

Auf  die  yyPräfaUo^,  der  vorstehende  Angaben  über  das  Leben  des 
Prudentii^  entnommen  sind,  folgt: 
cathe.  L    Cathemerinon  (xaO^fiegiväv)  Über,   12  Lieder  für  den  täg- 

Tob/  liehen  Gebrauch:  1)  Hymnus  ad  gälli  canlum.  Dieser  Hymnus  „Äla 
did  nunHm^^  ist  noch  heute  theilweise  in  kirchlichem  Gebrauche.  — 
2)  Hynmus  mattdintiSy  ebenso:  Nox  et  terubrae  et  nubila  ^).  —  3)  Hymnus 
ante  cibiun.  Er  empfiehlt  hier,  sich  des  Genusses  von  Fleisch  vierfüssiger 
•  Thiere  zu  enthalten;  dagegen  nennt  er  die  Traube  „paeis  alumna^.  Hier 
findet  sich  die  Lehre  von  dem  Sündenfall  und  der  Erlösung  entwickelt 
Es  ist  das  Weib,  welches  das  Haupt  der  Schlange  zertritt,  nemlich  die 
seligste  Jungfrau  (Vers  127 — 28;  149  —  155.  —  4)  Hymnus  poit  cibum. 
Der  heilige  Geist  ist  zugleich  von  Christus  und  dem  Vater  gesandt 
(h.  6,  V.  8.)  —  5)  H^ymnus  zum  Anzünden  der  jylu4iema^.  Der 
Kiesel  ist  es,  dem  das  zum  Dienst  der  Menschen  nöthige  Licht  ent- 
springt. Er  mahnt  an  Christi  Leib.  Vor  Ostern  werden  Nachtwachen 
gehalten  (V.  137  —  140) ,  wobei  die  Kirchen  mit  glänzendem  Kerzenlichte 
erleuchtet  sind  (V.  141 — 44).  Mächtige  Lampen  hingen  von  dem  Ge- 
wölbe der  Eirche  herab  *).  —  6)  Hymnus  ante  somnum.  Wer  zu  Bette 
geht,  soll  Stime  und  Brust  mit  dem  Kreuze  bezeichnen.  7)  Hymnus 
jejunantitun.  Man  findet  eine  lange  Beschreibung  des  Jonas  von  Niniveh. 
Alles  fastete,  auch  Säuglinge  und  Thiere.    8)  Hymnus  past  j^unium. 


')  Middeldorpf,  p.  9.  —  Nie.  Antonio,  p.  222. 

*)  Hymn.  1  und  2  sind  übersezt  in  Schlosser,  »die  Kirche  in  ihren  Liedern  durch 

alle  Jahrhunderte«.    Freib.  1863,  Bd.  1,  S.  87—90. 
*)  Rudolph  Hasse,  Eirchengreschichte ,  1.  Bd.,  1864,  S.  216  —  17.    «Am  AbeoJ 

des  grossen  Sabbats  erleuchtete  man   die  Städte  —   und  feierte  —  bi«  zom 

Tagesanbruch  die  Ostervigilien.« 


Aareliot  Prudentiut  CleneM.  345  - 

Das  Fasten  wird  zur  neunten  Tagesstunde  gelöst  —  9)  Hymnus  amnU 
Iwrae.  Christus  heisst  fans  et  clausula  omnium.  Es  ist  ein  sehr  schöner 
Hymnus,  der  mit  den  Worten  schliesst: 

Der  Ströme  Laaf  and  Wellen,  die  Krümmungen  der  Ufer, 
Regen,  Hize,  Schnee  nnd  Reif,  Wald  and  Lüfte,  Tag  and  Nacht 
Sollen  im  Wettgesang  dich  preisen  alle  Zeit. 

10)  Hymnus  ad  exequUu  defuneU  —  enthält  eine  erhebende  trostreiche 
Anschauung  vom  Tode  des  Christen,  und  von  der  Auferstehung  der 
Todten.    Hier  stehen  die  bekannten  Worte: 

Jam  maesta  quie$ee  querela, 

11)  fiynmus  auf  den  25.  Dezember  (Weihnachten).  In  dieser  Nacht 
erblühte  die  ganze  Erde  in  einem  neuen  Blumenschmuck ,  und  selbst  die 
Sandwüsten  dufleten  wie  von  Narden  und  Nectar.  Aus  den  starrsten 
Feben  fieng  es  zu  sprossen  an.  Von  Honig  träufelten  die  Kuppen, 
Yon  Balsam  die  Tamarisken. 

12)  Hymnus  auf  Epiphanie: 

Qßiieunque  Chriatum  quaentiä,  i 

oculo*  in  altum  toUiU  ')  —  eic. 

ist  in  kirohlichem  Grebrauche  —  an  ^esem  Festtage.  Wie  JuToncuSi 
erklärt  er  die  Geschenke  der  drei  Weisen.  Ein  Theil  des  Hymnus  ist 
beim  Feste  der  unschuldigen  Eünder  in  unser  Brevier  aufgenommen. 
Hier  stehen  die  herrlichen  Worte: 

ScUveU  Jhrea  martyrum 
quos  htcis  ipso  in  limine 
Christi  insecutor  sustulit 
ceu  turho  ncucentea  rosas*). 

Das  eine  Werk  Cathemerinan^)  hätte  dem  Dichter  einen  unvergäng- 
Uchen  Namen  erworben,  und  von  diesem,  wie  den  übrigen  Werken  des 
Prudentius  gelten  gewiss  die  Worte  des  Horaz: 

Ubi  plura  nitent  in  ccnrminef 

Non  ego  paucis  offtndar  maculis*). 

n.  Das  Werk :  Apotheosis  (a^to&äcjaig)  enthält  nicht,  was  das  Wort  Apo. 
im  herkömmlichen  Sinne  nahe  legt   Es  ist  eine  Vertheidigung  der  Gott-  •^•**^*' 
heit  Christi  gegen  verschiedene  Häresieen.    Das  Gedicht  hat  sieben  Ab- 
theilungen; —  über  und  gegen  die  Patripassianer  (V.  1  — 177),   die  er 


0  Uebersezt  bei  Fr.  Schlosser,  p.  93  — 99.  ^ 

*)  Heil  Blüthen,  Erstlings -Zengenchor, 

Die  Christi  Feind  im  Jugendflor 

Hinwärgt,  wie  des  Orkanes  Kraft 

Die  jangen  Rosenknospen  rafft  (nach  Schlauer,  1,  S.  93). 
*)  %.  Sdirikkk,  Kirchengeschiehte,  7,  8.  112— 18. 
<)  HoraL  de  arte  poitica,  V.  351  —  52. 


AureUu  Fiudenüu  Clemcu.  SA7  ' 

B  bann  nar  einen  Gott  geben,  welcher  Einbeit  die  Dmheit 
itrag  thnt;  was  Marcion  (V.  Ö6)  leugnet,  der  den  bösen  Grott 
beherrschen  läset  (V.  111  —  502  sq.) ,  deren  Schöpfer  (opifex) 
i  der  den  Gott  des  neuen  Bundes  von  ihm  trennt,  .was  dev 
eines  verdorreten  Gehirnes  ist"  (V,  125)>  Nach  dem  Dichter 
tehen  hier  die  Worte;  ^ 

apraba  mort  quid  nm  mortaÜa  pectora  eogit  (V.  149  aad  207)'). 

iber  ist  nicht  der  Urheber  des  Bösen,  sondern  der  gefallene 
158  flg.),  der  Lucifer.  Er,  „von  schönstem  Angesicht,  seiner 
ich  überhebend,  mit  allzugrosaen  Kräften  erhaben  —  wird 
1  und  zeigt  prahlerischer,  als  recht  war,  süne  Flammen 

[oiunlalqut  tuoi  lieilo  jaetaatüu  igitt*]  (V.  171), 
det  sich,  daag  er  sich  selbst  erachu£fen.  Von  ihm  stammt  allea 
•  Welt  (V.  216  %•),  auch  in  der  vernunflloeen  Natur,  z.  B,  selbst 
e,  welche  die  Wälder  niederwerfen  (V.  246),  das  Uebor- 
n  des  Landes  durch  die  Walser,  von  ihm  auch  der  iiber- 
iiimuck  der  Frauen  (V,  2G6  flg.).  Vielleicht  sind  die  geriug- 
Worte  über  das  weibliche  Geschlecht: 

X  KXiu  male  /ortin  ugil,  aä  ptctote  m  arto 

,  fragilU  f^dli  «itioTum  JUtct^at  aeaiu    (V.  277  — TO  n.  738—739) 

tigung  dessen ,  was  früher  In  diesem  Werke  —  zur  Erklärung 
^elhaften  Stillschweigens  (K.-G.  Bd.  1,  S.  308  —  310)  über 
n  Jungfrauen  Spaniens  gesagt  wurde,  die  ihr  Leben  fUr  den 
aben.  Er  eifert  auch  gegen  die  obscöneil  Schauspiele  (V.  388) 
laplele  (Y.  361  flg.),  wo  sich  die  Angenlust  sättigte^},  und  die 
len  Arten  der  Ueppigkeit ').  Das  Böse  kommt  nicht  von  der 
r  dem  Körper,  sondern  von  dem  bösen  Willen  (V.  523  flg.). 
jt  selbst  verantwortlich  für  das  Böse,  welches  er  thut  (V.  5Ö3)- 
Schärfe  und  Klarheit  hebt  er  die  Freiheit  des  Willens  hervor. 

Aeneid.  3,  56-57: 

Quid  non  nortalia  ptclora  cogä 

168-74.   —    WahrschciolieS^ckämpfl  er  die  sp^Uchen  Slicrkampre  in 

Inde  ftrat   volucri  tema-aria  corpora  taltu 
trami&ml  morlinjue  i'nler  düenmina  ludunt. 
Sangidnii  Awnaai  ^tctacula  pubUcut   edtt 
cunjenmi  legtaqae  jubent  vtnale  parari 
«upp/iciun,  i/uo  membra  kominuia  ducerpta  cruenlii 
MoTiibia  obUctenl  hilaran  de  /untre  pUbem, 

I  ZengDi»  ist  oben  S.  52—53  nicht  citirt,  and  ist  auch  Andern  entgKOKen.) 
hcUil  et:  personal  eloquiim  —  t.  d.  K.-G.,  Bd.  1,  S.  99.  —  Dm  Jcltmm 
a   flode    ich    nirgend«    (als   in   der  veliu   Ilala).      Hier   fladet   lieb   ftho- 
■  Wort  periooa,  und  Doeb  im  lezlen  Vene  dei  Oiehteri; 
jwiabil  ort  ptnonaut  ChritUan. 


348  Siebentes  Buch.    Fflnflefl  KApitol. 

Ab  Beispfiel  mtA  n.  a.  Lots  Flacht  aus  Sodoma  angeftthrt  Er  wird 
gerettet^  weil  er  will,  sein  Weib  nicht,  weil  sie  nicht  will|  wobd  der 
Dichter  wieder  Anlass  nimmt,  seiner  ungünstigen  Anschaumig  Ton  dem 
weiblichen  Gheschlechte  Ausdruck  zu  geben  (Y.  723 — 776).  Die  Begie^ 
lichkeit  nach  dem  Bösen  wird  an  Beispielen  und  Gleichnissen  erläutert 
—  Himmel  und  Hölle  werden  beschrieben.  Es  schliesst  mit  einem  Gfe- 
bete  an  Gott  den  Vater  und  Gott  den  Sohn.  Er  verdiene  nicht  den 
Himmel;  aber  es  möge  das  Feuer  der  Hölle  ihn  verschonen: 

Xtix  immensa  aUos  et  tempara  vincta  eoronis 
glor\fictnt:  me  poena  Um»  thmmter  adwraL 

Man  hat  Zweifel  an  der  Aechiheit  dieser  Schlussverse  erhoben; 
denn  sie  haben  eine  su  ausgeprägte  katholische  Farbe  ^). 
Psycho.  IV.  Es  folgt  das  Gedicht  „P$yehomaehia^  (V^XOfHiKl^)  in  915 
'*  Versen ,  darstellend  den  Kampf  der  christlichen  Tugenden  mit  den 
Lastern*  Es  beginnt  und  es  schliesst  mit  innigem  Gebete  m  Christus. 
Die  Vorrede  ist  in  Jamben,  das  Gedicht  selbst  in  Hexametern  geschrieben. 
Es  wird  dargestellt  der  Kampf  des  Glaubens  mit  dem  Gösendienst,  der 
Keuschheit  mit  der  Unkeuschheit,  der  Geduld  mit  dem  Zorne,  des 
Stolzes  mit  der  königlichen  Demuth,  der  üeppigkeit  mit  der  Nüchtern- 
heit, des  Geizes,  dessen.  Wirken  sehr  ausführlich  und  anschaulich  ge- 
sdiildert  wird,  des  G^es,  dem  auch  die  Hüter  des  Heiligthums  ans- 
gesest  sind,  des  Geizes,  der  sich  in  das  Gewand  der  pffichtmässigen 
Sparsamkeit  und  christlicher  Genügsamkeit  kleidet,  mit  —  der  Vernunft 
und  der  Thätigkeit  (OperaHo)j  welche,  nach  der  Vorschrift  des  Heirn^ 
nur  für  heute  arbeitet,  und  für  die  Zukunft  auf  Gott  hofft;  der  Kampf 
der  Eintracht  mit  der  Zwietracht,  der  Häresie  und  des  wahren  Friedens 
mit  dem  falschen  und  trägen  Frieden.  Nachdem  alle  Laster  ge£dlen 
sind,  erheben  sich  die  Eintracht  und  der  Glaube,  und  ermahnen  die 
Christenheit  zu  allem  Guten.  Dann  wird  dem  Herrn  ein  herrlicher 
Tempel  gebaut,  dessen  Grundlinien  in  der  geheimen  Offenbarung  vor- 
gezeichnet  sind. 

Dieses  G^cht  trägt  einen  ausgeprägten  spanischen  Charakter.  Ich 
möchte  es  das  erste  dramatische  Fei||pdicht  und  Festspiel  nennen;  und 
was  man,  neben  einzelnen  für  unsem'  Geschmack  allzu  natürlichen  und 
derben  Schilderungen,  zum  Lobe  der  Festspiele  eines  Calderon  gesagt 
hat^),  das  findet  seine  volle  Anwendung  auf  das  vorliegende  Lehrgedicht, 
das  den  Zweck  hat,  die  Laster  in  ihrer  verabscheuungswürdigen  B^ 


«)  Schröckh,  K.-G.  7,  126. 

*)  y.  Franz  Lorinser,  Don  Pedro  Calderons  de  la  Barea  OeiaÜiche  Festspiele  in 
deotscher  Uebersezong  mit  erklärendem  Commentar  und  einer  Einleitnng  ber* 
ausgegeben,  2  Bde.,  Regensb.  1856.  A.  Fr.  Schock,  Geschichte  der  dramatitcben 
Literatur  und  Kunst  in  Spanien,  2.  Aufl.,  1.  Bd.  —  1854.  —  3.  Bd.,  8. 169 
-251  flg. 


Anreliiu  Pradentiiu  Clement.  349 

hkeit|  die  Tugenden  in  ihrer  ansiehenden  Liebenswürdigkeit  darzu- 
tllen« 

V.  Die  Libri  duo  contra  Symmaehum  bestehen  aus  zwei  Vor- 
len,  Yon  89  und  66  ^  und  2  Büchern  von  657  und  1132  (heroischen)  >w*i 
srsen.  —  Der  Senator  Sjmmachus  hatte  im  J.  384  an  Valentinian,  g«gM; 
leodosiuB  und  Arcadius  die  Bitte  gerichtet,  den  Altar  der  Victoria  im  ^^*^ 
nate  zu  Rom  wiederherstellen  zu  lassen ,  den  Gratian  entfernt  hatte  ^). 
ie  AmbrosiuB,  so  erhob  sich  Prudentius  gegen  solches  Unterfangen. 
)er  das  vorliegenge  Gredicht  ist  nicht  vor  dem  J.  395  und  403  ver&sst 
er  doch  vollendet    Das  erste  Buch  beschreibt  den  schändlichen  Ur- 
ning und  die  Geschichte  des  alten  GözendiensteS|  und  geht  sodann  über 

der  Bekehrung  Borns  yon  demselben.  Rom  möge  b^grüssen  dife 
rrlichen  Heerführer  (Petras  und  Paulus),  die  Gesandten  des  unbesiegten 
Sniggy  unter  dem  es  neubelobt  sein  Greisenalter  yon  sich  gelegt ,  und 
r  Winter  seines  Hauptes  einem  neuen  Frühlinge  habe  .weieken  müssen, 
erst  trank  Nero,  nachdem  er  seine  Mutter  ennordet|  das  Blut  der 
»ostel.  Dann  wüthete  Decius  gegen  die  Christen ,  und  erweckte  den 
itdurst  Vieler  nach  ihm. 

Aber  im  vierten  Jahrhundert  beugten  sich  die  Geschledhter  des  heid- 
chen Roms  vor  Christus.  ^^  Hunderte  adeliger  Häuser  von  altem  G^ 
ilechte  haben  sich  zu  den  Fahnen  Christi  gewendet;''  sie  bilden  das 
lenüiche  Ronu  Dabei  hat  der  Dichter  übergangen ,  dass  die.  Frauen 
rin  die  Wege  bahnten.  Zuerst  kamen  sie,  dann  die  von  ihnen  er- 
i;enen  Söhne,  während  die  Töchter  sehr  oft  den  Müttern  voraneilten, 
d  sehr  langsam  hinkten  die  Männer  nach,  wenn  sie  überhaupt  nicht 
rückblieben. 

Das  zweite  Buch  —  widerlegt  ausführlich  die  Gründe,  welche 
mmachus  für  die  Wiederherstellung  des  Gözendienstes  vorgebracht 
T  Dichter  wiU  (wie  Augustinus,  Orosius  u.  A.)  zeigen,  dass  die 
urige  Lage  des  Reiches  nicht  ihren  Grund  in  der  Verachtung  der 
en  Gatter  habe.  In  diesem  Werke ,  das  mit  vielem  Fleisse  und  vieler 
ile  yerfasst  ist,  wetteifern  Kenntniss  und  allseitige  Bildung  mit  reinem 
d  warmem  Eifer  für  das  Chriilpithum. 

Im  J.  403  schlug  der  Feldherr  Stilicho  den  ersten  Einfall  des  West- 
äien  Alarich  zurück.  Darauf  beziehen  sich  die  Worte  B.  2,  V.  696  flg. 
,Vor  Kurzem  (nuper)  versuchte  der  Getische  Tyrann  Jtalien  zu  zer- 
inn,  voll  Zorn  konmiend  von  dem  väterlichen  Ister,  diese  Burgen  zu 
ileifen,  die  vergoldeten  Dächer  (des  Capitols)  zu  verbrennen,  mit 
üerfellen^)  die  mit  der  Toga   geschmückten   Adeligen   zu  kleiden. 


0  R.  Hatte,  Kirchengeschichte  1864,  S.  103. 

*)  matintdt  —  V,  699  ^  Itidor,  orig.  i9,  23  —  mattntca  ut  wetiU  gtrwumka  t  peiU- 


350  Siebentes  Btich.    Fünftes  Kapitel. 

Honorius  aber  und  sein  Feldherr  Stilicho  hätten  in  der  Kraft  des  Ei 
gesiegt.  —  Das  Volk  aus  Pannonien  sei  vernichtet  worden.  Lei 
häufen  haben  die  Felder  bei  Pollentia  bedeckt  Es  folg^  eine  pom] 
Anrede  an  den  Forüsrnntu  princeps,  —  ^Jede  Furcht  sei  ferne;  wir  1 
gesiegt 9  es  ist  uns  vergönnt  zu  frohlocken').*^  Der  Kaiser  wirc 
ermahnt  y  sich  um  heidnische  Begehren  nicht  zu  bektimmem.  — 

—  Honorius  war  kein  Theodosius;  und  seit  dem  J.  409  erzitterte 
römische  Reich  in  seinen  Grundfesten  unter  den  Fusstritten  der  Vi 
und  Spanien  vor  allem  wurde  zertreten  und  ausgesogen. 

Perute.  VI.  Das  Buch  peristephanon  (negi  arcfpavcov)  ist  uns  in  dem  < 
»**""""•  Bande  dieses  Werkes  eine  reiche  Quelle  und  Fundgrube  gewesen, 
historischem  Werthe  für  die  Kirchcngeschichte ,  sowie  an  äusserm 
fange  ist  es  die  bedeutendste  Schrift  des  Prudentius.  Es  sind  vie 
GFedichte  auf  vierzehn  Märtyrer,  in  verschiedenen  lyrischen,  selbs 
gischen  Versmaassen.  Der  erste  ist  der  Hymnus  auf  die  heiligen 
tyrer  Emeterius  und  Chelidonius  von  Calagurris  —  V.  120.  —  Es  f 
2)   die  Passio  des   —  aus  Spanien   stammenden   Märtyrers   Laur< 

—  V.  685.  —  Das  schöne  Gedicht  weist  bedeutende  poe'tische  Lic< 
nach;  es  lässt  z.  B.  den  Papst  Xystus  gekreuzigt  werden.  Wir  v 
nicht,  ob  diese  Eigenheit  des  Dichters  Absicht,  schwaches  Gedäcb 
Verwechslung  oder  Mangel  an  Quellen  ist^).  —  Unter  den  Bitte 
naht  sich  dem  Heiligen  auch  Prudentius,  mit  den  Worten: 

üos  inter,  o  Christi  decus^  sed  per  patronos  marfyres 

audi  poitam  rusticum  potett  medelam  consequi. 

cordis  fatenUm  crimina  Audi  benignus  suppKcem 
et  facta  prodentem  sua  Christi  rettm  Pr udentium 

indignus  agnosco  et  sciOf  et  servientem  corpori 

quem  Christus  ipse  exctudiat,  absohe  vincUs  secuU^). 


>)  Tillemont  meint,  das  Werk  gegen  Symmachus  sei  am  Ende  des  J.  403  ve 
Das  „nuper**  aber  passt  auch  noch  Tür  405;  er  irrt  sodann,  wenn  er  vom 
bis  407   —   57  Jahre   zählt.    —     Tiil.  10,  560  (562)     -566,      (Prutlence, 
chr^tien.) 
*)  DölUnger,  Hippolytus  und  Kalllstus,  S.  55. 
')  O  Zierde  Christi!  höre  auch 

Den  Dichter,  der  so  einfach  singt, 

Der  seines  Herzens  Laster  treu 

Was  er  verübte,  laut  bekennt 

Wohl  weiss  ich,  dass  ich's  werth  nicht  bin  — 

Dass  Christus  selber  mich  erhört 

Doch  flehen  Märtyrer  für  mich, 

Dann  wendet  er  sein  Heil  mir  za. 

O  höre  mild  den  Bittenden, 

Den  seholdigen  Pmdentias! 

Und  ihn,  der  noch  dem  Körper  dient  — 

Errette  von  der  Erde  Joch. 


Aurelins  Pradentias  Clemens.  351 

Es  ist  wohl  zu  beachten,  dass  Spanien  damals  schon  den  Lanren- 

3  als  seinen  Heiligen  verehrte ;   Antonius  j  Damasus  und  Prudentius ') 
d  Zeugen  dafür. 
Der  Hymnus  3  —  (mit  215  V.)  —  ist  in  honorem  Eulaliae  martyrU 

von  Emerita,  welchen  wir  theil weise  mitgetheilt  haben.  Die  beiden 
lesten  deutschen  Editoren  der  Werke  des  Prudentius,  Obbarius  im 
1845,  A.  Dressel  im  J.  1860  —  tragen  kein  Bedenken,  eine  von 
«er  heiligen  Eulalia  verschiedene  heilige  Eulalia  von  Barcelona  anzu- 
imen.  Sie  sagen:  „Diejenigen  thun  Uebel  daran,  welche  sie  mit  der 
lalia  von  Barcelona  verwechseln^).'^  —  Dressel  fügt  bei,  dass  unter 
1  Gedichten  des  Prudentius  dieses  durch  frommen  Ernst  und  Schön- 
it  der  Fassung  weit  hervorrage.  —  Die  prächtige  Kirche,  welche  schon 

vierten  Jahrhundert  sich  über  dem  Grabe  der  Heiligen  erhob,  und 
lehe  wohl  die  einzige  aus  dieser  Zeit  besonders  genannte  Kirche  ist, 
:  keine  geringe  Aehnlichkeit  mit  dem  Ideale  jenes  Tempels,  den  -^ 
I  Gemeinde  Gt>ttes  auf  Erden  —  dem  Herrn  nach  erlangtem  Siege 
er  alle  Feinde  bauen  solL 

Den  Hymnus  4  —  auf  die  achtzehn  Uartjrrer  von  Saragossa  — 
>en  wir,  nach  der  Uebersezung  Silberts,  ganz  mitgetheilt;  denn  Akten 
1  diesen  Märtyrern  giebt  es  nicht;  und  der  in  Saragossa  selbst  woh- 
ide  Dichter  konnte  sich  näher  über  das  unteifichten,  was  mit  diesen 
Iden  und  Heldinnen  geschehen  war.  —  Wir  erfiüiren  nicht,  wie  viele 
bre  die  heilige  Encratis  nach  ihrem  Martyrium  noch  gelebt  habe« 
»er  aus  den  Worten: 

Einen  TheÜ  der  Leber,  dir  aosgerissen, 
Sah'n  wir»  vor  den  folternden  Zangen  liegen, 
Ganz  besizt  der  lebende  Tod  dich;  Theile 
Hat  der  erstorbene  — 

ante  man  folgern,  dass  Prudentius  in  seiner  frühesten  Jugend  noch 
\  heilige  Encratis  in  Saragossa  gesehen  habe,  was  wegen  des  beider- 
tigen  Alters  wohl  möglich  war.  ^Durch  das  Recht  des  Grabes^  haben 
\  Achtzehn  die  Herrschaft  über  das  eine  Saragossa.  Ebenso  herrschen 
ch  „dem  Rechte^  des  Grabes  Ghelidonius  und  Emeterius,  „die  wir  ver- 
len,  über  unser  Galagurris;^^  »ibm  gewähren  sie  siegreich  ihres  Grabes 


*)  Eine  Andentnng  finde  ich  in  den  Worten: 

Der  Vasco  and  der  Ibems 
Und  Berge -Ketten  trennen  uns: 
Die  Alpen  und  die  Pyrenäen 
Mit  ewigem  Schnee  bedeckt,  von  dir. 
V.  538 — 40.  —  V.  Perez  Bayer  —  diu,  de  Ltwrentio,  cap.  4  —  Prudmüiu  vulgari 
tenientiae  adttipulatwr,  cap,  5  —  6, 
^  Sie  ciUren:  Tkomae,  cord.  eacr,  p.  306,  —  Mabiütm,  amuiUe  VII,  417.  —    Ar« 
Bt^fer,  de  S,  Laurentio,   —  Lee  viee  des  Samte,  VIII,  p,  264,  457. 


352  Siebentes  Buch.     FüDftes  Kapitel. 

Glanz  ^,  und  ^die  ferne  unbekannte  Stadt''  (Leon  in  Galizien)  hat  kein 
Anrecht  an  sie^). 

Der  5.  Hymnus  enthält  die  Passion  des  heiligen  Vincentius  (575  V.). 
Er  ist  verfasst  auf  den  Tag  seines  Triumphes: 

Blick  seiend,  hoher  Märtyrer! 

Auf  deinen  Sie^estag  herab, 
Der  einst  den  Preis  des  Blutes  dir, 

Den  Kranz,  o  Sieger,  dargereicht. 
Dich  führte  jauchzend  dieser  Tag, 

Als  du  den  Quäler  und  die  Qual 
Besiegt,  aus  tiefer  Finsterniss 

Zu  Christus  in  den  Himmel  ein.    (vergl.  V.  561  —  62). 

Bei  diesem  Hymnus  hält  sich  der  Dichter  genau  an  die  von  uns 
mitgetheilten  Martyrerakten,  die  selbst  schon  eine  poetische  Färbung  im 
edlem  Sinne  des  Wortes  an  sich  tragen  ^  die  ihnen  also  der  Dichter 
nicht  zu  geben  brauchte. 

Der  6.  Hymnus  ist  der  von  uns  angeführte  ^) :  „in  honorem  beaHsri- 
morum  martyrum  Fructium  episc.  Tarraconenm»  et  Augurii  et  Eulog» 
dicieonorum^^  —  V.  162.  —  Der  Hymnus  7  ist  zu  Ehren  des  seligsten 
Märtyrers  Quirinus,  des  Bischofs  von  Siscia  (Sisseck)  in  Pannonien  (V.  90), 
der  mittelst  eines  Steines  in  den  Fluss  Save  versenkt  wurde  —  J.  310^). 

—  Wenige  Verse  folgen  auf  den  Ort,  wo  die  Märtyrer  von  Calagurris 
litten  y  jezt  ein  Baptisterium.  —  Die  (9.)  peueio  des  Cassian  von  Forum- 
julium  —  Imola  —  ist  schon  erwähnt  —  V.  106.  —  Ausführlich  wird 
das  Leiden  des  Märtyrers  Romanus  von  Antiochien  beschrieben  — 1140. 
War  der  Anlass  zum  9.  Hymnus  das  fromme  Weilen  des  Prudentius  am 
Grabe  des  Heiligen ,  und  sein  frommer  Glaube,  dass  auf  dessen  Fürbitte 
seine  Reise  nach  Rom  von  Erfolg  gewesen,  —  so  erklärt  sich  vielleicht 
der  10.  Hymnus  daraus,  dass  Romanus  —  seit  den  ältesten  Zeiten  sein 
Fest  in  der  Kirche  von  Spanien  hatte  —  18.  November.   Der  11.  Hymnus 

—  Leiden  des  seligsten  Märtyrers  Hippolytus  —  246  —  ist  aus  be- 
kanntem Anlasse  in  den  jüngsten  Jahren  untersucht  worden  *).  Von 
einem  Schisma  des  Hippolyt  wusste  man  nichts.  Prudentius  verwechselt 
das  von  ihm  veranlasste  Schisma  mit  dem  des  Novatian ,  welches  wenig- 
stens 35  Jahre  jünger  ist;  und  sein  Hymnus  ist  im  Grunde  nur  eine 
po^'tische  Umschreibung  des  an  der  Mauer  über  dem  Grabe  des  HeiligeD 
angebrachten  Frescobildes.  Novatianer  gab  es  aber  auch  zur  Zeit  des 
Prudentius  oder  doch  Pacianus  noch  in  Spanien,  so   dass  dem  Pruden- 


>)  K..G.,  1,  320-29. 

»)  K-G.,  1,  269. 

0  Ilfyricum  sacrum,  ed.  TarlaH,  U  5,  p.  317 --€02  (p.  325-26;  347). 

«)  Döüinger,  Hippolytos  und  Kallistus,  1853,  S.  55—66. 


Anrelius  Prndendas  Clement*  S5S 

das  eine  solche  Verweohslimg  um  so  näher  lag  ')•  Der  Hippolytos  des 
PnidentiiiBi  dessen  Gedächtniss  am  13.  August  begangen  wird,  war 
Presbyter  in  Rom,  Gründer  eines  Schisma ^  oder  doch  Vorsteher  einer 
ibgesonderten  lürchengemeinschaft,  kehrte  aber  vor  seinem  Tode  aur 
Kirche  zurück.  —  £s  folgt  —  12  —  die  Passio  der  Apostel  Petrus  und 
Paulus  —  V.  66.  —  Nach  Prudentius  starben  sie  an  einem  Tage,  jedoch 
in  dem  Zwischenräume  eines  Jahres.  Zuerst  wurde  Petrus  gekreuzigt 
Paolos  nach  ihm  enthauptet  Die  Grebeine  des  Petrus  befanden  sich  auf 
der  rechten  Seite  der  Tiber;  auf  der  linken  Seite  Paulus  auf  dem  Wege 
^  Ostia,  wo  Constantin  eine  Kirche  baute,  Theodosius  und  Valentinian  IL 
ane  herriiche  Basilika  errichten  liess.  Das  betreflbnde  Edikt  an  den  PrXr 
Tekten  Sallustiitt  ist  noch  yorhanden  %  Die  im  J.  1823  verbrannte  Ba- 
iüika  hatte  die  Inschrift:  Theodatiu»  eqpü,  pcrfecU  Onoriui  auUtm  Dociarii 
'nundi  iaertikan  corpore  Pauli,  Pladdiaepia  mem  operii  deemhonmepaUmi 
HUidet  PoiUifieii  iiudio  iplendere  Leonii  ^).  —  Das  —  13  —  Leiden  des 
leiligen  Cyprian  —  Y.  106  —  verwechselt  diesen  mit  dem  Märtyrer 
)]rprian  von  Carthago.  —  Der  —  14.  —  Hymnus  ist  die  Passio  der 
leiligen  Jungfrau  Agnes  —  Y.  183.  Yon  den  Heiligen  dieser  14  Hymnen 
«finden  sich  11  in  der  alten  spanischen  Liturgie,  und  daraus  mag  sich 
om  grossen  TheOe  erklifareni  warum  ihnen  der  Dichter  seine  Lieder 
lewidmet  hat,  welche  auch  selbst  in  die  gottesdienstlichen  Bücher  der 
panischen  Kirche  ttbergiengen.  Zu  den  Siegesliedem  auf  Hippolytos 
nd  Cassian  wurde  er  wohl  durch  seinen  Aufenthalt  in  Italien  veranlasst, 
nd  zunächst  durch  die  Gemälde,  welche  die  Passio  Beider  nach  seiner 
[einung  vorstellten^).  —  Zu  Quirinus  aber  —  zog  ihn  wohl  eine  be- 
)ndere  Yerehrung;  von  Bomanus  hoffte  er  es  zu  erlangen,  dass  er  auf 
sine  Fürbitte  am  jüngsten  Gerichte  von  der  linken  auf  die  rechte  Seite 
estellt  werde*).       ..|uu 

Die  Hymnen  des-  firudentius  waren  für  den  Dienst  der  Kirche  zu- 
ichst  in  Spanien  bestimmt,  und  was  Damasus  in  Rom  für  die  römische 
irche  gethan,  in  der  er  den  Gebrauch  der  Hynmen  einführte,  das 
ihnte  Prudentius  für  die  spanische  Kirche  an.  Aber  ein  Theil  seiner 
Glichen  und  herrlichen  Lieder  —  wurde  von  der  ganzen  Kirche  an- 
id  aufgenommen,  und  unvergänglich  leben  sie  nun  fort  in  dem  Munde 
ad  Herzen  der  Gläubigen.  Die  sie  beten  oder  singen,  betrachten  sie 
Is  Kirchenlieder,  und  denken  nicht  an  Prudentius.  —  Aber  —  eine 
cQssere  Ehre  und  Auszeichnung  konnte  diesem  grossen  christlichen 


')  DöUiDger,  S.  66. 

^  8.  Drtstel,  l  c.  p.  456.  —  Barm,  386.  nr.  29. 

*)  NiaM,  DeUa  BaiOica  di  8.  Päoio  ^  B^ma  1816. 

't  periiUpk  9,  V.  10.  "  k.  11,  V.  185. 

•)  A.  10,  V.  1139  -  40. 

OuM,  tpwi.  Klrehe.    II.  23 


S54  Siebentes  Buch.    Fftnftee  Kapitel. 

Dichter  mcht  zu  Theil  werden,  als  dass  seine  Gksänge  mehri  als  die 
eines  andern  Dichters  vor  oder  nach  ihm,  ein  gemeinsames  Gut  der 
ganzen  Christenheit  geworden  sind.  —  Dass  der  Dichter  seine  Hymnen 
ftlr  die  Kirche  verfiEUwte,  deutet  wohl  Gtennadios  mit  den  W<Nrten  an^): 
er  verfasste  auch  zum  Lobe  der  Märtyrer,  j, unter  den  Namen  Einiger' 
(im  Namen  Anderer)  —  ein  (zum  Lobe  derselben)  einladendes  BudL  — 
Was  Gknnadius  als  erstes  Werk  des  Dichters  nennt  (djp^dkon},  das  ist 
das  lezte  und  kleinste  Werk ,  genannt  DUtoehaean  ^).  —  Es  bebandelt  in 
.je  vier  Versen  1)  Adam  und  Eva;  2)  Abel  und  E[ain;  3)  die  Arche 
Notti;  4)  die  Eiche  von' llambre;  5)  das  Ghrabmal  der  Sara;  6)  der 
Traum  des  Pharao;  7)  Joseph  von  seinen  Brüdern  erkannt;  8)  das  Feoor 
in  dem  Dombusche;  9)  der  W^  durch  dafi  Meer;  10)  Moses  empftngt 
das  Gesez;  11)  das  Manna  und  die  Wachteln;  12)  die  eherne  Sdilaoge 
in  der  Wttste;  18)  das  Bitterwasser  in  der  Wüste;  14)  der  Hain  EUm 
in  der  Wüste;  16)  die  zwölf  Steine  im  Jordan ;  16)  das  Haus  der  H.  Raab; 
17—18)  Samson;  19— 20)  Dayid^  Davids  Beich;  21)  der  Tempelban; 
22)  die  PtophetensShne ;  23)  Israäh  Ge&ngenschaft ;  24)  das  Hans  des 
Ezechias. 

Das  Neue  Testament:  26)  Maria  und  der  Engel  Gabriel;  26)  die 
Stadt  Bethlehem;  27)  die  Gbben  der  Weisen;  28)  die  Hirten  von  den 
Engeln  gemahnt;  29)  die  Kinder  in  Bethldiem  werden  ermordet; 
30)  Christus  wird  getauft;  31)  die  Zinne  des  Tempels;  32)  Wawer 
aus  ^Wein;  33)  der  Fischteich  Siloa;  34)  der  Tod  des  Johannes; 
36)  Christus  wandelt  auf  dem  Meere;  36)  der  DXmon  in  die  Schweine 
gdassen  (daemon  mi$8u8  in  pcreos);  37)  die  fünf  Brode  und  die  zwei 
Fische;  38)  Lazarus  von  den  Todten  auferweckt;  39)  der  Blnt- 
acker;  40)  das  Haus  des  Caiphas;  41)  die  Säule  ^  an  welcher  der  Hei- 
land gegeisselt  wurde;  42)  das  Leiden  des  Heilamles;  43)  Christi  Ghitb; 
44)  der  Oelberg.;  46)  der  Martyrtod  des  Stephanu£(  46)  die  schöne  Pforte; 
47)  das  Gesicht  des  Petrus;  48)  das  Gefäss  der  Auserwählung ;  49)  die 
gdieime  Offenbarung  des  Johannes. 


')  Omtnad,  c.  13  de  vir,  iüusir,  Prudentiua  vir  saecukui  UtUratura  erudiitu  ccmpomdL  SU»- 
chai9(m  de  toto  veieri  et  novo  teetamento  persoms  excerptie,  commentaiuM  est  m  morm 
grcucoruM  hexaimeron  de  muruU  fabrica  ueque  ad  con<Utionem  primi  honUnit  ei  fret- 
varictMiionem  ejus,  eompoeuit  et  Ubeüoe,  quoa  graeea  appeUatione  prattituhmt  tqtoAeotu, 
ptjfchomacia,  amarügema  id  est  de  divinitaie,  de  eompuncttone  <mimi,  de  oriffine  peceo' 
torum,  fecü  et  in  kuidem  mar^prum  sub  aliquontm  nominibue  irnntatorimn  Ubnan  wm 
et  hymnorum  aUerum,  epeeiaU  tarnen  intentione  aduersus  Symmackum  idolalairiam  ^ 
fendentem:  ex  quorum  leciione  agnoecitur  pcUatinus  miles/uisse,  —  Tillemont  —  p*  5^ 
Übersezt  obi^e  Worte:  er  habe  in  einigen  Märtyrern  —  alle  verherrlicht.  - 
Mir&us  liesst:  ȟb  aliorum  nominibue, 

*)  TUUmont,  m^n.  L  10,  Note  2  eur  BrwUnee,  p.  819  —  20.  Einige  schreiben  et  dem 
Dichter  Amoenns  zu;  andere  meinten,  dass  Prudentina  diesen  Beiaamefl  ^' 
tragen  habe. 


Aurelios  Prndentias  Clemens.  385 

imadiiie  giobt  einen  so  unklaren  und  fehlerhaften  Bericht  über  die 
des  Prudentius,  die  er  nicht  näher  gekannt  zn  haben  scheint, 
r  seiner  Aussage  nicht  su  glauben  brauchen ,  Prudentius  habe 
1  Hexa^Smeron  yerfieisst    Die  Thatsache  ist  wahr,  indem  er  wie- 

tind  ausführlich  von  der  Schöpfung  des  Menschen,  von  dem 
fall  und  Ton  der  Fortpflanzung  der  Sünde  in  der  Mensdiheit 
;  aber  ein  Werk  unter  dem  obigen  Titel  hat  er  wohl  nicht  yer- 
-  Ich  bin  überhaupt  der  Ansicht,  dass  wir  alle  Werke  des  Pjru-  p^ 
,  wie  sie  ursprünglich  verfasst  waren ,  besizen.    Das  yon  ihm  in  ^'^f^ 
Einleitung  verfiusste  Programm  hat  er  in  den  auf  uns  gekommenen  Dtehtcr 
I  vollkommen  gelöst,  er  hat  das  Lob  Gottes  gesungen  in  seinem 
erinon,^^  hat  gegen  die  H&resieen  gekämpft,  den  katholischen 
1  entwiekdt  und  yertheidigt  in  seiner  Apotheosis ,  seiner  Hamar- 

und  seiner  Psjchomachia,  drei  Werkra,  die  sich  enge  an 
r  anschliesien ,  und  die  man  in  einem  gewissen  Sinne,  auch 
itholische  Glaubens-  und  Sittenlehre  nennen  kann,  er  be- 
)  das  Heidenthum  und  überantwortete  es  der  verdienten  Schmadi 
n  zwei  Büchern  gegen  Symmachus,  er /«reihte  ein  Li^  den  Mar- 
und  lobte  die  Apostel  in  seinem  Werke  Peristephanon. 
3  Schriften  des  Prudentius  machen  auf  den  Leser  den  unabwds-  „a 
üindruck ,  dass  der  Dichter  alles  selbst  in  innerster  Seele  gefühlt,  ^^^*^ 
so  seelenvoll  und  so  innig  beschreibt,  dass  er  all'  das  im  Leben 
bt  und  vollbracht  habe,  was  er  .so  gläubig,  so  demüthig,  so 
und  gewaltig  schildert  Es  weht  aus  diesen  Liedern  dn  höherer, 
reihter,  ein  in  Christus  und  aus  ihm  lebender  G^ist  uns  an;  wir 
uns  einer  Gesinnung,  einer  Hoffiiung  und  Liebe  mit  dem  Dichter. 
3bt  uns,  er  erquickt  uns,  er  erfreut  uns,  er  beschämt  uns.  Seine 
)  Demuth,  seine  zarteste  Frömmigkeit,  der  hohe  Schwung  seines 
,  das  reine  und  starke  Feuer,  das  ihn  ganz  durdbglühet,  imd 
stets  zu  beherrschen  weiss,  wir  erkennen  es  an,  wir  preisen  ihn 
:h,  und  wir  danken  seinetwegen  Gott  Er  war  in  der  That  ein 
igter  Christ,    „dessen  Feuer  durch  den  heiligen  G^st  in  seinem 

entzündet  war,   und  der  durch  seine  Wärme  gleichzeitig  die 

Anderer  überredet  und  erwärmt  ^).^  Er  erhebt  die  Poesie,  in- 
*  sie  in  den  Dienst  der  Religion  führt.  Er  war  vielleicht  der  ge- 
te  der  christlichen  £Kchter,  aus  dem  man  viel  über  die  Gesclnchte 
e  Alterthümer  der  Kirche  er&hren  kann.  Mit  Recht  vergleicht 
lonius  mit  Horaz  ^) ;  und  wir  glauben  nicht  zu  übertreiben ,  wenn 
38sen  Worte  auch  für  Prudentius  den  Dichter  in  Anspruch 
i: 


ammt,  m.  10,  S64. 
io«.  Ap,  ep.  2f  9, 

23 


366  Siebentes  Buch.    Fünftes  Kapitel. 

/fi^Mi»i0ii  €m  »äf  an  mens  dimnior,  atque  as 
Moffna  sanaturum,  des  nominü  huiut  honorem  *). 

Wer  an  Beispielen  sehen  will,  -wie  das  Christen thum  die  Einaeben 

und  die  Völker  adelt,  weiht  und  ihnen  erst  ein  wahrhaft  menschliches 

Leben  verleiht ,   der  vergleiche  die  lezten  Lebensjahre  des  spanischeD 

Pr«.  Dichters  Martialis,  des  Heiden,  mit  dem  spanischen  Dichter  Pmdentius, 

^n!*  dem  Christen«    Beide,  suchen  ihr  Glück  auswärts;  beide  weilen  in  Rom. 

^^^  Beide  kehren  am  Abende  ihres  Lebens  in  ihre  Heimath  zmück ,  beide 
57  Jahre  alt;  beide  weisen  auf  den  Schnee  hin,  der  ihr  Haupt  bedeckt 
Aber  von  nun  an,  welcher  Unterschiedi  Martialb  ist  mürrisch,  ver- 
drossen, launisch;  oder  von  einer  unnatürlichen  Gleichgiltigkeit  In 
Bilbüis  beachtet  I^iemand  den  Dichter;  er  verachtet  das  bloerische  Volk. 
Aber,  da  er  sich  selbst  überlassen  ist,  so  versinkt  er  selbst.  Er  ver- 
geudet seine  lezten  Lebensjahre,  hüllt  sich  in  schmuzige  Kleider,  l&sst 
sich  gehen,  und  schläft  oder  gähnt  bis  in  den  hohen  Tag  hinein').  — 
Er  hat  offenbar  das  2iiel  seines  Lebens  verfehlt  Als  er  nach  vier 
Jahren  gestorben  (104 — 5  n.  Chr.),  hat  Plinius  die  kühlen  Worte  für 
ihn:  j,Ich  höre,  dass  Martialis  gestorben  ist,  und  er  thut  mir  leid,  denn 
ich  hatte  ihm  bei  seiner  Heimreise  ein  Zehrgeld  gegeben,  da  er  Verse 
auf  mich  gemacht ').' 

Ptudentius  kehrt  am  Abende  seines  Lebens  heim ,  um  erst  wahrhaft 
Gk>tt  und  sich  selbst  zu  leben.  —  Er  lebt  in  der  Kirche  und  in  Christus 
auf,  und  er  lebt  j,in  den  Liedern  der  Kirche^  unsterblich  fort  Was  er 
geschaffen  und  gesungen,  es  tönt  erweckend  und  belebend  in  die  Herzen, 
es  wird  segenschaffend  und  lebenweckend  fortwirken  bis  zu  dem  Ablaufe 
der  Zeiten.  Sehet  doch  den  Unterschied  zwischen  dem  heidnischen  und 
dem  christlichen  Spanien! 

Ausgaben  (mit  Auslassung  der  Ausgaben  einzelner  Schriften):  Da- 

w^^^  verUiriae  —  1492,    Prud.  po^lae  opera  —  Venct  ap,  Aldum,  1501  et  1502. 

—  Aur.  Pr.  dem»  viri  carmdaris  libdli  cum  Comtnmto  ArUonU  NeMt- 
$ensU  —  Xueromt  1512,  —  Zweite  Auflage  davon  1512  oder  bald  darauf. 

—  Atir.  Prud.  Cl.  viri  eonsuL  op.  —  schoUa  per  Joann.  Sichardum,  BatiL 
1527.  —  1536,  —  opera  mtdto  quam  anUa  ecutigctUora  —  Antverpiae 
1536  und  1540.  —  op.  cum  Siehardi  et  Eramm  Boter.  commentarüa.  BatiL 
1540.  —  poimtsta  omma^  Baal.  1542.  —  Opera  Prudentü;  Lugdun.  per 
Joann.     Tomoeiium.  12.  —  1553.  —   Aur.  Pr.  CL   V.  C,  eaera,  quac 


«J  EwaL  Sat,  1,  4,  43— U. 

*)  MartiaL  Epigramm,  L  12,  18  ad  JwmaUm: 

InpenH  finor  m^^robofue  »omno 
Quam  fMc  terHa  satpe  rumpil  hora, 
Sie  me  vwßre,  de  juoai  ptrirt, 

*)  K.-G.  1,  S.  66;  besondert  8.  133  and  die  Belegstellen  das. 


Aureliot  Pradenüiis  ClemeBt.  367 

ty  poSmaia  omnia.  Bcuüeae  1562.  —  Aur.  Pr.  CL  v,  e.  i^Mra,  a 
re  OiieUno  eorreeta^  t£  annotoHanibut  ilhuircUa.  BaM.  1862. 
?oiUirum  veterum  eeeleikutieamm  opera  ehrUiiiana  et  aperum  reH- 
aiqut  fragmenta  etc.  diUg.  et  tiwUo  OeorgH  FabrieU  (ßienrnüeenä». 
(PracL  Bteht  an  erster  Stelle.)  —  Eodem  anno,  A.  P.  CUmem^ 
l  PuhnamU  Gr.,  ei  V.  Oüelim  opera.    Antv.  1564  (ex  flde  IQ  ead^ 

—  PrudenHi  apera  a  Viet&re  OiseUno  earreeta  et  emnoiatUmUna 
tOa.  PariSy  1566.  —  ap.  ex  ree.  V.  OisdM  -^  Ltsffd.  BaUw.  1591 
W.  —  A.  Pfud.  dem.  apera  a  V.  OUeUno  iorretta:  ad  Hippolifkan 
em  CardincUem.  CoUmiae  1594.  —  Die  Ausgabe  —  Lugdimi  BaUw. 
en  wied^iitlt  1696,  1003,  1610. 

m  J.  1613*  erschien  die  vortreffliche'  Ausgabe:  AureUi  PrudenHi 
ntii  V.  C.  opera  novUer  ad  tnss.  fidem  reeeneUa^  inierpolata,  inmumerie 
idii  purgaUij   notkqtte  et  indiee  aeeurato  ÜUutreita  a  M.  Jo.  Weitsdo^ 

AeeesBenmt  onmium  doetorum  virammy  quotquot  in  Prudentium 
irunt,  notaef  sehoUa  atque  obeervatUmes  ewn  OloeeU  veteräna.  Hon- 
;  (Hanau),  1613.  —  SP.  —  (Die  von  Weitaus  hier  geslunmelten 
rer  des  Prudentius  sind :  buüeulut  interpretum :  AeUi  AntonU  SArU^ 
L  C.  Annot€dione9  in  Hymnos  et  Psyehomaehiam.  Joannii  Siehardi 
Seholia.  Eraemi  Boierodami  eommentariöUt»  in  duos  hymnoe.  JaeM 
m  I.  C.  interpretatio  in  hymnum  omniiian  fiorarum.  QeorgU  ^a6ridi 
}ieeneu  in  quoedam  hymnoe  expaeitio.  Adami  Siberi  eehoUdia.  Victor^ 
d  Sanfordiani  eommentariu».  QeorgH  Bend  I.  C.  Notae.  AdanH 
Tri  Siberi  Commentariolfit  in  tre$  hynmoe.  Andreae  WUkU  expoeitio 
mdam  ex  Apotheoei  vereue.) 

Mr.  Pr.  Cl.  V,  C.  opera:  Ex  poetrema  doet.  tHronmi  reeemione  Am" 
mi  1625. 1631.  1648.  PrudentH  earmina  —  Antverpiae  1663.  SP.  — 
I  PrudentU  OUmentis  quae  exstant  Nie.  Heinnue  Dan.  FU.  Ex  vetu^ 
xpl.  ree,  et  Ammadv.  a^fecit  Ametelod.  ap.  Elzevir.  1667.  —  2  wA. 
—  Aur.  PrudentH  Clementie  opera  inierpretatione  et  notis  iUustrapit 
tnus  ChamUlard  e  Soe.  Jeeu.  Jussu  Chrietiamenm  regie  ad  utüm  eere^ 
i  Delphini.  Parisiis  1687.  4P.  —  Landini  1824,  3  vol.  —  Aur.  Pru^ 
Clementis  V.  C.  Opera  cum  notii  Nicolai  HeineU  Dan.  ßU,  et  vorto- 
ioctorum  virarum  maxime  neeeesarOs.     Subjeetus  est   in  fine   index 

et  verbonan  loeupletimmue.     Colon.  1701.  —   Aur.  PrudentH  CU^ 

quae  exetanty  reeenndt  et  adnotationibut  üUatravit  Chrietophorus 
UiS,  qui  et  indices  eopionores  rerum^  et  verbarum  addidit.  Hälae  1703. 
Ho  eeeunda  1739  —  Parmae,  ab  1.  TeoliOj  2  vol.  ^.  —  OällandH 
ih.  t.,  8  (Venet.  1788),  p.  433  —  542. 

Is  folgt  die  glänzende  Ausgabe :  M.  AureUi  Clemeniie  PrudentH  V.  C. 
%a  ad  opUmm  quaeque  ediäones  et  mse,  eodd.  Bomanas  aUoeque  reco^ 
et  correeta  gloieie  Isonis  Magiatri  et  aliie  veterum  nunc  primum  e 
Jepromptiij  prolegomenis ,  commentariii  et  lecHonibui  variantibus  iUur 
a  Fauetino  Arevala.   Ad  beatiseimum  pettrem  et  D.  N.  Pium  Sextum 


i 


866  Siftbealei  Buch.     Fftnftet  Kapitel. 

P.  JL  Bamae  1788  —  2  VM.  4.  —  Gtobser  konnte  1827  diese  Am 
gäbe  weder  in  Wien  noch  Rom  bekommen ,  wess wegen  er  Tielleicl 
über  den  Dichter  Jarenoos  nicht  hinauskam*  Th.  Obbariua  erachtete  e 
im  J.  1846  für  ein  besonderes  Glück,  dass  er  durch  einen  Herrn  ^Hei 
sius^  ein  Exemplar  dieser  Ausgabe  erhielt ,  die  er  allen  andern  yorzieh 
wiOirend  Alb.  Dreasel  im  J.  1860  (proUg.  p.  41—43)  den  Tadel  den 
Lobe  Torwalten  Usst  —  Diesse  Ausgabe  ist  abgedruckt  und  dadurd 
sum  G^emeingttte  geworden  in  PaUrologia  kUma  aetwramU  J.  P.  Mign/t 
U  59  HßO.  PaHi.  1847  (P^ythomaehia  H  PerisUphanm  in  t.  60,  di( 
übrigen  in  U  59). 

AurtUi  PrtidentU  CUmeniü  earmina.  BeceniuU  et  expltmnrit  Theodom 
ObbeuiM  —  Tubingae  ei  LondM  (1845).  Er  benüzte  5  Codices,  davot 
2  ans  WolfonbütteL  Diese  Ausgabe  ist  alles  Lobes  wertb.  Wohl 
thuend  ist  die  Bescheidenheit  und  Liebe  des  Verfassers  für  sein  Objekt 
ÄMtdli  PrudenÜi  quae  exeUuU  camUna.  Ad  VcOiee.  aliontmque  Codieum  e 
optimarum  edUUmum  fidem  reeenmiiy  Ueüonum  varietaU  ühuhraoU,  noA 
eaBpUemU  Albertue  Dreeeel  Upeiae  (Pariiüi.  Bomae.  LondM)  1860.  - 
Dressel  benüste  römische  Codices  (Akx.  321.  VaL  3859.  3860.  582i 
Cod.  Akx.  348.  Cod.  Pal  242  müeeü.  Cod.  Alex.  14W  membr.)  —  in 
Oanien  S2.  —   Die  Vorrede  ist  aus  Rom  vom  Mära  1860  geschrieber 

—  Die  Ausstattung  ist  au^geeeichnet.  Die  Varianten  sind  vollständig 
Die  erklilrenden  Anmerkungen  zwar  nicht  erschöpfend,  aber  doch  dankeiu 
werdL  Der  Buhx  verborum  ei  phrarium  wXre  vielleicht  noch  nicht  voll 
sttndigy  wenn  er  doppelt  so  ausführlich  wäre,  als  er  ist 

Den  im  Verlaufe  schon  angeführten  Schriften  über  Frudentius  trage 
wir  noch  nach  die  prolegomena  des  Arevaloj  Migne  l.  e,,  p.  571 — 766  i 
29  Kapiteln.  —  Middeldarpf  (der  Titel  oben)  Pars  J,  1823,  P.  11,  1826.4 

—  wieder  abgedruckt  in:  Illgen:  Zeitschrift  für  historische  Theologie 
2  Bd.,  Leipzig  1832-  IL  St.,  p.  127—190.  —  Aur.  Frudentius  Feiei 
gesänge,  heilige  Kämpfe,  und  Siegeskronen;  metrisch  übersezt  voi 
J.  F.  Silbert  Wien  1820.  —  DeUwigne,  de  Lyrica  c^ud  Prudei^w 
poM.  Toid  1849.  —  J.  FeesUr  insHM.  Pearologiae^  t2,  Oen^^ofUeWH 
p.  479—484.  —  Brye,  E^udee  eur  la  vie  ei  lea  Berits  de  Prudenct 
Pat.  1854.  —  FSix  CUment:  Po&e»  chrMensj  Pari»  Gaumey  1857.  - 
B.  CeOUer  noweUe  idiOon,  i.  8,  p.  100—107,  Pari»  1861.  —  NowM 
Biogre^Ue  gäUrdU  ^  p.  Didoi- Höfer  j  i.  41^  Pari»  1862. 


Sechstes  Kapitel. 

Die  PrisdUlanlsten  in  Spanien  —  bis  zum  Jahre  385. 


§.  1.    Literatur  über  dieselben. 

Nach  und  neben  der  Synode  Ton  Elvira  hat  die  Oeschichte  der 
llianisten  vielleicht  die  zahlreichsten  Schriftsteller  gefunden;  und  wir^ 
e  wir  bei  gewissen  Zeiträumen  und  Objekten,  dieser  Geschichte, 
B.  der  apostolischen  Siebenmänner,  Niemand  vorfanden ,  der  uns  darin 
6  Wege  gebahnt  hätte ,  finden  uns  bei  der  Geschichte  dieser  Sekte  in 
zahlreicher  Gesellschaft  von  Mitarbeitern ,  dass  sie  uns  vielleicht  kaum 
le  ärmliche  Nachlese  übrig  gelassen  haben.  Darum  dürfte  es  hier 
ssend  seyn,  einen  Ueberblick  der  bisherigen  Literatur  vorauszuschicken. 

Philastrius  redet  zum  J.  379  von  Manichäem  in  Spanien;  Ambrosius 
rieht  in  2  Briefen  von  der  Sekte.  Der  Panegyricus  des  Drepanius 
icatus  erwähnt  ihrer.  Sulpicius  Severus  ist  erste  Quelle  für  ihre  Ge- 
hichte,  aber  zuverlässig  nur  für  das,  was  er  selbst  beobachtet  hat 
ipst  Lmozenz  L,  Hieronjnmus,  Orosius,  Augustinus,  Bachiarius,  wohl 
LS  Galizien,  Prosper  von  Aquitanien,  Turibius  und  Leo  Magnus,  Mon- 
Dus,  Isidor  von  Sevilla  —  sind  fernere  und  spätere  Berichterstatter. 

Von  Neuem  handelt  Tillemont  ^)  sehr  ausführlich  über  sie.  Es  folgt 
ir  Verfasser  des  Werkes  B(ieefU(mu8  iUtutraUUf  Hve  de  PnseüUana  haeren 
uertaüoj  in  (AngeU  Ckdogerae  opusc.  t.  tU.):  Baceotta  €tOpu$€oU  BcienH" 
ä  e  fUologici  —  Um.  27.  Vmexia  1742,  p.  61  —  157.  —  Im  J.  1761 
rschienen  von  Petr.  Thom.  Ctsedari:   „ExereiUxtionei  Ir»  universa  ioneti 


»)  Ifoi.  t.  8,  p.  491-627}  791 --797. 


360  Siebentef  Buch.     Sechstes  Kapitel. 

Letmis  M.  apera^  ^  daronter  —  de  PriseülUmistartan  haereä  et  hUloria, 
Bomae  1751  —  ap.  Migne  P.  lat  t  55,  p.  Ml  — 1065,  eine  Abhandlacg, 
die  den  spätem  Bearbeitern  entgangen  zu  seyn  scheint  —  Simon  von 
Vriea,  diasertttUo  eritica  de  PriicUUanistis  eorumque  faiia,  doebrim»  et  tnori- 
bu8,  UUrßjecti  1745,  handelt  besonders  von  den  Lehren  der  Sekte ,  und 
ihrem  Zusammenhange  mit  den  Manichäem.  —  Francisci  Oirvesi  (Girvesj 
de  historia  PriscillianUtarum  dissertatio  in  duas  partes  dietribtUa  —  Bomae 
1750.  —  Nathanael  Lardner^  Credünlüy  of  the  Gospel  History  —  deutsch 
von  Bruhn  und  Heilmann ,  1750  flg.  —  1. 11  -  Vol.  9  —  p.  266  flg.  - 
Christian  Walch  handelt  von  der  Sekte  in:  „Entwurf  einer  vollständigen 
Historie  der  Ketzereien ,  Spaltungen  und  Lehrstreitigkeiten  bis  auf  die 
Zeiten  der  Reformation.  Thl.  IH.  Leipzig  1766  —  S.  378— 481.  Die 
Ergebnisse  seiner  Darstellung  stehen  in  keinem  Verhältnisse  mit  der 
Ausführlichkeit  Kürzer  handeln  Schröckh^),  Stolberg  ^),  Neander^j, 
Mosheim,  Hencke,  Schmidt^),  Stauedlin,  Danz,  Gicseler^),  Ruttenstock, 
Guericke®),  Ebise,  Neudecker,  Ritter,  Alzog^)  u.  a.  von  der  Sekte.  — 
Florez  hat  in  verschiedenen  Bänden  gute  Beiträge  zu  ihrer  Geschichte  ge- 
liefert —  Das  Buch :  De  haeren  PriscUUanietatum  ex  forUibtu  denuo  collatii 
diesenät  Jo.  Henr,  Bern.  Luebkert,  Haitmae  (Kopenhagen)  1840  (184!)^ 
p,  129  —  dürfte  troz  vieler  aufTaUender,  selbst  lächerlicher  Irrthümer  doch 
an  erster  Stelle  zu  nennen  seju.  Der  Verfasser  meinte  schon  damals,  dass 
ihm  nur  eine  kleine  Nachlese  geblieben.  —  Die  Schrift:  Geschichte  des 
Priscillianismus.  Ein  Versuch  von  loh.  Matth.  Mandemach ,  Priester  der 
Diöcese  Trier,  Trier  1851  —  S.  104  —  ist  eine  fleissig  geschriebene 
Abhandlung.  —  N.  Hocker  hat  dem  Buche :  Des  Mossellandes  Geschichten, 
Sagen  und  Legenden,  Trier  1852 —  einen  Excurs  angehängt,  S.  424- 
440,  worin  er  den  Priscillian  und  die  Seinigen  zu  Märtyrern  stempelt 
Hefele  uud  Marx  in  seiner  Geschichte  des  Bisthums  Trier  —  1858  — 
handeln  nur  kurz  über  die  Sekte®).  —  Jacob  Bemays:  „Ueber  die 
Chronik  des  Sulpicius  Severus.      Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  klassi- 


■)  Joh,  Matth,  Schröckh,  Christliche  Eirchengcschichte.    Theil  XL    Leipzig.  1766. 

S.  315-363.    Theil  XVIII,  Leipzig  1793,  S.  66-71. 
*)  Stoiber^,  Leop.,   Geschichte   der  Religion  Jesu  Christi,  8,   12a    12,  334-37. 

13,  44-46;  76-78.  15,  214. 
*)  Neandetf    Ä.,    Allgemeine    Geschichte    der   christlichen    Religion    und   Kirche. 

2.  Bd.,  3.  Abthlg.  —  Hamburg  1831,  S.  1477—1493. 
*)  Hftodbuch  der  christl.  Eirchengeschichte ,  1801  flg. 
•)  QißMeUr,  Lehrbuch  der  Eirchengeschichte,  1.  Bd.,  1824,  S.  290  —  91. 
•)  Guericke,  Handbuch  der  Eirchengeschichte,  7.  Aufl.,  1849,  Bd.  1,  8.534-536. 
^  Älzog,    Universalgeschichte    der    christlichen    Eirche,    7.    Aufl.,    Mainz  1859, 

8.  352-53. 
*)  Ebenso  kurz  Karl   Werner  In   MGeschichte  der  apolog.  und  poleoL  Literstor', 

Bd.  1,  J.  1861,  8.  647-653. 


f.  2.    Der  ünprang  dieeer  Sekte  —  im  Zeitalter  des  Hosive.        S61 


iiea  und  biblisehen  Stadien'  —  Berlin  1861,  4®,  hat  8.  6—19  mit 
^eoAiiigkeit  von  der  Gksohiohte  der  Sekte,  soweit  sie  innerhalb  Galliens 
srlief ,  gehandelt  Wenn  ich  die  Geschichte  der  Sekte  in  etwas  anf- 
Iren  sollte,  so  dürfte  dieses  auf  dem  Boden  ihrer  Entwicklung  und 
erbreitong  in  Spanien  seyn. 

§.  2.    Der  Ursprung  dieser  Sekte  —  im  Zeitalter  des  Hosius. 

Es  ist  stehende  Behauptung,  dass  die  Sekte  in  Spanien  in  den 
ihren  nach  370  aufgetreten^  seL  Es  wurde,  sagt  Sulpicius  Severus, 
ene  infame  Irrlehre  der  Gnostiker  in  Spanien  entdeckt,  ein  fluchwth> 
ger  Aberglaube,  in  geheimen  Schlupfwinkeln  sich  yerbergend.  Der 
rsprong  dieses  Uebels  war  der  Orient  und  Aegjpten.  Aber  unter 
eichen  Anfängen  sie  herangewachsen,  das  ist  nicht  leicht  su  berichten 
ireO  Niemand  G-enaueres  wusste).  —  Zuerst  brachte  sie  nach  Spanien 
Arcus,  der  yon  Aegypten  gekommen,  aus  Memphis  stammte.  Seine 
nhörer  waren  Agape,  eine  Frau  nicht  aus  niedrigem  G^chlecht  (nicht 
langesehen) ,  und  der  Rhetor  Elpidius  ^).^ 

Wenn  es  gelänge,  die  Persönlichkeit  dieses  Marcus  näher  zu  fixiren, 
»  wäre  die  Zeit  des  Ursprungs  der  Sekte  näher  su  bestimmen«  Hiero- 
fmoB  denkt  an  den  Ghiostiker  Marcus,  welchen  Irenäus  widerlegt 
Moser  apostolische  Mann  —  erklärt  den  Ursprung  rieler  Sekten,  und 
sonders  der  Gnostiker,  die  durch  den  A^yptier  Marcus  zuerst  in 
dlien  an  der  Rhone,  dann  in  Spanien  edle  Frauen  yerftthrten^).'  Aus- 
hrlicher  sagt  er  in  seinem  Briefe  an  die  Wittwe  des  Ludnius  aus  Bätika, 
B  Theodora,  dass  —  nach  Irenaeus  —  Marcus  aus  der  Schule  des 
isüides  j  von  Grallien  über  die  Pyrenäen  nach  Spanien  gekommen ,  und 
:h  bemüht  habe,  die  Häuser  der  Reichen,  und  darin  besonders  die 
-auen  an  sich  zu  ziehen.  ^Diess  schrieb  er  (Irenäus)  vor  etwa  drei- 
mdert  Jahren  ^).^  —  Aber  es  waren  nicht  viel  über  zweihundert  Jahre, 
id  Irenäus  schrieb  nichts  über  die  Reise  des  Marcus  nach  Spanien. 

jffieronjmus  hatte,  wie  wir,  das  Bedürfiiiss,  den  Marcus  von  Mem- 
lis  in  einer  sonst  bekannten  Persönlichkeit  zu  finden.    Vries  glaubt*). 


*)  Brimus  eam  intra  Btspanicu  Marau  iniuUi,  Aegypto  profeebu^  Mtmphi  orfUt.  Amt 
ttuditores  ßtere  Agapt  guaedam  uon  ignolnUi  midier  €i  rkUor  E^pidüu,  Sulp,  8$9.  A. 
sacr.  2,  46. 

*)  Hitnm.  in  Juajam  cap.  64  ^  v,4  —  5,  ■  qui  per  Mareum  AegjfpHiimi^  OalHantm 
drea  Rhodanum,  demde  Hispainiarum  nobilee  feminaa  deceperynL 

')  Bienm,  ep.  75  ad  Theodor<xm  viduam  «/*.  epieL  133  ad  CtneiphnUem  ^  nr,  3,  Ebenso 
eap,  121  de  vir.  eoelee.  —  Mandernach  ist  geneigt,  der  Ansieht  des  Hieronymos 
beizatreten,  S.  19,  welche  derselbe  an  nicht  weniger  als  vier  Stellen  ans- 
•pricht. 

*)  Vriee,  dieeert  criL  p,  2. 


362  8ieb6Bt60  Bach.    Seoliatet  Kif  it»L 

MarooB  sei  ein  AnhXnger  der  Sekte  der  Hieraoiteii  gotwoBen  und  dnrck 
die  VerfolguDg  des  KtieerB  Valens  gegen  dieselben  nach  Spanien  ge- 
trieben worden.  —  Der  Spanier  Ginrea^)  denkt  an  einen  MareaB,  der 
bei  dem  Dichter  Auaonina  vorkommt  ^)«  Aber  ea  ist  da  und  dort  eben 
nur  der  gleiche  Name.  Die  Uebrigen  bescheiden  sich,  mdila  ttber  ihn 
zu  wissen.  —  Baronius  weist,  unter  dem  Widerspruche  von  Ant  Pagi') 
und  Walch  —  auf  ein  Ereignie»  aus  der  Jugend  des  Epiphanias  Ton 
Salamis  hin.  Als  er  in  seiner  Jugend  in  Aegypten  weAte,  auchten 
Häretiker,  Ton  denen  er  unter  der  üeberschrift:  Qno$tiker  haer.  26  — 
berichtet,  ihn  in  ihre  Neae  zu  Tcrlocken.  ^pAber  sie  erreichten  nicht 
das  Ziel  der  gegen  seine  Seele  unternommenen  Nachstellung.  Zu  diesem 
Zwecke  waren  Weiber  im  Auftrage  der  Häretiker  geschSfiig,  ihn  in  die 
sogenannten  G^eimlehren  einzuweihen,  ja  sie  suchten  ihn  sogar  naeh 
dem  Vorgänge  jener  frechen  Frau  des  Putiphar  zu  Tcrftthren,  da  er 
damflJs  i^och  in  der  Blttthe  der  Jahre  stand.  Er  entwand  sidi  ihreo 
Q&nden,  während  sie  ihn  schmähten  und  höhnten.  Er  las  auch  die 
Bücher  dieser  Sekte,  zeigte  sie  den  Bischöfen  der  Glegend  an,  und  die 
noch  Tcrborgenen  Sdktirer  wurden  in  den  Kirchen  öffentlich  als  solche  be- 
zeichnet, sie  wurden  aus  jener  Stadt  vertrieben,  im  Ganzen  etwa  achtzig').' 
Baronius  aber  sagt  ohne  Beweis,  dass  diese  achtzig  Häretiker  — 
nach  dem  Berichte  des  Sulpicius  Seyerus  nach  Spanien  sich  b^g;eben 
mmcm, hätten  ^).  Dennoch  ist  es  nicht  unwahrscheinlich,  dass  Marcus  einer  oder 
a2||^  das  Haupt  dieser  Gesellschaft  war.  Denn  dieselb^i  Erscheinungen  bietet 
^'*  die  Sekte  hier  wie  in  Spanien  dar.  Da  wie  dort  stehen  Weiber  im 
Vordergründe.  Da  wie  dort  suchen  sie  junge  Leute  in  ihre  Neze  zu 
locken.  Da  wie  dort  verbergen  sich  Ausschweifungen  und  geheime 
Künste  unter  dem  Scheine  der  Aszese.  Wir  haben  oben  schon,  dünkt 
mir,  dieses  Marcus  Erwähnung  gethan^).  Die  Arianer  zu  Sardika 
(Philippopolis)  verdanmien  im  J.  3^^/44  den  Hosius  u.  a.  „wegen  HarcoB 
glückseligsten  Andenkens,  welchem  er  immer  schwere  Unbilden  zu- 
fügte^ ^).  —  War  Marcus  glückseligsten  Andenkens  im  Munde  der 
Arianer,  so  folgt  daraus  unwidersprechlich,  dass  er  ein  Häretiker  oder 


')  Ovrves,  disM,  hitt  p.  4. 
*)  Aauon,  epiffr.  70: 

DiCf  quid  mt  Mareut  jam  fata  novMma  fiineiui, 
*)  Criiiea  Bcaronü  ad  ann,  SSL  nr.  102  sq. 
«)  E^k.  Amt«».  26,  oop.  17^18. 
0  Baramui  ann,  381.  nr.  99. 

•)E..Q.  2,196. 
•  ^  ef.ex  opere  hülor.  ßagwL  lII(AUaM  II  parÜM  —  Ine.  decnttm  Sj^nodi  OiiMfiifai  ^ 
SmKeam^  eap.  27  —    3«d  Oumm  (damnami)  —    U  propier  heaHrnrnm  mmtriat 
Mar  cum,  eni  granu  temper  injuriae  mrogamL  —  Niemand  sa^  etwas  über  dieieo 
Mareoti  TUlemont  taeft  nur,  dast  man  nichts  von  Uun  wisse. 


f.  2.    Der  lJf9fftuMg  der  Sekte  *-  te  ZeltaHer  des  Hosint. 


«Mb  nttr.  Er  brancfate  kein  Arianer  ra  flejn,  denn  die  Geirfiidite 
Zeit  lehrt  uns,  dass  die  Arianer  mit  aUen  Feinden  der  Eirehei 
den  Donatiaten,  befreundet  waren.  Dasa  alle  Feinde  der  Kirche 
cen  Beklimpfting  einig  aind,  ist  eine  alte  Erfidirang.  Der  Mani* 
Marcus  aber  fand  es  wohl  in  seinem  Interesse,  sich  den  Arianem 
»rüdem,  und  sich  ab  einen  Ton  Hosius  Verlblgten  danustellen. 
»bigeii  Worten  erhellt  femer,  dass  Marcus  im  J.  348  nkht  mehr 
,  und  daas  er  Jahre  ]ang  sich  im  GFesichtskreise  des  Hosius  befimd. 
befimd  sieh  Epiphanius  in  Aegypten,  ab  Athanasins  sdion  i^sohof 
\.  Diess  war  seit  dem  J.  328  der  Fall').  Wenn  nun  die  Vertreibung 
[areus  aus  Aegypten  in  den  J.  328 — 29  erfolgte,  und  dieser  in 
T.  340 — 42  in  oder  ausser  Spanien  starb,  so  konnte  er  noch  ein 
ehent  sein  Unwesen  in  diesem  Lande  getrieben  haben,  und  die 
er  konnten  sagen,  dass  Hosius,  der  ihn  wahrscheinlich  in  seinem 
Ihlichen  Treiben  unsanft  störte,  ihm  stets  die  sdiwersten  Unbilden 
flgthabe. 

Hin  zweites  Anzeichen  eines  frühem  Auftretens  dieser  Sekte  ist  eine 
ft  des  spanischen  Bischofs  Oljmpius,  welcher  Ton  Optatua,  yon    otr 
stinus  und  von  Grennadius  rtthmoid  erwähnt  wnrd.    Nach  der  zu  ^JSn 
im  J.  313  aus  Anlass  der  Donatisttti  gehaltenen  Synode  wurden  q!^ 
Bischöfe  dieser  Synode,  Eunomins  und  Olympius,  nach  Afrika  ge-  p'«** 
t     „Sie  kamen  und  yerweilten  in  CSarthago  vierzig  Tage,  um  eop- 
i  zu  können,  wo  die  katholische  Kirche  seL    Diess  Hess  die  wfth- 
heParthei  der  Donatisten  nicht  geschehen:  Im.  Streite  des  Parthei- 
e  wurden  täglich  Unruhen  aufgeregt    Der  £ndent8cheid  aber  der 
öfe  Eunomins  und  Olympius  wurde  also  schriftlich  abgegeben:  sie 
rten,  jene  sei  die  katholische  Elirche,  die  auf  dem  ganzen  Erdkreise 
eitet  sei,  und  der  Ausspruch,  der  ycm  neunzehn  Bischöfen  schon 
t  gegeben  sei  (eben  von  der  Synode  im  October  313) ,  könne  nicht 
hoben  werden.'   So  conmiunicirten  sie  mit  dem  Clerus  des  (Bisdiofii) 
ian,  und  kehrten  zurück'). 

>ie8e  Sendung  nach  Afrika  bestätigt,  dass  Olympius  zu  den  an- 
lensten  Bischöfen  seiner  Zeit  gehört  habe.  Diess  bestätigt  Augustin 
hm,  wenn  er  sagt:  ^Olympius »  ein  spanischer  Bischof,  ein  Mann 
prossem  Ruhme  in  der  Kirche  und  in  Christus,  sagt  in  irgend  .einer 
liehen  Abhandlung:  ^^Wenn  der  Glaube  je  unversehrt  auf  Erden 
eben  wäre,  und  seine  festen  Spuren  eingedrückt  hätte,  welche  —  er, 


fiia  Ejjf^fkami  er  ort  JocuuU»  di§c,  e,  26  —  im  Eiogeng  der  Ausgabe  des  Petavint. 
Lanam,  die  Fettbriefe  des  heiligen  Athanasins,  1852,  8.  26—27;  47.  Hefele 
7.  G.  i,  429. 

Optant,  dt  tekitmate  DomL  L  i  -^  eap,  26  --  er  ffigt  bei:  Ds  tif  rs6ii0  habmut 
flrtprii,  qmod  si  yms  voiumif  m  nammmk  pmrtämM  UgmU 


364  Siebentes  Boch.     Sechstes  Kapitel. 

nachdem  sie  eingezeichnet  waren  ^  verliess,  so  h'ätte  nie  die  todtbringende 
Uebertretung  des  ersten  Menschen  sich  in  dem  Geschleohte  fortgepflanzt^ 
80  dass  nun  die  Sünde  mit  dem  Menschen  geboren  worde.^^  Diese 
Worte  führt  er  gegen  Julian  als  Zeugniss  an,  dass  Olympiuft  die  Erb- 
sünde lehre  M. 

Grennadius  aber  führt  ihn  unter  den  Seiuriftstellem  mit  den  Worten 
an:  ^Olympius,  von  Nation  ein  Spanier ,  schrieb  ein  Buch  dea  Glaubens 
gegen  diejenigen,  welche  die  Natur  und  nicht  den  freien  Willen  an- 
klagen,  indem  er  zeigt,  dass  das  Böse  nicht  durch  die  Schöpfung,  son- 
dern durch  den  Ungehorsam  in  die  Natur  (des  Menschen)  gekommen 
sei^).^  Es  leuchtet  ein,  dass  der  Name  und  die  Schrift  des  Verfiussen 
bei  Augustin  und  Oennadius  dieselbe  sei.  Femer  ist  es  mehr  als  wah^ 
scheinlich,  dass  dieser  Olympius,  „dessen  Ruhm  gross  war  in  der  Eorcbe 
und  in  Christus^,  der  nach  Carthago  gesendete  Olympius  war.  Dem- 
nach fiele  seine  Zeit  zusammen  mit  dem  Zeitalter  des  Hosius;  er  mag 
nach  der  Synode  von  Elvira  Bischof  geworden,  und  vor  der  Synode 
von  Sardika  gestorben  seyn. 

Sein  Bischofesiz  ist  noch  nicht  ermittelt  Was  Florez  für  Barcelona 
beigebracht,  ist  nur  Vermuthung  ^).  Ich  meine,  er  sei  Bischof  einer  im 
Auslande  nicht  bekannten  Stadt  gewesen,  also  namentlich  nicht  von 
Barcelona,  deren  Name  dem  Gennadius  wohl  bekannt  war*);  welche 
Stadt  Eüeronymus  und  wohl  auch  Augustinus  kannten.  Wir  können 
auch  sagen ,  dass  er  G-esinnungsgenosse  lind  Mitarbeiter  des  Hosius  war, 
der  ihn  vielleicht  im  J.  313  nach  Rom  berief,  und  seine  Sendung  nach 
Afrika  empfahl. 

Aber  es  wird  von  allen  Seiten  zugegeben,  dass  seine  Schrift  gegen 
die  Manichäer  gerichtet  war.  Weil  man  jedoch  annimmt,  dass  diese 
erst  kurz  vor  379  in  Spanien  eingedrungen ,  hat  man  die  Zeit  des  Olym- 
pius bis  zum  J.  380 — 400  herabgesezt ^).  —  Da  ich  annehme,  dass 
Marcus  sein  Unwesen  in  Spanien  in  den  Jahren  830 — 340  getrieben, 
so  glaube  ich,  dass  Olympius  in  derselben  Zeit  gegen  diese  Sekte  der 
Manichäer  geschrieben,  und  dass  er  so  im  Bunde  mit  Hosius  dieselbe 
bekämpft  habe. 

Drittens  —  Sulpicius  Severus  berichtet,  dass  der  Bischof  Hyginiu 
von  Corduba  als  Nachbarbischof  den  Bischof  Idadus  von  Emerita  anf 


')  Auguatin.  contra  JuUanum  l,  6\  —  LI,  cap.  8,  Olympiut  Higpanus  episcopus,  tv 
magnoie  in  EccUgia  et  m  Ckriato  gloriaef  in  quodam  sermone  eccUsitutico  etc. 

*)  Gennadiut  de  sc,  eccUs,  cap,  23  —  Olympius,  natione  Hiapemus,  epiacopus,  terip^ 
librum  ßdei  (wohl  der  Titel  des  Baches)  adversus  eoM,  gui  naturam  ei  non  arintiuM 
in  cu^fHxm  vocant,  ostendau  non  creationef  »ed  inobedienHa  insertttm  naturoB  mabm* 

»)  fhregy  29,  p,  77  —  81, 

^)  Oeiuiad.  cap.  35  —  Hitptawu  JBareilonenM  parockiae, 

*)  Com  sogar  bis  430,  was  onrndglich  ist  nach  den  Worten  Aagnstins. 


^ 


f.  2.    Der  ünpning  der  Sekte. —  im  Zeitalter  des  Hosios.  365 

reiben  der  Sektirer  aafmerksam  gemacht  habe  ^).  Warum  ist  denn 
i  Hyginos  in  die  Geheimnisse  der  Sekte  eingeweiht,  warum  sind 
re  G^nge  imd  Schliche  bekannt?  Diess  erklärt  sich  am  ein£Achsten 
S8  er  von  den  Zeiten  des  Hosius^  dessen  unmittelbarer  Nachfolger 
r,  schon  die  Kennzeichen  der  im  Verborgenen  schleichenden  Sekte 
t|  yielleicht  auch  von  einigen  aus  seinem  Clerus  und  Volke  darauf 
riesen  wurde,  die  sich  an  die« Zeiten  des  Hosius  erinnerten, 
iertens,  auf  der  Synode  zu  Saragossa  im  J.  380  —  wurde  der 
'  Elpidius  u.  a.  verurtheilt,  nicht  aber  Marcus.  Daraus  wird 
ein  geschlossen,  dass  Marcus  damals  nicht  mehr  gelebt  habe^). 
lUB  dem  umstände,  dass  die  Schülerin  des  Marcus  und  die  Lehrerin 
pidius,  die  Frau  Agape,  nicht  verurtheilt  wurde,  darf  man  den 
m  Schluss  ziehen.  Daraus  ergebe  sich  gleichsam  ein  dreifaches 
er  der  Sekte  in  Spanien,  das  Zeitalter  des  Marcus,  der  Agape, 
Ipidius,  und  wir  müssten  die  Anfänge  der  Sekte  früher  ansezen, 
bis  jezt  geschehen. 

inftens,  es  ist  gewöhnliche  Annahme,  dass  die  Sekte  in  Spanien 
B  J.  379  entdeckt  worden ,  imd  dass  dieselbe  von  An&ng  an  den 
i  des  Piiscillian  getragen  habe.    Das  erstere  ist  unwahrscheinlich, 
stere  unwahr.   Beide  Namen,  die  Manichäer  imd  die  Priscillianisten, 
neben  einander  her,  der  Name  der  Manichäer  aber  ist  der  frühere 
h  in  Spanien.     Philastrius  von  Brescia  gab  sein  Buch  von  den 
sen  im  J.  379  heraus.    Er  berichtet,  es  gebe  in  Gullien,  Spanien 
Lquitanien  —  gleichsam  Enthaltsame,   welche  der  verderblichen 
der  Gnostiker  und  Manichäer  zugleich  folgen ,  und  dieselbe  weiter    ^^^ 
itend  durch  ihre  Beredüngen  die  Ehen  trennen,  Enthaltung  vom  PriMii- 
le  empfehlen,  weil  diese  Stoffe  ein  Werk  des  Teufels  seien  „und   •tca 
diese  Lüge  haben  sie  die  Seelen  Vieler  gefangen^.    Diess  gerade  mmi- 
ie  Hauptkennzeichen  der  Priscillianisten,  welche  die  Ehe  und  den  ^^^' 
igenuss  verboten.     Zwar  erfolgte  der  Tod  des  Philastrius  erst  im 
.  —    Sollte  sein  Werk  aber  auch  erst  nach  dem  J.  380  verfasst 
so  beweist  es  doch  schon  damals  die  weite  Verbreitung  der  Sekte, 
mter  dem  Namen  Priscillians ,  sondern  der  Manichäer,  beweist 
lass  die  Sekte  längere  Zeit  unter  lezterm  Namen  bestanden,  und 
Jieinüch  früher  entstanden  sei^). 
ie  vorgelegten  Gründe  in  ihrer  Beziehung  auf  einander  scheinen 


li^.  8ev,  2,  46  —   guoad  Bygimu,  epueopu»  Cordubennt,  ex  vicmo  aoitUy  com- 

%rta  ad  Idacntm  EmtriiOB  sacerdoUm  referreL 

SbUrt,  p.  56, 

\ilaMtriuB  haer.  84  —  Abstinentes  —   cf.  h,  62  Patridani,   die  lehrten,   der  Leib 

*9  Menschen  sei  ein  Werk  des  Satans;  ebenso  A.  61   —  Maniehaei:  qm  et  m 

i^^ania,    ei   qmnque    BrovmcUe    kUere    dtamhur,    muUoeque    hoc    quetidU  faUada 

plirare. 


366  Siebentes  Bach.     Beclutes  Kapitel. 

die  Ansicht  su  r echtfeitigen ,  dase  man  die  Ursprünge  der  Sekte  um 
etwa  50  Jahre  früher  ansezen  müsse. 

Baronius  ist  der  Meinung,  dass  der  ans  Aegypten  yertriebene  Mar- 
cus mit  seinen  etwa  achtzig  Genossen  nach  Spanien  gekommen  seL  Es 
scheint  mir  wahrscheinlich ,  dass  Marcus  wenigstens  nicht  allein  gekom- 
men ^  dass  er  Gehilfen  schon  mit  sich  gebracht  habe.  —  Ich  weise  zurück 
auf  dasy  was  oben  über  das  Herculesgrab  in  Tarragona  gesagt  wurde  ^). 
—  Derselben  Ansicht  ist  der  Reisende  Carter.  Er  bekam  eine  Camee, 
einen  Basalt  ^  von  schwarzem  ägyptischem  Marmor  ^  von  denen ,  nack 
Montfifitucon,  die  meisten  Abraxas  gemacht  wurden.  Carter  hält  ihn  zu- 
yerlässig  für  einen  von  den  Steinen,  welche  Marcus,  der  Schüler  des 
Basilides,  den  Weibern  in  Spanien  als  einen  Talisman  und  Mittel  wider 
alle  Krankheiten  auszutheilen  pflegte.  ^Dieser  Kezer  verbreitete,^  dem 
heiligen  Hieronymus  zufolge,  ^seine  Lehrsäze  in  diesem  ganzen  Lande. 
Die  Charaktere  enthalten  ein  unbekanntes  Geheimniss  ^).^ 

I 

§.  3.    Die  Häupter  der  Sekte.    Die  Verbreitung  derselben 

besonders  in  Lusitanien. 

Marcus,  der  Stammvater  der  Sekte  in  Spanien,  war  bewandert  auch 
in  der  Magie  ^).  Von  seiner  Schülerin  Agape  ist  Näheres  nicht  bekaimi. 
Der  Rhetor  Elpidius  ist  nicht  dieselbe  Person  mit  dem  Bischöfe  Delphinus 
von  Bordeaux 9  was  einige  vermutheten,  nicht  beachtend,  dass  Delphinus 
den  Elpidius  380  zu  Saragossa  excommunicirte.  Er  war  aber  damals 
eines  der  Häupter  der  Sekte,  der  wahrscheinlich  die  beiden  Bischöfe 
Instantius  und  Salvianus  ihr  gewonnen  hatte.  Zum  Haupte  der  Sekte 
aber  schwang  sich  —  durch  seine  hervorragende  Persönlichkeit  — 
Pru«u- Priscillian  empor,  ein  Mann,  ganz  dazu  geschaffen,  für  Spanien  und 
**'  die  Welt  ein  zweiter  Hosius  zu  werden ,  wenn  nicht  Ehrgeiz  und  Hoch- 
muth,  der  dem  Falle  vorangeht,  ihn  in  das  Verderben  gezogen  hätten. 
Was  an  Epiphanius  in  der  Blüthe  seiner  Jugend  den  manichäischen 
Weibern  nicht  gelungen  war,  das  gelang  dieser  geheimen  Gresellschafi 
nur  allzu  gut  an  Priscillian. 

Priscillian  wurde  von  Elpidius  (imd  Agape?)  gewonnen;  „er  im 
von  edlem  Geschlechte,  überaus  reich,  scharfsinnig,  unruhig,  beredt, 
durch  viele  Leetüre  ausgebildet,  zum  Reden  und  Disputiren  alkeit 
schlagfertig:  in  der  That  beneidenswerth ,  wenn  er  nicht  durch  übles 
Streben  die  besten  Anlagen  verdorben  hätte.  Viele  Gaben  des  Geistes 
und  Körpers  waren  in  ihm  vereinigt.  Er  wachte  viel,  vermochte  Hunger 


0  K-G.  2,  8.  42-43. 

*}  Carittf  Beise  von  Gibraltar  nach  Malaga  1772,  8;  169. 

*}  l§idor  de  vir,  ilbutr.  eap,  15. 


f.  3.    Die  H&opier  der  Sekte.     Die  Verbreitang  derselben  etc.        367 

md  Dimt  ra  ertragen:  er  war  in  keiner  Weise  lüstern  nach  Besiz,  und 
nachte  Ton  dem,  was  er  besass,  den  massigsten  Gebrauch.  Aber  da- 
teben war  er  eitel  über  alles,  and  mehr  als  billig  aufgeblasen  über 
Bine  WiBsenscaft  in  profiuien  Dingen:  ja  man  glaubte  auch,  dass  er 
on  Jugend  an  magische  Künste  getrieben  habe.  Als  er  in  den  ver- 
erblichen  Gkheimbund  gerathen  war,  so  lockte  er  viele  vom  Adel  und 
och  mehrere  vom  Volke  durch  seine  Gabe  zu  überreden  und  seine 
[mut  S5U  schmeicheln  —  zu  der  Gesellschaft.  Zudem  strömten  in 
ehmaren  die  Weiber^  lüstern  nach  neuen  Dingen,  von  flüchtigem 
Ikuben*),  und  einem  nach  Allem  neugierigen  Sinne  —  zu  ihm  zu- 
immen:  denn  in  Miene  und  Haltung  trug  er  die  Demuth 
ar  Schau,  und  hatte  Alle  mit  ehrfürchtiger  Hodiachtung  vor  sich 
füllt  und  mächtig  hatte  die  Pest  dieser  Gottlosigkeit  fast  alle  Gegen- 
m  Spaniens  ergriffen:  sogar  einige  Bischöfe  waren  verdorben  worden, 
nter  diesen  hatten  Instantius  und  Salvianus  den  Prisdllian  nicht  bloss 
irch  Beistimmung,  sondern  unter  einer  gewissen  Verschwörung  (d.  h. 
iter  den  Formen  einer  Geheimbündelei)  au%enonmien,  bis  Hyginus, 
ischof  von  Corduba,  in  der  Nachbarschaft  befindlich,  das  —  was  er 
Erfahrung  gebracht,  dem  Idatius,  Bischof  von  Emerita,  mittheilte, 
ieaer  aber  erbitterte  den  Instantius  und  seine  Genossen  ohne  Mass  und 
ehr  als  es  nöthig  war,  und  legte  so  die  Fackel  an  den  glimmenden 
rtaid:  so  dass  er  die  Bösen  vielmehr  reizte,  als  bändigte ^).^ 

Schon  vor  hundert  Jahren  hat  Florez  daraufhingewiesen,  dass  man  die 
■oyins  Bätika  ohne  Grund  als  ersten  Siz  des  XJebels  betrachte  ^).  Aber 
snn  wir  auch  nichts  als  den  Bericht  des  Severus  hätten ,  so  müsste  uns 
nelbe  nothwendig  auf  Lusitanien  als  Siz  der  Sekte  hinweisen.  Denn  — 
imm  theilt  Hyginus  gerade  dem  Idatius  den  Stand  der  Dinge  mit? 
^eil  Idatius  Metropolit  von  Lusitanien  war,  und  als  solcher  die  Pflicht 
0  Einachreitens  hatte.  Warum  konnte  dieser  gegen  den  Bischof  In- 
intius  einschreiten ,  als  weil  sich  derselbe  in  seiner  Kirchenprovinz  be- 
nd?  —  Von  Salvianus  lässt  sich  diess  eher  vermuthen,  von  Instantius 
t  ee  anbestrdtbar.  Nach  den  Bischo&sizen  dieser  beiden  Männer  hat 
iemand  gefragt.  Nicht  unwahrscheinlich  befanden  sie  sich  im  Nord- 
esten und  Norden  von  Lusitanien,  wenn  nicht  Salvian  einer  andern 
irchenprovinz  angehörte.  Nach  äussern  Indicien  aber  dürfte  man 
äiliessen,  dass  die  Sekte  in  der  Provinz  Bätika  am  wem'gsten  Eingang 
jefunden^). 


')  Flmxa  fidt  —  Bemays  giebt  die  Nachweise  der  Phrasen  des  Sallast  und  Tacitas, 

welche  Sulp.  Severas  nachahmte  —  S.  6. 
")  Siäp.  8w.  A.  9,  2,  46, 
^  Fforex,  10,  p.  215^16  (2  etUcion).     Dage|ren  tagt  noch   Benu^t,  8.  7:   »in 

BUika,  wo  sie  zuerst  aufgekommen  war«. 
*)  Bienm.  in  Itaj,  cap,  64  —    Fl  4 — 5    Büpanianan  et  maxime   Luntanku  decepiai 

nmt  wmHerculaef  onenUae  peeötUu  €<e. 


I 

368  Siebentes  Boch.    Sechstet  KapUeL 

Noch  bestimmter  weist  Hieronymus  auf  Lusitanien  als  Bii  des 
Uebels  hin.  Er  sagt,  ^die  Weiblein  von  Spanien  und  besonders  Ton 
Lusitanien  sind  betrogen  worden ,  belastet  mit  Sünden,  welche  tod 
mancherlei  Begierden  getrieben  werden,  immer  lernend  und  nie  sar& 
kenntniss  der  Wahrheit  gelangend  (2  TinL  3)  y  dass  sie  die  Namen  des 
Basilides,  Balsame  und  Thesaurus,  auch  Barbelo  und  Leusibora,  und 
die  Ungeheuerlichkeiten  der  übrigen  Namen  aufnahmen.''  —  Demnach 
hätten  wir  die  Manich'äerin  Agape  wohl  auch  in  Lusitanien  zu  suchen. 
Das  Hervortreten  des  zügellosen  Eiferers,  des  Ithacius  von  Ossonobi,  ;' 
in  diesen  Kämpfen  spricht  auch  für  Lusitanien  als  Siz  des  Uebels. 

Dass  Bischöfe  sich  bis  zu  diesem  Grade  vergassen,  dass  sie  in  eine 
anerkannt  antichristliche  Sekte  traten,  lässt  sich  theils  aus  der  beherr- 
schenden Persönlichkeit  des  Priscillian ,  der  sich  mit  dem  Heiligenscheine    ^ 
eines  vollkommenen  Asceten  umgab,  theils  aus  jenem  absoluten  Mangel 
an  Vorbildung  Einzelner  zu  ihrem  Amte  erklären,   deren   Spuren  wir   i 
im  Verlaufe  dieser  Geschichte  begegnen.     Dagegen   prangten  eben  die  ? 
Priscillianisten  mit  jeder  Art  von  geheimer  und  profaner  Wissenschaft    ' 
—  Priscillian  selbst,  dem  Hieronymus  einen  Plaz  unter  den  kirchlichen 
Schriftstellern  anweist,  ^gab  viele  Werke  heraus,  von  denen  einige  zo 
Kenntniss  des  Hieronymus  gelangten').^    Aber  auch  seine  Anhänger,    - 
die  Spanier  Latronianus  und  Tiberianus,   —  denen  Hieronymus  gleich- 
talh  eine  Stelle  in  seinem  Verzeichnisse  anweist,  imponirten  durch  ihre  ^ 
Gelehrsamkeit.    Latronian  war  sehr  gelehrt,  und  als  Dichter  den  Alten  f 
an  die  Seite  zu  stellen ').    Die  von  ihm  erschienenen  Werke  waren  in  ^ 
verschiedenem  Versmaasse  verfasst.    Tiberian   aus  Bätika  war  weniger 
enge  mit  der  Sekte  verbunden.    „Er  schrieb  wegen  des  Verdachtes,  ihr 
anzugehören,  eine  Vertheidigungsschrift  in  pomphafter  und  gekünstelter 
Rede  *).« 

Solchen  geistigen  Kräften  gegenüber  hatten  die  Bischöfe  von  Spanien 
von  Anfang  an  einen  schweren  Stand.  Die  Wahrheit,  ob  sie  auch  noch 
so  sonnenklar  imd  unwiderleglich  ist,  wird  verdunkelt  und  unterdrückt^ 
wenn  sie  keine  tüchtigen  Vertheidiger  hat,  der  Irrthum  aber  macht 
Propaganda,  wenn  er  ungehindert  sich  verbreiten  kann. 

Ueber  die  Persönlichkeiten  der  beiden  Bischöfe  Idacius  und  Ithacius  ein 
ungetrübtes  Urtheil  zu  fällen ,  ist  mehr  als  schwer.  Ln  heiligen  und  un- 
heiligen Zorne  hat  man  von  jeher  kurzweg  den  Stab  über  sie  gebrochen. 
Ueber  Idacius  namentlich  giebt  uns  Isidor  von  Sevilla  einen  günstigeren 


')  HUron,  de  vir,  iüUBir,  cap,  121, 

*)  Lalronitmus,  pnmndM  ERapaniae  valde  erudiiiu,   et  m  meirieo  opert  veitr^  ca^' 

parandu»,  —   ExUmi  ejus  ingenii  opera  dioersi»  meiris  edita,  —  eataL  122, 
*)  eap,  123,    2V6«ridfitt«  Baetieua  9crip9U  pro  euapidme,  qua  cum  BriacäUcmo  acaaab«^ 

haer§$eoMf  apologeticwn  iwnenü  compotitoque  eermone. 


f.  4.     Die  Synode  zu  Saragossa  —  380.  369 

leridit  ^Idatiusy  dem  Namen  und  der  Beredtsamkeit  nach  Claras  (ein 
EeiDame,  den  -wir  bei  seinen  Zeitgenossen  nicht  finden) ,  —  schrieb 
^;en  die  abscheulichen  Lehren  des  Priscillian^  u.  s.  w.  *). 


§.  4.    Die  Synode  zu  Saragossa  —  380. 

Als  das  Uebel  sichtbar  zunahm ,  die  Uneinigkeit  unter  den  Episcopat 
sdrungen,  die  Sekte  ebenso  in  Aquitanien,  wie  in  Spanien  sich  ver- 
reitet hatte  ^)  y  Vereinigten  sich  spanische  und  aquitanische  Bischöfe  su 
sr  Synode  von  Saragossa,  die  wir,  der  Mehrzahl  der  Vorgänger  folgend, 
1  das  Jahr  380  verlegen^).  Diese  Stadt  empfahl  sich  u.  a.,  weil  sie 
iher  an  den  Pyrenäen  lag.  —  Dem  Idatius  von  Emerita  kam  die  Be- 
ifung  und  wohl  auch  die  Leitung  der  Synode  zu,  und  es  steht  der 
nnahme  nichts  en^gen ,  dass  der  Anstoss  dazu  von  ihm  ausgegangen 
i.  „Aber  die  Häretiker  wagten  sich  dem  Gerichte  nicht  zu  stellen; 
irum  wurde  gegen  die  Abwesenden  der  Richterspruch  gefällt,  veru^ 
eilt  wurden  die  Bischöfe  Instantius  und  Salvianus,  die  Laien  Elpidius 
kd  Priscillian  *).^  Die  uns  erhaltenen  Akten  dieser  Synode,  von  der 
ir  annehmen,  dass  sie  die  zweite  in  Spanien  veranstaltete  Synode  war, 
Uten: 

Als  am  4.  October  zu  Cäsaraugusta  in  dem  Secretariate  (Sacristei) 
rsammelt  waren  die  Bischöfe  Fitadius^),  Delphinus^),  Eutychius, 
mpelius,  Auxentius^),  Lucius"),  Itacius^),  Splendonius,  Valerius  ^^), 


')  Ißidor  H.  dt  viris  illustr,  cap.  15.  Itatius  Httpaniarum  episcopuM,  cognomento  et  elo- 
quio  Clanu,  scripait  quemdam  librum  8ub  Apologetid  apecief  in  quo  detestanda  Prisdlr 
Uani  dogmota,  et  maleßciorum  ejus  arteSf  libidinumque  ejtu  probra  demonatrat:  osten- 
den»  Marcum  quemdnm  Memphiticum ,  Mngicae  artU  teientUnmum ,  disctpulum  fuisae 
ManU,  et  PnsdUiani  magiatrwn.  Hie  autem  cum  üraatio  epi»copo  etc.  Der  leztere 
ist  Itbacias  von  Ossonoba. 

»)  Pfukutr.  haer.  61  und  84, 

»)  Aera  418,  i.  e.  380  —  Mansi,  t.  3 ,  p.  635  sq.  verlegt  sie  in  das  J.  379. 

*)  Su^.  Sev,  2f  47  —  Igitur  post  muUa  inter  eos  et  digna  memoratu  certaminaf  apud 
Caeaarauguatam  aynodua  congregaiur:  cui  tum  etiam  Aquitani  epiacopi  (heisst  nicht 
die  —  sondern  »einige**  Bischöfe  aus  Aquitanien)  interfuere.  Verum  haeretici  com- 
mütere  ae  judicio  non  auai:  in  abaente»  tum  lata  aententia,  damnatique  Inat.  et  Salv. 
epiacopi  f  Elp.  et  Priac.  laici. 

*)  Phöbadius  von  Agen,  der  hier  wohl  als  Gast  und  als  der  älteste  Bischof  zuerst 
genannt  wird. 

')  von  Burdigalis. 

0  vielleicht  Audentins  von  Toledo,  der  vor  Asturias  Bischof  war. 

•)K..G.,  2,  274. 

*)  von  Ossonoba. 

'*)  von  Saragossai  der  wievielle  dieses  Namens  der  Gena  Valeriomm,  ist  nicht  zu 
ermitteln. 

ßtms,  Span.  Kirclie.    11.  24 


370  Siebentes  Buch.     Sechstes  Kapitel. 

Symposius*),  Cartherius*)  und  Idacios,  —  wurde  von  allen  geeprocben: 
Es  werden  die  Beschlüsse  vorgelesen.    Der  Bischof  Lucius  las: 

[1)  Dass  gläubige  Frauen  von  den  Versammlungen  fremder  Hänoer 
ferne  gehalten  werden.]  , 

Es  sollen  alle  Frauen  der  katholischen  Kirche  und  Gläubige  von    ^ 
den  Vorlesungen  und  Zusammenkünften  fremder  Männer  getrennt  wer- 
den, noch  auch  sollen  zu  ihnen  selbst  als  Vorleserinnen  andere  (Frauen  i,    ^ 
in  der  Sucht ,  sei  es  zu  lehren  oder  zu  lernen,  zusammenkommen.  Denn 
dieses  befiehlt  der  Apostel  (dass  sie  nicht  lehren).    Alle  Bischöfe  sagten,    . 
Anathema  von  nun  an  über  die,   welche  diesen  Ausspruch  nicht  be- 
obachten. 

[2)  Dass  an  den  Sonntagen  Niemand  faste,  noch  in  den  Tagen  der 
Fasten  sich  von  der  Kirche  ferne  halta] 

Ferner  las  er:    Niemand  soll  am  Sonntage  fasten  wegen  der  Zeit  j 

oder  aus  Ueberredung  oder  Aberglauben,  und  an  dem  Tage  der  Quadn-  t: 
gesima  sollen  die,  welche  in  diesem  Verdachte  fortwiUirend  stehen,  niclt 

von  den  Kirchen  wegbleiben,  noch  in  den  Schlupfwinkeln  der  Schlaf-  .^ 

kämmerchen  oder  Berge  wohnen,  sondern  sie  sollen  sich  an  das  Vor-  ^ 

Inld  und  den  Befehl  der  Bischöfe  halten,  und  sollen  nicht  in  fremden  - 
Ortschaften  zusammenkommen,  um  Convente  zu  halten.    Alle  Bischöfe 

sagten:  Anathema  sei,  wer  solches  von  nun  an  begeht  ;;. 

[3)  Dass,   wer  die  Eucharistie  in  der  Kirche  empfängt,  und  sie  | 
nicht  geniesst,  im  Banne  sei.]  •- 

Ferner  las  er:  Wenn  es  erwiesen  ist,  dass  Jemand  die  in  der  Kirche 
genommene  Gnade  der  Eucharistie^)  nicht  genossen  hat,  der  sei  Ana- 
thema für  immer.    Alle  Bischöfe  sprachen:  Es  soll  also  seyn. 

\  [4)  Dass  in  den  drei  Wochen  vor  Epiphanie  Niemand  von  der  Kirche 
sich  entferne.] 

Femer  las  er:  In  den  einundzwanzig  Tagen  vom  17.  December 
bis  zum  Feste  der  Epiphanie,  welches  am  6.  Januar  gefeiert  y^j 
soll   es   Keinem  erlaubt  seyn,   sich  von  der  Kirche  ferne    zu    halten, 


')  Ist  sicher  Symphosius,  Bischof  von  Astorga,  der  nur  einen  Tag  der  Synode 
anwohnte.  —  Ebenso  Lübkert,  p.  61. 

')  Ist  wohl  jener  Bischof  von  unbekanntem  Size,  aber  dessen  zweite  Ehe  Hiero- 
nymus  um  das  J.  397  an  Oceanus  schrieb;  er  nennt  ihn  „homo  et  aetate  vthu 
et  eacerdotio*' ,  denn  er  war  schon  380  Bischof;  ^ist.  69  ad  Oee€mum.  Er  hatte 
nach  seiner  Taufe  wieder  geheirathet 

•)  welche  den  Communicanten  in  die  Hand  gelegt  wurde  —  cf.  Toht,  1,  14.  - 
K.-6.,  2,  28 — 29.  —  Cyprian.  de  Ictpsisj  cap,  26.  —  Am(>ros.  de  ^kutufr.s.^' 
tyrif  1,  43,  —  Basiliua  —  episU  93  alias  289  ad  Caesartam  IkUridam,  —  Gregcf- 
Nazianz,  in  iaudein  sor.  s,  Qorgoniaef  cap.  18.  —  Gregor.  M.,  dialofforuMf  3,  36. 
—  Syn.  Truüana,  c.  101,  —  Ueber  die  Communion  der  Fraaen,  s.  Jn^iuft" 
eerm,  152  —  de  tempore;  Concil.  v.  Auxerre,  J.  b&b,  can.  36  ei  42. 


%.  4.     Die  Synode  zu  Saragossa  —  380.  371 

3ch  in  den  ^äl]06rn  sich  zu  verstecken  y  noch  auf  daa  Land  zu  gehen, 
Dch  in  die  Berge  zu  ziehen ,  noch  baarfuss  einherzagehen,  sondern 
an  soll  in  der  Kirche  sich  versammeln:  wer  diess  von  den  Au%enom- 
enen  (in^die  Kirche)  nicht  hält,  der  sei  Anathema  für  immer.  Alle 
ischöfe  sprachen:  Anathema  sei  er^). 

[5)  Dass  die  9  welche  von  ihr^i  Bischöfen  ausgeschlossen  sind,  von 
Ldem  nicht  aufgenommen  werden.] 

Sodann  wurde  gelesen :  Dass  die ,  welche  in  Folge  der  Earchenzucht 
ler  durch  den  Ausspruch  des  Bischofs  von  der  Kirche  geti^ennt  sind, 
m  andern  Bischöfen  nicht  aufgenommen  werden  dürfen;  wenn  die 
ischöfe  diess  mit  Wissen  thun,  so  sollen  sie  die  Gemeinschaft  nicht 
iben.  Alle  Bischöfe  sagten:  Wer  diess  begeht ,  der  solle  die  Q^mein- 
haft  mit  den  Bischöfen  nicht  haben  ^). 

[6)  Dass  der  Cleriker,  welcher  wegen  Ungebundenheit  Mönch  seyn 
ill,  ausgeschlossen  werde.] 

Gleichfedls  las  er:  Wenn  Einer  von  den  Clerikem  wegen  Luxus 
id  anmasslicher  Eitelkeit  sein  Amt  freiwillig  verl'ässt,  und  er  als  Mönch 
Q  eifrigerer  Beobachter  des  Gesezes  scheinen  will,  denn  als  Cleriker, 
ur  werde  also  von  der  Kirche  entfernt,  dass  wenn  er  nicht  sehr  lange 
»t  bittet  und  fleht  und  so  genugthut,  er  nicht  aufgenommen  werde. 
Ue  Bischöfe  sagten:   So  geschehe  es. 

£7)  Dass  derjenige  sich  nicht  den  Namen  eines  Doctors  beilege, 
im  es  nicht  bewilligt  ist] 

Gleichfalls  wurde  gelesen:  Es  solle  Niemand  den  Namen  Doctor 
mehmen,  ausser  den  Personen,  welchen  es  bewilligt  ist,  nach  dem 
as  geschrieben  ist    Alle  Bischöfe  sagten:   So  sei  es^). 

[8)  Dass  gottgeweihte  Jungfrauen  vor  vierzig  Jahren  nicht  den 
chleier  erhalten.] 

Gleichfedls  wurde  gelesen:  Es  seien  die  Jungfrauen,  die  sich  Gott 
eweiht,  nicht  zu  verschleiern,  vor  dem  erprobten  Alter  von  vierzig 
ahren,  worüber  der  Bischof  entscheidet^). 


*)  Leanit  I,  ep.  15  ad  Turribium. 

')  K.-G.,  2,  111  —  12;  207.  Can.  53  v.  Elvira;  18  v.  Sardika.  -  Die  4  ersten 
Canones  sind  direkt  gegen  die  Priscillianislen,  etwa  auch  noch  Canon  7;  die 
4  leztern  sind  allgemeinen  Inhalts. 

*)  Die  Dodoru  waren ,  wie  die  Conf^uorta,  ein  besonderer  Stand ,  nicht  bloss  in  der 
Kirehe  von  Afrika,  —  cf.  acta  Perpet,  €t  Felieit.  cap,  4,  3  Aspanum  presbyterum 
doeiorem,  —  TsriniL  de  praacripL  cap.  S,  —  Cyprian,  cpiat  '24  prabj^teri  doctore$, 
ef.  nämaB9m.  de  benef.  2,  i,  92,  Im  Griechischen  hiessen  sie  tr^egßvreQoi 
*-  •.  den  Excars  p.  338 — 43  bei  DölUnger  —  Hippolytus  und  Kallistus. 
Wakrseheinlich  nannte  sich  Priscillian  „Doctor''» 

*)  S^uhL  TruU.  V.  682  c  14.  —  Auemam  J,  S.  —  BibHath,  jur,  arimtaUt,  t,  5, 
p,  109  §q.  —  cf.  coitciL  Carthag,  3,  4. 

24* 


372  Siebentes  Buch.     Sechstes  Kapitel. 

Die  Gründe,  welche  die  Synode  vor  oder  nach  380  an 
und  welche  behaupten ,  diese  Synode  sei  nicht  die  gegen  die  Prii 
nisten  gehaltene ,  und  von  Sulp.  Severus  bezeugte  Synode ,  8chein< 
einer  Widerlegung  nicht  zu  bedürfen.  Troz  vieler  Vorarbeiten  •) 
es  indess  noch  an  einer  eingehenden  Erklärung  dieser  Synode ,  \ 
zu  versuchen  —  mir  der  Raum  gebricht. 


§.  5.     Die  Priscillianisten  in  den  Jahren  381  —  385. 

Der  Bischof  Itacius  von  Ossonoba  erhielt  den  Auftrag,  den  Bes 
der  Bischöfe  zur  Kenntniss  Aller  zu  bringen,   besonders  aber  sol 
den  Bischof  Hyginus  exconmiuniciren  (extra  eommunionem  faceret); 
nachdem  dieser  vor  allen  die  Häretiker  öffentlich  zu  verfolgen  angefs 
habe  er  sie  schmählich  in  seine  Gemeinschaft   aufgenommen.    — 
Wahl  des  Itacius  ist  auffallend,  und   der  Erfolg  rechtfertigte  sie 
noch  auffallender   ist,  wenn  sich  Sulpicius  nicht  unrichtig  ausge< 
hat,  dass   ein  auswärtiger  einfacher  Bischof  den  Metropoliten  eine 
firemden  Kirchenprovinz  excommuniciren  soll.    Diess  giebt  kaum 
Sinn,  oder  es  hat  den  Sinn,  dass  Itacius  bekannt  machen  solle, 
die  in  Saragossa  versammelten  Bischöfe  erklären,  sie  halten   sich 
von  der  Kirchengemeinschaft  des  Hygin,  der  wahrscheinlich  aus 
bomer  Charakterschwäche  oder  aus  Furcht  sich  zu  den  Sektirem  gev 
hatte.    Jezt  weihten  Instantius  und  Salvianus  den   Priscillian ,   a 
einen  Laien,  zum  Bischöfe  von  Avila  [in  Abilensi  oppido^)]. 

Die  Stadt  Avila,  heute  in  Altcastilien ,  früher  und  später  zu 
tanien  gehörend,  scheint  damals  mit  Cauca,  Segovia,  Palencia,  d. 
ganz  Altcastilien ,  zu  Galizien  gehört  zu  haben.   Denn  zum  J.  379  sc 

PriMii.  Prosper  in  seinem  Chronicon:    „Um  diese  Zeit  hat  Prbcillian,   E 
lom    ^on  Galizien  (Pritc,  eg,  de  Gallecia)  aus  den  Lehren  der  Manichäe 

•ehofe  Gnostiker  eine  Häresie  unter  seinem  Namen  gebildet/*^  —    Salviar 

s«-    Instantius  konnten  auch  solches  in  der  Kirchenprovinz  von  Galiziei 

wagen,  weil   von  Seite  des  Symphosius  von  Astorga,   der  die  S 

von   Saragossa  verlassen  hatte,   ein  Widerstand  gegen  ihr  Unterf 


')  Aguirre,  Concü,  St^ßoniae,  Ausgabe  von  1753)  t.  3,  CondL  Cauaraugm 
p,  1  —  12.  —  Harduin  C,  L  /,  p,  805,  Mansi,  t.  III,  p,  633  —  und  ai 
VeneiO'Labbsema  auppUm,  i,  /,  p,  246,  —  der  vorstehenden  Sammlang 
p.  1195-^1200.  —  Florez'Riaco,  L  30,  p.  228  —  239.  —  Ferrerm-Baum 
I,  535-^37.  —  Herbst,  Die  Synode  zu  Saragossa  im  J.  380,  Tüb.  Qaartii 
1826,  S.  404—414.  —  Tejaday  Ramiro,  t.  2,  123 -- 127.  -  Lübkert,  p.  6C 
Mandemaeh,  p.  20  ^  und  im  Anbange;  Uefele,  I,  719  —  20. 

*)  K..G.  1,  151,  wo  diese  besUltigende  Stelle  des   Sulp.  Sev.  2,  47  —  fei 


S*  5.    Die  Pritcilli&nitten  in  den  Jahren  381  —  385.  373 

weniger  za  besorgen  war.  —  In  die  Zeit  seines  kurzen  Episcopkits  mag  >«iir«ibt 
üe  Schrift  des  Priscillian  gehören,  welche  Angelo  Mai  vor  zwanzig  dir 
Fahren  ssnerst  mitgetheilt  hat.  Was  uns  Torliegt,  besteht  aus  drei  ge-  p^|||{* 
rennten  Stücken ,  und  hat  den  Titel :  De  Prisdlliani  canonibuB  ad  8.  Pauli 
pitiolas  ^).  Mai  fand  in  einem  Codex  von  Cava  diese  Schrift.  In  seiner 
Vorrede y  in  der  es  an  Irrthtimem  nicht  fehlt,  z.  B.  dass  Leo  L  im 
F.  447  die  erste  Synode  von  Toledo  angesagt  habe,  weist  er  auf  ein 
Fragment  des  Priscillian  in  t.  8,  608  der  Mauriner  Ausgabe  Augustins 
lin,  doch  ganz  verschieden  von  vorliegender  Schrift  Aber  schon  Faber 
Stapulensis  habe  diese  Canones  gehabt;  Montfaucon  habe  sie  gekannt 
Voraus  geht  ein  proemium  des  heiligen  Bischöfe  Peregrinus  zu  den 
Briefen  (in  epistolis)  Pauli.  Es  gab  Bischöfe  dieses  Namens,  sagt 
A.  Mai,  zu  Curubis,  Messina,  Lipari,  Lorch,  der  nach  Hansiz  im 
J.  871  sein  Bisthum  angetreten  habe  ^).  Doch  scheine  der  Codex  älter 
za  seyn.  Aber  man  kann  auch  an  einen  Peregrinus  in  der  Weise  des 
Vincentius  von  Lerins  denken,  der  sich  diesen  Namen  selbst  gab.  Wie 
spiter  die  Bischöfe  sich  Sünder  nannten,  so  fiüher  Fremdlinge  oder 
Wanderer. 

Peregrin  hat  das  Falsche  aus  diesen  Canones  entfernt  Nach  einem 
Vorwort  von  8  Zeilen  folgt  der  Prologui  PNfct7/iam,  der  anfängt: 
9 Von  vielen  Geschäften  in  Anspruch  genonamen,  Theuerster,  antworte 
ich  spät  auf  deinen  Brief.  £>u  verlangtest  von  mir  eine  kurze  Schuz- 
wehr  gegen  die  abgefeimte  Schlauheit  der  Häretiker  aus  der  heiligst 
Schrift.''  Darum  gebe  er  einen  zusammenfassenden  Auszug  des  Haupt- 
inhalts der  14  Briefe  Pauli,  wo  möglich  wortgetreu,  mit  Hinweisung 
auf  die  Stellen  in  den  Briefen,  woraus  die  „Canones^  genommen 
smd,  er  will  also,  nach  heutigem  Sprachgebrauch,  einen  gedrängten 
Paolinischen  Lehrbegriff  geben.  Es  sind  90  Canones,  deren  erster 
liQtet:  Gott  ist  wahrhaftig,  auch  ist  Gott  Geist  und  der  Gott  der 
Ewigkeit,  besizend  die  Unsterblichkeit,  und  unsichtbar,  wohnend  in 
onem  unnahbaren  Lichte,  auch  König  und  Herr;  dessen  Bild  und  Erst- 
geborner Christus  ist,  in  dem  nicht  Ja  und  Nein,  sondern  nur  Ja  er- 
funden wird.  Der  lezte  Canon  lautet:  Denn  die  Gerechten  werden  mit 
Gott  dem  Vater  und  Christus  ewig  herrschen,  wo  der  Leib  nicht  mehr 
der  Verwesung  unterworfen  ist  *). 


•)  SpidUgnm  romanumy  t.  9  —  (1843) ^  p.  I—X  in  einem  Anhang. 

*\  Gtrmtm^  tacra,   T.  /,  p.  203. 

*)  Sonst  ^Ihalten  die  grossen  Sammelwerke  des  Kard.  Ang.  Mai  fast  nichts  auf 
Spanien  Bezügliches,  nur  in  dem  Band  6  der  Nova  S.  PiUrum  Btbiiotheca  wird 
praef.  p,  XII  ans  einer  Rede  des  berüchtigten  Severus  von  Antiochien  anf  Atha- 
nasius  gesagt,  dass  «dessen  Gegner"  Hosius  „sedem  mutcnferit" ,  wovon  das 
Gkgentheil  wahr  ist 


374  Siebentes  Buch.     Sechstefl  Kapitel. 

Jeet  wandten  sich  Idatiiis  und  Itacius  an  die  weltliolieii  Biditer, 
dass  die  Häretiker  aus  den  Städten  yertrieben  werden  sollten.  Nach 
langen  Kämpfen  gelang  es  dem  Idatius,  von  Kaiser  Gratian  ein  Edikt 
zu  erlangen  y  nach  dem  die  Sektirer  überhaupt  des  Landes  yerwieBen 
werden  sollten.  ^Die  Gnostiker^  wagten  zuerst  keinen  Widerstand;  die, 
welche  Bischöfe  waren,  traten  zurück;  die  Anhänger  verliefen  sich.  ~ 
Seine  Instantius,  Salvian  und  Priscillian  verliessen  nun  Spanien,  und  hoffien, 
MdT  sich  bei  dem  Spanier  Papst  Damasus  von  den  Vorwürfen  g^;en  sie  zu 
'^"*"'  reinigen«  Sie  reisten  durch  das  innere  Aquitanien  j  wurden  von  den 
UnerSedirenen  prächtig  aufgenommen ,  und  streuten  ihre  Irrlehren  aus. 
Besonders  verdarben  sie  durch  böse  Predigten  die  sonst  guten  und  from- 
men Bewohner  der  Stadt  Elusa  [Euse  oder  Eause*)],  in  deren  Nähe 
Sulp.  Severus  lebte.  Aus  Bordeaux  wurden  sie  durch  Bischof  Delphinns 
vertrieben ;  doch  weilten  sie  kurze  Zeit  auf  dem  Gute  der  Euchrotia, 
der  Wittwe  des  Rhetors  Delphidius,  und  steckten  dort  Einige  an.  In 
schmählichem  Zuge  sezten  sie  die  Reise  fort,  mit  Frauen  und  auch  mit 
fremden  Weibern  ^)y  unter  denen  Euchrotia  und  ihre  Tochter  Procoli, 
von  der  das  Volk  sagte,  dass  sie  ihre  Leibesfrucht  von  Priscillian  mh 
Kräutern  abgetrieben  habe^).  —  In  Rom  angekommen,  wurden  sie  von 
Damasus  gar  nicht  vorgelassen.  Hier  starb  Salvianus.  Nach  Mai- 
land mirückgekehrt,  fanden  sie  den  Ambrosius  ebenso  als  ihren  Gegner*). 
—  Es  gelang  ihnen  aber,  den  Macedonius,  damals  MtM^iriet  ofßdorum 
[HoflnarschaU]  ^) ,  zu  bestechen;  ein  Rescript  hob  die  frühem  Erlasse 
auf)  und  sie  wurden  wieder  in  ihre  Stellen  eingesezt.  Instantius  und 
Er    Priscillian   kehrten   ohne  Kampf  zu   ihren   Sizen   zurück.      Auch  den 

kehrt 

au    Proconsul    Volventius    brachten    die    Häretiker    durch    Geld    auf  ihre 

lorilek.  Oeiie. 

Volventius  kommt  im  Cod.  Theodos.  nicht  vor.  Auch  sonst  findet 
er  sich  nicht  Die  Neueren,  wie  Lübkert,  Bemays  u.  a.  gehen  mit 
Stills^weigen  über  ihn  hinweg^).  Demnach  scheint  es  uns,  dass  er 
entweder  Proconsul  in  Galizien  war,  und  in  Astorga  residirte,  da  Avila 
damals  zu  Galizien  gehörte,  und  der  Metropolit  Symphosius  nicht  zu 


*)  io  deren  Nähe  das  alte  Elusa,  n.  d.  N.  Ciutat.  —  Marca,  Bistor,  Beneh.  /,  ^ 
Scaliger  not.  in  Ausontumf  VII ^  7 ;  Farbiger,  3,  162.  —  de  Prato  ad  Suipic.  Sever. 
I,  p.  LVIl 

*)  »Dass  Priscillian  mit  Gelahrten  und  Gefährtinnen  bei  der  Euchrotia  eingekehrt, 
erscheint  löblich;  und  dass  diese  mit  ihrer  Tochter  sich  jenen  angereiht,  ronss 
man  tadellos  finden.«  In  diesen  und  ähnlichen  Phrasen  ergeht  sich  N.  Hocker, 
1.  c  8.  438—39.  ^ 

*)  Suipic  Sev.  2 ,  48. 

')  Idat.  886. 

•)  Bemays,  8.  9  —  nach  Niebahr. 

•)  Lübkert,  8.  65.    Bernays,  S.  9.    Florez,  14,  16  —  17. 


$.  5.     Die  Priscillianisten  in  den  Jahren  381  —  385.  375 

iirchten  war;  nicht  femer  liegt  es,  dass  er  als  Legat  von  Lusitanien  in 
jnerita  residirte,  da  einerseits  Instantios,  anderseits  Itacius  sich  in  dieser 
'rovinz  befanden.  Denn  lezterer  wurde  von  seinen  Gegnern  als  kirch- 
eher  Störefried  verklagt,  und  entfloh  nach  Gallien.  Hier  führte  er 
läge  bei  Gregorius,  dem  Präfekten  von  Gallien^  unter  welchem  auch 
panien  (und .  Britannien)  stand.  Dieser  Hess  die  Urheber  der  Verwir- 
ing  zu  sich  schleppen  und  berichtete  direkt  an  den  Kaiser.  Wieder 
kauften  die  Häretiker  die  Hilfe  des  Macedonius,  so  dass  die  Unter- 
ichung  dem  Präfekten  entzogen,  und  dem  Vicarius  von  Spanien, 
[arinianus ') ,  übertragen  wurde.  Der  Magister  militum  sandte  seine 
olizeibeamten  (officiales)  nach  Trier,  um  mit  Gewalt  den  Itacius  her- 
eizubringen.  —  Dieser  aber  Hess  sich  nicht  üuigen,  und  wurde  durch 
en  Bischof  Brito  von  Trier  in  Schuz  genommen. 

Magn.  Clem.  Maximus  war  eben  in  Britannien  zum  ELaiser  ausgerufen    oer 
rorden  —  382.     Er  sezte  nach  GalUen  über,   und  der  grösste  Theil^*Sjy^ 
es  Heeres  des  Gratian  fiel  ihm  zu.     Gratian  wurde  auf  der  Flucht  am  ^^ 
i,  August  383  zu  Lyon  getödtet^).    Maximus  herrschte  nun  über  Bri- 
dmien,    GalUen   und   Spanien,    und   nahm  seine    Residenz    in   Trier, 
darauf  hatte  Itacius  gewartet ;  er  verklagte  den  Priscillian  bei  dem  Usur- 
itor.     Dieser  erUess  Befehle  an  den  Präfekten  von  GaUien  und  den 
icarius  von  Spanien,   des  Inhalts,  dass  alle  in  die  Sekte  Verwickelten 
ch  vor  einer  Synode  zu  Bordeaux  stellen  sollten.     Dahin  wurden  In 
antius  und  PrisdlHan  gebracht. 

Die  Verhandlungen  der  Synode  von  Bordeaux  sind  in  Dunkel  ge-  syMdt 
illt    Wer  ihnen  anwohnte,  kann  nur  errathen  werden.  —  Idatius  be-   JJ" 
chtet  indirekt  über  sie  zum  J.  386;  Prosper  zum  J.  385;  gewöhnHch  *••"• 
ird  angenommen ,  dass  die  Synode  im  J.  384  stattgefimden.    Die  Ver- 
eidigung des  Instantius,  dessen  Sache  zuerst  verhandelt  wurde,  ge 
igte  nicht,   und  er  wurde  seiner  Würde  entsezt.   —    Priscillian  aber,  pr(MU. 
n  nicht   von   den   Bischöfen   verhört   zu   werden,   appellirte    an  den  ."JJ. 
iinten,  imd  grub  sich  so  selbst  die  Grube  ^).  —   Mit  ihm  wurden  alle  'Jj'^ 
ine  Anhänger  nach  Trier  gebracht.  —  Sulpic.  Severus  tadelt  die  Bischöfe, 
m  sie  diess  zugaben.    Aber  ob  sie  es  verhindern  konnten?    Ob  bei 


')  Er  ist  ans  dem  Cod,  Theod.  bekannt,  wo  ein  Gesez  Valentinians  II.  vom  J.  383 
an  ihn  steht  —  L  14  de  accutation,  und  Gothofr.  das.  über  ihn.  —  Caj,  Cenm, 
1,  92,  —-  Sulp.  Sev.  weiss  nichts  von  der  Verwaltung  Spaniens,  wenn  er  sa^ 
(2f  49),  nam  jam  proconstäem  habere  desierant  Hispankte,  was  Lübkert  ohne  Weiteres 
nachschreibt  —  S.  66;  es  gab  Proconsuln,  Consnlaren,  Comites  u.  a.  für  die 
5  Profvinzen,  der  Vicarius  aber  war  für  ganz  Spanien.  —  Ueber  die  OfficidUn 
cf,  L  8,  l,  7  Cod,  Theodos.  „de  diverns  officm^. 

')  £e»e/,  1.  c.  S.  54  —  57. 

)  Ebenso  Lübkert ,  p.  68  —  Sic  praestricta  mentis  ade  ipse  trUtissimam  nbi  $ortem 
paraviL  —  Bemaus,  S.  10—11. 


376  Siebenies  Bttcli.    Sechstes  KapiteL 

der  Beschaffenheit  der  Verbrechen  des  Prisdllian  eine  Synode  Ton  Bi- 
schöfen die  entsprechenden  Strafen  volkiehen  konnte?  Etwas  anderes 
ist  es,  dass  Idatios  und  Itacius  als  AnklSger  nachfolgten ,  von  denen 
ersterer  durch  seine  unwürdige  Haltung  auch  guten  Katholiken  cum 
Aergemiss  war.  —  Umsonst  versuchte  der  damals  in  Trier  weilende 
Martinusy  denselben  von  seiner  Anklage  zurückzuhalten  ^).  &  bat  den 
Maximus y  kein  Todesurtheil  zu  vollziehen;  es  genüge ,  dass  die  Häre- 
tiker durch  den  Urtheilspruch  der  Bischöfe  von  der  Kirche  ausgeetossen 
werden;  dass  ein  weltÜdier  Richter  über  kirchliche  AngelegenheiteD 
richte,  sei  ein  neues  und  unerhörtes  Verbrechen.  So  lange  er  in  Trier 
weilte,  geschah  nichts  Weiteres,  und  weggehend  gewann  er  das  Ve^ 
sprechen  von  Hazimus,  dass  kein  Blut  vergossen  werden  sollte.  Kaum 
aber  hatte  er  sich  entfernt,  als  Maximus  dem  Einflüsse  der  BischSfe 
Magnus  und  Bufus  nachgab ,  und  die  Untersuchung  dem  Ptäfekten  Eyo- 
dius  übertrug,  einem  strengen  und  ernsten  Manne ,  der  den  Priscilliin 
zweimal  verhörte,  ihn  des  Verbrechens  des  Maleficium  überführte,  dt 
er  auch  nicht  leugnete,  dass  er  sich  obscönen  Lehren  hingegeben,  nScht- 
liehe  Zusammenkünfte  mit  schädlichen  Weibern  gehalten,  und  ntdt 
zu  beten  gepflegt  habe.    Evodius  sprach  ihn  dess wegen  schuldig,  naiim 

■•d    ihn  in  Haft,  und  berichtete  an  den  Fürsten.    Dieser  sprach  das  Todes- 

MB  urtheil  über  Frisoillian  und  seine  Oeftiirten. 

WM-         ^^  ungeheure  Aergemiss,  welches  durch  diese  Ereignisse  hervor- 

thtiit.  gerufen  wurde,  die  traurigen  Folgen  für  die  Kirche  im  Allgemdnen, 
und  die  Kirche  Spaniens  besonders  hatten  ihren  Qrund  vorzüglich  in 
dem  Umstand,  dass  Bischöfe  als  Kläger  agirten  und  agitirten.  Denn 
wer  halbwegs  billig  ist,  wer  die  zahlreichen  Geseze  des  4.  Jahrhunderts 
über  Magia  und  Maleficium  nur  oberflächlich  kennt,  wird  einsehen,  dass 
bei  dem  Prozesse  und  Urtheile  selbst  nur  die  Forderungen  und  B^b 
der  damaligen  Justiz  zur  Anwendung  kamen.  Man  wird  den  PrisciUian 
bedauern,  wie  jeden  hochbegabten  und  tiefgefallenen  Menschen,  aber 
gestehen,  dass  die  Nemesis  ihn  ereilte,  dass  er  selbst  sein  Schicksal 
herausforderte.  Er  war  überführt  und  geständig  der  Verbrechen,  auf 
die  damals,  im  Mittelalter,  und  eigentlich  zu  jeder  Zeit  die  Todesstrafe 
gesezt  ist  Denn  jede  Sekte,  heisse  sie  wie  immer,  gehöre  sie  zu  den 
Neumanichäem  oder  den  Altmanichäern ,  welche  die  Ehe  als  Grundlage 
der  Gesellschaft  antastet,  welche  eben  darum  auch  zu  unnatürlichen 
Ausschweifungen  führt,  oder  gehöre  sie  zu  den  Wiedertäufern  im  Zeit- 
alter der  Beformation,  versezt  die  bürgerliche  Gesellschaft  in  den  Zu- 
stand der  Nothwehr,  und  —  hat  Todesstrafen  oder  auch  gewaltsame 
Ausbrüche  der  Volksjustiz  in  ihrem  Gefolge.  —  Es  ist  das  Verdienst 
von  Bemays ,  die  juristische  Gerechtigkeit  des  Verfahrens  g^gen  Briscil- 


0  SMip.  JSm>.  2,  50.  ^  VUa  Martmi,  et^.  20. 


$.  5.    Die  PriBcillianisten  in  dSk  Jahren  381  —  385.  377 

in  am  den  Quellen ,  besonders  aus  der  Gesezgebung  jener  Zeit,  mit 
QgTundlegung  des  reichen  von  Gothofredns  gesammelten  Materials  nach- 
»wiesen  zu  haben.  £r  hat  gezeigt ,  dass  nicht  der  Kezer,  sondern 
T  Verbrecher  Prisdllian  zum  Tode  verurtheilt  wurde.  Bemays 
er  ist  kein  Katholik ,  sondern  ein  Jude  ^).  —  Wir  möchten  in  den 
»Ibstbekenntnissen  des  Priscillian  vielmehr  noch  einen  Best,  ein  Her- 
»rbrechen  jener  ursprünglich  edlen  und  herrlichen  Natur  in  ihm  cr- 
imen, welche  er  durch  Hochmuth  und  Sinnlichkeit,  sowie  durch 
euchelei  zerrüttet  hatte.  Zahlreich  sind  die  Fälle,  dass  Verbrecher, 
)n  ihrem  Gewissen  ruhelos  getrieben,  ihre  eigne  Schuld  bekannten, 
id  darnach  verlangten ,  durch  die  Todesstrafe  ihre  todeswürdige  Schuld 
1  sühnen.  Wenn  Priscillian  sich  unter  ihnen  befand,  so  verdient  er 
denfalls  mehr  Mitleid. 

Wer  waren  die  Bischöfe  Bufus  und  Magnus?  Nur  ihre  Namen 
ennen  wir.  Sulpic.  Severus  erzählt  von  einem  spanischen  Bischöfe 
Idus,  der  einen  jungen  Mann,  welcher  (wohl  mittelst  Zauberei?)  grosse 
«ichen  wirkte,  sich  Elias,  und  sogar  Christus  nannte,  angebetet  habe, 
od  darum  abgesezt  worden  sei^)  (v.  den  BufGnus  in  dem  Schreiben 
onozenz^  L  nach  Spanien).  —  Zum  Lobe  des  Präfekten  Evodius  sagt 
nderswo  Sulp.  Severus,  dass  es  keinen  Gerechtem,  als  ihn,  gab.  — 
lübkert  lässt  ihn  ohne  Weiteres  Foltern  anwenden^). 

Nach  den  Gesezen  fand  ein  weiteres  Verhör  statt  ^).  Als  Itacius 
rwog,  welche  Gehässigkeit  er  sich  bei  den  Bischöfen  zuzöge,  wenn 
r  auch  noch  bei  den  lezten  Verhandlungen  vor  der  Entscheidung  als 
ilSger  anwesend  wäre,  entzog  er  sich  der  Untersuchung  (d.  i.  wollte 
icht  mehr  als  Kläger  oder  Zeuge  vernommen  werden):  „vergebens, 
am  das  schlaue  Verbrechen  war  schon  begangen.  **  Dann  wurde  von 
[aximus  ein  gewisser  Patricius  als  Kläger  aufgestellt,  der  Fiscaladvokat 
Uerdings  ein  vermöge  seiner  Stellung  gefährlicher  Patron).  Auf  sein  An- 
Ingen wurde  Priscillian  zum  Tode  verurtheilt,  mit  ihm  Felicissimus  und 
rmenius,  die  vor  Kurzem,  sie  waren  Cleriker,  zu  Priscillian  abgefallen 
Iren.    Auch  Latronian  und  Euchrotia  wurden  enthauptet    Instantius, 


')  Benu^Sf  p,  IS — 17,  L,  9,  t.  16  —  Cod,  Theod.  de  mal^ficÜM  et  mathemaüei»  et 
ceteriä  simiUbtu,  —  cf.  Cod,  Justin,  9,  18.  —  Cod.  Theod,  9,  16 ,  7  —  Gesez  von 
Valentinian  L  hat  zum  Inhalt:  ne  quie  deinceps  noctumis  temporibua  aut  nefctritu 
preees  tmt  magicos  apparatue  aut  M€ur\fic%a  funeeta  celebrare  conetWf  cf.  Zonmut ,  4,  S, 
—  Gotho/red,  zu  C.  Th.  9,  /,  1^.  —  „Obecoenae  doctrinae^  sind  artes  magica/e 
Ammian.  Marc.  14,  1,  2.  —  Die  „noctumi  conventus*  hatten  die  Todesstrafe  zur 
Folge.  —  Schon  Walch  3,  479  gesteht  zu,  dass  Priscillian  nicht  als  Eezer  hin- 
gerichtet wurde. 

*)  Vita  Martini,  cap.  24. 

•)  p.  69. 

0  *.  «.  2,  51. 


976  Siebentes  Bn^.     Sechstes  Kapitel. 

der  yorber  tfchon  von  den  BiBchöfbn  abgesezt  worden,  wurde  «uf  i 
Insel  Sylina  jenseits  Britanniens  verbannt '). 

Später  noch  worden  Asarinus  und  der  Diakon  AoreUus  sor  £i 
hauptong  yeruriheilt  Der  Bätiker  Tiberian  wurde  neben  Einziehoi 
seiner  Güter,  nach  Sylina  verbannt  Tertullus,  Potamius  und  Johanne 
welche  vor  der  Untersuchung  ^ch  und  ihre  Genossen  angegeben,  wu 
den  nur  zeitweilig  innerhalb  Galliens  verbannt 


')  wohl  die  Seilly-Inselo  vor  der  Kfiste  von  Cornwallis.  —  FoHnger,  S,  Si3. 


Siebentes  Kapitel. 

Geschichte  der  PriscilllaRisten  vom  Tode  des  PiIscUHm, 
bis  (einschliesslich)  zi  der  Synode  von  Toledo  — 

Jahr  385-400. 


.  1.    Martinns,  Ambrosius  und  Papet  Sirichis  in  ihrer 

Stellung  zu  den  PriscilUanisten. 

)er  Bericht  des  Sulp.  Severus  schliesst  mit  dem  Ende  der  Häupter 
Jekte.  Die  folgenden  Ereignisde  müssen  ans  einaelnen  zarstrenten 
-ichten  zusammengesucht  werden.  Zunächst  berichtet  derselbe 
ftsteller  in  seinen  Leben  des  Martinus  und  in  seinen  Dialogen 
s  Weitere.  —  Itacius  befand  sich  unter  dem  Schuze  des  Maximus 
ler.  Damals  musste  Martinus  in  dringenden  Anliegen  wiederholt 
Trier  gehen.  Dort  waren  Bischöfe  yersammelt,  u.  a.  wegen  der 
und  Weihe  eines  Bischo&  von  Trier,  welche  tägliche  Gemeinsohait 
tacius  machten.  Die  Bischöfe  erschracken^  als  sie  die  Gegenwart 
artin  erfuhren ').  —  Nach  ihrem  Rathe  hatte  der  Kaiser  beschlossen, 
Ihete  Tribunen  mit  Vollmacht  nach  Sj^anien  abzusenden,  um  die 
iker  zu  ergreifen,  und  sie  an  Leib  und  Gütern  zu  strafen.  —  Ge- 
beamte wurden  dem  Martin  entgegengesandt,  die  ihm  verboten, 
izukonmien ,  wenn  er  nicht  mit  den  Bischöfen  Frieden  halten  wollte. 
;lich  täuschte  er  sie;''   er  versprach  mit  dem  Frieden  Christi  zu 


Tod  den  üebertreibangen  des  Sulp.  Severas  ist  immer  ein  grosser  Theü  abzn- 
iehen;  Bernays  hat  nachgewiesen,  za  welehen  Extravaganzen  ihn  seine  Ab- 
eignng  gegen  die  Bischöfe  fährte^  Nur  Martinns  Und  in  seinen  Angen  Oiiad?. 
-  Bernays,  p.  18  — 28. 


380  Siebentes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

kommen*).  —  Er  drang  besonders  in  Maximus ,  dass  nicht  die  Tribunen 
mit  Recht  über  Leben  und  Tod  nach  Spanien  entsendet  würden.  Am 
ersten  und  zweiten  Tag  gab  Maximus  eine  ausweichende  Antwort  Die 
Bischöfe  führten  inzwischen  Klage  bei  ihm  über  Bischof  Theognist  (von 
unbekanntem  Size),  der  sie  allein  in  aller  Form  verdanmit  hatte,  und 
dessen  Starrsinn  an  dem  Ansehen  des  Martinus  eine  Stüze  finde.  — 
Man  nimmt  gewöhnlich  die  Anwesenheit  des  Theognistus  in  Trier  an^j, 
aber  aus  diesen  Worten  kann  sie  nicht  erschlossen  werden.  —  Wir 
halten  es  für  ein  schmückendes  Beiwerk,  wenn  Sulp.  Severus  die  klagen- 
den Bischöfe  vor  Maximus  zu  Boden  sinken,  und  weinend  und  wehe- 
klagend um  Gewaltanwendung  gegen  Martinus  flehen  lässt  Wir  halten 
es  für  mehr  als  Debertreibung,  wenn  beigefügt  wird:  „Und  es  fehlte 
nicht  viel,  dass  der  Imperator  gezwungen  wurde,  den  Martinus  das 
Schicksal  der  Häretiker  theilen ,  d.  h.  ihn  zu  verbannen  oder  tödten  zu 
lassen«  Doch  Maximus  habe  ihm  sanftmüthig  vorgestellt  ^  die  Häretiker 
seien  vielmehr  mit  Recht  nach  dem  Gange  der  öffentlichen  G^chte, 
als  durch  die  Verfolgungen  der  Bischöfe  verurtheilt  worden  [fuieretkBi 
jure  damnato9  more  jticUdorttfn  pttblieorum  potius  quam  inseditUaiubut 
9aeerdotum^)].  Theognistus  habe  mehr  aus  Hass  als  aus  einem  ge- 
rechten Grunde  eine  Spaltung  gemacht,  und  er  stehe  ganz  allein.  Eine 
vor  wenigen  Tagen  gehaltene  Synode  habe  erklärt,  dass  Itacius  ausser 
Schuld  sei.  Da  diess  auf  Martinus  keinen  Eindruck  machte ,  so  liess  ihn 
der  erzürnte  Kaiser  stehen ,  und  befahl ,  dass  die  Tribunen  nach  Spanien 
abgehen  sollten.  —  £s  war  schon  Nacht,  als  diess  Martinus  hörte,  und 
alsbald  eilte  er  in  den  Palast;  er  versprach  Gemeinschaft  mit  den  Ita- 
cianern  halten  zu  wollen ,  wenn  die  Tribunen  zurückgerufen  würden. 
Ohne  Zögerung  bewilligte  Maximus  alles ;  was  ebenso  ihm  als  dem  Mar- 
tinus zur  Ehre  gereicht.  Tags  darauf  sollte  die  Ordination  des  (an  die 
Stelle  des  verstorbenen  Britonius  geweihten)  Bischofs  Felix  von  Trier 


')  »9^0'  >^<^  caliide  /rustratus;^  was  hier  zum  Lob  des  Martin  gesagt  ist,  das  wird 
anderswo  mit  denselben  Worlen  zum  Tadel  des  Itacius  gesagt  ~  h.  s.  2,  49 
—  quas  iüe  calUde  fnutrcUur, 

»)  Lübkert,  p.  75. 

*)  So  war  es  auch,  und  Sulpic.  Sev.,  der  in  seiner  Hize  sich  überall  selbst  wider- 
spricht, gesteht  es  ein,  wenn  er  n.  a.  sagt:  hoc  ftrt  modo  kominoi  luee  w- 
dignünmi  —  necati  ctut  exiUit  muictati:  h,  s,  2,  51.  —  »Da  „judiciMm  pubHam'^  be- 
kanntlich Criminalprozess  bedeutet,  so  enthalten  diese  Worte  des  Maximas  eineo 
abermaligen  Beweis  dafür,  dass  die  Priscillianislen  als  malt^fici  angeklagt  ond 
verurtheilt  worden.  Lübkert  legt  eine  seltsame  Probe  von  seiner  Kenntniss  der 
juristischen  Ausdrücke  ab,  wenn  er  sich  p.  116  gerade  auf  diesen  Saz  beroA, 
um  gegen  Waleh  zu  erweisen,  y,caM»am  BriscilUanutarum  ßiüae  et  remantMe  9«r* 
•ecktiagHoam*,^  —  Bemsys  8. 17.  —  Dit^gchrift  des  Bemays  nennt  auch  Bein- 
kens (8.  &)  »aofgezetalmet". 


1. 1.  Martinot,  Ambrosiiu  u.  Paptt  Siricios  in  ihrer  Stellung  z.  d.  Priscill.    381 

itattfindeoi  j^gewiss  eines  sehr  heiligen  Mannes  ^^  sagt  Sulp.  Sev.,  „der 
lorchaus  würdig  war,  in  bessern  Zeiten  Bischof  zu  werden.  An  diesem 
inen  Tage  hielt  Martinus  Gemeinschaft  mit  den  sogenannten  Itacianem, 
idem  er  es  für  besser  hielt,  auf  eine  Stande  nachzugeben,  als  nicht 
är  jene  Sorge  zu  tragen,  über  deren  Häuptern  das  Schwert  gezückt 
rar;  aber  alle  Anstrengung  der  Bischöfe,  eine  schriftliche  Erklärung 
Biner  Gemeinschaft  zu,  erlangen,  waren  ohne  Erfolg.  Tags  darauf  eilte 
üurtinuB  hinweg  ^).^ 

Die  Versammlung,  welche  man  die  Synode  von  Trier  nennt,  be- 
kand  wohl  aus  Bischöfen,  die  Üxeils  aus  Anlass  der  Wahl  und  Weihe 
les  Felix,  theils  in  verschiedenen  Angelegenheiten  zu  Trier  am  Hofe 
les  Kaisers  zusammengekommen  waren.  Da  man  weiss,  dass  Martin 
oehimal,  Ambrosius  zweimal  aus  ehrenwerthen  Gründen,  und  ganz  im 
ünne  der  Canones  7  —  9  der  Synode  von  Sardika^),  sich  an  den  Hof 
les  Maximus  begaben,  so  verlangt  die  Gerechtigkeit,  so  lang  ein  Gegen- 
«weis  nicht  erbracht  ist,  das  Gleiche  von  der  Anwesenheit  der  übrigen 
fischöfe  in  Trier  anzunehmen.  Wenn  Sulp.  Severus  weiter  berichtet, 
lass  Martinus  in  den  noch  übrigen  sechszehn  Jahren  seines  Lebens  keiner 
iynode  von  Bischöfen  beigewohnt,  und  wenn  dieses  wahr  seyn  sollte, 
ras  wir  nicht  glauben^),  so  wäre  eine  solche  Isolirung  kaum  ein  Zü- 
richs der  Heiligkeit  des  Martinus. 

Das  Aergemiss,  welches  die  Vorgänge  in  Trier  hervorriefen,  ver- 
ülasste   den   Papst  Siricius   zu  einem  Klagebriefe   an  den   Usurpator  p*p** 

ff      .  1  .  1         A  1         I  1  »«       .  SIHcIo» 

iaximus,  den  wir  nur  aus  der  Antwort  des  leztem  kennen.  Maxmius  aud 
«ruft  sich  auf  seinen  besondern  Eifer  für  die  katholische  Earche  und  ■««.' 
nf  den  Schuz  Gottes  (den  er  bald  darauf  verscherzte) ;  er  habe  unmittel- 
)ur  nach  Empfang  der  Taufe  den  Thron  bestiegen ,  und  alle  seine  Unter- 
lehmungen  habe  Gott  gesegnet.  —  Ueber  den  Fall  des  Priesters  Agri- 
ins  werde  eine  Synode  von  Bischöfen  aus  Gallien  und  den  j,Fünf  Pro- 
inzen''  ^)  berathen.  Sein  Bestreben  sei,  den  katholischen  Glauben  und 
ie  Eintracht  Aller  zu  fördern;  er  habe  indess  bei  seiner  Ankunft  in 
rallien  traurige  Dinge  vorgeftmden ,  und  wenn  er  nicht  schnell  geholfen, 
'äre  unsägliches  Schisma  und  Verderben  entstanden.  Die  kürzlich  den 
[anichäem  vorgeworfenen  Verbrechen  beruhen  nicht  auf  zweifelhaften 
erdachtsgründen ,  sondern  auf  den  Geständnissen  der  Schuldigen,  Ver- 
rechen,  welche  Siricius  nicht  aus  seinem  Munde,  sondern  aus  den  bei- 
legten Akten  ersehen  möge;   denn   j,solche  Dinge  auch   nur  auszu- 


0  Sulpie.  Sever.  ditdog,  3,  13  -  das  Weitere,  s.  K..0.  2,  S.  248—49. 
«)  K..Q.  2,  204—5. 

*)  Ebenso  Lübkert,  p.  78.  —  Bemays,  p.  17. 

*)  d.  i.  das  heatige   »adliehe  Frankieich.     Böekxng^  NoÜL  dignü,  OcekImL,  e,  21, 
p,  471.  " 


382  Siebentes  Buch.     Siebentes  KApitel. 

sprechen  verbiete  ihm  das  Schamgefühl.^  —  Aus  der  Antwort  seil 
allerdings  nicht  bestinmit  hervor,   dass  die   Ereignisse  in  Trier 
des  päpstlichen  Briefes  waren;  doch  ist  diess  das  Wahrscheinlich< 

Ambro-  Ambrosius  kam  zweimal  an  den  Hof  des  Maximus  zu  Trier.  S 
\m  nach  der  Nachricht  von  der  Ermordung  seines  Bruders  Grati 
^     28.  Aug.  383  —  sandte  der  junge  Kaiser  Valentinian  IL.  den  Am 

Trier,  jj^^jj^  Trier,  um  den  Leichnam  seines  Bruders  zu  verlangen.  G 
Zeit  hatte  Maximus  den  Comes  Victor  gesendet,  um  mit  Valentii 
Frieden  zu  unterhandeln.  —  Maximus  empfieng  ihn  nicht  allein,  s 
nur  im  Consistorium  (wir  würden  sagen:  vor  seinen  Ministem); 
klärte,  er  wollte  die  Antwort  des  Victor  abwarten,  währenddei 
brosius  zurückgehalten  wurde.  Andere  Gesandte  an  Maximus  traf 
Ambrosius  bei  Valence  (Valentin  OMorum),  Maximus  sträubt 
den  Leichnam  des  Gratian  herauszugeben.  —  Doch  sandte  Maxii 
Theodosius ,  und  erlangte  von  ihm  Frieden  und  Anerkennung  im  ' 
theile  des  Gratian  (in  Gallien,  Britannien  und  Spanien),  währ« 
Bundesgenossenschaft  gegen  alle  äussern  Feinde,  und  Valentinian 
ruhigen  Besize  von  Italien  und  Illyrien  zu  lassen  versprach  '). 
sobald  sich  Maximus  bei  Kräften  fühlte,  rüstete  er  zum  Kriege 
Valentinian  IL,  und  forderte  sein  Verhängniss  heraus.  Er  nahm  u. 
Vorwand  die  unter  dem  Namen  Valentinians  U.  durch  seine  Mutt 
wilde  Arianerin  Justina,  gegen  die  Katholiken  erhobene  Verfolg 
—  Von  Aquileja,  wohin  er  geflüchtet,  sandte  Valentinian  II.  zuei 
Sjrer  Donminus  an  Maximus,  der  sich  von  diesem  überlisten 
Maximus  versprach  Frieden ,  zog  aber  nach  Italien  •') ,  und  zwar 
Valentinian  zu  schleuniger  Flucht.  In  diese  Zeit  fällt  die  zwei 
sandtschaft  des  Ambrosius  an  Maximus,  über  die  er  selbst  beric 
Der  Eunuche  Gallicanus,  Oberkammerherr,  empfieng  ihn  sehr  vo: 
und  er  erhielt  wieder  nur  Audienz  vor  dem  Consistorium  *).  Es  1 
sehr  heftigen  Scenen;  Maximus  Hess  sich  nicht  mehr  zurückhalte] 
aber  die  ausweichende  Antwort,  er  werde  unterhandeln.  —  Als  c 
sah,  dass  Ambrosius  sich  von  den  Bischöfen  ferne  halte,  welcl 
Maximus  Gemeinschaft  hielten,  oder  welche  einige  ob  auch  vom  G 
Abgefallene  zum  Tode  verlangten,  befahl  Maximus  erzürnt.  Am 
solle  sich  sogleich  entfernen.    Gern  trat  dieser  die  Rückreise  an , 


>)  Zosimus  4,  37.  —    Wietersheim,  Völkerw.  4,  130. 

*)  Wietersheim,  133.    Im  Herzen  des  Usarpators  g&hrte  fortwährend  —  die  £ 

sucht  —    Ist  es  doch  der  Flach  der  Sünde,  dass    sie,    im    Herzen 

empfang^en,  fortwuchernd  stets  aufs  Nene  gebiert. 
*)  Zosimus,  4,  42—44.  —  Wietersheim,  133—134. 
*)  Osteru  387  —  nach  Tjüamont  t.  8,  art  12  —  Priscill. 
•)  Ambroe,  ep,  24  Valenti$Umo  ünp,  —  Kessel,  1.  c.  S.  56—57. 


.  2.  Gans  Oalisien,  mit  s.  BischOfeD  dies.  Provii»,  ftllt  z.  d.  Pmcill.  ab.    383 

arüber  betrübt,  als  er  erfuhr,  dass  der  greise  Bischof  Hjginus  in  die 
'erbannang  geführt  wurde,  dem  nichts  mehrmals  der  lezte  Athem  übrig 
ar.  Als  er  in  seine  Begleiter  drang,  sie  möchten  ihn  nicht  ohne 
leider,  ohne  weiche  Decken  forttreiben  lassen,  wturde  er  selbst  zurück- 
^stossen^  *). 

Es  ist  diess  die  einzige  Nachricht  über  ein  an  sich  wichtiges  Ereig- 
SS,  ond  auffallend  das  Schweigen  des  Sulp.  Seyerus  und  Idatius  um  so 
ehr,  als  Hjginus  katholischer  Erzbischof  war,  während  die  bischöfliche 
Türde  des  Instantius  und  Prisciliian  Zweifeln  unterliegt.  —  Aber  die 
hatsache  ist  nicht  zu  bezweifeln.  Es  ist  gewöhnliche  Annahme,  dass 
ygin  bald  darauf  gestorben  sei,  wo  —  ist  nicht  zu  beantworten,  wie 
ich  nicht  die  Frage,  ob  er  vielleicht  seit  dem  J.  385  entschiedener  als 
tther  die  Partei  der  Priscillianisten  ergriffen,  etwa  wie  Symphosius 
)n  Astorga. 

Die  obengenannte  Urbica,  die  Tochter  der  Euchrotia,  entgieng  dem 
chicksale  der  Häupter  der  Sekte  nicht.  ,,Zu  Bordeaux  wurde  eine  ge- 
isse  Schülerin  des  Prisciliian,  mit  Namen  Urbica,  wegen  ihrer  hart- 
ickigen  Gottlosigkeit  bei  einem  Aufetande  des  Volkes  gesteinigt^).* 
^ess  ist  ein  Zeugniss,  in  welchem  Lachte  die  Sekte  bei  dem  Volke 
md. 


.  2.     Ganz  Galizien,  mit  sämmtlichen  Bischöfen  dieser  Pro- 
vinz, fällt  zu  den  Priscillianisten  ab.    Ende  des  Maximus, 
des  Idatius  und  Itacius.     Hieronymus  im  Verkehre 

mit  Spanien. 

Der  nächste  Rückschlag  der  Katastrophe  in  Trier  auf  Spanien  — 
ar  schrecklich.  —  Der  Zorn  gegen  die  Ankläger  war  grenzenlos, 
riscillian  und  die  Seinigen  wurden  alsbald  als  Märtyrer  verehrt.  Ihre 
eichen  wurden  in  Trier  ausgegraben,  nach  Spanien  zurückgeführt,  und 
nen  eine  glänzende  Leichenfeier  veranstaltet.  —  Man  fieng  an,  bei 
riscillian  zu  schwören,  indem  man  sein  Andenken  auf  jede  Weise 
iren  wollte*). 

Kein  Wunder  denn ,  dass  sich  sein  Name  in  einzelnen  Martjrologien 
idet  Ist  diess  bei  Prisciliian  selbst  nicht  so  deutlich,  so  ist  es  doch 
ileugbar  in  Betreff  des  Latronian,  da  es  u.  a.  heisst:    Endlich  wurde 


')  Bjfifmum  episcopum  senem  in  ezsilium  duct  comperij  cui  nihil  j am  nisi  extremu»  wperu»et 
tpiritus;  cum  de  eo  convenirem  comitet  ejus,  ne  nne  vette,  sine  plumario  paUrentw 
extnuH  senem,  exirusus  ^se  sum,  —  ef.  FloreZf  10,  217 — 218, 

*)  Chronic.  Pro^peri  —  386, 

*)  Äuffustin,  ctr.  mendae,  c,  6,  9, 


384  Siebentes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

er  unter  einem  gewissen  Tyrannen  Maximian  (i.  e.  Maximus) ,  der  unter 
der  Regierung  des  Theodosius  Gallien  in  ,Besiz  genommen  ^  durch  die 
Partei  Einiger  für  die  Wahrheit  und  die  Vertheidigung  des  katholischen 
Glaubens  in  Trier  hingerichtet  mit  Priscillian ,  dem  Bischöfe  von  Bapilla 
(d.  i.  Avila),  und  die  Leiber  Beider  wurden  in  der  Kirche  der  Stadt 
Trier  beigesezt  *).  —  Diess  ist  die  Sprache  des  sogen.  Mart.  Hieronymi. 

Aber  nicht  ganz  Spanien  ^  sondern  nur  der  Nordwesten  wurde  von 
dieser  Bewegung  fortgerissen.  Mit  wenigen  Worten  sagt  Idatius  zum 
J.  387:  „Seitdem  drang  die  Häresie  der  Priscillianisten  in  Galizien  ein'; 
aber  einen  Grund  führt  er  nicht  an.  —  Niemand  hat,  wie  es  scheint, 
bis  jezt  überhaupt  nach  dem  Grunde  gefragt ,  warum  im  J.  400  sämmt- 
liche  Bischöfe  Galiziens  zur  Sekte  des  Priscillian  gehörten.  —  Diess  ist 
eine  in  der  Elirchengeschichte  doch  ganz  unerhörte  Erscheinung ,  dass 
der  Episcopat  einer  ganzen  Kirchenprovinz  zu  der  schmuzigsten  und  ab- 
scheulichsten aller  Häresien  abgefallen.  Galizien  stand  im  Rufe  reiner 
kemhafter  Sitten.  Der  Bischof  Dictinius  wird  zu  Astorga  als  Heiliger 
▼erehrt.  Aus  diesem  Lande  giengesn  Männer  hervor,  wie  Orosius  und 
die  beiden  Avitus  von  Braga,  Bachiarius,  Idatius  von  Lamego,  Turibius 
von  Astorga. 

Das  Räthsel  wird  dadurch  nicht  allein  gelöst,  wenn  man  sagt,  Pris- 
cillian stammte  aus  dieser  Provinz^  oder  der  Bischof  Symphosius  von 
Astorga,  der  schon  im  J.  380  eine  Hinneigung  zu  der  Sekte  an  den 
Tag  gelegt,  habe  nur  priscill^anisch  gesinnte  Bischöfe  ordinirt.  Diess 
konnte  er  nur  dann,  wenn  Volk  und  Clerus  gleicher  Gesinnung  waren. 
—  Der  Grund  scheint  mir  ein  patriotischer ,  oder  ein  politischer  zu  sejm. 
Durfte  ganz  Spanien  mit  Recht  darauf  stolz  seyn ,  dem  römischen  Reiche 
einen  Kaiser  Theodosius  geschenkt  zu  haben,  so  vor  allem  die  Provinz 
Galizien ,  aus  der  er  stammte  (zu  welcher  das  heutige  Altcastiiien  damals 
gehörte).  Gegen  diesen  Spanier  Theodosius  erhob  sich ,  vom  Neide  über 
sein  Glück  getrieben,  ein  anderer  Spanier,  der  Tyrann  Maximus  ^j ,  der 
sich  zwar  einen  Verwandten  des  Theodosius  nannte,  aber  sonst  von  un- 
bekanntem Geschlechte,  und  wahrscheinlich  aus  einer  andern  Provinz 
war,  dessen  edle  Gemahlin  wohl  auch  eine  Spanierin  war.  —  Maximum» 
verfolgte  die  Anhänger  und  nächsten  Landsleute  des  Theodosius.  Aber 
bei  ihm,  dem  Usurpator,  giengen  die  Itacianer  betteln;  bei  ihm  ver- 
folgten sie  die  Landsleute  des  Theodosius  zum  Tode.  Es  war ,  so  argu- 
mentirten  die  Galizier,  Parteigeist,  nicht  Glaubenseifer^  was  sie  trieb. 
Priscillian  und  die  Seinigen,  aus  Altcastiiien,  waren  dem  Maximus  und 
seinen  spanischen  Anhängern  als  Landsleute  imd  Anhänger  des  Tlieo- 


>)  Peiri  de  NataUbuM  caUilogtia  Monctonm,  Lugd.  1519.  Lib.  IL  c.  42,  Fol  222,  U.  XII 

c.  89.  Fol.  219  —  i^md/sübkm-t,  p.  72  et  128. 
^"JßijQ  t6  ytyoCy  Zoiim.  4,  35. 


I  SpanieD,  mit  s.  Bischöfen  dieser  ProriDs,  f&lit  s.  d.  Priteill.  ab.    385 

riiaast  In  dem  Galizier  Priscillian  hasete  und  tödtato  Mazimiis 
sier  Theodoaias.  Der  gegen  jenen  geführte  tödtliohe  Streich 
i  für  Theodosins  berechnet 

TheodosiuB  selbst  die  Sadie  im  Wesentlichen  nicht  anders  auf- 
afür  fehlt  es  nicht  an  Anzeichen.  Wir  rechnen  weniger  dasu 
mg  des  Ambrosiusy  den  Brief  des  Siricius,  die  Schicksale  der 

nach  dem  Tode  ihres  Schüzers  Maximus.  Aber  man  beadbte 
sart  des  Maximus  selbst  Dieser,  von  seinem  Verhiingniss  g^ 
fiel  im  J.  387  in  Italien  ein,  und  verlegte  dem  mit  Heeresmacht 
JLcnden  Theodosius  die  Wege.  Im  Juni  388  rildkte  dieeer  auf 
«trasse  von  Sirmium  heran.  Bei  Siscia  stiess  er  auf  den  Feind, 
trer  Kampf  war  bei  Pettau.    Ein  Theil  des  Heeres  des  Maximus  ladi 

Theodosius  über.    Aemona  (Laibach)  öffiiete  ihm  seine  Thore;  i^^. 

bis  Aquileja  vor,  wohin  Maximus  geflohen  war.    Hier  wurde  ""'* 
der  gefangen y  oder  von  den  Seinigen  ausgeliefert^), 
r  Zeichen  seiner  Würde  beraubt ,  mit  blossen  Füssen ,  und  auf  ^ 
ken  gebundenen  Händen  wurde  er  vor  Theodosius  geführt ,  der 
en  Ehrgeiz  und  seine  Empörung  vorwar£     Dann  übergab  er 
Scharfrichter  zur  Enthauptung.    Wie  er  also  an  edlen  Spaniern 

Landsleuten  des  Theodosius  gethan,  so  äiat  dieser  an  ihm^). 
hm  den  Streich  zurück^  mit  dem  er  gegen  ihn  aui^;eholt  halte. 
.  war  das  —  nicht  unverdiente  —  Ende  des  Maximus,  das  er 
*ding8  nicht  durch  den  verdienten  Tod  des  Prisdllian,  sondern 
ine  AngrifiFe  gegen  Gratian,  Valentinian  IL  und  Theodosius  zu- 
hatte. 

r  auch  die  Itadaner  (das  sogen.  Sehitma  liaekmum)  fühlten  den  schick- 
ing  der  Ereignisse.     Bis  jezt  Angreifer,   wurden  sie  in  den    öm 
sr  Vertheidigung  zurückgedrängt    „Dieses  schlimme  Piücedens  '^J,"* 
läge  vor  Maximus)  ward  anfänglich  mit  Berufung  auf  den  her- 1'^««* 
len    Gerichtsgebrauch  und   das  allgemeuie  Wohl   veriheidigt; 
kam  Ithadus  desshalb  Händel,  und  als  er  schliesslich  seiues  Un- 
äberf  ührt  worden ,  schob  er  die  Schuld  auf  diejenigen  zurück, 

Aufbag  und  Rath  er  gehandelt  hatte  ').^     Von  Idatius  erzählt 


Hut  c  37 "39,   Zotim.  4,  4S.  —  ef.  über  Max.  —  Soxom,,  7,  13,  —  ^, , 

I.  —  Socrai.  5,  11  aq,  —  Rußn.  h.  weL  2,  14  —  17,  —  Ortgw  2W.  H,  /V.  i, 
-  TilkmotU,  h,  du  emper.  L  5,  —  Art.  ,if(mM6«  in  der  noov.  Biographie 
m  Didot-Hoefer.  —  WitUrthrnm,  V.-W.,  Bd.  4,  8.  125-138. 
irlieh  aus  dem  Herzen  sämmüicher  (Hlizier,  deren  Hat«  gegen  Mazimns 
aas  den  Worten  des  Idatias  hervorgeht:  Oecuüiur  hostü  pubUeuB  Maxmut 
mm  ^  Thtodotio  in  mUUario  3  dt  AqmUja  ~  27,  JuU  388  ■—  fatü  eoHtuL  tt 
.  ad  388. 

e.  Smf,  k.  t,  --  2,  51  —  quod  mitio  jurt  judiemnm  tt  tgrtgit  pubtioo  (Taeä.  m 

l  3,  70)  dt/tntuM,  pifttea  Itkadut  in  jurgiU  totkim  (Bemays  sehligt  vor  jrn^  I 

Span.  KIrehe.    IL  25  1 


386  Siebentes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

derselbe:  ^Idacius,  obgleich  weniger  schuldig,  legte  freiwillig  sein  Bis- 
thum  nieder,  ein  weiser  und  bescheidener  Schritt,  wenn  er  nur  nicht 
später  seine  verlorene  Stelle  wieder  zu  erhalten  getrachtet  hätte.'' 

Der  hievon  verschiedene  Bericht  des  Isidor  von  Sevilla  ist  gerade 
nicht  widersprechend.  ^Idatius  wurde  mit  dem  Bischöfe  ürsacius  (Ita- 
cius)  wegen  der  Hinrichtung  desselben  Priscillian,  dessen  Ankläger  sie 
gewesen,  der  Earchengemeinschaft  beraubt,  zur  Verbannung  verurtheilt, 
und  starb  in  derselben  unter  der  R^ierung  des  Theodosius  und  Valen- 
tinian  IL^  -^  Diess  kann  nicht  vor  dem  Siege  über  Maximus ,  d.  L  nicht 
vor  der  zweiten  Hälfte  des  J.  388  geschehen  seyn.  Da  aber  Valentinianll. 
am  16.  Mai  392  ermordet  wurde,  so  fällt  der  Tod  des  Idatius  früher, 
und  in  die  kurze  Zeit  zwischen  seine  Verbannung  und  seinen  Tod  noch 
ein  vergeblicher  Versuch,  als  Bischof  nach  Emerita  zurückzukehren, 
offenbar  unter  Verdrängung  seines  Nachfolgers,  wohl  des  Patruinus.  — 
Dass  Itacius  aus  seiner  Verbannung  wieder  nach  Ossonoba  zurückgekehrt, 
sofaeint  mir  nicht  wahrscheinlich. 

Wer  war  aber  Kläger  und  Richter  gegen  Idatius  und  Ithacius?  Man 
hat  diesen  wohl  nicht  in  Spanien  und  Gallien  zu  suchen,  sondern  in 
Italien.  Man  kann  an  Siricius  und  Ambrosius  denken;  aber  wahrschein- 
lich fällt  der  Hauptantheil  dem  Theodosius  zu.  Die  Verbannung  ist 
eine  weltliche  Strafe,  welche  Bischöfe  nicht  verhängen  konnten.  Ab 
Anhänger  des  Maximus  und  Gegner  des  Theadosius  wurden  die  Beiden 
verbannt,  wie  durch  ihre  Anklage  wenigstens  zwei  Bischöfe,  Instantios 
undHyginus,  verbannt  worden  waren.  Das  Recht  der  Wiedervergeltong 
wurde  an  ihnen  geübt.  Der  Bätiker  Tiberian  aber,  und  wahrscheinlidi 
auch  andere  verbannte  Priscillianisten ,  durften  jezt  wieder  nach  Hause 
zurückkehren  ^). 

So  war  die  ursprünglich  religiöse  Sekte  mehr  und  mehr  eine  poli- 
tische Parteifrage  geworden.  Kein  Wunder  denn,  wenn  die  Galizier^ 
die  nächsten  Landsleute  des  Theodosius ,  sich  in  Masse  in  das  Lager  des 
Priscillian  begaben,  den  sie,  von  ihrem  patriotischen  Eifer  und  Zorne 
geblendet,  für  einen  guten  Katholiken  und  christlichen  Märtyrer  er- 
achteten. Ohnedem  war  es  mit  dem  tiefen  sittlichen  Fall  des  Priscillian 
sehr  schnell  gegangen ;  seine  bessere  Vergangenheit,  seine  grossen  Gaben^ 
seine  Kunst  der  Verstellung  nahmen  seine  Landsleute  für  ihn  ein.  Sie 
fielen  nicht  vom  Glauben  ab,  indem  sie  dem  Priscillian  zufielen.  Denn 
Theodosianer  seyn  und  Priscillianist  seyn,  —  war  ihnen  dasselbe.  - 
Doch  fiel  wenigstens  ihren  Bischöfen  ihre  Vereinsamung  mehr  und  mehr 


gÜM  aoUuntatuM)  ad  poMtremum  convtctua  in  eos  retorquebatj  qwnvm  id  mandaio  eteon- 
nUii  effecercU;  aolus  tarnen  omnium  epiacopatu  detnuus.    Die  Uebersezung^  nach  Bt't- 
nays  -  S.  18. 
<)  Hwrim.  d.  vir.  Uhutr,  133. 


{.  2.    Gau  SpaDieD,  mit  s.  Bischöfen  dieser  ProviDi,  f&llt  s.  d.  Priscill.  ab.    387 

aa£  —  Die  Oemüther  wurden  ruhiger.  Das  erste  Zornesfeuer  war  ver- 
gingeiL  Vielen  dämmerte  eine  Ahnung  darüber  auf,  dass  es  doch  mit 
Priscillian  schlimmer  stand,  als  man  geglaubt.  Denn  in  den  ersten 
Jahren  hatte  das  Mitleid  mit  seinem  Schicksale  den  wahren  Sachverhalt 
rerdunkelt 

An  den  einzelnen  Aeusserungen  des  Hieronymus  über  die  Sekte  hi««. 
aeht  man,  wie  allmälig  sich  bei  den  Katholiken  das  Urtheil  über  und  ^JÜ^T 
jeg^i  Priscillian  umbildete.  Im  J.  392  —  schwankt  er  noch  —  cot.  121  ^|^ 
—  scheint  sich  aber  eher  zu  Priscillian  hinzuneigen,  „Dieser  wird  bis 
lieute  von  Einigen  der  gnostischen  Häresie  angeklagt,  während  Andere 
behaupten,  er  habe  nicht  die  Gesinnung  gehabt,  deren  er  beschuldigt 
wird.*  —  Aber  die  Sekte  enthüllte  mehr  und  mehr  ihre  wahre  Natur. 
Im  J.  397  oder  398  hatte  ihm  der  fromme  Laie  Lucinius  aus  Bätika 
geschrieben,  und  im  J.  398  (nicht  394)  antwortete  ihm  Hieronymus.  -^ 
b  diesem  Briefe  findet  sich  eine  Hinweisung  auf  die  Reise  des  Paulus 
Dich  Spanien,  die  von  meinen  Vorgängern,  und  auch  von  mir  früher 
Bbersehen  wurde  ^).  „Paulus  bleibt  zu  Rom  zwei  Jahre  in  einer  Mieth- 
wohnung.  —  >^Der  Menschenfischer  wirft  das  apostolische  Nez  aus,  und 
hat  auch  dich  wie  den  schönsten  Goldfisch  (quasi  ptUeherrimum  auratam) 
unter  den  zahllosen  Arten  von  Fischen  an  das  Ufer  gezogen.'  Dieses 
wenn  auch  unbestimmt  lautende  Zeugniss  hätte  einigen  Werth,  wenn 
nieht  Hieronymus  an  andern  Stellen  das  G^gendieil  lehrte,  —  Lucinius 
lebte  mit  seiner  Gemahlin  jezt  als  mit  einer  Schwester.  Aber  Hieronymus 
ermahnt  ihn,  sich  im  heiligen  Lande  niederzulassen.  Lucinius  hatte  viele 
Wohlthaten  ausgetheilt  Er  hatte  Schreiber  nach  Betlehem  gesandt, 
welche  die  Werke  des  Hieronymus  daselbst  in  papieme  Codices  abschrie- 
ben (in  ehartaeeis  codieibua).  Hieronymus  aber  musste  sie  oft  ermahnen, 
diss  sie  genauer  verglichen  und  (das  Fehlerhafte)  verbesserten.  Er  selbst 
konnte  wegen  der  zahlreichen  Besuche  so  viele  Bände  nicht  mehr  durdi- 
lesen,  war  auch  lange  krank,  und  erholte  sich  erst  in  der  Fasten,  als 
ae  abreisten.  Schreib-  oder  sinnstörende  Fehler  fallen  also  nicht  auf 
leine  Rechnung ,  sondern  derer ,  welche  schreiben ,  „nicht  was  sie  finden, 
sondern  was  sie  verstehen  (non  quod  inverdunt,  sed  quod  intelUgunt)  und 
irihrend  sie  fremde  Lrthümer  bessern  wollen,  zeigen  sie  die  ihrigen.^ 
)ie  Schriften  des  Josephus,  der  heiligen  Papias  und  Polycarp  habe  er 
licht  übersezt  „Den  Canon  der  hebräischen  Wahrheit,  mit  Ausnahme 
>es  Octeleuch,  das  ich  jezt  in  Händen  habe,  habe  ich  deinen  Knechten 
ind  Notaren  zum  Abschreiben  gegeben,^  d.  i.  die  von  Hieronymus  ge- 
ertigte  neue  Uebersezung  der  heiligen  Schrift.  Er  zweifle  nicht,  dass 
uucinius  die  vor  vielen  Jahren  von  Hieronymus  emendirte  Ausgabe  der 
^toaginta  habe.    Dann  handelt  er  vom  Fasten  am  Samstage  —  und 


')  K..O.  1,  43;  49. 

25 


388  Siebentes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

der  tiiglichen  Communion  ').  —  Jede  Provinz  möge  ihre  UeberlieferoDgen 
für  Vorschriften  der  Apostel  halten.  Er  übersendet  ihm  vier  Cilicien, 
und  einen  Codex ,  die  Erklärung  von  12  dunkeln  Visionen  des  Isajas. 
Möge  endlich  Lucinius  die  lange  verzögerte  Seefahrt  wagen ,  oder  doch 
wieder  schreiben  ^). 
Hitro.  Aber  Lucinius  starb  bald,  und  Hieronymus  erhielt  die  traurige  Nach- 

"l«d*  rieht  von  seiner  Wittwe  Theodora,  welcher  er  um  399  einen  Trostbrief 
^^  schrieb ,  woraus  wir  u.  a.  erfahren ,  dass  Lucinius  sechs  Notare  an  Hiero- 
nymus schickte,  und  alles  abschreiben  liess,  was  er  von  seiner  Jugend 
an  dictirt,  d.  i.  geschrieben  hatte,  dass  Lucinius  all*  sein  Vermögen  an 
die  Armen  ausgetheilt,  dass  er,  nicht  zufrieden  mit  den  Gaben  in  seiner 
Heimath  9  nach  Jerusalem  und  an  die  Kirche  von  Alexandrien  so  viel 
Geld  gesandt,  dass  viele  davon  leben  konnten^).  —  In  diesem  Brkk 
nun  redet  er  anders  von  den  Häretikern,  als  im  J.  392.  „Es  wüthet  die 
schmuzigste  Häresie  des  Basilides  durch  Spanien,  wie  eine  ansteckende 
Pest  hat  sie  alle  Provinzen  zwischen  den  Pjrrenäen  und  dem  Ocean  ver- 
wtlstet,  und  besonders  die  Weiber  sind  ihr  anheimgefallen^  (das  Weitere 
Kap.  6,  2). 

Dem  Priester  Abigaus,  der,  wie  es  scheint,  dem  Brief  der  Theodon 
ein  Begleitschreiben  beigegeben ,  antwortet  Hieronymus  mit  einem  Briefe 
allgemeinen  Inhalts,  und  tröstet  ihn  über  seine  körperliche  Blindheit^). 

Mit  der  gleichen  Schärfe  spricht  sich  Hieronymus  in  seinem  —  410 
—  varfassten  Commentar  zu  Jesajas  über  die  Sekte  aus;  noch  schärfer 
im  J.  416  in  dem  Briefe  an  Ctesiphon.  „In  Spanien  schliesst  sich  Pris- 
cillian,.  ein  Ableger  des  Manes,  Leute,  welche  keck  die  Vollendung  und 
die  Wissenschaft  für  sich  in  Anspruch  nehmen ,  allein  mit  Weibern  ein.' 
Und  wieder:  „Was  soll  ich  sagen  von  Priscillian,  der  durch  das  Schwert 
des  weltlichen  Richters,  und  die  öffentliche  Meinung  der  ganzen  Welt 
verurtheilt  wurde?"  Und  wieder:  „In  Spanien  hat  Agape  den  Elpidius, 
das  Weib  den  Mann,  die  Blinde  den  Blinden,  der  den  Priscillian  so 
seinem  Nachfolger  hatte,  in  die  Grube  geführt;  den  eifrigsten  Schüler 
des  Magus  Zoroaster,  Bischof  aus  dem  Zauberer,  mit  dem  Galla,  dem 
Namen,  nicht  dem  Volke  nach  verbunden  war  (eine  sonst  nicht  genannte 
Person,  vielleicht  die  Procula),  welche  ihre  da  und  dorthin  eilende  Schwester 
als  Erbin  einer  andern  und  verwandten  Häresie  hinterlassen  hat^).* 

Man  braucht  in  diesen  verschiedenen  Aeusserungen  des  Hieronymitf 
keine  Widersprüche  zu  sehen;  denn  im  Laufe  der  Zeiten  trat  4ii  wabre 
Wesen  der  Sekte  greller  und  unleugbarer  hervor. 


0  K-G.  2,  79—80. 

*)  €pist  71  ad  Lucinium  Baeiicumf  K.-G*  2,  270* 

6ptf<.  75  ad  Thtodonai  viduam, 

€p.  76  ad  Äbigaum, 
*)  ep,  133  ad  CiuipK  —  de  turpitudine  cmus  te  tUscipuU  diUgutU  /»Irnntnnm. 


? 


%.  3.     Die  Synode  vod  Toledo.  389 

§.  3.    Die  Synode  von  Toledo. 

Die  Lage  war  in  Spanien  unerträglich ;  auch  die  galizischen  Bischöfe 
latten  schon  Versuche  gemacht,  aus  ihr  herauszukommen.  Sie  hatten 
ich  an  Ambrosius  von  Mailand  gewendet,  der  den  Frieden  zu  yermitteln 
achte.  Nach  dem  Tode  des  Theodosius  im  J.  395  h&tten  sie  auch  nach 
ieser  Seite  hin  ihren  Halt  verloren.  Aber  der  Versuch  einer  frühem 
ynode  in  Toledo  (um  397  nach  Florez)  scheiterte  gerade  an  ihrem 
Lüsbleiben.  —  Im  J.  400  aber  fanden  sich  in  Toledo,  als  der  Central- 
mAi  von  Spanien,  sowohl  die  galizischen,  als  eine  grosse  Zahl  anderer 
[Mmischer  Bischöfe  ein,  aus  den  Ejrchenprovinzen  Tarracon.,  Carthagen. 
nd  Lusitanien,  wahrscheinlich  auch  aus  Bätika. 

Es  waren,  wie  in  Elvira,  19  Bischöfe,  die  an  den  Verhandlungen 
teilnahmen;  davon  sind  uns  nur  die  Size  von  vier  bestimmt  bekannt; 
^atruinus,  der  Vorsizende,  war  Bischof  von  Emerita,  Asturius  von  To- 
sdo,  Lampius  von  Barcelona,  Exuperantius  steht  mit  dem  Titel  seines 
lizes  Celene  in  den  Akten*).  Marcellus  war  vermuthlich  Bischof  von 
lispalis,  Hilarius  von  Carthagena  (oder  Castulo).  Aphrodisius,  Licinian, 
Qcundus,  Severus  (er  ist  nicht  der  von  Minorca),  Leonas,  Olympius, 
)rticius,  Serenus,  Florus,  Leporius,  Eustochius,  Aurelianus,  Lampadius 
ind  Bischöfe  von  nicht  bekannten  Sizen.  —  Das  J.  400  als  das  der 
lynode  ist  verbürgt  durch  die  Ueberschrift  (aera  438)  ^  das  Zeugniss 
es  Idatius,  und  den  Umstand,  dass  Simplician  von  Mailand,  der  401 
tarb,  zur  Zeit  der  Synode  noch  lebte.  —  Ebenso  ist  der  Monat  Septem- 
er  verbürgt  Die  Akten  der  Synode  bestehen  aus  4  Theilen.  Zuerst 
Atn  20  Canones  über  Eirchenzucht.  Patruinus,  das  Haupt  und  der 
orsizende  des  Concils ,  erklärte ,  dass  es  wegen  der  verschiedenen  Ein- 
chtuBgen  und  Uebungen  bis  zum  Schisma  gekommen;  darum  müsse 
lan  sich  verständigen  über  gleiches  Verfahren  bei  der  Weihe  der  Cleriker, 
ozu  die  Canones  von  Nicäa  maassgebend  seien.  Die  Bischöfe  antwor- 
ten, wer  von  diesen  abgehe,  sei  ausgeschlossen,  wenn  er  sich  von 
inen  Brüdern  nicht  zui*echtweisen  lasse. 

1)  Die  Diakonen  sollen  dem  Umgange  mit  ihren  Frauen  entsagen;  cano- 
ilbst  wenn  sie  vor   dem   durch    die  lusitanischen  Bischöfe   erlassenen  g^^^^V. 
onst  nicht  erwähnten)  Verbot,   unenthaltsam  mit  ihren  Frauen  gelebt, 

)  solkill  sie  nicht  Priester  werden ;  wenn  ein  Priester  vor  dem  Verbote 
•ohne  gehabt^  so  solle  er  nicht  Bischof  werden.  | 

2)  Pönitenten  dürfen  nur,  wenn  es  die  Noth  oder  der  Dienst  fordert, 
)stiarier  oder  Lectoren  werden ,  nichf  aber  die  Evangelien  oder  den 
Apostel  (die  Briefe  der  Apostel)  vorlesen :  sind  sie  vorher  schon  zu  Sub- 


')  Idatias  scheint  in  seinem  Berichte  zu  J.  400  den  Ortigias  mit  ihm  verwechselt 
zu  haben. 


890  SiebMitet  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

diakonen  geweiht ^  so  soll  es  dabei  bleiben,  sie  aber  die  Hände  nid 
auflegen  und  das  Heilige  nicht  anrühren.  Darunter  verstehen  sie  offen 
liehe  Büsser  wegen  schwerer  Verbrechen  und  Laster ,  welche  das  Bus 
gewand  getragen. 

3)  Ein  Lector,  welcher  eine  Wittwe  heirathet,  soll  Lector  bleibei 
oder  höchstens  Subdükon  werden. 

'  4)  Der  Subdiakon,  welcher  wieder  heirathet,  soll  zum  Ostiarius  ode 
Lector  degradirt  werden,  aber  nicht  die  Evangelien  oder  den  Apo8t< 
vorlesen  (damit  nicht  ein  Diener  der  Ejrchc  in  weltliche  Dienste  eii 
trete);  sollte  er  zum  dritten  Male  heirathen,  so  werde  er  zwei  Jahi 
ausgeschlossen,  dann  als  Laie  unter  die  Büsser  gestellt 

5)  Der  Priester,  und  jeder  Cleriker^  der  in  der  Nähe  der  Eircb 
wohnt,  und  j,kommt  nicht  zu  dem  täglichen  Opfer  (ad  Merifldttm  quc 
Udianum)^,  soll  entfernt  werden,  wenn  er  nicht  vor  dem  Bischof  Geniij 
ihunng  leistet 

6)  Eine  gottgeweihte  Jungfrau  (pueUa  Dei)  soll  keinen  Verkehr  m 
einem  Coi^fessor  ^)  oder  irgend  einem  ihr  nicht  blutsverwandten  Laie 
haben,  oder  mit  ihnen  essen;  es  sei  denn,  dass  sie  bei  einer  Mabize 
neben  altem  ehrenwerthen  Männern  und  Frauen  mit  Confessoren  zi 
sammentreffe;  in  die  Wohnung  eines  Lector  soll  sie  nicht  gehen,  wen 
sie  nicht  seine  Schwester  ist 

7)  Hat  das  Weib  eines  Clerikers  gesündigt,  so  hat  er,  mit  Aui 
nähme  der  Tödtung,  das  Recht  sie  zu  bewachen,  zu  binden,  sie  faste 
zu  lassen,  so  dass  arme  Cleriker,  wenn  sie  keine  Dienstleute  (Bervüic 
haben,  sich  selbst  aushelfen;  mit  solchen  Weibern  aber  dürfen  sie  en 
nach  vollbrachter  Busse  wieder  essen. 

8)  Wer  nach  der  Taufe  Kriegsdienste  geleistet,  und  auch  nicht 
Schweres  verbrochen,  soll,  wenn  er  zum  Clerus  zugelassen  wird,  nicl 
Diakon  werden. 

9)  Keine  Professschwester  fpro/lcMaj  oder  Wittwe  soll,  ohne  denB: 
schof  oder  Priester,  mit  einem  Confessor  oder  ihrem  Diener  Antiphone 
halten ;  das  Lucemarium  (d.  i.  die  Vesper)  soll  nur  in  der  Kirche  ge 
halten  werden,  auf  einer  Villa  aber  nur  in  Gegenwart  eines  Bischofs 
Priesters  oder  Diakons. 

10)  Cleriker,  welche  an  einen  fremden  Dienst  gebunden  sind,  sollei 
nur,  wenn  sie  erprobt,  und  mit  Genehmigung  ihrer  Patrone,  geweih 
werden. 

11)  Wenn  ein  Mächtiger  einen  Cleriker,  Armen  oder  Religiöser 
beraubt,  und  wenn  er  der  Vorladung  an  den  Bischof  nicht  Gehör  giebt 
so  werde  er  durch  Umlau&chreibeii  an  sämmtliche  Bischöfe  excommunicirt 


0  Bedeutet  hier  nicht  Cantor,  londern  Bekenner  oder  Ascet 


$.  3.     Die  Synode  von  Toledo.  391 

12)  Ein  Cleriker  darf  seinen  Bischof  nicht  verlassen ,  es  sei  denn, 
er  werde  als  ein  von  der  Häresie  Zurückkehrender  auswärts  au%6nommen. 
Geht  umgekehrt  ein  Katholik  zu  denen  über,  die  schon  excommunicirt 
oder  censurirt  sind,  so  treffe  ihn  gleiches  Loos. 

13)  Wer  in  die  Kirche  komiht  und  nie  communicirt,  sei  ausge- 
schlossen. 

14)  Als  Sacrilegus  gelte,  wer  die  empfwgene  Eucharistie  nicht 
geniesst 

15)  Wer  mit  einem  Ausgeschlossenen  redet  oder  isst,  sei  ausge- 
schlossen. 

16)  Eine  gefallene  Nonne  (devota)  treffe ,  wie  ihren  Verführer ,  eine 
Bosse  von  10  Jahren,  während  welcher  keine  Frau  sie  zu  Gaste  laden 
darf  Heirathet  sie,  so  werde  sie  erst  dann  zur  Busse  zugelassen,  wenn 
sie  sich  trennt,  oder  er  gestorben  ist').  * 

17)  Hat  Einer  eine  Frau  und  eine  Goncubine^  so  sei  er  ausge- 
schlossen ,  wer  keine  Frau ,  aber  nur  eine  Concubine  hat  ^) ,  werde  nicht 
ausgeschlossen. 

18)  Wenn  die  Wittwe  eines  Bischofs ,  Priesters  oder  Diakons  wieder 
heirathet,  so  kann  sie  erst  vor  dem  Tode  die  heiligen  Sakramente 
empfEuigen. 

19)  Ebenso,  wenn  die  Gott  geweihte  Tochter  eines  Bischoft,  Prie- 
sters oder  Diakons  fällt  oder  heirathet,  dürfen  sie  ihr  Vater  oder  ihre 
Mntter  nicht  mehr  aufnehmen;  der  Vater  habe  sich  in  dem  Concil  zu 
▼erantworten;  das  Weib  werde  nicht  zur  Communion  zugelassen,  wenn 
sie  nicht  nach  dem  Tode  ihres  Mannes  Busse  thut;  verlässt  sie  ihn  aber 
ond  begehrt  die  Busse,  so  soll  si#  am  Ende  die  heilige  Wegzehrung 
erhalten. 

20)  Da  es  heisst,  dass  in  einigen  Orten  oder  Provinzen  Priester 
das  Chrisma  weihen ,  so  soll  von  nun  an  nur  der  Bischof  es  bereiten, 
and  durch  die  Pfarreien  (per  dioeeeaes)  versenden;  vor  Ostern  sollen 
Diakonen  oder  Subdiakonen  von  jeder  Kirche  den  Chrisam  abholen. 
Die  Diakonen  dürfen  ihn  nicht  gebrauchen.  Der  Archidiakon  möge 
immer  an  diese  Verordnung,  sei  es  in  Abwesenheit  oder  Anwesenheit 
der  Bischöfe,  erinnern,  dass  die  Bischöfe  sie  beobachten,  oder  die 
Priester  sie  nicht  übertreten.  Es.  folgen  die  19  Unterschriften  in  obiger 
Ordnung. 

Von  diesen  Canones  beziehen  sich  nur,  sei  es  mittelbar  oder  direkt, 
cl2,  13,  14,  15  auf  die  Priscillianisten. 

Die  hieran  sich  schliessenden  18  Anathematismen  mit  dem  Glaubens- 


')Da8  Nähere,  s.  oben,  K..G.  2,  64—65. 

^  (L  i.  eine  anstandesgem&sse  Ehe  eing^eht,  die  seil  Papst  Caliytas  kirchlich  gilti^ 
wtr.    t.  K..G.,  3,  68  —  70, 


392  Siebentes 'Bach.    Siebentes  Kspitel. 

Die  lymbol  gegen  die  Priscilliiiusten  werden  unten  in  Kap.  15  beeprochen. 
Xi^  —  Ebes  dabin  sind  som  Theil  Beetandtheil  3  und  4  dieser  Synode 
•cMfe.  '^  verweisen.  —  Der  Thatbestand  y  den  ich  ans  den  j^Exemplaria  pr(h 
fesiionum  in  CaneiUo  ToUUmo,  eonira  seetam  PriieUUani''  nnd  dem 
„Exen^lar  difiniHvae  $entmUae  tramlata  de  getUi^  als  gesidiert  emire, 
ist  dieser.  Schon  war  das  Concii  am  1.  September  (400)  gehalten, 
dann  fimden  Vemelimiingen  nnd  UntersuchoDgen  statt;  am  6.  September 
wurden  die  Erklärungen  des  Bischofis  Sjmphosius  von  Astorga,  seines 
Sohnes  Dictmius,  und  Nachfolgers  als  Bischof  von  Astorga,  sowie  des 
Priesters -GomasiuSy  worin  sie  mit  aller  Entschiedenheit ,  und  augleieh 
mit  den  Ausdrücken  der  rührendsten  Demuth,  ihre  Verwerfiing  der  Irr 
lehre  des  Prisdllian  ausspradien,  rorgdesen.  Am  11.  September  gab 
Gomasius  neue  ErklXrungen  ab.  Ebenso  Sjmphosius  und  Dietinios, 
welcher  sprach:  ]Pch  folge  dem  Ausspruche  meines  Herrn  und  Vaten, 
memes  Eneugers  ^)  und  Lehrers  Symphosius.  Was  er  gesagt  hat,  sage 
ieh.  Denn  es  steht  geschrieben:  Wenn  euch  Jemand  ein  anderes  Etsd- 
gelium  verkündigt y  als  welches  geschrieben  steht,  der  sei  Anathema; 
und  desswegen  verdamme  ich  Alles ,  was  Prisdllian  entweder  üebles 
gelehrt  oder  geschrieben ,  augleich  mit  dem  Urheber.' 

An  demselben  11.  September  wurde  der  Endentscheid  der  BischSfe 
.  .  verlesen,  woraus  u.  a.  hervorgeht:  Symphosius  hatte  nur  einen  Tag  der 
Synode  von  Saragossa  angewohnt  y  und  der  Fxllung  des  ürtheils  gegoi 
die  Prisdllianisten  daselbst  sich  entzogen  (ohne  Zweifel,  weil  damals  ihr 
Hauptsizy  Alteastilien,  zu  seiner  Ejrchenprovinz  gehörte ,  und  er  nicht 
Willens  war,  die  Beschlüsse  g^gen  sie  auszuführen;  so  ericlftrt  es  sieh 
auch  in  etwas,  warum  Itacius  damit  betraut  wurde;.  Später  hatte  Am- 
brosius  von  Mailand  vermittelnde  Briefe  an  die  spanischen  Bischöfe  ge- 
schrieben, worin  er  rietb,  wenn  die  Priscillianistisohen  Bischöfe  wide^ 
riefen  und  die  von  ihm  bezeichneten  Bedingungen  erfüllten,  solle  man 
sie  zum  Frieden  aufnehmen.  Symphosius  und  Dictinius  waren  selbst 
bei  Ambrosius  (in  Mailand)  gewesen ,  und  hatten  sich  mit  ihm  über  diese 
Bedingungen  verständigt,  wie  ich  vermuthe,  in  der  Zeit  zwischen  388 
und  39S.  —  Auf  das  Drängen  des  Volkes  von  Astorga  hatte  Symphosius 
femer,  schon  auf  Jahren,  seinen  eignen  Sohn,  nach  ofterwähnter  da- 
maliger spanischer  Unsitte,  zu  seinem  Coadjutor  und  Nachfolger  geweiht, 
Ambrosius  hatte  aber  verlangt,  er  solle  sich  zu  Lebzeiten  seines  Vaters 
mit  der  Würde  eines  Presbyters  begnügen.  Beide  gestanden  auch,  dass 
sie  für  verschiedene  Kirchen  Bischöfe  geweiht,  wo  keine  waren.  Dazu 
hatte  wenigstens  Symphosius  das  formelle  Recht,  weil  Astorga  damals 
Metropole  der  Provinz  Galizien  war;  sonst  wäre  auch  nicht  leidit  iii 
erklären  y  wie  er  so  viele  Bischöfe  ordinirte.    Sie  brachten  die  Entscfaol- 


')  Trosdem  halt  man  den  Symphosius  gewöhnlich  nnr  für  den  Lehrer  des  DietiDioi* 


$.  3.    Die  Synode  Ton  Toledo.  893 

^;iing  roTy  dass  das  Volk  von  fast  ganz  Galizien  mit  ihnep  überein- 
immte,  vielmehr  sie  fortzog.  So  weihten  sie  den  Bischof  Patemus  von 
racaray  der  zuerst  gestand,  dass  er  die  Sekte  des  Priscillian  gekannt 
€  icise),  lEkher  schwur,  dass  er  als  Bischof  nach  Lesung  der  Bücher  des 
mbrosius  von  ihr  befreit  worden  sei. 

Die  Size  der  folgenden  galizischen  Bischöfe  werden  nicht  genannt 
Bonins  sagte,  er  sei  vor  Kurzem  getauft  und  von  Symphosius  zum 
ischofe  geweiht  worden,  und  verwerfe  alles,  was  dieser  verworfen  habe, 
egetinits  war  schon  vor  dem  Concil  von  380  zum  Bischöfe  (von 
ymphoaius)  geweiht,  und  hatte  den  Priscillian  verworfen. 

Herenas  war  seinen  Clerikern  gefolgt,  die  laut  schrieen,  Priscil- 
in  sei  ein  Heiliger  und  als  Märtyrer  gestorben.  Er,  mit  allen  Gleich- 
lennnten,  sowohl  seinen  Clerikern,  als  verschiedene^Bischöfen,  d.  i.  mit 
huntoBy  Acorius,  Emilius,  soll  seiner  Würden  entsezt  werden.  Zudem 
rar  Herenas  von  drei  Bischöfen ,  vielen  Priestern  und  Diakonen  über- 
riesen  worden,  dass  er  eine  Lüge  eidlich  bekräftigt  habe. 

Vegetinus  wurde  ohne  Weiteres  in  seiner  Würde  bestätigt.  Pater- 
os  solle  vorerst  Bischof  von  Bracara  bleiben,  und  solle  die  Gemeinschaft 
üt  den  übrigen  Bischöfen  erhalten ,  sobald  der  apostolbche  Stuhl  ant- 
worte. 

Die  üebrigen,  welche  aus  der  Provinz  Galizien  zu  der  Synode  ge- 
)inmen,  und  stets  in  der  Gemeinschaft  des  Symphosius  verharrt,  sollen 
ne  von  dem  Concil  ihnen  zugesendete  Formel  unterschreiben,  und  so 
m  Frieden  erwarten,  bis  der  dermalige  Papst  (hier  ist  nicht  Siricius, 
398,  sondern  Anastasius  —  398  —  402  gemeint),  Symplician  von  Mai- 
nd  und  die  übrigen  Bischöfe  antworten.  Unterschreiben  sie  nicht,  so 
Uen  sie  weder  im  Besize  ihrer  Kirchen  bleiben,  noch  mit  den  zu  der 
irche  Zurückgekehrten  Gemeinschaft  haben. 

Vorerst  soll  nur  Vegetinus  mit  Paternus  Gemeinschaft  haben.  Der 
omme  Greis  Symphosius  solle  sich  innerhalb  seiner  Kirche  halten ,  und 
»rsichtiger  seyn.  Er,  Dictinius  und  Anterius  solle  von  dorther  die 
Dmmnnio  erwarten ,  wo  er  früher  die  Hoffnung  des  künftigen  Friedens 
langt,  d.  i.  von  Italien. 

„Wir  verordnen  auch ,  bevor  ihnen  durch  den  Papst  oder  (vel  —  et) 
irch  den  heiUgen  Symplician  di#  Communio  der  Kirche  ertheilt  wird, 
Uen  sie  weder  Bischöfe,  noch  Priester  und  Diakonen  weihen;*'  also 
ar  Symphosius  doch  Metropolit. 

Alle  Bischöfe  sollen  darüber  wachen,^ dass  kein  Ausgeschlossener 
den  Häusern  der  Weiber  Versammlimgen  halte ,  und  dort  apokryphe 
acher  gelesen  werden.  —  Dem  ^ischof  Ortigius  seien  die  Kirchen  zu- 
ickzustellen ,  aus  denen  er  vertrieben  worden.  Dieser  war  nach  Idatius 
ör  Caelene  ordinirt,  der  aber  auf  Betreiben  der  Priscillianisten  ver- 
neben, in  der  Verbannung  lebte.  Es  gab  in  Galizien  Aquae  Flaviae, 
^eute  Chaves  am  Tamega,  Aquae  Originum^  heute  wahrscheinlich  Orense, 


394  Siebentes  Buch.     Siebentes  Kapitel. 

Aquae  Laevae,  ein  unbekannter  Ort,  Aquae  Quintinae,  wohl  Qaint 
den  Quellen  des  Navia,  endlich  Aquae  Celenae,  jezt  Caldas  del  ] 
Da  nun  Esuperantius  in  den  Akten  selbst  Bischof  von  Colone  gen 
wird,  so  dürfte  bei  Idatius  ein  Irrthum  vorliegen,  und  Ortiglus  ^ 
scheinlich  Bischof  von  Aquae  Originum  gewesen  seyn,  weil  diess  sp 
und  bis  heute  Bisthum  gewesen. 

Der  Brief  des  Ambrosius  an  die  Bischöfe  Spaniens  hat  sich  r 
erhalten.    Er  spricht  sich  indess  auch  sonst  gegen  die  Itacianer  aus. 
der  Synode  zu  Turin  vom  22.  September  401  wird  noch  des  sogenani 
itacianischen  Schbma  Erwähnung  gethan,  deren  Canon  6   lautet: 
gallischen  Bischöfe,  welche  sich  von  Felix  (von  Trier)  trennten,  so 
in  die  Gemeinschaft  der  Synode  aufgenommen  werden,  nach  den  Sc! 
ben  des  Ambrosiu%und  des  Papstes   (Siricius).   —    Bischof  Felix, 
Sulpic.  Severus  sehr  lobt,  soll  seiner  Stelle  entsagt,  sich  in  ein  Klo 
zurückgezogen  haben ,  und  bald  darauf  gestorben  seyn  ^). 


*)  Am  ausfährlichsten  über  die  Synode  von  Toledo  handelt  Florez  6,  p.  50—: 
dann  Aguirre^  5,  p,  20—58.  —  Tejada  y  RamirOy  L  2,  p.  174  ~  201.  —  1 
duin,  U  /,  9iH),  —   Mann,  3,  997  sq    —    CoUti-  Veneta,  2,  p.  1469-90. 


Achtes  Kapitel. 

lie  Kirche  in  Spanien  von  der  Synode  von  Toledo  bis  znm 
Wegzn^  der  Vandalen  nach  Afrika  —  Jahr  400—429. 

Wenn  auch  die  zu  Toledo  versammelten  Bischöfe  an  Papst  Anastasius 
ein  Schreiben  richteten ,  so  scheinen  sie  doch  keine  Antwort  erhalten  zu 
haben,  welche  schwerlich  verloren  gegangen  wäre.  —  Die  Verwirrung 
in  Spanien  wuchs.  Bätische  und  wohl  auch  carthaginensische  Bischöfe, 
beherrscht  von  jenem  separatistischen  Geiste,  welchen  Gregor  von  Elvira 
mehr  als  30  Jahre  lang  genährt  und  gepflegt  hatte ,  bildeten  nun  ein 
neues  Schisma,  indem  sie  sich  von  der  Gemeinschaft  aller  Bischöfe 
trennten ,  welche  den  Galiziern  Wiederaufnahme  in  die  Kirche  gewährten. 
Dazu  kamen  noch  andere  Ausschreitungen  von  Seite  unwürdiger  Bischöfe. 
Darum  begab  sich  Hilarius,  der  Metropolit  der  Provinz  Carthaginensis, 
dessen  Aufgabe  es  zunächst  war,  und  der  wahrscheinlich  auch  von  den 
Bischöfen  der  Synode  von  Toledo  Vollmacht  und  Auftrag  erhalten  hatte, 
zu  persönlicher  Berichterstattung  nach  Rom.  Hier  war  Innozenz  I.  seit  iho. 
dem  Jahre  402  Papst.  —  Er  erliess,  ohne  nähere  Angabe  des  Jahres,  *'^*^' 
eine  Encyclica  an  die  zu  Toledo  versammelt  gewesenen  Bischöfe,  welche  ^jJJ; 
sehr  schäzenswerthe  Beiträge  zur  spanischen  Kirchengeschichte  jener 
Zeit  giebt.  JslS6  sezt  den  Erlass  des  Briefes  in  das  J.  404  ^).  Nachdem 
^  durch  den  Bischof  Hilarius  und  den  Priester  Elpidius  Kunde  von  dem 
Schisma  in  Spanien  erhalten,  so  entscheidet  er  „in  einer  Sizung  des 
I^resbyterfcims^ :  1)  die  Bätischen  und  Carthaginensischen  Bischöfe  (d.  i. 
billige  derselben)  haben  sich  mit  Unrecht  von  der  Gemeinschaft  der 
Uebrigen  getrennt,  weil  Symphosius  und  Dictinius,  nachdem  sie  der 
B^brosie  Priscillians  entsagt,  wieder  au%enonmien  worden;  2)  die  von 


')  Jaffi  rt^uta  Pöntif.  —  p,  23. 


*)  N&heret  Qber  diesen  Brief  in  Kap.  11,  12,  13. 

^  Idaüus  chrm.  409'-429,  —  Zosimus,  5,  4^5.  —  Oromu,  7,  40.  —  F.  W.  Lui^ 
Geschichte  von  Spanien,  1.  Bd.,  1831,  S.  14  —  25.  —  FeL  Dahn,  Die  Kdfli^ 
der  Germanen.  1.  Abth.  Die  Vandaien,  1861,  8.  141  —  152.  —  WieitM^ 
Völkerwanderan^,  Bd.  4,  1864»  8.  247-282. 


i 


396  Siebentes  Buch.    Achtes  KapiteL 

Rnffinus  und  MiniciaB  in  fremden  Kirchen  ordinirten  BiechSfe  seien  ab- 
znsezen;  3)  Bischof  Johannes  müsse  entfernt  werden ,  wenn  er  nicht 
aufhöre,  den  Sjmphosius  mid  Dictinius  mit  Unbilden  zn  überiilnfen; 
4)  bei  einigen  fehlerhaften  Weihen  müsse  man  um  des  Friedens  w^;en 
Nachsicht  haben;  5)  die  Klage  des  Gregor  von  Emerita  sei  ansohören; 
6)  über  die  nothwendigen  Eigenschaften  der  zu  Weihenden^).  —  Die 
merkwürdige  Thatsache,  warum  diese  Decretale  in  der  alten  apanischen 
Sammlung  des  Kirchenrechts  fehle,  werden  wir  im  nüchsten  Bache  sa 
erklären  und  daraus  Schlüsse  auf  den  Ort  der  Entstehung  dieser  Samm- 
lung zu  ziehen  suchen.  Ob  und  welche  Wirkungen  dieses  Schreiben 
gehabt,  wissen  wir  nicht 

Es  fehlt  uns  vom  J.  404  bis  447  an  allen  eigentlich  kirchlidien 
Nachrichten  über  Spanien.    Was  wir  wissen ,   bezieht  sich  auf  den  Ein- 
fall der  germanischen  Völker,  oder  auf  einzelne  Persönlichkeiten. 
iiaMi         Im  Monate  September  oder  Oktober   des   Jahres  409    (nach  den 
y«Id«  Einen  am  29.  September,  nach  den  Andern  am  13.  Oktober),  an  einem 
smra  Dienstage,  betraten  die  Vandaien,  Sueren  und  Alanen  zuerst  den  Boden     ^ 
Alura  'Sp^e^y  u^d  „bezeichneten  ihre  Ankunft  mit  den  unerhörtesten  Ve^      ^ 
heerungen.    Nicht  zufrieden ,  die  Städte  zu  plündern  und  den  Flammen     ;^ 
zu  übergeben,  verwüsteten  sie  auch  im  wilden  Uebermuthe  die  Früchte     - 
des  Feldes;  Pest  und  Hungersnoth  erschien  in  ihrem  Gefolge;  wilde     ^ 
Thiere  verliessen  ihre  Höhlen,   durch   den  Geruch   der  unbegrabenen    ^ 
Leichen   angelockt;   das  Elend  der  Einwohner  erreichte  den  hödisten    ^^ 
Grad«  «). 

Nach  zwei  Jahren  der  Verheerung  theilten  sie  sich  in  die  Halbinsel 
Die  asdingischen  Vandaien  unter  Gunderich  und  die  Sueven  unter  Her- 
merich erhielten  Gallzien,  die  silingischen  Vandaien  Bätika,  die  Alanen 
unter  Atax  Lusitanien  und  Carthi^ginensis,  während  den  Römern  die 
Provinz  Tarraconensis  blieb.  —  Nach  der  Niederlage  der  Silinger  und 
Alanen  durch  die  Gothen  —  419  —  unterwarfen  sich  dieselben  dem 
Vandaien  Gunderich  in  Galizien ,  der  nun ,  bei  dem  Abzüge  der  Gothen 
nach  Gallien,  nach  Andalusien  zog  —  420,  dem  sein  Volk  den  Namen 
gab.  Im  J.  422  schlug  er  die  Römer  und  Gothen.  In  den  folgenden 
Jahren  plünderten  die  Vandaien  die  Baloarischen  Inseln  und  zerstörten 
Garthagena,  und  theil weise  Sevilla  ~  425.  —  Gunderich  „eroberte  His- 
palis  und  da  er  in  gottloser  Ueberhebung  seine  Hände  gegen  die  Kirche 
dieser  Stadt  ausgestreckt,  so  gieng  er  bald  darauf  durch  Gottes  Grericbt 


ie  Rirelie  in  Spanien  v.  d.  Synode  v.  Toledo  b.  z.  Wegzage  d.  Vandulen.    397 

on  einem  Dämon  getroffen  zu  Grunde^  *).  —  Ihm  folgte  Oenserich  in 
er  Begiening,  der  nach  dem  Berichte  Einiger  aus  einem  Katholiken 
n  Apostat  und  Arianer  wiirde.  Im  Mai  429  brach  dieser  mit  seinem 
olke  nach  Afrika  auf.  —  Die  Eirc|ie  von  Spanien  aber  war  in  dieser 
eit  gleichsam  begraben  unter  den  Trümmern  der  einstürzenden  alten 
taatsordnung. 

In  diese  Zeit  fällt  der  Abschluss  der  westgothischen  Liturgie,  indem    Ab- 
sr  im  J.  397  oder  40ü  gestorbene  heilige  Martin  von  Tours  der  lezte  *'de°** 
[eüige  ist,  welcher  ein  eigenes  Festofficium  in  dieser  Liturgie  hat.   Ob-    "Jjj;, 
leich  i.  B.  das   Gedächtniss  des    heiligen  Augustin   in    derselben   als  •<h*" 
Fethan  sex  eapparum^^  gefeiert  wird,  so   hat  derselbe   dennoch  in  der   gi«. 
[essfeier  nicht  einmal  eine  eigene   Oration,   sondern  „ornnia  dieanUtr 
mui  Confessaris  ponäfleia^^.  —    In  dieser  Zeit  blühte  wohl  auch  der  Bi- 
chof  Petrus  von  Uerda,  „welcher  für  verschiedene  Festlichkeiten  ent-  Petn» 
prechende  Orationen  herausgab,  sowie  Messen  von  eben  so  schönem  lurd«. 
ühalt,  als  klarer  Sprache''^).     Canal,  der  Fortsezer  der  „Espanna  sa- 
rada'^ ,  begnügt  sich  zu  sagen ,  dass  man  die  Zeit  dieses  Petrus  spätestens 
a  den  Anfang  des  sechsten  Jahrhunderts  sezen  dürfe  ^).    Da  er  indess 
>ei  Isidor  einerseits  zwischen  den  Afrikanern  Cerealis  —  um  487  —  und 
lern  spätem  Ferrandus ,  anderseits  zwischen  Marcellin  dem  Luciferianer^ 
datius   Clarus,   Papst  Siricius,   Paulinus  von  Nola  und  Chrjsostomus 
teht,  so  glaube  ich  annehmen  zu  dürfen,  dass  er  im  fünften,  oder  noch 
im  Ende  des  vierten  Jahrhunderts  geblüht,  und  nicht  unwahrscheinlich 
st,  dass  er  beim  Absdüusse  der  spanischen  Liturgie  betheiligt  war. 


>)  Jdat,  428.  —  Mannert,  Geschichte  der  Vandalen,  1785,  8.  48.  —  Marcus,  hUtoire 
des  VandaUs,  1836,  8.  128.  -  F.  Bahn,  Die  Vandalen,  1861,  meint  8. 149,  er 
•ei  427  im  Krieg  gegen  die  Saeven  amgekommen  —  nach  Procop.  Vand,  1,  3. 
Nach  Andern  hätte  ihn  sein  Bruder  Genserich  ermordet  —  Procop.  L  c.  —  Dahn, 
S.  150,  ist  gegen,  Wietersheim  Volkerwanderang,  4  Bd.,  1864,  8.  280  —  für 
diese  Annahme. 

^  Itidor.  de  vir.  iUmtr.  cap.  13  —  et  mieeae  eUgcanH  tetteu  et  ap^rtn  sermone, 

*)  L  46  --  Igksia  de  Lirida  —  1836,  p.  92^93  »Pedro'. 


Neuntes  Kapitel. 

OrosiDS  von  Braeara.  Die  beiden  Avltus  von  Braeara.  Severn 

von  Minoren.   BacUarins.   Augustinus  gegen  die  Pris- 

elllianisten.   Der  Spanier  Consentius. 


§.1. 

OrMin»  Orositts  trügt  seinen  Vornamen  Paulus  aus  demselben  Grande  erst 
seit  dem  seehszehnten  Jahrhundert,  aus  welchem  Dexter  die  Vornamen 
Flayius  Lucius  trfigt  Sämmtlicbe  Spanier,  denen  wir  bis  jezt  begegneti 
tragen  nur  einen  Namen  (etwa  mit  Ausnahme  des  Idatius  Clarus),  und 
Orosius  hat  weder  einen  Vor-  noch  Beinamen '). 


')  Literatur  über  Or.:  /;  Moiler,  D.  G  ,  disserfatio  de  Paulo  Orano.  Altarß  t689.  4*. 
—  2)  Dabnasses  y  Roz,  P.  J.y  dissertacum  hittorica  por  la  patria  de  Pamh  Orwo 
qu€  fue  Tarragona  en  Catalunna,  y  %\o  Bruga  en  Portugal ^  en  que  tatUfacen  lot 
razones ,  que  en  contro  escrivio  el  Marques  de  Mondejar  -  ßarceloma  1702  foL  — 
3)  Heumann y  Ch.  A.f  programma,  quo  Paulo  Orosio  nomen  iertium  Hormiäda*  retft- 
tuitur,  Gottingae  1732.  4*.  —  4)  Fabriciusy  bibl.  mediae  et  ir^mae  latimiat.  ed.  Mann, 
t.  K,  p.  174-  i77.  —  5)  Rem.  CeilUery  ed.  2,  t.  W  (1862),  p.  1-6.  -  6)  f  ^^f^«, 
üjp.  sagr.,  t.  15,  p.  314-351  „Paulo  Orosio'^  (cf.  Nachtr&ge  «.  16,  p.  90-^91; 
t.30y  p.  397—98.)  -  7)  f  Antonio  -  Perez  Bayer,  eaec.  V,  1.  p.  235  sq.  —  8)t^ 
Castro,  p.  237-247.  --  9)  Beck,  G.  Fr.  H.,  diss.  de  Orosii  kistorid  fontämt  ti 
auctoritate,  Gotliae  1834,  —  10)  Grubiu  Em.,  emendationes  Orosianae  —  Lipi- 
1836.  4^.  —  11)  Th,  V.  Moemer,  de  Orosü  vita  ejusque  kistoriarum  Hbris  VII  a^- 
paganos,  BeroL  1844  —  ist  vorläufig  das  Beste,  was  über  Orosius  geschrieben 
wurde;  nur  handelt  der  Verfasser  ganz  beiläufig  vom  Leben  und  den  Schrifleo 
des  Orosius,  ganz  erschöpfend  dagegen  von  den  Quellen  seiner  Geschichte. 
(Die  mit  t  bezeichneten  Schriften  sind  hier  und  im  Folgenden  in  dem  treiT- 
lichen  Werke  vuu  Pötihast:  „Bibliotheca  historica  medii  asoi*"  —  BeroL  1862  -  oi(bt 
aufgeführt) 


f.  1.     OroBiuB  von  Bracara.     Die  beiden  AvitiiB  von  Bracara  etc      399 

Oroshis  wird  ausseiiialb  Spaniens  bis  heute  ein  Priester  von  Tarra-  aiehc 
»na  genannt,  zu  welcher  Annahme  nur  das  Missverständniss  der  Stelle  Ta?ni 
>ro$,  7,  22)  Änlass  gab'):  ;,Auch  wir  zeigen  in  Spanien  unser  Tar-  **"•» 
CO  zum  Tröste  über  das  neueste  Missgeschick. ^    Jeder  Spanier,   der 
swärts  lebt,  wird  jede  beliebige  Stadt  in  Spanien  ^unsre  Stadt^'  nennen; 

wird  sagen:  ^^unser  Toledo,  unser  Barcelona^  etc. 

Dagegen  sind  die  Gründe  für  Galizien  und  zwar  für  Bracara  alsioadern 
^imath  des  Orosius  nicht  bloss  stark,  sondern  schliessen  jeden  Zweifel    Sn. 
s.  —    Erstens  Augustin   sagt  (ep.  166  ad  Hieran.):    Orosius  kam  zu   ^'^ 
Ä  bis  von  dem  Ufer  des  Weltmeers  her  —   (und  tp.  169):    Er  kam 

uns  von  dem  äussersten  Spanien,  das  ist  von  dem  Ufer  des  Ocean 
d  not  u$qu$  ab  Oceani  littore  properavit  —  und:  qtä  ad  nos  ab  tdtima 
iipania  id  est  ab  Oceani  littore  —  adverUt),  Das  äusserste  Spanien  am 
fer  des  Weltmeers  ist  für  Afrika  und  den  ganzen  Orient  Galizien,  und 
racara  ist  die  Stadt ,  welche  „sich  mit  ihrem  Meerbusen  brüstet^  ^).  — 
«seitens  —  der  Priester  Avitus  von  Bracara,  um  das  J.  415  in  Jeru- 
lem  weilend,  schickt  durch  Orosius  einen  Brief  und  Reliquien  des 
."ihgen  Stephanus  an  den  Bischof  Balconius  von  Braga,  worin  er  u.  a. 
gt:  „Mein  geliebtester  Sohn  und  Mitpriester  Orosius  wurde  von  afrika- 
schen  Bischöfen  bis  hieher  (nach  Jerusalem)  gesendet,  dessen  Liebe 
id  Trost  mir  die  Gegenwart  von  euch  allen  wieder  geschenkt  hat 
ima  mihi  chariUu  et  eonsolatio  veitram  omniwn  praesenUam  reddidit), 
.  L  in  diesem  einen  Landsmanne  habe  ich  euch  alle  wieder  gesehen 
tid  gefunden.  —  Drittens,  sagt  Orosius:  Zwei  meiner  Mitbürger,  Avitus 
ad  ein  anderer  Avitus ,  haben  die  Heimath  verlassen,  und  sind,  der 
ne  nach  Rom,  der  andere  nach  Jerusalem  gegangen  [twic  duo  civei 
iä,  Avitus  et  alius  Avitus^  peregrina  petierunt*)],  —  Viertens  hat 
hrosius  seine  Heimath  desswegen  verlassen,  und  den  Augustin  zum 
Kampfe  gegen  die  Irrlehre  ermuntert,  weil  diese  gerade  in  seiner  Hei- 
lath  herrschte.  —  Fünftens,  der  Entschluss  des  Orosius,  die  Reliquien 
es  heihgen  Stephanus  nach  Bracara  zu  bringen,  lässt  auf  diese  Stadt 
b  seine  Heimath  schliessen.  —  Sechstens,  mit  Uebergehung  mehrerer 
chwäche^fcr  Gründe ,  die  sich  bei  Florez  finden ,  ist  ein  weiterer  Grund 
Qtscheidend^  der  seit  hundert  Jahren  in  Spanien,  aber  noch  nicht  ausser- 
alb  Spaniens  bekannt  ist  Unter  den  im  vorigen  Jahrhundert  aufge- 
ondenen' Briefen  des  Bischofs  Braulio  von  Saragossa  steht  ein  langer 
tief  an  den  heiligen  Fructuosus  von  Bracara,  an  dessen  Schluss  es 
leisst:  Erinnert  euch,  dass  aus  der  Gegend,  welche  ihr  bewohnet,  die 
^eistreicfasten  und  gelehrtesten  Männer  entsprossen  sind,  u.  a.,  um  nur 


')  Sie  steht  in  E.  -  G.  1 ,  p.  277  vollständig. 
*)K.-G.  1,  391. 
)  Orof.  commoniionum  d«  errore  IMscill.  et  Orig,  c  3, 


400  Siebentes  Bach.    Neuntes  Kupitel. 

einige  m  nennen ,  der  Prieater  Oroaius,  der  Bischof  TuribioSy  Idati 
und  Garterios  [ex  ea  orto$  fmne  deganUmmoi  <l  doeHaimoi  tfkroi  (ut  a 
quo$  didamjf  Onmum  presbyierum  ete,^)]. 

Es  18t  SU  hoffen  y  dass  bei  ruhiger  Erwigong  vorstehender  Orün 
von  Tarraco  als  Heimath  des  Orosias  werde  Absehen  genommen  werd< 
orotius  Orosius  verliess  als  Jüngling ,  aber  dooh  schon  als  Priester ,  sei 
A^o-  Heimath,  getrieben  von  einem  unbestimmten  I>range,  nicht  wissei 
•tiao«.  <^ohjQ^  ^2tt  dir,'^  spricht  er  zu  Augnstin,  ^bin  ich  von  Grott  gesan« 
Ich  erkenne  an,  warum  ich  hieher  gekonmien  bin:  ohne  Willen,  oh 
Nothwendigkeit,  ohne  Genehmigung  (nne  eantenm),  habe  ich  tm 
Vaterland  verlassen,  von  einer  verborgenen  Gewalt  getrieben ^).^  '. 
floh  vor  den  Barbaren ,  wohl  den  Vandalen ,  als  unheimlichen  Mensche 
sie  verfolgten  ihn  bis  zum  Meere ,  warfen  mit  Steinen  und  Speeren  na 
ihm,  hatten  ihn  schon  beinahe  mit  den  Händen  ergriffen,  aber  umfioas 
von  einer  plöslichen  Wolke  entfloh  er  ihnen  ^).  Auf  dem  Seewege  h 
er  nach  Hippo,  „er  wurde  an  das  Ufer  jenes  Welttheils  getragen,  ui 
sah  ein,  dass  er  su  Augustinus  berufen  war^.  —  Hier  verfiuste  er,  m 
überreichte  ihm  „die  ConntUaUo  oder  das  Cammonitorkim  de  errore  Pi 
ueiüianUtarum  ei  Origemetarum'^.  Da  die  Bischöfe  Eutropius  und  Paul 
eine  ähnliche  Denkschrift  dem  Augustin  überreicht ,  aber  nicht  alle  Hii 
sieen  nannten ,  fügte  Orosius  die  seinige  bei ,  damit  Augustin  auf  all 
antworten  könnte.  Er  verlangt  au  seiner  geliebten  Herrin  (d.  i.  in  sdi 
Heimath)  zurückaukehren.  „Dort  sind  wir  mehr  zerrissen  von  sdilinrnM 
LdiriBtn,  als  von  den  grausamsten  Feinden.^  Dann  führt  er  die  Ii 
thümer  Priscülians  über  den  Ursprung  der  Seelen  an,  mit  Anführui 
von  Stellen  aus  dessen  Schriften ,  der  sich  selbst  auf  eine  Schrift  „M 
mona  apostolorum'^  berufen.  Von  Augustinus  erwartet  er  Heilung  dies« 
Wunden,  auch  des  etwaigen  Schadens,  welchen  der  Irrthum  der  Oi 
genisten  in  seiner  Heimath  gestiftet,  er  selbst  sei  der  von  Gott  gesende 
Ueberbringer  seiner  Aufträge  nach  Spanien. 


§2.  ^ 

Ay-  Darauf  erschien  —  im  Anfange  des  J.  415  —  die  Schrift  Augustim 

gcgea  „Ad  OroHum  contra  PrUciUianietas  et  Origenietas  Über  V^  (11  Kap.).  - 

Prilcti.  Vorher  hatte  Augustin  von  dieser  Sekte  nichts  gehört,  doch  sie  indirel 

^^  (u.  a.  ab  Manichäer)  widerlegt.    Ob  man  sage,  die  Seele  sei  aus  nicht 

oder  durch  Gottes  Wille  erschaffen,  so  sei  sie  in  keinem  Fall  ein  The 

Gottes.    Wie  man  gegen  die  Origenisten  disputiren  solle,  könne  er  ai 


>)  ^ktofiOM  BrauUomt  -  op.  Fbrez-Biaeo,  30,  395. 
*)  eomBumitar,  eap.  1, 
*)  BkUtriar.  3,  20. 


%.  2.     Consentius  und  An^uBtin.  401 

Bten  in  deren  Heimath  lernen;  jedenfalls  werden  die  gefisillenen  Engd 
!ht  ZQ  Gt>tt  znrttckkehren  ^). 

Das  Bnch  Augustins  „Contra  mendaeium  ad  ContenUum  {.  /^  —  ist  Cm. 
1 420  yeriasst  [21  (41)  Kap.].  Veranlassung  war  die  schlimme  Sitte  der  *?od"* 
iscillianisten y  die  Ltige  fUr  erlaubt  zu  halten,  indem  sie  behaupteten,  ^2£|' 

seien  gute  Katholiken.  Consentius  war  wohl  Laie,  und  hatte  dem 
tgustin  ^Vieles  zu  lesen  geschickt''.   Ein  Jahr  war  Augustin  verhindert 

antworten,  und  jezt  war  er  gezwungen  zu  schreiben,  damit  er  nicht, 
a  bereits  die  zur  Schiffiahrt  günstige  Zeit  da  war,  den  nach  Rückkehr 
h  sehnenden  Boten  länger  aufhielte''.  Dieser  war  Leonas ,  der  Diener 
»ttes.  Augustinus  ertheilt  den  Talenten  und  dem  Eifer  des  Gonsen- 
8  grosses  Lob ,  will  denselben  aber  massigen ;  denn  uns  sei  zu  lügen 
^t  erlaubt,  um  die  Lügen  der  Häretiker  zu  entdecken.  Die  PriscO- 
oisten  allein  erheben  gleichsam  die  Lüge  zum  Dogma,  und  seien  hierin 
ilimmer,  als  andere  Häretiker  (cap.  2)^).  Consentius  hatte  dem  Au- 
stin das  Buch  des  Dictinius  „Libra^^  übersendet,  von  dem  man  glaube, 
»  er  katholisch  gewesen  sei,  und  von  seinem  Irrthume  sich  bekehrt 
!>e.  Dagegen  nennt  Augustin  den  Priscillian  „einen  gottlosen  und 
rabscheuungswürdigen  Menschen,  der  wegen  seiner  schändlichen  Ver- 
gehen und  Missethaten  verurtheilt  wurde  ^).  —  Consentius  möge  seine 
lente  anwenden,  um  gegen  die  Sekte  zu  schreiben  (cap.  il  H  25 J; 
ie  er  ihre  Irrthümer  aufgedeckt,  so  solle  er  sie  auch  widerlegen  (wozu 
n  Augustin  Anweisung  über  und  aus  der  heiligen  Schrift  giebt),  be- 
iders  die  „Lihra^  des  Dictinius  [ca-p,  36  und  4i  epUogm^)].  Niemals 
»r  sei  es  erlaubt,  zu  lügen,  damit  Gutes  daraus  entstehe. 

Damach  scheint  es ,  dass  Consentius  in  Spanien  lebte ,  —  wenigstens 
tcr,  oder  in  der  Nähe  der  Priscillianisten.  —  Wir  besizen  einen  Brief 
n  einem,  wohl  von  diesem  Consentius,  der  ausserordentlich  elegant 
schrieben  ist  Consentius  hatte  schon  ein  Werk  über  die  Trinität 
schrieben,  woraus  er  sehr  schöne  Stellen  anführt.  Er  hatte  den  Ati- 
stinus  besuchen  wollen ,  dieser  war  aber  auf  das  Land  in  die  Einsam- 
it  gegangen.  Consentius  wünschte  von  ihm  nicht  bloss  eine  mündliche, 
udem  eine  schriftliche  Antwort.  „Denn  auf  den  Inseln ,  auf  welchen 
ir  wohnen**,  waren  viele  in  frrthümer  gerathen  (in  Betreff  der  Trinität: 
uUt  in  iüis,  in  qtdbtu  habitamus  irmUis)  und  nur  ein  Augustin  könne 
e  zurückführen  ^).    Schon  in  der  Vorrede  zu  seinem  Werke  habe  er 


*)  Aug,  aper,  t  8. 

^  rf.  tnekirid.  ad  LaurenHumf  c.  18. 

*)  c  5.  über,   euius  nomen  est  Libra^   et  quod  pertraetatia  12  quaestionilnu  veiut  muH» 

txpUeatwr. 
)  eftut   119  —   Aug.   —    Consentius  Augustino  proponit  quaestiones  de  TVinitate.     Tu 
entw    non    editorum    a  me  jam  librnrum    lector,    sed  probandorum    (reprobandorumf) 
fuendaior,  nißUlor,  eiectus  es. 
<^>«i,  ipML  Kirche.   II.  26 


402  Siebentes  Buch.     Neuntes  Kapitel. 

ja  gesagt:  ^^Wir  verlangen  den  schwankenden  Nachen  unsers  Glaubens  : 
zu  befestigen  durch  den  Ausspruch  des  heiligen  Augustinus.''  —  Augu-  ?~ 
stinus  antwortet  dem  ;,geliebtesten  und  im  Herzen  Christi  hochschäzbaren  ;i^ 
Bruder  Consentius  ^).^  —  Augustin  hatte  ihn  gebeten,  zu  ihm  zu  kom-  £ 
men ,  weil  er  an  seinen  Schriften  grosses  Wohlgefallen  fand  (in  lUms  iuu  ai 
valde  9um  tuo  deUctatus  ingenio),  £r  habe  ferner  gewollt,  dass  er  einige  k 
Schriften  Augustins  bei  diesem  selbst  lese,  damit  er  ihn  sogleich  über  -t 
Zweifel  aufklären  könne,  und  er  durch  diesen  Verkehr  selbst  sehe,  wa«  s: 
an  seinen  Büchern  zu  verbessern  sei.  Er  habe  ja  die  Gabe  einer  ge-  ^1 
wandten  Rede,  und  Aufrichtigkeit  genug.  —  Nur  möge  er  bei  den  £. 
Stellen  seiner  (des  Augustin)  Bücher,  die  ihm  wichtig  scheinein,  Zeichen  t^ 
machen,  und  dann  nach  Lesung  der  Bücher  wieder  zu  ihm  kommen,  gz 
und  ihn  fragen.  Das  sei  um  so  nothwendiger ,  da  Consentius  ganz  fidsdi  ^ 
geschriebene  Codices  des  Augustin  in  Händen  habe.  In  Betreff  der 
Trinität  habe  er  sich  lediglich  an  die  Lehre  der  Kirche  zu  halten.  Dann 
spricht  er  vom  Verhältniss  des  Glaubens  zum  Wissen.  —  lieber  die 
Trinität  möge  er  lesen ,  was  Augustin  schon  geschrieben ,  und  was  ir  || 
noch  unter  den  Händen  habe  (3,  13).  Darnach  möge  Consentius  seine  ^ 
falschen  Ausdrücke  berichtigen  (uberius  ttia  seoua  dicta  rcdarguasj.  Dieee  ^^ 
Briefe  wurden  um  409 — 410  geschrieben').  ^ 

Consentius  kam  troz  der  Einladung  nicht  wieder  nach  Hippo.    Di- 
gegen  schrieb  er  etwa  10  Jahre  später,  und  fragte  bei  Augustinus  an - 
über  die  jezige  Beschaffenheit  des  Leibes  Cliristi,  und  über  die  Beschafo-  ^ 
heit  unsrer  Leiber  nach  der  Auferstehung.    Darauf  antwortet  AugastiBf 
um  das  J.  419  —  420^).    Er  bedauert,  den  Consentius  noch  nicht  gesehen  ^^^ 
zu  haben.      „Diess  aber  wird  uns  Gott  vielleicht  gewähren,   wie  wir  e« 
hoffen ,  in  ruhigem  und  sichereren  Zeiten ,  so  dass  dieses  ein  Besuch  dar 
Freundschaft,   nicht  eine  Flucht  aus  der  Heimath  ist."     Er  will  auf  die  =-^ 
Fragen    antworten,    die    er,    neben    seinem   Briefe,    an    ihn    gerichtet 
(gtuu  praeter  epütolam  in  alia  chartula  a  me  quaerenda  müisti).    In  B^  - 
treff  einer   seiner   Fragen  verweist  er  ihn  auf  seine  Schrift:    „de  fidt  ä  — 
operibua^^ ,   welche  er   abschreiben   lassen  möge.     Er  schliesst:    „Als  ich 
diess  dictirte ,   drang  der  Ueberbringer  (deiner  Schriften) ,  auf  günstigen 
Wind  wartend,   heftig  in  mich,   dass  ich  ihn  das  Schiff  besteigen  l&sst 
Und  mit  einer  andern  (d.  i.  Augustins)  Hand:   „du  mögest  Gott  leben, 
gelieb tester  Sohn." 

Es  dürfte  an  der  Zeit  seyn,   den  Consentius  als  spanischen  SchriA- 
steller  zu  reklamiren,  was  meines  Wissens   bis  jezt  von  den  Spaniern 


«)  ep.  120. 

'j  Das  Referat  über  diese  Briefe  in  dem  so  genauen  H.  CeilUer  ist   unrichtig  /•  ^' 

p.  111^  ItS. 
')  ep.  205  —  dUectiasimo  fratri  Cotisentio, 


{.  2.     Augnstin  and  Cereti«$*  '  llQS 

bt  gatcheben  ist    j^Der  Brief  i^  auf  den  erst  in  Jahresfirist  Augustinus 
wartete 9  enthielt  u.  a.  /wohl  die  Anfrage,  ob  gegen  die  Priscillianisten 
liOge  erlaubt  sei.  —    Consentius  war  sicher  ein  Spanier,  dcir  auf 
ein,  das  ist  wohl  auf  den  balearischen  Inseln ,   wohnte,  welche  ein 
■bindungsglied  zwischen  Afrika  und  Spanien  bildeten. 
Zu  einer  näher  nicht  bekannten  Zeit^  wohl  aber  nach  der  Ankunft 
Qroflins  in  Hippo,   erhielt  Augustinus  Briefe  von  einem  Bischöfe  AogiN 
«tiusy  dem  er  antwortete:    «An  den  seligsten  und  wahrhaft  ehrwür-    aaS 
sn  Brud^  und  Mitbischof  Ceretius''»  —    Nachdem  er  sein  Schreiben  ^,„7.' 


,  seheine  ihm,  dass  (der  sonst  nicht  genannte)  Argirius  entweder 
risaend  in  die  Hlinde  der  Priscillianisten  gefallen,  oder  schon  mit 
Bsen  in  den  Nesen  derselben  sei.  Die  ihm  übersandten  Codices  seien 
ler  Schriften  dieser  Sekte.  0er  beigelegte  Hyqmus  auf  Christus 
rde  in  den  Apokryphen  gefunden,  deren  sich  auch  andere  Bttretiker 
lienen.  INe  Priscillianisten  nehmen  sowohl  die  kanonischen  als  apo- 
phen  Schriften  an;  was  aber  gegen  sie  zeuge,  deuten  sie,  zuweilen 
Uiu,  zuweilen  unklug  —  hinweg.  Ihre  Lügen  seyen  System,  ihr 
bot  sei,  &lsoh  zu  s^wdren.  Ihre  frühem  Anhänger  führen  ihre 
>rte  an: 

Jura,  pmrjuraf  t^cr^ttm  prodere  noH  (schwöre,  schwöre  falsch,  nur  verrathe  das 
Geheimniss  nicht). 

Dann  führt  er  eine  Stelle  derselben  über  obigen  Hymnus  an,  und 
ige  Worte  aus  dem  Hymnus,  z.  B.:  Solvere  voloy  et  9olm  volo.  8al^ 
'€  voloj  et  iälvari  volo.  Oenerari  volo.  Cantare  volo  ete.  —  Ceretius 
ge  seine  Schafe  vor  den  Wölfen  in  Schuz  nehmen. 

£s  kommt  ein ,  und  nur  ein  Bischof  Ceretius  aus  der  Elirchenprovinz 
i  Arles  vor,  der  im  J.  441  die  Canones  der  Synode  von  Orange 
«rschrieb;  er  war  demnach  ein  südgallischer  Bischof,  und  da  Augu- 
i  den  Brief  an  ihn  vielleicht  in  den  lezten  Jahren  seines  Lebens 
rieb,  so  konnte  Ceretius  im  J.  441  ganz  wohl  poch  am  Leben  seyn. 
Es  scheint  aber,  dass  seine  Unterschrift  erst  nachträglich  den  Akten 
I  Orange  beigefügt  wurde. 

§.  3. 

Mehrere  andere  Stellen,  in  denen  Augustinus  nur  vorübergehend 
1  den  Priscillianisten  handelt,  überfi;ehen  wfr.  —    Als  Orosius  nach 
Bistina  zu  geben  entschlossen  war,  gab  er  ihm  zwei  Abhandlungen 
Hieronymus  mit,  welche  unter  seinen  Briefen  stehen,  die  eine:  „das  Augu. 
ich  über  den  Ursprung  der  menschlichen  Seele^,   worin  er  in  dieser    \» 
iige  um  Belehrung  bittet   Darin  sagt  er  über  Orosius:  „Siehe^  es  kam  ajmai 
i  mir  der  fromme  Jüngling,  der  Bruder  durch  den  katholischen  Glau-Oroniu 
Kü,  der  Jugend  nach  ein  Sohn,  der  Ehre  nach  unser  Mitpriester  Oro-ii«tiD«, 
LTis,  lebhaft  am  Geiste,  gewandt  in  der  Bede,   brennend  von  £ifer,  VisT 

26  • 


404  Siebentes  Bnch.     Neuntes  Kapitel. 

rerlangend  ein  nttzliches  Gefäss  im  Hause  des  Herrn  eu  ueyn,  su  Wide^  '" 
l^^g  der  &l8chen  und  rerderblichen  Lehren,  welche  die  Seelen  der  '^ 
Spanier  viel  unglücklicher  hingemordet  haben,  als  das  Schwert  der  '° 
urbaren  ihre  Leiber.''  £r  habe  ihn  ermahnt,  zu  Hieron jmas  zu  gehen,  ''^ 
und  ihn  gebeten,  bei  seiner  Heimkehr  wieder  nach  Hippo  zu  kommen  ^ 
(rogavi  eum,  tä  (Ufi  U  veniens^  per  no$  ad  propria  rtmearet).  Der  zweite  ^^ 
Brief  lautet:  „Buch  über  die  Stelle  Jacobi2,  lO""').  —  Aehnlicli  sprioiit  ^^ 
er  sich  über  Qrosius  in  der  epi$t,  109  an  Evodius  aus,  dass  er  an  ilm  ^ 
ein  kleines  Buch  über  die  Priscillianisten  und  Origeuisten  gerichtet,  and  '^ 
dass  er  ihn,  j,den  heiligsten  und  studieneifirigsten  Jüngling  Priesta'  ^' 
Qrosius,  welcher  zu  uns  von  dem  äussersten  Spanien,  d.  L  dem  Uftr  ^ 
des  Ooean,  bloss  entzündet  von  Liebe  zu  der  heiligen  Wissenschsfty  'f^ 
gekonmien,  zu  Hieronymus  zu  gehen  vermocht  habe.'^ 

Hieronymus  nahm  den  Orosins  auf,  wie  er  es,  und  wie  die  Empftin  r* 
long  Augustins  es'  verdiente  ^).  Orosius  traf  ihn  eben  im  Kampfe  g^gen  ^ 
die  Pelagianer.  Dort  war  er,  ein  Armer  und  Unbekannter,  and  a»  ^ 
zu  den  Füssen  des  Heiligen.  Da  wurde  er  von  Bischöfen  eingeladei,  '^ 
einer  Versammlung  in  Betreff  der  Pelagianer  zu  Jerusalem  anzuwohnci,  ^ 
welche  am  28.  Juli  415  stattfand.  Die  Bischöfe  verlangten,  er  soBe  ^ 
alles  berichten,  was  über  diese  Häresie  in  Afrika  verhandelt  worden.  ' 
(Das  Weitere  übergehen  wir.)  —  Die  Entscheidung  sollte  an  Papst  hr  ^ 
nozenz  gebracht  werden.  Nach  47  Tagen,  am  13.  September  415,  da  |= 
Feste  der  Eirchweihe ,  als  Orosius  den  Bischof  Johannes  zum  Altar  Im-  p 
gleiten  wollte,  begann  dieser  einen  Wortwechsel,  bei  welchem  ihiB  !* 
Orosius  nichts  schuldig  blieb.  ~ 

Aus  Anlass  dieser  Vorgänge  schrieb  Orosius  seinen:  „Über  apolagt'  ^ 
tieiu  contra  Pelagium,  de  arbürii  Ubertoie^ ,  worin  er  diese  Vorgänge 
ausführlich  erzählt,  und  die  Häresie  des  Pelagius  darlegt  und  widerlegt 
Er  richtet  diese  —  aus  48  Kapiteln  bestehende  Schrift  an  die  .AeaJtMm 
9aeerdote$^,  worunter  ich  die  Bischöfe  in  Palästina,  mit  Ausnahme  des 
Johannes,  verstehe.  Im  Verlaufe  wendet  er  sich  in  sehr  energischer 
Sprache  persönlich  an  und  gegen  Pelagius. 


§.4. 

AvttM.  Orosius  verliess  Palästina  gegen/Frühjahr  416.  Der  Priester  Avitos 
war  aus  Bracara  schon  zum  zweiten  Male  nach  Jerusalem  gegangen, 
vielleicht  aus  Anlass  des  Einfalls  der  Vandalen  im  J.  409.  —  EBer  ret- 
kehrte  er  mit  Hieronymus  und  dem  Priester  Lucian,  welchem  Gott 


1)  epist.  166  (28  cap,)  et  167  —  de  tententia  Jacobi  über  —  2,   10  --   ^qm  ofmdtfit 

in  unOf  faetuM  e$t  omnium  reut"  (21  cap.). 
*)  ip.  172  Ävi^mL 


$.  4    Avitas.  405 

t  d€r  Rdiquien  des  heiligen  Stephaniis  offenbarte.  —  Deoember  415.  — 
itus  bftt  den  Ludan,  das  Ereigniss  niedensnscbreiben ,  was  dieser  in 
em  an  alle  Söhne  der  Kirche  gerichteten  Briefe  that,  welchen  Avitas 
das  Lftteinische  übersezte.  Es  gelang  dem  Avitus ,  einen  Theil  dieser 
liqiiien  sn  erbalten ,  welche  er  seinem  heipikehrenden  Landsmanne 
mnB  sogleich  mit  einem  Briefe  an  den  Bischof  BaSconins  von  Bracara, 
i  muthmasslichen  Nadifolger  des  Patemus,  übergab.  Der  Brief  trägt 
i  Titel:  »Dem  seligsten  und  geliebtesten  Bischof  (Papa)  Baloonius, 
Q  Jansen  Clerus  und  Volke  der  Kirche  von  Bracara  -^  der  Priester 
itos.'  Er  T^rgiesse  wegen  der  Zerrissenheit  seines  Vaterlandes  an  den 
lig^  Orten  unaufhörliche  Thrl&nen.  An  der  Rückkehr  sei  er  stets 
liundert  gewesen ,  weil  ganz  Spanien  von  den  Feinden  überschwemmt 
.  £r  sende  ihnen  nun  durch  Orosius  Reliquien  des  heiligen  Jätephanus. 
habe  sie  nur  » heimlich^  von  Lucianus  erbalten.  Zugleich  sendet  er 
)  erwähnte  Uebersesung  ^). 

Scheinbar  von  zwei  andern  Avitus  berichtet  Orosius  in  seinem 
^■annnonUarium''.  Damals,  sagte  er,  ,,giengen  meine  beiden  Mitbürger, 
ritas  und  ein  anderer  Avitus,  in  die  Fremde.  Der  eine  reiste  nach 
cosalem,  der  andere  nach  Rom.  Sie  kehrten  zurück ,  der  eine  bradite 
n  Origenes,  der  andere  den  Victorinus.  Aber  der  Anhänger  des  Victo- 
1118  widi  vor  dem  des  Origenes'  ^).  D.  h.  die  Schriften  des  Leztem 
Dden  mehr  Anklang  in  Braga,  als  die  des  Ehrstem,  und  nach  der  Dar- 
illung  des  Orosius  scheint  es,  als  hätte  Avitus  Vorträge  über  das 
fstem  des  Origenes  in  Braga  gehalten,  und  Manche  auch  für  die  Irr- 
ümer  desselben  gewonnen.  Doch  haben  „beide  Avitus'  den  Prisdllian 
srworfen,  aber  Einiges  nicht  richtig  von  Origenes  mitgetheilt. 

Hiemach  ninmit  Florez  drei  Avitus  an  ^).  Ich  dagegen  glaube«  dass 
Bijenige,  welcher  schon  früher  im  Oriente  war,  bei  dem  Ein&Ue  der 
andalen  wieder  dahin  zurückkehrte,  und  da  er  schon  ein  bejahrter 
[ann  und  im  J.  416  noch  in  Jerusalem  war,  vielleicht  dort  starb.  — 
on  Hieronymus  haben  wir  einen  Brief  vom  J.  406  — 10  an  einen  Avitus 
1  Sachen  des  Origenes;  aber  dieser  konnte  damals ,  sei  es  zum  ersten- 
lale,  sei  es  zum  zweitenmale,  in  Jerusalem  weilen^). 

§.  5. 

Orosius  übergab  bei  seiner  Rückkehr  dem  Oeeanus,  der  in  Rom 
wohnte,  eine  Schrift  des  Hieronymus,  über  die  Auferstehung  des  Fleisches, 


')  Florez  f  15,  374  —  76  ^Ahiti  BracarensU  pretb,  epistoia,  —  IdaL  fcuti  cotuuL  —  415, 

*)  CoMNon.  cap,  3. 

*)  flortz  15 f  306 — 313 f  p.  3t f  ^uno  (Avito)  todo  bueno:  otro»  mnio»*', 

0  Hitron,  ep.  124  ad  Avitum. 


ca. 


40d'  Siebentes  Baeü.     Nenntet  Kapitel. 

orosfos  welche  Atig^üätin  nachher  driieigend  von  Oceanos  b^ebSrte*).  Oroehi 
'''lo"  brachte  femer  Briefe  der  Bischöfe  Heros  (Toh  Arles)  und  LaslMB  (voi 
Afrika.  ^1^  ^^  GklKen),  welche  beide  als  Ghegner  des  Pelagios  bekannt  sind,  « 
die  eben  eu  Cartibago  versammelten  Bischöfe  der  Provinz  Afiniai  — ^  gege 
Pehtgiiis^).  —  Von  Afrika  gieng  Orosius  Ende  417  oder  An£uigB.4l 
auf  die  Lisel  Minon^,  in  der  Absicht  nadi  Spanien  ztnrttckaukehrei 
SaverusEr  landoto  in  der  Hafenstadt  Mago,  heute  Port  Mahon,  -wo  Seven 
M^B^r-  eben  Bisdbof  geworden  war^),  und  weilte  nicht  lange  daselbst  Den 
da  er  nach  Spanien  nicht  gelangen  konnte,  beschloss  er  nadi  Afrik 
«urUckaukehren.  £r  hatte  die  Reliquien  des  heiligen  Stephanus  in  eine 
Eirdhö  vor  der  Stadt  niedergelegt  Alsbald  entstand  eine  religiöse  B( 
iitr^egtfngy  welche ,  durch  verschiedene  Phasen  hindurchgeführt,  die  nicli 
gakUB  freiwillige  Bekehrung  von  mehr  als  500  Juden  zum  Ergebniss  hatti 
welche  «war  in  Magona,  aber  nicht  in  der  andern  Inselstadt  Jammon 
(Janmo)  wohnen  durften.  Ueber  die  Juden,  und  die  —  sMi  Ibrmem  - 
CSiristen  herrschte'  ein  Theodorus.  Sevems,  dessen  Sia  %Fai|no  gewesei 
att  Sdjm  scheint  ^  kam  nach  Hahon,  wo  sich  die  Juden  bei  ihm  eiofiui 
den*),  üilter  den  Getauften  war  ein  Greis  Ton  102  Jahren«  Nur  diei 
Frauen  widerstanden  noch  einige  Zeit  Diess  geschah  während  8  Tag« 
vor  dem' Ai&ng  der  Fasten  im  Februar  418;  540  Juden  wurden  getauft 
-^  Eine  neue  BasiKca  wurde  gebaut ,  zu  der  auch  die  Neubekehrten  die 
Steine  herbeitarugen. 

In  einem  sAön  und  begeistert  geschriebenen  ümkuftschreiben  la 
die'ganae  Christenhi&it  hat  SeveruSy  der  neben  Consentius  dem  Laiea 
a£n  die  Schule  des  Bischofs  Pacian  von  Barcelona,  wo  er  wahrsdieinlH^ 
die  Bischo&weihe  erhalten,  erinnert,  die  Geschichte  dieser  Bekehmog 
mitgetheilt  —  Aus  demselben  sieht  man  u.  a.^  dass  es  auf  der  Insel 
gottgeweihte  Jungfrauen  und  Mönche  gab,  dass  die  Juden  nicht  in 
Jammona  wohnen  durften,  dass  der  G^ang  von  Hymnen,  d.  L  too 
heiligen  Liedern ,  besonders  von  Psalmen ,  in  und  ausserhalb  der  Kirchea 
allgemein  im  Gebrauche  war^),  dass  an  einem  Sonntage  die  HesBe 
(Missa)  tun  1  Uhr  Nachmittag  gehalten  wurde  ^)  etc.  —  Ob  Orosius  an 
der  Verfassung  der  Encyclica  einen  direkten  Antheil  hatte,  steht  io 
Frage;  einen  indirekten  hatte  er  sicher  an  der  ganzen  religiösen  Be- 


•)  ijMfl  190  —  Jrairi  OeeoM. 

*)  qn$tola  175. 

')  mihi  cmnium  mortaUum  ultimo  nuper  sacerdotaUs  officii  pondun  impontum  est    -  fp^*^- 

Severi.  cap.  2,    cap.  3  heisst  es:  diebus  pene  iatis  etc. 
^  ad  domuiHf  in  quam  hospitio  accesseram,  conßuxerunt.  cap.  V. 
^'Yl^^^*  autem  ad  ecclesiam  cum  h^mnis  ex  tnore  perreximuM;  pscMentM  mtmaekot  intiuMv, 

;c.  12, 
^}  hora  drdiitr  $«ptima  Missam  dominicwn  aolemniter  caepimus  celehfaref  top,  15, 


werft 
des 
Oro- 


j|.  6.     Das  Gescblcbtswerk  des  Orosiut.  4D7 

regang,  und  an  dem  Schreiben,  indem  er,  welcher  die  Reliquien  des 
eiligen  Stephanns  zuerst  in  das  Abendland  brachte,  dem  ScTeras  sicher 
88  ümlaafiwchreiben  des  Lucian  an  die  ganze  Christenheit  nnd  den  Brief 
es  Avitos  mitdieilte.  Das  Schreiben  des  Severus  wurde  u.  a.  in  der 
JTche  zu  Uzales  in  Afrika  verlesen ') ,  war  aber  im  Mittelalter  verloren, 
iaronins  fand  es  in  Rom ,  und  theilte  es  zum  J.  418  mit  ^).  Unter  andern 
ihm  es  Dameto  als  kostbarsten  Bestandtheil  seiner  Oeschiehte  der  Ba- 
iren auf) ,  und  Anton  Roigius  verfasste  einen  vortrefflichen  Commentar 
1  demselben,  der  uns  bedauern  lässt,  dass  derselbe  nicht  mehr  ge- 
dirieben  hat*). 

§.  6. 

Das  Hauptwerk  des  Orosius  sind:  HiHoriarum  libri  Septem ^  welches  d«« 
rin  den  Jahren  416  und  417,  wahrscheinlich  in  Carthago,  w^^  der  ""'' 
lUreichen  lenzten  Schriften  (vielleicht  auch  theilweise  in  Hippo) ,  ver- 
aste.  Jedenfalls  befand  er  sich  in  Afirika,  denn  er  sagt  (h,  5,  2):  **"^ 
!ch,  der  ich  bei  der  ersten  Verwirrung  einer  Aufregung  (aus  Spanien) 
ih,  war  sicher  über  den  Ort  meiner  Zuflucht,  denn  überall  ist  mein 
iterland,  überall  mein  Gresez  und  meine  Religion :  jezt  hat  mich  Afrika 
gerne  aufgenommen,  als  Ich  vertrauensvoll  seinen  Boden  betrat  — 
*nn  zu  den  Christen  und  Römern  komme  ich  als  Christ  und  Römer.' 

Das  Werk  ist  dem  Augustin  gewidmet,  auf  dessen  Aufforderung 
■oaiiis  es  unternahm.  Es  sollte  dem  Werke  „die  Stadt  GFotteaf^  an 
säen  eilftem  Buche  Augustin  eben  arbeitete,  als  Seitenstück  und  als 
ilorischer  Beweis  dienen,  dass  unter  der  Herrschaft  des  Heidenthums 
)  Menschheit  mit  nicht  geringem  Leiden  heimgesucht  wurde,  als  zur 
at  des  Christenthums.  —  Im  Aufkrage  des  Augustin  drang  femer  Ju- 
li von  Carthago ,  „der  Ejiecht  Gottes' ,  welchen  Orosius  „den  heiligen 
ihn  Augustins'  nennt,  in  denselben,  dass  er  seine  Arbeit  vollbringe; 
eüeicht,  dass  er  ihm  auch  die  Bücher  lieferte.  Orosius  beginnt  bei 
dam,  giebt  eine  geographische  Uebersicht  der  £rde  (1,2),  die  nicht 
bne  Werth  ist,  geht  zur  Sündfluth  über,  und  kommt  im  ersten  Buche 
^21)  bis  zu  den  Kriegen  gegen  die  Medsenier,  imd  der  Peloponnesier 


*)  De  mtracuUs  S.  Stephani  protom.  lib.  /,  2  —  im  Anhange  zu  Aagustins  gCwiUu 
Dti  ~-  Epiatnla  ad  not  quogu€  delata  epttcopi^  Severi  ntnnine,  Minoneentit  vuuiaef 
de  pulpUo  in  cmree  eecleaiae  —  recitcUa  est,  —  ef.  Roigius  y  p,  24  —  25. 

»)  ÄMal.  418  -  nr.  44—72.     Pägi,  critica  ad  418,  nr,  78. 

*)  K.-G.  2,  187  -  188.  —  Dameto  1,  p,  150      169. 

*)  Antimii  tUngii  MagonensiSf  de  eacria  apud  minorem  BaUarem  antiMtitHmSf  Severe 
pottMsimmm,  deque  istitu  epistola  exercitatio,  et  in  eamdem  epistolam  ammadvereionet, 
ft&iw  1787,  4».  —  die  dissertotio,  p.  1  -99;  der  Brief,  p.  101-136;  die  Be- 
merkungen, p.  137—247. 


408  8ieb6Dtei  Buch.     Neuntes  Kapitel. 

und  Böotier  gegen  Athjan.  Das  zweite  Buch  handelt  u.  ^  Ton  den  An- 
ftngen  Borns,  von  den  Perserkönigen;  deren  Kriegen  mit  Grziechenknd,  : 
von  Sidlien,  von  Bürgerkriegen  in  Griechenland,  und  wirft  einen  Blick  ? 
auf  das  Betragen  der  Westgothen  bei  der  Einnahme  Borns  im  J.  410.  —  ; 
In  der  Vorrede  zmn  dritten  Buche  klagt  er  über,  die  Kürze,  welche  er  : 
einziihalten  gezwungen  sei ,  woraus  Unvollständigkeit  und  Undeutlichkeit  • 
folge.  Das  Buch  handelt  über  polnische,  griechische  und  römische  Ge-  - 
schicktan;  über  Philipp  und  Alexander  den  Grossen  von  MaeedonicD.  « 
Er  ertflhlt  (e.  20),  dass  Alexander  an  Gift  gestorben,  und  daas  zu  : 
Babylon  Gesandte  aus  Spanien,  Gallien  und  überhaupt  dem  Abend-  . 
lande  ihn  erwartet  haben.  Als  Augustus  später  zu  Tarraco  in  Spi-  = 
nien  weilte,  warteten  ihm  auch  Gesandte  der  Inder  und  der  Scyten  r 
auf^).  —  Hier  und  später  wieder  (3,  2U.  7,  43)  findet  sich  dv  . 
Wort:  „Eomania^  für  Imperium  romanum** ^  das  von  jezt  an  in  6^  ^ 
brauch  kam,  und  besonders  häufig  bei  dem  Verfasser  der  »Fasti  de» 
Idatius^  und  in  dem  Chronicon  des  Johannes  von  BiclfHist^).  Das 
dritte  Buch  schliesst  mit  den  Kriegen  der  sogenannten  Diadoäen.  Damit 
iikrT  beginnt  auch  das  vierte  Buch.  Es  erzählt  die  römischen .  ELriege  Von  v 
^^'  Pyxrhus  bis  zu  der  Zerstörung  Carthagos.  —  Das  fünfte  Buch  gelangt 
bis  zu  dem  Sklavenkriege  unter  Spartacus. 

Das  sechste  Buch  handelt  einleitend  von  dem  einen  Gotte,  nack 
dem  ürtheile  der  Heiden  wie  der  Christen;  es  geht  bis  zu  dem  Ende 
des  Augustus.  Das  siebente  Buch  behandelt  im  Verhältnisse  allzukon  . 
die  Apt  von  Christi  Geburt  bis  417  n,  Chr.  Es  enthält  theologische  ,- 
Excurse.  TiberiiÜB  habe  beantragt,  Christus  als  Gott  zu  erklären  (7,  4). 
—  Die  Thaten  Trajans,  den  er  schlechthin  ^einen  Spanier''  nennt,  er- 
zählt er  mit  patriotischem  Genügen  (7,  12).  Von  den  folgenden  Kaisern 
kann  er  nur  einzelne  Thatsachen  berichten.  Der  Anfang  der  Völker- 
wanderung unter  .Gallienus  erscheint  als  Strafgericht  wegen  der  Ver- 
folgungen gegen  die  Christen  (7 ,  22).  Er  zählt  zehn  Verfolgungen  tod 
Nero  bis  Maximian;  auf  die  ersten  neim  folgten  ohne  Verzug  die  gött- 
lichen Strafen.  Die  zehnte  Verfolgung  hat  das  Heidenthum  getödtet 
(7,  26).  —  Dass  sich  Orosius  des  Spaniers  Theodosius  freut  und  rühmt, 
(7,  34)  ist  billig  und  natürlich.  —  Wenn  er  aber  die  schwächlichen 
Nachkommen  des  Theodosius  (seine  beiden  Söhne  und  seinen  Enkel 
Theodosius  11.)  rühmt ,  wie  es  auch  Prudentius  thut ,  so  hat  er  eben 
Besseres  erwartet,  als  eingetroffen  ist.  Mit  dem  Tyrannen  Maximas 
geht  er  schonend  um  (7,  34),  im  Gegensaz  zu  Idatius.  Vielleicht 
hängt    diess    indirekt    mit   seiner   Stellung  zu   den   Prisdllianisten  zu- 


')  Oraaiut,  6,  21,   —.   Auch  Hieronymas  lässt  den  AlexaDder  an  Gift  sterben  - 

^piHoia  ad  Laetam  mtb  finem. 
*)  ef,  PMtidiu»  e,  30  vita  Auyutt    —     Oros.  7 ,   4*3  —  essetque,   ut  mtifforiier  loqvafy 

Ootkia,  quad  Bmiumia  /uisteL 


$.  6.     Das  Geschichtowerk  des  Oronus.  400 

amen*).  —  Es  wird  noch  die  Einnahme  Roms  durch  dieOothen,  der 
liall  der  Völker  in  Spanien  und  einiges  Andere  berichtet.  Mit  Recht 
rächtet  er  die  Einfälle  der  Völker  als  gnädigen  Rathschluss  Gottes 
ihrer  Bekehrung  (7,  41).  Er  berichtet  über  den  .hohen  Geist  des 
then  Athaulf,  der  bei  Barcelona  ermordet  wurde,  41 5 ,  über  Segerich 
1  Wallis ,  der  mit  den  B.ömern  Frieden  schloss^).  „Täglich  hören 
*,  durch  häufige  und  sichere  Berichte,  dass  in  Spanien  die  Völker 
lege  mit  einander  führen  und  sich  gegenseitig  aufreiben,  während 
dlia  vor  allem  auf  den  Frieden  dringe.^     Er  schliesst  mit  den  Wor- 

(7,  43):  „Ich  habe  nun,  seligster  Vater  Augustinus,  mit  der  Hilfe 
risti  nach  deinem  Befehl,  vom  Anfeinge  der  Welt  bis  zum  gegen- 
rtigen  Tag  (Ende  417j,  das  ist  durch  5617  Jahre,  die  Leidenschaften 
d  Strafen  der  sündigen  Menschen,  die  Kämpfe  der  Welt  und  die  Ge- 
hte  Gottes,  so  J^urz  und  einfach  berichtet,  als  ich  konnte,  indem  ich 
gte,  dass  die  christlichen  Zeiten,  wegen  der  mehr  gegenwärtigen 
lade    Chripii,    von   jener    Verwirrung   des   Unglaubens   befreit   sind. 

erfreue  ich  mich  des  sichern  und  einzigen  Lohnes  des  Gehorsames, 
a  ich  erwarten  durfte.  Ueber  die  Beschaffenheit  dieser  Bücher  urtheile 
,  der  sie  zu  schreiben  mir  auferlegt,  dir  werden  sie  zugeschrieben, 
inn  du  sie  herausgiebst:  du  hast  sie  gerichtet,  wenn  du  sie  vernichtest 
bi  a4^tidicanday  si  edas:  per  te  judiccUa^  H  deUas)*^ 

Das  Werk  des  Orosius  fand  alsbald  allgemeinen  Anklang ,  wie  man 
i  den  rühmlichen  Zeugnissen  des  Prosper  ^) ,  Gennadius  ^J ,  und  be- 
iders  des  Papstes  Gelasius  L  sieht ^).  —  Das  Werk,  von  König.;||l^red 
das  Angelsächsische  übersezt,  war  im  ganzen  Mittelalter  eine  Haupt- 
elle der  alten  Geschichte.  Es  hiess  y^Ormesta^^  oder  „Hormesta  mtmdi^*, 
s  man  gewöhnlich  nicht  unrichtig  mit  „Miseria  mundi^'  über^pzt.  Ge- 
uer  noch  heisst  es:  „Tr<igoedia  mxmdi^\  wie  auch  wir  die  Weitgeschichte 
le  Tragödie,  ein  Trauerspiel  nennen  können.  Beweisend  scheint  mir 
te  Stelle  eines  Briefes  des  Stephan  von  Tournai  an  den  Erzbischof 
ilhelm  von  Rheims  zu  sejm  (Kardinal  s.  1179,  t  1202):  „Ormtsta  «rt, 
n  parabola,  quam  profono'^  —  es  ist  eine  wahre  traurige  Geschichte, 


')  Er  sagt  von   Tbeodosius:    clatuit,   cepit,   occidit  (Maximmn)^   wohl   nachahmend 

Cäsars  Worte:  venif  vidiy  vici         7,  35. 
^  cf.  Roderici  Ximenii  de  rebus  Hutpaniaef  l    2,  6'  —  in:  „Patrum   Tolet.  opera,  L  3, 

p.  28-^29. 
')  Oronus  f  Hispanus  presbyUrj  vir  eloquenSf  et  historiarum  cognitor,  ehret  —  Jahr  3% 

(zQ  frühe). 
*)  Germad,  39  —  wörtlich  so:   Orosius  pre^ter j  Hispanus  genere,  vir  ehquens  et  hisio- 

riantm  cognitor.  —  Hie  est  Orosius  y  qui  reUquias  h.  Stephani  —  primus  intuiit  orisnti. 
*)  Geku.  decreL   Orosium  virum  eruditissimum   collaudamuSf  quia  valdt  nobis  necessariam 

adoersus  paganorum  caUannieu  ordinavit  historiam,  mirague  brevitate  contexuiL 


4iCi  Siebentes  Bnch.     Nc^untes  Kapitel. 

keine  Parabel,  die  icb  vorbringe*).  —  Falsch  ist  die  Vermuthung,  dass 
,,OrcheHra^  für  „Ormeata^  zu  lesen*),  noch  ferner  liegt  der  Wahrheit 
der  Versuch,  dem  Orosius,  zu  seinem  fingirten  Vornamen  Paulus  den 
dritten  Namen  „Hormisdat^  imd  den  vierten  „Mundus^  anzudichten'). 

Potthast  führt  eilf  Handschriften  des  Orosius  an  (in  fioulogne, 
Brüssel  —  3,  —  Chartres,  Dresden,  Montpellier,  St.  Omer,  Paris,  Ut- 
recht, Valenciennes) ,  wovon  nur  zwei  aus  dem  zehnten  Jahrhundert^); 
mündlich  wurdet  mir  versichert,  dass  auch  in  Donaueschingen  eine  schöne 
Handschrift,  aus  dem  neunten  oder  zehnten  Jahrhundert,  sich  finde. 

Ausgaben:  147 f  fol.  Augustae  Vind.^  beschrieben  bei  Brunet  $,  v. 
Oro8,  —  Historiarum  L  VII  per  Atneam  Yvlpivm  auHgeOi  (VieentUUf 
per  Herrn,  Levüqpidem  (Lichtenstein)  de  Col^mia  —  c.  1475,  —  VenetUt, 
Leon  Achates,  e.  1475.  fol.  —  Venetiü,  1483,  fol  —  VeneUU,  per  E.  Bat- 
doli  AuguHens,  1484,  fol,  —  Venetiis,  Christ,  de  Pensis  de  MandMo  1499. 
fol  —  Venetiis,  expensis  Bern,  Veneti  de  Vitalibus  1500.  foL  —  Pari» 
1510.  4®.  —  1517.  ^,  cum  praef.  Lud.  Thiboust,  —  1524.  /ML  ed.  Sdxut. 
Mengino;  wieder  das.  1534.  —  ed.  Ger.  Bolsvinge,  Coloniae,  1526.  fol.  — 
1536  ex  ree.  Jo.  Caesarii.  89.  —  1542.  89  —  ap.  Oasp.  Oenepaeum,  — 
Col  1561.  89,  per  Franc,  Fabricium;  wiederholt ,1574  —  8®  -  und  1582. 

—  ap.  L.  de  la  Barre,  hiHor.  veterum  patrum  christiana.   Par.  1583.  fol 

—  Cum  annot€ft.  Fabricii,  ex  recens.  A.  SehotU.  lUogunÜäe  1615.  S^. 
1663.  89,  —  Joh,  Ph.  Vorburg,  histo^iae  IIl,  Francof,  1650. 

£[ü  beste  Ausgabe  ist:  Adversus  paganos  historiarum  libri  VII,  ut  et 
apcl^meus  contra  Pelagiumj  de  arbitrii  libertate,  ad  fldem  mstor.,  adjeetii 
integris  notis  Fr.  Fabrieii  et  L.  LattHi,  rec,  suisgue  animcuiv.  illustravü 
Sigeb.  Havercampus,  Lugd.  Batav.  1738;  1707 ;  abgedruckt  in  Migne  Pat. 
l(U.  t.  3(^(1846) i  zugleich  gelungener  Abdruck  der  Münzen;  (c^.  Ocü- 
Umdiy  t.  9)  und:    Thorun.  1857.   89  —  ad  fldem  recensionis  Havercampi. 

—  The  Anglo-Saxon  Version  from  the  histor.  Orosius ,  by  Aelfred  the 
Oreat  —  erschien  vielfach,  zulezt  —  ed.  Jos.  Bosworth.  London.  18S9. 
gr.  89.^ 

Die  Quellen,  aus  denen  Orosius  geschöpft,  hat  Mömer  (s.  $.  1] 
vollständig  dargelegt;  wir  können  ihm  meistens  beistimmen,  nur  u.  a. 
darin  nicht,  wenn  er  sagt,  der  Bericht  des  Orosius  über  den  Tod  des 
altem  Theodosius  (H.  7 ,  33)  sei  aus  dem  Chronicon  des  Hieronymus  — 


')  Afiscellanen  Baluzii  l.  t  ^  p.  420  —  aputl  Ducange  glotsarium  ed.  Mawr.  s.  v.  Hormestn 

et  Ormesta. 
*)  Bivar  ad  Pieudo  -  Dexter  A.  Chr.  4(7  und  die  Citate  das. 
*)  s.  oben  J.  1.  —    Benmann.  —   v.  M.  Schröckh,  K.-G.,  8,  p.  319.  —    Vostius, 

de  higtor.  latin.  l  2.  r.  14.  —  Dufresne ,  Havercamp  und  Schröckh  leiten  es  von 

„miseria  mundi"  ab. 
*)  Potthast f  BibHotheca,  s.  v.  Orotius. 


f.  7.     Baehfariut  der  Mtoch.  411 

r9  erwriteii.    Sidier  haite  Orosins  das  Nähere  hierüber  in  Carthägo 
Jbsi  erfkfaren. 

Die  grosse  Eile,  mit  der  Orosius  sein:  Werk  yielleioht  kaam  in 
ihresfrkt  sa  Ende  brachte,  hatte  wohl  zum  Theil  auch  seinen  Grund 
der  Sehnsacht,  mit  den  Reliquien  des  heiligen  Stephanus  nach  Spanien 
oilckeukehreD.  Denn  schon  im  December  415  ;,brannte  er  von  un- 
lanblicher  Sehnsucht  nach  der  Heimkehr^'),  und  jezt  hatte  er  aswei 
eitere  Jahre  warten  müssen.  Als  er  im  Februar  418  Mahon  wieder 
nrUess,  wo  er,  wie  wir  mit  Röigius  vermuthen,  die  Reliquien  des 
eiligen  Stephanus  zurücküess  ^) ,  war  seine  uns  bekannte  Laufbahn  ab- 
sschloss^ü.  Wie  ein  Meteor  war  der  eifrige^  fronmie,  thatkiüftige,  imd 
eistreiche  ^ Jüngling^  yorübergegangen ,  der  als  Mann  unter  günstigen 
fmständen  vielleicht  den  Ruhm  eines  Hieronymus  und  Augustinus  er- 
uDgt  hätte.  Schmerzlich  suchen  wir  nach  weitem  Spuren  von  ihm,  und 
otdecken  sie  nicht.  Aber  auch  so  mögen  wir  ihn  glücklich  preisen. 
Ifleichsam  iäk  Fluge  eilte  er  vorüber,  und  denno<^  bleibt  sein  Andenken 
n  Segen  für  alle  Zeit 


§.7. 

Bachiarius,  mit  dem  Beinamen  „der  Mönch^,  war  nach  Gennadius  sachi». 
-  cap.  24  —  »ein  christlicher  Philosoph,  der  frei  und  unbelastet  Go^ 
Dein  sich  zu  weihen  entschlossen,  sich  zu  einer  Wanderschaft  für  Er- 
altung  der  Unversehrtheit  seines  Lebend  (d.  i.  seines  Glaubens)  ent- 
rhloss.^  Seine  Heimath  bat  Niemand  von  den  Alten  angegeben;  sie 
ar  ihnen  unbekannt.  Auch  die  alten  Spanier  kannten  ihn  nicht,  wohl 
.  a.  darum,  weil  er  ausserhalb  Spaniens  schrieb.  In  seinem  von  Gen- 
idius  erwähnten  Buche :  de  flde  (libellm  adversits  querulos  et  infarnataresj 
gt  er:  „Verdächtig  macht  uns,  wie  ich  sehe,  nicht  die  Sprache,  sondern 
e  Gegend ;  und  wir ,  die  wir  wegen  unsers  Glaubens  nicht  zu  erröthen 
auchen,  werden  beschämt  wegen  unsrer  Heimath *^  (fides  cap.  1).  Mura- 
ri  sprach  sich  im  J.  1698  gegen  Britannien  als  Heimath  des  Bachiarius 
IS,  aber  überliess  es  andern,  diese  zu  entdecken^). 

Der  Canonikus  von  Aquileja,  Franz  Flori,  edirte  später:   yyDe  Fide 

de  reparatione  lapri,  opuseula  ßacchiarii  monachi  ad  Codices  Ambrosianae 

^Uothecae   ccuÜgavU,   dissertationibus  et  notis  auxit^  Fr.  Floriiu,  Romaej 

Rubeia,   1748,  4®,   eine  Schrift,    welche  mit  der  auf  S.  359   unten 

drten :  „Bac?Uariu8  illuHrtOuay  oder  Abhandlung  über  die  Priscill.  Häre- 

)^  verbunden  werden  muss.    Flori  wollte  zeigen ,  dass  Bachiarius  ein 


')  in  diebuB  ipsis,  quibus  jam  ipse  reditum  incredibili  dtsiderio  parabat  ~   epist.  Aviti. 
»)  Roiffius,  p.   173,  —  N,  Antonio,  3,  2  —  nr.  43.  —  Fhrez,  15,  344  —  45, 
^)  Mnratori,  Aneedota,  L  2,  p.  9  tq.     MedioL  1698, 


^10'  Siebentes  Buch.     Neuntes  Kapitel. 

keine  Parabel,  die  icb  vorbringe*).  —  Falsch  ist  die  Vermuthung,  dass 
yOreheHra^  fttr  „Ormeata^  zu  lesen'),  noch  femer  liegt  der  Wahrheit 
der  Versuch,  dem  Orosius,  zu  seinem  fingirten  Vornamen  Paulus  den 
dritten  Namen  „Hormisdas^  und  den  vierten  „Mundus^  anzudichten'). 

Potthast  führt  eilf  Handschriften  des  Orosius  an  (in  fioulogne, 
Brüssel  —  3,  —  Chartres,  Dresden,  Montpellier,  8t  Omar,  Paris,  Ut- 
recht, Valenciennes) ,  wovon  nur  zwei  aus  dem  zehnten  Jahrhundert^); 
mündlich  wurde  mir  versichert,  dass  auch  in  Donaueschingen  eine  schöne 
Handschrift,  aus  dem  neunten  oder  zehnten  Jahrhundert,  sich  finde. 

Ausgaben:  147 f  foL  Augustae  Vind.^  beschrieben  bei  Brunet  $.  v. 
Oro8,  —  Historiarum  L  VII  per  Aeneam  Vulpium  casUgaU  (Vieentku, 
per  Herrn.  Levüqpidem  (Lichtenstein)  de  Col^mia  —  c.  1475,  —  Vendüi, 
Leon  Aehates,  e.  1475.  fol  —  VenetiiSy  t483.  fol.  —  VeneHis,  per  E.  Rat- 
doli  Augustens.  1484.  fol  —  Venetiis,  Christ,  de  Pensis  de  Mandellö  1499. 
fol  —  VeneHis,  expensis  Bern.  Veneti  de  Vitalibus  1500.  foL  —  Pan» 
1510.  4®.  —  1517,  ^,  cum  praef.  Lud.  Thibotut.  —  1524.  fäL  ed.  Sdxxst. 
Mengino;  wieder  das,  1534.  —  ed.  Ger.  Bolsvinge,  CoUmiaey  1526.  fol  — 
15M  ex  reo.  Jo.  Caesariu  89.  —  1542.  89  —  ap.  Qtup.  Oenepaeum.  — 
Col  1561.  89,  per  Franc.  Fabricium;  wiederholt.  1574  —  8^  -  und  1582. 

—  ap.  L.  de  la  Barre,  hittor.  veterum  patrum  christiana.   Par.  1583.  fol 

—  Cum  annotat.  Fabricii,  ex  recens.  A.  Schotti.  Mogunücte  1615.  ^. 
1663.  89.  —  Joh.  Ph.  Vorburg,  hiHo^iae  III,  Franeof.  1650. 

I^  beste  Ausgabe  ist:  Adversua  paganos  historiarum  libri  VII,  ut  et 
(xpolö0tieus  contra  Pelagium ,  de  arbitrii  libertate,  ad  fidem  mstor. ,  adjeetu 
integris  notis  Fr.  Fabricii  et  L.  Latdii,  rec.  suisque  animadv.  illmtravii 
Sigeb.  Havercampus,  Lugd,  Batav.  1738;  1707;  abgedruckt  in  Migne  PcA. 
Int.  t.  31^(1840),  zugleich  gelungener  Abdruck  der  Münzen;  (ap.  Oät- 
landi^  t,  9)  und:    Thorun.  1857,   89  —  ad  fidem  recensionis  Havercampi. 

—  The  AnglO'Saxon  Version  from  the  histor.  Orosius,  by  Aelfred  tht 
Oreat  —  erschien  vielfach,  zulezt  —  ed.  Jos.  Bosworth.  London.  1850. 
gr.  89.^ 

Die  Quellen,  aus  denen  Orosius  geschöpft,  hat  Mörner  (s.  $.  1) 
vollständig  dargelegt;  wir  können  ihm  meistens  beistimmen,  nur  u.  a. 
darin  nicht,  wenn  er  sagt,  der  Bericht  des  Orosius  über  den  Tod  de^ 
altem  Theodosius  (H.  7 ,  33)  sei  aus  dem  Chronicon  des  Hieronjmus  — 


')  Miscellanen  Baluzii  L  t ,  p.  42Cf  —  apwl  Ducange  glossarium  ed.  Maur.  a.  v.  Bormestn 

et  Ormesta. 
*)  Bivar  ad  Pieudo  -  Dexter  A.  Chr.  417  and  die  Citate  das. 
*)  s.  Oben  5.  1.  —    Beumann.  —   v.  M.  Schröckh,  K.-G.,  8,  p.  319.  —    Vosstra, 

de  hiator.  latin.  L  2.  c.  14.  —  Dufresne ,  Havercamp  und  Schröckh  leiten  es  von 

„mtMeria  mundi"  ah. 
<)  Potthast  f  BibHotheca,  s.  v.  Orosius. 


f.  7.     BMhfariu»  der  M5iie1i.  411 

r9  erwehart    Sicher  hatte  Ororius  das  lilähere  hierüber  in  Carthägo 
übst  erfkfaren. 

Die  grosse  Eile,  mit  der  Orosius  sein  Werk  vielleicht  kaum  m 
ihresfirisl  sa  Ende  brachte,  hatte  wohl  zum  Theil  auch  seinen  Grund 
der  Sehnsucht)  mit  den  Reliquien  des  heiligen  Stephanus  nach  Spanien 
iiückeukehrett.  Denn  schon  im  December  415  ,,  brannte  er  von  un- 
lanblicher  Sehnsucht  nach  der  Heimkehr^  ^) ,  und  jezt  hatte  er  zwei 
eitere  Jahre  warten  müssen.  Als  er  im  Februar  418  Mahon  wieder 
srUess,  wo  er,  wie  wir  mit  Röigius  Tcnnuthen,  die  Reliquien  des 
siligen  Stephanus  zurückliess  ^) ,  war  seine  uns.  bekannte  Laufbahn  ab- 
esdilossen.  Wie  ein  Meteor  war  deft  eifrige^  fromme,  thatkriftige,  und 
eistreiche  „ Jüngling^  vorübergegangen,  der  als  lAann  unter  günstigen 
fmstl&nden  vielleicht  den  Ruhm  eines  Hieronymus  und  Augustinus  er- 
mgt  hätte.  Schmerzlich  suchen  wir  nach  weitem  Spuren  von  ihm,  und 
otdecken  sie  nicht.  Aber  auch  so  mögen  wir  ihn  glücklich  preisen. 
Gleichsam  ük  Fluge  eilte  er  vorüber ,  und  dennoch  bleibt  sein  Andenken 
n  Segen  für  alle  Zeit 


•       ^  .  §.  7. 

Bachiarius ,  mit  dem  Beinamen  i,der  Mönch^ ,  war  nach  Gennadius  Backt». 
-  cap.  24  —  9 ein  christlicher  Philosoph,  der  frei  und  unbelastet  Goit 
Dein  sich  ^  weihen  entschlossen,  sich  zu  einer  Wanderschaft  für  Er- 
altung  der  Unversehrtheit  seines  Lebens  (d.  i.  seines  Glaubens)  ent- 
Moss.'^  Seine  Heimath  hat  Niemand  von  den  Alten  angegeben;  sie 
^ar  ihnen  unbekannt.  Auch  die  alten  Spanier  kannten  ihn  nicht,  wohl 
.  a.  darum,  weil  er  ausserhalb  Spaniens  schrieb.  In  seinem  von  Gen- 
idius  erwähnten  Buche :  de  flde  (libdlm  adversui  querulos  et  infamatoresj 
Igt  er:  ^ Verdächtig  macht  uns,  wie  ich  sehe,  nicht  die  Sprache,  sondern 
ie  Gegend ;  und  wir ,  die  wir  wegen  unsers  Glaubens  nicht  zu  erröthen 
"auchen,  werden  beschämt  wegen  unsrer  Heimatb^  (fide$  cap.  l),  Mura- 
ri  sprach  sich  im  J.  1698  gegen  Britannien  als  Heimath  des  Bachiarius 
IS,  aber  überliess  es  andern,  diese  zu  entdecken^). 

Der  Canonikus  von  Aquileja,  Franz  Flori,  edirte  später:  „De  Fide 
de  reparaUone  lapsi^  optueula  Bacchiarii  manaehi  ad  Codices  AnArosianae 
bUoi?iecae  casUgavit,  diiseriationibus  et  notis  auxit*'  Fr.  Floriiu,  Romaej 
:  Rubeia^  1748,  ^,  eine  Schrift,  welche  mit  der  auf  S.  359  unten 
drten:  „Bachiaritts  illttstratusj  oder  Abhandlung  über  die  Prisdll.  Häre- 
ß^  verbunden  werden  muss.    Flori  wollte  zeigen  ^  dass  Bachiarius  ein 


*)  m  dUbus  ipsiSf  quilms  jam  ipse  reditum  incredihili  desiderio  parabat  —   epitL  Atnti, 
')  Roiffius,  p.  t7S,  -  N.  Antonio,  3,  2  —  nr.  i3.  —  FUn-ez,  15,  344  —  45. 
^)  Muraiori,  Aneedota,  L  2,  p.  9  «9.    MedioL  1698. 


Zehntes  Kapitel. 

Die  KireheDprevinz  von  B&tika  (Hispalis),  Jahr  357—589. 

Hf.  Hosius  und  sein  Nachfolger  Hyginus  *)  (358  bis  c.  387)  waren  von 

flU!^  Rechts  wegen  Metropoliten   der  Provinz.     In  dieser  Eigenschaft  schritt 

pout  Hyginus  mit  dem  Bischöfe  Luciosus,  einem  seiner  Suffragane ,  ein  gegen 
die  wohl  im  Bisthume  des  Leztern  beündlichen  Luciferianer.  In  dieser 
Eigenschaft  machte  er  den  Idatius  auf  das  Treiben  der  Priscillianisten 
aufmerksam,  ein  Metropolit  den  andern.  —  Denn,  wohl  war  Hispalis 
Siz  des  Vicarius  von  Spanien ,  aber  Corduba  blieb  der  Siz  des  Consularis 
oder  Comes  der  Provinz  Bätika  ^) ,  und  nach  der  Analogie  von  Tarraco, 
£merita  und  Asturica  —  war  der  Bischof  von  Corduba  mit  Recht  Metro- 
polit. —  Aber  nach  dem  kläglichen  Ende  des  Hyginus ,  nach  dem  üblen 
Rufe,  der  dem  Hosius  mit  Unrecht,  dem  Hyginus  vielleicht  nicht  mit 
Unrecht  nachfolgte,  mag  der  Leuchter  wohl  von  der  Kirche  von  Cor- 
duba hin  weggenommen  und  nach  Hispalis  übertragen  worden  seyn.  Wir 
nehmen  an,  dass  Marcellus,  der  zu  Toledo  J.  4Ü0  an  zweiter  Stelle, 
nach  Patruinus  —  unterschrieb,  Metropolit  von  Hispalis  war^). 

Seit  dem  J.  409  kam  unsägliches  Unglück  über  Hispalis,  es  vrurde 
fast  zerstört,  425^),  doch  nicht  ganz,  denn  schon  428  gieng  Gundericb, 
der  seine  Hand  gegen  die  Kirche  dieser  Stadt  ausstreckte,  durch  ät 
Gewalt  eines  Dämons  zu  Gründe^). 


*)  Das  Geschlecht  «Hyginus»  in  Corduba  ist  durch  Inschriften  verbürgt  Wahr- 
scheinlich stammte  auch  der  Grammatiker  Hyginus  aus  demselben  —  cf.  Emü 
Hübner  in  den  Monatsberichten  der  Berliner  Akademie,  J.  1861,  S.  ^. 

*)  Hübner,  S.  51  —  »Die  Inschriften  zeigen  deutlich,  dass  Corduba,  wahrschein- 
lich stets,  die  Residenz  des  Proconsuls  war.** 

')  Fhrez,  t.  9,  cap.  6  —  de  los  prelado»  antiffuot  HUpcUenMa^  p.  139  —  42, 

*}  Idat.  ehr,  425  HitpaU  eversa. 

•)  Idai.  ad  ann.  428, 


Die  KiKhenpMTiM  von  B^&tib«  (.Hiin»U<X  i^*  357— &89.  44fi       • 

I  folgte  am  rUs  J.  440  Sabinus  vielen  uns  nicht  bek^i^aiitan  BiscbSfen. 
it  einem  Ckidez  EmiliuieiisijB  findet  sieb  ein  Yeneiülpiu  der  Bi- 
von  Hispalis,  wo  M&rcellus  als  erster,  Babinus  I.  «Is  x|ir.ait^ 
r  genamit  wird.  Mach  diesem  nennt  der  Cataiog  3)  Kvidius,  von 
—  326  nach  Florez;  4)  Deodat,  326  —  349;  5)  Sempronian,  3tö— 
)  Geminos,  372  —  395;  7)  Glaucins,  396  —  418;  8j  Mancian,  418 
Namen,  welche  für  die  damalige  Zeit  sehr  fremdartig  klmg^, 
an  zweifelhafter  Aecbtheit  sind,  Florez  miiw,  uqt  mif  der  Ze^t 
1  sarecht  au  kommen,  jedem  dieeer  Namen  durchschnittlich  23  ^«hce 
BD,  was  die  gewöhnliche  mittlere  Zahl  um  6 — 7  Jahre  Ub^rsoh^fst^^ 
'  kämen  wir  mit  diesem  Verzeicänisse  nicht  über  das  Jflir.360 
hinauf,  wükrcud  wir  angenonomen,  dass  Hispalia  um  d^  J.  2&4 
dem  benachbartetü  Emerita  men  Bischof  gegeben,  und  wohl  achgii 
sm  ersten  christlichen  Jahrbundert  Bischöfe  hatte ').  '  ,     . 

isdiof  Sabinus   wurde  im  J.  441   durch  Partbeieii  i^erlv^eb^p,  ausabiH 
Stelle  Epiphanius   „durch  Betrug,  nicht  mit  Beoht"   bst').    Er  m^ 
I  nach   2Ü  Jahren  aus  Gallien  „zu  seiner  eigneii  Kirche  anritcl;'^,  "'  **° 
in  da«  J.  4t>l.  —  Nach  ihm  kehrten  beeeere  Zeiten  für  die  Siincbe 
Bspatis  zurück.     Nach  Orontius  c  462 — 472  regierte  der  Bischof 
wie  Florez  meint,  von  472 — 486.     Ihn  bestellte fapst Simpliciw  zwa 
; — 483)    zu   meinem   Vicarius,   indem  er   ihn^  sfihrieb:     „An  den  j^^ 
Zeno  Simplicius.    Wir  haben  aus  zahlreichen  BerichteA  erbhifqn,"*  *"* 
,  geliebter   Bruder,   durch   den   Eifer  des  heiligen   Geistes  ein 
Lenker  der  Kirche  seiest,  dass  sie,  mit  der  Gnade  Gottes,    den 
I  eines  Schiübruches  nicht  erfahre.     Uns  rühmend  solcher  N&oh- 
.  haben  viv  es  pasHend  gefunden ,  dich  zu  der  Würde  eioea  Stell- 
■■  ansers   Stuhles  zu  erheben  ^) ,   in  Kraft  dessen   da  in  keiner 
HesCatten  sollst,  dass  die  Erlasse  des  apostolischen  Stuhles  *) ,  o^er 
ftimmungcn  der  heiligen  Väter  übertreten  werden.   Denn  derjenige 
Ütt  zum  Lohoc  eine  höhere  Würde,  von  dem  es  bekannt  ist,  dose 
1  ihnj  in  jenen  G<.'ge[iden  die  Verehrung  Gottes  zugenommen  hat. 
riialte  dich  uuverlezt,  geliebter  Bruder  ^j."    Das  Jahr  dieses  Briefee 
nt  bekannt. 

^t  Felix  XU.  (483  — 492j  schrieb  an  denselben:  Dem  geliebtesten 
t  Zetxo   Felix  Bischof:     Uein  Sohn"),   der  erlauchte  Tereotiaqu^ 


Uäwa;  Axttgvtdada  de  Seviila,  2,  H.  ~-  Gü  Gvnzakr  Üavila,  Uabo  dt  S*mlla. 

JLk,  p.  i4S. 

^O.  1,   S.  248-49  und  die  BdegMelUn  da«. 

tlria  U  *tdä  itottrat  aactoriUUe  faläri. 
i  ttutitutionii  dtcrtia, 

380  optndKt  3.   —    Jafft,  Regnifi  PonAf.  —  p.  iL 
-  bei  Jaffe,  p.  b3;  blich:  FetU  »uto  —  bei  Ftorez,  9,  1&2:  381- 


416  Siebentes  Bach.     Zehntes  Kspitel. 

der  vor  längerer  Zeit  nach  Italien  kam,  ist  ein  besonderer  Lobredner 
deiner  Li^bden  *) ,  und  verkündete ,  dass  Du  so  in  der  Gnade  Gk>tteB 
überfliessesty  dass  Du  in  den  Stürmen  der  Welt  ein  an;>gezeichneter  Leiter 
der  Kirche  seiest  Da  er  nun ,  geliebtester  Bruder ,  in  die  Provinz  zu- 
rückkehrt, und  eifrig  begehrt,  dass  Wir  einen  Brief  an  Deine  Liebden 
richten  mögen,  haben  Wir  ihm  diess  gerne  zugesagt,  da  wir  selbst 
wünschten,  mit  einem  GFottes  würdigen  Bischof  in  Verkehr  zu  treteo, 
und  da  Wir  wünschen,  dass  diess  durch  die  Vermittlung  desjenigen  g^ 
schehe,  der  durch  sein  Lob  ihn  (d.  i.  Dich)  Uns  empfohlen  hatte.  Ob- 
wohl nun  der  erwähnte  Herr  versichert,  dass  Deine  Brüderlichkeit  in 
allen  Wegen  mit  heiligen  Werken  begnadigt  sei,  und  da  er  schon  so 
grosses  Vertrauen  auf  Dein  Wohlwollen  gegen  ihn  sezte,  so  ist  es  dod 
billig,  dass  er  das  erlange,  womach  er  so  sehr  verlangte:  damit  er,  der 
schon  seit  langem  Deinem  Herzen  nahe  ist,  dir  durch  Unsere  Empfehlong 
[mit  Rücksicht  auf  Uns  ^)]  noch  angenehmer  werde,  dass  er  zugleich  deo 
Trost  sdner  Mutter  und  seines  Bischofs  erfahre^),  und  dass  er  durch 
JKschOfliche  Liebe  einen  Schuz  auf  seiner  Wanderschaft  finde,  so  dsss 
durch  das  Wohlwollen  Deiner  Würdigkeit  es  bei  Dir  sich  o£Fenbare, 
dasrauch  Unsere,  des  Dich  Begrüssenden ,  Ansprache  nicht  wenig  ver- 
mocht h$b&.    Grott  erhalte  Dich  unverlezt,  geliebtester  Bruder*). 

Als  Zeno's  Nachfolger  werden  Asfalius  (c.  486  —  496)  und  Maximiin 
(496 — c.  510)  bezeichnet,   ohne  weitere  Beweise,  als  zwei  Bi8chofsve^ 
sau«.  zeichnisse ,  die  nicht  zusammenstimmen.  —  Bischof  Sallustius  wurde  wie- 
^*  cler  von  Papst  Hormisdas  (614 — 523)  ausgezeichnet    Er  schrieb  ihm: 
iu?t7.  ^^^  geliebtesten  Bruder  Sallustius  Hormisda.    Wir  haben  das  herzliche 
Beglückwünschungsschreiben    Deiner   Brüderlichkeit    erhalten,    welches 
Uns  die  Kunde  Deines  Wohlbefindens  in  zweifacher  Hinsicht  brachte 
(da  es  Uns  meldete,  dass  Du  für  Deine  geistlichen  Geschäfte  körper- 
licher Rüstigkeit  Dich  erfreuest)  und  Wir  haben  es  für  passend  gefunden, 
Unsrer  Freude,   die  Wir  darüber  im  Herzen   fühlen,   sogleich  einen 
Ausdruck  zu  geben.    Denn  Du  hast  Merkzeichen  eines  guten  Bischoft 
kund  gegeben,   indem  Du  vollbringst,  was  rühmenswerth  ist,  und  zu 
solchem  zu  ermuntern  nicht  zögerst^). 

Denn  Wir  haben  erfiihren,  dass  Du  das  fireiwillig  umfassest,  was  Wir 
den  Andern  befehlen.    Wir  bitten  die  göttliche  Güte,  dass  diess  alle 


')  dütctumit  luae  »mgulariM  extütU  praMotUor, 

*)  eofnUmplatioM  nottra,  es  könnte  aach  heissen:  eommwdation«  noiira, 

')  tmulque  maiima  et  Maotrdoiati  consokUume  favtaiur, 

*)  Bei  Florez,  9,  881.  —  In  der  CoUmstio  Cantmum  HiqHMna  gteht  der  zweite  an 
wiehtige,  nieht  aber  der  erste  wichtige  Brief,  wovon  später. 

*)  Die  Worte:  praerogaiham  de  nastri  ntmpnmua  eUcHone  jutHeii —  heissen  vielleicht: 
Die  von  Uns  Dir  zugedachte  Würde  eines  Vicarias  hast  Da  zum  voraus  ge- 
rechtfertigt 


Die  Kirehenprovinz  von  BäUka  (HispalU)  Jahr  357—589.  417 

nerkennen  mOgen,  und  in  Folge  dieser  Bemühungen  übersenden  Wir 
>ir  die  Zeichen  der  kirchlichen  Gemeinschaft.  Du  hast  Unsere  Wünsche 
Isbald  mit  treuem  Verständnisse  aufgefasst,  und  sie  mit  ergebenem  Eifer 
[es  Dienstes  erfüllt,  indem  Du  allen  Brüdern  das  mittheiltest ,  was  Du 
dt  der  gGttlidien  Gnade  als  nüzlich  erkannt  hattest  Da  also  so  viele 
T'erdienste  und  Mühen  frommer  SorgfiEÜt  für  Dich  sprechen ,  so  fireut  es 
oieh,  Dir  das  aufiraerlegen ,  was  offenbar  Unsers  eignen  Amtes  ist,  dass 
)u  in  den  von  Uns  so  weit  entfernten  Provinzen  Unsre  Stelle  ^rtreten, 
md  für  die  Beobachtung  der  Regeln  der  Väter  Sorge  tragen  mögest 
EVir  übertragen  Dir  also  durch  Gegenwärtiges  Unsre  Stelle  in  den  Pro- 
rinzen  Biüka  und  Lusitania,  mit  Vorbehaltung  jedoch  der  Vorrechte, 
Ue  von  Alters  her  den  Metropolitan -Bischöfen  zustehen,  indem  Wir 
larch  diese  Mittheilung  die  Würde  Deines  Aintes  erhöhen,  dagegen 
inreh  dieses  Mittel  die  Sorgen  des  Uns  au%elegten  Amtes  erleichtem. 
Qeber  das  Einzelne  Dich  zu  belehren  ist  um  so  weniger  nothwendig, 
ils  Wir  schon  erkannt  haben,  dass  Du  d&s  Ghmze  genau  beobachtest; 
eB  pflegt  jedoch  erwünschter  zu  seyn^  wenn  der  rechte  Weg  gezeigt, 
md  die  oben  formulirte  Auflegung  von  Geschäften  näher  bezeichnet 
werde.  Wir  befehlen  also,  dass  die  Regeln  der  Väter  und  die  von  den 
kdligen  üoncilien  erlassenen  Dekrete  von  allen  beobachtet  werden. 
Darauf  dehnen  wir  Deine  Wachsamkeit,  darauf  Deine  Sorgfalt  der  brüder- 
Bchen  Ermahnung  aus.  Sobald  Solches  mit  der  geziemenden  Ehrfurcht 
beobachtet  wird,  so  bleibt  für  die  Schuld  kein  Raum,  kein  Hindemiss 
beiliger  Uebung.  Dort  ist  Recht  und  Unrecht  festgestellt;  dort  verboten, 
womach  Keiner  verlangen  soll:  dort  ist  gestattet,  nach  was  der  G^st 
trachten  soll,  um  Gott  woh]zuge£allen.  Sobald  es  die  allgemeine  An- 
gelegenheit der  Religion  verlangt,  sollen  auf  Deine  Berufung 
limmtliche  Brüder  zu  der  Synode  sich  einfinden:  und  wenn 
den  Einen  und  Andern  eine  Streitigkeit  über  einen  besondern  Gegen- 
lUnd  in  Aihem  hält,  so  beschwichtige  die  unter  ihnen  entstandenen 
IGsshelligkeiten,  indem  Du  nach  den  heiligen  Sazungen  die  Streitigkeiten 
erörterst  und  beilegest  Was  Du  ihnen  aber  in  Ansehung  des  Glaubens 
und  der  alten  Constitutionen  entweder  durch  vorsorgliche  Anordnung 
Torschreiben ,  oder  Kraft  der  von  Uns  Dir  übertragenen  Auctorität  be- 
stimmen wirst,  das  alles  möge  zu  Unsrer  Eenntniss  durch  das  Zeugniss 
emes  genauen  Berichtes  gelangen,  dass  Unser  G^müth  sich  der  Befrie- 
digung des  Dir  gegebenen  Amtes,  das  Deinige  des  frohen  Bewustseins 
des  erhaltenen  Amtes  getröste.  Gott  erhalte  Dich  unversehrt ,  geliebtester 
Bruder  *). 


*)  Mamai  Cane,  8,  433.  -  Fhrez,  9,  382  —  83,  -  Jaffi,  67.     CaiUei.  amanum  ßcckä. 

Bup.  —  mi.  Ant,  Gonzakt  —  ßpiitoL  dtcretalu,  iir.  94,  —  Die  Anmerkon^  4  auf 

S.  416  itl  la  berichügen. 
Qaai,  ^an.  Kirehe.    IL  27 


4l8  Siebentes  Buch.     Zehntes  Kapitel. 

Von  Synoden,  welche  aus  obigem  Anlasse  gebalten  worden ^  ist 
nichts  zu  unsrer  Renntniss  gelangt  JaS6  vermuthet,  dass  obiges 
Schreiben  in  dem  J.  517  erlassen  sei,  in  welchem  ähnliche  Schreiben 
an  den  Metropoliten  Joannes  von  Tarraco,  und  die  spanischen  Bischöfe 
überhaupt  ergiengen.  Gleichzeitig  mit  vorstehendem  Schreiben  wurde 
indess  ein  ähnlich  lautendes  an  alle  bätischen  Bischöfe  erlassen,  wobei 
wir  es  uiffallend  finden ,  dass  es  nicht  auch  an  die  lusitanischen  gerichtet 
ist.  Er  freut  sich  über  die  Eintracht  unter  ihnen.  Denn  auch  sie  hatten 
ihm  geschrieben,  wahrscheinlich  wie  und  mit  Sallustius,  zu  seinem  Amts- 
antritte. Er  schreibt  ihnen  über  die  Wiederherstellung  des  Friedens  mit 
den  Orientalen,  die  damals  erst  im  Werke  war.  Sie  hatten  in  ihrem 
Briefe  alter  Privilegien  und  Statuten  erwähnt,  aber  sich  nicht  deutlich 
genug  ausgedrückt').  Wenn  sie,  woran  nicht  zu  zweifeln,  die  durd 
Papst  Hilarius  an  Bischof  Zeno  geschehene  Uebertragung  des  Vicariats 
meinten  ^) ,  so  kam  Hormisdas  jedenfalls  ihren  Wünschen  unverzüglicl 
entgegen,  aber  er  konnte  dem  Sallustius  nicht  mehr  das  Vicariat  über 
ganz  Spanien  übertragen,  weil  Johannes  von  Tarraco  schon  damit  be- 
traut war.  Die  Bischöfe  von  Hispalis  von  Sallustius  bis  Leander  sind 
näher  nicht  als  aus  wenig  verlässigen  Catalogen  bekannt.  Sic  heissen 
Crispinus,  Pigasius,  Stephanus  I,  Theodulus,  Hyacinth,  Reparatus, 
Stephanus  II ,  Vorgänger  Leanders.  —  Der  heilige  Laureanus  war  wohl 
nicht  Bischof  von  Hispalis,  sondern  von  Hispel  in  Umbrien  (Spoleto), 
oder  irgendeiner  unbekannten  Stadt  ^). 

Von  dem  Bisthume  Asido  kennen  wir  vor  dem  siebenten  Jahrhundert 
keinen  Bischof.  Ein  Bischof  Gaudentius  von  Astigi  wird  etwa  aus  der 
Mitte  des  sechsten  Jahrhunderts  erwähnt,  welcher  dem  Bischöfe  Pegasius 
—  um  das  J.  590  vorausgieng  ^).  —  Von  dem  Tode  des  Hyginus  —  um 
387  —  589  ist  nur  ein  Name  eines  Bischofs  von  Corduba  bekannt.  Die 
Namen  eines  Bischofs  Gregorius  und  Isidor  sind  unverbürgt,  ja  unter- 
schoben. Dagegen  unterzeichnete  Bischof  Stephan  von  Corduba  unter 
218  Bischöfen  als  der  sechste  auf  der  im  J.  504  zu  Rom  gehaltenen 
Synode*):  j^Stephamts  episcopus  Cordubensis  subscripsi" .  —  Wir  kennen 
keinen  Bischof  von  Egabra  nach  Synagius  im  J.  306  bis  zum  J.  587, 
denn  Luciosus  —  um  das  J.  380  war  sicher  ein  bätischer  Bischof,  ob 
aber  von  Egabra ,  ist  sehr  unsicher  *).  —  Bischöfe  von  Elepla  kennt  man 
gleichfalls  nicht  vor  589^).     Nach  dem   vielgenannten   Gregorius,  der 


')  Kap.  12.  —  Juhunnes  von  Tarraco,  S.  436.  —  Alex.  Natalis  —  saec,  5  —  cap.  f>- 

ort,  t  —  handelt  kurz  de  primate  Hispalensi  in  Hispanm. 
*)  FloreZj  9,  p.   iGO —  /7.V  „Disertacion  »obre  San   Laureano**, 
»)  Concil.  HispaUnse  I         aera  628  (690)  -     c   /.  Florez,  L  W ,  p.  S5. 

*)  Ftorez,  W,  224, 
•)  K.-G.,  2,  312. 
•)  Ftorez,  12,  Gö. 


Die  Kirchenprovinz  von  Bfttika  (Hispalis)  Jahr  357  —  589.  419 

ch  im  J.  392  lebte,  erscheint  gleichfalls  kein  Bischof  ron  Elvira  bis 
9.  —  Die  Bischöfe  Serenus  und  Orontius  sind  —  jener  von  unbe- 
nntem  Size  —  um  400,  dieser  wohl  von  lierda  —  um  517.  —  Der 
ste  bekannte  Bischof  von  Italica  war  Eulalius  —  um  580  —  589. 

Das  Bistbum  Malaga  hatte  einen  Bischof,  und  zwar  einen  Schrift- 
sller,  dessen  Zeit  zum  Theil  noch  vor  589  Tällt,  Severus  —  c.  578 — 
!•  ;ySeverus,  Bischof  von  Malaga,  Zeitgenosse  des  Licinian  von  Car^sevtra« 
igo,  schrieb  ein  Buch  gegen  Vincentius,  Bischof  von  Saragossa,  der^]!!!!^, 
den  Arianern  abgefallen  war.  —  Er  schrieb  ein  anderes  Buch  über 
e  Jungfi^ulichkeit,  mit  dem  Titel  ^yOnnultu^,  das  aber  Isidor  nicht 
eiter  kannte*).  Er  starb  noch  unter  Kaiser  Mauritius  [vor  602]^). 
ach  von  Tucci  kennen  wir  keinen  Bischof  nach  Camerinus  306  —  bis 
elatus^  589  ^). 


')  Inder,  de  vir.  ilhtst.  cap,  43. 
»)  Flortz,  12  i  398. 


27 


Eilftes  Kapitel. 

Die  ILirekenproviiiz  von  Lnsltanien  (Emerlte). 

Von  Anfang  findet  sich  der  Bischof  von  Emerita  in  dem  unbi 
tenen  Rechte  eines  Metropoliten  der  Bisthümer  Lusitaniens.  Als  so 
fanden  wir  Bischof  Liberius  in  Arles  —  31 4 ,  Bischof  Florentius  in 
dika  —  343  9  Bischof  Idatius  Clarus*)  in  seinem  Vorfieihren  gege 
Prisdllianisten  seiner  Provinz ,  Bischof  Patruinus  als  Vorsisendei 
ore.  Synode  zu  Toledo  —  400.  Auf  Patruinus  folgte  Gregorius  —  um 
*"^  "*  Sr  scheint  Anfechtungen  im  Besize  seines  Amtes  erlitten  zu  haben,  a 
^seits  war  seine  Vergangenheit  —  nichts  weniger  als  eine  Vorbei 
auf  einen  so  hohen  Stand;  denn  auf  ihn  zunächst  beziehen  sie 
tadelnden  Worte  des  Papstes  Innozenz  I. ,  dass  man  in  Spanien  M 
zu  Bisthümem  befördere,  die  nicht  einmal  Cleriker  zu  werden  verdi< 
Für  das  Vergangene  aber  wollte  der  Papst  Nachsicht  eintreten  lasi 
Wohl  unter  ihm  fiel  Merida  den  Alanen  in  die  Hände  —  c  41 
[Die  folgenden  Ereignisse  hängen  mit  dem  Andenken  der  heiligen  E 
von  Emerita  zusammen,  und  sind  früher  mitgetheilt ^).]  Um  das  i 
Aatoni.  — 448  wird  Antoninus  als  Bischof  von  Emerita  genannt^).  An  ihr 
™  4s.  deten  die  galizischen  Bischöfe  Turibius  und  Idatius  die  Akten  ihrer  l 
suchungen  über  die  dortigen  Manichäer  —  445  ^) ;  er  liess  einen  ge^ 


voo 
BneriU 


■)  Nk,  Salgado  (s.  nnten)  b&lt  den  Bisehof  von  Ossonoba  für  den  It  Clarus, 
•)  Ifmoe.  L  qn$L  3  -  nr,^^6.  —   8.  K-G.,  2,  8.  53. 
»)  K..G.,  1,  869-70. 
*)  Flortx,  L  13,  165 --170. 
*)  ef,  Idat.  chron.  ad  ann,  445, 


Die  Kirehenproyini  Ton  LosiUnieii  (Emerita).  421 

llanidifter  Pasceotius  von  Rom,  der  aus  Galisien  yon  den  dortigen  Bi- 
lehöfen  aiiBgetrid>en  worden ,  ergreifen ,  verhören,  und  aus  der  Provins 
LiQflitanien  fortschaffen  *).  In  demselben  Jahre  starb  der  heidnische 
KSmg  der  Sneven  Rechila,  «i  Merida,  wo  er  mehrere  Jahre  gewohnt 
latte.  In  den  J.  456  —  67  wurde  der  Gothenkönig  Theodorich  durdi 
lie  Drohungen  der  heiligen  EulaUa  von  Emerita  versoheucht 

Eni  hundert  Jahre  später  wird  wieder  ein  Bischof  von  Emerita  ge- 
oannt,  Fknlus  —  c.  530 — 560.  ^ Viele  berichten,^  sagt  Paulus  von  p«niw 
Emerita,  j,dass  der  heilige  Mann  Paulus,  von  Nation  ein  Grieche,  seiner  ^^^' 
Kunst  nach  ein  Arzt,  von  den  Gegenden  des  Orients  in  die  Stadt 
Emerita  gekommen  sei,  und  da  er  dort  lange  lebte,  durch  Heiligkeit 
und  viele  Tugenden  leuchtete,  an  Demuih  und  Wohlwollen  alle  ttber- 
trtf,  wurde  es  ihm  von  Gtott  ttbertragen,  dass  er  das  Bisthum  dieser 
Stidt  erlangte.  Als  er  vom  Herrn  selbst  gewählt  und  zum  Bischöfe 
geweiht  wurde,  so  nahm  Gbtt  alsbald  alle  Stürme  der  Unruhen,  welche 
diese  Kirche  zur  Zeit  seines  Vorgiingers  verwirrt  hatten,  hinweg,  und 
schenkte  auf  seine  Bitten  dieser  Kirche  den  tiefsten  Frieden  ^).  —  Es 
ofarankte  aber  die  Matrone  eines  der  Vornehmsten  in  der  Stadt,  eines 
Senators,  und,  nachdem  alle  andern  Aerzte  nichts  vermocht,  bat  ihn 
deren  Gemahl,  zu  ihr  zu  kommen.  Einen  Tag  und  eine  Nacht  brachte 
er  bittend  zu  in  j,der  Basilika  der  heiligsten  Jungfrau  Eulalia^.  Die 
Ebflung  gelang.  Die  Beglückten ,  deren  Ehe>  kinderlos  war ,  boten  ihm 
die  Hälfte  ihres  grossen  Vermögens  an,  was  er  für  die  Armen  verwendete. 
hk  sie  aber  bald  darauf  starben,  sezten  sie  ihn  zu  ihrem  Erben  ein. 
Er,  welcher  als  Fremdling  und  ohne  Habe  angekoipmen  war,  wurde 
Nui  mächtiger,  als  alle  Mächtigen,  so  sehr,  dass  alles  (bisherige?)  Ver- 
nSgen  der  Kirche  im  Vergleiche  mit  seinen  Gütern  für  nichts  er- 
lebte wurde.' 

Da  kamen  griechische  Kaufleute  aus  dem  Orient  zur  See  nach 
Spsnien,  und  auch  nach  Emerita,  wo  sie  nach  der  Sitte  sich  dem  Bischöfe 
foreteUten,  der  sie  freundlich  aufioahm').  Aus  ihrer  Herberge  sandten 
B6  Tages  darauf  ihm  ein  Geschenk  zu,  das  ein  Ejiabe,  mit  Namen  Fidelis, 
überbrachte.  Der  Bischof  forschte  nach  seiner  Heimath^  und  seinen 
Eltern.  Als  seine  Muttar  nannte  er  die  Schwester  des  Bischofs.  Alsbald 
liess  Paulus  die  Kaufleute  wieder  kommen,  und  er  sprach:  j^Lasset  mir 
diesen  Ejiaben,  und  verlanget  von  mir,  was  ihr  wollt^  Sie  weigerten 
neh;  er  aber  drohte,* wenn  sie  nicht  nachgäben,  würden  sie  nimmer 


*)  IdtU.  eknm,  ad  ann,  448, 

*)  Pcmti  Diaeoni  Emeriieruit  de  vita  Patntm  Emeritennttm ,  cap.  4. 

*)  PtmL  L  c,  cap,  5  —  ex  more  Epiicopo  praebueruni  oecurmam.  Mao  beachte,  dass 
die  Gneeben  gerade  damals,  seit  564,  einen  grossen  Tbeil  von  Spanien,  be- 
sondert die  Seestädte  and  den  Sfiden,  inne  hatten. 


422  Siebentes  Bneh.     EfLfKm  Kapitel. 

ihre  Heimatii  sehen;  ^aber  nehmet  ron  mir  reichlkdiee  Qdd  an,  imd 
gehet  sicher  im  Frieden.  Jest  erst  fragten  cde  und  erfahren  den  Gnmd 
sones  Verlangens  nach  dem  Knaben;  ^Gebet  im  Namen  Gettes,^  spracli 
der  Bisohof,  ^ohne  eine  Zögerung,  und  meldet  meiner  Schwester:  Ich 
habe  ihren  Sohn  zum  Tröste  meiner  Gefangenschaft  bei  mir  behaUeo.' 
Und  er  schickte  durch  sie  seiner  Schwester  mancherlei  Gescshenke,  den 
Kauf fiJirern  sdibst  aber  gab  er  reichliche  Hilfe ,  und  so  bereiohert  yon 
seinen  G^eschenken  kehrten  sie  in  ihre  fieimath  mit  grosser  Fieade 
«urQck. 

Alsbald  liess  Paulus  den  Jttngling  tonsuriren ')  (und  gab  ihm  viel- 
leicht bei  diesem  Anlasse  den  keineswegs  griechischen  Namen  FideliB)) 
opferte  ihn  dem  Dienste  des  allmSchtigen  Gottes ,  und  imterriefatete  ihn 
wie  einen  zweiten  Samuel  in  dem  Hause  des  Herrn  strenge ,  so  dass  9 
ihn  in  wenigen  Jahren  den  ganzen  kirchlichen  Dienst  und  die  ganae 
Bibliothek  der  heiligen  Schriften  aufs  vollkommenste  lehrte^).  Dum 
weihte  er  ihn  durch  die  einzelnen  Stufen  zu  (seinem)  Diakon,  und  - 
bald  übertraf  Fidelis  an  Heiligkeit ,  Liebe ,  Geduld  und  Demuth  im 
ganzen  Clerus.  Ja  —  er  schien  allem  Volke  wie  ein  Engel  zu  scp^ 
Er  erfreute  das  Greisenalter  seines  Oheims,  und  als  die  Jahre  sehver 
BiMhof  auf  Paulus  lasteten,  erwählte  er  den  Fidelis  sich  zum  Nachfolger.  BiU 
weihte  er  ihn  noch  zu  Lebzeiten  als  seinen  Stell verfareter,  und  seMe  ib 
Mm  Erben  aller  seiner  Güter  ein:  indem  er  testamentarisch  verfQgte^ 
dass  wenn  der  Glerus  von  Emerita  ihn  zti  seinem  Bischöfe  haben  wollte^ 
tt  dann  allen  Beslz,  den  er  ihm  (dem  Fidelis)  abgetreten,  naeh  teinea 
Tode  der  Kirche  zu  hinterlassen  hätte;  wenn  aber  nicht,  so  mögeFidelii 
frei  über  alle  Güter  verfügen.  Obgleich  Fidelis  schon  die  Bischofrweiiien 
hatte,  so  sezte  er  doch  nichts  weniger  den  Dienst  eines  Diakons  bei 
Paulus  fort,  so  dass  er  beim  Ablegen  das  Messgewand  (Camllam)  des- 
selben in  Eihpfang  ilahm  —  nach  Art  eines  Dieners.  Paulus  aber  be- 
fahl, dass  er  fürder  die  Würde  seines  bischöflichen  Amtes  strenge  wahren 
solle.  „Dieser  heiligste  Greis  aber  verliess  bald  darauf  den  Bisohofrhof, 
und  entsagte  allen  Vorrechten  seiner  Würde,  und  begab  sich  in  eine 
armselige  Zelle  bei  der  Basilika  der  heiUgen  Eulalia;  und  als  er  eine 
Zeit  lang  daselbst,  erlöst  von  den  Stürmen  der  Welt,  und  in  grosser 
Ruhe,  im  Cilicium  und  auf  Asche  liegend  für  die  (Tilgung  der)  Sünden 
der  ganzen  Welt  zu  Gott  flehte,  wanderte  er  aus  diesem  Leibe.^ 

Nach  seinem  Tode  fand,  wie  es  scheint,  keine  eigentliche  Wsbi 
statt,  sondern  Fidelis  fiihr  fort,  als  Bischof  zu  regieren.  „Aber  einige 
verpestete  Menschen^  murrten  gegen  ihn,   und  wollten  ihn  von  seiner 


')  tiaim  prae/aium  adokseentem, 

*)  ONme  oflßentm  Eedesiattiatm,  omnemque  ßihUotkecam  Seriptitnvwm  divmarum  pfr/ectis 
sime  docuerü. 


Die  KirohßDprorliiB  von  Luritanien  (Emerita).  423 

Stelle  Yerdriqgen.  Diess  erfahr  Fidelis.,  ujid  wollte  sich  mit  seinem 
ägeneo  VemSgen  sorückziehen.  Das  hätte  er  ;,nach  deoi  Rechte  der. 
Kirche'  (?)  thun  dürfen ,  den  Andern  aber  wäre  nichts  übrig  geblieben. 
Damm  aahen  die  Gegiißr  widerwillig  sich  gezwungen,  ihn  kniefällig 
in  bitten  f  sie  nicht  zu  verlassen.  Ohne  allzugrosses  Sträuben  gab  er 
hnen  Beifall,  dass  er  einerseits  die  Sorge  der  Regierung  trüge  und  für 
ipäter  sein  ganzes  Patrimonium  der  Kirche  hihterliesse.  Und  abo  ge- 
schah es;  und  seit  jener  Zeit  wurde  diese  Kirche  so  reich,  dasa  in  den 
Grrenzen  Spaniens  sich  keine  mit  ihr  messen  konnte. 

So  war  denn  alles  gut,  wenn  auch  nicht  nach  dem  strengen  „Kirchen- 
redite'i  abgelaufen.  Alle  wurden  nun  ein  Herz  und  eine  Seele  mit 
lern  Biscbo£  Nur  einen  kleinen  Theil  seiner  grossen  und  guten  Werke 
woUte  sein  Biograph  Paulus  mittheilen.  An  einem  Sonntage,  als  er  in 
dem  Bischofshof  mit  vielen  Söhnen  der  Kirche  sass ,  wie  es  Sitte  ist, 
kam  der  Archidiakon  mit  dem  ganzen  Clerus  in  Alben  von  der  Elirche, 
ond  sie  standen  vor  ihm.  Er  erhob  sich^  während  die  Diakone,  nach 
der  Sitte.  Weihrauchfässer  tragend,  ihm  vorangiengen,  und  begab  sich 
Dkit  allen*  Anwesenden  in  die.  Kirche,  zm:  Feier  der  heiligen  Messe. 
Kaom  zehn  Schritte  waren  sie  entfernt  ^  als  plözlich  das  grossartige  Ge- 
teode  des  Bischo£shofes  bis  zum  Grunde  zusammenstürzte,  aber  Niemand 
beschädigte.  Wie  gross,  fragt  j^aulus,  muss  die  .Macht  der  Fürbitte 
dieses  Mannes  bei  Gott  gewesen  seyn,  dass  er  dem  alten  Feinde  nicht 
früher  die  Gewalt  gab ,  den  Ruin  eines  solchen  Gebäudes  zu  vollbringen, 
bis  der  Bischof  alle  unversehrt  mit  sich  hinweggeführt  hatte?  j,Aber 
dass  bei  solcher  Gefahr  Niemand  umkam ,  das  dürfte  ohne  Widerspruch 
in  Folge  der  grossen  Verdienste  der  heiligsten  Jungfrau  Eülalia  gewährt 
worden  seyn  *).^  Freudig  brachte  nun  Fidelis  Gott  das  Opfer  dar,  und 
▼erlebte  jenen  Tag  yi  Freuden  mit  den  Seinigen.  Er  stellte  eine  prächtige 
neue  Bischofswohnung  her,  mit  dem  Schmucke  kostbarer  Säulen,  mar- 
iQomer  Wände  und  Fussbödeii,  und  einem  grossartigen  Giebeldache. 
Aber  auch  die  Basilika  der  heiligsten  Jungfrau  Eulalia  erweiterte  und 
erneuerte  er  und  krönte  das  Gebäude  mit  einem  hochragenden  Thurme 
wie  mit  einer  Burg. 

Zu  seinem  Ruhme  wurde  gesagt,   dass  man  ihn  ofl  im  Chor  der 
Kirche  mitten  unter  den  Schaaren   der  Heiligen  Psalmen  singend  wan- 
deln sah.     Unter  den  Kirchen  jener  Zeit  werden,  neben  der  Basilika KirebM 
der  heiligen  Eulalia,  erwähnt:  die  Kirche  des  heiligen  Faustus,  etwa  g^",« 
äne  Meile  von  der  Stadt ,  die  Kirche  der  heiligen  Lucretia  in  der  Stadt,    ^* 
dieSärche  der  heiligen  Maria,  genannt  heiliges  Jerusalem ;  diess  war  die 
bxUiia  major  oder  die  Kathedrale,  an  welche  sich  das  Atrium  der  Kirche 
oder  des  Bischo&   anschloss,   welches   auch   Episcopium,   Bischofshaus 


')  Päuha  Em.  cap.  6. 


424  Siebentes  Bueb.    Eilftes  Kapitel. 

heisst '}.  In  der  Hauptkirche  wurde  die  Matatin  um  ICttemaeht  gesungen. 
Femer  bestand  eine  Basilika  unter  dem  Namen  Johannes  des  TEufers,  nur 
durch  eine  Mauer  von  der  Kathedrale  getrennt  ^  also  das  Baptisteriam'). 

Die  Hauptkirche  der  heiligen  Eulalia  wurde  bald  nach  ihreni  Ha^ 
tyrium  erbaut  —  im  vierten  Jahrhundert ,  und  im  sechsten  von  Bischof 
FideUs  erweitert,  wo  Tag  und  Nacht  das  Lob  Gottes  erscholl').  Es  gib 
femer  eine  Kirche  des  heiligen  Cyprian  und  des  heiligen  Laurentius^)  und 
wohl  noch  eine  Kirche  zu  den  Märtyrern  überhaupt  Die  Kirche  der 
heiligen  Lucretia  war  bei  dem  Brückenthore  [welche  Flores  f  ttr  eine  Mar- 
tyrin  von  Emerita  hält  ^)].  Fünf  Meilen  von  der  Stadt  war  dne  sehr  be- 
suchte Kirche  mit  dem  Titel  Sancta  Maria ,  vom  Volke  Santa  Quintiliaaa 
genannt  Noch  wird  ein  Kloster  Cauliana,  acht  Miglien  von  der  Stadt,  ein 
Kloster  des  Abtes  Nunctus  und  andere  Klöster  genannt*).  Es  scheint,  das« 
Merida  zur  Gothenzeit  die  glanzvollste  Bischofs-  und  Ejrchenstadt  war. 

Als  Fidelis  sein  Ende  nahen  fühlte,  liess  er  sich  zu  der  Kirche  da 
heiligen  Eulalia  tragen,  und  beweinte  dort  mit  den  bittersten  Thiünen 
seine  Sünden.  Dann  theilte  er  an  yiele  Gefangene  und  Arme  reiehlicbe 
Gaben  aus;  zulezt  tilgte  er  die  Schulden  Aller  (an  ihn?),  und  gab  ihnen 
ihre  Schuldscheine  zurück.  ;,Bald  darauf  zog  der  heilige  Mann,  ihn 
voran  die  Schaaren  der  Heiligen,  und  erwartet  von  den  englischen 
Chören,  frohlockend  in  die  seligen  Wohnungen  ein.*'  Sein  Leichnam 
wurde  in  dem  gleichen  Sarkophage  mit  dem  seines  Vorg^gers  bei- 
gesezt^). 

Jezt  folgte  der  gefeiertste  aller  Bischöfe  von  Emerita,  der  Gt)the 
ma.  Mas o na,  571  —  606,  der  eine  Säule  der  Kirche  Spaniens  war,  in  den 
Tagen  des  Sturmes  unter  König  Leovigild,  in  den  Tagen  des  Friedens 
unter  Reccared.  Alle  geistigen  und  leiblichen  Vorzüge  waren  in  ilun 
vereinigt,  „dessen  Name,  leuchtend  durch  viele  Wunder,  dahin  durch 
alle  Länder  getragen  wurde.  Allen  Mangel  nahm  Gott  hinweg  zu  seiner 
Zeit,  und  alle  Armuth  war  entflohen.  Selbst  die  Gremüther  der  Juden 
und  Heiden  (1)  gewann  er  für  Christus.  —  Vor  seiner  Erhebung  diente 
er  viele  Jahre  in  der  Basilika  der  heiligen  Eulalia.  Im  Beginne  seines 
Episcopats  gründete  und  dotirte  er  reichlich  viele   Klöster  und  erbaute 


soaa. 


*)  Indor  tbfmolog.  15,  3  —  Atrium  magna  aedes  est,  not  amplior  et  epaiiosa  Domus. 

Et  dictum  eet  atrium,   eo   quod  addantur   ei  tres  porticu»  extrintteuM.  —  Paulus  £"■ 

cc^.  20. 
«)  K.-G.,   Bd.  1,   8.  141.     Florez,   t  3.   App.  2.  §.  5.   -    PtiuL  etq».  8  -  m  ^ 

baptiaterium  est. 
»)  Das  Weitere  —  s.  K.-G.  1,  8.  370. 
*)  Fhrezy  13 y  239.  —  PauL  Em.  cap,  8, 
*)  Paul.  cap.  7.  —  parta  pontis. 
•)  Florez,  13,  p.  229-^245  ,/^/«uM^ 
»)  PäuL  cap,  Ä, 


U%  KirühenproTim  toii  LasiUnies  (KmeriU).  425 

tehrere  prtditige  Kirchen.  Er  stiftete  ein  Xenodoehium  mit  reichen 
Utom,  und  «ageetellten  Dienern  und  Aersten  für  die  Fremden  und 
JruikML  Die  Aenle  mnasten  stets  durch  die  Stadt  wandern ,  und  jeden 
jnakeny  Juden  irie  Christen,  in  das  Krankenhaus  tragen.  Diese  An- 
mk  eoUle  die  HUfte  von  allen  Geschenken  an  den  Bischof  erhalten.  — 
[am  ein  BBiger  oder  Bauer  in  den  Bischofshof,  und  bat  in  einem  kleinen 
feftas  um  WeiUi  Oel  oder  Honig,  so  liess  ihm  der  Bischof  alsbald  ein 
rBescrea  sehenken.  Was  er  an  den  Armen  that ,  konnte  Niemand  er- 
MMen.  So  gross  war  damals  der  Reichthum  der  Kirche,  dass,  als  er 
m  Osterfest  cur  Kirche  gieng,  sehr  viele  Knaben  gans  in  seidenen  Ge- 
rinden  vor  ihm  wie  einem  Könige  wandelten. 

Er  selbst  war  demttthig  im  Glücke,,  als  aber  die  Zeiten  des  Un- 
Utakea  ttber  ihn  kamen,  von  unbeugsamer  Standhaftigkeit  Stets  war 
eine  Miene  gleich,  allen  begegnete  er  mit  derselben  Heiterkeit*). 

Die  N«nen  der  SuffiraganbischSfe  Emeritas  aus  der  Zeit  von  367 — 
BB  sind  fast  ohne  Ausnahme  nicht  erhalten  worden.  —  Lucencius  war 
fM  Bischof  von  Coimbra  um  561  —  672  ^j.  Him  &nd  femer  die  Grab- 
Arift  eines  Bischofii  Julian  ron  Evora,  der  im  J.  566  starb'). 

ApringiuB,  Bischof  von  Pace  (Beja)  um  681  j,beredt  und  gebildet 
1  der  Wissenschaft,  erklXrte  die  geheime  Offenbarung  des  Johannes  j»^ 
nt  feinem  Verstiindnisse  und  mit  beredter  Sprache,  besser  fest,  als  die 
Efhem  Erklärer.  Er  schrieb  auch  einiges  Andere,  was  fedoeh  nicht 
nr  Kenntniss  Isidors  gelangte  ^).''  Von  seinen  Schriften  ist  uns  nichts 
ihalten,  ausser  etwa  in  Citaten  späterer  Schriftsteller ').<^  Von  Oasfi» 
ioba  sind  uns  eben  nur  die  Bischöfe  Vincentius  —  306,  Itadus  —  386 
ind  Petrus  —  569  bekannt^).  —  Ein  Bischof  Remisol  von  Viseum 
mnmt  in  den  Jahren  561  und  572  vor^). 


')  FfoTMx,  u  13,  iSO —206  gMeuana^  and  im  Anhange  —  Pauä  Diac,  £m,  vitat 
P.  R.  Emmi,,  eap.  9-^20,  p.  357 •-  384. 

«)  Fhm,  t  /4,  71  -  73. 

•)  Fhm,  p.  114. 

*)  Indm'  de  vir,  iUuHr.  eap.  90.  —  nMH  »ensu  aique  iUuHri  termome.  _  Clandt  fm»- 
parünu  TkemÜB  prmdpiM  Ootthanam. 

*)  Schon  im  7.  Jsfarfannderle  war  das  Werk  des  Aprinsins  wenigstens  im  Norden 
▼on  Spanien  nicht  mehr  zu  finden.  Braalio  von  Saragossa  suchte  vergebens 
nach  ihm  nnd  wandte  sich  an  den  Priester  Aemilian,  dem  es  aher  nicht  ge- 
lang, das  Bach  irgendwo  aofzufinden.  —  BrauUowU  lyntt  25  et  28.  —  Ftortx- 
Biteo,  u  90,  357-359. 

*)  ManonoM  eoeUnattioiu  do  Semo  do  Äigwrve  ~  por  VieenU  Salgado  IMommae  — 
Luboa  1786,  p.  316,  eapit  12.  —  BitpoM  da  anüga  OMenoba,  —  VkuUt,  p.  169 
^176}  Itkaeh,  p.  176—199;  P^dro  (c  589),  p.  199—213. 

^FU>m,  14,  311—312. 


Zwölftes  Kapitel. 

Die  Kirclenprovinz  Turaeomiisis  von  357—589. 

Der  erste  Bischof  von  Tarrsco,  der  oach  dem  heiligen  Froctuom 

Hiaic.  erscheint,  ist  Himerius,   welcher  im  J.  386  zu  den  ältesten  BiechSfsD 

^    Spaniens  gehörte«    Es  ist  noch  nicht  erklärt ,  warum  im  ganzen  Zeitalter 

T^^^des  Hosius  kein  Bischof  yon  Tarraco  genannt  wird;  möglich  wäre  e^ 

dass  der  Bischof  von  Tarraco  im  J«  343  wegen  Alters  den  Hosius  niebi 

nach  Sardika  begleitete ,  oder  dass  die  Präponderanz  des  Hosius  alba 

drftokend  auf  der  Kirche  von  Tarraco  lastete.    Wir  glauben  zu,  bemerken, 

d|S8  man  in  Rom  au  dem  Size  von  Tarraco  eine   gewisse   HinT^pig^ng 

halte,  und  dass  man  demselben  gern  eine  hervorragende  Stelhmg  über 

sämmtUche  Kirchen  Spaniens  eingeräumt  hätte. 

An  den  Papst  Dämasus,  den  Spanier,  hatte  sich  Bischof  Himerius, 
der  während  der  Priscillianistischen  Streitigkeiten  nirgends  genannt  wird, 
in  einem  uns  nicht  erhaltenen  Schreiben  gewendet.  Der  Brief  traf  Da- 
masus nicht  mehr  am  Leben.  Sein  Nachfolger  Siricius  erliess  an  ,,£u- 
merius^  die  berühmte  erste  uns  erhaltene  päpstliche  Decretale,  welche 
aus  15  Abschnitten  besteht,  und  ihres  Umfanges  wegen  hier  nur  im 
Auszuge  mitgetheilt  wird.  Der  Eingang  lautet:  Siricius  an  den  Bischof 
Eumerius  von  Tarraco  Grussl  Den  an  Unsem  Vorgänger  heiligen  An- 
denkens Damasus  erstatteten  Bericht  deiner  Brüderlichkeit  habe  ich,  da 
ich  schon  auf  seinen  Stuhl  eingesezt  war,  weil  es  Gott  so  anordnete, 
vorgeftmden;  da  Wir  denselben  in  der  Versammlung  der  Brüder  sorg- 
fältiger lasen,  so  fanden  Wir  so  viel,  was  Tadel  und  Zurechtweisung 
verdient,  als  Wir  wünschten,  Lobenswerthes  darin  zu  finden.  Und  da 
es  nothwendig  war,  dass  Wir  in  seine  Arbeiten  und  Sorgen  eintreten. 
dem  Wir  durch  Gottes  Gnade  in  der  Würde  nachgefolgt  sind ,  so  wollen 
Wir  (nachdem  Ich,  wie  es  nöthig  war,  zuerst  die  Anzeige  m^er  Er- 
hebung gemacht  habe) ,  auf  das  Einzelne ,  was  immer  der  Herr  Uns  ein- 
geben wird ,  deiner  Anfragen  die  entsprechende  Antwort  zu  geben  nicht 


Die  KirdMDprovins  Tarraconentis  tob  357 — 589.  427 

rerweigem;  denn  im  Hinblicke  auf  Unser  Amt  haben  Wir  nicht  Frei- 
leity  zu  verhehlen  oder  eu  schweigen,  da  Uns  ein  grösserer  Eifer  für 
£e  christliche  Religion ^  als  allen  Ändern,  zukommt  Wir  tragen  die 
Lasten  aller ,  welche  beschwert  werden;  ja  vielmehr  tiügt  diese  in  Uns 
ier  selige  Apostel  Petrus,  welcher  Uns,  wie  Wir  vertrauen ,  als  Erben 
seiner  Verwaltung  beschulen  wird  und  schüzt 

Daa  erste  Kapitel,  von  welchem  die  ganze  Decretale  in  der  Samm- 
lung der  spanischen  Canones  die  Uebersdirift  trägt ,  verbietet,  dass  die 
Äiianer  von  den  Katholiken  wieder  getauft  werden.  *—  Daraus  ersehen 
wir,  dass  es  in  Spanien  um  diese  Zeit  sehr  viele  Arianer  gab.  Da  sie 
Torher  von  Arianem  getauft  wurden,  so  muss  man  annehmen,  dass  es 
in  Spanien,  wenn  nicht  Bischöfe,  wie  Potamius,  so  doch  viele  arianische 
Priester  gab,  worüber  ans  sonstige  Nachrichten  fehlen.  Einige  spanische 
fiischöfe  wollten,  dass  diese  Zurückkehrenden  wieder  getauft  werden. 
yWas  nicht  erlaubt  ist,  da  diess  sowohl  der  Apostel  verbietet,  und  die 
Ganones  es  untersagen,  und  die  allgemeinen  Decrete,  welche  von  meixxem 
VoK;g^ger  ehrwürdigen  Andenkens  Liberias  nach  ,  erfolgter  Cassirung 
der  Synode  von  Ariminum  erlassen  wurden,  es  verhindern.  Denn  die 
Katholiken  nehmen  die  Häretiker  nur  mittelst  Auflegung  der  Hände  de« 
Bischöfe  in  ihre  Gemeinschaft  auf,  was  mit  Uns  der  ganze  Orient  und 
Oecident  annimmt,  von  welchem  Pfade  auch  Ihr  hinfort  nicht  im  Ge- 
DDgsten  abweichen  dürft,  wenn  Ihr  nicht  durch  Synodalentschoidung 
fon  Unsrer  Gemeinschaft  ausgeschlossen  werden  wollt. 

Kap.  2  verbietet  die  Spendung  der  Taufe  zu  andern  Zeiten ,  als  tt 
Oitem  und  Pfingsten.  Unsre  Mitbischöfe  in  Spanien,  heisst  es,  stüzen 
rieh  bei  ihrer  gegentheiligen  Praxis  nicht  auf  irgend  eine  Auctarität| 
sondern  es  ist  blosse  Verwegenheit,  dass,  sei  es  an  Weihnachten,  sei 
es  am  Feile  der  EiBcheinung  Christi,  oder  auch  an  den  Festen  der 
Apostel  oder  Märtyrer  „unzählige  Volkshaufen,  wie  Du  versicherst,  das 
Bikrament  der  Taufe  empfangen^,  da  in  Rom  und  in  allen  Kirchen 
üess  nur  zweimal  im  Jahre  geschehe.  Vierzig  oder  mehr  Tage  vorher 
Blässe  die  Anmeldung  geschehen;  Exorcismen,  tägliche  Gebete  und 
Pasten  müssen  der  Taufe  vorhergeben.  Kindern  aber,  die  noch  nicht 
^edhen  können ,  und  denen ,  die  sich  in  einer  Noth  befinden ,  solle  die 
nn&che  Taufe  (mcH  nitda  bapUsmatis)  schleunigst  erlheilt  werden.  Wer 
Üese  allgemeine  Regel  nicht  beobachte,  wolle  von  dem  festen  aposto- 
Ischen  Felsen  getrennt  werden,  auf  welchen  CbristuI  die  ganze  Kirche 
[ebaUt  —  Aus  dem  Introitus  der  spanischen  Messfeier  an  Epiphanie  hat 
Dan  mit  Recht  geschlossen ,  dass  damals  in  Spanien  überhaupt  (wenigstens 
n  Tanae(mensis)  an  diesem  Feste  die  Taufe  gespendet  wurde  *). 


*)  NeaU,    Tttralogia   Utmrgica,   London   1S49,  />.  224,     Die   Messe   beginnt  an  Epi- 
phania  nlt  den  Worten:  Vot  qui  in  Ckriaio  kaptuaduiit:  Ckrittun  indm§tit  aikk^'ci. 


428  Siebentes  Buch.     Zwölftes  Kapitel. 

Aus  Kap.  3  erfahren  wir,  dass  in  Spanien  einige  Christen  zur 
Apostasie  übergiengen ,  und  sich  durch  den  Dienst  der  GkSzen  und  heid- 
nische Opfer  befleckt  haben.  Sie  sollen  vom  Leibe  und  Blute  Christi 
ganz  getrennt  werden ;  und ,  wollten  sie  je  sich  bekehren ,  sollen  sie  ihr 
Leben  lang  Busse  thun,  und  erst  am  £nde  die  Gnade  der  Wiederye^ 
einigung  erhalten.  Bei  diesen  Apostasieen  liegt  es  nahe,  an  Julian  den 
Apostaten  zu  denken;  femer  —  an  das  erwähnte  Grab  des  Hercules  in 
Tarragona  aus  dem  vierten  Jahrhundert  —  mit  ägyptischem  Stile,  an 
Marcus  von  Memphis  und  seine  Sekte  der  Manichäer,  welcher  zuzuMen 
—  nichts  anderes  als  eine  Apostasie  an  das  Heidenthum  war. 

Kap.  4  sagt:  Du  hast  angefragt  über  die  Verschleiening  der 
Ehe ,  ob  nemlich  das  einem  Andern  verlobte  Mädchen  ein  Anderer  zur 
Ehe  erhalten  könne :  Wir  verbieten  auf  alle  Weise ,  dass  solches  ge- 
schehe, denn  jenen  Segen,  den  der  Priester  einer  Braut  ertheilt,  iq^end- 
wie  zu  verlezen,  gilt  bei  allen  Gläubigen  wie  ein  Sacrilegium.  Danni 
erhellt,  dass  die  Verlobten  als  solche  den  priesterlichen  Segen  erhidteo, 
und  dass  die  Mädchen  von  dieser  Zeit  an  wenigstens  den  Schleier  trugen. 
Es  gab  also  in  Spanien  eine  Verschleierung  der  gottgeweihten  Jung- 
frauen und  der  Bleute. 

Kap.  5  bestimmt,  was  mit  den  rückfalligen  Büssem  geschehen  solle, 
über  welche  auch  Pacianus  klagt  Sie  sollen  allein  des  Gebetes  der 
Gläubigen  in  der  Kirche  theilhaftig  werden ,  und  den  heiligen  Myaterien, 
obwohl  unwürdig,  anwohnen;  jedoch  vom  Tische  des  Herrn  ausgeschlossen 
^Iperden,  auch  andern  zum  warnenden  Beispiel.  Sie  sollen  aber  an  ihrem 
Lebensende  als  lezte  Wegzehrung  die  heilige  Communion  empfangen. 
Diess  gelte  auch  für  die  Weiber,  welche  nach  der  Busse  gefallen 
seien. 

Kap.  6  handelt  von  den  unenthaltsamen  Mönchen  und  Nonnen 
(moncuihiie).  Einige  davon  haben  früher  insgeheim  gesündigt;  dann  aber, 
an  ihrem  Heile  verzweifelnd,  eine  Ehe  eingegangen,  welche  Staats-  und 
Kirchengeseze  verbieten.  Solche  Personen  seien  von  den  Kirchen  und 
EUöstem  zu  entfernen,  und  sollen  —  eingeschlossen  in  ihre  Zimmer  — 
(ergtuitda)  lebenslange  Busse  thun ,  und  erst  am  Ende  die  heilige  Weg- 
zehrung erhalten.  —  Ein  Beispiel  wohl  aus  der  Zeit  von  388  —  392  et- 
zählt  Hieronymus  von  Tiberian  aus  Bätika ,  der  seine  Tochter ,  eine  gott- 
geweihte Jungfrau,  verheirathet  habe.  —  (Vergl.  can.  8  von  Saragossa.) 

Kap.  7.  Siricius  und  Himerius  klagen  sehr  über  die  Disdplin  der 
Priester.  Sehr  viele  Priester  und  Leviten  haben  —  nach  langer  Amts- 
führung Ehen  eingegangen,  oder  seien  sonst  gefallen,  und  haben  sich 
auf  das  alte  Testament  berufen.  Alle  Priester  und  Leviten  seien  durch 
ein  unauflösliches  Oesez  verbunden ,  von  dem  Tage  ihrer  Ordination  an 
enthaltsam  zu  leben.  Wer  hierin  Reue  bezeuge ,  solle  seinen  Grad  bei- 
behalten, aber  nicht  übersteigen.  Die  Hartnäckigen  werden  durch  den 
Papst  ihrer  Würde  entsezt,   und  dürfen  die  heiligen  Geheimnisse  nicht 


Die  KireheaproTioi  Tarraconensis  von  357  —  589.  429 

nehr  TorwAlten«  Wenn  ^in  Bischof,  Priester  oder  Diakon  in  Zukunft 
lierin  fehlt ,  der  soll  keine  Nachsicht  finden. 

K«p.  8—9.  Männer  aus  jedem  Stande,  auch  wenn  sie  öfter  verehelicht 
nraren ,  strebten  nach  geistlichen  Würden.  Die  Metropoliten  y  die  Solches 
Eogeben,  sündigen.  Desswegen  giebt  Siricius  hierüber  für  die  ganze 
iimke  eine  Norm  (Kap.  10).  —  Wer  sich  dem  heiligen  Dienste  weiht, 
1er  moss  in  seiner  Kindheit  die  Taufe  erhalten  und  nachher  Lector  ge- 
wesen seyn«  Als  Acolyth  und  Subdiakon  —  darf  er  in  die  Ehe  treten, 
iwskk  nur  mit  einer  Jungfrau;  will  er  Diakon  werden,  so  muss  er  £nt- 
haltsanotkeit  geloben.  Nach  weitern  5  Jahren  (mit  35  J.)  mag  er  das 
Presbyterat  erhalten.  Und  wieder  nach  10  Jahren  kana  er  die  Würde 
des  Ksdiofe  erlangen.  Kap.  11.  Der  Cleriker,  der  eine  Wittwe  oder 
sweite  Gremahlin  ehlicht,  verliert  alle  Aemter,  und  wird  Laie.  Elap.  12 
sddürft  ein,  was  die  Synode  von  Nici&a  über  den  Umgang  der  Cleriker 
mit  Frauen  befiehlt  Kap.  13  wünscht,  dass  auch  Mönche  in  den  Clerus 
eiatrelen.  Sie  sollen  stufenweise  die  verschiedenen  geistlichen  Würden 
«langen.  Kap.  14.  Cleriker  sollen  nicht  öffentliche  Busse  thun^  Nie- 
msnd,  der. in  den  Reihen  der  Büsser  war,  soll  unter  den  Clerus  au%e- 
Dommen  werden.    Kap.  15  ist  allgemeinen  Inhalts. 

Der  Priester  Bassianus  hatte  das  Schreiben  des  Himerius  überbracht 
DMser  möge  die  Antwort  des  Papstes  „zur  Kenntniss  aller  unsrer  Mit- 
kischöfe  bringen^;  nicht  bloss  derer,  die  in  seiner  Diöcese  (d.  i.  Kirchen- 
provinz)  sich  befinden,  sondern  auch  an  alle  Carthaginensische,  Bätische, 
Lnsitanische  und  Gall(izi)sche  Bischöfe,  oder  an  die,  welche  auf  der 
einen  und  andern  Seite  an  seinen  Sprengel  stossen ,  mit  Begleitschreiben 
vm  ihm  (von  Himerius).  Für  ihn  werde  es  auch  nach  dem  Alter  seiner 
Bischofiswürde  (pro  anHquikUe  iocerdoHi  tut)  sehr  ruhmreich  seyn,  wenn 
er  das  iha»  Mitgetheiite  zur  Kenntniss  aller  Mitbrüder  bringe.  Das 
Schreiben  ist  erlassen  am  10.  Februar  385  ^). 

Fast  dieselben  Klagen  und  Beschwerden  finden  sich  in  dem  Briefe, 
wdchen  zwanzig  Jahre  später  Papst  Innozenz  L  an  die  Bischöfe  der 
Synode  von  Toledo  richtete.  Dort  heisst  es  u.  a. :  „Sodann  ist  auch  die 
Angelegenheit  der  Tarraconensischen  Bischöfe  zu  verhandeln ,  welche  in 
Ihnlicher  Weise  sich  beschwert  haben,  dass  Minicius  in  der  Earche  von 
(Jerunda  einen  Bischof  ordinirt  habe,  und  nach  den  Canones  von  Nicäa 
ist  über  eine  solche  Anmassung  das  Urtheil  zu  sprechen.  Die  also  .g^ 
weihten  Bischöfe  sind  nicht  anzuerkennen.^     Die   „Tarraconensischen 


0  Die  Decretale  u.  a.  bei  Voelli  und  Justelli  BibHotheea  jvrt$  cotwn,  veUris,  2  L  Pcurii, 
1661  f  I,  190.  —  Couatant,  epinohe  roman.  pont,  Parti,  1721,  p.  623,  —  Leonis  M, 
€pera  etL  Bailerwi,  t  3,  2^6-^255,  —  Mann,  t  3,  655.  —  Agmrrt,  ed.  1753, 
t  3,  p.  13-^20.  —  FerrtraB-BatmgarUn,  L  1,  547—548  —  Antzag.  —  Jqff, 
p,  20  ~-  Auszug. 


4SIA  SiebeBtes  Bveh.    ZwniftM  RftpfM. 

BischSfe^  sind  hie^  wohl  der  HetropoUt  und  seine  8iiffi*agane;'der  Name 
jenes,  aber  wird  nicht  mitgedieilt. 

In  oder  vor  dem  J.  465  richteten  „die  Tarraconensisdien  Bischöfe^ 
in  ttfanliehen  Anliegen  swei  Briefe  an  Papst  HilariuB  (461 — 468).  £b 
schriebeil  „dem  Herrn,  dem  seligsten,  und  mit  apostolischer  Ehrfbrciit 
A«M.  von  uns  in  Christas  hochachtbaren  Papste  HilarinSi  d^  Bischof  Ascanim 
4^"*  und  sttmmtliche  Bischöfe  der  Tarraoonensischen  Prorins*.  Das  Prindpit 
des  heiligen  Petras  erstrecke  sich  über  die  ganse  Welt,  sei  von  alles 
£a  JPürchten  und  zu  lieben.  In  ihrer  Mitte  sei  ein  fidseher  Bruder,  der 
Bruder  Silvanus  von  Calagurris ,  „im  entferntesten  Thefle  unsrer  Ph>Tini 
att^estellf ,  der  sich  ungehörige  Weihen  anmasse,  und  sie  Ewinge,  sich 
ui  den  Papst  zu  wenden.  Schon  vor  sieben,  acht  oder  mdbr  Jahres 
ordiüirte  er  G-eraeinden,  die  nichts  Solches  b^;ehrten,  einen  BischoC 
Später  habe  er  dnen  Piresbyter  eines  andern  Bischofs  der  Provins,  der 
sehon  sum  Bischöfe  bestimmt  war,  aus  blosser  Anmassong  geweiht; 
d.  i.  sich  das  Amt  des  M^ropoliten  angemasst  Darttb^  führte  der  Bi- 
sdiof'von  Saragossa  (in  dessen  Bisthum  jener  Priester  wahrscheinlioii 
sidh  befand)  Klage,  der  sich  bis  jest  immer  dem  sohisitiatischen  Treibcs 
des  Sylvanus  widerseet  hatte.  Der  Papst  möge  nun  entscheiden,  wu 
asü  gMshehen' habe.  Sie  würden  sidi  versanduneln,  und  nach  seinem  iiDd 
de^  Väter  AusiBprttchen  sehen ,  was  mit  dem  Ordinirten  und  Ordiniren- 
den  SU  geschehen  habe. 

Als  die 'Antwort  sich  verzögerte,  schrieben  dieselben  ^Tarracono- 
übchen  Bischöfen  wied^  an  Hilarius.  Bie  sagen:  „Welche  Sorge  er  on 
die  Bischöfe  seiner  Provinzen  trage,  haben  sie  aus  dem  mündlichen  Be> 
rieht  des  erlauchten  Herrn  Vincentius,  des  Dux  ihrer  Provinz,  erfahren: 
auf  dessen  Ermuthigung  sie  nun  zum  zweitenmale  schreiben.  In  dem 
Briefstile  von  Provinzialen  bringen  sie  dem  Papste  die  geMHwnde  Hul- 
digung. £r  möge  sie,  wie  die  Uebrigen,  in  seinen  GtebetaÜ  in  seinem 
Herzen  bewahren ,  und  genehmigen ,  was  sie  gethan.  Der  Bischof  von 
Barcelona,  der  „heilige  Nundinarius^,  war  gestorben.  Er  hintertiess 
dem  Bischöfe  Irenäas,  den  er  schon  voriier  in  seiner  Diöcese  mit  ihrer 
G^ehmigung  (zu  seinem  Coadjutor)  eingesest  hatte,  sein  ärmliches  ErbC) 
wünschte  aber,  „dass  er  durch  die  Entscheidung  „des  höchsten  Wüleos', 
d.  L  den  Papst,  an  seine-  Stelle  gesezt  werde.  Clems  und  Volk  der 
Südt  Barcino,  und  die  besten  und  meisten  Provinzialen  wünschen  den 
Irenäus  als  Bisehof.  Das  Municipium ,  worin  Irenäus  bis  jest  (ab  Bischof; 
gewirkt,  befinde  sich  im  Bisthume  Barcelona.  Sie  hätten  also  den  Ire- 
näus bestätigt,  und  bitten  um  Gutheissung  des  Papstes. 

Schon  lange  haben  sie  über  die  Anmassung  des  Bischofs  Sylvanus 
geklagt,  und  bitten  nun  um  eine  Antwort.  Besorgend,  ihr  erster  Brief 
möchte  durch  die  Saumseligkeit  des  (Brief-)  Trägers ,  oder  die  Schwierig- 
keit des  weiten  Weges  nicht  an  den  Papst  gelangt  seyn,  wiederholten 
sie  den  ersten  BriefL 


Die  Kirehenprovinz  TarraconensiB  tod  357  —  589.  431 

Die  Antwort  des  Papstes  trägt  das  Datum  des  30.  Dezember  465. 
Er  berichtet,  dass  er,  nach  dem  Einlaufen  der  obigen  zwei  Briefe  auch 
3iii  Schreiben  von  Honoratioren  und  Gutsbesizcm  aus  Turiasso,  Cas- 
^antumi  Calagurris,  Varia,  Tritium,  Li  via  und  Virovcsca,  Orten  im 
Bisthum  Calahorra,  oder  dessen  Nachbarschaft,  mit  vielen  CJnterschriften 
erhalten  habe,  worin  sie  den  Sylvanus  entschuldigten.  Doch  gieng  aus 
hrem  Schreiben  hervor,  dass  einigen  Städten  ohne  Vorwissen  des  Metro- 
[K>liten  Ascanius  Bischöfe  (Sacerdotes)  ordinirt  worden.  Was  indess  ge- 
schehen sei ,  das  will  der  Papst  im  Hinblick  auf  die  Noth  der  Zeiten  — 
oachsehen.  In  Zukunft  aber  soll  kein  Bischof  ohne  Zustimmung  des 
Ascanius  geweiht  werden,  wie  es  die  318  Väter  von  Nicäa  verordneten. 
Kein  Bischof  darf  seine  Kirche  verlassen ,  und  zu  einer  andern  über- 
gehen. Also  müsse  auch  Bischof  Irenäus  von  der  Kirche  von  Barcelona 
entfernt,  und  auf  seinen  fiühem  Plaz  zurückgeschickt  werden,  und  die 
Gemüther  des  Volks  und  Clerus  müssen  beruhigt  werden,  welche  aus 
Unkenntniss  der  kirchlichen  Geseze  veruneinigt  worden;  alsbald  müsse 
U18  dem  eignen  Clerus  für  Barcelona  ein  solcher  Bischof  gewählt  wer^ 
den,  der  würdig  sei,  „auch  den  Beifall  und  die  Weihe  durch  Ascanius 
txk  erlangen^.  Die  sonst  gegen  die  Canones  geweihten  Bischöfe  werden 
bestätigt  (obgleich  sie  verdient  hätten ,  mit  ihren  Beförderern  —  d.  i.  mit 
Sylvanus,  abgesezt  zu  werden),  wenn  keiner  von  ihnen  eine  Wittwe, 
eme  Geschiedene  oder  mehrmal  geheirathet.  Die  Spanier  mögen  sich 
an  die  Disciplin  der  ganzen  Kirche  halten.  In  einer  Kirche  sollten  nie 
zwei  Bischöfe  seyn.  Mangel  an  Bildung,  oder  des  Besizes  aller  Glieder, 
oder  vorausgegangene  Busse  schliesse  vom  heiligen  Dienste  aus.  Die 
Petitionen  des  Volks  dürfen  nie  dem  Willen  Gottes  vorangehen.  Er 
sendet  diess  Schreiben  durch  seinen  Subdiakon  Trajan.  Wenn  Irenäus 
za  seinem  Bisthume  nicht  zurückkehre,  werde  er  seine  bischöfliche 
Würde  verlieren. 

Einen  zweiten  Brief  des  Papstes  in  derselben  Sache  hat  Florez  mit- 
getheilt ,  der  sich  in  der  Concil  -  Sammlung  des  Aguirre  nicht  findet.  Er 
war  spedell  an  Ascanius  gerichtet.  Er  tadelt  ihn  wegen  seines  Nach- 
gebens in  der  fVage  des  Bisthums  Barcelona,  und  besteht  fest  auf  dem 
föcktritte  des  Irenäus.  Der  Subdiakon  Trajanus  hatte  noch  das  besondere 
Mandat,  die  Durchführung  obiger  Beschlüsse  zu  betreiben. 

In  Rom  waren  aus  Anlass  einer  festlichen  Beglückwünschung  das 
Papstes  am  19.  November  46Ö  —  an  48  Bischöfe  versammelt,  mit  welchen 
der  Papst  in  der  Basilika  der  heiligen  Maria  eine  Synode  hielt,  worin 
u.  a.  die  Briefe  aus  Spanien  verlesen,  und  die  Antwort  beschlossen 
wurde.  Hier  sagt  der  Papst  zuerst,  dass  „einige  das  Bisthum  nicht  für 
ein  göttbches  Geschenk,  sondern  für  ein  Erbgut  halten,  das  man  durch 
Testament  und  in  Form  Rechtes  übertragen  könne^;  sodann,  dass  „die 
meisten  Priester  (plerique  SacerdoUsJ  in  der  Nähe  des  Todes  andre  als 
Uire  Nachfolger  postuliren,  so  dass  die  Gunst  des  Verstorbenen  an  die 


432  Siebentes  Bach.     Zwölftes  Kapitel. 

Stelle  der  ZustiinmuDg  des  Volkes  trete.  Der  Notar  Paulus  las  die 
Briefe  aus  Spanien  vor.  —  Erst  einen  Monat  und  zwölf  Tage  später 
wurden  die  cwei  Schreiben  des  Papstes  ausgefertigt^). 

Was  nunmehr  in  Barcelona  geschah,  wird  uns  nicht  berichtet  Aber 
noch  hundert  Jahre  später  geschah  an  dem  Metropolitansize  von  Emeriti, 
was  wir  oben  über  die  Wahl  des  Bischöfe  Fidelis  erzählt  haben.  Man 
hatte  sich  in  Spanien  in  diese  Sitte  der  Vererbung  so  eingelebt,  dass  nun 
wohl  mit  einiger  Mühe  begreifen  mochte,  warum  Sylvanus  von  CSalagonis, 
der  viel  verschuldet,  nichts  zu  biissen  hatte,  dass  Irenäus,  der  nichtB 
verschuldet,  für  fremde  Sünden  büssen  sollte.  Indess  war  Irenäus  nick  ^ 
aus  einem  andern  Bisthume,  sondern  aus  einer  Pfarrei  des  Bisthumi  ^ 
Barcelona  in  diese  Stadt  selbst  gekonmien ,  und  es  war  wohl  kaum  seine 
oder  seines  Vorgängers  Meinung,  dass  nunmehr  diese  Pfarrei  als  m 
selbstständiges  von   Barcelona  getrenntes   Bisthum   fortbestehen   sollte^ 

Es  folgt  nun  der  Zeit  nach  der  Verkehr  des  Bischofs  Johannes  tob  J 
7u^  Tarraco  mit  dem  Papste  Hormisdas  (514 — 523).  —  Im  J.  616  versammelte  \ 
*^''  Johann  die  Bischöfe  seiner  Kirchenprovinz  zu  einer  Synode  in  Tarn- 
gona  um  sich.  Sie  wurde  Aera  554,  im  sechsten  Jahre  des  KöDijp 
Theodorich,  der  seit  dem  J.  511  die  Vormundschaft  über  seinen  Nefoi 
Amalrich  führte,  unter  dem  Consulate  des  Petrus,  am  6. November,  ge- 
halten. —  Die  Versammelten  berufen  sich  auf  die  alten  ^Statute'  der 
Väter.  Sie  wollen  die  alten  Einrichtungen  bewahren,  die  neuen  be- 
festigen. Sie  sind  zusanmiengekonmien  in  Tarraco,  welches  Metropole 
ist,  und  haben  sich  über  13  Titel  —  Canones  —  vereinigt: 

1)  Die  Cleriker,  welche  für  Verwandte  sorgen  dürfen,  sollen  ihnen 
das  Nöthige  reichen,  aber  ihre  Besuche  bei  ihnen  schnell  beendigen, 
und  dort  nicht  Herberge  nehmen.  Zu  diesem  Besuche  sollen  sie  einen 
bewährten  Zeugen  von  reifern  Jahren  mit  sich  nehmen.  Ein  Cleriker, 
der  dagegen  handelt,  soll  sein  Amt  verlieren,  ein  Religiöse  oder  Mönch 
in  seinem  Kloster  abgesondert  wohnen,  und  zur  Abbüssung  von  seinem 
Abte  nur  Brod  und  Wasser  erhalten. 

2}  Wie  die  Canones  bestimmen,  soll  ein  Cleriker  nicht  Handel 
treiben;  wer  es  dennoch  thut,  werde  vom  Clerus  entfernt 

3)  Wenn  ein  Cleriker  Geld  im  Nothfalle  ausleiht,  so  soll  er  den 
Werth  wieder  in  Wein  oder  Frucht  zurückerhalten ,  was  sonst  zu  seiner 


')  Vorstehende  Aktenstücke,  nemlich  die  vier  Briefe  und  die  Akten  des  Comeüim 
Ramamm  von  465  —  bei  Florez,  Tarragona,  i,  29,  apmuL  3^7,  p.  192—203.- 
AgmrM,  «.  3,  p,  113-120,  -  ÄirdiitVi,  L  2,  p.  787.  —  Ifoiut,  t  7,  p.  925  i*. 
-^  p.  938  tq,  —  Sirmond.,  CancO.  GalUae,  t  /,  p.  132  »q.  —  Ftrrtm,  t  % 
p.  100,  —  Ji^^f,  p.  49.  —  BtfiU,  2,  57/  — 72  —  diese  drei  im  Aassn««  - 
tipamm. 

*)  GroAm  e.  3.  Cmua  XIV.  q.  4. 


Die  KirchenpTovJDz  Tarraconensis  von  357  —  589.  433 

lüt  in  dea  Handel  gekommen  wäre:  wenn  aber  (der  Schuldner)  die 
lothwendige  Gattung  nicht  hat,  soll  er  sein  Darlehen  ohne  Zinsen  zu- 
iickerhalten. 

4)  Kein  Bischof,  Priester  oder  Cleriker  soll  an  einem  Sonntage  über 
ine  ihm  vorgelegte  Streitsache  richten,  da  sie  nur  Gott  diesen  Tag 
fidmen  sollen;  wohl  aber  an  den  andern  Tagen ^  nur  nicht  in  Criminal- 
HUen. 

5)  Wenn  ein  Bischof  in  der  Metropole  nicht  geweiht  worden,  hat 
iber  durch  Schreiben  des  Metropoliten  das  Bisthum  erhalten,  so  muss 
r  sich  innerhalb  zweier  Monate  bei  ihm  einfinden,  und  seine  Belehrungen 
smp&ngen;  versäumt  er  diess,  so  werde  er  in  der  S3mode  zurecht- 
^wiesen;  ist  er  kränklich,  so  hat  er  sich  schriftlich  zii  entschuldigen. 

6)  Der  Bischof,  welcher  ohne  Grund  von  der  Synode  sich  ferne 
bält,  solle  bis  zu  der  nächsten  Synode  von  der  Communio  charitatii  mit 
illen  Bischöfen  ausgeschlossen  seyn. 

7)  In  den  Kirchen  der  Diöcese  (Pfarrkirchen)  sollen  die  dort  ange- 
itellten  Priester  und  Diakone  mit  dem  Clerus  die  Wochen  einhalten, 
Demiich  die  erste  Woche  der  Priester,  die  zweite  der  Diakon.  Am 
Samstag  aber  soll  der  ganze  Clerus  zur  Vesper  erscheinen,  damit  um 
80  sicherer  am  Sonntag  der  Gottesdienst  in  Gegenwart  aller  gehalten 
werde.  Doch  soll  an  jedem  Tage  Vesper  und  Matutin  gehalten  werden, 
denn  wir  haben  erfahren,  dass  bei  dem  Wegbleiben  des  Clerus,  was 
das  schlimmste  ist,  in  den  Kirchen  nicht  einmal  die  Lichter  besorgt 
werden.    Die  Säumigen  sollen  der  Strafe  nach  den  Canpnes  verfallen. 

8)  Da  einzelne  Diöcesankirchen  ganz  verlassen  sind,  so  sollen  nach 
«Iter  Vorschrift  die  Bisthtimer  jährlich  von  den  Bischöfen  visitirt  werden, 
damit  sie.  wo  sie  verlassene  Kirchen  finden,  ihnen  durch  Ordinationen 
sa  Hilfe  konunen.  Denn  nach  altem  Herkommen  bezieht  der  Bischo/ 
den  dritten  Theil  aller  Einkünfte. 

9)  Wenn  ein  Lector  einer  Ehebrecherin  sich  beigesellen  oder  sie 
heirathen  will,  —  so  verlasse  er  sie,  oder  werde  vom  Clerus  ausge- 
schlossen; dasselbe  gelte  von  dem  Stande  der  Ostiarier. 

lOj  Kein  Bischof  oder  Cleriker  solle,  wie  weltliche  Richter,  —  für 
geschehene  Vertretung  Geschenke  nehmen,  wenn  es  nicht  Opfer  in  der 
Kirche  sind,  die  aus  Andacht  gegeben  werden;  die  anders  Handelnden 
sind  als  Zinswucherer  nach  den  Statuten  der  Väter  abzusezen. 

11)  Mönche  sollen  nicht  ihre  Klöster  verlassen,  und  einen  kirchlichen 
Dienst  sich  aneignen ,  ausser  auf  Befehl  des  Äbtes ;  keiner  soll  ein  welt- 
liches Geschäft  übernehmen ,  ausser  im  Dienste  des  Klosters  und  im  Auf- 
trage des  Abtes,  wobei  vor  allem  die  Canones  der  Gallier  maassgebend  sind. 

12)  Stirbt  ein  Bischof  ohne  Testament,  so  sollen  nach  seiner  Bei- 
sezung  Priester  und  Diakonen  ein  Inventar  vom  kleinsten  bis  zum  grössten 
au&ebmen;  wer  überwiesen  wird,  etwas  mit  sich  genommen  zu  haben, 
soll  wie  ein  Dieb  behandelt  werden,  und  alles  restituiren. 

Gami,  ipan.  Kirche.    II.  28 


434  Siebentes  Buch.     Zwölftes  Kapitel. 

18)  Die  Bischöfe  sind  durch  den  Metropoliten  anzuweisen,  dass  sie 
zu  der  Synode  nicht  bloss  Priester  von  den  Kathedral-,  sondern  auch 
von  den  Diöcesankirchen,  und  auch  einige  gottesfiirchtige  Laien  mit 
sich  bringen. 

Die  Unterschriften  lauten: 

Johannes  im  Namen  Christi  Bischof  der  Stadt  Tarraco  habe  diese 
von  Uns  niedergeschriebenen  Constitutionen  unterzeichnet  —  Paulus 
iü  Christi  Namen  der  Stadt  Emporias  unterschreibe.  —  Hectorin 
Christi  Namen  Mettopolitan- Bischof  von  Carthagena  unterschreibe.  —  Es 
folgen  Frontinian  von  Gerunda,  Agricius  von  Barcino,  Orou- 
tius  von  Elvira  (vielmehr  von  Lerida),  Vincentius  von  Saragossa, 
Ursus  von  Dertosa,  Cynidius  von  Auusona  (Vieh).  Nibridius 
schreibt:  Ich  in  Christi  Namen  der  niedrigste  der  Bischöfe ,  Diener  an 
der  Kirche  von  Egara,  unterschreibe  die  Constitution  der  heiligen  Ca- 
nones.  Es  waren  acht  Sufiraganbischöfe  anwesend,  sämmtliche  Nach- 
barbischöfe von  Tarraco,  etwa  mit  Ausnahme  von  Saragossa.  Es  fehlten 
die  Bischöfe  von  Cälagurris  und  Turiasso ;  ob  auch  die  Bischöfe  von  Urgel, 
Pampelona  und  Osca ,  lässt  sich  nicht  sagen ,  weil  diese  Bisthümer  bisher 
nicht  in  der  Geschichte  erscheinen.  Im  Ganzen  sieht  man ,  dass  die  Ab- 
wesenden wohl  durch  die  weite  Entfernung  sich  entschuldigten^).  — 
(Von  Bischof  Hector  m  Kap.  13,  S.  444  —  445.) 

Schön  im  nächsten  Jahre  —  fand  wieder  eine  Synode  statt,  am 
8.  Juni  517,  unter  dem  Consulate  des  Agapet,  zu  Gerunda,  gleichsam 
zur  Bequemlichkeit  der  nördlichen  Bischöfe  der  Provinz.  Denn  nach 
der  Reihe  der  Unterschriften  war  Paulus  von  Emporias  der  älteste  Bi- 
schof. Die  Bischöfe  unterschreiben  diessmal  nur  ihre  Namen:  1)  Joannes 
Bischof  (von  Tarraco);  2)  Frontinian  (von  Gerunda,  hier  vielleicht 
als  der  zweite,  weil  die  Andere  seine  Gäste  waren);  3)  Paul  (von 
Emporias);  4)  Agripius,  vielmehr  Agricius  (von  Barcino);  5)  Cyni- 
dius (von  Vieh);  6)  Nibridius  (von  Egara);  7)  Orontius  (von 
Ilerda).  Vom  vorigen  Jahre  fehlten  Vincenz  von  Saragossa  und  Ursus 
von  Dertosa,  beide  relativ  entfernter  von  Gerunda,  als  die  sieben  An- 
wesenden. Von  den  etwa  noch  übrigen  Bischöfen  hatte  sich  keiner 
durch  die  Androhung  der  Excommunication  im  Canon  6  vom  J.  516  — 
herbeiziehen  lassen. 

Canon  1  enthält  die  sehr  wichtige  Vorschrift:  In  Betreff  der  Ein- 
richtung der  Messe ,  —  dass ,  wie  es  in  der  Metropolitankirche  geschieht, 
so  soll  im  Namen  Gottes  in  der  ganzen  Tarraconensischen  Provinz  so- 
wohl die  Ordnung  der  Messe  selbst,  als  die  Weise  des  Gesanges  und 
Dienstes  gehalten  werden. 


')Die  Aktenstücke  bei  Aguirre,  3,  123^-129.  —  Florez,  t.  25,  p.  58-^71; 
ap.  p,  204  —  211.  —  Hardumy  t,  2,  p.  1039  »q,  -  Mann,  8,  539  »g.  —  Tejada 
y  Ramiro,  2,  110—116,  —   ü.  HefeU,  2,  655  —  58, 


Die  Kirchenprovinz  Tarraconensis  von  357  —  589.  435 

2)  In  der  auf  Pfingsten  folgenden  Woche  sollen  vom  Donnerstag 
18  Samstag  die  Litaneien  (Rogationen)  mit  Fasten  gehalten  werden  *). 

3)  Die  zweiten  Litaneien  fangen  am  t.  November  an,  fällt  auf  die 
rei  Tage  ein  Sonntag,  so  sollen  sie  in  der  nächsten  Woche  am  Don- 
srstag  wieder  mit  Fasten  beginnen,  und  am  Samstag  nach  der  Vesper- 
esse zu  Ende  gehen.  An  d^sen  wird  Fleisch  und  Wein  nicht  ge- 
)8sen*). 

4)  W-eil,  je  grösser  die  Feierlichkeit  an  Ostern  oder  Weihnachten 
\,  um  so  weniger  Catechumenen  zur  Taufe  sich  einfinden,  so  dürfen 
LT  Schwächliche  an  den  übrigen  Festen  getauft  werden,  denen  die 
rafe  überhaupt  zu  keiner  Zeit  zu  yerweigem  ist.    (Corpus  jur.  canon, 

15  —  de  eonseerat.  DiH.  IV.) 

5)  Neugeborne,  die  nach  der  Milch  nicht  verlangen,  sollen,  wenn 
I  gewünscht  wird,  am  Tage  der  Geburt  getauft  werden. 

6)  Sind  Verheirathete  ordinirt  worden,  so  gilt  für  sie  das  Geses 
)m  Bischof  bis  zum  Subdiakon ,  dass  sie  ohne  Begleitung  eines,  andern 
raders  Dienste  nicht  in  Anspruch  nehmen:  bei  ihrer  Schwester,  was 
m  ihre  Gemahlin  geworden,  sollen  sie  nicht  wohnen;  wenn  sie  es 
>er  doch  wollen,  so  sollen  sie  einen  andern  Bruder  als  Gehilfen  und 
eugen  um  sich  haben. 

7)  Die,  welche  unverheirathet  geweiht  werden^  und  ein  Hauswesen 
iben,  sollen  einen  Bruder  als  Zeugen  des  Wandels  haben,  und  ihr 
aoswesen  nicht  durch  eine  Frauensperson  führen  lassen ,  sondern  durch 
nen  Bedienten  oder  Freund.  Hat  er  aber  eine  Mutter  oder  Schwester 
.  seinem  Hause,  so  darf  er  nach  frühem  Canones  durch  diese  seinen 
anshalt  besorgen. 

8)  Ein  Laie,  der  wieder  heirathet,  werde  vom  Clerus  ausge- 
gossen ^). 

9)  Hat  ein  Kranker  —  nach  der  Benedictio  poenitentiae  die  Weg- 
ihrung  erhalten,  und  —  wiedergenesen  —  nicht  in  der  Kirche  Busse 
lan  müssen,  so  kann  er,  wenn  gegen  ihn  nichts  vorliegt,  —  in  den 
leros  eintreten. 

10)  Wer  in  Lebensgefahr  die  Busse  empfängt,  und  keine  offenbaren 
erbrechen,  sondern  nur,  dass  er  ein  Sünder  sei,  bekennt,  der  kann 
ich  der  Genesung  und  bei  Wohlverhalten  in  die  kirchlichen  Grade 
ntreten;  die  aber  bei  der  Busse  einer  Todsünde  sich  öffentlich  anklagen, 
dien  in  Folge  ihres  Bekenntnisses  kirchliche  Ehrenstufen  nicht  er- 
iogen. 


')  €/:  /  ÄureHm,  v.  511  —  c.  27  —  28.  —    HeftU,  2,  p,  646, 

*)  HBfik,  2,  614;  637  über  die  Vespermessen  nnd  die  CiUte  das. 

>)  c.  S.  Bist.  XXXIV. 

28 


436  Siebentes  Bach.     Zwölftes  Kapitel. 

11)  Täglich  soll  nach  der  Matutin  und  Vesper  das  Gebet  des  Herrn 
vom  Priester  verrichtet  werden*). 

In  die  Zeit  zwischen  obigen  beiden  Synoden  Täilt  wohl  das  (ver- 
lorene) Schreiben  des  Johannes  von  Tarraco  an  Papst  Hormisdas.  Dieser 
antwortet  am  2.  April  517  (im  Consulate  des  Ägapitj  „dem  geliebtesten 
Bruder  Johannes^;  er  habe  dem  Papste  seine  Ankunft  in  Italien  ange- 
kündigt,  und  die  besten  Gesinnungen  kundgegeben.  Der  Papst  bedauert, 
dass  er  nicht  habe  kommen  können.  Johannes  wünschte,  dass  der  Papst 
an  die  Kirchen  Spaniens  allgemeine  Decretc  richte,  um  bestehenden 
Missständen  dadurch  abzuhelfen,  worauf  der  Papst  gern  eingieng.  Er 
richtete  durch  Casianus ,  den  Diakon  des  Johannes ,  diese  Schreiben  an 
die  Bischöfe.  Weil  aber  durch  die  Einladung  des  Johannes  sich  ihm 
dieser  Weg  der  Mittheilung  dargeboten  habe ,  so  belohnt  der  Papst  seine 
Sorgfalt,  indem  er  ihn,  mit  Wahrung  der  Vorrechte  der  Metropoliten, 
zu.  seinem  Vicarius  in  Spanien  bestellt ,  dass  er  über  die  Einhaltung  der 
Canones  und  päpstlichen  Decrete  wache,  und  in  wichtigen  Anliegen  an 
den  Papst  berichte^). 

Es  ist  einleuchtend ,  dass  man  diese  Erhöhung  —  in  Sevilla  als  Ein- 
griff in  verjährte  Rechte,  in  das  durch  Papst  Simplicius  dem  Bischof 
Zeno  übertragene  Vicariat  betrachtete,  und  dass  desswegen  sich  SaDu- 
stius  und  seine  Suffi^agane  nach  Rom  wendeten  (davon  in  Buch  8  —  bei 
Leander  von  Hispalis  und  S.  418). 

Die  erste  Encydica  des  Papstes  „an  sämmtliche  Brüder  die  Bischöfe 
in  beiden  Spanien  (einerseits  Bätika  und  Lusitanien,  anderseits  die  drei 
nördlichen  Provinzen),  erwähnt  zuerst  des  allgemeinen  Friedens  der 
römischen  Reptiblik,  d.  i.  der  Herrschaft  des  Ostgothen  Theodorich,  der 
bis  zu  seinem  Tode  auch  über  Spanien  regierte,  so  dass  er  nun  leichter 
an  sie  schreiben  könne.  Weil  der  Bischof  Johannes  ihm  mitgetheilt 
habe ,  dass  bei  ihnen  Einiges  gegen  die  Kirch engeseze  geschehe ,  so  lege 
er  ihnen  nun  allgemeine  Vorschriften  vor.  1)  Bei  der  Wahl  der  Bischöfe 
werde  das  eingehalten ,  was  so  oft  schon  vorgeschrieben  wurde.  Es  soUe 
eine  lange  Prüfting  vorausgehen ,  und  nur  stufenweise  die  hohem  Aemter 
ertheilt  werden ;  Laien  seien  nicht  ohne  Weiteres  zu  weihen ,  am  wenig- 
sten Pönitenten.  —  An  die  Stelle  der  Geburt  aus  dem  Stamme  Levis 
bei  den  Juden  sei  heute  die  Erziehung  und  Heranbildung  getreten  ^j. 


')  c.  14  —  de  corueerat,  DiaL  V,  —  Äguirre,  3,  129 — 134.  —  Fhrex  -  Merino, 
L  43,  p.  220  —  229,  —  Harduin,  2,  p.  1043  sq.  —  Mansi,  8,  549  »q.  -  T^äAi 
y  Ramiro,  2,  117  —  122.  -  Ä  Ceiüier,  t.  10,  749-750  (Ausgabe  von  1861). 
—  Be/eU,  2,  658  -  659. 
*)  Weil  hier  die  CoUectio  canonum  Hispana  den  Johannes  Bischof  yon  Ilici  (Elcbe) 
nennt,  so  glaubt  aach  C^jetan  Cenni  also  lesen  zu  müssen  (Cenni,  l,  p.  209  ><}•)• 
Ganz  mit  Unrecht.  Die  Lesart  ist  gefälscht,  wie  wir  unten  xeigen  werden. 
')  qvod  iUis  fiut  nasci ,  nobis  imbui. 


Die  Kirchenprovinz  Tarracononsis  von  357  —  589.  437 

2)  Die  Bi0chof8würde  dürfe  nicht  durch  Simonie  erworben  werden. 
Es  finde  freie  Wahl  statt,  und  die  Stimme  des  Volks  sei  Gottes  Stimme. 
Dort  ist  Gott,  wo  einfacher  Consensus  stattfindet  Auch  theile  der  Con- 
secrator  die  Schuld,  wenn  er  wisse,  dass  die  Wahl  unstatthaft;  gewesen. 
Die  Metropoliten  sollen  ihre  Privilegien  von  Alters  her  behalten.  Sie 
sollen  anch  in  den  Pfarreien  auf  die  rechte  Wahlordnung  gewissenhaft 
halten,  sowie  es  vorgeschrieben  sei. 

3)  Nach  alter  Vorschrift  sollten  jedes  Jahr  2  Synoden  stattfinden; 
and  diess  solle,  wo  möglich,  geschehen;  wenigstens  unweigerlich  einmal 
im  Jahre.  Diese  schön  und  geistreich  geschriebene  Encyclica  trägt  gleich- 
falls das  Datum  des  2.  April  517  (fälschlich  heisst  es  Aera  D  L  VI 
statt  V). 

Eine  zweite  Encyclica,  veranlasst  durch  Anfrage  des  Bischöfe  Jo- 
hannes, belehrt  „alle  Bischöfe  in  Spanien,  wie  es  wegen  des  annoch 
bestehenden  (ersten  oder  kleinern)  Schisma  mit  den  Griechen  zu  halten 
sei''.  Nach  reichlichen ,  dem  Johannes  ertheilten  Lobsprüchen  übersendet 
er  ihnen  die  Akten  der  Verhandlungen ,  zum  Zeugnisse  seines  und  seiner 
Vor^lnger  Ver&hrens,  und  —  wie  viel  er  schon  gethan,  den  Frieden 
herzustellen  —  bis  jezt  ohne  Frucht  Er  übersende  eine  Formel  (libeütu), 
nach  welcher  die  sich  anmeldenden  Griechen  aufzunehmen  seien,  und 
nach  welcher  schon  viele  Griechen  aus  Thracien,  Scythien,  Ulyricum, 
dem  alten  Epinis,  selbst  aus  Syrien  sich  in  die  römische  Gemeinschaft 
haben  aufnehmen  lassen.  Damach  möge  man  nun  sich  in  Spanien  strenge 
halten.  Dieses  erste  Schisma  wurde  schon  519  wieder  ausgeglichen. 
Der  Notar  Bonifadus  sandte  eine  —  uns  erhaltene  Abschrift  dieser  Formel 
nach  Spanien,  in  welcher  Acacius  nebst  frühem  Häretikern  ausgeschlossen 
wird.  Der  Unterschreibende  verspricht,  dass  er  die  Namen  der  Ausge* 
sdilossenen  nicht  bei  der  heiligen  Feier  recitiren  wolle. 

Wir  werden  uns  in  der  Annahme  nicht  irren,  dass  die  am  8.  Juni 
517  zu  Lerida  gehaltene  Synode  durch  die  Encyclica  des  Papstes  vom 
2.  April  hervorgerufen  wurde.  Da  aber  die  Betheiligung  eine  geringere 
war,  als  im  J.  516,  vielleicht  auch,  weil  inzwischen  der  Tod  des  Bi- 
schöfe Johannes,  den  vrir  den  ausgezeichnetsten  Bischöfen  der  Kirche 
beizählen  dürfen,  erfolgte,  so  scheinen  vorerst  weitere  Synoden  unter- 
blieben zu  seyn.  Später  wurden  zwei  Synoden  unter  dem  Vorsize  des 
$ergius,  vielleicht  Nachfolgers  des  Johannes  von  Tarraco,  zu  Barcino 
md  zu  Ilerda  gehalten.  —  Die  erstere  Synode  fand  um  das  J.  540  statt 
Jie  steht  aber  nicht  in  der  altspanischen  ColleeHo  eanonum.  —  Der  Ein- 
pmg  lautet:  Da  im  Namen  Gottes  zu  Barcino  die  heiligen  Bischöfe  zu- 
aomientraten ^  nemlich  Sergius  der  Metropolit,  Nebridius  von  Barcino, 
üasotius  von  Emporias,  Andreas  von  Ilerda,  Stafilius  von  Gerunda, 
Johannes  von  Saragossa,  Asellus  von  Dertosa  etc.  (im  Ganzen  7).  Die  Be- 
schlüsse sind:  1)  Der  50.  Psalm  solle  vor  dem  Canticum  gesagt  werden. 
2)  In  der  Matutin  solle,   wie  in  der  Vesper,   der  Segen  den  Gläubigen 


438  Siebentes  Buch.    Zwölfte«  KapiteL 

gegeben  werden.  3)  Kein  Cleriker  30II  das  Haar  pflcfgen,  oder  den 
Bart  raairen.  4)  Der  Diakon  90II  sich  nicht  auf  dem  BiB  des  Priesten 
niederlassen  (oder  in  seiner  G^enwart  nicht  aizen).  5)  In  Gegenwart 
des  Bischöfe  sollen  die  Priester  die  Orationen  der  Ordnung  nach  ver- 
richten ^).  6)  Die  männlichen  Büsser  sollen  geschoren ,  und  in  religiösem 
Habit,  mit  Fasten  und  Flehen  ibr  Leben  hinbringen^).  7)  Die  Büsser 
sollen  Gastmalen  nicht  beiwohnen ,  sich  nicht  mit  Geschäften  abgeben, 
sondern  nur  in  ihren  Häusern  ein  frugales  Leben  führen.  8)  Wenn  die, 
welche  in  einer  Krankheit  die  Busse  begehren,  und  sie  von  Bisdiiöfen 
eriialten ,  später  genesen ,  so  sollen  sie  als  Büsser  leben,  mit  Ausnahme 
der  Handauflegnngjt,  .von  der  Communion  getrennt,  bis  der  Bischof  ihr 
Leben  löblich  findet  9)  Die  Kranken  sollen  den  beglückenden  Segen 
(Viaüeum)  empfiuagen.  10)  Für  die  Mönche  gelte,  was  die  Sjnode 
von  Chalcedon  verordnet^). 

Am  8.  August  des  J.  646  (n.  a.  524,  s.  Kap.  13)i  &nd  eine  Synode  in 
Uerda  statt,,  welche  16  Canones  feststellte.  Unter  dem  V  orsiase  des  Sergios 
waren  zugegen  1)  Justus  (von  Urgel);  2)  Cason(tjius  (von  Emporisaj; 
3)  Johannes  (von  Saragossa);  4)  Paternus  von  Barcelona;  ö)  Maureliiu 
von  Dertosa;  6)  Taurus  von  Egara  (Tarrasa);  7)  Februariua  von  Le- 
rida;  8)  der  Priester  Gratus,  für  Stafilius  von  Gerunda.  Also  wieder 
Niemand  von  Calagurris  und  Umgegend.  —  Ihre  Decrete  sind:  1)  Im 
Falle  der  Belagerung  einer  Stadt*)  dürfen  die  Priestei^kein  Blut,  aach 
nicht  der.  Feinde  vergiessen.  Sonst  sind  sie  £wei  Jahre  lang  von  Amt 
und  Communion  auagesohlossen.  Bei  aufrichtiger  Busse  können  sie  wie- 
der eingesezt  werden ,  aber  nicht  vorrücken.  Sind  sie  lässige  so  kann 
der  Bischof  ihre  Busse  verlängern  ^).  2)  Wer  die  im  Ehebruche  erzeug- 
ten Kinder  zu^tödten  sucht,  soll,  ohne  Unterschied  des  Geschlechtes, 
sieben  Jahre  Busse  thun ,  doch  lebenslang  dem  Weinen  und  der  Demutb 
obliegen;  nie  mehr  soll  er  am  Altare  dienen ,  jedoch  im  Chore  Psalmen 
singen,  nach  der  Zeit  der  Busse.  Giftmischer  sollen,  wenn  sie  ihr  Leben 
lang  Busse  thun,  am  Ende  die  Conmiunion  erhalten.  3)  Den  Mönchen 
sollen  die  Statuten  der  Synode  von  Agde  (c  27)  oder  Orleans  I  (c  lü 
— 23)  gelten;  doch  kann  der  Bischof  zum  Nuzen  der  Kirche  mit  Ein- 
stimmung des  Abtes  Mönche  zu  Priestern  weihen.  Was  den  Klöstern 
geschenkt  ist,  kommt  dem  Bischöfe  nicht  zu.    Wenn  ein  Laie  wünscht, 


')  üeber  CoUecta  —  v.  du  Canj^e:  CoUtcta. 

*)  C.  AgaA,  v.  506,  c.  15.  —  c.  6^.    DisL  ^. 

»)  Ägmrrt,  3, 165^168.  —  Fhrtx,  29,  122-  124}  280^  JSI.       Uarduin,  2,  1434. 

—  Sirmond,  1 ,  247  sg,  —  Mann,  9,  p.  HO  »q,  —   Be/ele,  2,  756-757, 
«)  FbrtZ'Ctmal,   L  46,   p,  99,  —    Ferreras,   2,   228,     cf.  Hardum,  2,  1064  tq.  - 

Mann,  t8,  612  $q,--   Aguirre,  3,  168-173,   -    Tejaday  iUMmiro,  2,  138-^146. 

^  mfüi,  2,  684-^688, 


Die  KirchenproviDB  Tarraconensis  voo  357  —  589.  439 

daas  eine  von  ihm  gebaute  Kirche  conaecrirt  werde,  so  soll  er  sie  nicht 
unter  dem  Vorwandc  einer  Klosterkirche,  wo  noch  keine  Gemeinschaft 
oder  eine  R^el  vom  Bischöfe  aufgestellt  ist,  von  der  Diöcesan- Gerichts- 
barkeit trennen*).  4)  Wer  das  Verbrechen  des  Incestes  begeht,  soll, 
80  lange  er  darin  verharrt ,  nur  zur  Messe  der  Catechumenen  zugelassen 
werden;  mit  ihnen  soll  kein  Gläubiger  Speise  nehmen  [1  Cor.  5,  9 
and  11]^).  5)  Wenn  die,  welche  am  Altare  dienen,  plözlich  in  eine 
Fleiachessünde  gefallen,  aber  mit  Gottes  Hilfe  würdige  Busse  gethan, 
80  sei  es  in  der  Gewalt  des  Bischofs,  nach  dem  Maasse  der  Keue  die 
Zeit  der  Busse  zu  verkürzen,  oder  zu  verlängern;  nach  derselben  sollen 
sie  ihren  firObem  Plaz,  nie  aber  einen  höhern  erlangen;  fallen  sie  zum 
zweiten  Male,  so  verlieren  sie  ihre  Würde,  und  erhalten  die  Communion 
erst  vor  ihrem  Ende^j.  6)  Wer  einer  Wittwe,  die  Enthaltsamkeit  ge- 
lobt, oder  einer  gottgeweihten  Jungfrau  Gewalt  anthut,  und  von  ihr 
sich  nicht  trennen  will,  werde  zugleich  von  der  Communion  und  allem 
Verkehr  mit  den  Christen  getrennt;  kehrt  aber  jene  zum  strengen  Leihen 
zurück,  so  gelte  das  Urtheil  nur  jenem,   bis  er  ö£Pentlich  Busse  gethan. 

7)  Wer  einen  Schwur  gethan,  dass  er  mit  seinem  Gegner  sich  nie  ver- 
söhnen werde,  soll  ein  Jahr  ausgeschlossen  sein  (ö,  11,  C.  XXIL  q.  4J, 

8)  Kein  Cleriker  wage  es,  seinen  Knecht  oder  Schüler,  der  in  die  Kirche 
geflohen  ist,  von  da  herauszuziehen  oder  zu  geissein;  sonst  werde  er 
bis  zur  Genugthuung  ausgeschlossen  (c,  19.  Cama  XVII.  q.  4).  9)  Auf 
die,  welche  die  sündhafte  Wiedertaufe  erhalten,  ohne  dass  sie  einem 
Zwang  oder  einer  Tortur  zum  Opfer  gefallen,  soll  die  Bestimmung 
der  Synode  von  Nicäa  (c.  11)  angewendet  werden,  dass  sie  sieben  Jahre 
anter  den  Catechumenen ,  zwei  unter  den  Katholiken  bitten ,  dann  durch 
Nachsicht  des  Bischofs  zur  vollen  Gemeinschaft  gelangen,  lü)  Wer  auf 
Geheiss  des  Bischofs  die  Kirche  zu  verlassen  sich  weigert,  der  soll  wegen 
seines  Starrsinns  erst  nach  längerer  Zeit  die  Communion  erhalten  (c.  39. 
C.  XI.  q.  3).  11)  Haben  Cleriker  sich  gegenseitig  angefallen,  so  sollen 
sie  wegen  der  Herabwürdigung  ihres  Amtes  strenger  vom  Bischöfe  ge- 
straft werden.  12)  Bischöfen,  die  bis  jezt  Unwürdige  ordinirt  haben, 
möge  Gott  und  die  lürche  verzeihen;  geschieht  es  wieder,  so  trifft  sie 
das  Decret  der  Canones,  wornach  sie  das  Becht,  zu  weihen,  verlieren, 
and  die  von  ihnen  etwa  in  Zukunft  Geweihten  abgesezt,  die  bisher  Ge- 
weihten aber  nie  befördert  werden  sollen.  —  13)  Das  Opfer  des  Katho- 
liken, der  seine  Kinder  in  der  Häresie  taufen  liess,  soll  in  der  Kirche 
durchaus  nicht  angenommen  werden.  14)  Mit  Wiedergetauften  sollen 
die  Gläubigen  nicht  einmal  zusammen  essen.  15)  Der  Verkehr  mit 
fremde^  Frauen  ist  den  Clerikem  zwar  schon  längst  verboten ;  doch  soll 


')  c.  34.  Causa  XVI.  q.   1    —   Causa  X.  q.  1. 

»)  c.  9.    Causa  XXXV.  q.  2  and  3. 

»)  c.  52.  LHsU  L.  u.  c.  2,     Causa  XV.  q.  8, 


440  Siebentes  Btteli.    KwOlfte«  Kapitel. 

wer  naoh  swai  Yorwai^nangea  sich  hierin  nicht  bessert ,  seines  Amts  en(- 
sest|  im  Falle  der  Besserung  aber  wieder  eingesezt  werden.  16)  Bdm 
Tode  eines  Bischofs  geschieht  es  leider,  dass  Jeder  in  das  Hans  einfällt, 
and  nach  Ghitdttnken  an  sich  reisst,  was  sich  vorfindet  Nun  soll  aber 
der  Bischof  (ioeerdm)^  welcher  die  Exeqoien  hält,  alles ,  was  der  £^ 
haltnng  werth  ist,  fest  verwahren.  Für  die  Zukunft  soll  kein  deriker, 
wenn  ein  Bischof  gestorben  ist,  oder  noch  in  den  Zügen  liegt,  etwis 
von  Mobilien  oder  Immobilien  aus  dem  Hause  nehmen  (denn  es  ist  m 
tctUtkuÜea)  oder  verbergen ,  sondern  der  Verwalter  des  Hauses  soll  unter 
dem  Beirathe  des  Clerus  ein  oder  zwei  ganz  treue  Mknner  beinehen, 
und  alles  bis  zur  Zeit  der  Wahl  des  neuen  Bischob  in  Stand  erhalten, 
und  den  im  Ekuse  befindlichen  Clerikem  die  gewöhnliche  Nahrung 
reichen.  Der  neue  Bischof  soll,  sei  es  nach  dem  lezten  Willen  des  Ver 
storbenen,  oder  wie  Gott  es  ihm  eingiebt,  was  er  vorfindet,  mit  den- 
jenigen gebrauchen,  die  seinem  Verdinger  in  Gehorsam  und  Liebe  trea 
gewesen.  Die  üebertreter  sollen  in  Zukunft  schuldig  seyn  des  Kirdiea- 
raubs,  dem  grossen  Bann  verfallen,  und  ihnen  kaimi  die  eommunioptf^ 
pfHna^)  verwilligt  werden. 

Justus,  Bischof  des  hier  zuerst  genannten  Bisthums  Urgel,  unte^ 
Uiik  sdirieb  die  Akten  der  zweiten  Synode  von  Toledo  —  527,  «einige  Zeit* 
.  später,  und  unterschrieb  die  im  J.  646  gehaltene  Synode  von  Gkrunds, 
sogleich  nach  dem  Metropoliten  Sergius,  d.  i.  als  der  älteste  der  an- 
wesenden Bischöfe.  Seine  Amtsverwaltung  ist  also  in  die  J.  527 — 546  flg. 
zu  sezen.  ^Er  gab  dn  Büchlein  Erklärung  des  hohen  Liedes  heraas, 
das  Ganze  sehr  kurz  und  verständlich  (aperte)  gehalten,  indem  er  die 
allegorische  Erklärung  durchführt.  Die  Schrift  ist  dem  Metropoliten 
(papa)  Sergius  gewidmet.  Der  voranstehende  Brief  an  ihn  rühmt  seine 
Wohlthätigkeit  gegen  die  Armen;  und  darum  richtet  Justus  an  ihn  ^in 
körperlicher  Gestalt  ein  geistliches  Geschenk^^  (exmium).  Die  ^ExpUeatio 
mjfiHea^  ist  kurz,  zerfällt  in  200  kurze  Numeri;  und  ist  ohne  eigent- 
lichen Schluss,  und  vollständig  erhalten.    Da  Isuior  Hup.  nichts  anderes 


')  s.  Aber  die  Commvnio  pere^rina  animae  Marc.  Anton.  Dominicy  («1*  1650  za  Parif) 
ad  eanoium  2  9t  5  coneüü  AgcUhensiSf  tt  ulämum  lierdensis,  Par.  1645,  —  Er  und 
B.  CwUHer  (10,  736  -  erste  Aasg.  15,  656)  erklären,  sie  sollen  nach  dem  %t- 
•ammten  Clerus  und  vor  den  Laien  communiciren.  —  Ebenso  Richard  aiu^ftii 
eoneil,  t.  1,  603.  ~  Dagegen  Bingham  s.  Origines,  8,  p.  27,  »q.  2,  206,  —  wel- 
chem Hefele  beitritt  (C.  G.,  2,  633;  688)  erklärt  es  als  Aus8chliessang  von  der 
Commnnw  aharüf  neben  fortdauernder  leiblicher  ünlerstuzung,  als  communio 
bmtkfmiaHM,  die  man  zareisenden  Fremden  erwies.  —  Ebenso  —  Böhmer  —  xQ 
Corpus  jwr.  oanon,  Note  e.  2L  DUt  50.  —  Ich  dachte  einen  Aogenblick  an  das 
Vtatieum;  diese  Erklärung  aber  convcnirlc  Andern  nicht,  denen  ich  sie  mittbeilte. 
Da  es  eine  Communio  animae  ist,  muss  man  wohl  an  die  Kirche  denken,  und  es 
liegt  nicht  fern,  darunter  jenes  geweihte  Brod  za  verstehen,  wovon  schon  oben 
gehandelt  wurde  (K.-G.,  2,  36).  —  c/.  Haeßen,  ditguisiL  matuutieae  tractl, 
ditq,  4  —  «9tMM  ei  qualts  Emloffia§f^ 


Die  KircheopTOTinz  Tarraconeosis  von  357  —  589.  441 

on  Jnstus  anführt ,  so  ist  auch  sicher  keine  Schrift  desselben  verloren 
«gangen  ^).  —  Ausgaben :  ed.  Menrad,  MaUheru»,  Hagonoae  1529^  in 
UempretibyHeo  y  Ba$ü,  1550;  in  Orthodoxographi  —  ed.  an.  1555  et  1509; 

I  BibUatheeae  Patrum  Paria;  Colon;  in  Lugdunemi  maxima  U  9^  p.  731  sq.; 
-  besonders  cur.  Oeargio  BosHo,  Halae  Saz.  ann.  1617,  mit  dem  Briefe 

II  Sergins;  dieser  Brief  auch  in  Daehery  ipidleg.  t.  3,  p.  312;  t  3, 
,  119  der  neuen  Ausgabe;  und  daraus  bei  Agiärre,  t.  3,  159 — 160; 
lit  noku  —  in  hone  eputolam,  p.  160  — 161 ,  über  den  Gebrauch  des 
fTortee  ^^papa*;  Ferreras  (2,  221)  behauptet,  das  Werk  des  Justus  sei 
Q  J.  58Ö  verfasst  "worden.  Justus  steht  z.  28.  Mai  in  dem  römischen 
[artyrolog.  —  ef.  Bolland.  t.  6.  Maji,  p.  773.  —  N.  Antonio ,  p.  273, 
f.7.  —  de  Cattroj  264—268. 

Es  waren  noch  drei  leibliche  Brüder  des  Justus  —  Bischöfe:  Justi- 
ian  von  Valencia,  Nebridius  von  Egara  und  Elpidius  von  unbekanntem  N«bri. 
ise.  —  Es  ist  erwiesen,  dass  das  alte  Egara  —  das  heutige  Terrasa,  vm 
ordwestlich  von  Barcelona,  und  in  diesem  Bisthum  gelegen,  ist*).  —  ^*"* 
lores  und  Bisco  nehmen  mit  höchster  Wahrscheinlichkeit  an,  dass  der 
am  J.  465  —  mehrerwähnte  Iren'äus  erster  Bischof  von  Egara  gewesen  ^). 
'  unser  Nebridius  ist  der  zweite  bekannte  Bischof  von  Egara  *).  Er 
nterschrieb  sich  auf  dem  Concil  zu  Tarraco  —  516  als  der  lezte,  d.  i. 
er  jüngste  der  Bischöfe  —  „als  der  geringste  unter  den  Priestern ,  und 
Is  Diener  der  Kirche  von  Egara**.  — -  Im  J.  517  unterschreibt  die  Akten 
68  ConcUs  von  Gerunda  —  „Nibridius  in  Christi  Namen  Bischof  — 
n  vorlezter  Stelle.  —  Im  J.  527  oder  später  unterschreibt  Nibridius  die 
teschlüsse  der  zweiten  Synode  von  Toledo,  vor  seinem  Bruder  Justus. 
h  er  ferner  im  J.  546  schon  einen  Nachfolger  hatte,  so  glaubt  man, 
US  er  unter  vier  Brüdern  der  älteste  war  *).  Die  Frage ,  ob  der  Bischof 
lebridius  von  Barcelona  im  J.  540  derselbe  sei  mit  unserm  Nibridius, 
emeint  Florez  (29^  122),  bejahen  Mc.  Antonio  (Bibl.  i,  1)  und  Bisco 
t2f  188  — 189),  welch'  leztem  ich  beitrete.  Auch  hatte  Barcelona 
bon  im  J.  546  einen  Bischof  Paternus,  und  im  J.  540  unterschreibt 
ebridins  an  erster  Stelle,  d.  i.  als  der  älteste  Bischof.  -  „Die  Brüder 
)s  Justus,  Nebridius  und  Elpidius '^  sollen  Einiges  geschrieben  haben, 
orüber  Isidor  nichts  Näheres  erfahren  hatte  ^). 


<)  Tsidor.  eap.  S4.  d.  vir.  iüusir.  (Honor.  3,  25.    IViihemus  c.  210). 

^  dt  Marca,  Marea  Hitpamea  —  ap.  nr.  169.  346.  —  Florez ^  JQ,  />.  115.  —   Ftorez- 

Ri»oo,  L  42,  177^182:  „Sitio  de  Egara'*.  -    M.  WUlkomni,  die  Halbinsel  der 

Pyren&en,  S.  387. 
»)  Fhrezj  29,  115  —  117.  -  Bisco,  42,  182  -  184,  Ireneo,  d.  el  a.  450.  en  adelanU. 
*)  Ritco,  184—  189.    Nebridio,  desde  el  anno  de  516  en  cidelante. 
*)  Ftorex,  8,  162  —  gegen  Caj.  Cenni;  Bisco,  42,  188. 
*)  Isidor,  d.  vir.  üL  cap,  34. 


Dreizehntes  Kapitel 

Die  Kirehoiproviiiz  von  Toledo  (Carthaginensis)  357—589 

konnte  in  dieser  ganzen  Zeit  nicht  in^8  Leben  treten,  und  die  Anerken- 
nung sich  erringen.  Die  Gründe  des  Schwankens  und  der  unfertig» 
Zustände  liegen  nicht  an  den  Personen,  sondern  an  äussern  Dingen, 
und  vielmehr  als  man  zuzugeben  geneigt  seyn  wird,  an  der  geographi- 
schen (eig.  orographischen)  Verschiedenheit  der  Provinz  Carthag&ieim 
Die  ohnedem  im  J.  425  von  den  Vandalen  zerstörte  Stadt  Neu-Carthngo 
war  für  die  mittleren  Gegenden  Spaniens,  für  die  Länder  Altcastilien 
und  Neucafitilien  keine  politische,  noch  weniger  eine  kirchliche  Haupt- 
stadt Toledo  und  Carthagena  giengen,  um  mit  dem  Toletanischen  Bis- 
thumsverweser  Vallejo  zu  sprechen ,  j,nicht  in  einen  Sack'' ').  Aus  folgen- 
den getrennten  Bestandtheilen  war  die  Provinz  Carthaginensis  fast  un- 
natürlich zusammengekettet :  I.  Aus  Hochandalusien,  mit  den  Bisthümern: 
1)  Acci;  2  ürci;  3)  Basti:  4)  Mentesa;  5)  Castulo.  U.  Aus  dem  König- 
reich Murcia  —  mit  den  Bisthümern:  6)  Neu-Carthago;  7)  Eliocroc» 
(wenn  es  noch  fortbestand);  8j  Elotana;  9j  Bigastrum.  IQ.  Aus  dem 
Köm'greich  Valencia,  mit  den  Bisthümern:  10)  Valencia;  11)  Ilici: 
12)  Dianium  (Denia);  13)  Saetabis;  14)  Segobria.  IV.  Aus  dem  König- 
reiche Neu  -  Castilien ,  mit  den  Bisthümern:  15)  Toledo;  16)  Ergavica; 
17)  Valeria;  18)  Oretum;  19)  Complutum;  20)  Segontia.  Dazu  kam 
später  noch  Alt -Castilien,  ganz  oder  theil  weise,  mit  den  Bisthümern: 
21)  Osma;  22)  Palencia;  23)  Segobia. 

Die  Bischöfe  dieser  getrennten  Landstriche  zu  einer  Synode,  za 
einer  Kirchenprovinz  in  unserm  Zeitraum  zusanunenzubringen^  erwies 
sich  als  unmöglich.  Die  Obern  hielten  ihre  eigene  Synode  in  Toledo. 
und  wollten  nicht  hinabsteigen;   die  Untern  hielten  ihre  eigene  Synode 


')  Er  kam  am  23.  Jan.  1842  zu  dem  Regenten  Espartero,  and  sprach:  «Ich  aod 
(der  Minister)  Alonso  gehen  nicht  in  einen  Sack**  (Garns,  K.-G.  des  19.  Jt^^* 
hunderts  —  Bd.  3,  8.  166). 


Die  KirchenproYioz  voa  ToUdo  (Cartliagineosit)   357—589.         448 

(IQ  Valenoia),  und  wollten  nicht  hinaufistelgen.  Später  aber,  als  Toledo 
Htaptstadt  geworden,  fanden  sie  sich  nach  einigem  Sträuben  daselbst 
eben  so  leicht  zur  Synode  ein,  wie  die  andern  spanischen  Bischöfe. 
—  Dazu  kam,  dass  Cartagena  keine  kirchliche  Vergangenheit  hatte,  und 
alles  eher,  als  ein  kirchlicher  Mittelpunkt  war.  Darin  blieb  es  sich  bis 
«ir  Stunde  gleich;  der  Bischof  von  Carthagena  residirt  stets  in  Murcia. 
Hosius  traf  darum  den  für  jene  Zeit  besten  Ausweg ,  dass  er  den  Bischof 
Anianus  von  Castulo  als  provisorischen  Metropoliten  dieser  Provins  mit 
sich  nach  Sardika  nahm. 

In  der  Zeit  von  343  bis  400  mag  Cartagena  endlich  einen  eigenen 
Bischof  erhalten  haben.  £s  ist  eine  Streitfrage,  wer  jener  Bischof  Hi- 
Urios  war,  der  nach  der  Synode  von  Toledo  —  J.  400  —  nach  Rom 
peog,  und  dem  Papste  Innozenz  I.  Bericht  erstattete.  Florez  giebt  sich 
viele  Mühe,  ihm  den  Siz  von  Tarraco  zu  viQdiziren.  Aber  Anton.  Ago- 
rtiDO  bat  ihn  nicht  in  dem  Verzeichnisse  der  Bischöfe  von  Tarraco  (Florez, 
I6f  233).  Entscheidend  sind  wohl  dagegen  die  Worte  in  dem  römischen 
Schreiben  —  cap.  2:  j,Sodann  ist  die  Sache  der  Tarraconensischen  Bi- 
ichöfe  m  verhandeln.''  Unter:  „Tarraeonenses  epUeopi^  wird,  wie  wir 
in  Kap.  12  gesehen,  stets  der  Metropolit  und  die  Bischöfe  seiner  Provinz 
wstanden. 

Ich  glaube,  dass  Hilarius  der  —  nach  Anerkennung  ringende  Me-  hii»- 
tiopolit  der  Provinz  Carthaginensis  war,  wahrscheinlich  der  Bischof  von  Me*ra. 
Girtagena  (vielleicht  auch  der  von  Castulo).    Es  verschlägt  nichts,  dass   ^^^^ 
er  zu  Toledo  im  J.  400  als  der  achte  unterzeichnete.    Denn  noch  im  cyi>*- 
J.  380  unterschrieben  zu  Saragossa  nicht  die  Metropoliten  zuerst;  und    •(•• 
bei  den  Unterschriften  zu  Toledo  ist  es  noch  nicht  entschieden.  —    Hi- 
lirius  aber,  wenn  er  Bischof  von  Cartagena  war,  hatte   das  Becht,  ja 
er  hatte  die  Pflicht,  für  die  Durchführung  der  Beschlüsse  einer  in  seiner 
Provinz  gehaltenen  Synode  zu  sorgen,  und  sich  im  Nothfalle  an  den 
Papst  zu  wenden.  —   Der  Papst  erkennt  auch  sein  Recht  als  Metropolit 
Uu    Bischof  Buifinus,   von  unbekanntem  Size,  aber  jedenfiEklls  in  der 
IVovinz  des  Hilarius,  und  nicht  Bischof  von  Toledo,  er  —  dessen  Ver- 
gangenheit ihn  hätte  vom  Bisthume  ausschliessen  sollen,   hatte  schwer 
kündigt     „Darum  nun  soll  die  Klage  unsers  Bruders  und  Mitbischofes 
]ilariu8  zuerst  gehört  werden,  der  behauptet,   dass  Ruffinus  gegen  den 
Ueden  der  Kirche  in  jeder  Weise  gekämpft,   vordem  auf  der  Synode 
on  Toledo  um  Verzeihung  für  seinen  Fehler  gebeten,  und  jezt,  da  dem 
letropolitanbischofe^das  Vorrecht  ("Pontt/Sctum^ ,  Bischöfe  zu  weihen^  ge- 
•ühre,  gegen  den  V^illen  des  Volkes  und  die  Kirchenzucht,  einen  Bischof 
ür  abgelegene  Orte  geweiht,  imd  Scandale  in  den  Kirchen  hervorge- 
ufen  habe.^  —  Der  Name  eines  Bischofs  Ruffinus  konunt  in  den  Akten 
1er  Synode  von  Toledo  nicht  vor.  —   Er  wird  also  gleichsam  privatim 
lort  gewesen  seyn,  und  Siz  und  Stinmie  entweder  nicht  verlang  oder 
licht  erlangt  haben. 


444  Siebentes  Buch.     DreiBohntes  Kapitel. 

Es  ist  weiter  zu  beachten,  dass  nach  einem  natürlidien  Gesese  des 
G^idtee  *)  die  Päpste  bei  der  Aufzählung  die  Provinsen  Spaniuis  stets 
nach  ihrer  Lage  und  natürlichen  Angrensung  nennen.  —^  Demnach  nennt 
Papst  Siricius  im  J.  386  auerst  die  Bischöfe  von  Carthaginensisy  weil 
sie  an  die  Tarraconensischon  grinsten,  dann  die  bätischen,  die  lusita- 
nisohen^  zulezt  die  galisischen,  indem  er  den  Umkreis  gleichsam  vollendet 

—  Ebenso  nennt  Leo  I.  im  Briefe  an  Turibius  vom  J.  447  —  imerst  ik 
Tarraoonensischen ,  dann  die  Carthaginensischen ,  Lusitanischen^  Ghdiii- 
sehen  Bischöfe,  wobei  die  Bätischen  entweder  absichtlich  oder  durdi  ein 
Versehen  ausgelassen  sind.  Ebenso  beginnt  hier  Innozens  mit  den 
bätischen  Bischöfen ,  von  denen  einige  sich  wegen  der  Aufnahme  der 
gdisischen  von  den  übrigen  Earchen  trennten ,  dann  geht  er  au  Hilariw 
und  seinen. Klagen,  hierauf  zu  den  Beschwerden  der  TarraconensischeB 
Bischöfe  ttbcr.  Li  dieser  Reihenfolge  sehe  ich  einen  Fingerzeig,  dasi 
wir  den  Bitohof  Hilarius  in  der  Provinz  Carthaginensis  zu  suchen  haben'). 

Daas  die  Bischöfe  von  Toledo  schon  damals  an  die  Metropolitiih 
würde  gedacht,  oder  nach  ihr  getrachtet  haben,  das  ist  mehr  als  un- 
wahrscheinlich ^).    Dazu  war  überall  kein  Grund  vorhanden.    Wer  hat 
denn  je  gehört,  dass  die  Bischöfe  von  Elvira,  Valencia,  G^rundai  Btf- 
celona,  IIei*da,  Saragossa  —  doss wegen  auf  die  Metropolitanwürde  An- 
sprüche erhoben  hätten,  weil  zufällig  Synoden  in  ihren  Städten  gehalten 
worden?  Also  konnte  auch  die  im  J.  400  zu  Toledo  gehaltene  Synode 
naoh  dieser  Richtung  hin  gar  keine  Bedeutung  haben.  —    Ln  ganioi 
6.  Jahriiundert  erfahren  wir  aus  und  über  die  Eürchenprovinz  Cartbir 
ginensis  nichts,  oder  so  gut  wie  nichts.    Aber  im  J.  516  unterschreibt 
Htct«r  Hector  auf  der  Synode  tu  Tan*aco :    „Ich  Hector  in  Christi  Namen  Bi- 
c^«.schof  der  Metropole  Carthago.''   —    Ich  weiss  nicht,  ob  man   mit  der 
*'2**'  Ausrede  etwas  gewinnt,   dass  hier  die  politische  Metropole  gemeint  sei. 

—  Wie  konnte  denn  im  J.  516  Carthagena,  wenn  es  sich  überhaupt 
aus  seinen  Trümmern  vom  J.  425  erhoben  hatte,  Metropole  seyn,  da 
das   weströmische  Reich   längst  eingegangen    war?     Vielmehr  —  war 


')  K-G.,  1,  p.  212—213. 

*)  Ebenso  —  tagt  Lacretius  von  Bracara  im  J.  563  —  »die  Bischöfe  von  Tarraco. 
Carthag.,  LositaDien  und  Bftlika  und  darnach  wörtlich  die  Ueberschrifl  der  so- 
genannten pRegulae  fidtii'*  der  Synode  von  Toledo  I.  (s.  Kap.  14  and  15). 

•)  Apmim,  3,  p.  48^58  meint  In  sehr  bescheidener  Weise,  dass  erst  mit  Mon- 
tanns  die  MctropoUtanwürdc  von  Toledo  beginnt,  dass  mit  der  Zerstömng Car- 
thagenas  —  425  —  dieselbe  „pauUntim*^  auf  Toledo  übergegangen  sei.  Caj.  Ctv» 
lehrt  seltsam  gena^%  dass  Toledo  von  Anfang  an  Metropole  gewesen,  1,  p*  131 
—138;  228  —  229;  seine  Gründe  sind  nichtig.  Mil  grosser  Gründlichkeit  handeli 
Florez  (5,  117—157)  über  diese  Frage,  und  leitet  die  MetropoliUnwörde  To 
ledos  über  die  ganze  Provinz  nus  der  Mfitp  des  5.  Jahrhunderts.  —  Für  uot 
steht  die  Streitfrage  nicht  mehr  in  der  vordersten  Linie. 


/ 


Die  KirchenproTiDi  tod  Toledo  (CarthagioeDsis)  357  —  589.  445 

[lector  meht  nus  Zufall  ^  sondern  aehr  mit  Absicht  su  Tarraco  anwesend. 
)ort  und  nach  der  natürlichen  Analogie  mit  Tarraco  als  Metropolit  an- 
erkannt, konnte  er  hoffen,  dass  der  Siz  von  Cartagena  endlich  auch  in 
ler  Provinz  von  Cartagena  zur  Anerkennung  konunen  werde*). 

Die  obem  Bischöfe  aber  wollten  ein  für  alle  mal  nicht  herabsteigen,    du 
Vielmehr  that  man  in  Toledo  im  J.  527  einen  entscheidenden  Schritt,  ^(^ 
oan  hielt  eine  Synode,   ^gleichviel  ob  mit  wenigen  oder  mit  vielen'i  toMo. 
md  siehe l  es  waren  wenige.  —    Die  Bischöfe,,  die  auf  den  ersten  uns 
lekannten  Toletaner  Bischof  Melantius  vom  J.  306  genannt,  aber  nicht 
erbürgt  werden^),  sind:  1)  Pelagius,  2)  Patrunus,  3j  Turibius,  4)  Quin- 
US,  5)  Vincentius,  6)  Paulatus,  7)  Natalis;   es  folgen  8 — 9)  Audentius 
ind  Asturius,    Die  beiden   Leztern  sind  geschichtliche  Personen,  jene 
lieben  andern  scheinen  entlehnte  und  fremde  Namen  zu  seyn.  «-  Durch« 
ms  rühmend  ist  es  aber  anzuerkennen,  dass  die  Toletaner,  nach  ihrem 
snten  Bischöfe  Eugenius ,  dem  angeblichen  Schüler  des  längst  und  auch 
ron  Seiten  der  Franzosen  aufgegebenen  Dionysius  Areopagita  von  Paris, 
logleich  den  historischen  Melantius  folgen  lassen  (troz  der  Himgespinnste 
lea  Pseudo-Dexter). 

Bischof  Audentius  nennt  Gennadlus  M.  unmittelbar  nach  Prudentius,    bi. 
deasen  Zei%enosse  er  auch  war.    ^Audentius ,  ein  spanischer  Bischof,  üulL 
lehrieb  gegen  die  Manichäer,  SabelKaner  und  Arianer,  am  meisten  aber  '*"*' 
und  mit  besonderer  Intention  gegen  die  Photinianer,  die  jezt  Bonosianer 
keiasen,  ein  Buch,  mit  dem  Titel:  »Vom  Glauben^,  gegen  die  Häretiker, 
worin  er  zeigt,  dass  der  Sohn  Gottes  ewig  wie  der  Vater  sei,  und  dass 
er  den  Anfang  seiner  Gottheit  nicht  damals  von  Gott  dem  Vater  erhalten 
kabe,  da  aus  Maria  der  Jungfrau  durch  Gottes  Schöpferkraft  der  Mensch 
(Qiristus)  empfangen  und  geboren  wurde '^j.''    —    Alles  stimmt  hier  für 
ansem  Audentius,  die  Zeit  und  der  Umstand,  dass  Gennadius,  wie  bei 
Olympius,  das  damals  im  Auslande  noch  nicht  bekannte  Toledo  nicht 
nennt 

Den  Nachfolger  des  Audentius  beschreibt  Udefons  von  Toledo  also : 
ibturius  war  des  Audentius  in  der  Stadt  Toledo,  dem  (zu  Udefons  Atta. 
Zeiten)  Metropolitansiz  der  Provinz  Carthago,  —  Nachfolger,  ein  vor-  '*"** 
^efflicher  Mann,  der  mehr  durch  seinen  Lebenswandel,  als  seine  Schriften 
glänzte.  Dieser,  glücklich  in  seinem  Priesterthume,  und  würdig  eines 
(Vundera  verdiente  in  dem  irdischen  Grabe  die  Glieder  derjenigen  au 
mden,  mit  denen  er  im  Hinunel  vereinigt  werden  sollte  (der  Märtyrer 
Tuatus  und  Pastor).   Er  war  der  neunte  Bischof  in  Toledo,  in  Complutum 


')  Er  wollte,  indem  er  in   einer  benachbarten  Provinz  als  Metropolit  anerkannt 

wurde,  für  seine  Anerkennung^  in  der  eigenen  Provinz  arbeiten. 
»)  K-G.,  2,  S.  177  —  178. 
*)  Genmad.  dt  vir,  iUatU  cap,  14, 


tanui. 


446  Siebentes  Bach.     DreiEehntes  Kapitel. 

der  erste  ^).  —  Aber  Beine  Nachfolger  bis  anf  Montanas  sind  nicht  be- 
kannt, und  gleichsam  nur  als  LückenbUsser,  und  wie  mit  fremdem  Dia- 
lekte erscheinen  die  Namen  —  Isicius  (c.  412 — 427  nach  Flores);  Martin 
(427  -  440j ;  Costino  (440 — 454) ;  Campeyo  (454  -  467) ;  S  a  n  t  i  c  i  o  (467 
—482);  Praumato  (482  —  494);  PetrusL  (494—508);  Celsus  (508-522); 
Montanus,  von  522 — 531  nur  —  neun  Jahre  (beide  leztere  historisdie 
Personen). 
Mon.  Montanus  also  hielt  eine  Synode  zu  Toledo  —  9ub  die  15  KaUnda 

Junia»^  d.  i.  am  achtzehnten  Mai,  im  5.  Jahre  der  Regierung  unsen 
Herrn  des  Königs  Amalrich,  das  wäre  im  J.  531,  aber  Aera  565  be- 
deutet das  J.  527.  Die  Spanier  halten  an  lezterm  Jahre,  und  sagen, 
dass  Amalrich  schon  523  selbständig  von  der  Vormundschaft  seineB 
Grossvaters  Theodorich  regiert  habe.  Das  hier  geführte  Protokoll  mag 
syaode  wohl  auf  Rcchnung  des  Montanus  zu  sezen  seyn.  ^^Die  Gegenwart  der 
Toledo  Bischöfe  hat  sich  in  dem  Willen  des  Herrn  in  der  Stadt  Toledo  einge> 
''^'  fanden,^  sie  haben  über  die  alten  Kirchengeseze  berathen,  was  in  den- 
telben  fehlte  wollen  sie  nachtragen,  das  Vergessene  wieder  in  das  6e- 
dächtniss  rufen.  1)  Die  Kinder,  welche  die  Eltern  von  Anfang  an  in 
den  Dienst  der  Kirche  übergeben,  sollen  tonsurirt  und  in  den  Dienst 
der  Lectoren  übergeben  unter  bischöflicher  Aufsicht  in  kirchlichen  Ge- 
bäuden von  ihr^Qi  Präpositus  erzogen  werden.  Haben  sie  das  achtzehnte 
Jahr  zurückgelegt,  so  soll  vor  dem  ganzen  Volk  und  Clerus  ihr  Wille 
über  die  Eingehung  einer  Ehe  vernommen  werden.  Entscheiden  sie  sidi 
für  die  Enthaltsamkeit,  so  soUen  sie  nach  abgelegter  Bewährung  dai 
Subdiakonat  vom  20.  Jahre  erhalten;  haben  sie  tadeUos  das  25.  Jahr 
zurückgelegt,  das  Diakonat;  kehren  sie  aber  troz  ihres  Versprechens  ZQ 
einer  irdischen  Ehe,  oder  gar  zu  sündhaftem  Umgange  zurück,  so  sollen 
sie  wie  Kirchenräuber  betrachtet,  und  von  der  Kirche  ferne  gehalten 
werden :  denen ,  welche  bei  der  Anfrage  sich  freiwillig  für  die  Ehe  ent- 
scheiden, könne  nian  sie  nicht  verweigern,  wenn  sie  aber  bei  reifern 
Jahren  dem  ehelichen  Umgange  zu  entsagen  geloben ,  so  können  sie  die 
hohem  Stufen  ersteigen. 

2)  Wer  von  seiner  Kirche  erzogen  werde,  dürfe  nicht  bei  jeden 
Ahlasse  dieselbe  verlassen ,  und  zu  einer  andern  übergehen.  Der  Bischof, 
der  ihn  ohne  Vorwissen  des  andern  aufnimmt,  hat  sich  g^^n  alle  Bi- 
sdiöfe  versündigt;  denn  allzu  hart  ist  es,  dass  ein  anderer  den  aufzu- 
nehmen und  an  sich  zu  ziehen  wagt,  den  der  frühere  Bischof  aus  dem 
bäumsohen  Wesen  und  dem  Schmuz  der  Kindheit  herausgezogen  hat  '|. 

3)  Kein  Kleriker  soll,  wie  es  oft  genug  in  den  Concilien  verordnet 
ist  y  von  der  Stufe  des  Subdiakonats  und  aufwärts  an  —  in  einem  Hause 


>}  Das  Weitere  t.  K-G.,  1,  8.  330  —  332. 

*)  qutm  cdiut  rurali  semu,  ae  sguaiore  infantiae  exuit. 


Dia  KirchenproTiiiz  voti  Toledo  (Carthagineosls)  357  —  589.  447 

asammenleben  —  mit  einer  Fran,  sei  es  nun  eine  Freie  oder  Freige* 
issene,  oder  Magd^  hat  er  aber  solche  EKenate  nothwendig,  so  soll  er 
e  der  Matter  oder  Schwester  oder  der  andern  Verwandtschaft  ttber- 
igen^  tmd  was  sie  mit  ihren  Händen  erwerben,  das  komme  dem  eignen 
[emi  zu  gat^  fehlt  es  aber  an  einer  Verwandtschaft,  so  suche  man  ein 
ideres  Ebins  für  die  Bedienung,  und  es  werde  jede  Gelegenheit  ferne 
shalten  —  zu  Versuchungen  oder  zu  üblen  Nachreden.  Die  Wider- 
mistigen sollen  nicht  nur  aus  dem  Clerus  ausgeschlossen ,  und  von  der 
irehe  ferne  gehalten,  sondern  auch  von  dem  Umgange  mit  allen  Ka- 
loliken  ausgeschlossen  werden,  damit  eine  so  böse  Gewohnheit  für  die 
okunft  ausgerottet  werde. 

4)  Wenn  ein  Cleriker  aus  den  GHltem  der  Kirche  Felder  oder  Wein- 
irten  für  seinen  Lebensbedarf  angebaut  hat,  so  bleiben  sie  ihm  bis  au 
niem  Ableben^  nachher  fallen  sie  an  die  Kirche  zurück,  und  er  kann 
idi£  testamentarisch  darüber  verfügen,  es  sei  denn  mit  Erlaubniss  des 
üschofs  —  für  seine  der  Kirche  geleisteten  Dienste. 

5)  Ehen  zwischen  Blutsverwandten  sind  verboten,  und  sollen  nach 
em  Grade  der  Verfehlung  bestraft  werden.  Wenn  Einer  von  den  An- 
resenden,  oder  denen,  „die  sich  nun  dieser  Synode  entzogen  haben*"), 
ftg^n  handelt,  so  werden  sich  die  übrigen  Bischöfe  eine  Zeit  lang 
tm  dem  Verkehre  mit  ihm  ferne  halten.  —  Es  folgen  dann  die  Schluss- 
vtnrte: 

„Nach  den  Dekreten  der  frühem  Canones^)  sprechen  wir  es  aus, 
Ins  (hinfort)  das  Condl  bei  unserm  Bruder,  dem  Bisdiofe  Montanus, 
renn  Gtott  will ,  seyn  werde ,  so  dass  unser  Bruder  und  Milbischof  Mon- 
ums,  welcher  in  der  Metropolis  ist,  an  unsre  Mitprovinzialen, 
Se  Bischöfe,  Briefe  über  die  Versammlung  einer  Synode  zur  bestimmten 
!eit  riditen  wird.  Da  nun  aber  im  Namen  des  Herrn  das  beschlossen 
ij  was  zur  Verhandhing  kam,  so  sagen  wir  Dank  dem  allm&chtig^ 
lott,  dann  flehen  wir  über  den  ruhmreichen  Herrn,  den  König  Amal- 
cfa,  die  göttliche  Güte  herab,  der  in  endlosen  Jahren  seiner  Regierung 
)B  die  Freiheit  gestatten  wolle,  das  zu  vollbringen,  was  zur  Ausübung 
s  Glaubens  gehört.    Amen.^ 

Die  Unterschriften  sind:  Ich  Montanus,  in  Christi  Namen  Bischof, 
Q  diesen  Bestimmungen  beigetreten ,  habe  sie  wieder  gelesen  und  unter- 
hrieben  an  dem  Tage  und  Jahre,  wie  oben.  —  Pancarius  Bischof  (daa 
ebrige  ohne  Veränderung).  —  Canonius  Bischof.  —  Paulus  Bischof.  — 
omitianus  Bischof.  —  Es  waren  neben  Montanus  nur  vier  Bischöfe  j,aus 
ir  Provinz^  zugegen.    Da  neun  Bisthümer  in  „dieser  (obem)  Provinz'' 


*)  91a  ftimc  tanetae  mfnod^  tat  haß  prwmcia  difmrvmi, 

^  d.  i.  nicht  der  von  Toledo ,  sondern  der  Ganones  Aber  die  refelmissig«  Haltung 
*^voQ  ConciUen. 


448  Siebentes  Buch.     Dreizehntes  Kapitel. 

waren,  da  yielleioht  auch  die  hochandaluBischen  6ifldi5fe  geladen  waren, 
gaben  darüber  die  fünf  Versammelten  ihrer  Befremdung  in  den  Worl 
Ausdruck :  ,,8ie  haben  sich  der  Synode  dieser  Provinfi  entzogen* ').  '. 
aber  die  Fün&ahl  allzu  drückend  auf  ihnen  lastete,  so  gaben  sie  d 
selben  einen  nur  scheinbaren  Zuwachs  durch  die  Beitreibung  weitei 
drei  Unterschriften  von  Bischöfen ,  die  von  Rechts  wegen  keinenfalls  s 
Sache  und  zur  Synode  gehörten: 

Marcianus  (MarrucinuS|  Marracinus) ,  Bischof  in  Christi  Kamen,  i 
des  katholischen  Glaubens  in  die  Stadt  Toledo  verbannt,  habe  den  V 
handlungen  meiner  heiligen  Brüder  angewohnt,  sie  gelesen  und  unt 
schrieben. 

Nibridius,  in  Christi  Namen  Bischof  der  katholischen  Kirche  ^ 
Egara,  habe  diese  Constitution  meiner  Mitbischöfe  in  der  Stadt  Tele 
da  ich  nach  geraumer  Zeit  dahin  gekommen,  mit  Wahrung  der  Auetori 
der  frühem  Canones ,  gelesen ,  gebilligt  und  unterschrieben.  —  Wörtl 
so  sein  Bruder,  der  Bischof  Justus  von  Urgel. 

Wie  viel  Zeit  unter  dem  ,,aliquantum  temporis^  zu  verstehen  s 
können  wir  nicht  ahnen.     Es  könnte  auch  ein  Jahrzehent  seyn;  de 
Justus  war  noch  546  Bischof  von   Urgel,    während  sein  wohl  ältei 
Bruder  Nebridius  in  diesem  Jahre  schon  einen  Nachfolger  hatte  ^). 
Auffallend  ist  das  Lob ,  das  die  Synode  dem  Könige  Amalrich  spende 
der  seine  katholische  Gemahlin  zu  Tode  misshandelte,   und  der  wa! 
scheinlich  den  Bischof  Marcian  verbannt  hatte.  —  Aus  dem  dem  Koni 
Amalrich  gespendeten  Lob  schliesst  man  umsonst,   ,,dass  er  sich  so] 
durch   Duldungssinn    auszeichnete^  ^).      Das   auffallende,  jedenfalls 
Munde  einer  Synode  neue  Lob  war  einfach  eine  „crtptatio  benevolentia 
gegen  etwaige  Versuche  der  untern  Bischöfe,   dem  Vorgehen  der  ob( 
entgegenzutreten,    obgleich   in    den    Akten   nicht   steht,    dass  man 
Amalrich  angefragt  habe,  ob  man  die  Synode  halten  dürfe ^). 

Wir  wollen  das  Vorgehen  der  Bischöfe  in  und  um  Toledo  ni 
tadeln.  Sie  wollten  von  zwei  Uebeln  das  kleinere;  sie  zogen  es  v 
für  sich  eine  Synode  und  einen  Metropoliten  zu  haben,  da  sich  Niem« 
von  ihnen  dazu  verstehen  wollte,  den  Metropoliten  von  Cartagena  ; 
zuerkennen;  wir  glauben  aber,  dass  es  bei  dieser  ersten  Synode  { 
blieben  sei.  Denn  da  die  Synoden  selbst  ohne  allen  Zweifel  in  Tol( 
gesammelt  und  geordnet  wurden ,  so  hätten  die  Sammler  etwaige  späti 


>)  Ferrercu  meint,  Könige  Amalrich  habe  die  Bischofsstühle  nicht  besezen  lasse 
allein  dann  hätte  obiger  Tadel  des  Wegbleibens  keinen  Sinn.  —  Nur  das  G 
thum  Palencia  war  unbesezt  (Ferrer.,  2,  212). 

»)  Florez'RiscOy  t  42,  189  (Egara),  —   K.-G.,  2,  440  —  441. 

*)  Also  Aschbacb,  G.  d.  Westgotben,  p.  183. 

*)  Also  Ferrercu,  2,  209. 


I>i«  KifehenproTiDs  vun  Toledo  (Carthaginensis) ,  357  —  589.  449 

STDoden  nicht  ausgelassen.  —  Zum  Lobe  dieser  Synode  gereicht  die 
aof&Uend  piaktische  Richtung  ihrer  Beschlüsse.  Hier  haben  wir  etwas 
Positives,  Greifbares  vor  uns;  die  Synode  gewährt  uns  einen  tiefem 
Einblick  —  in  das  eigentlich  kirchliche  Leben  jener  Zeit,  als  die  vorher 
erwähnten,  und  die  Kenntniss  dieser  Synode  gewährt  eine  wirkliche 
Bereicherung  der  Kirchengeschichte  von  Spanien,  in  Beziehung  nicht 
bloss  auf  die  Kirchenzucht,  sondern  auch  auf  Erziehung,  die  Bildungs- 
grade, das  Leben  und  Weben  des  Clerus,  —  sodann  in  Beziehung  auf 
die  Ejrchengüter^). 

Von  Montanus  besizen  wir  zwei  Briefe.  Den  einen  an  die  Brüder  nie 
und  Söhne  des  Gebietes  von  Palencia.  Er  sagt,  dass  eine  alte  Ge-  *£»'/* 
wohnheit  der  Kirche  von  Toledo  das  ,yPrimlegium  metropolitanum^*  J^^ 
yerliehen,  d.  h.  dass  die  Bischöfe  von  Castilien  von  dort  ihre  Weihe 
»halten  haben.  Da  in  Palencia  kein  Bischof  war,  massten  Priester  dort 
ach  an,  das  Ciirisma  zu  weihen.  —  Montanus  führt  dagegen  eine  sehr 
scharfe  Sprache ,  und  belegt  sie  mit  Beispielen  aus  dem  Alten  Testament. 
~  Die  Pfarrer  sollen  entweder  selbst,  oder  durch  die  Custoden  der 
Kirche  das  Chrisma  vom  Bischöfe  erbitten.  Die  Hartnäckigen  sollen 
«dem  unlösbaren  Band  des  Anathema^  verfallen.  Wenn  Ostern  wieder- 
kehre, und  sie  persönlich  (wegen  der  Entfernung?)  sich  nicht  einfinden 
können,  so  wolle  er  ihnen  das  Chrisma  übersenden  ^).  —  Er  tadelt  auch, 
dtss  sie  zur  Einweihung  von  Basiliken  fremde  Bischöfe  (cdienae  sortis) 
eingeladen.  Das  sei  „gegen  die  Privilegien  der  Provinz'^ ,  und  sei  schon 
n  den  Ohren  des  Herrschers  ( ?  domini  remm)  gelangt  Sie  sollen  vor- 
kommenden Falls  an  ihn  berichten;  dann  werde  er  selbst  kommen,  oder 
einen  andern  Bischof  dazu  berufen.  —  Sie  hatten  ferner  den  Prisdllian 
▼ertheidigt,  den  er  „einen  schamlosen  Ehebrecher^  nennt ,  der  zu  seinen 
Zwecken  zu  bösen  Zaubermitteln  gri£P.  —  Montanus  aber  widersezt  sich  all* 
diesem,  „damit  ihm  nicht  aus  dem  Schweigen  die  Verwerfung^  erwachse. 

In  gleicher  Absicht  schreibt  Montan  an  den  „erlauchten  Herrn  und 
eifrigen  Christen,  den  Herrn  und  Sohn  Thuribius**,  der  schon,  als  er 
in  der  Welt  eine  wichtige  Stelle  begleitete,  dem  Kaiser  gab,  was  des 
Kaisers,  und  Gott,  was  Gottes  war.  Er  sei  der  Urheber  des  göttlichen 
Dienstes  in  dieser  Provinz,  der  die  Reste  des  Heidenthums,  und  die 
Sekte  des  Priscillian  niedergehalten,  und  jezt  dort  die  reguläre  Zucht 
eingeführt  (d.  i.  das  Kloster  San  Toribio  gegründet)  habe.  Er  solle 
dem  Unfug  in  Palencia  Einhalt  thun.  Dann  klagt  er  über  die  Weihen 
der  Kirchen  durch  Bischöfe  ^)  „alienae  sortW ,  und  seine  bisherige  Höf- 


•)  Ferrercu,  2,    209  —  216.  —    FUn-ez,  5,  229  -  233,  6,  132-139,  —    Affuirre,  3, 

152-  159,   -    Tejada  y  Ramiro,  2,  202-212, 
*)  >.  indcftt  E..6.,  2,  391  und  461. 
*)  Wahrtch.  der  Bischof  von  Astorga  im  Sne venreiche  ist  gemeint,  zu  dem  Palencia 

vordem  gehörte,  und  wohin  es  viel  näher,  als  nach  Toledo  war. 
Qami,  Span.  Kirche.    IL  29 


450  Siebentes  ßaeh.     Dreizehntes  Kapitel 

lichkeit  schlägt  in  drohende  Heftigkeit  uul  Aber  seine  unklaren  Säze 
sind  von  höchster  Wichtigkeit.  „Euer  Bischof  hat  dieses  Privilegiun] 
(eines  Metropoliten)  unserm  Vorgänger,  sowie  unsem  Brüdern,  den 
Herrn  Bischöfen  von  Carpetanien  (Neu  -  Castilien)  und  Celtiberien  (Alt 
Castilien)  gegeben,  wovon  wir  eine  Abschrift  an  Euch  richten,  damit 
Ihr  wisset,  welchen  Erfolg  das  gottlose  Verlangen  verdient  hätte.  Und 
gewiss  haben  wir  die  Städte  Segovia,  Buitrago  und  Coca  demselben 
nicht  kluger  V^eise,  sondern  nach  der  Würde  seines  bischöflichen  Namens 
abgetreten:  damit  nicht  ein  einmal  übertragener  Segen,  wenn  die  Person 
verschollen  ist,  zu  nichte  werde.  Wisset  aber,  dass  ihm  diess  nur  füi 
Lebenszeit  gewährt  wurde  *).*'  Nun  droht  er  strenge  Klage  bei  dem 
Könige,  und  dem  Statthalter  Erganes,  und  hofft  die  Palentiner  dadurch 
einzuschüchtern. 

Aguirre  und  Ferreras  —  sind  stillschweigend  an  diesen  dunkeln 
Säzen  vorübergegangen.  Florez  und  Lo)renzana  haben  versucht,  sie  zu 
erklären. 

Florez  meint,  die  Palentiner  hätten  ein  Gresuch  an  Montanus  g^ 
richtet ,  dem  er  nicht  entsprechen  konnte.  Es  habe  sich  um  eine  Stiftung, 
oder  das  Testament  eines  Bischofs  von  Palencia  gehandelt,  worin  er  die 
Bischöfe  von  Celtiberien  und  Carpetanien  zu  Richtern  eingesezt.  Es  sei 
ein  Bischof  gegen  die  Canones  geweiht  worden  [zu  Palencia  ^)].  Diese 
Erklärung  lässt  alles  dunkel,  und  wird  mit  Recht  von  Lorenzana  ver- 
worfen *).  Dieser  versteht  unter  „Privilegium'^  —  den  einem  Andern  zu- 
gefügten Schaden.  Er  beruft  sich  auf  Ducange ,  wornach  das  Wort  aucb 
für  jfpraviUgium^'  vorkomme.  Das  Bisthum  Palencia  sei  erledigt  gewesen 
und  ein  Unbefugter  sei  gewählt  worden,  d.  h.  er  hatte  dem  Celsus  vor 
Toledo  und  den  andern  Bischöfen  dadurch  „magnum  Privilegium  fecerat^ 
Ihn  sezte  Montanus  ab ,  doch  wies  er  ihm  aus  dem  Bisthum  Palencia  di( 
drei  Städte  Segovia,  Brittabio  und  Cauca  zu  seinem  Unterhalt  und  das* 
er  nicht  umsonst  ordinirt  sei,  an.  Aber  die  Palentiner  verlangten  voi 
Montanus ,  er  solle  ihn  wieder  zum  Bischöfe  von  Palencia  einsezen ,  unc 
das  sei  die  „improba  petitio^  des  Briefes  gewesen.    Diess  lehnte  Montanu: 


')  Quod  tarnen  Privilegium  decessori  nostrOy  necnoti  dominis  et/ratribus  nostris  Carpetauin 
vel  ff.  e.  et)  Celtiberiae  episcopis  vester  coipiscopus  (quoque  episcopus)  fecit,  in  exemplan 
bus  charitati  vestrae  direximus,  ut  scire  possitis  improba  petitio  qttalem  potuisset  (i.  ^ 
dßbuisset  vel  mendiset)  habere  profectum.  Et  certe  munieipiaf  id  est  Segoviam 
Brittabio  et  Caucam  eidem  non  quidem  rationabiliter ,  sed  pro  nominis  dignitat 
concessimuM:  ne  collata  benedictiOf  persona  vag  ante  y  vilesceret,  Quod  ipsi  tantummod*^ 
dum  advivitf  praestitum  fuisse  cognoscite. 

*)  Florez  f  5,  398  —  402  (Notas  sobre  esta  secunda  carta),    -   v.  L  1 ,  p,  182,  4j  76. 
t.  8,  p.  6-^8,  18—20  (Palencia);  p.  72—76  (Segovia). 

')  Patrum  Toletanorum  quotquot  extant  opera,  t.  1  (Mad,  1782),  p.  4  sq,  (opuscul 
Montani), 


II  v<.n  Toledo  (rnrihaffinen»«),  357—589.  449 

—    Zum   Lobe   dieser  Synode  gereicht  die 

shtung  ihrer  Bcsclilüsae.     tüer  haben  wir  etwu 

uns ;   die  Synode  gevrährt  uns  einen  tiefem 

_  mÜich  kirchliche  Leben  jener  Zeit,  aU  die  vorher 

I  Kenntniss   dieser  Synnde   gewährt  eine  wirkliche 

Circh engeschichte   von   S|)KnieD ,  in   Beziehimg  nicht 

^ritSDBUcht,  sondern  auch  auf  Erziehung,   die  Bildnngs- 

^  iwd  Weben  des  Clenis ,  —  sodann  in  Beziehung  aaf 

^K  beeizen  wir  zwei  Briefe.     Den  «inen  an   die  BrUder   i 

rflibietos  von   Patencia.     Kr  sagt,   dass   eine  alte   Ge>  ^', 

i^Kirclie   von    Toledo    diis    .,PriviUgivm   mttropolüanum"   * 

_j(l*BB  die   Biscliöfe   von   Ca^tilicn   von  dort  ihre  Weihe 

J*«  in  Palencia  kein  Bisc)iof  war ,  tnassten  Priester  dort 

fffiaa,  SU  weihen.  —    Montanus  fillirt  dagegen  eine  sehr 

«nd  belegt  sie  mit  Beispielen  aun  dem  Alten  Testament 

Den   entweder   selbst,    oder  durch  die  Cnatoden   der 

vom  Bischöfe  erbitten.     Die  Hartnäckigen  sollm 

*'~'^i  Band  des  Anatliema"  vei-fallen.    Wenn  Ostom  wieder- 

peritinlich  [wegen  der  Entfernung?)  sich  nicht  einfinden 

He  er  ihnen  das  Cbrisma  übersenden  =).  —  Er  tadelt  aach, 

^wclhung   von  Basiliken  fremde  BiachSfe  (älitnae  tortii) 

as  sei  „gegen  die  Privilegien  der  Provinz",  und  sei  schon 

des  Herrschers  (?  domini  rerum)  gelangt.    Sie  aollen  vor- 

alla  an  ihn  berichten;  dann  werde  er  selbst  kommen,  oder 

Bischof  dazu  berufen.  —    Sic  hatten  ferner  den  Priscillian 

Um  er  „einen  schamlosen  Khebrechcr"  nennt,  der  zu  seinen 

>Ö8en  Zaubermittcin  griff,  -  Montanus  aber  widersezt  sich  all' 

jit  ihm  nicht  aus  dem  Schweigen  die  Verwerfung"  erwachse. 

her  Absicht  schreibt  Montan  au  den  „erlauchten  Herrn  und 

jsten,   den  Herrn  und  Sohn  Thuribiu.'^'',   der  schon,  als  er 

^  eine  wichtige  Stcllo  begleitete,   dem   Kaiser  gab,   was  dea 

id  Gott,  was  Gottes  war.     Er  sei  der  Urheber  des  göttlichen 

I   dieser  Provinz,   der  die   Roste  des  Ileidenthums ,  und  die 

Priscillian  niedergehalten,  und    jezt   dort  die   reguläre  Zucht 

1   fd,  i.   das   Kloster  San   Toribio  gegründet)  habe.     Er  solle 

g   in  Palencia  Einhalt  thun.      Dann  klagt  er  über  die  Weihen 

en   durch  Bischöfe*)  „alimae  tortit" ,   und  seine  bisherige  Höf- 


M,  2,   209^216.  —    FloTtz,  5,  229-  233,  6,  132—139.  —  Aguürt,  3, 

1S9.   -    Ttjaday  Ramiro,  2,  202-212. 

tu  K.-G.,  2,  391  nnd  461. 

eh.  der  Biichot  vqd  Ailorga  im  Sueveareiehe  ist  gemciol,  iQ  dem  Paleoeia 

1  gehfirte ,  und  wobin  ei  viel  näher,  aU  nach  Toledo  war. 

u.  Kirchs.    II.  29 


453  Siebentes  Bach.     Dreizehntes  Kapitel. 

dem  sngleich  und  himmlischein  Rechte'^*),  d.  i.  als  Metropolit  sidi  durch- 
zusezen  suchte.  Er  habe  glorreich  neun  Jahre  —  nach  Celsus  —  unter 
König  Amalrich  regiert,  und  zur  Widerlegung  einer  falschen  Anklage 
glühende  Kohlen  in  seinem  Gewände  während  der  Feier  der  heiligen 
Messe  getragen  (dorne  earam  sedis  niae  sacro  aUari  toUuB  Mitioe  eeMm- 
UtUm  per  aemeiipmm  expleretjj  welche  nachher  bei  unversehrtem  Ge- 
wände noch  glühend  erfunden  worden. 

Im  J.  546  hielten  auch  die  Bischöfe  des  untern  (östlichen)  Theiles 
von  Carthaginensis  ihre  Synode.  Die  Ueberschrift  lautet:  ConeUium 
VtMeUmum  —  von  6  Bischöfen^  gehalten  Aera  687  (nach  der  bessern 
Lesart  684,  d.  i.  646)  ^  im  15.  Jahre  des  Königs  Theodorich  (andere 
Lesart:  Theuderich) ,  am  4.  Dezember.  —  Da  die  Angabe  der  Aera  bei 
den  spanischen  Condlien  immer  die  sicherere  ist  j  die  Angabe  der  Jahre 
d«r  Regenten  aber  unsicherer,  und  sich  seltener  findet ,  so  muss  die  An- 
gabe der  Aera  entscheiden.  —  Das  Jahr  546  war  das  sechszehnte  Jahr 
des  Königs  Theudes,  der,  nach  einer  nicht  zu  verachtenden  Vermuthong 
des  Ferreras  ^) ,  seinem  Namen  die  Schlusssilbe :  (Thcude)rich  beigef Qgt, 
wenn  man  nicht  annehmen  will ,  dass  später  absichtlich  oder  aus  Lrthnm 
der  bekanntere  Name  des  Theodorich  dem  des  Theudes  substituirt  wurde. 

Sfao4»  ^^  Grund  für  das  Jahr  546  —  statt  524  —  liegt  femer  in  dem 
V«  Umstand,  dass  in  den  beiden  Synoden  von  Lerida  und  Valencia  die 
eu    bischöflichen  Brüder  Justus  von  Urgel  und  Justinian  von  Valencia  — 

"  ^*' sogleich  nach  dem  Metropoliten,  d.  i.  als  die  ältesten  Bischöfe  unter 
zeichnen.  Von  Justinian  sagt  zudem  noch  Isidor,  was  auch  von  seinen 
drei  Brüdern  gilt,  dass  er  unter  dem  Könige  Theudes  geblüht,  also 
etwa  von  531 — 546;  gesezt  auch,  er  wäre  524  schon  Bischof  gewesen, 
so  wäre  er  jedenfalls  nicht  der  älteste  gewesen  ^j. 

*  Die  Bischöfe  kamen  in  Valencia,  das  in  den  Akten  Valles  keisst, 
zusanmien;  denn  Neu-Carthago  eignete  sich  nicht  zur  Versammlung; 
Valencia  war  wohl  die  bedeutendste  Stadt,  wie  sie  es  heute  noch  in  den 
Königreichen  Valencia  und  Murcia  ist,  und  das  Alter  und  Ansehen  des 
Justinian  verdiente  wohl  auch  Rücksichten. 

Die  erste  Unterschrift  lautet:  Ich  Celsinus,  in  Christi  Namen  Bischof, 
habe  unterschrieben.  Die  einen  halten  den  Celsinus  für  den  Celsus, 
den  Vorg^ger  des  Montanus.  Aber  zwischen  den  Namen  Celsus  und 
Celsinus  ist  ein  Unterschied,  wie  zwischen  den  Namen  Justus,  Justinus 
und  Justinian.  Andere  halten  ihn  für  den  Celsinus  von  Valencia,  der 
589  zu  Toledo  unterschrieb ;  mit  Unrecht  Er  war  der  sonst  nicht  ge- 
nannte Bischof  von  Carthagena,  und  der  rechtliche  Metropolit  der  Pro- 


I)  regimen  htmoriä  retmUavü  ac  dUpoiuüy  condigno  caelestique  Jure  timul  U  ordme. 
*)  Ferrenu-Bimmsiarten,  2,  231. 
* j  Isidor.  d.  vir.  iU.  ixtp.  33-  34. 


Die  Kirchenprovinz  von  Toledo  (Carthaginensis)  357^ — 589.  45S 

nns  Cartluiginenfns,  der  kaum  von  der  Hälfte  seiner  ProTixus  aneri^annt 
wurde.  Nach  ihm  unterschrieb  Justinian.  EBerauf  die  Bischöfe  BeparatoSi 
SetabioSy  Benagius,  Ampelius,  der  Erzdiakon  Sallustius  im  Namen  seines 
Bischöfe  Marcellus.  Fünf  Bischofissize  sind  uns  nicht  bekannt;  die  Vei^ 
muthung  füllt  auf  die  Bisthümer  Elotana,  Dici^  Denia^  Sätabis,  Sego-  ^ 
bria,  als  die  zunächst  um  Valencia  liegenden.  Da  im  J.  589  BisdiSfe 
von  Sätabis  und  Segobria  erschienen,  so  muss  man  zunächst  an-  diese 
beiden  denken;  da  die  Bisthümer  Uici^  Denia  und  Elotana  erst  später 
vorkommen^  so  kann  man  auch  annehmen,  dass  Bischöfe  aus -Hock* 
andalusien,  aus  den  geschichtlich  beglaubigten  Bisthümern  Urci|  Basti, 
Äoci,  Mentesa  und  Castulo  -v  zugegen  waren ,  schwerlich  aber  ein  Bi- 
schof aus  Neu-  oder  Ait-Castilien. 

Den  zu  Valencia  verlesenen  alten  Ganones  wurden  sechs  Zusäse 
beigefügt:  1)  Das  Evangelium  werde  vor  dem  Offertofium  (ante  munenan 
oUationem)  oder  der  Missa  [d.  i.  der  Dimissio ')]  der  Eatechumenen  ge- 
lesen, und  zwar  nach  dem  Apostel,  i.  e.  nach  der  Epistel ,  dass  nicht 
bloss  die  Gläubigen,  sondern  auch  die  Eatechumenen  und  Büsser,  und 
alle  aussen  Stehenden  (onrnes,  qui  e  diverso  sunt)  das  VV^ort  Gt>ttes  und 
die  Predigt  des  Bischöfe  hören,  durch  welche  Einige  bekehrt  wurden. 

2)  Stirbt  ein  Bischof,  so  sollen  die  Cleriker  nichts  von  seinem  Erbe 
—  wie  Räuber  plündern ;  ansonst  sollen  sie  durch  den  Metropolitoi  und 
die  Mitbischöfe  zur  Rückgabe  gezwungen  werden.  Stirbt  ein  Bischof, 
80  soll  (nach  Canon  6  der  Synode  von  Rhiez  von  439)  der  Nachbar- 
bisehof nach  dem  Herkommen  die  Exequien  halten ,  und  das  Erbe  des 
Bischofs  überwachen^  der  innerhalb  der  Octave  des  Verstorbenen  (d.  L 
des  Siebenten)  ein  genaues  Inventar  zu  Händen  des  Metropoliten  an- 
fertigen lassen  soll ,  welcher  einen  Verwalter  einzusezen  hat,  damit  dieser' 
den  Clerikem  ihr  Einkommen  reiche,  und  wenn  die  neue  W^ahl  sich 
▼erzögert,  seinem  Mandatar  Rechnung  ablege. 

3)  Das  Gleiche  gelte  von  den  Verwandten  des  Bischofs,  wenn  er 
ohne  Testament  stirbt;  sie  sollen  ohne  Wissen  des  Metropoliten  sich 
nichts  aneignen.    Dieser  Canon  hat  rückwirkende  Kraft. 

4)  Es  soll  sich  die  Beisezung  eines  verstorbenen  Bischofs  —  durch 
die  Verspätung  des  Epwcapus  Commendator  [ammae  ^)]  nicht  verzögern. 
Der  eingeladene  Bischof  soll  den  Kranken  besuchen,  um  sich  zu  freuen 
über  seine  Oenesung,  oder  ihn  zu  mahnen,  dass  er  sein  Haus  bestelle, 
und  soll  seinen  lezten  Willen  vollziehen.  Stirbt  er,  so  bringe  er  erst 
dss  Opfer  für  ihn ,  dann  begrabe  er  ihn ,  und  seze  das  vorher  Befohlene 
in's  Werk.  Stirbt  aber,  wie  es  gewöhnlich  ist,  der  Bischof  plözlich, 
and  können  die  Nachbarbischöfe  nicht  rechtzeitig  kommen,  so  bleibe 


*)  8.  DucangBj  3,  mtBaa. 

*)  8.  Duoange:  Cammendaäo  anmcie. 


r 


448  SIebenle«  Buch.     DHiiehntPs  Kspllel. 

warea,  <J&  vielleicht  auch  die  hocbandalusiecheD  Bischöfe  gel&den 
gaben  darüber  die  fünf  VerBsrnmeltcn  ihier  Befremdung  in  d- 
Ausdruck:  „sie  haben  .'^ich  der  Sjnode  dieser  Provinz  entzogt 
aber  die  FUnfzahl  allzu  druckend  auf  ihaea  lastete,  so  gabei 
selben  einen  nur  scbeinbaren  Zuwachs  durch  die  Beitreibun) 
drei  Unterschriften  von  Bischöfen ,  die  von  Rechts  wegen  kein' 
Sache  und  zur  Sj-node  gehörten: 

Marcianus  (Marrucinus,  Marracinus],  Bischof  in  Christi  N 
des  katholischen  Glaubens  in  die  8tadt  Toledo  verbannt,  hab< 
handJungen  meiner  heiligen  Bruder  angewohnt,   sie  gelesen 
schrieben. 

Nibridius,  in  Christi  Namen  Bischof  der  katholischen  I 
Egara,  habe  diese  Constitution  meiner  MitbischUfe  in  der  Sta 
da  ich  nach  geraumer  Zeit  dahin  gekommen,  mit  Wahrung  der 
der  frühem  Canones ,  geteaen ,  gebilligt  und  unterschrieben.  — 
so  sein  Bruder,  der  Bischof  Juatus  von  Urgel. 

Wie  viel  Zeit  unter  dem  „aUquanlum  Umporia"  zu  ver 
können  wir  nicht  ahnen.  Es  könnte  auch  ein  Jahrzehent  s 
Justus  war  nuch  546  Bischof  von  Urgel,  während  sein  w 
Bruder  Nebridius  in  diesem  Jahre  schon  einen  Nachfolger  1 
Auffallend  int  das  Lob,  das  die  Synode  dem  Könige  Amalricl: 
der  seine  katholische  Gemahlin  zu  Tode  misshandelte,  und 
soheinlieli  den  Bischof  Maician  verbunnt  hatte.  —  Aus  dem  di 
Amalrioh  gespendeten  Lob  schliesst  man  umsonat,  „dass  er 
durch  DulduDgssinn  auszeichnete''  ').  Das  auffallende,  jed 
Munde  einer  Synode  neue  Lob  war  einfach  eine  „cnptatiu  ben 
gegen  etwaige  Versuche  der  untern  Bischöfe,  dem  Vorgehen 
entgegenzutreten,  obgleich  in  den  Akten  nicht  steht,  da.-i 
Amalrich  angefragt  habe,  ob  man  die  Synode  halten  dürfe') 

Wir  wollen  das  Vorgehen  der  Bischöfe  in  und  um  Tt 
tadeln.  Sie  wollten  von  zwei  Uebeln  das  kleinere;  sie  zogi 
für  sicli  eine  Synode  und  einen  Metrüpülitea  zu  haben,  da  sie 
von  ihnen  dazu  verstehen  wollte,  den  Metropoliten  von  Car 
zuerkennen;  wir  glauben  aber,  dass  es  bei  dieser  ersten  S 
blieben  sei.  Denn  da  die  Synoden  seibat  ohne  allen  Zweifel 
geaunmolt  und  geordnet  wurden ,  so  hätten  die  Sammler  etwa 


')  Ferrtrat  meint,  Köalg  Amatrich  huhR  die  Biscliofsslühle  nichl  lies 
allein  dann  halte  obiger  Tadel  des  Wegbleibens  keinen  Sinn.  -  : 
Ibum  Paleocia  wai  unbescil  (Fe^er.,  2,   •J12). 

')  Flottt-BiKi,,  t.  42,  189  (Lgara).  —    K.-G.,  2,  «0  —  441. 

■)  Alao  Aichbwh,  Q.  d.  Wciigolbeo,  p.  183. 

•)  AUo  Fentra,,  2,  309. 


Die  Kirchenprovinz  von  Toledo  (Carthag^iDenaia)  357  —  589.  455 

„Jnstinian  von  Spanien ,  Bischof  der  Valentinischen  Earche,  von  yier    Ja. 
ßischöfen,  Söhnen  derselben  Mutter  Einer,  schrieb  ein  Buch  Antworten    v<m 
an  einen  gewissen  Rusticus  über  gestellte  Fragen :  die  erste  Antwort  ist  i,^^ 
über  den  heiligen  Geist;  die  zweite  ist  gegen  die  Bonosianer,  welobe   , 
Christum  einen  Adoptivsohn,  und  nicht  den  eigenen  Sohn,  nennen:  dii^^^^    * 
dritte  Antwort  ist  über  die  Taufe  Christi,  dass  man  sie  nicht  wiederilialaqbji^vr 
dürfe  (also  zunächst  gegen  die  Arianer  in  Spanien):  die  vierte  Antwort  '**  '  '*A 
ist  von  dem  Unterschiede  der  Taufe  des  Johannes  und  Christus:   die 
fünfte  Antwort  ist,  dass  der  Sohn,  wie  der  Vater,  unsichtbar  ist.    Er 
blühte  in  Spanien  zu  den  Zeiten  des  Gothenfüi*sten  Theudes^).^    Seine 
Schriften  gelten  zur  Zeit  für  verloren ,  aber  Helfferich  neigt  zu  der  An» 
nahme^  dass  sie  in  der  unter  Ildefons  Namen  bekannten  Schrift:   ^Ub^ 
dt  ardine  baptUmi^  —  erhalten > seien,  wofür  er  sehr  starke  Gründe  bei- 
bringt*). 


0  Jsidcr  de  pir.  ilL  eap,  33. 

^  J.  Helffenck,  der  westgotb.  Arianismas,  1860,   S.  3,  41  —  49  —  haDdelt  am 

aotführliebsten  von  Jaslinian  und  beweist  evident,  dass  die  Sebrift:  »cfo  orduic 

baptismi"  viel  frübern  Ursprangt  sei. 


f 


<■ 


Vierzehntes  Kapitel. 

Die  Rirchenprovinz  Gallzien  (357—589). 

A*(a-  Da88  Asturica  bis  zu  seiner  Zerstörung  im  J.  457  Metropole  von 

Mtiro-  Galizien  war,  wird  zwar  nicht  zugegeben,  ist  aber  dennoch  augenfällig. 
^  —  Denn,  warum  gieng  Domitian  im  J.  343  mit  Hosius  nach  Sardika? 
Weil  er  Metropolit  von  Galizien  war.  Warum  weihte  der  Bischof  Sym- 
phosius  von  Asturica  seinen  Sohn  und  Nachfolger  Dictinius  zum  Bischöfe^ 
warum  weihte  er  sämmtliche  Bischöfe  Galizicns,  darunter  auch  den  Bi- 
schof Patemus  TonBracara?  Weil  er  Metropolit  war.  Warum  wendete 
sich  Bischof  Tjuribius  von  Astorga  —  an  Papst  Leo  I.  in  Sachen  der 
Priscillianisten,  warum  bestellte  ihn  dieser  Papst  zu  seinem  Bevollmäcb- 
^  tigten?  Weil  er  Metropolit  und  —  ein  sehr  energischer  Mann  war.  fc 
ist  wie  eine  Verstellung,  wenn  ihn  die  1.  (2.)  Synode  von  Bracara  vom 
J.  561  den  Notar  des  Papstes  nennt.  Das  heisst  den  Lesern  Sand  in 
die  Augen  streuen.  Wäre  er  Leo's  Notar  gewesen,  etwa  wie  Prosper 
von  Aquitanien,  so  wäre  er  nicht  in  Astorga,  sondern  in  Rom  gewesen. 
—  In  Bracara  aber  wollte  man  hundert  Jahre  nach  der  Zerstörung  von 
Astorga  457  —  von  dem  Vorrechte  dieses  Bisthums  nichts  mehr  wissen, 
das  ihm  vielleicht  doch  entzogen  worden  wäre ,  nachdem  Bracara  Haupt- 
stadt des  Reiches  der  Sueven  geworden. 

Ueber  die  Sueven  regierte  nach  Hermerich,  f  441  in  Merida,  Rechila, 
t  448  in  Emerita,  sein  katholischer  Sohn  Rechiarius '),  der  456  im 
Kampfe  mit  Theodorich  dem  Westgothen  gefallen  war,  Maldra  der 
Sohn  des  Massila,  während  andre  den  Franta  ihren  König  nannten^'. 
Maldra  fiel   im    J.   462.    —     Nach    Franta   regierten    Frumarius   und 


')  Lembke,  8.  28. 

*)  s.  ÄMckbach,  S.  136.  194. 


Die  KirehenproviDs  Galisieft  (8fi7~86^.  457 


rand  neben-  und  gegeneinander  —  in  Galisien*).     Im  J.  464 
rächte  nach  dem  Tode  des  Frumarius  Remismund  alle  Sneyen  in    dm 
Bine  Handy   scbloss   Frieden   mit   den    Eingebomen,   und  nahm  eine    dtr 
*ochter  des  Westgothen  Eurioh  zur  Ehe.   Er  fiel ,  vielleicbt  wegen  seiner  ^''^**' 
remahlin ,  in  den  Arianismus  zurück.    Von  Galizien  drang  er  in  Lusi- 
inien  ein.    Zu  seiner  Zeit  war  ein  Galatier  Ajax,  ein  Arianer,  ein  ^ 

eftiger  Feind  der  £[athoIiken.  —   Die  Sueven  eroberten  Lusitanien  bia       IdU 
''oimbra^  selbst  Lissabon  fiel  vorübergehend  in  ihre  Hände.  '  ^ 

Hier  endet  des  Idatius  ehrtmieon,  das  Isidor  in  seiner  Geschicfate 
er  Sueven  recapitulirt  Fast  ein  Jahrhundert  lang  schweigt  er,  und 
[Zweigt  die  Geschichte  über  sie,  ofienbar  weil  er  nichts  wusste^).  Er 
ftgt  nur:  „Als  sodann  viele  Könige  der  Sueven  in  der  Arianischen 
Cezerei  verharrten ,  übernahm  endlich  Theudemir  die  Gewalt  der  Regie- 
ung.'^  Vor  ihm  regierte  Carraridi,  550  —  559.  Carrarich  gelobte  Ka- 
bolik  zu  werden,  wenn  auf  die  Fürbitte  des  heib'gen  Martin  von  Tours 
ein  todtkranker  Sohn  genesen  würde.  Der  Sohn  genas.  Das  Land 
ward  von  der  Seuche  befreit.  Zum  Danke  trat  Carrarich  mit  seinem 
ganzen  Volke  in  die  Kirche  ein^).  Dieser  Sohn  war  Ariamir  oder 
rheodemir,  der  im  J.  559  den  Thron  bestieg,  und  10  Jahre  regierte 
—  bis  570,  in  welchem  Jahre  König  Mir  ihm  folgte. 

Im  J.  56t    wurde  die  erste  Synode  von  Bracara  gehalten  (da  die  Sjw&% 
ÜLten  einer  angeblich  im  J.  411  daselbst  gehaltenen  Synode  als  unScht  bth« 
inerkannt  sind).    Es  war  eine  Synode  von  8  Bischöfen,  gehalten  am  "^^^ 
.  Mai,  im  Jahre  3  des  Königs  Ariamir,  Aera  599  (561).  —  Anwesend 
iraren  Lucretius,  Metropolit,  Andreas  (von  Iria),  Martinus  (von  Dumium), 
üottus,  Ildericus,   Lucretius  (von  Coimbra),   Timoth^us,  Maliosus  (d.  i. 
Mahiloc  von   Britonium),    welche  auf   den    Befehl    des    ruhmreichstea<4r 
Königs  Arimir  in  der  Metropolitankirche  zu  Bracara  zusammengekonmien 
iraren.    Es  sassen  die  Bischöfe,  zugegen  waren  die  Priester,  es  standen 
lie  (Kirchen-)  Diener  und  der  gosammte  Clerus.     Dann  hielt  Lucre- 
aus  eine  Rede,  ausser  zunächst  hervorgeht,  dass  „lange'' keine  Synode 
itattfiuid.    Wie  lange?   vielleicht  nie  vorher.    Diese  Rede  und  die  Ver- 
l&andlungen  —  sind  aber  so  fein  ausgearbeitet,  so  kunstvoll,  so  niedlich, 
so  harmonisch  gegliedert,  so  aus  einem  6uss  gegossen,  dass  ich  längst 
EU  der  Ansicht  gekommen,  dass  das  Ganze  aus  der  Feder  des  Martin 
?on  Dumium  geflossen ,  der  das  Protokoll  —  mit  Meisterhand ,  aber  audi 
mit  grosser  —  fast  poetischer   Freiheit   regierte.    Namentlich  sind  die 


'j  cf.  Idatius,  Jomandet,  cap.  44. 

*)  Isuktr.  Suwarum  Mstoria,  —  Aachbach,  Geschichte  der  Westgothen,  S.  194—1%. 

Lembke,  S.  44.  64. 
*)  Qrtgw,  Turon,  de  wwracuL  a.  Martini ,  1,  11  (Isidor  weiss  nichts  davon).  —  Lö' 

bdl,  Gregor  von  Tours  und  seine  Zelt,  Leipz.  1839,  8.  362—868. 


458  Stebentfis  Buch.    VierMhntM  Kapitel. 

Antworten  Bämmtlicher  Bisehöfe  derart  stylisirt  und  konatvoU  aiuigcfülirt, 
dass  Jedem  die  absolute  Unmöglichkeit  einleuchtet ,  dass  sieben  Bisehöfe 
einstimmig  so  gesprochen  haben  sollten.  Lucretius  sagt,  dass  ^der  seligste 
Papst  der  Stadt  Born,  Leo,  der  etwa  der  viersigste  Nachfolger  des 
Apostels  Petrus  war^  durch  Turibius,  den  Schreiber  seines.  Sises  (I),  Briefe 
an  die  Synode  von  Oalizien  gegen  die  gottlose  Sekte  des  PriscillisQ 
richtete^.  Dann  heisst  es  weiter  gegen  alle  und  jede  geschichtliche  Be- 
Jkmw^'  glaubigung:  j,Auf  seinen  Befehl  haben  die  Tarraconensischen  und  Car- 
s^mS«  thaginensischen,  auch  Lusitanischen  und  Bätischen  Bischöfe  —  unter  sich 
^llj^  ein  Concil  gehalten ,  und  haben  eine  Glaubensregel  gegen  die  Irrlehre 
der  Priscillianisten  mit  einigen  Kapiteln  zusammengeschrieben  und  sie  an 
BalconiuSy  den  damaligen  Bischof  dieser  Kirche  von  Bracara,  gerichtet^ 
Diess  sind  Erdichtungen.  Balconius  war  Bischof  um  41 5 ,  und 
schwerlich  mehr  im  J.  447.  Die  gemeinte  Synode  kann  nur  die  von 
Toledo  I  seyn ,  eine  andere  ist  nicht  gehalten  worden.  Bei  dem  absoluten 
Stillschweigen  des  Idatius  —  ist  eine  solche  Synode  bloss  auf  das  Zeug- 
niss  einer  über  100  Jahre  spätem  Synode  um  so  weniger  anzunehm^ 
als  hier  überhaupt  andere  Irrthümer  sich  finden.  Es  schimmert  die  Ab- 
sicht hindurch,  Bracara  im  ganzen  fünften  Jahrhundert  als  Metropole 
erscheinen  zu  lassen,  was  es  nicht  war.  j^Dann  wurde  ein  Exemplar 
der  Glaubensformel  mit  ihren  Capiteln  verlesen ,  welches  diesen  Verhand- 
lungen keineswegs  einverleibt  wurde  ^  damit  es  nicht  Weitschweifigkeit 
verursache.'  Dann  kommt  wieder  eine  lange  und  zierliche  Bede  sämmt- 
Ucher  Bischöfe ,  die  vielleicht  Martinus  allein  gehalten  hat,  wenn  sie 
nicht  in  Nachahmung  der  Alten  fingirt  ist. 
Syaode  Es  folgou  uuu  17  Kapitel  gegen  die  Priscillianisten.  1)  Wer  die 
vott^f^Ti^^t  im  Sinne  des  Sabellius  und  Priscillian  lehrt ,  der  sei  Anathem. 
-'St.  ^^  ^^^  ausserhalb  der  heiligen  Trinität  noch  ,,eine  Trimtat  TrmUatü'' 
lehrt y  wie  die  Gnostiker  und  PriscilUan,  sei  Anathem.  3)  Ebenso,  wer 
sagt,  dass  der  Sohn  Gottes  nicht  existirt  habe  vor  seiner  Geburt  aus 
Maria,  wie  Paul  von  Samosata,  Photin  und  Priscillian.  4)  Wer  Weih- 
nachten nicht  feiert,  sondern  an  diesem  l'age  und  am  Sonntage  fastet, 
weil  er  nicht  glaubt,  dass  Christus  in  der  wahren  menschlichen  Natur 
geboren  sei,  wie  Cerdon,  Marcion,  Manichäus  (d.  L  Manes)  und  Pris- 
cillian; 6)  wer,  wie  beide  leztere,  lehrt,  dass  die  Seelen  und  die  Engel 
aus  der  Substanz  Gottes  geschaffen  seien;  6)  wer  lehrt,  dass  die  Seelen 
zur  Strafe  ihrer  Sünde  in  der  himmlischen  Wohnung  in  Leiber  auf 
Erden  verbannt  worden,  wie  Priscillian;  7)  wer,  wie  beide  leztere, 
leugnet,  dass  der  Teufel  im  Anfang  ein  guter  roü  Gott  geschaffener 
Engel,  vielmehr  lehrt,  dass  er  kein  Geschöpf  Gottes,  sondern  aus  dem 
Chaos  und  der  Finstemiss  emporgestiegen,  der  selbst  sein  Princip  und 
die  Substanz  des  üebels  sei;  8)  wer,  wie  Priscillian  lehrt,  dass  der 
Teufel  einige  Dinge  in  der  Welt  gemacht,  dass  er  Donner,  Bliz,  Un- 
wetter, Trockenheit  luis  ei^er  Kraft  bewirke;  9)  wer  glaubt ^  dass  die 


Die  KiffcheBiMroiriiiB  OalisieD  (357—588).  459 

menschlieheii  Seelen  und  Leiber  an  die  Gestirne  gebunden  aind,  wie  die 
Heiden  und  Prisoillian;  10)  wer  glaubt,  die  12  Zeichen  des  Thierkreises, 
welche  ^6  Mathematiker  beobachten/ seien  vertheüt  an  die  einzelnen 
Glieder  des  Leibes  und  der  Seele,  und  an  die  Namen  der  (12)  Patriarchen 
verschrieben,  wie  Prisoillian  lehrt;  11)  wer  die  Ehe  verdammt,  und  die 
Eindererzeugung  in  der  Ehe  verabscheut,  wie  Manichäus  und  Priscillian 
ehren ;  12)  wer  sagt,  die  Bildung  des  menschlichen  Leibes  sei  ein  Werk 
^tans,  und  die  Empfängniss  im  Mutterleibe  geschehe  durch  die  Wirkung 
ler  Dämonen,  und  darum  die  Auferstehung  leugnet,  wie  M.  und  Prise.; 
!3)  wer  sagt,  die  Erschaffung  alles  Fleisches  sei  nicht  ein  Werk  Gottes, 
andern  böser  Engel;  14)  wer  die  Fleischspeisen  für  unrein  hält,  die 
Tott  som  Gebrauch  der  Menschen  gab,  und  wer  sich  ihrer  nidit  etwa 
or  Bezähmung  des  Fleisches ,  sondern ,  weil  sie  unrein  seien ,  enthält^ 
0  dass  er  nicht  einmal  mit  Fleisch  gekochte  Gemüsse  isst,  wie  M.  und 
Visc;  15)  wenn  ein  Cleriker  oder  Mönch  neben  seiner  Mutter  oder 
chwester  oder  Tante  (thia)  oder  nächster  Blutsverwandten  gewisse 
ndere  Frauenspersonen  gleichsam  adoptirt,  und  mit  ihnen  zusammen- 
^ohnt,  wie  die  Sekte  Prise,  lehrt;  16)  wer  am  Gründonnerstage,  zur 
esezten  Stunde,  nach  der  Non,  nüchtern  in  der  Kirche  nicht  die  Messe 
alt  ^) ,  sondern  mit  obiger  Sekte  die  Feier  dieses  Tages  von  neun  Uhr 
d  —  durch  Todtenmessen  —  und  nicht  nüchtern  begeht;  17)  wer  die 
eiligen  Schriften,  die  Priscillian  fälschte,  oder  die  Tractate,  die  Dictinius 
or  seiner  Bekehrung  schrieb,  oder  —  andere  Schriften  der  Häretiker, 
ie  sie  unter  dem  Namen  von  Patriarchen ,  Propheten  oder  Aposteln  ge- 
shmiedet,  liest,  sie  befolgt  oder  vertheidigt,  der  sei  im  Banne. 

Nun  wurden  aus  dem  Codex  die  Statuten  der  allgemeinen  und  Ört- 
chen Concilien  verlesen  (wahrscheinlich  die  Canonen- Sammlung  des 
Urtin  von  Dumium).  Es  folgten  lange  und  gewimdene  Zwiegespräche 
wischen  Lucretius  —  und  den  einstimmig  redenden  Bischöfen.  Dann 
mrde  der  Brief  des  Papstes  Vigilius  an  den  Bischof  Profuturus  von 
(raga  vom  J.  538  verlesen,  erlassen  auf  des  leztem  Anfragen,  worin 
w  a.  gesagt  wird,  dass  das  Christentbum  aus  Rom  in  jene  Lande  ge- 
ommen  ^).  —  Kap.  1  handelt  von  den  Priscillianisten ,  insofern  sie  nicht 
leisch  assen.  Kap.  2  von  der  dreifachen  Immersid  bei  der  Taufe.  Kap.  3 
on  den  Wiedergetauften  der  Arianer,  die  man  nur  nach  geschehener 
tusse  wieder  au&ehmen  könne.  Kap.  4.  Neugebaute  Kirchen  sind  ein- 
uweihen,  indem  Sanctuarien  in  sie  gesezt,  die  Messe  celcbrirt,  und  sie 
dit  Weihwasser  bei|»rengt  werden.  Bei  wiederhergestellten  Kirchen 
lenügt  die  CdebrinHig  der  heiligen  Messe.  Kap.  5.  Das  nächste  Ostern 
ille  auf  den  24.  April.    Die  Messfeier  (d.  i.  der  Canon  der  Messe)  sei 


')  wuMtoi  non  teneL 

*)  ad  mmdtm  /onieMf   de  quo  illuc  sabUaris  mmnav4rat  fj^mphüf  recurritU^ 


460  8i€beDtet  Buch.     Vleraehntet  Kapitel. 

in  Rom  stets  dieselbe;  ein  Exemplar  des  Canons  sendet  er  ihm, 
Beifügung  der  Messe  anf  Ostern.    Er  übersendet  Reliquien  der  Apo 
and  Martjrrer.     Kap.  6.    Es  muss  im  Namen  der  drei  göttüdben  I 
sonen  getauft  werden  *). 

Es  folgte  die  Verlesung  von  22  Canones,  welche  die  einheiüi 
kirchliche  Ordnung  in  der  Provinz  herstellen  sollten.  1)  Es  sei  I 
Ordnung  des  Psalmirens  her  der  Matutin  und  Vesper,  und  Gkbräu 
der  El5ster  werden  nicht  mit  der  kirchlichen  Regel  vermischt  2) 
den  Vigilien  und  den  Festen  selbst  werden  dieselben  Lectionen  gele 
3)  Bischöfe  wie  Priester  sollen  das  Volk  grUssen  mit :  Dominus  (statt  F 
vobiieum,  wie  im  ganzen  Orient,  und  nicht  nach  der  Neuerung  der  I 
cillianisten  ^).  4)  Die  heilige  Messe  soll  nach  dem  Ritus  gefeiert  werc 
den  der  Metropolit  Profuturus  von  Rom  erhielt.  5)  Ebenso  mit  < 
Ritus  der  Taufe.  6)  Die  Bischöfe  sollen  —  unter  dem  Vorsiz  des  Me 
politen  —  nach  der  Zeit  ihrer  Weibe  sizen.  7)  Das  Kirchengut  sol 
drei  gleichen  Theilen  dem  Bischof,  dem  Clerus ,  der  Reparatur  und 
Lichtem  der  Kirche  zufallen.  Von  lezterm  Theil  soll  der  verwalte 
Archipresbyter  oder  Diakon  dem  Bischöfe  Rechnung  stellen.  8)  0 
sdiriftliches  Zeugniss  soll  kein  Bischof  einen  auswärtigen  Cleriker  weil 
9)  Zum  Unterschiede  von  den  Subdiakonen  sollen  die  Diakonen  — 
Orarium  (die  Stola)  nicht  unter  der  Tunica  —  Dalmatik  —  tra^ 
sondern  über  der  Schulter.  10)  Nicht  alle  Lectoren,  sondern  nur 
von  den  Bischöfen  zu  Subdiakonen  geweihten  dürfen  die  heiligen  < 
fasse  des  Altars  tragen.  11)  Die  Lectoren  sollen  in  der  Kirche  nicht 
weltlichen  Kleidern  psalliren ,  noch  lange  Haare  nach  Weise  der  Hei 
tragen^).  12)  Ausser  den  Psalmen  und  überhaupt  dem  A.  und  N.  Te 
ment  soU  nach  den  Canones  nichts  Poetisches  in  den  Kirchen  gesunj 
werden.  13)  Die  Laien  dürfen  zur  heiligen  Communion  (ad  commi 
candum)  nicht  in  das  Sanetuarium ^)  des  Altars  eintreten,  seien  es  Man 
oder  Frauen y  sondern  nur  die  Cleriker'^).     14)  Wer  vom  Clerus  ni 


')  Die  episiola  VigUü  ad  I¥oßiturum  episcopum  —  steht  auch  in  ColUcdo  Hispam 
mit  Auslastung  der  Zeitbestimmung  —  1.  März  &38    —  Mansi,   .9,  29.  - 
lectio  C.  LabbeO'Veneta,  5,  1290—1294.    —    Aguirre,  3,    161—165,  Fic 

.15,  107  —  109. 

»)  8.  Luefl,  Lilurgik,  2,  S.  76  -  77.    -    HefeU,  3,  15  ~  16. 

•)  neque  grano»  demtttant  —  Isidor  —  etymoL  19 y  23  —  nannuUae  gentes  nnn  sf. 
m  vtMiibuiy  sed  et  in  corpore  aliqua  sibt  propria  quasi  intignia  vindicantf  ut  vhU 
eirrot  Oermanorum,  grtmos  et  cinnabar  Gotkorum,  —    Nach  L.  Zerda  in  Adverst 

—  bedeutet  »grani"  —  gescheiteltes  und  herabhängendes  Haar—  cf.  ToUl  4, 

—  wodurch   die  Sache  erklärt  wird:   es  sind  »lange  Haare*   —  proiixae  co 

—  c/.  Ducange  —  grani  —    ein   erschöpfender   Artikel;  grenones    —    (greuno 
grinonee)  bedeutet  den  Schnurrbart 

*)  Gregor.  M.  ip.  3  (4),  30. 

•)  4  ToUl  18.  —   C.  LomUc.  c.  19. 


Die  Kircbenprovins  Galisien  (357—589).  461 

Fleisch  genieosty  soll,  um  dem  Verdacht  des  PriscillianiBmaB  zu  entgehen, 
wenigstens  in  Fleisch  gekochte  Gemüsse  zu  kosten  verhalten  werden, 
unter  Strafe  des  Bannes  und  der  Absezung.  15)  Mit  Ausgeschlossenen 
darf  Niemand  verkehren.  —  16)  Selbstmörder  und  Hingerichtete  erhalten 
kein  christliches  Begräbniss^);  17)  wie  auch  Katechumenen  nicht,  die 
vor  der  Taufe  sterben.  18)  Leichname  sollen  nicht  in  den  Kirchen, 
9ondem  höchstens  an  den  Kirchen  begraben  werden.  19)  Ein  Priester, 
ier  hinfort  wagt,  das  Chrisma  oder  Kirchen  und  Altäre  zu  weihen,  sei 
ibgesezt  20)  Kein  Laie  werde  Priester,  ohne  ein  Jahr  des  Lectorats 
)der  Snbdiakonats.  21)  Was  an  Festen  oder  Oedächtnisstagen  der 
Fodten  die  Gläubigen  opfern,  soll  ein  Cleriker  sammeln,  und  ein-  oder 
eweimal  im  Jahre  an  alle  Cleriker  vertheilen;  nicht  aber  darf  Einer  das, 
vras  in  seiner  Woche  eingeht,  behalten.  22)  Die  hier  vorgelesenen  altem 
i^snones  müssen  von  Allen  bei  Strafe  der  Abseaiung  beobachtet  werden'). 

Lucretius  forderte  zur  genauen  Einhaltung  der  Beschlüsse  auf;  wer 
nit  Ausgeschlossenen  wegen  Verbrechen  oder  Häresie  verkehre,  yerfidle 
lerselben  Strafe.  Alle  Bischöfe  antworteten  (was  sie  sidier  nicht  in 
lieser  Weise  sagten) :  So  geschehe  es ,  und  „jeder  müsse  diese  Verhand- 
ongen  selbst  unterschreiben^.  —  Es  geschah  also :  Ich  Bischof  Lucretius 
abe  unterschrieben.  Ebenso  die  Bischöfe  Andreas  von  Lria,  Martin  von 
)umium,  Cortus,  Ildericus,  Lucretius  von  Coimbra,  Timotheus,  Maliosos 
Ueliosns,  Maliciosus,  vielmehr  Mahiloc  von  Britonium). 

Aschbach  sagt,  dass  auf  dieser  Synode  besonders  gegen  den  Aria- 
ismus  geeifert  wurde;  Lembke,  dass  auf  derselben  —  „das  katholische 
Haabensbekenntniss  von  der  sämmtlichen  Geistlichkeit  der  Sueven  ab- 
;elegt  wurde'' ').    Ich  sehe  nicht,  worauf  sich  diese  Angaben  stüzen. 

Im  J.  571  (oder  570)  folgte  auf  Theodemir  der  König  Miro  oder  Miras, 
in  entschiedener  Katholik  ^).  —  Die  sogenannte  Synode  von  Lugos  vom  k«!»« 
.  569  ist  eine  plumpe  Erdichtung.    Die  dort  Versammelten  if^&ren  Pro-    voa  * 
beten  gewesen,  denn  sie  wussten,  dass  50  Jahre  später  unter  König  Swin-  ^*'*'* 
la  —  Caliabria  ein  Bisthum  wurde  ^).   König  Theodemir  hätte  die  Synode 
uf  den  1.  Januar  berufen,  was  unerhört  wäre.    Der  König  selbst  hätte 
»rieflich  vorgestellt,   dass  sein  Reich  zu  wenig  Bisthümer  und  nur  eine 
fetropole  habe.    Die  Synode  hätte  nun  Lugos  zur  Metropole  erhoben, 
tnd  andere  ungenannte  Bisthümer  errichtet.    Damach  hätten  zu  Bracara 


0  t.  K-G.  2,  34. 

«)  AgmrT€  ed  CataJUmi  U  3,  177— 182;  Notae  Variarum,  182-187.  ^  HardMm,  C, 
t  S,  347  tq.  —  Mcrnuy  L  9,  773  sq.  —  JSIk.  CoUH,  L  6,  p.  515^-527.  —  Tefada 
y  Bamiro,  U  2,  606^619,  —  Florw,  15,  227^233.  —  Ä/efa,  3,  12-^17. 

*)  AMkbiMeh,  8.  195.  —  Lembke,  8.  65. 

*)  Pbrez,  14,  44  —  45. 

')  Aeehbaeh,  8.  211.  -    Lembke,  8.  66. 


i 


462  Siebente«  Buch.     Yierzehntea  Kapitel. 

gehört  die  Bisthümer:  1)  Portucale;  2)  Lamego;  3)  Coimbra;  4)  Viseo; 
5)  Dumium;  6)  Egitania;  zu  Lugos  aber  —  7)  Orense;  8)  Astorga; 
9)  Iria;  10)  Tude;  11)  Britonia,  im  Ganzen  13  Bisthümer,  welche  i^ohl 
alle  schon  im  J.  569  bestanden.  —  Mit  Recht  haben  Florez  und  Risco 
diese  Synode  verworfen^).  Richtig  dagegen  ist  die  Thatsache  der  Er- 
hebung von  Lugos  zu  einer  Metropole  vor  dem  J.  572. 

synod«         Es  folgt  die  zweite  (sog.  3.)   Synode  von  Braga  vom  J.  572,  im 
^"„    zweiten  Jahre  des  Königs  Mir,  am  1.  Juni.   Sie  beginnt  mit  den  Worten: 

Braemii  ^jj^^  jj^  Blsohöfe  der  Galizischen  Provinz  sowohl  aus  der  Synode  von 
Bracara  als  von  Lucus  mit  ihren  Metropoliten  auf  Befehl  des  Königs 
Mir  in  der  Metropolitankirche  von  Bracara  sich  versammelt  hatten ,  nem- 
lich  Martin  von  Braga,  Nitigis  von  Lugos,  Remisol  von  Viseum,  An- 
dreas von  Lria,  Lucretinus  von  Coimbra,  Adoric  vonEgidania,  Witimer  | 
von  Orense,   Sardinarius   von  Lamego,    Viator  von  Porto, ^  Anila  von 
Tude,  Polemius  von  Astorga ,  Mahiloc  von  Britonium ,  als  diese  Bischöfe 
Sassen,  und  der  guize  Clerus  anwesend  war,  sprach  Martin  Bischof  tos 
Braga^    Durch  göttliche  Eingebung,  heiligste  Brüder,   ist  es  wohl  ge- 
schehen,   dass   durch   die  Anordnung   des   glorreichsten  Herrn  unsen 
Sohnes   des  Königs   Wir  aus   beiden    Concilien   zu   einem    zusammeD- 
kamen  etc.    Daraus  geht  allerdings  hervor ,  dass  seit  dem  J.  56t  Lugo« 
Metropole  wurde,  zu  der  die  Bischöfe  des  eigentlichen  Galiziens  ge- 
schlagen wurden ,  während  bei  Braga  die  Bisthümer  des  nördlichen  Por- 
tugals blieben;  und  ich  glaube,  dass  Bischof  Martinus  hiebei  den  Aus- 
schlag gegeben  habe;  dass  sodann  obige  Synode  von  Lugos  nachträglich  |^ 
«^dichtet  wurde,  um  der  überraschend  in   die  Welt  eintretenden,  und  ^- 
überraschend  aus  der  Welt  austretenden  Metropole  von  Lugos  einen  ge-  - 
schichtlichen  Anhaltspunkt  zu  geben.  -—  Martin  versteht  aber  unter  Synode  f- 
oder  Concil  hier  zunächst  nur  die  Bischöfe   eines  Metropolitansprengeis. 
—  Nitigis  Bischof  von  Lucus  antwortete  dem  Martinus.     Dann  wurden  ^ 
die  Beschlüsse  der  Synode  von  561   verlesen.   —    Wieder  hielt  Martiii   3 
eine  Bede,  und  trug  der  Synode  das  vor,  was  er  vorher  zurechtgelegt 
hafte.  —   Das  Protokoll  ist  genau,   wie  bei  der  ersten  Synode,  so  dass 
kein  Zweifel  ist ,  dass  Martinus  selbst  es  verfasst.    Er  lässt  wieder  sämnit- 
liche  eilf  Bischöfe  in  gefeilter  Rede   sprechen,  als  hätten  sie  nur  einen 
Mund.    Sie  bitten  den  Martinus,  dass  er  alle  diese  Dinge,  in  einzelnen     • 
Kapiteln  kurz  gefeisst,  wie  sie  gebessert  werden  sollen,  diesen  Alten 


I)  Aptdrre,  L  3^  187^302  (mit  reichlichen  Noten).  —  Mann,  L  9,  8i5  tq.  - 
Hardum,  t  3,  373  sq.  —  CoUti,  t.  6,  555^576  (mH  reichlichen  Noten).  " 
Tejada  y  Ranuro  lässt  es  g^ans  aas,  weil  es  in  der  ColUetio  Hispama  nicht  itebt, 
was  auch  gegen  die  Aechtheit  zeugt  —  cf.  Florez,  4,  130 — 176  —  ^M  Cw 
dUo  de  Lugo'.  —  cf,  Risco,  t.  40,  229  —  289  „Diseriaaon  »obre  los  Ccmeüios  ^ 
Lugo*.  -   HefeU,  3,  25. 


Die  KiTebenprorins  OalisieD  (367—589).  463 

Möge,  was  er  olmedem  zu  tbnn  Willens  war.  Merkwürdig  ist  der 
terwürfiige  Ton,  in  welchem  die  Bischöfe  zu  Martinus  sprechen. 

1)  Die  Bischöfe  sollen  die  Diöcesen  untersuchen,  und  die  Weise 
r  Taufe,  der  Messfeier  und  der  Officien  untersuchen.  20  Tage  vor 
r  Taufe  sollen  die  Katechumenen  exorcisirt  werden,  und  dann  das 
mbolum  lernen.  An  einem  andern  Tage  sollen  die  Bischöfe  das  Volk 
sammenrufen ,  und  es  lehren ,  den  heidnischen  Irrthümern  und  andern 
erbrechen  zu  entsagen ,  d.  i.  Mord ,  Ehebruch ,  Meineid ,  ÜEilsches  Zeug- 
»  u.  a.,  sollen  sie  auf  die  Auferstehung  und  das  Gericht  hinweisen. 
2)  Dabei  dürfen  die  Bischöfe  von  jeder  Kirche  nur  zwei  Solidi,  und 
n  den  Priestern  keine  Knechtsdienste  verlangen.  Der  dritte  Theil  der 
nnahmen  bleibe  für  die  Reparatur  und  die  Lichter  der  Kirche.  3)  Die 
-dinationen  sollen  unentgeltlich  geschehen ,  damit  nicht  Unwürdige  um 
Jd  sich  eindrängen.  —  4)  Für  den  Balsam  (ChrUma)  zur  Taufe  haben 
izelne  einen  Dreier  verlangt;  es  soll  umsonst  gegeben  werden.  — 
Beehrt  ein  Gläubiger  die  Einweihung  einer  (von  ihm  gebauten) 
rche ,  so  darf  der  Bischof  nur  etwa  ein  freiwilliges  Geschenk  anneh- 
m,  aber  nichts  begehren.  Er  verlange  aber  eine  Urkunde  der  ge- 
rigen Dotirung  der  Kirche,  wovon  der  Clerus  und  die  Lichter  unter- 
Iten  werden  können.  —  6)  Es  geschieht,  dass  Jemand  auf  seinen 
item  eine  Earche  baut,  um  die  Einkünfte  mit  dem  Clerus  zu  theilen. 
ne  solche  darf  kein  Bischof  weihen.  —  7)  Von  den  Taufen  darf  der 
erus  nichts  verlangen,  aber  ein  freiwilliges  Geschenk  nehmen.  Manche 
me  lassen  ihre  Kinder  ungetauft ,  weil  sie  ohne  Mittel  sind.  —  8)  Wer 
len  Cleriker  wegen  Fomication  anklagt,  muss  zwei  oder  drei  Zeugen 
Jlen  (1  Tim.  5,  19);  sonst  ist  er  selbst  excommunicirt  —  9)  Der 
stropolit  soll  jedes  Jahr  die  Zeit  der  nächsten  Ostern  mittheilen ,  der 
erus  diess  dem  Volk  an  Weihnachten  nach  der  Lesung  des  Evangeliums 
rkünden.  Am  Anfiemg  der  Fasten  sollen  die  Nachbargemeinden  zu- 
mmenkommen,  und  sollen  drei  Tage  Litaneien  singen.  Am  dritten 
Ige  soll  nach  der  Messfeier  um  9  oder  10  Uhr  das  Volk  zum  Fasten 
id  ssur  Darbringung  der  Katechumenen  20  Tage  vor  Ostern  erttiahnt 
srden.  —  10)  Einige  Priester  feiern  die  Todtenmessen ,  nachdem  sie 
hon  etwas  genossen,  was  wohl  ein  Rest  des  Priscillianismus  ist  Die 
so  Handelnden  sollen  sogleich  von  ihrem  Bischöfe  abgesezt  werden  *). 

Wer  diesen  Canones  zuvnder  handelt,  soll  von  dem  ganzen  Concil 
irechtgevnesen  werden.    Es  folgen  die  Unterschriften:  Ich  Martin,  Bi- 


>)  ffardum,  3,  383.  -  Mann,  9,  835.  -  Coli  Labbeo-Veneta,  6,  575^584,  — 
A^mrre,  3,  203-219.  -  Tejaday  Ramiro,  2,  620—651.  —  Dieser  und  Aguirre 
theüen  im  Anschlösse  die  sogen.  84  Ccqntula  Martini  mit,  d.  i.  seine  Ueber- 
sezang  der  griechischen  Canones,  welche  den  Akten  dieser  Synode  einverleibt 
wurde.  —  Ftore«,  15,  235-- 239.  —  Ä/efa,  3,  25  —  27. 


464  BiebeniM  Btieh.     VierrchnlM  KapM*1. 

schof  clor  Metropolitankirche  von  Bracara,  habe  diese  Verhandluofl 
unterschrieben.  Es  folgt:  1]  liemisol  Besensis  (<1.  i,  VcseDsis)  efl 
2)  Lucetiufi  von  Coimbra;  3j  Adoricus  Egestanae  ecci.  (Egidanna);  4)1 
gittariua  Lamicensis  eccl.  (Lamego) ;  5)  Viator  Maguetensis  —  d.  i. 
Oporto.     Dann  heisat  es: 

Aus  der  Synode  von  Lucus :  Nitigis,  Bischof  der  Aletropolitankinj 
1)  Andreas  von  Iria;  2)  Witimer  Anrienais  lOrense);  3)  Polimii»  J 
Astorga;  4)  Anila  von  Tude;  5)  Mahiloc,  der  Britouen  Biscliof,  well 
immer  suleet  titeht.  I 


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Fünfzehntes   Kapitel. 

latios  lod  seio  ChroDicon.  Die  BisekSfe  Paster,  Syagriis  ni 
larterins.    Martinos  von  Brag«.    TariMu  vra  Asterga,  nd 
die  angeUlckei  Syiodei  voi  447— -448. 


§.  1. 

Idaüasy  stammend  auB  Galizien,  wird  gcynannt  Lemovicenma  oder 
^micensis  episcopus.  —  Er  erzählt  von  sich  sum  J«  407  •-!-  dass  er  als 
lind  und  Waise  (infaniulta  et  pupütui)  den  Bischof  Johannes ,  den 
lologius  von  Cäsarea,  den  Theophilos  und  Hieronymus  gesehen*).  Es 
rare  möglidi ,  dass  er  in  Begleitung  des  Avitus  von  Bracara  gereist  — 
m  J.  427  y  im  dritten  Jahre  des  Valentinian  üL,  ^vrurde  er  Bischof '(Vor- 
ede),  wie  wir  annehmen,  in  einem  Alter  von  etwa  30  Jahren.  Sein 
)hronicon  reicht  vom  J.  379 ,  den  Anfängen  des  Theodosius,  bis  sum  ^^ 
.  469;  wahrscheinlich  seinem  Todesjahre.  Für  die  Zdt  von  379 — 427 
raren  Bücher  oder  Berichte  Anderer  seine  Hauptq^uellen;  von  da  an 
latte  er  grossentheils  selbst  erlebt  oder  gesehen ,  was  er  erzählt  Er 
sollte  da  anfangen,  wo  Hieronymus  in  seinem  Chronicon  geendet ,  und 
)^;ann  mit  der  Thronbesteigung  des  Spaniers  Theodosius.  —  Wir  haben 
die  für  die  Earchengeschichte  imd  unsre  Zwecke  irgend  bedeutsamen 
!)achrichten  diesem  Werke  einverleibt  —  Auffallend  ist  u.  a.,  dass  er^ 
kr  z.  B.  die  Entdeckung  der  Reliquien  des  Stephanus  berichtet  (J.  415); 
cten  Namen  des  Orosius  nicht  erwähnt  —  Von  Theodosius  U.  erzählt 
er  zum  J.  424,  dass  er,  21  Ja|^e  alt,    ^die  Monarchie  des  BeioheB 


')  Auch  in  der  Vorrede  sagt  er :  quem  quodam  tempore  prcpriae  peregrvMHome  m  m- 
pradietie  regümibus  adhvc  infcmhüue  vidiese  wte  ee/iue  eum» 

Otat,  ipan.  Kirche.    II.  30 


466  Siebentes  Buch.     Ffinfzehntes  Kapitel. 

(manarehiam  imperü)  besass^.  —  Zum  J.  431  erzählt  er:  jpDer  Bischoi 
IdatiuB  Übernahm  (wegen  der  Bedrängung  der  Oalizier  durch  die  Sueven) 
eine  Gtesandtschaft  an  den  Dux  A6tiuB  in  Oallien^ ,  —  zum  J.  432  aber: 
„Als  den  beai^^ten  Franken  durch  Aö'tius  der  gewünBchte  Friede  g^ben 
worden  y  so  wurde  von  ihm  der  Comes  Gensorius  als  Gesandter  zu  den 
Sueven  gesendet ,  mit  welchem  Idatius  zurückkehrte.^  Also  suchten  die 
Galizier  Hilfe  bei  den  selbst  hilflosen  Römern ,  und  fanden  sie  nicht 
j^Denn  als  Censorius  zum  Hofe  (ad  palaUum)  zurückgekehrt ,  erneuerte 
der  Sueyenkönig  Hermerich  mit  den  Galiziern,  die  er  stets  ausplünderte, 
unter  bischöflicher  Vermittlung  durch  Stellung  von  Geissein  den  Frie- 
den.' —  Der  Bischof  Symphosius  (nicht  der  von  Astorga)  wurde  von 
Hermerich  als  Legat  an  den  Hof  (eomUaium)  gesendet,  aber  seine  Sen- ' 
düng  hatte  keinen  Bkfplg  *)« 


§.  2. 


„In  dem  Convente  von  Lugoa  wurden,  gegei^  den  Willen  des  Bi- 
Die    schofs  Agrestius  von  Lucus  —  Pastor  und  Syagrius  zu  Bischöfen  ordinirt** 
tteiVe?"  —  433.    Gennadius  berichtet  zu  Ejip.  76 :    „Der  Bischof  Pastor  schrieb 
'^ll^  ein  kleines  Buch  in  der  Form  eines  Symbolum,  in  welchem  er  beinahe 
Sy»   den  ganzen  christlichen  Glauben  in  gedrängten  Säzen  zusammen&sste. 
Unter  vecBchiedenen  Irrthümem,  welche  er  mit  Nennung  der  Namen 
verwirft,  Verdammt  er  ausdrOddich  die  Priscillianisten  mit  dem  Namen 
ihres  Urhebers.^    Obgleich  alle  sonstigen  Zeugnisse  fehlen ,  so  ist  es 
doch  wahrscheinlich ,  dass  der  Pastor  des  Idatius  und  des  Gennadius  die- 
selbe Person  sei.    Denn  nicht  nur  ist  der  Name  Pastor  ein  vorzugsweise 
in  Spanien  einheimischer,  nicht  nur  war  der  Pastor  des  Idatius  und 
Gennadius  Bischof  ,  sondern  die  Schrift  des  Pastor  war  direkt  gegen  die 
Priscillianisten  gerichtet,  wozu  nur  Anlass  und  Aufforderung  in  Galizien 
'    war.   Dazu  kommt,  dass  auch  die  Zeit,  zu  welcher  ungefähr  Gennadius 
seinen  Pastor  einreiht,  harmonirt  —  An  dem  Schweigen  des  Idatius  an 
dieser  Schrift  darf  man  sich  nicht  stossen,  denn  er  erwähnt  auch  die 
Btiofe  des  Avitüs,  des  Severus  von  Minorca,  und  die  Werke  des  Oro- 
sius  nicht 

Aber  auch  ein  Syagrius  wird  von  Gennadius  als  Schriftsteller  ^- 
geflihrt  Dieser  Name  wdst  auf  Gallien,  kommt  bei  Gregor  von  Tours 
und  in  den  Unterschriften  der  Concilien  vielfach  vor,  aber  nicht  vor 
dem  Ende  des  5.  Jahrhunderts.  Unser  Syagrius  lebte  früher;  denn  er 
Wird  nach  Vincentius  von  Lerins  —  um  434  —  erwähnt  j^Syagrius  - 
also  (E[ap.  65)  schrieb  über  den  Glauben  gegen  die  anmassenden  Wort- 
formen der  Häretiker,  welche  zur  Zerstörung  oder  Veiünderung  der 


')  rtinu  meocnm  finutraiiMr  mrrtptk. 


$.  2.     Die  Schrifteteller  Pastor  and  Syagrias.  467 

famen  der  heiligen  Trinifät  aufgebracht  worden ,  welche  behaupten ,  der 
^ater  dürfe  nicht  Vater  genannt  werden ;  damit  nicht  aus  dem  Namen 
es  Vaters  der  Sohn  herausklinge,  sondern  er  sei  ungeboren,  uüerschaffen, 
nd  einzig  zu  nennen,  so  dass,  was  ausser  ihm  Person,  auch  eine 
V^esenheit  ausser  ihm  sei.  Er  zeigt,  dass  auch  der  Vater,  welcher  der- 
elben  Natur  (mit  dem  Sohne)  ist,  ungeboren  genannt  werden  könne, 
rie  die  Schrift  bezeuge,  er  habe  aus  sich  seinen  persönlichen  Sohn  ge- 
eugt,  nicht  erschaffen,  aus  sich  habe  er  den  heiligen  Gteist  als  Person 
lervorgebracht,  nicht  gezeugt  oder  erschafiFen  (ex  te  proUdisie,  fum 
tnuine  neque  fedsse).  Ich  finde,  dass  sieben  Bücher  über  den  Olauben 
ien  Namen  dieses  Syagrius  tragen,  weil  sie  aber  in  dem  Stile  verschie- 
len  sind,  halte  ich  nicht  alle  für  sein  Werk.* 

Da  Syagrius  jedenfalls  ein  Abendländer  war,  so  ist  es  eben  nur  die 
ääresie  des  Priscillian,  welche  hier  und  uns  bis  jezt  mit  dieser  Irrlehre 
3ehaftet  erschien,  dass  sie  die  drei  Personen  in  Gott  zu  blossen  Wort- 
ibnnen  herabwürdigt.  Diess  gilt  wenigstens  für  die  Zeit  unsers  Syagrius; 
lenn  damals  hatten  sich  die  alten  Monarchianer  (Sabellianer)  längst  aus- 
gelebt Darum  liegt  die  Vermuthung  ebenso  nahe,  dass  Syagrius,  wie 
Turibius,  Idatius,  Ceponius,  wohl  auch  Pastor,  mit  dieser  Schrift  über 
den  Glauben  die  Prisdllianisten  in  Galizien  bekämpft  habe. 

Die  spanischen  Literaturhistoriker,  wie  Nie.  Antonio,  Ferferas,  de 
Clastro  u.  a.  haben  manche  Schriftsteller  zu  Spanien  gezogen,  ohne  ge- 
iGgenden  Grund,  z.  B.  Aquilius  Severus,  Aurelius  philo6.,  Bülgaranus 
Zornes,  Cerealis,  Claudius  von  Turin,  Dracontius,  Elpidius  von  Bor- 
leaux,  Fulgentius  von  Buspe,  Julianus  Pomerius,  Luitprand  von  Pavia, 
Mierobaudes,  Prudentius  von  Troyes,  Biparius,  den  Dichter  Sedulius, 
ien  Dichter  Severus,  den  Theodul  von  Orleans,  den  Veriecundüs  Afer, 
Ien  Vigilantius  u.  a.  Mit  mehr  Becht  werden  sie  den  Consentius  ^),  den 
Pastor  und  den  Syagrius  unter  die  Ihrigen  zählen^). 

Das  alte  Galizien  hatte  drei  Conventus,  von  Asturica,  Lucus  und 
Bracara;  das  christliche  Galizien  hatte  nur  einen  Metropoliten,  damals 
Dodi  in  Astorga,  welcher  wahrscheinlich  die  beiden  genannten  Männer 
KU  Bischöfen  innerhalb  des  Conventus  von  Lucus  weihte.  Wir  sehen 
nicht  ein,  welches  Becht  der  Einsprache  oder  der  Genehmigung  der 
Bisdiof  von  Lucus  hatte. 

§.  3. 

Irrthümlich  berichtet  Idatius  z.  J.  442,   dass  nach  der  Vertreibung 
des  Nestorius   —   Flavian   Bischof  von   Constantinopel  geworden,   da 


•)K..G.,  2,  401-403. 

')  Einen  Anfang  mtlcbt  der  Spanier  Garzon  —  zu  Idalias  J.  433. 

30* 


468  Siebentes  Buch.     Ffinfsebotes  Kapitel. 

zwischen  Beiden  Maximinus  und  Produs  regierten,  jener  3  (431 — 434), 
dieser  13  Jahre ,  und  Flavian  ihm  erst  447^  folgte.  —  Zum  Jahre  443 
berichtet  er  über  den  Dichter  Merobaudes.  —  Zum  J.  449  wird  eines 
Bischofes  Leo  der  (kleinen)  Stadt  Turiasso  Erwähnung  gethan,  welcher 
in  dem  damaligen  Kriege  mit  den  Bacauden  umkam.  —  Im  J.  457  wurde 
Asturica  von  den  Gothen  zerstört  —  Im  J.  460  wurde  Idatius  von  einer 
Schaar  Sueven  ^in  der  Kirche  von  Aquae-Flaviae  (Chaves)  ge&ngen 
genommen  —  25.  Juli,  und  nach  drei  Monaten  kehrte  er  nach  Flaviae 
zurück.  —  Idatius  meldet  noch  den  Tod  des  Papstes  Hilarius  468  *),  und 
dass  Simplidus  auf  ihn  gefolgt  —  z.  J.  469. 
Hd.  Idatius  nennt  seine  Heimath  die  Lemica  dvitas.    Am  nächsten  liegt 

'und   es,  an  Lamego  zu  denken,  schon  darum,  weil  diess  ein  Biathum  auch 


zu 


t^ob-  später  blieb.     Aber  von  Alters  her  und  an  sich  gehörte  es  nicht 
i^    Galizien  •  Idatius  aber  erscheint  überall  als  Galizier.    Doch  wird  er  noch 

idatiu«.  gewöhnlich  Bbchof  von  Lamego  genannt,  obgleich  sich  die  Bischöfe 
von  Lamego:  Ecdesiae  Lamecensis  (und  nicht  lümicae  oder  Limicensis) 
unterschreiben^). 

Eine  andere  Ansicht  ist,  dass  Idatius  aus  dem  Bisthume  Lugos,  und 
zwar  aus  dem  noch  heute  genannten  Orte  Montfort  de  Lemos  stammte 
[was  auch  das  sogen.  Forum  Limicorum  seyn  könnte^)].  —  Die  dritte 
Ansicht  giebt  ihm  als  Heimath  die  Stadt  Limia  an  dem  gleichnamigen 
Flusse,  nordwestlich  von  Braga  auf  der  Strasse  nach  Tuy  und  Vigo 
gelegen,  heute  Ponte  de  Lima^).  —  Die  Worte:  Idatius  provindae  Od- 
laeeiae  nqha  in  Lemica  eivitaU  scheinen  zunächst  auf  die  Stadt  Limia 
hinzuweisen,  welche  heute  nicht  nur  ein  bedeutender  Ort,  mit  einer 
langen  Brücke  von  24  Bogen,  wovon  16  von  gothischer  Bauart,  Über 
den  Lima  ist,  sondern  welcher  auch  dem  Gebiete  zwischen  den  beiden 
Flüssen  Lima  und  Cavado  den  Namen  Territorium  de  Ponte  Lima  giebt. 
Ptolemaeus  führt  ein  Forum  Limicorum  an,  dessen  Lage  nicht  ermittelt 
ist;  es  könnte  aber  derselbe  Ort  mit  Limia  seyn. 

In  welcher  Stadt  war  Idatius  Bischof?  In  Aquae  Flaviae.  Chaves 
ist  heute  noch  ein  bedeutender  Ort  —  mit  5000  Einwohnern,  am  rechten 
Ufer  des  Tamega,  mit  einer  Römerbrücke  von  18  Bogen,  an  welcher 
—  nach  einer  bekannten  Inschrift  —  10  Städte  oder  Bezirke,  u.  a.  die 
Aquiflavienses,  welche  zuerst  genannt  werden,  und  auch  die  Limici 
haben  bauen  helfen^).    Aquae  Flaviae  war  für  ein  Bisthum  bedeutend 


')  der  aber  nicht  6,  sondern  8  Jahre  regierte. 
«)  de  Catiro,  p.  258. 
*)  Aguirref  3,  59. 
*)  Florez,  4,  298^308. 

»)  Gruter  nueripU  p.  1€2.    4.  245.   2.     Resendi,   /,    2i  antig.  Lutit   —    Flore:,  i^, 
75—78  (v.  4,   312-^315;   4ii).     MaUebrun,    Pr^cU  de  i^  giogr.   univenellt,  ^> 


J.  4.     Ausgaben  des  Chronikon.  469 

^ug;  and  dass  es  bald  wieder  aufgehört,  beweist  nichts  gegen  seine 
Elxistenz ;  auch  das  Bisthum  Aquae  Celenae  hörte  bald  zu  exifitiren  auf 
oder  wurde  nach  Iria  transferirt?')]. 

Es  ist  auffallend  9  dass  Idatius  bei  Gennadius  von  Marseille  nicht 
rorkommt,  der  doch  noch  Papst  Gelasius  (f  496)  als  Schriftsteller  an- 
Ohrt  Isidor  ist  der  erste,  der  ihn  erwähnt  (als  Auctor,  —  eap,  9  d. 
ir.  ilL),  aber  er  wusste  nicht  mehr  von  ihm,  als  wir:  „Idatius,  Bischof 
n  der  Provinz  Gallaccien ,  sezte  die  Chronik  des  Bischofs  £usebius  von 
caesarea  fort,  sowie  des  Priesters  Hieronymus  (welche  bis  zu  Kaiser  Valens 
eicht) ,  nemlich  vom  ersten  Jahre  des  Augustus  Theodosius ,  indem  er  bis 
:ma  achten  (dreizehnten?)  Jahre  der  Regierung  des  Leo  die  Geschichte 
brtftihrt,  worin  er  mehr  die  grausamen  Elriege  der  barbarischen  Völker, 
nrdche  Spanien  bedrängten,  erzählt.  Er  starb  unter  Kaiser  LeO|  schon 
m  äussersten  Alter,  wie  er  es  auch  aiQ  An&nge  seiner  Vorrede  kund- 
thut*» 

§.4.  .  . 

Die  Chronik  des  Idatius  fand  sich  früher  nur  in  einem  Auszuge,   a««. 
der  zu  Zeiten  KarFs  des  Grossen  gemacht  war'):  Excerpta  ese  chran,  Idaiii    dtT 
ctim  eant.  ad.  a.  500  —   ed.  Cmirius  Hdnir.  leeU  antiqu.   1601  — 1604^^^' 
L  2,  p.  193.  —    2  ed.  Aniverp.  1725^  t.  2,  p.  165.  —    8ehüU  Andt. 
Hispania  illusirata  1603  — 8 ^  t.  4,  p.  160.  —    ScaUger  'med.  Chnmid. 
EuBOn.     Leyden  1606  —  et  edU.  Bomana  Frid.  lAndenbroffU  161(k  — 
SandovtU:  HiHoruu  de  Idacio  obUpo,  de  Indoro  ob.  de  Badajox  eU.   Poni- 
pdonae  1615  —  1634.  f.  —    Scaliger,  thes.  temp.,  p.  17 1 

Die  Chronik  selbst  edirte  zuerst  LaurenUo  (San  LlorenU)  Rom  — 
K15  —  4^.  —  !Nach  ihm  Sirmond:  Id.  chronic,  et  foiti  coMutorei  ab 
a.  Chr.  381 — 490.  Ex  ed.  et  cum  notis  ßirm.  Paris  1619;  auch  in 
Sirmondi  opera  (1696)  y  t.  2,  p.  230  (ed.  Venet.  1728,  t.  2,  p,  291.  — 
Duehesne  Andr.,  Historiae  Francor.  coaet.,  t.  /,  183 --^  196.  —  BibUoth. 
IHtir.  m.  Lugdtffi.  t.  7,  p,  1231.  —  Aguirre,  ConcH.  Hitpan.  1693, 
2,  p.  168.  —  edü.  2  von  1753,  t.  J,  58—72,  —  Bouquet  Hart. 
Eeeueil,  1738,  t.  1,  612—624.  —  Florez,  Eep.  sagrada,  t.  4,  345 
-385.  —  Oallandi  bibh  P.  P.  t.  10,  p.  323.  —  Daraus  bei  Migne, 
P.l,  t.51  (1846),  869  —  890  —  914.  —  BoncalU,  vetusHora  laUn.  scripL 
Konica,  1787  y  t.  2,  p.  1  —  54.  —  Boetler,  chronica  medii  aevi,  Tub. 
^798,  t.  1,  p.  135  sq.  —   De  Ram^  Compte  rendu  de  la  eommiss.  royäle 


p,  55,  —  Uckert,  Geogr*  ^er  Griechen  and  Römer,  I,  346  (Weim.  1848).  Min- 
nanOf  diecUmar.  geograf.  de  Espanna  g  PortugtU,  3,  p.  85.  —  Willkomm,  p.  484. 

')  Fhrez,  19,  48. 

*)  Ckrcnograpkia  ex  Idatio  colleciore  qvodam  CaroU  M,  aequaU  —  zerfällt  in  2  Tiieiie, 
▼on  Ninas  bis  Valens;  von  Theodos.  bis  Justinian. 


470  Siebentes  Buch.     Fünfzehntes  Kapitel. 

d'hiH.  BruxelL  1845  —  t.  9,  p.  6;  —  daraus  ein  Separatdruck  —  Br,  1845 
—  und  ein  Abdruck  ap.  Migne^  U  74y  yoS-r^TSiK 

Einen  andern  Auszug  des  Chronicon  giebt  Florez  u.  d.  T.:  jfChromeon 
peffuenno  deldaeio  hasta  hoy  no  publicado^  —  4,  414  —  419;  420  —  4^27, 
das  mit  400 — 9  beginnt ,  Einiges  nicht  aus  Idatius  mittheilt ,  in  einem 
Anhitnge  bb  568  reicht,  und  schon  die  Zeitrechnung  der  Aera  hat,  also 
firUheatens  aus  dem  6.  Jahrhundert  ist 


§.  5. 

Dit  IMe  Fasti  Jdatiani  oder  die  FaHi  Consularea  sive  descriptio  coniulunif 

fSü  ▼on  246  (J.  c.  bis  468,  werden  gewöhnlich,  und  wurden  auch  von  uns 
'^  als  eme  Schrift  des  Idatius  angeführt.  Sie  enthalten  einige  spärliche 
Nachrichten  staatlichen  und  kirchlichen  Inhalts,  besonders  aus  dem  vierten 
Jahrhundert,  aus  dem  fünften  wieder  weniger.  —  Es  ist  die  Streitfrage, 
ob  dieselben  eine  'ächte  Schrift  des  Idatius  seien.  —  Florez  yemeinte 
die  Frage,  schrieb  sie  einem  Spanier  aus  dem  sechsten  Jahrhundert  zu, 
und  hält  sie  nicht  ganz  von  einer  Hand  (4,  45ö  —  460).  Unleugbar  ist 
die  Verschiedenheit  des  Stiles;  bei  dem  Verfasser  der  Fasti  kommt 
z.  B.  Somania  für  Römerreich,  Uvaha  est  In  dem  Sinne:  er  kam  zur 
Regierung,  reeeniL  i.  d.  B. :  er  st^,  u.  a.  vor,  was  sich  in  dem  Chro- 
nicon nicht  findet  Der  Verfasser  hatte  nähere  Nachrichten  aus  dem 
Orient,  besonders  aus  Constantinopel ,  die  Idatius  nicht  hatte. 

Die  neueete  Ausgabe  des  Chronicon  hat  den  Titel:  JdatU  episc.  chro- 
ntccm,  correeHonUna ,  scholiis  et  dissertationibua  illustratum  a  Joanne  Mai' 
thaeo  Oarzony  HUpano^  Societ.  Jesu  theoL,  Gandknm  Academiae  olim 
Cemcellar.  Ex  codice  aiUogr.  bibl.  reg,  Brux.  edidit  P.  F.  X  de  Ram,  und 
ist  eigentlich  das  Werk  des  Spaniers  Garzon  (c.  1765),  welcher  in  seiner 
Dißsert,  praevia  ausführlich  beweisen  will,  dass  die  Fasti  ein  Werk  des 
Idatius  sind;  aber  seine  Gründe  leuchten  mir  nicht  ein. 

Die  Fasti  erschienen:  ap,  Labbej  bibl.  msc.  1,  p.  3 — tS.  —  ap. 
Agtdrre,  3,  69  im  Auszug.  —  etp.  Dtteange,  p.  439,  —  ap,  Oraeviua  ihes.  II, 
p.  34Q.  —  cum  Chron,  ap,  Sirmond  1619  —  nicht  vollständig.  —  Sir- 
mondi  apr.  3,  245.  —  Oallandi,  10,  331.  —  Boncalli,  2,  55.  —  Florr^ 
4,  466—487  (von  45  v.  Chr.  bis  468  n.  Chr.).  —  In  der  Ausgabe  von 
de  Ram  stehen  sie  nicht. 


§.  6. 

SthrHi-         üeber  Idatius  haben  u.  a.  geschrieben :  Fabricius,  bibL  med.  ä  inf 
tt!^  loL  ed.  Manti,  6,   29.  —    Gallandi  in  seinem  proUg,  t  10.  —    Soe$ler, 
ehrcniea  medU  aevi,  p.  84 — 91;  100—103.  —  Momo^  J.  C.  JFV.,  ehroni' 
cor.  Prap.  Aq. ,  Idatii  et  aUorum  —  part.  IL  Brest.  1825.  4^.  —  Bad^) 


Carterius,  Oceaous.  471 

applembd.,  1.  Abth.,  1836,  p.  102—105.  —  Watunbach,  DeatsoUandB 
reschiditBqnellen  y  p.  53.  —    PoUhaH,  p.  386. 

Kurs  handeln  über  Idatiua  die  Spanier  AgtUrref  L  3y  p.  58 — 59; 
errefha»^  2,  £72;  ausführlicher  liie.  AnUmiOf  p.  25t  nr.  75  $4.  de 
asiro,  p.  254-^258;  am  ausführlichsten  F/orcs,  f.  4^  287^528  „Idado 
\utradöj  eon  Notas j  correedoneB  etc.,  sonrie  Qamon  nebst  de  Rom  in  der 
suesten  Ausgabe  des  Chronicon,  enthaltend  ein  Monitum  Edüoriij  einie 
>tM.  praev,  de  vüa  atque  icripUs  Idatü  in  XI  Kap. ;  —  fortlaufende  Noten 
Qter  dem  Text  des  Chronicon,  —  sodann  als  Anhang  Notae  CV^  und 
3ch  2  disterUMtianeSj  über  das  juMaeum  VII  ab  asoentione  Dt^mini  — 
nd  de  Aerae  Hüpanae  iniUOj  welche  vom  Ende  des  fünften  Jahrhunderts 
itirt  wird,  und  bekanntlich  38  Jahre  vor  der  christlidien  Zeitrechnung 
^innt 

§.  7. 

Die  öfters  angeführten  Worte  des  Braulio  in  seinem  Briefe  an 
ractuosus  über  die  berühmten  Männer  Galiaiens  führen  an:  1)  den 
riester  Orosius;  2)  den  Bischof  Turibius;  3)  Idatius  und  4)  Carterius, 
m  Pontifex  des  gelobten  Alters,  und  der  heiligen  Gelehrsamkeit*).  — 
eitem  —  hält  Florez  für  den  Carterius  von  380—397.  Ich  bm*  an- 
arar Ansicht.  Denn  lezterer  Carterius  gab  ja  bis  über  Spanien  hinaus  c«r. 
ergemiss  durch  seine  zweite  Ehe^).  Sodann  beachte  man»  dass  Braulio  **'^^ 
i  Aufzählung  obiger  Männer  die  ZeitfDlge  ihres  Lebens  einhält;  Orosius 
lühte  vor  Turibius ,  Idatius  nach  und  neben  Turibius;  der  zulezt  ge- 
umte  Carterius  muss  demnach  später  gelebt ,  und  ein  uns  nicht  be- 
umter  galizischer  Bischof  am  £nde  des  fünfton  oder  un  sechsten  Jahr- 
ondert  gewesen  sojn. 

§.  8. 

Wenn  aber  die  Spanier  den  Ooeanüs  den  Ihrigen  beizählen  wollen,  oe«». 
)  stimmen  wir  bei.  Denn  seine  Kenntniss  und  sein  lebhaftes  Interesse  l^ 
Q  Carterilto  erklärt  sich  so  am  besten;  dazu  kommt,  dass  Orosius  ihn  ^^^ 
of  der  Rückreise  von  Palästina,  wie  es  scheint,  in  Rom  besucht  hat'). 

§.  9. 

Martin  ,,der  heiligste  Bischofs  war  aus  den  Gegenden  des  Orients, 
rie  man  glaubt,  aus  Pannonien,  nach  Galizien  gekommen.    Er  hatte 


I)  Fhrtz-Bisco,  30,  395. 

*)  K..G.,  2,  370.  —  Fiorez,  16,  90—91.  -  /Ww-Äwco,  30,  396-^400, 

•)K.-G.,  2,  370;  405-406. 


472  Siebentes  Buch.     Ftiofzehotes  Kapitel. 

Mar    lange  Reisen  und  Stadien  im  Orient  gemacht,  und  besonders  im  Kirchen- 
VON*  recht  und  MönchBleben  sich  umgesehen*).    Was  ihn  nach  Ghdisien  ge- 
^'^''  sogen  y  sehen  vdr  nicht    Jedenfalls  war  er  von  Gott  berufen  zur  Er- 
weckung und  Bekehrung  dieses  Volks.  —  Als  die  auf  Bitten  des  Königs 
der  Sueyen,  Carrarich,  von  Tours  gesendeten  Beliquien  des  heiligen 
Ifartinus  in  dem  Hafen  von  GUisien,  wahrscheinlich  Bracara,  landeten, 
kam  auch  Martin  daselbst^)  an,  —  um  550.     Bald  erlangte  er  hohe 
Achtung;  erlangte  von  dem  Könige  (Carrarich  oder  TheodemirJ  den  Ort 
Abt   Dumium  bei  Braga,  wo  er  ein  Kloster  gründete,  segensreich  wirkte  und 
BiMbofWohl  auch  andere  Klöster  stiftete.    Seine  Abtei  wurde  zum  Bisthome 
Q**    erhoben ,  und  hatte  vielleicht  den  Hof  der  Suevischen  Könige  su  ihrem 
"'""'  Sprengel    Nachdem  Martinus  diesen  bekehrt,  wendete  er  sich  der  Be- 
kehrung des  Volkes  der  Sueven  zu.  —    Auf  der  Synode  zu  Braga  von 
563  (561)  unterschrieb  Martin  und  nach  ihm  noch   fünf  Bischöfe,  vor 
ihm  nur  einer  ^  er  konnte  also  nicht  erst  um  560  nach  Galizien  gekommen 
'seyn. 

Von  den  firühem  Bischöfen  von  Bracara  sind  nur  bekannt  Patemos 
—  400,  Balconius  —  415,  Profutorus  —  538,  Lucretius  —  563,  ao8 
Ghrttnden,  die  schon  angeführt  sind,  theils  aus  Unterschriften  von  Gon- 
cilifn ,  theils  aus  Zuschriften  an  sie.  Nach  dem  Tode  des  Lucrethis  wurde 
M^  Martinus  Metropolit  von  Braga  —  nach  561.  Die  Hochherzigkeit  seimr 
voo  Gesinnung  scheint  mir  besonders  in  der  zweifelsohne  von  ihm  ausge- 
gangenen Ghrfindung  der  neuen  Metropole  von  Lugos  sich  zu  ofienbaren; 
er  verkleinerte  seinen  Sprengel,  um  dem  Ganzen  mehr  zu  nttzen.  Dies 
geschah  vor  570,  oder  dem  Begierungsantritte  des  Königs  Mir.  —  Im 
J.  572  versammelte  er  die  zweite  Synode  von  Braga. 

Da  er  eine  Sammlung  der  kirchlichen  Canones  veranstaltete,  so  gilt 
er  bei  Vielen  als  Vater  des  alten  spanischen  Kirchenrechts,  was  er 
nicht  ist 

jiMartinus,^  sagt  Isidor,  „der  heiligste  Bischof  des  Klosters  Dumium^ 
kam  aus  den  Gegenden  des  Orients  zu  Schiff  nach  Gallaecien ,  bekehrte 
dort  das  Suevenvolk  zum  katholischen  Glauben  von  der  Arianiscbeo 
Gt>ttlo8igkeit,  und  sezte  eine  Regel  des  Glaubens  und  der  heilige  R^ 
ligion  fest :  befestigte  die  Kirchen ,  gründete  lüöster ,  und  gab  zahfareiche 
Vorschriften  des  fronmien  Lebens  ^).^ 


')  Gregor,  TVir.  H,  Fr,  5,  38:  Pcamoniae  ortus  fuü,  et  exinde  ad  visitanda  ioca  sanrl<i 
m  OrUmtem  properanif  in  tanhtm  se  HUeru  imlnntf  ut  nuUi  eecundus  kaberetur, 

*)  Mirae,  S.  Martin,  if  li  —  et  eie  eimml  cum  qma  pignoribus  GaUidae  portem  innres- 
tue  »iL 

*)  leidor  de  vir.  iilusL  eap.  35.  Aehnlich  derselbe  in:  Ouronicon:  sub  finem:  Per  idf» 
tenqme  Martmut^  Bracareneie  epiecopus,  apud  Gallaedam  pnidentia  et  doctrtM  eaAfi- 
Uomeßdd  darut  habetur  (op,  edidit  Areoaio,  7,  W4),  —  Snevonm  kieloria  -  »" 
Jbm:  Qm  (Th^rnkmirue)  eanfutim  —  Suevos  catholicae  ßdei  reddidit,    inniienle  Mar- 


|.  9.     Martinas  von  Braga.  '473 

1  Hauptwerk  ist:  de  differetM$  quatuor  vkiuJtumj  oder  dequaUmr  m« 
vrdiMUbu»  —  eigditlich  ForrmUa  vUae  lummkie  —  mit  einer  Vor-    te«. 

den  König  Mir,  eine  kleine  Schrift  von  8  Kapiteln,  die  frtther 
in  dem  Seneca  sugeachrieben  wurde,  weil  aie  deaaen  Stil  und 
en  enthält^).  Ebenao  iat  Martin  wahracheinlich  der  Verfasser 
m.  Briefwediaela  swischen  Paulos  und  Seneca  ')•    Derselben  Art 

froher  thdlweiae  dem  Seneca  zugeschriebenen  Schriften  i '  libet 
)iUBj  pro  repelienda  jadanUa,  ^  de  iuperbia,  txhoHaUo  humilüalMty 
1  einen  König  gerichtet,  de  ira  —  in  3  Kapiteln,  de  poaete, 
rH  venuMj  lauter  kleine  Auftäse,  nicht  von  unbestrittener  Aecht- 
»ligstens  die  Schrift:  de  paecha. 

>  InierrogaiUmee  et  retponeianes  plurimae  eet.  Aegppiiafum  pattum 
au  Dumium  auf  Anregen  des  Martinus  durch  den  Diakon  Paschar 

dem  Griechischen  übcrsezt,  und  bilden  jest  das  7.  Buch  der  • 
)aknm*^  des  Her.  Boeweyd  —  ÄnL  1615;  1QI8  —  2  1.--    Die 

M  ex  OrientäUum  eynoeHtj  glmh&Xii  aus  dem  Griechischen » 
,  stehen  in  den  Conciliensammlnngen  bei  der  iweiten  Synode 
ga  —  672. 
.  „Volumen  epitiolarum^  —  nach  laidor  —  ist  nicht  mehr  vor- 

die  y,Regtda  fidä  ei  eanetae  reUgkmk'^j  eine  Anweisung  für  die 
m  Sueven,  ist  für  die  Kenntniss  des   Volkslebens  von  hoher 

ng. 

igaben :  Lipe.  1500  und  1515.  —  Davenir.  1512.  —  PiclavU  1544 

I  Vinetue.  —    Baeü.  1562  inter  apera  OOberH  CognaU.  —    Duad 

Quaeiüon.  BoeMi  Eponie,  —  De  morUnu  erschien:  Parii.  '1556y 
Tdeg.  a  Quercu;  die  5  folgenden  Aufsftze  theilte  auerst  Joh.  Ta- 
iasuxr  mit  —  t.  j2,  p.  317 — 326  in  s.  Mttriyroi.  Hiep.^  wesshalb 
I  Aechtheit  bezweifeln  dürfen.  Den  Brief  an  Miro  edirte  Dachery 
,  p.  312  —  edU.  2.  —    De  vtrUdilnii  und  de  moribus  erschien  in 

P.  Lugd.  tom.  Xy  p.  382  eeq.  —  Bei  Gaüandi  erschienen  L  XII 
r  NoUHa  de  Sando  Martino  ep,  Brac.  —  optueula  Vllj  daraus  bei 


,  montuterii  Dtmimuit  episeapOf  ßth  et  acimUia  eiarOf  cumt  Mmdh  et  pax  eeeleeiae 
SMfa  eetf  ei  mtUia  im  EccUekttHci»  dUdpUmie  Chliaedae  re^ion&uB  insdiuta. 
Annaei  Senecae  cpera  quae  gupersuni  —  reeogn^  Frid,  Htuue,  vol.  3  Liptiae  1863, 
fat.  p.  XXI -- JOCH,  der  Text  p.  468-475. 

we  —  Epittolae  Seneoae  —  ad  Pauhtm  qjHfetolum  ei  P,  ap,  ad  Seiteoam,  — 
.  14,  p,  476  —  481,  —  «Der  Philosoph  Luc.  Annans  8«neea.  Ein  Beitrag 
Kenntniss  seines  Werthes  and  seiner  Philosophie  in  ihrem  Verbiltnitt  zum 
eismos  und  zum  Christenthum.  Von  Prof.  Holzherr,  Rastatt  1858,  erster 
il  —  8.  3.    Die  14  Briefe  erwähnen  zoerst  Hleronyrons  (de  eaipt:  eeeUe,  12) 

Aoirastin  (de  cMt  Dei,  6,  10.  —   ep.  153  ad  Maced.  14).    -*-    v.  Ftewry, 
leiS^Ugue,  2  Bde.,  1853.  —  Die  Briefe  griengen  verloren,  und  man  gianht, 

Bftrtin  Ton  Braga  sie  wieder  nachgeahmt  Imbe«    Bcldmr^  %.'4A. 


,L 


474  Siebentes  Buch.     Fünfsohntet  Kapitel. 

Mifftie  P.  l.  i.  72 y  p.  22 — 52.  —  Eine  neue  Ausgabe  yeruuitialtete  Flora 
in  t  15  y  p.  383  —  449:  „S,  Martini  Dumieruis  et  Braearenm  qi^icapi 
operOy  veierum  upe  eockeum  Regiae  MatriienM  Bihliotheeae  et  ToUUxnat. 
earreeUiy  et  nunc  primum  in  tmum  corpus  redaeta.^ 

Die  Schrift:  de  habitu  irae  ist  dem  Bischof  Vitimir  (von  Orense)  ge- 
widmet ^  welcher  auf  der  Synode  ron  572  unterschrieb  ^).  Es  folgt  ein 
Über  de  moributy  p.  418 — 422  y  voll  von  geistreichen  Wendungen ,  Ton 
gedrängten  schlagenden  Gedanken.  —  Der  Kardinal  Aguirre  gab  aus 
den  Mss.  der  Kirche  von  Toledo  heraus:  S,  Martini  Br€Uiarenm  ep,  <id 
Bamfaeium  episcapum  de  trina  mersione.  Martin  beruft  sich  auf  des 
Brief  des  Papstes  Vigilius  vom  J.  538  ^).  Bischof  Bonifaeias  befiund  aidi 
ferne  von  Gälizien. 
Am.  Dagegen  gebührt  Florez  das  Verdienst ,  den  Traetaha  S.  M.  ep.y  qm 

\^  de  correctione  rusticorum  in  veteri  BraearenH  Breviar.  intcrib.  — •'  soenl 
Ptorts. i^Qg  einem  Codex  der  Kirche  von  Toledo  mitgetheilt  zu  haben,  d« 
*  ausserhalb  Spaniens  noch  nicht  bekannt  zu  seyn  scheint  Die  Abhaod- 
lung  hat  9  Kapitel  —  p.  425—433*).  —  Es  folgt  bei  Floroz  Aegtfpt. 
patrum  sententiac  —  Martino  D,  ep,  interpretCy  p.  433 — 448  —  und  einige 
Verse  —  448—449.  Voran  aber  steht  VenanHi  Fortunati  epistola  an  ^ 
Martin  von  Braga,  sowie  dess«  ad  Martk^um  GalUeienaem  Carmen;  Qod 
Gregorys  von  Tours  Berichte  über  ihn. 

Martinus  ist  einer  der  seltensten   Männer  in  der  WeltgeediidilB^ 


')  Domino  ac  Imatiasimo  mihi  desideratissimo  in  Christo  patri  Vitimiro  epixopo  Martama 
tpi9copu9  —  p.  406  —  413,  —  Bei  Florez  hat  das  Bächlein  nach  der  Pr&fatio 
3  Kapitel:  de  KcUniu  irae,  de  effectibus  iras,  quomodo  Uniatur  ira,  —  WitSmtr  batle 
m&ndUch  den  Marlin  am  diese  Schrift  gebeten.  —  Auch  hier  scheint  Senett 
hindurch.  —  Die  Schrift  Seneca^s:  de  ira  —  hat  3  Bücher. 

*)  MetropoitUmus  kuius  provinciae  ante  hos  aliquos  annos  ab  ipsa  beatissimi  Peiri  cathedra 
—  certissimae  auctoritatis  formulam  postulavit.  Aus  dem  Briefe  erfährt  man  u.  a.  die 
Anwesenheit  snevischer  Gesandten  in  Constantinopel.  —  Ein  Priester  Ausentius 
wird  erwähnt,  sowie  die  Sage  von  dem  Aussaze  Constantin^s  Gr. 

*)  Satan  wohnt  in  der  Luft  —  cap.  1.  —  No§  und  seine  Söhne  wurden  erhalten 
pro  reparando  (id  est  propagando)  humano  genere  —  cap,  2,  —  2212  Jahre  vcrlieleo 
bis  zur  Sündfluth.  —  Die  Gözen  waren  wirkliche  Dämonen.  —  Viel  hcidniscber 
Aberglauben  herrschte  damals  noch  —  cap.  9.  —  Pontius  Pilatus  stammte  aas 
Pontut  —  cap.  7,  und  war  Präses  von  Syrien.  Christus  ass  nach  seiner  Aof- 
erstehung:  ante  disdpulos  suos,  —  Taufnamen  waren  damals  u.  a.  Petras,  Jo- 
hannes —  cap.  8.  —  Auch  Erwachsene  erhielten  bei  der  Taufe  einen  neuen 
Namen.  —  cf.  Bahr  —  2.  Abt,  S.  433  —  sagt,  diess  Werk  sei  nicht  mehr 
vorhanden.  —  Der  neue  Herausgeber  des  R.  CeiiUet  —  1 11  (1862)  p.  352  weist 
auf  t  3  der  CZoMtci  auetores  des  Ang.  Mai  —  p,  379  —  384:  —  de  orifiM  ido- 
hiairiae,  was  sicher  mit  obiger  Schrift  identisch  ist  Es  ist  ein  und  dasselbe 
Werk,  was  bei  Ang.  Mai  den  Titel  vom  .Ursprung  des  Gözendienstes*  bat. 
Ang.  Mai  hat  aber  einen  bessern  Text  und  zilerst  den  Brief  des  Martinus  >n 
eittOi  Bischof  Polemioi  mitgetheilt,  auf  dessen  Bitten  er  diese  Schrift  Verluste« 


$•  10.     TttribinB  von  Astorga.  475 

«en  Penöalichkeit  die  Geieter  beherrschte.  Sein  Greist  herrschte  über 
üinen.  Er  starb  —  Ö80  —  wahrscheinlich  am  30.  März,  an  welchem 
Ige  sein  Andenken  gefeiert  wird.  —  Am  ausführlichsten  handeln  über 
1  von  den  Spaniern  NicoL  Antonio  —  p.  284  sqq.  and  Flores  15| 
1—138. 

Ihm  ist  auch  die  Redaktion  der  Synoden  1  und  2  von  Bracara  su- 
sciirdben  ^)y  ihm  wohl  auch  die  Fassung  der  Worte,  dass  die  Bischöfe 
Q  Taxraeonensis,  Carthaginensis ,  Lusitanien  und  B&tUut  eiae  Glaubens- 
^  gegen  alle  Häresieen,  besonders  die  Priscillianisten,  ver&ssten, 
id  auf  Befehl  (cum  pro/eeepto)  des  Papstes  ^der  Stadt^  —  an  Baldonius 
sdiof  von  Galaecien  übersandt  haben,  welche  als  Ueberschrift  dem 
reiten  Aktenstücke  der  Synode  von  400  —  später,  d.  i.  nach  661  vor- 
gestellt wurde.  Aus  den  Worten  der  Synode  I  von  Bn^cara  sieht 
in  aber  nicht,  ob  damit  die  Synode  von  400,  oder  eine  spätere  ge- 
eiai  ist,  obgleich  die  Erwähnung  des  Papstes  Leo  L  auf  Leiteres  hin- 

§.  10. 

In  Astorga  war  nach  Dictinius,  dem  dort  eine  Kirche  geweiht  war*)^ 
dleicht  audi  nach  Comasius  —  Turibius  Biscdiof  geworden. —  'Ein  in  Tnri. 
iner  Aechtheit  bestrittener  Brief  desselben  an  die  Bischöfe  Idatiiis  und 
Bponius  berichtet  eine  lange  Abwesenheit  desselben  von  der  l&imath  *)• 
ie  Lectionen  in  dem  Breviere  von  Astorga  erzählen  erweiternd,  dass 
lange  in  Jerusalem  geweilt,  dass  er  Aufseher  der  dortigen  Reliquien 
iwordttd,  dass  ein  Engel  ihm  die  baldige  Wegnahme  Jerusalems  an 
B  Feinde  gemeldet,  dass  er  in  Folge  davon  den  ihm  anvertrauten  kost- 
iren  Schas  in  Sicherheit  nach  Astorga  gebracht  habe,  d.  i.  man  suchte 
sh  in  späterer  Zeit  den  Beichthum  und  rechtmässigen  Besiz  vieler  kost- 
iier  BeUquien  in  Astorga  auf  diese  Weise  zu  erklären  ^). 


')  ü.  a.  könmt  der  Aosdnick:  synodus  localis  in  den  Akten  des  ersten  ConcJls  von 
Bracara,  und  bei  Mariinas  vor  (Fhrez,  15,  4!^4),  —  (Es  ist  eine  Vermutbung, 
dass  Martin  aus  der  alten  Heimatb  der  Sueven  kam.) 

*)  ef.  über  Mariinns  noch  Acta  Seit  t  3,  Martii,  p.M^OO,  —  Mabüton,  acta 
SoHOMim  ord,  «.  Bmed,  U  1,  p,  257—2$!,  —  Fabricms  bibUoth,  graeea,  L  12, 
215,  280,  243,  695. 

*)  Dielüiiiis  wnrd«  onter  den  höchsten  Heiligen  in  Astorga  gefeiert,  gewies  mit 
Gmnd  —  ,Ä  Dktmio*'  —  Fhrez,  16,  75^89.  —  Er  storb  nach  Florez  c.  420, 
und  Tnribins  wurde  Bischof  c.  444. 

*)  8,  ISarribü  Asiunc,  qtiatola  —  hinter  —  epüL  15  S,  Leonit,  Der  Brief  des  Turi- 
bius ist  geistreich  und  mit  grosser  Sachkeantaiss  geschrieben,  und  trftgt  alle 
Zeielien  der  Aechtheit  an  sich. 

*)F1ons,  16,  362-^365 


voa 
Aator- 


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i 

t 


476  Siebentes  Buch.     Fünferhotes  Kapitel. 

Als  Bischof  erfahr  Turibius ,  dass  die  Sekte  der  PrisciUianisten  noch 
allgemein  verbreitet  sei,  dass  sie  ihre  apokryphen  Schriften  mehr  als  die 
Evangelien  verehren ,  dass  sie  aber  vor  entschiedenen  Katholiken  sich 
verleugnen,  und  äusserlich  als  Katholiken  sich  zeigen.  —  Er  schrieb 
darum  an  die  Bischöfe  Idatius  und  Ceponius,  an  beide  wohl  als  an 
vrürdige  und  geistestüchtige  Prälaten  y  ermahnte  sie  zum  Zusammenwirken 
gegen  die  Sekte,  und  übersendete  ihnen  eine  Schrift,  in  welcher  m  be- 
sondem  Kapiteln  die  Irrthüraer  der  betreffenden  Bücher  ousgeEOgeii, 
und  dieselben  sodann  widerlegt  sind. 

Er  sendete  auch  durch  seinen  Diakon  Pervincus  einen  Brief  an  im 

■ai    Papst  Leo  L    In  seiner  Antwort  unterscheidet  der  Papst  drei  Stfidce; 

Uo  I.  Epiitolae  aermoj  et  commorUtorii  serki^  et  libelli  tut  textus.    Ersterer,  dff 


Brief,  ist  verloren.    Das  Commonitarium  ist  sehr  wahrscheinlich  der 
erhaltene  Brief  an  Ceponius  und  Idatius  (der  nicht  in  Spanien ,  sond«! 
in  Rom  erhalten  zu  seyn  scheint),  und  der  „UbeUus^  ist  oben  erw&hnto 
an  die  beiden  Bischöfe  gesendete  Schrift^). 

In  seiner  Antwort  billigt  der  Papst  u.  a.  indirekt  die  Hinrichtung  f 
des  Priscillian,  weil  die  weltliche  Obrigkeit  gesehen,  dass  durch  diese  I 
Häresie  Jede  Sittlichkeit  zerrüttet,  jedes  Band  der  Ehe  aufgehoben^  alles 
göttliche  und  menschliche  Recht  vernichtet  werde,  wenn  man  solche 
Leute  mit  solchem  Bekenntnisse  am  Leben  lasse.^  —  In  s^ner  Antwort 
und  Widerlegung  schliesst  sich  der  Papst  genau  an  die  16  Kapitel  in 
dem  „Ubeütu^  des  Turibius.  Das  erste  Kapitel  handelte  und  handelt  ^ 
von  den  Irrthümem  der  Sektirer  in  Betreff  der  Trinität,  die  ihnen  bloM  ^ 
in  Namen,  nicht  in  Personen  bestand.  Das  zweite  Ejipitel  handelt  von 
den  ILräften,  die  sie  aus  Gott  emaniren  lassen.  Kap.  3.  Warum  der 
Sohn  Gottes  bei  ihnen  der  Eingebome  heisse.  Kap.  4.  Sie  fasten  an 
Weihnachten  und  den  Sonntagen.  Kap.  5.  Die  Seele  des  Menschen 
sei  göttlicher  Natur.  Kap.  6.  Ihre  Irrthümer  über  den  Teufel.  Kap.  7. 
Sie  verdammen  die  Ehe.  Kap.  8.  Die  Leiber  seien  ein  Werk  des 
Teufels  und  werden  nicht  auferstehen.  Kap.  9.  Die  Söhne  der  Ver- 
heissung  aber  sind  Kinder  des  heiligen  Geistes.  Kap.  10.  Die  Seelen, 
die  im  Himmel  sündigten,  sind  zur  Strafe  in  Körper  verbannt.  Kap.  11. 
Bip  legen  den  Menschen  die  Noth wendigkeit  des  Fatums  auf.  Kap.  12.  Sie 
unterwerfen  die  Seelen  gewissen  Mächten  und  wieder  andern  die  Glieder 
des  Leibes.  Kap.  13.  Welche  Kcnntniss  der  heiligen  Schrift  sie  lehren? 
Kap.  14.  Sie  unterwerfen  den  Menschen  der  Macht  der  Gestirne  und 
Zeichen.  ELap.  15.  Sie  fälschen  die  wahren,  und  führen  falsche 
Schriften  ein.    Ihre  Apokryphen  müssen  verbrannt  werden.    Der  Bischof, 


■)  Die  Schrift  hatte  16  Kapitel ,  was  ans  dem  Schiasse  der  Einleitung  der  Ant- 
wort Leo^s  hervorgeht  In  dem  Briefe  des  Tarihius  stand  n.  a.,  das«  aacb 
Bisehöfe  von  der  Sekte  angesteckt  seien. 


S-  10.    Taribint  vob  Astorga.  477 

doher  gestattet,  dass  die  von  PriscilliaD  gefälschten  Schriften  in  den 
rcfaea  gelesen  werden,  oder  der  g^en  ilire  Verbreitung  überhaupt 
:kt  einschreitet,  wisse,  dass  er  als  Kezer  werde  gerichtet  werden. 
ip.  16  hat  den .  Titel :  Ueber  die  Schriften  des  Dictinius.  Er  selbst, 
sht  bloss  die  Kirche ,  habe  diese  verdammt  Die  Strafgeseze  der  Kaiser 
gen  diese  Irrlehrer  sollen  bestehen.  Sie  heucheln,  Katholiken  za 
mj  um  aich  diesen  Oesezen  zu  entziehen.  Die  Manichäer  und  Pris- 
Kanisten  seien  nur  dem  Namen  nach  verschieden.  Er  habe  in  Rom 
es  genau,  —  und  vor  vielen  Zeugen  untersuchen  lassen,  und  die 
HUcbSer  haben  alle  ihre  Schändlichkeiten  gestanden.  Die  Akten  davon 
enende  er  an  Turibius. 

Die  Ueberschriften  der  16  Kapitel  hat  Leo  wohl  yrSrtlich  aus  dem 
diuf  des  Tnrribius  in  seine  Antwort  herübergenommen,  so  dass  wir 
nugstens  einen  Theil  der  Schrift  des  Turibius  besizen  ^).  —  Leo  er- 
bt sich  g^en  die  lässigen  Bischöfe,  welche  obige  Blasphemieen  durch 
re  Unterschrift  zu  verdammen  sich  weigern.  —  Also  fiind  Turibius 
eh  in  Galizien  in  seinem  Bemühen  Widerstand.  Ein  ELap.  17  geht 
f  den  vertraulichen  Brief  („famüiarii  epistola'')  des  Turibius  ein,  der 
ihrscheinlich  Persönliches  über  galizische  Bischöfe  enthielt,  und  dess- 
Ib  unsrer  Kenntniss  entzogen  wurde,  und  handelt  darüber,  ob  Christi 
»b  wahrhaft  im  Grabe  geruht  habe. 

ffEs  werde  also  bei  euch  ein  Concil  der  Bischöfe  gehalten,  und  es 
mmen  in  dem  allen  gelegenen  Ort  die  Bischöfe  der  benachbarten  Pro- 
uzen  zusanmien ,  damit  nach  dem ,  was  Wir  auf  deine  Anfragen  ge- 
brieben, scharf  untersucht  werde,  ob  einige  Bischöfe  von  dieser  Irr- 
lure  angesteckt  seien ,  die  nur  im  Falle  eines  vollkommenen  Widerrufes 
efat  au  excommuniciren  seien.  —  Wir  haben  desshalb  an  unsre  Brüder 
\A  Mitbischöfe  in  Tarraconensis ,  Carthaginensis,  Lusitanien  und  Gallien 
}äUieo$)  —  [es  hiess  sonder  Zweifel  entweder:  Baeücat  oder  QaUaeca»^)} 
•  geschrieben,  und  haben  ihnen  eine  Generalsjnode  angekündigt  Dir 
»liegt  die  Sorge,  Unsern  Befehl  an  die  Bischöfe  der  besagten  Provinzen 
dangen  zu  lassen.  Stände  aber,  was  ferne  sei,  einem  Generalconcil 
Q  Hindemisa  entgegen ,  so  mögen  wenigstens  die  Bischöfe  von  Galizien 
dl  versammeln,  wofür  die  Bischöfe  Idatius  und  Ceponius  im  Bunde 
it  dir  sorgen  sollen ,  dass  wenigstens  durch  ein  Provinzialconcil  solchen 
fanden  Heilung  gebracht  werde  ^).^  —  Der  Brief  ist  vom  21.  Juli  447. 


0  Ex  ^mifu»  $enpiieris  (PriMcüL)  dioerta  tdsämonia  —  sub  titulia  suis  ascripta  digtuif 

—  eap,  6  epist,  TwrribU, 
')  GaUaecas  —  hpisst  es  in  der  CoüeeL  Hispana;  es  fehlen   demnach  die  Bischöfe 

von  Bätica. 
')  Leoms  M.  opera  ed,  Baüermi,  1,  693-^  715.  —  Mansi  V,  1288  (1302).  —  Äywrre,  3, 

p,  95  — 111,     Der   Brief  findet  sich  voUständJg  in  der  CoUeciio  canonum  Eedes, 

HispaiuMt,  wo  Thuribius  für  Turribius  oder  Turibius  steht. 


478  SiebeBtef  Bncli.     Pttnfeehntes  Kapitel. 

Was  ist  nach  soldien  Vorbereitangen  geschehen?  Nichts,  oder  so- 
viel wie  nichts.  Das  Wenige ,  was  geschehen,  findet  man  bei  Idatios. 
Dass  er  genau  unterrichtet  war,  erhellt  u.  a.  daraus,  dass  er  den  Namra 
des  Pervincus,  Diakons  des  Turibius,  uns  mittheilt    Er  er^hlt  aber: 

J.  446.' —  „In  Astorga,  der  Stadt  Galiziens,  warden  einige  seh 
mehren  Jahren  verborgene  Manichäer  durch  Verhandlungen  der  Bischöfe 
(geitii  epi»eopaUtna)  entdeckt,  welche  (j^gesia'^)  von  den  Bischöfen  Idatins 
und  Turibius,  die  sie  verhört  hatten,  an  den  Bischof  Antonin  von  Meridi 
gerichtet  werden. 

J.  447.  —  „^sohof  Leo  ist  43  Vorsteher  der  römischen  Eirdift 
Seine  Schriften  gegen  die  Priscillianisten  werden  an  die  Bischöfe  Spantan 
durch  Pervincus,  den  Diakon  des  Bischois  Turibius,  gebracht  Darunter 
befindet  sich  eine  ausführliche  Abhandlung  (digpuiaHo  pUnaJ  über  die 
Beobachtung  des  katholischen  Glaubens,  und  die  Lästerungen  derHiilr^ 
sieen,  welche  von  eim'gen  Guliziem  mit  trügerischen  Worten  gebilligt 
wird,  d.  i.  sie  lobten  sie  mit  der  Zunge,  und  tadelten  sie  im  Herzen. 

J.  448.  —  „Einen  gewissen  Manichäer  Pascentius  aus  der  Stadt  Rom^ 
welcher  von  Astorga  entflohen  war,  Hess  Antonin,  Bischof  von  Meridi, 
greifen,  verhören  und  aus  der  Provinz  Lusitanien  vertreibeii  *).^ 

Diess  ist  alles;  und  mehr  geschah  nicht,  denn  über  eine  Synode 
hätte  Idatius  nicht  geschwiegen,  und  ihre  Akten  wären  wohl  «rhalten. 
Möglich  ist,  dass  Turibius  in  Kurzem  gestorben,  oder  dass  er  die  Bi- 
schöfe ganis  und  gar  unwillig  für  eine  Synode  gefunden. 

I^ageg^n  spricht  sehr  viel  dafür,  dass  Turibius  der  Urheber  oder 
Verfasser  der  oben  im  Auszuge  mitgetheilten  Auszüge  der  Akten  der 
ersten  Synode  von  Toledo  ist  (K.-G.,  2,  392  —  394).  —  Denn  erstens 
hatte  er  vor  allem  ein  Interesse  daran ;  zweitens  kennt  auch  Idatius  diese 
Akten,  d.  i.  diesen  Auszug^).  Drittens:  in  dem  Auszuge  werden  Sjm- 
phosius,  Dictinius  und  Comasius  —  jfSetnctae  memariae^  —  Männer  heiUgeo 
Andenkens  genannt.  Sie  waren  also  gestorben ,  und  wurden  nach  ihrem 
Tode  hoch  verehrt  Diess  trifft  auf  Astorga ,  und  nur  auf  Astorga  zn* 
Denn  überall  sonst  kannte  man  den  Dictinius  mehr  als  Häretiker,  denn 
als  Heiligen. 

Den  galizischen  Bischöfen  wurde  im  J.  400  angekündigt,  es  werde 
ihnen  von  dem  Concil  eine  Formel  zur  Unterschrift  zugesendet  werden 
(K-G.,  2,  393).  —  Besizen  wir  diese  Formel  nicht  mdir?  Ich  glaube, 
das  zweite  vielbesprochene  Aktenstück  der  Synode  I  von  Toledo,  <ü^ 
yfRegtdae  fldei  ccUhoUcae  contra  omnes  haereaesj   et  quam  maxime  contra 

r^  sei  gerade  diese  Formel.     Sie  wurde  an  alle  galizischen 


«)  K..G.,  2,  420-421. 

*)  Idai,  J,  400  —  in  quo,  qttod  pestii  continetur,   SpHphosiui  ei  Dietmiut  —  kaeren» 
bla^hemiMtimam  —  pro/eBtianis  sttae  suhBcHptuyne  condemnanL 


$.  10.     Turibius  von  Astorga.  479 

ischSfe  zur  Unterschrift  gesandt,  also  auch  an  den  Bischof  von  Braga 
ei  es,  dass  dieser  noch  Patemus,  oder  schon  Balconins  war,  der  zum 
41Ö  nachweisbar  ist  —  S.  405).  Die  Formel  oder  Glaubensregel  ent- 
ilt  ein  Symbol  mit  Zurückweisung  der  Irrthümer  Priscillians ,  woran 
dl  18  Anathematismen  schliessen,  die  wir  hier  desswegen  auslassen, 
fiil  sie  den  zur  Synode  I  von  Bracara  und  den  eben  mitgetheilten 
I  Kapiteln  des  Turibius  und  Leo^s  I  völlig  conform  sind.  —  Nur  nr.  15 
id  18  sind  hervorzuheben:  Wer  der  Astrologie  oder  Mathesis  Glauben 
henkt,  sei  Anathem,  ebenso,  wer  in  diesen  Irrthümern  der  Sekte 
riscillians  folgt,  und  sie  bekennt,  so  dass  -er  bei  der  heiligen  Taufe 
was  thut  gegen  den  Stuhl  des  heiligen  Petrus,  sei  Anathem.  Wir 
iben  auch  nicht  mehr  nöthig,  die  Irrlehre  des  Priscillian  im  Zusammen- 
inge darzusteUen. 

Turibius  wird  nicht  nur  in  Astorga  als  Heiliger  verehrt,  mit  einer 
tctave  und  als  Patron.  Er  steht  als  solcher  auch  in  dem  römischen 
[artyrolog  —  zum  16.  April  —  als  Heiliger  von  Palentia  (was  eine 
estätigung  des  oben  S.  449  über  das  Verhältniss  von  Astorga  und  Pa- 
mÜA  Gesagten  ist),  bei  den  Bollandisten  zum  16.  April,  und  in  dem 
Irevier  der  Benediktiner.  Die  ausführliche  Vüa  desselben  stüzt  sich  durch- 
as  auf  die  Aussagen  der  —  114  Jahre  —  spätem  Synode  I  von  Braga, 
nd  auf  den  Brief  Leo's  I.  an  ihn.  Neu  ist  hier  die  Angabe,  dass  die 
Itadt  Palentia  wegen  Verachtung  der  Predigt  des  Turibius  durch  eine 
Feberschwemmung  gestraft  worden,  und  dass  in  Folge  der  Briefe  Leo's  I. 
!hon  im  J.  447  die  zweite  Synode  von  Toledo  gehalten  worden.  —  Für 
ns  unterliegt  es  keinem  Zweifel,  dass  eine  solche  nicht  stattfand,  und 
SS  Aeusserste,  was  wir  zugeben  könnten,  wäre,  dass  die  4  Metropoliten 
es  eigentlichen  Spaniens  im  Namen  der  übrigen  Bischöfe —  den  Bischöfen 
ializiens,  darunter  auch  dem  Balconius  von  Braga,  wie  vor  48  Jahren 
ire  Vorgänger,  die  mehrerwähnte  Glaubensformel  noch  einmal  zur 
Interschrifl  zugesendet  [iü  aliquid  fcciase  viderentur  ^)J. 


*)  Ägiärrß,  3,  90  —  94  —  Concilium  Hispanicum  generale  ann.  447.  —  p.  95  — 113  der 
Brief  des  Leo  I.  und  des  Turibius.  —  Fl^irez,  6,  121—131  (nimmt  nur  eine 
Synode  in  GaÜzien  an).  —    Ferrertu,  2,  144  -  146, 


Sechszehntes  Kapitel. 

Die  Westgotlien  In  Spanien.    Leovigiid  nnd  HennenegUd. 

B«keii-  I^<*6  Westgofben  wurden  durch  Ulfilas  —  zum  Arianismus  bekehrt' 
7«?   Dass  Ulfilas  von  katholischen  Eltern  stamme ,  die  als  Gefangene  bei  de 

Gothen  Qothen  gelebt,  ist  wenig  glaubwürdig^).  —  Die  in  der  Krim  wohnende 
Gothen  waren  schon  um  258  katholische  Christen.  Von  dort  kam  d( 
Bischof,  der  sich  im  J.  325  zu  Nicäa  als  Theophilus  Bosporitanus  unte 
zeichnet^).  Diese  Gothen  sind  noch  nach  dem  Einfalle  der  Hunnen  i 
der  Krim  geblieben.  —  Ihnen  sendet  Chrysostomus  den  Bischof  Udü; 
nach  dessen  Tode  der  Diakon  Moduarius  nach  Constantinopel  komm 

uifiut.  um  einen  neuen  Bischof  zu  erbitten  ^).  —  Ulfilas  selbst  wurde  gebore 
im  J.  311-  Er  wurde  von  Eusebius  von  Nicomedien  (f  341)  zum  Bischoi 
geweiht,  welche  WUrde  er  40  Jahre  bekleidete,  kann  also  nicht  nac 
381  gestorben  seyn*).  Er  schrieb  und  predigte  in  drei  Sprachen,  gotbiscl 
griechisch,  lateinisch.  Seine  Bibelübersezung  kennt  Salvian  am  Ende  d( 
fünften  Jahrhunderts®).  —  Unter  diesen  Gothen  brach  im  J.  348  die  erst 


')  Die  Geschichte  der  Völkerwanderung  von  der  Gothcnbekchrung  bis  zum  W 
Alarlchs,  von  Reinhold  Pallmann,  Gotha  1863,  8.  331.  —  S.  66  —  70.  V.aitj 
Leben  und  Lehren  de»  Ulfila,  1840.  —  KrafTl,  Kirchengeschichte  der  gerroan 
8chen  Völker,  1854.  L  —    ßessel,  Leben  des  Ulflla,  1860. 

«)  Nach  Philoslorgius,  II,  5.  —  Dafür  ist  Kraffl,  S.  218;  dagegen  Pallmann 
S.  64-65. 

*)  Pallmann,  S.  65. 

*)  Bessel,  S.  115.  —   Pallmann,  8.  66.     (Aschbach,  218.)     c/.  Prorop.  3,  7«/ 
aedificüs.  —    Finlcy,  Geschichte  Griechenlands  unter  den  Römern,   I,  132. 
K.  Neumann,  die  Hellenen  im  8kythenlande,  1856,  I,  392  sq. 

»)  Bessel,  8.  44  —  8.  102  flg.  —  Nach  Wailz  im  J.  318  und  388.  —  s.  PallmanD. 
S.  67.  _-  Pallmann  verwechselt,  8.  69  —  70  —  den  Consekralor  mit  Eusebius 
von  C&sarea. 

•)  Phiioit.  2,  5. 


Die^Westgothen  in  Spanien.     Leovigild  and  Hermenegild.  481 

billige  Christenverfblgong  aus;  viele  Neubekehrte  starben  für  den  Glau- 
ben, worauf  Constantius  den  christlichen  (arianischen)  Gothen  Aufoahme 
in  das  römische  Gebiet  schenkte  ^  in  Untcrmösien^  bei  Nicopolis  am 
9imus^)»  —  Sie  hiessen  später  Mösogothen,  und  blieben  hier  wohnen« 
getrennt  von  den  übrigen  Gothen.  —  In  der  (zweiten  und  dritten) 
Siristenyerfolgttng  durch  Athanarich  J.  370 — 372  wurde  Saba  Mar- 
yrer').    Die  Märtyrer  Nicetas  und  Saba  waren  Katholiken. 

Die  Bekehrung  der  Westgothen  gieng  wohl  erst  nach  dem  Abzüge 
kß  Ulfila  im  Stillen  vor  sich  ^)  y  und  ein  grosser  Theil  derselben  gehörte 
Vax  Sekte  der  Audianer,  welche  vorzugsweise  die  Verfolgung  von  370 
-372  durdi  Athanarich  traf  ^).  —  Nach  den  Friedensschlüssen  mit  Theo- 
loaiuf  erscheinen  wieder  die  Gothen  vorwiegend  als  Arianer,  wohl  in 
Folge  ihres  Wohnens  im  römischen  Reidie^  und  ihrer  Verbindung  mit 
len  Mösogothen  dear  Ulfila.  ^Die  Audianer  sind  vernichtet,  Orthodoxe 
sidit  melur  nachzuweisen ;  dagegen  tritt  der  Gegensa«  zu  den  heidnischen 
Sothen  Athanarich^s  später  wieder  auf  das  schärfste  hervor  ^).^ 

Im  Januar  des  J.  381    starb  Ulfilas  zu  Constantinopel,    umgeben    • 
nm  vielen  arianischen  Bischöfen.   Die  Gothen  befestigten  sich  m^hr  und 
idir  in  dem  Arianismus,  indem  sie  denselben  als  volksthümliches  Elie- 
MDt  gegenüber  den  katholischen  Römern  betrachteten®).  —  Nach  dem 
Tede  des  Theodosius  —  395  begann  Alarich ,  der  König  der  Westgothen,  Aiarieh 
«ine  Strei&üge  im  römischen  Reiche  ^).  —    In  den  J.  401  —  403  führte  Rom. 
r  den  ersten  Krieg  in  Italien.    Bei  PoUentia  wurden  am  29.  März  402 
lie  Gtijthen  von  Siilicho  nicht  entscheidend  geschlagen").  —  Wieder  wurde 
Uacifdi  im  J.  403  bei  Verona  geschlagen ,  und  musste  Italien  verlassen, 
üom  Verderben  des  Reichs  wurde  der  edle  Stilicho  am  23.  August  408 
n  Ravenna  hingerichtet  ^).   —    Jezt  zog  Alarich  zum  zweitenmale  nach 
Italien,  und  erschien  Anfangs  409  vor  Rom.     Serena,  die  edle  Adoptiv- 
tochter (Nichte)  des  Theodosius,   die  Wittwe  Stilicho's,  wurde  in  der 
Stadt  erdrosselt,  angeblich' aus  Furcht,  sie  möchte  aus  Rache  die  Stadt 


»)  Pallmaon ,  71  —  72. 

')  Ada  SaneL   —   12.  April;    Pallmann,  S.  72  —  76:    ••die  gothiscben  Märtyrer  in 

den  »Acten  der  Heiligen«".  —  Eraji,  S.  381  dg. 
•)  Pallroami,  S.  79.  -    v.  Wietersheim,  V.-W.,  Bd.  4  (1864),  S.  15,  106  —  113, 

513-516. 
0  Kraffl,  S.  365;  370  flg.  —  Pallniann,  S.  80—85. 
*)  Pallmann,  S.  85. 

•)  BesMl,  8.  61.  —  Hefele,  2,  35.  —  Pallmann,  S.  19L 
»)  PallmaaD,  a  214  —  235.  -  Wielersheim,  4,  179  —  201. 
*)  Pallmann,  S.  238  —  239  stellt  die  widersprechenden  Nachrichten  zusammen.  — 

▼.  Claudios  Claudianus  und  das  römische  Reich  von  394  —  408  von  J.  G.  Zeiss, 

Laadtk.  1863,  S.  10  (nur  zur  Hälfte  bis  jezt  erschieneo). 
*)  Pallmann,  7.  Abschnitt,  das  Ende  SUlicho's,  8.  265  —  (288)  -  294.  —  Wie- 

tershelm,  S.  201  —  227. 

Kirche.    II.  31 


482  Siebentps  Buch.     Sechzehntes  Kapitel. 

an  Alarich  verrathen.  —  Aber  wie  ihr  Vater  Theodosius  es  vergass,  dass 
sein  Vater  im  J.  376  zu  Carthago  schmählich  hingerichtet  worden,  so 
hatte  Serena  die  Hinrichtung  ihres  Gemahls  vergessen ,  und  war  unfähig 
des  Verraths ').   Aber  der  römische  Senat  —  und  die  kaiserliche  Schwester 
Placidia  liessen  sie ,  die  Unschuldige ,  tödten  ^).  —    Bei  der  zweiten  Be- 
lagerung eroberte  Alarich  die  Stadt  —  am  24.  August  410.    Das  Leben 
der  Menschen  —  und  die  Kirchen  wurden  verschont^).  —    Bald  darauf 
starb   Alarich   bei   Cosenza,   im  34.  Jahre  seines   Lebens^).   —    Unter 
^^s    Athaulf  zogen  nun  die  Westgothen  nach  Gallien  —  412,  und  Ende  des 
WMfe-  J.  414  nach  Spanien.    Athaulf  üess  sich  in  Barcelona  nieder,   wo  sein 
■acb  Söhnchen  Theodosius  starb ,  und  er  selbst  bald  darauf  getödtet  wurde  — 
^i^'.  im  August  415  ^).  —  Siegerich  wurde  nach  7  Tagen  ermordet  —  Wallii 
Atbanif. drang  bis  an  die  Meerenge  von  Gades   vor,   rottete   die   Silingischen 
waiii«.  Yi^QJij^i^  i^^3^  schlug  die  Alanen  —  418,  verliess'  aber  419  Spanien, 
Thtodo-und  gründete  das  Tolosanische  Heich.    Nach  seinem  Tode  wurde  Theo- 
'  dorich  zum  Könige  gewählt,  der  eigentliche  Begründer  des  Westgothen- 
reiches,  der  in  der  Schlacht  von  451  gegen  Attila  fiel^).  —  Sein  ältester 
Tborift-Sohn   Thorlsmund   wurde  453  von  seinem  Bruder  Theodorich  IL  e^ 
mordet^),  und  dieser  fiel  gleich&lls  durch  Bruderhand,  466.  —  Im  Di&ute 
Tb«odo-der  Römer  besiegte  er  die  Bagauden  in  Tarraconensis.    Im  J.  456  sog 
'  er  mit  grossem  Heere  nach  Spanien ,  zunächst  gegen  die  Sueven ,  welche 
am  6.  Okt.  456   die  Schlacht  bei  Paramo  (Astorga)  verloren^).     Der 
Sieger  drang  bis  Braga,  und  liess  seinen  ge&ngenen  Schwager,  den 
König  Rechiarius,  hinrichten.    „Das  Reich  der  Sueven  wurde  serstSit 
und  hörte  auf.^  —   Dann  zog  Theodorich  südlich,  ^^und  als  er  Emeriti 


0  Selbst  Zosimus  der  Heide,  ihr  Gegner,  nimmt  sie  in  Schuz,  h.  5,  38;  er  meint, 
als  Feindin  des  Heidenthums  iiabe  diese  Nemesis  sie  getroffen,  weil  sie  der 
Rhea  ein  Halsband  genommen,  und  es  selbst  getragen,  darum  habe  sie  darch 
den  Strick  geendet.  —  Aus  ähnlichen  Gründen  mnsste  nach  der  Meinaog 
dieses  fanatischen  Heiden  Stilicho  so  elend  umkommen.  *> 

«)  Aichbach,  G.  d.  Westgothen,  S.  82.  —  Paümanriy  S.  297  flg.  —    Wietersheim,  238. 

•)  Paümann,  S.  313.  —  cf.  Orosiua,  7,  39.  • —  Augustin  de  civit,  Dei  sub  initium  - 
und  cap,  7.  —  Hieronym.  ep.  ad  Principiam.  —  Sozom,  9,  10.  —  Gregorovius, 
Geschichte  der  Stadt  Rom  im  Mittelalter,  1,  144  flg.  ~  Damals  hatte  Ron 
kaum  über  300,000  Einwohner. 

*)  Aschbach,  S.  92.  —  Palimann,  p.  315  —  317. 

*)  Aschbach,  S.  104  —  105.  —  F,  W.  Lembke,  Geschichte  von  Spanien,  Bd.  1 — 
Hamb.  1831,  S.  16—23.  —  Ofympiodor.  ap,  PhoU  p.  59,  —  Jomandes,  cap.  31. 
—  Probier,  chron,  415,  —   Idatius  416,  —  Orosius,  7 ,  43  (leztes  Capitel). 

•)  Aschbach,  S.  113  —  126. 

*)  Idathis  ad  453, 

•)  IdaU  456,  —  Jomandes,  cap.  44.—  WUtersheim,  443.  —  Lembke,  35.  —  Herrn 
DeriehsweiUr,  Geschichte  der  Burgunder  bis  zu  ihrer  Einverleibung  in*f  frio* 
kische  Reich,  Münst.  1863,  S.  39. 


Die  Westgothen  in  Spanien.     Leovigild  und  Hermenegild.  488 

lündem  wollte,  so  wurde  er  durch  die  Drohungen  der  seligen  Mar- 
Tin  Eulalia  erschreckl^  ^) ,  verweilte  aber  daselbst  bis  zum  Mins  457. 

-  Auf  dem  Rückwege  wütheten  die  Gothen  mit  Feuer  und  Schwert 
!gen  Astorga;  j^die  Kirchen  wurden  geplündert;  zwei  Bischöfe ^  die 
ch  dort  fuiden,  mit  dem  ganzen  Clerus  in  die  Gefangenschaft  geführt, 
e  menschenleere  Stadt  eingeäschert   Ebenso  wurde  Palencia  zerstört^). 

-  In  Gallien  eroberte  Theuderich  die  Stadt  Narbonne  und  das  Land 
s  zur  Rhone  —  462.  Narbonne  galt  als  Schlüssel  für  Grallien  und 
[wnien.  —  Dagegen  fiel  sein  Bruder  Friedrich  in  einer  Schlacht  bei 
rleans  —  im  J.  463  —  gegen  den  Römer  A^dius. 

In   dem  J.  464   trat  zum  erstenmale  der  Arianismus  der  Gt>then    di« 
indselig  gegen  die  Katholiken  herror.  —  Von  dem  kirchlichen  Zustande  \u*" 
sr  Gothen  zur  Zeit  Alarich's  wissen  wir  nidits;  sie  zerstörten  aber  die  ^^ 
sidnischen  Gözenbilder  in  Griechenland,  und  feierten  das  Osterfest  bei 
ollentia,  als  sie  von  den  Römern  angegrilBFen  wurden.    Bei  ihrem  Ein- 
ige in  Spanien  wird  Sigesarius  als  ihr  Bischof  genannt,  welcher  zu- 
leich  der  Erzieher  der  königlichen  Kinder  war^).  —    Im  J.  464 — 466 
mt  Ajax,   fiüher  Katholik,    ein   wilder  Arianer,   in  Spanien  zunächst 
ater  den  Sueven  als  heftiger  Feind  der  Katholiken  auf  ^).  —  Im  nächsten 
ihre  wurde  Theodorich,   erst  40  Jahre  alt,   durch  die   Hand  seines 
hiders  Eurich  ermordet,  welcher  bis  zum  Jahre  484  regierte^).    Er  sarich 
ring  erobernd  und  verheerend  in  Spanien  ein;  eroberte  in  Gallien  die  ^^^^ 
tidte  Marseille  und  Arles.     Auch  Arvemum  (Clermont)  fiel  an  ihn  — 
75.  —  Das  Reich  der  Gothen  reichte  nun  im  Norden  bis  an  die  Loire, 
n  Osten  an  die  Rhone,  im  Westen  an  das  Meer;  Spanien  fiel  so  zu 
Igen  als  herrenloses  Land  den  Gothen  bei  dem  Eingehen  des  römischen 
Vestreiches  im  J.  476  zu^).    Im  J.  477  zog  Eurich  mit  Widimer,  dem 
LÖaige  eines  Theils  der  Ostgothen,  gegen   Spanien  aus^j.    Er  nahm 
^unpelona  und  Saragossa  ein  und  schlug  den  Adel  der  Provinz  Tarra- 
onensis  ^).    Die  Gt>then  blieben  Herrn  von  Spanien ;  die  Sueven  blieben 
of  den  Nordwesten  von  Spanien  beschränkt  —  478.    Unter  Eurich  hatte 
las  Reich  seine  grösste  Ausdehnung  erreicht,  da  es  Spanien  und  den 
;r6e8ten  Theil  von  Gallien  umfasste.    Neben  Toulouse  waren  Arles  und 
^rdeanx  Residenzstädte.     Hierher   sah  Sidonius  Apollinaris  Gesandte 


')  K..G.,  1,  369.  —  Wietersheim,  444 

*)  IdaL,  J.  457.  —  Lembke,  S.  36.  —    Wieth-theim,  444. 

*)  Aschbach,  S.  107;  219.  —  Lembke,  S.  21. 

*)  Idtu.  465.  —   Aschbach ,  S.  143. 

*)  IdaL  467,   ^    Jorncmdes,   cap.  44;  45.    47.    —    Isidor   HispaL  kistoria    Gotkorum, 

oiM.  466. 
*)  Ueber  Eurich  —  s.  Aschbach,  S.  146—160.  —   Lembke,  S.  40—46. 
*)  JonuuuL  eap,  56. 
*)  hUbn^  ad  466. 

31  • 


Katho 
lik 


')  Jomand.  cap.  47.  —   Sidon.  ApoUinarU  ep.  9  lib.  8, 

*)  Isidor  ad  466.    —    Sirmond.  not.  42  in  Stdon.  ApolL   —    Ueber   Leo  8.  bei.  den 

leztern,  u.  a.  /.  4,  ep.  22. 
*)  Sidon.  ApolL  L,3,  ep,  1  —  und  Sirmond  Not.  a.  L,  8,  ep.  3.  —  Avitue  F.  episL  4j 
*)  Sidon.  Apoll.  Lib.   VII f    ep.  6.  multoque  jam  major  numerus  civitatum ,   smmmit  focff 

dotibtU  ip90tum  morie  truncatis,  nee  uUis  deinceps  epitcopis  in  de/unctorum  offa»^!' 

fectitf  latum  spuritualis  ruinae  limitem  traxit. 
»)  Gregor,  ffistor,  Franc.  2,  25. 


484  Biebente«  Bach,    iecheehntet  Kapitel. 

von  allen  Seit«i  kommen^);  Ton  den  Sachsen ,  Heroiem,  Frank^  ^ 
Burgundern,  Ostgothen,  den  Römern ,  selbst  Penem  (woeu  maii  Snereo,  ■ 
Alanen  und  Ostgothen  zählen  kann).  Eurich  gab  doi^  seinen  eAtea 
Minister y  den  ICatholiken  Leo,  den  Oothen  die  ersten  geeehriebeoeo  c 
ver-  Gheseze^).  —  In  seine  Zeit  Tällt  eine  Verfolgung  der  Katholiken.  Eorioh  z 
^dif  liess  den  berühmten  Bischof  Sidonius  ÄpoUinaris  von  seinem  Btsthum  t. 
^^^  Auvergne  wegführen,  und  ihn  eine  Zeit  lang  einkerkern.  Die  Yer-  e 
Wendung  des  Ministers  Leo  gab  ihm  die  Freiheit  und  seine  Stelle  m-  « 
rück^).  —  Eurich  aber  hatte,  nach  diesem  Schriftsteller,  einen  ticfin  i 
Hass  gegen  die  ICatholiken.  Nach  ihm  waren  die  Bischofsstädte  vo&  = 
Burdegala  (Bordeaux),  Petrocorium  (Perigueux),  Rotenum  (Rhodes), 
Limovices  (Limoges) ,  Gabalitani  (Anterieux) ,  Elusa  (Eusa) ,  Vatato 
(Bazas) ,  Convenae  (Cominges) ,  Auscenses  (Aux)  und  eine  vid  grissM 
Zahl  von  Städten  nach  dem  Tode  ihrer  Bischöfe  verwaist  geblieben^). 
In  den  verwaisten  Bisthümem  und  Pfarreien  fand  keine  Seelsorge  statt. 
Die  Kirchen  zerfielen;  ihre  Zugänge  waren  vom  Unkraut  überwadueD. 
Das  Vieh  wandelte  in  ihnen.  Nicht  bloss  auf  dem  Lande,  auch  in  dea 
Städten  gieng  der  Gottesdienst  fast  ein.  Crocus,  Bischof  von  Nismei» 
und  ein  Bischof  Simplicius  waren  verbannt  Damach  hatte  Enrieh  kons 
Bischöfe  mehr  weihen  lassen.  Es  scheint,  dass  er  die  Verfolgong  dir 
Vandalen  gegen  die  Kirche  nachahmte.  Noch  schwerer  stellt  Qtteg» 
von  Tours,  dar  über  100  Jahre  später  blühte ,  die  Verfolgung  dar.  Eurick 
liess  die  mit  seiner  Eüiresie  nicht  Uebereinstimmenden  enthaupten  (trm* 
cabai)'j  die  Cleriker  legte  er  in  Bande.  Von  den  Bischöfen  verbannte 
er  die  Einen ,  die  Andern  tödtete  er  mit  dem  Schwerte.  Er  hatte  be- 
fohlen, dass  die  Zugänge  zu  den  Tempeln  mit  Domen  verschlosBeo 
werden  ^).  Er  bemft  sich  aber  speciell  auf  obigen  Brief  des  Sidonius, 
wobei  es  darauf  ankommt,  ob  die  Worte:  summis  aaeerdotibus  eorum 
morU  trt4nc<xtis,  einen  natürlichen  oder  gewaltsamen  Tod  bedeuten.  — 
Jedenfalls  war  es  eine  planmässige  Verfolgung.  ^Selbst  Arianer,  Ter- 
folgte  (Eurich)  die  Priester  seiner  katholischen  Unterthanen  auf  dtf 
heftigste;  Bischöfe  wurden  vertrieben,  ja  hingerichtet;  ihre  erledigten 
Stühle  unbesezt  gelassen,  und  der  Ausübung  dos  katholischen  Gottei- 
dienstes  jede   Schwierigkeit  in  den  Weg  gelegt.    Gerade  durch  dieie 


Di«  WettgoHhett  In  8patticu.    Leo^HgAd  vifd  HmneDegild.  4&S 

mMgttgn  lagUi  Etnich  dM  Keim  ra  der  AnfUtoimg  de»  TetosatdiMlIffinr 
lioh»*)'.«  --^  König  EoiMi  stirb  im  Jahr  484  so  Arle^ 

Mä  Sohn  Akrieh  (484—607)  gestattete  yßnedet  die  Wahlen  do'Ahrkk, 
■cMfe^  «Ml  fi«s  die  KatboHken  gewähren^).  Doch  wnrde  Bischof  VoT 
>lMiii^  t^n  TouM  wegen  politischen  Verdaehtii  nach  TonlonM  rer- 
iint,  wo  er  kald  starb^).  —  Qnintianus,  Bischof  ron  Bhodea, 
Mste  liehen;  er  weilte  bei  dem  Bischöfe  EnfrasinB  m  Anyergne.  Aneh 
kmiv»  toa  Arlee  war  eme  Zeit  lang  verbannt  Da  indess  von  dem 
eanken  CSilodwig  Oefahr  drcdite,  suchte  Alarich  auf  jede  Weise  die 
sthoHkeBS  aa  liiiqg;tttigen ;  er  liesa  fttr  die  j^Römer^  eine  eigtae  Samm- 
ng  Ton  OeaeiM  machen^  mid  sie  von  den  Bisehöfen  und  Abgeordneten 
V  IVondnten  prOien.  Diess  ist  da»  Bteviarium  Alarkhtmum  *).  —  Der 
icbannte  Enbischof  Eugenius  von  Carthago  fand  gastliche  Aufnahme 
1  Gebiete  Alarich's  j  und  starb  zu  Alby  im  J.  503.  —  Im  September  606 
urde  anit  Erlaubniss  Alarich's  die  zahlreiche  Synode  von  Agde  (Aga- 
lenaa)  gehalten.  Sie  wird  hier  übergangen,  weil  sie  keine  Beziehung 
1  Spanien  hat,  und  allgemein  den  gaUischen  Synoden  beigeaShlt  wird, 
leb  in  der  ^[Mmischen  Sammlung  der  Canones.  Die  Synode  hat  34 
ntemehriftm  ^).  Auch  Bischof  Quintianus ,  wohl  der  von  Bhodes ,  ist 
itsnckrieben.  Damals  blühten  die  Bischöfe  Ruricius  von  Limoges  und 
adatus  von  Nismes*);  vor  allem  aber  der  heilige  CXsarius  von  Arlea. 

Die  Beschuldigungen,  bis  zur  Stunde  wiederholt,  dass  die  Kath<H 
ken  im  Gothenreich  mit  dem  Franken  Chlodwig  conspirirt,  entbehren 
idsr  Begründung.  •-*  Wenn  aber  —  nach  Qregor  von  Tours  —  „schon 
aauda  Viele  in  Gallien  die  Franken  als  ihre  Herrn  zu  haben  gar 
«ftig  verlangten'  ^) ,  so  ist  dieser  Ausdruck  im  Munde  eines  patriotiscben 


')  So  der  Protestant  Lenibke,  8.  46;  ganz  anders  Aschbach,  der  sa^t:  »So  ward 
das  Tolosanische  Reich  gestflrzt,  mehr  dorch  die  römischen  Unterthanen,  als 
dnrch  die  Franken,"  —  8.  220  —  v.  S.  159-160.  »Die  Katholiken  machten 
Empömngen  auf  Empörungen.**  —  Aber  Aschbach  hat  vergessen,  auch  nur 
eine  einzige  Empörung  zu  berichten. 

^Aächbach,  S.  161—172.  -  Lembke,  47-51. 

*)  Gr^or.  T.,  2,  26  (36),  heisst  es  m  Hispanias;  L  10,  cap,  31  —  heisst  es :  Apud 
wrh^m  Tolo9am  exäio  eoiuimimaiut,  in  eo  ßbiii,  s.  Aschbach ,  S.  168.  (Sftd-Frank- 
reich  gehörte  zu  Spanien.) 

*)  Aschbach :  Ueber  das  Breviarium  oder  das  von  Alarich  IL  den  Römern  gegebene 
RechUbuch,  8.  335  —  342.  —  Ruht,  über  die  Geseze  der  Westgothen,  Oreifs- 
walde  1801.  —  Savigny,  Geschichte  des  römischen  Rechts  im  Mittelalter  Tbl.  I, 
8.  257  flg.  Thl.  II,  8.  36  flg.  Adolf  ffelffench,  Entstehung  und  Geschichte 
des  Westgothenrechts,  Berlin  1858,  8.  8 

*)  Hardum  Canc  L  2,  p.  997  sq,  —  Sirmond.,  ConciUa  Oattia*,  L  1,  j».  160,  -— 
Manti,  U  8,  p,  323, 

*)  I.  über  Beide  meinen  Artikel:  Sedatus  im  Freiburger  Kirchenlezicon ,  Bd.  9, 
8.  918— d20. 

*)  Qrt0.  2W.  2,  S6. 


4B6  SiebMites  Bnch.    Sechzehntes  Kapitel. 

GhJlieir8|  der  den  Gk>tIieD  aas  nationalen  |  nicht  aus  reUgiösen  Ghri 
nicht  geneigt  wax^  ohne  aUe  Bedeutung.  6hlodwig  wollte  eben 
Gallien  erobern,  und  darum  sprach  er  zu  seinen  Leuten:  j,Es  th^ 
leid,  dass  diese  Arianer  einen  .Theil  von  Gallien  inne  haben.  < 
wir  hini  schlagen  wir  sie  in  Gottes  Nameui  und  bringen  ihr  L 
unsem  Besia^).''  Er  schlug  die  Gothen  bei  Vougl^,  drei  Stande 
Poitiers  —  607;  Alarich  fiel  im  Kampfe.  —  Am  tapfersten  hatt 
Seite  der  Westgoihen  die  katholischen  Krieger  aus  Auvergne 
ApoUinariSi  dem  Sohne  des  Bischöfe,  gekämpft;  sie  waren  &8t  al 
fidlen,  lur  schlagenden  'Widerl^;ung  der  Verleumdungen  geg( 
Katholiken').  j^Sie  gaben  dadurch,^  sagt  sogar  Aschbach, 
sprechenden  (1)  Beweis  ihrer  Anhänglichkeit  an  die  westgothische 
rang,  und  augleich  ihrer  Abneigung  gegen  Klodwig,  obgleich  s 
tholiken  waren  ^).^ 

Die  Gothen  wählten  sogleich  au  Narbonne  den  G^salich,  einen 
liehen  Sohn  des  Alarich,  zu  ihrem  Könige.    Der  erst  fünQährige 
rieh  wurde  nach  Spanien  gebracht  ^).  —   Im  J.  508  eroberte  Chi 
die  Hauptstadt  Toulouse^  musste  aber  von  Carcassonne  abziehen, 
lieh  fluchtete  schmählich  nach  Barcelona.  —    Theodorich,  der  Ost 
aber  trat  in's  Mittel;  sein  Feldherr  Ibbas  brachte  den  Franken 
weit  von  Arles  eine  gründliche  Niederlage  bei  ^) ,   entsezte  Carcaa 
nahm  das  ganse  Land  von  der  Rhone  bis  an  die  Pyrenäen;   mit 
nähme  von  Toulouse.     ^Auch  fügten  sich  die  katholischen   Bey\ 
iec  gothischen  Herrschaft  mehr  als  man  hätte  hoffen  können  ^).^ 
war  selbst  Katholik.  —    Er  rückte  über  die  Pyrenäen,  und  schlu 
G^salich  bei  Barcelona  —  509  j  welcher  nach  Afrika  floh ,  zurückl 
bei  Barcelona  wiederholt  geschlagen ,  und  auf  der  Flucht  in  Gallie 
den  Gothen  getödtet  wurde,  511  ^).  —  Die  Franken  behielten  Aqui 
und  Toulouse.     Der  junge  Amalrich  lebte  in  Narbonne  unter  s 
Vormunde,  dem  Ostgothen  Theudes,  der  zugleich  Statthalter  oder 
könig  in  Spanien  war ").  —  Theodorichs  Regierung  über  Spanien  d 


")  Gr.  T,,  2,  37.  —  Frtdegar.  epit  cap.  25.  —  Procop,  de  beüo  pothieo,  /, 

Indor.  chronic.  Gothor.  —  Anno  483  —   Chlodwigus' —  Francorwm  princeptf 

regnttm  affeetan»  —  Aimoin,  hist.  i,  20. 
«)  Gregor.  2,  37. 

•)  A»ekbaeh,  S.  172.  —  Lembke,  S.  51. 
*)  JUdor  ad  607.  —  Procop.  1,  12.  —  Chranol,  reg.  Goth.  wr.  11  (ap.  Bougue 

—  //,  704).  —   HUl  de  Languedoc,  T.  /,  NoL  63. 
*)  JornarnUi,  cap,  58. 
*)  Asehbach,  6.  177. 
*)  Indar,  H,   37,   38.   —    Appendix    Chronic   Victor.  Tunun.    —    CoMtiodor,   F 

ip.  43-^44. 
*)  Jomtmäup  eap,  58. 


Die  WMtgotIkeii  ia  Spftiileii.     LeoTigild  und  Hennenegild.  487 

ure  (511 — 526).  Jezt  regierte  Amalrich,  etws  24  Jahre  alt  [nadi 
paiiiem^war  er  schon  seit  522  Mitrcgent  ^)] ,  über  Spanien  und  lo?« 
lanien  (aach  Narbonensis,  ein  schmaler,  ab^  bis  znr  Rhone  reichen-  ^'^' 
indstrich  am  Meere).  —  Aus  Farcht  vor  den  Franken  —  hielt  er 
3  Hand  der  Clotilde,  der  Schwester  des  Franken  GhSdebert,  an, 
)  mit  reicher  Aussteuer  nach  Narbonne  gesendet  wurde  ^).  j^Sie 
aber  viele  Nachstellungen  von  ihrem  Manne  wegen  des  katholisdien 
ens.  Denn  gewöhnlich,  wenn  sie  in  die  Earche  gieng,  liess  er  sie 
ist  und  allerlei  Unrath  bewerfen.  Zuleot  aber  soll  er  sie  mit 
T  Ghrausamkeit  geschlagen  haben ,  dass  sie  ein  mit  ihrem  eigenen 
getiibiktes  Schweisstuch  ihrem  Bruder  übersandte').^  —  Cbilde- 
Ickte  mit  Heeresmacht  h^an,  schlug  den  Amalrich  bei  Narboime 
.  Nach  Proeopius,  Gregor  von  Tours  und  Aimoin  (2,  8)  kam  er 
EU  das  Leben;  nach  Isidor  (Fredegar  epit  31 — 42)  und  Appendix 
tor.  Tun.  wurde  er  zu  Barcelona  ermordet,  wohin  er  zur  See  ent- 
sn  war^).  —  Seine  Gemahlin  starb  bald  in  Folge  der  Misshandr 
u  Ghildebert  raubte  aus  den  Eorchen  von  Narbonne  (nicht  von 
>,  wie  u.  a.  noch  Lorenzana  sagt)  die  kostbarsten  Heiligthümer  ^)* 
n  die  Stelle  erblicher  Könige  traten  nun  die  Wahlkönige  der 
1  ^).  Der  Ostgothe  Theudes,  vermählt  mit  einer  reichen  Spanierin,  xaaig 
e  17  Jahre,  5  Monate.  ^Obgleich  er  Häretiker  war,  liess  er  doch  dJIT 
rche  den  Frieden,  so  sehr  —  dass  er  den  katholischen  Bischöfen  'J^]^ 
laubniss  gab,  in  der  Stadt  Toledo  sich  zu  versammeln,  und  frei 
ibeschränkt  zu  verfügen,  was  für  die  Disciplin  der  Kirdie  notfa- 
;  war^^).  Diese  Worte  Isidors  sind  merkwürdig  ungenau;  doch 
^n  sie,  dass  Theudes  die  Katholiken  gewähren  liess.  —  Er  residirte 
celona,  über  Septimanien  wurde  ein  Statthalter  gesezt  —  In  seine 


idor,  39,  40  —  HUpaniae  (regnum)  Muperstes  Amaktrico  ntpoH  tuo  reliquit  Inde 
jUam  reptten»f  aliguamdiu  —  regnavit. 

regor.  T.  3j  1  —  et  eam  ipsi  in  regionem  Hispaniae  cum  magnorum  omammitamm 
)le  transmiuunt  (also   rechnet  er  Narbonne  zu  Spanien,  wie  oben   Bordeaux) 

cf.  cap.  10. 
regor,   T,  3  j  10,   —   Proeop.  i,  13, 

iber  $.  Todesjahr  cf.  Histoire  de  Languedoe  L  I,  not,  67.  nr.  3  »q.  —  Risco 
lorez),  t.  32,  322. 

•egor.  3,  10 — 60  caUees,  15  patemat  (ptitenaa),  20  Evangelionm  eapäa»  detuHi, 
nia  ex  auro  puro  ae  gemmis  preüona  omata;  doch  habe  er  sie  an  Kirchen  ver- 
eilen  lassen. 

tchbach,  Westgothisches  Wahlreich  in  Spanien  unter  den  arianitcheD  Königen 
leudes,  Theudisclus,  Agila,  Athanagild  und  Leovigild  (v.  531  —  586),  S.  186 
221.  —  Lembke,  Westgothischet  Wahlreich  unter  arianischen  Königen  (531— 
6),  S.  59  —  77. 

idor  —  ad  531.  —  Aschbaeh  text  bei:  alle  Jahre.  In  seine  Regierung 
len  die  Synoden  von  Barcelona,  J.  540;  Ilerda,  546,  und  Valencia,  546. 


iSä  SfebMte»  Bteh.    Seehx^holes  RapiUel. 

Regienmg  fäUt  die  (dreitägige)  Belagerung  Ton  Saragossa  dwch  ik 

Franken 9  und  deren  (freiwilliger?)  Rüdezug  ^).    Nach  Gregor  von  Tours 

war  diess  ein  Sieg,  nach  Isidor  Hisp.  eine  Niederlage  der  Frwken^j. 

Theudes  machte  auf  Ceuta  (Septa),  das  jezt  wieder  mit  ganz  Afrika  im 

Besize  der  Griechen  war,  einen  unglücklichen  Angriff,  und  wurde  bald 

Ksnig  darauf  ermordet    Der  Feldherr  Theudegisel  regierte  nicht  yiel  über 

^guei*^l  Jahr  und  wurde  wegen  seiner  Ausschweifungen  in  EUspaiia   wSluaefid 

*i?r  ®^^  Gelages  ermordet'). 

Ksnig  Agila  —  s.  549  —  fand  bald  in  Athanagild  einen  Gegner  %    Dieser 

^1^  rief  die  Griechen  zu  seiner  Hilfe  herbei,  welche  Italien,  A&ik*  und 
664.   die  Inseln  wieder  erobert  hatten.    Der  Patricier  Liberius  kam  mit  ebem 
kthnm-  starken  Heere  des  Justinian  ^).    Athani^ld  schlug  nun  seinen  Gegner 
55"^  bei  Hispalis,  die  Griechen  aber  nahmen  die  eroberten  Städte  für  mdk% 
6«7*   I>ie  Gliben  aber  ermordeten  den  Agila  zu  Emerita  —  554  ^  und  sais- 
melten  sich  um  Athanagild ,  welcher  14  Jahre  regierte.   Er  führte  bjiit^ 
Exiege  gegen  die  Griechen,  welche  fer  herbeigerufen,  und  entriss  ibiiap 
wieder  einige  Städte ').     Er  gab  seine  Tochter  Brunehild  dem  Si^gbert, 
iKönig  von  Metz  (Austrasien) ,  welche  bald  katholisch  wurde ;  ebenso  ih&e 
ältere  Schwester  Gakwinde  dem  König  Chilperich  von  Soissoos.sur  Ehe. 
Athanarich  starb  zu  Toledo  eines  ruhigen  Todes. 
Ltav«  Erst  nach  5  Monaten  wurde  LiuTa  in  Narbonne  zum  Könige  e^ 

^y^  wählt,  der  seinem  Bruder  Leovigild  ganz  Spanien  überliess,  wislchar 
T.CO.  Goswinde,  die  Wittwe  Athanagild's,   heirathete.     Er  führte  saKlrßiehe 
;iV-  glückliche  Kriege »).    Er  entriss  den  Griechen  die  Städte  Basti,  Malam 
686-   —  570,  Asidonia  -—  671 ,  Corduba.    Nach  dem  Tode  Liuva's  herrsehte 
er  unbeschränkt  über  das  ganze  Reich.  Er  unterwarf  die  Cantabr^  -—.SIL 
—  Den  König  der  Sueven,   Miro,  zwang  er,  sich  als  Vasallen  «u  be- 
kennen, 576.  —  Dann  unterwarf  er  sich  das  Orospeda  -  Gebirge ,  577^). 
Er  war  jezt  auf  dem  Höhepunkte  seiner  Macht  angelangt.     Nach  dem 
Namen  seines  Sohnes  Reccared  gründete  er  in  Celtlberien  die  Stadt  Rc- 
copolis ,  am  obern  Tajo ,  mit  Mauern  und  Vorstädten  umgeben ,  die  aber 
nur  kurzen  Bestand  hatte. 


■)  K..G.,  1,  8.  382.   —    Dort  heisst  es  im  J.  537,  Aschbach,  S.  189,  Lembkf, 

S.  60  nehmen  das  J.  543  an. 
«)  Gr9p<>r.  Tur,  3,  29,  —  Isidor,  eap.  42,  ad  a.  531. 
*)  Greg.  T.  5,  30,  —    Isidor  Ä,  oap,  44.  —  Jordan,  eap.  58. 
*)  8.  K.-G. ,  1,  S.  358  —  über  seine  Schicksale  vor  Corduba. 
')  Jsmand,  oap.  58. 
•)  Isidor.  46,     Gregor  T.  4,  8. 
*)  Frtdtg.   eap.  49    —    qui  ab  Spama  exercitum  imperü  Bxpuiii;   richtiger  UÜor:  quot 

postea  submovere  ßnibus  Regni  moUtus  non  potuit, 
*)  Jocmnss  Biclanensis  am.  3  Justim.  —  Hftuptquelle  für  die  EtgieruDg  L^ovigildV 
*>  Jf  ach  Masdta  VIII,  c  79  die  feiten  Piftze  Alcaraz  und  Cazorla. 


Dto  Westgotben  in  Spanien.     Leovigild  und  Hermenegild.  489 

Schon  im  J.  573  hatte  Leovigild  seine  beiden  Söhne  Hermenegild 
id  Reoeared  aus  einer  frühem  Ehe  zur  TheOnahme  an  der  Regierung 
««ngesogen.^).  —  Für  den  altem  Sohn  Hermenegild  begehrte  und  er- 
elt  er  zur  Gemahlin  die  Ingunde,  Tochter  des  Franken  Siegebert  und 
rnnehildens.  Als  Ingunde  in  Toledo  angelangt,  versuchte  die  fanatische 
rianerin  Goswinthe  nach  Schmeicheleien  und  Bitten  Gtewalt,  um  sie 
tm  Arianismus  zu  bringen^).  Um  den  Frieden  zu  erhalten,  wies  Leo- 
gild  seinem  Sohne  eine  andere  Stadt,  es  scheint  Sevilla,  zur  Wohnung 
i*)  Hier  nahm  Hermenegild,  theils  auf  Andringen  seiner  Gemahlin, 
eils  dem  Beispiele  und  den  Ermahnungen  des  Bischöfe  Leander,  von 
ispalis  folgend ,  den  katholischen  Glauben  an  ^).  (Die  Spanier  Johannes 
in  Bidaro  und  tsidor  erzählen  aber  nichts  davon;  war  vielleicht  Her- 
BD^ld  von  seiner  Mutter  her  schon  Katholik?) 

Nun  aber  erhob  Hermenegild  die  Fahne  des  Aufstands  gegen  seinen  Hcm*. 
iter,  und  rief  die  Griechen  zu  seiner  Hilfe  herbei.  Isidor  scheint  ihn  ****'*' 
r  einen  Bebellen  zu  halten  ^).  Der  eifirig  katholische  Johannes  BicL 
imt  sein  Vorgehen  Empörung.  ^^Hermenegild  warf  sich  in  Folge  des 
irtheitreibens  der  Königin  Goswintha  zum  Gewaltherrscher  auf,  begann 
8  Rebellion,  und  wurde  in  der  Stadt  Hispalis  eingeschlossen,  und  zog 
ich  andre  Städte  und  Burgen  in  die  Empörung  gegen  seinen  Vater 
nein,  was  den  Gt>then  und  Griechen  zum  grossen  Unglücke  gereichte ^).^ 

Jezt  entbrannte  der  Zorn  des  Königs  und  er  begann  einen  form- 
ten Vertilgungskampf  gegen  die  katholische  Kirche.  Wir  aber  sagen, 
as  es  nicht  nachweisbar,  und  nicht  wahrscheinlich  ist,  dass  irgend  ein 
achof  einen  Antheil  an  der  Empörung  des  Hermenegild  hatte '').  Leo- 
^d  wollte  aber,  wie  hundert  Jahre  fiüher  Eurich,  die  Bischöfe  aus- 
srben  machen.  Einige  wurden. verbannt,  andere  eingesperrt,  ja  ge- 
dtet;  die  Güter  der  Kirchen  eingezogen.  —  Den  Bischof  Fronimius 
>n  Agde,  der  die  nach  Spanien  ziehende  Ingunde  im  Glauben  bestärkt, 
arsuchte  er  durch  einen  Meuchelmörder  zu  beseitigen;  dieser  aber  ent- 


')  Joann,  Biclar,  573. 

*)  Gregor,  Tur,  4,  52.  5,  39.  —  Joann.  B.  579. 

*)  Gregor.  5,  39. 

*)  PauU.  Diac.  de  gesL  Longob.  3,  21:  praedicatione  Leandri  —  atque  adhortatione  suae 
conjugit  cd>  ariana  haeresi  —  ad  cathoUaxm  fidem  conversut  fuerat  —  cf.  Gregor.  M. 
Dud.  Ulf  31,  und  praef.  in  Job,  der  nur  des  Leander  gedenkt 

^)  Indor  Suevorum  historia  von  Leovigild  am  Schluss  —  €uiv.  rebeUem  ßUum. 

*)  ffermsnegildui  /actione  Gotwinthae  reginae  tgrcmnidem  assumeni,  tn  Biepali  eivitate 
rebeUione  facta  reciudiiur,  et  aUas  civitates  atque  casteüa  eecum  contra  patrem  rebellare 
fadt  —  Viel  milder  Gregor.  Tur.  5,  39  ^  dum  chrisnuxretur  (Hermenegildue), 
Joanne»  est  vodtatus.  Quod  ewn  Leuoigildus  audissetf  coepit  causas  t/uaerere,  quaHter 
«OH  perderet  —  hier  erscheint  der  Aufstand  als  Nothwehr. 

0  Gregor.  V,  39. 

Qene,  tpan.  Kirche.   II.  32 


40Q.  Sieibentes  Bach.     Sechsehiites  KapiteL 

kam').  —  Leander  von EUspalis  wurde  verbannt,  —  oder  musste  fliehen 
Elr  begab  sich  nach  Constantinopel ,  und  sprach  den  Kaiser  Mauritia 
um  Hilfe  an.    Dort  wurde  er  befreundet  mit  Gregorius,  damals  päpst 
lichem  Apocrisiarios,  584 — 586^).    Den  ehrwürdigen  Bischof  Mausoiu 
suchte  man  zum  Abfalle  zu  bewegen.     Der  arianische  Bischof  Suniui 
wurde  nach  Merida  gesandt;  Masona  nach  Toledo  berufen.    Leovigild 
verlangte  von  ihm  —  die  Auslieferung  der  Tunica  der  heiligen  Eulalia. 
Als  er  sich  weigerte ,  befahl  er,  dass  er  auf  einem  wilden  Pferde  in  die 
Verbannung  gehen  solle ,  weldies  zur  Beschämung  der  Ananer  sogleich 
zahm  wurde.     Er  musste  in  ein  —  nicht  genanntes  Kloster  gehen,  -- 
wo  er  drei  Jahre  weilte^).     Johann  von  Biclaro  wurde  nach  Barcelona 
verbannt,  wo  er  zehn  Jahre  von  den  Arianern  viel  erduldete^).    Sehr 
viele  andre  Bischöfe  verbannte  der  König,  deren  Namen  uns  unbekannt 
siud^J.     Vielleicht,  dass  in  diese  Zeit ^ auch  der  Martyrtod  des  Abtes 
Vincentius  von  Leon,    des  Prior  EUmirus  und  zwölf  anderer  Mönche 
fHttt^).  uSehr  viele  Bischöfe  verbannte  er  (deren  Namen  wir  nicht  kennen), 
er.  nahm  die  Einkünfte  und  Privilegien  der  Kirchen  weg,    trieb  viele 
durch  Schrecken  zu  der  Pest  des  Arianismus,   brachte  viele  durch  Geld 
und  Güter  zum  AbfalL^    Während  aber  Isidor  berichtet,  dass  sich  u.a. 
Bischof  Vincenz  von  Saragossa  der  Apostat  bis  zur  Annahme  der  Wieder- 
taufe  erniedrigt^  indem  er  wie  vom  Himmel  in  die  Hölle  stürzte,  erzählt 
Johann    von  BicL^    dass  Leovigild   auf  einer  Synode  der  Arianischen 
Bischöfe  zu  Toledo  (580—581)  es  durchgesezt  habe,  dass  die  „von  der 
Römischen  Religion  zu  unserm  katholischen  Glauben  Kommenden  nicht 
wiedergetauft  werden  dürfen^,    sondern    nur  die  Ilandauf legung  und 
Communion  der  Arianer  empfangen  sollen,  was  viele  Katholiken  zum 
Abfalle  bewogen   habe  ^).    —     Ein  Priester  litt  um  diese  Zeit  grosse 
Qualen  für  den  Glauben  ^). 

Nachdem  Leovigild  seinen  Sohn  Hermenegild  in  seine  Gewalt  ge- 
bracht, führte  er  ihn  in  Fesseln  nach  Toledo,  und  verbannte  ihn  nach 
Valencia  —  584.  Von  hier  entfloh  er  nach  Tarraco,  oder  wurde  dahin 
in  Sicherheit  gebracht  %  Hieher  (nach  andern  in  Sevilla)  sandte  sein  Vater 


«)  Greg.  T,  9,  24.  —  Ferreras,  2,  277. 

»)   Gregor.  M.  l  c.  —  Cenniy  dt  aniiquit.  eccl  Risp.  t.  IL,  p.  216  aqq. 

•|  PauL  Emer,  eap,  10 — 15,    Er  kehrte  noch  zq  Lebzeilen  Leovigild^  zarück. 

*)  Itidor  H,  de  vir.  iü.  cap.  44. 

*)  Isid.  d.  reg.  Goth.  cap.  60.  —    Gregor.  T,  5,  39. 

*)  Nach  Yepet  und  den  Bollandistcn  im  J.  554  —  555,  nach  Mariana  —  J. 
nach  Mabillon,  Morales,  Ferreras,  Haronius,  Aguirrc  —  580—584;  Bueoy  r 
361  —  378  entscheidet  sich  für  keine  bestimmte  Zeit,  sondern  niniiut  an,  • 
•ie  zwischen  448  und  560  unter  einem  suevi sehen  Könige  gelitten  haben. 

^1  Indor  de  reg.  Goth.  cap.  50.  —    Joh.  B.  ann.  580.  —    Aschbach,  S.  206. 

•)  Gregor.  T.  de  gloria  martyr.  1,  82. 

•)  Joh.  Bielar.  585.  —   Greg.  T.  5,  39.  6,  18,  45.        8,  28. 


\  Die  WestgotKeii  tb  St>Ai(r^.'   LeoVf^M  dltfa*  H^menegild.  IM' 

-^.  eineii  arianisohen  Bisdiof ,  aus  dessen  Händen  er  das  Abendmahl  nehmen 

^  sollte.    jyAber  er  zog  dem  irdischen  Reiche  und  Leben  das  hinmiUiBche 

^.  YWf'  und  wurde  in  seinem  Gefängnisse  in  der  heiligen  Nacht  des  Ostw- 

^  festos  von  Sisbeirt  ermordet  —  IS.  April  586  ')• 

-  Nachdem  Leovigild*  noch  das  Reich  der  SbeveA  sich  unierworfen, 
^  und  deh  grösstel^  l%eil  der  pyrenSischen  Halbinsel  mit  senaem  Bibiche 
'  yereini^y  auch  glttdcliche  &iege  gegen  die  Fi^ankeh  geführt,  jstarb 
^  er  am  Anfitnge  des  J.  586  zu  Toledo,  und  hinterliess  seinem  Sohne 
'■i  Reocared  ein  mächtiges  Reich. 

Im  zehnten  Monat  seiner  Regierung  sammelte  Reccared  die  ariani- 

*^.  sehen  Biaohöfe  um  sich,  und  überredete  sie  zum  Eintritte  in  die  katho- 

^  linhe  Kirche.    Er  selbst  legte  das  katholische  Glaubensbekenntniss  ab, 

^  indem  er  das  Sakrament  der  Firmung  (wie  früher  Hermenegild) ,   em- 

^i  pfieng^).  —  Die  Sueven  waren  vorher  schon  bekehrt.  Auch  die  Gothen 

**!  im  Narbonnensischen  Gallien  —  wurden  ohne  Widerstand  Eathoh'ken, 

^^  Dich  dem  plözlichen  Tode  des  Pseudo-Bischofes  Athalocus^).  —  Sisbert, 

r*  der  MSrder  Hermenegild's ,  erlitt  den  schändlichsten  Tod  *).  —  Der  oben 

^  genannte  Sunna  zettelte  mit  Seggo,  Witterich  u.  a.  eine  Verschwörung 

^-  an,  um  den  Reccared  zu  entthronen.    Allein  Bischof  Mausona  und  der 

^  Dax  Claudius  vereitelten  den  Plan;  die  Schuldigen  wurden   verbannt 

^  Sonna  kam  kläglich  in  Mauritanien  um,   wo  er  Viele  zum  Abfalle  ver- 

-  leitet;  Seggo  wurde  mit  abgehauenen  Händen  nach  Galizien  verwiesen*). 
-  —  Auch  Goswintha,  Wittwe  Leovigild's,  spann  Verrath  im  Bunde  mit 

^  dem  arianischen  Bischof  Uldila,   nachdem   sie  zum  Scheine  katholisch 

3  geworden •).    Uldila  wurde  verbannt,  Goswintha  traf  schneller  Tod^). 
^  Ein  grosser  Sieg,  den  Claudius,   Dux  von  Lusitannien,  über  die 

?i*  Franken  erfocht  [er  soll  mit  300  Mann  60,000  Feinde  geschlagen  haben  *^)], 
galt  als  grosses  Gottesgericht  zu  Gunsten  Reccared's  % 


')  Gregor,  M.  dialog,  3,  31.  —    Johannet  BicL  ann.  585, 
'J  Joann,  Biclar,  586;   Gregor,  T,  9^  15.     Isidor.  de  reb,  Gothor,  cap.  52. 
*)  Gregor  L  c,  —    Paul,  Emerit  cap.  19. 
)  nwrta  turpissima  perimüur  —  Joann.  Bicl.  L  e. 

)  PauL  Emerit.  e,  17  —  18  erzählt  das   Ganze  als  Vertchw6rang  gegen  Maaona; 
Joh.  BicL  Jahr  587  als  Verschwörung  gegen  den  König. 
*)  Jok,  B.  588, 

^  Aeehback,  S.  226  nimmt  Selbstmord  an. 

^  %/o*.  B.  588.  —  Isidor.  ff.  54.  —  Chronol.  reg.  Gotk.  cap,  20.  —  Gregor  T.  9,  31 
€rziblt  die  Sache  anders,  als  die  Spanier.  —  Fredegar  cap.  10  —  ad  ann.  589. 
^  Ueber  das  Oanze  v.  FerreroB- Baumgarten  —  Jahr  580  —  589,  2,  S.  282—813. 
—  Flore*,  t  2f  161  —  168,  wo  er  das  J.  585  als  Todesjahr  Hermenegild^s  fest- 
stell L  —  L  6,  361  —  441  —  ap.  9  —  »Del  ehronieon  del  Biclar ense  ilustrcuio^,  — 
Ätckbaeh,  Geschichte  der  Weslgolhcn,  S.  197-228.  ~  F,  W.  Lembke,  Ge- 
schichte von  Spanien,  1831,  Bd.  1,  S.  65 — 83.  —  fferm.  Geiger,  Leander  and 
Hemiigild  oder  die  Wiedergeburt  Spaniens.    Eine  Era&hlnng  a^s  der  Geschichte 


BMMßim  BmOL    SeekialmtM  Ki^ittL 


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jür  VeitgötlMii.  —  2  Tble.,  Stiittg.  18B0;  betondert  Im  1.  Thefle  die  Ktp. 
—18,  Unlerwerftuig  und  Urtbeil,  —  der  Triomph  des  Irrthmat»  8.  S 
96a  Im  TlMfk  2  die  Kapitel  2  —  der  Apostat  (Vinoenz  von  Swagostt), 
d}!difli  ktaigUdMü  Dekrete,  —  5)  das  Marterthnm,  71-98.  —  6)  Beligi* 
Zestlode  —  M— 106,  —  7)  ein  raheloser  Lebensabend,  8.  106—124.  Du 
Weik  will  tnnlehat  ein  historlseher  Roman  seyn,  enthält  aber  sehr  viel  uh 
Vaies  biälorisehes  Material,  and  tenft  von  einfehendem  Qoellenslndinm. 


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Die 


Lrchengeschichte 


Yon 


Spanien. 


Von 

Pins  Bonifaeius  Oains 

O.  S.B. 


Zweiter  Band. 

>rten  bis  Ende  des  eilften  Jahrhunderts  —  Jahr  305  bis  1085. 

Iwelte  AbUielliuig. 

Vom  Jahre  589  bis  1086. 


Begewibnrg. 

Dmck  und  Verlag  von  Georg  Joseph  Manz. 

1874/ 


Zweiter  Band. 

vierten  bis  Ende  des  eilflen  Jalirlinnderls, 

Jahr  SOS -1085. 

Zweite  Abtheilung. 

Vom  Jahr  689   bis  108  6. 


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Inhaltsverzeichniss. 


Achtes  Bnch. 

Sto  Blfi41iM«lt  üu  Slrob«  la  «pMil«ii  (J.  «8»— TU).   S.  1—088. 

Erstes  Kapitel. 
)er8ioht    Hermenegild  wird  ein  Jahrtanaend  nach  seinem  Tode  heilig  gespro- 
chen, S.  1—6. 

Zweites  Kapitel. 
»  dritte  Synode  von  Toledo,  589,  S.  6—16.    Synode  von  Narbonne,  589,  S.  16—19, 
Synode  von  Sevilla,  590,  S.  19—23.    II.  €k>ncil  von  Saragossa,  592,  S.  22—25. 
Synode  zn  Toledo,  597,  S.  25—26.    Synode  von  Huesca,  598,  S.  26.    Synode 
von  Barcelona,  599,  S.  26—28. 

Drittes  Kapitel, 
^r  der  Grosse  im  Verkehre  mit  Spanien;  seine  Legaten  daselbst,  S.  29—36. 
Leander  von  Sevilla,  sein  Bruder  Falgentius,  seine  Schwester  Florentina; 
der  König  Beccared,  S.  37—43—46—48. 

Viertes  Kapitel. 
Uiiaa  von  Cartagena,  S.  49—55.   Donatos  nnd  Entropius  vom  Monast.  Servita- 
nnm,  S.  55—59.    Johannes  von  Biclaro,  8.  59—62.    Condl  von  Egara,  614, 
8.  62.    Nonnltua  von  Gemnda,  63.    Mazimos  and  Johannes  von  Saragossa, 
&  68-65. 


VI  InhaltsverzeichniBS. 

Fünftes  Kapitel. 
Die  Könige  von  601—636.  —  Die  Erzbischöfe  von  Toledo  von  589—636.    I 
Gundemari,  Jahr  610,  S.  66—68-71—77—82—84. 

Sechstes  Kapitel. 
Die  zweite  Synode  von  Sevilla,  Jahr  610,  S.  85  -90.    Das  vierte  Concil  voi 
Jahr  633,  S.  90-101. 

Siebentes  Kapitel. 
Isidor  von  Sevilla,  S.  102—113.    PanI  von  Emerita,  113—118. 

Achtes  Kapitel. 
Fflufte  bis  eilfte  Synode  von  Toledo,  S.  119—132.    Die  Könige  Ghintila, 
winth  und  Receswinth;  Eugen  IL  (und  III.)  und  Ildofons  von  Tolcdi 
bis  138.    Synode  von  Emerita,  666,  S.  138—114. 

Neuntes  Kapitel. 
Braulio  und  Tiyo  von  Saragossa,  S.  145—151.  Fructuosus  von  Braga,  S.  1 
Abt  Valerius,  157-158. 

Zehntes  Kapitel. 

Die  Könige  Wamba,  Ervig,  Egica,  Wittiza.    Die  Synoden  von  675—701. 
von  Toledo,  S.  150-166—167—172—175—185. 

Eilftes  Kapitel. 
Die  spanische  Liturgie,  S.  186—209. 

Zwölftes  Kapitel. 

Die  Kirche  von  Toledo  und  die  Kirche  von  Spanien,  S.  210—222.    Die  Kii 
Spanien  und  die  Kirche  von  Rom,  S.  222—238. 


Neuntes  Buch. 

Die  Bwel  ersten  Jahrhunderte  der  Knechtschalt.  Von  Ocvi 
donga  nach  Oompostella  (J.  711—900).    8.  230--360. 

Erstes  Kapitel. 
Die  Katastrophe.  —  Die  Zeit  von  711-755,  S.  239-215. 


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iDhaltaveneiohniBS.  VII 

Zweites  Kapitel. 

Jahr  756—783.    Die  Bischöfe  Cizila,  OdoarioB  und  Egila ,  S.  246—261.    Die  Mige- 
tianer,  S.  25i-260. 

Drittes  Kapitel. 
Die  Adoptianer,  783—800  (und  Elipandus  Ton  Toledo),  S.  261—298. 

Viertes  Kapitel. 

Die  Bekennet  und  die  Märtyrer  von  Corduba  (Jahr  839—862,  S.  Eulogius  und  Al- 
varuB),  S.  299— 33& 

'^  .    Fünftes  Kapitel. 

Daa  Reich   Asturien  (Leon)  und  die  spanische  Mark  im   neunten  Jahrhundert, 
S.  339—860. 


Zehntes  Buch. 

'aoobns  der  Apostel  und  Patron  von  Bpanien.  Von  Oompost^Ua 
naoh  Toledo  (J.  900-1086),    8.  361-^488. 

Erstes  Kapitel. 
JMobuB  der  Aeltere  (und  Compostella),  S.  361—396. 

Zweites  Kapitel. 
W«  Heiche  Aeturien,  Leon  und  Caßtilien  (Jahr  900—1086),  S.  397—410. 

Drittes  Kapitel. 
«  fieiche  Navarra,  Aragon  und  Catalonien  (Jahr  900-1085),  S.  411-440. 

Viertes  Kapitel. 

'^■^aten    unter  den  Mauren  (Jahr   900—1085);  Gregor  VIT.    und   Spanien, 
S-  441-462. 


1 
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Achtes  Buch, 

JAe  Blüihezeit  der  Kirche  in  Spanien. 

(J.  589—711.) 


Erstes  Kapitel. 

dekt    HermeHe^Id  wird  ein  Jahrtausend  nach  seinem 

Tode  heiliggesprochen. 

innere  kirchliche  Leben  tritt  in  bestimmten  äussern  Erschei- 

hervor,    aus   welchen  sich  auf  seinen  Aufschwung   und  seinen 

lg,  auf  seine  Blüthe  oder  seinen  Verfall  schliessen  lässt.   Wenn 

Zeitalter  zahlreiche   und  regelmässige  Synoden   gehalten   wer- 

wenn   in   demselben  viele   und  bedeutende  Schriftsteller  auftreten, 

der   göttliche  Dienst  mit  geziemender  Würde  geordnet   und  ge- 

wird,  wenn  der  Episcopat  Zierden  an  Wissenschaft  und  Heiligkeit 

»bens  aufzuweisen  hat,    wenn  der  Einfluss  des  Episcopats  und  der 

auf  das  öfiFentliche  Leben  eines  Volkes  ebenso  heilsam  als  unver- 

ist,    wenn   die  Kirche   einerseits   der  ihr  noth wendigen   freien 

lg  sich  erfreut,  anderseits  in  das  Leben  des  eigenen  Volkes  ein- 

ohne  in  ihm  aufzugehen,   wenn   die  Bischöfe  einerseits  Kirchen- 

und  Hirten  der  ihnen  anvertrauten  Heerden,  anderseits  die  ersten 

men   des  Reiches   sind,    wenn   das  Vermögen   der  Kirche   dem 

Volke  zu  Gute  konmit,  wenn  das  Mönchsthum,  das  im  Grunde 

ist,  als  die  Kirche,  sich  wie  durch  reguläre  Observanz,  so  durch 

wohlthätigen  Einfluss  auf  das  geistige  Leben  des  Volkes  empfiehlt 

^n^heidigt,    wenn  zugleich  in   einem  Zeitalter  eine  lebenskräftige 

und  Treue  gegen  den  Mittelpunkt  der  kirchlichen  Einheit,  gegen 

^he  Earche,    sich   offenbart,    wenn  dieses  und  ähnliches  von 

Zeitalter  gerühmt  werden  kann,  so  hat  man  einigen  Grund,   ein 

^MH,  Span.  Kirche.    II,  2.  1 


[■ 


2  Achtes  Bach.     Erstes  Kapitel. 

solches  Zeitalter  die  Blüthezeit  der  Kirche  zu  nennen.  Die  erwähnten 
und  viele  andere  erfreuliche  Erscheinungen  treten  in  der  Zeit  von  589 
bis  71  i  in  der  Geschichte  der  Kirche  Spaniens  uns  entgegen,  wesswegen 
wir  sie  das  Blüthenalter  der  Kirche  Spaniens  nennen.  Es  war  die  Zeit, 
in  welcher  das  germanische  Volk  der  Westgothen  mit  dem  spanischen 
Volke  sich  in  dem  einen  Glauben  und  der  einen  Kirche  vereinigt  hatte. 
Die  Gothen  waren  Spanier,  und  die  Spanier  waren  Gothen  geworden, 
und  Kirche  und  Staat  athmeten  auf  und  erstarkten  in  dieser  Vereinigung. 
Den  Ehrennamen  des  BlUthenalters  der  Kirche  Spaniens  dürfen  ^ir 
diesem  Zeitabschnitte  von  122  Jähren  vielleicht  auch  desswegen  geben, 
weil  der  Bückblick  auf  die  vergangenen,  und  der  Ausblick  auf  die 
konmienden  Jahrhunderte  das  kirchliche  Leben  der  Zeit  von  589  bis  711 
in  einem  relativ  günstigen  Lichte  erscheinen  lässt.  Niemand  wird  geneigt 
sein,  der  Zeit,  welche  wir  bis  jetzt  durchwandert  haben,  den  Vorzug, 
oder  den  Ehrennamen  einer  Blüthezeit  zu  geben,  Niemand,  wenigstens 
kein  Spanier,  wird  die  Zeit  der  Herrschaft  der  Muhamedaner  in  Spa- 
nien vom  Jahre  711  bis  1492  —  eine  glänzende  oder  glückliche  für  die 
Kirche  nennen.  Das  achtzehnte  Jahrhundert  war  auch  in  Spanien  das 
Jahrhundert  der  Aufklärung;  das  neunzehnte  Jahrhundert  bietet  uns 
wem'gstens  keinen  erfreulichen  Anblick  dar.  Im  siebzehnten  Jahrhun- 
dert war  auch  die  Kirche  Spaniens  von  dem  traurigen  Zustande  des 
bürgerlichen  und  staatlichen  Lebens  niedergedrückt.  Verhältnissmässig 
mehr  Lichtseiten  bietet  das  sechszehnte  Jahrhundert  dar,  aber  gerade 
Philipp  n,  in  dem  dasselbe  gleichsam  gipfelte,  hat  durch  jene  Staats- 
omnipotenz,  die  alles  Leben  in  einer  einzigen  Hand  concentriren  wollte, 
wenigstens  zum  Theil  den  Grund  gelegt  zu  den  Missgeschicken  und 
Niederlagen  seiner  Nachfolger,  und  überhaupt  zu  dem  Sinken  der  Macht 
und  des  Einflusses  von  Spanien  *).  —  Wollte  man  aber  den  Aufschwung 
allein  in  das  Auge  fassen,  welchen  das  kirchliche  Leben  in  Spanien  im 
sechszehnten  Jahrhundert  nahm,  die  herrliche  Schaar  der  Heiligen 
Gottes,  die  damals  die  Kirche  Spaniens  der  Erde  und  dem  Himmel 
schenkte,  die  altem  Orden,  die  zu  neuer  Blüthe  sich  erhoben,  die  neuen 
Orden,    die  von  Spaniern  gegründet  wurden,    die  glorreichen,   die  uu- 


')  Dabei  bleibt  Philipps  Persönlichkeit  in  allen  Ehren,  von  dem  der  Nuntius 
Rossani  im  Jahr  1571  'sagt:  »Dico,  che  il  Re  e  grandissitno  CristianOy  e  che  ih 
questo  n  tratta  deW  osservanza  della  Religione  Cattolica  non  accade  pensare  nan  ch' 
ponere  punto  di  dubbio  nella  molta  integriia  e  zelo  suo,"  —  Lämmer ^  zor  Kirchen- 
gcschichte  des  16.  und  17.  Jahrhunderts,  Freib.  H.  1863,  S.  121 ,  135  —  dage 
gen  S.  165  —  sagt  Sixtus  V.  am  7.  Aug.  1587  zu  Philipp  IL :  *Wir  haben  we 
gen  dieses  grossen  Vergehens  Ew.  Majestät  (Niedertretung  der  Freiheit  der 
Kirche)  viele  Thrftnen  vergossen,  und  hoffen,  dass  Sie  sich  bessern  und  dass 
Gott  Ihnen  verzeihen  wird."  cf.  p.  177.  ^  DöUinger^  Beiträge  zur  —  Ge- 
schichte der  seehs  lezten  Jahrhunderte;  1.  Bd.,  Regensb.  1862,  S.  VIII  u.  X.  eic 


1    r 


Uebenicht    Hermenegild  wird  lange  nach  seinem  Tode  heiliggesprochen.     3 

sterblichen  Verdienste,  welche  die  Glaubensboten  dieses  Volkes  in  den 
neuentdeckten  Ländern  des  Westens ;  vne  in  den  bisher  unbekannten 
Ländern  des  Ostens  sich  erwarben,  so  müsste  auch  das  siebente  Jahr- 
)andert  entschieden  hinter  dem  sechszehnten  und  einem  Theile  des  sieb- 
sehnten  zurücktreten. 

Dass^  aber  den  Lichtseiten  des  siebenten  Jahrhunderts  auch  grelle 
Schattenseiten  gegenüberstanden,  das  wird  die  folgende  Darstellung  der- 
selben ergeben. 

Heute  ist  in  Spanien  nicht  weniger  als  ausserhalb  Spaniens  die  An-  Herne, 
sdiauung  von  dem  Tode  des  Hermenegild  herrschend ,  welcher  Gregor  L  "^Sird 
in  den  Worten  über  Reccared  Ausdruck  gegeben  hat:  „Es  ist  kein  Wun-*jJJ,*'" 
der,  das8  derjenige  Verkündiger  des  wahren  Glaubens  wurde,  welcher ^^'■" 
der  Bruder  eines  Blutzeugen  ist,  dessen  Verdienste  ihn  —  den  Reccared 
—  untersttteen ,  dass  er  so  Viele  in  den  Schooss  (der  Kirche)  des  all- 
mächtigen Gottes  zurückführt;  —  aus  dem  Volke  der  Westgothen  ist 
einer  gestorben,  damit  Viele  das  Leben  hätten  ^)^.  Es  ist  heute  und  seit 
Jahrhunderten  herrschende  Ansicht,  dass  der  Martyrtod  des  Hermene- 
gild den  mächtigsten  Anstoss  zu  der  Bekehrung  der  Westgothen  gege- 
ben. —  Sollen  aber  die  vorliegenden  Zeugnisse  allein  entscheiden,  so 
^aren  die  Zeitgenossen  des  Hermenegild  anderer  Ansicht  Denn  wieder- 
holt nennt  ihn  Johannes  Bicl.  einen  Tyrannen  und  Rebellen.  —  Zum 
Jahre  585  sagt  er  einfach:  „Hermenegild  wird  in  der  Stadt  Tarraco  von 
Sisbert  ermordet*'').  —  Aehnlich  Isidor;  er  nennt  ihn  einen  Rebellen 
und  Tyrannen  ^).  —  Li  eine  ausführliche  Untersuchung  darüber  tritt 
Florez  und  der  Herausgeber  Isidors,  Arevalo*),  ein.  Darüber  hatte 
schon  Jos.  Perez  —  früher  sein  höchstes  Erstaunen  ausgedrückt^).  — 
Der  Kardinal  Aguirre  erklärt  die  Chronik  des  Johannes  Bicl.  —  von 
eioem  Arianer  zur  Schmach  des  Hermenegild  für  gefälscht®).  Florez^) 
und  Arevalo  sind  anderer  Ansicht.  Jener  legt  das  Gewicht  darauf,  dass 
die  alten  Spanier  in  Hermenegild  den  Urheber  eines  Bürgerkriegs  ver- 
abscheut haben.  —    Erst  nach   seiner  Besiegung  sei  derselbe  Märtyrer 


')  Chregor,  M.  dialog,  3,  31, 

^)  K. -G.  2,  491.  J.  579;  J.  582:  Leovigildus  rex  exercitum  ad  expugnandum  ^r<mnum 
filium  colligit;  J.  583  —  rebeUem  ßliutn. 

')  2,  489.    —  imperäs  suis  tyrannizantem,  —   Hist.   Goth,  cp,  49, 

*)  Isidorianüf  P. //,  cp,79,  Verba  Isidori  de  S.  Hermtnegildi  adversus  patretn  beüo 
exposita.  Mirum  Isidori  et  aliorum  patrum  ecclesiae  gothicae  silentium  de  glorioso 
S,  Hermenegildi  martyrio,  Obsequitan  episcoporwn  Ecclesiae  Gothicae  in  quibtudam 
arduis  regum  factis. 

')  Jos,  Perez,  dissertationes  eccleiiasHcae,  in  quibus  pleraque  ad  histor.  eccles.  et  poUticam 
HiMpaniae  discutiuntur ,  Sahn.  1688  40,  p.  272. 

*)  Aguirre  3,  3W—ti  —  chrotkieon  procul  dubio  vitialum  ab  Arianis  m  dedecus' S.  Her- 
menegildi (edit  1,  t.  2,  p.  422). 

'j  Florez,  6,  376-80. 

1* 


4  Achtes  Buch.     Erstes  Kapitel. 

und  dadurch  ein  Heiliger  geworden.  —  Diess  sind  richtige  Andeutun- 
gen^ aberv  iie  sind  nicht  ausgeführt.  Arevalo  meint  ^  aber  beweisst  ts 
nicht,  dass  Leander  den  Krieg  des  Sohnes  gegen  den  Vater  nicht  miss- 
billigt. Zugegeben,  dass'  Hermenegild  gefehlt,  habe  er  durch  seinen 
Tod  alles  gut  gemacht.  Schliessh'ch  meint  er,  Johannes  BicI.  habe  dem 
König  Beccared  nicht  missfallen  wollen  durch  die  Aussage,  dass  sein 
Bruder  durch  den  ungerechten  Befehl  des  Vaters  zum  Märtyrer  gewor- 
den. —  Isidor  geht  schweigend  über  das  Ende  Hermenegild's  hinweg. 
Diess  leitet  Arevalo  von  politischen  Rücksichten  gegen  Beccared  her,  da 
Hermenegild^s  Sohn,  Athanagild,  damals  noch  gelebt,  und  dem  Throne 
Reccared's  hätte  gefährlich  sein  können*). 

Am  auffallendsten  ist  die  Perhorrescirung  des  Hermenegild  bei 
Paulus  von  Merida,  der  um  630 — 50  blühte,  und  welcher  die  Worte 
Gregorys  I.  über  das  Martyrium  des  Hermenegild  in  folgender  Weise 
verunstaltete : 

Gregor.  M,  dialog,  3,H.  Paul.  Emerit,  cp.  16.  — 

Po$t    etiiua    (Leovigildi)    mortem  Post  etdus   erudelissimam  mortem 

Beecaredus  rex  IIOI  pAtreiD  perfldoilly     venerabüis  vir   Beccaredus   Prineeps 

Sed   frAtren   ni Artyren  SCfOeilS  9    ab     filius  ejus  jure  administrationem  rcgni 

Arianae  haeresis  pravitate  conversus     adeptus  est:  etc.  vir  denique  orthod,, 

est.  —  qni  noD  patren  perfldui,  sei 

ChristOIII    dominui    sequens    —   ab 
Arianae  haereseos  pravitate  conver$us 
est  etc. 
Erst  der  Abt  Valerius,  t.695,    nennt   den  Hermenegild  einen  Mär- 
tyrer'). —    Aber  die  spanischen  Chronisten  des  Mittelalters,   Roderich 
von  Toledo,   t  1247,    (de  reg.  Goth.  2,  14),  Lucas  Tudensis,  f  1256- 
betrachten  den  Hermenegild  nicht  als  Märtyrer.   Selbst  Gregor  von  Toutj» 
(v.  K.  G.  2, 489)  sagt:  „Der  Unselige  (miser)  wussto  nicht,  dass  das  gött- 
liche Gericht  dem  bevorstehe,  der  gegen  seinen  Vater,    obgleich  eiuem 
Kezer,  solches  im  Schilde  führt  ^).^ 

Einerseits  also  steht  Gregor  I ,  der  ihn  als  Märtyrer  und  Heiligen 
darstellt,  anderseits  die  Spanier,  die  ihn  als  Rebellen  darstellen,  leb 
glaube,  die  Ausgleichung  liege  in  der  Uebung  und  Lehre  der  Kirche, 
womach  das  Martyrium  als  Bluttaufe  alle  vergangenen  Fehler  tilgt. 
Während  nun  die  Anschauung  Gregors  in  die  Martyrologien  des  Ado, 


')  üeber  ihn  v.  fl.  Geiger,  1.  c.  Bd.  2,  -der  Knabe  im  Kerker,«  S.  1—22;  -eine 
gebrochene  Blüthe,-  S.  223  — 245;  er  lässt  denselben  zu  Rom  an  der  Pes' 
sterben,  noch  vor  der  Erwählung  Gregors  I.  zum  Papste. 

«j  Florez,  16,  373  —  Val.  de  vana  saecuU  sapientia  ^  cp.  8,  ^  De  regaU  fattig^^ 
meminimus  Caesarem  nomine  Criäpum;  Regem  Gothorum  Ermenegildum, 

*)  Gregor.  T.  6,  i3  —  nescien»  mwer ,  Judicium  tibi  imminere  divinum ,  9111  contra  y^'' 
torem  quamUbet  haereiiatm  talia  cogitareL 


nieht    HermeDegild  wird  lange  Dach  seinem  Tode  heiliggetprocben.     5 

dy  Wandelbert  u.  s.  w.  übergieng,  verhielten  sich  die  Spanier  bis 
6ten  Jahrhundert  hierin  kühl  und  kalt 

[ermenegild  aber  war  den  alten  Spaniern  verhasst,  so  dass  sie  in 
len  Feind  des  eigenen  Volkes  und  Reiches  verabscheuten ,  und 
den  Märtyrer  verehrten,  weil  er  im  Bunde  mit  den  verhassten 
len  sein  eigenes  Land  und  Volk  bekriegte ,  weil  der  Sieg  seiner 
ung  die  Herrschaft  der  Griechen  über  Spanien  in  sich  zu  schliessen 
y  weil  auch  troz  seines  £rliegens  die  Griechen  mit  neuer  Macht 
egen  Spanien  erhoben*).  Für  einen  patriotischen  Spanier  war  es 
äglich,  dasSy  während  einerseits  Leovigild  die  Grenzen  des  Baches 
weiterte,  dessen  eigener  Sohn  dasselbe  zerstückeln  und  theilen 
Der  Zorn  der  Spanier  hierüber  liess  sie  in  Hennenegild  keinen 
rer,  vielmehr  einen  Besiegten  erkennen ,  der  für  seine  Empöruifg 
ft  worden.  Erst  als  die  Griechen  ihre  lezten  Plätze  in  Spanien 
en  hatten,  konnte  der  Galizier  Valerius  den  Hermenegild  den 
rem  beizählen.  ^  Dass  aber  unter  solchen  Umständen  für  Her- 
jld  kein  Plaz  war  in  der  altspanischen  Liturgie,  das  springt  in 
iigen. 

m  16ten  Jahrhundert  waren  die  Griechen  nicht  mehr  gefiihrlich;  jezt 
3r  königliche  Märtyrer  in  seine  lange  vorenthaltenen  Rechte  ein  — 
khrtausend  nach  seinem  Tode.  —  Auf  Andringen  Philipps  IL  von 
m  erliess  Papst  Sixtus  V.  am  12.  Februar  1585  ein   apostolisches 

nach  welchem  das  Fest  Hermenegilds  in  ganz  Spanien  begangen 
a  sollte.  —  So  konnte  gerade  ein  Jahrtausend  —  nach  dem 
»ril  585  —  dieses  Fest  zum  erstenmal  in  Spanien  gefeiert  werden. 

Vni.  dehnte  dasselbe  auf  die  gansse  katholische  Ejrohe  aus,  in 
sr  es  ritu  semidupliei  gefeiert  wird. 

hne  Zweifel  glaubte  das  katholische  Spanien  nach  einem  Jahrtaa- 
liese  Ehrenpflicht  gegen  den  „königlichen  Märtyrer,  der  dem  irdi- 
Reiche  das  himmlische  vorzog,''  erfüllen  zu  müssen.  Nach  fünf* 
Fahrhunderten  wird  es  vielleicht  auch  seine  Ehrenpflicht  ,yg^gen 
•ossen  und  heiligen  Vater  Hosius^  erfüllen'). 


Hinnes  Biclar,  J.  579  —  eodem  anno  filius  ejus  Hermmegüdiu  —  tyrannidem  €unmeiu 
HispaU  cwit,  rebellione  facta  recluditur,  et  alias  cimtaie$  ^ue  casteüa  secum  contra 
(rem  rebeUart  faeit.  Quae  causa  in  provincia  Htspaniae  tarn  Gothig,  quam  Roma- 
r  majoris  exitii,  quam  aehersariorum  in/estatiOf  fiiit,  —  Chronicon  Isidori:  J,  580: 
7thi  per  HermenegUdum,  Leovigildi  regis  ßtium,  hifaris  diviti,  mutua  eaeds  ',-r% 
ttantwr.    Ebenso  Lembke,  8.73—74. 

Ua  SaneL  U  2  ApriL,  p.  134^38.  F.  Pk,  7%  Jorry^  Swr  «.  Hermähegilde,  patron 
Fordre  müitaire  institui  par  Ferdinand  VII,  Bari  1817.  ~  J.  JSv.  Stadler, 
Mligenlexikon ,  2.  Band,  Augsb.  1861  —  hat  neben  Hermenegüd  anch  Hoiius 
10  Cordaba  als  Heiligen,  lässt  ihn  aber  nach  Spanien  zurückkehren,  and 
1  J.  358  renmüthig  sterben  —  Bd.  2,  S.  771-72. 


»'vi 


Zweites  Kapitel. 

Die  dritte  Synode  von  Toledo  —  589.  Die  Synoden  von  Nar- 
bonne589,  von  Sevilla  590,  Saragossa  11.  592,  Toledo  von  597, 

Hnesca  von  598,  Barcelona  11.  von  599. 

§•  1- 

Die  Na.  RecoaTod  berief  die  Bischöfe  seines  Reiches  zu  einer  (der  ersten) 
%yuoAt  Nationalsynode  in  der  Königsstadt  Toledo  zusammen ,  im  vierten  Jahre 
58*9!  seiner  Regierung.  Sie  sollten  sich  freuen  und  Gott  danken  sowohl  über 
seine  Bekehrung  als  über  die  Erneuerung  des  ganzen  Volkes  der  Gothen. 
Am  4.  Mai  589  —  hielt  er  eine  kurze  Ansprache,  worin  er  erklärte, 
dass  er  sie  zur  Wiederherstellung  der  Kirchenzucht  berufen  habe.  We- 
gen der  herrschenden  Häresie  seien  früher  Synoden  unmöglich  gewesen: 
jezt,  da  er  die  Häresie  beseitigt,  seien  sie  versammelt;  er  mahne  sie, 
zuvor  durch  Fasten,  Wachen  und  Gebet  sich  vorzubereiten,  damit  ^die 
kanonische  Ordnung"  wiederhergestellt  werde.  Ein  dreitägiges  Fasten 
wurde  nun  verkündigt  (5  —  7.  Mai).  Am  8.  Mai  erschien  der  König 
wieder  in  der  Synode,  und  sprach  u.  a. :  Lange  habe  Spanien  unter  der 
Irrlehre  des  Arius  gelitten,  da  er  aber  bald  nach  dem  Tode  seines  Va- 
ters sich  bekehrt,  sicher  zur  allgemeinen  und  bleibenden  Freude,  so 
habe  er  diese  Synode  versammelt,  damit  sie  wegen  derer,  die  sich  zu 
Christus  bekannt,  ihm  ewigen  Dank  bringen;  was  er  ihnen  vorzutragen 
habe,  sei  in  ein  (in  dieses)  Buch  verzeichnet;  „es  werde  gelesen,  durch  das 
Urtheil  der  Synode  geprüft,    und   durch   die  ganze  folgende  Zeit  möge 

..v-nnser  Ruhm  im  Schmucke  dieses  Glaubens  leuchten." 

-  t  

^,  Der  Tomus   des   heiligen   Glaubens(bekenntnisses)    wurde   nun  von 

allen  Bischöfen  aufgenommen,  und  von  einem  Notar  laut  verlesen,  des 
Inhalts:  Gott  hat  dem  Reccared  zum  Wohle  seiner  Völker  das  König- 
thum  gegeben,  er  hat  ihm  nicht  wenige  Völker  anvertraut,  doch  sei  er 
sterblich  und  könne  die  Seligkeit  nach  dem  Tode  nur  durch  die  Annahme 
und  das  Bekenntniss  des  wahren  Glaubens  erlangen.  Je  höher  er  stehe, 


Der  Tomos  des  Reccared.  7 

am  so  mehr  müsse  er  seinetwegen  und  wegen  seines  Volkes  ^  hiefiir  Der  to- 
sorgen.  Daran  fügt  er  ein  orthodoxes  Glaubensbekenntniss.  Der  heil.  "^Ji^ea* 
Geist  geht  von  dem  Vater  und  dem  Sohne  auS;  und  ist  gleichen  Wesens  '^ 
mit  dem  Vater  und  dem  Sohne ,  die  dritte  Person  in  der  Trinität.  Ihn 
habe  Gott  erweckt,  das  Volk  der  Gothen  zum  wahren  Glauben  zu  füh- 
ren, von  dem  es  bisher  durch  schlechte  Lehrer  entfernt  gewesen.  Nicht 
bloss  die  Bekehrung  der  Gothen  sei  sein  Verdienst,  auch  die  der  Sue- 
ven,  die  er,  durch  fremde  Schuld  in  die  Häresie  geführt,  durch  sein 
Bemühen  der  Wahrheit  wiedergewonnen  habe.  Diese  edelsten  Völker, 
durch  ihn  der  Heerde  Christi  erworben,  bringe  er  wie  ein  heiliges  und 
Tcrsühnendes  Opfer  durch  die  Hände  der  Bischöfe  dem  ewigen  Gotte 
dar.  In  wiederholten  Wendungen  schreibt  er  sich  dies  Verdienst  zu, 
während  die  Bischöfe  das  von  ihm  Begonnene  vollenden  sollen,  —  er 
rorvirft  den  Arius  mit  seiner  Lehre,  bekennt  sich  zu  den  Synoden  von 
N]<dUi,  Constantinopel  L ,  Ephesus,  Ghalcedon,  und  allen  mit  diesen 
stimmenden  Concilien.  Das  Volk  der  Gothen  haben  die  Bischöfe  durch 
das  Chrisma  und  die  Handauflegung  in  die  Elirche  aufgenommen.  Es 
folgt  ein  hartes  Anathem  gegen  die  Widerstrebenden.  Daran  schliesst 
sich  das  Symbol  von  Nicäa,  von  Constantinopel  381  (mit  der  Formel: 
ex  patre  ßioque  procedmlem) ,  der  Tractatus  der  Synode  von  Chalcedon. 

„Ich  Reccared  der  König  halte  diesen  heiligen  Glauben  und  dieses 
wahre  Bekenntniss,  welches  die  ganze  katholische  Kirche  als  das  ihrige 
allenthalben  festhält,  fest  in  meinem  Herzen,  bekenne  ihn  mit  dem 
Mande,  und  habe  ihn,  mit  Hilfe  Gottes,  eigenhändig  unterschrieben.^ 

'„Ich  Badda,  die  ruhmreiche  Königin,  habe  diesen  Glauben,  den 
ich  festhalte  und  annehme,  mit  meiner  Hand  aus  ganzem  Herzen  unter- 
schrieben.*' 

Dann  fanden  die  Zurufe  von  Seite  des  ganzen  Klerus  statt,  zum 
Lobe  Gottes  und  zur  Ehre  des  Königs.  „Ehre  sei  Gott  dem  Vater,  und 
dem  Sohne  und  dem  heil.  Geiste,  welcher  für  den  Frieden  und  die 
Einigkeit  seiner  helligen  Kirche  Sorge  trägt.  Ehre  sei  Gott  unserm 
Herrn  Jesus  Christus,  welcher  um  den  Preis  seines  kostbaren  Blutes  die 
katholische  Eorche  aus  allen  Völkern  gesanmielt  hat.  Ehre  sei  unserm 
Herrn  Jesus  Christus,  der  ein  so  ruhnureiches  Volk  zur  Einheit  des 
wahren  Glaubens  führte,  der  eine  Heerde  und  einen  Hirten  einsezte. 

Wem  aber  gebührt  ewiger  Lohn  von  Gott,  als  dem  wahren  ortho- 
doxen König  Reccared?  Wem  eine  ewige  Krone,  als  ihm?  Er  ist  der 
Sammler  neuer  Völker  in  der  katholischen  Kirche.  Er  verdient  wahr- 
haft den  Lohn  der  Apostel ,  der  das  Amt  der  Apostel  erfüllte.  Er  sei 
Gott  und  den  Menschen  liebenswürdig,  der  Gott  auf  Erden  so  wunder- 
bar verherrlicht  hat.  Das  gebe  unser  Herr  Jesus  Christus,  welcher  mit 
Gott  dem  Vater  lebet  und  regiert  in  der  Einigkeit  des  heiligen  Geistes, 
▼on  Ewigkeit  zu  Ewigkeit.    Amen.^ 

Die  gehäuften  Lobsprüche,  die  Reccared  in  seiner  Rede  sich  selbst 


8  Achtes  Buch.     Zweites  Kapitel. 

ertheilt,  die  irielen  Schriftcitate,  die  theologische  Schärfe  in  derselben, 
die  klare  Darlegung  des  katholischen  Dogmas  im  Gegensaze  gegen  den 
Arianismus  legen  die  Vermuthung  nahe,  dass  ein  Theolog  vom  Fache 
diese  Bede  ausgearbeitet  habe.  —  Am  nächsten  liegt  es ,  hiebei  an  — 
Leander y  den  Rathgeber  des  königlichen  Hauses,  zu  denken,  oder 
an  den  Abt  Eutropius.  —  Denn,  berichtet  Johannes  Bicl.  von  unsrer 
Synode: 

„Im  8.  Jahre  des  Kaisers  Mauritius,  welches  das  vierte  Reccared's 
ist,  versanmielte  sich  die  heilige  Synode  der  Bischöfe  von  ganz  Spanien, 
von  Gallien  und  Galizien ,  in  der  Stadt  Toledo ,  auf  Befehl  des  Fürsten 
Beccared,  62  an  der  Zahl.  Dieser  Synode  wohnte  der  erwähnte  alier- 
christlichste  Beccared  an,  indem  er  die  Weise  seiner  Bekehrung  und 
aller  Bischöfe  ^  sowie  das  Bekenntniss  des  gothischen  Volkes  in  einem 
Buche  geschrieben  eigenhändig  den  Bischöfen  überreichte,  und  alles, 
was  zu  dem  Bekenntnisse  des  orthodoxen  Glaubens  .gehört,  darlegte; 
die  heilige  Synode  beschloss,  diesen  Tomus  den  canonischen  Denkmälern 
(canonicia  monumentis)  beizufügen.  Die  Hauptsache  jedoch  der  Verhand- 
lungen dieser  Synode  war  bei  Leander,  dem  Bischöfe  von  Sevilla,  und 
dem  seligen  Abte  Eutropius  des  Klosters  Servitanum  ^),^  —  In  den 
Akten  wird  Eutropius  gar  nicht  erwähnt;  er  kann  wohl  Notar  der  Sy- 
node gewesen,  und  auch  die  vorliegenden  Akten  derselben  redigirt  ha- 
ben, die  eine  sehr  gewandte  Feder  bekunden. 

Dann  folgte  das  Glaubensbekenntniss  der  Bischöfe,  Priester  und 
Vornehmen  (primorum)  aus  dem  Volke  der  Gothen.  Auf  Geheiss  des 
Concils  hielt  einer  der  katholischen  Bischöfe  —  an  die  Bischöfe,  Reli- 
giösen und  Aeltesten,  die  sich  aus  der  Häresie  bekehrt  hatten,  eine 
Ansprache  in  wenigen  sehr  passenden  Worten,  worin  er  sie  mit  freund- 
licher Würde  ermahnte,  auszusprechen,  was  sie  verwerfen,  und  was  sie 
hinfort  festhalten  wollen.  Am  nächsten  liegt  hiebei,  an  den  greisen 
Masona  von  Emerita  zu  denken.  Die  Gefragten  antworteten:  Obgleich 
sie  schon  zur  Zeit  ihrer  Bekehrung  (im  ersten  Jahre  Reccared's)  solches 
kundgegeben,  so  wollen  sie  doch  wegen  der  Liebe  und  Pietät,  die  sie 
Gott  und  der  katholischen  Kirche  schuldig  seien,  dicss  wiederholen,  und 
alles  sonst  vollbringen,  was  ihnen  vorgelegt  werde ;  denn  die  Liebe  zuni 
rechten  Glauben  habe  sie  so  stark  gemacht,  dass  sie  alles  festhalten  und 
aufrichtig  bekennen  wollen,  was  ihnen  die  brüderliche  Liebe  mittheile. 
—  Nun  sagten  sie  sich  in  23  Anathematismen  von  der  Lrrlehre  los; 
Anathema  sei: 


')  Joannes  abb,  Biclar,  chronicon  —  J.  589.  —  Summa  tarnen  tynodalU  negotii  pents 
sanctum  Leandrum,  Hispal.  eccL  episcopum,  et  beatissimum  Eutropium  monasterü  Sa- 
pUani  abbatem  fuü. 


E^Srong  der  B.ischOfe  und  Grossen  der  Westgotben.  9 

)  Wer  noch  die  Lehre  and  Gemeinschaft  mit  den  Azianem  fest-  srku- 
2)  wer  die  Ewigkeit  des  Sohnes  und  sein  gleiches  Wesen  mit  dem  d«7Bi. 

leugnet;  8)  wer  leugnet^  dass  der  heil.  Geist  vom  Vater  und  vom  *^^l* 
i  ausgeht  y  dass  er  ewig  und  gleichen  Wesens  mit  dem  Vater  und^r^^ 
Sohne  ist;    4)  wer  in  der  Trinität  die  drei  Peraonen  und  die  eine  wmi- 
anz  nicht  annimmt;  5)  wer  den  Sohn  und  heil.  Geist  fttr  geringer'** 
als  den  Vater,  und  für  ein  Geschöpf;   6)  wer  leugnet,  dass  die 
Personen  Einer  Substanz,   Allmacht  und  Ewigkeit  sind;   7)  wer 

der  Sohn  wisse  nicht,  was  der  Vater  weiss;  8)  wer  dem  Sohne 
s  und  dem  heiL  Geist  einen  Anfang  zuschreibt;   9)  wer  den  Sohn 

Gt)ttheit  nach  sichtbar  und  leidensfiüiig  nennt;  10)  wer  nicht 
tj  dass  der  heil.  Geist,  wie  der  Vater  und  der  Sohn,  wahrer  Gott 
Umächtig  ist;  11)  wer  einen  andern  Glauben  und  eine  katholische 
tinschaft  annimmt,  als  in  der  allgemeinen  Kirche,  welche  die  De- 

der   vier   öcumenischen  Concilien  festhält;    12)  wer  die  drei  Per- 

in  Gott  in  der  Ehre,  Glorie  und  Gt>ttheit  trennt  und  unterschei- 
13)  so  dass  der  Sohn  uod  heil.  Geist  nicht  mit  dem  Vater  zu  ehren 
SU  verherrlichen  seien;  14)  wer  nicht  sagt,  Glorie  und  Ehre  sei 
Vater,  dem  Sohne  und  dem  heil.  Geiste;  16)  wer  die  sacrilegische 
ertaufe  für  gut  hlilt  und  sie  vollbringt;  16)  wer  unsre  verwerfliche 
tt,  die  wir  im  zwölften  Jahre  des  Königs  Leovigild  (581)  heraus- 
i,  worin  die  Verfuhrung  der  Römer  zu  der  Häresie  des  Arius,  wo 
sem  Sinne  die  Ehre  dem  Vater  durch  den  Sohn  in  dem  heiL  Geist  ""' 
ins  gelehrt  wird,  wer  diese  Schrift  für  wahr  hält^  der  sei  Anathem 
rigkeit ;  17)  wer  die  Sjnoiode  von  Rimini  nicht  aus  ganzem  Herzen 
tnmt,  sei  Anathem.  — 

8)  Wir  bekennen,  dass  wir  uns  aus  ganzem  Herzen,  aus  ganzer  Seele, 
oit  ganzem  Gemüthe  von  der  arianischen  Häresie  zu  der  katholischen 
e  bekehrt  haben:  es  ist  kein  Zweifel,  dass  wir  und  unsre  Vorgänger 

arianischen  Häresie  geirrt,  und  dass  wir  den  evangelischen  und  apo- 
hen  Glauben  jezt  in  der  katholischen  Kirche  gelernt  haben.  Sie  ver- 
len,  den  Glauben,  welchen  Reccared  eben  bekannt,  von  nun  an  ihrem 
i  zu  predigen  und  zu  lehren.  Diess  ist  der  wahre  Glaube,  den  die  katho- 
Kirche  auf  der  ganzen  Welt  festhält:  wem  dieser  Glaube  nicht  gefiült, 
ei  Anathema  Maranatha  bei  der  Ankunft  unsers  Herrn  Jesu  Christi  *•) ; 
er  den  Glauben  von  Nicäa  verachtet;  20)  wer  den  Glauben  der 
äter  der  Sjnode  von  Constantinopel  leugnet;  21)  wer  den  Glauben 
.-sten  Synode  von  Ephesus  und  der  von  Chalcedon  nicht  annimmt; 
er  die  mit  diesen  vier  harmonirenden  Synoden  aller  orthodoxen 
jfe  nicht  annimmt,  sei  Anathem« 


*    I 


)ie8er  Aasdruck  findet  sich  hier  der  Zeit  nach  zum  zweiteomalc,  «.  K.-G.2,316 
-  Histor.  pol.  Blätter,  Bd.  52,  8.  278. 


10  AcbtM  Baeb.    Zweites  Kapitel. 

23)  Die  Verwerftang  des  Arianismiis  und  aller  ihn  lehrenden  Condlien 
mit  deren  Anathem  haben  wir  eigenhändig  unterschrieben,  ebenso  die  An- 
nahme der  vier  allgemeinen  Concilien.  Alle  sich  hievon  Trennenden  seien 
Gk>tt  und  der  ganzen  Welt  durch  das  Verbrechen  der  Treulosigkeit  schuld- 
bar.  Es  blühe  die  katholische  Kirche  in  der  ganzen  Welt  im  höchsten 
Frieden,  und  leuchte  in  der  Lehre,  der  Heih'gkeit  und  Macht :  die  in  ihr  nnd, 
ihr  glauben  und  ihre  Gemeinschaft  haben,  mögen,  gestellt  cur  Rechten 
Gbttes,  hören :  Kommet,  ihr  Gesegnete  meines  Vaters,  nehmet  das  Reich 
in  Beaiz,  das  euch  sdt  Grundl^;ung  der  Welt  bereitet  ist;  die  sie  ^er 
lassen,  ihren  Glauben  antasten,  oder  ihre  Gemeinschaft  verschmähen, 
mSgen  «us  dem  Munde  Gottes  un  Tage  des  Gerichtes  htiren:  Weg  m 
mir,  ihr  Verflnehten,  ich  kenne  euch  nicht,  gehet  in  das  ewige  Feaer^ 
das  dem  Teufel  und  seinen  Engeln  bereitet  ist  Verdammt  sei  also  im 
Himmel  und  auf  Erden,  was  durch  dies^  katholischen  Glauben  yerdammt 
wird,  anerkannt  sei  im  Himmel  und  auf  Erden ^  was  von  diesem  Glaa- 
ben  umschlossen  wird,  da  unser  Herr  Jesus  Christus  herrsdit,  welchem 
mit  dem  Vater  und  dem  heiL  Geiste  die  Glorier  ist  in  Ewigkeit  Amoi. 

Noch  einmal  folgten  die  Symbole  der  Synoden  von  Nidia,  Constan- 
tinopel  381  und  Chalcedon;  dann  die  Unterschriften  von  acht  Yordem 
arianischen  Bischöfen:  Ich  Ugnas,  Bischof  im  Namen  Christi,  spreche 
Anathema  über  die  oben  rerdammten  Lehren  der  Arianischen  Keserei, 
und  habe  diesen  heiligen  kalholisehen  Glauben,  an  den  ich  bei  meinem 
Eintritte  In  die  katholische  Kirche  glaubte,  mit  meiner  Hand  und  ans 
gmnsem  Herzen  untnschrieben.  Ebenso  sagt  Ubib'gisdus,  Murila,  Sunnila, 
in  Christi  Namen  Bischof  der  Stadt  Viseum,  Gardingus,  Bischof  tod 
Tuy,  Bechila  von  Lugos,  Arritus  von  Portucale,  Froiscius  von  Dertosa. 
—  Von  diesen  acht  Namen  haben  sechs  einen  entschieden  gothischen 
(oder  suevischen)  Klang,  bei  den  zwei  leztem  spricht  wenigstens  die 
Vermuthung  fttr  gothische  Abstammung.  —  Auffallend  ist,  dass  von 
den  acht  fünf  innerhalb  des  vordem  suevischen  Reiches  ihre  Size  hatten. 
Man  kann  annehmen,  dass  Andeca,  der  den  Eborich,  den  Sohn  des 
Mir  verdrängte,  sich  auf  die  Parthei  der  unzufriedenen  Arianer  stüzte, 
und  diese  Bischöfe  einsezte,  welche  hinfort,  ähnlich,  wie  es  mit  ehe- 
mals donatistischen  Bischöfen  in  Afrika  der  Fall  war,  neben  den  katho- 
lischen ihre  Würde  beibehielten. 

Ebenso  unterschrieben  die  übrigen  vordem  arianischen  Presbyter 
und  Diaconen.  Dann  heisst  es:  Das  Zeichen  des  Häuptlings  Gassin, 
der  demnach  nicht  schreiben  konnte*).  ->     Dann:  Ich  Fonsa  vir  iUtuUr 


')  Sigimm  Oussini  viri  ittustriM  proceri.  —  Solche  Unwissenheit  bei  den  Hoflealen 
war  aneh  später  nichts  Unerhörtes.  —  J.  M.  Dawrignac:  Geschichte  der  G«- 
sellsehaft  Jesu,  übrrs.  von  L,  Chm^,  1.  Bd.,  Regensb.  M.  1863,  S.  4  -  »dfr 
Junge  Krieger  (I^atnu)  war  unwissend,  wie  damals  alle  grossen  Herren  bei 
Hofe.« 


Die  Canonet  der  Synode.  11 

ibe  mit  Anftiheiiia  unterschrieben ;  ebenso  Afrilai  Ailai  Ella.    Aehnlioh 
iterschrieben  alle  Aeltesten  (ieniort»)  der  Gothen. 

Nach  dem  Bekenntnisse  und  der  Unterschrift  aller  Bischöfe  und 
ältesten  der  Oothen,  hielt  Reccared  eine  andere  Ansprache  an  die 
ischöfe,  worin  er  u.  a.  verlangti  dass  alle  Priester  und  Glftubigen  beim 
SL  Opfer  vor  der  Communion  nach  der  Weise  der  morgenlilndischen 
irdie  mit  lauter  Stimme  das  Symbolum  aussprechen ,  und  dann  erst 
n  Leib  und  das  Blut  des  Herrn  empfimgen.  —  Dann  sollen  die  Bi- 
h6fe  strengere  Regeln  der  kirchlichen  Zucht  festsezen.  —  Dieses  ge- 
hab in  23  Kapiteln. 

1)  Es  sollen  die  Beschlüsse  der  Condlien  und  die  der  römischen  m«  c«- 
orsteher  beobachtet  ^erden,  kein  Unwürdiger  soll  gegen  diese  Statu-  "aIT 

ai  nach  kirchlichen^Würden  trachten.  ^J^'**** 

* 

2)  Nach  deip  {Utho  des  Königs  soll  in  allen  Kirchen  von  Spanien^ 
rallien  und  Oalizien  nach  der  Sitte  der  Elirchen  des  Orients  das  Glau- 
enssymbol  der  150  Väter  von  Constantinopel  vor  dem  Gebete  des 
leim  gesprochen  werden^). 

3)  Kein  Bischof  soll  Kirchengut  verilussem.  Was  sie  an  Möndie 
I  ihrem  Sprengel  veigeben,  soll  in  Ejraft  bleiben  (da  es  doch  bei  der 
jrche  bleibt).  Für  Fremde,  Kleriker  und  Arme  sollen  sie  nach  Kri&f- 
sn  sorgen. 

4)  Der  Bischof  darf  mit  Zustimmung  seines  Conciliums  eine  Pfiur- 
irche  in  ein  Kloster  mit  regulären  Mönchen  umwandeln ,  und  ihm  aus 
un  Kirchengut  den  nöthigen  Unterhalt  anweisen.  (Das  CardinalscoUe- 
iom  in  Rom  entstand  aus  den  Pfarrern  der  Stadt;  der  Rath  des  Bischofs 
ad  hier  wohl  die  Pfarrer,  deren  es  in  jedem  Bisthume  nur  wenige 
aren,  und  neben  welche  bei  der  Vergrösserung  der  Bisthümer  später 
e  Domkapitel  traten,  die  z.  B.  heute  noch  in  £ngland  aus  Pfarrern 
»tehen.) 

5)  Die  übergetretenen  Bischöfe,  Priester  und  Diaconen  sollen  sich 
»  Umgangs  mit  ihren  Frauen  enthalten;   am  besten  ist  es,  wenn  sie 

getrennten  Häusern  wohnen.  Wer  dagegen  handelt,  soll  wie  ein 
ector  gehalten  werden.  Jene,  welche  stets  Priester  der  Kirche  waren, 
id  gegen  alle  Canones  verdächtige  Personen  bei  sich  haben,  sollen 
LDonisch  gestraft,  diese  Weiber  aber  von  den  Bischöfen  verkauft,  und 
sr  Erlös  den  Armen  gegeben  werden. 

6)  Jene,  welche  nach  alter  Uebung  4^r  Kirche  freigelassen  worden, 
)llen  frei  seyn,  sie  jedoch  und  ihre  Nachkonmien  im  Schuzverband 
er  Kirche  stehen;  die  von  Andern  Freigelassenen  und  der  Kirche  An- 
mpfohlenen  sollen  sich  des  Schuzes  der  Bischöfe  erfreuen,   und   von 


')  s.  K.-G.  1,  111-12. 


12  Achtes  Bach.     Zweites  Kapitel. 

dem  Fürsten  soll  der  Bischof   es  yerlangen,   dass  sie  an  Niemand  ver- 
schenkt werden. 

7)  Um  müssiges  Gerede  (otioioe  fabul<u)  ferpe  zu  halten,  werde  an 
den  Tischen  der  Bischöfe  vorgelesen. 

8)  Die  Kleriker,  deren  Familien  zum  Fiscus  gehören,  soll  Niemand 
als  vorgebliches  Geschenk  des  Königs  beanspruchen,  es  soll  für  sie  die 
Kopfsteuer  bezahlt,  und  sie  sollen  dem  Dienste  ihrer  Kirche  erhalten 
werden.    Diesem  stimmt  der  König  bei. 

9j  Die  bisher  arianischen,  jezt  katholischen  Eorchen  bleiben  mit 
ihrem  Vermögen  dem  Bischöfe  der  betreffenden  Diöcese. 

10)  Mit  Genehmigung  des  Königs  verordnet  die  Synode,  dass  keine 
Wittwe,  die  keusch  leben  will,  zur  Ehe  gezwungen  werden  dürfe,  dass 
die,  welche  heirathen  wollen,  in  der  Wahl  ihres  Mannes  frei  seien. 
Jungfrauen  könne  man  nicht  gegen  den  Willen  ihrer  Eltern  und  den 
ihrigen  zwingen,  Männer  zu  nehmen.  Wer  das  Gelübde  der  Keusch- 
heit einer  Wittwe  oder  Jungfrau  hindere,  sei  von  der  Kirche  ausge- 
schlossen. 

11)  In  einigen  Eorchen  herrscht  die  Unsitte,  dass  Sünder,  so  oft 
sie  sündigen,  so  oft  von  dem  Priester  die  Beoonciliation  verlangen. 
Nach  der  alten  Strenge  soll  der  Pönitent  zuerst  ausgeschlossen  werden, 
und  sich  unter  den  übrigen  Büssern  oft  die  Hände  aufl^;en  lassen;  ist 
seine  Busszeit  vorüber,  so  soll  er  nach  Befinden  des  Priesters  wieder 
aufgenommen  werden;  wer  innerhalb  der  Busszeit  oder  nachher  in  die 
alten  Sünden  verfällt,  soll  nach  der  Strenge  der  alten  Canones  vemr- 
theilt  werden  (d.  i.  erst  am  Ende  die  Communion  empfangen). 

12)  Wenn  ein  Gesunder  oder  Kranker  die  Busse  verlangt,  so  soll 
der  Bischof  oder  Priester  ihm  vorher  die  Haare  abschneiden ,  und  so 
ihm  die  Busse  geben,  ist  es  ein  Weib,  so  soll  sie  ihre  Kleidung  ändern 
(um  sie  so  äusserlich  von  der  Rückkehr  zu  den  alten  Sünden  fern  zu 
halten). 

13)  Ein  Kleriker,  der  einen  Mitkleriker  vor  weltliche  Gerichte  zieht, 
soll  seinen  Process  und  die  Communion  der  Kirche  verlieren. 

14)  Auf  Antrag  der  Synode  verordnete  der  König,  dass  Juden  nicht 
christliche  Frauen  oder  Concubinen  *) ,  auch  nicht  christliche  Sclaven 
für  ihren  Dienst  haben  sollen:  Kinder  aus  solcher  Ehe  sollen  getauft 
werden;  sie  sollen  keine  Aemter  haben,  in  denen  sie  Strafen  gegen 
Christen  verhängen  können.  Haben  sie  Elinder  der  Christen  zu  Juden 
gemacht  oder  sogar  beschnitten,  so  sollen  diese,  ohne  Entschädigung, 
frei  und  wieder  Christen  werden. 

15)  Wenn  Knechte  des  Fiscus  Kirchen  bauen  oder  dotiren,  so  soll 
der  Bischof  den  König  um  die  Bestätigung  bitten. 


«)  H-G.  2,  69—70;  391.    Näheres  bei  Helfferich,  W.. Recht,  8.  41— 4a 


Die  CaDonet  der  Synode.  13 

16)  Da  in  gans  Spanien  nnd  Gallien  der  QOzendienst  eingewurzelt 
st  (inoUDU)j  80  hat  der  König  genehmigt,  dass  jeder  Bischof  zugleich 
nit  dem  Richter  des  Bezirks  genaue  Nachforschung  halte  und  das  Heid- 
usche austilge.  Sie  sollen  die  Fehlenden  bestrafen.  Sind  sie  säumig, 
K>  sollen  Priester  und  Richter  der  Eiccommunication  verfallen.  Grund- 
ierren werden  ausgeschlossen,  die  solches  Uebel  nicht  von  ihren  Gütern 
toatilgen,  oder  ihre  Familie  daran  verhindem^^). 

17)  Neben  den  vielen  Klagen,  die  an  die  Synode  kamen,  ist  die 
ichrecklichstei  dass  in  einigen  Gegenden  Spaniens  Eltern  ihre  EJnder 
iödten,  um  sie  nicht  ernähren  zu  müssen.  Der  König  gab  den  Richtern 
ener  Gegenden  Befehl,  diess  schreckliche  Verbrechen  sorgfiiltig  mit 
lem  Bischöfe  zu  untersuchen  und  zu  veriiindem;  die  Sjnode  befiehlt 
len  Bischöfen,  dass  sie,  mit  Ausnahme  der  Todesstrafe  (absque  capüaH 
^aUmUaJy  alle  Strenge  anwenden. 

18)  Früher  waren  zwei  Synoden  jährlich  vorgeschrieben.  Aber  we- 
^ea  der  weiten  Entfernung  und  der  Armuth  der  Kirchen  in  Spanien 
sollen  sich  die  Bischöfe  nur  einmal  an  dem  von  dem  Metropoliten  be- 
edchneten  Orte  einfinden.  Nach  dem  Befehle  des  Königs  sollen  sich 
auch  die  Bezirksrichter  und  die  Fiscalbeamten  dabei,  zur  Herbstzeit  am 
1.  November y  einfinden^),  und  sie  sollen  lernen,  nicht  durch  Lasten 
^angarii$)  oder  überflüssige  Leistungen-  entweder  die  Privatleute  zu  be- 
Bchweren,  oder  die  Angehörigen  des  Fiscus  zu  beladen.  Die  Bischöfe 
seien  nach  des  Königs  Willen  Aufseher,  wie  die  Richter  das  Volk  be- 
handeln, die  sie  ermahnen,  deren  Ausschreitungen  (imaUnltüa)  sie  vor 
den  König  bringen,  die  sie  im  Nothfiedle  ausschliessen  können.  Der  0 
Bischof  soll  mit  den  Aeltesten  berathen,  was  eine  Provinz  ohne  ihren 
Schaden  leisten  kann^).  —  Auf  jedem  Concil  soll  Ort  und  Zeit  des 
Dächsten  festgestellt  werden,  damit  der  Metropolit  darüber  nicht  mehr 
Briefe  zu  erlassen  brauche. 

19)  Viele,  welche  Kirchen  bauen,  wollen  nicht,  dass  deren  Doti- 
rong  in  den  Händen  des  Bischofs  sei,  was  abzustellen  ist 

20)  Viele  Klagen  zeigen ,   dass  Bischöfe   in  ihren  Sprengein  nicht       ,  \ 
priesterlich,   sondern  tyrannisch  verfahren,    und   den  Ihrigen   schwere 
Erpressungen  und  Lasten  auflegen.  Nur  was  die  alte  Sitte  hier  zulässt, 

soll  gestattet  sein ;  sie  sollen  die  Priester  und  Diacone  weder  mit  Leistun- 
gen noch  mit  Auflagen  (indicUonUna)  heimsuchen,,  dass  wir  nicht  ver- 
dienen, in  der  Kirche  Gottes  vielmehr  Erpresser  als  Hohepriester  ge- 
nannt zu  werden.  Die  also  Beschwerten  sollen  sich  an  den  Metropo- 
liten wenden,  und  dieser  ihnen  Recht  schaffen. 

21)  Weil  viele  Richter  und  öffentliche  Beamten    die  Sklaven    der 


')  K..G.,  2,  1(^  —  C.  41  von  Elviia. 

«)  Amders  4  ToUl  c.  3. 

')  Quod  provincia  tme  suo  tktnmenio  praetimrt  (Ubeai  judknm;  vielleicht  jwHeämaf 


')  Diese  ErkUrang  ist  sicher  ▼emnglftekt 

*)  BaUemaiiM  steht  nicht  in  dem  Texte,  aber  in  den  beiden  Inhaltsveneichniss^o 
der  Canones;  es  bedentef  im  Allgemeinen  saltationes,  spanische  Tftnie,  ef.  - 
ofMro  Valmi  —  cp»  34  —  Ftorez  16,  397  —  nefarta  cantilena  morüferat  baUimanat 
dura  earmma  coMtu  —  «.  Schock,  Bd.  3,  —  1854  S.  1  *-  des  Anhangs;  die  oo- 
sittlichen  Lieder  waren  mit  den  T&nzen  verbunden;  derselbe  Bd.  1,  S77-% 
»Abriss  der  Geschichte  der  spanischen  NaUonaltftnze.* 


14  Achtet  Bach.     Zweites  Kapitel. 

Bischöfe  und  des  EleroB  mannigfach  belasten,  so  bat  das  Concil  Ellage 
bei  dem  Könige  geführt  Die  Zuwiderhandelnden  sollen  ezcommunicirt 
werden, 

22)  Die  Leichen  aller  Religionen  (Geistlichen)  sollen  nur  mit  Psal- 
mengesang beigesezt  werden.  Den  Todtengesang,  oder  dass  die  Ange- 
hörigen und  die  Familien  sich  auf  die  Brust  schlagen,  verbieten  wir. 
Der  Herr  weinte  auch  am  Orabe  des  Laaarus,  nicht  weil  er  gestorben,  . 
sondern  weil  er  wiedeF  m  den  Leiden  dieses  Lebens  auferweckt  werden 
sollte  *).  Wenn  der  Bischof  kann ,  soll  er  diese  Dnntte  durchaus  ab- 
schafEen,  wenigstens  bei  den  Beligiosen.  ^ 

28)  Die  gottlose  Sitte   des  Volkes,    an  den  Festtagen  Tlinse  und  | 
Bchmusige  GesKoge  au&uf  Uhren ,  soll  durch  das  Einvernehmen  der  Bi- 
schöfe und  Richter  abgfBchaA  ii^erden^). 

Durch  ein  besonderes  Dekret  bestätigte  der  König  diese  Beschlüsse; 
sie  sollen  von  Cler]|»m  und  Laien  beobachtet  werden.  —  Der  Inhalt 
der  29  Ganooes  wird  entsprediend ,  aber  nicht  gleichlautend  den  Ueber- 
schrifteui  die  denselben  yoransteheni^  7  angeführt  —  Wer- diese  Bestim-  j 
mungen  verlest^  und  ist  er  Bischof  ^  Priester,  Diacon  oder  Klerikeri  der  j 
werde  vom  ganaen  Coneil  ezcommunicirt;  ist  er  Laie,  aber  von  höhero  ' 
Stande,  der  verliere  an  dpa  Fiscus  die  Hälfte  seines  Vermögens;  ist  er  | 
von  niedijgerm  Stande  i  so  treffe  ihn  Vermögenseinaiehiug  und  Ver-  j 
bannung.  ' 

i^t^         Allen  Unterschriften  steht  voran  die  des  Königs.   Ich  König  Fiayius 
^^  B^Msaredus  bestätige  und  uatorschreibe  diese  Berathung,  die  wir  mglekb 
'tqpod«.  mit  der  heil»  Synode  beschlossen  haben.  —   Nach  ihm  unterschreibt  der 
älteste  Metropolit,    der  wohl  auch   den  fihrenvorsiz  hatte:    Masona  in 
Christi  Namen    der   katholischen   Kirche    von   Emerita,    Metropolitan- 
Bischof  der  Provinz  Lusitanien,   habe  diese  Beschlussfassungen,  denen 
ich  in  der  Stadt  Toledo  anwohnte,  gebilligt  und  unterschrieben  (IL-6. 
2,  424—26).  Nach  ihm  unterschreibt  wörtlich  so  Euphemius  von  Toledo, 
als  Metropolit  der  Provinz  Carpetanien,  d.  h.  von  Neucastilien ,   wo  es 
^        höchstens  f  Unf  Bisthümer  gab ,    da  Ergavica   von  unentschiedener  Lage 
*'         ist,    und   nach    einer  folgenden  Unterschrift  zu  Celtiberien  gehörte.  — 
Leander    unterschrieb    als  Metropolit   von  Baetica,   Migetius   (Mic^us, 
Nigetius)   als  Metropolit    von  Narbonne  der  Provinz  Gallien,   endlich 
Pantardus  von  Braga  als  Metropolit  von  Gkdizien,   welcher  frühestens 


UnterschrifteD  der  Synode.  15 

im  J*  580,  nach  dem  Tode  des  hl.  Martin,  Bischof  wm'de,  vielleicht 
einem  andern  Bischöfe  nach  Martinus  gefolgt  war.  Es  fehlt  der  Bischof 
von  Carthagena,  wovon  später  und  der  Bischof  von  Tarraco.  Für  den 
noch  lebenden  ;,Bruder'^  Nitigisius  von  Lugos  hat  Pantardus  unterschrie- 
ben (K-G.  2,  462—64). 

Es  folgten  die  beiden  vordem  arianischen  Bischöfe  Ugnas  von  Bar- 
celona und  Murila  von  Palencia,  denen  man  vielleicht  wegen  ihrer 
demiithigen  Unterwerfung  und  wohl  auch  aus  Rücksicht  auf  ihre  bis- 
her^ Stellung  einen  Ehrenplaz  einräumte.  Bischof  Andonius  von  Oretum, 
das  finiher  nicht  erwähnt  wird,  war  wohl  der  älteste  der  anwesenden 
Bischöfe;  es  folgte  Sedatus  von  Beziers,  der  jüngere  Bischof  d.  N.; 
10)  Palmatius  von  Pace  (Beja),  Johannes  von  Mentesa,  Mutto  von 
Saetabis,  Petrus  von  Ossonoba,  Stephants  von  Turiasso,  Gabinus  von 
Osca,  Neufila  von  Tuj,  Paulus  von  Lissabon,  Sophronius  von  Egara, 
Johannes  von  Cabra,  20)  Benenatus  von  Elna,  Polybius  von  Lerida, 
Johannes  von  Dumium,  Proculus  von  Segobria,  Ermaricus  Laniobrensis, 
Simplicius  von  Saragossa,  Gonstantius  von  Portucale,  Simplicius  von 
Urgel,  Ästerius  von  Auca,  Agapius  von  Corduba,  30)  Stephanus  von 
Elvira,  Petrus  von  Ercavica  in  Celtiberien,  der  schon  erwähnte  frühere 
Arianer  Ubiligisclus  von  Valentia,  Johannes  von  Valeria,  der  schon 
erwähnte  Sunnila  von  Yiseo,  Philippus  von  Lamego,  Aquilinus  von 
Ansona  (Vieh),  Dominicus  von  Iria,  Sergios  von  Carcassone,  Basilius 
von  Elepla;  40)  Leuterius  von  Salamanca,  Eulalius  von  Italica,  Julianus 
von  Dertosa,  Froiscius,  vordem  Arianer,  (gleichfalls  von  Dertosa,  Theo- 
dorus  von  Baza,  Petrus  von  Adra,  der  schon  genannte  Becila  von  Lugos, 
Petrus  von  Segovia,  Gardingus  von  Töy,  l^gridius  von  Agde;  50)  Ar- 
giovitus  von  Portucale;  51)  Lilliolus  von  Acci,  Celsinus  von  Valentia; 
Theudericus  von  Castulo;  Velatus  von  Tucci;  Protogenes  von  Segontia; 
Muminius  von  Calahorra  (er  heisst  schon  Calahorritanae  eccL);  Alicius 
von  Girona,  Possidonius  von  Aeminium;  Thalassius  von  Astorga; 
60)  Agrippinus  von  Lodäve ;  Liliolus  von  Pampelona ;  62)  Jaquintus  von 
Coria. 

Daran  schlössen  sich  fünf  Stellvertreter.  Galanus  Archipresbjter 
von  Emporias,  für  den  Bischof  Fructuosus,  Diacon  Servandus  für  den 
Bischof  Pegasius  von  Astigi,  Hildemir,  Erzpriester  von  Orense  für  den 
Bischof  Lupatus,  Genesius,  Archidiakon  von  Magalone  für  den  Bischof 
Boetius,  Valerius,  Archidiakon  von  Nismes  für  den  Bischof  Pelagius.  — 
Phil.  Labbe  fand  in  einer  Handschrift  des  Senators  Cl.  Hardj  nach 
Jaquintus  von  Coria  die  Worte:  Stephanus  in  Christi  Namen  Presbyter, 
Stellvertreter  des  Artemius,  Metropoliten  von  Tarraco.  Ln  Ganzen  wa- 
ren 68  Bisthümer  vertreten. 


*)  B.  Geiger f  2,  266 — 68  »Verzeichniss  der  Namen  der  westgothischen  Bisthümer 
und  ihrer  Inhaber  i.  J.  589. 


16  AchtM  Bach.     Zweites  Kapitel. 

Es  fehlen  o.  a.  die  Bischöfe  Severns  von  Malaga  und  Licinian  von  Gar- 
ihagena,  wohl  desswegen,  weil  ihre  Bisthümer  noch  in  der  Gewalt  der 
Orieohen  waren.  —  Aus  der  Provinz  Lusitanien  sind  anwesend  die 
BisohCfe  von  Face,  Ossonoba,  Lissabon ,  Salamanca,  Coria,  w&hrend 
die  Bisthttmer  Lanigobriga  bei  Feira,  und  Aeminium,  j.  Agueda  ein- 
gqpangen  oder  verl^  worden.  Das  Bisthnm  Avila  —  war  damals  wohl 
noch  unterbrochen.  Man  kennt  von  Prisdllian  keinen  Bischof  bis  auf 
Justinian  —  610. 

Von  den  oben  genannten  Bisthümem  von  Braga  (2,  464)  fehlt  das  Bis- 
tfanin  Coimbra  und  Egidanna;  von  Lugos  —  das  Bisthnm  der  Britonen  oder 
Britannier,  das  auf  der  Synode  4  von  Toledo  633  vertreten  ist  —  Ans  der 
ProvSns  Garthaginensis  mit  23  Bisthümem  —  sind  16  Bisthümer  vertreten; 
von  damals  sicher  schon  bestehenden  fehlten  Osma,  Urci;  und  Complntanu 
obgleich  Johannes  Bicl.  zum  J.  579  sagt :  »Novell us,  Bischof  von  Complutum, 
blüht'  Das  Bisthnm  war  wohl  gerade  unbesezt^).  —  Aus  der  Provinz 
TaMu!onensis  fehlte  Niemand;  ebenso  aus  der  Provinz  Gallia. 

üeber  die  Bischöfe  von  Toledo  finden  sich  ungenügende  Erörte- 
rungen bei  Agoirre,  (der  ihr  78  Unterschriften ,  statt  68,  zuschreibt), 
und  bei  Flores*).  Lezterer  hat  unsre  Synode  nicht  erklärt;  Aguirre 
hat  zu  den  CSanones  11  und  12  mehrere  Abhandlungen  geschrieben,  du 
Uebrige  kAum  berührt').  —  Zu  Untersuchungen  über  die  socialen  Yer- 
hSltnisse  Spaniens,  besonders  der  noch  zu  lösenden  Aufgabe  von  den 
Verdiensten  der  Kirche  um  die  Milderung  und  Aufhebung  der  Sclaverei 
bietet  diese  Synode  den  reidisten  Stoff  dar.  —  Ihre  Akten  sind  sehr 
gut  angelegt  und  geordnet,  hatten  aber  ein  ihnen  vorliegendes  Muster 
in  den  beiden  durch  Martin  von^  Braga  geleiteten  Synoden.  —  Die  i 
Homilie  Leanders  von  Sevilla^)  über  die  Bekehrung  des  Gothenvolks 
bildet  den  Schluss  der  vorliegenden  Akten. 


§.  2.    Synode  von  Narbonne,  J.  589. 

Die  Kirohenprovinz  Gallien  oder  Narbonnensis  des   westgothischen 
Reiches  hielt  noch  in  demselben  Jahre  589,   in  genauer  Erfüllung  der 


0  fhrex,  7,  179. 

*)  Fhrex,  e,  189—156.  —    Aoeh  bei  BdfferUA,  W.-Becht,  S.  32—36. 

*)  A^wrref  3,  321-^372-*  ConeiUim  Ihleianum  IIL  —  Tkjada  jr  Ramiro,  QmaUo  III 
dt  Tokth,  2  ,213-^260,  giebt  Auszüge  aus  Aguirre,  —  Ferrerat,  2,  314- 18,  - 
Hardum,  3,  467^4909g.  -  Mann,  9,  977-^1010.  —  Co,  Lahbw-Vmeia,  $,  694-^2, 
—  HefeU,  3,  44—49.  —  H.  Geigtr,  2,  186—204  .Das  ConcUinm-  (mit  Ans- 
sehmfickangeii).  —  Modesto  Lafuentef  Hialoria  general  de  Eaptumaf  U  2,  Madrid 
1860,  p.  9e0-e7,  -    ffelffenck,  das  Westgothen- Recht,  B.  27— 46. 

*)  Frei  übertezt  von  Oßiger,  S.  202—4. 


Synode  von  Narbonne  589.  17 

anons  18  der  Synode  3  von  Toledo,  ein  Proyinzialconcil.  „In  dem 
amen  misers  Herrn  J.  Chr.,  in  dem  vierten  Jahre  der  glücklichen 
egierung  nnsers  glorreichsten  Herrn ,  des  Königs  Reccared  y  sind  vnr, 
jgetins  etc.,  Bischöfe  der  Provinz  Gallien ,  verlangend,  die  Beschlüsse 
sr  Concilien  der  heil.  Väter  der  alten  Zeit  in  der  Furcht  Gottes  zu 
3obachten,  so  wie  es  die  heil.  Synode,  die  auf  Anordnung  unsers  glor- 
ichsten  Königs  in  Toledo  stattfand,  verordnete,  am  1.  November  mit 
ittlicher  Hilfe  in  der  Stadt  Narbonne  zusammengekommen. '^  Sie  haben 
iniges,  was  zu  Toledo  von  Seite  des  Königs  (der  Kirche)  zugesagt, 
»er  bis  jezt  nicht  gewährt  wurde,  in  Erinnerung  gebracht,  und  einige 
eiter  nothwendige  canonische  Verordnungen  festgestellt: 

1)  Kein  Kleriker  soll  Purpurkleider  tragen;  diess  passt  für  Mächtige 
ur  Erde,  nicht  für  Religiösen^)  (Kleriker  und  Mönche). 

2)  Bei  jedem  Psahne  werde  „Gloria  patri«  gesungen,  die  längern 
salmen  durch  mehrere  „gloria'^  —  und  Pausen  unterbrochen  (cf, 
ToUk  15). 

3)  Unter  canonischer  Strafe  soll  kein  Elleriker  an  den  Strassen 
ohnen,  auf  den  Strassen  stehen  bleiben  und  plaudern. 

4)  Der  Sonntag  soll  gehalten  werden  als  Ruhetag,  von  Freien  und 
daven,  Gothen,  Römern,  Syrern,  Griechen  und  Juden;  wer  arbeitet, 
»11,  ist  er  ein  Freier,  dem  Stadtgrafen  sechs  Solidi  geben,  der  Sdave 
»11  100  Streiche  (flagella)  erhalten. 

5)  Verschwörungen  von  Klerikern  unter  dem  Schuze  der  Laien  sind 
ich  Can.  18  des  Conc.  von  Chalcedon  verboten,  auch  Insulten  niederer 
3gen  höhere  ELleriker;  Renitenten  sollen  in  einem  Kloster  ein  Jahr  lang 
osse  thun. 

6)  Wenn  ein  Kleriker  oder  Honoratior  der  Stadt  in  ein  Kloster 
3rwiesen  wird,  so  muss  der  Abt  ihn  aufnehmen  und  zu  bessern  suchen ; 
eigert  er  sich,  so  werde  er  eine  Zeit  lang  suspendirt,  denn  dazu  ist 
*  aufgestellt,  dass  ^  bessere,  nicht  dass  er  reiche  Mahlzeiten  zu  sich 
shme.  —  (Abgesehen  von  dem  Unpassenden  solcher  Auslassung  würde 
eher  jeder  Abt  vorziehen,  in  perpetuum  suspendirt  zu  werden,  ab 
Qchtmeister  von  Klerikern  und  Stadt- Honoratioren  zu  seyn.) 

7)  Jeder  Kleriker,  der  gegen  das  Interesse  der  Kirche  handelt, 
erde  abgesezt 

8)  Der  Kleriker,  welcher  ohne  Wissen  des  Bischofs  etwas  von  dem 
Ute  oder  den  Häusern  der  Kirche  wegnimmt  oder  betrügt,  solle  alles 
^tten,  und  nicht  mehr  an  derselben  Kirche  dienen;  zwei  Jahre  soll 
'  in  der  Busse  stehen,  und  dann  erst  seine  Stelle  zurückerhalten. 

9)  Die  Juden  dürfen  nach  alter  Sitte  bei  ihren  Leichenbeg^gnissen 
cht  singen;  sonst  müssen  sie  dem  Stadtgrafen  6  Unzen  Gold  zahlen. 


0  H.  Geiger  y  Leander  und  Hermig^Ud,  1860,  Z  Tbl.,  S.  228. 
Gamf,  ■fftn«  Kirche.    II,  2. 


18  Achtes  Bach.     Zweites  Kapitel. 

10)  Jeder  Kleriker  muss  in  seinem  Bisthum  bleiben;  sonst  verliert 
er  sein  Einkommen ,  und  auf  ein  Jahr  die  Communio. 

11)  Kein  Bischof  darf  einen  Unwissenden  (Htteras  ignoranUm)  weihen; 
hat  er  schon  die  Weihe,  so  verliere  er  so  lange  sein  Stipendium,  bis 
er  lesen  und  seinen  Dienst  verrichten  lernt.  Bleibt  er  träge,  so  werde 
er  in  ein  Kloster  gesperrt,  ^^denn  er  kann  das  Volk  nicht  erbauen,  wenn 
er  nicht  liesf 

12)  Unter  der  Messe  darf  kein  Priester  oder  Diener  vom  Altare 
weggehen,  kein  Diakon,  Subdiakön  oder  Lector  darf  die  Alba  ausziehen, 
unter  entsprechenden  Strafen. 

13)  Der  Subdiakon,  Ostiarius  und  die  übrigen  Dieier  sollen  u.  a. 
den  Aeltern  den  Vorhang  bei  den  Thüren  wegheben;  die  Diakonen, 
welche  sich  weigern,  verlieren  ihr  Stipendium,  die  übrigen  sind  za 
geissein  (ftctgrü  co&rcendos). 

14)  Finden  sich  wahrsagende  Männer  oder  Frauen  in  einem  Hause, 
welche  man  „Caragii^  [Cargaier')]  oder  „Sorticularü^  nennt,  sei  es  eines 
Gothen ,  Römers,  Syrers,  Griechen  oder  Juden ,  oder  wenn  Jemand  sie 
befragt,  und  es  (sie)  nicht  öffentlich  zur  Anzeige  bringt,  so  soll  er  nicht 
blosa  von  der  Kirche  ausgeschlossen  werden  (suspendaturjj  sondern  auch 
dem  Stadtgrafen  sechs  Unzen  Gold  bezahlen.  Solche  Betrüger  aber, 
seien  es  Freie,  Sclaven  oder  Mägde,  sollen  auf  dem  Pranger  scharf 
gegeisselt,  verkauft,  und  der  Erlös  den  Armen  gegeben  werden. 

15)  Wir  hören,  dass  manche  in  heidnischer  Weise  den  Donnerstag 
feiern ;  wer  an  diesem  Tage,  abgesehen  von  Festtagen,  feiert,  der  werde 
ausgeschlossen  und  thue  ein  Jahr  Busse,  wenn  er  ein  Freigeborner  ist: 
sind  es  Sclaven,  so  erhalten  sie  hundert  Geisseistreiche,  mit  der  An- 
zeige an  ihre  Herrn,  sie  zu  überwachen. 

Obige  Canones  geben  einen  Einblick  in  das  sociale  Leben  der  Zeit, 
sie  sind  in  schwerfälligem  Latein  verfasst,  und  erwecken  theilweise  ge- 
gründete Zweifel  an  ihrer  Zweckmässigkeit.  Unterzeichnet  sind:  Ich 
Migetius,  in  Christi  Namen  Bischof  der  Kirche  von  Narbonne,  Labe 
diese  Constitutionen,  über  welche  ich  mit  meinen  Brüdern,  wie  es  uo^ 
Gott  eingegeben  hat,  übereingekommen  bin,  wieder  gelesen  und  unter- 
schrieben^); Sedatius  (Sedatus)  von  Biterrae^);  Boetius,  der  erste 
bekaimte    Bischof    von    Magalone,    später  Montpellier^);    Pelagius  von 


*)  CaraguSf   Carajus-sortileyus,  qui  characleribus  magicis  utitur;    ConeiL  v,  Auxerre  c.  l 
—   Vita  Eligii  a  s.  Äudo^o,   l  2,  15  —    cf.  Ducange:    Caragi,    und   die  Stellen    ' 
das.,  der  e«  aus  dem  AngeltftchaUchen  (V5gelflu|^)  herleitet. 

*)  Gaüia  chrtstiana,  provincia  Narbonn.,  L  6  (P,  1739) ,  p.  11, 

»)  p.  297. 

*)  Gall.  chrut.  p.  730^32, 


Synode  von  Sevilla,  590.  19 

Jismes'),  Tigridios  von  Agde^),  Sergis  oder  Sergiiu  von  CarcasBone  *), 
Lgripinus  von  Loteve*).  —  Sämmtliche  Bischöfe  zeigen  ihre  Anwesen- 
eit  za  Narbonne  durdh  das  Wort  „mierfiä^  aa.  Sie  alle  sind  auf  der 
orhergehenden  Synode  von  Toledo  genannt,  aber  zwei  derselben, 
ioddos  von  Hagalone  und  Pelagius  von  Nismes,  hatten  wohl  wegen 
er  grossen  Entfernung  Stellvertreter.  Dagegen  fehlte  in  Narbonne  der 
tischof  Benenatus  von  EIna  [St.  Helena  oder  Perpignan^)]. 

§.  3.    Synode  von  Sevilla,  590. 

Die  Akten    dieser  Synode,    welche   gleichfSftUs    in  Befolgung  des  8yao4« 
^anon  18  der  Synode  3  von  Toledo  gehalten  wurde,  sind  uns  in  Forms«vmü 
ines  Briefes  an  den  auch  in  Toledo  abwesenden  Bischof  Pegasius  von  "  ''®* 
Utigi    erhalten,    den   wohl  Krankheit  oder  Alter  ferne  hielt     j^Dem 
leiligen  und  mit  Ehrfurcht  von  uns  zu  nennenden  geliebtesten  Bruder, 
lern  Bischöfe  Pegasius,  Leander,  Joannes  etc.  —  Wir,  die  wir  uns  in  der 
Jtadt  Hispalis  versammelt  haben,  begrüssen  deine  Helligkeit  mit  dem 
jjfer  der  Liebe  und  wir  bitten  Gott,  der  uns  durch  dein  Wohlbefinden 
ind  deine  Anschauung  (de  aalute  itia  vel  vitione)  erfreuen  mSge. 

1)  Ueber  die  vom  Bischöfe  freigelassenen  Sdaven  der  Kirche.  — ihrtOh 
üs  wir  in  der  Kirche  von  Hispalis,  genannt  das  heilige  Jerusalem, 
assen,  haben  uns  deine  Diakonen  einen  Brief  (brevem  sc.  epittolam) 
Iber  die  Sclaven  der  Kirche  vorgelegt,  welche  dein  Vorg^ger  heiligen 
Andenkens,  Bischof  Gaudentius,  freigelassen  hatte,  wir  haben  dort  nicht 
>loss  diejenigen  gelesen,  welche  er  freigelassen,  sondern  auch  diejeni- 
^,  welche  er  seinen  Anverwandten  aus  den  Familien  der  Kirche  ge- 
chenkt  hatte,  fanden  wir  hier  verzeichnet  Darüber  zogen  wir  die  Be- 
timmungen  der  Canones  zu  Rathe,  ob  eine  solche  Freiheit  oder  Ueber- 
ragung  Kraft  haben  solle.  —  Wir  finden  in  dem  Canon  (c.  6  und  33 
ron  Agde  507),  dass,  wenn  ein  Bischof  sein  Eigenthum,  mit  Ausnahme 
ler  Söhne  und  Enkel,  andern,  und  nicht  der  Kirche  hinterlSsst,  alles, 
rras  er  von  dem  Gute  der  Eürche,  entweder  verschenkt  oder  verkauft 
oder  irgendwie  der  Kirche  entzogen  hat,  ungiltig  scyn  solle.  —  Wenn 
darum  deine  Kirche  die  Güter  deines  Vorgängers  Gaudentius  nicht  be- 


BOBes. 


')  NewtauMutf  p.  429. 

*)  aach  Nigriditu,  Bygridiua  genannt,  p.  668. 

»)  p.  864. 

*)  de  chUaU  LoUba,  p,  528. 

»)  Harduin,  3,  491-94.  —  Mmm,  9,  1013^19.  —  Agwrrt,  (2,  385),  3,  272—75, 
NotMf  275—77,  der  hier  erzählt,  daas  er  bei  seinem  Wege  nach  Rom  im  Mal  1687 
hoeh  in  Narbonne  gefeiert  worden  sei.  —  Oomc  Lobbei-Nic.  CoUti,  t  6, 
p,  726-^30;  Tejada  y  Bamiro,  2,  693^98,  —    H^fky  8^  60—51. 

2* 


vom  Solde  der  Kirche  lebt,  und  sein  Eigenthum  keineswi 
schenkt,  die  Gaben  Anderer  der  Kirche  entziehe. 

3)  Da  einige  Bischöfe  die  Canones  der  3.  Synode  to 
nicht  durchführen,  in  Betreff  der  Priester,  Diakoaen 
welche  dem  Zusammeo'wohnen  mit  fremden  Frauen  ode 
licbkcit  mit  Mägden  auf  die  Ermahnung  des  Bischofes  i 
so  sollen  die  leztem  (die  Mägde)  die  Richter  mit  Gei 
Bischöfe  ergreifen,  und  als  Eigenthum  besizcn;  jedoch  u 
eines  Eides,  sie  auf  keine  Weise  an  die  Kleriker  surückz 
sie  es  dennoch,  so  werden  sie  excommunicirt  Jene  Fram 
nach  den  frlihern  Canones'J  zum  Dienste  in  die  Klöster 
der  Erlös  an  die  Armen  vertheilt  Das  Protokoll  ist  vom  4. 
—  Da  nach  Canon  18  der  Sjnode  3  von  Toledo  die 
1.  November  zusammentreten  sollten,  so  scheint  unsre  t 
gedauert  zu  haben'}.  — 

A<ht  Unterschrieben  ist  1)  Leander,  Bischof  der  heiligen  I 

■chrit  ^'^i  ^)  Johannes  von  Egabra,  der  zu  Toledo  als  der  neu 

tH.  schrieben,  3)  Agapius  von  Corduba,  der  neunnndzwanzif 
4)  Stephanus  von  Elvira,  zu  Toledo  der  dreissigste,  5)  BasiJ 
der  neununddreissigste  zu  Toledo,  6)  Velatus  von  Tucci,  v 
undfQnfzigste ,  7)  Sintirius  von  Italica,  dessen  Vorg^ngej 
einundvierzigste  in  Toledo,  in  der  Zwischenzeit  wohl  n 
gangen  war. 

Als  Iczter  uid  achter  unterschreibt  Petrus,  Bischof  c 
Aeci,   dessen  Vorgänger  Lilliolus  im  J.  589  —    (als  51.) 


Synode  von  SeTilla,  590.  21 

latte.    Wie  kommt  dieser ,   falls  die  Unterschrift  Seht  ist,   in  eine  ihm 
remde  Provinz?    Da  er  ohne  Zweifel  fireiwillig  kam,  so  konnten  ihn 
[ie  Bischöfe   von  Bätica  nicht  wohl  ausschliessen.   Ein  Hauptgrund  sei- 
ler  Gregenwart  war  aber  vielleicht  der  Umstand,  dass  aus  der  Eirchenpro- 
ins  von  Carthaginensis  eine  Synode  nicht  zusanmienzubringen  war.  JSine 
.Ite  und  geheiligte  Verbindung  bestand  ohnedem  zwischen  den  bätischen 
Circhen  und  der  Kirche  von  Acci.  —    Diese  Verbindung  ist  wol  be-verh&it. 
onders  innig  zwischen  den  beiden  Kirchen  von  Acci  und  Elvira.  — ButbA.' 
)er  Bischof  Lilliolus  von  Acci  weihte  nach  einer  erhaltenen  Inschrift    "J^J| 
ilnde  des  Januar,   im   achten  Jahre  Reccareds  imd  Aera  632  (594)  die  ^*^^^ 
Cirche  des  heil.  Vincentius,  des  Märtyrers  von  Valencia.  Aera  616  (677) 
v-urde,  vielleicht  von  demselben  Bischöfe,   die  Kirche  des  hl.  Johannes 
iaptista  geweiht    Endlich  wurde  ^ln  dem  Namen  unsers  Herrn  Jesus 
!3hristn8  consecrirt  die  Kirche  des  heil.  Stephanus,  des  ersten  Märtyrers, 
in  dem  Orte  Nativola  (in  lacum  NaUvola),  von  dem  heil.  Paulus,  Bi- 
ichof  von  Acci,  im  (?)  Jahre  unsers  Herrn  des  Königs  Witterich.   Diese 
Irei  Heiligthümer  (tabemaeula)  wurden  zur  Ehre   der  Dreieinigkeit  un- 
er  Mitwirkung  der  Heiligen   erbaut   von  dem  erlauchten  Gudila,  mit 
(einen  eigenen  Arbeitern  und  auf  eigene  Kosten^  ^). 

Diese  Inschrift  befindet  sich  in  der  äussern  Mauer  der  Ejrche 
3.  Maria  del  Alhambra  in  Granada,  und  ich  glaube,  dass  diese  Kirche 
3ine  der  drei  obigen  Kirchen,  wahrscheinlich  die  des  heil.  Stephanus 
ist  ^^Die  Inschrift,  offenbar  gesezt  kurz  ehe  Paulus  die  Stephanskirche 
einweihte  (unter  Witterich  603  —  610),  erwähnt  bei  dieser  Gelegenheit 
swei  ältere  Einweihungen,  die  der  Johanneskirche  vom  J.  677,  und  die 
1er  Vincenzkirche  vom  J.  5W  ^).  —  In  dem  Orte  Nativola  waren  in 
3inem  Zeiträume  von  etwa  dreissig  Jahren  drei  Kirchen  gebaut  worden ; 
1er  Erbauer  Ghidila  war  wohl  ein  reicher  Grundbesizer.  — 

Wer  war  der  Ort  Nativola?    Florez  sagt,  dass  Bischof  Lilliolus  mit  Der  on 
Einwilligung  des  Bischofs  Leander  zur  Weihe  der  Kirche  berufen  wor-  ^oiÜ. 
len^).    Hühner  meint,  dass  der  locus  Nativola  zur  DiOcese  von  Acci, 
lem  Bergdistrikt  der  Sierra  Nevada,  gehörte,   dass  das  Bisthum  Elvira 
sieh  wohl  auf  die  Vega  des  Flusses  Jenil  beschii&nkt  habe.    Ich  glaube. 


■)  Ha€c  saneta  tria  tabemaeuh  —  in  gloriam  TriniiaH»  —  eokoperagitSb,  Sei»,  aßdißcä 
sunt  ab  tnL  Oudüa  cum  optrarioB  vemoht  ßt  twi^tu  proprio, 

^  Theod.  Momwuon  za  den  Berichten  Bmä  HfÜmn't  —  in  den  Monatoberichten  der 
Berliner  Akademie,  J.  1861  --  Berl.  1862,  S.25.  -*  Die  Inschrift  steht  bei 
P^axa  —  Eutoria  oeksiäniea  —  d$  OroM/da,  1638;  bei  Ftormt^  7,  33—85  (Bis- 
tham  Acci),  (nicht  bei  Masdeu^  t,9  —  Coieeeion  tU  Idpideu  y  medaüas  del  Hempo 
de  Joe  Oodoe  y  Arabes)^  und  nenestent  In  der  Sammlung  des  Emä  SUbner, 
p.  24-26. 

')  weil  damals  der  Siz  von  Elvira  durch  den  Tod  des  Stephanns  erledig  gewe- 
sen,  12,  154,  was  ich  nicht  zugebe. 


22  AchteB  Bach.     Zweites  Kapitel. 

dass  der  Ort  Nativola  eine  Art  Vorstadt  von  Elvira  gewesen ,  dasa  es 
verkürzt  Nata  geheissen,  und  dass  Kamatlia  (=  Granada)  oder  das  Schloes 
von  Nativola  eben  seinen  Namen  von  Nativola  habe.  Femer ,  dass  der 
Ort  Nativola  zum  Bisthum  von  Elvira  gehört,  dass  aber  die  Bischöfe 
Lilliolus,  und  der  nur  hier  genannte  Paulus  wegen  der  geschichtlichen 
Verbindung  zwischen  der  Kirche  von  Acci  und  von  Elvira  zur  "Weihe 
eingeladen  worden.  —  Denn  bei  Montanus  und  seinen  Ansprüchen 
handelte  es  sich  um  das  erledigte  Bisthum  Palentia').  —  Bei  der  grossen 
Anzahl  der  damals  gebauten  Kirchen  wäre  es  für  einen  Metropoliten 
unmöglich  gewesen,  alle  Kirchen  seiner  Sufi&aganbisthümer  zu  weihen. 
Als  regelmässiger  Consekrator  ist  der  jeweilige  Diöcesanbischof  anza- 
nehmen. 

Allein  wenn  Bischof  ^Liliolus  im  J.  594  noch  eine  Kirche  einweihte, 
wie  konnte  er  schon  590  einen  Nachfolger  in  der  Person  des  Petrus 
haben?  Die  Lesart  ^etmja  eccUsiae  Aceitanae  ist  nicht  zu  bestreiten. 
Ebenso  erscheint  auf  der  Synode  von  589  zu  Toledo  der  Bischof  Ste- 
phanus  und  der  Bischof  Petrus  mit  der  Unterschrift :  EccUHae  lUberitanoL 
Aus  diesem  Anlasse  glaubt  Florez,  indem  er  die  Lesarten  Elvira  und 
Acci  auf  die  Rechnung  der  Abschreiber  sezt^  ein  zeitweiliges  Bisthum 
Abdera  (Adra)  annehmen  zu  sollen^  dessen  einsiger  uns  bekannter  Bischof 
Petrus  gewesen  wäre.  —  Die  Frage  bleibe  künftiger  Forschung  anheim- 
gestellt >). 

§.  4.    Zweites  Concil  von  Sarogossa,  592. 

Conen  Am  ersten  November  des  Jahres  592  (Aera  630),  im  siebenten  Jahre 

^osJlides  Königs  Reccared  und  mit  seiner  Erlaubniss  hielten  die  Bischöfe  der 
*'*•    Provinz,  Tarraconensis   ihre  Synode   in  Saragossa.     Sie   verfassten    nur 
drei  Canones: 

1)  Die  vom  Arianismus  bekehrten  Priester  und  Diakonen  können, 
wenn  sie  den  Glauben  und  die  Keuschheit  bewahren,  wieder  geweiht 
werden. 

2)  Reliquien y  die  sich  in  den  Kirchen  der  Arianer  finden,  solleo 
den  Bischöfen  überbracht  und  verbrannt  werden,  wer  sie  verbirgt,  soll 
ausgeschlossen  werden. 

3)  Wenn  frühere  arianische  Bischöfe  vor  ihrer  eigenen  Reordination 
Kirchen   einweihten,   so   bedürfen  letztere   einer  neuen  Weihe.  — 

Da  diese  Beschlüsse  das  Datum  des  ersten  November  tragen,  so  m^ 
die  Synode  nur  einen  Tag  gedauert  haben ;  und  man  kann  annehmen,  da^s 
die  Bischöfe  zugleich  ein  anderes  kirchliches  Fest  begiengen,  vielleicht 


'J  K.-G.,  2,  449--451. 

^)  Flortz,  do  la  Igluia  dt  Abdera,  L  10,  1—14. 


Zweites  Cooeil  von  Saragossa ,  592.  23 

eine  Ejrchen-  oder  Bischofiiweihe.  ünierzeichDet  ist  Artemius^  Metro- 
polit der  Pjroyinz*).  Es  folgen  eilf  Bischöfe  ohne  Angabe  ihrer  Size, 
und  2wei  Stellvertreter  von  Bischöfen.  Die  Size  sind  aber  grossentheils 
ans  der  Synode  3  von  Toledo  und  der  Synode  2  von  Barcelona  zu  ent- 
nehmen. 1)  Sophronius  war  Bischof  von  Egara;  2)  Stephan  Von  Tarra-  i%  vm- 
sona;  3)  Julian  von  Dertosa;  4)  Simplicius  von  Urgel;  5)  Asterius  von  Mhrif. 
Oca;  6)  Mnmias  oder  Munimius  von  Cala&orra;  1)  Liliolns  von  Pam-  ^°* 
pelona;  8)  Magnus,  vielleicht  Maximus,  von  Saragossa;  9)  Johannes  (von 
Bidaro,  aus  der  Synode  2  von  Barcelona  699  bekannt);  10)  Galanus 
von  Emporias;  11)  Julian  von  Lerida,  welch  leztere  Beide  vielleicht  bei 
diesem  Anlass  geweiht  wurden.  —  Der  Diakon  Antedius  unterschrieb 
für  den  Bischof  12)  Gavinus  von  Osca,  der  Diakon  Stephan  f&r  den 
Bischof  13)  Aquilinus  von  Ausona.  Fast  sämmtliche  uns  bekannte  Bi- 
schöfe der  Eirchenprovinz  —  waren  auf  der  Synode  vertreten.  —  Doch 
scheinen  die  Bischöfe  nicht  genau  nach  der  Zeit  ihrer  Ordination  unter- 
zeidinet  zu  haben. 

Der  mehrgenannte  Bischof  Ugnas  von  Barcelona,  und  Froisclus  von 
Dertosa,  beide  fiühere  Arianer,  sind  nicht  unterschrieben,  sei  es,  dass 
sie  nicht  anwesend  waren,  sei  es,  dass  ihnen  die  Beschlüsse  gegen  die 
Arianer  zu  hart  schienen^). 

§.  5. 

Nach  dem  obigen  Concil  sezte  Loaysa,  der  erste  Herausgeber  deroe  steo 
spanischen  Concillen,   ein  Actenstttck  m.  d.  T.   „de  flseo  Barcinonensi,'  ^^ll, 
welches  die  Unterschrift  des  Metropoliten  Artemius,  und  dreier  Bischöfe,    •*• 
des  Sophronius  (von  Egara),  des  Galanus  (von  Emporias),  und  des  Jo- 
hannes (von  Gerunda)  trägt,  als  Datum  aber  den  vierten  November  592. 
Man  kann  annehmen,   dass  die  übrigen  Bischöfe  schon  abgereist,  oder 
bei  der  Sache  m'cht  betheiligt,  während  die  drei  Unterzeichneten  Nach- 
barbischöfe von  Barcelona  waren.    Der  Brief  ist  „an  die  erhabenen  und 
grossmächtigen  Söhne  oder  an  die  Brüder  Fiscalbeamten^  (fratres  numt- 
rarii)  gerichtet.   Die  Addressirten  hatten  durch  Scipio,  den  Comes  Patri- 
monii,  ihre  Bestallung  erhalten,  und  von  den  Bischöfen  der  Sitte  gemäss 
ihre  Genehmigung  in  Betreff  der  von  ihnen  (den  Bischöfen)  verwalteten 
Territorien  nachgesucht.   Diese  wurde  ihnen  ertheilt,  unter  dem  Beding, 
dass  sie,   ihre  Agenten   oder  Gehilfen  für  jedes  ordentliche  Maass  Ge- 
treide (modio  cananico)  vom  Volke  8  Siliquen  (kleine  Münzen),  für  ihre 


•)  Fhrez  25,  78-81. 

«)  Affuirre,   2,  414  (3,  302-3).  -    Harduin,  3,  534.  -    Mann,  10,  471—72.  - 

NicoL  CoUä,  6,  1331.  —    Bntiut,   2,  64-65.  -      Tejada  y  Ramiro,  2,  128-31. 

-  Ftmras,  2,  321.  —    FUnrez- Bisco  ^  30,  239—43.  —    He/ele,  3,  53. 


24  Achtes  Buch.     Zweites  Kapitel. 

Mühewaltung  1  Silique^  für  den  unvenneidlichen  Entgang  oder  (und) 
für  den  Handelsgewinn  aus  den  Naturalien  —  4  Siliquen  beziehen  dürfen, 
was  zusammen  14  (vielmehr  13)  Siliquen  ausmacht  Von  der  Gerste 
sollet  weder  ihr  noch  eure  Agenten  neben  dem  erlaubten  Maasse  Wei- 
teres verlangen  oder  wegnehmen.  Wer  dagegen  handelt,  wer  an  Natu- 
ralien nicht  einliefert  y  was  sich  gebührt ,  an  dem  [soll  sich  der  Fiscus 
schadlos  halten.  Wenn  abeif  eure  Agenten  zu  viel  verlangen,  so  müsst 
ihr  es  zurückerstatten. 

Die  Synode  3  von  Toledo  hatte  besonders  in  Can.  18  den  Bischöfen 
über  die  Richter  eine  Art  von  Aufsicht  und  Strafgewalt  eingeräumt 
Nach  unserm  (vereinzelt  dastehenden)  Aktenstücke  hatten  die  Bischöfe 
auch  eine  Art  Aufsicht  über  die  Finanzbeamten,  offenbar  zum  Schuze 
des  Volkes  gegen  Erpressungen.  —  Das  Patrimonium  ist  im  Allgemei- 
nen der  Staatsschaz  oder  der  Fiscus.  Der  Comes  Patrimonii  ist  der 
Finanzminister*).  Das  Amt  eines  Procurators  Patrimonii  erscheint  schon 
im  J.  357  in  Spanien,  (K.-G.  2,  293 — 94).  Er  sezt  seine  Unterbeamteo, 
seine  Numerarii^)  oder  Einnehmer  in  den  einzelnen  Städten  ein.  Sie 
dürfen  von  jedem  Maass^)  Frucht  13  Sih'quen^)  einziehen;  acht  für  den 
König  aus  dem  Bruttowerth  der  Frucht  und  vier  aus  dem  Zwischen- 
handel mit  derselben,  eine  far  sich  selbst,  worin  wahrscheinlich  ihre 
Besoldung  bestand.  Von  der  Gerste  dürfen  sie  mehr  nicht  nehmen,  als 
von  jeder  andern  Gattung.  Gegen  die  Säumigen  in  Entrichtung  ihrer 
Abgaben  darf  der  Fiscus  einschreiten. 

Der  Solidus  war  regelmässige  Kaisermünze,  oder  römische  Gold- 
münze. Von  Kaiser  Julian  an  trat  die  Siliqua  als  Scheidemünze,  der 
24.  Theil  eines  Solidus,  ein ;  (der  Solidus  ist  ^^j  des  Pfundes,  die  Siliqua 
ist  yVtb"  ^^  Pfundes).  Die  Siliqua  war,  neben  dem  Solidus,  die  stehende 
Rechnungsmünze  im  5.  und  6.  Jahrhundert*).  Der  Text  imsres  Akten- 
stückes ist  mehrfach   verstümmelt,    und  undeutlich.  —    Es  ist  möglich, 


0  üeber  ihn  v.  Concil.  12  und  16  von  Toledo.  —    Lex  Vistgothontm,  Hb,  2.  tu.  26. 

Üb,  12.  Ht  1.  §.  2.  — 
*)  Numerarii  vocati  sunt,  qui  publicum  nummum  aerarüs  inferuntf    Isidor.  etym.  9,  4.  — 
*)  Isidor.  16,  26  —  Modius  est  —  mensura  librarum  44,  i.  e.  sextariarum  22, 
^)  16,  25  SiUqua  viffesima  quarta  pars  solidi  est,  ab  arborts  semine  vocabukan  tauns. 
•)  Ueber    die  SiUgua  s.    Th.  Mommsen,    Geschichte    des    römischen   Münzwesens, 
Berlin  1860,  S.  787,  791,  796.  —     Griechische    und  römische   Metrologie   von 
Friedr.  ffuUseh,    Berlin  1862,  S.  249  —  50  flg.:  Die  Siliqua    nebst   ihrer  HÜfle, 
beide  allerdings  in  stetig  sinkendem  Gewicht  ausgeprägt,   bleiben   das  haupt- 
sächliche Silbergeld  des  Reichs,  dienen  aber,  wie  ihr  verhältnissmässig  seltenes 
Vorkommen  zeigt,   nur  als  Scheidemünze,  um  kleinere  Beträge  in  Zahlungen 
darzQstellen."   Momnuen  und  HuUkK  handeln  auch  ausführlich  über  den  (Gold-, 
Silber-  und  Kupfer-)  Follis  (K.-G.  2,  137).  —  Lex  Visigoth.  XII,  tit.  2,  L  1.  - 
Affuirre,  3,  304.  —    Fhrez,  29,  281S2.    Florez-Risco,  30,  240-43. 


f.  6.    Die  Synode  sa  Toledo  yom  J.  597.  25 

188  nur  obige  vier  Bischöfe  anterzdcbnet  ünif  weil  der  Bezirk  der 
umerarii  von  Barcelona  nicht  weiter  als  über  daa  Gebiet  der  fünf  Bis- 
lümer  von  Tarraco,  Barcelona,  Sgara^  Girona  und  Emporias  reichte. 

• 

§.  6.  Die  Synode  zu  Toledo  vom  J.  597 

eht  nicht  in  der  alten  spanischen  Conciliensammlung.    Es  war  wohl  8yao4« 
ine  berufene  Synode ,  sondern  eine  Versammlung  einer  Anzahl  vonxoM«, 
ischöfen,   welche  aus  einem  andern  Anlasse  in  der  königlichen  Stadt   '*'* 
iBammengekonmien  waren,  und  diese  Versammlung  zur  Festsezung  von 
irei  Ganones  benüzten.    jjm  Namen  des  Herrn ,  die  Constitution  einer  ^ 
jnode  Yon  16  Bischöfen,  welche  in  der  Stadt  Toledo,  in  der  Kirche 
Br  Apostel  Petrus  und  Paulus,  am  17.  Ifai,  im  12.  Jahre  Beocared^s, 
ch  versammelten. 

1)  Die  Bischöfe  sollen  nicht  nur  selbst  keusch  leben,  sondern  auch 
61  den  Priestern  und  Diakonen  dafür  sorgen.  Fehlende  sollen  in  ein 
ioirektionshaus  kommen  (elawtro  eotuepius), 

2)  Die  Bischöfe  sollen  Kirchengut  nicht  an  sich  ziehen;  was  ein 
Vohlthäter  gestiftet  hat,  das  soll  ein  Priester,  Diakon,  oder  wenn  die 
linkünfte  nicht  reichen,  ein  Ostiarius  gemessen,  der  in  jeder  Nacht  die 
achter  vor  den  Reliquien  anzünde,  und  die  Reinlichkeit  erhalte. 

Es  unterschrieben  1)  Massona  von  Merida;  2)  Migetius  von  Nar-  uattr 
oxme;  8)  Adelphius,  wohl  der  Nachfolger  des  Euphemius,  von  Toledo,  *{^ 
rei  Metropoliten;  4)  Motto  (Mutto)  von  Saetabis,  bd^annt  vom  Jahre  589; 
)  ebenso  Petrus  von  Ercavica;  6)  Asterius  von  Oca,  gleichfalls;  7)  Eleu- 
lerius  von  Corduba,  wohl  Nachfolsjar  des  Agapius  I.  vom  J.  590^); 
)  Johannes  von  Auxuma;  9)  Johanw  von  Gerunda;  10)  Baddo  von 
ürira,  von  dem  Florez  annimmt,  dass  er  im  J.  594  Bischof  geworden; 
1)  Licerius  von  Idanna,  dessen  Vorgänger  Commundus  vom  J.  589  nur 
i  einem  Pariser  Codex  steht;  12)  Laurus  von  Pace,  Nachfolger  des 
^ahnatius;  13)  Genesius  von  Magalone,  der  im  J.  589  als  Vertreter  sei- 
es  Bischofs  Boötius  unterschrieb;  14)  Stephanus  von  Oretum,  dessen 
orgttnger  Andonius  im  J.  589  der  drittälteste  Bischof  gewesen;  15)  Jo- 
mus  von  Elbora,  von  welcher  Stadt  im  J.  589  kein  Bischof  nach  Toledo 
ekommen  war.  —  Zu  der  Zahl  von  16  fehlt  indess  noch  ein  Name.  — 

Die  Kirche  der  Apostel  Petrus  und  Paulus  war  wenigstens  damals 
tcht  Kathedrale  von  Toledo;  am  13.  April  587,  an  einem  Sonntage, 
urde  vielmehr,  nach  einer  im  J.  1591  aufgefundenen  Inschrift  an  der 
adiedraley  die  Kirche  der  heiligen  Maria  zu  Toledo  eingeweiht,  im 
sten  Jahre  der  Regierung  des  Königs  Reccared^).    Die  grosse  yierte 


')  Flortz,  10,  227. 

»)  Fhrez,  2,  25^26.  —    5, 196;  215  (mit  einer  AbbildaDg  der  S&oie,  auf  der  die 
Inschrift  steht).  -  K..G.  1,  d39--343. 


26  Achtes  Boch.     Zweites  Kapitel. 

Synode  von  Toledo  wurde  in  der  Earche  der  heiligen  ^Blartyrin"  Leo- 
c&dia  gehalten,  und  ebendort  die  folgenden  Synoden*).  —  Florez  möchte 
gegen  Ferreras  unsrer  Synode  den  Namen  eines  Nationalconcils  vindidren. 
—  Ich  halte  sie,  wie  gesagt,  für  eine  gelegentliche  kurze  Versammlung 
einer  zufälligen  Anzahl  von  Bischöfen,  die  aus  einem  anderweitigen  An- 
lass  sich  in  Toledo  eingefunden,  und  finde  eine  Bestätigung  darin,  dass 
diese  Synode  in  der  Sammlung  water  die  Concilien  von  Toledo  nicht 
eingereiht  ist 

§.   7.    Die  Synode  zu  Haesca  (Osca)  vom  J.  598 

8yBo4t  triigt  keine  Unterschriften,  und  steht  nur  in  dem  Codex  Aemilianensis'i. 
o^cm,  Alle  nicht  genannten  Bischöfe  traten  zusammen  in  dem  Concil  von  Osca, 
*•*'  und  beschlossen 

1)  Jeder  Bischof  soll  jährlich  alle  Aebte  der  Klöster,  alle  Priester 
und  Diakonen  seiner  Diöcese  am  geeigneten  Orte  versanuneln,  ihneB 
Vorschriften  des  Lebenswandels  und  der  Kirchenzucht  geben,  —  2)  und 
floU  genaue  AuiGsicht  über  den  Lebenswandel,  besonders  die  KeuschLcit 
und  den  guten  Leumund  derselben,  führen^). 

§.   8.    Die  Synode  2  von  Barcelona*)  vom  J.  599 


8yso4«  fand  statt  an  dem  vorgechriebenen  ersten  November,  im  14.  Jahre  des 
alte«.  Beccared.  Die  Bischöfe  der  Provinz  Tarraconensis  versammelten  sich  in 
'^*^;  Barcelona,  in  der  Kirche  des  heiligen  £j*euzes   [und  der  heiligen  Eola- 
lia^)].    Sie  beschlossen: 

1)  Die  Ordinationen  sollen  unentgeltlich  seyn. 

2)  Ebenso  die  Vertheilung  des  Chrisma  an  die  Presbyter,  für  die 
Firmung  (s.  dagegen  Synode  2,  c.  7  von  Sevilla). 

3)  Die  Bischöfe  dürfen  nur  nach  vorgängigem  allmäligen  Empfange 
der  verschiedenen  Weihen  ordinirt,  also  sollen  Laien  nicht  Bischöfe 
werden.  Klerus  und  Volk  soll  dem  Metropoliten  und  den  Mitbischr»feii 
zwei  oder  drei  Candidaten  vorstellen,  und,  nach  vorhergegangenen  Fasten 
der  Bischöfe,  soll  dos  Loos  entscheiden.  Sonst  verlieren  Weihende  und 
Geweihte  ihre  Stelle. 


/  / 


s<> 


»)  c/.  Aguirre,  t.  2,  416  (t.  3,  p,  304—5).       ITardum,  3,  535—36.  —  Mansi  10,  4 

—  Ferrertu,    2,  327  -  28.  -     Florez,  6,  156—60.  —     Brun$,    /,  219— 2ii. 
He/eU,  3,  55. 

*)  Die  Aechtbeit  wird  aber  verbürgt  durch  die  Synode  von  Egara  im  J.  614 
>)  Affuirre,  2,  417  (3,  306).  —  Uarduiriy  3,  535.  —    Mansi,  10,  479-82.  -   Coli"- 
Labbeo-Veneta,  6,  1338.—   Ferreras,  2,  328-29.  -    Tejada  y  Riimiro,  2,  699    J'"'- 

-  Bruns,  2,  65-66.  —     ffe/ele,  3,  55. 
*)  ».  K.-G.  2,  437-38. 

*)  K..G ,  1,  317-18. 


J.  8.    Synode  voa  BakwUoiMi^  St9.  2T 

4)  Wenn  eine  Jungfrau  frei-willig  den  Schleier  iiimmM),  und  be- 
ständige Keuschheit  gelobt ,  oder  «wean  Jemand  von  dem  Bischof  die 
Handeauflegung  der  Busse  übernimmt ,  der  soll,  im  Falle  seiner  Ver- 
beuratiimig,  derart  excommunicirt  werden ,  dass  er  auch  den  Trost  der 
Ansprache  nicht  mehr  erlange. 

Es  unterschrieben:  1)  AsiaticuSy  Bisdiof  der  MetropolhSanstadt  Tar-  üatg» 
raeo^,  weldier  nur  hier  erwähnt  wird|  und  der  ohne  Zweifel  Nachfbi-  i 
ger  des  Artemius  war ;  2)  ügnus  (sonst  ügnas) ,  Bisehof  von  Barcelona, 
dessen  aufrichtige  Bekehrung  vom  Arianismus  ihm  alle  Ehre  macht,  und  ' 
welcher,  da  er  schon  im  J.  689  unter  66  Bischöfian  als  der  älteste  unter- 
seichnet,  (wenn  ihm  nicht  ein  Ehrenrang  eingerilumt  wurde),  auch  hier 
om  so  mehr  als  der  älteste  suerst  unterseichnel*);  8)  Simplicius,  Bischfif 
Ton  Uigel,  dem  wir  schon  cwdmal  begegneten;  4)  Aquilinus  r^ 
Ausona,  ebenso^);  S)  Julian  von  D^rtosa,  ebenso*);  6)  7)  Ebense 
Mnmins  nm  Gahhorra;'und  8)  Galanus  von  Emporias;  9)  der  befcanntb 
Doppelbischof  Freiseins  von  Dertosa;  10)  Johannes,  von  Bidaro,  der 
sich  als  Sünder  von  G^runda  beseichnet^j;  11)  Maaumus,  Diener  der 
Kirche  von  Saragossa,  dem  wir  bis  jext  einmal  (doch  nicht  unbestreif^ 
bar)  b^^egneten');  12)  Amelius  yon  Lerida»  wohl  Nachfolger , des  Julii^ 
nus  Ton  692');  13)  endücfa  Uergius  von  Egara,  wdcber  im  J.  610  nodi 
Bischof  war^).  Von  den  jenseits  Saragossa  gelegenen  Bisthfimem  war 
nur  Calahorra  vertreten;  es  fehlen  die  Unterschriften  Ton  Ptenpeloi% 
Osca,  Tarrasona  und  Oca.  Es  ist  nicht  unwahrscheinlich ,  duss  Äe  vier 
abwesenden  Bischöfe  im  J«  696  ku  Huesea  anwesend  waren ,  tmd  (oder) 
sich  durch  ihre  weite  Entfernung  entschuldigt  glaubten. 

Die  gewandte,  selbst  merliche  Sprache  dBeser  Synode,  sowie  einige 
an  die  Chronik  des  Johannes  von  Biclaro  mahnende  Ausdrücke  legen 
die  Vermuthung  nahe,  dass  derselbe  das  Protokoll  der  Synode  von  599 
geführt  habe'^^). 


')  si  gtta  —  abjecta  laicali  vßsU,  deoolantm  more  induta. 

«)  Ibres,  25,  81-82, 

*)  Floreg,  29,  124-28,   Sein  Alter  erkl&rt  vielleicht  sein  Wegbleiben  von  der  Sy- 

node  ZQ  Saragossa  092,  nnd  den  Zusammentritt  der  Synode  von  599  gerade  -  in 

der  Stadt  Barcelona. 
*)  Florez,  28,  55-56  (B,  Vieh), 
»)  Fhrez- Bisco,  42,  83—84.  —  Julian  hatte  im  J.  589  nach,  im  J.  592  vor  Sim- 

plicins  nnterzeichnet 
•)  Ftarez'BüeOy  43,  49-58, 
»)  Florez-Bisco,  30,  138-40, 
^  Fhrez-Canal,  46,  103—4, 
•)  Florez-Bisco,  42,  191-^5. 
»•)  Ägwrt,  2,  418  (3,  306-9  -  Exearse  gegen  B,  Higuera).  —  Harduin,  3,  537—38, 

—  Ferreras,  2,  329-30.  -    CoOsct.  C.  Lahtm-Veneta,  6,  1339-40.  —   Mansi, 

10,  480—84.  —  Püjadss,  Coromea  wUoßnal  de  —  Cathaha^a,  1609,  Hb,  6,  cdp.  79, 


AehtM  Buch.     ZweitM  Kapitel. 

§.  9. 

WwMi        Wir  werden  uns  in  der  Annahme  nicht  irren,  dass  die  angeführten 
87110.  (Toncilien  von  Ö89  bis  699  eine  Folge  der  Verordnung  des   18.  Canon 
«M*  der  3.  Synode  von  Toledo  waren').  —    Die  schnellen  Franzosen  in  der 
'^^^  Provinz  Narbonne  hielten  ihre  Synode  zuerst,  und  früher,  als  der  Wort- 
^  laut  der  Verordong  rerlangte.    Zur  rechten  und  zur  gemessenen  Zeit 
^•▼iB>  hielt  Leander  von  Sevilla  seine  Synode.  Die  Tarraconenser  kamen  spä- 
ter, aber,   wie  auch  früher  in  Abhaltung  von  Synoden,  sie  übertrafen 
und  überflügelten  die  übrigen  Eirchenprovinzen.    Aber  wie  erklärt  sich 
die  auffidlende  Ehrscheinong,  .cUss  in  den  drei  übrigen  Provinzen  keine 
Synoden  stattfanden,  da  die  Versammlung  von  597  zu  Toledo  in  jedem 
Falle  keine   Provinaialsynode  war?    Dass  es  an  Eifer  und  an  gutem 
"Willeii  nicht  gefehlt,   dafttr  bürgt  allein  der  Name  des  ehrwürdigen 
Massona. 

Aber  sachliche  ffindemisse  standen  im  Wege.  Der  Ifetropolit  von 
Toledo  konnte  seine  Bischöfe  nicht  zusanmienrufen,  weil  er  bis  jezt  nur 
Metropolit  von  Carpetanien  gewesen  war  und  seine  Anerkennung  von 
der  ganzen  Provinz  noch  nicht  zu  erreichen  war.  —  Die  Metropoliten 
von  Lusitanien  und  Ghdizien  aber  lagen  im  Streite  über  die  Zugehörig- 
keit der  Bisthümer  Coimbra,  Egidania,  Lamego,  Viseo,  vielleicht  auch 
Abila  und  Salamanca,  ein  Streit,  der  erst  sehr  sp&t  unter  und  durch 
König  Receswinth  zu  Gunsten  von  Emerita,  wie  wir  glauben,  mit  Becht 
entschieden  wurde.  Denn  die  Auflösung  des  Suevenreiches  liess  diese 
Bisthümer  wieder  in  ihren  alten  Verband  mit  der  Provinz  Lusitanien 
zurückkehren.  So  aber,  und  vor  Ausgleich  des  Streites  fand  weder  in 
Galizien  noch  in  Lusitanien  eine  Synode  statt;  Massona  aber  musste 
sich  begnügen,  seinen  guten  Willen  durch  die  Versammlung  des  Jahres 
597  in  Toledo  zu  bekunden. 


—  Flarez,  29,  282-  84.  —     Tejada  y  Ramiro,  2,  690—^2,  —    JBniiM,  2,  66—67. 

—  a/eU,  8,  55—56. 

')  Anders  JBorofiiau  lom  J.  599,  nr.  23,  and  nach  ihm  Äguirrt, 


Drittes  Kapitel, 

Gregor  der  Grosso  im  Verkehre  mit  SpaiieE   Seile  LegtteB 

laselbst  htuitt  von  Sevilla;  seiB  Bnder  FilgeBtiiu  ud  seile 

Sdiwester  Ftorentina.  FlaviiB  Reeetredis  Piis. 

Am  3.  September  des  Jahres  690  wurde  Gr^gorius  L  als  Papst  oon- 
)ecrirt;  mehr  als  ein  Jahr  nach  der  dritten  Synode  Ton  Toledo.  —  & 
antwortete  dem  Leander  von  Sevilla  auf  einen  uns  nidit  erhaltenen  Brief 
im  Mai  691:  ^Gregor  dem  Leander  Bischof  von  Hispalis.*'  Ueberbür- 
long  mit  Arbeiten  tmd  Sorgen  haben  die  Antwort  yerzSgert  Er  redet  ^ 
Eiachlässig  den  an,  welchen  er  innig  liebt  Er  freut  sich  über  die  Be-  » 
kehrung  des  ruhmreichen  Königs  Beccared,  über  dessen  Qiarakter  und 
Wandel  Leander  ihm  geschrieben  hatte.  Leander  möge  ihn  femer  zxxta 
Guten  leiten.  Er  geht  über  zu  der  Frage  über  die  dreimalige  Unter- 
tauchung  bei  der  Taufe,  welche  Uebung  er  auf  die  drei  Tage  des  Be- 
gräbnisses Christi  zurückführt  Wolle  man  sie  von  den  drei  göttlichen 
Personen  ableiten ,  so  genüge  desswegen  auch  eine  üntertauchung  we- 
gen der  einen  göttlichen  Substanz.  Bei  dem  einen  Glauben  schaden  . 
verschiedene  Gebräuche  nicht.  Wenn  Eezer  dreimal  xmtertauchen ,  und  ) 
die  Gottheit  trennen,  so  empfehle  sich  in  Spanien  die  einmalige  ünter- 
tauchung*). Er  übersendet  ihm,  d^n  er  mehr  als  die  übrigen  liebt,  seine 
Homilien  zu  dem  Buche  Job,  genannt  Moralia,  welches  Werk  er  ihm 
gewidmet  hat  Das  Werk  aber  war  noch  nicht  Yollendet,  und  der  Trä- 
ger /der  Briefe .  und  Codices  hatte  Eile.  Er  sehe  den  Leander  immer 
gegenwärtig  vor  sich,  denn  sein  Bild  sei  eingedrückt  seinem  Herzen'). 
—  Isidor  von  Sevilla  erwähnt,  den  Brief  des  Leaiiders  an  Gregor, 
ohne  Näheres  darüber  mitzutheilen  (de  viris  illustr.  cp.  41  —  ad  Papam 
Gregorium  de  baptismo  unam). 


«)  c/.  Cancü,  4  ToleL  c.  6, 

')  Orej^om  epUiol,  1,  43,  ed.  BeMdkL  1705.  ^ 


I.  Mo- 

nilia. 


30  Achtes  Buch.     Drittes  Kapitel. 

j,Gregor  hat  (sagt  derselbe  Isidor  cp.  40),  auf  dringendes  Bitten  des 
Bischofs  Leander,  das  Buch  des  seh'gen  Job  in  mystischem  und  morali- 
schen Sinne  erläutert,  und  die  ganze  prophetische  Geschichte  in  35 
Büchern  im  reichen  Strome  der  Beredtsamkeit  erklärt.  Wie  viele  Ge- 
heimnisse der  Sakramente  darin  erschlossen,  wie  viele  Vorschriften  über 
die  Liebe  zum  ewigen  Leben  gegeben  werden  und  alles  dieses  in  dem 
grössten  Reichthume  der  Sprache,  das  wird  kein  Weiser  darstellen 
können,  auch  wenn  alle  seine  Glieder  in  Zungen  sich  verwandelten. 
Er  schrieb  auch  einige  Briefe  an  den  erwähnten  Leander,  von  denen 
einer  zu  den  Büchern  über  Job  die  Vorrede  bildet,  ein  anderer  handelt 
von  der  Untertauchung  bei  der  Taufe,  worin  er  u.  a.  sagt:  In  keiner 
Weise  kann  es  tadelnswerth  seyn,  das  Kind  bei  der  Taufe  zu  unter- 
tauchen, sei  es  einmal  oder  dreimal,  da  bei  der  dreifachen  die  Dreiheit 
der  Personen,  bei  der  einfachen  die  Einheit  der  Trinität  bezeichnet 
seyn  kann.* 
vomte  Der  Brief  oder  die  Vorrede  zu  den  Moralia  trägt  die  üebersehrift: 
^iT'dJüDei^  ehrwttrdigatan  and  heiligsten  Bruder,  dem  Mitbischofe  Leander, 
Gregorius,  Elnecht  der  Elnechte  Gottes.  Schon  seit  langem  habe  er  als 
Apocrifliarius  des  apostolischen  Stuhles  in  Constantinopel  ihn  kennen  ge- 
lernt, und  bei  ihm  über  sich  selbst  geklagt,  über  seine  sich  versö- 
giemde  Bekehrung  (aus  dem  Welt-  in  den  Ordensstand).  Er  habe  es 
nicdit  über  sich  gebracht,  sein  leibliches  Gewand  zu  ändern.  Endlich 
^  aei  er  in  den  sichern  Hafeo  des  Klosters  geflohen,  um  der  Welt  und 
4.  allem  Weltlichen,  wie  er  damals  geglaubt,  zu  entfliehen,  sei  aber,  un- 
ter dem  Vorwand  der  kirchlichen  Ordnung,  wieder  in  das  weite  Meer 
zurückgekehrt  Das  Priesterthum  und  zudem  die  Hirtensorge  sei  ihm 
auferlegt  worden.  Seine  Mitbrüder,  und  Leander  vor  allen,  hätten  in 
ihn  gedrungen,  das  Buch  des  Job  zu  erklären,  in  historischem,  allego- 
rischem und  moralischem  Sinne.  So  sei  das  Werk  in  35  Büchern  (volu- 
nUnaJy  und  sechs  Codices  (Theilen)  vollendet  worden.  Gicht,  Magen- 
schwäche und  Fieber  haben  ihn  stets  bedrängt  und  verhindert.  Selbst 
zerschlagen  habe  er  den  zerschlagenen  Job  erklärt.  Uebrigens  habe  er 
die  Aussprüche  des  göttlichen  Wortes  auch  nicht  durch  die  Regeln  des 
Donatus  binden  wollen.  Er  bediene  sich,  nach  der  Uebung  des  aposto- 
lischen Stuhles,  sowohl  der  alten  als  der  neuen  Bibelübersezung  (L  e. 
der  vetuB  Itala  und  der  Versio  des  Hieronymus)  ^). 
Brief  ■■  Im  Juli  des  J.  696  übersandte  Gregor  dem  Leander  seine  Bücher 
^vö»  "über  Job  und  seine  Pastoralregel ^).  Li  seinem  Herzen  könne  er  lesen, 
J.  fifffi.  ^^  ^^  i^  Gregor  liebe.    Weil  er  aber  den  weit  Entfernten  nicht 


')  Ortgor,  praefat.  in   Job,   sive   ^isL    ad  Leandrum    —    ccqnL  5 ap,  Agmrrt^ 

3,  287-91. 
«)  Qrtg.  «p.  5,  49.  —    Aguirre,  3,  287. 


Gregor  der  Grosse  im  Verkehre  mit  Spanien.  31 

lehen  könne ,  so  sendet  er  ihm  das  Buch  von  der  Hürtenregel;  das  er 
m  Anfange  seines  Pontificates  verfasste ,  und  die  schon  längst  geschrie- 
)enen  Bücher  über  Job,  durch  den  Priester  Probinus.  Jedoch  fehle  der 
Iritte  und  vierte  Theil,  weil  er  dieselben  an  Klöster  hinausgegeben^ 
Im  J.  649  oder  später  machte  Bischof  Tajo  von  Saragossa  eine  Reise 
lach  Rom,   um  die  fehlenden  Theile  der  „Moralia  zu  Job''  za  suchen.) 

Im  August  599  richtete  Gregor  drei  Briefe  nach  Spanien.    Er  ant-  Britf 
üTortet  auf  einen  Brief  Leanders,   der  den  Papst   und  alle  Anwesenden  jTm, 
gerührt  hatte.    Der  Papst  lehnt  das  ihm  gespendete  Lob  ab.    Die  welt-^^^ 
ichon  Anliegen  und  Arbeiten  hätten  sein  geistiges  Leben  sehr  gesclü^  ^^ 
ügt    Die  Gicht,  über  die  Leander  klagte ,  seze  auch  ihm  zu.    j^Zudem  ^**- 
tiaben  wir  aus  dem  Segen  des  seligen  Petrus,  des  Fürsten  der  Apostel, 
Euch  das  Pallium  übersendet,   das   nur  bei   der  Feier  der  hl.  Messe  zu 
gebrauchen  ist^^). 

Einen  langem  Brief  sandte  j,Gregorius  dem  Beccared,  dem  Könige  Bri«faa 
der  Westgothen.^  Durch  ihn  sei  das  ganze  Volk  der  Gothen  von  derrti.'m. 
Arianischen  Häresie  zu  der  Festigkeit  des  wahren  Glaubens  gefUhrt 
worden.  Stets  rede  er  vor  den  Seinigen  von  diesem  grossen  Werke; 
er  klage  sich  selbst  der  Trägheit  an,  da  er  nichts  Aehnliches  vollbracht. 
Seine  Geschenke  habe  der  selige  Petrus  mit  Freuden  angenommen. 
Wer  zuvor  so  viele  Seelen  gewonnen,  von  dem  nehme  er  auch  an  das 
Grold.  Die  früher  gesendeten  Aebte  —  seien,  nach  seinem  BerichtCi 
durch  das  ungestüme  Meer  zur  Bückkehr  ||^ch  Spanien  gezwungen  wor- 
len.  Aber  sie  seien  zum  zweiten  Mal  gesandt,  an  ihr  Ziel  gelangt.  Der 
erwähnte)  Priester  Probinus  habe  ihm  erzähjti  dass  Beocared  ein  Gesez 
n  Betreff  der  Juden  erlassen,  deren  Gold  ihn  nicht  vermocht  habe,  es 
surtickzunehmen.  Gott  müsse  man  nun  für  Alles  preisen,  aber  den 
Nachstellungen  des  alten  Feindes  durch  Demuth,  Reinigkeit  und  Sanft- 
nuth  entgegentreten.  Er  sendet  ihm  Reliquien,  ein  Stück  von  der  Hals- 
kette des  Petrus  vor  seinem  MartyriauL  Ein  Elreuz  gebe  er  dem  Ueber- 
>ringer,  worin  eine  Partikel  vom  Kreuze  Christi  sich  befinde,  Haare 
T^on  Johannes  dem  Täufer,  .damit  er  durch  seine  Fürsprache  stets  der 
Elilfe  Christi  sich  getröste.  „Unserm  ehrwürdigen  Bruder  und  Mitbischofe 
Leander  aber  übersenden  wir  das  Pallium  vom  Size  (Grabe)  des  seligen 
Apostels  Petrus,  was  wir  dem  alten  Gebrauche  (wohl  Hinweisung  auf 
las  Vicariat  von  Sevilla),  eurer  Person,  und  seiner  Güte  und  Würde 
scnuldig  sind'^^j.  —    In  einem  Anhange  wird  von  dem  Vertrage  zwi- 


*)  JEpisL  9,  121,    Die  drei  vorstehenden  Briefe   (mit  Ansnahme  der  Vorrede  za 

Job)  stehen  aueh  in  der  CoUeeih  canonum  Hispana, 
*)  antiquae  consu€tudmi  —  erklärt  C,  Cenm  (2,  220  sq.):  unserer  alten  Freandschaft 
mit  ihm ;  Fhrex  versteht  darunter  (0, 189—91)  den  alten  Gebrauch  der  römi- 
'  sehen  Kirche* 


32  Achtes  Bnch.     Drittes  Kapitel. 

sehen  Spanien  nnd  dem  Kaiser  Justinian  gehandelt,  von  dem  Receared 
vergebens  eine  Abschrift  durch  Verwendung  Gregorys  wünschte ,  welcher 
ihm  noch  eine  andere  Reliquie  vom  Leibe  des  Apostels  Petrus  sendet 
Dieser  wahrhaft  königliche  Brief  ist  auch  in  formeller  Beziehung  ausge- 
zeichnet geschrieben'), 
an  dea         An  den  berühmten  Herzog  Claudius^    den  glücklichen  Feldherrs 
cuo-  Receared^  schreibt  Gregor^),  dass  sein  Ruhm  vom  Abendlande  bis  nach 
f,^   Rom  gedrungen.    Er  rühmt  seine  Treue  gegen  den  König ,  und  mahnt 
ihn  zu  allem  Guten.    Er  empfiehlt  ihm  seinen  geliebten  Sohn  CjriacuS} 
den  Vater  (Abt)  unsers  Klosters ^  dass  er,  nach  vollzogenen  Aufträgen, 
ungehindert  zurückkehren  möge'). 

Nach  dem  Tode  des  verdienten  Bischofs  Severus  von  Malaga  c  601 
(K.-G.^  2,  419)  wurde  Januarius  zum  Bischöfe  gewählt.   Er  wurde  aber 
durch   andere  Bischöfe  ungerecht  verdrängt,  und  auf  Betreiben    einee 
Mächtigen  9  Namens  Comitiolus,  ihm  ein  Gegenbischof  gesezt —    Dar- 
Dcr  De.  über  hatte  Januarius  bei  dem  Papst  Klage  geftihrt    Dieser  sandte  zur 
johM.  Untersuchung  seinen  Defensor  Johannes  an  Ort  und  Stelle  mit   einem 
■aVh  Conmionitorium  über  sein  Vorfahren  (^Gregor  an  den  Defensor  Johannes, 
^  der  im  Namen  Gottes  nach  Spanien  gcht^).  Er  solle  den  Januarius  ver- 
nehmen, wie  die  Gegner.   Die  Bischöfe,  die  ihn  geweiht,  seien  im  Falle 
ihrer  Schuld  sechs  Monate  einzuschliessen,    und  zur  Pönitenz    in  ein 
Kloster  zu  verweisen.    Sterben  sie  inzwischen,   so  sei  ihnen  der  Segen 
der  Wegzehrung  nicht  zu  entziehen.    Bringen  sie  Gründe  ihrer  Ent- 
schuldigung, etwa  Drohung  oder  Gewalt,  vor,  so  sei  die  Busse  zu  mil- 
dem. —    Der  Eindringling  sei  dem  Januarius  zu  übergeben,    der  ihn 
entweder  in  Haft  behalten,  oder  an  den  Papst  senden  möge.    „Der  glo- 
riose (gloriosus)  Comitiolus'^    aber  müsse  dem  Januarius  allen  erlittenen 
Schaden  ersezen. 

Femer  soll  er  die  Klagen  eines  nicht  genannten  Priesters  unter- 
suchen, und  wenn  er  im  Rechte  sei,  ihn  ungesäumt  wieder  einsezen. 
Dieser  scheint  mit  und  wegen  Januarius  verbannt  worden  zu  seyn. 

Der  dritte  Auftrag  betrifit  einen  Bischof  Stephanus.  Er  hatte  sich 
beschwert,  dass  er  ungerecht  verurtheilt  worden.  Den  Prozess  gegen 
ihn  müsse  Johannes  prüfen,  u.  a.  ob  Ankläger  und  Zeugen  nicht  die- 
selben gewesen,  dann  ob  die  Schuld  Absezung  oder  Verbannung  ver- 
dient, ob  er  freie  Vertheidigung  gehabt,  ob  die  Zeugen  glaubwürdig  seien 


*)  «p,  9f  122,  —  Hincmar  sandte  diesen  Brief  an  Karl  den  Kahlen  als  ein  eines 
solchen  Königs  würdiges  Denkmal,  mit  einem  Commentar.  —  Mansif  10,  2f)0. 
—     BcUuz,  3ii$eeü.,  2,  12,  —     Coü.  can.  Hi^ana,  qp.  C. 

*)  K.  2,  491. 

•)  ^,  9,  120,  —  Die  vorstehenden  Briefe  s.  auch  bei  Agwrrt,  3,  292'-'97.  —  Der 
leztere  Brief,  sowie  die  noch  folgenden,  stehen  nicht  in  der  ColUcüo  can,  Eü- 
pcna;  denn  sie  haben  keine  Beziehung  zu  der  spanischen  Kirche. 


Gregor  der  Groste  im  Verkehre  mit  Spanien.  83 

.  8.  w.  Wenn  an  dem  Gerichtsverfaliren  etwas  fehle,  so  sei  Stephanus 
rieder  dnzusezen,  seine  Ankläger  aber  sollen  ausgeschlossen,  und  zur 
lusse  sechs  Monate  in  ein  Kloster  eingeschlossen  werden  (das  Viaticum 
rie  oben).  Der  Eindringling  solle  behandelt  werden,  wie  vorher  in 
betreff  des  Eindringlings  zu  Malaga  gesagt  wurde;  ebenso  die  weihen- 
en  Bischöfe.  Ist  der  Eindringling  indess  gestorben,  und  ihm  ein  Nach- 
>lg6r  gewählt,  so  werde  er  zwar,  wie  vorher  bei  Malaga  bestimmt 
rorden ,  nicht  Bischof  dieser ,  wohl  aber  einer  andern  Stadt ,  wenn  er 
nders  canonisch  gewählt  wird.  —  Finden  sich  einige  Klagen  gegen 
itephanus  begründet,  andere  ohne  Grund,  so  müsse  Johannes  fragen, 
b  jenes  die  leichtem  oder  schwerem  seien.  Ebenso  müsse  der  „gloriose 
!)omitiolu8^  dem  Beschädigten  Genüge  leisten.  Sei  Stephanus  mit  Recht 
bgesezt,  so  bleibe  das  Urtheil  bestehen,  und  was  inmier  dadurch  die 
Cirche  Schaden  gelitten,  das  müsse  ihr  ersezt  werden.  Wenn  aber, 
vie  man  sage,  Gomitiolus  gestorben,  so  müssen  seine  Erben  für  ihn 
unstchen '). 

Eine  zweite  Denkschrift  an  Johannes  heisst  CqpituUtre  II  legum  im^ 
nritüium,  für  die  Immunität  der  Cleriker.  Mit  Anführung  der  Geseze 
1er  römischen  Kaiser  wird  näher  gezeigt,  wie  Johannes  in  obigen  Klag- 
aachen verfahren  solle.  Das  Unrecht  gegen  Januarius  sei  um  so  grösser, 
weil  er  mit  Gewalt  aus  seiner  Kirche  weggezogen  worden,  was  nach 
den  Gcsezen  den  Tod  verwirke.  —  Bischof  Stephanus  aber  habe  weder 
gegen  seinen  Willen  vor  Gericht  gezogen,  noch  vor  Bischöfen  einer 
andern  Synode  (aUmi  eoncilii)  gerichtet  werden  dürfen.  Sage  man,  dass 
derselbe  weder  einen  Metropoliten  noch  Patriarchen  habe,  so  wäre,  nach 
dem  Verlangen  des  Stephanus,  die  Sache  an  den  apostolischen  Stuhl 
zu  bringen  gewesen.  Das  Urtheil  der  unberechtigten  Bischöfe  sei  for- 
mell ungiltig.  —  Seine  Sklaven ,  die  ihn  verklagt,  seien  nach  dem  G^ 
>ez  hiezu  unfähig.  Sei  er  eines  Majestätsverbrechens  beschuldigt,  so 
müsse  sein  Leben  und  sein  früherer  Ruf  hiebei  berücksichtigt  werden. 
IcdenfiEÜls  haben  gemeine  Zeugen,  die  in  seiner  Abwesenheit  gegen  ihn 
sprachen,  kein  Gewicht  Da  der  Verklagte  nicht  habe  antworten  kön- 
len,  so  sei  die  Entscheidung  nicht  giltig;  ungiltig  auch  dadurch,  dass 
lie  Entscheidung  nicht  schriftlich  abgegeben  worden. 

Der  dritte  Brief,  welcher  dem  Defensor  Johannes  mitgegeben  wurde, 
betrifft  die  schon  erwähnten  Mönche  in  Oaprera  (Capricanae  insulae), 
iiner  kleinen  Insel  südlich  von  Majorka,  welche  noch  heute  Isla  Cabrera 
^eisst.    Er  sollte  sie  zurechtweisen  und  zurechtführen  [K.-G.,  2,  188^)]. 

Dass  die  Spanier  u.  a.  aus  dieser  Thatsache  die  kirdhliche  Zugehörig- 


I)  Greg,  epitt  L  13,  q),  45  ßeu  Capitulare  primum  ad  Jocamtm  defenaorem.  —    Aj/uirre, 

3,  297—99.  —    Mann,  10,  372;  376,  — 
»)  ep.  13,  46,  —    Äguirre,  3,  301—2.    Mami,  10,  375, 

QtODäf  ipan.  Kirche.   II,  2.  3 


34  Achtes  Bach.     Drittes  Kapitel. 

keit  der  Balearen  zu  Spanien  schliessen  wollen,  begreifen  wir  eher,  als 
dass  P.  Martini,  der  Ver&sser  der  Kirchengeschicbte  von  Sardinien, 
derselben  Ansicht  ist*).  —  Vielmehr  gehörten  die  Balearen  seit  dem 
Sturze  des  Vandalenreiches  zu  dem  römischen  Reiche,  und  zu  der  Eir- 
chenprovinz  von  Caghm.  -  Wenn  die  Griechen  damals  noch  im  Be- 
size  von  Städten  in  Spanien,  wie  Malaga  und  Carthagena,  waren,  so 
waren  sie  um  so  mehr  im  Besize  der  Balearen,  wenn  auch  die  Spanier 
vielleicht  um  diese  Zeit  im  Besize  einer  Flotte  waren.  Es  ist  allbekannt, 
dass  päpstliche  Legaten,  welche  in  fernere  Länder  reisten,  stets  auch 
Aufträge  für  die  Gegenden  erhielten,  welche  sie  durchreisten,  z.  6. 
Grregor*s  I.  Gesandte  nach  England  Aufträge  für  Gallien.  Was  in  der 
Natur  der  Sache  liegt,  wird  sich  immer  wiederholen. 


§.  2.    Die  Bischöfe  Januarius  von  Malaga  und  Stephanus  im 

Gebiete  der  Griechen. 

Damit  schliessen  die  Briefe  und  der  Verkehr  Gregorys  mit  Spanien. 
Aber  ein  Aktenstück  ist  uns  erhalten,  die  Entscheidung  der  Angelegen- 
heit des  Bischofis  Januarius  durch  den  Defensor  Johannes.    „Im  Namen 
des  Herrn;  unter  diesem  Kaiser,   an  diesem  Tage,  und  in  dieser  Indic- 
tion.^  In  welcher?  wird  nicht  gesagt  Der  Kaiser  allein  aber  ist  erwähnt 
-   2u  dessen  Gebiete  Malacca  damals  noch  gehörte.    Die  gegnerischen  Bi- 
schöfe werden  nur  „jene  und  jene^  genannt,  deren  Kleriker  mit  den 
Leuten  des  „gloriosen  Comitiolus''  den  Januarius  mit  Gewalt  aus  seiner 
Kirche  gezogen  hätten.   Nach  vielen  gegenseitigen  Beschuldigungen  ver- 
Jaanii-  langten  beide  Partheien  die  Entscheidung  des  Johannes.    Er  fand ,  dass 
"von    Januarius  nichts  begangen ,    was  Verbannung  und  Absezung    verdient, 
*•■*■*"•  sondern  dass   er  mit  Gewalt  seiner  Kirche    entrissen  worden.     Er  sehe 
ab  von  den  strengen  Gesezen    gegen    solches  Verfahren,    erkläre  da? 
Geschehene  für  null  und  nichtig,  verurtheile  „jene  und  jene  Bischöfe, 
die,    mit  Hintansezung   der  Priesterwürde,    ungerecht   und   gegen  die 
Furcht  Gottes  ihren  Mitbruder  geschädigt  und  verurtheilt,  zur  zeitweiligen 
Bussübung   in   einem  Kloster^).    Der  Eindringling  in  das  Bisthum  soll 
seine  Würde  und  jede   kirchliche  Stelle  verlieren,  auch  nicht  zu  dem 
Amte,  das  er  vorher  unwürdig  geführt,  zurückkehren.    Januarius  aber 
solle  in  allen  Ehren  und  B.echten  Bischof  von  Malacca  seyn.  —  In  die 


•j  Maitini  P,,  Storia  eccUsiastica  di  Sardegna,  3  L  1839— 40  y  1,  82,  95. 

*)  Sententia  Joannis  de/ensoria,  epiat.  Greg,  13,  i5  —  nr,  3,  —     Aguirrt,  3,  3(ß'J. 

FhrtM,  12,  321  —  327.     (Del  obispo  Januario,    €H   que  §e  habla  de  muu  Cartas  ^ 

Smi  Gregorio,) 


Die  Bischöfe  Januarius  von  Malaga  and  Stephanus  im  Gebiete  der  Griechen.   35 

sem  ürtheile  steht  nichts  von  dem  oben  erwähnten  Priester  von  Malacca. 
Eis  ist  aber  anzunehmen,  dass  er  mit  seinem  Bischöfe  restitnirt  worden  ^). 
lieber  die  Angelegenheit  des  Januarius  imd  Stephanus  sagt  der  sonst 
so  beredte  Aguirre  kein  Wort.  Auch  seine  Nachfolger  haben  geschwie- 
gen. Florez  sagt,  er  besize  eine  Abhandlung,  die  beweisen  wolle,  dass 
obige  Aktenstücke  unächt  seien,  und  auch  er  neige  sich  zu  dieser  An- 
sicht, ohne  dass  er  die  zu  Grunde  liegenden  Thatsachen  leugnen  wolle. 
Denn  zu  Carthagena  fand  man  eine  Inschrift,  welche  den  mehrgenann- 
ten „gloriosen  Comitiolus^  bis  zu  den  Sternen  erhebt: 

Quisquü  ardua  iurrium  mirarü  eulmina 

Vesttbulumqtte  urbi»  duplid  porta  firmaium 

Dextra  Uvaque  binos  poritos  areos 

QttU),  tuperum  ponüur  eamera  curia  ecnvexaque 

GoiriflollS  sie  Juue  fien  jusrit  PaMdut 

Missus  a  Mawrido  Augusto  contra  hatte  barbaro  (sicl  sc.  die  Spanier) 

Magnu»  virtute  magister  miL  Spaniae 

Sic  nemper  Spania  tali  rectare  laetetur 

Dum  poli  rotantur  dumg.  aol  eireuit  orbem 

Ann.  VllI  Aug.  Ind.  VIII  [d.  i.  J.  589  vor  dem  13.  Aug.«)]. 

Kaiser  Mauritius  (582  bis  602)  also  sandte  den  Patridus  Comitiolus 
als  seinen  „Magister  miliüae^  nach  Spanien,  der  gewöhnlich  in  Cartha- 
gena residirte,  gegen  die  Barbaren,  d.  i.  damals  noch  arianischen  Gothen. 
Florez  giebt  auch  zu,  dass  Januarius  seinen  Recurs  nur  an  den  Papst 
nehmen  konnte,  da  ohnedem  Licinian  von  Carthagena  wohl  schon  in  Con- 
stantinopel  gestorben  war.  —  Was  aber  Florez  g^^  die  Aechtheit  der 
Sentenz  des  Defensor  Johannes  vorbringt,  ist  filr  mich  nicht  überzeu- 
gend.    Er  streitet  mit  'sogenannten  Annem  Gründen  der  VnächtheU. 

Wer  war  Bischof  Stephanus?  Gregor  scheint  seinen  Siz  nicht  zuBi»cbof 
nennen,  aus  schonender  Rücksicht  gegen  ihn,  weil  seine  Sache  bedenk- ^!!]^.^ 
lieber  war;  er  war  beschuldigt,  das  Eirchengut  an  sich  gezogen,  und 
die  Majestät  verlezt  zu  haben.  Unter  lezterm  dürfte  eine  Hinneigung 
zu  dem  Reiche  der  Gothen  zu  verstehen  sejn.  Wie  der  Papst  aus  Scho- 
nung die  Bischöfe  nicht  nennt,  die  ihn  und  den  Januarius  abgesezt,  so 
nennt  er  wohl  aus  Schonung  seinen  Siz  nicht  Da  über  ihn  kein  Akten- 
stück vorhanden,  so  ist  anzunehmen,  dass  er  nicht  unschuldig  erfunden 
wurde.     Die  Briefe  und  Aufträge  Gregors   an  Johannes,    die  Florez 


')  Der  berüchtigte  Valentin  Ortigosa,  Eindringling  in   das  Bisthnm  Malaga  im 
.    J.  1836  flg.,   scheint  seinen  Vorgänger  vom  J.  606  flg.   copirt  za  haben  —  s. 

QamM^  E.-G.   des   neunzehnten  Jahrhunderia ,    Bd.  8,  (1856),   8.156,   158, 

164,  166. 
*)  FhreZf  5,  €1. 

3* 


36  Achtes  Bach.     Drittes  Kapitel. 

unwürdig  der  Würde,  des  Stiles  und  der  Weisheit  des  grossen  Mannes 
zu  seyn  scheinen ,  scheinen  mir  seiner  ganz  würdigt). 

Im  J.  589  werden  zwar  zwei  (resp.  drei)   spanische  Bischöfe  dieses 
Namens  genannt:  Stephan  von  Turiasso  (589  und  592) ,   Stephan   von 
TarracOy   wenn  die  Unterschrift  acht   ist,  und  Stephan   von  Elvira  im 
J.  589  und  590.  Leztem  nennt  Ferreras  ohne  Weiteres  als  den  in  Frage 
stehenden  Bischof  Stephanus^).    Allein  Stephanus  war   schon  im  J.  590 
nach  der  Rangordnung  der  zu  Sevilla  unterzeichneten  Bischöfe  alt,  und 
hat  schwerlich   bis   zum  J.  603  gelebt     (Florez  sezt  seinen  Tod  in  den 
Januar  594).     Vor  allem  aber,  Elvira  war  nicht  in  der  Hand  der  Grie- 
chen.   Die  in  ihrer  Gewalt  stehenden  Bisthümer   lassen    sich  aus  den 
fehlenden  Unterschriften  der  Concilien  von  589  und  590  entnehmen;  es 
fehlten  die  Bischöfe:  1)  von  Carthagena  und  2)  Malaga,    wie  oben  gt- 
sagt^j;    3)  von  Asidonia;    4)  von  Urci;    vielleicht  auch  von  Uici,  Dia- 
nium,  Saetabis.  —    Meine  Vermuthung  neigt  sich   zu  Asidonia,   mehr 
noch   zu  Urci.    Bischof  Stephanus  war   ohne  Metropoliten.    Nicht  zu- 
stehende Bischöfe  hatten  ihn  ungehört  verurtheilt    Diess  sind  wohl  die- 
selben Bischöfci  die  den  Januarius  verdrängt  haben.   Zu  solchem  Werke 
gaben  sich  gewiss  spanische  Bischöfe  nicht  her ;  die  Anklage  gegen  Ste- 
phanus scheint  eben  Hinneigung  zu  den  Spaniern  gewesen    zu  seyn. 
Licinian  von  Carthagena   war  entfernt    oder  schon  todt    So    Uegt  es 
nicht  ferne,   an  Bischöfe  auf  den  Inseln  des  Mittelmeeres   zu  denken, 
u.  a.  an  einen  Vincentius  von  Iviza,   oder  auch  an  Bischöfe  des  gegen- 
ttberliegenden  Mauritania  Caesariensis ;  man  weiss  ja  aus  der  Geschichte 
des  Donatisten,  wie  die  afrikanischen  Bischöfe  dem  Gelde  und  der  G^ 
walt  oder  Drohung  wichen;    und  besser  stand  -es  nicht  im  J.  600,  als 
im  J.  305. 
Der  Pa-         Als  Anstifter  solcher  Gewaltakte  erscheint  der  herrsch  -   und  hab- 
^^^  sfichtige  Patricius  Comitiolus ;  ihn  hatte  Mauritius  dem  Hermencgild  zum 
tioini.  3chuze  in   dieses  Land  gesendet.    Er  war  es  wohl,    der  um  dreissig-  j 
tausend  Solidi,    die  ihm  Leovigild  bot,   den  Hermenegild  verrieth*).  —  I 
Er  war  es  wohl,  der  den  Licinian  von  Carthagena  beseitigte,    der  nach 
dem  Tode  des  Severus  den  rechtmässigen  Bischof  Januarius  verdrängte, 
wohl  weil  er  seiner  Geldgier  nicht  fröhnte,  der  den  Bischof  Stephanus, 
welcher  nicht  ohne  Schuld  seyn  mochte,  aus  ähnlichen  Gründen  durdi 
gefügige  Bischöfe  absezen  liess.  —     Er  scheint  zwischen  601  und  6(6 
gestorben  zu  seyn. 


i 


1 


>)  Florez,  12,  327,  — -    Die  Sententia  des  Johannes  ist  durch  die  glaub  würdigsten 

Handschriften  verbürgt. 
»)  Ferreras,  2,  322^^38;  332S3. 
»)  K-G.  2,  (2),  16. 
*)  Gregor  Tur,  5 ,  39  —  IIU  datU  —  praefecto  imperatorit  triginta  miÜbu»  eoHdomm  etc. 

—  Lembh$,  71,  —    Johannes  BicL  und  Indor  sagen  nichts  davon. 


Leander  von  Seyilla.  37 


§.   3.    Leander  von  Sevilla 

•■I  ' 

Die  Zeugen  über  ihn  sind  Gregor  I,  sein  Bruder  Isidor,  Johann 
Ton  Qeronda,  Lieinian  von  Carthagena  und  die  beiden  Concilien  von 
389  und  690.  Die  Naehricbten  über  ihn  sind  so  spSrlich  und  unzusammen- 
hängend ^  dass  man  keine  Lebensgeschichte  Leanders  schreiben  kann. 

Er  war  der  Sohn  des  Severian  aus  der  Provinz  Carthaginensis.  Es 
ist  gewöhnliche  Annahme,  dass  CSarthagena  selbst  seine  Vaterstadt  war. 
Von  hier  aber  wanderte  die  Familie  aus,  aus  unbekannten  Gründen. 
In  Folge  der  Auswanderung  oder  Vwbannung  liess  sich  Leander  in  Sevilla 
nieder,  und  lebte  lange  als  Mönch.  Als  solcher  wurde  wErzbischof  von  Se- 
villa und  vielleicht  Nachfolger  des  Stephanus  II  (K.-G.  2,  418),  wohl 
vor  dem  J.  579.  —  Ln  J.  679  schlug  Hermenegild  seinen  Siz  in  Sevilla 
auf,  den  Leander  zur  Kirche  führte  oder  zurückführte.  ;    .  * 

Bald  darauf  finden  wir  den  Leander  in  Gonstantinopel ;  nach  Isidor 
war  es  eine  Verbannung^),  nach  Qregor  (praef.  in  Job)  ^eine  für  die 
Angelegenheiten  des  Glaubens  der  Gothen  übemonrniene  Gesandtschaft^ 
Beide  Ansichten  lassen  sich  ohne  Mühe  vereinigen;  Leander  kann  es 
für  das  Beste  gefunden  haben,  freiwillig  Spanien  zu  verlassen,  er  kann 
mit  Aufträgen  aus  Spanien  gegangoB^  und  dennoch  konnte  es  eine  Ver- 
bannung seyn,  weil  ex  obae  QeUbgt  in  dieser  Zeit  nicht  zurückkehren 
konnte.  Er  mochte  wohl  die  Smpömng  H^menegilds  nicht  billigen, 
konnte  und  wollte  aber  auch  nicht  auf  die  Seite  des<  Verfolgers  treten. 
[)och  möchte  ich  die  Ansicht  des  Florez  nicht  theUen,  dass  er  mit  Hilfe 
ter  Gtriechen  in  Spanien  ein  katholisches  Reich  herstellen  wollte.  Hier 
vorde  er  befreundet  mit  Gregor  dem  Grossen.  Dort  verfasste  er  einige 
idiriflen.  Die  Zeit  seiner  Bückkehr  ist  nicht  bekannt^).  —  Dass  Leo« 
igild  sterbend  seinen  Sohn  Reccared  ihm  empfohlen  habe,  dass  er  an 
[iin  wie  an  Hermenegild  thue,  scheint  mir  nicht  beglaubigt  genug.  Zu 
["oledo  war  Leander  im  J.  589  Haupt  und  Seele  der  Synode  (K.-G.  2, 8). 
Ke  weiteren  Thatsachen  aus  seinem  Leben  sind  früher  ang^eben. 

Die  dem  Leander  durch  üebersendung  des  Palliums  zu  Theil  ge-    d«« 
wordene  Ehre  war  so  einzig,  dass  der  oder  die  Sanmiler  der  alten  spa-  ^ond"* 
ischen  Canones  die  betreffende  Stelle  sowohl  aus  dem  Briefe  Gregors  ^'/j"* 
n  Leander  als  auch  an  Reccared  wegliessen^).  Denn  in  Toledo,  wo  die^**8f<>' 
Sammlung  entstand,  fürchtete  man  daraus  Nachtheil  für  die  eigne  Macht-   der. 
tellung.    Damals  wurde  das  Pallium  nicht  den  Metropoliten  überhaupt, 
ondern  nur  denen  zugesandt,   die  durch  besondere  Verdienste  hervor- 


■)  Isuhr  qt,  41  de  vir,  UUuir.  —  m  exäü  md  pereffrmatione, 
*)  «p.  Grtff.  /,  45.  —     5,  45,  —    praef,  m  Maral  cp.  1, 

*)  Florez^  9,  188  —  96  del  paUo  ~    Etita  earta  estuvo  inserta  en  la  Coleceüm   antiffua 
dt  luiMlrM  Cw¥mUf  »aeando  d$  eHa  h  mmioria  de  h  que  tooa  al  PaHo, 


38  Achtes  Bach.     Drittes  Kapitel. 

ragten.—  Vor  Leander  und  mehrere  Jahrhunderte  nach  ihm  erhielt  kein 
spanischer  Bischof  das  Pallium.  Im  sechsten  Jahrhundert  hatte  diesseits 
der  Alpen  nur  der  Bischof  von  Arles  dasselbe  erhalten.  Ob  in  die 
Uebersendung  des  Palliums  eine  Erhöhung  für  die  Kirche  von  Sevilla 
eingeschlossen  war,  kann  man  an  sich  eben  so  bejahen  als  verneinen. 
Gregor  I.  hat  sich  nicht  deutlich  genug  ausgesprochen.  Wäre  diess  auch 
seine  Absicht  gewesen ,  so  hätte  dennoch  Sevilla  im  siebqiten  Jahrhun- 
dert vor  dem  Stuhle  von  Toledo  zurücktreten  müssen.  —  Im  siebenten 
Jahrhundert  war  kein  starker  Verkehr  Spaniens  mit  Rom;  derselbe  tritt 
nur  in  zwei  Fällen  entschieden  hervor');  in  der  Sendung  des  Tajo  von 
Saragossa  nach  Rom,  und  in  der  uebersendung  der  Akten  der  sechsten 
Synode  durch  Leo  11,  683.  —  Aus  diesem  Umstände  leiten  Cenni^) 
und  Florez  es  her,  dass  kein  Papst  des  siebenten  Jahrhunderts  dss 
Pallium  nach  Spanien  sendete.  —  In  Spanien  selbst  habe  man  das- 
selbe nicht  als  Zeichen  der  Macht,  sondern  als  einfaches  Geschenk  der 
Ehre  angesehen,  denn  in  dem  Codex  veterum  canonumy  oder  der  syste- 
matischen Zusammenstellung  des  alten  Kirchenrechts  sei  desselben  in 
Hb.  10,  t,  7  —  de  mta%erä>ta  missts,  statt  in  L  i,  ep,  51  —  de  eommima 
viee  apoMfieae  sedia  —  Erwähnung  gethan^).  —  Ob  das  Pallium  selbst 
ein  Zeichen  der  Ehre  oder  der  Macht,  (d.  i.  des  Vicariats  über  Spanien) 
war,  ist  streitig*).  Florez  trennt  das  Pallium  von  dem  Vicariat,  in  Hin- 
sicht auf  den  Brief  de^  Vigilius  an  Bischof  Auxanius  von  Arles 
(v.  18.  Oct  543) :  „Digna  eredkntts  raUone  eompleri,  tU  agenH  vieee  noeUio 
PalUi  nan  deeit  omatuB^^^),  Daraus  erhelle,  dass  man  das  Vicariat  des 
Papstes  ohne  das  Pallium  haben  könne.  Dasselbe  treffe  bei  den  Bischö- 
fen Zeno  und  Sallustius  von  Sevilla  zu.  —  Der  Bischof  von  Mesaioa 
habe  das  Pallium  von  Gregor  I.  erhalten,  während  der  Bischof  Maximi^ 
von  Syracus  über  alle  Kirchen  Siciliens  gestellt  gewesen.  Aber  die 
Worte  Gregor's  I.  in  dem  Briefe  an  Augustin  von  Canterbury  (ep.  II, 
64  ed.  Maur.J:  „In  GcUliarum  episcopos  nuUam  tibi  auctoritatem  tribuimus, 
qiäa  ab   antiquii  praedeeessorum    meorum  temporibue  FAillUi   ArelaUm 


')  Man  unterscheide  zwischen  lebhaftem  Verkehr  mit  Rom,  und  der  lebhafleo 
Anhänglichkeit  an  Rom  —  s.  oben,  S.  1. 

^)  Cennif  l.  c.  dUs.  5,  cp,  1  —  de  sacri  pallii  antiqua  et  nova  dücipUna;  de  pclk 
misso  ad  S,  Leandrum  Hispalensem  a  S.  Gregorio  M.,  2,  211  —  230  —  231  -  2^\ 
--271. 

»)  Florez,  9,  193. 

*)  Dagegen  —  Noris  —  Lib.  i,  20  Rist.  Pelag;  —  auf  die  Macht  beziehen  es  Afarw, 
de  Concardia  —  15,  25,  29.  Üb.  6,  cp.7.  —  Van  Espen,  jus  eccL  P.  /,  tit.  / ' 
c.  5,  nr,  1.  —  Thomassin.,  P.  1 ,  L.  2,  c.  54  —  de  pallio  Laiinorum  per  8  priori 
saecula.  —  nr.  8  —  una  cum  paüio  archiepiscopis  Arelatensi,  HitpateMt,  Cantuarfftsi 
et  Moguntino   Vicariatum  vel  Legationem  apostolicatn  —  pont\ßces  eontulere. 

*)  Vigilü  ^isU  (oUm  6)  ad  Auxanium. 


{ 


I 


Leander  yon  Sevilla.  39 

Episeoput  aeeepUj  quem  no$  piioare  auetorUaie  pereepta  mMme  debermu^j 
zeigen  doch,  dass  in  dem  Sinne  Gregorys  Pallium  nnd  Vicariat  zusam- 
menfidlen.  Umsonst  sagt  Florez,  mamhabe  sich  je  nach  den  besondem 
OmstSnden  zu  richten,  ob  der  EbnpftLnger  des  Pidlinm  schon  früher  das 
Vicariat  gehabt  oder  nicht  —  Auch  der  Bischof  Ton  Corinth  habe  das- 
selbe gewöhnlich  erhalten ,  ohne  Vicar  des  Papstes  zu  seyn*).  Solcher 
Hit  sei  das  Pailinm  des  Leander  gewesen,  denn  der  Papst  erwähne 
[lichts  von  der  Uebertragahg  des  Vicariats  an  ihn. 

Ich  argomentire  anders.  Das  erste  Pailinm,  das  geschichtlich  vor- 
kommt ,  übersendet  Papst  Symmachns  r—  an  Bischof  Theodor  von  Lau- 
reacum  [Lorch^)].  Derselbe  Papst  übersendet  das  Pallium  an  den  Vica- 
jus  Gäsarius  von  Arles,  was  wir  aber  keineswegs  aus  einem  Briefe  des 
Sjmmachus,  sondern  aus  einexn  weitem  Briefe  des  Papstes  Vigilius  an 
iuxanius,  den  Nachfolger  des  Gäsarius  Ton  Arles,  und  aus  derLebens- 
^chichte  des  Leztem  erfahren').  —  Es  war  bei  dem  Bischöfe  von 
^les  —  der  Schmuck  und  das  Zeichen  der  übertragenen  Gewalt,  so 
»ehr,  dass  in  der  Sprache  Gregorys  Pallium  so  viel  bedeutet  als  Vicariat. 

Aber  wenigstens  zwei  Vorgänger  des  Leander  hatten  das  römische   dm 
Vicariat,  Zeno  und  Sallustius.    Diess  Vicariat  war  eine  „anHqua  eonme- nad'dül 
udo^.    Nach  der  Meinung  des  Gr^porius  wurde  den  Vorgäng^m  ^^^iichevi. 
Leander  mit  dem  Vicariat  zugleich  das  Pallium  ertheilt.    Wenn  Florez  ««riat 
las  Wort  „eomtietitdo'^  von  der  alten  Sitte  der  römischen  Kirche  ver-scvuia. 
tteht,    das  Pallium  zu  vergeben,  so  ist  diess  entweder  ungereimt,  oder 
^enn  es  sich  auf  die  Gewohnheit  gegenüber  der  Kirche  von  Sevilla 
»ezieht,  so  ist  es  unsre  Erklärung.    Die  Erklärung  aber,  j,alte  Freund- 
ichaft   mit  Leander^   wird  einmal  durch  die  Erwägung  ausgeschlossen, 
lass  Gregor  sonst  das  Wort  „amiciUa^  gebraucht*);  sodann  kommt  das 
^ort  „eonntOudo^  sehr  oft  bei  Gregor,  besonders  in  seinen  Briefen, 
iber  ausschliesslich  in  der  Bedeutung  von  „Gewohnheit'' ,  vor.  Es  muss 
ilso  auch  hier  j,alte  Gewohnheit",  heissen,  d.  i.  das  dem  Leander  über- 
uandte  Pallium   fällt  mit  der  alten  Gewohnheit  zusammen,   ist  deren 
Bestätigung  und  Besiegelung,   dass  die  Bischöfe  von  Sevilla  seit  den 
leiten  des  Zeno  und  Sallustius  das  Vicariat,  wenigstens  über  Bätica  und 
jusitanien,  hatten.  —  Als  Analogie  darf  man  sich  nicht  auf  den  Orient 
ind  Italien  berufen;   maassgebend  ist  die  Bedeutung  der  Uebersendung 
les  Pallium  nach  Arles,  England  und  Deutschland,  für  die  Bedeutung 
les  Palliums,   das   dem  Leander  übersendet  wurde.  —     In  Arles,  in 


*)  L  5t  57  —  quo  —  (paOio)  ita  vom  uH  neceue   est,   sieut  praed«ee$iores   vutri  usi, 

concedentibus  nostris  praedecessorifnts ,  approbantur, 
')  S^machi  ep.  11,  12    ad  Tkeod,  Laureaceruem,    v.  S.  40  —  Anm.  2. 
^)  Vit.  Caesar,  1 ,  4  (30)  —  concesso  gpedalUer  pallii  decoravit  prvriUgio, 
^)  dUdog,  3f  31  —  Leandro ,  dudum  müd  m  amieitüs  famiUanter  JunctQ, 


40  Achtes  Buch.     Drittes  Kapitel. 

England  nnd  Mainz  bedeutet  das  Pallium  das  römische  Vicariaty   oder 
die  Stellvertretung  des  Papstes. 

Das  erste  päpstliche  Vicariat  ist  das  von  Thessalonich.  Für  Italien 
bedurfte  es^  wegen  der  Nähe  von  Rom,  keiner  Yicariate.  Zuerst  hat 
Papst  Simplicius  ( J.  468 — 483)  im  Abendlande  das  römische  Vicariat  dem 
Bischof  Zeno  von  Sevilla  übertragen  —  482.  —  Der  Brief  an  Zeno  ist 
aber  ganz  allgemein  gehalten ,  und  ertheilt  ihm  keinerlei  spezielle  An- 
weisungen. Maassgebend  hiebei  war  auch  die  Erwägung ,  dass  Sevilla 
Hauptstadt  von  Spanien,  und  Siz  des  Vicarius  gewesen.  Dem  weltlichen 
sollte  das  geistliche  Vicariat  zur  Seite  treten.  —  Im  J.  516  übertrug 
Hormisdas  dem  eifrigen  Bischöfe  Johannes  von  Tarraco,  das  sich  für 
den  Verkehr  mit  Rom  viel  besser  eignete ,  das  Vicariat  über  ganz  Spa- 
nien; als  aber  die  Bischöfe  von  Bätica  sich  klagend  und  bittend  nach 
Rom  wandten,  übertrug  Hormisdas  dem  Sallustius  von  Sevilla  das  Vica- 
riat wenigstens  für  Bätika  und  Lusitanien*).  Dass  keine  Uebersendung 
des  Palliums  damit  verbunden  war,  lässt  sich  nicht  unbedingt  behaupten. 
Wenn  Johannes  und  Sallustius  dringend  um  dasselbe  anhielten,  so 
erhielten  sie  es.  —  Brunehilde  supplicirte^)  um  dasselbe  für  Bischof 
Syagrius  von  Autun  und  erlangte  es  nach  mehrfachem  Andringen^).  — 
Der  Frankenkönig  Theodorich  supplicirte  um  es  für  Florianus  von 
Arles,  und  erlangte  es  von  Papst  Bonifacius  IV,  613. 

Die  Uebersendung  des  Pallium  an  Syagrius  und  an  Leander  fällt 
in  das  Jahr  599,  und  £Eist  gleichzeitig.  Bei  Syagrius  geschah  es  nur  auf 
inständige  Bitten  der  Brunehilde  und  des  Syagrius ,  dessen  Kirche  da- 
durch dem  Range  nach  zunächst  der  von  Lyon  folgte  (wesshalb  sie 
protothronus  genannt  wurde).  Also  müssen  wir  annehmen,  dass  auch 
König  Reccared  und  Leander  in  ähnlicher  Weise  um  das  Pallium  sup- 
plicirt  haben,  obgleich  deren  Briefe  nicht  erhalten  sind.  Die  Worte 
aber  Gregors:  —  Ltandro  pallium  trofismisimus,  guod  et  antiqtiae  con- 
sitetudini  et  vestris  moribus,  et  ejus  bonitati  atque  dignUctti  debeamus  — 
bedeuten  nun :  Auf  des  Königs  und  Leanders  Ansuchen  wird  das  Pallium 
übersendet,  denn  die  Verdienste  des  Königs  und  des  Leander  verlangen 
solches,  und  es  ist  eine  alte  Gewohnheit,  dass  denen,  welche  das  päpt^t- 
liche  Vicariat  haben,  auf  Bitten  auch  als  Zeichen  ihrer  Würde  das  Pallium 


«)  K.-G.  2  (1),  S.  416— 17. 

')  Bekanntlich  müssen  die  Erzbischöfc  am  dasselbe  auch  heute  noch :  instanter, 
instantius,  und  instantissime  innerhalb  dreier  Monate  nach  erhaltener  Consecralion 
suppliciren.  —  Walter,  Kirchenrecht,  11.  Aufl.  §.  154.  —  Richter ,  Kirrhou- 
recht,  $.  118.  —  SchuUe,  das  katholische  Kirchenrecht,  Tbl.  2,  $.  28.  —  NacL 
RiehUr  und  Walter  ist  der  oben  citirte  Brief  des  Symmachus  ao  den  Bischof 
von  Laureacum  unächt,  dagegen  ein  Factum  ist  die  Uebergabe  des  Pailiani  m 
Cäsarius  von  Arles. 

»)  epist.  Gregor,  9,  ep.  11;  ep.  107,  108,  109, 


Das  Tode^ahr  des  Leander.  41 

von  Rom  ttbersendet  wd^).  —  Da  allein  nach  später  eine  ähnliche 
Bitte  von  den  Nachfolgern  des  Leander  und  den  spanischen  Königen  nicht 
mehr  gestellt  wurde,  so  unterblieb  auch  die  Uebersendung  des  Pallium, 
und  die  Kirche  von  Toledo  gewann  aus  natürlichen  Gründen  den  Vor- 
rang der  Macht  vor  der  Kirche  von  Sevilla. 

Das  Todesjahr  des  Leander  ist  nicht  bekannt.    Da  Redemptus  und  Tode» 

fahr  i»u 

Udephons  dem  Isidor  ungefähr  40  Jahre  seines  Pontificats  zuweisen  und  Le«n. 
es  allgemeine  Annahme  ist ,  dass  er  im  J.  636  gestorben  ^) ,  so  glaubte  ^*'' 
man  das  Todesjahr  Leander*s  in  das  J.  596  sezen  zu  müssen.  Eine  Be- 
stätigung dieser  Annahme  sah  man  in  dem  Umstände,  dass  Leander  auf 
der  sogenannten  Synode  zu  Toledo  im  J.  597  nicht  anwesend  war.  Allein 
wenn  dieses  Argument  Gewicht  haben  sollte,  so  müssten  sich  dort  alle 
sechs  Metropoliten  unterzeichnet  haben,  während  es  nur  von  dreien  ge- 
schah, und  müsste  Isidor  von  Sevilla  unterschrieben  haben. 

Anderseits  verweist  man  auf  eine  alte  Grabschrift  des  Leander, 
It^idor,  und  ihrer  Schwester  Florentina,  womach  sein  Tod  im  J.  603 
erfolgt  wäre.  Dagegen  steht  das  bestimmte  Zeugniss  des  Isidor,  dass 
er  noch  zu  Zeiten  des  Rcccared  gestorben  sei"^).  —  Im  August  des 
Jahres  599  übersandte  ihm  Gregor  das  Pallium,  und  der  Tod  des 
Leander  kann  nicht  nach  dem  J.  601  erfolgt  seyn.  Wir  nehmen  eine 
mittlere  Zeit,  das  Jahr  600  an,  und  den  27.  Februar  als  Tag  seines 
Todes,  so  dass  er  eben  noch  das  Pallium  in  Empfang  nehmen  und  ge- 
brauchen konnte.  Von  da  an  bis  zum  Tode  Isidor^s  verflossen  an 
37  Jahre ,  so  dass  auch  Ildephons  in  seinem  Rechte  bleibt ,  wenn  er  die 
Jahre  seines  Bisthums  annähernd  auf  vierzig  angiebt. 

Von   den  Schriften  Leanders  k^  erhalten    die  schöne  „Homilia  in  SeiM 
'widem  ecelesiae^^   aus  Anlass  der  filftdirung   der  Gothen ,    die  mit  den    ira*. 
Worten   schliesst:   j^Es  erübrigt  uns,    dass  wir,   die  wir  alle  ein  Reich 
geworden,  sowohl  für  die  Festigkeit  des  irdischen  Königreichs,  als  .für 
las  Glück  des  himmlischen  Reiches  uns  bittend  an  Gott  wenden;  damit 


')  Der  Abb^  Bourret  —  in  seiner  Schrift:  V€cole  chr€tienne  de  Siviüe  aous  la  mo- 
narchie  des  Visigotha,  Paris  1855,  p.  37—56  —  erwähnt  die  ücbersendang  des 
Pallium  nicht.  —  Thomassm,  P,  1,  1  —  cp.  30  argumentirt,  wie  ich,  über  das 
Vicariat  und  das  Pallium,  nur  viel  entschiedener.  Er  hält  den  Leander  für  den 
Primas  von  ganz  Spanien  und  meint  dasselbe  von  Isidor,  weil  dieser  633, 
jener  589  zu  Toledo  präsidlrt.  Aber  Massona  präsidirte  589,  und  Isidor  633 
als  der  älteste  Metropolit.  Er  sagt:  „Desüt  Primatiu  HispaUnns  in  eoncilio  ToU» 
tano  XII*  (681).  So  weit  kann  ich  nicht  gehen.  —  s.  Lemhke,  S.  142,  und 
oben,  2,  1,  S.  415— 418. 

'j  Ildeph.  de  vir,  ilL  cp,  9  —  annis  fere  40  tenens  PorUificatua  honorem,  Redemptu»  de 
transitu  IsiJori  ad  Braulionem:  per  annos  ferme  40  Ponäßccdem  —  cwram  admini" 
stravit.     FioreZf  9,  405. 

')   Isid.  c.  41  d,  vir.   iU.  —  floruii  sub   ReecaredOf   —    cuius  etiam   temporihue  mirabili 

obitu  vitae  terminum  clattsii, 

f 


42  Achtes  Buch.     Drittes  Kapitel. 

das  spanisch -gothische  Reich  and  Volk^  welches  Christum  auf  Erden 
verherrlioht  hat^  nicht  bloss  auf  Erden  ^  sondern  auch  im  Himmel  von 
ihm  verherrlicht  werde.    Amen.^ 

Seine  grössere  Schrift  ist  die  Regel  oder  Anweisung  zum  jung- 
fräulichen Leben  an  seine  Schwester  Florentina.  Nach  diesen  Schriften 
war  Leander  ein  formell  besserer  Schriftsteller  als  Isidor.  Seine  Sprache 
ist  edler  und  reiner;  es  stehen  ihm  schöne  Bilder  und  geistreiche  Wen- 
dungen SU  Grebote.  Feuer  und  Schwung  des  Geistes  sprechen  aus  sei- 
nen Schriften.  Wir  bedauern,  dass  er  so  wenig  geschrieben ,  und  dass 
von  denii  was  er  geschrieben,  sich  so  wenig  erhalten  hat  Es  ist  nament- 
lich aufGidlend ,  dass  von  seinen  Briefen  an  Papst  Gregor  I  sich  keiner 
erhalten  hat.  Wir  begreifen  aber,  wenn  dieser  sagt,  dass  »alle,  welche 
seinen  Brief  vorlesen  hörten,  tief  ergriffen  wurden;  alle  erglühten  und 
staunten,  und  die  Begeisterung  der  Hörer  zeigte,  welches  Feuer  war  in 
dem  Redenden«  Wir  sehen,  von  welcher  Liebe  dein  Herz  entzündet 
isty  das  andere  so  sehr  erglühen  macht  ^ 
i«i4or  .Leander  war  (nach  Isidor  1.  c.)  ein  Mann  von  lieblicher  Rede,  von 

ika.  ausgezeichnetem  Talente,  leuchtend  durch  sein  Leben  und  seine  Wissen- 
schaft, so  dass  durch  seine  Glaubenskraft  und  seinen  Eifer  das  Volk 
der  Gothen  von  dem  arianischen  Wahnsinn  zum  katholischen  Glauben 
zurückkehrte').  —  Er  verfasste  in  der  Einsamkeit  seiner  Verbannong 
zwei  Bücher  gegen  die  Meinungen  der  IrrleKrer,  voll  von  heiliger 
Wissensdiaft,  worin  er  in  scharfer  Sprache  (vehemcnU  stylo)  die  Ver- 
worfenheit der  Arianischen  Gottlosigkeit  aufdeckt  und  zermalmt:  indem 
er  zeigt,  was  die  katholische  Kirche  gegen  sie  hat,  und  wie  weit  sie 
im  Glauben  und  in  den  Sacrament^  von  ihnen  entfernt  ist.  —  Von 
ihm  ist  auch  ein  anderes  preiswürdiges  Buch  gegen  die  Gebräuche  der 
Arianer,  worin  er  ihre  Behauptungen  voranstellt  und  seine  Antworten 
anschliesst  Nebstdem  hat  er  ein  kleines  Buch  an  seine  Schwester  Flo- 
rentina über  das  geistliche  Leben  der  Jungfrauen  und  die  Verachtung 
der  Welt  herausgegeben,  'mit  voranstehenden  Inhaltsangaben.  —  Aber  mit 
nicht  geringem  Eifer  arbeitete  er  an  den  kirchlichen  Ofticien:  in  dem 
ganzen  Psalterium  (Brevier)  schrieb  er  die  Orationen  in  doppelter  Aus- 
gabe^): auch  in  dem  Missale  (in  aacriftcioj  den  Laudes  und  den  Psalmen, 
componirte  er  vieles  mit  schöner  Betonung  (muHa  dulei  sono  eompomül 
Er  schrieb  auch  viele  Briefe:  an  den  Papst  Gregorius  einen  über 
die  Taufe,  einen  andern  an  seinen  Bruder  (Isidor?),  worin  er  ermahnt, 
dass  Niemand  den  Tod  zu  fürchten  habe.    Auch  an  die  übrigen  Bischöfe 


')  Ebenso  im  Chronicon  qp,  118  —  Mattrituu  regnat  ann.  21.  —  ffoc  tempore  Leandtr 
episcopuM  in  Hispaniiä  cid  genda  Gothorum  conuersionem  doctrina  ßdei  et  ecientiarum 
clctruU,  Kürzer  Joh,  BicL  ann,  3  Mauritii;  Leander  ITispalensis  eccUsiae  episcopw 
clarae  habetur;  ^  ad  et,  8  —  helsst  er  ihn :  sanrtum  Leandrum, 

')  dvplici  editionef  i.  c.  nach  der  alten  und  ncueo  Bibelübersezang. 


Die  heilige  Floreniina.  43 

hrieb  er  sehr  viele  vertraoliche  Briefe  ^  wenn  auch  nicht  in  Behr  glün- 
»ndem  Stile,  doeh  reich  an  Gedanken  (aculUta  tarnen  tenUniüBj.  Er 
ühte  unter  Reccared,  dem  frommen  Manne  und  ruhmrdeheD  Fürsten, 
L  dessen  Zeit  er  auch  durdb  einen  wunderbaren  Tod  sein  Leben 
ischloss^  ^). 

Der  „nrirabilii  obitm''  dürfte  w;ohl  derselbe  gewesen  seyn^  der .  an 
im  sterbenden  Reccared  und  Isidor  gerühmt  wird,  das  öffentlidie  Be- 
snntniss  seiner  Sünden,  oder  die  Uebemahme  der  kirchlichen  Pönitentia. 

§.  4.     Die  heilige  Florentina 

ar  die  Schwester  dreier  beiliger  Bischöfe.  Sie  war  jünger  als  IieandV| 
sr  sie  seine  Schwester  und  seine  Tochter  nennt,  und  älter  als  Isidor ; 
snn  dieser  war  der  jüngste  unter  vier  Geschwistern.  So  jung,  wanderte 
3  mit  ihren  Eltern  aus  ihrer  Heimath  Carthaginensis  aus,  dass  sie  sich 
srselben  nicht  erinnern  konnte.  Sie  wuchs  wohl  in  Sevilla  auf,  und 
n  dem  sehr  frühen  Tode  ihrer  Eltern  vertrat  Leander  aii  ihr  die  Vatär- 
elle.  Frühe  entschloss  sie  sich  zu  einem  gottgeweihten  Leben.  Ich 
Ige  der  allgemeinen  Annahme,  dass  sie  im  Bisthum  Astigi  in  einem 
onnenkloster  gelebt,  an  dem  Orte,  der  „Nuestra  Sennora  del  Valle' 
»sst,  am  Ufer  des  Xenil  ausserhalb^  der  Stadt,  wo  ein  Eloater  der 
ieronymiten  stand.  Jedes  Jahr  geht  eine  feierliche  Proxession  aus  dem 
■alten  Hospital  ^Santa  Florentina^  dahin.  Es  gab  auch  ein  Erlöster 
m  Dominikanerinnen  mit  dem  Titel:  Santa  Florentina.  Nach  einem 
revier  von  Sevilla  war  Florentina  nicht  bloss  selbst  Vorsteherin  ihres 
loflters,  sondern  viele  andere  Erlöster  stellten  sich  unter  ihre  Leitung, 
aander  hatte  sich  gefragt,  welche  Gaben  er  ihr  hinterlassen  werde.  Er 
nd  nichts,  was  ihrer  würdig  wäre  unter  den  Gütern  der  Welt  Da  sie 
mgfräulichkeit  gelobt,  schien  es  ihm  das  beste,  sie  auf  die  Mittel  hin- 
iweisen,  womit  sie  das  Verdienst  ihres  Gelübdes  erhöhen  könnte.  Diese 
ihrift  heisst  die  Regel  des  hL  Leander  für  seine  Schwester.     Floree 


«)  üb.  Leander:  1)  Acta  Soor.  13  Mart.  II,  p.  275—280.  —  2)  Leandri  elogtum 
histoncum,  in  MabiWm  A.  S,  0.  s.  B,  Moee.  I,  p,  378^-385.  -  3)  Bei  Brower 
Christ,  Sidera  ühutrium  ei  scmeL  virorum  gm  Oermaniam  omarunt,  Mapunt,  1616, 
steht  auch  Leander  und  seine  Oeschwister  m  app,  —  4)  ap,  Affuirv,  «SjrnopMf  rerum 
S.  Leandri  prauMM»  BüpaUnn$,  t  3,  p.  SStSOS  (theilweise  ans  den  BoUandisien). 

—  5)  Florez,  Espaxma  tagr,,  t  9^  p,  180—216  —  San  Leandro,  (deide  onft»  dU 
579  hasta  el  599,  ISO-ISS,  Del  PaUo,  188—196.  Chnmohgia,  196-208.  SuceiOB 
faUos,  b  inciertos,  208—216.)  —  6)  Caj.  Ceimi,  2,  215—225.  —  7)  Nie.  Ankmio- 
Perez  Bojfer,  1,  290-298  (Üb.  4,  ep.  i,  nr.  74-103.)  -  8)  de  Castro,  sc.  VI.  p.  280 -  87. 

—  9)  Retny  Ceillier,  noiw.  id.  —  t  11  (1862),  422—425.  —  40)  Bourrei,  FicoU 
chr^tienne  de  Spille,  Far.  1855,  p.33 — 58  —  ehep,  I.  Commeneements  de  Nicole  de 
S^oilU.  —  Saint  L€andre.  —  Montakmbert,  die  Mönche  des  Abendlandes,  1860, 
Bd.2,  S  197-208. 


44  Achtes  Buch.    Drittes  Kapitel. 

meint,  sie  sei  verfassti  als  dieselbe  ihr  Gelübde  ablegte,  denn  damals 
habe  sich  Florentina  anter  der  Leitung  ihrer  Herrin  Tortora  befunden. 
—  Oft,  erzählt  Leander,  habe  er  ihre  gemeinschaftliche  Mutter  gefragt, 
ob  sie  nicht  wieder  in  ihre  Heimath  zurückkehren  wolle,  sie  aber  habe 
bei  Gott  betheuert,  dass  sie  es  nie  wolle  und  werde.  In  der  Fremde 
erst  habe  sie  Gott  kennen  gelernt,  in  der  Fremde  wolle  sie  sterben  und 
dort  begraben  seyn,  wo  sie  die  Erkenntniss  Gottes  erlangt  Es  schmerze 
ihn,  dass  er  dahin  (nach  Carthaginensis)  den  Bruder  Fulgentius  gesendet, 
für  den  er  Ge&hren  fürchte.  Sie  möge  eifrig  für  ihn  beten.  Er 
wisse,  dass  jene  ihre  Vaterstadt  (Carthagena)  so  sehr  herabgekommen 
sei,  dass  es  dort  keinen  Freien  mehr  gebe,  ja  die  Erde  selbst  ihre 
Fruchtbarkeit  verloren  habe,  und  nicht  ohne  göttliches  Gericht.  Denn 
dijs  Erde,  welcher  die  Bürger  entrissen  und  dem  Fremden  übergeben 
s«ien,  habe  ihre  Würde,  und  damit  auch  ihre  Fruchtbarkeit  verloren^). 
LfABdcr  „Wolle  nicht  entfliehen  aus  dem  Neste,  das*  die  Turteltaube  fand, 
KBUaa.  nm  darin  ihre  Jungen  zu  bergen.  Du  bist  eine  Tochter  der  Einfalt, 
die  da  geboren  ist  yon  der  Mutter  Turtur(a).  Dieser  einen  Person  bist 
Du  in  mehrfacher  Weise  verpflichtet.  Die  Turtura  betrachte  als  deine 
Mutter,  und  sie,  die  in  ihrem  Verlangen  täglich  dich  Christo  schenken 
möchte,  halte  für  eine  theurere  Mutter,  als  deine  leibliche,  vor  jedem 
Sturm,  vor  jedem  welüichen  Wirbelwind  birg  dich  in  ihrem  Schoose 
(die  schönen  Worte  über  Isidor  s.  unten  Kap.  7).  Wenn  du  den  Bund 
be^rahrst,  den  du  mit  Christus  geschlossen,  so  wird  dir,  wenn  du  das 
Gute  thust,  die  Krone  gebühren:  dem  dich  ermahnenden  Leander  wird 
die  Verzeihung  zu  Theil  werden:  und  wenn  du  ausharrest  bis  zum 
Ende,  wirst  du  selig  werden.    Amen.*^ 

Die  Schrift  des  Leander  ist  so  ausgezeichnet  an  Form  und  Inhalt, 
dass  sie  dem  Besten  kühn  an  die  Seite  treten  kann,  was  überhaupt  die 
kirchliche  Literatur  der  Abendländer  aufzuweisen  hat.  Es  war  Sitte  der 
Spanier  jener  Zeit,  Sitte  der  gefeiertsten  Kirchenlehrer,  besonders  des 
Isidor  und  Udephons,  dass  sie  Schriften  früherer  Zeit  überarbeiteten, 
hmi»  oft  ohne  die  Verfasser  zu  nennen.  Desswegen  ist  die  Vermuthung  auch 
"•nder!" nicht  Unbedingt  abzuweisen,  dass  wir  in  der  Schrift  des  Leander  noch 
theilweise  die  Schrift  des  Hosius  von  Corduba,  an  seine  Schwester  über 
das  Lob  der  Jungfräulichkeit,  welche  schön  und  beredt  verfasst  ist 
[epistolam  puUihro  ac  diserto  eomptam  eloquio^)],  besizen.  Die  bestimmte 
Art,  auf  welche  Isidor  von  dieser,  und  von  der  andern  Schrift  des  Ho- 
sius über  die  Bedeutung  der  priesterlichen  Gewänder  im  A.  Testamente 
handelt,  zeigt  deutlich,  dass  dem  Isidor  diese  beiden  Schriften  wirklich 


■)  eriranw  —  d.  i.  dem  Kaiser  aod  seinem  Statthalter. 

*)  Isid,  de  vir,  übutr,  cp,  5.  —  was  natürlich  in  einer  besondem  Abhandlang  näher 
ansznltlhren  wftre. 


Die  heilige  Florentiiia.  45 

vorlagen  I  und  demnach  auch  dem  Leander,  wie  denn  auch  Isidor  seine 
^.bhajidlung:  j|Von  dem  Gewände  des  Hohenpriesters'^*)  u.  a.  aus  der 
Schrift  des  Hosius  entlehnt  haben  kann.  Nach  einer  schönen  und  langen 
Einleitung  in  Form  eines  Briefes  kommen  die  21  Kapitel,  deren  Titel 
Leander  selbst  ver&sst  hat.  1)  Es  sollen  Frauen  vom  Laienstande  ge-  inbait 
nieden  werden;  2)  es  sollen  heilige  Männer  gemieden  werden;  3)  die**^*,^/^ 
Jungfrau  soll  junge  Männer  nicht  ansehen;  4)  sie  soll  enthaltsam  iii^''^*^^ 
Grenusse  der  Speisen  seyn;  6)  sie  soll  ohne  Zeugen  nicht  mit  einem 
Pfanne  sprechen ;  6)  sie  soll  inmier  lesen  und  beten.  Bei  der  Handarbeit 
3der  bei  dem  Essen  soll  eine  andere  ihr  vorlesen.  —  7)  Sie  soll  das 
&Jte  Testament  in  geistigem  Sinne  verstehen;  8)  bei  dem  Fasten  soll 
iuf  die  Schwächlichen  Bücksicht  genommen  werden;  9)  den  Wein  ge- 
brauche die  Kränkliche  wie  eine  Arznei^  die  gesunde  Jungfrau  gar  nicnt. 
10)  Eines  Bades  bediene  sie  sich  nur  im  Falle  der  Kränklichkeit;  11)  sie 
kann  nicht  ohne  Sünde  unanständig  lachen;  12)  Mägde  und  Profess- 
Schwestern  sollen  nicht  ungleich  behandelt  werden;  13)  Schwestern,  die 
in  der  Welt  nichts ,  und  solche ,  die  alles  verlassen  haben ,  müssen  ver- 
schieden behandelt  werden.  Das  muss  die.Seniorin  zu  beurtheilen  wissen^). 
Diess  gehe  zunächst  nicht  die  Florentina  an;  14)  sie  sei  gleichmüthig 
bei  Ueberfluss  oder  Armuth.  Florentina  möge .  sich  nicht  eine  PiUlatin 
aennen  oder  so  behandeln  lassen').  In  dietmii  Kapitel  wird  eine  be- 
stinmite  „Regula^  angedeutet,  die  Florentina  habe,  und  die  verschieden 
Ist  von  der  hier  gegebenen  Anweisung ;  der  Nährvater  Joseph  aber  wird 
yfaber  ferrariua^  genannt;  15)  sie  soll  sich  möglichst  des  Genusses  von 
B^leisch  enthalten;  16)  sie  soll  im  Kloster  (in  mantuterio)  bleiben ^^  17)  sie 
soll  die  „vita  privata^  fliehen ,  und  nicht  die  Jungfrauen  nachahmen, 
welche  in  den  Städten  in  Zellen  (per  eeUtdas)  wohnen,  und  allzu  viqi^ 
Sorgen  haben  ^).  18)  Die  Jungfrau  soll  ün  Kloster  nichts  Eigenes  haben. 
„Was  immer  deine  Hand  berührt,  das  zeige  der  Seniorin;  und' stelle 
es  dem  Ganzen  wieder  zurück.^  19)  Die  Jungfrau  soll  nicht  schwören; 
20)  sie  soll  unter  den  Schwestern  mit  keiner  vertraulicher  umgehen,  als  4p  V 
mit  den  andern;  21)  sie  soll  nie  mehr  in  die  Welt  zurückkehren,  und 
ioU  ihre  irdische  Heimath  vergessen.  Dieses  Werk  hat  edirt  u.  a.  Bro^ 
}jD€r  l,  e,,  Lucas  HoUtenius  in  Collect.  Begtdaf%an,  Paris  1663,  Pars  VII, 
9.89  —  109.  —  Codex  Regul.  ed.  BrockU,  August.  Vindel  1759y  1. 1, 
j.  405—418.  —  [Biblioth.  p.  max.  Lugd.  t.  12,  p.  999.  —  Migne  Patrol. 
lat.,  U  72,  p.  870—894^).] 


')  Itid.  quaesL  m  exodum,  cp.59  —  d^  vule  potUffidM. 

^)  Laudanda  taman  eat  mfor,  n  diicrtte  cum  sütguÜs   se  geueni,  et  unümque,  pnmt 

opus  est,  dmuriL 
')  ne  veUa  ab  alüs  dici,  vel  eeae  fnelatt«r.  —    Habet  Beg^UoMp  quam  aeqmaris. 
*)  K-G.  2  (1),  64-65. 
*)  Eine  Uebersezang  in   das  Spanische  ist  von  Sandoval  Pkdae  ed.  1604  (qf.  Nie, 

Antonio,  ed.  1,  1,  p.  224). 


46  Aclitea  Buch.     Drittes  Kapitel. 

Es  ist  aaffidlendi  dass  das  goldene  Büchlein  von  Leander  so  selten 
herausgegeben  y  nnd  im  Grunde  noch  nicht  commentirt  worden  ist  Es 
wSre  einer  deutschen  Uebersezung  eben  so  würdig  als  f  ähig,  nur  müsstc 
sie  eben  so  gefeilt  und  abgewogen  seyn,  als  die  einzelnen  Worte  des 
Originals  gefeilt  und  abgewogen  sind.  Wir  hoffen ,  dass  die  verloren 
gegangenen  Schriften  Leander's  noch  theilweise  werden  wiedergefunden 
werden.  —  £s  ist  kein  Zweifel,  dass  Florentina,  obgleich  sie  schwäch- 
lich und  kiilnklich  war,  ihren  Bruder  überlebt  habe.  —  Diess  geht  u.  a. 
daraus  hervor ,  dass  Isidor  seine  zwei  Bücher  gegen  die  Jud^n,  auf 
Bitten  der  Florentina  ver&sste ').  MoraUi  sagt  (Üb.  12^  cp.  5,  foL  W3)j 
sie  sei  in  ihrem  Erlöster  zu  Astigi  beigesezt  worden,  später  aber,  ^rie 
es  allgemeine  Meinung  ist,  sei  sie  von  hier  in  das  Grab  ihrer  beiden 
Brüder  transferirt  worden,  eine  Meinung,  welche  Florez  nicht  theilt^ 
troz  der-Grabsohrift  in  Sevilla;  vielmehr  sei  ihr  Leib  später  mit  dem 
ihres  Bruders  Fulgentius  in  die  Berge  von  Guadeloupe  gebracht  worden, 
wo  man  sie  im  vierzehnten  Jahrhundert  wieder  fand.  —  Ihr  6e- 
dttchtniss  wird  am  20.  Juni  gefeiert^). 

g.  5.    König  Reccared,  586— 60L 

Als  Hauptgründe  der  Bekehrung  Reccared's  zum  wahren  Glauben 
werden  gewöhnlich  der  Vorgang  seines  Bruders  Hermenegild  und  der 
Einfluss  des  Leander  angeführt.  Vielleicht  aber  hat  die  Köiugin  Baddo 
oder  Badda  hierin  einen  entscheidenden  Einfluss  gehabt  —  Als  äussere 
Verhältnisse  die  beabsichtigte  Ehe  zwischen  Reccared  und  der  fränti- 
schen  Prinzessin  Chlodos winde,  der  Schwester  Childebert's,  auflioben^, 
Die  so  scheint  Reccared  die  Badda  zur  Gemahlin  genommen  zu  haben.  Da 
^'JJJSl'libcr  ihre  Persönlichkeit  und  ihre  Herkunft  sonst  nichts  bekannt  ist,  ;«) 
war  den  Vermuthungen  weites  Feld  gelassen^);  gewöhnlich  wurde  m 
für  eine  Tochter  Astur's  (Arthur?),  Königs  von  Britannien  gehalten. 
Ihre  Unterschrift  zu  Toledo  589  beweisst  keineswegs,  dass  sie  vorher 
Arianerin  gewesen.  Ich  halte  sie,  sei  es,  dass  sie  gothischer  oder  spani- 
scher Abkunft  war,  für  eine  energische  Katholikin,  die  aus  religiösem 
Eifer  auf  der  Kirchenversanmilung  die  Beschlüsse  mit  ihrer  Unterschrift 
bekräftigte. 


*)  Indor  prooem.  dt  ßde  cath,  contra  Judaeos:  Haec  ergo,  »aneta  toror,  u  petente,  oh 

atdifkatumem  wludü  tnd  tun  dieoany  ul  qua  contorte  perjruor  actnffuims,    cokaerede» 

/adam  et  met  labori», 
*)  Edja,  iU9  Santo9f   su  anttgutdad  «des.  i  eeglar,   per  el  P,  Martin  de  Roa,   Sevilla 

1629,  p.  100^106.  —   Acta  SancL  U  4.  Junü,  p.  18-21.  —    Fiorez,  10  (bei  dem 

Bisthiim  Asti^f i«) ,  p.  119^124. 
•)  Gregor.  2W.  9,  16,  20. 
0  Ä  Omgmr,  1,  8.  8-15. 


König  Reccared,  586—601.  47 

Reocared  führte  gegen  die  Griechen  in  Spanien  «ben  nicht  blutige 
Ejnege,  ^oft  erhob  er  die  Arme  gegen  sie^,  und  gegen  die  Vasconen*). 
—  Ein  vornehmer  Eammerherr^  der  Herzog  Argimund^  suchte  ihn  vom' 
Throne  zu  stürzen.  Seine  Mitverschwomen  wurden  hingerichtet;  er 
selbst  gepeitscht,  geschoren;  ihm  die  redite  Hand  abgehauen ,  und  er 
stuf  einem  Esel  durch  die  Strassen  von  Toledo  geführt^). 

Beccared  stellte  das,  was  seine  Vorgänger  eingezogen^  den  firühemoMLob 
Besizem  freiwillig  zurück.  Er  gründete  und  bereicherte  Kirchen  und  Hr«!. 
Röster,  sowie  denn  die  Menge  der  damals  neugegründeten  Elirchen  und 
Röster  ausserordentlich  gross  war.  Er  war  sehr  friedliebend^  und  wenn 
3r  einzelne  Sjriege  führte ,  so  geschah  es  fast  nur,  damit  sein  Volk  der 
Waffen  nicht  entwöhnt  würde.  „Die  Provinzen,  die  sein  Vater  im  Kriege 
s^ewonnen,  behauptete  er  im  Frieden,  und  regierte  sie  mit  Weisheit  und 
oiit  BilUgkeit.  Er  war  sanft,  milde,  von  ausgezeichneter  Güte;  in  sei- 
nem Angesicht  lag  solche  Lieblichkeit,  in  seinem  Herzen  so  inniges 
Wohlwollen,  dass  er  alle  an  sich  zog,  und  selbst  die  Bösen  zu  seiner 
Liebe  anzog.  So  freigebig  war  er,  dass  er  die  Güter  der  Privaten,  und 
üe  Besizungen  (praedia)  der  Eorchen,  die  sein  Vater  für  den  Staats- 
^chaz  eingezogen,  ihren  rechtlichen  Besizern  zurückstellte.  So  mild  war 
3r,  dass  er  an  den  Abgaben  des  Volkes  oft  freiwillig  nachUess.  Viele 
bereicherte  er  mit  Gütern,   sehr  viele  erhob  er  durch  Ehrenstellen'*). 

Wir  haben  oben  des  Briefs  erwähnt,  den  Reccared  an  Papst  Gregor  rmm- 
Mindte.    In  Spanien  und  in  Rom  wusste  iquan«  nichts  von  ümu    Nament-  "^^^ 
ich  steht  er  m'cht  in  der  Sammlung  von  Aguirrey  der  doch  vieles  Un-s«''^> 
ichte  aufgenommen   hat.    Baluzius  hat  ihn  zuerst  mitgetheilt  mit  der 
Ueberschrift :  Jncipü  epistola  Becharedi  —   ad  beatum  Oregorium  Bammsem 
:pi8copttm  directa^).    Die  andern  Briefe  bei  Gregor  haben  einfach  den 
Titel.    Der  Ausdruck  „Romensis^  ist  allerdings  weatgothisch;  aber  man 
utgte  auch  in  Spanien:  praeniles  romani,  papa  Bomensis,  und  nicht  Bo^       V 
nensis  qnscopus.  —    Aber  es  wäre  doch  aufiallend,   wenn   zwar  dieser 
Brief  Reccared's  erhalten,  die  Briefe  Leanders  aber  an  Gregor  verloren 
prären.     Der  Stil  desselben  ist  ganz  barbarisch,    selbst   unlateinisch ^)., 
Sollte  auch  Reccared,  was  wir  nicht  glatj^en  können,  so  wenig  der  latei- 
lischen  Sprache  mächtig  gewesen  sejn,  dass  er  nicht  einmal  einen  &ief 
schreiben  konnte,   so  hatte  er  doch  den  Leander,  der  gleichzeitig  mit 


')  Isidor,   Hisp.   de  reb.    Chth,   cp,  54,   —     Luc,    I\uL  p,  50  (apud  Schott,    HtMpan, 

iJhutr,  4,  p.  1-117. 
*)  Johann.  Bidar,  in  ßne, 
S)  Isidor.  de  reb.  Ooth.  ep.  52—56, 

0  Baluzius,  MketUanea  lib.  V,  (Par.  1678-1715,  7  vol.) 
*)  z.  B.   —  qui  prae  caetero*  poUee  tmtiitites;  propc  Massäia.  —    Nam,   quantum   te 

veraciter  diligo,  tu  ipse,  pectoris  fecunditatem,  in^nrante  Dommo,  latere  noti  crtdo,  — 

Peio  tuae  CTiristianitcUis  prudentiae,  etc. 


48  Acbtes  Bach.     Drittes  Kapitel. 

ihm  einen  herrlichen  Brief  an  den  Papst  ^),  und  um  dessentrwillen  er 
selbst  schrieb  y  er  hatte  jene  Aebte^  die  er  mit  seinem  Briefe  and  mit 
Geschenken  nach  Rom  sandte ,  an  seiner  Seite.  Ein  so  stümperhafter 
Brief  wäre  fast  eine  Beleidigung  des  Papstes  gewesen.  —  Dazu  kommt, 
dass  unser  Brief  auf  die  Sendung  eines  Priesters  (des  Defensor  Johannes) 
nach  Malaga  hinweist  Diese  Sendung  aber  fand  wohl  4  Jahre  später. 
im  J.  603 y  statt,  während  der  Brief  Reccared's  spätestens  im  J.  599  ge- 
schrieben seyn  kann.  —  Ich  glaube  demnach,  dass  wir  hier  einen  Ver- 
such aus  spätester  Zeit  und  von  sehr  ungeübter  Hand  vor  uns  haben, 
welche  den  verlorenen  Brief  Reccared's  nach  der  erhaltenen  Antwort 
des  Papstes  an  ihn  reconstruiren  wollte,  und  in  diesem  Versuche  zum 
Glück  unglücklich  war^). 

Reccared  unterwarf  Gotben  und  Römer  einem  Gesezc^j,  nahm  den 
in  Spanien  so  beliebten  Namen  Flavius  von  den  römischen  Kaisem  an; 
in  den  Münzen  erscheint  er  zuerst  als  gekrönter  König*).  „Nach  guten 
Anfängen  gelangte  er  zu  gutem  Ende.  Den  Ruhm  des  rechten  Glau- 
bens,  den  er  im  Anfange  seiner  Regierung  annahm,  krönte  er  zulezt 
durch  ein  öffentlicbes  Bekenntniss  seiner  Sünden  (vielleicht  nach  dem 
Beispiele  Leanders).  Zu  Toledo  starb  er  eines  friedlichen  Todes,  er 
hatte  fünfzehn  Jahre  regiert^). 


')  •Einen  trefflicheren  RaAgeOlr  als  Bischof  Leander  konnte  er  sich  wohl  nichi 
llrfipschen",  ffelffeneh,  Westgoten -Recht,  8.27.  —  S.  33.  »Seine  katholischeo 
Bathgeber  haben  zn  ihrem  unverwelklichen  Rahme  gewirkt.** 

')  Der  Brief  in  Gregor,  ep,  9,  61, 

>)  Lvcas  TW.  p.  50.  —    Bod.  Xmenes,  2,  15, 

^)  Bei  Moädeu,  t,  9,  p,  11  ^  14  stehen  die  erhaltenen  Münzen.  —  Mariana,  1.5. 
cp.  11^15;  Üb,  6,  <y.  1.  —     Ferrer asy  2,  306-330. 

»)  Aickbach,  221—33;  Lemhke,  77—86.  Lafuente,  2,  359— 369.  —  Ad.  Thlffcrick 
Entstehung  und  Geschichte  des  Westgothen  -  Rechts ,  Bnrlin  1858,  S.  27— 46, 
»Reccared  und  das  dritte  Concil  von  Toledo." 


Viertes  Kapitel. 

UiiiUi  voi  CtrUgmt»   Draatos  iid  litropiis  von  Monast. 

Serviliiiuii.    Manes  vra  Bidart.    NMinitos  von  Goronda. 

■aitaiis  Dii  Johannes  von  Saragossa.  —  Conell  von  Egara, 

J.  614. 


§.  1. 

Licinian  erscheint  (nach  Hilarius?),  nadi^^ctor  im  J.  617,  und  Cel-   mci- 
Sinus  im  J.  546  als  dritter  uns  bekannter  Bischof  von  Carthagena/    Er  "*"" 
war   gelehrt  in  den  Schriften;  Isidor  las  viele  Briefe   von  ihm,   einen 
über  das  Sacrament  der  Taufe,  sehr  viele  an  den  Abt  £atrophis,   den^ 
spitem  Bischof  von  Valencia.    „Aber  die  übrigen  Werke  seines  Fleilses 
und  seiner  Thätigkeit  gelangten  nicht,  sagt  Isid.,  zn  unserer  Eenntniss. 
Er  blühte  zu  den  Zeiten  des  Kaisers  Mauritius  (684 — 602):  er  starb  zu 
Constantinopel,  durch  Gift,  wie  es  heisst,  von  seinen  Nebenbuhlern  be- 
seitigt; aber,   wie  geschrieben  steht,  von  welchem  Tode  auch  der  Ge- 
rechte hingerafft  wird,  seine  Seele  wird  im  Frieden  seyn*).^ 

Er  schrieb  an^  Papst  Gregor  einen  uns  erhaltenen  Brief:   „Das  vott  *  •■ 
deiner  Heiligkeit  herausgegebene,  und  mit  Hilfe  Gottes  an  uns  gelangte  ^ofl^ 
Buch  von  der  Hirtenregel  haben  wir  um  so  lieber  gelesen,  als  wir  geist-  *^'  *' 
reiche  Lehren  darin  gefunden  haben.^    Es  muss  als  historischer  Grund- 
saz  gelten,   bei  Conjecturen  stets  an  bekannte  Thatsachen  anzukniipfen. 
Da  wir  nun  wissen,  dass  Gregor  an  Leander  im  J.  696  seine  Pastoral- 
regel sendete,  dass  Leander  aus  Oarthaginensis  ausgewandert  war,  dass    "" 
sich  zur  Zeit  des  Licinian  dessen  Bruder  Fulgentius  daselbst  befand, 
dass  Leander  den  Licinian  besuchte^  —  so  dürfen  wir  annehmen,   dass 
Licinian  eine  Abschrift  der  Pastoralregel  von  Leander  erhielt,  und  dass 


*)  Itid.  q>.  42  de  vir,  illuitr, 
Oani«,  Span.  Kirche.    II,  2. 


h 


50  Achtes  Buch.     Viertes  Kapitel. 

er  nach  deren  Durchlesung  sich  gedrungen  fühlte,  seinen  Dank  dem 
Verfasser  auszusprechen  *).  —  Er  nennt  (cp.  2)  als  alte  Lehrer  und 
Vertheidiger  der  Kirche  HUarius,  Ambrosius,  Augustinus,  Gregor  von 
Nazianz.  Er  führt  aus  Hflarius  eine  Stelle  an ,  wornach  dieser  bei  Er- 
klärung der  Worte  Pauli  sag^,  dass  es  für  einen  Bischof  nicht  genüge, 
rechtschaffen  zu  seyn,  da  der  Schuldlose  nur  sich  nüze,  er  müsse  auch 
gelehrt  seyn,  um  andern  zu  nüzen. 
^I*'^  Dom  Pitra   hat  im    ersten  Bande  seines  Spicilegium    unter    dem 

Namen  des  Hilarius  ^)  Erklärungen  zu  den  Briefen  Pauli  an  die 
Galater,  Ephesier,  einen  ausführlichen  Commentar  zu  Philemon,  und 
Auszüge  von  Commentaren  zu  den  zwischenstehenden  Briefen  ge- 
geben. Er  führt  12  sogenannte  innere  Gründe  an,  welche  Reinkens 
ohne  Mühe  widerlegt^).  A.  Mai  und  Pitra  aber  yerweisen  nebstdem 
auf  das  zweite  Concil  von  Sevilla,  wo  eine  Stelle  aus  dem  Commen- 
tar des  Hilarius  tfber  die  Briefe  an  Timotheus  angeführt  wird^}.  — 
Bdden  EardinKlen  üt  indess  der  Brief  des  licinian  an  Gregor  ent- 
gangen j  in  welchem  ohne  Zweifel  auf  den  Commentar  ra  den  fitieftn 
an  Timotheus  hingewiesen  wird^  in  denen  sich  die  Anweisungen  für 
Bischöfe  und  Bischofswahlen  befinden.  —  Aber  schon  im  J.  1854  hat 
Jacob!  zu  Halle,  der  Herausgeber  der  Dogmengeschichte  Aug.  Neander's 
gezeigt,  dass  der  Commentar  des  Hilarius  nur  eine  Uebersezung  aus 
dem  Commentare  des  Theodor  von  Mopsvueste  sei^).  Bald  darauf  hat 
Dr.Noiken^)  denselben  Beweis  geführt,  indem  er  u.  a.  den  griechischen 
Text  des  Theodor'schen  Commentars  an  die  Galater  1,4  —  aus  den 
erhaltenen  griechischen  Fragmenten  Theodor*s^)  mit  dem  von  Pitra  mit- 
getheilten  Commentar  zu  Galater  1,4  —  zusammenstellt.  Lezterer  erweist 
sich  ohne  Widerspruch  als  eine  schwerfällige  Uebersezung  Theodor's. 
Aus  Anlass  der  Geschichte  der  Adoptianer  hat  Hefele  über  denselben 
Gegenstand  referirt^).  —  Man  besass  im  6.  und  7.  Jahrhundert  in  Spa- 
nien demnach  einen  Commentar  zu  den  Briefen  des  Apostels  Paulos 
zunächst  an  Timotheus,  wahrscheinlich  auch  zu  den  übrigen  Briefen^ 
mit  Ausnahme  etwa  der  drei  ersten  Briefe  Pauli  und  des  Briefes  an  die 


')  Ebenso  Ferreras,  2,  325. 

«)  SpiciUfftum  SoUtm.  1 1,  p.  XXVI— XXXV. 

«)  Bmnkens,  Hilarius  von  Poitiers,  1864,  S.  278-74. 

*)  Anff,  Mai,  SpicUeg,  romanttm,  t  6,  praef.  p,  35,   —     Pitra,  p,  XXVI. 

*)  JaeM  in:  Deotacbe  ZeiUehrilt  von  Schneider,  Nr.  32.  —     Dogmen^eschiehtf 

V.  Neander,  2,  26. 
*)  Notken  in:  Wiener  Zeitschrift  für  katholische  Theologie,    von  Sckeiner,  Bd.  8 

(1856)  S.  97—98.  »Patristische  Miscelle«. 
^  Tkeodori  M,  in  Ncv.   tettamenium  commentarianim ,  quae  reperhi  potuerunt.    ColUg,, 

dispoM.,  ementhv.     Otto  FridoL  Fritzeche,    Turici,  1847  f  p.  12 i.  —     Miyne,  Patroi 

fpraeca,  t  66,  op,  Tkeodori,  p.  900.  ~     Pitra,  Sp.  S.,  p.  52—53. 
•)  Concil.  -  Gesch.  3.  Bd.  (1858),  S.  613-14. 


Lieiniaii  tob  GArUgena.  51 

BebitteTy  für  dessen  Ver&sser  man  den  Hilarius  von  Poitiers  hielt^  wäh- 
rend man  nur  eine  sehr  nnlateinische  Uebersezung  der  Commentare  des 
Theodor  von  Mopsvaeste  zu  den  Panlinischen  Briefen  besass.  Zu  unter- 
suchen, wie  man  diesem  Irrthume  yerfallen,  liegt  nicht  in  meinem  Plane. 
Wir  besizen  indess  sowohl  bei  Pitra,  als  in  den  von  Fritzsche  und  Mai 
mitgetheilten  Commentaren  vorerst  nur  Auszüge  aus  den  Erklärungen 
Theodor^s  zu  den  Briefen  an  Timotheus  und  Titus,  während  bei  Pitra 
sin  vollständiger  Commentar  zu  dem  Briefe  an  Philemon  vorliegt 

Femer  citirt  Licinian  das  Werk  des  Ambrosius  „de  offieiü^  nur 
illgemein ;  aus  Augustinus  theilt  er  aber  eine  Stelle  über  den  Beruf  und 
üe  Eigenschaften  eines  Bischofs  mit,  die  sich  im  Buch  19,  cp.  19  — 
7on  der  Stadt  Gottes  fast  wörtlich  wiederfindet. 

Zulezt  führt  er  den  Ghregor  von  Ibizianz  an,  j^dessen  Stil  du  folgest, 
lAoh  dessen  Beispiel  du  verborgen  seyn  wolltest,  um  der  Last  des 
BBrtenamtes  zu  entgehen').''  —  Er  bittet,  ihn  zu  belehren  über  ängsti- 
gende Fragen,  die  bei  Lesung  seiner  Hirtenregel  in  ihm  aufgestiegen. 
Er  sei  gezwungen,  das  zu  thun,  was  Ghregor  verbiete^).  Da  sich  zu  dem 
bischöflichen  Amte  kein  Kundiger  (periiu»)  finde,  was  anders  sei  zu 
hun,  als  dass  Unwissende,  wie  Licinian  selbst,  geweiht  werden?  Gregor 
möge  entscheiden,  ob  es  vielleicht  genüge,  Jesum  den  Gekreuzigten  zu 
kennen;  wenn  diess  nicht  genüge,  so  gebe  es  an  dieser  Stätte  keinen 
Kundigen,  also  auch  keinen  Bischof.  Der  Weihe  eines  Bigamus  wider- 
$ese  er  sich  stets  entschieden.  Aber  Zweifel  habe  er  doch.  Er  möge 
hn  durch  eine  Anweisung  trösten.  Er  sei  in  der  Lage:,  entweder  es 
itrenge  zu  nehmen  mit  den  Eigenschaften  der  zu  Weihenden,  dann  wer- 
den Predigt,  Taufe  und  Messopfer  aufhören,  oder  Unwürdige  zu  weihen. 

Dass  Licinian  Metropolit  war,  gebt  aus  diesen  Worten  klar  hervor, 
lenn  „8acerda$  und  ScuserdoUum^  bedeutet  in  jener  Zeit  stets  das  bischöf- 
liche Amt..    Er  fährt  fort: 

„Vor  wenigen  Jahren  besuchte  mich  der  Bischof  Leander  von  Se- 
rilla  auf  der  Rückkehr  von  der  königliohen  Stadt  im  Vorbeigehen,  und 
sagte,  er  habe  Homilien  über  das  Buch  Job,  welche  von  Deiner  Heilig- 
keit herausgegeben  worden.  Weil  er  aber  Eile  hatte,  konnte  er  uns 
lieselben  troz  unser£  Bittens  nicht  vorzeigen;  später  habe  Gregor  an 
Leander  über  die  dreimalige  Untertauchung  geschrieben,  und  gesagt, 
dass  ihm  jenes  Werk  nicht  gefalle,  er  es  aber  doch  herausgegeben. 
Dazwischen  handelt  er  von  der,  theilweise  erhaltenen,  Version  der  Er- 
klärung des  Origenes  zum  Buche  Job  durch  Hilarius,  findet  es  aber 
auffallend,  dass  dieser  gelehrte  und  heilige  Mann  die  Absurditäten  des 


*)  V.  u,  a,  S.  P,  —  Oregorü  —  Naxktnz,  oratio  apohgUiioa  dt  fitga  «tuiy  ed,  Akog 

Frib,  1856,  66  p.  of,  earmka  M  m  yjno  (liet.  de  miß  mia). 
^)  Grtgcr,  rtgula  poBi,  1,1  —  im  mmt«  impmii  ad  wmigitimHm  audeani. 

4» 


52  Achtes  Buch.     Viertes  Kapitel. 

Origenes  über  die  Sterne  als  lebende  Wesen  habe  übersezen  mögen  [ut 
de  8tdii  naenku  Origenii  transferret^)].  Der  Papst  möge  ihm  sein  Buch 
über  Job  9  und  die  übrigen  von  ihm  verfassten  Bücher  j^Moralium'  sen- 
den,  deren  er  in  seiner  Hirtenregel  erwähne.  Ihm  sei  es  ein  süsser 
Wunsch y  wie  dein  Gregor  (von  Nazianz)  sagt,  bis  zum  höchsten  Alter 
zu  lernen').  Aus  den  leztem  Worten  scheint  mir  heirorzugehen,  dass 
Licinian  um  diese  Zeit  schon  bejahrt  war. 

Eine  Antwort  auf  diesen  Brief  besizen  wir  nicht  Niemand  von  den 
Alten,  auch  Isidor  nicht,  erwihnt  ihn.  Erst  Dachery  fand  ihn.  —  Aber 
der  Brief  trägt  alle  innem  Zeichen  der  Aechtheit,  und  ist  für  die 
Eirchengeschichte  sehr  wichtig.  Wir  ersehen  u.  a.  daraus,  dass  Leander 
mit  Licinian  verkehrte,  dass  .  dieser  die  Hirtenregel  und  den  ersten 
Brief  des  Papstes  wohl  von  ihm  empiieng,  dass  der  Anfiemg  der  Werke 
„Moralia  in  Job^  sehr  firühe  nach  Spanien  kam,  während  das  vollstän- 
dige Werk  erst  60  Jahre  später  dahin  gelangte,  dass  Schriften  von 
Gr^^or  von  Nazianz  und  Theodor  von  Mopsvueste  in  Versionen  in  Spa- 
nien bekannt  waren,  u.  a. 
•n  VI».  Vincentius,  Bischof  von  Ebusa  (Iviza)  hatte  an  Licinian  geschrieben, 
'^"'^°*da88  er  einen  Brief  von  einem  Ungenannten  erhalten,  mit  der  Nachricht, 
Rbasa.  es  sd  in  Rom  auf  dem  Altare  über  der  Memoria  Set  Petri  ein  Brief 
Christi  vom  Hinmiel  gefallen,  u.  a.  mit  der  Einschärftmg  einer  bessern 
Sonntagsfeier;  diesen  Bericht  habe  er  von  der  Kanzel  aus  dem  Volke 
verkünden  lassen.  Darüber  schrieb  Vincentius  an  Licinian  [als  seinen 
Metropoliten*)].  Dieser  antwortet  scharf:  so  bald  &  den  Anfang  des 
Briefes  gelesen,  habe  er  ihn  in  Gegenwart  des  Ueberbringers  zerrissen 
und  auf  den  Boden  geworfen;  er  könne  solche  Albernheiten  (naenias) 
nicht  ertragen,  worin  sich  weder  eine  schöne  Diction  noch  die  gesunde 
Lehre  finde.  Die  strenge  Sonntagsfeier  der  Christen  düHe  keine  jüdische 
sejn;  wenn  die  Christen  am  Sonntag  den  Gottesdienst  nicht  besuchen, 
so  wäre  es  besser  für  sie^  zu  arbeiten,  als  zu  tanzen,  und  fade  oder 
schmuzige  Lieder  zu  singen^).    Christus  schicke  keine  Briefe  mehr  vom 


')  Davon  ist  noch  vorhanden  Fragm,  homitiae  de  libro  «.  Job  —  cf.  Efieron.  ep.  6t 
ad  VigHantium.  —  /t6.  /  contra  Rufinum^  cp.  14.  Obiges  Fragment  ist  aus  Augu 
8tia.  L  2,  27,  ctra  Julianum  (Ed.  M.  W,  358),  der  es  für  eine  Schrift  drs 
Hilarius  selbst  hält.  —  cf.  Hieron.  ep.  ad  Vtgilant  61  (al.  75);  —  ad 
Pammaeh,  57  (101)  ep,  6  de  optimo  genere  mterpretandi.  —  apolog.  ad».  Ubr.  Rufini, 
1,2  —  Hilarium ,  —  gut  40  ferme  miUia  versuum  Origenis  m  Job  et  PkvJmoi 
transtuliL 

*)  Greger  N,,  poimata  de  »e  ipso,  Crregor.  jiujurand.  —  Poem,  moral.  33  —  Tetra- 
etiekae  eent.  v.  225 — 35, 

»)  K.-G.  2,  (1)  188. 

*)  tu  dieitur,  baüare,  mkar9f  et  membra  —  ealtando  male  torquere,  et  ad  exeüandiun 
ländmem  ntigaioriii  etmeiomhie  prochmare,  —  AugueL  de  temp.  (»ermo§L  suppoeiL)  S.  ^<>> 


LiciDUn  ron  GArtageBa.  &3 

Hiiiimel,  ja  habe  es  nie  gethan.  Er  aolle  also  in  Gegenwart  des  Volks 
jenen  Brief ,  wenn  er  ihn  noch  habe,  aerreissen^  und  bereuen,  was  er 
gethan.  Der  Brief  schliesst :  ^^Bitte  f  Or  uns,  heiliger  Herr,  und  in  Christo 
geliebtester  Bmdar.'' 

Ausführlicher  ist  der  dritte  Brief  des  Lioinian ') ,  dessen ,  wie  der 
beiden  frühem,  Isidor  nicht  er^^nt,  welchen  er  und  Sererus  (von 
Malaga)  an  den  Diacon  Epiphanius  schreiben.  —  Der  Bischof  dieses  m  d«« 
Epiphanius,  welchen  die  Brieftehreiber  w^;en  seiner  hohen  Würde  aus  k^^Ü. 
Schonung  nicht  nranen  wollen,  behauplele^  dass  ausser  Gk)tt  alle  andern  ^^ 
Wesen  körperlich  seien.  l!4ciBian  hält  es  wohl  für  angemessen,  die 
Antwort  nicht  allein  su  geben  ^  sondern  zog  den  gelehrtesten  Bischof 
seiner  Provinz  zur  Theilnahme  an  der  Widerl^ung  des  Irrenden  zu. 
Es  wird  aus  der  Schrift  bewiesen,  dass  die  Engel,  die  guten,  wie  die 
bösen,  Geister  seien;  ebenso  die  Seele  des  Menschen.  Dann  kommen 
üe  Vernunftbeweise.  Es  gebe  vier  Elemente  alles  Körperlichen;  ob  für  « 
lie  Geister  ein  fünftes  bestehe?  Der  Geist  sei  an  keinen  Ort  gebunden 
'amma  loeaUs  non  est).  Er  könne  nicht  getödtet  werden,  wie  der  Leib. 
&Js  Bild  Gottes  —  sei  er  Geist,  wie  Gott.'  Der  Geist  belebe  den  Leib, 
3r  durch  wohne  und  durchherrsche  ihn,  untheilbar  in  ihm.  j,Die  ganze 
Seele  siebt,  hört,  betet  an,  berührt,  kostet:  und  während  sie  den  Ldb 
lurch  die  Räume  bewegt,  bewegt  sie  selbst  sich  nicht  im  Raume.^  Es 
igsthe  drei  Bewegungen  der  Wesen,  Gottes,  die  nicht  in  der  Zeit  und 
licht  im  Räume  sich  vollziehe,  die  der  Seele,  die  in  der  Zeit  geschehe, 
^fahrend  sie,  selbst  nicht  räumlich,  alle  Räume  umfasse  (amnia  loea 
nloeaUter  conüneij.  Sie  hat  keine  Quantiült,  aber  eine  Qualität,  Gott 
labe  weder  die  eine  noch  die  andere').  Es  wird  vom  Punkte  und  der 
Linie  in  der  Geometrie  gehandelt  Es  folgt  der  Beweis  aus  der 
Tradition ,  der  sich  auf  Citate  aus  Werken  Augustinus  ^)  (deren  Zusen- 
lung  sickcEpiphanius  vergebens  erbeten  hatte)  und  aus  Claudiamt»  Jfom. : 
,de  incotporaUtaU  tmimae  —  l.  3''^)  beschränkt  Wenn  man  dessen  geist-  - 
'eiche  Schrift  aufinerksam  durchliest,    wird  man  vielleicht  finden,  dass  - 

msre  vorliegende  kleine  Schrift  zum  grossen  Theile  die  Gedanken  und 
Ausführung  des  Claudianus  M.  wiedergiebt    Es  genüge ,  schliessen  sie. 


266  —   diaboUco  more  bahre  et  ialtare,  —    Ferrand  Diac,  c.  188  Brwiar,  eanon,  — 

Friedrich  Diez  (Elyrool.  Wörlerbuch)—  leiteldas  Wort  von :  ftoOtys-Ka^el,  Ball  her. 
*)  Er  hat  22  capilala;  ^inleilnng   1  —  2;    Schrlflbeweis,   3—9;    Vernunftbeweia, 

10—17;  VälerbeweisplS— 21;  Schluss  cp.  22. 
')  ep.  14  f   rite  creditur  cmima  qttantitatem  -  nulUnn ,    qucUiiatem   habere  uüam:  Deum  nee 

qucmtüatem,    nee  qualitatem  habere.      Quia  igitw  <i9qualig  Deo  non   est,    quaUtaUm 

habere;  quia  corpus  non  est,  quantitatem  non  habere. 
*)  Darunter  Ist  der  Brief  (137  ed.  Maur.)  ad  Vobtsianum,  „de  tnctMmaiione  Verbi  Dei*' 

(cp,  11),  welchen  unsre  Verfasser  „Über  de  Virginitate  Set,  Mariae'^  nennen. 
*)  Vielmehr:  de  etatu  animae;  l  3,  cp,  14  <Reeapiialation  des  Cl.  Mam.)* 


54  Achtes  Baeh.    Viertet  Kapitel. 

dase  sie  flun  in  KUnsey  soweit  es  die  beschrilxikte  Zeit  erkabe,  Auesüge 
ans  diesen  beiden  Schriftsteilem  mittheilen.    Er  möge  sie  dem  Unge- 
nannten (i.  e.  seinem  Bischöfe)  mittheilen;  wenn  er  sich  nicht  füge  and 
zurechtfinde,  so  werden  anch  andere  Zeugnisse  bei  ihm  nichts  vermögen. 
Der  Inhalt  des   sweiten   und  dritten  Briefes  des  Licinian  ist  eine 
unwiderleglidie  Bestätigung  seiner  Klagen  in  dem  ersten  Briefe,  dass 
nur  Unerfahrene  in  seinem  Sprengel  sich  für  das  Amt  eines  Bischofs 
Lki-  finden.   Der  Inhalt  aller  drei  Briefe  führt  zu  der  Ansieht^  dass  Licinian 
Mtu^  Metropolit  war;   als  solcher  musste  er  Bischöfe  weihen,  den  irrenden 
■^"^  Sttffragan  Yincentius,   vi^<l  ^^^  irrenden  ungenannten  Bischof  des  Epi- 
phanius  zurechtweisen  und  zurechtführen.     Umsonst  sagt  Florez,   der 
Brief  an  Vincentius  beweise  dieses  nicht*);  aber  im  Zusammenhalte  mit 
der  Natur  und  Lage  der  Dinge,   mit  der  G^chichte  und  den   Übrigen 
zwei  Briefen  beweist  er  es.  —    Aber  wie  im  siebenten,  so  konnte  man 
es  im  17«  und  18.  Jahrhundert  innerhalb  des  Sprengeis  von  Toledo  noch 
nicht  zd  einer  geschichtlichen  Anerkennung  einer  Metropole  von  Ga^ 
thagena    bringen.  —      Licinian    war  Metropolit     der  Bisdiöfe    inne^ 
halb  des  noch  den  Griechen  angehörenden  Gebietes  in  Spanien.   Wenn 
unter  ihm  auch  der  Bischof  der  Pithyusen  stand,  so  beachte  man,  dass 
diese  Inseln  ungleich  näher  bei  Spanien  liegen,  als  die  Balearen. 
Sein  Lidnian  kam  in  Constantinopel  um  das  Leben,  wie  man  sagte,  durch 

^co»!'  ^ift-  ^^^  Erklärung  seiner  Reise  dahin  und  seines  tragischen  Tody 
^*^l^  ist  damit  nicht  gegeben,  wenn  man  sagt,  die  Kezer  haben  ihn  vergiftet 
—  Entschieden  trete  ich  der  (nur  nicht  motivirten)  Ansicht  des  Ferren» 
bei^),  er  sei  nach  Constantinopel  gereist,  um  im  Namen  der  Unterdrück- 
ten bei  dem  S^aiser  Klage  zu  führen  gegen  das  Raubsystem  der  Statt- 
halter, dass  aber  Comitiolus,  davon  in  Kenntniss  gesezt,  ihn  zu  Con- 
stantinopel habe  vergiften  lassen.  Man  bedenke,  dass  Comitiolus  die 
fireien  Bürger  sänmitlich  zu  Sklaven  gemacht,  dass  das  Land  verödet 
lag^),  man  denke  an  die  Gewaltthätigkeiten  gegen  die  Biscböfe,  und 
man  wird  begreifen,  dass  Licinian  kaum  umhin  konnte,  für  seine  be- 
drängten Pflegempfoblenen  in  seinem  hohen  Alter  diese  Reise  anzutreten) 
die  ihm  den  Tod  eintrug;  aber  er  starb  den  Tod  des  Gerechten. 

Den  ersten  Brief  des  Licinian  fand  und  theilte  mit  dAchery  in  Spi- 


V)  Fiorez,  4,  85  (98),  5,  124^28,  gegen  Juan  BapL  Ferrer:  Diäsertatio  de  antiquo 
primcUu  Toletano,  aucL  —  Ferrer f  VaUntmOf  Valentiae  1728,  p,  90,  der,  als  ein 
Kinwohncr  des  Königreichs  Valencia,  nicht  auf  dein  Mndpunkt  von  Toledo  stohl 

')  Ferrerae,  2,  325—26;  er  widerlegt  zugleich  die  Behauptung  des  Miuiana  (Üb,  5, 13 
und  Aguirre  3,  315),  dass  Leovigild  ihn  habe  vergiften  lassen. 

')  qf,  uUimum  regulae  S.  Lecmdri:  terra,  eui  dvee  er^H  sunt,  et  concesei  extraneo,  moi 
ut  dignitaUm  perdidit,  caruit  et  foecunditate,  —  Mit  Unrecht  versteht  Montalem- 
bert  diese  Worte  von  ganz  Spanien  (Mont.  die  Mönche  des  Abendlandes,  deutsch 
von  Brandes,  Regsb.  1860»  Bd.  2,  S.  200  (»Die  Mönche  in  Spanien,  8. 193—238 ). 


LieiniAn  tod  Cartagena.  55 

dleg.  t.  2,  p.  368  (Affuirre,   U  Sj  315^17),   den   zweiten  und  dritten  Aoasa- 
theilte    mit    aus  Ms.    der    Kirche    von  Toledo    der  Kardinal  Aguirre^'n«**^*' 
(t  3)  317 — 321 )}  derselbe  giebt  zu  dem  ersten  Briefe  die  Varianten  eines  ^''^'^'* 
Ms.  von  Toledo.    Eine  neue  correktere  Ausgabe    der  drei  Briefe  gab 
Florez  (den  ersten  nach  der  zweiten  Ausgabe  des  Spicileg,  van  Dttehery, 
t.  J,  1723)  j  Esp.  $ag.  t.  5,  p.  402^-405— 407^-410  apendice  JF,    „de  las 
Carta»  de  Lidniano^,    Aus  Aguirre  sind  die  drei  Briefe  abgedruckt  ap. 
Migne,  patroL  laU  L  72j  p.  690^700. 

Ueber  Licinian  ist,  ausser  flüchtigen  Bemerkungen,  noch  nichts 
geschrieben  worden ').  Er  wäre,  in  Verbindung  nut  der  Darstellung  der 
Lage  des  in  der  Gewalt  der  Griechen  befindlichen  Theiles  von  Spanien, 
einer  Monographie  wohl  wertL  Seine  Bildung  wie  sein  Eifer  ist  rüh- 
menswerth;  seine  Sprache  ist  nicht  frei  von  Provinzialismen,  im  Ganzen 
aber  correkt  und  anziehend.  —  Da  wenige  Jahre  nach  seinem  Tode 
Carthagena  von  den  Spaniern  zerstört  wurde ,  so  war  er  vielleicht  der 
lezte  Metropolit,  oder  doch  der  lezte  Bischof  von  Carthagena,  der  in 
Carthago  Spartaria  residirte.  An  die  Stelle  von  Carthagena  trat  Biga- 
stro,  und  später  Murcia. 

§.  2.    Donatus 

war  Gründer  und  erster  Abt  des  Klosters  Servitaniun.    Seiner  erwähnt  d«... 
zuerst  Johannes  von  Biclaro  beim  dritten  Jahre  des  Leovigild  (J.  571):  ^'J*' 
Donatus,  Abt  des  EUosters  Servitanum,   der  Vollbringer  von  wunder-   mo«. 
baren  Werken,   wird  gefeiert^).    Zwölf  Jahre  später  nennt  er  den  Do-   aam. 
natus  einen  Heiligen^).  —  Ausführlicheres  über  ihn  theilt  erst  100  Jahre 
später  Udefons  mit:  „Donatus,  Mönch  dem  Bekenntnisse  und  der  That 
nach,   soll  der  Schüler  eines  Einsiedlers  in  Afrika  gewesen  seyn.    Da 
dieser  die  Einbrüche  barbarischer  Völker,  die  Zerstreuung  und  die  daraus 
entstehenden  Gefahren  für  seine  Heerde  vor  Augen  sah,   so  begab  er 
sich  zu  SchifiF  mit  etwa  70  Mönchen,  und  zahlreichen  Codices  nach  Spar 
nien.      Ihm    gab     die    vornehme     fromme   Frau    Minicea   Hilfe     und 
Unterstüzung,    so  dass  er   das  Kloster  Servitanum   bauen  konnte.    Er 
zuerst  soll  nach  Spanien  die  klösterliche  Observanz  und  Regel  gebracht 
haben:   im  Leben  leuchtete   er   durch  Wunder,    im  Tode  durch  seinen 
Nachruhm.    Lebend,  und  in  der  Crypta  seines  Grabens  ruhend,  soll  er 
durch  Heilwunder  wirken,  wesswegen  die  Bewohner  jener  Gegend  sein 
Grab  in  Ehren  halten ♦).*< 


')  Fabricmtf  biblioth.  med.  eL  in/,  laU  ed,  Mansif  4,  274 — 75,  —   Antonio  Perez-Bayer, 

277^82,  —  de  Castro,  275     78.  —     Rem,  Ceillier,  11,  428^29. 
^)  Donatus f  —  mirabiiium  Operator,  clarus  habetur. 

*)  Eutropiu»  AbbaSf  Moncuterii  Sem'tani,  discipulus  Sancti  Donati,  clctrut  habetur, 
*)  Ilde/ons  de  vir.  iü.  cp.  4. 


66  Achtet  Baeh.    Viertes  Kapitel. 

«•hl  Von  der  B^gel  des  Donatus  soll  sjritter  die  Rede  seyn.    Aber  wer 

Afrika,  waren  die  Barbaren ,  vor  denen  er  floh  ?  Es  i^earen  die  Berbern ;  die 
Bacoatae  nnd  Macanitae  in  Mauritanien^),  führten  beide  den  Beinamen 
Barbari 9  in  dem  man  die  hentigen  Berbern^)  leicht  wieder  ^kennt'). 
Schon  im  2.  Jahrhundert  überschwenmiten  und  beherrschten  sie  längere 
Zeit  den  Süden  von  Spanien;  nach  Tertullian  brachen  sie  hervor  ans 
ihren  Sisen.  Sie  erwiesen  sich  als  die  gefiihrlichsten  Feinde  des  Reiches 
der  Vandalen;  und  die  Handvoll  Truppen,  welche  jezt,  nach  dem  Stuise 
der  Vandalen,  die  R5mer  (Griechen)  in  den  weiten  Gtebieten  von  Spa- 
nien stehen  hatten,  konnte  ihren  Raubzügen  nicht  Einhalt  thun^).  Aga- 
thias  klagt  um  diese  Zeit^),  dass  das  kleine  Heer  von  kaum  lÖOyOOOMaim 
in  Spanien,  Afinka,  Italien,  Aegjten,  Persien,  Armenien  etc.  zerstreut 
sei.  Mit  einem  Heere  von  nur  16,000  Mann  zerstörte  Belisar  das  Reich 
der  Vandalen«  Auch  der  Abt  Nunctus,  welcher  zur  2ieit  des  Leovigiid 
nach  Emerita  kam,  scheint  Afiika  aus  dem  gleichen  Grunde  verlassen  zu 
haben  ^). 
Kloster  Zur  Zeit  des  Kri^;es  zwischen  Hermenegild  und  Leovigiid  waren 
Martini,  beim  Herannahen  des  Feindes  aus  dem  Kloster  des  heil.  Martinus  sämmt- 
liehe  Mönche  auf  eine  benachbarte  Insel  geflohen.  Nur  der  alte  ehr- 
würdige Abt  war  geblieben.  Als  die  Gothen  kamen  und  den  Ort  plün- 
derten, so  fanden  sie  den  Abt  allein,  zwar  gebeugt  vom  Alter,  aber 
doch  aufrecht  durch  seine  Tugend.  Einer  der  Gothen  zog  das  Schwert, 
als  er  aber  zum  Streiche  gegen  ihn  ausholte,  fiel  er  rücklings  zur  Erde 
und  starb.  Vor  Entsezen  flohen  die  Uebiigen;  Leovigiid,  von  dem 
Ereignisse  in  Kenntniss  gesezt,  befahl,  dem  Kloster  alles  Geraubte 
zurückzustellen  ^). 

Das  Kloster  Servitanum  lag  jedenfalls  zwischen  Sagunt  und  Cartha- 
gena,  es  hatte  in  Donatus  einen  bejahrten  Abt,  welcher  Wunder  voll- 
brachte, es  konnte  auch  dem  heil.  Martinus  geweiht  seyn.  —  Auch 
werde  sonst  ein  Martinskloster  in  diesen  Gegenden  nicht  erwähnt').  — - 
Dagegen  wird  geltend  gemacht  die  Verschiedenheit  der  Namen,   femer, 


1)  PloUm,  4,  i. 

')  Johannes  BicL  575  —  donis  Barbariae  («  Berberei). 

»)  Farbiger,  Handb.  d.  all.  Geographie,  Bd.  2,  (1844),   S.  870  »J/auritoma." 

*)  Joh,  Bielar.  J,  569  —  TkeodoruSf  prae/ectw  A/ricae,  a  ^fauri*  inter/ecttu  est.  ■- 
Juhr  570;  Theoctietiu  magister  militum  provinciae  Africanae  a  Maurie  beUo  superatui 
interiü,  —     J,  571 :  Amabiiis  magUUr  militiae  Africanae  a  MauriM  ocdditur. 

*)  Agatkias,  5,  13, 

*)  Pauhu  Emmit,  cp.  3,  ah  ÄfricaniM  regionibus  in  provinciam  Lueitaniam  Nunditm  nostntm 

t     adveniue  ahhaUm, 

^)  Gregor^  TW.  de  gloria  confee»,  c  12,  —     MantaUmbertf  S,  201, 

•)  Fr,  Diago,  Annales  del  Rmno  de  Valencia,  1613,  Hb.  5,  cp,  9.  Matnlltm,  oMtaiu 
0,  S.  B,,  L  3,  w,  35, 


Entropint,  Bischof  nm  ValiBeüu  57 

da88  im  J.  664  schon  Eatropius  als  Abt  bertOunt  war,  %a8  docb  einige  , 
Jahre  seiner  Amtsthätigkeit  vorausseze;  vor  allem  der  umstand ,  dass 
das  Promontorimn  Dianimn  jezt  Cabo  S.  Martin  heisst^),  von  wo  aus  die 
oächate  üeberfahrt  nach  der  Insel  Ivisa  war.  Für  mich  ist  der  lestere 
Qrond  von  Gewicht  Denn  auch  das  Promontorium  Magnum  in  Algarve 
— -  heisst  Cabo  de  Bio  Vicente,  von  dem  darauf  gestandenen  Sc.  Vin- 
seiUBkloetery  wfthrend  heute  noch  der  südliche  Auslinfer  desselben  Ponta 
le  Sagres  heisst ,  wie  er  früher  Pronu  Sacrum  genannt  wurde  ^).  —  Wie 
in  den  alten  Zeiten  auf  Vorgebirgen  Tempel  standen,  so  wurden  in  der 
neuen  Zeit  Kirchen  und  Klöster  auf  ihnen  errichtet  In  4em  Bisthum 
3.  Denia  wäre  demnach  das  Set  Martinsklosler  gelegen^) ,  während  das 
Kloster  Servitanum  im  Bisthum  Saetabis  lag.  Den  Namen  Servitanum 
leiten  einige  von  Saetabis,  andre  von  Servi(Dei)  ab.  Die  Mehrzahl  der 
Schriftsteller  glaubten,  dass  das  Kloster  nächst  ^er  Stadt  Saetabis  lag, 
«während  ich  mit  andern  eine  etwas  südlichere  Lage,  etwa  bei  la-Ollma, 
innehme  *). 

§.   3.    Eutropius^  Bischof  von  Valencia 

war  der  nächste  Nachfolger  des  Donatus,  und  schon  zum  J.  584  sagt  sairo^ 
Johannes  Bicl.:  Eatropius,  Abt  des  Klosters  Servitanum,  Schüler  des  ^^ 
beiL  Donatus,  wird  gefeiert.  Viel  Ruhmvolleres  noch  berichtet  er  über 
ihn  aus  Anlass  der  dritten  Synode  von  Toledo,  589.  —  Ibn  feiert  Isi- 
clor  mit  den  Worten^):  Eutropips,  Bischof  der  Kirche  von  Valencia, 
bat,  als  er  noch  im  Kloster  SesJÜlanum  w^te,  und  Vater  der  Mönche 
war,  an  den  Bischof  Lucinian  i^cß^Poipam  Lueinianum),  dessen  wir  oben 
Erwähnung  gethan,  einen  seh^' lehrreichen  Brief  geschrieben,  worin  er 
denselben  fragt,  warum  den  getauften  Eandern  das  Chrisma,  und  dar- 
naoh  die  Salbung  mitgetheilt  werde.  Er  schrieb  auch  an  Petrus^  den 
Bischof  von  Ercavica  über  die  Leitung  (diHneUane)  der  Mönche  einen 


')  WiWcamm,  rlie  Halbinsel  der  Pyreotea,  Leipz.  1855,  S.  77, 154, 156.  —  Ä.  J,  Ca- 
vanilUs,  Observ,  —  del  Reino  dt  Vakuda^  Madr.  1795,  Bd,  2,  S.  220.  Es  sind 
vielmehr  6  Vorgebirge  Cabo  de  S.Antonio,  S.  Martino,  de  la  Nao,  Moraira, 
Hifac  und  Arabi.  Im  Alterthum  hiess  es:  Dianiam,  von  einem  Tempel  der 
Diana,  Tenebriom  (heute  Negre),  auch  Ferraria  (Mela,  2,  2,  6,  —  Forbiger, 
3,  H). 

^)  WiUkomm,  3,  88,  140—41:  »Der  änsserste  Vorsprung  des  Kaps  trägt  ein  Kapu- 
zinerkloster,  welches  auf  drei  Felscnkeg'eln  steht,  zwischen  den«  die  Wogen 
des  Meeres  hindurchschlagen.  Bei  stürmischem  Wetter  sprizt  ofr^r  Schaum 
der  Brandung  noch  hoch  über  das  Dach  des  Klosters  hinweg,  v.  S.  4%. 

»)  Fiacher,  Gemälde  von  Valencia,  1.  Bd.,  L.  1808,  S.  197— «9,  die  8t.  Martinshöhle. 

*)  Fhrexy  dt  la  Iglesia  Seialntana,  axpU,  uft.  De  loa  Sanlot  dt  ttta  Dioetn,  y  del 
MonasUrio  Smvitano ,  8,  57—  62,  «- 

*)  hid,  de  vir»  ÜL  cp,  45. 


58  Aehtes  Bach.    Viertes  Kapitel, 

an  Bi.  in  erbaulioher  Sprache  verfassten  und  den  Mönchen  sehr  nothwendigen 

Petra«   Brief.*' 

MTif«?         Dbbs  Eutropius  Bischof  von  Valencia  wurde,  erfahren  wir  nur  von 
Isidor*).   Im  J.  610  war  Marinus  schon  Bischof  von  Valencia,  im  J.  Ö89 
Celsinus.   Da  wir  mit  Grund  annehmen,  dass  Eutropius  einer,  vielleicht  der 
erste  der  Aebte  war,  die  Reccared  nach  Rom  sandte,  so  würden  für  die 
Dauer  seines  Episoopates  wenige  Jahre  übrigen.  Er  scheint  nicht  als  Heili- 
ger verehrt  worden  zu  sejn,  wenigstens  steht  er  nicht  als  solcher  in  den 
Martyrologien^j.  —    Erhalten  ist  uns  „Epittol<i  ad  Peirum   Pap€ttn  de 
de     oeto    vitiis;    er   bezeichnet    als  solche:    1)  gastrimargiaf    2)  formeatio, 
a  fntii*.^j  philarffyria,  4)  tro,  5)  tridiUa,  0)  aeedia,  7)  cenodoxia,   8)  «^erWa    j, 
Die  leztem  beiden  fallen  ofiFenbar  zusammen.    Die  griechischen  Namen    L 
weisen  auf  den  griechischen  Ursprung  dieser  Sittenlehre^).    Es  finden  1^ 
sieh  trefiPende  Aussprüche  über  Wesen,  Wirken  und  Zusammenhang  die- 
ser Laster.    Der  Christ  soll  nicht  essen   „vor  der  canonischen  Stunde''. 
Jede  Todsünde  zerfällt  wieder   in   zwei  oder  drei  Verzweigungen.    Sie 
stehen   unter  sich   in   einer  Verkettung  (concatenatio) ,   und  haben  ihre 
einzelnen  Aeusserungen ^).      Er   zeigt,    wie    man   gegen    diese  Fehler 
kämpfen  solle.  Es  gebe  mehr  Laster,  als  Tugenden,  doch  wer  jene  acht 
Lastor  besiegt,  habe  alle  mit  der  Wurzel  ausgerissen.  Es  folgt  die  zweite 
dedi-  Abhandlung  an  den  Papa  Petrus  „de  cUstrietione  monachorum   et  rtdm 
M  Mip  fnonoiteriorum ,  directa  Bomae.  —    Man  müsse   erhalten  die  Zucht  und 
^""^'^  die  Ordnung  der  heil.  Regel,  damit,  was  die  Väter  eingesezt,  auch  die 
Söhne  unversehrt  bewahren  und  beobachten.    In  der  Welt   müsse  der 
Fürst,   in  der  Kirche  der  Hirte  und  Hohepriester,  in  den  Klöstern  der 
Vater  den  Bösen  Widerstand  leisten  und  sie  züchtigen.   Er  verweist  auf 
das  achte  Buch  der  „Stadt  Gottes.^     Den  Apostel  Petrus  nennt  er  dis 
Haupt  und  den  Fürsten  aller  Apostel.    Er  beschwert  sich,  dass  ihm  der  1 
Vorwurf  zu  grosser  Strenge   im   KUoster  gemacht   wurde,    wesswegcn   j 
schon  einige  Mönche  ausgetreten.    Aber  besser  sei  es,  mit  wenigen  heilig« 
als  mit  vieleu  lau  und  weichlich  leben.     Wer  so  sage,  der  kenne  keine 
EUosterregel  (monasterialem  regulam).    Was  Gott  in   diesem  Kloster  fin 


- 


* )  cp.  42  et  45. 

*j  Fr,  DiapOf  Annalts  de  Valencia ^  L  5,  p.  206.   ~     Florez  Ä,  166—69         „San  i.V 

iropiü**^  (de  la  lyhsia  de   Vaiencin).      -     Antonio  -  Perez  Bayer  ^  p.  2Hfiy  nr,  44. 
')  8,  Kimmelf  Monumenta  fidei  cccles.  orten talis,  Jenae  1850 ^  Con/esaio  orthodaxOf  P.  ///< 

gua$ith  23,  wo  ^  vxs^tffxiveta,  ij  xXtove^ia^  ij  xo^eiay  6  f^^c^voc,  ij  yaOr^ifu^yu^ 

^  fjmfaotaxia  (Rachsucht)    xoi  17  eoajdia  als  Todtsünden    stehen.  —    v.  übrig- 

des  Cassian  Schrift:  de  coenob.  inetitui.  1.5 — 12. 
*)  Er   nennt   sie  ßliae^    z.  B.  de /amicatione   —   (nascuntur)  turpiloguiay   scurriUtata^ 

ludicra  ac  ituUiloquia   (cf,  üher  diese  sosron.  A Tri kan Ismen,   K.-G.  1,  88—89  - 

cf.  Hilarius  Pict  2,   6  ad  Constani.    cp.  25  contra  Conet.  —     Eutropiue   sagt  a.  2. 

in  alio  euperequiiat  fiwor.  \ 


# 

w  €nlUi  mta)  bis  jezt  erhalten,  das  wolle  er  jeat  nicht  w^;en  wmiger 
ner,  heromsch weifender  Pseudomönche  (^tw^o»  jM^iidbmoiiac^kMJ^  welche 
glich  Ton  einem  Hause  zum  andern  laufen ,  und  die  mit  Epicur  guter 
inge  spredien:  Lasset  uns  essen  und  trinken,  denn  morgen  sind  wir 
dt,  verilndem  oder  aufheben.  Denn^  wie  der  heil«  Apostel  sagt:  Es 
eht  ein  fester  Grund  (2  Tim.  2, 19),  und  wenn  auch  Einer  in  Folge 
mes  bösen  Willens  daran  sich  stosse  und  falle,  so  möge  doch  in  nichts 
nstoss  nehmen  und  wanken,  was  (wen)  der  allmächtige  Gott  mit  sei- 
sr  Rechte  schUzt  und  stärkt    Amen. 

Der  mit  Geist  und  Feuer,  aber  nicht  ohne  woU  berechtigte  G^reiz^ 
)it,  vielleicht  sagen  wir  besser  mit  heiligem  Zorne  geschriebene  Brief, 
w  jedenfalls  den  höchsten  Beifall  Isidor's  gefunden,  lässt  schliessen, ' 
188  Bischof  Petrus  vorher  einen  klagenden  Brief  an  Eutropius  jiber 
»sen  zu  grosse  Strenge  gerichtet  Nach  dem  Inhalt  sollte  man.  schUes- 
n,  dass  derselbe  im  Kloster  (Servitanum)  geschrieben  wurde.  Jst  aber 
e  Ueberschrifi  acht  und  sprachlich  correkt:  direeta  Romae  —  zu  Rom  «(an  zntre. 
strus)  gerichtet,  so  wäre  diess  die  Bestätigung  einer  YermuthuQg,  die  steh  ''jum? 
dem  von  selbst  nahe  legt  Denn  Reccared  hatte  (wenigstens  zwei)  Aebte 
I  Papst  Gregor  gesandt,  mit  Geschenken  und  der  Bitte  um  das  Pallium  für 
eander.  Eutropius  war  nicht  nur  der  hervorragendste  Abt  in  Spanien^ 
it  und  wohl  noch  vor  Johannes  von  Bidaro,  er  hatte  auf  der  Synode 
1  Toledo  alle  Bischöfe  überragt  Auf  ihn  mussten  zuerst  die  Augen 
»  Königs  fallen').  Eutropius,  zweiter  Begründer  seines  Klosters,  hatte 
m  natürlichen  Wunsch,  die  von  Gregor  L  in  Rom  gegründeten  Klöster, 
o  sich  damals  auch  die  589  von  Montecassmo  vertriebenen  Mönche  am 
adkan  ein  Kloster  gebaut  hatten,  näher  kennen  zu  lernen,  und  mit 
regor  I,  dem  zweiten  Begründer  des  Ordens  des  heil.  Benedictus,  nähere 

ücksprache  über  die  Angelegenheiten  desselben  zu  nehmen. 

. 

§.   4.    Johannes  von  Biclaro 

itammte  aus  der  Stadt  Sealabis  (Santarem),  und  war  von  Gesciilecht 
n  Gothe.  Als  Jüngling  gieng  er  naidi  Constantinopel,  eignete  sich  die 
teimsche  und  griechische  Bildung  an,  und  kehrte  nach  siebenzehn  Jah- 
)n  in  seine  Heimath  zurück,  zur  Zeit  des  Ausbruchs  der  Verfolgung 
eovigild's.  Der  König  suchte  ihn  vergebens  zum  Arianismus  zu  ver- 
ihren,  dann  verbannte  er  ihn  imA  Baroelona,  wo  er  zehn  Jahre  viele 
achstellungen  und  Verfolgungen  voA  den  Arianem  zu  erdulden  hatte, 
päter  gründete  er  das  Kloster  Biclaro  (Bisthums  Tarraco) ,   wo  er  eine 


*)  Auch  H,  Oeiger  lässt  den  Eatropios,  aber  schqn  &88  mit  Probinus  von  Tarraco 
nach  Rom  reisen,  aber  in  der  Hafenstadt  tieonina  an  (|er  Pest  sterben,  2) 
204—223  •Die  Herrschaft  des  Todes«, 


60  Achtet  Bneb.    Viertes  Kapitel. 

Gemeinde  von  Mönchen  sammelte,  und  eine  Regel  schrieb,  welche  dem 
Kloster  selbst  heilsam  seyn  sollte,  aber  auch  allen  Gottesfürchtigen  sicher 
Tonnöthen  ist  Dem  Buche  der  Chroniken  (des  £usebiu8  und  Hierony- 
mus)  fügte  er  hinzu  vom  ersten  Jahre  der  Regierung  des  jungem  Jnsti- 
nus  bis  zu  dem  achten  Jahre  des  Römischen  Regenten  Mauritius  (566— 
690)  in  historischer  und  gedrängter  Darstellung  eine  sehr  lehrreiche  Ge- 
schichte: man  sagt,  dass  er  noch  vieles  Andere  schreibe,  was  zu  unsrer 
Kenntniss  nicht  gelangte''^). 

Nach  der  Berechnung  des  Florez  wurde  er  geboren  um  540,  reiste 
um  558  nach  Constantinopel,  kehrte  um  575  zurück,  baute  im  J.  586 
sein  Kloster,  in  einem  Alter  von  46  Jahren,  wurde  um  591  Bischof  von 

Jobaa- Gerona,  und  starb  um  621^).  —     Aus   seinem  Chronicon  sieht  maO; 

OricBt  dass  er  im  J.  571  in  Constantinopel  sich  befand.  —  Da  in  den  „Fwü 
IdaÜarW*  [K.-G.  2,  (1),  470]  sich  specielle  Nachrichten  aus  Constanti- 
nopel und  aus  dem  Orient  finden ,  so  könnte  man  an  Johannes  als  den 
Ver&sser  derselben  denken.  Aber  gerade  die  den  „FofH^  eigenthüm- 
Kchen  Ausdrtlcke,  z.  B.  Romania,  levatits  est,  recuHt^  —  finden  sich 
nicht  in  der  Chronik  des  Johannes,  welche  auch  gewandter  und  leichter 
geschrieben  ist.  —  Im  J.  576  begann  die  Verfolgung  des  Leovigild 
noch  nicht;  ich  glaube,  man  dürfe  von  den  10  Jahren  seiner  Verban- 
nung in  Barcelona  einige  abziehen,  und  sie  auf  die  Zeit  von  579  b» 
vww  586  beschränken.    Johannes  als  ein  Gothe,  musste  den  Unwillen  des 

MMb   Königs  mehr  als  die  sogenannten  Römer  auf  sich  ziehen ,   und  so  ver 

^^  wies  er  ihn  denn  zu  den  „Gothen^  nach  Barcelona. 

Wenn  wir  diese  Nachricht  des  Isidor  mit  dem,  was  wir  früher  über 
den  Bischof  (Jgnas  von  Barcelona  gehört  haben,  zusammenstellen,  so 
dürfen  wir  ohne  Uebertreibung  sagen ,  dass  Barcelona  von  579  bis  586 
das  Heerlager  und  der  Centralpunkt  der  arianischen  Gothen  war.  Schon 
Florez  hat  mit  aller  Energie  nachgewiesen,  dass  Barcelona  eben  unter 
der  Botmässigkeit  der  Gothen  stand,  und  dass  dcsswegeu  kein  Schatten 
eines  Tadels  auf  die  Einwohner  desselben  fallen  kann,  die  einfach  unter 
dem  Joche  der  Feinde  standen^).  —  Ugnas  erscheint  als  erster  Bischof 
der  Arianer,  und  vieles  spricht  dafür,  dass  er  Erzbischof  war.  Die  Stadt 
Barcelona  war  bedeutend  genug  für  den  Siz  eines  Erzbisthumes ;  sie 
war  von  den  Zeiten  des  Hosius  an  bis  etwa  zum  J.  425,  d.  i.  bis  zu  der 
Wegnahme  der  Balearen  durch  die  Vandalen,  wohl  auch  Siz  eines  Metro- 
politen gewesen^).  An  diese  Erinnerungen,  an  dieses  Anrecht  aus  alter 
Zeit  konnten  die  Gothen  nun  wieder  anknüpfen,  und  vielleicht  dadurch 
auch  einige  Sympathieen  ftir  sich  zu  gewinnen  hoffen,  wenn  sie  Barce- 


')  Indor,  de  vir.  iüustr,  4i. 

*)  Florez,  del  Biclarense  ikuira^o,  6,  361-^70. 

»)  Florez,  29,  12Ö— 26. 

*)  K..G.  2  (1),  189-90. 


JohaDoe«  von  Bidaro.  61 

• 

lona  wieder  zur  Metropole  erhoben«  Ugnas  zwar  erscheint  durchaus 
ds  edler  Mann.  Andere  Arianer  um  ihn  waren  es  gewiss  weniger.  Was 
luf  den  ersten  Blick  als  etwas  Leichtes  erscheint,  die  Verbannung  nach 
Barcelona  9  war  damals  ein  schweres  Leiden.  Der  Gothe  Johannes,  der 
sum  Arianismus  nicht  abfallen  wollte ,  wurde  den  Arianern  als  seinen 
Quälgeistern  überantwortet,  und  hatte  von  ihnen  beständige  Nächstellun** 
;en  zu  erfahren. 

Johannes  konnte  frühestens  im  J.  586  das  ELloster  Biclaro  (Yalclara)  la  . 
gründen,  und  da  wir  ihn  schon  im  J.  592  als  Bischof  finden,  so  konnte.  ^*^*'^ 
3r  demselben  nicht  Unge  vorstehen;  vielleicht,  dass  gerade  diess  ihn> 
veranlasste,  seinem  Kloster  eine  geschriebene  Regel  zu  hinterlasaen. 
3bgleich  Johannes  als  Bischof  von  Gerunda  auch  diesen  Namen  tragen 
könnte,  so  ist  er  doch  zu  unterscheiden  von  dem  spätem  Johannes 
7on  Gerunda. 

Johannes  will  „nach  Eusebius  von  Cäsarea,  nach  dem  auf  der  stiM 
ganzen  Erde  bekannten  Presbyter  Hieronymus,  nach  Prosper,  dem  reli-  ^^ 
pösen  Manne,  nach  Victor  von  Tunutium  (Tunis)  in  Afrika^  welche  die 
Greschichte  fast  aller  Völker  in  grösster  Gedrängtheit  und  Emsigkeit  ver- 
Fassty  und  bis  zu  unsrer  Zeit  sie  der  Reihenfolge  der  Jahre  nach  geführt  ha- 
[>en^,  das,  was  er  zum  TheU  selbst  gesehen,  theils  von  treuen  Zeugen  ver- 
lommen  hat  „der  Nachwelt  in  kurzer  Fassung  mittheilw'.  Zum  J.  569 
berichtet  er,  dass  die  Garamanten  und  die  Mauriten  (Mauritanier)  den 
[glauben  angenommen.  Ob  Spanier  oder  Griechen  biebei  betheiiigt  wa- 
*en,  wird  nicht  gesagt.  —  Zum  J.  572  wird  berichtet:  „Domnus,  Bischof 
1er  Kirche  von  Elna,  wird  gefeiert  Er  lebte  im  J.  589  nicht  mehr. 
Zum  J.  573  berichtet  er:  Mausona,  Bischof  von  Emerita,  wird  in  unserm 
Bekenntnisse  gefeiert.  —  Zum  J.  578 :  Johannes,  Presbyter  der  Kirche 
ron  Emerita,  wird  gefeiert.  Zum  J.  586  bemerkt  er:  ;,Als  der  jüngere 
Pelagius  gestorben,  folgt  ihm  Grqgorius  im  Episcopate  der  römischen 
Kirche«  Er  regierte  15  Jahre.  ^  Jenes  sezt  er  um  4  Jahre  zu  frühe  an, 
lie  Dauer  ist  richtig,  aber  das  Chronikon  ist  erst  im  J.  604  oder  später 
i^chlossen  worden,  oder  dieser  ^usaz  hinzugekommen.  Florez  meint, 
las  —  23  Jahre  umfassende  Chronicon  sei  590  geschrieben  *) ,  der  Ver-  ^ 
asser  aber  591  Bischof  geworden. 

Die  erste  Ausgabe  ist  von  H«  Canisius;  Ingolstad  1600,  4^  mit  Vic-  Aa». 
or  Tunun.    Es  folgen  ap.  Schott,  Hitpan.  iUustr.  1608^  4,  152—160;,^''^'' 
jp.  Scaliger,  thesaur.  temp.  Lugd.  Bat.  1606.  AmsUlod.  1658.  ■—  H.  Ca-^ 
lisiusj  lect.  antiq.  ed.  BamagCj  ArrntoL  1725,  1,  p.  319.  —  Aguirre  1694, 
l,  421  —  ed.  2.,  3,  309-- 310.   311—315.  —    Florez,  6,  361—370, 
lieben  des  Johannes,    371 — 82,   Ausgaben   und  Zeugnisse    über  ihn; 


>)  Ab  kic  (hme)  hUionam  duai  VmerakäiB  JPater  nosUr  Jomm%9  AbbaSf  M»iuuteni 
BiclaretuiM  Fundator. 


62  Achtes  Buch.    Viertes  Kapitel. 

382—395,  Text  des  Ghronikon;  396—399;  399— 427,  Noten  zum  Chro- 
nikon;  (spencL  10,  Conünuae.  del  Chrom,  hasta  hoy  no  ptMieada,  Ton 
601—721,  428—430—441.  —  Gällandi,  t  12,  p.  363.  —  daraus  ap. 
Migney  72  ^  860—864—70.  —  lieber  ihn  und  Biciaro  haben  ge- 
schrieben: Biariana,  5,  13;  Mabülon,  Annales  Benedict.  L  IIlj  §.  35.  — 
MeoL  Antonio,  Üb*  IV,  ep.  5  (t.  I,  p.  227),  Ausgabe  von  Pem 
Bayer,  p.  298—305  —  FerreroB-Baumgarten,  2,  77,  284,  318.  —  Fiore%- 
Merino'Canal,  U  43,  4»— 58  (GeronaJ.  Agtdrre,  ed.  2,  3,  309—11.  <U 
Castro,  p.  288-290.  Bahr,  Greschichtsschreiber^  S.  110.  —  Fobnam, 
M6I.  laL  med.  ed.  ManH,  4,  p.  57—58.  —  Wattenbach,  Deutsch!.  6e- 
sdiichtsquellen ,  63.  —    PoUhatt,  B.  392. 

§.  5. 

Svaod«         Im  J.  614  £uid  zu  Egara  ein  Condl  der  Bischöfe  von  Tarraconensis 
R)>ftr«,  statt,  dem  auch  Johannes  beiwohnte.    Es  steht  nicht  in  der  spanischen 
^'*'   Sammlung,  und  wird  nur  von  dem  Codex  Aemilianensis  verbürgt,  mit 
dem  Datum:  im  Jahre  3  des  Königs  Sisebut,  am  13.  Januar.     „Als  die 
Bischöfe  von  Tarraconensis  sich  an  dem  Orte  Egara  versammelt  hatten, 
▼erordnete  die  heilige  Synode,  dass  die  Bestimmung,  welche  vordem  im 
13.  Jahre    des  Königs  Beccared   heiligen    (divae)  Andenkens    in    dem 
Condl  zu  Osca  zwar  entworfen,  aber  nicht  unterschrieben  wurde  fconäi' 
UUio  —  eonttUttta  quidem,   $ed   conecHpta  fninime  fuU  eonfirmata),   für 
alle  Zeit  gelten  solle,  in  Betreff  der  Keuschheit  der  Priester,  der  untern 
Kleriker,  sowie  der  Bischöfe ,  genau  eingehalten  werde,  damit  aller  Ta- 
del und  aller  böse  Verdacht  ferne  bleiben^. 
i%On-         Das  kurze  Aktenstück  ist  ganz  verstümmelt  erhalten,  und  lässt  nur 
«rhrif:  im  Allgemeinen  den  Sinn  errathen.  Es  schliessen  sich  14  Unterschriften 
**"•    an:   1)  Eusebius   (von  Tarraco),  habe  unterschrieben;   2)  Mumius  (von 
Calahorra);  3)  Johannes  (von  Gerunda);   4)  Maximus  (von  Saragossa); 
5)  Emila  (von  Barcelona)*);  6)  Ruffinus;  7)  Visus,  8)  Vincentius,  9)  Ste- 
phanus,  10)  Pompedius,  11)  Sintharius,  12)  Justus,  13)  Maximus  Pres- 
byter fUr  seinen  Bischof  Stephanus,  14)  Fructuosus  der  Diakon  für  sei- 
nen Bischof  Gomarellus.  —   Loaysa  und  nach  ihm  Aguirre  haben  einige 
ausserhalb  der  Provinz  liegende  BisthUmer  als  Size  obiger  unbekannter 
Bisthümer  angeführt^).     Ferreras,  Florez- Bisco  und  Tejada  j  Ramiro 
haben  diess  eingesehen,   und   darauf  verzichtet,   die  Size  derselben  zu 


»)  FloreM,  29,  128-30. 

*)  Ambr,  Morales  12,  14.  —  Mariana,  6,  15,  —  Locqfta  p.  303.  —  Aguirre,  ?, 
341-—42,  and  als  Anhans  »diatriba- Bahmi  —  de  eptMcopaiu  Eparmui  ad  Phü, 
LabbeuM,  343^44  f  über  dessen  biz  wir  schon  ^ehandeit  haben  (2,441),  aocli 
bei  Mami,  10,  ÖSS— 84. 


Nonnitns^von  6«ninda.  68 

ermitteln^).  Ich  befinde  mich  in  derselben  Lage^  und  beschri&nke  mioh^ 
EU  sagen,  dass  man  an  die  Bisthttmer  Egara,  Lerida^  Amona,  Empurias, 
[Jrgely  Dertosa,  Osca,  Tarrasona,  Äuca  und  Pampelona  su  denken 
liabe.  Nicht  Tertreten  wäre  nur  ein  Bistfium  gewesen.  Man  kann  an- 
lehmen,  dass  die  Bischöfe  Tielleicht  aus  Anlaas  der  Weihe  einer  Kirche 
n  Egara  zusammengekommen'). 

§.  6.    Nonnitus  von  Grerunda 

vnrd  von  Ildephons  ToL  also  unter  den  Elirchenschriftstellem  eingeführt:  No«ai. 
,Nonnitus   war   nach  Johannes  Bischof   von  Oerunda,    seiner  Professo^nuT 
lach    ein  Mönch,    von  hervorragender  Lauterkeit,  heiligen   Wandels,    ^' 
vv^elcher  nicht  durch  lange  Berathung  der  Menschen,   sondern  durch  die 
^urze  Entscheidung  Gottes  durch  die  Menschen  zum  Bisthume  erhoben 
vnirde:  und  dem  Dienste  am  Grabe  des  heil.  Felix  sich  völlig  widmete 
[K.-G.  1;  301).    j,Er  regierte  die  Eörche  Gottes  mehr  durch  sein  ver- 
lienstliches  Beispiel,  als  durch  strenge  Befehle.    Im  Leben  sowohl,  als 
in  seinem  Grabe  ruhend,  soll  er  (fertur)  Heilwunder  wirken.    Er  lebte 
in  den  Zeiten  der  Könige  Bwinthila  und  Bisenand*^.  — -    Da  Swinthila 
m  J.  621  zur  Regierung  kam,  Sisenand  aber  636  starb,  so  nimmt  man 
m ,  dass  Nonitus  vom  J.  621 ,  als  dem^präsumirten  Todesjahre  des  Jo- 
liannes,  bis  zum  J.  685«  regiert  habe.    Nonnitus  unterzeichnete  auf  dem  - 
1.  Concil  zu  Toledo  in  der  Reihe  der  Bischöfe  als   der  vierte  (NurmUua 
iccL  Oertmdensis  eg.  mbscripsijy  wesswegen  es  vielleidit  gerathener  wire, 
inzunehmen,  dass  Johannes  schon  614,  in  welchem  Jahre  er  noch  lebte, 
)der  bald  darauf  gestorben,  und  dass  Nonnitus  noch  einige  Jahre  unter 
Sisebut  Bischof  gewesen^).    Nachher  wird  er  nicht  mehr  genannt,  und     * 
man  sezt  gewöhnlich  seinen  Tod   in  das  J.  635.    Statt  Nonnitus  wird 
Mich  Nunnitus  und  Veritus  geschrieben.  —  Nonnitus  steht  nicht  in  dem 
Verzeichnisse  der  Heili|gen. 

§.  7.    Maximiis 


ron  Saragossa  j,soll,   nach  Isidor,  vieles  in  Versen  und  in  Prosa  ver-  mmi 
lassen.     Er  schrieb    auch    in  kurzem  Stile  eine  gedrängte  Geschichte 
'hiitoriolam)  über  das,  was  zu  den  Zeiten  der  Gothen  in  Spanien  ge- 


«na 

vo« 

Sani- 


>)  FerreraSf  2,  341^42,  —  Fhrt^-Eueo,  Obitpos  (U  Egara,  i.  42,  193-95  (nObiapo 
qtut  pruidia  en  Hmpo  del  CkmeOh  Egarmm»,  —   e/  Florm,  2,  200,  L  29,  129^30. 

*)  Harduin  3,  550.  —  CoL  Labb.-VeMta  6,  1383—86,  mit  der  OitsertaUoD  von 
BalQZP.  —  Apmrre,  2,  457,  S,  341^44.  —  JlbiMi,  10,  531-^34,  ^  Ttjada 
y  Bamiro,  2,  701^-2.  -    Baftk,  3,  63, 

^)  FTorex-Merino  y  Camü,  t  43  (1819)^  Qßtma^  p,  58*^1. 


64  Aehtes  Buch.     Viertes  Kapitel. 

Sein«  sohah^ ').  —  Da  diese  kleine  Schrift  verloren  gieng,  so  sah  sich  Roman 
lorn«  de  la  Higaera  bemüssigt,  dieselbe  wieder  zu  entdecken,  und  er  will  sie 
■ehichit^  Fortsesung  seines  Pseudo-Dexter  angesehen  haben.  Er  b^;innt 
^r  darum  mit  dem  J.  430,  mischt  Wahres  mit  Falschem,  doch  nicht  so 
grossartig  wie  bei  seinem  Pseudo-Dexter.  Z.  B.  zum  J.  471 :  Ittsst  er  den 
Paulus  OrosiuSy  älter  als  90  Jahre,  immer  noch  zu  Tarraco  fortleben. 
Zum  J.  512  erkennt  er  den  Hector  als  Metropoliten  von  Carthago  (statt 
Neu-Carthago)  an;  im  J.  626  lässt  er  zu  Valencia  eine  Synode  durch 
Celsius  Ton  Toledo  halten ,  und  im  J.  527  Montanus  auf  Celsius  folgen, 
der  erst  530  seine  Sjmode  gehalten  habe ;  im  J.  538  lässt  er  den  Lean- 
der zu  Murda  geboren  werden ;  im  J.  551  lässt  er  den  Crispinus  als 
Bischof  von  Hispalis  blühen;  schon  im  J.  553  lässt  er  Carthagena  zer- 
stört, J.  554  aber  den  Fulgentius  zu  Sevilla,  J.  555  den  Isidor  zu  Se- 
villa geboren  werden,  offenbar  viel  zu  früh,  denn  Isidor,  der  636  starb, 
erreichte  kaum  70  Jahre.  Zum  J.  577  macht  er  dem  Bischof  Euphemius 
von  Toledo,  ohne  es  zu  ahnen,  das  CompUment,  dass  er  die  Existens 
des  Oeistes,  mit  Ausnalime  des  göttlichen,  geleugnet  habe;  im  J.58I 
lässt  er  denselben  nach  Barcelona  verbannt  werden,  er  lässt  den  Maxi- 
mus als  Erzdiakon  dem  Tode  Leovigild's  587  anwohnen,  und  diesen  als 
Katholiken  sterben.  —  Sonderbar  von  einem  Toletaner  ist  es,  dass  er 
einen  Metropoliten  Dominicus  aus  Cartagena  der  Synode  3  von  Toledo 
anwohnen  lässt  —  J.  590*  Aber  es  fragt  sich,  ob  der  wcm'g  geistreiche 
Gompilator  nicht  besser  gethan,  wenn  er  behauptet  hätte,  dass  wir  die 
„Mf<orMa^  des  Maximus  noch  besizen,  sei  es  in  der  „chronica  regum  Fi- 
8igoihorum^%  sei  es  in  der  „Chronologia ,  et  Series  gothicorum  regttm  ex 
codke  RegiovaHeano  607".  Erstere  Chronica  dürfte  schwerlich  das  Werk 
des  Maximus  seyn,  da  sie  kaum  mehr  als  Namen  und  Zahlenangaben 
enthält,  auf  sie  also  kaum  die  stehende  Phrase  Isidor's  sich  anwenden 
lässt:  „hi^arieo  eompoeitogtie  sermone  consaripta".  Eher  liesse  sich  die 
„Chronologia"  als  eine  Arbeit  des  Maximus  erhärten.  Sie  ist  jedenfalls 
eine  „hietoriola'^.  Zwar  schliesst  sie  nicht  mit  dem  J.  610^);  aber  ein 
anderer  kann  die  kurze  Geschichte  des  Maximus  in  derselben  Kürze 
bis  zum  J.  711  fortgesezt  haben,  soweit  die  uns  vorliegende  ChronÜL 
reicht,  welche  indess  am  Schluss  noch  Karl  den  Grossen  erwähnt^). 

Maximus,  dem  Higuera  den  Beinamen  Marcus*)  angedichtet  hat, 
unterschrieb  als  Magnus  im  J.  592  unter  zwölf  Bischöfen  als  der  neunte 
auf  der  Synode  2  von  Saragossa.  Wegen  der  Differenz  des  Namens 
bleibt  einiger  Zweifel  über  die  Identität  der  Person,  um  so  mehr,  als 


■)  leidor.  ep.  46  lleziet  Capit)  —  hittorico   et  eompotUo  serwume ,   sed  «I   muUa  aHa 

§erS>€r€  dieUiir,  quae  mdwn  Ugu 
*)  sie  ist  indess  aug^ensclieinlich  ein  Aaszag^  aas  Isidor:  de  reg.  JEhtkonm. 
*)  appendix  4  et  5  ad  S,  leidori  Httpal  cptra  —  ed,  Arevalo,  L  7,  p.  185—190. 
^)  lieber  diesen  Marcus  ist  besonders  aasfährlidi  Nie.  Antonio. 


Johannes  von  Saragossa.  65 

\Iaximxi8  im  J.  599  za  Barcelona  mit  seinem  vollen  Namen  als  der  zehnte 
inter  zwölf  Bischöfen  steht  Der  Name  Magnus  ist  ohnedem  nicht  sel- 
ten j  und  bei  der  Geschichte  des  Priscillian  erscheint  ein  Bischof  Mag- 
ins  [neben  Rnfiis*)].  Maximus  unterschrieb  im  J.  610  oder  später  das  De- 
kret des  Gundemar  als  der  vierte  unter  22  Bischöfen«  Endlich  zu  Egara 
J.  614)  steht  er  unter  12  Bischöfen  als  der  dritte.  —  Sein  Tod  erfolgte  um 
S19.  Denn  Braulio  starb  651^  nachdem  er  20  Jahre  regiert,  dessen  Bru- 
der Johannes  aber  regierte  vor  ihm  12  Jahre ,  was  uns  auf  das  J.  619 
eurückführt«). 

§.  8.    Johannes  von  Saragossa, 
der  Nachfolger    des  Maximus,    wird   wieder   von   Udefons   gefeiert'):  Joh«a 


■••  VOB 


„Johannes  folgte  dex^  Maximus  im  Ponttfikate^  und  bestieg  den.  Thron  sar«. 
ier  Kirche  von  Saragossa.  Zuerst  Vater  der  Vönchei  ^Aturde  er  sodann  '^**** 
Vorsteher  in  der  Leitung  des  Volkes:  ein  Mann,  unterrichtet  in  der 
heiligen  Wissenschaft,  doch  bemüht,  mehr  mit  Worten,  als  naHt  Schrif* 
ten  SU  belduren:  er  war  so  freigebig  ubA  heiter  imijQebiii,  .als  heiM^ 
seine  Miene  war.  Denn  die  Salbung  dof}  he^  Oeistea,  die  sein  Inneres 
erfüllte,  gab  er  sowohl  durch  den  Beichthum  seiser  Gkben,  als  die 
Haltung  seines  Angesichtes  so  sehr  kund,  dass  ^  die  Gabe  durch  seine 
Anmuth  erhöhte,  imd,  was  (wenn)  er  nicht  gab,  durch  seine  Anmuth 
entschuldigte.  In  den  kirchlichen  OfiBden  hat  er  sowohl  ,^  der  Musik 
eJs  dem  Texte  (den  Gebeten)  Einiges  mit  Geschmack  oomponirt.  &  hat^ 
am  die  Zeit  des  Osterfestes  zu  bestimmen,  ein  so  scharfiämigee  und 
gienügendes  Argument  angegeben,  dass  es  dem  Leser  sowohl  durch  die 
gediriLigte  Kürze,  als  die  augenscheinliche  Richtigkeit  sich  empfiehlt}. 
Zwölf  Jahre  lang  bekleidete  er  seine  Würde.  —  Er  blühte  au  den  Zei- 
ten der  Könige  Sisebut  und  SwinthUa""  (d.  l  610--631>. 

Da  wir  im  J.  640  und  646  einen  Bischof  Johannes  von  Saragossa 
(EL-G.  2  (1),  487—38)  gefunden  haben,  so  trägt  unser  Johannes  den 
Beinamen  des  Zweiten  t). 


«)  K.-G.  2  (1),  376—77. 

^  Flortz^Risco,  30,  138-40,  —    AnUmuhPere»  Bi^er,  Ltb.  5,  t^i  —  p,  315-321^ 

nr,  S7 — 59  (meist  g^eg^en  Hignera.)  —  de  Castro,  293. 
»)  Ildef.  de  vir.  HL  cp.  6, 
*)  Morcdee,  12,  12.  —     MarL    CarrUh,    Caiahgue  antistUum    Cäeearauguetanantm  — 

usque  ad  atm.  1611.  CaXari,  16il.  —    ftorex-Rieco,  30,  141—42.  —     Di  Cattro, 

p.  349.  —     Antonio 'Bayer,  p.  371. 


QtaD»f  ipaii.  Kirche.    II  i  2. 


Fünftes  Kapitel. 

Die  lAnige  LiavalL  601—3,  Witterich,  603—10,  Gudeiiar, 
610-12,  Sisebat,  612—21,  Reeeared  U,  621,  SwintiiUa,  621-^1 
Siseiaid,  631— 36.  —  Die  Erzbiseli«re  Bnpliemiiis ,  AdelpUis, 
Avasiis,  Helladiis  nd  Jistns  voi  Toledo,  589—636.   Decre- 

tuB  Gndemari,  610. 

§.  1.  Linva  IL 

Linra  Idiiya  iTU*  ein  Sohn  des  Beccared,  aber  ^von  einer  Matter  aas 
^1^  niedrigem  Stande*,  wahrscheinlich  im  J.  683  geboren.  Ferreras  ytst- 
mnthety  er  sei  ein  Sohn  der  Badda  gewesen,  deren  Ehe  mit  Reccared 
erst  später  geschlossen  worden.  Ich  bin  derselben  Ansicht  Es  werden 
noch  zwei  Söhne  des  Reccared,  Swinthila  und  Geila  genannt,  seien  es 
Söhne  der  Badda  oder  der  fränkischen  Prinzessin  Clodosinda.  Liuva 
kam  wohl  als  der  älteste  der  Brüder  zur  Regierung.  Er  war,  nach  Isi- 
dor,  von  tugendhafter  Anlage.  Glegen  ihn  warf  sich  Witterich  zum 
Tyrannen  auf,  stürzte  ihn,  liess  ihm  die  rechte  Hand  abhauen,  und 
tödtete  ihn,  im  zweiten  Jahre  seiner  Regierung,  im  zwanzigsten  seines 
Alters.  —  Nach  der  „Chronica  r.  V.^  regierte  er  ein  Jahr  (andere 
Les.  zwei  J.),  6  Monate'). 

§.  2.    Witterich 

hatte  schon  gegen  Reccared  mit  Seggo  und  Sunna  sich  yerschworen 
(E.-G.  2  (1),  491),  war  aber  verschont  worden.    Jezt  vollbrachte  er 


')  Itidw,  d*  regilnu  Ootkorum,  cp.  67  —  Chronica,  ftr.  22,  —  Fhrez,  2,  178,  —-  Chro- 
noloffia  nr.  20.  ~  Mariana,  L  6,  2,  —  Fmreraa,  2,  331—32.  —  Lajuente,  2, 
402^-3.  —  MaMdeu,  9,  14^15  (Mitnzm).  1. 10,  168.  —  AnL  Cavanäles,  Eistoria 
de  Eipanna,  L  1,  Madnd  1860,  p.  219^20.  —  AMchbach,  S.  233.  —  Lembke,  S.  86. 
—  ffeffmck,  Westg.- Recht,  47—48. 


Die  Kftaige  Witterich  oiid|6Qodemar.  67 

an  dem  Sohne,  was  ^ihm  an  dem  Vater  miaelongen  war*  —    Man  sagt  wicta» 
gewöhnlich  9  seine  Regierung  sei  die  Reaktion  der  welilioben  Ghrossen  ms^ 
gegen  die  katholischen  Bischöfe  gewesen*    Man  hört  aber  nichts  Ton-  ^^^ 
Verfolgungen  gegen  die  Katholiken.    Emt^  der   spttte  Lucas  Tudensis 
sagt,  er  habe  die  arianische  Lehre  wieder  einführen  wollen. 

Witterich  führte  awar  Kriege  gege»  die  Griechen,  doch  ohne  Olttck. 
Nur  nahmen  seine  Führer  eine  kleine  Besasung  in  der  Stadt  Sagontia. 
Darunter  ist  kaum  Siguemsa  in  Celtiberien  su  yerstehen,  wahrscheinlicher 
Gisgonaa  an  der  Meerenge  von  Gibraltar^). 

Theodorich  y  König  von  Burgundi  verlangte  Ermenbeigai  die  Toch- 
ter des  Witterichy  aur  Ehe.  Er  sandte  den  Aridius,  Bisohof  von  Ljon, 
die  Oberstallmeister  Rocco  und  Ebroin^),  um  die  Braut  ebsuholen.  Sie 
führten  dieselbe  dem  Theodorich  in  Ghalone  (smr  Saöne)  au,  der  sich' 
sehr  freute.  Aber  durch  den  Einflnss  seiner  Ghrossmutter  Brunehil^e 
und  seiner  Schwester  Theodelinda  wurde  die  Ehe  nicht  Tollzogen.  Viel- 
mehr behielt  zwar  Theodorich  den  BrantschatE,  sandte  aber  nach  Jahres- 
frist die  Braut  ihrem  Vater  zurück').  DarülHir  entrüstet  sandte  Witte- 
rich an  Ghlothar  von  Neustrien  Botschaft.  Der  Gesandte  Ghlothar^s  begab 
sich  mit  dem  von  Witterich  zu  Theodebert  von  Austrasien.  Alle  drei 
wandten  sich  an  den  LombardenkönigiAgilull  Der  spanische  Gesandte 
aber  kehrte  zur  See  in  seine  Heimath  4Ririiek,  und  dqm  Theodorich 
gelang  es,  den  Sturm  zu  beschwören. 

Witterich  machte  sich  durch  Grausamkeiten  verhasst,  und  wurde 
wShrend  einer  Mahlzeit  ermordet  Das  Loos,  das  er  seinem  unschuldi- 
gen Vorgänger  bereitet ,  traf  den  schuldigen  Witteridi.  Sein  Lekhnam 
erhielt  auch  nicht  die  königlichen  Ehren«  Er  regierte  sechs  Jahre,  zehn. 
Monate*). 

§.  3.    Gnndemar 

regierte  2  Jahre  (ein  Jahr,  10  Monate,  l4  Tage  *)•  —    Er  machte  einen  Gmids. 
Feldzug  gegen  die  Vasconen,  deren  Gebiet  er  yerwüstete,  einen  andern  eiol 
„gegen  die  römischen  Soldaten.*  Er  schloss,  wie  es  scheint,  einen  Ver-   ®^^ 
trag  mit  Theodebert  von  Austrasien,  gegen  Theodorich,  worin  er  ihm 


>)  Farrenu'Bmmffartmif  1,  600—1  (Chorographie  der  alten  Eintheilang  von  Spa- 
nien). —    Lembke,  80.  —    ÄBchbaeh,  234. 

*)  ComUu  MtabuJL 

>)  Ffdtgar.  tckokut  eknmieomf  ep.  SOSt  AÜMm,  3,  94. 

^)  Itidor.  <U  reg.  Ootk.  58,  —  Chronica  r.  V,  nr.  2i.  —  ChronoL  nr.  22  (Aaszag 
aus  Isidor).  —  Mariana,  6,  3.  —  Fmrmw,  332^-37.  —  Mtudm^,  9,  15—16.-^ 
10,  ißS^nO.  —  (knamOM,  320.  —  AmMadk^  283^-35.  —  Lembke,  86^-87. 
—  Hßiffmek,  48-49. 

•)  Chmdea,  nr.  22. 

5 


0 


68  Achtes  Buch.     Fünftes  Kapitel. 

Geld  gegen  Truppen  versprach;  diess  Geld  wurde  nicht  bezahlt,  und 
Theodebert  behielt  die  Gesandten  des  Gundemar,  Totila  und  Gundrimir^ 
ComM  als  Geiseln  zurück.  Damals  war  der  Comes  Bulgaram  gothischer  Statt- 
^^^l^halter  in  Septimanien.  Von  ihm  besizen  wu*  in  dieser  Angelegenheit 
drei  Briefe ;  welche  zuerst  in  der  berühmten  Ausgabe  des  Mariana  za 
Valencia  1783  —  96  mitgetheilt  wurden*).  Der  erste  und  zweite  Brief 
hat  keinen  Titel  und  keinen  Anfang,  beim  zweiten  fehlt  auch  der  Schloss. 
Alle  drei  sind  an  einen  fränkischen  Bischof  gerichtet,  der  von  hohem 
Geschlechte  war.  Die  zwei  ersten  Briefe  sind  in  sehr  sorgenvollem  und 
devotem  Tone  geschrieben,  ungrammatisch  und  unverständlich,  der  dritte 
in  gereiztem  Tone:  er  verlangt  Loslassung  der  Gesandten.  —  Der  Aus- 
gang der  Sache  ist  nicht  bekannt,  aber  zum  Kriege  scheint  es  nicht 
gekommen  zu  seyn.  Ein  Bischof  Verus  wird  erwähnt,  dabei  wird  man 
an  Verus  von  Rhodez  erinnert,  der  im  J.  625  der  Synode  von  Rheims 
anwohnte,  und  von  welchem  zwei  Briefe  an  Desiderius  von  Gabors  vor- 
handen sind^). 

Ghmdemar  starb  zu  Toledo  eines  natürlichen  Todes'). 


§.  4.    Die  Bischöfe  Euphemius,  Adelphius,  Aurasius.    Die  sog. 

Synode  vom  J.  610. 

Enphe-  Nach  dem  vielgenannten  Bischöfe  Montanus  (J.  522  — 31)  nennen 
™oii  die  Verzeichnisse  der  Bischöfe  von  Toledo  den  Julian  I.   (c.  531 — 546 

do,^ n«5l^  Florez),  den  Bacauda  (546—660),  Petrus  II.  (560-574),  Namen, 
die  mir  wenig  beglaubigt  scheinen.  Um  so  beglaubigter  freilich  ist 
EuphemiuS;  der  in  seiner  Bescheidenheit  und  seiner  Wahrheitsliebe  sich 
zu  Toledo  589  als  das  unterzeichnet  hat;  was  er  faktisch  war,  als  Me- 
tropolit von  Carpetanien,  und  dadurch  seine  Nachfolger  in  die  grösstc 
Verlegenheit  sezte.  Er  nannte  Toledo  eine  katholische  Kirche,  und 
erwarb  sich  sicher  in  den  Jahren  der  Verfolgung  von  581 — 86  grosse 
Verdienste.  Da  er  zwischen  Masona  und  Leander  unterzeichnete,  so 
dürfen  wir  wohl  bis. zum  J.  574;  als  dem  Antritte  seines  Amtes,  zurück- 


')  Bulfforami  Comitis  epüL  tre»,  MoraleSf  12,  11.  —  Vinc.  Noguera  et  Ramofif  ap. 
Manama,  voL  2  (1785)  p,  548,  daraus  ap,  Migne  R  L,  80,  107—112.  —  Auszug'«' 
bei  Lembke  87-88.  —  Nie.  Antonio,  p.  368^70,  —  ffelffench,  p.  49-^50  hal  in 
dem  Codex  Ovetens.  F.  68  der  Mad.  Nationalbibliotbek  noch  3  weitere  Briefe 
des  Balg,  eingesehen,  2  an  einen  Bischof  Agapius,  wornach  Bul.  gefan^'eii 
war,  einen  Trostbrief  an  Gandemar  wegen  des  Todes  seiner  Gemahlin  Hilduaru, 
nebst  2  Briefen  von  Ungenannten  an  Agapins. 

*)  GalL  chrtMi.  t  1,  p.  122,  201.  —     Ifabillon,  AnnaL  t  4,  p.  752. 

»)  Indor,  cp.  59.  —  Ckr(mohg%a,  23.  —  Mariäna,  l  c.  —  Ferreras,  2,  337-39. 
Masdeu,  9,  16^18.  10,  170—172.  -  La/uente,  2,  404—5.  —  CavaniUet,  &. 
~  ÄKhbadi,  235-36. 


Die  Bischöfe  Euphemiui,  Adelphius,  Aurasiat.  69 

g;chen.  Den  Beisaz  ^katholische  Kirche^  versteht  Florez  in  dem  Sinne, 
dass  es  in  den  lezten  Jahren  auch  einen  arianischen  Bischof  daselbst 
gegeben,  wie  solche  auch  in  Merida  und  anderwärts  intrudirt  wurden. 
Unrichtig  aber  ist,  dass  in  Folge  seiner  Unterschrift  „Metropolit  von 
Carpetanien^  jezt  erst  einige  Bischöfe  der  Provinz  nach  einem  neuen 
Metropoliten  sich  umsahen,  den  sie  vielmehr  schon  seit  Jahrhunderten 
liatten.  Euphemius  gab  allein  der  Wahrheit,  d.  i.  dem  wirklichen  That- 
bestande,  Zeugniss;  unsinnig  wäre  die  Annahme,  er  sei  vorher  zwar 
Metropolit  von  ganz  Carthaginensis  gewesen,  aber  weil  ihm  diess  zu 
viel  oder  ungerecht  geschienen,  habe  er  sich  mit  Carpetanien  begnügt  ^). 
Solches  wäre  in  Spanien  und  der  übrigen  Welt  überhaupt  noch  nicht 
^orgekonmien.  Unwahrscheinlich  ist  ferner,  dass  Euphemius  vor  586 
ircrbannt  gewesen.  Sehr  wahrscheinlich  ist,  dass  Euphemius  die  Eathe- 
Irale  der  hl.  Maria  im  J.  587  eingeweiht  Florez  glaubt  femer,  er  sei 
»chon  589  oder  590  gestorben^).  Lobenswerth  ist,  dass  Loaysa,  der 
iTste  Herausgeber  der  spanischen  Concilien  und  Erzbischof  von  Toledo 
iron  1596 — 99,  den  Euphemius  j, einen  heiligen,  und  durch  seine  Frönmiig- 
icit  gefeierten  Mann^  nennt  ^). 

Die  Verzeichnisse  der  Bischöfe  von  Toledo  nennen  nach  ihm  den 
Bxuperius  und  Conantius.  Da  nun  aber  Adelphius  mit  seiner  Unter- 
schrift schon  im  J.  597  erscheint,  so  könnte  jeder  derselben  nur  etwa 
Irei  Jahre  regiert  haben.  Diess  ist  wenig  wahrscheinlich«  Dazu  kommt, 
iass  sich  nirgends  ein  Bischof  Exuperius  findet  (ausser  in  den  Akten- 
stücken der  wahrscheinlich  in  Spanien  erdichteten  Synoden  von  Sinuessa 
]03  und  Rom  324) ,  dass  aber  Conantius  der  vielgenannte  Bischof  von 
Palentia  zu  sejn  scheint,  den  man  nach  Toledo  zog. 

Ich  glaube,  dass  Adelphius  unmittelbar  auf  Euphemius  folgte,  und 
}twa  10  Jahre,  von  c.  593  bis  603,  regierte.  Zweimal  findet  sich  der 
!^ame  des  Adelphius,  als  Unterschrift  der  sogenannten  Synode  zu  To- 
edo  von  597,  wo  er  als  der  lezte  der  drei  Metropoliten  unterschreibt, 
lach  Masona  und  Migetius,  die  anerkannt  älter  sind,  nach  welcher  Un- 
erschrift  er  also  ebenso  seit  dem  J.  589  wie  erst  seit  597  hätte  Bischof 
eyn  können.  Aber  hier  kann  die  schwierige  Frage  wegen  der  Metro- 
>ole  von  Carthaginensis  schon  zu  Erörterungen  Anlass  gegeben,  und 
ich  herausgestellt  haben,  dass  die  Unterschrift  des  Euphemius  in  dieser 
Angelegenheit  die  grössten  Schwierigkeiten  mache.  Zum  zweitennude 
indet  sich  Adelphius  erwähnt  von  Udephons,  der  seinen  Nachfolger  also 
eiert  [mit  Uebergehung  des  Euphemius  und  Adelphius*)]: 


•)  Florez,  5,  150  fg.  -  235. 

»)  Ilorez,  5,  233—36  «Eufemlo«. 

3)  Loaysa,  Concä.  Hispan,  1593,  p,  253,  274, 

♦)  Florez,  5,  237-38  (Adelfio), 


70  Achtes  Buch.    Fünftes  Kapitel. 

BUchof  Aurssius,  Oberpriester  der  Metropolitanstadt  der  Kirche  Ton  Toledo, 
Sias,  0.  wurde  nach  Adelphiiis  zur  Würde  des  Bischofs  berufen  (in  loeo  (tdid- 
^^  Bdtwr  SaeerdotUJy  ein  guter  Mann,  durch  das  Ansehen  seiner  Regierung 
ausgezeichnet,  in  heimischen  Angelegenheiten  ein  guter  Verwalter,  bei 
hartnäckigen  Widerwärtigkeiten  stets  angerichteten  Geistes;  je  gemässig- 
ter er  war  im  Glücke,  um  so  tapferer  war  er  stets  im  Unglüdce.  Seine 
Absicht  ging  mehr  auf  die  Vertheidigung  der  Wahrheit,  als  auf  die 
Gewandtheit  im  Schreiben:  desswegen  wird  er  den  Tollkommensten 
Männern  an  die  Seite  gesezt,  denn  was  die  Predigt  ihres  Wortes  aus- 
säete,  das  hat  seine  Sorge  und  sein  Schuz  vorher  gegründet^),  d.  L  wohl, 
seine  Nachfolger  als  Metropoliten  hätten  nicht  soviel  wirken  können, 
wenn  er  nicht  durch  die  Erhebung  der  Metropole  von  Toledo  dazu  den 
Grrund  gelegt  Er  lebte  in  dem  Priesterthume  (in  iocerdaUo)  in  den 
Zeiten  des  Witterich,  des  Gundemar,  und  in  den  Anfängen  des  Sisebot, 
etwa  12  Jahre,  also  annähernd  von  603  bis  615^). 

Das  reiche  hier  dem  Aurasius  gespendete  Lob  lässt,  wenigstens  in 
dem  Sinne  des  Hdefons,  einige  Schlagschatten  auf  seine  beiden  Vo^ 
ganger  fallen.  —  Florez  spricht  ohne  Grund  von  einem  Schismi, 
welches  zur  Zdt  des  Aurasius  einige  Bischöfe  machten,  er  redet  von 
einem  Carthaginensischen  Schisma').  Als  ob  Jemand  beweisen  könnte, 
dass  vor  dieser  Zeit  sämmiUche  Bischöfe  dieser  Provinz  Toledo  ab  M^ 
tropole  anerkannt  hätten.  Das  ist  ferne.  Ein  Schisma  ist  nur  da,  wo 
eine  Einheit  und  eine  Zusammengehörigkeit  vorausgieng.  Man  trenat 
sich  aber  nicht  von  einander,  wenn  man  noch  nie  beisammen  war.  Dt 
ist  keine  Entzweiung,  wo  keine  Vereinigung  vorausgegangen. 

Unter  Witterich  war  für  Aurasius  keine  (günstige)  Zeit,  die  Anerken- 
nung von  Toledo  als  Metropole  der  ganzen  Provinz  durchzusezen.  Sobald 
aber  Gundemar  zur  Regierung  gelangte,  so  nahm  er  seine  Angelegenheit  in 
die  Hände,  mit  einer  Energie  und  mit  einer  Geschicklichkeit,  welcher 
wir  unsre  Anerkennung  nicht  versagen  können.  Das,  was  geschehen 
ist,  das  musste  früher  oder  später  geschehen.  Es  gieng  nicht  an,  und 
g^eng  nicht  so  fort,  dass  eine  Provinz  zwei  oder  mehrere  Metropoliten, 
und  faktisch  keinen  hatte.  Auch  wenn  Cartagena  nicht  in  der  Hand 
der  Griechen  gewesen,  auch  wenn  es  nicht  zerstört  worden  wäre,  früher 
oder  später  wäre  Toledo  Metropole  geworden.  Cartagena  lag  zu  weit 
entfernt.  Man  denke  an  das  Verhältniss  von  Sens  und  Paris.  Lezteres 
musste  durch  seine  wachsende  Bedeutung  Erzbisthum  werden,  und  den 
Erzbischof  von  Sens  troz  seines  prunkenden  Titels  eines  Primas  von 
Frankreich  und  Germanien  in  den  Schatten  stellen.  —   Man  denke  auch 


*)  quin  qtute  de  tferbo  iüorum  praedioaiio  $eminavii,  th/mmonit  huim$  cugiodia  praemmuviL 

*)  Ildef,  e,  5  de  vir,  illuttr, 

»)  Florez,  5,  238-40  ^Ata'<uio\ 


Die  Synode  von  610  sa  Toledo.  71 

an  Toledo  und  Madrid.  Das  Goncordat  rwischen  Spanien  und  Rom  vom 
5.  Sept  1851  hat  die  Errichtung  von  drei  neuen  Bisthtimemy  Ciudad 
Eleal/ Madrid  und  Vittoria  stipulirt^).  Wir  sehen  uns  in  dem  römischen 
yyCracas'^  fUr  1867  um^  und  finden  noch  nicht  einmal  die  Namen  dieser 
drei  Bisthümer^).  —  Wir  sehen  uns  nach  dem  neuesten  i, Jahrbuch  der 
Elirche'^  um.  Wir  finden  hier:  „Ciudad  Real  —  Glunien  in  Spanien, 
errichtet  von  Seiner  Heiligkeit'';  aber  keinen  Bischof  finden  wir  dieses 
Siases').  Ebenso  lesen  wir:  Madrid,  Matriten,  in  Spanien,  errichtet  von 
Seiner  Heiligkeit,  aber  einen  Bischof  von  Madrid  finden  wir  nicht  Dar 
gegen  hat  Vittoria  einen  Bischof  seit  23.  Dec  1861  in  der  Person  des 
D.  M.  Alguacil,  der  von  BadajoE  transferirt  wurde«  Man  hat  mir  ge- 
sagt^), der  Grund;  dass  Madrid  keinen  Bischof  habe,  liege  darin,  dass 
ohnedem  der  Erzbischof  von  Toledo  in  Madrid  einen  grossen  Theil  des 
Jahres  residiren  müsse. 

Man  trage  diess  auf  Toledo  und  Garthagena  im  siebenten  Jahrhun- 
dert über,  und  man  wird  die  Nothwendigkeit  einsehen,  dass  der  Metro- 
polit in  Toledo  und  Bischof  von  Toledo  seyn  musste.  Man  hat  indess 
in  allen  Jahrhunderten  der  alten  kirchlichen  Stellung  von  Gartagena 
Rechnung  getragen,  und  noch  das  neueste  Goncordat  bestimmt  ausdrück- 
lich die  Erhaltung  des  Namens  Garthaginiensis ,  mit  dem  Size  des  Bis- 
thums  in  Murcia,  so  dass  jenes  der  kirchliche  Namen  für  das  Bisthum 
Murcia  bleiben  soU^). 

Aurasius  hat  nun  sicher  das  Verdienst,  dasjenige,  was  sich  als  eine 
Nothwendigkeit  darstellte,  zum  Austrage  und  zur  Entscheidung  gebracht 
zu  haben.  Hätte  oder  hat  er  weiter  nichts  gethan,  als  was  wir  hier 
berichten,  so  hätte  er  wohl  kaum  einen  Tadel,  dagegen  das  Lob  yer- 
dient,  das  Bdefons  ihm  sg  reichlich  spendet 

Wir  besizen  zwei  Dokumente,  die  keinen  Plaz  in  der  alten  Samm- 
lung der  Synoden  gefunden  haben,  die  Loaysa  in  seiner  Sammlung  zu- 
erst  mittheilte.    Das  eine    hat    den  Titel  Synode  von  Tol^o,   unter  Die  sy- 
Gundemar,   aera  648  (Jahr  Chr.  610) :  ^ylm  Namen  unsers  Herrn  J.  Ghr.  v?n  eio 
Constitutio  der  Bischöfe  Ton  Garthaginensis  in  der  Stadt  Toledo  bei  dem  'iJ^^' 
heiligsten  Vorsteher  dieser  Kirche^).    Als  wir  msammenkamen,  für  die 


')  Pii  IX,  Pimtificis  maximi  Acta,  P.  1,  Rom,  1854,  p.  314:  Novae  erigmiw  Eecistiae 

Caihedraies  ClunioB  (Ciudad  Real),  Matriü  et  Victoriae, 
*)  Notizie  per  fanno  1857  (dedicirt   d.  Kard.  Branelli,    der  gerade  das  spanische 

Goncordat  abgeschlossen),  Roma  1857, 
»)  ÄnntMno  Pontifido,  1864,  Roma  1864. 
*)  Der  Abbe  Alban^s  aus  Marseille,  der  Bearbeiter  des  Gennadins  (redhimu)  von 

Massilia. 
*)  iL  c.  p,  313, 
*)  Comtitutio  Carthagmeruium  Saeerdotum  ^   in  ToieUma  urbe  apud  eancHemMum  Ecdetiae 

ejusdem  AntistUem, 


72  Achtes  Buch.    Fffnftes  Kapitel. 

Religion  nnd  den  Glauben ,  welchen  wir  Christus  schuldig  sind,  haben 
Wir  beschlossen,  damit  hinfort  nichts  Ungereimtes  oder  Unerlaubtes 
anter  uns  aufkomme ,  in  gegenseitiger  Verständigung  ein  Decret  der 
gerechtesten  Entscheidung  eu  erlassen:  auf  dass  die  Ordnung  und  die 
Zucht  der  kirchlichen  Würde  einerseits  augenfällig  hervorleuchte;  ande^ 
seits  der  einträchtige  brüderliche  Friede  anerkannt  werde.  ^  Durch  ge- 
meinsame Wahl  (cammuni  eleeHane)  also  haben  sie  beschlossen,  dass  der 
Stuhl  der  hochheih'gen  (sacraaanetae)  EJrche  von  Toledo  Namen  und 
Würde  der  Metropole  haben  soll,  und  dass  er  ihren  (der  Suffiragane) 
Elirchen  an  Ehre  und  an  Verdiensten  vorangehe.  Dieser  Vorrang  beruhe 
nicht  bloss  auf  ihrer  Wahl  und  Zustimmung,  sondern  der  Sjnodalent- 
sohluss  der  Vliter  der  Synode  von  Toledo  unter  Montanus  liege  maaasgebend 
vor  ^).  Kein  Bischof  der  Provinas  solle  hinfort  in  eitlem  und  verkehrtem  Ha- 
der dem  Primat  von  Toledo  sich  widersezen,  bei  keiner  Bischofswahl  soUe, 
wie  es  bisher  geschehen,  diese  Earche  übergangen  werden.  Sie  und 
ihre  Nachfolger  versprechen  der  Kirche  von  Toledo  die  Ehre  und  die 
Rechte  der  Metropole  einzuräumen.  Wer  von  ihnen  oder  ihren  Nach- 
folgern dieses  Statut  übertrete,  „der  sei  Anathema  unserm  Herrn  Jesus 
Christus;  und  herabgeworfen  von  der  Höhe  des  Sacerdotium  werde  er 
zum  voraus  durch  die  Sentenz  der  beständigen  Exconmiunioation  gerich- 
tet^).^—  Diess  geschah  am  28.  October  des  Jahres  610,  dem  ersten  des 
Königs  Gundemar. 
Unter-  Es  folgen  15  Unterschriften  von  Bischöfen  aus  der  Provinz,  yo^ 
tr-«»teht:  Protogenee,  Bischof  der  heiligen  Kirche  von  Segonti.,  ich  hitbe 
zur  Bekräftigung  diesen  Ausspruch  unseres  Dekretes  unterschrieben.  Die 
folgenden  vierzehn  Bischöfe  nennen  zwar  insgesammt  ihre  Kirchen  hei- 
Ug,  aber  begnügen  sich  zu  sagen:  Ich  habe  unterschrieben.  Es  sind 
2)  Theodor  von  ^der  Stadt'  Castulo;  3)  Minitianus  von  Segovia,  4)  Ste- 
phan von  Oretum,  5)  Jacob  von  Mentesa,  6)  Magnentius  von  Valeria, 
7)  Theodosius  von  Ercavica,  8)  Marinus  von  Valencia,  9)  Conantius  von 
Palentia,  10)  Porcarius  von  Segobria,  11)  Vincentius  von  BigastnuD; 
12)  Aetherius  von  Basti,  13)  Gregor  von  Osma,  14)  Piüsidius  von  Com- 
plutum,  15)  Sanabilis  von  Elotana. 

Von  den  oben  (Buch  7,  13)  aufgezählten  23  Bisthümern  von  Car- 
thag^nensis  würden  demnach  acht  fehlen.  Aber  Cartbagena  und  Urci 
waren  schon  zerstört,  oder  noch  in  der  Hand  der  Griechen,  Toletum 
wird  hier  nicht  mitgezählt,  Eliocroca  war  wahrscheinlich  auf  Elotana 
übergegangen,   das  Bisthum  Denia  war  entweder  noch  nicht  errichtet, 


')  D.  i.  eben  nnr  für  Carpetanien  nnd   Celtiberien,    welch   lezteres   sich  später 

wieder  entzog,  eigentlich  nie  sich  anziehen  liess. 
')  Sane,  quicwnqim  ex  nobü,  vel  mccessorilnts  nostris  haec  statuta  transcenderit,  {mathema 

ni  Dotümo  nottro  Jtau  Ckriiio;  atque  cubnine  Sacerdotaii  dejeetut,  perpetuae  excom- 

munieaiumU  tententia  praedamneiur. 


Petnu  T9n  Ereavica.  73 

oder  in  der  Hand  der  Griechen ,  ein  Bischof  von  Ilici  wird  wenigslena 
erat  im  J.  633  genannt  Faktisch  fehlten  bloss  die  Unterschriften  von 
Btttabis  nnd  Acd.  Sätabis  konnte  vorübergehend  in  der  Hand  der 
Ghriechen  oder  ohne  Bischof  seyn,  oder  der  Bischof  konnte  sich  der 
Unterschrift  weigern.  —  Dass  Acd,  wo  wir  ob^  den  Bischof  Pi^ulos^ 
aus  der  Zeit  Witterich's  gefunden  haben  (8.21),'  seine  Unterschrift  au 
geben  sidi  geweigert  hat,  wie  wir  nicht  sweifeln,  dürfen  wir  ihm  nidit 
verdenken.  Denn  es  durfte  und  konnte  nicht  mit  eigenen  Händen  den 
testen  Rest  der  Auszeichnung  und  des  Ehrenvorrangs  sexreisseni  der  ihm 
vor  sttmmtlichen  Kirchen  Spaniens  gebührte,  und  heute  noch. gebührt, 
wenn  nicht  heilige  Erinnerungen  und  Anrechte  so  oft  der  Maeht  fSsdcti* 
icher  Zustände  unterliegen  müssten.  ' 

Es  ist  sdiwer  zu  glauben,  dass  vorstehendes  Aktenstück  wegen  aei- 
Qcr  gehäuften  Lobsprüche  auf  Toledo  von  einem  Toletaner,  odeäit  von 
Aurasius  selbst  ver&sst  worden.  Es  liegt  nahe,  an  Protogene«  vom  8e- 
gontia,  oder  an  den  Schriftsteller  Gonantius  von  Palehtia  als  Verfasair 
zu  denken.  Protogenes,  der  als  der  älteste  unterzeichnet,  war  im  Jahre  6o8 
—  in  der  Reihe  der  Bischöfe  einer  der  jüngsten  (65).  Theodor(ich) 
7on  Castulo  hatte  damals  als  der  einundfthifiBigste  unterschrieben,  und 
steht  hier  hinter  Protogenes.  Er  starb  sehr  bald  nach  dieser  Synode. 
Slinician  von  Segovia  kommt  nur  hier  vor,  muss  aber  vor  597  geweiht 
v7orden  seyn,  weil  auf  ihn  Stephan  von  Oretum  folgt,  der  schon  597 
ds  Bischof  erscheint*).  Morales  hat  eine  Inschrift  mitgetheilt,  nach  wel- 
cher Bischof  Amator  (von  Qretum)  am  13.  Februar  Aera  652  (J.  614), 
13  Jahre  alt,  gestorben,  im  iweitea  Jahre  des  Sisebut,  nachdem  er  nur 
1  Jahr,  10  Monate  —  Bischof  gei^esen.  dtephan  muss  also  611  oder 
)12  gestorben  seyn^).  Jacob  ^n  Mentesa  wird  nur  hier  erwähnt^). 
Schon  im  J.  615  erscheint  der  Bischof  Cädlius.  Magnentius  von  Valeria 
vird  nur  hier  genannt*).  Ebenso  Theodosius  von  Ercavica.  AU  diesen 
Bischöfen  ertheilt  Florez  das  Lob,  dass  sie  an  dem  sogenannten  Schisma 
[einen  Theil  gehabt,  da  ihre  Bisthümer  in  der  Nähe  von  Toledo  lagen. 

Aber  es  ist  doch  auffallend,  dass  der  mehrgenannte  Petrus  von  Er-  Petrus 
avica,  der  Vorgänger  des  Theodosius,   sich  als  Bischof  von  Ercavica  ^^^^ 
a  Celtiberien  im  J.  589  unterschrieben  hat  Er  allein  hat  einen  solchen  ^''^** 
^usaz;  Ercavica  lag,  wie  Recopolis,  an  der  Grenze  von  Celtiberien  und 
)arpetanien,  und  die  Vermuthung  legt  sich  nahe,  dal^s  er  die  Lage  sei- 
ics  BIsthums  in  Celtiberien  hervorgehoben  habe,  weil  er  nicht  unter  dem 


>)  Florez,  8,  77—78  ^Mmidano,  dmU  cerea  dei  596  Aofto  dsipuet  da  6i0.* 

*)  Morales  AnHg,  12,  14  —   Saeerdoi,  oeeur,  rii,  Amator  «talw  «tie  i3.  dk  Id,  Febru, 

Era  652,  feUciier  II,  SitebuH  regU,  tpueopatUM  ann.  /.  ei  MUn.  10,  T.  m  paee.   Amen, 

—  Florez,  7,  260.  —    Maedeu,  9,  249—50. 
»)  Florez,  7,  247. 
*)  Florex,  8,  203.  ♦  • 


74  Achtes  Bvch.    Ffinftet  Kapitel. 

jyMelropoliten  Ton  Garpetanien'  stehen  wollte^).  Theodorius  kann  nicht 
▼or  5S6  Bischof  geworden  seyn.  Da  Marinus  von  Valencia  als  der 
achte  unterzeiehnete,  so  dürften  wir  den  Tod  seines  Vorgängers  Eutro- 
pins  wohl  schon  um  das  J.  600  annehmen.  Auch  ihn  spricht  Florez 
fiei  yon  dem  Verdachte  des  Schisma  ^).  Conantius  von  Palenda  ist  ein 
bekannter  und  gefeierter  Marne').  —  Porcarius  von  Segobriga,  dessen 
Lage  9  wie  mir  scheint,  Florez  mit  Recht  mit  dem  heutigen  S^;orbe 
identifieirt,  wird  nur  hier  erwähnt*).  Den  Vincenz  von  Bigastro  hält 
Florez  f&r  einen  Nachfolger  des  Licinian  von  Cartagena,  aber  er  nagt 
sieh  stark  dahin,  dass  er  einer  von  Jenen  war,  die  das  Schisma  betrie- 
ben; denn  sein  Siz  lag  am  Hittelmeer,  und  ihm  lag  nahe,  die  Würde 
des  Licinian  erben  zu  wollen^)  (welche  Würde  gerade  Florez  nicht 
anerkennt).  £r  wird  sonst  nicht  erwähnt  Ebenso  Aetherius  von  Basti  ^), 
.Gregor  von  Osma^),  Präsidius  von  Complutum,  der  ohne  alle  sdusma- 
titehe  Anwandlung  gewesen  sei').  —  Sanabilis  ist  der  einzige,  und  nur 
hier  genannte  Bischof  von  Elotana^);  das  Bisthum  wurde  wohl  nach 
nici  verlegt,  dessen  erster  Bischof  im  J.  633  erwähnt  wird.  Denn  auf 
der  7.  Synode  von  Toledo  unterschreibt  sich  Uvinibal  (oder  Winibalj 
durch  Gottes  Erbarmung  als  Bischof  der  heiligen  Kirche  von  Uici  und 
Eiotana  (qtd  et  J^^otanas,  «.  e.  epiicopuM  ut). 

%  5.   Dekret  des  Gnndemar. 

Deere-  Nach  der  Erklärung  der  Provinzial- Bischöfe  erliess  König  Gunde- 
Oande-  mar  gleichÜEdls  ein  strenges  Dekret  (era  648^  i.  e.  J.  610) :  Flavius  Gan- 
""*^'  demar  Rex,  an  unsre  ehrwürdigen  Väter,  die  Carthaginensischen  Bischöfe 
(CarihagineMibus  Scicerdotibus).  —  Wegen  der  Usurpation  des  vorher- 
gehenden Fürsten  haben  einige  Bischöfe  der  Provinz  durch  gewisse  Ve^ 
bindungen  (fratricu)  und  Conspirationen  Leute  von  unbewährtem  Wan- 
del zur  bischöflichen  Würde  zu  erheben,  und  sich  um  die  Metropole, 
welche  die  Residenzstadt  des  Herrschers  ist,  nichts  zu  kümmern  gewagt, 


■)  Florez  7,  71  —  nennt  Eufemio  »su  (des  Petrus)  Metropolitano.« 

*)  Ansenommen  seine  Reise  nach  Rom  um  das  J.  598,  würden  nur  zwei  Jahn* 
ffir  das  Episcopat  übrig  bleiben. 

»)  FhrtM,  8,  169—70.    /««/.  <U  vir,  iU.  iL  —  FTorez,  8,  25-29. 

^)  Florez^  8,  97 — 103,  de  ia  ntuadon  —  de  ia  Ciudad  (Segobrigd), 

»)  Florez,  7,  125—126  (Bisastro). 

•)  FloreM,  7,  85-86  (Basü). 

*)  Floru,  7,  282  (Oxoma).  üoriohtis  ist,  dass  aus  den  Briefen  des  Montan  das 
eintr&ehtige  Zusammengehen  der  Bischöfe  von  Celtibericn  und  Carpetanien  her- 
vorgehe; das  Gegentheil  ist  wahr. 

•)  Florez,  7,  180-81. 

•)  Florez,  7,  218-20  (Eiotana);  230-31  0114). 


t 
f 


Dm  Dekret  des  Gvndemar.  75 

obgleich  die  alte  Bestimmung  der  Gaaones  (toii  Toledo  II)  dagegen 
stehe.  Toledo  aber  solle  hinfort  in  der  gansen  PlK>vinB  ak  Metropolis 
anerkannt  werden,  mit  dem  Vorrang  der  Macht  und  der  Ehre.  j^Auch 
gestatten  wir  nicht ,  dass  diese  Provinz  unter  zwei  Metropoliten  gegen 
die  Beschlüsse  der  Väter  getheilt  werde'',  woraus  Spaltungen  entständen« 
Vielmehr  habe  Toledo  den  Anspruch  des  Alters  und  der  Residenz 
des  Königs. 

Wenn  aber  vordem  auf  der  allgemeinen  Synode  von  Toledo  ^yder 
ehrwürdige  Bischof  Euphemius^  sich  als  Metropolit  von  Carpetuien 
bezeichnet  habe,  ,,so  verbessern  'Wir  hiemit  den  Ausspruch  seiner  Un- 
wiss^tiheit^)'',  denn  der  Landstrich  Carpetanien  sei  keine  Provinz,  viel- 
mehr ein  Theil  der  Provinz  Carthaginensis.  Wie  die  Provinzen  B&tiei^ 
Lusitanien  und  Tarraconensis ,  und  die  übrigen  zu  seinem  Reiche  gehO- 
rigen  —  nach  den  alten  Canones  nur  jede  einen  MetropoUten  haben,  so 
soll  auch  Carthaginensis  einen  und  denselben  Primaten,  den  der  alte 
Sjnodalentscheid  bezeichnet,  verehren,  soll  unter  allen  Comprovinzialen 
ihren  höchsten  Bischof  ehren,  und  nichts  soll  femer  geschehen ,  was 
bisher  die  stolze  Anmassung  arroganter  Bischöfe  sich  herausgenommen^). 
Er  verzeihe  das  Vergangene,  troz  der  schweren  Schuld,  „aber  einer 
grossem,  einer  unentrinnbaren  Schuld  werden  die  ver&Uen,  welohe  die* 
ses  unser  Dekret,  das  der  Auctoritttt  der  alten  Väter  entstammt,  in  fredion 
Erkühnen  anzutasten  wagen  sollten.  Keine  Verzeihung  wird  mehr  anf 
das  Verbrechen  (ddieH)  des  Widerstandes  folgen;  der  Ungehorsame  hat 
kirchliche  Degradation  und  Excommunication  zu  befahren,  und  unsere 
Strenge.'^ 

„Ich  Flavius  Gundemarus  Rex  habe  die  Constitution  dieses  Erlasses 
für  die  Bestätigung  der  Ehre  der  heiligen  Kirche  von  Toledo  mit  eigener 
Hand  unterschrieben.^  Die  Geschichte  hat  uns  die  Size  und  Namen  der 
Bischöfe  nicht  genannt,  welche  zu  diesem  Erlasse  den  Anstoss  gaben. 
Sie  hat  gleichsam  den  wohlthätigen  Schleier  der  Vergessenheit  über  sie 
ausgebreitet,  und  künftigen  Forschem  hierüber  nicht  vorgreifen  wollen, 
von  denen  die  einen  an  Carthagena,  andere  vielleicht  an  Acci,  andere 
sogar  an  Astorga,  oder  Castulo  u.  s.  w.  denken  werden.  —  Wir  haben 
uns  ja  schon  öfter  überzeugt,  dass  es  damab  Sitte  war,  wirkliche  oder 
vermeintliche  Missethäter  von  so  hoher  Würde  nicht  aus  dem  Dunkel 
ihrer  Anonymität  hervorzuziehen. 

Was  menschliche  Klugheit  sonst  noch  gebot,  das  unterliess  man 
nicht  zu  vollbringen.  Hatte  man  ja  doch  von  Montanus  gelernt  Wie 
dieser  mit  5  Bischöfen  dennoch  eine  Synode  von  8  Bischöfen  gehalten'), 


>)  not  ejuadem  ignaraniiae  $enteniiam  eorrigimua. 

*)  quaUa  hacttmu  arrogantiMm  Sacenhhtm  tuperha  tmUmit  pra$mmpti9. 


»)  K-G.  2  (1),  446-49. 


76  Achtel  Bach.    Fünftes  Kapitel. 

und   SO  brachte  Aurasios  jezt  noch  26  Unterschriften  von  Bischöfen  unter  das 
2^^  Un- Dderet  des  Gondemar  herbei^  von  welchen  nur  einer  innerhalb  der  Pro- 
8  >Jiirif-  ^^  seinen  Siz  hatte.  —  Die  entfernteren  Bischöfe  aber  kamen  nach  Toledo, 
tcn.   um  jort  den  Königen ,   zunächst  dem  Gundemar  und  Siscbut,  die  her- 
kömmliche Aufwartung    zu  machen.     Diesen  Anlass   benüzte  Aurasius 
(yielleioht  auch  Helladius  und  Justus),  um  sich  ihre  Unterschriften  aus- 
zubitten.    Wir  lesen  also: 

„Ich  Isidor,  der  Kirche  von  Sevilla  Bischof,  Metropolit  der  Provinz 
Btttica,  habe,  als  ich  in  die  Stadt  Toledo,  den  König  zu  begrüssen 
(pro  oeeunu  regiojf  kam,  diese  Constitutionen  eingesehen,  gebilligt,  und 
unterschrieben.''  Wörtlich  so  Innozenz  von  Merida;  denn  Masona  war 
im  J.  606  gestorben*).  Kürzer  unterschreibt  „Eusebius,  Bischof  der 
Ejrche  von  Tarfaco^;  ebenso  Sergius  von  Narbonne,  der  wohl  auf  Mi- 
getim  gefolgt^).  Es  fehlt  der  Bischof  von  Braga,  dessen  Name  sonst 
nidit  genannt  wird,  denn  zwischen  Pantardus  von  589  und  Julian  von 
638  war  sicher  ein  Bischof  in  der  Mitte.  Er  kam  entweder  nicht  zur 
Begriissung  des  Königs,  oder  unterschrieb  nicht.  Nach  diesen  kommen 
die  22  (21)  Bischöfe:  Johannes  von  Girona,  Uergius  von  Egara^),  Lice- 
rios  Ton  Idanna*),  Maximus  von  Saragossa,  Mumius  von  Calahorra^i, 
Floridius  Ton  Tnriasso,  Elias  von  Goria,  Goma  von  Lissabon,  Fulgentius 
von  Astigi,  Emila  von  Barcelona,  Theodor  von  Orense,  Johannes  von 
Ptenpelona,  Benjamin  von  Dumium,  Agapius  von  Tucci,  Gundemar  von 
Viseo,  Argebert  von  Oporto^),  Teverist  von  Salamanca,  Vitulatii» 
Laverricensis,  Leontius  von  Lodftve^),  Pisinus  von  Eivira,  Justinian  von 
Abila,  Vencrius  von  Castulo. 

Lezterer  ist  einziger  Bischof  innerhalb  der  Provinz ,  und  da  vorher 
Theodor  von  Castulo  steht,  so  muss  lezterer  schnell  gestorben,  und 
Venerius,  sein  Nachfolger,  sogleich  zu  seiner  Unterschrift  angehalten  wor- 
den seyn;  hatte  man  ja  dann  eine  Zahl  und  einen  Namen  mehr.  ^Sie 
machten  ihn  das  Dekret  unterschreiben^,  sagt  mit  Recht  Florez ").  Sonst 
nicht  erwähnt  werden  die  Bischöfe  Floridius,  Elias,  Goma,  Theodor, 
Johannes,  Benjamin,  Gundemar,  Teverist,  Leontius,  Justinian  und 
Venerius. 

Aus   der  Provinz  Narbonne   sind  zwei  Bischöfe,   aus  Bätica    vier, 
aus  Lusitanien  acht  (resp.  6j,   aus  Galizien  zwei   (resp.  4),  aus  Tarraco- 


<)  F1ar9x,  13,  180-206  (Masona). 
^  QtJUa  ckrigtkma,  t  6,  iL 
*)  Erscheint  599  und  610. 
*)  Er  hatte  597  anterschrieben. 
•)  Erscheint  589,  592,  599,  610. 
*)  Erscheint  589  and  610. 
*)  GaUia  ehritt.  6,  528. 
•)  HoTM,  6,  340. 


KOftJg  Sisebut  77 

nensis  acht  fiisoh^ife  unterzeichnet;  dazu  eiüer  aus  Carthaginenslsi  und 
Vitulatius  Laverricensis,  was  Ferreras  mit  Laberri  übersesti  Aguirre 
und  Flores  nicht  erklären. 

Es  finden  sich  bei  den  angeführten  Dokumenten  noch  drei  Briefe, 
jeder  betitelt:  Suggestio,  d.  i  Unterbreitung  oder  Bittgesuch »  alle  drei 
aus  Mentesa.  Das  erste  ist  von  Sesuldi  'wahrscheinlich  dem  weltUjchi^ 
Beamten,  das  zweite  von  Sunila,  ,, eurem  Knechte^}  das  dritte  von  Jo- 
hannes^ Vivendus,  Ermegild,  ^euren  Knechten''.  Sie  bitten  um  Beatil' 
tigung  und  Weihe  des  von  ihnen  gewählt^i  Bischofs  Smiliaa*)»  ^ifx 
solcher  Bischof  von  Mentesa  wird  später  nicht  genannt;  im  J»  610  yt^ 
es  Jacobus;  im  J.  616  Cäcilius.  Es  genügt  m6hi^  au  sagen»  diese  Briefe 
werden  zu  einem  sp'ätem  Concil  gehören.  Ich  glaube  umgekehrt,  4a 
Johann  589,  Jacob  610,  Cäcilius  616 ^  ein  Jacobus  wieder.  ^3  Bischof 
waren,  dass  Emila  vor  Johannes  Bischof  war,  und  dass  man  in'Tpledo 
diese  Gesuche  den  Akten  einverleibte,  in  ähnlicher  Absicht,  in  der  mm 
sich  auf  die  Synode  von  Montanus  berief,  um  nemlieh  dadurch  ,eilie 
firüher  schon  bestandene  und  anerkannte  Metropolitangewalt  zu  beweken. 

§.  6.    ET^nig  SiBebirt  i 

kam  Aera  650,  d.i.  612^  im  zw^ten  Jahre  des  Heradius,  4^  Regi^  sisp- 
rung,  die  er  acht  Jahre,  sechs  Moiiate  fiihrte.  Gegen.die  apfrUhreri^^^^jf^ 
sehen  Asturier  sandte  er  ein  Heer,  und  upterwarf  sie.  Pie  ü|«raU  YOfx 
hohen  Bergen  eingeschlossenen  Bucconen  .besiegteii  s^f  Fqjdherrn,  £r 
selbst  führte  ein  Heer  gegen  die  Griechen  im. Süden,  die  er  zweimüJ 
besiegte,  denen  er  einige  noch  gebliebene  Städte  entriss;  die  noch  übri- 
gen innerhalb  der  Meerenge  schwächte  er  derart,  dass  die  Gothen  »e 
später  leicht  in  ihre  Gewalt  brachten.  Damals,  scheint  es,  wuräi$,.Qaap- 
thagena  erobert  und  zerstört,  damals  kehrten  wohl  auch  Urci,  Malaga 
und  Asidonia  wieder  in  die  Gew^  der  Spanier  zurück;  denn  schon  ,"6119 
erscheint  Thendulf,  Bischof  von  Malaga»  und  Bufinus  von  Asido  auf  d^ 
zweiten  Synode  von  Sevilla,  633  Marcellus  von  Urci  auf  der  vierten  Sy- 
node von  Toledo,  während  vielleicht  noch  einige  Städte  in  AlgiMHE^e 
vorübergdxend  in  der  Hand  der  Griechen  blieben« 

Als  Sieger  zeigte  Sisebut  die  gröss^  Mässigung  und  Scihonung;  e^ 
machte  dem  Blutvergiessen  Einhalt,  und  kaufte  auf  seine.  Kosten  .idel^ 
Kriegsge£Emgene  los^). 

Der  Patricius  Cäsarius  musste  endlich,  es  scheint  615,  um  Frieden 
bitten.  Sisebut  sandte  selbst  eine  Gesandtschaft  an  Kaiser  Heradius. 
Dieser  nahm  den  angebotenen  Frieden  gerne  an ,  nach  welcheih  den 
Griechen  nur  ein  kleiner  Landstrich  im  Südwesten  blieb. 


>)  Uorez,  7,  247-^49,  pEmila,  ptnitdado'fora  ei  06upadb.« 

>)  Isidor.  cp,  61  de  reg,  Goth.  —    Fred^gar  eknm.  c.  33,  —    Aämi^  4,  i9i   -s 


78  Achtes  9tA.    Vtaftaa  K^tal. 

Im  ^Vnfiunge  seiner  Re^enmg  -wollte  Sisebut  die  Judeai  zum  Christ 
tliame  zwingen.  Wer  nicht  in  Jahresfrist  die  Taufe  annähme,  n 
GeisBclung,  Verbannung  und  Verlust  des  Vermögens')  leiden.  Vi( 
welchen  es  nicht  gelang,  zu  entfliehen,  fügten  sich  sum  Scbeiot 
Sisebut  war  ein  gewandter  Redner,  und  in  der  Scirift  ebenso  gewrt 

Kiurk-f^r  war  ein  gorechter  Richter,  sanft  und  milde;  ein  König,  der  Spul 
KiWxe  "'ö  durch  die  Künste  des  Friedens ,    so    durch  Kriegesruhm  erhob. 

^^  starb,  man  weiss  nicht,  ob  eines  natürlichen  Todes,  oder  an  dem  Üd 

doii.    maasae   genommener    Arznei,    oder  an    Gift.      Die  Trauer    um 

allgemein.  —  Er  erbaute  die  Kirche  der  heil.  Leocadia  zu  Toledo, 
erwies  sich  aU  eifriger  Förderer  der  Kircbenzucht.  Isidor  giebt 
den  Beinamen  „christianiseiraus." 

Seine  Wir  besizen  von  (und  an)  Sisebut  acht  Briefe,  welche  zuerst  Fll 

'aus  MS.  der  königl.  Bibliothek  in  Madrid  aus  dem  „Ovetensis  C« 
initthoiltc;  dazu  kam  ein  MS.  aus  Toledo*).  Trozdem  bleibt  der  1 
vielfach  unverständlich,  Brief  1  hat  den  Titel:  „(Schreiben |  des  KI 
Sisebut  an  den  Bischof  Cäcilius,  als  er  sich  in  ein  Kloster  einge«ch)< 
hatte."  Er  habe,  nach  persönlicher  Heiligung  verlangend,  eine  hiü 
Heerde  in  die  Hände  der  blutdürstigen  Wölfe  überantwortet,  und  s 
seien  die  traurigsten  Wirkungen  seiner  Flucht  eingetreten.  Er  he 
sein  Unrecht  aus  den  Worten  und  Werken  dos  Herrn,  von  de« 
lomen  Schaf,  dem  vergrabenen  Talente.  Er  werde  Rechenschaft  g 
müssen  für  die  Seelen,  die  durch  seine  Schuld  verloren  gegangeo. 
glaube,  ein  solcher  hat  tausendfachen  Tod  verdient."  Cäcilius  I 
dem  König  über  seinen  Entschlusg  geschrieben,  und  erwartete  M 
Ausspruch,  Sisebut  liess  alsbald  den  Notar  (Schreiber)  kommen, 
verlangt,  wenn  diese  Antwort  ilim  zu  Gesicht  komme,  so  solle  tr 
Verstellung  ablegen,  sich  dem  Könige  und  seinen  Mitbriidem  (im  I 
copate,  deren  stets  einige  in  Toledo  weilten)  stellen,  und  die  verd 
Strafrede  in  Empfang  nehmen  (ut  vivida  voce  increpatia,  ei  ityio 
bonan  correptui,  tandem  resipisceru  redeaa  ad  inerementa  virtuttimj. 

Der  Patricius  Cäsarius  schreibt  über  denselben  Cäcilius  an  SiM 
Oft  habe  er  ihn,  im  Hinblick  auf  das  vergossene  Blut,  vergebeni 
Frieden  gebeten.  Die  Erde  habe  das  Blut  der  Katholiken  getrM 
die  von  ihren  Brüdern  getödtet  worden,  und  sei  dessen  übertf 
Gefangene  von  beiden  Seiten  seien  in  ferne  Länder  verbannt  Li 
also  Frieden  schenken,  im  Hinblicke  auf  den  grossen  Friedeustifier  1 


')  Leg.   Vitis.  L.  12.  T.  JIl.  l.  3.  —    L.  13.  T.  2.  L  13.  lt. 

•)  Itidor  —   GoA.    cp.  60.  —      Oa-onic.   120.   —     Appendix    ad   Moni  A».  O» 

—  Itidor.  Pac.  iir.  6.  —     Bamagt,    Hiitoire  i/o  Jui/»  deptiU  J.   Ciritl,  S,  Ml 

Alf.  de  Castro,  Rigaadten,    Gräti,  a.  a.  O.   S.    unlen. 
*)  flortx,    t.  7,    aptnd.  I,    dt   iat  CarUu  del  Rr^  Sitetnito    (hatia    ioy    no  puütd 


•  ^.  wDie  BiieflB*d6»  Msebat«  79 

Hhttmtl  «ad  Eit^  —    Dan  ^^ieligsten  Vatav  Okäim^j  der  toa 

Lwlm  suttckgehahon  worden,  habe  er  tefakmi^st  surttokge- 

i,  -daaÜ  er  wm  aemer  Eirehe  vriederkehre  «nd  dem  Könige  aich 

Die»  habe  er  Ton  freien  Studien,   und  olme  Aoffoiderong 

Br  wBgB  dodi  Antwort  geben,  and  wenn  er  gttnatigen  Bescheid 

>y  M  warde  aieh  Ckaaiiiia  in  allem  erkenntlich  aeigen'). 

SMnit  antwortet  sehr   freundlich  ^»dem  theuersten  Freund'^;    Er  • 
4m  Tiiie  Hhit^ergiessen   awiscfaen  Ghrkten.    Er  mOge  dem 
{itM:  Mnem  Oesandten)  ftat  vertnuien,  ob  audi  dessen  Rede 
t*  •%  dte»  er  Üw  n&hem  V orachlSge  übergeben  habe.  Er  dankt 
BogCA  (mmm),  den  ihm  Ansemnnd  als  Geschenk  von  CHsariiis 

Drsdlna  sandte  Cäsarius  seine  Antwort  Damach  waren  von 

Seiten  Gesandte  nach  Oonstantinopel  gereist    Der  Briefschreiber 

^▼on  geistigen  Eriken  und  KXmpfen,  von  einem  Pseudopresbyter, 

Fortsesong  des  Briefwechsela.  —   Der  leste  Brief  ist  durch 

und  Theodorich  dem  Sisebut  fibersendet    Det  Kaiser  habe  ge- 

Er  sende  den  edlen  Theodorich  und  den  Priester  Amelivs^ 

Sisebut  mfindlioh  das  Nähere  mitiheilen  sollten,  damit  ein  Tölli* 

gesdi^ossen  werde,     lieber  die  Bedingungen  des  Vertrags 

fiese  Briefe  keine  Mittheilung. 

Bdbon  durch  Mariana  bekannt,  und  früher  von  uns  zur  Hälfte  mit-  i>er 
;^)  ist  der  Brief  des  Sisebut  an  den  Bischof  Eusebius  von  Tarraco.des  s- 
hatte  an  Sisebut  schriftlich  seine  Weigerung  oder  sein  Wider- i^^^^o. 
mitgetkeilt,  den  Bischof  Seyerus  für  Barcelona  zu  weihen,  indem '^^'^''- 
auf  das  Widerstreben  des  Volkes  berief.  —    Bischof  Ernüa,  der 
des  Ugnaa,   wird  in  den  J.  610  und  614  genannt*).    Bald 
moas  er  gestorben  seyn ;  denn  der  Bischof  Severus  yon  Barcelona 
anf  die  Synode  4  von  Toledo  einen  Vicar  Johannes,    welcher 
sieben  Vicarien  als  der  yierte  unterzeichnet,  und  man  kann  (mit 
i)  annehmen,   dass  Severus   durch  Altersschwäche  verhindert  war, 
lidi  zu  erscheinen^).    Sisebut  befiehlt,  dass  Eusebius  den  Bischof 
lona  bis  zum  nächsten  Osterfeste  weihe.    Der  Ton  des  Briefes 
td;  wenn  Eusebius  eine  solche  Ansprache  verdiente,  so  war  er 


^  wie  es  teheiot,   a.  a.  durch  eine  Empfehlang  bei  dem  Papste,  wie  ich  die 
Worte:  apwf  Sertm§mmum  ürin$  Dcmmum  PairmH  tfutrum  verstehe. 
K.-G.  2  (1),  SS-M. 
FUrm,  29,  128-aO. 

FUrm,  29,  130— SS.  —  Ferrmu,  2,  850  spricht  hier  von  einem  Bditaspiele, 
welehes  der  Bischof  von  Barcelona  habe  geben  lasten.  —  V.  ÄKihmdk,  p.  241 
and  Lmbkt,  8«  90;  aach  BkUMeh,  p,  54  l&sst  den  EosebiaS)  den  «geblichen 
Bischof  von  Barcelona,  abgesezt  werden. 


80  Achtes  Hoch.    Fünftes  Kapitel. 

• 

doppelt  za  bedauern.  Er  wird  suerst  im  J.  610  genannt ,  leitete  die 
Sjnode  von  Egaia  614,  erhielt  awischen  615  und  621  diesen  scharfen 
Verweis  9  und  starb  um  632^).  —  Aus  dem  Briefe  an  Eusebius,  und 
aus  dem  Briefwechsel ,  welchen  Braulio  und  Isidor.  Hisp.  mit  einander 
sum  Theil  aus  Anlass  des  Todes  des  Eusebius  führten,  ersehen  wir,  dass 
^chon  damals  die  Könige  die  Bischofswahlen  in  ihre  Hand  genommen 
hatten.  ^'^^ 

Der  siebente  Brief  des  Sisebut  ist  an  einen  Theudila  gerichtet,  der 

seine   weltliche  Stellung   mit   dem  EJoster   vertauscht   hatte,   dem  er 

passende  Anweisungen  giebt,   und  den  er  demttthig  um  seine  Fürbitte 

und  um  Nachrichten  angeht  Er  nimmt  mit  gelungenen  Versen  Abschied 

von  ihm: 

Es  möge  der  Löwe  des  Stammes  Juda  stets  dich  geleiten 

Es  sei  Christas  immer  dir  gnädig,  das  Licht  deines  Lebens.    Amen. 

Der  achte  Brief  ist  an  Advaldeld  (Adelwald),  den  jungen  König 
der  Longobarden,  und  seine  Mutter  Theodolinde,  gegen  die  Häresie  det 
Arianer;  sie  mögen,  wie  sie  selbst  davon  sich  befreit,  auch  ihr  Volk 
mr  wabr^  Eirohe  führen.  Adelwald  möge  in  den  Fussstapfen  seiner 
frommen  Mutter  wandeln.  Der  Brief  ist  eben  so  rührend  als  beredt 
geschrieben.  Er  erhebt  die  Tugenden  der  Theodolinde,  und  leitet  ihren 
Namen  von  Gott  Er  giebt  ausführliche  Anweisungen  für  das  Werk 
der  Bekebrug  der  Longobarden.  Man  muss  einen  König  achten  und 
lieben^  der  mit  solcher  Kraft  und  Salbung  redet 

Von  demselben  ist:  VUa  vel  Pcusio  8.  DetiderUy  des  Bischo&  von 
Vienne,  der  am  23.  Mai  606  gesteinigt  wurde,  auf  Betreiben  der  Brune- 
hilde«). 

Dem  Sisebut  widmete  Isidor  sein  Werk  —  de  rerum  naitura.  — 
Dieser  König  ist  ohnstreitig  den  besten  Fürsten  Spaniens  an  die  Seite 
8U  sezen.  —  Um  ihn  trauerte  das  ganze  Volk  der  Gothen.  Sein  Sohn 
und  Nachfolger  Reccared  U.  regierte  nach  Isidor  nur  wenige  Tage.  Ein 
früher  Tod  rafile  den  Knaben  dahin. 


•)  FUn-tZt  25,  82—86. 

«)  Fhrez,  7,  328  —  338  —  cf.  Ada  SancL  t  5.  Maxi,  p.  251 —  52 —55.  —  Obige 
Schriften  des  Sisebat  sind  aus  Florez  7,  307  —  38  abgedruckt  ap,  Migne  P.  tat. 
t  80y  p.  364  —  384.  —  cf.  Maruma,  Üb.  6,  cp.  3.  —  Ferrerat,  2,  339^350.  - 
Antonio  Ikret- Bayer,  57Ö— 7i.  —  (v.  Isidor.  de  reg.  Qotk.  ep.  60 — 61,  —  Chronol 
r.  O.  cp.  24.  —  Chronicon  120.  —  Isidor.  Pacens. ,  aera  650.  —  Roderic,  Tolet^ 
de  reg.  Goth.  L  2,  cp.  17.)  —  de  Castro,  345  —  47.  —  Masdeu,  f.  9,  18.  i  10, 
i1%-16.  —  Zq/iMMlf,  p.  405—9.  Caoamües,  220-22.  —  Aschbadk,  236— 24L 
Lemhke,  88—90.  —  ffelfferidi,  W.  R.  53-11;  ihm  ist  Sisebat  »ein  frommer, 
gelehrter,  fsaatlseh-nndiildaiBier  Herr.  Das,  was  man  im  Leben  einen  ngnlen** 
Mensehen  nennt,  war  Sisebat« 


Die  Könige  SwintilA  nnd  Siteund  621—636.  81 


§.  7.    Die  Könige  Swintila  und  Sisenand  621—636. 

SwintUa  war  unter  Sisebut  Heerführer  gewesen,  hatte  dieRucconeo  » 
und  Römer  besiegt.  Selbst  zum  König  erwählt,  entriss  er  den  Römern  ^'^^^^^ 
die  noch  gebliebenen  Städte.  „Er  war  der  erste ,  der  die  ganze  Halb- 
insel der  Pyrenäen  beherrschte,  was  keinem  Fürsten  vor  ihm  beschieden 
war.  Zwei  römische  Patricier  bekam  er  in  seine  Gewalt,  den  einen 
durch  freiwilUge  Unterwerfung,  den  andern  im  siegreichen  Kampfe'' 
(623)  *).  —  Die  unruhigen  Vasconen  erschracken  bei  der  Nachricht  sei- 
nes Heranrückens  so,  dass  sie  um  Frieden  flehten,  Oeisseln  stellten, 
den  Gothen  die  Stadt  Ologitis  gründeten^).  —  Schon  Don  Rodrigo 
(Roder.  Ximenes)  kannte  im  13.  Jahrhundert  deren  Lage  nicht  mehr; 
die  Einen  hielten  sie  für  Oloro,  die  andern  für  Olite^).  Ferreras  und 
Florez   sprechen  sich  für  keinen  bestimmten  Ort  aus.  —    Ist  ja  auch  ^ 

die  Lage  von  Recopolis  nicht  bekannt  Noch  rühmt  Isidor  an  dem 
Könige  seine  Treue,  seine  Klugheit  und  Thätigkeit,  seine  Liebe  zur 
Gerechtigkeit,  seine  treffliche  Verwaltung,  sein  Mitleid  gegen  Arme,* 
seine  Wohlthätigkeit  gegen  Alle.  —  Seinen  Sohn  Racimir  nahm  er 
zum  Mitregenten.  Mit  seinem  und  Swiniila's  überströmendem  Lobe 
schliesst  Isidor  die  Geschichte  der  Gothenkönige  (626),  von  deren  näch- 
sten Nachfolgern  wir  nur  wenige  Nachrichten  haben.  Aber  entweder 
der  Lebende  hatte  Recht  bei  Isidor,  wi6  auch  In  andern  Fällen,  oder 
Swintila  schlug  nach  guten  Anfängen  eine  schlimme  Richtung  ein.  Wohl 
[nöglich,  dass  die  Grosseh  und  Bischöfe  in  der  Ernennung  eines  Nach-  - 
folgers  einen  Eingriff  in  ihre  Rechte  sahen.  —  Was  im  Einzelnen  ihm 
sur  Last  fiel,  finden  wir  im  lezten  Canon  der  Synode  4  von  Toledo 
mgeführt.  Sisenand  stellte  sieh  an  die  Spiee  der  unzufriedenen ;  er  rief 
den  Frankenkönig  Dagobert  zu  seiner  Hilfe  herbei,  und  versprach  ihm 
sum  Lohne  die  sogenannte  Tafel  Salomos,  eine  grosse,  50  Pfund  schwere, 
mit  Edelsteinen  besezte  goldene  Schüssel,  welche  der  Gothe  Thorilmund  | 

von   dem  Römer  Aetius  als  Lohn  für  seinen  Antheil  an  der  Schlacht 
gegen  Attila  erhalten  haben  soU^). 

Das  fränkische  Heer  zog  unter  Abundantius   und  Yenerandus  bis  ^^^' 
Zaragoza.    Die  Gothen  fielen    von  Swintila  ab ;    Sisenand  wurde  auf  63i  — 
den  Stuhl  der  gothischen  Könige  gesezt,  und  ^e  Franken  kehrten  um. 


■)  Is.  c.  62  -  de  reg,  Ooth,  ^  CkronoL  cp.  25. 

»j  Florez,  32,  333—35. 

')  Lezterer  Ansicht  ist  (Hkenart  —  NotUia  uiriutqtte  VaacanitUf  1656,   Vaaamu  denkt 

an  ValUdolid. 
«)  8.  Lembke,  S.  33,  93,  267  and  Beilage  III,  S.  421--424;  ff.  Ge^er  nennt  (2,199) 

den  von  Lembke  auf  die  Untersuehiing  über  die  sog.  Tafel  Salomos  verwendeten 

Fleiss  »stannenswerlh.« 

Garns,  Span.  Kirche.   II,  2.  Q 


82  Achtes  Bach.     Fünftes     Kapitel. 

Die  Gesandten  Dagobert's  eilten  mit  der  goldenen  Schüssel  zurück,  aber 
anterw^  überfielen  sie  die  Gothen,  und  nahmen  sie  ihnen  weg.  Zur 
Entschädigung  erhielt  Dagobert  200,000  Solidi ' ).  Die  Chronologia  Gothic. 
regum  weiss  nichts  Ungünstiges  von  Swintila.  Nach  ihr  regierte  Swin- 
tila  10  Jahre.  -—  Er  wurde  wegen  seines  Verdienstes  Vater  der  Armen 
genannt,  und  starb  eines  natürlichen  Todes  zu  Toledo  unter  Kaiser 
Heradins.  —  Diese  Regierung  dauerte  nach  der  ;, Chronica''  —  10  Jahre, 
die  des  Sisenand  4  Jahre,  11  Monate,  14  Tage.  Die  „Chronologia'' 
achreibt  ihm  4  Jahre  der  Regierung,  zu,  und  sagt  nur  von  ihm:  ^Er 
hielt  Synoden  (d.  i.  nur  eine)  der  Bischöfe ;  er  war  geduldig,  und  recht- 
giftnbig  nach  der  Ordnung  der  katholischen  Kirche.  Er  endete  sein 
Leben  zu  Toledo  unter  der  Regierung  des  Heradius'' ^). 

^^  §.  8.    Die  Bischöfe  HeUadius  und  Justus  von  Toledo. 

^  HeUA-  HelladiuB  folgte  auf  Aurasius.  Er  hatte  in  seiner  glänzenden  Stel- 
TOT  long  am  Hofe  und  als  hoher  Beamter  schon  wie  ein  Mönch  gelebt  Er 
'^f^j^  kam  au  dem  Kloster  Agali  wiederiiolt ,  noch  als  Laie,  gesellte  sich  den 
^  Mönchen  bei,  und  trug  mit  ihnen  sogar  Reiserbüschel  zu  dem  Ofen. 
Dann  verliess  er  in  schneller  Flucht  alles,  um  in  Agali  zu  weilen,  wurde 
Vater  (Abt)  der  Mönche,  leitete  geziemend  durch  Wort  und  Beispiel 
ihr  Leben,  und  brachte  das  Ehester  zu  zeitlichem  Wohlstand.  Schon 
ein  Gkeis,  wurde  er,  wohl  durch  König  Sisebut,  durch  Gewalt  auf  den 
Bischofssiz  von  Toledo  erhoben,  und  legte  eine  grosse  Gewandtheit  in 
der  Regierung  der  Kirche  an  den  Tag.  Unerschöpflich  war  seine  WoU- 
thätigkeit  gegen  die  Armen.  „Er  wollte  nicht  schreiben,  weil  das,  was 
zu  schreiben  war,  das  Blatt  seiner  täglichen  Thätigkeit  (quotidianae  ofe- 
ratUmü  pagina)  kundgab.  Er  starb  in  hohem  Alter,  nachdem  er  18  Jahre 
(615—633)  Bischof  gewesen,  unter  den  Königen  Sisebut,  Swintila,  und 
in  der  ersten  Zeit  des  Sisenand').  Sein  Diakon,  mit  Namen  Justus, 
erhob  sich  gegen  ihn  im  Uebermuth,  und  „er  lebte  zwar  nach  dem 
Tode  seines  Bischofes  selbst  als  Bischof  und  er  war  erschöpft  (et  ip$e 
tdbif actus);  aber  sich  verkehrend  in  verderbtem  Sinnen,  wurde  er  von 
den  Dienern  seines  Altars  —  wegen  zügelloser  Sitten  im  Schlafe  er* 


')  Fred^ar  chronic,  cp,  73;    daraus  Gesia  Dagoherti  I  —  (petuantem  oiirt  pondus  quin- 
gento»;  Boh,  liest  auri  soUdot)^  die  Spanier  reden  nar  von  50  Pfund  Gewicht. 

*)  .Mariana  (üb.  Swintila  und  Sisenand)   L6^  cp,  4  et  5,  —    Ferrenu-  Baumgarttn, 
2,  35i^357S70.  —    Masiku,  t  9,  19^20  (Münzen);   /.  iö,  176—79^181,  - 
LafumU,  2,  409-416.  —     CavanilleM,  223-28.  —     Aschbach,   241—44^247,  - 
Lmbke,  91  "95.  —    BB^ymieh,  71-~75'^79.  —    Helf.  nennt  die  Re^ierun^  des 
8it€D«nd  »thatenlotn 

*)  ndtf.  d$  vir.  iOuür.  tp,  7. 


Die  Bischöfe  Helladios  und  Jattat  von  Toledo.  83 

drosselt''').  —  Ferreras  erwähnt  dieses  Justus  nicht;  Florez  begnügt 
sich  mit  dem  einfachen  Berichte.  Ich  folge  seinem  Beispiele.  —  Man 
ninmit  an,  dass  Helladius  eine  Art  Synode  hielt;  denn  Isidor  schrieb 
an  ihn  ^an  meine  Herrn,  die  Knechte  Gottes  und  an  die  übrigen  mit 
ihm  vereinigten  Bischöfe'',  dass  der  Bischof  von  Corduba,  dessen  Namen 
er  nicht  nennt,  in  eine  Fleischessünde  gefallen  sei,  dass  Helladius  und 
seine  Bischöfe  ihn  verhören,  absezen,  und  zu  beständiger  Busse  ihn 
verurtheilen  sollen^).  —  So  sehr  der  Brief  an  Isidor  mahnt,  so  auf- 
fallend ist,  dass  der  Schuldige  von  nicht  Eustl&ndigen  Bischöfen  gerich- 
tet werden  soll. 

Unter  Helladius  wurde  sowohl  die  Kirehe  des  heil.  Euphrasiut  su  xir^ 
Illiturgi  (E.-6. 1,  189),  als  die  Kirehe  der  heil.  Leocadia  zu  Toledo  i>^!^|t^ 
erbaut  (1,  341)^).    Helladiua  selbst  wurde  in  dieser  Kirche  begraben. '°J^'- 
Die  erhaltene  Grabschrift ,   nach  welcher  er  mehr  als  achtzig  Jahre  alt  Zeit 
wurde,   soll  von  Ildefons  verfiisst  sejn*).  —    Zu  seiner  Zeit  feind  der 
Mönch,  später  Bischof  Agapius  IL  von  Corduha  den  Leib  des  Märtyrers 
Zoylus  [K.-G.  1 ,  361]  *).  —    Damals'  wurde  —  un  J.  630  eine  Kirche 
zu  Asido  im  Jahre  2  des  Bischofes  Pimenius  dedicirt^),   mit  Reliquien 
des  heil.  Stephanus ,  Julian,  Felix,  Justus,  Pastor,  Fructuosus,  Auguriiu,       • 
Eulogius,  Ac^sclus,  Romanus,  Martinus,   Quiriscus  und  Zoylus.  —    Im 
November  644  wurde  unter  demselben  Bischof  eine  Kirche  mit  den  Re- 
liquien der  Märtyrer  Lambert,   Felix    und  Julian  dedicirt,   am  Meere, 
vier  Leguas  von  Asido  ^). 

Helladius  wurde  nicht  als  Heiliger  zu  Toledo  verehrt.  —  Aber  er 
fand  am  18.  Februar  Aufnahme  in  dem  Martyrologium  des  Baronius; 
im  Jahre  1613  wurde  zu  Toledo  sein  Fest  schon  ritu  semidupL  gefeiert, 
und  er  fand  seine  Stelle  in  den  Bollandisten ") ,  und  in  den  Acta  Set 
Ord.  S.  B.  von  Mabillon«). 


>)  jf  Justus  —  posi  mortem  quidtm  sui  Pontificis  vixit  episcopuSf  et  ipse  tabe/actus,  sed  in 
reprobum  versus  sensum,  ob  intemperantiam  morum  a  ministns  cdtaris  sui  dormmu, 
strangulatus  Uiqueo  expirctvit".  —     Ild.  prae/at.   Viror,  illust, 

')  epistola  5  —   Isidori  Heüadio  aUisgue  episcopis, 

')  Eulog,  Üb.  apoL  mart,  cp.  16  —  Toleto  quoque  beatcte  Leocadiae  aula  miro  opere, 
jubenie  praedicto  principe  (Sisebuto),  eulmine  alto  extenditur. 

^)  Sie  steht  in  der  Ausgabe  des  Lorenzana  anter  den  opp.  supposita.  Der  Heraus- 
geber hält  sie  zwar  für  alt,  aber  die  Verse :  octoginta  senior  etc.  für  eingeschoben. 

»)   Vita  B.  Zoyli  mart,  ap.  Florez,  10,  505—7. 

•)  Die  Inschrift  zuerst  bei  MoraUs  —  /.  10,  9;  dann  bei  Fhrez,  7,  183.  10,  57.  — 
Masdeu,  9,  151-52.    K.-G.  1,  332. 

»)  MoraUs,  12,  24.  —  Coro,  Ant.  de  SwiUa,  fol.  125.  — '  Florez,  10,  58  —  59.  — 
Masdeu,  9,  153-154. 

•)  18  Febr.  —  t3  Februar,  p.  79^% 

•)  Mahühn ,  L  2,  p.  136—39.  —    Floru,  5,  Hf^-^-U. 

6* 


84  Achte«  Bach.     Ffinflei  Kapitel. 

jasiTn  Jüstua,   Schüler  des  Helladius,   folgte  ihm  als  Bischof  —  633,  ein 

Tüi"do  Mann  von  reichen  geistigen  und  leibliehen  Gaben,  gei.itreicli  und  sch&rf- 

%iü'  8'inig,  sattsam  von  Helladius  in  den  Tugenden  des  MSncbthuma  erzo- 
gen, war  er  nach  diesem  der  dritte  Vorsteher  iu  dem  Kloster  tob  Agali. 
Es  fehlte  Ihm  auch  nicht  an  Berodtsatukeit ;  aber  er  starb  vor  der  Zeit, 
schon  drei  Jahre  nach  seiner  Erhebung.  An  KichiU,  den  Abt  von 
Agali,  schrieb  er  einen  gewandten  Brief,  worin  er  zeigte,  dase  man 
sich  der  Sorge  für  die  anvertraute  Heerde  nicht  entziehen  dürfe.  König 
Sisenand  starb  nach  ihm  am  neunzehnten  Tage').  —  Der  Priester  Ge- 
rontius,  gestüzt  auf  die  kiinigliche  Gunst,  begegnete  dem  Joatos  mit 
Verachtung  und  Troz.  Plöziich  verlor  er  den  Verstand;  alle  Kunst  der 
Aerzte  vermehrte  nur  sein  Uebei;  er  blieb  bis  zu  seinem  Ende  in  die- 
sem Zustande;  sein  Anblick  und  seine  Rede  war  allen  zum  E^keL  — 
Justus   steht  nicht   in   dem  Verseicbnisse  der  Heiligen,    doch   zählt  ihn 

'        Mabillon  zu  den  Heiligen  des  Ordens  S.  Benedicti  ^). 


')  TUef.  rp.  8  Je  vir.  IU.  —  et  pratf.    ~    cp 
•)  Flore:,  6,  244  -  48.   -     Maiilkn.  Atta  i 


Sechstes  Kapitel. 

Die  zweite  Synode  voh  SeyilU  — •  J.  611.  —   Ois  vierte  €•■- 

eil  ¥•■  TtMe,  638. 

§.  1. 

Am  13.  November,  im  neunten')  Jahre  der  Regierung  des  Sisebuti 
Aera  667 ,  d.  i.  im  Jahre  619  traten  die  Bischöfe  von  Bätica,  Indor 
und  seine  Suffiragane  in  dem  Secretariat  (Capitelsaal)  des  „heiligen 
Jerusalem^  zu  Hispalis  zu  einer  Synode  zusammen ,  in  Oegenivirt 
des  Statthalters  (rectore  rerum  publieananj  Sisicius  und  des  SUuui- 
meisters  Suanila  (actare  rerum  flsealium),  während  der  Klerus  stehend') 
anwohnte.    Die  erste  Verhandlung  —  actio  —  betraf  das  Ansuchen  dee  y»- 


Bischofs  Theudulf  von  Malaga ,  vielleicht  des  unmittelbaren  Nachfolgera  i^mhi 
des  Januarius,  dessen  Bisthum  erst  seit  Kurzem  den  Griechen  entrissen  ^^9>^ 
worden  war^).  Das  Gebirge  von  Antequera  und  Ronda  hatte  lange 
Griechen  und  Gothen  getrennt,  aber  von  Alters  her. reichte  das  Bisthum 
Malaga  bis  zum  Flusse  Xenil,  und  grenzte  an  die  Bisthümer  Elvira, 
Egabra  und  Astigi*).  Diesse  drei  Bisthümer  zogen  nun  die  nördlich 
vom  Gebirge  liegenden  Pfarreien  an  sich,  und  wollten  sie  nicht  an 
Malaga  zurückgeben.  Es  wurde  entschieden,  dass  der  Status  quo  vor 
dem  Einfalle  der  Griechen  wieder  einzutreten  habe.  So  ist  es  bis  heute 
geblieben. 

Zweitens  —  die  Bischöfe  von  Astigi  und  Oorduba  stritten  um  eine 
Kirche,  die  jener  zu  der  Pfarrei  Celti,  dieser  zu  Regiana,  beide  Orte 
an  der  Strasse  von  Astigi  nach  Emerita  gelegen,  ziehen  wollte.    Hier- 


')  Fhrez,  9,  289  —  sagt,  man  müsse  lesen:  im  siebenten. 

')  In  Elvira  sassen  die  Priester,  standen  die  Diakonen. 

')  Heifferich  denkt  hier,  ohne  Grund,   an  Arianer.    W.  &  S.  5&— 56.    Die  »mäi- 

iarit  hotülUa»*  sind  die  Qrieehen. 
0  K..G.  2  (1),  S.  U. 


86  Achtes  Buch.     Sechstes  Kapitel. 

über  solle  eine  Commission  entscheiden,  so  jedoch  dass  ein  dreissigjäh- 
rigor  ruhiger  Besiz  als  Präscription  gelten  solle.  So  haben  in  ähnlichen 
Fällen  die  weltlichen  Geseze  und  die  Päpste  entschieden. 

Drittens  brachte  Bischof  Cambra  von  Italica  die  Klage   vor,   dass 

sein  Kleriker  Spassandus    sich  nach  Corduba  begeben   habe.  —    Man 

beschloss:    er  solle  zurückkehren  zu  der  Kirche,   die  ihn  erzogen  und 

genährt    Diess  soll  auf  alle  ähnliche  Fälle  angewendet  werden.    Wer 

einen  Solchen  zurückhalte,   verfalle  der  Excommunication.    Der  deser- 

tirende  Kleriker  verliere  seine  Würde,  werde  einige  Zeit  in  ein  Kloster 

verwiesen,  und  dann  erst  wiedereingesezt').    Ohne  grosse  Strenge  könne 

.    dieses  ,  Vagabundiren  nicht  abgestellt  werden. 

Zw5if  Viertens  —  wurde  berichtet,   dass  zu  Astigi  kürzlich  einige  uner- 

noflundlaubte  Weihen  von  Männern  von  Wittwen  als  Leviten   vorgekommen: 

^ran^^  die  Geweihten  seien  abzusezen. 

^^'  Fünftens  (quinto  judido)  meldete  der  Diakon  Anianus  von  Egabra, 

dass  der  Bischof,  welcher  an  den  Augen  litt,  einen  Priester  und  zwei 
Diakonen  geweiht,  wobei  er  selbst  die  Hände  über  sie  ausstreckte,  ein 
Presbyter  aber  die  Worte  der  Weihe  sprach.  Lezterer  war  inzwischen 
gestorben^};  aber  die  Ordinirten  wurden  abgesezt. 

Sechstens  —  sei  Fragitanus,  Priester  von  Corduba,  ehedem  mit 
Unrecht  von  seinem  Bischöfe  abgesezt  und  verbannt  worden.  Er  wird 
wieder  eingesezt,  und  nach  den  alten  Regeln  dürfe  kein  Priester  und 
Diacon  ohne  ein  Concil  abgesezt  werden.  Nicht  das  Gerede  des  Volkes, 
sondern  die  erwiesene  Schuld,  und  das  Synodalgericht  entscheide.* 

Siebentens  wurde  angezeigt,  dass  der  ehrwürdige  Agapius  (U),  ehe- 
dem Bischof  von  Corduba,  oft  Presbyter  aufgestellt  habe,  die  in  Ab- 
wesenheit des  Bischofs  Altäre  errichteten,  und  Kirchen  einweihten.  Aga- 
pius sei,  unwissend  in  der  Kirchenzucht,  von  dem  Soldatenstande 
unmittelbar  auf  den  Bischofsstuhl  erhoben  worden  ^).   Aber  —  kein  Prie- 


■)  H.  Kellner,  «das  Buss-  und  Strafverfahren  gegen  Kleriker  in  den  6  ersten 
christlichen  Jahrhunderten**,  Trier  1863»  S.  128,  handelt  sehr  kurz  von  der 
Busse  in  den  Klöstern,  S.  98  — 100,  welche  zuerst  von  Hieronymns  erwähnt, 
von  Leo  I.  vorgeschrieben  wurde.  —  Kellner  giebl  (S.  73 — 77)  einen  neuen 
Versuch  zur  Erklärung  der  pCommunio  pere^na**,  wornach  die  betreffenden 
Kleriker  die  Communion  innerhalb  des  Altarraumes  vor  den  Laien  erhielten, 
während  sie  von  ihrer  Pfründe  suspendirt  waren.    (K.-G.,  2,  [1],  440.) 

*)  Florez  bezieht  den  Todesfall  auf  den  Bischof,  Tejada  y  Ramiro  mit  Recht  auf 
den  Priester  {Florez,  12,  27—28.   -     Tejada,  2,  669). 

*)  Dieser  Canon  7  —  findet  sich  fast  wörtlich  in  einem  dem  Papste  Leo  L  unter- 
schobenen Briefe  m.  d.  T.  —  Leo  —  unitferns  Oermaniarum  et  Gaüiantm  regio- 
num  epiMcopU  —  od.  de  prwiUgio  chorepieoop,  ei  preebyt,  —  Er  steht  u.  a.  bei 
Affuirre  §d.  2,  3,  959—^.  and  eine  besondere  Dieaertatio  dar.  von  P.  Quetnel  — 
in  4$.  Leoni»  M,  «pera  dise,  11  (de  äuppositione  epiatolae  ad  Oerm,  ei  OalL  epiacoposy 
de  ffrivil.  chorep,  nve  preeb.f  Leonie  Papae  I  nomine  cof\fictae,    quae  eti  in  priorUms 


Die  zweite  Synode  tod  SeTilla,  J.  619.  87 

ster  dürfe  Altäre  errichten  oder  weihen.    Nach  den  Geseaen  des  alten  Unter- 
und  neuen  Bundes  sei  den  Priestern  die  Weihe  von  Priestern ,  Diakonen  der  bi- 
und   (gottgeweihten)  Jungfrauen  nicht  gestattet ,  nicht  die  Errichtongi  ^^^^ 
Weihe  oder  Salbung  eines  Altares,  nicht  die  Weihnng  der  Kirchen,  die  ^^ 
Spendung  der  Firmung  an  Getaufte  oder  von  dner  Häresie  BekehrtOi  stem. 
nicht  die  Weihe  des  Chrisma,    oder  die  Bese^chnung  der  Stime  der 
Getauften  mit  dem  Chrisma;   sie  dürfen  femer  keinen  Süsser  ö£fentlich 
in  der  Messe  wieder  aufnehmen,  imd  an  Niemand  (ipiUolaM)  famuOai 
senden.  Die  Priester  dürfen  nicht  vor  dem  Bischöfe  in  das  Baptisteriom 
eintreten,   nicht  in  seiner  Gegenwart   ein  ELind  taufen  oder  besiegebi 
(Ungere  aut  signare)^  noch  ohne  dessen  Befehl  Büsser  aufnehmen ,  noch 
in  seiner  Gegenwart  die  heil«  Geheimnisse  feiern  (muramerUiwn  corpoH» 
ei  sanguinis  Christi  confieerej  noch  vor  ihm  das  Volk  lehreUi  oder  segnen 
oder  begrüssen  oder  irgendwie  ermahnen. 

Achtens  kam  aur  Klage,  dass  ein  gewisser  Eliseus  aus  den  Hörigen 
ffamUia)  der  Kirche  von  Cabra,  nach  seiner  Freierklärung  durch  den 
Bischof  sogleich  trozig  wurde,  mit  giftigen  G^eimmitteln  dem  Bischöfe 
nachstellte  (venefids  aHibtts)^  ja  selbst  uneingedenk  seiner  Freiheit  seine 
Patronin,  die  Elirche,  verdammte.  Der  Schuldige  soll  wieder  Sklave 
werden  *). 

Neuntens  kam  zur  Verhandlung,  dass  einige  Bischöfe  weltliche 
Oeconomen  hatten.  Diess  sei  gegen  Canon  (26)  der  Synode  von  CluU- 
cedon.  Der  Bischof,  der  keinen  Oeconomen,  oder  einen  Laien  als  Ooeo» 
nomen  habe,  der  solle  als  Verächter  der  Canones  und  KirchenriUiber 
der  Synode  Rechenschaft  stehen. 

Zehntens  —  auf  Verlangen  der  Aebte  (patribusj  der  Klöster  sollen 
die  jüngst  begründeten  und  schon  länger  bestehenden  Klöster  in  Bätica 
ungekiünkt  bestehen.  Wenn  ein  Bischof  jest  oder  später  ein  Erlöster 
plündern,  schädigen,  oder  aufheben  wolle,  so  sei  er  Anathema  und 
ausgeschlossen  von  dem  Reiche  Gt)ttes.  Es  sollen  sich  alle  Bischöfe  der 
Provinz  versaomieln,  ihn  als  Gottesräuber  und  Zerstörer  von  der 
Gemeinschaft  ausschliessen ,  und  das  zerrüttete  Kloster  in  seinen  alten 
Stand  sezen,  damit,  was  einer  gegen  Gott  zerstörte,  alle  mit  Gott 
wiederherstellen  ^), 


editionibuM  88  —    Leonis.  op.  ed,  BaUermL  t  2,  p.  1265 — 1278.),  —    Ueber  den 

Unterschied   der  Bischöfe   und  Priester  handelt  Isidor  aoeh  in:  d§  accfaiiort. 

officiis,  2f  cp.  5 — 7;  et  in  epislola  ad  Leudefrtdum  epitc.  (ef.  des  Artvalo  j,Iaidonama* 

—  Pars  2,  cp.  73.) 
I)  nom  solum  ejusdem  epücopi  venefids  artibus  tabUem  Uud^rt  voktii,  nd  elUMi  patromam 

Eccltsiam  Ubertaäs  immemor  damnaoii  (aL  praedamnaoit)  g    vielleicht  alt  Zeuge   vor 

Gericht? 
«)  c/.  MontaUmbert,  214  —  17.  —     E.  de  Boasihe,   Formulu  ifUgotid^us»  in£diU9  -^ 

Nr.  9,  1864. 


88  Achtes  Bach.     Sechstes  Kapitel. 

Der  eilfte  Beschloss  scheint  ohne  Anstoss  von  aussen  erfolgt  bu  seyn. 
Die  in  der  Provinz  gegründeten  Franenklöster  sollen  unter  der  Verwal- 
tung und  dem  Schnee  von  Mönchen  stehen.  Die  „geistlichen  Väter^ 
sollen  auch  die  Nonnen  unterrichten,  doch  haben  sie  keinen  Zutritt  zu 
ihnen  y  auch  nicht  in  den  Vorhöfen.  Der  Abt  oder  wer  sonst  Vorstand 
ist,  darf  nur  mit  der  Oberin  (eam  quae  probest)  sprechen,  und  auch  mit 
dieser  selten ^  kurz,  in  Gtegenwart  zweier  und  dreier  Schwestern,  und 
ttber  Dinge  des  Berufs.  Der  gewählte  Mönch  soll  die  städtischen  und 
ländlichen  Güter  yerwalten,  Häuser  bauen,  damit  die  Nonnen  durch 
weltliche  Gteschäfte  nicht  zerstreut  werden.  Der  vom  Abte  gewählte 
Au&eher  muss  vom  Bischöfe  bestätigt  werden.  Die  Nonnenklöster  sollen 
zur  Entschädigung  für  die  betreffenden  Männerklöster  die  Kleider  be- 
reiten *). 

Zwölftens  ein  syrischer  Bischof  von  der  Sekte  der  Acephaler  (Mo- 
nophysiten)  trat  ein,  leugnete  die  zwei  Naturen  in  Christus,  und  nannte 
die  Gottheit  leidensfähig«  Die  Bischöfe  widerlegten  ihn,  und  ermahnten 
ihn  zum  wahren  Glauben.  Nach  langem  Widerstand  entsagte  er  seinen 
Irrthümeni. 

Daran  schliesst  sich  —  dreizehntens  —  eine  Auseinanderseznng  des 
Dogma  von  den  zwei  Naturen  und  der  einen  Person  in  Christus  und 
seinem  Leiden  in  seiner  Menschheit  Zum  Beweise  werden  Stellen  des 
A.  und  N.  Testaments  angeflihrt,  femer  das  apostolische  Symbolum, 
dann  die  Väter,  und  zuerst  Hilarius  als  Erklärer  des  Briefes  an  Timo- 
theus,  welchen  Theodor  von  Mopsveste  erklärte  (s.  oben,  8.50 — 51). 
—  Hierauf  Ambrosius  als  Erklärer  des  Lucasevangelium ;  Athanasius  in 
der  Abhandlung  von  der  Geburt  Christi,  in  seiner  Erklärung  vom  Glau- 
ben, Gregor  (von  Nazianz)  in  seinem  Briefe  an  Celedonius^),  in  einer  Rede 
vom  Sohne  ^  im  vierten  Buche  gegen  Eunomius^),  Basilius  im  vierten 
Buche  gegen  Eunomius*),  Cyrillus  (von  Alexandrien)  im  ersten  und 
zweiten  Briefe  an  Succensus  ^),  in  dem  Commentar  zum  Leviticus,  Augu- 
stinus in  den  Excerpta,  sodann  gegen  Maximus  ^j,  in  seiner  Erklärung  des 


')  Mabillon,  (tnnales  ord,  S.  Bened.  ad  cmn.  619  —  t,  If  p.  314.  —  Kari  Zeli:  «Lioba, 
und  die  frommen  anseisächsischen  Frauen«*,  (Freiburg  II.,  1860,  S.  202 — 3)  findet 
in  Canon  11  das  Bestehen  sogen.  Doppelklöster  in  Spanien. 

•)  qfist,  1  (edit.  Maurin,  ep,  101)  —  ad  CUdonium  presbyt.  ctr.  ÄpolUnarivan. 

')  Hier  ist  Gregor  v.  Nyssa  gemeint  (ohne  dass  es  angedeutet  wird)  —  /.  4,  cp.  4 
-^  cfe  impassibiUtate  generathnia  ChriatL 

*)  Anhang  z.  Buche  4  —  In  illud:  Dominut  creavit  me. 

*)  an  Bischof  Succensus  von  Dioeäsarea,  ip.  45  et  46  (cUku  38  39)  ,,d€  ßde*  ~ 
optr,  CjfriUi  ed.  Aubert  i.  10,  p,  137  —  ^.  2  ad  Succ.  cp.  3,  p.  144. 

^  Wir  haben  von  Aagustin  nur  einen  Brief  an  den  Grammatiker  Maximus  von 
Madaura,  einen  (mit  Alypius)  an  den  Arzt  und  bekehrten  Arianer  Maximus. 
Aber  Prlmashis  (de  apoeaL  l.  2)  giebt  ein  Fragment  einer  Schrift  ad  Maximum, 
worin  obige  Stellen   enthalten   seyn  konnten  (u  3  ed.  Mawnn.   in  fou,   t  8  ed. 


Die  zweite  Synode  von  Sevilla,  J.  619.  89 

Johannes;  Leo,  „cler  Vorsteher  des  apostolischen  Stuhles' ,  in  seinem 
Briefe  an  Flavian,  Fulgentius  von  Raspe  in  dem  Buche  über  die  Mensch- 
werdung. Das  Protokoll  schliesst:  Nachdem  wir  dieses  einträchtig  in 
drei  Sizungen  (tribus  secretariis)  entschieden ,  haben  wir  zur  Bestätigung 
unsre  Unterschriften  beigefügt:  Isidor  in  Christi  Namen,  Bischof  derUnter- 
Kirche  von  Sevilla,  unterschreiba  £s  folgen  Bisinus  von  Elvira,  Rufi-  ten. 
nus  von  Asido,  Fulgentius  von  Astigi,  Cambra  von  Italica,  Johannes 
von  Egabra,  Fidentius  von  Tucci,  Theudnlph  von  Malaga,  Honorius 
von  Corduba.  —  In  derselben  Ordnung  stehen  diese  Namen  am  An- 
fange der  Synode,  aber  Johannes  von  Egabra  fehlt,  der  vielleicht  spä- 
ter anlangte.  Von  diesen  Bischöfen  wird  Fulgentius  oft  genannt  Bufi- 
nus  ist  der  erste  uns  bekannte  Bischof  von  Asido,  Bischof  nicht  vor  dem 
J.  590;  er  kommt  nur  hier  vor  und  mag  den  Pimenius  zum  Nachfolger 
gehabt  haben*).  Honorius  von  Corduba  war  erst  kürzlich  auf  Agapius  II. 
gefolgt ,  welchen  der  Canon  7  und  wohl  auch  6  unsrer  Synode  tadelt 
üebler  noch  wäre  es  um  Honorius  bestellt  gewesen,  wenn  er  der  Bischof 
war,  über  welchen  Isidor  an  Helladius  von  Toledo  schrieb.  —  Florez 
sagt,  dass  kein  Bischof  von  Egabra  unterzeichnete^);  aber  bei  Ant  Qon- 
%alez  findet  sich  der  Name  des  Johannes  ganz  deutlieh;  aber  er  fehlt 
bei  Aguirre,  und  demnach  bei  den  Folgenden^  erscheint  erst  bei  A.  Gon- 
zalez, und  demnach  auch  bei  Tejada  y  Ramiro.  —  Ich  glaube,  dass 
dem  Verzeichnisse  der  Bischöfe  von  Cabra  ein  Johannes  11.  beizufügen 
sei,  da  der  Johannes  von  589 ^-090  schon  damals  der  älteste  Suffragan 
war.  —  Dagegen  fehlt  ein  Bischof  oder  Stellvertreter  von  Elepla.  Ich 
vermuthe,  dass  diese  Stadt  damals  noch  in  der  Gewalt  der  Griechen 
war.  Im  J.  590  erscheint  Bischof  Basilius ,  im  J.  633  Bischof  Johann 
von  Elepla^).  Bisinus  von  Elvira  war  der  älteste  der  anwesenden  Suffira- 
gane,  er  war  wohl  auf  Baddo  vom  J.  597  gefolgt*),  und  wird  nachher 
nicht  mehr  genannt  Cambra  von  Italica  wird  nur  im  J.  619  erwähnt  ■*); 
ebenso  Theudulph  von  Malaga^),  der  an  zweitlezter  Stelle  unterzeichnet, 
während  Fidentius  von  Martos,  der  Nachfolger  des  Agapius,  im  J.  633 
noch  am  Leben  war^). 


Gatmie,  p.  1607 — 20,  t.  2,  p.  751  —  ed,  Migne.  —  v.  Primnsius,  comment.  in  apo- 
Cdlyps.j  L  2,  in  medio  in  cp.  5  —  „ad  Afaximum  scribens*^  —  etc.  Auch  die  schon 
erwähnten  Briefe  Ausustin's  an  Consentius  —  ep.  205  (K. -G.,  2  (1),  402)  ent- 
halten Anklänge  ähnlichen  Inhalts;  sie  stehen  auch  bei  Eugypiua:  Thescutnu 
ex  oper,  S.  Auguitini^  cp.  343 — 44. 

«)  Florez,  10,  56-57. 

«)  F/orez,  12,  27,  28. 

0  Florez,  12,  65. 

*)  Florez,  12,  157—59. 

*)  Florez,  12,  273-74. 

•)  Florez,  12,  327-329. 
')  Florez,  12,  iOa 


90  Aektes  Boch.     Sechstes  Kapitel. 

ünnre  Synode  darf  unbedingt  als  Werk  des  Isidor  betrachtet  wer- 
den. Auf&llend  sind  die  gehäuften  Belege  aus  dem  alten  Testamente, 
und  dem  bürgerlichen  (römischen)  Rechte.  —  Diejenigen,  welche  noch 
bis  auf  die  neueste  Zeit  ohne  Grund  den  Isidor  für  den  Verfasser  des 
westgothischen  Gesesbuches  halten ,  könnten  sich  gerade  auf  unsre  Sy- 
Ihre  node  berufen^).  Ausserordentlich  wohlthuend  ist  die  Gemessenheit,  Ruhe, 
säge.  Sicherheit  und  Würde,  die  aus  dieser  Synode  spricht,  deren  Protokoll 
viel  gefeilter  und  abgerundeter  ist,  als  die  sonstigen  Schriften  Isidor's. 
Die  zweite  Synode  von  Sevilla  war  eine  Mustersynode.  Man  sieht,  so 
mu88  die  Kirche  regiert  werden,  wenn  sie  rocht  regiert  wird.  Ernst, 
Strenge )  Liebe,  Unpardieilichkeit  sprechen  aus  dieser  Synode  uns  an. 
Die  einzelnen  FiÜle  und  Vorfälle  geben  Anlass  zu  allgemeinen  Gesezen, 
oder  zu  der  Einschärfung  der  schon  bestehenden  Geseze.  Erscheinen 
die  Priester  da  und  dort  allzusehr  in  den  Schatten  gestellt  durch  die 
Bischöfe,  so  treten  sie  wieder  in  ihr  volles  Recht  und  Licht  durch  das 
Qesez,  dass  sie  nur  von  der  Synode  der  Bischöfe  gerichtet  werden 
können.  Ich  trete  dem  Urtheile  des  Ad.  Helfferich  bei,  der  sagt:  jpim 
üebrigen  zielen  alle  Verordnungen  auf  eine  strenge  Kirchen  *  und  Klo- 
sterzucht ab,  tragen  ausserdem  auch  in  der  Form  ein  so  würdevolles 
und  ernstes  Gepräge,  dass  diese  Arbeit  Isidor^s  nicht  bloss  die  Redaction 
aller  andern  spanischen  Ganones,  sondern  das  ganze  damalige  Zeitalter 
weit  überragt').^  Wenn  Isidor  sich  Zeit  liees,  konnte  er  an  den  feinen 
3til.  seines  Altern  Bruders  hinanreiohen.  —  Was  Aguirre,  Ferrens, 
Florez  und  die  Üebrigen  aus  Anlass  unsrer  Synode  sagen,  ist  kein 
Oonamentar.  Die  Erklärung  derselben  ist  noch  nicht  in  Angriff  ge- 
nonmien^). 

§.  2.    Die  vierte  Synode  von  Toledo  —  633. 

Ein  Menschenaltw  und  darüber  war  verflossen  seit  der  ersten  allge- 
meinen Synode  der  Kirche  von  Spanien.  Von  Wünschen  abgesehen^ 
waren  gewiss  manche  Versuche  zu  einer  neuen  Synode  gemacht  worden. 
Kaum  war  Sisenand  zur  Gewalt  gelangt,  als  er  für  eine  Synode  sich 
f  günstig  zeigte.  Vielleicht  sah  er  in  derselben  eine  Befestigung  seiner 
Macht  gegen   den  noch  lebenden  Swintlla.  —    Isidor,   ohnstreitig  der 


■)  Montalembert,  die  Mönche  den  Abendlandes,  2, 229  -30.  —  Histor.-polit.  Blätter, 
48,  S.  105  (MEritische  Ueberschaa  der  Bearbeitung  der  deutschen  Staats-  und 
Rechtsgeschichte"). 

*)  ffelßsneh,  Wcstgothen- Recht,  S.  56. 

')  Harduin,  t3,  557-568,  —  Mansi,  L  10,  556^572.  —  A^rre,  t.  2,  462;  t  .'i, 
346—55  -  Notae  vartorum,  355-63.—'  Labbe- Colet,  6,  1403—18.-^  Firreras, 
2,  347-50.  —  Florez,  9,  289-93,  —  Bruns,  2,  68^^.  -  Tejada  y  Bamiro, 
2,  666-^685.  —    HtfiU,  3,  66—67. 


Die  vierte  Synode  von  Toledo,  633.  91 

angesehenste  Bischof  Spaniens,  befand  sich  (im  J.  632?)  schon  auf  dem 
Wege  nach  Toledo.  Ein  Bote  des  Königs  kam  ihm  entgegen  und  for- 
derte ihn  zur  Rückkehr  auf.  —  Weil  er  aber  näher  bei  Toledo,  als  bei 
Sevilla  war,  zog  er  vor,  nach  Toledo  zu  gehen,  wurde  zum  Könige 
gerufen,  und  betrieb  ohne  Zweifel  die  Berufung  des  Concils*).  —  Bald 
darauf  starb  Helladius  von  Toledo,  wohl  im  (am  18.?)  Februar  633, 
und  unmittelbar  folgte  der  jüngere  und  kräftigere  Justus  auf  ihn^).  In 
demselben  Jahre,  am  5.  December,  wurde  die  4.  Synode  von  Toledo 
eröffnet  König  Sisenand  ;,von  Spanien  und  GhtUien^  hatte  die  Bischöfe  Sise- 
berufen,  damit  sie  ;,auf  seinen  Befehl  und  Geheiss  über  gewisse  kirch-  ?rdff- 
liche  Disciplinen  verhandelten.''  In  der  Basilica  der  seligsten  und  heili-°gy?^^ 
gen  Martyrin  Christi  Leocadia  waren  schon  die  Bischöfe  versammelt,  da  '*^^^' 
trat  der  König  mit  den  vornehmsten  und  angesehensten  Grossen  seines 
Hofes  ein,  warf  sich  vor  den  Bischöfen  zur  Erde,  und  bat  dieselben 
unter  Thränen  und  Seufzern  um  ihre  Fürbitte  bei  Gott;  dann  ermahnte 
er  sie,  die  Rechte  der  Kirche  zu  wahren  nach  den  Sazungen  der  Vätery 
und  eingeschlichene  Missbräuche  auszurotten.  Sie  wollten  also  die  Ver^ 
schiedenheit  im  Gottesdienste  innerhalb  Spaniens  ausgleichen,  sitdiche 
Uebelstände  abstellen;  „und  weil  sie  ein  allgemeines  Concil  halten  (ge^ 
nerale  concilium  agimui),  so  müssen  sie  mit  dem  Bekenntnisse  des  Glau- 
bens anfangen.^ 

1)  Sie  sprechen  also  den  katholischen  Glauben  von  der  Tpinität  mit 
dem  füioque,  von  der  Menschwerdung  und  dem  Leiden  Christi,  aus,  der 
zur  Unterwelt  stieg,  „damit  er  die  Heiligen^ ^),  die  dort  festgehalten 
wurden,  befreie. 

2)  Wir  alle  Bischöfe  (iocerdoUsJ^  die  in  der  Einheit  der  katholi- 
schen Kirche  stehen,  wollen  in  den  kirchlichen  Uebungen  ans  nicht 
von  einander  unterscheiden,  damit  wir  nicht  den  Schein  des  Schisma 
erregen,  und  die  Verschiedenheit  der  Kirchen  Vielen  zum  Aergemiss 
gereiche.  Es  werde  also  eine  Ordnung  des  Betens  and  Psalmengesangs 
von  uns  in  ganz  Spanien  und  Gallien*)  beobachtet,  ein  Ritus  bei  der 
Feier  der  Messe,  bei  dem  Officium  des  Morgens  und  Abends ;  von  nun  an 
sei  unter  uns  keine  verschiedene  Uebung,  die  wir  in  einem  Glauben 
und  Königreiche  vereinigt  sind;  denn  auch  die  alten  Canones  haben 
verordnet,  dass  jede  Provinz  die  gleiche  üebung  des  kirchlichen  Ge- 
sanges und  Gottesdienstes  habe. 


')  epist,  13  Isidori  ap.  Arwalo,  —  ^Aom  penmoiui  fimram  caiua  concilii.  Sed  guamvU 
juuio  principis  in  itinere  positwn  remeare  me  eubtummMset,  ego  tamenf  quia  propinquior 
eram  praesentiae  ipsitu  quam  reffressiomi,  malui  poHug  curtum  itment  non  iniercludere. 
Veni  ad  praesentiam  principis^  etc, 

»)  Florez.  5,  247. 

')  Aehnlich  von  den  Abgestorbenen  der  Canon  34  von  Elvira:  inquitumdi  enim 
Spiritus  sanetorum  non  sunt  (E.-G42,  (1),  88). 

*)  GcUliciam  in  marg,  ap,  Mansi, 


92  Achtes  Bach.     Sechstes  Kapitel. 

Der  Diese  ist  der-  berühmte  Canon ,  auf  den  sich  die  Ansicht  stüzt,  dass 

^2!^°  in  Folge  desselben  die  sogen,  mozarabische  Litui^e  entstanden  sei,  die 
den  Namen  des  Isidor  trage ,  ^eil  er  den  Hauptantheil  an  ihr  gehabt 
»  Von  dieser  Ansicht  bin  ich  ^nzlich  zurückgekommen.  Der  Canon  ver- 
ordnet nicht  die  Einführung  einer  neuen  oder  zu  erneuernden  Ldturgie, 
sondern  will,  dass  die  in  dem  grössten  Theile  des  Westgothenreiches 
bestehende  Liturgie  auch  in  den  übrigen  Theilen  durchgeführt  werde, 
namentlich  in  Gallien  und  vor  allem  in  Galizien,  wo  seit  den  Zeitoi 
des  Profutums  und  Martin  von  Braga  die  neuere  römische  Liturgie  ein- 
geführt worden  war.  —  Die  Verordnung  des  Can.  2  ist  möglichst  milde 
gehaltetf ;  von  einer  Drohung  mit  Strafen  ist  keine  Rede.  Es  mag  aber 
mit  Recht  besweifelt  werden,  ob  die  Bischöfe  von  Galizien,  wenn  bei 
ihnen  die  römische  Liturgie  eingeführt  war,  dieselbe  wirklich  beseitigten. 
Hier  hatte  die  erste  Synode  von  Bracara  verordnet,  dass  eine  und  die- 
selbe Ordnung  des  Psallirens  sei.  —  Auch  wurde  der  Brief  des  Papstes 
Vigilius  an  den  Bischof  Profuturus  in  derselben  Synode  verlesen,  d.  i 
wieder  eingeschärft  (E.-G.  2,'460— 62).  Es  wird  verordnet:  «Es  solle 
die  Messe  von  allen  auf  dieselbe  Weise  gefeiert  werden,  welche  Profb- 
toms,  ehedem  Bischof  dieses  Sizes  (von  Bracara)  von  dem  heiligen  Stuhle 
sdbet  zugeschrieben  erhalten  hat^).^  —  Wir  haben  zu  Zweifeln  keinen 
Ghrund,  dass  diese  Verordnung  nicht  im  Umfange  des  Königreichs  GUi- 
zien  durchgeführt  würde.  Als  Galizien  zum  Reiche  der  Westgothen 
kam,  blieb  es  hierin  beim  Alten,  und  im  J.  633  hatte  wohl  ganz  Gali- 
zien die  neuere  römische  Liturgie  angenommen,  und  sich  in  dieselbe 
eingewöhnt.  Wünschenswerth  war  die  Anbequemung  der  Galizier  an 
die  Uebung  der  andern  Provinzen,  aber  nothwendig  war  sie  nicht,  und 
sie  konnte  nicht  erzwungen  werden.  Das  Wahrscheinlichere  ist,  dass 
G«lizien  es  gleichfalls  beim  Alten  Hess.  —  Die  im  J.  675  zu  Bracara 
'  gehaltene  Synode  lässt  uns  darüber  im  Ungewissen.  Es  ist  dort  von 
stattfindenden  Missbiiluchen  bei  der  Messfeier  die  Rede.  —  Auch  in 
den  Kirchen  Galliens  fanden  sich  verschiedene  Abweichungen,  von  denen 
wir  nicht  wissen,  ob  sie  nach  dem  Jahre  633  sogleich  oder  überhaupt 
aufgehört  haben.  Als  später  im  11.  Jahrhundert  die  römische  Liturgie 
in  Spanien  eingeführt  wurde,  ist  wohl  von  Kämpfen  und  Schwierigkeiten 
in  Castilien,  nicht  aber  in  Galizien  die  Rede.  In  den  J.  1068 — ^71  wurde 
die  mozarabische  Liturgie  in  Aragonicn  abgeschaffit,  später  in  den  König- 
reichen Leon,  Alt-  und  Neucastilien.  —  Da  hier  von  Galizien  nicht 
die  Bede  ist,  so  darf  man  mit  einiger  Sicherheit  schliessen,  dass  in  diesem 
Königreiche  überhaupt  die  altspanische  Liturgie  niemals  eingeführt  wurde  ^). 


')  Condl.  Bracar,  1  —  can.  4  —  Item  pktcuit,  tU  eodem  ordine  missat  ceM>rtnhtr  ab 
ommbutf  quem  Profutunu  quondam  kuius  rnttrapoUieutuu  eeeUsiae  tpUcoptu  ab  ipsa 
apostoUeae  sediä  auctoritaie  suKepü  teriptum, 

')  TWoMotfui,  1,  2,  ep.  76, 


Die  vierte  Synode  von  Toledo,  633.  93 

3)  Es  sei  die  Vernachlässigung  des  Institutes  der  Synoden  eine 
Hauptschuld  an  dem  Verfalle  der  Kirchenzucht.  Es  solle  wenigstens 
jährlich  eine  Sjnode  gehalten  werden,  in  Sachen  des  Glaubens  oder 
in  einer  allgemeinen  kirchlichen  Angelegenheit  eine  Generalsynode  von 
ganz  Spanien  und  Gallien;  sonst  eine  Provinzialsynode  nach  der  Wahl 
des  Metropoliten.  —  Wer  gegen  Bischöfe,  Bichteri  Mächtige  oder  Wen 
immer  zu  klagen  habe,  dessen  Sache  werde  behandelt ,  und  ein  nregiui 
exteutor^  wird  den  Spruch  vollziehen.  Man  erbitte  sich  auch  von  dem 
Könige  einen  solchen  Executor,  um  die  Richter  und  Weltleute  zu  ver- 
mögen, sich  bei  der  Synode  einzufinden.  Am  18.  Mai  soll  das  Provin- 
zialconcil  stattfinden,  »wegen  des  Frühlings,  wenn  die  Erde  grün  ist, 
und  das  Gras  hochsteht**). 

4)  In  der  ersten  Stunde  des  Tages  vor  Sonnenau%ang  müssen  alle,  ^^^^'' 
die  etwa  zugegen  sind,  aus  den  Kirchen  entfernt,  und  die  Thüren  ver-  über 
schlössen  werden,  mit  Ausnahme  der  Thüre,  durch  welche  die  Bbchöfe  lul- 
eintreten,  bei  welcher  die  Ostiarier  stehen  sollen.  Die  Bischöfe  sezena^^. 
sich  nach  der  Zeit  ihrer  Ordination;  dann  werden  die  Presbyter  einge-  ^^'^ 
lassen,   dann  die  Diakonen.    Die  Priester  sizen  hinter  den  Bischöfen, 

die  Diakonen  stehen  vor  denselben,  alle  in  Form  eines  Kreises.  Dann 
erscheinen  die  Laien,  welchen  das  Concil  den  Zutritt  gewährt;  auch  die 
Notare  treten  ein,  die  zum  Vorlesen  und  Niederschreiben  nöthig  sind 
(quoB  ad  recUandum  vel  exeipiendum  ordo  requirU),  Es  werden  die  Thü- 
ren geschlossen.  Es  trete  eine  tiefe  Stille  ein.  Dann  rufe  der  Archi- 
diakon  ^) :  Oratc.  Alle  werfen  sich  nieder,  und  beten  längere  Zeit  stille, 
dann  erhebt  sich  einer  der  altern  Bischöfe,  und  spricht  laut  ein  G^bet 
Sie  antworten  mit  Amen.  Der  Diakon  ruft:  Ejrhebet  eucL  Dann  sezen 
sich  die  Bischöfe  und  Priester.  Ein  Diakon  in  der  Alba  trägt  einen 
Codex  der  Canoues  in  die  Mitte,  und  liest  die  Capitel  über  Abhaltung 
der  Synoden  vor.  Dann  spricht  der  Metropolit,  und  fordert  auf,  Be- 
schwerden zu  stellen.  Geschieht  dicss,  so  muss  der  erste  Punkt  (actio) 
sogleich  erledigt  werden.  Wenn  Kleriker  oder  Laien,  die  nicht  anwe- 
send sind,  an  das  Concil  appelliren  wollen,  so  sollen  sie  es  durch  den 
Archidiakon  der  Metropolitankirche  anzeigen,  und  dann  Zutritt  erhalten. 
Kein  Bischof  soll  sich  vor  dem  Ende  der  Sizungen  entfernen,  keiner 
das  Concil  auflösen  wollen,  bevor  alles  entschieden  ist,  und  alle  Bischöfe 
unterschrieben  haben*). 

Die  Synode  II.  von  Sevilla  war  sicher  maassgebend  für  diese  Vor- 
schriften; wie  es  dort  vor  14  Jahren  nach  der  Anordnung  Isidor^s  gehal- 
ten worden,  so  sollte  es  von  nun  an  bei  den  Provinzialsynoden  gehal- 
ten werden. 


«)  Helfferich,  W.-R.,  76. 

'J  üeber  ihn  c/.  Itidori  ^ntU  ad  Lwdefiedum  «pc.  (von  Corduba). 

*)  He/eU,  1,  59—60. 


94  Achtes  Buch.    Sechstes  Kapitel. 

6)  Da  sohon  durch  fiilsche  Ostertafeln  Ostern  versohieden  angekün- 
digt wurde,  so  sollen  die  Metropoliten  (metropoUtani  iaeerdoUt)  drei 
Monate  vor  Epiphanie  sich  brieflich  ttber  die  2ieit  des  n&chsten  Oster- 
festes benehmen,  und  davon  ihre  Suffragane  in  Kenntniss  sesen. 

6)  Die  mnmalige  und  dreimalige*)  Untertauchung  bei  der  Taufe 
bewirkt  Zweifel  und  Spaltungen.  Hierüber  habe  Papst  Gregor  in  sei- 
nem Briefe  an  j^deä  heiligsten  Bischof  Leander'^  entschieden.  Damach 
solle  es  bei  der  einmaligen  Untertauchung  verbleibeny  was  näher  erklärt 
und  erhärtet  wird, 
über  7)  In  einigen  G^egenden  wird  am  Charfreitag  die  Kirche  geschlossen, 

Gottes-  ^^^  ^^  Gk)ttesdienst  gehalten.    Aber  es  solle  das  GUbeimnks  des  Erea- 
aisBst  xes  verkiUidigt  werden,  und  alles  Volk  laut  um  Verseihung  seiner  Sünden 
flehen ^)y   dass  es  fireudig  Ostern  feiern,   und  sündenfrei  das  Sacrament 
des  Leibes  und  Blutes  Christi  empfangen  möge. 

8)  Von  diesem  Empfange  sei  ausgeschlossen,  wer  am  Charfreitag 
nach  der  neunten  Stunde  Mahlzeit  hält').  Nur  Kinder,  Oreise  und 
Sehwache  sind  dispensirt. 

9)  Es  soll,  wie  in  Spanien,  so  in  Gallien  in  der  Ostervigil  der 
Leuchter  (das  neue  Feuer)  und  die  Kerze  benedicirt  werden,  unter 
kirchlidien  Strafen*). 

10)  Einige  Priester  in  Spanien  beten  das  Vaterunser  nur  am  Sonn- 
tage, und  es  beisst  doch  „das  tägliche  Gebet''  (schon  bei  Cyprian).  Es 
werden  noch  Hilarins  und  Augustin  angeführt  Wer  es  bei  dem  öffent- 
lidien  und  Privat -Officium  unterlässt,  werde  abgesezt 

11)  Das  AUelujah  unterbleibe  während  der  ganzen  Fasten^).  Es 
dürfen  nur  Fische  und  Oel  (Oliven)  genossen  werden.  Ebenso  am  ersten 
Januar,  der  von  vielen  als  Fasttag  gehalten  wird. 


')  l^iulL  (ufv.  Praxeamf  26,  —  Hieroti,  adv.  Lud/er,  q>,8,  —  Ambro*,  de  *acram»2, 7.  — 
Ckry$ost  hoM,  25,  alias  24  in  Joann.  ~  bezeugen  u.  a.  die  einmalige  Unterlauchang. 

—  Bei  diesem  Anlasse  theilt  Agairre  den  Brief  des  Martin  von  Damiam  an  den 
Bitebof  Bonifacins  über  die  dreimalige  Untertaucbnng  mit  —  In  dem  Briefe 
des  Vigiliiit  an  Profatoras  wird  die  dreimalige  Untertauchung  verlangt,  and  es 
ist  fragUeh,  ob  die  Qalliier  von  ihrer  Sitte  abliessen  (Aguurre,  ed,  2,  t  3^  402 —S. 

—  K.-G.  2  (1),  474.  —  2  (2),  29.  -  ^orez,  15,  108-9,  422-25.)  —  Auch 
bei  dem  Briefe  des  Profuturns  haben  die  Sammler  der  spanischen  Canones  den 
ihnen  anbequemen  Schlnss,  nemlich  den  50.  (49.)  apostolischen  Canon  weg- 
gelassen, weleber  die  dreimalige  Mersio  bei  der  Taufe  den  Bischöfen  bei  Strafe 
der  Absekaog  gebietet. 

S)  rf.  Mwrmu»  de  poeniUni.  5,  31,  nr,  21, 

*)  Ei  durfte  erst  um  6  Uhr  das  Fasten  gebrochen  werden. 

^)  Akum,  de  divm.  off.  —  de  tabb,  Sancio  VigiL  Puehae  (unächt).  —    Amalar.  Fort. 

L  i,  ep.  18  de  ecclee.  offic.  —    Walafiwd  Strabo,  ep.  30  de  reb.  melee.  —    BAabm. 

Mtmr.  L  2,  38  de  deriear,  üuHtniiom. 
•)  üidar.  Elgm.  6,  19.  —    L  1,  13  de  eeck  o/jficüe. 


Die  vierte  Synode  von  Toledo,  633.  95 

12)  In  der  Messe  soll  dem  „Apostel^  das  ^^Evangelium^  und  erat  dann 
^die  Laudes''  [die  Versikel  mit  Allelujah*)]  folgen. 

13)  Es  ist  unrecht,  die  Hymnen  zu  verwerfen ,  weil  sie  von  Men- 
schen, z.  B.  von  Hilarius  oder  Ambrosius')  verfEtsst  wurden.  Auch  das 
Gloria,  ja  alle  Messen,  Gebete,  Weihungen  sind  so  entstanden.  Sonst 
müsste  aller  Gottesdienst  aufhören. 

14)  In  jedem  Officium^)  soll  der  Hymnus  der  drei  Knaben  im  Feuer- 
ofen (in  ptdpito)  gesungen  werden,  bei  Strafe  der  Ausschliessung. 

16)  Ebenso  werde  bestraft,  wer  am  Ende  der  Psalmen  „Gloria 
patri^^  und  nicht  „gloria  et  honor  patri^  sagt  (Psalm  28,  2.  Apoc.  5,  13). 

16)  Die  freudigen  Besponsorien  schliessen  mit  „Gloria'^,  bei  den 
traurigen  wird  der  Anfang  wiederholt 

17)  Die  Apocalypse  ist  ein  kanonisches  Buch,  und  soll  von  Ostern 
bis  Pfingsten  in  der  Kirche  vorgelesen  werden;  wer  sich  weigert,  sei 
ausgeschlossen. 

18)  Einige  Priester  communiciren  sogleich  nach  dem  Vaterunser, 
und  geben  dann  erst  dem  Volke  den  Segen.  Aber  nach  dem  Vater- 
unser und  der  „Conjunctio  panis  et  calicis^  folge  die  Segnung  des  Volkes^ 
nadi  diesem  die  Communion  der  Priester  und  Leviten  vor  dem  Altare, 
des  Klerus  im  Chore,  des  Volkes  vor  dem  Chore. 

So  weit  reichen  die  Bestimmungen  über  die  Liturgie,  Canon  19  bis 
48  beschäftigen  sich  fast  ausschliesslich  mit  den  Bestimmungen  über  den 
Wandel  und  die  Geschäfte  der  Bischöfe  und  des  Klerus. 

19)  Es  werden  die  alten  Kirchengeseze  dargelegt  über  die,  welche  Oano- 
vom  Sacerdotium  ausgeschlossen  sind,  u.  a.  jene,  welche  von  ihren  Vor-  über 
gängern  erwählt  wurden.    Aber  nicht  bloss  diese  alte  spanische  (Un-)^ehM!r 
Sitte  wird  verworfen,   sondern    der  eben  neu  auftauchende  Gebrauch,    J"^ 
dass  die  Könige  wählten.    Der  soll  nicht  Bischof  werden,  welchen  Volk  Klerus, 
und  Klerus  der  eigenen  Stadt  nicht  wählt,  den  nicht  die  Auctoritit  des 
Metropoliten  und  die  Zustimmung  der  Suffiragane  ausersehen  hat    Der 
Gewählte  werde  von  allen   oder  wenigstens  drei  Bischöfen  seiner  Pro- 
vinz, mit  brieflicher  Beistimmung  (eanniventibui)  der  übrigen,  an  einem 
Sonntage  geweiht,  „und  um  so  mehr  auf  die  Auctorität  oder  in  Gegen- 
wart des  Metropoliten.^   Dieser  bestimme  den  Ort  der  Weihe,  er  selbst 
aber  kann  nur  in  der  Metropole,  in  Gegenwart  der  Suffragane  geweiht 
werden.    Wer  dagegen  handelt,  gefährdet  seine  Würde.  —    Bald  nach 


■)  i.  e.  das  kurze  Landa.  E.-G.  1,  105.  —  Bima  weift  auf  die  ähnliche  Weise 
des  Ritus  Ambrosianus  hin  —  rer.  Ubttg.  Lih,  2,  cp,  6,  §,  4. 

')  Prudentius  wird  nicht  genannt 

')  Missa  steht  hier  im  weitere  Sinne,  womaeh  die  Metten  Mlua€  mahokuu,  die 
Vespern  Musae  vesperttnae  hiessen  —  HefeU,  2,  614,  637.  —  CbntäL  A§aik, 
can.  30, 


96  Achtes  Bach.     Sechstes  Kapitel. 

dieser  Verordnung  zogen  die  Könige  und  die  Bischöfe  von  Toledo  die 
Bischofswahlen  an  sich. 

20)  25  Jahre  muss  der  Levit ,  der  Priester  30  Jahre  alt  seyn. 

21)  Die  Bischöfe  (sacerdotes)  seien  keusch. 

22)  Sie  haben  in  ihrer  Wohnung  (conclavi)  Zeugen  ihres  Wandels. 

23)  Ebenso  die  Priester  und  Leviten ,  die  wegen  Alter  oder  Krank- 
heit nicht  beim  Bischöfe,  sondern  in  ihren  Zellen  wohnen. 

24)  Die  Jüngern  Kleriker  müssen  in  einem  Lokal  *)  unter  einem 
erprobten  Senior  und  Lehrer  wohnen.  Widerspenstige  werden  in  Klöster 
verwiesen. 

2ö)  Die  Bischöfe,  welche  das  Volk  lehren  müssen,  seien  in  der 
heil.  Schrift  und  den  Canones  unterrichtet. 

26)  Die  für  Pfarreien  ordinirten  Presbyter  erhalten  vom  Bischöfe 
(a  saeerdote  mo)  einen  liber  officialis  (Buch  der  OfGcien).  Wenn  sie  zu 
den  Litaneien  oder  dem  Concil  kommen,  so  geben  sie  dem  Bischöfe 
Rechenschaft,  wie  sie  ihr  Amt  verwalten  und  taufen. 

27)  Sie  und  die  aufgestellten  Diakone  müssen  dem  Bischöfe  geloben, 
keusch  zu  leben« 

28)  Wird  ein  ungerecht  abgesezter  Bischof,  Priester  oder  Diakon 
in  einer  spfttem  Synode  ohne  Schuld  erfunden,  so  werden  sie  kanonisch 
restituirt,  der  Bisdiof  erhalte  vor  dem  Altare  aus  der  Hand  der  Bischöfe 
Stola,  Ring  und  Stab,  der  Priester  die  Stola  und  Plancta,  der  Diakon 
die  Stola  und  Alba,  der  Subdiakon  die  Patena  und  den  Kelch,  und 
llhnliob  die  Uebrigen*). 

29)  Der  Bischof  oder  Kleriker,  welcher  Zauberer,  Wahrsager 
u.  dergl.^)  befragt,  werde  abgesezt,  und  zu  beständiger  Busse  in  ein 
Kloster  verwiesen. 

30)  Bischöfe  an  der  feindlichen  Grenze  dürfen  ohne  Auftrag  des 
Königs  keinen  geheimen  Auftrag  ausser  Landes  übernehmen^). 

31)  Li  Ciiminalprozessen  dürfen  Bischöfe  ein  Richteramt  von  dem 
Könige  nur  auf  dessen  Schwur  annehmen,  es  solle  kein  Blut  vergossen 
werden.    Zuwiderhandelnde  werden  abgesezt*). 

32)  Ungerechte  Richter  sollen  die  Bischöfe  vorher  ermahnen ,  dann 
dem  Könige  anzeigen. 


')  in  conclavi  atriit  d.  i.  wohl  in  einem  Gclass  des  Bischofshofes. 

^)  sie  et  reliqui  gradus  ea  in  reparationem  sui  recipiantf  quae  cum  ordinarentur ,  per- 
ceperunt. —  J.  üergenröther :  Die  Reordinationen  der  alten  Kirche  in:  Oesterreicli. 
Vierleljahrschrift  für  kathol.  Theologie,  Jahr  1862,  S.  207— 252,  handelt  von 
untrem  Canon  S.  219.  Es  war  keine  Reordination,  sondern  eine  Reslitatio.— 
Herg,  erklärt  auch  die  ^Communio  peregrina^  im  Ganzen  wie  Kellner f  S.  218. 

')  MOffOS  mU  ünupices  aut  arioloe  aut  certe  auguret  vel  sortilegos. 

*)  Stfffmieh,  S.  77  —  an  verrätherische  Verbindungen  braucht  man  eben  nicht  zu 

•)  aUMA,  S.  77. 


Die  vierte  Synode  von  Toledo,  633.  97 

33)  Die  fiischöfe  sollen  sich^  ausser  des  ihnen  gebührenden  dritten 
Thcils,  von  den  Einkünften  und  dem  Vermögen  der  Kirchen  nichts 
aneignen.  Auf  Klage  der  Stifter  oder  ihrer  Verwandten  soll  das  Concil 
(der  Bischöfe)  das  ungerecht  Hinweggenommene  wieder  erstatten. 
Dagegen  sollen  nicht  die  Stifter,  sondern  die  Bischöfe  das  Vermögen 
der  Kirchen  verwalten. 

34)  Besizt  ein  Bischof  unangefochten  30  Jahre  lang  eine  Pfarrei, 
so  kann  deren  Besiz  nur  dann  angestritten  werden,  wenn  sie  in  einer 
andern  Provinz  liegt'),  damit  die  Grenzen  der  Provinzen  nicht  in  Ver- 
wirrung kommen. 

35)  Neuerbaute  Kirchen  gehören  dem  Bischöfe,  in  dessen  Bezirk 
sie  liegen*). 

36)  Die  Bischöfe  sollen  jährlich  ihre  Sprengel  visitiren,  um  den 
baulichen  Stand  der  Kirchen  zu  untersuchen,  oder  sie  sollen  an  ihrer 
Stelle  Priester  oder  Diakonen^)  senden. 

37)  Was  ein  Bischof  Jemand  für  geleistete  kirchliche  Dienste 
versprochen  hat,  das  soll  aus  dem  Einkommen  der  Kirchen  gegeben 
werden. 

38)  Den  in  Noth  gerathenen  Stiftern  (Patronen)  und  deren  Nach- 
kommen soll  aus  dem  Kirchenvermögen  der  Unterhalt  gewährt  werden. 

39)  Einige  Diakonen  ^)  sezen  sich  aus  Hochmuth  vor  die  Priester 
in  den  ersten  Chor;  die  einen  und  andern  sollen  in  beiden  Chören 
stehen  *). 

40)  Zwei  Orarien  (Stolen)  darf  nicht  der  Bischof  und  Priester, 
noch  weniger  der  Diakon  tragen.  Seine  Stole  trage  dieser  auf  der 
linken  Schulter,  während  die  rechte  für  den  Dienst  am  Altare  frei 
bleibt;  diese  Stola  sei  nicht  mit  Farben  oder  Gold  geziert. 

41)  Alle  Kleriker,  auch  die  Lectoren,  sollen  wie  die  Leviten  und 
Priester  die  Tonsur  tragen,  und  hinten  nur  eine  Cirkelkrone  stehen 
lassen.  (Die)  Lectoren  in  Galizien  tragen  das  Haar  wie  die  Laien, 
nur  mit  einer  kleinen  Tonsur  auf  dem  Oberhaupte,  was  bisher  Sitte 
der  Häretiker  in  Spanien  war. 

42)  Bei  den  Klerikern  darf  nur  die  Mutter,  Schwester,  Tochter 
oder  Tante  wohnen. 


*)  Denn  die  Kirchenprovinzen  richten  sich  genan  nach  den  politischen  (LI,  1, 
p.  187), 

"*)  Co7iventu8  juridicus.  Siehe  die  Eintheilung  Spaniens  nach  „Conventus'* 
bei  Plinius,  histor.  natural,  3,  1  sq,  —  Ferner  Chronicon  Jdatii  (Florez,  Esp, 
8,  IV,  359)  ad  ann,  433.  Auf  das  kirchliche  Gebiet  übergetragen  bei  Isidor. 
Hisp,  „Etymol,''  VI,  16. 

*)  Diacones, 

^)  tarn  hi  quam  Uli  in  utroque  clwro  cansistarU. 

Oams,  Span.  Kirche.    II.  2.  7 


98  Achtes  Buch.    Sechstes  Kapitel. 

43)  Weiber,  welche  mit  Klerikern  verbotenen  Umgang  hatten, 
sollen  von  den  Bischöfen  verkauft,  ilu*c  Mitschuldigen  zur  Busse  ange- 
halten werden, 

44)  (Niedere)  Kleriker,  die  ohne  Wissen  des  Bischofs  heiratbe» 
oder  mit  Wittwen,  Geschiedenen  oder  Buhlerinnen  sich  verbinden, 
sollen  von  ihrem  Bischöfe  getrennt  *)  werden. 

45)  Kleriker,  die  bei  einem  Aufstande  die  WaflTen  ergreifen,  wer- 
den mit  Verlust  ihres  Grades  in  ein  Kloster  verwiesen. 

46)  Ein  Kleiiker,  der  Gräber  zerstört,  —  ein  Verbrechen,  aut 
das  sonst  Todesstrafe  gesezt  ist,  —  soll  drei  Jahre  Busse  thun  und 
aus  dem  Klerus  entfernt  werden. 

47)  Auf  Befehl  des  Königs  Sisenand  beschloss  das  Concil^  dass 
alle  freigebornen  Kleriker  von  öffentlichen  Auflagen  und  Arbeiten  frei 
sein  sollen. 

48)  Die  „Oekonomen"  der  Kirchengüter  sollen  von  den  BischufeD 
—  nach  dem  Willen  der  Synode  von  Chalcedon  ^)  —  aus  dem  eigenen 
Klerus  genommen  werden. 

49)  Der  Mönch  wird  entweder  durch  die  Frömmigkeit  der  Eltern 
oder  das  eigene  Gelöbniss').     Er  (J^rf  nicht  in  die  Welt  zurückkehreD. 

50)  Den  Klerikern  darf  der  Eintritt  in  die  Klöster  von  den  Bi- 
schöfen nicht  verwehrt  werden. 

51)  Die  Synode  erfuhr,  dass  Mönche  auf  Befehl  von  Bischöfen 
wie  Sclaven  zur  Arbeit  gezwungen  und  die  Klöster  wie  ihr  Eigenthimi 
behandelt  werden.  Sic  dürfen  nur  die  Mönche  zum  heiligen  Leben 
vermahnen,  die  Achte  und  andere  Aemter  l)e(oin-)sezon  und  Miss- 
bräuchc  verbessern.  Es  wird  (den  Bischöfen)  mit  Excommunication 
gedroht. 

52)  Einige  Mönche  kehren  in  die  Welt  zurück,  ja  heirathen  sojjjar. 
Sie  müssen  in  ihr  Kloster  zurückgebracht  und  dort  zur  Busse  ver- 
halten werden. 

53)  Religiösen,  die  weder  Mönche  noch  Kleriker  sind,  oder  dir 
unstät  umherziehen,  sollen  von  ihrem  Bischof  in  den  Klerus  oder  in 
ein  Kloster  *)  gewiesen  werden.     Alte  und  Kranke  kann  er  di«pensirou. 

54)  Wer  in  Todesgefahr  die  Busse  übernimmt  tmd  nur  im  All- 
gemeinen   sich  als  Sünder  I)ekennt,    kann  im  Falle  der  (Jenesung  Kle- 


*)  separari,  entweder  gotionnt  von  jenen  Personen,  oder  niisg^oschlossen  von 
dem  Bischöfe,  „t^xcluidos**  nach  Florez,  VI,  165, 

*)  Canon.  20,  v.  Chaloodon.  —  <•/.  Va)i  Espen ,  Tradaf,  hislnr,  in  jua 
cano7U  III,  3,  §,  6.  —  Thomassin,  de  nova  et  vct.  dinc.  ///,  /.  //.  vp.  I.  —  BinUrim, 
Denkwürdigkeiten,  /,  //,  p.  9^47. 

*)  •/.  JV.  iSeidi,  die  CJottverlobung  von  Kindein.    1871.  p.  27—31. 

*)  Zu  diesen  gehörten  auch  die  sog.  Rcclnscn. 


Die  vierte  Synode  von  Toledo  633.  99 

riker  werden,  nicht  aber  der,  welcher  öffentlich  eine  schwere  Sünde 
bekannt  hat. 

55)  Die  Büsser,  die  freiwillig  unter  die  Büsser  sich  eingereiht^), 
nnd  in  die  Welt  zurückkehren,  sollen  von  dem  Bischöfe  zurückgeführt 
werden.  Wenn  sie  sich  widersezen,  so  werden  sie  ausgeschlossen. 
Ebenso  geschehe  es  bei  gottgeweihten  Wittwen,  Jungfrauen  und  Büs- 
serinnen. 

6G)  Es  gibt  weltliche  und  gottgeweihte  Wittwen.  Leztere 
dürfen  nicht  mehr  heirathen. 

57)  Die  Juden  dürfen  zum  Christenthum  nicht  gezwungen  werden. 
Jene  aber,  welche  vor  langer  Zeit  zum  Christenthum^)  gezwungen 
wurden,  wie  es  zur  Zeit  des  Königs  Sisebut  geschah,  müssen,  weil 
sie  die  heiligen  Sacramente  der  Taufe,  der  Firmung  und  des  Abend- 
mahls empfangen  haben,  Christen  bleiben,  „damit  nicht  der  Name  des 
Herrn  gelästert,  und  der  Glaube,  den  sie  angenommen,  verachtet  werde.'' 

58)  Viele  Priester  (aacerdotes)  und  Laien  haben  bis  jetzt  aus  Geiz 
den  falschen  Glauben  der  Juden  beschüzt.  Bischöfe,  Kleriker  und 
Laien,  die  solches  in  Zukunft  thun,  sollen  aus  der  Kirche  ausgestossen 
werden. 

59)  Sehr  viele  Juden,  welche  Christen  waren  und  wieder  abfielen, 
sollen  —  mit  Einwilligung  des  Königs  Sisenand  —  durch  die  Bischöfe 
zum  Christenthum  zurückgeführt  werden.  Die  Kinder,  welche  sie  be- 
schnitten haben,  werden  von  ihnen  getrennt,  die  Sclaven  aber  frei- 
gelassen. 

60)  Die(se)  Kinder  der  Juden   sollen   unter   christliche   Aufsicht 

gestellt  werden. 

61)  Die  Kinder  der  abgefallenen  Juden  sollen  das  (etwa  einge- 
zogene) Vermögen  ihrer  Eltern  wieder  erhalten. 

62)  Getaufte  Juden  dürfen  mit  ungetauften  nicht  verkehren^). 

63)  Juden,  welche  christliche  Frauen  haben,  sind  von  den  Bi- 
schöfen zu  ermjdinen,  dass  sie  Christen  werden.  Weigeni  sie  sich,  so 
sind  sie  zu  trennen;  die  Kinder  folgen  dem  Glauben  der  Mutter;  ebenso 
die  Kinder  christlicher  Väter  und  jüdischer  Mütter. 

64)  Getaufte  Juden,  welche  abgefallen  sind,  können  nicht  als 
Zeugen  zugelassen  werden,  auch  wenn  sie  behaupten,  dass  sie  Chri- 
sten seien. 


*)  se  totonderunt 

')  ad  chriatianitatem  venire  coacti  sunt. 

')  quicunque  igitur  amodo  ex  his,  qui  baptizati  sunt,  infidelium  eonsor- 
tia  non  vitaverint,  et  hi  Ckristianis  donerUur,  et  Uli  publicis  cacdibus  depu- 
tentur,  d.  h.  die  getauften  sollen  Christen  geschenkt  werden  —  aber  was  „publi- 
cis caedibus''  bedeute,  finde  ich  nirgends  erklärt.  Tejada  übersetzt :  «tno  es  bau- 
tizado,  azntdndole  publicamente,  d.  i.  sie  sollen  mit  Ruthen  gestrichen  werden. 

7* 


100  *        Achtes  Buch.    Sechstes  Kapitel. 

65)  Juden  und  Nachkommen  der  Juden  dürfen  —  auf  Befehl  des 
Königs  Sisenand  —  keine  öffentlichen  Aemter  bekleiden. 

66)  Gemäss  Beschlusses  desselben  Königs  dürfen  Juden  keine 
christlichen  Sclaven  besitzen.     In  Zukunft  sollen  diese  Sclaven  frei  sein. 

67)  Die  Bischöfe  dürfen  ohne  Entschädigung  aus  ihrem  Vermögen 
die  Knechte,  welche  Eigenthum  der  Kirche  sind,  nicht  entlassen.  So 
Freigelassene  kann  der  Nachfolger  eines  Bischofs  ohne  Widerrede  für 
die  Kirche  zurückverlangen. 

68)  Ein  Bischof,  der  einen  Sclaven  der  Kirche,  ohne  Vorbehalt 
des  Schuzrechtes  der  Kirche  (patrocinium)  entlassen  will,  der  muss 
statt  dessen  vor  dem  Kirchenrath  zwei  ^)  andere  gleich  werthvolle 
Sclaven  schenken.  Ein  so  Freigelassener  hat  aber  kein  Recht,  gegen 
die  Kirche,  der  er  gehörte,  zu  klagen  oder  Zeuge  zu  sein;  sonst  soll 
er  wieder  Eigenthum  dieser  Kirche  werden. 

69)  Bischöfe  (iacerdotes)^  welche  ihr  Eigenthum  der  Kirche  hinter- 
lassen, oder  den  Besiz  der  Kirche  vermehren,  dürfen  nach  Verhält- 
niss  einige  Kirchensclaven  freilassen. 

70)  Die  Freigelassenen  der  Kirche  bleiben ,  wie  ihre  Nachkommen, 
in  dem  Patrocinium  der  Kirche,  darum  sollen  sie  der  Kirche  Gehor- 
sam geloben. 

71)  Wenn  sie  dem  Patrocinium  (der  Schuzherr schall)  der  Kirche 
sich  entziehen ,  und  einem  Andern  anhangen,  so  soll  ihre  Freilassung 
ungiltig  sein. 

72)  Die  Kirche  muss  die,  welche  unter  ihrem  Schuzrechte  stehen, 
sowohl  in  ihrer  Freiheit,  als  in  ihrem  Eigenthum  gegen  Jedermann 
schüzen. 

73)  Die  Freien,  welche  von  ihren  Herren  ohne  Vorbehalt  eines 
obsequium  entlassen  wurden,  können  in  den  Klerus  eintreten.  Wurde 
aber  das  obsequium  vorbehalten,  so  werden  sie  ausgeschlossen,  da  ihr 
Herr  sie  wieder  zu  Sclaven  machen  kann. 

74)  Ehemalige  Kirchensklaven  können  Presbyter  und  Diakonen  in 
den  Pfarreien  werden.  Ihr  Eigenthum  aber  fällt  nach  ihrem  Tode  der 
Kirche  zu;  auch  haben  sie  kein  Recht  der  Klage  oder  Zeugenschaft 
gegen  ihre  Kirche.  Thun  sie  es,  so  sollen  sie  ihre  Freiheit,  wie  ihr 
Amt  verlieren,  „das  sie  nicht  durch  ihre  natürliche  Würde '^),  sondern 
wegen  zeitweiligen  Nothstandes  der  Kirche  erlangt  haben." 

76)  Das    lezte  Decret^)  empfiehlt  Treue  und  Gehorsam  den  Kö- 


^J  dtto  steht  beiiln^.  Gonzalez,  dum  bei  Mansi,  lezteres  ist  die  probablere 
Lesart,  ersteres  die  Lesart  der  Handschriften. 

*)  quem  (gmdum)  non  dignitate  Jiaturae,  sed  temporis  iiecessitate  pro- 
meruerunt  (drei  Codices  lesen:  tempore  necesnitatis,  was  dasselbe  ist,  znr  Zeit 
des  Mangels  an  Klerikern  ans  dem  Stande  der  Freigebornen.) 

*)  sententia  pro  robore  nostrorum  regum  et  stabilitate  gentis  Oothorum. 


Die  vierte  Synode  von  Toledo.  101 

nigen,  zum  Zweck  des  festen  Bestandes  ^des  Volkes  der  Gothen'^. 
Es  wird  hingewiesen  auf  die  meineidigen  Völker  und  die  traurigen 
Folgen  des  Treubruchs  gegen  die  Könige.  Dieser  Kanon  hat  die  Form 
einer  Ansprache  an  Adel  und  Volk.  —  Ist  ein  König  gestorben,  so 
sollen  die  Primaten  (Adeligen)  mit  den  Bischöfen  einträchtig  den  Nach- 
folger im  Reiche  wählen.  Wer  gegen  Leib  und  Leben  des  Königs 
frevelt,  Aufstand  erregt  und  fordert,  „der  sei  Anathema  vor  Gott  und 
seinen  Engeln,  von  der  katholischen  Kirche  und  allem  Verkehre  mit 
Christen  sei  er  ausgeschlossen  mit  seinen  Anhängern,^  was  zu  drei 
Malen  wiederholt  wird.  Der  Klerus  und  das  Volk  antwortete:  „Wer 
gegen  diese  euere  Entscheidung  frevelt,  der  sei  Anathema  Maranatha, 
das  ist  Verderben  bei  der  Wiederkunft  des  Herrn,  und  mit  Judas  von 
Ischkarioth  habe  er  seinen  Antheil,   er   und  seine   Genossen.     Amen.^ 

Der  anwesende  König  und  seine  Nachfolger  werden  ermahnt,  die 
Tugenden  eines  christlichen  Regenten  zu  üben.  König  Swintila  hat 
wegen  seiner  Vergehen  die  Herrschaft  verloren,  und  soll  sie  nicht 
zurückerhalten,  sowie  dessen  Bruder  Geila. 

Ehre  Gott  dem  Allmächtigen,  Ruhm  und  lange  Regierung  dem 
König  Sisenand,  „dessen  Frömmigkeit  uns  zu  diesem  heilsamen  Be- 
schlüsse berief 

Es  unterschrieben  sämmtliche  sechs  Erzbischöfe  des  Gothenreiches, 
Isidor  von  Sevilla,  nicht  bloss  der  älteste  Metropolit,  sondern  auch  der 
älteste  unter  allen  anwesenden  Bischöfen;  sodann  Selva  oder  Sclua  von 
Narbonne,  dessen  Vorgänger  wir  im  Jahre  610  begegneten,  Stephanus  von 
Emerita,  etwa  seil  632  Bischof,  Justus  von  Toledo,  seit  633,  Julian 
von  Bracara  und  Audax  von  Tarraco,  ebenfalls  seit  Kurzem  eingesetzt. 

Dass  Isidor  den  Vorsitz  geführt,  ist  an  sich  wahrscheinlich, 
sowie  dass  er  die  Synode  geleitet,  wird  aber  ausdrücklich  nicht  bezeugt, 
wie  in  Betreff  der  Leitung  der  Synode  von  589  durch  seinen  Bruder 
Leander.  Es  unterschrieben  56  Bischöfe  und  7  Stellvertreter  abwesen- 
der Bischöfe;  im  Ganzen  sind  es  69  Unterschriften.  Auf  keiner  spa- 
nischen Synode  vor  und  nach  dem  Jahre  633  waren  mehr  Bischöfe 
versammelt,  nie  mehr  ist  diese  Zahl  erreicht  worden. 

Der  Bischof  Stephan  von  Ausona  kommt  erst  im  Jahre  615  vor, 
der  ihm  nächste  Petrus  von  Beziers  nicht  vor  633,  der  ihm  folgende 
Acutulus  von  Elna  erscheint  633  und  658,  Nonitus  von  Gerona  seit 
621^  Conantins  von  Palentia  war  Bischof  seit  c.  607,  Clarentius  von 
Acci  erscheint  schon  610,  die  übrigen  wurden  später  eingesezt^). 

*)  Sie  stehen  in  Garns:  8erie$  episcoporum  eccl.  cathoL;  cf.Aguirre-Catalcmi, 
Concilia  Hispaniae,  t  III,  p.  363-^OS,  ed.  I,  II,  477.  —  Tejada  y  Ramiro, 
ed.  II,  t  II,  p.  261-317.  Madr.  1859;  —  Espanna  sagrada,  VI,  p.  162''169. 
—  Harduin,  III,  p.  676  sq.  —  Mansi,  X,  p.  611—650. 


1 
1 


Siebentes  Kapitel. 

Isidor  von  Sevilla.   Paul  von  Emerita. 

§.  1. 

Isidor,  vielleicht  aus  Carthagena  stammend,  war  der  jüngere 
Bruder  des  Leander,  der  jüngste  unter  vier  Geschwistern,  worunter 
drei  Bischöfe  waren.  Da  er  sehr  frühe  seine  Eltern  verlor,  wurde  er 
erzogen  und  gebildet  zu  Sevilla  unter  Leitung  seines  Bruders^),  der, 
nach  sehr  späten  Berichten,  an  ihm  die  Kuthe  nicht  sparte^.  Er  folgte 
dem  Leander  im  Jahre  599  als  Erzbischof,  welche  Würde  er  gegen 
40  Jahre,  bis  zu  seinem  Tode  am  4.  April  636,  bekleidete.  Im 
Jahre  619  hielt  er  die  zweite  Synode  von  Sevilla.  Im  Jahre  631 — 3- 
befand  er  sich  in  Toledo  „zur  Begrüssung"  des  Königs  Sisenand.  Im 
December  633  war  er  wieder  daselbst.  Von  seinem  langen  und  reichen 
Leben  ist  uns  nichts  Weiteres  bekannt. 

Seinen  Hingang  aus  dem  Leben  berichtete  der  Kleriker  Redemp- 
tus  an  Braulio,  den  Freund  und  Verehrer  Isidor's.  Als  Isidor  sein 
Ende  nahe  fühlte,  theilte  er  an  sechs  Monate  jeden  Tag  viel  über  das 
gewöhnliche  Almosen  an  die  Armen  aus,  so  dass  er  vom  Morgen  bis 
zum  Abende  viele  Zeit  damit  zubrachte.  Dann  ergriff  ihn  die  Krank- 
heit, und  während  das  Fieber  heftiger  wurde,  und  der  geschwächte 
Magen  die  Speisen  verschmähte,  so  erstarkte  (sein  Geist)  zur  Ucber- 
nahme  der  Busse,  und  er  berief  unverzüglich  seine  Mitbischöfe,  Jo- 
hannes (von  Elepla)  und  Eparchius  (auch  Huparius  und  Aparcius  von 
Italica),   welche  zunächst  bei  Sevilla  wolmten.     Während   er   nun  (um 


')  qtiem  cum  ego  ut  fere  filium  Jiabeam, 

*)  non  parcebat  virgis  —  Lucas  Ttidensis.  Zwei  andere  Erzählungen  von 
l8idor*8  langsamem  Lernen  nnd  seiner  an  einem  einzigen  Tage  vollbrachten  Hin- 
und  Rückreise  aus  Born  stammen  gleichfalls  aus  späterer  Zeit. 


lfiidor*fi  Leben.  103 

nach  der  Sitte  jener  Zeit  die  öffentliche  Kirchenbusse  zu  übernehmen) 
in  die  Kirche  des  heiligen  Märtyrers  Vincentius  geführt  wurde,  nahmen 
ihn  alle  Schaaren  der  Aimen,  der  Kleriker,  aller  Religiösen,  und  des 
ganzen  Volkes  dieser  Stadt  mit  Zurufen  und  lautem  Weheklagen  auf, 
so  dass  auch  ein  steinhartes  Herz  ganz  in  Thränen  und  Klagen  hätte 
vergehen  mögen.  Während  er  dort  mitten  in  den  Chor  gestellt  wurde, 
befahl  er,  dass  die  Weiber  weiter  zurücktreten,  und  nur  die  Männer 
in  seiner  Nähe  zurückbleiben  könnten.  Von  den  beiden  Bischöfen  laidoT»^ 
musste  ihm  der  eine  den  Bussgürtel  reichen,  der  andere  mit  Asche  ihn^^JJ^"" 
bestreuen.  Dann  sprach  er,  die  Hände  gen  Hinmiel  ausbreitend: 
O  Gott,  der  du  die  Herzen  der  Menschen  kennest,  der  du  dem  in  der 
Feme  stehenden  und  an  seine  Brust  klopfenden  Zöllner  seine  Sünden 
vergeben,  der  du  den  vier  Tage  im  Grabe  ruhenden  Lazarus  aufer- 
wecket hast,  nimm  auf  mein  Bekenntniss  in  dieser  Stunde,  wende  hin- 
weg dein  Auge  von  den  Sünden,  die  ich  ohne  Zahl  begangen:  denke 
nicht  an  meine  Uebcl,  erinnere  dich  nicht  an  die  Vergehen  meiner 
Jugend.  Du  hast,  o  Herr,  die  Busse  nicht  für  die  Gerechten  einge- 
setzt, welche  nicht  vor  dir  gefehlt  haben,  sondern  für  mich  Sünder, 
dessen  Sünden  zahlloser  sind,  als  der  Sand  am  Meeresufer.  Nicht 
finde  an  mir  der  alte  Feind,  was  er  züchtigen  könnte.  Du  weisst, 
dass,  als  ich  Unglücklicher,  mehr  zur  Bürde,  als  zur  Ehre,  unwürdig 
zu  der  Regierung  dieser  heiligen  Kirche  gelangt  bin,  ich  zu  sündigen 
nicht  aufhörte,  ja  selbst  mir  Mühe  gab,  das  Unrecht  zu  thun.  Weil 
du  aber  sagst:  zu  welcher  Stunde  der  Sünder  sich  bekehrt  von  seinen 
bösen  Wegen,  so  wollest  du  aller  seiner  Ungerechtigkeit  vergessen; 
so  komme  ich  denn,  eingedenk  deiner  Verheissung,  zu  dir;  mit  Hoff- 
nung und  mit  Zuversicht  rufe  ich  zu  dir,  zu  dessen  Himmel  aufzu- 
blicken ich  nicht  würdig  bin  wegen  der  Menge  meiner  Sünden.  So 
komme,  Herr,  nimm  auf  mein  Flehen,  und  gib  mir  Sünder  die  er- 
sehnte Vergebung.  Wenn  selbst  die  Himmel  nicht  rein  sind  vor  dei- 
nem Angesichte,  um  wie  viel  weniger  ich  Sünder,  der  ich  wie  Wasser 
die  Ungerechtigkeit  getrunken,  und  Sünde  begangen  ohne  Zahl? 

Mit  tiefem  Seufzen  des  Herzens  nahm  er  nun  aus  den  Händen 
der  Bischöfe  den  Leib  und  das  Blut  des  Herrn,  sich  dieser  Gnade 
unwürdig  erachtend.  Dann  bat  er  alle  Anwesenden,  Priester  und  Volk, 
um  Verzeihung  und  um  ihre  Fürbitte  bei  dem  Herrn.  Alle  riefen  mit 
lauter  Stimme  für  ihn  zum  Herrn,  Allen  Hess  er  nach,  was  sie  ihm 
schuldeten,  und  den  Rest  seines  Besitzes  Hess  er  unter  die  Armen 
vertheilen,  gab  den  Anwesenden  den  Friedenskuss,  Hess  sich  in  seine 
Zelle  zurückfuhren,   und  am  vierten  Tage  starb  er  im  Frieden*). 


*)  sub  die  pridie  Kalendarum  Aprilis,  postquam  per  annos  ferme  40  (ea 
waren  an  37)  Pontificalem  curam  irreprensibüiter  administraviL    Era  674, 


104  Achtes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

2.  §.    Schriften  Isidor^s '). 

1)  Differentiarvm  lihri  II,  verfasst  nach  der  ähnlichen  Schrift  des 
altern  Cato.  Darüber  hat,  sagt  Isidor,  unter  den  Lateinern  zuerst 
Cato  geschrieben,  nach  dessen  Vorgange  ich  „einige  wenige  DiflFeren- 
'^^'^*  tien"  theils  zuerst  herausgegeben,  theils  aus  den  Büchern  der  Schritt- 
steller vor  mir  genommen  habe.  Das  erste  Buch  handelt  von  den 
Unterschieden  der  Worte,  z.  B.  unter  dem  Buchstaben  A  ist  zwischen 
dem  Geizigen  und  Begehrlichen  (inter  avarum  et  cupidum)  der  Unter- 
schied, dass  jener  das  Seinige  nicht  gebraucht,  dieser  nach  Fremdem 
begehrt.  So  stehen  unter  den  folgenden  Buchstaben  mannichfaltigo 
Differenzen  einzelner  Worte  von  ähnlichem  Inhalt,  eine  Art  Synonymik, 
in  253  Artikeln.  Das  zweite  Buch  handelt  von  den  Unterschieden  der 
Dinge,  auch  de  differentiis  spiritvalibus,  in  3ö  Artikeln.  Hier  wird  von 
der  heiligen  Dreieinigkeit,  von  der  Person  und  den  Naturen  Christi, 
vom  Paradiese,  den  Engeln,  der  Sünde,  dem  Menschen  und  seinen 
Eigenschaften,  von  Gnade,  Gesez  und  Evangelium ,  den  verschiedenen 
Wissenschaften,  Tugenden  und  Lastern  u.  a.  in  Kürze  gehandelt 
'^^g^  2)  Es  folgen  „Allegoriae  quaedam  S.  Scripturae^^  gewidmet  dem 

Herrn  und  ehrwürdigsten  Bruder  Orosius.  Ein  Bischof  dieses  Namens 
sass  auf  keinem  Concil  von  589  bis  636.  Bei  diesem  Namen  denken 
wir  zunächst  an  Galizien  und  Bracara.  Hier  sass  Pantardus  im 
Jahre  589,  und  erst  wieder  633  erscheint  Julian.  In  der  Zwischen- 
zeit kann  Orosius  Metropolit  gewesen  sein.  Dagegen  war  Orontius 
Metropolit  von  Emerita  seit  und  vor  dem  Jahre  638,  jedenfalls  nicht 
vor  634,  und  die  Verwechslung  der  beiden  Namen  lag  näher  oder  der 
Namen  Orosius  und  Orontius  wird  abwechselnd  gebraucht.  Nicolans 
Antonio  und  F.  Arevalo  denken  auch  an  einen  Orosius  in  MonU 
Christi^  in  Betreff  dessen  Gregor  I.  zweimal  schrieb.  Dass  dieser 
Italiener  später  Bischof  in  Spanien  geworden,  wäre  möglich,  ist  aber 
ohne  einen  ähnlichen  Vorgang  in  jener  Zeit^).  —  Die  historischen 
Namen  des  Alten  und  Neuen  Testaments  werden  in  dieser  Schrift  in 
ihrer   sinnbildlichen   Bedeutung    vorgeführt,    von    Adam    und  Eva   an. 


Vielmehr  muss  es  heissen:  Stib  die  pridie  nonas  Aprilis,  Ijuna  XIX.  Aera  674. 
Arevalo  sagt:  Am  4.  April  und  am  vierten  Tage  nach  derTanfe  der  Katechumeneo. 
Im  Jahre  636  fiel  Ostern  auf  den  31.  März,  und  Isidor  starb  am  Donnerstag  nach 
Ostern.  Vor  Arevalo  sezt  Florez  den  4.  April  als  Todestag  des  Heiligen  (Arevalo. 
Isidoriana,  Pars  /,  cp.  26,  —  Florez,  t  IX,  p.  224-226,  402^-406,  —  Am 
31.  März  war  luna  18,  nicht  19), 

')  Nach  der  Ansgabe  des  Arevalo, 

')  Ist  der  Orosius  des  Isidor  identisch  mit  dem  Orontius  von  Emerita,  so 
hätten  wir  hier  eine  der  letzten  Schriften  Isidofs. 


§,  2.    Schriften  Isidor's.  J05 

Aus  dem  Alten  Testamente  werden  von  Adam  an  bis  za  den  sieben 
machabäischen  Brüdern  129  historische  Personen,  aus  dem  Neuen 
Testamente  121  Personen  mit  ihrer  sinnbildlichen  Bedeutung  kurz 
eingeführt. 

3)  Die  Schrift:  „de  ortu  et  ohitu  patrum,  qui  in  acripturis  laudi- 
bus  efferuntur^  hat  64  Kapitel  aus  dem  Alten,  21  aus  dem  Neuen  Testa- 
mente. Von  dem  Apostel  Paulus  hcisst  es,  dass  er  bis  nach  Illyricnm, 
Italien  und  Spanien  vorgedrungen  sei.  Von  dieser  Schrift,  deren  Aecht- 
heit  von  der  Mehrzahl  der  ausserspanischen  Autoren  bestritten  wird, 
handeln  wir  unten  (10.  Buch). 

4)  Es  folgen   die  Prooemia    in  lihroa  V.  et  N.  T.,   äusserst  kurz   Proo*" 
gefasste  Einleitungen  in  das  Alte  und  Neue  Testament. 

Es  folgt   5)    liber   Numerorum,   qui   in   sct,    acripturis   oceurrunt  Nummru 
(Buch  der  Zahlen,   welche  in  den  heiligen  Schriften  vorkommen),   eine 
Art  mystische  Zablenlehre   der   heiligen  Schrift,    behandelnd   die  Zahl 
eins  bis  sechzig. 

6)  Es  folgen  (41)  quaestionea  de  vetein  et  novo  testamento,  z,  B. 
Frage  6:  Sagt  mir,  in  welcher  Sprache  Evangelium  gesprochen 
wird?  In  der  griechischen  und  auch  in  der  lateinischen,  das  ist:  gute 
Botschaft.  Ausführlicher  sind  die  quaeationea  in  V.  T,,  z.  B.  zu  der 
Genesis  —  in  31  Kapiteln  (das  letzte  handelt  von  dem  Segen  Jacob's) 
—  es  ist  eine  Art  Paraphrase  der  Genesis.  In  59  Kapiteln  wird  das 
Buch  Exodus  erklärt,  in  17  Leviticus,  in  42  Numeri,  das  Deuterono- 
mium  in  22.  —  Die  Erklärung  ist  im  Ganzen  allegorisch  -  moralisch. 
Kürzer  werden  Josue,  das  Buch  der  Richter,  die  Bücher  SamueFs  und 
der  Könige,  sowie  Esdra  erklärt. 

7)  Die  Schrift  „Vom  katholischen  Glauben"  gegen  die  Juden  ist  dtßd* 
an    seine  Schwester  Florentina   gerichtet.     Sie   handelt   über   die  Hin-    j^^ 
Weisungen  des  Alten  Testamentes  auf  den  Messias,    oder   die   messia- 
nischen  Prophezeiungen.     Auf  Bitten  „seiner  heiligen  Schwester"  hat  er 

zur  Förderung  ihres  Studiums  diess  Werk  verfasst,  damit  er  sie,  die 
durch  die  Bande  des  Blutes  mit  ihm  verbunden  ist,  auch  als  Theil- 
nehmerin  an  seinen  Arbeiten  habe.  Das  erste  Buch  handelt  in  62  Ka- 
piteln von  der  Person  Christi,  von  seiner  Geburt  bis  zu  seiner  Himmel- 
fahrt und  seiner  Wiederkunft  zum  Gerichte.  Das  zweite  Buch  handelt 
von  den  zwei  Völkern,  den  ungläubigen  Juden  und  den  Gläubigen 
aus  dem  Heidenthum,  z.  B.  von  der  Berufung  der  Völker,  d.  i.  der 
Heiden,  von  dem  Unglauben  der  Juden,  ihrem  schliesslichen  Glauben 
am  Ende  der  Welt,  von  der  Bevorzugung  der  Heiden  wegen  des  Un- 
glaubens der. Juden,  von  den  über  die  Juden  verhängten  Strafgerich- 
ten, von  dem  Aufhören  des  Sabbat,  der  Beschneidung,  von  den  heiligen 
Sacramenten  der  Christen.  Zum  Schluss  steht  eine  Recapitulation 
der  Schrift. 


106  Achtes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

imien-  8)  '^^^  ^^^^  Bdchei*  dcf  „Sentenzen"  sind  eine  Art  christlicbe  Glau- 

liarum  bens-  uüd  Sittenlehre.  Das  erste  handelt  von  Gott  und  seinen  Eigen- 
*  schallen,  von  dem  Schöpfer  und  der  Schöpfung,  von  den  Zeiten,  der 
Welt,  dem  Ursprung  des  Bösen,  den  Engeln,  dem  Menschen,  der 
Seele  und  den  übrigen  Sinnen,  von  Christus,  vom  heiligen  Geiste,  der 
Kirche  und  den  Iläresieen,  den  Heiden,  dem  Gesetze,  von  den  sieben 
Regeln  (der  Auslegung)  der  heiligen  Schrift,  von  der  Verschiedenheit 
der  Testamente,  von  dem  Symbolum  und  dem  Gebete,  von  der  Taufe 
und  der  C'ommunion,  vom  Martyrium,  den  Wundern  der  Heiligen, 
dem  Antichrist  und  seinen  Zeichen,  von  der  Auferstehung,  vom  Ge- 
richte, der  Hölle  und  den  Höllenstrafen,  der  Glorie  der  Heiligen. 

Das  zweite  Buch  —  eine  Art  Moral  —  verbreitet  sich  über  die 
Weisheit,  den  Glauben,  die  Liebe,  die  Hoffnung,  die  Vorherbestimm- 
ung,  über  die  Bekehrung  und  die  Bekehrten,  den  Rückfall,  die  Bei- 
spiele der  Heiligen,  die  Zerknirschung  des  Heraens,  Reue  und  Sünden- 
bekenntniss,  die  Verzweiflung  der  Sünder,  die  Verlassenheit  von  Gott, 
handelt  von  der  Sünde,  den  lässlichen  Sünden,  den  schweren  Sünden, 
den  Gewohnheitssünden,  den  Gcdankeu(sünden),  von  den  Sünden  in 
Worten,  von  der  Lüge,  dem  Schwören,  von  den  Lastern  und  Tugen- 
den, von  dem  Kampf  der  Tugenden  gegen  die  Laster,  vom  Stolze, 
der  Unkeuschheit ,  der  Begierlichkeit,  Frass  und  Völlerei,  der  Ent- 
haltsamkeit. 

Das  dritte  Buch  handelt  theilweise  von  dem  kirchlichen  Leben 
und  den  kirchlichen  Ständen,  von  den  Strafgerichten  Gottes,  der  dop- 
pelten Heimsuchung  Gottes,  der  Schwachheit  des  Fleisches,  der  Ge- 
duld bei  den  Heimsuchungen  Gottes,  den  Versuchungen  des  Teufels, 
den  Versuchungen  durch  Träume,  dem  Gebete,  der  Lesung  und  dem 
beharrlichen  Lesen,  dem  Wissen  ohne  die  Gnade,  den  stolzen  Lesern, 
den  fleiscldichen  und  häretischen  Jjcsern,  von  den  Büchern  der  Heiden, 
von  der  Collation,  von  der  Betrachtung  und  dem  Handeln,  von  den 
Verächtern  der  Welt,  von  den  Heiligen,  die  sich  von  dem  Umgange  mit 
der  Welt  trennen,  von  den  höheren  Pilichten  der  Mönche,  der  Lauig- 
keit  der  Mönche,  den  Mönchen,  die  sich  mit  weltlichen  Sorgen  abge- 
ben, von  der  Eitelkeit,  von  der  Heuchelei,  dem  Neide,  der  Verstellung, 
dem  Hasse,  der  Ijiebe,  der  falschen  Freundschaft,  von  der  Zurecht- 
weisung der  Brüder,  den  kirchlichen  Vorgesezten,  den  unwürdigen 
Vorgeseztcn,  von  der  Lehre  und  den  Beispielen  der  Vorgesetzten, 
von  denen,  die  gut  lehren  und  schlecht  leben,  von  den  fleischlichen 
Vorgesetzten,  den  zornigen  Lehrern  (Doctoren),  den  stolzen  Lehrern, 
der  Demuth  der  Vorgesezten,  der  Discretion  im  Lehren,  dem  Still- 
schweigen der  lichrer,  von  der  Menschenfurcht  der  Bischöfe,  von  der 
Strenge  der  Bischöfe  gegen  Fehlende,  von  den  Untergebenen,  von  den 
Obern,   von   der   Gerechtigkeit   der   Fürsten,    von   der  Nachsicht   der 


$.  2.    Schriften  Isidor's.  107 

Fürsten,  dass  die  Fürsten  an  die  Gesetze  gebunden  sind,  von  den 
Richtern,  von  dem  Ansehen  der  Personen,  von  den  Geschenken,  von 
den  Zeugen,  den  Advocatcn,  den  Unterdrückern  der  Armen,  von  den 
Liebhabern  der  Welt,  von  den  Liebhabern  der  Barmherzigkeit,  von 
der  Kürze  des  Lebens,  von  dem  Ausgange  aus  dem  Leben. 

9)  Die  Schrift  „über  die  kirchlichen  Officien"  ist  dem  älteren  ^^eec«!*- 
Bruder  Isidor^s,  dem  Bischöfe  Fulgentius  von  Astigi,  „seinem  Herrn,  ***^'ff» 
dem  Knechte  Gottes",  gewidmet.  Fulgentius  hatte  von  ihm  die  Dar-  j,  u. 
Stellung  des  Ursprunges  und  der  Urheber  der  kirchlichen  Officien, 
d.  i.  hier  der  altspanischen  Liturgie,  verlangt.  „Wie  du  gewünscht, 
habe  ich  dir  dieses  Buch  zusammengesezt  aus  den  Schriften  der  älte- 
sten Auetoren  (die  nach  Isidor's  Gewohnheit  wohl  benützt  aber  nicht 
genannt  werden),  worin  ich  zwar  das  Meiste  selbstständig  bearbeitet 
(meo  stylo  elicui),  Einiges  aber,  so  wie  ich  es  (bei  Andern)  vorfand, 
beigefügt  habe.  Finden  sich  in  Letzterem  Irrthümer,  so  werden  sie 
nicht  auf  meine  Schuld  fallen."  Isidor  spricht  von  der  Kirche  und 
dem  Namen  der  Christen,  von  den  Tempeln,  dem  Chor,  den  Gesängen, 
den  Psalmen,  den  Hymnen,  den  Antiphonen,  den  Gebeten,  den  Re- 
sponsorien,  den  Lectionen,  den  Büchern  der  (zwei)  Testamente,  den  ■ 
Verfassern  (und  Uebersezern)  der  heiligen  Schriften.  In  Betreff  der 
Uebersezungen  aus  dem  Griechischen  in  das  Lateinische  wird  Augu- 
stin citirt*),  dann  gesagt:  „Aus  dem  Hebräischen  in  das  Lateinische 
hat  nur  der  Priester  Hieronymus  die  heiligen  Schriften  übersezt. 
Seiner  Ausgabe  bedienen  sich  insgemein  alle  Kirchen  überall,  denn  sie 
ist  getreuer  in  Wiedergabe  des  Sinnes  und  verständlicher."  Er  han- 
delt von  den  Laudes,  von  den  Offertorien,  der  Messe  und  den  Oratio- 
nen,  von  dem  Symbolnm  von  Nicäa,  den  Benedi ctionen,  dem  Opfer, 
ven  den  Officien,  der  Terz,  Sext  und  Non,  der  Vesper,  der  Complet, 
von  dem  Alter  der  Vigilien,  von  der  Matutin,  dem  Sonntag,  dem 
Sabbat,  von  Weihnachten,  Christi  Erscheinung,  vom  Palmsonntag, 
vom  Gründonnerstag,  Charfreitag,  Charsamstag,  dem  Osterfeste,  von 
Christi  Himmelfahrt,  Pfingsten,  den  Festen  der  Märtyrer,  der  Kirch- 
weihe, von  dem  Qnadragesi  mal  fasten,  den  Pfiugstfasten ,  dem  Fasten 
im  siebenten  Monat,  dem  Fasten  am  1.  November,  am  1.  Januar,  von 
verschiedenen  andern  Fasten,  von  dem  verschiedenen  Gebrauch  (der 
Fasten)  bei  den  Kirchen,  von  dem  Genüsse  des  Fleisches  und  der  Fische. 

Man  sieht,  Isidor  handelt  nicht  so  fast  von  dem  Ursprünge,  dem 
Anfange  und  der  allmählichen  Ausbildung  der  kirchlichen  Offizien 
(in  Spanien),  er  vergleicht  nicht  die  Officien  der  Kirche  in  Spanien 
mit  denen  anderer  Kirchen,  offenbar,  weil  es  ihm  an  den  Quellen  hiezu 


*)  de  doctrina  christiana,  II,  //. 


108  Achtes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

fehlte,  wie  wir  heute  dieselben  besitzen,  sondern  er  handelt  von  der 
in  Spanien  bestehenden  Ordnung  und  Weise  der  Gottesdienste. 

Das  zweite  Buch  handelt  von  dem  Ursprung  (eigentlich  dem 
Amte)  der  Diener  in  der  Kirche,  und  wird  durch  die  kurze  Vorrede 
eingeleitet:  „weil  wir  den  Ursprung  und  die  Ursachen  der  Officien, 
welche  im  Allgemeinen  von  der  Kirche  gehalten  werden,  einigermassen 
erklärt  haben,  so  wollen  wir  nun  den  Ursprung  (exordia)  derjenigen, 
welche  kirchliche  Aemter  verwalten,  der  Ordnung  nach  darlegen." 
Er  handelt  von  den  Klerikern,  den  Kegeln  der  Kleriker,  von  deren 
Ordnungen,  der  Tonsur,  dem  Priesterthum  (i.  e.  der  Bischofswürde) 
im  alten  und  neuen  Bunde,  von  den  Chorbischöfen,  welche  hier  Vica- 
rien  der  Bischöfe,  nach  unserm  Sprachgebrauche  Weihbischöfc,  heissen, 
den  Presbytern,  den  Diakonen^),  den  Leviten,  den  Subdiakonen,  den 
Lectoren,  den  Psalmisten,  den  Exorcisten,  den  Akolythen,  den  Ostia- 
riem,  den  Mönchen,  den  Büssern,  den  Jungfrauen,  den  Wittwen,  den 
Yerheiratheten,  den  Katechumenen,  dem  Exorcismus  und  dem  Salze, 
den  Gompetenten  (zu  der  Taufe),  dem  Symbolum,  der  Glaubcnsregel, 
der  Taufe,  dem  Chrisma,  der  Ilandauf legung  und  Firmung  (die  auch 
damals,    wie  die  Weihen,  nur  den  Bischöfen  zukam). 

Syntmy*  10 — 11)  Ucbcr  die  Schrift;  „Synoiiyma,  Weheklagen  der  sündigenden 

***■     Seele",  genüge,   was  unten   aus    Braulio   von  Saragossa   angefi'ihrt  ist. 

Ebenso  in  Betreff  der  Schrift:    regula  monachorum   (die  Mönchsregel). 

icsiieh«-  Dass  Isidor  selbst  Mönch  und  zwar  Benedictiner ,  da  es  im  Abend- 
lande damals  andere  Mönche  nicht  gegeben,  gewesen  sei,  ist  mit  Be- 
weisen nicht  zu  erhärten.     Sonst  ist  diese  Regel  gut  geschrieben. 

Briefe  12)  Vou  den  13  kurzen  Briefen  von  und  an  Isidor  erwähnen  wir  hier 

nur  einige.  Dem  Bischof  Leudefred  von  Corduba,  der  zwischen  619— 
633  Bischof  wurde,  antwortet  er  auf  seine  Fragen  über  die  kirchlichen 
Officien,  indem  er  sehr  kurz  von  den  Dienern  der  Kirche  handelt,  von 
dem  Ostiarier  an  bis  zu  dem  Bischof,  dann  von  dem  Archidiakon, 
dem  Primicerius,  dem  Thesaurarius,  dem  Oekonomen,  dem  Vater 
(Abte)  des  Klosters.  Er  antwortet  „dem  heiligen  und  durch  seine 
Verdienste  seligen  Herrn  Bischof  Massona"  über  die  Wiedereinsezung 
in  kirchliche  Würden  nach  vollbrachter  Busse,  wobei  er  sich  beson- 
ders auf  Stellen  aus  dem  Alten  Testamente  beruft,  und  auf  die  Synode 
von  Ancyra.  Er  schreibt  dem  Helladius  von  Toledo  und  den  „andern 
Bischöfen''  (wohl  der  carthaginensischcn  Provinz)  über  den  Fall  des 
Bischofs  (Honorius?)^)  von  Corduba,  und  verweist  denselben,  vielleicht 
weil  er  aus  dem  Klerus  der  Kirche  von  Sevilla  war,  an  das  Gericht 
des  Helladius  und  seiner  Bischöfe,   welche  die  Sentenz    der  Absezung 


'j  de  diaconibus;  dagegen:  de  snhdiaconis. 
')  Florez,  X,  232^236  (ef,  VI,  253;  IX,  66). 


bidor:  de  natura  renun.  109 

über  ihn  aussprechen  sollten,  damit  er  zu  bestandiger  Busse  vemrtheilt 
werde.  Dem  berühmten  Herzog  (dux)  Claudius  wünscht  er  Glück  zu 
seinen  Siegen,  und  antwortet  ihm  auf  verschiedene  vorgelegte  Fragen. 
„Seinem  geliebten  Sohne,  dem  Archidiakon  Redemptus/^  kann  er  „durch 
viele  nicht  bloss  kirchliche,  sondern  auch  durch  Geschäfte  dieses  ver- 
gänglichen Reiches  verhindert,"  auf  seine  Anfragen  nur  kurz  antworten. 
Die  Fragen  betrafen  das  gesäuerte  und  ungesäuerte  Brod  beim  heiligen 
Abendmahle,  den  Opferkelch  und  einiges  Andere.  Vielleicht  war 
dieser  Brief  von  Toledo  aus  im  Jahre  632  oder  633  geschrieben. 

13)  Das  Buch:  de  ordine  creaturarum  handelt  von  dem  Glauben  an 
die  Trinität,  von  den  geistigen  Geschöpfen,  von  den  Wassern  über 
dem  Firmamente^  von  dem  Firmamente  des  Himmels,  von  der  Sonne 
und  dem  Monde ,  von  dem  obern  Räume  und  dem  Paradiese  des  Him- 
mels, von  dem  untern  Räume  und  den  verschiedenen  Hemisphären, 
von  dem  Teufel  und  der  Natur  der  Dämonen,  von  der  Natur  der 
Wasser  und  dem  Laufe  des  Ocean,  von  dem  Paradiese,  von  der  Lage 
der  Erde,  auf  der  das  Menschengeschlecht  wohnt,  von  der  Natur  des 
Menschen  nach  der  Sünde,  von  der  Verschiedenheit  der  Sündigenden 
und  dem  Orte  der  Strafe,  von  dem  Fegfeuer,  von  dem  zukünftigen  Leben. 

14)  Die  Schrift:  „Ueber  die  Natur  der  Dinge"  an  den  König  Sisebut  de 
gehört  zu  den  berühmtesten  Schriften  Isidor's.  Sisebut  hat  den  Heili-  ~! 
gen  gebeten,  über  die  Natur  der  Dinge  zu  schreiben.  Was  die  Alten,  • 
und  besonders,  was  katholische  Männer  hierüber  geschrieben,  habe 
Isidor  fleissig  zu  Rathe  gezogen.  Diese  verspricht  er  theils  dem  Sinne 
nach,  theils  wörtlich  anzuführen,  damit  ihre  Auctorität  ihn  unterstütze. 
In  48  Kapiteln  handelt  er  von  den  Tagen,  von  der  Nacht,  von  der 
Woche,  von  den  Monaten  (mit  erläuternder  Figur),  von  den  Jahren, 
von  den  Zeiten  des  Jahres  (mit  Figur),  von  der  Sonnenwende  und 
Tag-  und  Nacht- Gleichheit,  von  der  Welt,  von  den  5  Zonen  oder  Krei- 
sen, von  den  Welttheilen  (mit  Figuren)^),  von  dem  Himmel,  von  den 

7  Planeten  des  Himmels  und  ihrem  Laufe,  von  dem  Wasser  über  dem 
Himmel,  von  der  Natur  der  Sonne,  von  der  Grösse  der  Sonne  und 
des  Mondes,  von  dem  Laufe  der  Sonne,  von  dem  Lichte  des  Mondes, 
von  seinem  Laufe,  von  der  Sonnen-  und  Mondsfinstemiss,  von  dem 
Laufe  der  Sterne,  von  ihrem  Lichte,  von  dem  (falschen)  Sternfalle, 
von  den  Namen  der  Gestirne,  ob  die  Gestirne  beseelt  seien  (und 
wenn  sie  Seelen  haben,  so  muss  man  fragen,  was  diese  bei  der  Auf- 
erstehung sein  werden?),  von  der  Nacht,  dem  Donner,  dem  Blize, 
von  dem  Regenbogen,  von  den  Wolken,  dem  Regen,  dem  Schnee, 
dem  Ilagel,  den  Whiden  und  ihren  Namen  (mit  Figur),  von  den  An- 
zeichen des    Sturmes    oder   des   heitern  Wetters,    von    der  Pest,    vom 


*)  Wie  sie  Isidor  selbst  neoDt 


110  Achtes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

OceaD,  warum  das  Meer  nicht  wächst  und  salzig  ist,  vom  Nil,  von 
den  Namen  des  Meeres  und  der  Flüsse,  von  der  Lage  der  Erde,  vom 
Erdbeben,  vom  Berge  Aetna,  von  den  (3)  Welttheilcn. 

15)  Es  folgt  Isidor's  Ohronicon.  Zuerst  haben  Julius  Africanus  (un- 
dem  Kaiser  Marc  Aurel?),  dann  Eusebius  von  Casarea,  hierauf  Hiero- 
nymus  Chroniken  herausgegeben.  Ihnen  seien  neben  vielen  Andeni 
gefolgt  Victor  Tunensis  (d.  i.  von  Tunununi),  der  bis  zu  dem  Consulat 
des  jungem  Justinus  seine  Chronik  gefuhrt.  Er  selbst  habe  seine  Welt- 
chronik bis  zu  Kaiser  Heraclius  und  König  Sisebut  gefuhrt  (610).  Bei 
ihm  gehen  nach  angenommener  Gewohnheit  die  fiinf  Weltalter  bis  anf 
Augustus,  das  sechste  Weltalter  fuhrt  er  bis  zur  aera  654  (616  n.  Chr.), 
dem  fünften  Jahre  des  Heraclius,  dem  vierten  des  Sisebut. 

16)  „Die  Geschichte  von  den  Königen  der  Gothen,  Vandalen  und 
Sueven*'  enthält  einen  herrlichen  Prolog  an  sein  Vaterland  Spanien. 
Isidor  hat  oder  kennt  die  Ableitung  des  Ursprungs  der  Gothen  l)ei 
Jornandes  nicht.  Sie  erscheinen  zuerst  zur  Zeit  des  Pompejus  in 
Thessalien,  unter  Valerian  in  Macedouien  und  Griechenland.  Er  fuhrt 
die  Geschichte  der  Gothen  herab  bis  zum  Jahre  621,  bis  zum  Könige 
Stcintila.  Obgleich  ein  Römer  von  Geburt,  ist  Isidor  voll  des  Lobes 
der  Gothen.  In  der  That,  die  Spanier  des  siebenten  Jahrhunderts 
sezten  ihre  Ehre  darein,  in  den  Gothen  aufzugehen,  und  der  Nation 
der  Gothen  zugezählt  zu  werden.  Für  die  Geschichte  der  Westgothen 
ist  und  bleibt  Isidor  die  Hauptquelle. 

ijutwia  Aus  seiner  Geschichte  der  Vandalen  erfahren  wir  dagegen  wenig 

vanda-  jj^j^^^g^     j^  (Jej.  geiu«  kurzcu  Geschichte  der  Suevcn    gibt  Isidor    einen 

forum  tt  /-^  •         1  1      •  •  • 

Saevo-  Auszug  aus  dcr  Chronik  des  Idatius,  die  bis  zum  Jahre  469  reicht 
rum,  Yqjj  ^^  j^jj  jj^j^  ^]]g  Kenntniss  Isidor's  auf  (von  469 — 559).  Es  ge- 
nügt ihm,  zu  sagen:  „Nachher  beharrten  viele  Könige  der  Sucven  in 
dem  Arianischen  Unglauben,  und  es  erlangte  endlich  Theodemir  die 
Herrschaft  des  Reiches,  welcher  den  katholischen  Glauben  annahm 
(559)*).  Das  Ilcich  der  Sueven  aber  wurde  nach  einer  Dauer  von 
177  Jahren  (c.  410 — 587)  dem  Gotlienreichc  einverleibt." 
dt  viris  1')  ^^^  Isidor  haben  Viele  unter  Griechen  und  Lateinern  über  die 

iUuHri'  christlichen  Schriftsteller  gehandelt.  Er  will  zu  diesen  Schriften  eiue 
^'  Fortsezung  geben ,  indem  er  von  jenen  Schriftstellern  handelt,  welche 
er  gelesen  zu  haben  sich  erinnert.  Es  sind  46  (47).  Darunter  Nicht- 
Spanier  Xystus  Papst,  der  Diakon  Macrobius,  Philastrius  von  Brescia, 
Theodor  von  Mopsveste,  llufinus,  Vcrecundns  der  Africaner,  Bischof 
Victorinus,  Eusebius  von  Dorilaeum,  Cerealis  von  Castellana  (Afrika), 
Perrandus,   Diakon   von   Carthago,    der   Presbyter  Marcellinus    (Luci- 


»)  K..G.  2,  1,  S.  457  ffg. 


Jsidor  über  kirchliche  Schriftsteller.  111 

ferianer^),  Papst  Siricius,  Paulinus  von  Noia,  Proba,  Gemahlin  des 
Adelphius,  Joannes  Chrysostomus,  der  Presbyter  Sedulius,  Possidins 
und  Primasius,  Bischöfe  in  Afrika,  Proterius,  Bisehof  von  Alexandrieu, 
Paschasinus,  Bischof  in  Sicilicn,  Julianus  Pomerins^  Eugippius,  Abt 
von  Lucullanum,  Fulgentius  von  Ruspe,  Eucherius  von  Lyon,  llilarius 
von  Arles,  Kaiser  Justinian,  Facundus  von  Hermiane,  Avitus  von 
Vienne,  Dracontius,  Victor  Tunnensis^  Joannes  Eleeuiosynarius,  Papst 
Gregorius,  im  Ganzen  32. 

Die  übrigen  sind  Spanier,  Hosius  von  Corduba,  Idatius  aus  Ga^ 
lizien,  Petrus  von  Lcrida,  Idatius  Clarus  (von  Emerita),  Apringius  von 
Pace,  Justinian,  Bischof  von  Valentia,  sein  Bruder  Justus    von  Urgel, 
Martinus    von    Dumium,   Leander    von   Sevilla,   Licinianus   von    Car- 
tagena,    Severus  von  Malaca,   Joannes    von    Gcrunda,    Eutropius    von 
Valentia,  Maximus  von  Zaragoza,  über  welche  wir  früher  nach  Anleit- 
ung Isidor's  gehandelt  haben.     Ein  letztes  Kapitel  fügt  Bischof  Braulic^j;;;;;]!^ 
über  die  Schriften  Isidor's  hinzu.     Zu  Braulio's  Kenntniss   kamen   fol-    ^^^ 
gende  Schriften:   zwei  Bücher   Differentien,    ein  Buch    der  Vorreden, 
de  ortu  et  ohitu  patrum  ein  Buch,  zwei  Bücher  Officien,  zwei  Bücher 
Synonyma,   worin  er  zum  Tröste  der  Seele,   und    zur  Hoffnung,   Ver- 
zeihung  zu   erlangen,   mittelst  Vemunftgründen  (die  Leser)   ermuntert, 
über  die  Natur  der  Dinge,   ein  Buch  über  die  Zahlen,  ein  Buch  über 
die  Namen  des  Gesetzes  und  der  Evangelien,  ein  Buch  über  die  Häre- 
siecn  (nicht  erhalten),  drei  Bücher  Sentenzen,  welche  er  mit  einer  Blü- 
thenlese  aus  den  „Moredia^^  des  Papstes  Gregor  schmückte,   ein  Buch 
Chronica  vom  Anfange  der  Welt  bis  zu  seiner  Zeit,  das  er  allzu  kurz 
fasste,  zwei  Bücher  gegen  die  Juden,   ein   Buch   über   die    berühmten 
Männer,   welchem   wir   Vorstehendes  angereiht    haben,    ein   Buch    der 
Regel  für  Mönche,    die    er   mit  Rücksicht   auf  heimische  Verhältnisse  -  f- 
und  die  Gemüther   der  Schwachen   sehr   passend   mässigte,    ein   Buch 
von  dem  Ursprünge   und   dem   Reiche    der  Gothen,    der   Sueven  und 
auch  der  Vandalen ,  zwei  Bücher  Fragen  (zum  Alten  und  Neuen  Testa- 
mente), den  Codex  der  Etymologien  von  seltenem  Umfange^),  von  ihm 
in  Titel,  nicht  in  Bücher  eingethcilt,  den  ich,   weil   er   ihn   auf  mein 
Bitten    verfasste,    obgleich    er    ihn    selbst    unvollendet   hintcrlicss,   in 
zwanzig  Bücher  eingetheilt  habe;   wer   dieses  Werk  häufig   und   auf- 
merksam benützt,  der  wird  in  der  Kenntniss  der  göttlichen  und  mensch- 
lichen Dinge  kein  Fremdling  sein. 

Nebstdem  gibt  es  andere  kleine  Schriften  desselben  (wozu  wohl 
die  erwähnten  vier  Briefe  gehören  mögen),  welche  in  der  Kirche  Gottes 
mit  vielem  Glänze  verfasst  sind.     Ihn  hat  Gott  nach  so  vielen  Nieder- 

')  Bei  friiliern  Herausgebern  (n,  s^Aguirre-Catalani,  L  IV,  1764,  p:86-^ 
88)  sind  die  eilf  ersten  Numem  dieser  Schrift  „ex  inccrto  auctorc*'. 
^)  nißnia  magnittidine. 


112  Achtes  Bach.    Siebentes  Kapitel. 

lagen  Spaniens  in  der  lezten  Zeit  auferweckt  (ich  glaube  zur  Erneu- 
erung der  Denkmale  des  Alterthums,  damit  wir  nicht  völlig  in  Unwis- 
senheit untergehen^),  überragend  alle  durch  die  gesunde  Lehre,  und 
reicher  noch  an  Werken  der  Liebe. 

Nach  der  Meinung  des  Braulio  und  des  Ildefons  waren  die  Etymo- 
logieen  sein  letztes  Werk.     Beide  sagen ,  er  habe  es  unvollendet  hinter- 
£/yiiio7o.  lassen,  er  selbst  aber  schreibt  an  Braulio  (632):  „den  Codex  der  Ety- 
*^T*  mologieen   mit   andern    Codices  habe   ich   dir   auf  dem  Wege    hieher 
Eneydo-  übersaudt,  und  obgleich  er  wegen  meiner  Krankheit  uncorrigirt  ist,  so 
^^*   wollte  ich  doch  denselben  dir  jezt  zur  Ausbesserung  darbieten,    wenn 
vriiscnt  ich  zu  dem  für  das  Concil  bestimmten  Orte  gekommen  wärc.'^     Nach 
meiner  Ansicht  ist  das  Werk  verfasst  zwischen   611    und    632,  näher 
swischen  622  und  632,  weil  die  Jugend  Braulio's  vor  dem  Jahre  622— 
620  eine  spätere  Freundschaft  der  beiden  Männer  wahrscheinUch  macht 
—  Das  erste  Buch   dieses  Werkes   handelt   von   der   Grammatik^   das 
zweite  von  der  Rhetorik  und  Dialektik ,  das  dritte  von  den  vier  mathe- 
matischen Disciplinen,  das  vierte  von  der  Medicin^  das  fünfte  von  den 
Gesezen    und  Zeiten,   das   sechste  von   den   kirchlichen   Büchern   und 
Offizien,  das  siebente  von  Gott,   den  Engeln  und  den  Ordnungen   der 
Gläubigen,  das  achte  von  der  Kirche   und   den   verschiedenen  Secten, 
von   den  Heiden   und   ihren  Göttern,   das   neunte   von   den   Sprachen, 
Völkern,    Reichen,   dem   Kriegsdienst,    den   Bürgern,   den   Verwandt- 
schaftsgraden,  das  zehnte  Buch  ist  ein  alphabetisches  Verseichniss  ge- 
wisser Worte  und  ihrer  Bedeutungen.     Das   eilfte   Buch   handelt   von 
dem  Menschen    (et  de  portentis),    das   zwölfte    von    den  Thieren,    das 
dreizehnte  von  der  Welt   und    ihren  Thalien,    das    vierzehnte    von    der 
Erde    und    ihren    Theilen,    Buch    15    von    den    Gebäuden,     darunter 
von    den    berühmten    Städten    (hier    wird   Saragossa   über   alle    andern 
Städte  Spaniens  erhoben)  und  den  Feldern,  Buch  16  von  den  Steinen 
und  Metallen,  Buch  17  vom  Landbau  und  der  Landwirthschaft,  Buch  IS 
vom  Kriege  und  den  Spielen,  Buch  19  von  den  Schiffen,  Häusern  und 
Kleidern,    Buch  20  von  Speise   und  Trank,    den  häuslichen  und  land- 
wirthschafUichen  Geräthen. 

Isidor  nennt  dieses  Werk  selbst  die  Frucht  alter  Lesung,  d.  i. 
den  Auszug  aus  zahlreichen  Büchern,  die  er  benützt  hat.  Wenn  die 
Quellen  überall  citirt  wären,  so  wären  wir  sicher,  die  Bruchstücke  aus 
manchem  jetzt  ganz  verlornen  Werke  zu  haben.  F.  Arevalo  hat  wcnig- 
stcns  zum  Theil  die  von  Isidor  augeführten  Schriftsteller  zusammen- 
gestellt«). 

*)  ne  nimia  nuticitate  veter asceremus. 

*)  Isidoriana,  /,  481-^436,  —  Index  scriptonim  ab  Isidoro  in  Etymoi 
et  in  libris  Differenti^rum  laudatorum  (nach  Fabricius,  Biblioth.  latina.  Ve- 
neL  1728,  II,  p.  437). 


§.  4.    Leben  der  Väter  von  Emerita.  113 

Von  Ftdgentius^  dem  Bruder  des  Isidor,  ist  mehr  nicht  bekannt, 
als  was  oben  da  und  dort  über  ihn  vorkommt. 

§.  3.    Ansgaben  von  Isidor's  Werken. 

Paris  1580,  stud.  Marg.  de  la  Bigne,  fcl*  —  Cum  notia  J.  B.  auj^ 
Perez  et  J.  Gricd,  Matriti  1699,  fol  (et  1778),  2  vol.  —  Ed.  emendat. 
per  Jacohum  du  Brevl,  Par.  1601,  fol.  —  Coloniae  1617,  fol.  —  Set. 
hidori,  Hispal.  ep.  opera  omnia,  7  vol.  in  4^.  Romas  1797 — 1803. 
(Diese  wahrhaft  classische  Ausgabe  verdankt  man  dem  Cardinal  Fr. 
Loremana  und  dem  Faustin.  Arevalo,  S.  J.)  Die  beiden  ersten  Bände, 
welche  den  Titel  führen:  „Isidoriana^^  sind  die  erschöpfende  Sammlung 
alles  dessen,  was  sich  auf  das  Leben,  die  Schriften  und  die  Ausgaben 
der  Schriften  Isidor's  bezieht.  Band  3 — 4  enthalten  die  Etymologieen, 
Bd.  5 — 7  die  übrigen  Werke.  Abdruck  dieser  Ausgabe  in  Migne,  Pa- 
trcl.  latina  81 — 83,  woran  sich  84 — 86  der  Codex  canonum  ecdes.  Hi- 
spanae,  das  Missale  und  das  Psalterium  gothicum  oder  mozarabicum 
schliessen  (de  natura  rerum  liher,  recens.  G.  Becker.  Berlin  1857). 

lieber  Isidor  schrieben  neben  Fabricius  bihl.  latina,  Faustin.  Are- 
valo: Nicolaus  Antonio,  Bibliotheca  Hispana  vetus,  ed.  Bayer,  Matr.  1788, 
t.  I,  B.  V,  cap.  3 — 4,  p.  321 — 368.  —  H.  Florez,  Esp.  sagrada,  t.  IX, 
p.  216 — 236',  p.  394 — 419.  —  Bourret,  VEcole  chretienne  de  Sevillß. 
Paris  1855,  p.  59 — 193.  —  Montalemberty  die  Mönche  des  Abendlan- 
des, II,  1860,  p.  211 — 218.  —  Bahr,  Geschichte  der  römischen  Li- 
teratur, Supplcmentb.  IL  Abth.  (1837),  p.  456—464.  —  W.  S.  Teuf- 
fei,  Geschichte  der  römischen  Literatur,  Leipz.  1870,  §.  459,  S.  1028 — 
1031,  und  viele  Andere. 

§.  4.    Leben  der  Väter  von  Emerita. 

Die  Schrift:  „Vitae  Patrum  Emetntensium^,  welche  heute  unter  inh«u 
dem  Namen  des  Paidtis  Diaconus  bekannt  ist ,  zerfällt  in  vier  schrift. 
Theile.  Der  Knabe  Augustus,  Diener  an  der  Kirche  der  heiligen  Eu- 
lalia  zu  Emerita,  hat  vor  seinem  Tode  eine  Vision  über  das  künftige 
Ixiben,  wacht  zum  Leben  wieder  auf,  erzählt  sie  mehreren  Personen, 
und  stirbt  unverzüglich.  Das  zweite  Kapitel  erzählt  von  einem  Mönche 
im  Kloster  Cauliana  bei  Emerita,  der  durch  seine  Gefrässigkeit  der 
Kinder  Spott  geworden,  darüber  sich  bekehrt  und  nach  vierzehn  Tagen 
selig  gestorben,  ja  dessen  Leichnam  nach  langer  Zeit  unverwesen  ge- 
funden worden  sei.  Der  dritte  Theil  und  das  dritte  Kapitel  erzählt 
von  dem  aus  Afrika  nach  Emerita  gekommenen  Abte  Nunctus,  den 
wegen  seines  Rufes  der  Frömmigkeit  fromme  Damen  vergebens  zu  er- 

Ganis,  ajMUi.  Kirche.    II.  2.  3 


114  A(*htc8  Buch.    Siebentes  Knpite). 

blicken  wünschten,  der  sich  ihnen  allen  unsichtbar  zu  machen  gesucht, 
und  der,  als  ihn  durch  List  und  Bestechung  zulezt  ein  weibliches  Auge 
getroffen  hatte,  darüber  wie  leblos  zusammengestürzt  sei.    Vom  vierten 
Kapitel  au  bis  zum  einundzwanzigsten,  zum  Schlüsse,  folgt  die  Erzäh- 
lung über  das  Leben  der  gefeierten  Erzbischöfe  Paulus  (c.  530 — 560), 
seines  Coadjutors  und  Nachfolgers  Fidelis  (c.  560 — 571),  und  des  gros- 
sen  Erzbischofs   Masona   (571 — 606)^).     Bischof  Masona   regierte   fast 
so  lange  als  Isidor  von  Sevilla,   dessen  väterlicher  Freund  er  war,   an 
35  Jahre,   und  als  er  hochbejahrt  sein  Ende  nahen  fühlte,   bestellte  er 
den   Archidiakon  Eleutherius  als   seinen  Stellvertreter,   während    er  in 
stiller  Zurückgezogenheit  in  Reue  und  Bussübungen  auf  sein  Ende  sich 
vorbereiten  wollte.     Eleutherius  aber,  aufgebläht  in  seinem  eitlen  Sinne, 
„umgab   sich   mit  einem  grossen  Gefolge   von  dienenden  Knaben,   und 
er  trabte  hoch  zu  Rosse  bald  da,  bald  dorthin^  ^).    Er  drohte  Knaben, 
die  Masona  freigelassen,    und   denen  er  kleine  Besizungen  zum  Unter- 
BiMhof  halte  geschenkt  hatte.  Alles  wieder   zu    entreissen.     Als  Masona    diess 
*****■*•  erfahren,   liess   er   sich  todtkrank   in   die   Kirche  der   heiligen  Eulalia 
tragen,  betete  dort  lange  und  kehrte,  sicher  der  Erhörung  seiner  Bitte, 
in  sein  Haus  zurück.     In   der   darauffolgenden  Vesper  sprach  Masoni 
zu  Eleutherius:  „Du  wirst  mir  vorangehen'^  (praecedes  me).     Niemand 
verstand  das  Wort.    Aber   noch  beim  Anfange  des  Gottesdienstes  er- 
krankte der  Erzdiakon  tödtlich.     Dessen  Mutter  eilte  zu  Masona,  damit 
er  für  das  Leben  ihres  Sohnes  bete.    Masona  crwiederte:  Um  was  icl 
gebetet  habe,  um   diess  habe   ich    gebetet^).      Am   dritten    Tage    starb 
der  ErzdiakoD.     Geraume  Zeit  nachher  starb  Masona  „unter  den  Wor- 
ten des  Gebetes  im  Frieden"*).     Ihm  folgte    im  Bisthume    Innocentiii.« 
Die  Bi-  (606  —  c.  616),  /icr  durch  sein  gottgefälliges  Gebet  vielfach  Regen  tür  du 
w    dürren  Fluren  erflehte.  Der  edle  Gothe  Renovatus  (616—632)  folgte  ihni, 
centius  geschmückt  von  Gott  mit  herrlichen  Gaben  des  Geistes  wie  des  LeibfS. 
n.Reno-  jjj.  ^g^.  ^^yon  hohcm  Wuchsc,  lieblichem  Augcsichtc,  und  wunderbar  zum 
Anblicke;    aber  sein  Inneres  war  noch  herrlicher  erleuchtet   durch   dai 
Licht    des    heiligen    Geistes".      Schon  im    Jahre  633   war    StephaDUS 
Metropolit. 

Der  Name  eines  Paulus  von  Emerita  kommt   im  Altcrthum    und 
im  Mittelalter  nicht  vor,    er  erscheint  erst   im    siebeuzehnten  Jalirhuu- 


« 


')  Woniua  wir  reichliche  Auszüf^e  mit^othcilt.    K.-(J.  2,  1.    S.  421  -  l'i'i. 

')  ut  cum  magno  comituiu  puerorum  auperhus  cquo  vehenfe  huc  afquc 
illuc  properaret  Man  erinnerr.  sich  an  den  heiligen  Ulrich  von  Angsbnrg,  der 
seinen  Neffen  Adalbero,  an  den  heiligen  Franciscus  von  Assisi,  der  den  pompiiseo 
Elias  von  Cortona  zum  Nachfolger  sich  bestellte. 

■)  quod  oravt,  oravi,  cp.  20. 

*)  cp.  21.  —  Florez,  t  13,  p.  180--206. 


Leben  der  Väter  von  Emerita.  116 

dort.  Wir  haben  viele  spanische  Schriftsteller  vor  dem  achten  Jahr- 
hundert, deren  Werke  verloren,  deren  Namen,  sammt  den  Titeln  ihrer 
Werke  uns  erhalten  sind.  Wir  haben  nur  zwei  Schriftsteller,  deren 
Schriften  uns  zwar  erhalten,  deren  Gedächtniss  uns  aber  nicht  über- 
liefert ist,  es  ist  Paulus  von  Emerita  und  der  Abt  Valerius  aus  Gali-  p»«!«« 
cien.  Das  Schweigen  über  Valerius  erklärt  sich;  er  lebte  am  Ende  slariu 
dieses  Jahrhunderts  zu  einer  Zeit,  wo  kein  spanischer  Schriftsteller 
mehr  über  die  Schriftsteller  der  früheren  Zeit  geschrieben  hat.  Paul 
von  Emerita  lebte  aber  um  632 — 640,  und  das  Schweigen  über  ihn  ist 
räthselhaft. 

Mit  dem  Zweifel,  ob  ein  Schriftsteller  dieses  Namens  überhaupt 
gelebt  habe,  kam  ich  nach  Spanien,  und  ich  sah  mich  auf  die  Hand- 
schriften „der  Väter  von  Emerita"  angewiesen  (1865).  Die  fünf  oder 
sechs  Handschriften,  welche  dafür  ausgegeben  werden,  stammen  aber  ans 
dem  fünfzehnten  bis  sechzehnten  Jahrhundert«  Eine  der  altem  scheint 
mir  die  des  Bischofs  Joann.  B.  Perez  von  Segorve  (1592 — 1597)  zu 
sein,  welcher  eine  Sammlung  historischer  Schriften  aus  der  Zeit  der 
Gothen  hinterliess,  welche  damals  im  Drucke  noch  nicht  erschienen 
waren  ^).  Es  sind  vierundzwanzig  Schriften  darin  enthalten,  darunter 
„Das  Buch  (Paulus,  des  Diakons  von  Emerita)  über  das  Leben  und 
die  Wunder  der  Väter  von  Emerita."  Perez  nahm  diese  Schrift  aus 
einein  alten  Buche  des  Klosters  Carrazedo  bei  Oviedo,  zugleich  mit 
den  „vitae^  anderer  Heiligen.  Dort  stand  sie  hinter  den  Schriften  des 
Valerius  „ohne  den  Namen  irgend  eines  Verfassers"*).  Sie  befindet  sich 
ferner  in  der  Kirche  von  Oviedo,  und  in  dem  Kloster  von  Valparaiso. 
Sie  befand  sich  ferner  in  der  Kirche  zu  Siguenza  und  Toledo,  jezt 
aber  (d.  i.  1596)  fehlt  sie." 

Dagegen  befindet  sich  seit  der  Aufhebung  der  Klöster  in  Spanien 
(1835)  ein  liturgischer  Codex,  ein  sogenanntes  Sanctorale  aus  dem 
vierzehnten  Jahrhundert  in  der  königlichen  Akademie  der  Geschichte, 
worin  sich  u.  a.  das  Leben  der  Bischöfe  Paulus  und  Fidelis,  und  ge- 
trennt von  ihnen  das  Leben  des  Bischofs  Masona  findet.  In  einem 
andern  Codex  von  San  Milan  de  la  Cogolla  (den  ich  nicht  gesehen), 
findet  sich   ein  Kapitel:   „Die   Heiligen   von   Emerita"^).    Unter  den 


^)  Hoc  volumine  continentur  hi  auctores  antiqui  nondvm  impressi,  qui 
ad  gothicam  Hispaniae  historiam  pertinent,  Transcripti  et  emendaii  ex  codi- 
cibus  manuscriptis.  Die  Handschrift  ist  ungewöhnlich  schön  und  lesbar  geschrie- 
ben. —  lieber  den  Inhalt  des  Codex  handelt  sehr  ausführlich  J,  E.  Villanueva, 
Viage  literario,  t  III,  Madrid  1804  (Bisthum  Segorve),  p.  196'"206. 

')  sine  ullo  nomine  auctoris. 

')  Memoria  descriptiva  de  los  Codices  riotahles  cofiservados  cn  los  archi- 
vos  ecclesidsticos  de  Espanna,  escritapor  Jos^  Maria  deEguren  {obra  premiada), 
Madrid  1859,  p.  54-62  (Codices  litürgicos). 


116  Achtes  Buch.    Siebentes  Kapitel. 

Neuern  spricht  n.  A.  Lenibke  Zweifel  über  die  Aechtheit  der  Schrift 
des  Paul  von  Emerita  aus,  indem  er  sich  u.  A.  an  Ausdrücken,  wie 
caballum  levare  stosst^).  Meine  Ansicht  ist,  dass  die  Schrift  selbst, 
nach  ihrem  Hauptinhalte,  alle  Spuren  der  Aechtheit  an  sich  tnigt,  dass 
aber  der  Name  des  Verfassers  unbekannt,  und  dass  Paulus,  der  Diakon, 
ein  fingirter  Name  sei.  Der  Verfasser  dieser  „Vitae^  hatte  u.  A.  die 
berühuitc  Sclnrift  Gregor's  I.:  „Dialoge,  gehalten  über  das  Leben  und 
die  Wunder  der  Väter  Italiens",  und  seine  Schrift  ist  eine  theilwcisc 
Nachahmung  der  Dialogc^^,  Gregor  I.  hielt  seine  „Dialoge^*  mit  dem 
Diakon  Petrus  von  Koni,  und  „Paul,  der  Diakon",  schrieb  sein  Leben. 
Den  Herausgebern  unserer  ,fVitae^^  mag  es  passend  erschienen  sein, 
den  unbekannten  Verfasser  der  „vitae'^  Paulus  zu  nennen.  Das  Werk 
selbst  hat  Perez  in  Kapitel  mit  Inhaltsangaben  abgetheilt,  der  Ueber- 
sichtlichkeit  wegen. 

In  der  jezigen  Form  gab  das  Werk  zuerst  Bartiabas  Marens  de 

Vargas  aus  Emerita  heraus,   der   zur  Verherrlichung  seiner  Vaterstadt 

nicht  Weniges  erdichtete^);    dann  Th.    Taviajo  de  Vargas    (cum   notis, 

Antverp.  1638)*)^  hiaraui' Bivar,  die  „Vitae^  zerlegend  in  viele  Theile'*). 

Das  Leben  des  Nunctus,   Fidelis   und  llenovatus   steht   auch    bei    den 

Bollandisten   an    geti*ennten    Orten.     Den   Text   des  Tamajo   licss   der 

Cardinal   AguiiTe  in    seiner   Ausgabe   der  Concilien   von   Spanien    ai»- 

drucken*).    Dann  erschien  die  Ausgabe  des  II.  Florez. 

»■«g«  An    der  Aechtheit   der  Vorrede   und   der   drei   ersten  Kapitel  z« 

Accht-  zweifohl  dürfte  erlaubt  sein.     Die  Vorrede  und  das  erste  Kapitel  hängni 

hcit  der  enge  zusanunen.     Auffallend  ist,   dass    eine  Schrift,  die  ein  Leben  d«! 

'„Väter"  von  Emeriti  ankündigt,  mit  dem  Knaben  Augustus  beginnt "i. 

Auftallcnd  ist  sodann  der  Name  „Augustus"  auch  dem  II.  Florez,   \\tii 

derselbe  in  Spfinien  nicht  vorkomme*').    Sodann  ist  der  Inhalt  der  Vis^ion 


')  F.  W.  I^emhke,  Geschichte  von  Spanien.   Ilamb.  1831.  Bd.  1.  S.  iVJ. 

')  K.-G.  2.  2.  S.  4.  —  Fhrez,  t  LH,  p.  327  et  335.  —  cf.  die  Prae/atu 
der  Vitae  P.  Emerit, 

■'')  Paulus  Dia>conuSj  de  m'fa  et  miraculis  Patruin  Emerit.  Madrid  /6V).'. 
4^  mit  lateinischen  Noten  v.n  jedem  Kapitel. 

^)  Antwerp.  1G38,  nach  vier  alten  nnd  vier  neuen  M.  S.,  worunter  das  v(ni 
Perez,  pp.  158. 

")  Jiirurii,  Franc,  notae  ad  Chroniam  {Pseudo-)  Maxiini,  Mafrifi  I^i.^i 
J'oL,  //.  515-521,  5.H2-534,  5Sr,~59(),  C/J,  n5:>\  Od  1-661,  66s ,  7/1 ,  7U 

•')  Affuirre ,  I,  11^  y;.  63U.  ---  Tamajo  de  SahiTMr  nahm  in  sein  .spaniscirt? 
MartynJogiuin  die  Kapitel  üher  Bischof  Mjisona  auf  (///,  30). 

')  Er  heisst  sogar:  Puendus  quidam^  mm  grandi  adhuc  acfat^,  et  u' 
planius  dicam  ephaehus,  nomine  AuguMus. 

")  Florez,  13,  p,  323—326,  Augusto,  voz  parficular,  por  vi  poco  u$o  qto 
sc  halla  de  este  nombre  en  Espanna,  y  acaso  (/)  en  MMda  tuvo  a/guna  froju- 
encia  por  e^pecial  propcnsion  al  fundador. 


§.  4.    Leben  der  Väter  von  Emerita.  117 

derart,  dass  es  auch  ein  gewöhnliches  Tranmgesicht  sein  konnte.  —  Der  i>i«  <ir«i 
Inhalt   des   zweiten   Kapitels   erscheint    uns   durchaus   unglaubwürdig,  ^^i 
Ein  Mönch  von  Cauliana,   der  überaus   gefrässig   ist,   wird   lange   mit    der 
Schlägen  von  seinem  Abte  gezüchtigt,  und  bessert  sich  nicht.     Da  hat  ^^^^ 
der  Abt  Mitleid  mit   ihm,   und   befiehlt,   ihm   alle  Speisekammern  zu 
öffiien  und   ihn   „bis  zum  Erbrechen"   essen,   trinken   und  wegnehmen 
zu  lassen,  um  zu  sehen,  was  dieser  Mönch  nun  anfangen  werde.     Ins- 
geheim  aber   lässt   ihn   der   Abt   auf  allen   Wegen   beobachten.     Der 
Mönch  aber  ass  und  trank,  dass  er  von  Sinnen  kam,  und  kaum  mehr 
weiter  gehen  konnte.    Er  stahl  auch  Gefässe  mit  Wein,  die  man  „Bou- 
teillen  oder  Flaschen"  heisst  ^),  und  verbarg  sie  in  einem  nahen  Garten. 
So  trieb  er  es  lange,  sehr  lange,  bis  Knaben  ihm  zuriefen:  Erwäge  das 
schreckliche  Gericht  Gottes  u.  s.  w. 

Den  Ursprung  dieses  Kapitels  suche   ich   in   dem  Localpatriotis-    i>er 
mus  des  Moreno  de  Vargas  aus  Emerita.     Nicht  lange,  bevor  er  unsre  ^^^ 
Schrift  herausgab,  entdeckte  der  Chronist  Ambrosius  Morales  den  Brief 
eines  Mönches  von  Cauliana,   gerichtet   an    König   Reccared,   weil   er 
auf  dessen  Gchciss   wegen  Uusittlichkeit   aus   dem  Kloster  vertrieben 
wurde.    Tarra  versichert  mit  aller  Energie  seine  vollkommene  Unschuld. 
—  Sein  Brief  aber  ist  sehr  dunkel  geschrieben,  so  dass  man  Verschiede- 
nes aus  ihm  herauslesen  kann.  DerHerausgeber  der  Schrift  über  die  Väter 
von  Emerita  ersann  nun  (vermuthe  ich)  einen  wenig  gehingenen  Roman, 
indem  er  einen  Mönch  von  Cauliana  nicht  der  Uusittlichkeit,    sondern 
dem  Frass  und  der  Völlerei  fröhnen ,  durch  Knaben  aber  sich  bekehren, 
reumüthig  und  wie  einen  Heiligen  sterben  lässt.     Als  später  der  Anas- 
Fluss  Cauliana  zum  Theil  zerstörte,  trat  der  Leichnam  dieses  Mönches    du 
zu  Tage.     „Aus  dem  Grabe    stieg  ein  Geruch  wie  von  Nektar  empor;  ^***'*' 
der  Leib  selbst  aber  fand  sich  unversehrt,   so  frisch,  wie  wenn   er  an     na. 
demselben  Tage  wäre  beerdigt  worden,    so    dass    weder    seine  Kleider 
noch  seine  Ilaare  im  Mindesten  verlezt  waren."     Durch  dieses  Kapitel 
war  also  der  Mönch  Tarra  von  Cauliana  gerechtfertigt^). 

Auch  das  Kapitel  über  den  Abt  Nunctus  (auch  Nanctus)  hat  j^^ 
einen  sehr  befremdlichen  Inhalt.  Nachdem  Nunctus,  wie  wir  oben  NonctnH 
hörten,  getroifen  vom  Blicke  einer  Frau,  zu  Boden  gestürzt  war,  ver- 
barg er  sich  ganz  in  einer  Einöde.  Der  Ruf  seiner  Heiligkeit  kam  zu 
dem  Ariancr  Lcovigild,  der  dem  Nunctus  ein  Gut  des  Fiscus  schenkte, 
das  er  nur  widerstrebend  annahm.  Die  Leute,  die  auf  dem  Gute 
woluiten,  und  des  Nunctus  ärmliches  Gewand  und  niedrige  Haltung 
sahen,  meinten,  es  sei  besser  für  sie,  zu  sterben,  als  einem  solchen 
Herrn  zu  dienen  —  und  da  Nunctus  bald   darauf  in   den  Wald  ging, 


')  qude  usitaio  nomine  Guillones  mit  Fla^cones  appellant, 
»)  Der  Brief  des  Tarra  op.  Florez,  XIIL  p.  414—415. 


118         Achtes  Bach.  Siebentes  Kapitel. —  §.4.  Leben  d.VSter  v.Emerita. 

nm  dort  einige  Schafe  zu  hüten,  überfielen  sie  ihn  und  todteten  ihn 
gransam.  Die  Uebelthater  wurden  vor  Leovigild  geführt,  der  sagte: 
Lasst  sie  frei  gehen,  haben  sie  einen  Knecht  Gottes  getudtet,  so  möge 
Gott  sie  strafen.  So  geschah;  von  den  Banden  frei  —  wurden  sie 
sogleich  von  den  Dämonen  ergriffen^  welche  sie  mehrere  Tage  grausam, 
und  zulezt  zu  Tode  quälten. 

In  der  Annahme,  dass  diese  drei  ersten  Kapitel  nicht  acht  seien, 
unterstüzt  uns  Bivar,  der  bekannte  Herausgeber  und  Erklärer  der  fal- 
schen Chroniken.  Er  entdeckte,  wie  Florez  zugibt,  eine  der  besten 
Handschriften  des  sogenannten  Paulus  von  Emerita,  aber  in  ihr  fehlen 
unsere  drei  Kapitel,  und  in  seiner  Ausgabe  fehlen  sie  auch.  Fälschlich 
wirft  ihm  Florez  vor,  dass  er  aus  dem  Eingange  zum  Leben  des  Bi- 
schofs Paulus  hätte  sehen  können,  dass  Etwas  fehle,  weil  Paulus  von 
Merida  sage,  „wie  wir  oben  versprochen  haben"*). 

Darnach  gelange  ich  zu  folgendem  liesultate.  Der  Name  des 
Verfassers  der  Väter  von  Emerita  ist  nicht  bekannt.  Die  Schrift  aber 
ist,  vielleicht  mit  Ausnahme  der  Einleitung  und  der  drei  ersten  Kapitel, 
durchaus  acht  und  ein  wichtiger  Beitrag  zur  Aufklärung  der  spanischen 
Kirchengeschichte.  Diese  Schrift  wurde  verfasst  um  die  Mitte  des  sie- 
benten Jahrhunderts,  und  fand  Aufnahme  in  den  liturgischen  Schriften, 
unter  den  „Vitae  8anct(yn^m^.  Sie  kam  von  Emerita  zur  Zeit  der 
Mauren  in  die  nördlichen  Provinzen,  und  von  da  wieder  bei  der  fort- 
schreitenden Wiedereroberung  Spaniens  nach  Süden  (Burgos,  Siguenza, 
Toledo).  Im  Mittelalter  war  sie  nicht  unbekannt.  Denn  König  Al- 
fons  ni.  (866 — 910)  von  Leon  schrieb  in  Betreff  dieses  Werkes  an 
den  Klerus  und  das  Volk  von  Tours  (im  Jahre  906):  „Wir  besizen 
das  Leben,  die  Tugenden  und  die  Wunder  vieler  hervorragenden  Män- 
ner, wie  z.  B.  der  von  Emerita,  in  guter  und  klarer  Weise  geschrieben, 
welche  in  eueren  Archiven  sich  nicht  befinden,  und  welche  wir,  so  es 
euch  dienen  wird,  gerne  an  euch  senden  werden"^). 


')  Einleitung  zum  vierten  Kapitel:  nunc  ea,  quae  omnibus  modis  nota  sunt. 
simpliciter  veraciterque  narremus  —  dann  heisst  es  nach  einem  längern  Zwischen- 
sätze: ideo  sicut  superius  polliciti  sumus,  simpliciter  sanctorum  patrum  mira- 
cula  intimemus.  Demnach  bezieht  sich  „superius^*  auf  das  vorliegende  (jetzt  vierte) 
Kapitel,  nicht  aber  auf  die  Einleitung  zum  jezigen  ersten  Kapitel,  wo  von  ^ einer 
einfachen  Erzählung''  keine  Rede  ist,  sondern  nur  von  Gregor  L  und  dem  Knabeo 
Auguatus. 

')  Nos  quoque  mtdtoj'uni  virorum  ülvstrium  vif  am,  virtutem,  et  mirabilia, 
utpote  Emeritensium,  evidenter  ac  sapienter  amscripta  habcmus,  quae  ut  re- 
(meymoror  in  Archivis  vestris  non  liahentur,  Quod  si  v>obis  utilitas  fuerit,  di- 
rigere  ea«  procurabimus  {ex  epist.  ad  clerum  et  papulum  Turonensem,  in  Bi- 
hliotheea  Cluniacensi,  cum  notis  Andr.  Quercetani,  coL  ÖO.  —  Florez,  XiJ» 
p.  346^349), 


Achtes   Kapitel. 


Fünfte  Ms  eilfte  Synode  von  Toledo.  —  Synode  von  Eme- 

rita.  —  Die  Könige  Cliinflia,  Cliindaswintii  nnd  ReceswinUi. 

Eugen  II.  (III.)  nnd  Udefons  von  Toledo. 

§•  1. 

Nach  Siscnand  (gestorben  636)   regierte  ChinHlsL.    Sogleich   ver-    si««- 
anlasste   er,    dass    die    (fünfte)    Synode    von   Toledo    gehalten    wurde   "*"*' 
(636).     Es  sollte  ein  Nationalconcil  sein.     Von  den  sechs  Metropoliten 
war  nur  Eugen   von  Toledo  zugegen,   der   demnach   auch    den  Vorsiz 
führte.     Er  wie  Chintila  standen  im  ersten  Jahre  ihrer  Regierung.    Die 
Versammlung  wurde,  wie  die  späteren,  in  der  Kirche  der  heiligen  Leo-  Synod« 
cadia  gehalten.     Die  Bischöfe   danken   Gott,   nach   dessen  Willen   sie^^"^,^ 
berufen  sind,  sie  danken  ihm  wegen  des  Regierungsantrittes  des  rühm-  BUoh«- 
reichen   Fürsten  Chintila,   der   mit  den  Grossen   und  Aeltesten   seines 
Hofes  in  die  Sizung  kam,    sich  demüthig    den  Gebeten  Aller  empfahl, 
und  seiner  Umgebung  ein  Gleiches  zu  thun  befahl.     Auf  seinen  Antrag 
oder  nach  seinem  Wunsche  befehlen  die  Bischöfe: 

1)  Jährlich  sollen  im  Gothenreiche   vom    13. — 15.  December  Li-  canoaM 
taneien  (Bittandachten)   um  Vergebung   der  Sünden   stattfinden.     Fällt  ***•""  **•• 
der  Sonntag  dazwischen,  so  sollen  sie  in  der  folgenden  Woche  gehal-    reich, 
ten  werden.     Weil  neue  (vorher  nicht  gekannte)  Uebelthaten  begangen 
werden,  sollen  neue  Sühnungsmittel  ihnen  entgegentreten. 

2)  Was  in  der  „allgemeinen  und  grossen  Synode"  (von  633)  über 
den  König  beschlossen  worden ,  werde  mit  Bezug  auf  den  König  Chin- 
tila beobachtet.  Die  Güter  seiner  Familie  sollen  ihr  bleiben  und  ihr 
nichts  entzogen  werden  (auch  nach  dem  Tode  des  Königs  durch  seinen 
Nachfolger  nicht). 

3)  Weil  der  Eine  und  Andere  unberufen  nach  dem  Königthum 
trachtet,  den  nicht  Geburt  oder  Verdienst  adelt,  so  treffe  die  Schul- 
digen das  Anathem« 


i 


irntor- 


120  Achtes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

4)  Nicht  weniger  Jene,  die  auf  abergläubische  Weise  den  Tod 
des  Fürsten  zu  erfahren  suchen,  um  dann  selbst  an  seine  Stelle  zu 
treten,  oder  die  zu  Lebzeiten  des  Königs  Plane  für  die  Nachfolge  in 
der  Regierung  schmieden« 

5)  Ebenso,  wer  Verwünschungen  ausstosst  gegen  den  Fürsti?n. 

6)  Die  Treuen  des  Fürsten,  die  ihn  überleben,  sollen  in  ihren 
Besizungen  nicht  verkürzt  werden. 

7)  Auf  jedem  Concile  Spaniens  soll  der  Kanon  75  des  „allgemei- 
nen Concils"  (vom  Jahre  633)  laut  verlesen   und    eingeschärft  werden. 

8)  Das  Recht,  zu  vergeben  denen,  die  sich  in  obigen  Dingen 
verfehlt,  wird  dem  Könige  vorbehalten. 

9)  Gott  sei  Ehre,  dem  König  Dank,  Sieg  und  lange  Herrschafl 
Es  unterschreibt:   „Eugen  j  durch  Gottes  Erbarmen  Metropolitan- 

tcn.  bischof  der  Toletanischen  Kirche^^;  nach  ihm  Conantius  von  Palentia, 
Bischof  über  30  Jahre,  dessen  Tod  nach  gewöhnlicher  Annahme  639 
erfolgte,  sodann  die  Bischöfe  Braulio  von  Zaragoza  und  Oja  von  Bar- 
cino,  welche  mit  Elpidius  von  Turiasso  die  einzigen  aus  der  Provinz 
Tarraconensis  Anwesenden  waren,  während  Wiaricxis  von  Ijissabon 
allein  aus  der  Provinz  Lusitanien,  aus  den  Provinzen  Baetica,  Galizicn 
und  aus  der  Narbonnenschen  Provinz^)  Niemand  zugegen  war.  Sech- 
zehn Bischöfe  (mit  Conantius  17)  waren  aus  der  Carthaginensischen 
Provinz.  Zwei  Vicare  abwesender  Bischöfe  waren  aus  derselben  Pro- 
vinz (von  Cazlona  und  Segobriga). 

Der  Synode  ist  ein  Decret  des  Königs  vom  30.  Juni  beigegeben, 
wodurch  deren  Beschlüsse  bestätigt  werden.  Welcher  Abstand  au 
Bedeutung  und  Würde  zwischen  dem  vierten  und  fünften  C-oncil  voi 
Toledo  ist,  das  braucht  nicht  erst  bewiesen  zu  werden.  Oflenbar  gin;: 
hier  der  Episkopat  zu  suhr  in  die  Anschauungen  und  Intci-essen  des 
jeweiligen  vorübergehenden  Kegenten  ein  und  darum  auch  in  densel- 
ben auf^). 


')  Floi*ez  sagt:  ein  Bischof  sei  aus  Narbonne,  einer  aus  Galicien  dagcwestn, 
welche  ich  nicht  finden  kann.  Cf,  Esp.  sagradu,  F/,  169  —  174.  Auch  ihm  i?t 
dieses  ein  Nationalcoiicil ,  wa»  man  mit  einigem  Grunde  bestreiten  kann ,  da  die  vier 
Bischöfe  aus  andern  Provinzen  auch  zutaHig  anwesend  sein  konnten.  —  Cf.  JJarduin, 
111,698— 600.-^  fjabbS-Coietht  V  1,483 -488.  — Maiisi.  X,C>54-^66S.-  Agnirre. 
prima  edü.,  II,  507—711;  cd,  Aguirre-CataUmi,  III,  403—407.  —  Braius,  /,  l'^.V 
—  Tejada  y  Ramiro,  cdÜ.  prhna  et  secunda,  II,  818—324.  —  Ile/ele,  ('oncihen. 
III,  1868,  pag.  81-82.  —  A.  Uelfferich,  Westgothenrecht,  1858.  S.  79—82. 

*)  Was  A.  Helfferich  und  Fei,  Dahn  (die  Könige  der  Germanen,  die  West 
gothen)  auch  sehr  scharf  hervorheben. 


§.  2.    Die  Bochste  Synode  von  Toledo.  121 


§.  2.    Die  sechste  Synode  von  Toledo. 

Schon  im  Januar  des  Jahres  638  wurde  nach  dem  Wunsche  des-  synod« 
selben  Königs  die   sechste  Synode   von   Toledo   gehalten,   welcher  52^*^^ 
Bischöfe  anwohnten.    Von  6  Metropoliten  wohnten  5  derselben  an,  nur  tohoren. 
der  von  Emerita    fehlt.     Sie   nennen   sich   selbst   schon    im  Eingange. 
Wir  Selva  (von  Narbonne),  Julianus  (von  Bracara),   Eugenius,   Hono- 
ratus  (Spalensis  ecd.  episcopus  =  Hispcdensis),  Protasius  (von  Tarraco), 
die  Metropolitanbischöfe,   und  die  andern  Mitbischöfe  derselben,  sowie 
deren  Stellvertreter,  die  Priester.    Schon  seit  Langem  habe  der  Bischof 
Marc(t)ianus   von   Astigis,   der   in   dem   Concile   von   Sevilla   falscher  Bitehof 
Verbrechen  beschuldigt  und  abgesezt  worden,  an  das  jezige  allgemeine 


nas  nm. 


Concil  appellirt.  Er  sei  schon  in  dem  vorhergehenden  allgemeinen  A«tigta. 
Concil  (636  oder  633?)  gehört,  wieder  als  Bischof  eingesezt,  aber  doch 
seinem  Bisthume  nicht  zurückgegeben  worden,  weil  die  Zeit  zur  ge- 
nauen Untersuchung  gefehlt  habe.  Man  habe  es  vorgezogen,  von  dem 
Mitbischofe  HabenthiSj  den  Martianus  zum  Nachfolger  erhalten  habe, 
und  von  den  Bischöfen,  welche  das  Urtheil  über  Martianus  gesprochen, 
sich  den  Thatbestand  darlegen  zu  lassen.  Von  seinen  Richtern  waren 
638  die  Meisten  schon  gestorben.  Seine  Unschuld  wurde  jezt  aner- 
kannt. Da  des  Martianus  Nachfolger  sich  schon  auf  der  Synode  von 
()33  einfand,  so  fällt  die  Entfernung  des  Martianus  vor  diese  Zeit. 
Isidor  von  Sevilla  scheint  an  ihr  nicht  unbetheiligt  gewesen  zu  sein, 
lind  Habentius  erscheint  als  sehr  schuldig.  Weil  Habcntius  noch  an- 
derer Dinge  schuldig  befunden  wurde,  besonders  einer  grossen  Härte 
gegen  seine  Mitbrüder  und  die  Familien  seiner  Kirche,  so  traf  ihn  jezt 
die  Strafe  der  Absezung,  und  Martianus  sollte  wieder  eingesezt  werden. 
Habentius  wird  einem  Bischof  zur  Aufsicht  übergeben,  bei  dem  er 
Busse  thue,  doch  soll  er  Bischof  (L  p.  infid.)  bleiben.  Die  noch 
lebenden  Richter  des  Martianus  haben  sich  durch  die  falschen  Zeugen 
gegen  ihn  irre  führen  lassen,  dcsswcgcn  hat  weder  Habentius  noch 
Martianus  gegen  sie  ein  Recht  zu  klagen.  Wer  mit  obiger  Sentenz 
nicht  zufrieden  ist,  werde  ausgesclilossen  und  seiner  Würde  beraubt 
So  wurde  entschieden  am  9.  Januar  638.  Unterschrieben  sind  die 
finif  Metropoliten,  35  Bischöfe,  ein  Presbyter  und  ein  Archidiakon. 

Auch    als    Anfangstag    der    Synode    selbst    ist    der    9.    Januar 
bezeichnet. 

1)  Das   erste  Decret   ist   ein  Bekenntniss   des   orthodoxen  Glau- 
bens.    „Der  Sohn  Gottes  hat  den  Menschen  angenommen"^). 


')  kominem  für  naturam  hominis,  und:  cum  eodem  homine  unus  constatper- 
sona,  cum  patre  et  spirüu  sancto  natura,  und  wieder:   cum  tota  cooperata  sit 


122  Achtes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

2)  In  dem  zweiten  Kanon  wird  die  im  Jahre  636  angeordnete 
dreitägige  Bittandacht  wieder  eingeschärft. 

3)  Der  König  hat  aus  Glaubenseifer  alle  Juden  aus  seinem  lleichc 
eher  d.  verbannt,  in  dem  nur  Katholiken  leben    sollen.    Im  Einklang   mit   den 

Vornehmen  des  Reiches  verordnen  die  Bischöfe,  dass  jeder  nachfol- 
gende König  in  dem  Eide  bei  Antritt  seines  Amtes  schwören  solle,  er 
wolle  den  katholischen  Glauben  aufrecht  erhalten;  doch  sollen  die  im 
Jahre  633  über  die  Juden  gefassten  Beschlüsse  aufrecht  erhalten  werden. 

4)  Kleriker,  welche  durch  Geld  kirchliche  Grade  erlangt,  seien 
ausgeschlossen  (wie  die  fehlenden  Bischöfe),  ja  ihrer  Güter  beraubt. 

6)  Wenn  ein  Kleriker  oder  sonst  Jemand  durch  einen  Bischof 
ein  Elirchengut  (stipeiidium)  zur  Beniizimg  erhält,  so  schreibe  er  unter 
der  Form  einer  Prccarie')  einen  Empfangs-Schein,  damit  nicht  durch 
seine  lange  Nuznicssung  der  Kirche  ein  Schaden  erwachse,  und  was 
er  zur  Nnzniessuug  erhalten,  soll  er  fleissig  bearbeiten. 

6)  Männer  und  Frauen,  welche  das  Gewand  der  Bekehrten  frei- 
willig angenommen,  der  Mann,  der  in  den  Chor  der  Kirche,  die  Frau, 
die  in  das  lüoster  eingetreten,  dürfen  nicht  mehr  austreten;  thun  sie 
es,  so  werde  der  Mann  geschoren,  das  Weib  in  das  Kloster  zurück- 
geführt. Die  sich  Weigernden  seien  ausgeschlossen. 
Ptowii-  7)  Wenn  die  (freiwilligen)  Pönitenten  wieder  in  die  Welt  zurück- 

Mton.  tehren,  so  sollen  sie  von  ihrem  Bischöfe  in  Klöstern  den  Gesezen  der 
Busse  unterworfen,  oder  sie  sollen  ausgeschlossen  werden,  wie  auch  die 
gegen  das  Verbot  mit  ihnen  Verkehrenden. 

8)  (Dagegen)  darf  (wie   P.  Leo  I.  verordnet)  ein  jüngerer  Mann, 
der  im  Falle  einer  Krankheit  unter  die  Büssenden  sich  eingereiht  hat, 
wenn    er  genesen   ist,   zu    seiner   früheren  Frau    zurückkehren;    ebenso 
eine  Frau.     Alles  aber  hänge  von   der  Entscheidung   des  Bischofs  ab. 
fnige-  9)  Die  Freigelassenen  der  Kirche   müssen  jedem   neuen  Bischöfe 

•"■«»«•ihre  Freilassungsscheine  vorzeigen,  ebenso  deren  Kinder,  und  das  Ver- 
sprechen ihres  Obsequium  erneuern.  Thun  sie  das  nicht  in  Jahresfrist, 
so  erlöschen  ihre  Freiheitsbriefe. 

10)  Die  Kinder  dieser  Freigelassenen  sollen  an  der  Kirche,  die 
sie  ernährt,  und  nicht  auswärts,  den  Unterricht  erhalten. 

11)  Personen,  die  kein  Klagrecht  haben,  sollen  zur  Anklage  nicht 
zugelassen  werden,  ausser  es  handle  sich  um  ein  Verbrechen  gegen 
den  König. 

12)  Wenn  Jemand  zum  Feinde  übergeht,  so  soll  er  längere  Busse 


Tnnitcuf  formatianem  suscepti  hominis  —  solus  tarnen  accepit  hominem  in  sin- 
gularitate  personae. 

';  sub  precarian  n^miine  debeat  professionem  acriöere,  Ducange  s.  v,  Prt- 
curia.  —  Walter,  Kirchenreclit,  §.  2iO. 


§.  2.    Die  sechste  Synode  von  Toledo.  123 

erhalten;  ist  er  reuig  und  flieht   er  zu  der  Kirche,   so   möge   die  Für- 
bitte derselben  ihm  zu  Gute  kommen. 

13)  Achtung  gebührt  den  höhern  Palastbeamten.  Die  p*- 

14)  Die  Getreuen  des  Königs  sollen  von  seinem  Nachfolger  nicht  faattn. 
geschädigt  werden  (Kanon  6.  der  vorigen  Synode). 

15)  Was  Könige  oder  Andere  der  Kirche  geschenkt  haben,   das 
darf  ihr  nicht  entzogen  werden. 

16)  Die  Kinder  eines  verstorbenen  Königs  dürfen   nicht  in  ihrem    Der 
Besize  oder  ihren  Würden  beeinträchtigt  werden.    Diese  Rücksicht  und 
diesen  Dank  schulden  wir  dem  König  Chintila. 

17)  Es  wird  aufs  Neue  verboten,  zu  Lebzeiten  des  Königs  Plane 
für  die  Nachfolge  in  der  Regierung  zu  schmieden. 

18)  Der  Kanon  75.  der  Synode  von  633  wird  neu  eingeschärft. 

19)  Gott  sei  Dank   und  Ehre,   dem  Könige   sei  Heil   und  lange 
Regierung. 

Es  unterschreiben  die  5  Metropoliten,  dann  der  älteste  Bischof  uoter- 
Conantius  von  Palentia,  hierauf  Leudefred  von  Corduba,  im  Ganzen  •***^'* 
43  Bischöfe,  dann  der  Priester  Gutisclus,  Vertreter  des  Erzbischofs 
Orontius  von  Emerita,  4  andere  Priester  und  Diakonen  als  Vertreter 
von  Bischöfen,  im  Ganzen  sind  es  53  Unterschriften.  —  In  der  obigen 
Sentenz  zu  Gunsten  des  Martianus  unterschreibt  Bischof  Sesiddus  von 
Emporias  gleich  nach  Conantius,  hier  aber  nicht.  Vielleicht  erkrankte 
oder  starb  er  auf  der  Synode.  Jene  Sentenz  trägt  nur  41  Unterschrif- 
ten, was  sich  vielleicht  daraus  erklärt,  dass  sich  am  9.  Januar  noch 
nicht  alle  Bischöfe  eingefunden  hatten  (vielleicht  auch  einige  nicht 
unterschrieben,  weil  sie  an  dem  Gerichte  gegen  Martianus  theil- 
genommen). 

Die  Sentenz  über  Martianus  findet  sich  nicht  in  den  eigentlichen  Die  Ae- 
Acten  der  Synode.  In  keinem  der  9  Codices,  nach  denen  Fr.  Ant.  g°^jjj|[ 
Gonzalez  die  spanischen  Synoden  (1821)  herausgab,  findet  sie  sich, 
darum  auch  in  keiner  Concilienausgabe,  mit  Ausnahme  der  neuesten 
von  Tejada  (1859).  Als  Florez  den  zehnten  Band  des  „heiligen  Spa- 
niens" und  das  Bisthum  Astigi  herausgab  (1753),  kannte  er  dieses 
Decret  noch  nicht.  Man  fand  es  einige  Jahre  später  in  Leon,  und  es 
ist  (mit  andern  Actenstücken)  dem  fünfzehnten  Bande  dieses  Werkes 
vorangeschickt,  welcher  1759  erschien.  Bischof  Martianus  war  vorher 
nicht  bekannt;  weder  er  noch  Habentius  ist  unter  den  Bischöfen  unsrer 
Synode  unterzeichnet^). 


•)  Agilirre,  Coric.  Hisp.  II,  ol2-'521.  —  ed,  Catalani,  175ii,  ITI,  407 -^ 
419.  —  Harduin,  lll,  602^610.  —  Mansi,  X\  639-^674,  —  Ed,  Labbe-Colet, 
VI,  1490—1502.  —  Florez,  VI,  174^184.  —  Bruns,  /,  249.  -  Tejada  y  Ramiro, 
II,  325-^349.  —  A.  Helfferich,  Westgothenrecht,  82—84. 


124  Achtes  Bucb.    Achtes  Kapitel. 


§.  3.    Die  siebente  Synode  von  Toledo. 

König  Chintila  starb  im  Jahre  640  und  sein  Sohn  Tulga,  ein 
Jüngling,  folgte  ihm  in  der  liegierung  ^).  lim  beseitigte  Chindastciiüh; 
Tulga  erhielt  die  Tonsur  und  das  Mönchsgewand  und  konnte  darum 
nach  der  Anschauung  jener  Zeit  nicht  mehr  König  sein  und  werden'-*) 
(l>42).  Mit  strenger  Hand  schlug  Chindaswinth  jeden  Widerstand  nieder; 
an  200  adelige  Gothen  und  500  aus  dem  Mittelstande  sollen  mit  dem  Tode 
gestraft  worden  sein.  Andere  wurden  verbannt,  die  Güter  der  Ge- 
straften eingezogen,  und  diese,  ja  selbst  deren  Frauen  und  Töchter, 
den  Getreuen  des  Königs  geschenkt.  Viele  wanderten  aus,  welche  mit 
fremder  Hilfe  zurückzukehren  drohten.  Zum  Theil,  um  die  von  dieser 
Seite  drohende  Gefahr  abzuwenden,  und  den  Frieden  im  Innern  zu 
befestigen,  berief  Chindaswinth  die  siebente  Synode  von  Toledo, 
18.  October  64G.  Nur  G  Canones  oder  Decrete  weist  die  Synode  auf. 
Voransteht  als  erstes  Kapitel  eine  lange  Auseinandersezung  über  die 
Lage  des  Reiches. 
>\o  Bi-  1)  „Tyrannen  und  Flüchtlinge"  haben  sich   in    grosser  Zahl    ins 

Lud  dM  Ausland  begeben,  zur  Schm'alerung  des  gothischen  Namens,  zur  bestän- 
*•>«*»•  digen  Arbeit  für  das  Heer  der  Gothen  (das  an  den  Grenzen  wacht). 
Darunter  sind  auch  viele  Geistliche.  Wenn  ein  Kleriker  vom  höchsteu 
bis  zum  niedrigsten  Grade  von  jezt  an  in  das  Ausland  zieht,  zum 
Schaden  und  in  Feindschaft  gegen  den  König  und  das  Volk  der  Go- 
then, wer  ein  Mitschuldiger  der  Flüchtlinge  ist,  der  geht  seines  kirch- 
lichen llanges  verlustig,  und  ein  Anderer  tritt  sogleich  an  seine  Stelle. 
Der  Schuldige  soll  bis  zum  Lebensende  Busse  thun,  und  dann  erst 
soll  er  die  Gemeinschaft  der  Kirche  wieder  erhalten.  Selbst  der  Köuiü; 
kann  Niemand  veranlassen,  die  Ausschliessung  aufzuheben.  Auch  kann 
er  den  Schuldigen  nur  den  zwanzigsten  Theil  ihres  Vermögens 
zurückgeben. 

Nimmt  aber  ein  Kleriker  (und  dieses  geht  wohl  die  Anhiinger  dts 
Chindaswinth  an)  zu  Lebzeiten  des  Königs  Pailei  lur  einen  Thron- 
bewerber, und  dieser  siegt,  so  wird  auch  dieser,  Bischof  oder  Kleriker, 
bis  zu  seinem  Tode  ausgeschlossen.  Tritt  der  König  hindernd  dazwi- 
schen ,  so  tritt  die  Excouimunication  sogleich  nach  dessen  Tode  wiedtr 
ein.  —  Laien,  die  im  Auslande  gegen  Spanien  agitiren,  trefic  Güter- 
cinziehung  und  Excouimunication,  wenn  nicht  die  Bischöfe  beim  Kr»nij^e 
lur  sie  Fürbitte  einlegen.     Wenn   Jemand   gegen    den   König    schmäht 


')  Cavanüks,  I,p.  229.  —  Lmnhke,  I,  96,  —  Ilclfferich,  Wcst^othenrcclit, 
S.  79-86. 

')  Nach  Cavanülc^  starb  er  am  10.  Mai  012, 


§.  4.    Die  siebente  Synode  von  Toledo,  646.  125 

oder  conspirirt,  den  überlassen  wir  der  Milde  des  Fürsten,  nicht  aber 
die  Kleriker  und  Laien,  die  im  Aaslande  sich  gegen  das  Vaterland 
verschworen. 

2)  Wenn  ein  Priester  bei  der  Messe  vor  der  Consecration  er- 
krankt, so  kann  ein  Bischof  oder  Priester,  wenn  er  nüchtern  ist,  die 
Messe  fortsezen. 

3)  Wenn  bei  dem  Tode  eines  Bischofs  —  nach  der  Verordnung  zarKir- 
der  Synode  von  Valencia  ^)  —  der   zur   Beerdigimg  geladene  Bischof  »ueht 
nicht  kommt,  so  soll  dieser  auf  Klagen  bei  der  Synode  oder  dem  Me- 
tropoliten auf  ein  Jahr  snspeudirt  werden.    Die  hiebei  säumigen  Priester 
aber  sollen  ein  Jahr  lang  in  einem  Kloster  Busse  thun. 

4)  Auf  Klagen  der  Pfarrpriester  in  Galicien  wird  den  dortigen 
Bischöfen  verboten,  die  Pfarrkirchen^)  mit  unnöthigen  Lasten  zu  be- 
schweren. Die  Bischöfe  dürfen  nur  zwei  Solidi  von  jeder  Kirche  jähr- 
lich erheben,  gemäss  der  Synode  von  Bracara^;  die  Klosterkirchen 
bleiben  ganz  frei.  Der  Bischof,  welcher  die  Kirchen  visitirt,  darf  die- 
selben mit  seinem  Gefolge  nicht  überbürden^),  auch  nicht  länger  als 
einen  Tag  an  einem  Orte  bleiben. 

5)  Kecluse  kann  nur  der  sein,  der  tadellos  vorher  in  dem  Kloster  *^'"" 
gelebt   hat.     Eigenmächtige   Rcclusen    sollen    von    den   Bischöfen   in 
Klöster  gebracht  werden,    sowohl  die   Reclusen  als   die   umherschwei- 
fenden Mönche.     Die  umherschweifenden  Mönche  sind  ganz  aufzuheben, 
Reclusen  aber  dürfen  nur  aus  den  Klöstern  hervorgehen. 

6)  Aus  Elu'furcht  vor  dem  Fürsten,   um   den   Siz  des  Königs  zu  Die  w- 
ehren,  und  zum  Tröste  des  Metropoliten  der  Hauptstadt  sollen   die  in  '^?^ 


0  K.-G.  2.  1,  S.  453. 

^)  parochitanas  ecdesias. 

')  K..G.  2,  1,  S.  463. 

^)  Alle  Codices  des  Ant  Gonzalez  lesen:  nee  unquam  quinquagenarium 
nv/merum  evectionis  excedat,  attt  amplius  quam  una  die  per  unamqtujvmque  ba- 
silicam  remorandi  lieentiam  habeat  Leztcrcs  ist  troz  der  feblcrhaften  Constni- 
ction  ganz  dentlich.  An  Ersterm  aber  sind,  da  es  eine  schwierige  Stelle  ist,  sammt- 
liche  Erklärer  vorübergegangen.  Ant.  Gromalez  schlägt  vor,  zu  lesen:  quinatium 
numenim,  und  scheint  die  Stelle  von  dem  Gefolge  des  Bischofs  zn  verstehen,  das 
5  Personen  nicht  überschreiten  solle.  Es  kommt  aber  auf  die  Bedentang  des  Wor- 
tes: evectio  an,  welches  in  dem  Register  zu  Isidor's  Werken  nicht  steht  Bedentet 
es  equis  oder  equitaturis  nach  Ducange,  so  wäre  der  Sinn,  dass  der  Bischof  nur  in 
einer  Begleitung  von  50  Pferden  oder  Gefährten  kommen  dürfe,  was  überraschend  viel 
wäre.  In  dem  Leben  des  Bartholomäus  a  Martyribus,  Erzbischof  von  Braga,  kom- 
men manche  An-  und  Nachklänge  an  diese  galicischcn  Zn-  und  Missstände  vor.  Florez 
übersezt:  „quc  no  sean  onerosos  en  la  Comitiva'^ ,  und  lässt  die  Zahl  (50)  ganz  aus; 
Tejada  folgt  dem  Ani.  Gonzalez  und  übersezt:  „no  debiendo  esceder  su  comitiva 
de  50  (5)  personas*'. 


126  Achtes  Bach.    Achtes  Kapitel. 

der  Nahe  von  Toledo  wohnenden   Bischöfe,   wenn  eme  Einladung  des 
Metropoliten  an  sie  ergangen  ist,  jährlich  einen  Monat  in  Toledo  woh- 
nen, jedoch  nicht  zur  Zeit  der  Ernte  oder  der  Weinlese*). 
(41)  Es   unterschrieben    die   4    Metropoliten:    Orontius   von    Emerita, 

jnter-  Autouius  von  ScviUa,  Eugenius  (der  jüngere)  von  Toledo,  Protasius 
von  Tarraco.  Es  fallt  auf,  dass  dieser,  der  doch  schon  638  Metropo- 
lit war,  an  lezter  Stelle  steht.  Allein  Florez  stellt  neben  die  Ausgabe 
des  Loaysa,  welcher  die  spanischen  Concilien  (1593)  zuerst  herausgab, 
und  wenigstens  erwählter  Erzbischof  von  Toledo  war,  die  Lesarten, 
d.  i.  den  Wortlaut  verschiedener  Handschriften,  deren  Reihenfolge  ist: 
Orontius,  Protasius,  Antonius,  Eugenius.  Es  folgen  die  Unterschriften 
von  26  Bischöfen.  Eilf  Priester,  Aebte  und  Diakonen  waren  Stellver- 
treter abwesender  Bischöfe.  Im  Ganzen  stehen  bei  Florez  41  Unter- 
Bcrifteu,  eben  so  viele  bei  Anton  Gonzalez  (und  Tejada),  nur  dass 
Lezterer  den  Protasius  von  Tarraco  an  vierter  Stelle  sezt^). 

§.  4.    Die  achte  Synode  von  Toledo. 

Konig  Chindaswinth  nahm  auf  die  Aufforderung  des  Bischofs 
Braulio  von  Saragossa,  der  sich  an  ihn  wandte,  seinen  Sohn  Reces- 
füinth  zum  Mitregenten  an^).  Dieser  Einladung  entsprach  Chindas- 
winth sehr  gerne;   er  widmete  den  Rest  seines   Lebens  Bussübungen 


')  Wir  fiuden  diese  Verordnung  frappant,  fast  ausschliesslich  „spanisch''. 
Auf  der  Synode  zu  Trient  haben  die  Spanier  am  meisten  für  die  „göttliche 
Pflicht  der  Residenz  der  Bischöfe"  geeifert,  was  ihnen  zur  Ehre  gereicht.  Wozu 
die  menschliche  Natur,  und  darum  auch  die  der  Bischöfe,  hinneigt,  das  wird 
hier  befohlen.  Erstaunlich  viele  Bischöfe  starben  in  Lissabon,  in  Madrid,  in  Paris, 
in  Wien,  in  Ofen -Pest,  in  Venedig,  in  Neapel,  in  Avignon  (1316—1368),  in  Rom. 
Aus  Paris  und  andern  Hauptstädten  wurden  die  Bischöfe  wiederholt  sich  zu  ent- 
fernen eingeladen.  Wir  glauben,  dass  nicht  bloss  die  benachbarten,  sondern  auch 
die  fernem  Bischöfe  sich  gern  in  Toledo  aufgehalten  haben. 

')  Gare.  Loaisa,  Colectio  Condliorum  Hispaniae,  Miür,  1593,  p.  402—415. 
-  S,  Aguirre,  II,  522-^528.  —  Äguirre-Catalani,  III,  419-^427.  —  Harduin, 
III,  619-626.  —  CoUect.  ConciL  Labhi-  Veneta,  VI,  1691—1602.  —  Mansi,  X, 
763—774.  —  Bruns,  I,  259.  —  Ferreras-Baumgartm,  II,  381—384.  —  Florez, 
VI,  185'-189.  —  Tefada  y  Ramiro,  II,  360—360. 

*)  Der  Brief  des  Braulio  hat  die  Ueberschrift:  Braulio  et  Eutropius,  die 
.Bischöfe  mit  den  Priestern,  den  Diakonen,  und  dem  ihnen  anvertrauten  gläubigen 
Volke,  sowie  (dem  Statthalter?)  Celsus:  Ad  tuam  pietateni  recurrere  decre7nv^us 
et  in  viia  t\ui,  et  te  benevalente  servum  tuuin  dominum  Recesvintum,  daminum 
nobis  et  regem  deposcimus,  vt  cuius  aetatis  est,  et  belligerare,  et  bellorum  sndo- 
rem  sufferre,  —  et  noster  possit  esse  Dominus  et  defensor,  et  serenitatis  vestrae 
refectio  etc.  —  Nam  etsi  incurrimus  petitionis  femeritatem,  non  vero  insoUmtia 
praesumtumis,  sed,  quam  praemi^imus,  cogitationis  necessitate.  Florez -Bisco 
t  30,  p.  373-374. 


§.  4.    Die  achte  Synode  von  Toledo,  653.  127 

und  den  Werken  der  Barmherzigkeit,  und   er  starb,  an  neunzig  Jahre 
alt  im  Jahre  652^). 

Bald  berief  Receswinth  die  Bischöfe  sowohl  als  die  Grossen  des  synod« 

aaa  VOQ      TD* 

Reichs  zu  der  achten  Synode  von 'Toledo,   die   am    16.  December  653,3^066«. 
eröffnet  wurde,   im  fünften  Jahre  des  Königs  Receswinth,   welcher  im 
Jahre  649  Mitregent  wurde. 

Die  Bischöfe  sind :  y^serenisaimo  jussu^  regis,  die  der  Synode  von 
646  waren  „ob  (regis)  votum*^  versammelt.  Aber  mit  Sehnsucht  haben 
sie  diesen  Tag  herbeigewünscht.  Der  König  kam  in  die  Versammlung^ 
empfahl  sich  den  Gebeten  der  Bischöfe,  dankte  ihnen,  dass'sie  auf 
seinen  Befehl  sich  versammelt  hätten,  und  hielt  eine  längere  Ansprache« 
Er  überreichte  ihnen  einen  Tomus,  in  dem  er  zuerst  seine  Rechtgläu- 
bigkeit versichert.  Dann  schlägt  er  vor,  die  frühem  strengen  Erlasse 
gegen  die  Verschwörer  und  deren  Mitschuldige  gegen  König  und  Reich 
zu  mildern,  denn  die  Zeiten  waren  jezt  weniger  gefährlich,  und  dass 
sie  den  Zeitverhältnissen  entsprechende  Beschlüsse  fassen,  in  Ueber* 
einstimmung  mit  den  Grossen  des  Reichs.  Da  Gott  alle  Häresieen 
aus  dem  Lande  entfernt,  seien  nur  die  Juden  übrig  geblieben,  von 
denen  viele,  obgleich  getauft,  dennoch  abgefallen.  Ueber  die  Behand- 
lung der  Juden  überhaupt  mögen  ihm  die  Bischöfe  ihre  Vorschläge 
machen.  Unter  12  Absäze  brachte  die  Synode  ihre  Verhandlungen,  is  De- 
Sie  sprach  zuerst  den  orthodoxen  Glauben  aus,  womach  der  heilige  ^'*^^ 
Geist  vom  Vater  und  vom  Sohne  zugleich  ausgeht.  In  der  zweiten 
Disputation  handelte  man  von  den  Verbrechern  gegen  den  König  und 
das  Land.  Es  traten  grosse  Differenzen  der  Ansichten  hervor.  Man 
suchte  eine  Ausgleichung  zwischen  den  geschwomen  Eiden  (sie  strenge 
zu  behandeln)  und  der  Nachsicht^  man  führte  die  Stellen  vieler  Kirchen- 
lehrer an,  die  zur  Milde  riethen,  und  mit  besonderm  Lobe  den  heiligen 
Isidor^);  die  Bischöfe  ziehen  es  vor,  ein  „Anathema  Christo  zu  sein^ 
für    ihre  Brüder,  als  bei  grausamen  Strafen  zu  verharren. 

3)  Die  Simonisten  werden  mit  dem  Anathem,  mit  Ausschliessung 
und  mit  beständiger  Busse  bedroht. 

4)  Den  Bischöfen  wird  im  Falle  unerlaubten  Verkehrs  mit  Frauens- 
personen mit  Absezung  und  Verlust  ihrer  Würde  gedroht. 

5)  Ebenso  sollen  fehlende  Priester,   die  sich  nicht  bessern,   zeit- 
lebens in  Kiöster  verwiesen  werden. 


*)  Chronologia  regum  Oothorum^  29,  —  Isidor  Pacensia  cap,  15.  •—  Fre- 
degar  c.  82,  —  Nach  Cavanüles  starb  er  den  30.  November  653,  S.  230-231.  — 
Lembke,  p,  Qß-^yg,  und  Edfferich,  p.  86. 

^)  nostri  quoque  saectUi  doctor  egregius,  Ecclesiae  catJiolicae  novissimum 
decus,  praecedentibus  aetate  postremus,  doctrinae  comparatione  non  infimus, 
et  qood  muiuB  est  in  saeealomm  fine  doettoslniiiSy  atque  cum  reverentia  nomi- 
nandus  Isidorus  (Hinweisung  auf  die  Sententiae  und  Synonyma), 


128  Aohtes  Bach.    Achtes  Kapitel. 

6)  Subdiakonen  dürfen  nach  Empfang  ihrer  Weihen  nicht  mehr 
heirathen.  Auch  sie  sollen  im  Falle  des  Widerstandes  bestandige 
Busse  thun. 

7)  Ebensowenig  Jene,  welche  in  Gefahr  oder  aus  Furcht  die 
Weihen  nahmen. 

8)  Die  Unwissenheit  der  Geistlichen  wird  beklagt. 

9)  Ebenso  die  Verlezung  des  Fastens  verboten.  Alte  und  Kranke 
müssen  sich  dispensiren  lassen. 

10)  Stirbt  der  König,  so  wird  sein  Nachfolger  (in  Toledo  oder 
am  Orte  des  Ablebens)  mit  Zustimmung  der  Bischöfe  und  der  Grossen 
des  Palastes  gewählt;  er  muss  das  Reich  gegen  Irrlehrer  und  gegen  die 
Juden  schüzen. 

11)  Die  allgemeinen  Decrete  der  Synoden  dürfen  nicht  vcrlezt 
werden  bei  Strafe  der  Ausschliessung. 

12)  In  Betreff  der  Juden  sollen  die  Beschlüsse  der  Synode  von 
633  aufrecht  erhalten  werden. 

Statt  der  gewöhnlichen  Unterschritten  heisst  es:  Dieser  Synode 
wohnten  an:  Orontius  von  Emerita,  Antouius  von  Sevilla,  Eugenius 
von  Toledo,  Potamius  von  Bracara,  Gabinius  von  Calahorra,  im  Ganzen 
52  Erzbischöfe  und  Bischöfe,  13  Achte,  1 1  Stellvertreter  von  Bischöfen, 
3  Herzoge,  14  Grafen.  Der  Synode  sind  zwei  Decrete  angehängt, 
welche  den  Nachlass  des  Königs  betreffen,  das  eine  ist  „Decreium  ju- 
dicii  universalis^ j  im  Namen  des  Königs  erlassen.  In  einem  andern 
Decrete  will  der  König  sich  selbst  und  seinen  Nachfolgern  gegen  un- 
gcrcclite  Erpressungen  und  Confiscationen  einen  Damm  sezen.  Es  wird 
ein  Unterschied  statuirt  zwischen  den  königlichen  Gütern  und  dem 
Privatvermögen  jedes  Königs ').  Als  weiterer  Anhang  findet  sich  eine 
Erklärung  der  Juden  vom  Jahre  G54,  worin  sie  dem  clu-istlichen  Glau- 
ben treu  bleiben  zu  wollen  versprechen. 

§.  5.    Die  neunte  Synode  von  Toledo 

am  2.  November  655  war  ein  Provinzialconcil  von  16  Bischöfen  der 
Carthaginensischen  Provinz.  Die  Bischöfe  sind  durch  „Ediert  der 
kanonischen  Bestimuinng",  d.  h.  wohl  auf  den  Ituf  des  Metropoliten  id 
der  Kirche  „der  heiligen  allzeit  jungfniulichen  Maria"  versaniniolt. 
Die  Synode    dauerte    bis   zum    24.    (oder    auch    28.)    November.      Es 


'  ')  IjoavfUj  416—417,  ■—  AguirrCt  II,r)38—ool.  —  Aguirre-Catalani^  Uly 

435-475.  —  Ilarduin,  111,952-072.  —  FaHL  Conc,  iMÖheo-Ventta,  VII. 
409-4/0.  —  Mansi,  X,  1206-1230.  —  Dmns,  J,  265.  -  Ferreras,  p.  393- 
398.  -  Florez,  VI,  189—195.  —  Tejnda  y  Ramiro,  II,  361-395.  —  IIc/cIa.',  III, 
91-92.  ^-IlelJI'crich,  Wcfttgotbcnrechf,  S.  81. 


§.  4.    Die  neante  Synode  von  Toledo.  129 

i^urde  beschlossen,  die  VerordDangen  der  neuem  Synoden  den  alten 
Kanonensammlungen  beizufügen.  Damit  aber  die  Beschlüsse  der  Bi- 
schöfe um  so  leichter  Eingang  fänden,  so  wollten  die  hier  Versammel- 
ten sich  selbst  durch  eine  Anzahl  von  Decreten  binden, 

1)  Die  Bischöfe  und  Kirchendiener  sollen  sich  aus  dem  Kirchen-  Synode 
gute  Nichts  aneignen.  Die  Erben  der  Stifter  können  die  Fehlenden "'  ^^ 
beim  Bischöfe  anzeigen,  und  ist  dieser  säumig,  bei  dem  Metropoliten. 

2)  Die  Erbauer  von  Kirchen  sollen  för  deren  Erhaltung  sorgen 
und  den  Bischöfen  geeignete  Rectoren  derselben  (zur  Weihe)  vor- 
schlagen, oder  der  Bischof  sezt  sie  mit  ihrer  Einwilligung  ein,  die  er 
unter  Strafe  der  Ungiltigkeit  seiner  Wahl  nicht  umgehen  darf. 

3)  Giebt  ein  Bischof ,  oder  Diener  (minister)  Jemand  zur  Belohn- 
ung Etwas  von  dem  Kirchengute,  so  muss  in  einer  Urkunde  der 
Grund  angegeben  werden,  sonst  ist  die  Urkunde  ungiltig. 

4)  Wenn  Bischöfe  oder  Verwalter  von  Kirchen  wenig  eigenes 
Vermögen  besizen,  so  sollen  sie  das,  was  sie  zur  Zeit  ihrer  Verwalt- 
ung erwerben,  ihrer  Kirche  verschreiben.  Haben  sie  ein  Inventar  ihres 
Vermögens,  so  soll  nach  Verhältniss  ihres  Vermögens  zu  ihren  kirch- 
lichen Einkünften  zwischen  der  Kirche  und  ihren  Erben  getheilt  werden. 
Ueber  Geschenke  kann  nach  Belieben  verfögt  werden.  Liegt  keine 
Verfügung  vor,  so  erbt  die  Kirche. 

5)  Will  ein  Bischof  ein  Kloster  stiften,  so  darf  er  darauf  nur 
den  fünfzigsten  Theil  des  Kirchenvermögens  verwenden,  tur  eine  Kirche 
nur  den  hundertsten  Theil;  doch  darf  er  nur  entweder  eine  Kirche  oder 
ein  Kloster  stiften. 

6)  Das  Drittel  des  Kirchenvermögens,  das  dem  Bischöfe  zukommt 
(für  Kirchenreparaturen),  kann  er  entweder  för  die  Kirche,  von  der  er 
es  bezieht,  oder  für  eine  andere  verwenden. 

7)  Die  Erben  eines  Bischofs  dürfen  sein  Vermögen  nicht  ohne 
Willen  des  Metropoliten  einziehen,  die  Erben  eines  Metropoliten  nicht 
ohne  Willen  des  Nachfolgers  oder  des  Concils^  die  Erben  anderer 
Geistlichen  nicht  ohne  Willen  des  Bischofs. 

8)  Hat  ein  Geistlicher  über  einen  Theil  des  Kirchenvermögens 
unrechtmässig  veifugt,  so  beginnt  die  dreissigjährige  Verjährungsfrist 
erst  mit  der  Zeit  seines  Todes. 

9)  Der  Bischof,  der  dem  verstorbenen  Bischof  die  Exequien  hält^ 
und  sein  Vermögen  aufnimmt,  darf  für  seine  Mühe  nur  ein  Pfund 
Gold  erbalten,  wenn  die  Kirche  reich,  ist  sie  arm,  ein  halbes  Pfund. 
Der  Metropolit  erhält  Nichts. 

10)  Kinder,  die  aus  der  Verbindung  eines  Klerikers,  vom  Bischof 
bis  zum  Subdiakon  —  mit  einer  Magd  oder  einer  Freigcbonien  ent- 
sprossen sind,  sollen  ihre  Eltern   nicht   beerben,    vielmehr  Eigentham 

Oami,  BpAn.  Kirche.    IL  2.  Q 


130  Achtes  Budi.    Achtes  Kapitel. 

(Sclavcn)  der  betreffenden  Kirche  bleiben;  die  Eltern  werden  kanoniscii 
bestraft. 

11)  Kirchensclaven  sollen,  bevor  sie  Kleriker  werden,  vom  Bi- 
schöfe freigelassen  nnd  nach  Verdienst  zu  höheren  Würden  beßirdert 
werden.  Wer  aber  in  Gesinnung  und  Wandel  ein  Sclave  bleibt,  soll 
in  die  Sclaverei  zurückkehren. 

12)  Will  ein  Bischof  Kirchensclaven  freilassen,  so  tritt  die  Frei- 
lassung nicht  mit  Ausstellung  der  Urkunde,  sondern  mit  seinem  Tode  ein. 

13)  Wegen  der  Excesse  der  Freigelassenen  der  Kirche,  deren 
Uebermuth  so  schmerzlich  ist,  wird  verordnet,  dass  sieh  dieselben  nicht 
mit  freigebornen  Hörnern  oder  Gothen  verheirathcn.  Ihre  Kinder  wird 
die  Kirche  nicht  als  Freie  anerkennen. 

14)  Geschieht  es  dennoch,  so  dürfen  die  Kinder  dem  Schuzrecht 
(obsequium)  der  Kirche  sich  nicht  entziehen^  sonst  verlieren  sie  die 
Güter,  die  sie  von  der  Kirche  erworben. 

15)  Die  Freigelassenen  der  Kirche  und  ihre  Nachkommen  sollen 
ihrer  Kirche  gern  zu  Diensten  sein. 

16)  Sie  und  ihre  Nachkommen  sollen  von  dem,  was  sie  von  der 
Kirclie  haben,  Nichts  an  Fremde  verkaufen.  Wollen  sie  verkaufen,  so 
mögen  sie  es  dem  Bischöfe  zum  Kaufe  anbieten.  Wollen  sie  aber 
ihren  Kindern  oder  Verwandten,  die  entweder  Sclaven  oder  Freigelas- 
sene der  Kirche  sind,  von  dem  Ihi-igen  verkaufen  oder  verschenken, 
so  steht  es  ihnen  frei« 

17)  Die  getauHen  Juden  sollen  an  den  Hauptfesten  der  Christen 
und  der  Juden  an  dem  Gottesdienste  der  Bischöfe  theilnchmen.  Wer 
es  unterlässt,  soll  nach  seinem  Alter  mit  Schlägen  oder  mit  Fasten 
büssen. 

Bis  zum  nächsten  1.  November  sollen  sich  die  Bischöfe  wieder 
zum  Concil  einfinden.  Zugegen  waren  bei  diesem  Concile:  Eugen  von 
Toledo,  Tajo  von  Saragossa,  der  nicht  zu  dieser  Provinz  gchr»iie, 
darum  ehrenhalber  zuerst  angeführt  ist,  Maurellus  von  Urgel,  die 
übrigen  13  waren  Suffragane  Eugen's,  8  Achte,  darunter  Ildefons  von 
Toledo,  der  Vicar  eines  Bischofs,  vier  Palastbeamte.') 


•)  Loaysa,  477— 4S7.  —  Affuirre,  If,  673-579.  —  Aguirrc-Catalani,  IW 
145-'162,-^IIardiiin,  HI,  972^97S.  -  FaUL  lAiJbheo-Vtneta,  Vlh  466-172. 
—  Man^i,  XI,  23-32.  —  Bruns,  /,  291.  —  hWreras,  ;>.  400-402.  -  Fforez, 
VI,  195-199.  -  Tejada  y  liamiro,  11,  396-406.  —  A.  Ileffferich,  87. 


§.  5.    Die  zehnte  Synode  von  Toledo.  131 


§.  5.    Die  zehnte  Synode  von  Toledo 

trat  am  1.  Deccmber  656  zusammen,  und  gilt  als  Nationalconcil,  war 
aber  als  solches  schwach  besucht.  Die  Bischöfe  sind  nach  dem  from- 
men Wunsche  des  Königs  und  nach  alter  Gewohnheit  zusammenge- 
kommen und  sind  über  folgende  Sazungen  übereingekommen. 

1)  In  Spanien  findet  wohl  Gleichheit  in  der  Feier  der  Feste  des   Marü 
Herrn,   aber   nicht  des  Festes  der  Verkündigung  Maria  statt.    Wegen  ^'*'«"^*»' 
der  Fasten  und  wegen  Ostern  muss  diess  Fest  oft  verschoben  werden. 
Seine  Feier   wird   für   ganz  Spanien    auf  den    18.   December    verlegt, 
Weihnachten  werde,  wie  bisher,  8  Tage  später  gefeiert 

2)  Wenn  ein  Kleriker  oder  Keligiose  seinen  Eid  gegen  K5nig 
und  Vaterland  verlezt,  so  soll  er  Amt  und  Würde  verlieren,  niu*  der 
König  kann  ihm  vergeben. 

3)  Kein  Bischof  darf  seine  Verwandten  oder  Günstlinge  über 
Klöster  oder  Pfarrkirchen  sezen. 

4)  Eine  Wittwe,  welche  das  Kleid  der  Religiosin  genommen,  muss 
schriftliche  Profess  machen,  dass  sie  in  Keuschheit  leben  wolle  (zu 
einer  zweiten  Ehe  nicht  schreite).  Zum  Zeichen  ihres  Gelöbnisses 
trage  sie  ein  purpurnes  oder  schwarzes  Tuch  auf  dem  Haupte. 

5)  Alle  Frauenspersonen,  die  das  Gelübde  der  Keuschheit  abge- 
legt, müssen  darin  verharren.  Sie  müssen  ihre  Gelübde  schriftlich  ab- 
legen, und  ihr  Haupt  mit  dem  Pallium  bedecken. 

6)  Haben  die  Eltern  einem  Kinde  die  Tonsur  oder  das  religiöse 
Kleid  geben  lassen,  oder  die  Kinder  aus  sich  es  angenommen,  und 
haben  die  Eltern  nicht  widersprochen,  so  bleibt  die  Verpflichtung*). 
Kinder  über  10  Jahren  sind  an  die  Einwilligung  ihrer  Eltern  nicht 
gebunden. 

7)  Es  geschieht,  dass  Geistliche,  Leviten  und  Katholiken  über- 
haupt, Christensclaven  an  Juden  oder  Heiden  verkaufen.  Diess  wird 
strenge  verboten  unter  ausführlicher  Motivirung  der  Gründe*). 

Während  dieser  Synode  übersandte  der  Metropolit  Potamius  von 
Braga  (auf  den  sich  vielleicht  der  Kanon  4  der  Synode  von  653  be- 
zieht) das  schriftliche  Bekenntniss  seines  Falles.  In  geheimer  Sizung 
vorgeladen,  gestand  er,  dass  er  sich  fleischlich  versündigt  und  darum 
seit  neun  Monaten  sein  Amt  niedergelegt  habe.  Wegen  seiner  Reue 
traf  ihn  nicht  die  volle  Strenge  der  Canones  (besonders  Kanon  4  der 
Synode  von  Valence  von  374);  er  verlor  seine  Würde  nicht  (wohl  aber 


')  Seidl,  Gottverlobung  von  Rindern,  1871,  l.  c.  p.  30-31. 
')  Damit  verp^leiche  man,  was  Agobard  von  Lyon  über  den  Handel  der  Ju- 
den mit  Christensclaven  berichtet. 

9* 


132  Achtes  Bach.    Achtes  Kapitel. 

sein  Amt),  und  sollte  bestandige  Busse  thun.  Der  heilige  Fructuomts, 
Bischof  von  Dumium,  wurde  sein  Nachfolger,  und  über  diesen  Wechsel 
konnte  sich  die  Kirche  von  Bracara  nicht  betriiben. 

Der  Synode  wurden  femer  die  beiden  Testamente  des  Bischofs 
Martin  von  Braga  und  des  jüngst  verstorbenen  Bischofs  Kecimir  von 
Dumium  vorgelegt  Kecimir  hatte  zum  Schaden  des  Kirchengutes  den 
Armen  zu  viel  vermacht  und  zu  viele  Sclaven  als  frei  erklärt.  Darum 
beschränkte  die  Synode  sein  Testament« 

Der  Synode  wohnten  an:  Eugen  von  Toledo,  Fugitivus  von  Se- 
villa und  Fructuosus  von  Braga,  nebstdem  17  Bischöfe  aus  verschie- 
denen Provinzen  und  5  Stellvertreter  von  Bischöfen^). 

§.  6. 

Bateni.  Justus  vou  Tolcdo  Starb  im  Anfange  des  Jahres  636,  und  schon 

Yon    im  Februar  war  ihm  Eugenius  gefolgt.    Auch  er  hatte  in  dem  Kloster 

'ö^«*»-  Agli  gelebt.  Er  war  ein  Schüler  des  Helladius^  und  Helladins  nahm 
ihn,  als  er  Erzbischof  wurde,  als  Begleiter  mit  sich.  Eugen  war  von 
ernstem  Wesen,  von  würdevoller  äusserer  Haltung,  und  von  vielen 
Geistesgaben.  Den  Lauf,  den  Stand,  das  Zu-  und  Abnehmen  des 
Mondes  kannte  er  so  genau,  dass  seine  Erklärungen  hierüber  die  nörer 
in  Erstaunen  sezten  und  zugleich  ihr  Wissen  forderten.  Er  lebte  in 
seinem  Pontificate  an  eilf  Jahre  (636 — 647)  unter  den  Königen  Chin- 
tila,  Tulga  und  Chindaswinth^). 

Mit  Ausnahme  eines  Briefes  an  Isidor  von  Sevilla,  den  wir  nur 
aus  der  Antwort  des  Lezteru  kennen,  wissen  wir  Nichts,  was  Eugen 
geschrieben  hätte. 

Bogen  Eugen  II.  (III.)  stammte  aus  Toledo,  und  war  von  frühester  Ju- 

n.  gend  zum  Dienste  dieser  Kirche  bestimmt.  Nach  vollkommnerem  Leben 
strebend,  floh  er  heimlich  nach  Saragossa,  widmete  sich  dem  Mönchs- 
leben, ganz  dem  Dienste  der  heiligen  Märtyrer  und  dem  Studium  der 
himmlischen  Weisheit.  Bischof  Braulio  wählte  ihn  zu  seinem  Archi- 
diakon  und  hatte  ihn  stets  um  sich  ^).  Ja  krank  und  leidend  übertniir 
er  ihm  fast  alle  seine  Geschäfte,  so  dass  Eugen  mehrere  Jahre  das 
Bisthum   leitete.      Als    Eugen    I.    von   Toledo   gestorben    war,    berief 


')  Loaysa,  489—506.  —  Aguirre,  II,  579-588.—  AguirreCatalani,  1\\ 
153-^163.  -  Harduin,  III,  978-^986.  -  Mansi,  XI,  579-^622. 
•)  Hdefons,  de  viria  illuatr.  cp,  13. 
^  Epistolae  Braiulionis. 


Engen  11.  133 

König  Chindaswinth  ihn  als  dessen  Nachfolger.  Vergebens  bemühte 
sich  Braulio  beim  Könige,  dass  er  ihm  erbalten  bleibe.  Aber  durch 
des  Königs  Gewalt  wurde  er  nach  Toledo  zurückgeführt  und  zum 
Bischöfe  cingesezt.  Er  war  von  schwächlichem  Körperbau,  aber  stark 
im  Geiste,  dem  Studium  eifrig  ergeben;  „die  durch  die  schlimmsten 
Missbräuche  verdorbenen  Gesänge  der  Kirche  stellte  er  nach  der  kirch- 
lichen Melodie  wieder  her,  die  Feier  der  kirchlichen  Officien  ordnete 
er  in  neuer  Weise"*). 

Er  schrieb  über  die  heiligste  Trinität  ein  Buch,  klar  und  durch»  ßc^ru- 
sichtig  dem  Inhalte  nach,  lieblich  in  der  Darstellung,  ;, welches  nach^°,^'J' 
Libyen   und  in    den  Orient  geschickt  worden   wäre,    wenn    nicht   das 

stürmische  Meer  es  verhindert  hätte. ^     Es   ist  uns  nicht  erhalten.    Er 

> 

schrieb  femer  zwei  Bücher,  das  eine  in  verschiedenen  Metren  der  ge* 
bundenen,  das  andere  in  mannigfaltiger  ungebundener  Rede,  die  sein 
Andenken  bei  Vielen  verewigen  konnten.  Auch  diess  Werk  ist  nicht 
ganz  auf  uns  gekommen^).  —  Die  Schrift  des  christlichen  Dichters 
Dracontius,  dessen  Heimath  wir  nicht  kennen,  über  die  Weltschöpfung, 
wird  zuerst  von  Isidor  von  Sevilla  erwähnt^).  Er  kannte  das  Werk, 
und  auch  dem  Könige  Receswinth  war  es  bekannt.  Weil  dasselbe 
durch  die  Abschreiber  sehr  verstümmelt  und  vielfach  unverständlich 
war,  so  arbeitete  es  Eugen  auf  den  Wunsch  des  Königs  Chindaswinth 
um,  hinwegnehmend,  ändernd,  so  dass  es  aus  seiner  künstlerischen 
Hand  schöner  hervorging,  als  es  aus  der  Hand  seines  Verfassers  her- 
vorgegangen war.  Weil  aber  Dracontius  den  siebenten  Tag  der  Schöpf- 
ung übergangen  hatte,  so  fügte  Eugen  in  wenigen  Versen  eine  Zusam- 
menfassung der  sechs  Tage,  und  über  den  siebenten  Tag  eine  gelun- 
genene  Ausführung  hinzu.  In  dieser  Form  ist  uns  die  Schrift  des 
Dracontius  erhalten.  Im  Jahre  1619  gab  Sirmond  zuerst  diese  Schrift 
heraus.  Bis  zum  Jahre  1782  zählte  F.  Arevalo  13  Ausgaben  des  Dra- 
contius. In  diesem  Jahre  Hess  sie  Fr.  Lorenzana,  Erzbischof  von  To- 
ledo, unter  den  von  ihm  gesammelten  Werken*)  der  „Väter  von 
Toledo^  erscheinen.     Dem  Gedichte  geht  voran  ein  Brief  an  Chindas- 


*)  Cantus  pes»imis  tisibtis  vitiatos  mdodiae  cognitione  carrexit,  offi" 
ciorum  omissos  ordines  curamqiie  discrevit 

')  scripsit  et  duos  libellos,  unum  diver^i  caitninis  metro,  alium  diversi 
operis  prosa  concreios,  qui  ad  mülforum  inditstria/m,  ejus  ex  hoc  tenaciter  san- 
ctam  valuerunt  commendare  memoriam.  Aus  diesen  Worten  kann  man  den  Inhalt 
des  Werkes  nicht  ersehen,  das  vielleicht  eine  Darstellung:  seiner  körperlichen  und 
geistigen  Leiden  und  Kämpfe  war.  Auch  LorcnzHna,  der  Herausgeber  seiner  Werke, 
berührt  die  Frage  nach  dem  Inhalte  nicht. 

*)  Isidor.  de  viris  illustr.,  cp,  37. 

*)  8.  S.  Patrum  Toletantyrum  quotquot  extant  opera,  nunc  primum  simul 
edita,  ad  Codices  M,  S.  S.  recoffnita,  nonmdlis  notis  illustrata  atque  in  duos 
tomos  (fol.)  distrilmta,  opera,  auctoritate  et  expensis  Francisci  de  Tjorenzana^ 


134  Achtes  Bach.    Adites  Kapitel. 

winth,  x^deD  höchsten  und  grössten  der  Könige^,  auf  ,^des8en  Befehl 
er  die  Bücher  eines  gewissen  Dracontius  verbessert  hat'^  Er  hat  den 
hehren  Befehl  des  Königs  zwar  nicht,  wie  er  wollte,  aber  doch,  wie 
er  es  vermochte,  vollzogen.  Das  Werk,  wie  es  vorliegt,  besteht  aus 
zwei  Büchern,  das  erste  enthält  das  Werk  der  sechs  Tage,  das  zweite 
ist  gerichtet  an  einen  Fürsten,  worin  er  u.  a.  um  Verzeihnng  bittet, 
dass  er  in  dieser  Schrifl  über  die  Triumphe  desselben  geschwiegen  habe. 

Hierauf  gibt  Lorenzana  aus  dem  einzigen  ihm  vorliegenden  Codex  *) 
verschiedene  andere  Gedichte,  die  er  keineswegs  alle  als  acht  betrach- 
tet, wenn  sie  auch  in  seinem  Codex  sämmtlich  unter  dem  Namen 
Eugen^s  stehen.  E^s  sind  kleinere  Gedichte  des  verschiedensten  In- 
halts, bald  gelungen,  bald  misslungen,  u.  a.  eine  Gnibschrift  fiir  König 
Chindaswinth.  Daran  schliesst  sich  das  Fragment  eines  Hymnus  auf 
Dionysius  den  Areopagiten ,  dessen  Schüler  Eugen  I.  von  Toledo  ge- 
wesen sein  soll.  Alexander  Natalis,  der  zwar  die  Predigt  des  Jaco- 
bus  in  Spanien  leugnete,  der  aber  als  i)Htriotisclier  Franzose  an  Dio- 
nysius als  Apostelschüler,  und  an  dessen  Schüler  Eugen  von  Toledo 
festhielt,  theilt  unter  dem  Namen  unsers  Eugen's  einen  Hymnus  auf 
Eugen  I.  mit,  den  er  dem  Menardus  entnahm'*).  Was  hätte  einem 
Toletaner  erwünschter  sein  können,  als  die  Aechtheit  dieses  Hymnus, 
d.  h.  das  Zeugniss  für  die  Existenz  eines  ersten  Eugenius  durch  einen 
Eugenius  aus  dem  siebenten  Jahrhundert?^)  —  Aber  Ijorenzana  gibt 
der  Wahrheit  die  Ehre;  in  dem  Toletaner  Codex  findet  sich  von  jenem 
Hymnus  keine  Spur*). 

Unter  den  Briefen  Braulio's  hat  sich  auch  ciuer  von  Kunri>iiin> 
an  Braulio  gefunden,  worin  er  Lezieren  um  Kath  i'ragt,  l'orner  üim* 
Antwort  auf  einen  Brief  des  Bischofs  Protaj>ius  von  Tarraco,  der  in 
den   Jahren   637    und    646    erwälint    wird,    aber    wahrscheinlich    mK-li 


Matriti,  t,  /,  178ii.  —  Opuscula  Kagmii,  p.  19-  03.  —  Voran  stehen  Gedichte 
verechiedeDen  Inhalts,  wahrscheinlich  das  erste  Buch  der  Schrift,  deren  Inhalt  Ildefoiis 
näher  nicht  bezeichnet  (u.  a.  über  verschiedene  Kirchen  in  Saragossa,  ein  In'dicht 
über  seine  Kränklichkeit,  über  das  Herannahen  daa  (Trcisenalters,  über  «lic  Kür/.o 
dieses  Lebens,  verschiedene  Grabschriften  für  sich  si-Ibst,  auf  den  Tod  der  Goiuuli- 
lin  des  Königs  Chindaswinth  u.  s.  w.).  Florez  ist  im  Irrthuuie,  wenn  er  moinr, 
das  Werk  sei  dem  Könige  llcccswiutli  gewidmet,  da  der  Codex  Victorinus,  dessen 
sich  Sirmond  bediente,  den  Namen  Chindaswinth  deutlich  trägt. 

')  Codex  de  Azagra. 

')  Naial.  Alexaiider,  historia  eccles.,  Saeculum  I,  disHcrtat.  16. 

•)  Menardus:  disseriat.  de  unico  Diovysio  adversus  iMumnum  (Laumnj], 
Paris  1643,  Dagegen:  Franc.  Pafft,  annales  —  dissertat  de  ^S.  Diouffs.  Paris, 
episcopo»    Auch  in  der  Ausgabe  unsers  Eugen  durch  Sirmond  fehlt  dieser  llyninui(. 

^)  in  Codice  de  Azagra,  ex  quo  rrndta  plura,  quam  tSirmondu^,  edimii'i 
epigrammaia,  nee  volain  nee  vestigiam  illiu^  (hymni)  repcriri.  Der  Ihninns 
scheint  aus  einem  französischen  Brevier  des  spätem  Mittelalters  zu  stammen. 


Eugen  IL  135 

ISuigere  Zeit  lebte,  da  sein  (wohl  nicht  unmittelbarer)  Nachfolger    erst 
680  erscheint;  endlich  ein  Brief  Tajo's  an  Engen  IIL  (II.)  ^), 

Dass  der  Dichter  Dracontius  mehr  als  das  Hexaemeron  ge-  Der 
schrieben,  war  unbekannt.  Kurze  Zeit  aber  nach  der  Ausgabe  der  J^****«**^ 
Werke  Eugen's  durch  Lorenzana  fand  F.  Arevalo,  in  Rom  mit  der  uiu. 
neuen  Ausgabe  der  christlichen  Dichter  beschäftigt,  unter  den  Werken 
Augustinus  in  der  Vaticana  einen  Codex,  aus  dem  er  sah,  dass  man, 
von  Isidor  von  Sevilla  an,  in  dem  sogenannten  Hexaemeron  nur  einen 
kleinem  Theil  des  grossem,  aus  drei  Theilen  bestehenden  ,yCarmen  de 
Deo"^  des  Dracontius  gekannt  hatte.  Das  bisherige  Hexaemeron  ent- 
hält nur  Vers  116 — 755  des  „Carmen  de  Deo^;  lezteres  enthält  dazu 
Vers  1 — 116  des  ersten  und  das  ganze  zweite  (mit  808)  und  dritte 
Buch  (mit  628  Versen).  Aus  einer  andern  Handschrift  ersah  er  ferner, 
dass  das  bisherige  zweite  Buch,  Brief  oder  „Elegia'^  an  Kaiser  Theo- 
tlosius  IL  vielmehr  ein  Schreiben  an  den  Vandalenkönig  Gunthar  war, 
und  dass  Dracontius  im  Gefängnisse  (wie  Boetius)  sowohl  sein  Ge- 
dicht, als  seine  y,iSatisf actio,  Kechtfertignng''  an  den  Vandalenkönig 
Gunthar  verfasste.  Gunthar  war  (nach  Arevalo)  dieselbe  Person  mit 
Gunthcrich,  und  Halbbruder  des  Königs  Genserich,  der  um  427 — 428 
das  Leben  verlor*^).  Der  Brief  an  Gunthar  steht  mit  dem  Gedichte 
selbst  in  keinem  Zusammenhange^). 

§.  8. 

Ildefons  ward  zu  Toledo  um  das  Jahr  607  geboren  und  tratiidofow 
l'riihe  als  Mönch  in  das  berühmte  Kloster  Agli  (monaster.  Agaliense)^ 
aus  dem  fast  alle  gefeierten  Männer  Toledo's  im  siebenten  Jahrhundert 
hervorgingen.  Er  entfloh  seinem  Vater,  der  zornentbrannt  zum  Kloster 
ihn  verfolgte,  aber  schon  hatten  die  schiizenden  Mauern  des  Klosters 
den  Heiligen  aufgenommen.  Der  Vater  drang  ein,  aber  das  Versteck 
seines  Sohnes  entdeckte  er  nicht.     Sofort  umgab  er  sich  mit  einer  be- 


')  Engeii's  opiMCuf^i  stehen  (aus  Lorenzana)  ap,  Migne^  Patr.  lat,  t.  87.  — 
cf,  d:ui  letzte  (11.)  Kapitel  des  Ildefons  —  da  viris  illustr.  über  Eugen.  —  Nicol, 
Antonio,  hihlioth.  vctus  llispanaf  cf,  V,  5,  §.  252.  —  cd.  Per.  Bayer,  p.  S79— 
382.  —  Flor<^,  t.  V,  254-257,  cf.  p.  462.  Nach  Flm^ez  war  Eugen  Bischof  vom 
Ilerhste  64ß  bis  13.  November  (>r>7,  während  man  sonst  annimmt,  dass  er  erst  617 
zur  Regierung  kam.  —  cf.  I/orenzana,  jrrologus  in  cjiin  opvscida.  —  Christ.  Fei. 
Baehr,  Christ,  römisclie  Literatur,  die  christlichen  Dichter,  1,S3(>. 

';  Dagegen  Fei.  Dahn,  die  Könige  der  Vandalen,  18*>1,  S.  119.  —  Wie- 
tcrsheim,   die  Völkerwanderung,  Bd.  IV,  1H(U,  S.  280. 

')  Dracontii  po'i'tae  —  carmina,  recenstät  Faust.  Arevalo,  qui  prolego- 
niena,  varias  lerfione.%  perpetnnsque  notas  udjccit,  Hwnae  1791.  4^  (in  der 
.Samnilung  der  christlielien  Dichter),  AureL  Prudcniius  1788,  Juvencus  1791, 
Stdidius  1794.   Roinae  1788—1794,  von  demselben  F.  Arevalo, 


136  Achtes  Bnch.    Achtes  Kapitel. 

-waffiieten  Schaar,  und  mit  gezücktem  Schwerte  drang  er  in  das  Kloster; 
als  er  aber  seinen  Sohn  nicht  fand,  kehrte  er  in  sein  Haus  zurück, 
und  beweinte  ihn  wie  einen  Verlorenen.  Viele  Jahre  weilte  Ildefons 
in  Agli;  er  gründete  auch  ein  Kloster  für  Jungfrauen  in  der  Nähe  der 
Stadt,  und  stattete  es  aus  eigenem  Vermögen  aus.  Abt  (rector)  seines 
Klosters  geworden,  hielt  er  die  Mönche  in  strenger  Zucht,  und  hob 
auch  das  Vermögen  seines  Stiftes« 

Nach  dem  Tode  Eugen's  II.  wurde  er  durch  den  König  mit  Ge- 
walt zum  Erzbischofe  cingesezt,  in  dem  neunten  Jahre  des  Königs 
Receswinth,  und  er  regierte  seine  Kirche  9  Jahre  und  2  Monate. 
Florez  rechnet  seine  Regierung  vom  Anfang  des  Decembers  657  bis 
23.  Januar  667. 
g^,,(.  Nach  dem  Zeugnisse  seines  Nachfolgers  Julianus  verfasste  er  sehr 

«o  det  viele  Schriften,  die  wichtigsten  davon  in  blühender  Darstellung,  und  er 
'  selbst  theilte  sie  in  folgender  Weise  ein.  Der  erste  Theil  enthält  die 
y^Proaopopeja^i  oder  die  Schrift  über  seine  eigene  Schwachheit,  das 
kleine  Werk  über  die  Jungfräulichkeit  der  Bcligsten  Jungfrau  gegen 
drei  Ungläubige.  Diese  Schrift  ist  zunächst  gegen  die  Irrlehren  des 
Jovinian,  Helvidius  (und  die  Juden)  gerichtet.  —  Dieselbe  erfreute 
sich  stets  eines  hohen  Ansehens  in  der  Kirche,  und  zeigt  uns  den  hei- 
.  ligen  Ildefons  als  innigen  Verehrer  der  seligsten  Jungfrau,  für  deren 
Ehre  und  Würde  er  erglühte.  Ferner  schrieb  er  (nach  Julianus)  ein 
Werkchen  über  die  Eigenthümlichkeiten  der  Personen  des  Vaters,  des 
Sohnes  und  des  heiligen  Geistes;  eine  Schrift:  „Bemerkungen  über  die 
täglichen  Verrichtungen*';  ein  Buch  über  die  Erkenntnis«  der  Taufe; 
ein  anderes  „Bemerkungen  über  heilige  Dinge**;  über  den  Fortschritt 
der  geistigen  Einsamkeit. 

Im  zweiten  Theile  fand  sich  ein  Buch  der  Briefe,  die,  an  Ver- 
schiedene gerichtet,  manchmal  räthselhaft  über  gewisse  Personen  tsich 
aussprechen,  unter  diesen  Briefen  sind  auch  die  Antworten  anderer.  — 
Der  dritte  Theil  enthielt  Messen ,  Hymnen  und  Predigten.  —  Ein  vier- 
ter Theil  bestand  aus  Prosa  und  Versen,  darunter  Epitaphien,  und 
einige  Sinngedichte.  Noch  vieles  Andere  schrieb  er,  was  er,  durch 
Geschätle  verhindert,  zum  Theil  erst  angefangen,  zum  Theil  halb  voll- 
endet liegen  lassen  musste. 

Wir  besizen  nur  zwei  grössere  Schriften  des  Ildefons.  l^er 
Schrift  über  die  seligste  Jungfrau  schickt  er  ein  „Gebet  und  ein  Be- 
kenntnisse' voran.  Er  verbreitet  sich  über  das  Geheimniss  der  Mensch- 
werdung und  die  Gottheit  Christi.  Eine  andere  Abhandlung  über  den- 
selben Gegenstand  wird  mehrfach  dem  Abte  Ilatbert  von  Corvei  beigelegt ') 


')  Liber  contra  eos,  qui  disputant  de  perpetua  virginitate  8,  Mariae  et 
de  gu8  parturitione. 


Schriften  des  DdefoDS.  137 

id  ist  wohl  nur  wegen  Verwandtschaft  des  Inhalts  nnter  des  Ildefons' 
;hriften  gekommen. 

Was  Julian  ein  Buch  über  die  Erkenntniss  der  Taufe  nennt,  das  i;eb«r 
id  die  uns  erhaltenen  zwei  Bücher:  Anmerkungen  über  die  Erkennt-  ^^^^ 
88  der  Taufe  und  über  den  Weg  durch  die  Wüste,  auf  dem  man 
ich  der  Taufe  wandelt^),  welche  Schrift  eine  Art  Einleitung  zur 
enntniss  der  christlichen  Glaubens-  und  Sittenlehre  ist.  Der  auf  die 
Eiufe  sich  vorbereitende  und  der  schon  getaufte  Christ  sollte  hier  alles 
1  seiner  Unterweisung  Nothige  finden.  Dass  wir  in  dieser  Schrift  die 
mdert  Jahre  frühere  Schrift  des  Justinian  von  Valencia  (über  die 
iufe  Christi)  besizen,  das  hat  Helfferich  mit  starken  Gründen  wahr- 
heinlich  zu  machen  gewusst,  und  ich  neige  mich  zu  dieser  Ansicht 
n').  Stephan  Baluzius  fand  das  Werk  unter  dem  Namen  des  Ilde- 
ns,  und  gab  es  zuerst  heraus.  Lorenzana  hatte  keine  neue  Hand- 
hrift,  sondern  gab  die  Schrift  nach  Baluz  heraus.^  Am  Ende  der 
orrede  zum  ersten  Buch  sagt  Ildefons,  dass  er  nicht  sein  Eigenen, 
»ndem  die  Lehren,  die  Aussprüche  früherer  Schriftsteller  mittheile ^). 
^eil  diese  Aussprüche  meist  wörtlich  sind,  so  erklärt  sich  daraus 
ich  die  Ungleichheit  des  Styles,  welche  uns  in  dem  Werke  begegnet. 
3  wie  es  vorliegt,  ist  das  erste  Buch  in  142,  das  zweite  in  91  Ka* 
tel  abgetheilt,  und  nach  meiner  Ansicht  eine  der  interessantesten 
3hriften  jener  Zeit.  Leider,  dass  die  spanischen  Schriftsteller  es  so 
^rne  unterliessen ,  die  Quellen  zu  citiren,  aus  denen  sie  schöpften. 

Die  Schrift  des  Ildefons'  ,^de  viris  iUustribu^^  steht  gewöhnhch 
9  Anhang  hinter  der  gleichnamigen  Isidor's.  Sie  besteht  aus  14  Ka- 
teln,  und  behandelt  die  Bischöfe  von  Toledo,  auch  wenn  sie  nicht 
:;hriftsteller  sind.  Es  sind  genannt  Papst  Gregor  I.,  Asturius  und 
!ontanu8,  die  Bischöfe  von  Toledo,  Donatus  der  Mönch,  (5)  Anra- 
as  von  Toledo,  Joannes  von  Saragossa,  Helladius  von  Toledo,  Justus 
)n  Toledo,  Isidor  von  Sevilla,  (10)  Nonnitus  von  Gerunda,   11)  Co- 


')  libri  dtw  adnotationum  de  cognitione  Baptismi  et  de  itinere  deserti  quo 
rgitur  post  baptismum. 

^  Helfferich,  der  westgoth.  Arianismns,  1860.  S.  41—19. 

*)  Steph.  Baluzii  Misceüanea,  Lib.  VI,  Paris.  1738. 

^)  non  nostris  novitcUibus  incognita  praponentes,  sed  antiqtioruni  monita 
l  intelligentiae  reserantes,  vel  memoriae  adnotarUes,  Ob  quam  rem  tittdum 
)eris  huius  annotationum  de  cognitione  baptismi  decreinmtis  inscribendum; 
an  werde  sich  also,  meint  Lorenzana,  nicht  wandern  dürfen,  wenn  die  einzelnen 
beile  der  Schrift  oft  einen  andern  als  den  Styl  des  Ildefons  verrathen.  Als  Quellen 
mnt  Lorenzana  den  Augostinas,  Gregor,  Isidor.  Er  habe,  so  viel  es  ihm  möglich 
swesen,  diese  Quellen  aufgesucht  und  nachgewiesen.  Da  aber  von  den  Schriften 
!B  Justinian  Nichts  erhalten  war  und  ist,  so  konnte  er  aus  denselben  auch  keine 
uszflge  des  Ildefons  nachweisen.  Die  vielen  Auszüge  aus  Augustinus  können 
ich  in  der  Schrift  des  Justinian  enthalten  gewesen  sein. 


138  Achtes  Blieb.    Achtes  Kapitel. 

nautius  von  Palentia,  12)  Braulio  von  Saragossa,  Eugen  I.  und  Engen  II. 
(13  ei  14)  von  Toledo. 
CoDan.  Conantius  hat  nach  Manrila,   welcher  589  erscheint,  den  Siz  dt.s 

tln«  Ton  ... 

v^aientu  Bisthunis  von  Paleutia  innegehabt,  ein  hervorragender  Manu,  von  sel- 
tener Bcredtsamkeit,  sehr  eitrig  und  gewandt  in  Handhabung  der 
kirchlichen  OfBcien.  Er  selbst  hat  viele  neue  Melodieen  des  Gesani;»» 
herausgegeben.  Er  hat  auch  ein  Buch  der  Orationen  Tiber  die  Eigtrn- 
heit  aller  Psalmen  geschrieben').  Er  starb  unter  dem  Konige  Chintila 
(638  oder  639)«). 

§.  9.     Synode  von  Emerita. 

In  die  lezte  Zeit  des  Königs  Iteceswinth  fallt  die  einzige  uns  er- 
haltene Synode  von  Emerita,  die  eiuzige  uns  erhaltene  Synode;  dtr 
Lnsitanischen  Provinz.  Am  6.  November  666  versammelte  der  Metro- 
polit Proßdus  von  Emerita  seine  sämmtlichen  11  Suflragune  um 
sich.  Sie  Sassen  in  der  Kirche  des  heiligen  Jerusalem,  in  der  Mtrlro- 
pole  der  Provinz.  Die  Versammelten  danken  Gott,  dessen  Gnade  und 
Geschenk  sie  es  verdanken,  dass  sie  vereinigt  sind,  dami  sagen  !>it 
Dank  dem  gnädigsten  Könige  Receswinth,  sie  wünschen  ihm  Sieg  und 
langes  Leben.  Und  weil  er  itir  das  Weltliche  äusserst  besorgt  i>t 
und  auch  die  kirchlichen  Angelegenheiten  recht  zu  leiten  verlangt,  sv 
wünschen  sie  ihm  hiezu  die  Hilfe  der  göttlichen  Gnade,  die  dencD 
nahe  ist,  welche  sie  suchen. 

1)  Zuerst  sprechen  die  Väter  den  orthodoxen  Glauben  aus.  Dann 
wenden  sie  sich  ausschliesslich  den  Gegenständen  des  Gottesdiensio, 
der  Kirchenzucht  und  der  Kirclienregicrung  zu,  wie  mau  es  von  eim: 
kirchlichen  Synode  voraussezt. 

2)  Auch  in  dieser  Provinz  soll,  wie  in  andern  Kirchen,  an  Fest- 
tagen Abends,  wenn  das  Licht  angezündet  ist,  die  Vesi)er  vor  dtui 
„sonum*^  gesungen  werden  (der  sonns  ist  der  Psalm:  venife  /f#/ort/«Kv 
der  von  dem  Tone,  in  dem  er  gesungen  wurde,  sonutf  [hier  sunuin 
hiess^.  Wer  in  Zukunft  dagegen  fehlt,  wenn  es  zur  Anzeige  bei  dtUi 
Metroi)oliten  kommt,  den  wird  die  Excommuuication  treuen. 


')  MehdioH  soni  multas  rnwiter  edidiL  Orationum  quoque  libcllnw  d'. 
omniuvi  dccenter  amacripsit  propriate.  psalmorum. 

')  C,y.  Mayaivs,  Vida  de  aan  lidefonso.  V(Uencia  1727.  —  Nicolaiut  An 
tonio,  V,  cp,  6,  p.  388—410.  —  Fahricitui,  bibUolh.  lat.,  t.  Hl,  2^^.  —  xUf.i 
tSanciorumy  2.'i.  Januar.  —  Hein.  Caiilicr,  les  aatenrs  sacres  (twri.sif.  vdith', 
t.  XL  Paris  1862,  p.  773-776.  -  Fhrcz,  Bsp.  s.,  F,  p.  2Ü7—273  '(rrorr, 
cdicion.  Madrid  185U).  —  Patres  Toh'tani,  /,  90-4-11,  wo  uuch  die  cutsctiiodr". 
uniichteu  Werke  Btchcn,  z.  15.  de  partu  virginis,  sermones  dubii,  Corona  H.  M 
Virginia,  contimiatio  chronicorum  II.  Isidori. 


§.  9.    Synode  von  Emerita.  139 

3)  Wenn  der  König  gegen  seine  Feinde  auszieht,  so  soll  jeden 
Tag  das  heilige  Opfer  fiir  den  König  und  seine  Getreuen  Gott  dar- 
gebracht werden,  um  Erhaltung  und  um  Sieg,  bis  der  König  zu  seiner 
liesidenz  zuriickkelui.  Wer  hierin  säumig  ist,  der  wisse,  dass  ihn  die 
Excommunication  seines  Metropoliten  treffen  wird. 

4)  Wenn  der  Metropolit  als  Bischof  ordinirt  wird,  so  soll  er 
seinen  Sufitaganen  geloben,  dass  er  keusch,  nüchtern  und  rechtschaffen 
leben  werde.  Ebenso  sollen  die  Bischöfe  bei  ihrer  Weihe  es  ihrem 
Metropoliten  geloben*). 

5)  Ist  ein  Concil  nach  dem  Willen  des  Metropoliten  und  auf 
Befehl  des  Königs'^)  ausgeschrieben,  so  sollen  alle  Bischöfe  erscheinen. 
Ist  Jemand  verhindert,  zu  erscheinen,  sei  es,  dass  er  krank  ist  oder' 
vom  König  einen  Auftrag  erhalten  hat,  der  soll  eigenhändig  bei  dem 
Metropoliten  sich  entschuldigen,  damit  die  Wahrheit  seiner  Aussage 
nachher  geprüft  werden  kann.  Als  seinen  Stellvertreter^)  darf  er  nur 
seinen  Erzpriester  oder,  wenn  auch  dieser  vorhindert  ist,  einen  geeig- 
neten Presbyter*)  senden.  Wir  finden  es  unpassend,  wenn  ein  Bischof 
seinen  Diakon  sendet;  denn  dieser,  der  jünger  ist  als  die  Priester^  darf 
mit  den  Bischöfen  in  keiner  Weise  im  Concile  sizen.  Der  stellver- 
tretende Priester  muss  eine  schriftliche  und  besiegelte  Instruction  haben, 
damit  der  Bischof,  der  ihn  gesendet,  im  Falle  einer  Anklage  (warum 
er  nicht  gekommen)    einen   Vertheidiger  habe. 

6)  Dem  Metropoliten  gebührt  nach  der  Ordnung  der  Synoden  der 
Primat  der  Ehrfurcht  von  Seite  seiner  Suffragane.  Hat  also  ein  Bischof 
von  demselben  die  Ermahnung  erhalten,  die  Feste  der  Geburt  Christi 
und  Ostern  mit  ilim  zu  feiern,  so  soll  er  unweigerlich  sich  einstellen. 
Hält  ihn  Krankheit  oder  schlechtes  Wetter  zurück,  so  muss  er  eine 
mit  eigener  Hand  geschriebene  Epistel  senden,  in  der  er  sich  entschul- 
digt. Ist  er  aber  gesund  und  verschmäht  es,  zu  kommen,  so  wird  er 
der  Excommunication  wohl  nicht  entgehen^), 

7)  Nach  alter  Regel  sei  jährlich  ein  Concil,  zu  dem  alle  Suffra- 
gane erscheinen  sollen  (was  auch  nicht  ohne  Willen  des  Königs  ge- 
schieht)*).    Wer  nicht  erscheint  auf  den  lluf  des  Metropoliten  und  den 


*)  Es  hcisst:  placitum  in  nomine  suormn  pruvincialium  episcoporumfuciat, 
und  wieder :  placitum  faciant  in  nomine  epuscopi  sni  metropolitani.  Es  ist  diese 
ein  Provinziniismus.  Die  obige  Ucberscznng  ist  nicht  wörtlich,  aber  sie  allein 
scheint  den  Sinn  wiederzugeben.  Das  Wort:  placitum  hat  mannigfaltige  Bedeutun- 
gen, hier  wohl  die  von  Gelöbniss. 

')  Concilium  per  metropolitani  voluntatem  et  rcgiam  jiissionem  electum 
fuerit  agere. 

■)  ad  »uam  tarnen  personam  —  ist  auch  ein  harter  Provinzialismus. 

*)  presbyterum  utileni, 

^)  absque  excommunicatione  dimittendus  non  erit. 

*)  quae  res  non  extra  regiam  agitur  voluntatem. 


140  Achtes  Bncfa.    Achtes  Kapitel. 

Befehl  des  Königs,  den  erklären  die  alten  Canones  als  ausgeschlossen 
bis  zu  der  Zeit  des  nächsten  Concils.  Der  also  gestrafte  Bisehof  soll 
die  Zeit  seiner  Ausschliessung  dort  zubringen,  wohin  ihn  der  Metro- 
polit und  das  Concil  verweist«  Sein  Haus  und  Eigenthum  wird  in  der 
Zwischenzeit  vom  Metropoliten  beaufsichtigt,  damit,  wenn  er  heimkehrt, 
er  das  Seinige  in  gutem  Stande  finde. 

8)  Wohl  Allen  ist  bekannt,  wie  die  Gnade  Gottes,  welcher  das 
Herz  unsers  erhabensten  Herrn  und  Fürsten,  des  Königs  RecesicintJi, 
in  seiner  Hand  hält,  und  es  leitet,  wohin  er  will,  auf  Anregen  des 
heiligsten  Mannes,  des  Bischofs  Orontius  seligen  Andenkens,  den  Geist 
des  Königs  zur  Milde  (pietatem)  neigt«,  so  dass  er  die  Grenzen  dieser 
Provinz  Lusitanien  mit  ihren  Bischöfen  und  ihren  Bezirken  nach  den 
Aussprüchen  der  alten  Canones  dieser  Provinz  und  diesem  Metropoli- 
tansize  wieder  gegeben  hat.  (Die  Bisthümer  Lamego^  Viseo,  Idanha 
und  Coimbra  sind  gemeint.)  Da  wir  nun  durch  die  Gnade  des  Herrn 
auf  Befehl  des  Königs  zu  diesem  Concil  zusammengetreten  sind,  hat 
einer  von  uns,  mit  Namen  Sclua,  Bischof  der  heiligen  Kirche  von 
Egiditana,  an  die  heilige  Synode  desswegen  appellirt,  weil  Justus, 
Bischof  von  Salmantica,  die  ihm  gebührende  Diöcese  (theilweise) 
zurückbehalte.  Der  Metropolit  soll  Inspectoron  absenden,  die  den  Streit 
entscheiden.  In  Zukunft  sollen  alle  Bischöfe  genau  darüber  wachen, 
dass  ihnen  nicht  andere  Bischöfe  einen  Theil  ihrer  Diöcesen  entziehen; 
denn  nach  dreissig  Jahren   ist   die  Verjährung  des  Besizes  eingetreten. 

9)  Wer  im  Auftrage  des  Bischofs  das  Chrisma  austheilt,  darf 
daftir  Nichts  fordern  von  den  Presbytern.  Auch  dürfen  die  Priester  tnr 
die  Taufe  von  den  Eltern  Nichts  verlangen,  unter  Strafe  dreimonatlicher 
Ausschliessung.   Freiwillige  Geschenke  aber  dürfen  angenommen  werden. 

10)  Jeder  Bischof  habe  an  seiner  Kirche  einen  Erzpriester,  einen 
Erzdiakon  und  einen  Primicerius.  Diese  „grosse"  Synode  warnt  die 
BetreflFenden  vor  Ungehorsam  und  Uebcrhebung. 

11)  Die  Priester,  Aebte  und  Diakonen  müssen  dem  Bischöfe  die 
schuldige  Ehre  erweisen,  und  wenn  er  sein  Bisthum  visitirt,  ihn  würdig 
empfangen,  und  ihm  leisten,  was  er  bedarf.  Ohne  seine  Erlaubniss 
darf  keiner  weltliche  Geschäfte  und  Aemter  übernehmen. 

12)  Der  Bischof  kann  nach  Bedarf  die  Priester  und  Diakonen 
der  Pfarreien  an  seine  Kathedrale  berufen.  Sie  erhalten  von  ihm,  was 
er  ihnen  gibt,  und  behalten  nach  Abzug  der  Kosten  für  ihre  Stellver- 
treter die  Einkünfte  ihrer  Pfründen. 

13)  Ein  Bischof  kann  tüchtige  Kleriker  besonders  aus  den  Ein- 
künften der  Kirche  belohnen,   und  sie  ihnen  wieder  entziehen. 

14)  Was  in  der  Kathedrale  an  Festen  nach  der  Gewohnheit  und 
lür  die  Communion  (pro  mercede  communicationis  tempore)  gegeben 
wird,  soll  dem  Bischöfe  übergeben    werden,    der   einen  Theil    behalten 


§.  9.    Synode  von  £merita  666.  141 

möge;  den  zweiten  erhalten  die  an  der  Kirche  dienenden  Presbyter  und 
Diakonen,  den  dritten  die  Subdiakonen  und  Kleriker,  und  der  Primi- 
cerius  habe  die  Vertheilung.    So  geschehe  es  auch  an  den  Pfarrkirchen. 

15)  Wenn  die  Milde  des  Königs  zum  Wohle  des  Volkes  ihre 
Geseze  erlassen  hat^),  so  muss  nach  diesem  Vorbilde  auch  die  Kirche 
sich  richten.  Die  Bischöfe  sollen  darum  ihren  Zorn  zügeln,  sollen 
nicht  die  Sclaven  der  Kirche  wegen  eines  Vergehens  verstümmeln 
lassen.  Die  Richter  in  der  Stadt  sollen  vielmehr  die  Sache  unter- 
suchen, und  die  Bischöfe  sollen  im  Strafen  Milde  walten  lassen.  Ein- 
zelne Priester  haben  im  Falle  der  Krankheit  Sclaven  beschuldigt,  dass 
sie  ihnen  diess  angethan  haben  (maleßdum  sibi  fecisse),  und  sie  ge- 
quält. In  solchem  Falle  wende  sich  der  Priester  an  seinen  Bischof, 
welcher  entscheiden  soll.  Wer  dagegen  handelt,  werde  aus  dem  Klerus 
ausgestossen. 

16)  Kein  Bischof  darf  von  einer  Pfarrkirche  den  dritten  Theil 
ihrer  Einkünfte  wegnehmen.  Was  ihn  trifft,  das  verwende  er  ganz  £ur 
die  Reparaturen  der  Kirchen.  Alle  Priester,  welche  das  Kirchenver- 
mögen') in  Händen  haben,  sollen  dem  Bischöfe  versprechen^,  dass 
sie  ihre  Kirchen  repariren  lassen.  Die  Earchen,  die  kein  Vermögen 
haben  ^),  sollen  auf  Kosten  des  Bischofs  reparirt  werden. 

17)  Den  verstorbenen  Bischof  sollen  seine  (frühem)  Untergebenen 
nicht  schmähen. 

18)  Die  Pfarrpriester  sollen  nach  dem  Stande  des  Kirchenver- 
mögens geeignete  Männer  aus  den  Knechten  der  Kirche  zu  IQerikem 
und  zu  ihren  Gehilfen  aufstellen,  die  von  ihnen  Nahrung  und  Kleidung 
beziehen. 

19)  Haben  mehrere  arme  Kirchen  nur  einen  Pfarrer,  so  soll  dieser 
an  Sonntagen  in  jeder  Kirche  celebriren.  Die  Namen  der  Stifter  und 
der  Donatoren  sollen  unter  der  Messe  am  Altare  verlesen  werden. 

20)  Sind  Kirchensclaven  unter  den  vorgeschriebenen  Bedingungen 
freigelassen  worden,  so  bleiben  sie  frei;  im  Gegentheile  werden  sie  und 
ihre  Nachkommen  wieder  Sclaven.  Die  rechtmässig  Freigelassenen 
bleiben  aber  doch  in  dem  Patrocinium  der  Kirche. 

21)  Hat  ein  Bischof  seiner  Kirche  viel  zugebracht  und  hinter- 
lassen, so  darf  er  seinen  Angehörigen  oder  den  von  ihm  Freigelassenen 
aus  dem  Kirchengute  den  dritten  Theil  des  von  ihm  Erworbenen 
schenken;  ebenso  kann  er  Jemand  für  Dienste,  die  der  Kirche  geleistet 


')  Demnach  war  die  GesezesBammlang  des  Receswinth  (das  forum  judicum 
oder  fuero  juzgo)  im  Jahre  66G  schon  erlassen. 
•)  virtutem  —  cf,  Ducange  s,  h.  v. 
0  placitum  faciant. 
*)  quae  mtmdiales  res  mdlas  haberU. 


142  Achtes  Buch.    Achtes  Kapitel. 

worden,  vom  bew€glichou  Vermögen  ein  Zehntel^),  aus  dem  nnbe- 
-weglichen  nach  seinem  Ermessen  geben.  Kein  späterer  Bischof  darf 
diess  zurücknehmen. 

22)  Obige  Verordnungen  müssen,  so  weit  nicht  schon  eine  beson- 
dere Strafe  gegen  die  Uebertreter  gesezt  ist,  bei  Strafe  der  Ausschliess- 
ung gehalten  werden. 

23)  Dank  und  Ehre  sei  Gott,  Dank  dem  König  Receswinth,  der 
nach  der  ihm  verliehenen  "Weisheit  Weltliches  wie  Geistliches  leitet 

Unter-  „Proficius,  durch  Gottes  Erbarmen  Mctropolitanbischof  der  Pro- 

Khriftoii^j^2  Lusitanien  (und)  der  heiligen  Kirche  von  Emerita  hat  diese  Syn- 
odalverhandlungen, die  er  mit  den  ihm  benachbarten  Bischöfen  gehal- 
ten, mit  seiner  Iland  unterschrieben.^  —  Sclua,  Bischof  der  Stadt  Egi- 
daua,  welcher  zu  der  Metropole  von  Emerita  gehört,  hat  mit  seinem 
Erzbischofe  Proficius  die  gefassten  Beschlüsse  unterzeichnet^).  Adeo- 
datusj  in  Christi  Namen  Bischof  der  heiligen  Pacensischen^)  Kirche, 
gleichÜEdls.  Ebenso  unterschreibt  Asphalius  von  Avila,  Theoderich  von 
Lissabon.  Es  folgt  Theodisclus,  durch  Gottes  Erbarmen  Bischof  von 
Lamego,  Justus,  durch  Gottes  Erbarmen  Bischof  von  Salamancn,  Gan- 
taber,  durch  Gottes  Gnade  Bischof  von  Coimbra,  Donatus,  im  Namen 
Christi  Bischof  von  Coria,  Examus,  durch  Gottes  Erbarmen  Bischof 
von  Ossonova*),  Petrus,  durch  Gottes  Erbarmen  Bischof  von  Elbom, 
endlich  Aloarius,  Bischof  der  heiligen  Kirche  von  Caliabria^). 

Die  Synode  von  Emerita  fand  keine  Aufnahme  in  die  Sammlung 
des  altspanischen  Kirchenrechts,  aus  Gründen,  die  wir  bei  der  Frage 
nach  dem  Ursprünge  dieser  Sammlung  besprechen.  Von  den  neun 
Codices,  nach  denen  Anton  Gonzalez  die  Sammlung  der  altspanischen 
Canones  herausgab,  enthalten  die  beiden  ältesten  Codices,  der  C.  AI- 
veldcims  und  Aemüianensis,  und  einer  der  Codices  im  Escurial,  dieses 
Concil  nicht;  Gonzalez  entnahm  es  aus  dem  Codex  der  köuiglicheo 
Bibliothek;  das  Concil  ist  aber  überall  da,  wo  es  steht,  das  lezte  in 
der  ganzen  Sammlung,  also  später  als  alle  andern  eingereiht,  aber 
lange  vor  der  Zeit  Innocenz'  III.  bekannt,  in  der  aus  Anlass  des 
Streites  zwischen  den  Erzbisthümern  Braga  und  Compostella,  auf  welch* 

')  de  inohili  re  dedmum  suum  (asf)sequantur, 

*)  cum  archiepiscopo  meo  Proficio  —  hier  kommt  das  Wort:  Erzhisohof 
zuerst  in  Spanien  vor. 

')  Es  ist  heute  noch  streitig,  ob  Paco  in  Portugal,  oder  Badajoz  in  Spanien 
die  eccles.  Pa4iensi8  war;  ich  habe  nie  gezweifelt,  dass  es  Face  sei,  denn  Hadajuz 
ist  eine  relativ  junge  Stadt,  die  erst  nach  dem  Niedergange  von  Emerita  sieh  erhob. 

*)  Oxonovensis. 

*)  Aguirre,  II,  625^639,  —  Aguine-CaMatih  IV,  I9S-2t8,  —  Hanluin. 
III,  9U8-^t008.  —  lAihbt-Coleti,  v'lf,  ."SlI-iySG,  —  Mansi,  XI,  To^UXK  - 
Florez,  XIII,  269^-266.  -  Dnins,  II,  84.  -  Tejada  y  Ramiro,  II,  703-720. 
-  IlefeU,  III,  99-102, 


§.  10.    Synode  von  Emerita.  143 

lezteres  die  Metropole  von  Emerita  übertragen  wurde,  sich  der  Erz- 
biscbof  von  Compostella  darauf  berief,  während  der  von  Braga  ohne 
Grund  dessen  Aechtheit  bestritt. 

Sehen  wir  auf  den  Gehalt  und  Werth  dieses  Concils,  so  sind  wir 
versucht,  dasselbe  den  Concilicn  vorzuziehen,  welche  zu  Toledo  seit. 
636  gehalten  wurden.  Es  ist  praktischer  und  kirchlicher  gehalten. 
Was  wir  oben  zum  Lobe  der  zweiten  Synode  von  Toledo  sagtep,  das 
trifil  in  erhöhetem  Maasse  bei  diesem  Concile  zu  —  es  ist  die  auffal- 
lend praktische  Richtung  seiner  Beschlüsse ,  aus  denen  wir  einen  tiefem 
Eipblick  in  das  eigentlich  kirchliche  Leben  jener  Zeit  und  Kirchen- 
provinz gewinnen.  Der  Metropolit  Proficius  tritt  uns  entgegen  als  ein 
wahrer  Kirchenfürst.  Was  wir  oben  zum  Lobe  der  zweiten  Synode 
von  Sevilla  sagten*),  das  vnederholen  wir  bei  dieser  Synode;  es  war 
eine  wahrhafte  Kirchenversammlung,  anstandig,  würdig,  feierlich  ge- 
halten. An  den  Provinzialismen,  die  sich  da  und  dort  finden,  stossen 
wir  uns  nicht.  Denn  es  ist  nicht  allzuschwer,  überall  den  wahren 
Sinn  der  Worte  zu  erforschen,  was  bei  den  erwähnten  Synoden  von 
Toledo  leider  nicht  der  Fall  ist.  Leugnen  aber  wollen  wir  nichts  dass 
in  der  Person  des  Proficius  ein  stark,  ein  sehr  stark  ausgeprägtes 
Metropolitanbcwusstsein  uns  entgegentritt,  und  dass  uns  scheint,  Pro- 
ficius habe  zeigen  wollen,  dass  man  auch  ausserhalb  Toledo's  und 
ohne,  vielleicht  selbst  gegen  Toledo  eine  Synode  in  Spanien  halten  könne. 


§.  10. 

Denn  es  ist  eine  an  sich  sehr  auffallende  Erscheinung,  dass  vom 
Jahre  633 — 056,  und  wieder  von  675 — 701  so  viele  Concilien  in  Toledo 
stattfanden,  dass  aber  von  656  bis  zum  Tode  des  lleccswinth  keine 
Concilien  —  17  Jahre  lang  —  statthatten.  Diejenigen,  die  nach 
dem  Grunde  fragten,  fanden  ihn  in  der  veränderten  Stimmung  und 
Gesinnung  des  Königs  Receswinth.  Andere  dagegen  nehmen  ihn  nach 
Kräften  in  Schuz,  meinend,  die  Zeit  der  Unterbrechung  der  Concilien 
sei  nicht  so  gar  lang,  und  die  Zeit  von  657 — 672  sei  eben  sehr  un- 
ruhig gewesen. 

Dass  er  direct  Synoden  zu  halten   verboten   habe,    erscheint   mirnieipi 
nicht   wahrscheinlich.     Dagegen    spricht   die   Synode   vom    Jahre  666,  ^^^^  ^' 
und  die  starke  Selbstanklage  der  Bischöfe  der  Synode  von  675,  welche  «-eswinth 
das  Unterbleiben  der  Concilien  sich   als  Schuld  anrechnen.     Aber  man 
glaubte  wohl,    oder  auch  man  wusste,    dass  der  König   die  Abhaltung 
der  Concilien  nicht  mehr  gern  sehe;  darum,  um  des  „lieben  Friedens** 


«)  K.-G.  2,  1,  S.  4495  2,  2,  S.  90. 


144  Achtes  Bnch.    Achtes  tCapitel.  —  §.  10.  König  Reoeswinth. 

willen,  und  um  die  süsse  Eintracht  zwischen  Staat  und  Kirche  nicht 
zu  stören,  unterliess  man  sie,   und  wartete  man  auf  bessere  Zeiten. 

Die  Verdienste  aber,  die  sich  sonst  Receswinth  um  Spanien  er- 
warb (besonders  gehört  hieher  die  Sammlung  der  spanischen  Geseze), 
erschienen  so  gross,  dass  im  Allgemeinen  auch  heute  noch  sein  Name 
mit  einem  Glorienschein  umgeben  ist,  und  man  es  vorzieht,  seine 
etwaigen  Schwächen  mit  dem  Mantel  der  Liebe  zu  bedecken. 

Nach  einer  Regierung  von  23  7^  Jahren  starb  Receswinth  im 
(äussern)  Frieden,  im  Jahre  672.  Dabei  ist  die  Mitregentschafl  vom 
Jahre  649  eingerechnet^). 


0  CcBoanUUs  rechnet  23  Jahre  (S.  231—236);  Florez  sagt,  sein  erstes  Jahr 
habe  am  22.  Januar  649  angefangen,  und  da  er  nach  dem  22.  Januar  672  gestorben 
(am  1.  September  672),  so  habe  er  23  Jahre,  7  Monate  und  einige  Tage  regiert 
(t.  II,  p.  186;  t.  VI,  269). 


Neuntes  Kapitel. 

Die  Bisehftfe  BrauHo  und  TiOo  von  Saragossa.    8.  Aeml- 
lian  TOD  Cogolla  und  Froetnosos  von  Braga.  —  Der  Abt 

Yalerins. 

§.  1. 

Braulio  folgte  im  Jahre  631  seinem  Brnder  Johannes,  dessen  Braniio 
Archidiakon  er  gewesen,  in  der  Regierung  des  Bisthams  Saragossa^®™**" 
nach.  Er  wohnte  den  Synoden  von  633,  636  und  638  an;  auf  der 
Synode  von  646  zu  erscheinen  hinderte  ihn  wohl  Alter  und  Krankheit. 
Nach  dem  Tode  Isidor's,  dessen  Freund  wie  Bewunderer  er  war,  war*-^-*' 
er  einer  der  angesehensten  Bischöfe  Spaniens,  ein  geistiger  Mittelpunkt, 
um  den  sich  andere  sammelten.  Sein  Einfiuss  war  bei  den  Königen 
wie  bei  den  Bischöfen  gleich  gross.  Wenn  aber  Spanier  sagen,  dass 
der  Brief,  den  er  im  Namen  der  Synode  von  638  an  Papst  Honorius 
schrieb,  in  Rom  allgemeines  Aufsehen  gemacht  habe,  so  fehlt  es  an 
Beweisen  hiefüi*,  oder  es  war  zwar  eine  Verwunderung,  aber  keine 
Bewunderung.  In  den  lezten  Jahren  seines  Lebens  klagt  Braulio  sehr 
über  den  Verlust  seiner  Sehkraft,  und  ist  geistig  sehr  herabgestimmt. 
Er  starb  im  Jahre  651,  und  wurde  in  der  damaligen  Kathedrale  der 
heiligen  Maria  (jezt  N.  S.  Merced  dd  Pilar  genannt)  begraben,  wo 
man  später  auch  sein  Grab  wieder  fand. 

Er  schrieb  das  Leben  des  heiligen  Bekenners  Aemilian  (mit  dem  LeiMn 
Beinamen  üuctdlatus,   gewöhnlich   heisst  er  S.  MiUan   de   la  Cogolla) j^^^^^- 
des    Stifters   des   nach    ihm   genannten   Klosters   (bei   Turiasso),    wel-    lun. 
eher   im   Jahre    564,   mehr   als   hundertjährig,   gestorben   war,   dessen 
Name  und  Ruhm  durch  alle  Zeiten  lebt«    Er  widmet  die  Schrift  seinem 
Bruder  {jgerraanu8\  dem  Priester  Fronimian,  den    er,   nach    spanischer 
Sitte  aller  Zeiten,  seinen  Herrn  nennt.     Schon  zu  Lebzeiten  des  altem 

Garns,  apan.  Kirche.  U,  2.  10 


146  Achtes  Buch.    Zehntes  ELapitel. 

Bruders  Joannes  habe  er  auf  den  Wunsch  Beider  nach  den  Notizen, 
welche  Abt  Citonatus,  Nachfolger  des  Aemilian,  hinterlassen,  femer 
die  Priester  Sophronius  und  Gerontius,  und  die  Nonne  Potemia, 
das  ,,Leben  des  heiligen  Aemilian^  geschrieben,  aber  sein  Manuscript 
sei  verloren  gegangen^).  Da  es  aber  unerwartet  wieder  gefundeD 
worden,  habe  er  die  Schrift  mehr  ausgearbeitet,  er  habe  ein  kurzes 
Buch  über  das  Leben  des  Heiligen  geschrieben,  damit  es  bei  der  Fest- 
feier desselben  gelesen  werden  könnte.  Auch  einen  Hymnus  zu  EhreD 
des  Heiligen  in  Jamben^)  übersendet  er.  Eugen,  damals  sein  Archi- 
diacon,  erhielt  den  Auftrag,  dass  an  dem  Gedächtnisse  des  Heiligen 
„die  gewohnliche  Messe  ^)  (für  Bekenner)"  gefeiert  werde.  Aemilian 
brachte  nach  seiner  Bekehrung  40  Jahre  in  der  Einöde  zu.  Bischof 
Didymus  von  Turiasso  übergab  ihm  die  Kirche  Vergegium,  aus  der 
er  wieder  in  die  Einsamkeit  zurückkehrte.  Viele  Wunder  wurden  durch 
ihn  vollbracht;  er  vertrieb  Dämonen,  blickte  in  die  Zukunft.  Nach 
seinem  Tode  geschahen  Wunder  auf  seine  Fürbitte,  selbst  ein  todtes 
Mädchen  wurde  zum  Leben  auferweckt.  (Das  „Leben''  Aemilians  ist 
in  30  Kapitel  getheilt,  wovon  sich  die  Mehrzahl  mit  dessen  Wundem 
beschäftigt.  Demselben  ist  der  Hymnus  über  den  Heiligen  beigefugt). 
Es  ist  gewöhnliche  Annahme,  dass  die  Akten  der  Märtyrer  von 
Saragossa  ein  Werk  des  Braulio  seien  ^). 

BHefe  ^^^  ^^^  Briefen  des  Braulio  waren  früher  nur  einige,  besonders 

^^    jdfe  an  und  von  Isidor,  bekannt.    Es   wurde  aber  eine  (im  Alterthum 

/    nicht  erwähnte)  Sammlung   der   (44)  Briefe  Braulio's  im  vorigen  Jahr- 

/  fhundert  in  Leon  aufgefunden,  welche  zuerst  in  Band  30  der  von  RUco 
jÄrtgesezten  „Espana  sagrada^*  des  H.  Florez  erschienen.  Obgleidi 
/  hundert  Jahre  seitdem  vergangen,  sind  diese  Briefe  doch  bis  jezt  wenig 
bekannt  und  verwerthet.  Sie  bilden  einen  schäzbaren  Beitrag  zur  £r- 
kenntniss  Spaniens  im  Zeitalter  der  Westgothen.  Isidor  schreibt  dein 
Archidiacon  Braulio,  dass  er  ihn  früher  mündlich  ersucht,  ihm  die 
sechste  Decade  (ist  wahrscheinlich  die  Erklärung  der  Psalmen  51 — 60) 
der  Werke  des  heiligen  Augustinus  zu  senden.  An  dieses  Verspre- 
chen erinnert   er   ihn  jezt  schriftlich.    Er   sende  ihm  das  Buch  „5^- 

Briefe  owywia",    wcil   Cr  es   verlangt.    —   In   einem   zweiten   Briefe    wünscht 
•DUidor  QY  ihn  noch  einmal  zu  sehen,    „damit   du    mich,   den   du    durch    dein 

von   Se-  7     //  / 

Tiiu.  Weggehen  betrübt  hast,  durch  dein  Wiederkommen  einmal  wieder 
erfreuest."  Er  übersendet  ihm  einen  Quatemio  von  „Regeln"  (eine 
Sammlung  von  Monchsregeln?).     In  dem  (3.)  Briefe  bittet  Braulio  um 


^)  plena  pagina  —  negligentia  administrantium  mihi  intercepia  est. 
')  jambico  senario  metro, 
')  missa  communis. 
0  K..G.  1,  320—329. 


§.  K    BranKo  von  Saragossa.  147 

das  Buch  der  „Etymologien^^,  das,  wie  er  hört,  Isidor  schon  vollen- 
det, und  anf  das  er,  als  Veranlasser,  den  ersten  Anspruch  hat.  Er 
redet  von  einer  Synode,  in  der  über  einen  „Sintharius''  verhandelt 
wurde.  Es  scheint,  dass,  als  Isidor  obigen  Brief  erhielt,  er  in  Toledo 
war;  durch  die  Ungeschicklichkeit  eines  Bedienten  ging  ihm  ein  (der?) 
Brief  des  Braulio  verloren.  —  In  einem  langem  Brief  klagt  Braulio, 
dass  er  schon  seit  mehr  als  sechs  Jahren  um  die  Bücher  der  jfirigi- 
n«*'  (oder  Etymologieen)  gebeten,  und  sie  unter  verschiedenen  Vor- 
wänden nicht  erhalten  habe.  Weil  Eusebius,  der  Metropolit  von  Tar- 
raco  gestorben  (f  c.  632),  so  möge  Isidor  (für  eine  gute  Wahl  bei 
dem  Könige)  intercediren. 

Dieser  Brief  ist  wohl  im  Jahre  632  geschrieben.  Isidor  antwor- 
tet „dem  Bischof^'  Braulio,  sein  Brief  habe  ihn  ui  der  Stadt  Toledo 
gefunden.  Die  Etymologieen  hat  er  ihm  auf  der  Reise  gesandt.  In 
Betreff  der  Wahl  des  Bischofs  von  Tarraco  hat  er  kein  geneigtes  Gehör 
beim  König  gefunden,  der  indess  noch  keinen  Entschluss  gefasst  (aber 
bald  darauf  den  uns  sonst  nicht  bekannten  Audax  wählte).  < —  Der 
siebente  Brief  scheint  das  Begleitschreiben  zu  sein,  womit  Isidor  dem 
Braulio  auf  dem  Wege  nach  Toledo  sein  grosses  Werk  sandte.  Er 
lautet:  „Meinem  Herrn,  dem  Knechte  Gottes  Braulio  Isidor.^'  Siehe, 
wie  ich  versprochen  habe,  sende  ich  dir  das  Werk  über  den  Ursprung 
(origine)  gewisser  Dinge,  welches  aus  der  Elrinnerung  fiiiherer  Leetüre 
gesammelt  und  an  gewissen  Stellen  mit  Anmerkungen  versehen  ist,  wie  v 
es  denn  gleichsam  aus  der  Hand  der  Alten  hervorgegangen  ^).  In  Brief  '  / 
8  bedauert  Isidor,  dass  er  umsonst  gehofft,  den  Braulio  zu  sehen, 
welcher  indess  der  vierten  Synode  von  Toledo  anwohnte.  Damit 
schliesst  der  Briefwechsel  beider  Männer,  der  in  der  Sammlung  der  .; 
Briefe  des  Braulio  vollständiger  ist,  als  in  der  Isidor's. 

Den  Priester  JactatuB  verweist  Braulio    auf   die  Leetüre   des  Au-  'Bri«re 
gustinus,  des  Hieronymus,  des  Hilarius.     Demselben  schreibt  er  wieder  »«  ver- 
(tO)  über  die  Noth  der  Zeiten,  und  er  hofift,  nach  Ostern  ihn  bei  sich    den«, 
zu  sehen.     Dem   Priester    Tajo,   seinem  Nachfolger,   schreibt  er   (11) 
einen  schai*fen  Brief,    antwortend  einem   angeblich   noch  scharfem  des 
Tajo,    und   wirft   ihm   Hochmuth   vor.     In  dem   Briefe   citirt   er   den 
Horaz,  Virgil,  Ovid,  Appius,  Terenz,   am  Schlüsse  aber   bittet   er  ihn^ 
um  Verzeihung,   wenn  er  ihn  (ohne  sein  Wissen)  beleidigt *)•   —  Dem 


::— »• 


')  misi  opu8  de  Origine  guarumdam  reruim,  ex  veteris  lectionis  recorda- , 
turne  coUedum,  atqae  ita  in  qutbusdam  lods  adnotatum,  sicut  exstai  eonacri- 
ptum  stylo  majoTwn, 

')  Ecce,  8%  ante  tibi  fuit  motua,  modo  ait  modus:  et  cui  poiius  placent 
vina,  quam  verba,  caveat  vina,  ne  eum  offendant  verba.  En  dum  urceum  fingere 
volo,  ut  ait  Terentius,  amphoram  finxit  mantts.  Die  MlBsverständnisse  werden 
sich  gehoben  haben. 

10* 


148  Achtes  Bach.    Neuntes  KapiteL 

Archidiacon  Floridius   antwortet   (12)   Braullo,   dass   ihm   weder   Zeit 
noch  Gelehrsamkeit  zu  Gebote    stehe,    seine   Fragen    zu    beantworten. 
Sonst  musste    er  ein  Buch   schreiben.     Es   werde   besser   sein,    wenn 
Floridius  selbst  zu  ihm  komme.    —  Den  Priester   und  Abt  Fronimian 
ermahnt  Braulio,  wegen  vorgekommener  Aergemisse  sein  Amt  ja  nicht 
niederzulegen.    Es  erhellt  nicht,   ob   dieser  Fronimian   der    vorher   er- 
wähnte Bruder  Braulio's   war,   an   den  auch   der  folgende  (14)  Brief^ 
eine   Antwort  auf  liturgisehe   Anfragen,   gerichtet   ist.    Im    15.  Briefe 
tröstet   er  seine  Schwester   (Geschwisterkind?)   Basilla   über   den  Tod 
eines   (nicht  genannten)  Mannes,   den  beide  Geschwister  hochachteten. 
Es   folgt   ein   Trostschreiben   an    die   Wittwe   Apicella.     Bei    Bischof 
Wiligildus  (welcher  in  den  Concilien  jener  Zeit  nicht  erscheint),   ent- 
schuldigt er  sich,   dass  er  einen  Mönch   seines  Bisthums   zum  Diakon 
geweiht  habe,  und  bittet  ihn  (von  welchem  er  raumlich   weit    entfernt 
ist),   dass  er  die   von  ihm  vollzogenen  Weihen   anerkenne.     Dasselbe 
schrieb  er  dem  Abte  Aynlfus.     Seiner  Verwandten,  der  Aebtissin  Pom- 
ponia  schreibt  er  einen  Trostbrief  über  den  Tod  ihrer  Schwester  Ba- 
silla«   Ebenso  ist  der  (19.)  Brief  an  Hojo  (Hoju?)    und   Eutrocia   ein 
Trostschreiben  über  den  Tod  des  „Hugnan^%  ihres  Sohnes  und  Gatten'). 
Dieselben  tröstet  der  folgende  Brief. 

Es  folgt  (21)   der  schon  erwähnte   Brief  des  Braulio    an   Papst 
Honorius,   wohl  der  wichtigste  dieser  Sanmilung  (vrg.  Elap.  12).     Der 
dem  Braulio   gewordene  Auftrag,   ihn  zu   schreiben,  lässt  vermuthen, 
dass  die  Bischöfe   ihn  für  den  besten  Schriftsteller   in  Spanien    hielten. 
p-— Da  Isidor  gestorben,  Eugen  IL   und  Ildefons   noch   nicht   blühten,   so 
'      scheint  Braulio   allerdings   die    hervorragendste   Capacitat   gewesen   za 
sein.    Dem  Bischof  Eutropius  (22)  dankt  er  für  seine  Güte  und  Sorge 
um  ihn,  und  antwortet  über  die  Feier  des  Osterfestes.    Dem  Bischoft 
Unianimus  dankt  er  für  das  ihm  erwiesene  Wohlwollen.    Im  Jahre  64u 
erscheint  ein  Bischof  Anianus  von  Valencia.    Mit  (24)  Bischof  Valen- 
tinus  theilt  er  dieselben  Sorgen  und  Aengste.    Die  zwei  Briefe  (25 — 2b) 
an  und  von  Abt  Aemilian,  der  sich  in  einer  bedeutenden  Stadt  befand, 
vielleicht  in  Toledo,  zeigen,   dass  man  damals  in  Spanien,   wenigstens 
im  Norden,   die  Schrift  des  Apringius  von  Pace  über  die  Offenbarum; 
des  Apostels  Johannes  nicht  hatte*)    In  Brief  (27)  bittet  er  den  Aemi- 
lian um    seinen  Schuz,   der  vielleicht   bei  König  Chindaswinth   in  An- 
sehen stand.      Den   Laien  Ataulf  tröstet   er   über   einen   Trauerfall  in 
dessen  Familie.     Aehnlichen  Inhalts  ist  der  Brief  an  Gundesvinda  und 
Agivarius;  i-boiiso  tröstet  er  (30)  den  Wistremir  über  den  Verlust  eines 


')  Aber  die  Ueborschrift  lautet  jedesmal:  domnis  et  filiis  meis  Uojoni  ei 
EtUrodae. 

»)  K.-G.  II,  1.  S.  425. 


§.  ].    Braulio  von  Saragossa.  149 

Sohnes.    Den  König  Chindaswinth   bittet   er,   ihm  seinen  Archidiacon  Briefe 
Eugenius  nicht  zu  entreissen.    Aber  von  Chindaswinth  erhält  er  die  feine  ^J^** 
Antwort,   dass  sein  Brief  von  seiner  Geisteskraft  Zeugniss    gebe,  nnd 
dass  er  auch  ohne  Eugenius  leben  könne.    Noch  einmal  bittet  Braulio, 
dass  der  König  den  Eugenius  zurücksende.    Den  Nebridius  tröstet   er 
(34)  über   den  Hingang   seiner  Gemahlin.    Eugen  11.   von  Toledo   be- 
fragt ihn  über   drei   schwierige   Fälle   der  Kirchenzucht,   und   Braulio 
antwortet  ihm  nicht  ohne  Besorgniss,   das  Richtige   nicht  getroffen  zu 
haben.  —  Die  Bischöfe  Braulio  und  Eutropius  bitten  (37)   den  König 
Chindaswinth,    seinen   Sohn    als   Mitregenten    anzunehmen.      Braulio 
schreibt  dem  König  Receswinth  über  ein  dichterisches  Werk,  das  ihm 
dieser    zur    Emendirung    zugesandt.      Der  Brief   des  Receswinth   ist 
höflich  und  geistreich;  er  hofft,   dass   Braulio   den  durch  Abschreiber 
arg  corrumpirten  Codex   wieder   herstellen  werde.     Ein  weiterer  Brief 
des  Braulio  begleitet  den  an  Receswinth  zurückgeschickten  Codex,    der 
ausgebessert  wurde ,  so  gut  es  ging.    "Wiederholt  klagt  Braulio  in  den 
lezten   Jahren   seines   Lebens   über   das   schwindende  Augenlicht.     Es 
folgt  (39)   ein   höflicher,   dankender  Empfangsschein   des   Receswinth. 
Wieder  werden  zwei  Briefe  über  denselben  Codex,  wie  es  scheint,  ge- 
wechselt (40 — 41).     Es   folgt   das  Bruchstück   eines  Briefes,   den  der 
Priester  und  Abt  Tajo   an  Braulio  schrieb   (es   fehlt  der  Anfang).    Er 
verlangt  von  Braulio  eine  Schrift  über  die  Frage,  ob  nach  der  Aufer- 
stehung des  Herrn  dessen  Blut  noch  da  und   dort-  vorhanden  sei.     Im 
42.  Briefe  antwortet* Braulio  auf  diese  offenbar  allzu  schwierige  Frage 
—  mit    grosser  Höflichkeit   gegen   Tajo,   den   er   nicht   seineu    Sohn, 
sondern  seinen  Bruder  nennt.     Er  gesteht,  dass  er  nicht  leisten  könne, 
was  Tajo  von   ihm  erwarte.     Er   behandelt   die   Frage,    was   bei  Auf- 
erstehung des  Leibes  auferstehen,  was  im  Grabe  bleiben  werde. 

Es  folgt  ein  Brief  des  Fructuosus  an  Braulio  und  des  lezteru  , 
Antwort,  wovon  wir  nachher  handeln.  In  seiner  Antwort  zeigt  Brau-  i 
lio  seine  ganze  geistige  Kraft*).  ^ 

§.  2. 

Dem  Braulio  folgte  im  Episcopate  von  Saragossa  der  mehrge- 
nannte Tajo.  Er  erscheint  als  Bischof  im  Jahre  65^,  655  und  656. 
Wie  lange  er  die  Kirche  von  Saragossa  geleitet  habe,  das  liegt  im 
Dunkeln.  Sein  Nachfolger  erscheint  erst  im  Jahre  683.  —  Sein  Haupt- 
werk, Sententiarmn  L  V,,   war  zwar  im  Jahre  823  in  Gallien  bekannt. 


*)  Espana  sagrada,  ed.  Bisco,  t  30—31,  —  Nicolam  Antonio,  I,  374— 
37S.  Felix  de  Latassa,  Bibliotheca  antigua  de  los  e.scritores  Aragoneses  (ad  1500), 
t,  1.  Zaragoza  1796,  p.  67—77. 


150  Achtes  Bach.    Neuntes  Kapitel. 

1^  •■  in  Spanien  selbst  aber  wurde  es  erst  im  vorigen  Jahrhundert  im  Kloster 
8.  Millan  de  la  Cogclla  neu  entdeckt.  Es  ist  gewidmet  dem  ehrwürdigen 
Herrn  und  heiligsten  Manne,  dem  Bischöfe  Quiricus  (von  Barcelona) 
von  Tajo  mit  dem  Zunamen  Samuel,  dem  unwürdigen  Bischöfe  der 
Stadt  Saragossa,  auf  dessen  Bitten  er  diese  Schrift  verfasst  hat.  Ein 
gewisser  Froja  habe  die  Fahne  der  Emponing  9.gegen  den  orthodoxen 
und  grossen  Diener  Gottes  Reccswinth^^  erhoben.  Das  wilde  Volk  der 
Vasconen  (Basken),  wohnend  in  den  Vorbergen  der  Pyrenäen,  welches 
plündernd  und  verheerend  zuweilen  Spanien  durchwandere^  sei  „die 
Ursache  dieses  Verbrechens"  gewesen.  Sie  haben  überallhin  Verheer- 
ung und  Mord  getragen,  und  die  Stadt  Saragossa  enge  eingeschlossen. 
In  den  Nächten  ^)  dieser  so  bedrängten  Zeit  hat  Tajo  seine  „Sentenzen'*, 
eine  Blumenlese  aus  den  Werken  Gregorys,  zu  schreiben  angefangen, 
die  er  nun  dem  Quiricus  widmet. 

Aus  derselben  Quelle  erfahren  wir,  dass  das  Heer  des  Froja  von 
Konig  Receswinth  am  Ebro  angegriffen  und  geschlagen  wurde,  und 
dass  Froja  selbst  umkam.  Da  nach  dem  Tode  des  Chindaswinth  (ge- 
storben 1.  October  652,  nach  andern  30.  September  653)  Receswinth 
ohne  weitere  Wahl  die  Regierung  übernahm,  se  scheint  Froja  zu  den 
Basken  entwichen  zu  sein,  und  dieser  Einfall  der  Basken  in  das  Jahr  652 
oder  653  zu  fallen.  Dieses  Gebirgsvolk  war  den  Gothen  niemals  ganz 
unterworfen. 

smim-  Die  SenterUiarum  l,    V.,    sind  theils    aus  Augustin,    zumeist    aas 

*^^^  Gregor's  Schriften  entnommen.     Im  ersten  Buche  handelt  er  von  Gott 

Ton  der  von  der  Schöpfung,  den  Geschöpfen*),  von  der  Vorsehung  und  Regier- 

Tnniiät.  ^jjg  ^gj.  ^^ji^.  jm  zweiten  Buche  von  der  Menschwerdung  Gottes,  von 

der  Kirche  und  der  Regierung  der  Kirche,  niimlich  von  den  Aposteln 
und  deren  Predigt.  Während  die  Juden  gegen  die  Kin^h^i  wütheten, 
zerstreuten  sich  die  Apostel  in  allen  Richtungen.  Hier  ist  von  Petrus 
und  Paulus,  aber  nur  im  Allgemeinen  die  Rede.  Dass  Paulus  oder 
dass  Jacobus  nach  Spanien  gekommen  seien,  wird  nicht  erwähnt;  Tajo 
hält  sich  an  die  Ausdrücke  Gregor's  I.  Er  handelt  von  den  (4)  Evan- 
gelisten, von  der  Schrift  des  Alten  und  Neuen  Testaments,  von  den 
Anfangen  der  sich  bildenden  Kirche,  von  der  Gnade  der  Taufe,  von 
der  Communion   (des   Leibes    und   Blutes  Christi),    von    der  Berufung 


9  cf.  Isidor  Pacensis  chron.  cp.  15,  den  Risco,  L  32,  p.  337  aus  Roderic 
Tolttan,  II,  22  (histor.  Oothor.)  berichtigt.  Das  Jahr  will  auch  Lembke  nicht 
bestimmen.  S.  101. 

*)  noctium  otia  laborum  spiritalium  incrementis  congessimus,  ac  de  sacns 
voluminibus,  scüicet  sancti  papae  Gregorii  Romensis,  sententiarum  capitula  in  i 
guinque  libeUis  discreia,  uno  Codicis  textu  conclusa,  aitxiliante  Domino  colh- 
gendo  decerpsimtis,  aJtqae  in  amaris  diebus  dulcium  ciborum  l4xcrymando  dapft 
coUegirnua, 


§.  2.    Tajo  von  Saragoesa.  151 

der  Völker,  d.  i.  der  Heiden,  in  die  Kirche,  von  den  Predigern,. ihrer  8e»t«B- 
Predigt  und  ihrem  Leben,  von  den  göttlichen  Geheimnissen  oder  ^^^^ 
Wundem,  von  den  heiligen  Märtyrern,  von  den  Verfolgern  der  Mär- 
tyrer, von  den  Änserwählten,  die  Alles  verlassen,  mid  die  mit  Christas 
(zum  Gerichte)  kommen,  von  den  Erklärern  der  heiligen  Schrift,  von 
dem  stetigen  Wachsthum  der  heiligen  Kirche,  von  dem  Glücke  und 
den  Unfällen  in  dieser  Welt,  von  den  Kezern,  von  dem  Glauben^  der 
Hoffnung  und  der  Liebe,  von  der  Wahl  der  Seelenhirten  u.  s.  V7.  Es 
folgen  längere  Auszüge  aus  Gregors  Pastoralregel.  Er  handelt  von 
den  (den  Seelenhirten)  Anvertrauten,  von  dem  Verhalten  der  Cleriker, 
von  dem  Wandel  der  Mönche. 

Das  di*itte  Buch  verbreitet  sich,  meistens  nach  Gregor,  u.  A.  über 
die  fünf  Weltalter,  über  die  verschiedenen  Lebensalter,  die  Verhei- 
ratheten,  die  Jungfrauen  und  die  Enthaltsamen,  die  jüngst  Be^ 
kehrten  oder  Neophyten,  spricht  vom  Fasten,  der  freiwilligen  Ar- 
muth,  von  dem  stillen  und  thätigen  Leben  der  Gott  geheiligten 
Männer,  von  den  Auserwählten,  von  den  göttlichen  Gnadengaben, 
von  den  vier  Cardinal tugenden,  dem  thätigen  und  beschaulichen 
Leben,  vom  Gebet,  den  sieben  Gaben  des  heiligen  Geistes,  von  ver- 
schiedenen Tugenden,  zulezt  von  der  Gesundheit,  der  Krankheit,  und 
dem  Tode  des  Leibes.  —  Das  vierte  Buch  handelt  u.  a.  von  verschie- 
denen Sünden,  Versuchungen,  Kämpfen  gegen  dieselben.  —  Das  fünfte 
Buch  u.  n.  von  den  christlichen  Fürsten,  von  verschiedenen  Ständen, 
von  verschiedenen  Eigenschaften  und  Fehlem,  von  den  lezten  Dingen, 
dem  Antichrist.  Nur  da,  wo  Gregor  der  Grosse  nichts  Entsprechen- 
des enthielt,  wurde  Augustin  (und  wohl  auch  Isidor  von  Sevilla)  zu 
Hilfe  genommen.  Tajo  will  denjenigen,  welche  die  grossem  Werke 
nicht  zu  Händen  haben,  eine  gedrängte  Uebersicht  der  christlichen 
Glaubens-  und  Sittenlehre  geben*). 

Noch  ist  der  Brief  Tajo's  an  Engen  H,  vorhanden,  worin  er  von 
seinem  römischen  Aufenthalt  handelt ,  die  Verdienste  Gregor's  I.  rühmt, 
▼on  der  Zusammensezung  seines  Werkes  aus  den  Schriften  Gregor's 
handelt;  er  übersendet  ihm  sein  Werk,  und  bittet  ihn,  es  wohlwollend 
aufzunehmen.  Die  Vollendung  dieser  Schrift  dürfte  in  die  Jahre  654 — 
655  fallen. 


')  Sententiarum  L  V,  ed,  Riseo,  Eßpana  sagrada,  Madrid  1776,  4.  31, 
p.  171—544.  —  Abgedrnckt  ap.  Migne,  Pairol  lat.  t,  80,  p,  724—990.  —  NicoL 
Antonio,  l.  6,  cp.  7,  ed.  Perez  Bayer,  I,  p.  422—428.  —  Latassa,  biblioth.  de  los 
escritores  antiguos  Aragoneses,  Madr.  1796,  t.  /,  p.  77-^4, 


152  Achtes  Buch.    Nenntes  Kapitel. 


§.  3. 

Qairicu  Von  dem  Bischöfe  QuiHcus  von  Barcelona  besizen   wir   die  Ant- 

▼onBar-  ^q^  auf  die  ihm  übersendeten  Sentenzen  des  Tajo.  Diess  Werk  habe 
schon  viele  vom  lasciven  Leben  zaruckgeftihrt,  viele  vom  Zorne  ge- 
heilty  andere  vom  Eigendünkel  befreit,  einige  habe  es  vom  Fehler  der 
Gefrassigkeit  geheilt,  andere  vom  Geize  znrückgefuhrt,  alle  aber  habe 
es  belehrt,  dass  man  das  Flüchtige  und  Vergängliche  verachten,  das 
Gewisse  aber  mid  das  Ewige  mit  aller  Kraft  suchen  müsse.  Zugleich 
ersieht  man  aus  dem  Briefe,  dass  Tajo  dem  Qniricus  sein  Werk  nur 
geliehen  hatte.  —  Ob  das  kurze  Gedicht,  das  vor  den  Sentenzen  steht, 
das  Werk  Tajo's  sei,  bezweifeln  wir.  Vielleicht  ist  es  eine  Arbeit  des 
Bischofs  Quiricus,  der  aus  seinem  schonen  Hymnus  zu  Ehren  der  hei- 
ligen Eulalia  von  Barcelona  als  Dichter  bekannt  ist  —  Auch  an  Ilde- 
fons  von  Toledo,  den  er  zu  Toledo  besucht  hatte,  besizen  wir  zwei 
Briefe  von  Quiricus;  im  ersten  dankt  er  für  das  Werk  ^de  virginitfUt 
B*  M.  Fl",  im  zweiten  bittet  er  ihn,  dass  er  ihm  seine  weitem  Werke 
sende.  Er  erschien  auf  der  Synode  von  Toledo  im  Jahre  656,  war 
aber  lange  vorher  schon  Bischof^).  Sein  gleichfalls  gefeierter  Nach- 
folger Idalius  scheint  ihm  um  das  Jahr  666  im  Episcopate  gefolgt 
zu  sein. 


Prac.  Der  heilige  Fructuosus  war  vielleicht  der  gefeiertste  Ordt-iisstitUr 

tootos  Spaniens  im  siebenten  Jahrhundert.  „Gott  bat  (sagt  sein  Biograph)  iu 
dens-  dieser  Zeit  zwei  Sonnen  gescbaflen,  um  diese  Länder  des  Westens  mit 
Stifter,  den  Strahlen  jener  leuchtenden  Wahrheit  zu  erheilen,  die  dem  heiligen 
apostolischen  Stuhle  entspringt:  die  eine  Sonne,  Isidor  von  Sevilla, 
giesst  durch  seine  Beredtsamkeit,  seine  Schriften,  seine  hohe  Weisheit, 
die  Fülle  des  Lichtes  der  Glaubenswahrheiten  aus,  die  von  dem  ober- 
sten Lehrstuhle  in  Rom  ausgeht;  die  andere  ist  Fructuosus,  welcher  in 
der  unversehrten  Reinheit  seines  Lebens,  durch  das  innere  Feuer  seiner 
Betrachtungen,  in  unsere  Herzen  die  Tugenden  der  ersten  Väter  der 
Wüste  eingicsst".  Fructuosus  war  der  Sohn  eines  gothischen  Feld- 
herm.  Nach  dem  Tode  seiner  Eltern,  nachdem  er  zu  Palcncia  seine 
Studien  beendigt,  zog  er  sich  in  die  einsame  Gegend  Galiciens  zurück. 
die  er,  fast  noch  ein  Kind,  sich  auserwählt,  erbaute  und  dotirte  dort 
ein  Kloster   {Compluto  bei  Astorga^)),   zu    dem    sich   bald   eine  grosse 


•;  K..G.  1,  311.  -  Fhrez,  29,  134-139,  439-^43. 

*)  Complutica,  später  Kloster  der  heiligen  Justas  und  Pastor. 


§.  4.    Fructuosus  als  Ordonsstifter.  153 

Menge  von  Mönchen  sammelte.  Er  selbst  floh  in  die  verborgensten 
Felsschluchten,  um  ganz  vergessen  zu  werden.  Um  so  mehr  aber  zog 
er  die  Blicke  aller  auf  sich,  die  Herzen  aller  an  sich.  Erstaunlich 
gross  waren  die  Schaaren  derer,  die  um  ihn  sich  sammelten,  die  unter 
seiner  Anleitung  und  Führung  sich  heiligen  wollten^).  Hier  tritt  uns 
die  wohlthuende  Erscheinung  entgegen,  dass  der  Beruf  zum  Kloster- 
leben um  die  Mitte  des  siebenten  Jahrhunderts  wieder  mächtig  hervor- 
trat, während  er  zu  der  Zeit  des  Abtes  Eutropius  etwas  nachgelassen 
zu  haben  schien^).  In  kurzer  Zeit  musste  Fructuosus  eine  Menge  von 
Klöstern  stiften.  Der  Herzog  (Statthalter)  einer  Provinz  schrieb  dem  i>«Ein- 
Könige,  dass,  wenn  er  diesem  Andränge  zu  den  Erlöstem  nicht  Schran- prootoo. 
ken  sezen  würde,  sich  für  den  Waffendienst  bald  Niemand  mehr  finden  '^^ 
werde.  —  Auch  fromme  Frauen  verlangten,  unter  der  Leitung  des 
Fructuosus,  sich  Gott  zn  heiligen.  Ein  Frauenkloster  mit  achtzig 
Jungfrauen  erblühte  unter  der  Aebtissin  Benedicta.  Von  der  Provinz 
Cantabrien  im  Norden,  bis  zu  der  Provinz  Andalusien  im  Süden  er- 
streckte sich  die  gesegnete  Wirksamkeit  des  Heiligen,  besonders  aber 
waren  die  beiden  Provinzen  Galicien  und  Lusitanien  der  Schauplaz 
seiner  Thätigkeit.  Es  war  in  dem  Manne  Gottes  eine  mächtig,  eine 
unwiderstehlich  anziehende  Kraft,  zugleich  eine  bezaubernde  Liebe  und 
Lieblichkeit,  die  selbst  die  Thiere  an  ihn  fesselte.  —  Es  war  (nach 
meiner  Ansicht)  der  vollendetste,  der  grösste  Heilige,  welchen  Spa- 
nien in  diesem  Jahrhunderte  besass.  Können  wir  ihn  auch  einen  Be- 
nedictiner  im  engern  Sinne  nicht  nennen,  so  fällt  doch  die  ausseror- 
dentliche Aehnlichkeit  seiner  geistigen  Entwicklung  mit  der  des  heili- 
gen Bencdictus  auf.  Auch  von  ihm  werden  viele  Wunder  berichtet, 
die  sich  theilweise  auf  eine  wunderbare  Herrschaft  des  Heiligen  über 
die  Natur  zurückführen  lassen. 

Von  den  Klöstern,  deren  Gründung   auf  ihn  zurückgeführt   wird,   «tiftet 
nennt  der  Bencdictiner  Anton  de  Yepes:   San  Justo  de  Compludo,   das^**^**'* 
Stammkloster,  San  Pedro  de  Moiües  (auch  genannt  Monasterio  Rup(f) 
ianensejy    das   Kloster    M,  Visuniense   bei  Villafranca,    das   Kloster  üf. 
Peonense    in    Galicien    (vielleicht    S.    Juan    dd    Poyo)    in    der   Nähe 
des  Meeres. 

Die    WaUfahrtsreise    des    Heiligen    durch   Südspanien,    und    sein    geiao 
Weilen  in  Merida,  Sevilla  und  Cadix  haben  wir  früher  erwähnt^).    Er   ^*'^" 

,  .  .  fahrten. 

reiste  mit  mehreren  Begleitern,    darunter    mit  dem  Priester  Benenatus, 
an  Idanha  vorüber  nach  Merida,    dann    in    strengem  Winter   und    bei 


')  vi  catervatim  uvdique  cancurrentium  agmine  conversorum  immenstis 
fieret  choms,  vita  s,  Fr.^  16. 
*)  B.  oben,  S.  58—59. 
*)  K.-G.  I,  S.  281,  370,  874.  -i 


164  Achtes  Bach.    Nenntes  Kapitel 

endlosem  Regen  nach  Baetica.  Ein  Knabe  ^  der  auf  einem  Pferde 
zugleich  die  Bücher  des  Heiligen  mit  sich  führte^  wurde  bei  dem 
Uebergange  aber  einen  hochangeschwollenen  FInss  von  den  Flnthen 
fortgerissen  —  und  war  lange  verschwunden.  Fructuosus  gelangte,  wie 
er  stets  zu  thun  pflegte,  zu  Fuss  über  das  Wasser.  Man  sagte  ihm, 
seine  Bücher  seien  alle  in  das  Wasser  gefallen.  Aber  siehe,  sie  wurden 
aus  den  Säcken  herausgeschüttelt,  und  das  Wasser  hatte  sie  nicht  be- 
rührt. In  Cadix  gründete  er,  „eine  von  der  entgegengesezten  Seite 
über  Spanien  aufgehende  und  es  erleuchtende  Sonne", ')  ein  Kloster.  — 
Später  wollte  der  Heilige  noch  eine  Reise  in  den  Orient  antreten,  nach 
der  frommen  Sitte  jener  Jahrhunderte.  Die  Kunde  davon  aber  gelangte 
zu  den  Ohren  des  Königs  (Receswinth?).  Dieser  und  alle  seine  treuen 
Diener  fürchteten,  es  mochte  ein  solches  Licht  Spanien  verlassen,  und 
er  befahl,  dass  er  ohne  Aufsehen  ergriffen  und  zu  ihm  geführt  werde, 
^etno-  Da  sie  (die  Beauftragten)  ihren  Auftrag  vollzogen,  so  bewachten  sie 
u  ein  ihn  mit  übergrosser  Furcht  und  schlössen  ihn  wie  einen  gefährlichen 
gener.  Staatsgefangenen  oder  Missethäter  ein.  Die  Wächter  schliefen  em, 
und  als  sie  erwachten,  fanden  sie  alle  Thüren  geöffnet  und  alle  Bande 
gelöst*).  Er  aber  ging  von  Kirche  zu  Kirche  (in  Toledo?)  und  rief 
das  Erbarmen  des  Herrn  an. 

Hierauf   (656)    wurde    er    troz    harten  Widerstandes    zum    Me- 
tropoliten von  Bracara  geweiht«     Er  lebte   in   derselben  Strenge,    wie 
zuvor,    fuhr   fort,   Almosen    zu    vertheilen    und    Klöster   zu    gründen. 
Zwischen  Braga  und  Dumium  gründete    er   auf  dem  Gipfel  eines  Hü- 
gels   ein    stattliches    Kloster,    wo    er   beerdigt   zu    werden  wünschte^. 
Seine  Der  Abt  Cassian    wird   sein    „erster   Schüler"   genannt.     Er    und   die 
khttier.  Priestcr  Benenatus  und  Julianus    erzählten  dem  Valerius  die  einzelnen 
Züge  aus  dem  Leben  des  Heiligen.  —  Lange  Zeit  vorher  erkannte  er 
Sein    das  nahende  Ende   seiner  Laufbahn.     Da   er   den    Bau    vieler   Klöster 
Ende,  unternommen  hatte,   so   Hess  er  Tag  und  Nacht   beim  Schein  der  Fa- 
ckeln  die  Arbeit   fordern.     So   wurden  alle   Bauten    zum   guten  Ende 
geführt  und  eingeweiht.  —  Dann  ergriff  ihn   ein  Fieber,    nach   einigen 


')  ex  alia  parte  quasi  Sol  oriens  inluminaUirus  Spaniam^  aedificavii 
Sanctum,  ope  Domini,  Afonasterium,  soUtisque,  coenobiali  ritu,  regularis  illud 
instruxit  exercitii  rudimentis,  d.  h.  wohl,  Fructuosus,  diese  geistige  Sonne,  war 
vom  Westen  und  von  Norden  aufgegangen.  —  Yepcs  sagt,  er  habe  zu  Cidii 
ein  Schiff  besteigen  und  nach  Palästina  wallfahrten  wollen.  Diess  findet  sich  io 
der  „  Vita**  des  Valerius  nicht.  Vielmehr  scheint  Fructuosus  vom  Norden,  von  Ga- 
licien  ans  diese  Reise  haben  antreten  wollen. 

')  Nocte  hahitaculi  ostium  in  quo  manebat,  mi^sis  extnnsecus  ccU^niSy  ei 
aeris,  diversisque  duris  obserantes  daustris  ipsi  ibi  insuper  custodea  per- 
manebant, 

*}  Diess  Kloster,  genannt  „San  Fructuoso^,  bestand  noch  im  achtzehoten 
Jahrhundert  und  gehörte  den  Franziskanern  der  strengsten  Observanz. 


§.  4.    Der  heilige  FrnctiiOBQS  von  Bracara.  155 

Tagen  verkündete  er,  dass  das  Ende  seiner  Laufbahn  gekommen  sei. 
Alle  weinten,  er  aber  frohlockte;  denn  er  wnsste  ohne  Zweifel,  dass 
er  znr  himmlischen  nnd  ewigen  Glorie  eile.  Denen,  die  ihn  fragten, 
ob  er  den  Tod  fürchte,  erwiderte  er:  „In  der  That,  ich  fürchte  ihn 
nicht,  denn  ich  weiss,  dass  ich,  obgleich  ein  Sünder,  zu  der  Gegen- 
wart meines  Herrn  wandle^^  Dann  liess  er  sich  in  die  Kirche  tragen, 
übernahm  die  öffentliche  Busse,  nachdem  er  noch  einen  treuen  Haus- 
genossen, Decentius,  der  ihm  von  Jugend  an  gedient  hatte,  durch 
Handauflegung  zum  Abt  von  Turonium  (?)  geweiht  hatte,  und  ausge- 
streckt vor  dem  heiligen  Altäre  lag  er  dort  den  Rest  des  Tages  und 
die  ganze  Nacht.  Und  als  der  Morgen  dämmerte,  breitete  er  die 
Hände  zum  Gebete  aus,  und  übergab  seinen  fleckenlosen  und  heiligen 
Geist  in  die  Hände  seines  Schopfers.  —  An  seinem  Grabe  wurden 
Kranke  geheilt,  Dämonen  ausgetrieben,  und  die  Trauernden  gingen 
nicht  ungetrostet  von  dannen. 

Zu  einer  Chronologie  des  Lebens  unsers  Heiligen  fehlen  die  An- 
haltspunkte. Wir  wissen  nur,  dass  er  vor  dem  Jahre  651 — 652  an 
Braulio  schrieb.  Wir  wissen  nicht,  wie  viele  Jahre  er  Bischof  war; 
vielleicht  dass  er  das  Jahr  660  mit  seinem  Leben  nicht,  oder  nicht 
viel  überschritt^).  Die  Biographie  des  Valerius  macht  den  Eindruck, 
dass  dieser  ihn  personlich  nicht  gesehen,  nicht  gekannt  hat.  Er  be- 
roft  sich  auf  die  oben  genannten  Schüler  des  Heiligen,  die  er  kannte. 
Von  den  Schülern  des  Heiligen  wurden  manche  auf  bischofliche  Stühle 
erhoben.  —  Der  Leib  des  Heiligen  wurde  später  nach  Compostella 
übertragen*). 

Fructuosus  war  für  Spanien  eine  wahrhaft  providentielle  Person. 
Denn  er  vor  allen  weckte  und  sammelte  das  geistige  Leben,  welches 
in  der  zweiten  Hälfte  des  siebenten  Jahrhunderts  in  Asturien,  Galicien 
und  Lusitanien  erblühte.  Diese  Blüthe  war  im  achten  Jahrhunderte 
noch  nicht  erloschen.  Im  achten  Jahrhundert  war  aber  gerade  diese 
Gegend  der  Sammel-  und  der  Ausgangspunkt  des  sich  neu  beleben- 
den Christenthums.  Die  geistige  Energie,  die  sich  hier  nach  dem 
Jahre  711  entfaltete^  ist  zu  einem  grossen  Theile  auf  Fructuosus  zurück- 
zufahren —  sein  Wirken  trug  herrliche  und  unvergängliche  Frucht. 


')  Bei  Manchen  wird  das  Jahr  665  als  das  seines  Todes  angegeben,  was  eine 
Vermathnng  zn  sein  scheint;  andere  nehmen  667,  andere  670  an. 

^  8.  I^Vticttiosi,  Bracarensis  episcopi  vita^  a  Valerio  abhate  conscripta, 
ap.  MabiUon,  Acta  Sanctorum  0.  8.  B,,  8aec.  II,  p,  681—590.  —  Ada  8an' 
dorum,  April  16.,  II,  p.  431—436.  —  Espana  sagrada  (nova  Codicum  recen- 
ncne  correda),  XV,  451—466.  —  Tepes,  Coronica  de  la  orden  de8an  Benito, 
8alamanca,  1609,  t  II,  p.  172  —  184.  —  Nicol.  Antonio,  /,  382  —  388 
(Tepes  sagt  nichts  über  das  Jahr  des  Todes^;  Espana  sagrada,  XV.  p.  i41— 
158.  —  MonJtalemherty  Mönche  des  Abendlandes,  II,  S.  232—238. 


166  Achtes  Bacb.    Neantes  KjipiieK 

g^in^  Fractnosus  schrieb  (mehrere)  Begeki  för  seine  Klöster.     Die  erste 

BtnL  hat  25  Kapitel,  und  scheint  für  das  Kloster  Complndo  irer&sst  za 
sein^).  Die  zweite  Regel,  in  20  ELapiteln,  heisst  ,,allgemeine  Kloster- 
regeP^").  Als  Erzbischof  schrieb  er  an  den  Konig  viele  Briefe«  Ob 
der  eine,  der  seinen  Namen  trägt,  acht  sei,  ist  noch  nicht  bewiesen. 
E2r  empfiehlt  darin  dem  Konig  Receswinth  Mitleid  mit  den  armen  Ge- 
fimgenen,  die  seit  Konig  Sisenand  noch  in  Ketten  nnd  Banden  schmach- 
teten (?)•  —  Dem  Fractnosus  werden  einige  Gedichte  von  zweifelhaf- 
tem Ursprung  zugeschrieben^ 

Entschieden  acht  ist  der  Brief,  den  er,  wohl  auf  eigene  Anregung, 

Mtfanan  Braulio  von  Saragossa  schrieb,  und  welcher   mit  der  Antwort  des 

^"^*^'  leztem  die  Briefsammlung   des  Braulio  schliesst    Vielleicht  war  diess 

auch  der  lezte  von  Braulio  geschriebene  Brief,   es  ist  aber  auch  nach 

meinem  G*efahl  der  beste  Brief  des  Braulio.    Die   beiden  Briefe  sind 

im  Allgemeinen  der  Ausdruck  der  gegenseitigen  Hochachtung.    Fruc- 

toosus  bittet  um  irgend  eine  geistige  Nahrung,  und  stellt  einige  Fragen 

Aber  Methusalem,  Agar  und  Salomo,  Fragen,  welche  Hieronymus  nicht 

Kffelost  habe.    Er  bittet  femer  um  die  Schriften  des  Cassian,   um  die 

Lebensgeschichte  der  heiligen  Germanus,  Honoratus,  und  Aemilianus. 

yon  Cassian  besass   er  nur   7  Collationen,   17  nicht    Er  nennt  den 

■kMito  Braulio  „den  seligen  Papst^^   (paipa  becUe).    Sichtbar  hocherfreut   über 

"'^  diesen  Brief  lehnt  Braulio  das  ihm  gespendete  Lob  ab.    Dann  preist 

er  das  Leben  und  die  Lebensweise  des  Fractnosus  treffend  und  wahr, 

er  nennt  ihn  „die  heilige  Zierde  Spaniens^^    Hütet  euch  aber,  fahrt  er 

fort,  von  jener  giftigen  Lehre  des  Priseillian  in  eurer  Heimath,  welche 

den  Dictinius  und  viele  andere,  eine  Zeit  lang  auch  den  heiligen  Oro- 

sius,  inficirt   hat^).     Noch   finden  sich   einzelne    von   diesen  Sektirem 

gefälschte  Exemplare  der  heiligen  Schrift".    Dann  beantwortet    er   die 

vorgelegten  Fragen.    Die  gewünschten  Bücher,   die  Jemand  ohne  sein 


')  Denn  sie  bestimmt  (cp,  18)  ein  Fasten  vor  dem  Feste  der  Heiligen  Jostos 
nnd  Pastor. 

*)  regtUa  monastka  communis,  cf.  Bröckle,  Codex  regulamm,  I,  208—219. 

*)  z.  B.  Carmen  in  Uxudem  episcopi  Narbonnensis;  Carmen  in  regem  Sise- 
nandum;  3)  Carmen  ad  quemdam  diaconum;  4)  ein  Gedicht  anf  Fmetnosos, 
das  sicher  nicht  von  ihm  stammt,  sondern  von  einem  seiner  Verehrer. 

*)  Cavete  autem  dudum  iUiua  patriae  venenaiwn  Priscilliani  dogma  quo 
et  DicHnftJum  et  muUos  cUios,  ipeum  quoque  sandum  Orosium  invenumis  fiiiut 
iftfeeivm,  quamms  postea  a  sancto  Augustino  correcium,  —  Lezteres  scheint  ein 
Irrthnm  zn  sein;  Orosins  wollte  gegen  die  Anhänger  des  Priseillian  in  Galicien  ein 
Heilmittel  von  Angnstin  erhalten.  —  Dass  am  640-650  die  Sekte  noch  in  GalieieD 
nachwirkte,  daf&r  liegen  keine  Beweise  vor.  Diese  Stelle  aber  dient  zur  Ventlik- 
nng  des  Beweises,  dass  die  Sekte,  welche  zuerst  in  Lnsitanien  anftrat,  ihren  Hanpt- 
Sil  nicht  in  dieser  Provinz,  noch  weniger  in  Baetica,  sondern  in  Grdiden  gehabt 
habe  (K.-G.  II,  S.  367,  383). 


§•  4.    Fractaosna  und  Abt  Valerius.  157 

Wissen  aus  seinem  Bücherschrank  hinweggenommen^),  hoSt  er  später 
senden  zu  können;  er  besizt  aber  keine  doppelten  Exemplare.  Person- 
lich zwar  hofft  er  den  Fructuosus  zu  sehen:  doch  fühlt  er  bei  seiner 
Kränklichkeit  sein  Ende  nahen  ^)y  und  er  meint,  dass  Fructuosus  bei 
dem  Reichthumc  seines  Geistes  und  Wissens  die  ihm  (dem  Braulio) 
vorgelegten  Fragen  viel  besser  selbst  hätte  beantworten  konnen^^),  eine 
Ansicht,  die  wir  vollkommen  theilen,  es  sehr  bedaurend,  dass  die  Er- 
wartungen des  Braulio  sich  nicht  erfüllten.  Zum  Schluss  rühmt  er^ 
Galicicn,  das  Männer,  wie  Orosius,  Turibius,  Idatius  und  Carterius^A 
den  Bischof  ruhmvollen  Alters,  hervorgebracht*).  ,,--— — ^ 

§.  ö. 

VatorlM 

Valerius,  der  Abt  des  Klosters  zum  heiligen  Petrus  von  den  Bergen 
aus  dem  Bisthum  Astorga^),  blühte  zur  Zeit  des  Königs  Wamba,  und  starb 
um  692 — 696.  Nash  seiner  Bekehrung  war  er  längere  Zeit  Recluse 
in  einer  unzugänglichen  Felsenhohe,  von  wo  ihn  ein  Priester  Flainus 
vertrieb.  Valerius  suchte  eine  tiefere  Einode  auf  —  in  den  Bergen 
von  Bierzo.  Aber  Flainus  und  Räuber  vertrieben  ihn  auch  von  hier. 
Er  wohnte  nun  bei  dem  Orte  Ebronauto  bei  einer  KJrche,  wo  ihn  ein 
Priester  Justus  verfolgte,  der  sich  in  einem  schon  damals  bekannten 
spanischen  Nationaltanz  vor  den  Leuten  produzirte^.  Er  erhielt  nun 
den  Siz  Rvpiana'')^  auf  ruhiger  Felsenhöhe,  wo  schon  Fructuosus  ein 
Oratorium  unter  dem  Namen  des  heiligen  Petrus  gegründet,  und  wo 
er  auch  gewohnt  hatte.  Vergebens  wollte  ihn  Bischof  Isidor  von 
Astorga  mit  sich  zum  zwölften  Concil  nach  Toledo  (681)  nehmen,  der 
inzwischen  starb.  Noch  viele  andere  Versuchungen  stürmten  auf  Va- 
lerius ein.  Seine  Kämpfe  aber  dauerten  vorher  zwanzig,  und  wieder 
zweiundzwanzig  Jahre  in  Rupiana,  bis  ihm  Trost  zu  Theil  wurde,  in- 
dem jüngere  Mönche  sich  ihm  zugesellten.  Der  Bischof  Aurelius  von 
Astorga,  „der  Mann  Gottes"  (681 — 693),  weihte  den  Valerius  wider- 
strebend zum  Priester.     In  der  lezten  Zeit  seines  Lebens  hatte  Valerius 


*)  suhtractoa  eos  de  armario  nostro  inveni. 

')  verumtamen  aegritudini  mcrtalitatis  meae  qtu>tidie  spero  finem, 

*)  nam  ingenium  tuvm  admirahüe  Jtabeo,  et  sermonis  tui  supellectilem  in- 
finitam  intueor.  Made  virttde  cuius  talia  erumpunt  germina,  qualia  existent 
Fructuasi  fructuosa  frumenta. 

^)  Der  Schlass  lantet:  Vale  in  Domino,  mihi  charitaie  germane,  meriio 
Domine,  fili  aetate,  coUega  dignitate,  atque  parens  a^finitate,  et  pro  me  tu  tui- 
que  orate  et  nactis  occasionibus  stude  tuum  mihi  mittere  sermonem, 

*)  cp.  25,  ap.  Valerium  „Asturicensis  provinciae  indigena^'- 

'')  Die  Stelle  stellt  bei  Schlick,  Geschichte  der  dramatischen  Literatur  und 
Kunst  in  Spanien.  Frankf.  1854,  Bd.  II,  Nachtrage,  S.  I. 

'')  Damach  ist  Monaster.  Rvp(f)ianense  and  San  Pedro  dasselbe. 


ten. 


168  AohteB  BooL    NemiteB  Kapitel«  —  §.  5.    Abt  Valeriiu. 

innere  und  äassere  Rahe.    Tamayo  bringt  eine  Grabinschrift,  nach  der 
Valerins  am  26.  Februar  695  gestorben  wäre,    welche   vor  und   nach 
Tamayo  Niemand  sah^)« 
Sein«  Neben  dem  Leben    des  heUigen  Fructaosus,   das   ihm    von    den 

schrif-  Meisten  zugeschrieben  wird,  hinterliess  Valerius  Erinnerangen  an  die 
Kampfe  und  Muhen  seines  eigenen  Lebens,  die  unter  dem  Namen 
„opwctda^  zuerst  Florez  vollständiger,  als  frühere,  edirte.  Voran  steht 
ein  Brief  über  das  Leben  der  seligsten  Nonne  Echeria  (Eucheria^ 
Egeria,  Echeria).  Es  folgt  ein  Aufsaz  „von  der  eitlen  Weisheit  der 
Welt,  worin  Hermenegild,  der  „König  der  Gothen^',  als  Märtyrer  ge- 
nannt wird;  dann  verschiedene  Ausprüche  des  Valerius  vor  seinem 
Schüler  Donadeus,  namentlich  Visionen  über  die  Zustände  im  jensei- 
tigen Leben.  Femer  wird  gehandelt  von  den  Mönchen.  Es  folgt  das 
Leben  des  Heiligen,  wie  er  es  seinem  Schüler  Donadeus  erzählte.  Die 
Erzählung  hat  keinen  eigentlichen  Abschluss^. 


■)  K.-G  IL  6.  S.  4. 

^  Eßparia  scufrada,  t  16:  „i9.  VdUrii  ahbatis  opiLSCuia  ane(c)dota.   Ex 
eodidbua  Carraeedensi,  duobus  Toletanis  ei  aUero  Äemiltanensi,  p.  366—416, 

—  </.  Yepes^  II,  310S11  (der  nach  Ambrosius  Morales  wenig  mitzutheiien  hat). 

—  NicoL  Antonio,  I,  p.  411^413  (l.  5,  cp.  7),  —  Abdruck  aas  E»p.  aagrada 

—  in  Migne  Patrol:  latina.  t.  87,  p,  422 — 458,  mit  einem  Kapitel  am  Schliua: 
de  noüoe  vüae  ingtituiione,  so  klassisoh  schön  geschrieben ,  dass  es  mit  den  flbri- 
gen  Schriften  des  Valerius  nicht  harmonirt  (wie  es  auch  bei  Florez  nicht  steht). 

—  Ueberhanpt  scheinen  unter  den  „Obras'*  des  Valerius  einzelne  Bruchstücke  ans 
andern  ascetischen  Schriften  zu  stehen. 


Zehntes    Kapitel. 

Die  Könige  Wamba,  firwig,  Egiea,  Wltiia.  —  Die  Synoden 

von  075—701.  —  Jullanos  von  f  oledo. 

§.  1. 

Nach  dem  Tode  des  Receswinth  folgte  Wamba,  den  die  einstim*  wamb* 
mige  Wahl  der  Grossen  erhob,  die  bei  und  nach  dem  Tode  des  Re-  J^^ 
ceswinth  versammelt  waren.  Vergebens  hielt  Wamba  den  Grossen 
sein  Greisenalter  entgegen.  Ein  Gothe  trat  vor  und  rief:  ,,Es  bleibt 
dir  die  Wahl  zwischen  Tod  und  Krone;  entweder  führen  wir  dich  als 
König  von  hinnen,  oder  lassen  dich  als  Widerspenstigen  getodtet  hier 
zurück.^  Wamba  nahm  an,  zog  aber  sogleich  nach  Toledo,  um  seine 
Wahl  von  den  dazu  Berechtigten  bestätigen  zu  lassen.  Am  neunzehn- 
ten Tage  nach  dem  Tode  des  Receswinth  wurde  Wamba  von  dem 
Metropoliten  Quiricus  gesalbt.  Alles  Volk  freute  sich  dieser  Wahl; 
nur  in  Septimanien  reizte  Hilderich,  Statthalter  von  Nismes,  der  selbst 
nach  der  Krone  getrachtet  hatte,  das  Volk  zum  Widerstände.  Paulus, 
den  Wamba  mit  einem  Heere  gegen  ihn  sandte,  fiel,  in  Narbonne  an- 
gekommen, selbst  ab,  und  liess  sich  als  Konig  ausrufen.  Diese  ganze 
Provinz  und  ein  Theil  von  Nordostspanien  fiel  ihm  zu.  Wamba  schlug 
mit  einem  kleinen  Heere  in  sieben  Tagen  einen  Aufstand  der  Vasconen 
nieder;  dann  zog  er  gegen  Gallien.  Paulus  floh  aus  Narbonne,  das 
bald  von  den  Gothen  genommen  wurde.  Beziers,  Agde  und  Mague- 
lone  mussten  sich  ergeben;  40,000  Gothen  erstürmten  Nismes.  Paulus 
wurde  gefangen  und  gebrandmarkt.  Im  Triumphe  kehrte  Wamba  nach 
Toledo  zurück. 

Florez  fragt  nach  den  Gründen,    aus  welchen   von  656  bis   675Dioz«it 
kein  Concil  mehr  stattfand,  und  findet  dieselben  wie  wir  in  einer  Ver-    ^•^ 

.  .  •  .       •  656—678 

schlimmerung  des  Rönigs  Receswinth.    Zur  Zeit  des  Ildefons  sei  diese 
Verschlimmerung   eingetreten.     Der  Chronist  Isidor   von  Pace   nennt 


160  Achtes  Bach.    Zehntes  Kapitel. 

den  ßeceswinth  einen  „lasterhaften^'  König.  —  Dem  fugt  der  Bischof 
Rodrigo  Sanchcz  de  Arevalo  bei:  „Er  war  aber  sehr  schlimm;  denn  er 
opferte  den  Dämonen"^).  —  In  dem  Leben  des  heiligen  Udefons 
von  Bischof  Cixila  von  Toledo  wird  zweimal  versichert,  dass  Udefons 
dem  Konig  verhasst  gewesen  sei,  weil  er  ihm  seine  Ungerechtigkeit 
vorgehalten  habe^).  —  Wir  besizen  ferner  zwei  (noch  nicht  erwähnte) 
Briefe  des  heiligen  Udefons  an  den  mehrerwähnten  Bischof  Quiricus 
von  Barcelona,  sie  werden  von  Florez  in  demselben  Sinne  erklärt. 
Quiricus  hatte  zuvor  geschrieben,  dem  Udefons  für  das  gedankt,  was 
er  früher  geschrieben,  und  ihn  dringend  zu  weitern  ähnlichen  Arbeiten 
ermuntert.  Den  ersten  Brief  schliesst  Udefons  mit  den  Worten:  .,Ich 
möchte  mehr  sagen,  wenn  der  Druck  der  Uebel  es  gestattete",  — 
Den  zweiten  Brief  schliesst  er  mit  den  Worten:  „Die  Noth  der  Zeiten 
reibt  so  sehr  die  Kräfte  des  Geistes  auf,  dass  wegen  der  bevorstehen- 
den Uebel  mich  das  Leben  nicht  mehr  freut"  ^).  —  Daraus  erhelle, 
„dass  viele  Verwirrung  und  Unordnung  in  der  obersten  Klasse  der 
Gesellschaft  herrschte,  welche  durch  den  Heiligen  nicht  geregelt  werden 
konnte.  Diess  muss  auf  den  Palast  des  Königs  bezogen  werden,  und 
darnach  war  keine  Zeit,  dass  der  König  eine  Synode,  wenigstens  nach 
Toledo,  berufen  hätte"*). 


')  gest.  1471,  Verfasser  eines  Jus  canonicum  —  fuü  autem  pessimua;  nam 
sacrificabcU  dciemonibus  —  es  erhellt  nicht,  worauf  sich  diese  Aassago  stfizt. 

')  Oixila,  Vita  lldtfonsi,  cp.  4  -—  qui  (rex)  cum  ob  iniquitates  suas  in- 
crepatas  superbo  oguIo  intuebatur,  und:  cp.  6,  rex,  minus  de  tiinore  dei  solid- 
tus,  et  de  suis  iniquitatibvs  male  conscius.  Dagegen  fülirt  Leinbke  die  grossen 
Lobspriiche  der  Synode  von  Emerita  und  des  Bischofs  Tajo  auf  Receswinth  an 
(p.  102).  Aber  Lezterer  schrieb  vor  657,  und  jene  fallt  in  diesem  Punkte  kaum 
in*s  Gewicht. 

*)  Ep,  1  Quirico  episcopo,  dicere  plura  vettern,  si  miseriarwni  pressura 
sineret,  sed  totum  satisfactum  sibi  reputet  charitas ,  quod  vel  minimum  pernii- 
sit  taediosa  necessitas. 

Ep.  IL  Igitur,  ut  praecipis,  appeterem  loqui  frequcnter ,  et  hoc  mihi  pia 
devotione  adest,  vt  in  m^di(t)atione  legis  Dei  linqua  simiU  et  vita  silentium 
non  haderet;  sed  ita  necessitas  temporum  vires  atferit  animorum,  ut  nee  delectet 
vita  propter  imminentia  mala. 

*)  de  aqui  se  infiere,  que  havia  mjicha  turbacion  y  desorden  en  la  classü 
suprema,  que  no  podia  ser  arreglada  por  el  Santo :  lo  que  precisamenfe  dvhe 
reducirse  cd  palacio,  y  asi  no  era  tiempo  de  que  el  Rey  conw^casc  a  Concilio, 
h  lo  menos  para^  Toledo,   en  tiempo,   que  san  Ildefonso  pudiese   soiicitarh'  y 
presidirle.  —  Florez,  t  VI,  p.  206,  del  concil.  11.  de  Toledo.  —  cf.  Tejada  y 
Ramiro,  t  II,  p.  430:    „este    (rey  Receswinto)  se  habia  maleado   mucho'*. 
Gleichzeitig  nennt  ihn  Cavanillcs  einen  grossen  König  (gran  rey,  I,  232—236)  und 
Vicente  de  la  Fuente  nennt  die  Annahmen   des  Floren  ,,graiuitas'*,   d.   i.   nnge- 
gründet  (llistor.  ed.  de  Espana,  1855,  I,  208).    Receswinth  möge  seine  Fehler 
gehabt  haben,  als  Privatperson,  aber  „ein  böser  König''  sei  er  nicht  gewesen. 


§.  2.    Die  eilfte  Synode  von  Toledo,  675.  161 


§.  2. 

Ekidlicli,  nach  einer  Unterbrechung  von  fast  zwanzig  Jahren, 
nachdem  die  Feinde  Wamba's  niedergeworfen,  und  die  Ordnung  im 
Reiche  wiederhergestellt  war,  traten  die  Bischöfe  der  Carthaginensischen 
Provinz  am  7.  November  675  zu  dem  eilften  Concil  von  Toledo  zu- 
sammen« 

„Im  vierten  Jahre  des  Königs  Wamba  haben  sich  die  Bischöfe 
der  Provinz  zu  Toledo  an  dem  Size  (in  der  Kathedrale)  der  seligsten 
Jungfrau  Maria  versammelt.  An  diesem  Tage  ist  es  den  Bischofen 
gegeben,  sich  zu  freuen,  und  zugleich  wegen  des  Vergangenen  vor 
Gott  zu  trauern.^  Denn  bis  jezt  waren  wir  ohne  ELalt  in  der  wüsten 
Fluth  dieser  wandelbaren  Welt,  weil  die  lange  Reihe  von  Jahren,  in 
denen  die  Leuchte  der  Concilien  von  uns  hinweggenommen  war,  nicht 
so  fast  die  Fehler  vermehrt,  als  vielmehr  die  Mutter  aller  Irrthümer, 
die  Unwissenheit,  in  die  müssigen  Seelen  einführte.  Wir  sahen  ja  *), 
wie  der  angezündete  Glutofen  der  babylonischen  Verwirrung  einerseits 
die  Zeiten  der  Concilien  femehielt,  anderseits  die  (Hohen-)  Priester 
des  Herrn  in  seine  zügellosen  Sitten  verwickelte:  denn  sie  folgten  den 
Einladungen  der  mit  dem  Purpur  geschmückten  Buhlerin,  weil  die 
Zucht  der  kirchlichen  Versammlungen  fehlte,  und  Niemand  war,  der 
die  Irrenden  besserte,  da  das  gottliche  Wort  verkannt  war;  und  da 
keinerlei  Befehl  vorlag,  dass  die  Bischöfe  sich  versammeln  sollten,  so 
trat  eine  zunehmende  Verschlimmerung  der  Sitten  ein. 


')  Cemebamus,  quomodo  babyloniccte  canfusianiM  oUa  succensa  nunc  fem- 
pora  concilioTum  averteret,  nunc  sacerdotes  Domini  de  resolutis  moribus  irre- 
tlret;  purpuratae  enim  meritricis  sequebantur  invitamenta,  quia  ecclesiastici 
conventus  non  aderat  disciplina,  nee  erat  qui  errantium  corrigeret  partes,  quum 
sermo  dim'nus  haberetur  extonris,  et  quia  non  erat  adunandorum  pontificum 
Ulla  praeceptlo,  crescehat  in  majus  vita  deterior,  Quum  tandein  divina  nos 
dementia  ex  alto  respiciens  et  te^npori  aetatis  nostrae  se  occursuram  praebuit 
et  saluti,  praeparans  nostris  saecidis  religiosi  prindpis  mentem  devotam  pariter 
et  insfructam ,  cuius  fervidae  soüicitudinis  voto  et  lux  concüiorum  renovata  re- 
aplenduit,  et  altema  Caritas  se  mutuo  in  corrigendis  vel  instruendis  moribus 
excitavit,  dum.  et  aggregandi  nohis  hortatu  principis  religiosi  facultas  est  data 
et  opportuna  corrigendis  praeparata  est  disciplina,  vt  qui  decursis  lange  ante 
tempwnbus  post  decein  et  octo  scilicet  labentium  annorum  excursum  in  unum 
meruimus  aggregari  conventum,  mederi  possemus  speciali  gratia  sanitatwn, 
Neque  enim  numerus  iste  alienus  est  a  scUute  etc.  Nos  igitur  per  tot  annos 
vurvo  nostri  ordinis  persistente  statu  eo  quod  nuUa  nos  concüiorum  definitio 
jungeret,  nullus  etiam  conventus  ecdesiatici  ordinis  adunaret,  tandem  divinae 
voluntatis  imperio  et  religiosi  principis  jussu  evocati  in  Tohtanam  urbem 
ronvenimus, 

Ghids,  fpan.  Kirche.    IT.  2.  XI 


162  Achtes  Buch.    Zelmtes  Kapitel. 

Endlich  hat  Gottes  erbarmendes  Auge  auf  uns  geblickt,  und  Gott 
hat  uns  einen  frommen  und  zugleich  in  seinem  Geseze  unterrichteten 
Fürsten  gesandt,  dessen  innigstes  Verlangen  die  Erneuerung  der  Gon- 
cilien  ist,  in  denen  die  gegenseitige  Liebe  sich  zur  Belcln^ung  und 
Besserung  der  Sitten  ermuntert,  so  dass  wir  uns  endlich  nach  acht- 
zehn Jahren  (vielmehr  19 — 20  Jaluren)  wieder  versammehi  konnten. 
Die  Zahl  „achtzehn"  habe  eine  gute  (Vor-)  Bedeutung.  Denn  acht- 
zehn Jahre  sei  jene  Frau  im  Evangelium  gekri'unmt  gewesen,  welche 
das  menschliche  Gesclilecht  darstelle.  Sie  aber  seien  endlich  nach  dem 
Willen  Gottes  und  auf  Geheiss  des  Königs  zu  dieser  Synode  zusammen- 
getreten^). Ein  Verbot  also^  Concilien  zu  halten,  scheint  nicht  bestan- 
den zu  haben;  aber  weil  eine  Aufforderung  dazu  von  Seite  des  Königs 
nicht  erfolgte,  und  weil  man  sich  allzusehr  daran  gewöhnt  hatte,  auf 
den  Willensausdruck  des  Königs  zu  warten,  hatte  dieser  fehlende 
Willensausdruck  die  factische  Wirkung  eines  Verbots.  Die  Selbstan- 
klage der  Bischöfe  war  begründet,  aber  sie  hatte  für  die  Zukunft  nicht 
die  Folge,  dass  die  Kirche  bei  der  Berufung  der  Concilien  der  eigenen 
Initiative  folgte, 
GUa-  Quiricus   von   Toledo    verlas    am   ersten  Tage  der   Synode   den 

bent-    ausführlichen  Entwurf  eines  Glaubensbekenntnisses,  über  welchen  die 
"^^^^^  Bischöfe    nach    dreitägiger   Meditation   und   Fasten    sich    aussprechen 
sollten.     Am  dritten  Tage   wurde   es  gemeinsam  recitirt.    Es  wird  ge- 
sagt,  dass  Christus  durch  Natur,   nicht   durch  Adoption  Sohn  Gottes 
sei,  gegen  die  Bonosianer,  dass  der  heilige  Geist  vom  Vater  und  vom 


*)  Ob  die  purpuraia  meretrix  eine  historische  Person,  oder  eine  allegorische 
Figur  sei,  liegt  im  Streite.  Ersteres  behauptet //e/^en'cÄ ,  der  Arianismus  der  Wcst- 
gothcn,  S.  68;  dcrs.:  Westgothenrecht,  S.  1^4.  —  Dagegen  FeL  Dahn,  politische 
Geschichte  der  Wesfgothen,  S.  2ü(),  nennt  diess  „Selbsttäuschungen'*  des  Helfferich, 
und  weist  auf  Apocalypse  XVII,  4  hin,  wornach  darunter  Fleischeslust  und  Haereai« 
zu  verstehen  sei.  —  £inen  „bösen  König**  hat  den  Rcccswinth  kaum  Jemand  ge- 
nannt; einen  grossen  Fürsten  würden  wir  ihn  nennen,  wenn  seine  Regierung  etwa 
mit  dem  Jahre  657  geendigt  hätte.  Aber  in  der  Geschichte  sind  die  Fälle  doch 
zahllos,  dass  auf  gute  Anfange  ein  schlimmes  Ende  folgte.  Es  genügt  nicht,  wie 
es  die  meisten  Historiker  und  Erklärer  der  Concilien  thun,  über  obiges  Kapitel  mit 
Stillschweigen  hinwegzugehen,  und  die  indirecte  Anklage  des  Receswinth,  die  darin 
liegt,  zu  ignoriren.  — 

Florez  hat  ein  herrliches  Werk  über  die  katholischen  Königinen  Spanieos 
verfasst  (Memoriaa  d%  Icls  reynas  catholicas,  2  toni.,  Madrid  1790),  das  voo 
Hermenegild  bis  Karl  III.  reicht  (580—1759),  worin  er  die  Verdienste  der  könig- 
lichen Frauen  um  Kirche,  um  Staat  und  Volk  in  Spanien  darstellt  Hier  erscheinen 
die  Gemahlinen  der  Könige  Reccared^  Gundemar,  Swinthila,  Chindaswinth  vor  Reces- 
winth ,  der  des  Erwig,  Egica  und  Rodrigo  nach  ihm.  Den  Namen  der  Gemahlin  des 
Receswinth  kennt  oder  nennt  er  nicht.  —  &  soll  einen  Sohn  und  eine  Tochter  ge- 
habt haben.  —  Zu  seinen  Gunsten  scheint  zu  sprechen,  dass  im  Jahre  057  S.  Ilde* 
fons,  im  Jahre  667  Quiricus  Bischöfe  von  Toledo  wurden. 


\ 


§.  3.    Die  ellfte  Synode  von  Toledo,  676.  163 

Sohne  ausgehe,  und  von  beiden  gesandt  sei.  Vom  Monotheletismus 
findet. man  keine  Andeutung;  dagegen  ist  der  Sohn  Gottes  nicht  bloss 
vom  Vater,  sondern  auch  vom  heiligen  Geiste,  und  von  sich  selbst 
gesandt,  denn  nicht  bloss  der  Wille,  sondern  auch  die  Wirksamkeit 
der  Gottheit  ist  untheilbar  ^). 

§.  3. 

Am  folgenden  Tage  (also  am  10.  November)  wurden  sechzehn 
Capitel  aufgestellt: 

1)  Gegen  die  Bischöfe,    die   im  Concile  sizen,   erhebe  sich  keinoABooM 
unziemliches   und   verwirrtes   Geschrei,   keine   eitlen   Fabeln   oder  Ge- 
lächter  werde   gehört,   vor  Allem  werde  kein  frecher  Streit  begonnen. 
Wer  dagegen  handelt,  wird  sogleich  ausgewiesen,   und  drei  Tage  ez- 
communicirt. 

2)  Das  Studium  der  heiligen  Schrift  und  Wissenschaft  wird  den 
Bischöfen  dringend  anempfohlen.  Aus  Unwissenheit  wissen  einige 
Bischöfe  ihren  Untergebenen  Nichts  zu  predigen.  Die  Metropoliten 
müssen  die  Suffi-aganbischöfe  (confiniHmos),  diese  ihre  Untergebenen 
zum  Studium  ermuntern.  Die  Unvnssenden  müssen  sich  selbst  unter- 
richten, oder  Unterricht  empfangen  (nach  U.  Synod.  v.  Toledo). 

3)  Die  Weise  des  Psallirens  richte  sich  überall  nach  der  Metro- 
pole. Nur  Erlöster  dürfen  eigene  Officien  haben.  Sonst  darf  Vesper, 
Matutin  und  Messe  nicht  anders  als  in  der  Hauptkirche  gehalten 
werden.  Wer  anders  handelt,  wird  sechs  Monate  ausgeschlossen  und 
vollbringt  Busse  bei  dem  Metropoliten,  und  lernt  dort  den  kirch- 
lichen Ritus. 

4)  Bischöfe  (saeerdotes)  und  Priester,  die  jahrelang  in  Feindschaft 
mit  einander  leben,  sollen  die  doppelte  Zeit  Busse  thun;  ihre  Opfer 
sollen  am  Altare  nicht  angenommen  werden. 

5)  Einige  Bischöfe  {saeerdotes)  verübten  verschiedene  Gewaltacte. 
Haben  sie  Vermögen,  so  müssen  sie  die  Geldstrafen  bezahlen,  welche 
das  weltliche  Gesez  vorschreibt,  und  sie  werden  eine  Zeit  lang  aus- 
geschlossen. Sind  sie  ohne  Vermögen,  so  darf  das  Kirchengut  für  sie 
nicht  eintreten,  sie  dürfen  auch  nicht  als  Sclaven  verkauft  werden,  son- 
dern für  je  zehn  Solidi  Strafe  sollen  sie  zwanzig  Tage  Busse  thun.  — 
Hat   ein  Bischof  mit  der  Frau,   Tochter  oder  Verwandten  eines  Mag- 


*}  Haec  est  confessionis  nostrae  fides  exposita,  per  quam  omnivm  haere- 

ticorum  dogma  perimitur,  per  qimm  fidelium  corda  imindantur,  per  quofn  etiam 

ad  Deum  gloriose  acceditur,  cuius  sacrosanctum  saporem  sub  iriduano  dierum 

J^unio   continua  reUäionum    colUsHone  ructantes  ad  ea,  quae  stdmixa  sunt, 

sequenti  die  decemenda  iransivimus. 

11* 


164  Achtes  Buch.    Zehntes  Kapitel. 

Daten  sich  fleischlich  vergangen,  so  trifft  ihn  Excommunication  mit 
Verlust  seiner  Würde  und  Verbannung.  Nur  am  Ende  darf  er  die 
Communion  erhalten.  Eben  so  werden  gestraft  die  Mörder  mit  Vor- 
bedacht, oder  welche  gegen  hochgestellte  Personen  schweren  Frevel 
begangen  haben. 

6)  Kein  Priester  darf  Bluturtheile  aussprechen  oder  Glieder  ver- 
stümmeln oder  solches  befehlen.  Zuwiderhandelnde  werden  lebensläng- 
lich eingesperrt. 

7)  Bischöfe  und  Priester  sollen  nur  in  gesezlicher  Weise  Strafen 
über  ihre  Untergebenen  verhängen. 

8)  Für  Taufe  und  Firmung,  für  Chrisma  und  Weihen  darf  Nichts 
angenommen  werden.  Der  Bischof^  der  es  geschehen  lässt,  wird  zwei 
Monate,  der  Presbyter  drei,  der  Diacon  vier  Monate  ausgeschlossen; 
Subdiaconen  und  Kleriker  treffe  Züchtigung  und  Ausschliessung. 

9)  Der  Bischof  schwöre  bei  seiner  Weihe,  dass  er,  um  sein  Amt 
zu  erlangen,  Niemand  Geld  gegeben  habe  oder  geben  werde,  die  Si- 
monisten  werden  zwei  Jahre  verbannt  und  ausgeschlossen,  können  aber 
dann  ihr  Amt  wieder  erlangen. 

10)  Der  Kleriker  verspreche  ^)  vor  der  Weihe,  den  katholischen 
Glauben  treu  zu  bewahren,  rechtschaffen  und  keusch  zu  leben,  seinen 
Obern  aber  die  schuldige  Ehrfurcht  erweisen  zu  wollen. 

11)  Da  über  den  Canon  14  der  ersten  Synode  von  Toledo*) 
Zweifel  entstanden,  wird  erklärt,  dass  den  schwer  Kranken  wegen 
Trockenheit  des  Mundes  (auch  nur)  das  heilige  Blut  gereicht  werden 
könne.  Wer  aber  ausserdem  den  Leib  des  Herrn  wieder  aus  dem 
Munde  nimmt,  sei  für  immer  ausgeschlossen.  Thut  es  ein  Ungläubiger, 
so  treffe  ihn  körperliche  Züchtigung  und  beständiges  Exil. 

12)  Schwer  Kranke,  welche  durch  Handauflegung  in  die  Busse 
eingetreten  sind,  sollen  ohne  Verzug  die  Keconciliation  ompfangeu. 
Sterben  sie  vor  Empfang  derselben,  so  soll  das  heilige  Opfer  für  sie 
dargebracht  werd(^n. 

13)  Besessene  sollen  nicht  am  Altare  dienen^.  Im  Zweifel,  ob 
das  Leiden  (z.  B.  des  Ilinstürzens  zur  Erde)  ein  rein  köri)crliches  sei, 
werden  sie  ein  Jahr  laug  beobachtet. 

14)  Jeder  Geistliche  soll,  wo  möglich,  beim  Gottesdienst  einen 
Stellvertreter  haben,  der  im  Falle  der  Erkrankung*)  für  ihn  eintritt 


*)  auch  hier  steht  placiti  sui  innodatione,  d.  i.  placitum  =  Versprechen, 
wie  oben  S.  141. 

»)  K.-G.  Ua,  S,  391. 

*)  a  29  von  Elvira,  IIa,  p.  82  und  98. 

*)  NiichTejada  (11,450)  war  damals  die  Krankheif,  die  mau  „vajwrcs"  oder 
^vertigoa**  (Schwindel)  nennt,  sehr  häufig. 


\ 


§.  4.    Die  dritte  Synode  von  Braeara,  675.  165 

15)  Alljährlich  werde  am  Metropolitansiz  eine  Synode  dieser  Pro- 
vinz gehalten.  Die  Zeit  bestimmt  der  Konig  und  der  Metropolit,  die 
Säumigen  werden  ein  Jahr  lang  ausgeschlossen.  Entschuldigt  sind  sie 
nur,  wenn  der  Konig  sie  verhindert, 

16)  Gott  sei  Preis  und  Ehre,  dem  König  Dank,  „auf  dessen 
Anordnung  wir  versammelt,  durch  dessen  Eifer  wir  vereinigt  sind, 
der,  ein  Erneuerer  der  Kirchenzucht  in  unsrer  Zeit,  die  unterlassenen 
Concilien  nicht  nur  wiederherzustellen  trachtet,  sondern  auch  deren 
jährliche  Wiederholung  verlangt." 

„Ich  Quiricus,  Metropolitaubischof  der  königlichen  Stadt,  habe 
—  unterschrieben.**  —  Wörtlich  so  Athanasius,  Bischof  von  Sätabis, 
Argemund  von  Oretum,  Joannes  von  Bigastro,  Godiscalcus  von  Osma, 
Leander  von  Elche  und  Elotana,  und  elf  andere  Bischöfe,  nebstdem 
zwei  Vicarien  von  Bischöfen;  weiter  acht  Aebte,  und  der  Archi- 
diacon  Gudila  von  Toledo.  Es  waren  vier  Bisthümer  nicht  vertreten: 
1)  Mentesa;  2)  Eliocroca,  welches  aber  schon  früher  eingegangen  zu 
sein  scheint;  3)  Elotana,  das  inzwischen  mit  Elche  vereinigt  wurde; 
4)  Ergavica^).  Mentesa  und  Ergavica  waren  vielleicht  eingegangen) 
oder  wenigstens  erledigt*). 

§.  4. 

Im  Jahre  675  war  auch  die  dritte  (und  lezte)  Synode  von  Braga.  Bynod« 
Sie  wurde  gehalten  in  dem  vierten  Jahre  des  Königs  Wamba,  also^-®'»*»" 
nach  dem  1.  September  675,  vielleicht  gleichzeitig  mit  der  von  Toledo. 
Die  Bischöfe  sind  „geziemend  durch  den  heiligen  Geist  in  der  Stadt 
Braga  versammelt,  um  zu  verhandeln  über  die  Missstände  in  der  Kirche 
Gottes,  und  um  die  Irrthümer  auszurotten.  Zuerst  handelten  sie  über 
den  rechten  Glauben,  und  fanden,  dass  alle  einträchtig  in  der  gesunden 
Lehre  seien.  Sie  danken  Gott,  und  sprechen  diesen  Glauben  aus.  Sie 
erfahren,  dass  Einige  beim  heiligen  Opfer  Milch  ^)  statt  Wein,  Trauben 


*)  K.-G.  IIa,  S.  442.  Es  scheint  Fhrez  und  andern,  dass  statt  Carthaginm' 
sis  (das  nicht  mehr  bestand),  unter  den  Unterschriften:  Ercavicensis  zu  lesen  sei. 

')  Loaysa,  p.  540-^570.  —  Harduin,  III,  1018^1030.  —  Concilia  edU. 
Iiahhi'Venetae,  VII,  555—578.  —  Aguirre,  IIj  660—674.  —  Aguirre  -  Cata- 
lani,  IV,  238-254,  —  Ferreras,  II,  431-434.  —  Florez,  VI,  204-210.  — 
Bruns,  I,  305.  —  Tejada  y  Eamiro,  II,  430—452.  —  Hefele,  III,  103-106.  — 
Hdfferich,  Westgothenrecht,  184—190.  —  F.  Dahn,  Verfassung  der  Wcatgothen, 
Würzb.  1871 ,  S.  470-472. 

*)  Galizien  und  Asturlen  hatte  und  erzeugte  keinen  Wein;  schon  Isidor  von 
Sevilla  kennt  und  beschreibt  den  Gerstensaft  (der  dort,  wir  wissen  nicht,  seit  welcher 
Zeit,  bereitet  wurde).  Isidor,  Etymolog,  XX,  3,  Cerevisia  a  Cerei'e,  i.  e.  fruge 
vocata.  Est  enim  potio  ex  seminibtis  fi*umenti  vario  modo  confecta.  Die  Ga- 
laeci  sind  ihm  weisse  Gallier,  weil  ihre  Haut  weisser  ist,  als  die  der  andern  Spa- 


166  Achtes  Bnch.    Zehntes  Kapitel. 

statt  Wein,  gebrauchten,  dass  Trauben  geweiht,  und  deren  Beeren  aus- 
getheilt  worden.  Ebenso,  dass  Priester  das  heilige  Brod,  in  Wein  ge- 
taucht, den  Gläubigen  reichen,  ja  noch  schlimmer,  dass  einige  Priestei 
(jquidam  aacerdotum)  sich  der  heiligen  Gefässe  zu  ihren  Malilzeiten  und 
als  Trinkgeschirre  bedienen.  Andere  Priester  feiern  die  heilige  Messe 
ohne  Stola,  hängen  an  den  Festen  der  Märtyrer  deren  Keliquien  sich 
nm  den  Hals  und  lassen  sich  auf  den  Tragsesseln  von  Diaconen  mit 
Alben  herumtragen.  Sehr  viele  Priester  (plerique  sacerdotum)  wohnen 
auch  ohne  Zeugniss  (d.  h.  ohne  Zeugen)  mit  Frauen  zusammen;  an- 
dere wenden  gegen  ehrwürdige  Mitbrüder  die  Strafe  der  Schläge  an, 
andere  ertheilen  die  Weihen  unter  dem  Versprechen  (künftiger)  Be- 
zahlung.   Diese  Missbriluche   werden  in  sechs  Kapiteln  verboten. 

1)  Nur  Brod,  und  Wein,  mit  Wasser  vermischt,  darf  zu  dem 
heiligen  Opfer  gebraucht  werden.  2)  Die  heiligen  Gefässe  dürfen  nie 
zu  profanem  Gebrauche  dienen.  3)  Beim  heiligen  Dienste  soll  der 
Priester  stets  die  Stola  auf  beiden  Schultern  tragen.  4)  Nur  die  Mutter 
darf  (ohne  Zeugen)  bei  dem  Priester  wohnen.  5)  Reliquien  sollen  nicht 
am  Halse  getragen  werden.  6)  Gegen  Kleriker  soll  man  Schläge  nicht 
als  Strafe  anwenden.  7)  Für  Weihen  werde  Nichts  bezahlt.  8)  Das 
Vermögen  der  Kirchen  soll  treu  verwaltet  werden.  Ehre  Gott,  Dank 
dem  König  Wamba,  dessen  Frömmigkeit  uns  hieher  berufen  hat. 

Leodegi8U8,  in  Christi  Namen  Bischof,  mit  dem  Beinamen  Julianus 
(von  Braga);  Genitivus  von  Tude,  Froaricus  von  Oporto,  Isidor  von 
Astorga  (den  Valerius,  vielleicht  übertreibend,  einen  dnrcliaus  pesti- 
lenzialischen  Menschen  ^)  nennt;  seinen  Nachfolger  dagegen  nennt  er 
einen  „Mann  Gottes"),  Bela  von  Britoniuni,  dem  spätem  Moudonedo, 
Hilarius  oder  Alaricus  von  Orense,  Rectogenes  von  Liigo,  Ildulf,  zn- 
genannt  Felix,  von  Iria,  unterschrieben. 

Das  zeitweilige  Erzbisthum  Lugo  ist  völlig  verschwunden,  die 
vier  Bisthümer  Coimbra,  Lamego,  Idanha  und  Caliabria  sind  ohne 
Widerspruch  bei  Emerita  geblieben.  —  Die  A(!ten  der  Synode  selbst 
sind  in  würdiger  und  gemessener  Form  abgefasst.  —  Es  ist  möglich. 
dass  das  neun  Jahre  früher  gehaltene  Concil  von  Merida  einigen  Anlass 
gegeben  hat,  die  Synode  von  Bracara  zu  halten^). 


nier.  Die  Einwohner  sind  Abkömmlinge  der  Griechen  (IX,  2);  ,JIi  graocam  sih 
OTtginem  aaserunt'^  Ebenso  Braulio  in  dem  Briefe  an  Fructuosns:  „caer  Lhd(1 
(d.  i.  Volk)  rühmt  sich,  griechischen  Ursprungs  zu  sein.* 

*)  h&mo  pestüentisstmus. 

')  Loaysa,  p,  671—679,   —  Aguirre,   II,  376;  Aguirre-Catalani,  IV, 
265-^262.  —  Harduin,  III,  1032—1036.  -  Mansl,  XI,  164^162.  -  Ixibbe- 
OoUti,  VII,  578^-686.  —  Ferreras,  II,  430^431,  -  Iflorez,  XV,  244-247,  - 
y  Bamiro,  II,  662^660. 


§.  5.    KOnig  Wunlw;  König  Errig.  167 


§.  5. 

Dem  Könige  Wamba  wird  auch  eine  neue  kirchliche  Eintheilnng 
von  Spanien  zugeschrieben,  die  seineu  Namen  trägt.  Sie  ist  durchaus 
nicht  sein  Werk  ^).  Ihre  Sprache  weist  auf  das  Mittelalter.  Sie  deutet 
bloss  die  Grenzen  der  einzelnen  Bisthümer  an,  wie  sie  waren  von 
Alters  her.    Wamba  hat  hierin  Nichts  geändert,  Nichts  erneuert. 

König  Wamba  wird  heute  von  allen  Seiten  als  ein  grosser  Herr-  w*«- 
scher  anerkannt:  vielleicht  war  er  der  grösste  aller  Gothenkönige,  der  Qr^Mi 
edelste,  der  freieste  von  Fehlem.  Aber  in  seiner  Beurtheilung  ist  ein 
merkwürdiger  Wandel  vor  sich  gegangen.  Früher  galt  er  als  ein 
schwacher,  von  der  Geistlichkeit  abhängiger  Mann.  Die  Aehnlichkeit 
seines  Schicksals  mit  dem  Ludwig's  des  Frommen  hat  veranlasst,  dass 
er  mit  diesem  gleich  gestellt  wurde.  Wie  nach  neuern  Forschungen 
Heinrich  H.  nicht  bloss  ein  der  Kirche  gewogener  Mann,  sondern  auch 
eine  energische  Herrschematur*),  so  war  Wamba  ein  thatkräfliger  Re- 
gent. Sein  gezwungener  Rücktritt  von  der  Regierung  bezeichnet  den 
nahenden,  sichern  Verfall  des  Gothenreiches,  den  Anfang  einer  31  Jahre 
dauernden  Agonie  und  Anarchie,  die  mit  der  Katastrophe  der  grossen 
Maurenschlacht  endete. 

Der   Metropolit   Quiricus,    ein    würdiger  Kirchenfurst,    starb    im  ^'^^ 
Jahre  679,   und  im  Januar  680  folgte  ihm  Julian.    Der  Palatin,   Graf  Thron- 
Erwig,   ein  Verwandter  des  Königs  Receswinth,   brachte   dem  Wamba  rttt^er. 
am  14.  October  680   ein   böses  Getränk  bei,   in  Folge  dessen  Wamba 
sogleich   betäubt  wurde  ^).    Nach  der  Sitte  jener  Zeit   wurden  ihm  als 
Sterbenden,  der  die  Pönitenz  übernehmen  sollte,  die  Haare  abgeschnitten. 
Nach  24  Stunden  kam  er,  durch  kräftige  Gegenmittel,  wieder  zur  Be- 
sinnung.    Da   er   aber   nur  gezwungen  die  Regierung  früher  übernom- 
men, so  wollte  er  nicht  zu  derselben  zurückkehren,  schlug  den  Erwig, 
dessen  Frevel   gegen  ihn   er   nicht   ahnte,    als    seinen  Nachfolger  vor, 
und  zog  sich  in  das  Kloster  Fampliega  zurück^). 

Das  war  der  Unglückstag,  der  über  Spanien  hereinbrach,  und 
das  Reich  den  Feinden  in  die  Hände  gab.  „Mit  ihm  endete  die  Herr- 
lichkeit der  Gothen:  die  noch  folgenden  Könige  sind  es  nicht  werth, 
an  seiner  Seite  zu  stehen;   vielmehr   gehören   sie  zu  dem  Zeitalter  des 


•• 


•)  Florez,  IV,  185^252.  —  Ferreras,  434.  —  Wiltsch,  kircbl.  Geographie 
und  Statistik,  I,  288. 

*)  W.  Oiesebrecht,  deutsche  ELaisergeschichte ,  Bd.  II. 

•)  Jierba,  cui  nomen  est  spartum.    Chronic.  SebctsHani,  cap,  S. 

*)  Er  wurde  später,  wie  Receswinth ,  in  der  Kirche  der  heiHgen  Leocadia  de! 
Alcazar  begraben  (K.-G.  I,  342). 


168  Achtes  Bach.    Zehntes  Kapitel. 

Verfalles,    welches    von    der    Enthronung    Wamba's    seineu    Ausgang 
nimmt*).** 

§.  6. 

Ervig  war  der  Sohn  des  Griechen  Ardabast,   der  unter  Chindas- 
winth  aus  Byzanz  nach  Spanien  gekommen  war.  —  Nach  der  Thron- 
entsagung Wamba's   folgte   er   ihm  auch  durch  die  Wahl  der  Grossen 
(15.  Oct.  680).     Zwei   schriftliche  Erklärungen  Wamba's   wurden  vor- 
gezeigt, die  eme  den  Wunsch  aussprechend,  dass  Erwig  König  werde, 
die   andere  den  Wunsch,   dass  Julian   ihn  zum  König  salbe,   was  am 
22.  October  geschah^).  —   Schon   drei  Monate  nachher  berief  er  die 
Bischöfe  des  Kelches  zu  der  zwölften  Synode  von  Toledo,  welche  vom 
9. — 25.  Januar  681  dauerte.    Sic  fand  statt  in  der  Kirche  der  heiligen 
Apostel.    Die  Bischöfe   sind   auf  den  Befehl  des  Königs  zusammenge- 
kommen,  und   als   sie   ihre  Sizc  eingenommen,   erschien  der  König  in 
ihrer  Mitte,  der  demüthig  sich  dem  Gebete  aller  anempfahl,  dann  Gott 
innig  dankte  ftir  den  Zusammentritt  der  Bischöfe,  dann  eine  Ansprache 
hielt,   in  der  er  sie  Gegenmittel  gegen  die  Wunden  der  kranken  Welt 
ausfindig  zu  machen   aufibrderte,   sodann   ihnen   einen  „Tomus^^  über- 
reichte, der  das  Nähere  seiner  Wünsche  und  Antrage  enthielt.     Nach- 
dem er  sich  wieder  entfernt,  wurde  nach  seinem  Verlangen  der  Inhalt 
„des  Tomtts^  vorgelesen.    Die  Bischöfe  sollten  besonders  zwei  Geseze 
prüfen,  das  von  Erwig  neu  erlassene  Gesez  gegen  die  Juden,  und  das 
Gesez   des  Wamba   über   die  Verj)flichtung   der   Spanier   zum  Kriegs- 
dienste.   Sie  sollten  überhaupt  alle  Geseze  prüfen  und  bcbsorn,  und  die 
hier  anwesenden  Verwalter  der  Provinzen   und  Herzoge  von  Spanien  "'j 
sollten  diese  Verbesserungen  in  ihren  Bezirken  dnrcht'ührcu. 

1)  Die  Bischöfe  sprechen  ihren  Glauben  aus  —  nach  dein  Be- 
kenntnisse der  achten  Synode  von  Toledo,  wie  es  auch  in  der  liuiligcn 
Messe  recitirt  wurde.  König  Erwig  wird  bestätigt  und  es  wird  zur 
Treue  gegen  ihn  aufgefordert,  nachdem  der  Synode  die  oben  erwähnten 
zwei  Urkunden  von  Wamba  vorgelegt  worden*). 


')  Vicente  de  la  Fuente,  historia  eclesiastica  de  Espaiia,  /.  l*i/.  —  (-7. 
Historia   WaTtibae  regia  Toletani  (von  Julian.?).    —   JRodericus   Tolet.,   d*:  r*f. 
Hispaniue,  TU,  8—11,  —  Ferrcra^,  IT,  415  -439.  ~  ].vmhke,  p.  109-110, 
Helffench,  Weetgothen-Recht,  184-190.  -  Fei.  Bahn,  Könige  der  Wcstgotlicn, 
204-216.  —  Cavcmilles,  I,  237—24'J. 

*)  Es  ist  das  zweite  uns  bekannte  Beispiel  einer  Salbung.  —  S.  Ilistor.-polit. 
Blätter,  ,,dio  Krönung  und  Salbung  der  Könige'',  "20,  L'H». 

*)  rectores  provincianim  et  duces  Ilispaniae. 

*)  qui  ante  tefinpora  in  occnltia  Dei  judiciis  pracscitits  eat  retfnatnrus.  — 
Quem  et  divinum  Judicium  in  regno  praeclegit ,   vt  dcceaaor  princeps  sncct:ssu- 


S.  6.    Die  zwölfte  Synode  von  Toledo,  681.  169 

2)  Es  kam  vor,   dass   solche,   die  in  gesunden  Tagen  nach  der  Bjnou 
Busse  verlangten,   durch  Krankheit  die  Besinnung   und  die   Sprache  ^*^  ^*** 
verloren.    Ihre  Angehörigen   traten  dann  för  sie  ein,    damit  sie  die 
Wegzehrung  erhielten.    Aber  spater,  wiederhergestellt,  behaupten  sie 

zur  Busse  nicht  verpflichtet  zu  sein,  von  der  sie  Nichts  gewusst.  Aber 
wie  die  Taufe,  die  sie  nicht  verlangt,  dennoch  giltig  ist,  so  auch  „das 
Geschenk  der  Busse.^  Wer  irgend  die  Ponitenz  erhalten  hat,  darf  in 
die  Welt  und  in  den  Kriegsdienst  (ad  cingulum  militare)  nicht  zurück- 
kehren. Der  Geistliche,  der  Jemand,  ohne  deutliche  Zeichen  des  Ver- 
langens, die  Ponitenz  gibt,  wird  ein  Jahr  lang  ausgeschlossen.  —  Hier 
wird  die  Busse,  wie  sie  in  Spanien  Sitte  war,  einem  Sakramente  gleich- 
gestellt, was  sie  nicht  ist.  —  Troz  dieses  Canons  verpflichtet  eine  auf- 
gezwungene Busse  nicht.  —  Erwig  aber  fürchtete  die  Wiederkehr  des 
Wamba,  und  ihr  sollte  vorgebeugt  werden. 

3)  Verbrecher  gegen  den  Staat,  welche  der  König  begnadigt  hat, 
sollen  auch  der  Kirchengemeinschaft  theilhaftig  werden.  —  Hier  er- 
scheint also  Ausschliessung  und  Wiederaufnahme  nur  durch  den  Willen 
des  Königs  bedingt. 

4)  An  Orten  wo  (vorher)  kein  Bischof  war,  soll  keiner  eingesczt 
werden. 

Der  Metropolit  Stephan  von  Merida  klagt,  dass  König  Wamba 
ihn  veranlasst,  im  Kloster  des  Dorfes  Aquis,  wo  der  Leib  des  heiligen 
Pimcnius  ruht,  einen  Bischof  zu  weihen.  Weil  Stephan  aber  allzuleicht, 
nachgegeben,  so  warf  er  sich  jezt  zur  Erde  nieder,  und  bat  um  Ver- 
zeihung. „Aber  weil  wir  wahrhaftig,  und  allgemein  wissen,  dass  dieser 
Fürst  im  leichtsinnigen  Entschlüsse')  nicht  bloss  befolen  hat,  dass  in 
Aquis  ein  Bischof  sei,  sondern  dass  er  auch  mit  seinem  angewöhnten 
Eigensinne^)  verordnet  hat,  dass  hier  in  der  Vorstadt  von  Toledo,  in 
der  prätorianischen  Kirche  der  Apostel  Petrus  und  Paulus  ein  Bischof 
eingesezt  werde;  und  da  er  es  an  andern  Flecken  und  Dörfern  ebenso 
machte,  so  sollen  gegen  die  insolente  Frechheit  dieser  (allgemeinen) 
V^ervvirrung  ^)   die   Canones   sprechen    (was   geschah).    In   Aquis   solle 


mm  sihi  instUuit,  et  quod  superest  quem  totius  popuH  amahilitas  exquisivit  — 
unde  non  erit  —  jam  deiiiceps,  aut  ab  anath^matis  sententia  alienus,  aut  a  di- 
vlnae  animadveraionis  ultione  securiis,  qnisquis  süperbe  contra  salutein  ejus 
fleinceps  aut  ei'cxerit  vocem  aut  commoverit  caedem  aut  quamcunque  exquisierit 
laedendi  occasionem.  Der  Synode  war  die  Art,  wie  ^der  vor  aller  Zeit  voraas- 
gewusste  König'^  Erwig  zur  Gewalt  gelangt,  entweder  ein  wirkliches  oder  ein 
diplomatisches  Gehcimniss. 

')  cons'dio  Icvitatis  agentcm. 

')  cum  consudis  obstinat ionibus  ordinasse. 

')  pro  tarn  insolenti  haiusmodi  disturpationis  Uceniia  ■—  canonum  üisti- 
tiUa  in  medio  proferrL 


170  Achtes  Bach.    Zehntes  Kapitel. 

also  kein  Bischof  sein.  Dieser  Bischof  Zuniuldua,  der  nach  der  Wfirde 
nicht  getrachtet,  möge  ein  durch  Todfall  vacantes  Bisthum  erlangen; 
Aquis  soll,  wie  früher,  unter  einem  Abte  sein.  Wer  in  Zukunft  an 
Orten  einen  Bischof  einsezt,  wo  früher  keiner  war,  der  sei  Anathema 
vor  dem  allmächtigen  Gotte,  der  Ordiairende  und  der  Ordinirte  sollen 
ihre  Würde  verlieren,  weil  sie  die  Anordnung  der  Apostel  zerstört 
haben.  —  Mit  diesem  Canon  war  Wamba  aufs  Neue  niedergeschmettert 
—  er  der  „todte  Lowe." 

5)  Es  gibt  Priester  (sacerdotes)^  welche  öfters  an  einem  Tage  das 
heilige  Opfer  darbringen,  und  nur  bei  der  lezten  Messe  die  heilige 
Communion  nehmen^).  Diess  ist  ganz  gegen  das  Wesen  des  heiligen 
Opfers,  von  dem  die  heilige  Communion  unzertrennlich  ist.  Wer  diess 
femer  thut,  soll  ein  Jahr  lang  der  Communion  beraubt  sein.  —  Nicht 
bloss  mehrere,  sondern  viele  Messen  wurden  also  von  Einigen  an  dem- 
selben Tage  celebrirt'). 

6)  Damit  in  Zukunft  die  erledigten  Bischofsstühle  baJder  bcsezt 
werden,  darf  der  Metropolit  (Primas)  der  königlichen  Stadt  jeden  vom 
König  ernannten  Bischof  sogleich  einsezen,  ebenso  in  Betreff  der 
übrigen  Rectoren  der  Kirchen. 

7)  Das  Gesez  Wamba's,  dass  die  Wehrflüchtigen  das  Recht  zu 
testiren  verlieren  sollen,  soll  gemildert  werden.  Wenn  sie  sonst 
Nichts  verbrochen  haben,  sollen  sie  das  Recht,  Zeugen  zu  sein, 
wieder  erlangen. 

8)  Wer  sich,  ausgenommen  Ehebruch,  von  seiner  Frau  trennt, 
bleibe  so  lange  ausgeschlossen,  bis  er  zu  ihr  zurückkehrt.  Wenn  er 
diess,  wiederholt  von  seinem  Bischöfe  ermahnt,  nicht  thut,  so  verliere 
er  seine  Würde  als  Palatin  oder  Adeliger. 

9)  Die  zwanzig  Geseze  gegen  die  Juden,  welche  König  Erwig 
sogleich  nach  seiner  Salbung  erlassen^),  bestätigt  die  Synode.  Dar- 
nach sind  1)  die  frühern  Geseze  gegen  die  Juden  bestätigt;  2)  da? 
Gesez  gegen  die  Lästerer  der  Trinität;  3)  die  Juden  dürfen  sich,  ihre 
Söhne  und  Sclaven  der  Taufe  nicht  entziehen;  4)  sie  sollen  nicht  uacL 
ihrer  Sitte  das  Pascha  feiern,  Beschneidungen  vollziehen,  Christen  von 
ihrem  Glauben  abfallen  machen;  5)  sie  dürfen  ihre  Sabbate  und  FesU^ 
nicht  feiern;  6)  sie  sollen  an  den  Sonntagen  nicht  arbeiten;  7)  sit 
sollen  keinen  Unterschied  unter  den  Speisen  machen;  8)  keine  Ver- 
wandte zur  Ehe  nehmen;  9)  die  christliche  Religion  nicht  angreifen, 
die  ihrige  nicht  verthcidigen,   nicht  auswandern,   um   wieder  Juden  zu 


*)  Süd  in  uno  die,  si  plurima  per  se  Deo  offeranJb  sacrificia,  in  omnihwi 
se  ohlationibus  a  communicando  suspendant, 

•)  Binterim,  Denkwürdigkeiten,  Bd.  IV,  Thl.  3,   S.  2(31. 
')  Sie  stehen  in  leges  Wüfigothorum,  t.  12,  L  3. 


§.  6.    Die  zwölfte  Synode  von  Toledo,  681.  171 

werden;  10)  dass  Christen  von  Jaden  keine  dem  Glauben  derogirenden 
Geschenke  annehmen;  11)  dass  Juden  haeretische  Bücher  nicht  lesen; 
12)  keinen  Christensclaven  besizen;  13)  um  diese  behalten  zu  dürfen, 
sich  nicht  fälschlich  als  Christen  ausgeben;  14)  der  Jude,  welcher 
Christ  wird,  legt  ein  specielles  Glaubensbekenntniss  und  einen  Eid  ab ; 
15)  die  Christen,  welche  Sclaven  der  Juden  sind,  und  Christen  zu 
sein  leugnen  (werden  gestraft);  16)  die  Juden  dürfen,  ausser  einer 
Vollmacht  des  Königs,  über  keinen  Christen  herrschen  oder  ihn  be- 
strafen; 17)  die  Sclaven  der  Juden,  wenn  sie  Christen  werden,  sind 
frei;  18)  kein  Jude  darf  Guts  Verwalter  und  Aufseher  ^)  über  christliche 
Knechte  sein;  19)  die  nach  Spanien  kommenden  Juden  müssen  vor 
den  Bischöfen  sich  stellen;  20)  die  Juden  überhaupt  müssen  sich  an 
gewissen  Tagen  vor  den  Bischöfen  stellen  u.  s.  w.  Die  Bischöfe  sollen 
allen  Juden  in  ihrem  Sprengel  ein  Buch  geben,  in  dem  ihre  Irrthümer 
widerlegt  werden  etc. 

10)  Mit  Zustimmung  des  Königs  wird  das  Asylrecht  dreissig 
Scliritte  über  die  Thormauern  der  Kirchen  ausgedehnt. 

11)  Knechte,  die  noch  heidnischen  Unfug  treiben,  sollen  geschla- 
gen und  in  Eisen  geschlossen  werden.  Die  Herren,  welche  sie  nicht 
strafen,  werden  ausgeschlossen.  Beständige  Ausschliessung  und  Ver- 
bannung trifft  die  Freien,  welche  Gözendienst  treiben. 

12)  In  jeder  Kirchenprovinz  soll  jährlich  am  1.  November  eine 
Synode  gehalten  werden.    Die  Fehlenden  werden  ausgeschlossen. 

13)  Diese  Beschlüsse  sollen  beständig  in  Kraft  bleiben,  Ehre 
Gott,  Dank  dem  König,  auf  „dessen  Befehl  wir  zu  dieser  Synode  be- 
rufen  zu   werden   würdig   waren."     Es  unterschrieben    (als  Pontifices): 

„Ich  Julianus,  unwürdiger  Bischof  der  Königstadt  Toledo."  Dann 
folgt  „Julianus  y  von  Gottes  Gnaden,  Bischof  von  Hispalis."  „Ich 
Liuva,  unwürdiger  Bischof  von  Bracara."  „Ich  Stephanus  von  Emerita 
habe  unterschrieben."  Dreissig  Bischöfe,  zuerst  Asphalius  von  Avila,  un- 
terschrieben, 3  Stellvertreter  von  Bischöfen,  4  Aebte,  14  viri  illttstres^). 


*)  viUicus  et  actor. 

')  Loaysa,  680-609.  —  Ferrer as,  II,  437—442.  —  Aguirre,  II,  681-- 
694.  -  Aguirre -Catalani,  IV,  262-278.  —  Harduin,  III,  1715-1728.  — 
Mami,  XI,  1028-1043,  —  iMbU-Coleti  VII,  1429-1451.  —  Florez,  VI, 
210-213.  —  Tejada  y  Ramiro,  II.  453-493.  —  Hefele,  III,  286-290.  — 
Helfferich,  Westgothen-Recht,  194—198.  —  Fei  Dahn,  VerfassuDg  der  Weat- 
gothen,  476—480. 


172  Achtes  Buch.    Zehntes  Kapitel. 


Am  4.  November  683  —  wurde  das  dreizehnte  (National-)  Concil 
Joncii  ^^^  Toledo  gehalten,  in  der  Kirche  der  heiligen  Apostel.  Erwig  er- 
oa68s.  schien,  empfal  sich  dem  Gebet,  empfal  die  zeitgemässen  Verbesser- 
migen  der  Kirchenzucht  und  legte  wieder  einen  „Tomus^^  mit  Vor- 
schägen  vor.  „Dann  gaben  wir  für  den  von  dem  Fürsten  empfangenen 
Tomtis  Gott  die  Ehre,  und  segneten  den  ruhmreichen  Fürsten."  Der 
Fürst  aber,  nachdem  er  seine  Wünsche  kundgegeben  hatte,  ging  huld- 
voll aus  der  Versammlung  hinweg*).  —  In  dem  „Tomtis^  spricht 
sich  Erwig  mit  äusserster  Herablassung  aus^).  Er  empfielt  Milde, 
denn  er  will  die  durch  „Tyrannei"  weggerissenen  Glieder  des  Reiches 
wieder  in  die  Gemeinschaft  des  (geistigen)  Leibes  zurückführen.  Die 
Anhänger  des  Paulus  sollen  ihre  politischen  Kechte  wieder  haben, 
welche  mit  Infamie  und  Vermögenseinziehung  gestraft  waren  ^),  u.  a., 
was  in  den  13  Kapiteln  verhandelt  wurde.  —  Nach  Recitirung  des 
Glaubenssymbols  wird  beschlossen: 

1)  Die  wegen  der  Empörung  des  Paulus  Gestraften  oder  ihre 
Kinder  soUen  ihre  confiscirtcn  Güter  zurückerhalten,  ausser  dem,  was 
der  König  an  Andere  verschenkt  hat. 

2)  Palatino*)  und  Geistliche  sind  oft  (unter  Anklage  der  untreue), 
ohne  rechtliches  Verfahren  oder  nach  Erpressung  eines  Bekenntnisses 
abgesezt,  gefesselt,  gepeitscht,  der  Güter  beraubt,  eingekerkert  worden. 
Hinfort  sollen  sie  vor  und  durch  die  Versammlung  der  Bischöfe, 
Senioren  und  Gardinge  ^)  gerichtet  werden  können.  Ebenso  die  übrigen 
Edeln^  die  nicht  Palatine  sind,  die,  wenn  sie  der  König  schlagt,  wie 
es  Gewohnheit  ist,  weder  ilii-e  Ehre  noch  ihre  Güter  verlieren  sollen. 
Der  König,  der  dagegen  fehlt,  verfällt  dem  Banne. 

3)  Das  Edict  des  Königs   (das  der  Synode  angehängt  ist),    wird 


*)  gratiosus  —  exivit  —  kann  auch  hcissen:  mit  Grazie,  mit  lieblichem 
Anstand. 

')  coram  coetus  vestri  revereniia  humilis  devotusque  prostenior,  recHnis 
assisto,  promptus  astipulor,  primain  de  conventus  vestri  aggregatione  Pain 
luminum  gratiarum  copiam  solvent,  deinda  votorum  meorum  stiidia  vestris 
judiciis  dirhncnda  cwnmUtens, 

•j  Wamba  wird  hier  Fürst  ^divae  vieinoriae'*  genannt,  war  also  vor  dein 
4.  Nov.  r>83  gestorben. 

*)  Höhere  Adelige,  die  zum  Dienste  des  Königs  gezogen  werden,  FeL  Dahn, 
West gothen Verfassung,  S.  108. 

*)  Gardinge,  oberste  Palastbeamtc;  c/.  Ducangc  (Gardingus);  Fei,  DaJin, 
Verfassung  der  Westgothen,  1871,  S.  103  über  ISeniores,  S.  lOÖ-lll  über  üar 
dinge,  nach  welchem  sie  eine  Kategorie  der  IHdatine  sind. 


S.  7«    Dreizehnte  Synode  von  Toledo,  683.  173 

bestätigt,   welches  die  rückstandigen  Steuern  bis  auf  die  Zeit  Erwig's 
nachlässt. 

4)  Am  5.  November  wird  beschlossen:  Beständiges  Anathcm 
treffe,  welcher  die  Söhne  des  Königs,  die  Königin  Leovigotho  oder 
einen  Verwandten  des  Königs  verfolgt,  beraubt ,  schlägt,  oder  zur 
(öffentlichen)  Busse  zwingen  wilP),  bestätigend  das  von  Erwig  er- 
lassene Edict. 

5)  Die  Wittwe  des  verstorbenen  Königes  darf  Niemand,   auch  ein^^"*«*»' 
König  nicht,   heirathen,   oder  mit  ihr  Umgang  pflegen.     „Uneiiräglich 

ist,    dass  die  frühere  Königin,   ein  Theil   des  Leibes   des   verstorbenen 
Königs,  der  Lust  eines  Unterthanen  diene.'' 

6)  Sclavcn  oder  Freigelassene  dürfen  nicht  mehr  Palatine  und 
Actoren  von  Domänen  werden,  mit  Ausnahme  der  dem  Fiscus  An- 
gehörigen. 

7)  Das  Intcrdict,   mit  welchem   einzelne  Geistliche   eigenmächtig  inter- 
ihre  Kirchen  belegen,   wird  bei  Strafe  der  Infamie  und  Absezung  ver-    ***** 
boten.     Anders  ist  es,  wenn  äussere  Gefahr  droht,  oder  wenn  Jemand 
durch  Gewissensbisse  abgehalten  wird,  Gottesdienst  zu  halten. 

8)  Wenn  Jemand  vom  König  oder  seinem  Metropoliten  berufen, 
rechtzeitig  nicht  erscheint,  so  wird  er  ausgeschlossen.  Verhinderung 
durch  Krankheit  oder  schlechte  Wege   muss  er  mit  Zeugen  beweisen. 

9)  Die  Beschlüsse  der  zwölften  Synode  sollen  giltig  sein. 

10)  Am  6.  November  wird  beschlossen:  Hat  ein  Bischof  oder 
Priester  wegen  Erkrankung  die  Busse  übernommen,  und  kein  schweres 
Vergehen  bekannt,  so  darf  er  nach  seiner  Genesung  und  vorhergehen- 
der Keconciliation  durch  den  Metropoliten  sein  Amt  wieder  führen. 

11)  Es  ist  verboten,  einen  fremden  oder  entflohenen  Kleriker  oder 
Mönch  aufzunehmen. 

12)  Gegen  den  eigenen  Bischof  kann  mau  bei  dem  Metropoliten 
klagen.  Ehe  dieser  entschieden,  kann  der  Klagende  nicht  excoramunicirt 
werden.  Von  dem  eigenen  Metropoliten  kann  man  an  einen  andern 
appelliren;  wenn  zwei  Metropoliten  ihn  nicht  hören,  kann  er  an  den 
König  appelliren.     Es  folgt  (13)  die  gewöhnliche  Schlussform. 

Durch  Edict  vom  13.  November  bestätigt  der  König  das  Concil.  unt«- 
Es  uuterscbrieben  „Julian,  der  unwürdige  Metropolitanbischof;    Liuva,  wiwift« 
„Bischof**   von    Bracara;    Stephan,   „Bischof"   von   Merida;    Floresind, 
„Bischofs   von   üispalis,    dann    die    (eigentlichen)   44   Bischöfe,   jeder 
seinem    Namen    „Ich"    voransezend;    9   Aebte,   26   Stellvertreter   von 
Bischöfen,  26  Adelige  und  Magnaten^). 


^  „Eine  offoDbar  vom  bOsen  Gewissen  eingegebene  Besorgniss'',  Fei.  Bahn, 
p.  483, 

')  Verglichen  mit  der  vierten  Synode  von  Toledo  ist  hier  eine  kleinere  Zahl 


174  Achtes  Bach.    Zehnes  Kapitel. 


§.  8. 


Das  am  14.  November  684  zu  Toledo  gehaltene  Proviüzialconcil 
der  (vordem)  carthaginensischen  Kirchenprovinz,  war  gleichfalls  vom 
Konig  Erwig  berufen.  Es  handelte  sich  in  demselben  um  die  Annahme 
der  Beschlüsse  der  sechsten  allgemeinen  Synode  gegen  die  Monothc- 
letcn*).  Diese  wurden  angenommen,  imd  in  der  Conciliensamnilung 
»  den  Acten  der  Synode  von  Chalcedon  angereiht  (weil  damals  in  Spanien 
S'  die  fünfte  allgemeine  Synode  vom  Jahre  653  noch  nicht  allgemeine 
Annahme  gefunden  hatte*).  —  Die  Acten  unterschrieben  17  Bischöfe, 
2  Vicarien,  6  Aebtc  und  die  5  Stellvertreter  der  übrigen  (frühem) 
Metropoliten'). 

§.  9. 

KSnig  Von  den  Gesezen,  welche  König  Erwig  gab,  nrtheilt  der  Chronist 

*^'^*  Sebastian  von  Salamanca:   Er  hat  die  von  Wamba  gegebenen  Geseze 
,.  '      verschlechtert,  und  andere  unter  einem  Namen  herausgegeben'^).     Jene 


von  BischOfon  erschienen.  Dort  erschienen  62  Erzbischöfe  nnd  Bischöfe  nnd  7  Stell- 
vertreter, hier  48  Bischöfe  und  Erzbischöfe,  26  {aL  25)  Stellvertreter,  ergiebt  za- 
sammen  73  (74)  Bisthümer,  5  (4)  mehr  als  im  Jahre  633,  nämlich  ein  Bischof  von 
Anca  erscheint  hier,  und  ein  Stellvertreter  desselben,  die  Namen  der  Bischöfe  aber 
differiren,  wesswegen  Florez  nnd  Ftc.  la  Fuente  einmal  .yNismes^  (Nematisem, 
verwechselt  mit  Äucens,)  zu  lesea  vorschlagen.  Es  erscheint  ein  Bischof  von  Ma- 
lacca,  dem  wir  633  nicht  begegneten,  femer  ein  Bischof  von  Dianium  oder  Diaiüa. 
endlich  ein  Bischof  PoterUinus  ,,  Verecemis"^.  Da  es  ein  solches  Bisthum  nicht  gab, 
da  aber  Galiabria  nicht  vertreten  ist,  so  schlagen  die  genannten  Autoren  v^r,  „Ca- 
Liabriensis"  zu  lesen  (Florez,  VI,  217 ;  Vic.  la  Fuente,  1,  391),  Soviel  BisthQ- 
mer  haben  überhaupt  bestanden.  Vic.  la  Fuente  zählt  zwar  76  (p.  38ö);  allein 
dass  ein  Bisthum  Abdera  bestanden  habe,  ist  eine  Streitfrage,  an  die  Stelle  des 
eingegangenen  Carthagena  war  Bigastro  getreten,  an  die  Stelle  von  Castulo  war 
Beatia  (BaiSza)  getreten,  Elotana  war  nach  Uici  verlegt  worden,  das  nördliche  Mcn- 
tesa  kam  nach  Oretum. 

Cf.  OarciaLoaysa  610^640.  —  Aguirre,  edit,  /,  II,  694—710,  —  Aguirre- 
Catalani,  IV,  278-^297.  —  Uarduin,  III,  1735-1762.  —  Conc,  ed.  LabU- 
Coleti,  VII,  1463—1482.  -  Mansi,  XI,  1059—1082.  —  Ferreras,  III,  443—446. 

—  Florez,  VI,  214—223.  —  Bruns,  I,  333.  —  Tejada  y  Ramiro,  II,  494-519. 

—  Uefele,  III,  290^292.  —  A,  Ilelfferich,  198-199.  —  Fei.  Dahn,  480-484. 

')  oh  confutandum  Apollinaris  dogina  pestiferum. 

«)  Uqfele,  II,  899. 

')  Gare.  Loaysa,  641—658.  —  Aguirre,  II,  717—720.  —  Aguirre-Cata- 
lani,  IV,  302-306.  —  Uarduin,  III,  1754-1758.  —  Conc.  ed.  Labhe-CoUti, 
VII,  1488-1494.  —  Mansi,  XI,  1086-1092.  -  Ferreras,  II,  448—449.  ^ 
Florez,  VI,  223-225.  —  Bruns,  J,  349.  —  Tejaduy  Ramiro,  II,  520-527.  - 
Uefele,  III,  293—294.  —  A.  Ilelferich,  199^2iH).  -  Fei.  Dahn,  484-486. 

*)  leges  a  Wambane  inatituta^s  corrupit,  et  alias  ex  nomine  suo  edidit. 


§.  10.    Fünfsehnte  Synode  zu  Toledo,  688.  175 

dürften  die  Geseze  über  die  Wehrverfassung  sein,  durch  deren  Milder- 
ung oder  Aufliebung  er  den  Sieg  der  Araber  über  Spanien  erleichterte, 
Leztere  sind  wohl  die  Geseze  gegen  die  Juden,  welche  mit  Sehnsucht 
auf  den  Einfall  der  Mauren  warteten.  Erwig  legte  die  durch  List  und 
Gewalt  errungene  Herrschaft  den  14.  November  687  nieder,  und  starb 
wenige  Tage  nachher  in  einem  Kloster  ^). 

Egica  war  der  Schwiegersohn   des   Königs  Erwig,   der  Gemahl  KSnig 
seiner  Tochter   Cixilo,   und   Neffe  Wamba's.    Als   Erwig   sein  Ende  ^'^^ 
herannahen  fühlte,   wollte  er  die  Herrschaft  in  seiner  Familie  erhalten, 
und  es  gelang  ihm.    Am  14.  November  (nicht  August)  687  übernahm 
Egica  die  Gewalt,  am  folgenden  Tage,  den  15.  November,  nahm  Elrwig 
„die  Bussc,^  und  starb  zwischen  dem  15. — 24.  November. 

Am  24.  November  687  wurde  Egica  (Egiza)  von  dem  Primas 
Julian  gesalbt.  Egica  regierte  fünfzehn  Jahre,  zehn  allein,  und  fünf 
mit  seinem  Sohne  Witiza,  nämlich  vom  24.  November  687 — 698;  er 
starb  im  Jahre  702,  ohne  die  fünfzehn  Jahre  vollendet  zu  haben. 

§.  10. 

Sogleich  nach  seinem  Regierungsantritt  berief  er  die  (15)  National-  synod« 
Synode  nach  Toledo,   welche  unter  dem  Yorsize  Julian's  am  11.  Mai^oness 
688   eröffiiet  wurde,   in   der  Hauptkirche   der  heiligen  Apostel.    Nach 
alter  Sitte   trat  der  König  in  die  Yersanmilung,   warf  sich  nieder  und 
cmp&hl   sich   den  Gebeten   der  Bischöfe,   dann   stand  er  auf  und  hielt 
eine  „entsprechende",*)  Anrede,   und  übergab  einen  „Tomits/^  worin  er 
seine  Anliegen  niedergelegt  habe.    Darin  stand,   dass  Egiza  zwei  Eide 
habe  leisten  müssen.    Zuerst  habe  er  dem  Erwig,  als  er  dessen  Tochter  i>ieEui< 
Cixilo  (Cixlona)  heirathete,  schwören  müssen,  dass  er  die  Angehörigen  «».Bgio« 
des  Kimigs   schüzen,    und  jeden  Angriff  von  ihnen  ferne  halten  wolle. 
Erwig  woUte  sich  so  vor  der  Rache  der  zahlreichen  Anhänger  Wamba's 
schüzen.    Vor  dessen  Tode  habe  er  seinem  Schwiegervater^)  schwören 
müssen,    dass   er   dem   ihm  anvertrauten  Volke  Gerechtigkeit  erweisen 
wolle.     Egiza   stellt   sich   selbst   als   in   einem   Zwangsverhältnisse   zu 


0  Fd.  Dahn:  „Zuletzt  entsagte  der  König,  von  Krankheit,  Aberglauben, 
und,  wie  es  scheint,  Gewissensangst  gepeinigt,  dem  Scepter,  das  er  ebenso  ver- 
werflich gefiihrt,  wie  erlangt  hatte".  —  Qf.  Chronol,  regum  Oothor.  c.  30.  — 
üebast.  ScUmant  c.  3.  —  Roderic.  Tötet.  III,  13  (succedit  Ervigus  tyranide, 
tum  de  jure).  —  Ferreras,  II,  438—450,  —  Florez,  //,  209.  —  CavanilUa,  J, 
242-^248.  —  Lembke,  110—112.  —  Ä.  Helfferich,  190—204.  —  Fei.  Dahn, 
Könige  der  Westgothen,  215—219. 

*)  svfficienti. 

^)  es  heisst:  divue  socer^  Erwig  war  also  schon  todt. 


176  Achtes  Bach.    Zehntes  Kapitel. 

Erwig  stehend  dar,  und  meint,  dass  beide  Eide  sich  wiedersprechen, 
da  er  nicht  Allen  im  Volke  ein  gleich  gerechter  Herrscher  sein  könne, 
wenn  er  die  Angehörigen  Erwig's  gegen  die  Gerechtigkeit  vertheidige. 
Erwig  habe  mit  grosser  Härte  sehr  Viele  gegen  das  Recht  ihrer  Güter 
beraubt.  Adelige  zu  seinen  Sclaven  gemacht,  sie  gefoltert,  und  Gewalt 
geübt  u.  s.  w. 

Nach  Verlesung  des  Tomus  wurde  das  Symbolnm  recitirt.  Hier- 
auf wurde  eine  dogmatische  Differenz  mit  dem  (inzwischen  am  8.  Mai 
685)  gestorbenen  Papste  Benedict  II.  behandelt.  Die  Spanier  behaup- 
teten hierin  im  Rechte  zu  sein,  und  sie  vertheidigten  die  vom  Papste 
getadelten  Ausdrücke  in  Betreff  der  Bedeutung  von  „Wille  und  Weis- 
heit** im  Monotheletenstreite  „auf  eine  gar  wenig  höfliche  Weise  *).* 
Sie  gebrauchen  den  Ausdruck:  „unwissende  Nebenbuhler"  in  einem 
Zusammenhange,  in  welchem  nur  die  Päpste  verstanden  werden  können. 

Indem  die  Synode  sodann  die  zwei  Eide  des  Egica  behandelt, 
erkennt  sie,  dass  der  zweite  dem  ersten  Eide  vorangehe,  d.  h.  sie  ent- 
bindet den  Egica  von  der  Rücksicht  auf  die  Familie  des  Ei'wig,  wie 
er  es  wünschte.  Einen  dritten  Eid  aber,  den  Erwig  Rir  die  Sicherheit 
seiner  Angehörigen  von  dem  ganzen  Volke  verlangt  hatte,  fand  die 
Synode  nicht  bedenklich.  —  Wer  den  Besclilüsscn  dieser  Synode 
widerstrebt,  verliere  den  zehnten  Theil  seines  Eigenthums,  und  werde 
excommunicirt«  Es  unterschreiben  nach  Julian  (die  ehemaligen^  Metro- 
politen von  Sevilla,  Braga,  Merida  und  Narbonne;  unter  den  Bischofen 
zuerst  der  gefeierte  Idalius  von  Barcelona,  im  Ganzen  56  Bischöfe, 
einer  weniger,  als  auf  der  vierten  Synode,  und  5  Stellvertreter  ab- 
wesender Bischöfe.  Ferner  8  Aebte  für  sich,  1  Erz[)rioster,  Erzdiakou 
und  Primicerius  (von  Toledo),  17  Grafen^). 

§.  11. 

Julianus   stammte  aus  einer  jüdiscihen  Familie  ^) ;    war  Erzbischot 
von   Toledo    vom   29.   Januar  680  bis   6.    März   690.     Seine   Schrift:    j 
1)    Progiiosticou  futuri   saeculi   ad  Idalinm    sioe   de  praescieihtia  futuri 
saecnli  llbri  TU  ist   an    Bisehof  Idalius  von  Barcelona  goriditet.     Das 
erste  Buch   handelt   über   den  Tod   des  Menschen    als   eine  Folge  der 


')  Ilefele,  III,  295;  davon  unten  Kap.  12. 

')  Gare.  Ijoaysa,  p,  659—685,—  Affuirre,  II,  721—731.  —  Aguirre-Ca- 
taJani,  IV,  306-317.  —  Ilarduhi,  III,  1759-1772.  -  Couc.  ed.  Lahhe-Odvti. 
VIII,  6-22.  —  Mansi,  XII,  7-  25.  —  FerreroH,  II,  450  -153.  ~  Fiorez,  VI, 
225-227.  —  Bruns,  i,  353,  —  Tejada  y  Ramiro,  II,  528-552,  —  Ilefele, 
III,  295—296,  —  A.  Ilelffcrich,  204-206.  —  Fei.  Dahn,  Verfassung  der  West- 
gothen,  4HG-  490. 

')  ex  traduce  Judaeonim.  —  Isidor,  Pac.  23. 


§.  11.    Julianns  von  Toledo.  177 

,  der  als  Gesez  der  Natur  ungeachtet  der  Taufe  herrscht,  die 
Ifenschen  von  der  Erbsünde  reinigen  soll.  Das  zweite  Buch 
It  von  dem  Zustande  der  Seelen  bis  zu  der  Auferstehung  und  dem 
ite.     Von  leztenn   handelt  das  dritte  Buch.     Augustin  und  Gre- 

I.  sind  die  Hauptquellen  des  Julian.    —   Zwei  andere  Schriften 
nit  Unrecht  dem  Julianus  zugeschrieben. 

Y)  Die  Schrift:  Demonstratio  sextae  aetatis  seu  de  Christi  adventu 

'U8  Jvdaeos  L  3  ist  auf  Bitten   des  Königs  Erwig   um  686  ver- 

gegen  den  Einwurf  der  Juden,   dass  Christus   nicht  im  sechsten 

Iter   geboren  sei,   wie  es  doch  von  dem  Messias  die  Schrift  vcr- 

Im   ersten  Buche  will  Julianus  die  Uebereinstimmung  der  im 

Testamente  über  den  Messias  sich  findenden  Angaben  nach- 
I.  Im  zweiten  Buche  sucht  er  aus  dem  Neuen  Testamente  den 
8  zu  fuhren,  dass  Christus  der  wahre  Messias  sei,  ein  Beweis, 
ach  die  Apostel  gegen  die  Juden  geführt  haben.  Das  dritte 
▼ersucht  chronologisch  nachzuweisen,  dass  Christus  im  sechsten 
ber  (Jahrtausend)  erschienen  sei. 

J)  Die  Schrift:  Historia  de  Wambanis  (Wambae)^  regis  Gothorum 
ni  expeditione,  d.  i.  des  Feldzuges  gegen  den  Rebellen  Paulus 
gewohnlich  dem  Julianus  zugeschrieben.  Ein  äusseres  Zeugniss 
licht  Tor.  Aber  einen  andern  spanischen  Schriftsteller  jener  Zeit 
man  nicht. 

Jalianus  ist  ohne  Zweifel  Verfasser  des  Textes  der  in  den  Jahren 

688   abgehaltenen  Synoden,   die   ganz  und  gar  seinen  Geist  ath- 

nnd  seinen  Stil   wiedergeben.   —   Er  ist  Verfasser  der  dogmati- 

£rorterungen,  die  aus  Anlass  der  sechsten  allgemeinen  Synode 
hen  Gom  und  Spanien  gepflogen  wurden,  und  zeigt  sich  hierin 
nen  ebenso  streitfertigen  wie  gewandten  Theologen,  der  von  dem, 
*r  einmal  ausgesprochen,  nicht  ein  Titelchen  auf-  und  preisgibt, 
er  ist  sich  bewusst,  das  Rechte  auf  die  rechte  Weise  gesagt  zu 
u  Wer  daran  zweifelt,  versteht  entweder  Nichts,  ist  ein  Ignorant, 
er  hat  ihn  nur  flüchtig  und  oberflächlich  gelesen  —  denn  es  ist 
möglich,  dass  er  sich  geirrt  haben  könnte. 

Dass  Julianus  den  hauptsächlichen  Antheil  an  der  lezten  Bedac- 
1er  altspanischen  Liturgie   und   der  Sammlung   des  Kirchenrechts 

ist  meine  Ansicht,  ebenso,  dass  in  Beziehung  auf  formelle  Dar- 
Dg  er  alle  oder  fast  alle  spanischen  Schriftsteller  im  siebenten 
inndcrt  libertrifil.  Nur  Eulogius  im  neunten,  Martin  von  Leon  im 
len  Jahrhundert  erreichen  annähernd  seine  Formgewandtheit.  Nach 
Tode  des  Ildefons,  des  Tajo  und  des  Fructuosus  ist  er  die  ge- 
Ipte  Persönlichkeit  Spaniens  am  Ende  dieses  Jahrhunderts;  aber 
ideblichkeit  und  die  innere  Kraft,   die  Geister  im  Leben  und  nach 

Mtt,  ipan.  Kfrcbe.    IL  2.  \2 


T. 

etlona. 


178  Achtes  Buch.    Zehntes  Kapitel. 

dem  Tode  an  sich  zu  zicheu,  imd  sie  gefesselt  zu  halten,  eine  Macht, 
die  dem  Udefons  und  Fructuosus  bis  zum  heutigeu  Tage  innewohnt, 
besass  und  besizt  er  nicht.  Er  war  niemals  ein  Heiliger  des  Volkes. 
Ausserhalb  Spaniens  wurde  er  niemals  verehrt,  ja  nicht  einmal  in  To- 
ledo. Sein  Nachfolger  Ximenes  fand  ihn  ganz  vergessen  und  vernach- 
lässigt von  dem  Volke,  und  wollte  seine  Verehnmg  in  die  Hohe 
bringen.  Allein  vor  wie  nach  Ximenes  zog  er  die  Herzen  nicht  an 
sich.  Die  wahren  Heiligen  ziehen  vom  Ximmel  herab  die  Herzen  an 
sich  —  vorschi'eiben  kann  man  ihre  Verehrung  nicht  ^). 

§.  12. 

ifUHoa  Der  Bischof  Idalius  von  Barcelona,  Nachfolger  des  Quiricus  viel- 

^^  leicht  um  das  Jahr  666,  erscheint  zum  leztenmale  auf  der  Synode  des 
Jahi'es  688  ^) ,  auf  welcher  er  als  der  älteste  der  sämmtlichen  Bischöfe 
die  Acten  unterschreibt.  Ihm  widmet  und  übersendet  mit  einem  Briefe 
Julianus  von  Toledo  sein  Werk:  „Frognosticon  futuri  saectdi/^  welches 
derselbe  hinwieder  dem  Metropoliten  Suniefredus  von  Narbonne  sendet. 
In  seinem  Briefe  an  ihn  sagt  Julianus,  dass  er  mit  Idalius  Ostern  in 
Toledo  gefeiert  habe,  wahrscheinlich  im  Jahre  688.  Ostern  fiel  damals 
auf  den  29.  März,  und  die  Synode  fand  erst  im  Mai  statt.  Damals 
war  Idalius  vom  Podagra  arg  gequält^).  Die  zwei  Bischöfe  kamen 
auf  die  Frage  über  den  Zustand  der  Seelen  vor  der  allgemeinen  Auf- 
erstehung, und  ihre  Ansichten  waren  nicht  die  gleichen,  und  sie  er- 
muthigten  sich  darüber  (sich)  zu  schreiben.  Auf  Antreiben  des  Idaliii? 
liess  Julianus  sogleich  einen  „Notar"  kommen,  und  die  Hauptpuncte  der 
Frage  niederschreiben.  Damals  wurde  auch  der  Inhalt  der  drei  Bücher  , 
dieses  Werkes  festgestellt. 

Nach    demüthigsier    Danksagung    für    das    erhaltene    Work    sai^'t 
Idalius:     „Es    kam    zu    uns    ein    gewisser   Jude,    Namens    Itestitutus.   \ 
welcher   so   zu    sagen    wie    ein    unvernünftiges   Thier   dieses   lichtvolle 


')  Patrum  Toletanorum  quotq.  extant  opera^  ed,  F,  Tjorenzana,  t,  11, 
p,  3—884,  Matr,  1785  (Abdruck  ap,  Migiie,  L  96).  —  Fhrez,  L  5,  p.  277—2^7. 
—  Nicol,  Antonio,  ed,  F.  Bayer^  I,  413—124.  —  Fei.  Bahr,  die  christlich-römi- 
sche Theologie,  1837,  S.  470-472.  —  A.  llelfferich,  Westgotheii recht,  la»)»,  S.  196- 
20G.  —  Wcstgoth.  Arianißmus,  1800,  S.  71—79.  —  Fol,  Bahn,  Verfassung  der 
Westgotlieii,  1871,  S.  473—190. 

')  Schon  im  Jahre  (*.oü  war  er  der  älteste  unter  24  Bischöfen,  die  ihre  Vica- 
rien  sandten;  im  Jahre  (>88  der  älteste  unter  r>5  Bischöfen. 

*)  Eros  enim  tunc,  fatetyr,  mi  Domine  et  frater  sanctissime,  podagrici 
dolor is  contwtionihus  tahidus,  scd  multo  ampliiut  spe  divinas  confemplationis 
erectits.  Ob  es  aber  gerade  das  Jahr  G88  war,  wie  Florez  als  sicher  annimint, 
anter  liegt  einigem  Zweifel. 


§.  12.    Idalins  von  Barcelona.  179 

Werk  mit  sich  führte  —  es  mir  mit  beiden  Händen  überreichte,  das 
ich,  voll  Begierde,  es  zu  kennen,  mehr  an  mich  riss,  als  in  Empfang 
nahm,  es  schleunigst  offiiete,  und  den  Titel  erblickend  gestehe  ich  Dir 
meine  Verwunderung  ein,  warum  Deine  Heiligkeit  ein  so  herrliches  Werk 
einem  so  ungläubigen  und  dem  Glauben  fernen  Träger  anvertraut 
hat  ^).  Doch  habe  er  aus  dieser  Art  der  Uebersendung  die  Demutb 
des  Julian  erkannt,  der,  eitlen  Ruhm  verschmähend,  sich  eines  ge- 
meinen Trägers  ^)  bedient  habe.  Hierauf  lobt  er  die  Schrift  des  Julian. 
Andere  Schriftsteller  haben  ihm  das  Gold,  d.  i.  den  Stoff  geliefert^  er 
aber  habe  es  geprägt  und  ihm  die  beste  Form  gegeben.  Elr  dankt 
Gott,  dass  er  am  „Ende  der  Welt^^)  dem  Julian  ein  so  herrliches 
Werk  zu  schreiben  verliehen;  er  habe  das  Werk  „der  ganzen  Kirche^ 
mitgetheilt  *). 

Sunifredus,  Erzbischof  von  Narbonne,  hatte  (nämlich)  dieses  Werk 
von  Idalius  verlangt,  und  Idalius  sendet  es  ihm,  damit  er  es  sämmt- 
lichen  Bischofen  seiner  Provinz  mittheile  ^).  Es  ist  ein  wohlthuender 
Anblick,  der  Anblick  der  beiden  Bischöfe  Quiricus  und  Idalius  von 
Barcelona,  welche  diese  gefeierte  Kirche  wohl  fünfzig  Jahre  regiert 
haben,  wie  sie  mit  tiefster  DemQth  und  innigster  Lembegierde  andere, 
in  ihren  Augen  begabtere  Bischöfe  als  sie  (Tajo,  Bdefons,  Julianus) 
zum  Schreiben  dringend  auffordem,  wie  sie  Gott  danken  für  die 
Gaben,  die  er  den  Andern  mitgetheilt,  und  wie  sie  sich  bemühen,  diese 
Schrift;en  zur  Belehrung  und  Erbauung  „der  ganzen  Kirche^  mitzu- 
theilen,  was  damals  ohne  den  bedeutendsten  Aufwand  der  Zeit  nicht 
möglich  war®). 


*)  tanti  et  tarn  praeclari  mercimonii  causam  tarn  infido  et  a  cultu  fidei 
alieno  vestra  sanctitas  crediderit  bajulo. 

*)  viliori  gerulo, 

')  in  fine  temparum,  aut  in  consummatione  mundi. 

*)  Ecdesiae  universitas,  ad  cuius  notitiam  insignia  operis  vestri  dedaxit 
nostra  tenuitas, 

^)  Er  nennt  den  Julian  dreimal  „Socius  vester**,  (d.  i.  Metropolitan,  wie 
Snnifred),  „Julianus,  Toletanae  primae  sedis  episcopus**.  Er  nennt  Barcelona 
„civitatula**  (ein  Städtlein),  (,>cai  indignus  praesideo"),  den  Sunifredus  aber 
nennt  er:  Vemacule  Domne  (vielleicht  lieber  Herr  und  Freund  V).  Florez  aezt 
diesen  Brief  in  das  Jahr  089. 

*)  Espana  sagrada,  t.  29,  p,  184-^144.  —  ib.  Idalii  opuscula,  p,  447^ 
451.  —  Felix  Torres  Amat,  Diccionario  de  los  escritoros  Catalanes,  Bare.  1836. 
p.  314-315. 


12 


180  Achtes  Bach.    Zehntes  Kapitel. 


§.  13. 

I 

DLOon-  A.m   1.  November  691    hielten   die  Bischöfe   der  Kirchenprovinz 

e»  Ton  Tarragona,  vielleicht  nach  dem  Vorgange  der  von  Emerita  (666)  und 
g^Mi^.  Bracara  (675)  ^auf  Geheiss  des  Königs  Egiza^  ihre  Provinzialsynode 
zu  Saragossa,  (es  war  die  di'itte  hier  gehaltene,)  und  sie  verordnen  ^) : 
1)  Nach  altem  Geseze  sollen  Kirchen  und  Clerik^r  nur  an  Sonntagen 
geweiht  werden.  2)  Die  nahe  wohnenden  Bischöfe  sollen  sich  an 
Ostern  zu  ihrem  „Primas^  begeben,  und  das  Fest  mit  ihm  feiern. 
3)  Laien  dürfen  nicht  als  Gäste  in  Klöstern  aufgenommen  werden, 
ausser  in  getrennten  Häusern  (Gast-  oder  Fremdcnhäusem.)  4)  Sclaven 
der  Ejrche,  welche  ein  Bischof  freigelassen  hat,  müssen  seinem  Nach- 
folger ihre  Freibriefe  vorweisen.  5)  Canon  5  der  13.  Synode  von 
Toledo  (über  die  verwittweten  Königinen)  wird  dahin  verschärft,  dass 
die  Wittwe  unverweilt  das  weltliche  Kleid  mit  dem  religiösen  ver- 
tausche, und  in  das  Kloster  trete.  „Denn  es  ist  nicht  zu  ertragen, 
was  oft  geschieht,  dass  königliche  Wittwen  geschmäht,  verfolgt  und 
misshandelt  werden.^  Was  also  ein  Zwang  war,  das  erscheint  hier 
als  Mittel  des  Schuzes.  In  der  That,  es  war  „etwas  faul^  in  den 
Staate  der  Westgothen.     Die  Unterschriften  der  Synode  fehlen  ^). 


§.  14. 

^  Nach  dem  Tode  des  Julian   von   Toledo   folgte   ihm   als    Prima* 

Silber-  der  frühere  Abt  Sisbei-tus,  welcher  der  erste  Metropolit   aus    dem  Gc- 

«»■  ▼«»  schlechte   der  Gothen   gewesen    sein  soll.     Nach   einer  Kcfirieranff   voü 

etwa   drei   Jahren    wurde    er  wegen   cmer  gegen  Üigiza   angesponneneD 

Verschwörung  seiner  Würde  cntsezt. 


§.  15. 

Am  2.  Mai  693  wurde  die  sechszehntc  Synode  von  Toledo,  „anf 
Geheiss  des  orthodoxen  Königs  Egiza^  in  der  Kirche  der  heiligen 
Apostel  eröflnet.    Alle  sassen  nach  der  Gewohnheit  nach  der  Zeit  ihrer 


')  Nachdem  sie  drei  Tage  sich  über  das  nicünische  Ulaubcnssymbol  (vielleicbr 
mit  Rücksicht  auf  die  Differenzen  zwischen  *Kom  und  Toledo)  besprochen  hatten. 

')  Grarc.  Loaysa,  690^695,  —  Aguin'c,  II,  732—734,  —  Aguirre-Cata- 
lani,  IV,  317-320.  —  Harduiny  III,  1779-1782.  -  Ccmc,  ed.  Ixibbe-Coleti. 
VIII,  31-36.  -  Mansi,  XII,  42-46.  -  Ferreras,  II,  456-456.  —  Florez- 
Bisco,  t.  30,  243^-244.  -  Tejada  y  Ramiro,  II,  132-137.  —  Fei.  Dakn, 
490-^491. 


§.  15.  Die  sechzehnte  Synode  von  Toledo,  698.  181 

Ordination  ^) ,  und  dankten  Gt)tt  ^) ,  der  sie  versammelt  hatte.  Sie 
redeten  unter  sich  über  geistige  Dinge,  und  erwarteten  den  Ausgang 
der  Dinge  mit  sanftmüthiger  Geduld^).  Da  erschien  der  König  in 
ihrer  Mitte,  und  indem  er  „den  Scheitel  seines  ruhmreichen  Hauptes 
demüthig  neigte"  *),  empfahl  er  sich  dem  Gebete  Aller,  und  „mit  eigener 
Hand"  übergab  er  uns  den  Tomus,  in  \^elchcm  seine  Wünsche  und 
Anträge  standen,  und  hielt  eine  kurze  Ansprache.  Nachher  wurde  der 
Inhalt  des  Tomus  vorgelesen,  und  den  Acten  der  Synode  einverleibt. 
Er  empfiehlt  nach  dem  oilhodoxen  Glauben  Verbesserung  der  Disziplin. 
Für  die  Priester  und  Kirchen  auf  dem  Lande  sei  bessere  Sorge  zu 
tragen.  Gegen  Judenthum  und  Heidenthum,  gegen  Päderasten  und 
Verschworer  müsse  eingeschritten  werden.  Als  freiwillige  Schiedsrichter 
mögen  sich  die  Bischöfe  vor  Parteilichkeit  und  Bestechlichkeit  bewahren. 
In  dem  Symbolum  der  Synode  wurde  die  orthodoxe  Lehre  von 
den  zwei  Willen  in  Christus  dargelegt.     Dann  wurde  beschlossen: 

1)  Die  Geseze  zum  Zwecke  der  Bekehrung  der  Juden  sollen 
genau  beobachtet  werden.  Den  bekehrten  Juden  werden  die  Abgaben 
('der  übrigen  Juden)  an  den  Fiscus  nachgelassen,  und  sie  erhalten 
gleiche  Rechte  mit  den  Christen. 

2)  Die  Bischöfe,  Priester  und  Richter  sollen,  unter  Strafe  der 
Absezung  und  Ausschliessung  auf  ein  Jahr  die  Ueberreste  des  Heiden- 
thums  zu  tilgen  suchen,  u.  a.  das  Anzünden  von  Lichtem,  die  Zauberei, 
Wahrsagerei  u.  a.  —  Die  Schuldigen  werden  um  3  Pfunde  Gold,  sind 
sie  arm,  mit  100  Hieben  bestraft. 

3)  Ein  Bischof,  Priester  oder  Diakon,  der  Sodomiterei  begeht*), 
wird  abgesezt  und  für  immer  verbannt.  Laien  werden  ausgeschlossen, 
öffentlich  gegeisselt,  decalvirt  und  verbannt.  —  Wenn  sie  nicht  genü- 
gend Busse  gethan,  so  sollen  sie  auch  am  Ende  die  Communion  nicht 
erhalten*). 

4)  Wer  einen  Versuch  des  Selbstmords  machte,  wird  auf  zwei 
Monate  ausgeschlossen. 

5)  Die  Bisehöfe  sollen  das  ihnen  zukommende  Drittel  aus  den 
Einkünften  der  Kirchen  zu  deren  Restauration  verwenden,  oder  es  an 
die  Angehörigen  der  Kirche  herausgeben.  Vom  Kirchengute  darf  der 
Bischof  Andern  nichts  vergeben.    Mehrere  Kirchen  dürfen  nicht  unter 


■)  ex  mort  seciindum  ordinationis  suae  temptts  in  locis  debitis. 

*)  ei  precum  murmura  effundenJtes. 

*)  coepit  unionis  nostrae  numerositas  de  rebus  spiritucdibus  mutua  inUr 
se  collatione  orsa  diffundere,  (Uque  everUum  rei  spectcUione  mansuetissima 
praestolari. 

*)  gloriosi  capitis  verticem  cemuo  voto  redinans, 

*)  cf.  IIb,  p,  83, 

*)  cf,  can.  2,  von  Elvira, 


*      ,  -   .  ■      ■•        -       ■  ■■/       ■ 

•    /       •      *  . 


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182  AeliteB  Bach.    ZehDtee  Kapitel. 

einem  Priester  stehen.  Hat  eine  Kirche  zehn  Mancipia^),  so  eiiudt 
sie  einen  Priester;  hat  sie  weniger,  so  wird  sie  mit  andern  Kirchen 
verbanden. 

6)  Zam  heiligen  Opfer  darf  nicht  gewohnliches  Brod  gebrancht 
werden.  Ein  besonders  nnd  mit  Soi^fidt  bereitetes  massiges  (nnge- 
saaertes)  Brod^  werde  auf  den  Altar  zar  Consecration  gelegt. 

7)  Innerhalb  der  sechs  ersten  Monate  nach  einem  Provinzialconcil 
mnss  der  Bischof  den  dazn  bemfenen  Achten,  Klerikern  and  Laien  die 
Beschlässe  eröffnen. 

8)  Geistliche   nnd   Laien  sollen   dem  Konige,   der  sich    um   die 
^^  Kirche  nnd  das   Volk  so  verdient  gemacht,   treu   bleiben,    ihm  nnd 

seiner  Nachkommenschaft.  Ausgenommen  am  Gharfreitag  soll  für  den 
König  und  seine  Familie  an  allen  bischoflichen  und  Landkirchen  täglich 
das  heilige  Opfer  dargebracht  werden.  1 

SMMit  9)  Der  Primas  Sisbert  wollte    den  Konig  und  dessen   Kinder,  1 

**7jJ^  Frogellus,   Theodemir,   Liuvila,  Liuvigito,   Theda   und   die   Uebrigen  | 
ermorden,  Verwirrung  und  Zerrüttung  über  Beich  nnd  Volk  bringen. 
Darum  haben  wir  ihn  abgesezt;  und  nach  den  frühern  Canones^  wird 
er  verbannt,  ausgeschlossen   nnd  seiner  Güter  beraubt;   nur   am  Ende 
kann  er  die  Gommunion  erhalten. 

10)  Da  Verschwörungen  gegen  den  König  und  das  Reich  sich 
mehren,  so  sollen  sie  schwer  bestraft  werden.' 

11)  Gott  sei  Dank!    Er  schüze  den  König. 

12)  Mit  Beistimmnng  des  Volkes  und  Klerus  vcrsczcn  wir  den 
Erzbischof  Felix  von  Sevilla  auf  den  Stuhl  von  Toledo,  dt»n  der  König 
schon  zum  Verweser  eingesetzt  hat.  Faustinus  von  ßraeara  wird 
Erzbischof  von  Sevilla,  Felix  vom  Bisthum  Porto  auf  das  von  Braga 
versezt. 

UBtar-  13)    Die   Bischöfe   von   Narbonne   konnten    wegen   einer    Seucbt 

■•>»*'■  nicht  erscheinen  (nur  der  Bischof  Ervig  von  Beziers  war  anwesend); 
darum  sollen  sie  auf  einem  Provinzialconcil  diese  Beschlüsse  unter- 
schreiben ^). 


')  lex  Visig,  V,  1,  5.  Naeh  Ducange  siDd  hier  nicht  Knechte,  sondere 
Höfe  mit  je  einem  unfreien  Insassen  gemeint  (mit  jo  einer  Familie  von  Hörigen '0 
Fü.  Dakn  verweist  auf  Sidon.  Apollinar.,  ep,  7,  2,  —  Fei.  Dahn,  VerfassanK' 
der  Westgothen,  8.  207. 

*)  modica  obkUa,  daher  das  Wort  „Oblaten**. 

»)  C.  Toht.  IV,  c.  76;  F,  c.  4;  VI,  c  17;  X,  c.  2. 

*)  Oarc.  Loaysa,  692—728.  —  Aguirre,  II,  736-762.  -.  Aguitre-Cata 
lani,  IV,  820-84O,  -  Harduin,  III,  1785-1806.  -  Ed.  Ijabbi-ChUU,  VIll 
49-7 5.  -  Mansi,  XII,  69 --86.  -  Ferreraa,  II,  466-469.  —  Floret,  VI,  228- 
232.  —  BrwM,  I,  361—381.  —  Ti^ada  y  Ramiro,  II,  663-587.  —  HtfeU,  III, 
319-^22.  -  Ad.  Helffmeh,  207-210.  -  Fei  Dahn,  491-497. 


§.  16.    Siebenzehnte  Synode  von  Toledo,  694.  183 

Der  Synode  wohnten  5  Erzbischöfe,  4  Bischöfe,  5  Aebte,  3  Vi- 
carien  von  Bischöfen,  16  Grafen  bei. 

§.  16. 

Naclidem  derjenige,  von  dem  es  unter  allen  Millionen  des  Reiches    ^^_ 
zulezt  erwartet  werden  musste,  nachdem  der  Primas  von  Spanien  Ver-  tohwör. 
rath  nnd  Mord  an  König,  Reich  und  Volk  der  Gotheu  versucht  hatte,  ^l^^ 
darf  man  sich  nicht  wundern ,  dass  auch  die  Juden  auf  Verrath  sannen. 
Weil  sie  zunächst   mit   den  Juden  in  Africa  eine  Verschwörung  ange- 
zettelt hatten,   berief  der  König  Egiza  eine  neue  Synode  nach  Toledo, 
welche  am  9.  November  694    in    der  Kirche   der  heiligen  Leocadia  in 
der  Vorstadt  eröflfiiet  wurde.     Die  Bischöfe  sprachen,  nach  abgelegtem 
Glaubensbekenntnisse,  folgende  Capitel  aus: 

1)  Bei   Beginn  jeder   Synode  sollen   die  Bischöfe   drei  Tage   zu  synod« 
Ehren    der   heiligen  Trinität   fiasten,    und,   in  Abwesenheit   der  Laien,  ▼on 
iiber  den  Glauben  und  die  Zucht  des  Klerus  verhandeln. 

2)  Am  Anfange  der  Fasten  soll  der  Bischof  den  Taufstein  mit 
einem  Ringe  versiegeln,  und  er  bleibe  bis  Gründonnerstag  geschlossen. 

3)  An  letzterem  Tage  muss  überall  die  Fusswaschung  gehalten 
werden. 

4)  Die  heiligen  Gefasse  und  aller  Schmuck  der  Kirchen  ist  nicht    . 
Eigenthum  der  Geistlichen. 

5)  Geistliche,  die  Todtenmessen  für  Lebende  halten,  damit  sie 
bald  sterben,  und  die  Urheber  dieses  Frevels  werden  abgesezt,  för 
immer  verbannt  und  ausgeschlossen.  Sie  dürfen  die  Communion  nur 
am  Ende  erhalten. 

6)  Während  des  ganzen  Jahres  sollen  Litaneien  (Exomologesis) 
gehalten  werden  für  die  Kirche,  den  König  und  das  Volk,  damit 
Gott  vergebe. 

7)  Die  früheren  Geseze  zu  Gunsten  der  königlichen  Familie 
werden  erneuert. 

8)  Die  Juden  haben  ihren  alten  Verbrechen  das  neue  hinzugefügt, 
dass  sie  Land  und  Volk  zu  Grunde  richten  wollten,  nachdem  sie  zum 
Scheine  sich  hatten  taufen  lassen.  Ihr  Vermögen  erhält  der  Fiscus, 
sie  selbst  werden  zu  Sclaven  gemacht.  Ihre  Kinder  werden  vom  sie- 
benten Jahre  ihnen  genommen,  und  später  Christen  zur  Ehe  gegeben. 
Ihre  Eigenthümer  dürfen  keine  jüdischen  Gebräuche  bei  ihnen  dulden. 

Es  fehlen  die  Unterschriften  der  Synode,  die  der  König  bestätigte^). 


')  Oarc.  Loaysa,  729-750,  —  Aguirre  II,  752—763.  —  Aguirre-Cata- 
lani,  IV,  340-350.  —  Harduin,  III,  1810-1818.  -  Ed.  Lahbi-Coleti,  VIII, 
81—95.  -  Mansi,  XII,  94-108.  —  Ferreras,  II,  459-460.  -  Florez,  VI.  232-^ 


184  Achtes  Buch.    Zehntes  Kapitel. 


§.  17. 

König  Im  lahre  698  nahm  Egiza   seinen  Sohn  Witiza   als  Mitregenten, 

WiOu.  ^jjjj  ^jgg  jjjjQ  »pyy  ^Xude)  als  seinen  Wohnsiz  an.     Im  Jahre   700  fiel 

dem  Witiza  bei  der  Schwäche  seines  Vaters  die  ganze  Gewalt  zu,  in 
welchem  Jahre  er  auch  gekrönt  wurde  (14.  Nov.?).  Im  Jahre  702 
starb  Egiza.  In  dieser  Zeit  wurde  die  achtzehnte  Synode  von  Toledo, 
unter  dem  Primas  Gunderich  gehalten,  deren  Akten  verloren  sind*). 
(Nach  sehr  guten  Anfängen  artete  Witiza  aus,  und  verfiel  den  Aus- 
schweifungen; Die  Liebe  zu  ihm  wandelte  sich  in  Ilass  und  Verachtung. 
Eine  gegen  ihn  gemachte  Verschwörung  der  Grossen,  deren  Frauen 
und  Töchter  willenslos  seinen  Lüsten  dienen  sollten,  wurde  entdeckt. 
Das  Beispiel  des  Königs  wirkte  ansteckend,  wie  eine  Pest.  Kr  soll 
den  Priestern  erlaubt  haben,  sich  zu  verheirathen,  Jedem  aber,  so  viel 
Kebsweiber  zu  haben,  als  er  wollte.  Nach  dem  Tode  des  Primas 
Gunderich  (um  708)  trat  Sindered,  eine  Creatur  Witiza's,  an  seine 
Stelle.  Die  Priester,  die  gegen  das  Verderben  eiferten,  bestrafle  er 
mit  Härte«). 

Als  im  Jahre  709  Don  Rodrigo  von  der  Partei  der  Unzufriede- 
nen als  König  aufgestellt  wurde,  kam  es  zum  Bürgerkrieg,  während 
gleichzeitig  wiederholte  Angrifte  der  Araber  auf  Spanien  stattfanden. 
Witiza  starb  im  Jahre  710,  und  Rodrigo  wurde  als  König  anerkannt. 
Aber  von  allen  Seiten  erhoben  sich  die  Feinde.  Mit  den  Arabern  ver- 
banden sich  Graf  Julian,  dessen  Tochter  liodrigo  Gewalt  angethan 
haben  soll,  die  Söhne  des  Witiza,  Siscbut  und  Evan,  sowie  ihr  Oheim, 
Oppas,  Erzbischof  von  Sevilla.  Diese  luden  die  Araber  zum  Einfalle 
in  Spanien  ein.  Die  Araber  besetzten  Calpc  oder  Gibraltar,  und  von 
hier  aus  rückten  sie  in  Spanien  vor.  Koderich  stellte  sich  mit  dem 
ganzen  Heere  der  Gothen  dem  Feldherrn  Taric  entgegen^  der  in  eintr 
ihm  gunstigen  Stellung  ihn  erwartete.  Am  11.  November  711  wurde 
die  Schlacht  am  Guadalcte  (-Fluss,  früher  Schlacht  bei  Xeres  de  In 
Frontera  genannt)  geschlagen,  „welchen  Tag  Gott  bestimmet  hatte,  die 
Sünden  zu  strafen,  womit  Spanien  überschwemmt  war'''*). 

Eine    Ehrenrettung    des    Königs  Witiza    versuchten    die    S[)anier 


235.   -  Bruns,   1,  381-892.  —  Ilefele,  III,  322-324.  —  Ad.  Ilelffcrich 
210-211,  -  Fei.  Bahn,  498-601.  -  Tejada,  II,  588-605. 

•)  Loaysa,  751.  —  Äguirre,  II,  762—763.  —  Manai,  XII,  163, 
*)  Isidor.  Pacensis:  35.  Sinderedus  .  .  sanctimirniae  studio  claret;  atqut' 
longaevos  et  merito  fwnorabiles  viros,  qwos  in  suprafata  sibi  covitnissa  ecclesia 
reperit,  non  secundum  scientiam  zelo  sanctitatis  stimulat,  atque  iiuttinctu  jam 
dicti  Witizac  Principis  eos  8ub  ^U8  tempore  convexare  non  cessat, 
')  So  sagt  Ferreraa,  der  Spanier,  II,  505—508« 


Ende  der  Westgothen.  185 

PeUiceTj  besonders  aber  Mayans,  1772;  femer  Lembkej  Ad.  Hdffe- 
rich,  Fd.  Dahn  und  Andere^).  Die  Zeugen  gegen  ihn  seien  nur 
Geistliche  gewesen,  und  haben  so  spät  gelebt,  dass  sie  höch- 
stens Gerüchte  erzählen  konnten.  Es  sei  undenkbar,  dass  er  er- 
laubt habe,  dass  Jemand  mehrere  Frauen  zugleich  habe.  Den  Prie« 
stem  aber  e(ei  die  Ehe  keineswegs  verboten  gewesen,  was  kaum  zu 
beweisen  ist.  Witiza  sei  ruhig  in  Toledo  gestorben  (nach  den  älte- 
sten Berichten,  era  749,  Jahr  711).  Roderich  sei  in  demselben  Jahre 
gefolgt,  und  habe  ein  Jahr  regiert.  Arabische  Schriftsteller  erzählen,  ^ö"*» 
Roderich  habe  sich  mit  Gewalt  des  Thrones  bemächtigt,  und  die  Söhne 
des  Witiza  ausgeschlossen,  diese  aber  sich  mit  den  Arabern  verbunden.  , 

Ebenso  habe  der  Graf  Julian,  von  Roderich  schmählich  beleidigt, 
ein  Schwager  des  Witiza,  das  ihm  anvertraute  Septa  in  Airika  den 
Mauren  übergeben.  Er,  ein  zweiter  Julian,  der  Abtrünnige,  zog  auch  . 
mit  dem  Maurenheer  nach  Spanien  hinüber.  Sie  landeten  bei  Algesi- 
ras  (28.  April  711).  Der  Fels  Calpe  bot  ihnen  einen  Stützpunkt,  und 
von  dem  Heerführer  erhielt  er  den  Namen  Gebr  al  Tarek  (Gibraltar). 
Mit  einem  Heere  von  wenigstens  40,000,  höchstens  100,000  Mann 
eilte  Roderich  herbei. 

Am  Flusse  Guadalete,  nahe  bei  Asido  (Xeres  de  la  Frontera),  trafen 
sich  die  beiden  Heere.  Die  Schlacht  begann  Sonntags,  am  18.  Juli  711, 
und  endete  Sonntags  den  26.  (25?)  Juli.  Roderich  hatte  die  Leitung 
der  beiden  Flügel  den  zwei  Söhnen  Witiza's  anvertraut.  Diess  war  sein 
Verderben.  Da  der  Kampf  mehrere  Tage  unentschieden  blieb,  den 
Gothen  aber  ihre  Ueberzahl  den  Sieg  zu  geben  schien,  so  boten  die 
Söhne  Witiza's  dem  Tarik  ihre  Hilfe  an^),  wenn  er  ihnen  ihr  väter- 
liches Erbtheil  wiedergäbe. 

Als  die  Schlacht  wieder  begann,  erlangten  die  Mauren  durch 
diesen  Verrath  die  Uebermacht  und  den  Sieg.  Tarik  suchte  den  König 
Koderich  auf.  Roderich  fiel  im  Kampfe,  oder  verschwand  in  dem 
Flusse.  Nach  achttägigem  Kampfe  war  das  Heer,  das  Reich  und  das 
Volk  der  Gothen  vernichtet. 


*)  Pellicer,  Anales  de  la  Monarquia  de  Espana  despiies  de  su  per- 
dida,  I,  Valencia  1643;  Gregor.  Mayans  y  ISiscar,  defensa  dd  rey  Witiza, 
Valencia  1772;  Lembke,  124. 

')  qui  cum  eo  aemiUanter  fraudidenterque  ob  ambitionem  regni  adve- 
nerant.    Isid.  Pac.  34. 


Eilftes    Kapitel. 

Die  spanische  Liturgie. 

§•  1- 

Nachdem  wir  früher  an  verschiedenen  Stellen  über  den  Ursprang 
und  die  Ausbildung  der  altspauisirhen  Liturgie  gehandelt,  auch  die  Messe 
der  apostolischen  Siebenmänner  (welche  von  der  Stadt  Acci  ausging)^ 
mitgetheilt  haben  ^),  fassen  \nr  die  Ergebnisse  unsrer  Studien  im  Fol- 
gendem zusammen. 
Die  u-  1^16  altspanische  Liturgie,  enthaltend   das  Missale  und    das  Pscd- 

^^^^^'terium  oder  das  Brevier ^  ist  genau  gefasst,  die  Liturgie  der  Kirche 
*  von  Toledo,  in  der  Ausbildung  und  in  der  Gestalt,  welche  dieselbe 
Jim  Ende  der  Westgothenzeit  gefunden  hatte.  Vorher,  und  besonders 
im  siebenten  Jahrhundert,  viellei(?ht  bis  zum  Jahre  690,  erlitt  dieselbe 
vielfache  Aenderungen  und  Vermehrungen,  nachher  aber  blieb  sie  sich 
bis  zu  ihrer  Abschaffung  gleich ,  mit  Ausnahme  der  Entfernung  einiger 
anstössiger  Stellen,  auf  die  sich  die  Adoptianer  falschlich  beriefen. 
Dass  wir  die  Liturgie  von  Toledo  besizen,  das  beweist  auch  das 
Sendschreiben  des  Elipandus  an  Alcuin,  wenn  er  sagt:  „Weiter  (theilen 
wir  Dir  mit)  die  Zeugnisse  der  heiligen  und  ehrwürdigen  Väter  (Eugen. 
Ildefons,  Julian),  welche  zu  Toledo  (Gott)  dienten,  und  welche  in  den 
heiligen  Messen  ausgesprochen  sind"*)'  —    Elipandus  und  die  Spanier 


»)  K.-G.  v.  Spanien,  I,  47,  77,  81-85,  101—117,  113-145,  210-215,  270-275, 
204,  300,  311—312,  339-341,  354,  357-358,  362,  368,  373,  414;  IIa  370,  390—391, 
;.97,  427,  433— 13^?,  453,  459,  46);  IIb  11,  17,  65,  91—93,  133,  136. 

*)  Iterum  testiinonia  Sanctorum  Patrum  venerabilium  Tolefo  desei'vientium 
in  Mxssarum  oraciUis  edita  sie  dicunt  Und  noch  spccieller  in  der  uns  nur  aus- 
zugsweise erhaltenen  Denkschrift  des  Elipandas  und  der  Seinigen:  Scquitur  in 
eodem  libello  vestro :  Item  praedecessores  nostri  Eugenius,  llildefonsus^  Jvlianus, 
ToletancLe  sedis  antisiites,  in  suis  dogmaiibus  ita  dixcrunt  in  Missa  de  Coena 
domini  (Äguirre,  111,  lOö). 


spanische  Liturgie.  187 

seiner  Zeit  hielten  demnach  die  Väter,  d.  i.  die  hervorragenderen  Bi- 
schöfe Toledo's  für  die  Verfasser  der  spanischen  Liturgie.  Die  Ver- 
änderungen aber,  welche  namentlich  Eugen  II.,  Udefons  und  Julian  an 
dem  Messbuch  und  dem  Breviarium  gemacht  haben,  waren  theils  eine  i^re 
Vermehrung  des  Inhalts,  theils  eine  Verbesserung  der  Form.  Sie  ver-  <^onu. 
besserten  theils  den  vielfach  entstellten  Choralgesang,  theils  verfassten 
sie  für  gewisse  Feste  neue  Messen.  Die  apostolische  Messe,  d.  i.  die 
ursprünglich  seit  Einfiihnmg  des  Christenthums  in  Spanien  begangene 
Messliturgic  blieb  dabei  unverändert  und  unangetastet,  vor  allem  der 
Canon  der  Messe.  Hier  wurde  Nichts  geändert,  denn  es  ruhte  auf 
apostolischer  Ueberlieferung. 

Auch  in  einem  andern  Sinne  wurde  Nichts  geändert.  Kein  Hei- 
liger, welcher  nach  dem  Jahre  400  lebte  und  starb,  fand  Eingang  in 
diese  Liturgie,  d.  h.  wurde  durch  eine  eigene  Messe  und  ein  OiBcium 
gefeiert.  Es  ist  allbekannt,  welche  Verehrung  die  heiligen  Hicrony- 
mus,  Augustinus  und  Gregor  der  Grosse  in  Spanien  genossen.  Die 
beiden  Leztorn  waren  fast  die  einzigen  Schrittsteller,  deren  sich  die 
Spanier  immer  und  für  Alles  bedienten,  und  die  Verehrung,  die  sie 
genossen,  war  eine  unbegrenzte,  aber  sie  mussten  sich,  so  zu  sagen, 
mit  der  Missa  de  commnni  confessomim  P.  begnügen ;  eine  Missa  propria 
erlangten  sie  nicht  an  ihren  Festtagen.  Auch  die  einheimischen 
grossen  Heiligen,  ein  Aemilian  de  laCogolla*),  ein  Isidor^),  ein  Ude- 
fons, ein  Fructuosus,  die  schon  zu  Lebzeiten  als  Heilige  verehrt  wur- 
den, haben  keine  eigenen  Messen,  und  wir  wissen  auch  die  Zeit  genau 
nicht  zu  bestimmen,  von  welcher  an  ihre  Namen  in  das  Missale  ein- 
getragen wurden,  in  dem  sich  selbst  einige  Heilige  des  spätem  Mittel- 
alters, wie  Petrus,  Märtyrer  von  Verona,  und  Thomas  von  Acjuin 
(t  1274)  befinden. 


')  Branlio  sagt,  er  habe  aBgeordDCt,  dass  desseD  Fest  (oach  dem  commune 
confessoruvi)  gefeiert  werde. 

')  Als  ich  in  Cranada  war,  erkundigte  ich  mich  genau  nach  Allem,  was  die 
Verehrung  des  Gregor  von  Elvira  betrifft.  Keine  Kirche  trug  oder  trägt  seinen 
Namen:  die  einzige,  jezt  geschlossene,  kleine  Kapelle,  die  mein  Freund  Simonet 
auffinden  konnte,  und  die  im  Jahre  151)2  dedicirt  wurde,  hatte  ihren  Namen  von 
Gregor  I.,  dem  Papste.  Ebenso  hat  er  an  seinem  Festtage  (der  ein  gewöhnlicher 
Werktag  ist),  keine  eigene  Oration,  geschweige  denn  Messe.  Unter  dem  Volke  ist 
sein  Name  völlig  unbekannt,  nirgends  eine  Spur  einer  früheren  Verehrung  desselben, 
wie  denn  auch  Herr  Simonet  erst  durch  mich  Einiges  ober  ihn  erfuhr.  Wie  ganz 
anders  in  Sevilla  und  Emerita,  wo  das  Andenken  und  die  Verehrung  der  heiligen 
Justa,  Rufina,  Enlalia,  Leander,  Isidor,  dem  Volke  nicht  bloss  in  das  Herz  gegraben 
sind,  sondern  auch  nie  aufgehört  hat? 


188  Achtes  Buch.    Eilftes  Kapitel. 


§.  2. 

P*^-  Die   spanische    Liturgiß    besteht   aus   dem  Breviarium    und   dem 

Misscde.  Jenes  wai*  der  mehr  geschlossene  und  auf  den  Chor  beschrankte 
Kirchendienst  der  Kleriker,  dieses  war  die  öffentliche,  kirchliche  Feier- 
lichkeit auch  fiir  das  Volk.  Beides  heisst,  jenes:  Breviarium  secimdum 
regulam  Beatissimi  Isidori,  archiep.  Hi^palensia,  dieses :  Missale  mistum ') 
secundum  regtdam  B,  Isidori,  dictum  Mozarabes,  Da  im  ganzen  Alter- 
thum  und  selbst  noch  im  Mittelalter  von  Isidor  als  dem  Urheber  der 
mozarabischen  Liturgie  Niemand  weiss,  so  ist  diese  Ueberschrift  auf 
Ximenes  und  Ortiz,  die  ersten  Herausgeber  derselben,  zurfickzufuhreu. 
Das  Brevier  beginnt  mit  dem  ersten  Adventsonntag,  und  gibt  überall 
zuerst  die  Vesper  mit  dem  bald  längern,  bald  kürzern  Hymnus.  Für 
die  Hymnen  ist  der  Dichter  Prudentius  sehr  stark  benüzt.  Andere 
sind  von  vei*schiedenen  Verfassern.  Einer  ist  bestimmt  von  Quiricus 
von  Barcelona,  andere  mögen  von  Petrus  von  Lerida  tftid  Conantins 
von  Palentia  sein.  £ine  grosse  Anzahl  ist  sicher  von  den  Bischöten 
Toledo's  im  siebenten  Jahrhundert  verfasst  worden.  Auf  die  Vesper') 
folgt  die  Matutin  (maiutinum)^  wie  in  unscrn  Brevieren,  mit  dem  Hym- 
Adveni.  nus  des  Prudentius:  Aeteme  verum  conditor,  dann  folgt  eine  Oration, 
hierauf  (drei)  Antiphonen  zu  den  Psalmen,  3,  50,  56;  dann  fünf  Ora- 
tionen  mit  entsprechenden  Antiphonen  und  Kesponsorien.  Die  Ijaudet 
(in  Latidibus)  enthalten  das  Canticum  Deuteranomii  (cap.  32),  mit  der 
am  Anfange  und  Ende  gesproclicnen  Antiphon.  Hierauf  der  Gesang 
der  drei  Knaben  (Daniel  11),  Psalm  148,  149,  150,  als  lectio  cap.  24 
des  EcclesiaHticus,  der  Hymnus  (eines  nicht  bekannten,  eines  gewand-  | 
len  und  nicht  grossen  Dichters),  darauf  die  ßSnpplicatio,  Capitula^  das 
Pater  twster,  ein  Gebet,  der  Sogen  n.  s.  w.,  endlich  die  Vesper  des 
folgenden  Tages.  Drei  Wochentage  des  Advents,  Montag,  Mittwoch, 
Freitag,  haben  jeder  sein  eigenes  Officium.  Nach  der  ersten  Advents- 
woche folgt  das  Officium  auf  den  zweiten  Sonntag  im  Advent  (in  st- 
cnnda  Dominica  de  Adventu  Domini),  dann  folgen  die  Officien  des 
Montags,  Mittwochs  und  Freitags.  Gleichmässig  hat  der  dritte  Sonn- 
tag im  Advent,  und  die  bezeichneten  drei  Wochentage  ihre  OtKcien. 
Es  folgt  der  vierte  Sonntag;  in  der  auf  ihn  folgenden  Woche  hat  von 
Montag   bis  Freitag  jeder   Tag  sein  Officium.      Statt   des   erwarteten 


^)  mixtum  bezieht  sich  nicht  auf  die  Mozaraber,  sondern  bedeutet  ein  soge- 
nanntes Missale  Plenarium  perfectum ,  sive  Mistum,  weil  es  neben  den  Orationen 
und  Gebeten  —  auch  die  Benedictionen,  Antiphonen,  Rcsponsorien,  Leetionen  u.  a.  w. 
enthält,  d.  i.  die  vollßtändigo  Messe.  Cf.  Leslei,  praefat.  in  Missale  mixtum,  nr,  IS» 

*)  Es  heiast  nach  spanischer  Sitte  stets  ad  vesperos  (statt  vesperas). 


Kirchenjahr  der  Westgothen.  189 

nstags  heisst  es:   Auf  den   fünften  Sonntag  in  der  (Erwartung  der)D«rAd- 
kunft  des  Herrn,    es   folgt  Montag   der  funfiien  Woche  des  Advent  J*"^^' 
zum  Freitag.    Es  folgt  der  sechste  Sonntag  im  Advent,  hierauf  der  w«u- 
►ntag,  dann  die  Vigilia  von  Weihnachten.    Damach  dauerte  der  Ad-   *^^' 
it  37  Tage,  und  da  Weihnachten,  wie  bei  uns  auf  den  25.  Deceniber 
,  so  begann  der  Advent  am  17.  November.    Diese  Eintheilung  ent- 
ach  der  Anschauung  des  christlichen  Alterthums  und  besonders  der 
änier,  nach  welcher  fünf  Weltalter  der  Ankunft  Christi  vorangegan- 
1  sind,  mit  Christus    aber  das   sechste  und  lezte   Weltalter  seinen 
sgang  genommen.    Auf  dieser  Anschauung  ruht  die  Eintheilung  der 
eltgeschichte   des   Orosius  (die  Eintheilung  des  Werkes   Augustinus 
1  der  Stadt  Gottes);  diese  Anschauung  hat,  wie  wir  horten,   Julian 

I  Toledo  in  einer  eigenen  Schrift  gegen  die  Juden  vertheidigt.  Wie 
3  die  vier  Adventsonntage  die  vier  Jahrtausende  vor  Christus  sinn- 
den,  so  jenen  die  sechs  Sonntage  die  sechs  Weltalter. 

Diese  Eintheilung  und  Anschauung  der  Spanier  findet  auch  ihre 
chtfertigung  und  Bestätigung  in  dem  heutigen  romischen  Martyro- 
;ium,  indem  es  (25.  December)  heisst:  In  dem  5199.  Jahre  seit  Er-  weft. 
laffung  der  Welt,  als  Gott  Himmel  und  Erde  erschuf,  in  dem  miu 
57.  Jahre  seit  der  Siindfluth,  in  dem  2015.  Jahre  seit  der  Geburt 
»rahams,  1510  Jahre  nach  Moses  und  dem  Auszuge  der  Israeliten 
3  Aegypten,  1032.  Jahre  seit  der  Salbung  Davids  zum  Konige,  in 
r  65.  Woche  nach  Daniel,  dgr  194.  Olympiade,  752  Jahre  nach 
Bindung  der  Stadt  Rom,  im  42.  der  Regierung  des  Kaisers  Au- 
stus,  als  der  ganze  Erdkreis  im  Frieden  lebte.  In  dem  Sechsten 
ter  der  Welt 9  ist  Christus,  der  Sohn  Gottes,  in  Bethlehem  geboren 
irden*).  Es  folgt  das  Officium  auf  Weihnachten*),  dann  des  heili- 
nStephanus,  „des  Protomartyr",  des  j, Apostels^  und  „Evangelisten** 
hannes,  das  Fest  „der  Zerquetschung  der  Kinder"^)  oder  der  hei«= 
en  Unschuldigen,  ohne  den  herrlichen  Hymnus  des  Prudentius. 

Am  29.  December  wird   das  Fest  des  Apostels  Jacobus  des  Ael- 

II  gefeiert*),  am  1.  Januar  das  Fest  der  Beschneidung  unsers  Herrn. 


*)  Martyrol.  rcmanum^  octavo  Kalendas  Januarii, 

^)  In  Nativitate  Demini  nostri  Jesu  Christi,    In  dem  Hymnus  der  Vesper 
let  sich  die  Strophe: 

EgreMiM  cjofl  a  Patro 
R^nreMus  ejus  *d  Patrem 
Ezcarsui  nsqae  ad  inferoi 
Recnrfiui  ad  Sedem  Del. 

')  In  „aUisione  infaniium". 

*)  Der  Grund  der  Verlegfung  vom  12.  April  auf  den  29.  Deebr.  ef.  OamSy 
nie  du  martyre  des  «.  ap,  Pierre  et  Paul.  Paris,,  1867,  p.  17. 


190  Achtes  Buch.    Eimcs  Kapitel. 

Der  Hymnus  ist  theil weise  aus  Prudentins  ^).  Hierauf  fangt  an  das 
„Fasten -Officium  an  den  Kalcnden  dos  Januar**-)  —  für  den  ersten, 
zweiten  und  dritten  Tag.  Diese  drei  Tage  haben  nach  den  Landen 
(Prim)  eine  eigene  Terz,  Scxt  und  Non^);  ebenso  am  zweiten  Tag: 
am  «dritten  beisst  es:  9, Vor  dem  Fasten  der  Epiphanie.  Lasset  uns 
Alle  fasten,  um  unsern  Herrn  Jesum  Christum  wegen  unserer  Sunden 
zu  erweichen,  und  um  den  Frieden  zu  erlangen";  und"*)  um  die  hei- 
ligen Lesungen  zu  hören,  lasset  uns  die  Kirche  Gottes  besuchen". 
„An  dem  dritten  Tage,  welcher  ist  die  Vigilia  der  Erscheinung  des 
Herrn'*,  bis  zu  der  Sext;  „zu  der  Scxt  aber  werde  Alles  gesprochen, 
wie  in  der  Sext  während  des  ganzen  Jahres**.  Die  Non  ist  dieselbe, 
wie  am  zweiten  Tage  der  Fasten.  Daran  schliesst  sich  der  kirchliche 
Dienst  am  Feste  „der  Erscheinung  des  Herrn",  an  welchem  Tage  in 
Spanien  (wenigstens  vor  dem  Jahre  385^),  die  heilige  Taufe  ertheilt 
wurde.  Später  sollten  in  der  Tarraconensischen  Provinz  Weihnachten 
und  Ostern  die  vorzuglichen  Taufzeiten  sein.  Wieder  hat  der  erste 
Sonntag  nach  der  Octav  der  Epiphanie  ein  eigenes  Officium,  der 
darauffolgende  Montag  eine  eigene  Terz,  ebenso  der  Dienstag,  Mitt- 
woch, bis  zu  dem  Samstag  der  heiligen  Maria ^).  An  allen  Samstagen 
wälirend  des  ganzen  Jahres  wird  nämlich  ^  wenn  kein  Fest  von  9  Lc- 
ctionen  einfällt,  das  gleiche  Officium  und  die  Messe  der  seligsten 
Jungfrau  gefeiert.  —  Der  zweite  Sonntag  nach  der  Octav  der  Epipha- 
nie, der  dritte,  der  vierte,  der  liinfle,  der  sechste,  der  siebente,  der 
achte,  beide  leztere  den  Sonntagen  Septuageninia  und  Sexagesima'^)  ent- 
sprechend, endlich  der  Sonntag  „vor  dem  Tage  der  Asche",  oder 
Qßiinqaagesima  folgen,  ohne  besondere  Officien  fiir  die  WochcntagCj 
unmittelbar  auf  einander. 
Paaton.  „Der  Mittwoch  odcr  Anfang  der  vicrzigtägigcu  Fasten"*^)  hat,    wie 

bei  uns,  sein  eigenes  Officium  mit  langer  Terz  nnd  Scxt.    Am  Si^lilusst 
steht  die:    „Rede  unsers  seligsten  Vat(»rs,    des  Bischoi's  Isidoi'    zu    dei 


')  er  hat  die  Worte: 

Laoti  bibamuR  sobriam 
Ebriotatetn  8piritus. 

')  Incipit  officium  jejunioi^Vi  in  Kalendis  Jnnuarii  {ohscrvatur  fn'hu^ 
diebus  ante  festum  Epiphaniae,  tsicut  sequitur). 

')  Nach  dieser  heisst  es  ad  vespcrum. 

*)  vel  (bedeutet  immer  „und",  auch  „sodann",)  ad  sucrns  lectiones  audiaulas 
Ecdesiam  Domini  frequentemus. 

^)  K.-G.  II  a,  S.  427-435.  —  Neale,  Tetralog.  liturgica,  1849,  p.  224, 

^)  Sabbato  sanctae  Mariae. 

^  hier  und  auch  in  der  gallicanischon  Liturgie  haben  die  drei  Sonntage  \oi 
der  Fasten  keine  besonderen  Namen. 

")  Btots  genannt  „in  capite  Jejunii", 


Fastenzeit,  Ostern,  Hinunelfiihrt  191 

Entfernung  des  Fleisches')  während  der  Fastenzeit^,  welche  sicher  nach 
dem  Jahre  636  in  dieses  Breviarium  kam.  Daran  schliesst  sich  die 
Feier  des  ersten  Sonntags  in  der  Fasten.  Der  Hymnus  der  Vesper 
fangt  an  mit  Alleluja,  und  cilfmal  wiederholt  sich:  ^Endloses  Alleluja^^. 
Der  Montag  hat  eine  besondere  Feier  mit  Terz.  Der  Dienstag  bis 
Samstag  haben  je  einen  eigenen  Hymnus  zur  Terz,  Sext  und  Non. 
Ebenso  hat  der  Dienstag  Matutin^  Landes^  bis  zur  Non.  So  die  übrigen 
Wochentage  sammt  dem  Samstag.  Genau  so  bei  den  übrigen  Sonntagen 
und  Werktagen  der  Fastenzeit  Der  fünfte  Sonntag  heisst  hier  nicht 
der  Passionssonntag ^.  Der  nächste  heisst:  „(am)  Sonntag  in  den  Palm- 
zweigen^^).  Der  folgende  Montag  heisst:  ,,Zweiter  Tag  nach  den 
Falmen^.  Gründonnerstag  heisst  einfach:  ,,Fünft;er  Tag^.  Bei  der 
Non  aber  heisst  es;  „In  coena  Domini^.  —  Zur  Entkleidung  der  Al- 
täre und  der  Fusswaschung  sind  besondere  Gebete  angefugt.  Der 
nächste  Tag  heisst:  „Freitag  in  Parasceve^.  Es  findet  statt:  „Die  Be- 
grüssung  des  Holzes  (Kreuzes)  des  Herm^.  Es  folgt:  „Der  heilige 
Sabbat"". 

Ostern  wird  eingeleitet  durch  die  Worte:  „An  dem  Freudentage  ostenu 
der  Auferstehung  des  Pascha^  ^).  Darauf  folgt:  „Montag  der  Aufer- 
stehung^ bis  zum  Sabbat  in  der  Octave  der  Auferstehung.  Unser 
weisser  Sonntag  heisst:  „Sonntag  auf  die  Octaven  (in  octavasf)  des 
Pascha^,  wozu  der  erste  und  zweite  Sonntag  nach  Ostern  zu  gehören 
scheint,  da  wenigstens  lezterer  ein  eigenes  Officium  nicht  hat.  Es 
folgt  der  dritte  Sonntag  nach  Pascha,  bis  zum  Sonntag  vor  Christi 
Himmelfahrt.  Die  Wochentage  haben  kein  eigenes  Officium  mehr. 
Nach  dem  sechsten  Sonntag  folgt  unmittelbar  das  Fest  der  Himmel- 
fahrt, dann  der  Sonntag  nach  Himmelfahrt.  Mittwoch,  Donnerstag, 
Freitag  vor  Pfingsten  haben  eigene  OfiBcien,  wie  auch  der  Samstag, 
der  aber  keine  Andeutung  der  Weihe  des  Taufwassers  bietet 

Die  Pfingstfeier  heisst:   „Auf  das   heilige  Pfingsten**®).    Für  den  Pünf- 
Pfingstmontag  findet  sich  kein  eigenes  Officium.     Das  nächste  ist   „an    '^^^ 
dem   Tage    der    heiligsten   Dreieinigkeit^.     Dann   am    zweiten   Sonn- 
tage nach  dem  heiligen  Pfingsten,  am  dritten  Sonntage.    Hierauf  folgt 
unmittelbar:  „An  dem  Sonntag  vor  dem  Fasten  des  ersten  November**, 
nebst  einem  Officium  für  den   folgenden  Montag   und   Dienstag.     Die 


')  ad  cames  toüendas, 
^  alleluja  perenne, 

*)  hier  heisst  es:  perient  (statt  peribunt)  afacie  tua. 
*)  Die  Palmen,  welche  ich  in  diesen  Tagen  (1865)  in  Barcelona  (zum  Ver- 
kaufe ausgestellt)  gesehen,  erinnern  an  den  Orient. 
^)  in  Icbdatione  diei  Pasehae  resurrectionis. 
*^)  in  sanctum  Pentecosten, 


I 

193  Aobtes  Bach.   EHAes  Kapitel. 

drei  Tage  oieaes  Fastens,  welche  dem  Feste  des  heiligen  Martinns 
▼orangingen,  haben  ihre  eigenen  Officien.  Damit  sohliesst  das  gothi- 
ache  Brwianum. 

§.  3. 

Dann  folgt  das  ganze  P^aüeriumj  d.  i.  die  Ueberseznng  der 
150  Psalmen^),  mit  geringer  Abweichang  von  nnsem  Psalmen.  Die 
Psalmen  sind,  wie  gewohnlich,  in  fonf  Bücher  abgetheilt.  Nach  deo 
Psalmen  folgen  die  Terschiedenen  Gantica^,  die  in  dem  Gottesdienste 
gebraucht  werden,  Gesänge  für  die  Feste  des  Herrn  und  der  Heiligen, 
Gesänge  for  den  taglichen  Dienst  Gottes'). 

An  die  Gtesange  reihen  sich  „die  Hymnen  för  den  ganzen  Kreb 
des  Jahres''^).  Sie  haben  einen  Prolog,  der  als  Gedicht  vielleicht 
nicht  gelangen  ist  Die  Hymnen  haben  im  Allgemeinen  viele  Anklänge 
an  Pmdentias,  den  Vater  und  Meister  der  Hymnen,  dem  hierin  der 
Spanier  Damasns  voranging.  Wie  Spanien  das  Land  der  Bienen  nnd 
der  Kerzen,  so  ist  es  anoh  das  Land  der  Hymnen.  Auch  viele  Hymnen 
anf  ^e  Heiligen  finden  sich  hier,  Hymnas  auf  die  Weihe  einer  Kirche, 
eines  Bischoft,  anf  die  Restauration  einer  Kirche,  auf  die  Ordination 
eines  Bischoft,  den  Geburtstag  eines  Königs,  Hymnus  zum  Abzug  und  bu 
zur  Backkehr  des  Heeres,  Hymnus  für  verschiedene  Heimsuchnngen, 
Hymnus  beim  reichen  Regen  (aber  das  wasserarme  Spanien),  Hymnus 
beim  Mangel  an  Regen,  Hymnus  für  Brautleute,  für  Verstorbene. 
Hymnen  für  die  Sonntage^),  für  die  einzelnen  Wochentage,  Hymnen 
zur  Complet,  zur  Ruhe,  Hymnen  um  Mitternacht*),  zum  Aufstehen") 
an  den  verschiedenen  Wochentagen,  die  täglichen  Hymnen  zur  Ma- 
tutin^,  Hymnus  zur  dritten,  vierten,  fünften,  sechsten  Stunde,  znr 
siebenten  bis  zwölften  Stunde,  zur  Vesper. 

Nach  dieser  Liedersammlung  „fangen  an  die  canonischen  BtnndCll^f 


^)  das  V  wird  immer  wie  b  gesprochen  nnd  geschrieben :  z.  B.  pulbis,  in 
brM^  cUxmabif  lebabi,  also  aach  bibit  für  vivit,  suabis  für  suavis.  Uodie  heiait 
odte,  apprehendiU  =  adpreendüe. 

^  Sie  heissen  „Cantici",  aber  das  einzelne  „Canticum'^,  z.  B.  Canticum 
JEba/e  (oder  Eaaye)  propheiae;  Canticum  Iheremiß  propliete.  Incipiunt  Cantiä 
de  Quadraguima  dicendi.  Für  die  Charwoche  folgen  „Cantid  de  traditiont 
DamifU*,  muere  Lamentationen. 

*)  IncipkaU  CanÜet  de  catidiano, 

*)  Indpiunt  ymni  de  Mo  eircido  annL 

^)  es  heisst:  ynmi  dommieofes  coHdiani,  d.  i.  für  die  Sonntage  im  Kirchen- 
Jahre,  die  keine  besonderen  Gesänge  haben. 

")  ymni  de  medium  noctis. 

*)  ymni  de  noeknvos. 

^  inei^im^  ymni  MatuHnarii  coiidian  (if);  hier  war  der  Codex  lOekenhaü 


rmm. 


Hymnen,  Breviarium,  Missale.  193 

d.  i.  das  gewöhnliche  Chorgebet  für  das  ganze  Jahr,  abgesehen  von 
den  Officien  „de  tempore^  und  „de  aanctia^^  anfangend  mit  der  „an- 
rora"  vor  der  Prim*),  übergehend  zu  der  „Prim*),  von  der  Prim  zu 
der  Terz^,  zu  der  Sext  und  Non  bis  zur  Complet*).  Daran  schliesst 
sich  „das  Commune^  fiir  die  Kranken^),  welches  an  den  nicht  „verhin- 
derten^ Freitagen  oder  sonst  an  einem  beliebigen  Tage  gebetet  wurde. 
Dem  Kranken-  folgt  das  Todten- Officium^.  Zwischen  der  Vesper 
und  der  Matutin  steht  „die  Agende  der  Todten^^. 

Es  folgt  das  sogenannte  „Commune  de  tempore^,  das  heisst,  das 
Officium  für  einen  hervorragenden  Märtyrer,  mit  6  oder  4  Mitren,  das 
Officium  for  einen  Märtyrer  und  Bischof,  für  einen  Märtyrer  mit 
9  Lectionen^^.  —  Dann  „fangt  an  das  Officium  oder  die  Geschichte 
sehr  vieler  Märtyrer,  mit  6  Mitren  •),  das  Officium  sehr  vieler  Mär- 
tyrer, mit  2  Mitren,  oder  9  Lectionen^.  —  Es  fangt  an  die  Geschichte 
eines  hervorragenden  Bekenners  und  Bischofs'®),  dann  eines  hervor- 
ragenden Bekenners,  der  nicht  Bischof  war,  eines  einfachen  Bekenners, 
mit  2  Mitren  oder  neun  Lectionen.  „Es  fangen  au  die  Hören  oder 
die  Geschichte  sehr  vieler  Bekenner",  das  Officium  „sehr  vieler  Bi- 
schöfe und  Bekenner'^;  das  Officium  einer  „hervorragenden  Jungfrau^, 
„das  Officium  oder  die  Geschichte  sehr  vieler  Jungfrauen^. 

Hiemit  schliesst  das  Brevier,  oder  sezt  sich  fort  in  dem  y^San- 
etorale^,  welches  die  engere,  kirchliche  Feier,  gleichsam  die  Chorfeier 
für  die  nicht  zahlreichen  Heiligen  ist,  deren  Fest  die  spanische  Earche 
im  Laufe  des  Jahres  beging. 


§.  4. 

Das  mozarabische  Missale   verläuft  nach   der  Ordnung   des  Bre-  Mutau, 
viers.     Es  beginnt  mit  der  Messe  auf  den  ersten  Adventsonntag,   geht 
über  zu  der  Messe  fiir  den  zweiten  Sonntag,  von  da  bis  zum  sechsten. 
Diesen  folgt  die  Messe  zu  Ehren   des  heiligen  Papstes  und  Märtyrers 


/' 


')  Incipit  aurora,  quae  ante  pnmam  reeitatur  in  diehus  feriis  per  totvm 
annum. 

')  Incipit  ardo  Primote,  quae  debet  dici  per  totum  annvm. 
')  Incipit  ordo  cantandus  vel  recitandus  ad  Tertiam, 
*)  Hie  incipiunt  completoria. 

^)  Officium  unius  infirmi  vel  plurimorwn  infirmorum, 
")  Incipit  officium  mortuorum. 
^)  in  agenda  mortucrum. 
')  unius  martyris  simplicia  novem  lectionum, 
•)  Incipit  officium  plurimorum  martyrum,  sex  capparum. 
'•)  Incipit  historia  tcnius  confessoris  ponüficis  praecipui. 

Gftmi,  ■pUL  Kirche.  IL  S.  ][3 


]94  Achtes  Buch.    EilfteB  Kapitel. 

Kirchen- Clemens,  zu  Ehren  des  heiligen  Bischofs  Saturninus,  des  Apostels 
J*^*"  ^®"  Andreas,  der  heiligen  Jungfrau  Eulalia  (vom  10.  December),  zum 
ITeste  der  Ankündigung  der  seligsten  Jungfrau  Maria  (18.  December), 
„am  Tage  des  heiligen  Apostels  Thomas^.  Es  folgt  Weihnachten*), 
Fest  des  Leviten  Stephanus,  des  Apostels  Johannes,  der  „heiligen  Un- 
schuldigen^, Fest  des  heiligen  Jacobus,  des  Bruders  des  Herrn,  auf 
die  Beschneidung  des  Herrn  ^),  Messe  auf  den  Sonntag  vor  Erschein- 
ung des  Herrn ^),  Erscheinung  Christi*),  erster  Sonntag  nach  der 
Octave  der  Erscheinung,  dann  der  zweite  Sonntag  „nach  den  Octaven^ 
der  Erscheinung,  dritter  Sonntag  nach  den  Octaven,  bis  zum  neunten 
Sonntag*).  Vor  dem  Tage  der  Asche,  Messe  auf  Aschermittwoch,  auf 
den  ersten  Fastensonntag,  auf  den  folgenden  Mittwoch  und  Freitag, 
ebenso  bei  den  andern  Fastensonntagen  und  Wochen  bis  zum  „Freitag 
vor  den  Palmzweigen"®).  Bis  Ostern  (von  Aschermittwoch)  sind  es  im 
Ganzen  21  Messen.  Am  Sonntage  „an  den  Palmzweigen**  (Feier)  zur 
Weihe  der  Blumen  oder  Zweige";  Messe  für  den  Mittwoch  nach  den 
Palmzweigen,  Donnerstag  „an  dem  Mahle  des  Herrn *^,  Charfreitag  und 
Charsamstag.  Da  die  Litanei  zu  allen  Heiligen  an  diesem  Tage  den 
Namen  des  heiligen  Eugenius  enthält,  der  nach  dem  neuesten  Proprium 
von  Toledo  den  Toletanern  erst  nach  dem  Jahre  1085  bekannt  wurde, 
so  findet  sich  hier  wenigstens  ein  Zusaz  aus  sehr  später  Zeit;  indess 
auch  die  heiligen  Franciscus  und  Dominicus  stehen  in  dieser  Litanei. 
Meisen  ^^^  Messe  „auf  den  Tag  der  Auferstehung  des  Herrn**  folgt  die 

Ostern  auf  Moutag  „uach  dem  Pascha",  bis  zum  Samstage.    Es  folgt  die  so- 
ber.  genannte    apostolische  Messe,    das  Messformular    für   das   ganze  Jahr, 
mit  den  entsprechenden  Noten  zu  dem,  was  gesungen  wird.     Hier  ist 
gewählt  die  Messe  auf  das  Fest  Jacobus  des  Aeltern,  vom  30.  Decem- 
ber hieher  verlegt. 

Es  folgt  der  erste  Sonntag,  und  unmittelbar  darauf  der  dritte 
Sonntag  nach  Ostern,  bis  zum  sechsten,  die  Messe  auf  Christi  Himmel- 
fahrt und  den  folgenden  Sonntag,  auf  Vorabend  vor  Pfingsten.  Der 
Festmesse   für  Pfingsten  folgt  unmittelbar   die   für   den  ersten  Sonntag 


bis  No 
vem 


^)  Dieses  Missale,  wie  die  Missalia  Gallicana,  weisen  an  Weihnachten  nur 
eine  Messe  auf,  während  z.  B.  Gregor  I.  an  diesem  Tage  drei  Messen  feierte. 

*)  Codex  legum  Visigoth.  Ily  tit  /,  lex  11,  —  lib,  XIL  tit,  IV,  l.  6, 

')  Diese  Messe  wurde  früher  an  Neujahr  celebrirt  (Leslei  nr,  27). 

*)  apparitio  seu  Epiphania  Domini:  Leslei  sagt  (nr.  28),  die  alten  Spa- 
nier haben  an  diesem  Tage  den  Advent  geschlossen. 

•)  er  heisst  auch:  ante  diem  Cineris,  et  ante  cames  tollejidas. 

")  feria  sexta  ante  ramos  palmarum.  —  Die  Mozaraber  haben  die  alte  Ord- 
nung und  Reihenfolge  der  Officien  und  Messen  in  der  Fasteuzeit  vielfach  geändert 
(und  verwirrt;.    Leslei,  Praef.  nr.  33—38, 


MlBsale,  Banctonüe. 


Id5 


nach  Pfingsten^).  Die  Messe  auf  das  „Corpva  Chrisfi'^ -Fest  weist 
auf  das  dreizehnte  bis  sechzehnte  Jahrhundert  hin^).  Die  Mozaraber 
haben  im  Allgemeinen  sehr  wenige  Messen  seit  der  Herrschaft  der 
Mauren  eingefugt.  Die  Orationen  dieser  wenigen  haben  sie  nicht  aus 
sich  geschöpft,  sondern  sie  haben  sie  aus  dem  alten  Missale,  zuweilen 
ganz,  zuweilen  mit  leichten  Aenderungen  und  Weglassungen,  einige 
Orationen  haben  sie  aus  dem  römischen  Missale  entlehnt.  Nur  die 
7  ersten  Sonntage  nach  Pfingsten  haben  ihre  eigenen  Messen.  Dann 
folgt  der  Sonntag  vor  dem  Fasten  des  ersten  Novembers,  und  eine 
Messe  für  dieses  Fasten. 


§.  5. 

Das  Proprium  de  Sanctis  heisst  sowohl  im  mozarabischen  Brevier 
als  Messbuch  das  jjSanctorcUe^.  Sonst  versteht  man  unter  diesem 
Kamen  auch  das  Martyrologium,  eine  Sammlung  ausfuhrlicher  Biogra- 
phien der  Heiligen,  entsprechend  unsern  Legenden  und  den  „Menaeen 
der  Griechen^,  welche  in  Klöstern  und  christlichen  Familien  laut  vor- 
gelesen wurden.  Brevier  und  Messbuch  enthalten  dieselben  Heiligen 
an  denselben  Tagen,  welche  wir  in  spanische  und  ausserspanische 
Heilige  theilen,  und  welche  folgende  sind: 


Januar. 

7.  Jtdianus  und  Bcuilissa,  Mär- 
tyrer,  und  Gefährten   (unter 
Diocletian),  4  Mitren. 
19.  Sehastianua,  Märtyrer,  und  Ge- 
fährten, 6  Mitren  (f  c.  287). 

19.  LudantiSj  Priester  und  Märty- 

rer (f  312),  9  Lectionen. 

20.  Agnes  f  Jungfrau  und  Martyrin 

(f  im   dritten  Jahrhundert), 
6  Mitren. 

21.  TlncentlDS,  Märtyrer  (121.  Ja- 

nuar 305),  4  Mitren. 
24.  Babylcu ,    Bischof  von  Antio- 


chien,  und  3  Knaben,  9  Le- 
ctionen  (f  Ende  des  dritten 
Jahrhunderts). 
28.  Thyrsus, ,  Märtyrer  unter  Dio- 
cletian, 9  Lectionen. 

Februar. 

2.  Fest  der  Beinigung  Maria's, 
6  Mitren. 

5.  Agatha,  Jungfrau  und  Marty- 
rin in  Catania  (f  25 1 ),  6  Mitren. 

7.  Dorothea,  Jungfrau  und  Mar- 
tyrin zu  Caesarea  unter  Dio- 
cletian, 9  Lectionen. 


*)  Neben  dieser  haben  die  Mozaraber  noch  eine  Mesae,  8.S.   TriniiatU, 

eingeftigt 

')  doch  ist  der  grössere  Theil  derselben  aus  verschiedenen  Festen  des  Mis- 
aale  gothicum  entnommen.  Die  Stelle:  Panis  hie  transmatatns  in  camem,  calix 
hie  transformatiis  in  sanguinem  sit  offerentibus  gratia^  et  sumentHms  medicina, 
ist  ans  der  Messe  des  letzten  Sonntags  vom  November. 

13* 


rolt. 


196 


Achtes  Buch.    Eilftes  Kapitel. 


12.  EnlidiA  von  Barcelona,  Jung- 
frau und  Martyrin  (f  12.  Febr. 
305),  9  Lectionen. 

lo.  FractttOSHS)  Märtyrer,  Bischof 
von  Tarraco,  seine  Diakonen 
Eulogius  u.  Augurius  (f  21.  Ja- 
nuar 259),  9  Lectionen. 

22.  Cathedra  S.  Petri,  6  Mitren. 
24.  Matthias,  Apostel,  6  Mitren. 

März. 

3.  Emetertos  und  Ohelidonlns, 

Märtyrer      von      Calagurris, 
(t  c.  287),  4  Mitren. 

Mai. 

1 .  H.  TorquatnS  und  seine  6  Ge- 
fährten, erstes  Jahrhundert, 
9  Lectionen. 

3.  Erfindung  des  heiligen  Kieuzes, 
6  Mitren. 

Juni. 

17.  Hadriamis  und  Natalia,  Mär- 
tyrer in  Nicomedien,  unter 
GaleriuSj  9  Lectionen. 

23.  Sonntag  vor  Johannes  Baptista. 

24.  Geburt  Johannes  des  Täufers, 

6  Mitren. 
29.  Fest  der  heiligen  Apostel  Pe- 
trus und  Pauhis,  6  Mitren. 

Juli. 

12.  Martiana,  Jungfrau  und  Mar- 
tyrin in  Caesarea  Mauritaniac 
unter  Diocletian,  9  Lectionen. 

16.  Jnsta  und  Roflna  (t  c.  287), 

Jungfrauen  und  Martyrinncn 

in  SeviUa,  4  Mitren. 
RnfllUly  Jungfrau  von  Sevilla   (mit 

besonderm  Officium). 
22.    Maria    Magdalena^    Büsseiin, 

6  Mitren. 


24.  Christina,  Jungfrau  und  Mar- 

tyrin (Italien  ?),  9  Lectionen. 

25.  Christophorus    und    Gefährten, 

Märtyrer  (f  in  Lycien  c.  251  ?), 
9  Lectionen. 
29.  FcUXy   Märtyrer    von    Gerona 
(t  c.  304—305),  9  Lectionen. 

August. 

6.  JnstOS   und  Pastor,   Märtyrer 

(f  6.  August  304),  9  Lectionen. 
10.  Laurentius,  Märtyrer   (j-  258), 

6  Mitren. 
15.  Himmelfahrt  Maria,  6  Mitren. 

24.  Bartholomaeus,  Apostel,  6Mitr. 

25.  Genesius,    Märtyrer    zu    Arles 

(f  c.  303),  9  Lectionen. 

26.  CterontlnS,   Märtyrer   und  Bi- 

schof von  Italica  (f  im  dritten 
Jahrhundert),  9  Lectionen. 
29.  Enthauptung  Johannes  des  Täu- 
fers, 6  Mitren. 

September. 

8.  Mariae  Geburt,  6  Mitren. 

14.  Kreuzerhöhungj  6  Mitren. 

Fasten    vor    dem  Feste    de> 
heiligen  Cyprian. 

14.  Cyprian,  Bischof  und  Märty- 
rer (f  14.  September  258 1. 
9  Lectionen. 

20.  Matthams,  Apostel,    6  Mitren. 

27.  Cosmas  und  Damianus,   Mär- 

tyrer  (f  zu  Aegaea  in  Cili- 
cien,  297),  9  Lectionen. 

28.  FanstosJannarliisu.iiiartlalU, 

Märtyrer  in  Cordova  (f  304— 
305),  9  Lectionen. 
29.  Erzengel  Michael,  6  Mitren. 

Octobcr. 

23.  Serrandns    und    Germanas, 

Märtyrer  beiCadix  (f  c.304— 
305),  9  Lectionen. 


Sanctonüe. 


197 


28.  Apostel    Simon    und    Judasj 

6  Mitren. 

November. 

L  Allerheiligen^  6  Mitren. 

11.  MartinuSj  Bischof  und  Beken- 
ner  (f  397—400),  6  Mitren. 

15.  Speratu8y  Märtyrer  und  Genos- 
sen in  Africa,  9  Lectionen. 

17.  AeiselnS    und   YietOrla,  Mär- 

tyrer in  Corduba   (f  304 — 
305),  9  Lectionen. 

18.  Romanue,    Krieger   und  Mär- 

tyrer   (t    in    Rom    c.   258), 
4  Mitren. 

1 9.  CrfspinnS^  Bischof  von  Astigi, 

Bekenner  (hat  nur  1  Oration). 

22.  Caecilia,  Jungfrau   und   Mar- 

tyrin    (f    in    Rom    c.    235), 
6  Mitren. 

23.  Clemens,  Papst  und  Märtyrer, 

6  Mitren. 

29.  Satv/min,  Bischof  und  Märtyrer 

von  Narbonne,  6  Mitren. 

30.  AndrecMj  Apostel,  6  Mitren. 


December. 

8.  Mariae  Empfangniss,  6  Mitren. 

9.  Leoeadla,  Jungfrau    und   Be- 

kennerin  (f  in  Toledo  c.  305), 

6  Mitren. 
10.  EnlaUa,  Jungfrau  und  Marty- 

rin  (f  10.  December  304  zu 

Emerita),  9  Lectionen. 
12.  Eugenia,   Jungfrau    und   Mar- 

tyrin   (in  Rom  unter  Gallie- 

nus?);  9  Lectionen. 
12.  Columba  von  Sens. 
18.  Mana«  Verkündigung,  6  Mitren. 
21.  ThomaSy  der  Apostel,  6  Mitren. 

25.  Weihnachtsfesty  6  Mitren. 

26.  Fest  des    heiligen    Stephanus, 

6  Mitren. 

27.  Johannes,   Apostel  und  Evan- 

gelist, 6  Mitren. 

28.  Fest  der  iJin^cAu^ijfen,  6  Mitren. 

29.  Fest</aco&t<«desAelteni,  6Mitr. 

30.  Fest  Jacob^iSy  des  Bruders  des 

Herrn,  6  Mitren. 


Daraus  ergeben  sich  68  Feste,  welche  eigene  Officien,  wenigstens 
eigene  Messen  hatten.  Von  den  Heiligen,  welche  also  gefeiert  werden, 
sind  15*)  (und  mit  Laurentius  10)  Spanier,  die  übrigen  Nicht-Spanier*). 
Von  allen  Heiligen,  welche  so  gefeiert  werden,  hat  keiner  nach  dem 
Jahre    400  gelebt.     Wir   sind   also   berechtigt,    dieses   Jahr   in    einem 


')  Leslei  zählt  22  (vielmehr  28),  er  zShlt  die  Heih'gen,  ich  die  Feste  (L  c. 
nr.  48). 

^  Es  sind  7  ROmer,  Sebastian,  Laurentius,  Agnes,  Cäcilia,  Eagcnia,  Cosmas  nnd 
Damianos,  Cristina  war  Sabinerin,  Agatha  ist  von  Catania;  drei  sind  Africaner: 
Cyprian,  Speratus,  Marciana;  ans  Antiochien  sind  Babilas  and  Romanas;  Doro- 
thea aus  Cappadocien;  Ludan.  und  Adrianus  von  Nicomedien;  drei  sind  Gallier: 
G^nesias,  Colnmba  von  Sens,  Martinns.  Unbekannt  ist  die  Heimath  von  Thyrsus, 
Jolianus  and  Christophorns.  —  Maria  Magdalena  erscheint  als  Martyrin.  —  Die 
Messe  ans  Mariae  Reinigung  stammt  aus  dem  Mittelalter,  ist  jedoch  ganz  entnom- 
men ans  Theilen  des  alten  Missale,  Dagegen  ist  die  Messe  auf  Mariae  Geburt 
nicht  in  und  nicht  ans  dem  leztem ;  ebenso   die  Messe  Mariae  Empfangniss  und 


198  Achtes  Buch.    Eilftes  Kapitel. 

gewissen  Sinne  als  den  Schlusstermin  für  die  Heiligen  dieser  Litorgie 
zu  bezeichnen. 
Span.  Von   den   spanischen  Heiligen   hat   nur  Leocadia   ein   Fest  mit 

BtiUgt.  g  Mitren,  Justa  und  Kufina  von  Sevilla  und  Vincenz  von  Saragossa 
werden  mit  4  Mitren  gefeiert,  sei  es  wegen  der  nähern  Verbindung 
und  Freundschaft  der  Städte  Sevilla  und  Saragossa  mit  Toledo,  sei  es, 
weil  es  hervorragendere  Heilige  waren.  Die  übrigen  spanischen  Heili- 
gen haben  nur  Feste  von  9  Lectionen,  was  namentlich  in  Anbetracht 
der  apostolischen  Siebenmänner  auffallend  ist. 

Wenn  allein  die  Bekennerin  Leocadia  von  Toledo,  am  9.  Decem- 
ber,  im  Gegensaze  der  Eulalia  von  Merida,  am  10.  December,  mit 
9  Lectionen,  von  welcher  jene  doch  weit  überstrahlt  wird,  ein  Fest 
von  6  Mitren  hat,  so  ist  dieses  ein  neuer  Beweis,  dass  nicht  die  alte 
spanische  Liturgie,  sondern  nur  die  Liturgie  der  Kirche  von  Toledo 
auf  uns  gekommen  ist. 

Von  den  15  Heiligen,  deren  Feste  die  Kirche  von  Toledo  be- 
geht, gebort  keiner  der  Provinz  Galicien ,  eine  der  Provinz  Lusitanien, 
7  der  Provinz  ßaetica,  8  der  früher  ungetheilten  Provinz  Tarraconm- 
M,  nach  der  Theilung  unter  Constantin  noch  5,  die  übrigen  3  der 
carthaginensischen  Provinz  an  (Torquatus,  Leocadia,  Justus  und  Pastor). 

Dass   keine   Heiligen    aus   Galicien   gefeiert  werden,    kann    sich 
«daraus   erklären,    dass    die   Kirchen  Verfolgung   unter   Diocietian    diese 
Provinz   überhaupt   nicht   erreichte.     Die   Heiligen    aus   späterer    Zeit 
wie  Vincentius,  Fructuosus,  erhielten  keine  eigenen  Officien. 

§.  6. 

Eine  grosse  Anzahl  von  Heiligen  wurde  nach  dem  allgemeinen 
Bitus  für  besondere  Klassen  der  Heiligen*)  gefeiert,  von  denen  die 
Mehrzahl  nach  dem  Jahre  400  lebten,  nämlich  im  Monat  Januar: 
Heilige  40  Märtyrer,  9  Lectionen.  Paulus,  erster  Eremit,  ebenso. 
11.  Januar:  Priester  Jnlianus;  13.  Januar:  Hilarius,  Bischof;  Bischof 
Marius;  Märtyrer  Felix  in  Pincis;  Maurus,  Abt;  Marcellus,  Papst; 
Antonius,  Abt;  Prisca,  Martyrin  und  Jungfrau;  Jnlianus,  Bischof  und 
Bekenner;  9  Lectionen.  23.  Januar:  Ildefons,  Erzbischof  von  Toledo, 
6  Mitren;  heilige  Maria  vom  Frieden,  Timotheus,  Pauli  Bekehrung, 
Projectus,  Policarp,  Joanes  Chrysostomus,  Valerius,  Bischof  und  Mär- 
tyrer, Octave  des  heiligen  Ildefons. 

Für    die   folgenden   Monate   erwähnen   wir    nur   noch:    Februar: 


')  10  Missae  communes  sind  in  dem  Missale,  6  fUr  Märtyrer,  2  ftlr  Beken- 
ner, 2  fUr  Jungfrauen.  Dann  folgen  8  missae  communes  votivae,  wovon  2  für 
Kranke,  endlich  <;  Messen  fUr  die  Todten. 


Spanische  Heilige  und  Feste.  199 

VedastuB    und    Amandas.   —   12.    März:    Papst    Gregor^    6    Mitren; 

13.  März:  Leander  (von  Sevilla),  Bischof  und  Bekenner,  9  Lectionen; 

14.  März:  Papst  Leo  L  9  Lectionen.  —  4.  April:  Ambrosius  von  Mai- 
land, 6  Mitren;  4.  April:  Isidor  von  Sevilla,  6  Mitren;  8.  April: 
Fructuosus   von  Bracara,   9  Lectionen;    an   demselben   Tage   Turibius 

von  Astorga,  9  Lectionen;    12.  April:  Victor  von  Braga,  Märtyrer.  —  , 

2.  Mai:  Athanasius,  6  Mitren;  9.  Mai:  Gregor  von  Nazianz,  9  Lectio- 
nen; 26.  Mai:  Augnstin  von  Canterbury,  ebenso;  28.  Mai:  Germanus 
von  Paris,  ebenso;  —  14.  Juni:  Basilius  von  Caesarea,  ebenso.  — 
28.  August:  Augustin  von  Hippo,  6  Mitren.  —  30.  September:  Hiero- 
nymus,  6  Mitren.  —  15.  November:  Eugenius,  Erzbischof  von  Toledo 
und  Märtyrer,  dessen  Fest  nicht  vor  dem  zwölften  Jahrhundert  hicher 
gekommen  sein  kann,  da  die  Fiction,  dass  Toledo  schon  im  ersten 
christlichen  Jahrhundert  ein  Erzbisthum  gewesen  sei,  vor  dem  zwölf- 
ten Jahrhundert  nicht  erscheint;  19.  November:  Elisabeth  von  Thürin- 
gen, gestorben  1231,  Fest  von  6  Mitren. 

§.  7. 

Im  Laufe  der  Zeit  kamen  so  ziemlich  alle  Heiligen  in  den  moz*  Oonu- 
arabischen  Kalender,  welche  bis  zum  Ende  des  dreizehnten  Jahrhunderts f'^*.'^ 
gelebt  haben  und  heilig  gesprochen  wurden.    Da  aber  die  mozarabische  dar  ■!>«- 
Liturgie  von  Gregor  VII.  bis   auf  Kardinal  Ximenes   ausser  Gebrauch  g||[^** 
gekommen  war,  so  wurden  diese  Heiligen   erst  seit  der  Zeit  des  Xi- 
menes in  dieselbe  eingetragen.    Den  grossen  Heiligen  des  sechzehnten 
Jahrhunderts  aber  blieb  sie  verschlossen,  d.  i.  sie   blieb   von  Ximenes 
an  bis  zu  ihrer  Bestätigung  durch  das  Concordat  von  1851  unverändert. 

§.  8. 

Diejenigen  OfBcien  der  spanischen  Heiligen,  welche  die  Kircho 
von  Toledo  von  andern  spanischen  Bisthümern  annahm,  blieben,  wie 
ersichtlich,  ohne  Veränderung.  So  lautet  die  Präfation  der  aposto- 
lischen Siebenmänner:  „Da  sie  in  der  Nähe  dieser  Stadt  ihre  Schüler 
aassandten,  um  Lebensmittel  einzukaufen^  so  vollzogen  diese,  was 
ihnen  geboten  war"*).  —  Unter  dieser  Stadt  kann  nur  Acci  oder 
Guadix  verstanden  werden,  eine  Beziehung  auf  eine  andere  Stadt, 
etwa  Toledo,  ist  nicht  möglich').  Der  Zeit  nach  der  nächste  Heilige 
ist   Fructuosus   von   Tarraco,    in    dessen   Festmesse   es   u.    a.   heisst: 


*)  cum  missis  discipidis  in  huiua  urbis  convicinitatem  escarum  emi  parum 
aliquod  precepissent :  agunt  assecle  precepta  sibi:  quejussa  sunt 

•)  Ebenso  Florez,  t  3,  p,  378:  „el  formador  del  Oficio  estaba  en  Ouadix.** 


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200  AehtesBodi.    Eilfte  Kapitel. 

j^eaer  Ort  und  dieses  Volk  ist  auf  ganz  besondere  Weise  doreh  die 
G^;enwart  ihrer  ehrwürdigen  Reliquien  geweiht,  und  darum  bitten  wir 
(Gott),  Sun  zu  helfen  und  es  (ihn)  zu  schuzen^^).  „Dein  Fructnosus 
möge  Dir  zur  Empfehlung  imgers  und  des  ganzen  (gläubigen)  Volkes 
die  SVnchte  seiner  Verdienste  darbringen  (ingercU). 

Der  Eingang  der  Messe  der  heiligen  Eulalia  von  Barcelona  webt 
gleich&lls  nidit  undeutlich  auf  diese  Stadt  als  den  Ausgangspunkt 
dieser  Feier  hin,  und  vielleicht  zugleich  auf  den  Anfang  ihrer  Feier 
durch  eine  eigene  Liturgie,  indem  es  u.  a.  heisst:  ,,Es  ist  da,  gelieb- 
teste Bruder,  jenes  hehre  Fest  der  heiligen  Eulalia,  welches  wir  jähr- 
lich zu  begehen  entschlossen  sind^^,  da  dieselbe  Heilige  Bürgerin 
und  Bewohnerin  dieser  Stadt,  den  Boden  ihrer  Vaterstadt,  die  sie  an- 
dern Auszeichnungen  vorzog,  auch  durch  die  Ehre  des  Begräbnisses 
verherrlichte.  Lasset  uns  in  ihr  verehren  die  Martyrin  in  ihren  Wun- 
den, in  unserer  Hingebung  die  Mitbürgerin:  in  der  frommen  Verehr- 
ung die  Mutter"  (des  Christenthnms)').  EJs  ist  möglich,  dass  erst 
Quiricus  diese  Festmesse  «verfasste,  in  welcher  das  Volk  (von  Barce- 
lona) „eine  kleine  Schaar^^  genannt  wird^),  wie  sein  Nachfolger  Idalios 
die  Stadt  ein  ^Städtchen^^  (eivitahda)  nennt. 

In  der  Festmesse  des  Felix  weisen  die  Worte  auf  Gerona  hin:  Felix 
war  ein  eijBriger  Kaufinann  in  dieser  Stadt ^),  indem  er  mit  aller  Soi^ 
fidt  die  hinmilischen  Sohäze  sammölte.  —  Das  0£ficium  des  heiligen 
Vlncentius  weist  auf  die  Stadt  und  Provinz  Saragossa  hin^.  —  Dass 
die  Festmesse  zu  Ehren  der  heiligen  Emeterius  und  Chelidonins  von 
üalahorra  jünger  sei,  als  der  Festhymnns  des  Prudentiun,  geht  ans 
der  Vergleichung  beider  hervor.  Die  Festmesse  beginnt  mit  den 
Worten  des  Festhymnus'').  Auch  die  Festmesse  beklagt  den  Mangel 
an  Nachrichten  über  sie.    Ihre  Leiber  ruhen   —   auch  nach  der  Fest- 


<)  ?iuic  peculiarius  laco  et  popido  venerahüium  reliquiarum  presentia 
eonseerato:  et  assistere  et  opihdare  jubeas  Rex  summe  precamur, 

')  quod  annuis  recurHöus  siiscipimtis  (injcolendum, 

*)  recognoscaimus  ergo  per  tndnera  martyrem:  per  obsequta  civem:  per 
pietaüa  studia  genifyricem, 

*)  tantiUae  pUbts. 

')  sieut  hvQUs  civitatis  avidus  negotiator  hie  Sanctissimus  extitü  Felix. 

")  aequale  tidtionis  {suxüium  reddat  pro  cinerilms  mundo:  dvibus  pro 
sepuichro  (Valeniiaf) ,  vielleicht:  in  die  ganze  Welt  sind  seine  Reliquien,  ist  seine 
heilige  Asdie  serBtreut,  aber  hier  ist  doch  sein  Grab. 

')  Hymnos:  Festmesse: 

Sit  diw  luMe  fiBita  nobity  Sit  dies  Iimo  nobia  frita,  fratred, 

Sit  uaratiim  gkodlam.  Sit  Mcratnm  gftndlam. 


Spanische  Liturgie.  201 

messe  —  in  Calagurris'),  und  von  hier  scheint  sie  auch  aasgegangen 
zu  sein'). 


§.  9. 

Die  heiligen  £[naben  Justus  und  Pastor  hatten  u.  a.  eine  ihnen 
geweihte  Kirche  zu  Toledo,  und  vielleicht  war  ein  Kloster  mit  ihr 
(oder  mit  einer  Kirche  in  AJcala)  verbunden.  Die  Festmesse  diente 
jedenfalls  einer  „Congrcgation^S  die  wohl  den  Namen  der  Heiligen 
trug^).  Dass  das  Officium  der  heiligen  Leocadia  in  Toledo  verfasst 
wurde,  kann  einem  Zweifel  nicht  unterliegen.  —  Da  sich  in  der  Fest-  Heilig« 
messe  der  heiligen  Eulalia  von  Merida  eine  Hinweisung  auf  Emerita  ^J^^ 
und  auf  ihr  Grab  nicht  findet^  so  dürfte  diese  Messe  gleichfalls  in 
Toledo  entstanden  sein.  Die  beiden  leztei-wähnten  Festmessen  zeichnen 
sich  vortheilhaft  vor  andern  aus,  und  verrathen  einen  gewandten  Schrift- 
steller. —  In  der  einzigen  auf  Crispinus  sich  beziehenden  Oration  findet 
sich  keine  Hinweisung  auf  Astigi. 

Die  Märtyrer  Servandus  und  Germanus  gehören  Gades,  Sevilla 
und  Emerita  an.  Ihr  Officium  aber  ist  vielleicht  von  Cadix  ausgegan- 
gen*). —  Aus  der  Festfeier  des  Bischofs  Gcrontius  lässt  sich  nichts 
Genaueres  über  den  Ort  seines  Todes  und  seiner  Verehrung  entneh- 
men*). —  Die  Festofficicn  der  heiligen  Justa  und  Rufina  weisen  auf 
Sevilla  hin,  obgleich  es  an  bestimmten  örtlichen  Hinweisungen  in  den- 
selben fehlt. 

Acisclus  von  Corduba  hat  eine  schöne  Festmesse  (in  deren  Pra- 
fation  es  [ausnahmsweise]  heisst:  Billig  und  gerecht,  würdig  und  schön 
ist  es,  dass  wir  Dir  immer  Dank  sagen);  wiederholt  findet  sich  in  der- 
selben die  Hinweisung  auf  die  eintretende  Adventszeit,  aber  eine  deut- 
liche Hinweisung  auf  Corduba  finden  wir  nicht.  —  In  der  Festmessc 
des  heiligen  Faustus ,  Januarius  und  Martialis  befindet  sich  eine  scharfe 
Hinweisung*)  auf  den  functionirenden  Bischof,  ein  Bischof  scheint  der 
Verfasser  derselben  zu  sein,  —  und  es   liegt  nicht  so  ferne,   sich    des 


*)  quorum  corpora  etemis  tituLia  vivacis  memorie  consecrata  Ccdagurri- 
tana  custodit  Ecdesia. 

*)  sictU  alumna  plebs  (Ccdagurritana)  de  eorum  gemina  susceptione  cor- 
porum  grattdatur. 

*)  quorum  meritis  bonorum  univeraitas  ctdjuvatur,  horum  memoriis  nostra 
cangregcUto, 

*)  K.-G.  I,  373. 

«)  K.-G.  I,  280. 

*)  legatione  fungimur  impoaiH  offidi:  pro  nostris  peccatis  non  idonei 
cogimur  inferpellare  pro  scderibus  popuH  delinquentis. 


202  Achtes  Buch.    Eilftes  Kapitel. 

HosiuB  von  Corduba  zu  erinnern.    Es  ist  diess  eine  der  schönsten  und 
kräftigsten  Festmessen  der  ganzen  Liturgie^  besonders  die  Präfation^). 

§.  10. 

v>itdo  Wenn  wir  in  der  Geschichte  von  Toledo,  wo  die  Liturgie  zu  ihrer 

**»*  spätem  Ausbildung  und  Vollendung  gefuhrt  wurde,  zurückgehen,  so  wer- 
den wir  gestehen  müssen,  dass  der  erste  Bischof  dieser  Stadt  im  Jahre  306 
erscheint,  und  dass  auch  Toledo  im  Jahre  400  noch  keinen  Erzbischof 
hatte.  Vor  dem  Jahre  306  hatten  Bischöfe  Acci,  Elvira,  Urci,  Illi- 
turgi,  Corduba,  Sevilla,  (Italica),  Emerita,  Astorga  und  Leon,  Sara- 
gossa und  Tarragona. 

Woher  erhielt  Toledo  das  Christenthum?  Darüber  fehlen  die 
Nachrichten,  und  werden  wohl  immer  fehlen.  Wir  haben  oben  ange- 
nommen, dass  Emerita  und  Lusitanien  das  Christenthum  von  Sevilla 
und  Corduba  aus  erhielt.  Wir  haben  angenommen  und  bewiesen,  dass 
Baetica  und  Hochandalusien  das  Christenthum  von  Rom  über  Cartha- 
gena  empfing.  Wir  nehmen  aber  nicht  an,  dass  das  Christenthum  von 
Carthagena  nach  Toledo  kam,  schon  darum  nicht,  weil  sich  für  Car- 
thagena  überhaupt  vor  dem  sechsten  Jahrhundert  kein  Bischof  sicher 
nachweisen  lässt.  Vielmehr  war  Castulo  eine  Zeit  lang  Metropole  von 
Carthaginensis. 
to  u-  Tarraco    war  Hauptstadt    der   gleichnamigen  Provinz.      Tarraco 

''^*  hatte  im  Jahre  258  schon  einen  bejahrten  Bischof  mit  zwei  Diakonen 
B  drii.  zur  Seite.  Von  Tarraco  scheint  das  Christenthum  nach  Saragossa, 
njthr.  LßQjj  und  Astorga  gekommen  zu  sein,  und  die  Gründung  des  Bisthums 
Tarraco  —  haben  wir  oben  spätestens  in  das  zweite  Jahrhundert  nach 
Christus  versezt.  —  Von  Tarraco,  nehmen  wir  an,  kam  das  Christen- 
thum, sei  es  direct,  oder  über  Saragossa  nach  Tolctum,  mit  dem 
Christenthum  die  bischöfliche  Hierarchie,  und  mit  ihr  die  Liturgie  der 
tarraconensischen  Earche. 


§.  11. 

Der  Verkehr  zwischen  Tarraco  und  Rom   war   ein    belebter,   ein 
ununterbrochener  —  in  vier  Tagen  gelangte  man  von  Rom  sowohl  nach 


')  Hier  steht  aber  für  tristibus:  sit  tristantibus  leticia.  Sit  egrotantibus 
Salus.  Sit  malagma  (Heilmittel?).  *-  Da  die  Festmessen  der  Heiligen  aas  den 
Provinzen  Baetica  und  Lnsitanien  bestimmte  Ortliche  Hinweisungen  nicht  enthalten, 
80  sind  sie  vielleicht  alle  in  Toledo  entstanden,  da  doch  die  Liturgie  des  südlichen 
Spaniens  der  des  nördlichen  nicht  ganz  conform  war.  (Diese  Ansicht  spricht,  nnd 
zwar  mit  grosser  Bescheidenheit,  auch  Fr.  Lorenzana  aus.) 


i 
( 


Tkmeo  und  Rum.  203 

Tarragona  als  nach  Carthagena.  Der  heilige  Laurentius  stammte  aus  Tunm 
Osca  bei  Saragossa,  od^r  aus  lezterer  Stadt,  und  er  kam  in  früher 
Jugend  nach  Rom*  Die  beiden  abgesezten  Bischöfe  Basilidcs  von 
Emerita  und  Martialis  von  Astorga  begaben  sich  um  250 — 253  zum 
Zwecke  ihrer  Wiedereinsezung  nach  Rom,  und  kehrten  von  daher 
zurück.  Wenigstens  den  leztern  führte  der  nächste  Weg  über  Tarraco. 
Wir  sagen  nicht,  dass  erst  um  das  Jahr  250  die  romische  Liturgie 
nach  Tarraco  kam,  sondern  wir  weisen  auf  die  Verbindungen  zwischen 
Rom  und  Tarraco  hin. 


§.  12. 

Im  Jahre  260  wurde  die  Liturgie  zu  Rom  wohl  noch  in  griechischer  orieeu 
Sprache  gehalten.    Hippolyt,  Märtyrer  um  238,  schrieb  noch  griechisch.  *^^^ 
Sein  jüngerer  Zeitgenosse  Novatian  ist  der  erste  entschieden  lateinische  tch«  u 
Schriftsteller  in  Rom.     Minucius  Felix  und  Tertullian  waren  Africaner.  *"'** 
—  Als  aber  die  romische  Liturgie,   vielleicht   im   zweiten    christlichen 
Jahrhundert,   nach  Tarraco  kam,   musste   sie   dort  in  das  Lateinische 
übersezt  werden  ^),  und  die  Uebersezung  hatte  wohl  einige  Abänderun- 
gen im  Gefolge.    In  dieser  also  übersezten  Liturgie  brachte  der  Mar- 
tyrbischof  Fructuosus  von  Tarraco  die  heiligen  Geheimnisse  dar.     Aus  Fkvetac 
der  Erinnerung  an  diese  Liturgie  sprach  Fructuosus  am  21.  Januar  259, 
auf  dem  Wege  zum  Martyrium,   zu    dem  Christen  Felix,   der  ihn  bei 
der  Hand    fasste    und  ihn    bat,   seiner   zu    gedenken;   leh   mnSS   AtT 
llfttllOllS€ll6II  Kirche  eingedenk  sein,  welche  vom  Morgenlande  bis  zum 
Abendlande  ausgebreitet  ist*)    Wenige  Jahre   nachher   wurde  Tarraco 
von  den  in  Spanien  eingewanderten  Völkern  zerstört,  und  noch  in  der 
Zeit  des  Orosius   war  sie  nur   ein   trauriger  Ueberrest   ihrer   einstigen 
Grösse.    Aber  wie  es  —  vor   259  —  Bischöfe,   Priester  und  Gemein- 
den in  Saragossa,  Leon  und  Astorga  gab,   so  war  vor  der  Zerstörung 
die  dort  übersezte  (und  vielleicht  theilweise  umgearbeite)  Liturgie  über 
die  Tarraconensische  Provinz  verbreitet  worden^. 

*)  Inlatio  oder  Illatio,  Praefatio  in  der  rOmischen,  Contestatio  in  der  gal- 
lischen Messe,  ist  gleichfalls  eine  Uebersezung  des  griechischen  „avai^of^a". 

*)  Er  sprach:  In  mente  me  habere  necesse  est  ecclesiam  catholicam,  ab 
Oriente  laque  ad  Occidentem  diffusam  (K.-G.  I,  275).  Im  Kanon  der  Messe  aber 
heisst  es  nach  dem  Sanctua:  Ecclesiam  sanctam  catholicam  in  orationihtis  in 
menie  Jiabeamus,  ut  eam  Dominus  et  fide,  et  spe,  et  charitate  propitius  am- 
pliare  dignetur.  —  cf.  Leslei,  praef.  v»  Missale  mixtum,  nr.  210,  —  F.  Probst^ 
Liturgie  der  drei  ersten  christlichen  Jahrhunderte,  1870,  S.  98  u.  108. 

*)  Als  Beweis  des  hoben  Alters  der  Liturgie  werden  noch  angeführt  Kanon  29 
und  48  von  Elvira.  Die  Stelle  in  der  Ulation  der  Weihnachts messe :  In  hac  die, 
ante  non  mtdta  tempora,  nobis  ncUtts  est  Christus  —  auf  das  erste  Jahrhundert 
zu  beziehen,  scheint  mir  doch  zu  gewagt. 


204  Achtos  Bach.    Eilftes  Kapitel. 


§.   13. 

P'^  Einen  Zusaz  haben   der   oder   die  Uebersezer   in  Tarraco   sicher 

gemacht.  In  der  Commemoratio  der  Lebendigen  spricht  der  Priester: 
„Es  bringen  dar  das  Opfer  Gott  dem  Herrn  unsere  Bischöfe  {sacer- 
dotea  noatri),  der  römische  Papst  (Papa  Romensis),  und  die  übrigen 
für  sich  und  den  ganzen  Klerus,  und  die  ihnen  auvcilrauten  Gemein- 
den des  Volkes:  d.  i.  fiir  sämmtliche  Brüder:  das  Opfer  bringen  dar 
alle  Presbyter  und  Diakonen,  die  Kleriker  und  das  sie  umgebende 
Volk:  zur  Ehre  der  Heiligen  für  sich  und  die  Ihrigen.  Der  Chor: 
Sic  opfern  für  ^ch  und  für  die  sämmtlichen  Brüder  (auf  Erden)  ^). 
Der  In  diesen  Worten  ist  zunächst  der  Primat  des  römischen  Papstes 

^'''°**"  ausgesprochen.  Er  ist  der  erste  Bischof  der  Kirche,  er  wird  vor  allou 
und  allein  genannt.  Die  Worte  können  unmöglich  wörtlich  aus  der 
römischen  Liturgie  entnommen  sein.  Denn  in  Rom  kann  der  cclebri- 
rende  Papst,  Bischof  oder  Presbyter  nicht  sagen:  es  opfert  der  römi- 
sche Papst,  sondern  höchstens  „unser  Papst,  unser  Bischofs.  Aber 
auch  das  Wort:  Papa  —  dürfte  in  Spanien  in  die  Liturgie  gekommen 
sein,  wo  bis  zum  sechsten  Jahrhundert  die  Bischöfe  im  nördlichen 
Spanien,  besonders  der  Metropolit  von  Tarraco,  den  Ehrennamen: 
Papa,  Vater  —  hatte. 

§.  14. 

Sicher  aber  stammt  das  Wort:  Romensis  (für  Romanos)  nicht  ans 
liom.  Dieser  Ausdruck  stammte  ferner  nicht  aus  Gallien,  nicht  aus 
Africa,  nicht  aus  Südspanien,  denn  dort  sagte  man  stets:  y^Papa  ro- 
manus^  ecclesia  roniaiia*' -).  Dieses  so  ganz  und  gar  anomale  und  abnorm 
Wort  kommt  nur  in  der  Tiirraconensisehen  Provinz  vor.  Auf  diesi 
Wortbildung  konnte  nur  derjenige  fallen,  in  dessen  Ohren  die  Eudiniu;: 
ensis  —  bestandig  lag,  nur  derjenige,  bei  welchem  die  Provinz,  wie 
die  Stadt,   in  der  er  lebte,  diese  Endung  hatte.     Diess   trifft   bei    dco 


•• 


*)  Dicat  Presbyter:  Offerunt  Deo  Domino  oblationem  Sacerdotes  nosfri: 
Papa  Romensis  et  reliqui  pro  se  et  pro  mnni  clero  ac  plehihus  pcx'.lesie  sibinnt 
consignatis:  vel  pro  universa  fratemitaie:  item  offerunt  universi  Preslniferi 
Diaconi  Clerici  ac  popvli  ctrcvmstantes :  in  honorem  sanciorum  pro  sp  ci 
suis,    f^,  Chorus:  Offerunt  pro  se  et  pro  universa  fratemitate, 

*)  Der  Codex  Bobbiensis  (Bobbio),  in  dem  MdbUlon  den  litcl  fand:  Mis^n 
Romensis  cottidiana,  ist  eine   Sammlung  verschiedcntr  Messformulare ,   darunter 
wohl  auch  des  spanischen ,  wenigstens  enthält  es  einzelne  AnezFige  aiiB  unserm  J//.«- 
Hole  (Ijeslei,  Praef,  nr,  297).    Oder  —  es  ist  die  analopo  Bildung  von  Baiiftün 
sin  und  Romensis,  woraus  sieh  das  Wort  erklärt. 


Born  und  Tarraco.  205 

Städten  Barcino,  Lerida^  Gerona,  Leon,  Astorga  and  Tarraco  zn.  Ein 
Einwohner  von  Tarraco  hatte  sich  an  die  Form:  TairraeonenHs  ans- 
schliesslich  gewohnt,  und  die  Endung  (Romjaims  lag  nicht  in  seinem 
Ohre.  So  ist  es  zwar  auffallend,  aber  doch  erklärlich,  wie  der  Ueber- 
sezer  und  Erweiterer  der  von  Rom  gekommenen  Liturgie  den  „Papa 
Romerms^  y  und  nicht  „Rcmanua^  in  dieselbe  brachte.  Allmählig  ge- 
wohnte man  sich  an  diese  Form.  Der  ^Popa  Romensis^  blieb  in  der 
Liturgie  Jahrhunderte,  nachdem  sie  nach  Toledo  gekommen.  Aber 
wäre  die  Liturgie  von  Toledo  ausgegangen,  oder  dort  übersezt  worden, 
so  hätte  der  übersezende  TolCdttUCr  sicher  den  „Papa  Rcmanus^  an 
die  Stelle  des  ^Romensia^  gesezt 

§.  15. 

Auf  Tarraco,  als  den  Ausgangspunkt   dieser  Liturgie,  weist  die  Epipbi 
Antwort   des   Papstes  Damasus   an  den  Metropoliten  Himerius  dieser  ^^  ™^ 
Stadt  vom  Jahre  385  hin.     Der  Papst  verbietet,   zu  anderer  Zeit,   als  f^nu, 
an  Ostern  und  Pfingsten,  die  Taufe  zu  spenden.    In  Spanien   geschah 
diess  an  Weihnachten,  besonders  an  Epiphanie,  und  an  verschiedenen 
f>esten.    Aber  die  Festmesse  dieses  Tages  fängt  an:    „Ihr,  die  ihr  in 
Christus  getauft  seid,  habet  Christum  angezogen,  Alleluja^  ^).  Der  Messe 
war  die  Taufhandlung  vorausgegangen,  und   die  Liturgie  beruft  sich 
darauf,  dass  Christus  an  diesem  Tage  oder  in  diesen  Tagen  im  Jordan 
sich  habe  taufen  lassen^).   —   Woher   die   Spanier  diese   Gewohnheit 
nahmen,  wissen  wir  nicht.     Aber  die  Liturgie  des  Tages  bestätigt  die 
Rüge,  welche  Papst  Damasus  gegen  den  Bischof  von  Tarraco  ausspricht. 

§.  16. 

Die  Uebersezung  der  Liturgie  aus  der  griechischen  Sprache  deu- 
ten einige  Ausdrücke  in  derselben  an.  Unser  „Sanctus^  nach  der  Prä-  Bagio». 
fation  heisst  in  dieser  Liturgie:  „Affios^  (i.  e.  Sytog)^).  Der  griechische 
Ausdruck  wurde  in  ähnlicher  Weise  beibehalten,  wie  wir  bis  zum 
heutigen  Tage  in  der  romischen  Liturgie  das  „Kyrie  deison^  bei- 
behalten haben  als  eine  der  lezten  Erinnerungen,  'dass  auch  die  römische 
Liturgie  ursprünglich  in  der  griechischen  Sprache  gehalten  wurde.  — 
In   den   Martyracten   der  heiligen   Perpetua   und  Felicitas  finden  wir 


')  K.-G.  na,  427. 

')  sive  quod  aquas  baptümate  suo  ad  omnium  gentium  lavoHonem  Jor- 
danis  alveum  sanctificaturus  intrami. 

*)  Der  Chor  spricht  dreimal:  Ägyos,  agyos,  agyosf  Domine  Deus  rex 
eteme  tibi  lattdes  et  gratias. 


r  ■- 


906  Achtes  Baeh.    Eüftes  KqiiteL 

gleichfidls,  dass  um  daa  Jabr  202  die  Kirche  von  Karthago  in  ihrer 
Liturgie  nicht  8anetu$,  aondem  noch  „Agioi^  sprach,  ein  Wort,  das 
die  Idee  der  göttlichen  Heiligkeit  besser  auszudrücken  scheint. 

§.  17. 

In  der  Commemoration  der  Abgestorbenen  wurden  in  der  Kirche 
SU  Toledo  genannt  die  seligste  Jungfrau^),  Zacharias,  Johannes,  die 
Unschuldigen,  die  zwölf  Apostel,  Marcus  und  Lucas  (und  alle  Mär- 
tyrer). Dann  spricht  der  Priester:  Femer  für  die  Seelen  der  (im 
Herrn)  Ruhenden*),  des  EBlarius,  Athanasius,  Martinus,  Ambrosios, 
Augustinus,  Fulgentius  (von  Astigi),  Leander,  Isidor,  dann  der  Bischöfe 
von  Toledo,  die  aber  sehr  ungeordnet  durch  einander  stehen,  und  unter 
denen  Meletius,  Asturins,  Montanus,  Justus,  (Eugen  I.),  Eugen  L 
und  Eugen  IL,  Udefons,  Quiricus,  Sinifredus,  Cixila,  Eulogios  u.  a. 
w*A»-  sich  nicht  befinden.  —  Der  Chor:  Und  aller  Entschlafenen^).  Der  grie- 
chische Ausdruck  (naimcLfUvmv  oder  igavoiUvwv)  ist  hier  wörtlich  über- 
tragen. Entsprechend  dem  Zeitwort  hat  der  Uebersezer  das  Ebuptwort 
foataHo  gebildet. 

Den  Ausdruck  ffpauBnare^  und  „pauBcUio^  finden  wir  nicht  im 
sfidlichen  Spanien,  woU  aber  ausserhalb  Spaniens^).  In  den  spaten 
Synoden  von  Tarraco  kommt  der  Ausdruck  nicht  mehr  vor.  In  der 
uns  Torliegenden  Liturgie,*  d.  i.  in  den  einzelnen  Messen  „de  tempart^ 
und  „de  eanctW  wechseln  die  Ausdrücke:  „pausantes^  und  „defuneti* 
(auch  „sqpulH^)^  so  dass  das  leztere  Wort  vorwiegt.  Zuweilen 
stehen  beide  neben  einander.  In  der  Festmesse  der  heiligen  Eulalia 
von  Emerita  (10.  December)  wird  gebetet  fiir  die  Verstorbenen  um 
den  Trost  der  ewigen  Kühe  mit  den  Worten:  „et  d^functis  eterne  pau- 
eitHonis  solatium^,  —  In  der  Messe  des  Papstes  Clemens  bitten  sie: 
„pro   spiritibus  fiddium  requiem  defunctorum^^^;    in    der   Messe   der 


r. 


')  gloriose  Sande  Marie  virginis. 

*)  Item  pro  spiritibus  pausantium. 

')  ihres  Hosius  gedenken  sie  nicht. 

*)  ei  omnium  pausantium. 

*)  Bei  Ducange  stehen  8  Beispiele,  n.  a.  aus  Commodian.  und  Cassian, ;  aoi 
einer  Grabschrift,  und  auch  vom  heiligen  Bonifacios  heisst  es  „pausai**  (in  Folds). 
—  In  den  romanischen  Sprachen  bedeutet  „pausar^  nie  (im  Grabe)  rohen.  - 
Cf.  Dietz,  Wörterbuch  der  romanischen  Sprachen,  2.  Aufl.  1861,  I,  S.  310. 

*)  Leshi  meint,  diese  Messe  sei  zorZeit  der  Völkerwanderung  entstanden.  — 
In  den  von  Mone  edirten  gallischen  Messen  heisst  es:  „spiritus  quoque  carorum 
nosirorum  laetis  sedüms  conquiescant.**  In  Missa  III:  „recitatis  nominilmt 
drfun/dorum,**.  Missa  IV:  „d^functorum  fiddium  animae''.  Missa  VI:  „de- 
flmcU''  et  „sepuUi".    Missa  XI:   „d^fvnctorum  spiritus".     Fr.  Jos.  Mone, 


I 


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Kanon  der  Messe.  —  Isidor  über  die  Litorgie.  207 

£piphanie:  „refrigerium  quietis  defuncHs  accumtda^.  In  der  Vigü  vor 
Pfingsten  heissen  die  Abgeschiedenen:  „die  Unsrigen,  die  schon  im 
Tode  uns  vorangingen**  (nostri,  gut  jam  a  sectdo  precesB&runC).  In  der 
Messe  der  Siebenmänner  heissen  sie:  „alle  Verstorbenen**  (pro  defunctia 
Omnibus);  ebenso  in  den  zwei  Messen  der  heiligen  Justa  und  Rufina. 
In  der  apostolischen  Messe  heissen  die  Todten:  pausarUes,  auf  der 
Synode  zu  Elvira  (306)  aancti,  und  spater  gewohnlich  defuncti, 

§.  18. 

Die  tagliche  Messe,  d.  i.  die  ursprüngliche,  welcher  die  äbrigen 
nachgebildet  sind,  oder  der  Kanon  der  Messe  heisst  gewöhnlich:  Miasa 
(omnitmi)  offerentium,  zuweilen  Missa  apostolorum,  Misaa  b.  Jacobi 
apostoli,  Missa  Septemmrorvm,  auch  Messe  auf  den  ersten  Adventsonn- 
tag; femer:  „Missa  cotidiana  Romensis'^,  tagUche  römische  Messe,  d.  i. 
Kanon  der  „Messe**,  der  von  Rom  kam. 

In  der  Fürbitte  fiir  die  Lebendigen  werden  neben  den  Presbytern  «uaaoiif 
die  Diakonen  genannt»    Sie  heissen  diac(h)oni.    In  sämmtlichen  spätem    ™f 
spanischen  Concilien  heissen  aber  die  Diakonen:  diacones.    Diese  Form 
(diacones)   erscheint  zuerst  in  der  ersten  Synode  zu  Toledo  (400).    In 
Elvira  finden  wir  noch  die  Form:  diaconi.    Wir  folgern  demnach,  dass 
der  Messkanon  frühem  Ursprungs  sei. 

§.  19. 

Die  Liturgie  der  drei  nördlichen  spanischen  Provinzen  leiten  wirsodtp«« 
demnach  von  Tarraco  her,  wohin  dieselbe  vor  dem  Jahre  259  aus  ^^^ 
Rom  gekommen,  und  wo  sie  mit  Abänderungen  in  das  Lateinische 
übersezt  wurde  ^).  Es  scheint  uns  aber  wahrscheinlich,  dass  dieselbe 
römische  Liturgie  (etwa  über  Carthagena  oder  Cadix)  in  den  Süden 
von  Spanien  früher  gekommen  sei,  weil  der  Süden  schon  viel  früher 
Bischöfe  und  christliche  Gemeinden  hatte,  als  der  Norden.  —  Wir  sind 
aber  nicht  im  Besize  der  Liturgie  des  Südens.  Wir  können  nur  aus 
der  Schrift  Isidors:  „über  die  kirchlichen  Officien**  Schlüsse  auf  die 
Liturgie  des  Südens  machen. 

Von  den  Responsorien  sagt  er,  sie  stammen  aus  Italien. 


Lateinische  und  griechische  Messen  aus  dem  zweiten  bis  sechsten  Jahrhundert,  1850, 
S.  17—38.  —  Schon  bei  Tertallian  kommen  die  Todtenmessen  unter  dem  Titel  vor: 
Saerificium  pro  spirittt,  oder  pro  anima  (das.  S.  82).  —  de  exfiortat.  castitatis, 
c.  11.  —  de  monogamia  cp,  10  (annuis  diebus  dormitionis  ejus). 

')  Ferd.  Probst,  Lehre  und  Gebet  in  den  drei  ersten  christlichen  Jahrhunder- 
ten, 1871,  S.  314. 


208  Achtes  Buch.    Eilftcs  Kapitel. 

wdorn.  Von  dem  Allelnja  sagt  er,    dass  es  in  Africa   nur  an  den  Sonn- 

turgie.  ^^S^^j   ^°d  ^  Tage   nach  Ostern  gesungen  werde  ^);    in  Spanien  aber 

^nach  der  alten  spanischen  Ueberlicferung^  das  ganze  Jahr,  ausser  der 

Fastenzeit:  ^denn  es  steht  geschrieben:  allzeit  sei  sein  Lob  in  meinem 

Munde^. 

Die  Ordnung  der  Messe  aber,  und  der  Orationen,  durch  welche 
das  Gott  dargebrachte  Opfer  consecrirt  wird,  Ist  ZUCrst  TOD  dCID  ll6l- 
llgen  Petras  eingenUhrt  worden,  deren  Feier  zu  einer  und  derselben 
Zeit  der  ganze  Erdkreis  begeht*).  Die  romische  und  apostolische 
Messe  also  hat  auch  Spanien  erhalten,  aber  ihre  Beschreibung  bei 
Isidor  weist  einige  Verschiedenheiten  von  der  nordspanischen  Liturgie 
auf,  die  sich  in  unbestimmter  Zeit  gebildet  haben.  Sieben  Oratio- 
nen zählt  Isidor,  7  hatte  auch  Toledo^  die  Beschreibung  im  Einzelnen 
passt  aber  nicht  ganz. 

Das  heilige  Messopfer  fui'  die  Ruhe  der  abgeschiedenen  Gläubi- 
gen darzubringen  oder  far  sie  zu  beten,  weil  diese  Sitte  auf  dem  ganzen 
Erdkreise  besteht,  so  glauben  wir,  dass  diess  von  den  Aposteln  selbst 
überliefert  ist').  Auf  eine  nähere  Beschreibung  der  heiligen  Messe  aber 
geht  Isidor  nicht  ein.  —  Ueberhaupt  enthält  sein  Werk  wenig,  was 
uns  nicht  von  anderer  Seite  schon  bekannt  wäre. 


§.  20. 

Nord-  Wir  nehmen  an,    dass   die  Messliturgie   zu    verschiedenen  Zeiten 

°*  ®,***'' von  Korn  nach  Süd-  und  Nordspanien  gekommen,  dass  bie  clarnm  bei 

Bpanien.     ^  ^  .... 

einzelnen  Diflferenzen  —  dieselbe  war  und  blieb,  wir  bcsizen  aber  nui* 
die  nach  Nordspanien  gekommene.  Leander  von  Sevilla  hat  nach  dem 
Zeugnisse  Isidor's  —  gleichsam  die  ganze  Liturgie  neu  bearbeitet^). 
Aehnliches  wird  von  Isidor  wenigstens  nicht  bezeugt. 

Der  uns  erhaltene  „Ordo  Missae*^  aber  kam  von  Rom  nach  Tar- 
raco,  und  wurde  dort  vor  259  aus  dem  Griechischen  übersezt.  —  Um 


*)  Isidor,  de  ecdes.  ofßc.  1,  9, 

')  Ordo  atUem  missae,  et  orationurriy  quibics  oblata  Dco  sacrificia  con^e- 
crantur,  primum  a  sancto  Pttro  est  institutus,  cujus  celebrationein  uno  eodem 
que  inodo  universus  peragit  orhis.  —  l.  /,  15,  — -  Lvd.  Aug.  Hoppe,  Die  Ejti- 
clesis  der  orientalischen  Liturgiceu  und  der  röm.  Consecrations-Kanon,  18»  14,  S.  7»V 

')  Sacrificium  pro  defunctorum  fidelium  requie  offerrc,  vel  pro  eis  oran\ 
quia  per  totum  hoc  orbem  custoditur,  credimus  quod  ab  ipsis  apostoUs  traditum 
»iL  Hoc  enim  vbique  catholica  tenet  eoclesia  quae  nisi  crederd  fidciibu^  de- 
functis  dimitti  peccaJta,  non  pro  eorum  spiritibus  vel  eleemosynam  faceret,  vel 
sacrificium  Deo  offerret  —  F,  Propst^  l.  c.  p.  334— 3S9, 

*)  Isidor,  de  viris  illustr.  cp.  41.  In  ecclesiasticis  nfficiis  non  pan^^ 
laboravit  studio:  in  toto  enim  PsaUerio,  duplici  Editione,  orationes  coinposuit, 
in  sacrificio  quoque  laudihus  atque  Psalmis  multa  dulci  sano  composuit. 


Isidor  und  die  Utargie.  209 

das  Jahr  400  blühte  der  grosse  Dichter  Aurelius  Prudentins  Clemens, 
dessen  kirchliche  Hymnen  in  und  ausserhalb  Spaniens  in  allen  Kirchen 
und  im  kirchlichen  Dienste  Eingang  fanden:  vielleicht  zu  gleicher  Zeit 
der  Bischof  Petrus  von  Lerida,  ^der  for  verschiedene  Feste  Orationen 
herausgab,  sowie  Messen  von  eben  so  schönem  Inhalt,  als  klarer 
Sprache^  ^).  Zwei  Jahrhunderte  später  machten  sich  Johannes  von  Sara- 
gossa und  Conantius  von  Palentia  in  gleicher  Weise  verdient^). 

Die  Kirche  von  Toledo  nahm  in  ihr  Missale  und  PsdUerivm  die 
Officien  der  nordspanischen  Heiligen  ohne  Veränderung  auf,  ob  auch 
die  südspanischen  und  ausserspanischen  ebenso  unverändert,  können 
wir  nicht  ermitteln.  —  Wiederhersteller  und  Verbesserer  der  Toletani- 
schen  Liturgie  im  siebenten  Jahrhundert  waren  Eugen  H.  und  Ildefons. 
Gleichsam  die  lezte  Hand  an  dieselbe  hat  Julianus  von  Toledo  gelegt 
Wenn  man  irgend  Jemand  den  Vater  oder  Verfasser  der  mozarabischen 
Liturgie  nennen  will,  so  gebührt  ihm  dieser  Name^).  Ihm  gebührt 
hiefiir  volle  Anerkennung,  um  so  mehr,  wenn  man  die  eigentlichen 
Officien  der  Toletanischen  Kirche  mit  den  von  andern  Kirchen  ent- 
lehnten vergleicht,  die  nicht  selten  an  Form  wie  an  Inhalt  mangel- 
haft sind^). 


')  Da  es  i'd  der  Messe  des  heiligen  Martin  von  Tours,  der  lezten  des  Mis9aU 
der  Zeit  nach,  heisst:  Nunc  virvm  quem  aetatis  nostrae  tempora  protulenmt,  ju- 
beas  auxilium  nostria  Jerre  temporibus.  Bona,  verum  lüurg.  1. 1.  cp.  11,  Beet.  1, 
—  Petr.  le  Brun,  Explicat  Missae,  t  IL  p.  284,  so  kann  Petrus  deren  Ver- 
fasser sein. 

'}  IIb,  75  und  138. 

')  Item  librum  Missarum,  de  toto  circulo  anni,  in  quatuor  partes  divisum, 
in  quibus  aliquas  vetustatis  incuria  vitiat<is  et  semiplenas  emendavit  atque 
eomplevit;  item  librum  orationum  de  festimtatxbus  anni,  quas  Toletana  ecote- 
sia  per  totum  circulum  anni  est  solita  celebrare,  partim  stylo  sui  ingenii  de- 
promptum,  partim  corredum,  in  unum  congessit,  atque  Ecclesiae  Dei  usibus, 
ob  amorem  reliquit  sanctas  religionis.  Felix  —  in  appendice  ad  Ildefons. 
de  viris  illustr.,  cp.  16, 

*)  Die  Literatur  s.  oben,  K.-G.  I,  84—85;  102;  vgl.  L.  Äug.  Hoppe,  die 
EpiMesis,  Schaffh.  1864,  p.  76—92  (die  mozarabische  Liturgie). 


OaBU  y  iimn.  Kirche.  II.  8.  14 


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v. 

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1*1 


Zwölftes  Kapitel. 

Me  Ilrdie  von  f  oledo  anil  die  KIrehe  von  Spanien.  — 
Die  linshe  ? on  Spanien  und  die  Urehe  von  Itom. 

§.  1. 

Toledo  wird  im  Jahre  306  znerst  als  Bisthom  genaont.  Wieder 
tritt  es  im  Jahre  400  aos  dem  Dunkel  hervor  durch  die  erste  wegen 
der  Priscillianisteii  dort  gehaltene  Synode.  Toledo  war  die  am  meisten 
in  der  Mitte  Spaniens  gelegene  Stadt  und  ist  es  anch  heute  noch, 
ond  darum  zu  Synoden  die  gelegenste.  Wegen  ihrer  centralen  nnd 
festen  Lage  wurde  sie  anch  Hauptstadt  des  Reiches  der  Westgoth^, 
dessen  Eonige  znerst  in  Toulouse  und  dann  eine  Zeit  lang  in  Bar- 
celona residirten.  Zuerst  war  es  Montanus  von  Toledo,  welcher 
nach  der  Würde  eines  Metropoliten  strebte.  Aber  nur  die  Bis- 
thümer  von  Carpetanien  oder  Neu-Castilien  Hessen  sich  zu  dieser  An- 
erkennung herbei.  Als  Leovigild  von  Toledo  aus  ganz  Spanien  be- 
herrschte^ stieg  auch  die  kirchliche  Bedeutung  dieser  Stadt;  noch  mehr, 
als  sein  Sohn  Beccared  Katholik  wurde  und  als  die  dritte  Synode  von 
Toledo  (689)  die  kirchliche  Einheit  Spaniens  aussprach  und  besiegelte. 
Weil  aber  der  Bischof  Euphemius  von  Toledo ,  der  Wahrheit  Zeug- 
niss  gebend,  sich  nur  Metropolit  von  Carpetanien  nannte,  und  weü 
Toledo  nicht  seit  der  Bildung  der  Provinz  Carihaginensis  Metropole 
gewesen  war,  entstand  ein  langer  Streit  und  ein  Schisma,  indem  nicht 
wenige  Bischöfe  der  Provinz  sich  weigerten,  Toledo  als  Metropole  an- 
zuerkennen. Um  diesen  Streit  zu  beendigen,  erstrebte  und  erwirkte 
Bischof  Aurasius,  der  Nachfolger  des  Adelphius,  dass  fast  alle  Bischöfe 
der  Provinz  in  der  Erklärung  sich  vereinigten,  ihn  und  seine  Nach- 
folger als  ihren  Metropoliten  anerkennen  zu  wollen,  dass  König  Gun- 
deikiar  in  einem  sehr  strengen  Decrete  dasselbe  aussprach,  und  gegen 
die  Widerstrebenden    mit    den    schärfsten  Massregeln    drohte,    dass 


Der  Primas.  211 

endlich  auch  vier  andere  Metropoliten  und  sehr  viele  Bischöfe  der  an- 
dern Provinzen  dieser  Erklärung  zustimmten^). 


§.  2. 

Auf  der  vierten  Synode  zu  Toledo  erscheint  Justus  unbestritten 
als  Metropolit  der  Carthaginensischen  Provinz.  —  Doch  unterzeichnet 
Isidor  tfls  der  älteste  der  sechs  Metropoliten  zuerst.  Justus  erscheint 
als  der  vierte  Metropolit^).  Es  war  aber  noch  kein  Jahr  verflossen, 
seitdem  er  seine  Würde  erlangt  hatte.  Auf  der  fünften  Synode  ist 
Eugen  I.  der  einzige  anwesende  Metropolit;  er  ist  ^durch  Gottes  Er- 
barmen Metropolitanbischof  der  Toletanischen  Kirche''.  Auf  der  sechs- 
ten Synode  (638)  steht  der  älteste  Metropolite,  Selva  von  Narbonne, 
voran.  Aber  weil  er  sich  als  blosser  Bischof  unterschreibt,  folgen  die 
andern  vier,  und  folgt  Eugenius  als  der  dritte  seinem  Vorgänge,  er 
ist  blosser  „Bischof*. 


§.  3. 

Florcz  hat  nachgewiesen,  dass  auf  der  siebenten  Synode  des  Toiado 
Jahres  646  Eugen  II.  schon  Bischof  war.  Hier  tritt  der  auffallende  •^[^•^ 
Umstand  ein,  dass  Orontius  von  Merida  und  Antonius  von  Sevilla 
sich  Metropolitanbischüfe  nennen,  dass  aber  Eugen,  als  der  dritte, 
sich  nur  als  Bischof,  nach  ihm  aber  Protasius  wieder  als  Metropolitan 
von  Tarraco  unterzeichnet.  Florez  meint,  dass  überhaupt  hier  eine 
Verwirrung  in  die  Unterschriften  gekommen,  da  Protasius  vor  Euge- 
nius stehen  müsse  ^).  Dagegen  bei  der  achten  Synode  des  Jahres  653 
stehen  die  vier  anwesenden  Metropoliten  als  solche,  und  an  dritter 
Stelle  Eugen  IL  als  „Metropolitanbischof  der  königlichen  Stadt^.  In 
der  nächsten  (neunten)  Synode  erscheint  er  in  derselben  Eigenschaft. 
Schon  im  folgenden  Jahre  (656)  ist  er  unter  drei  Metropoliten  der 
älteste,  und  unterschreibt  sich  als  „unwürdiger  Metropolit  des  Toleta- 
nischen Sizes^;  es  folgen  Fugitivus,  „unwürdiger  Metropolitanbischof^ 
von  Sevilla,  Fructuosus,  „unwürdiger  Metropolit**  von  Bracara«  Lez- 
terer  war  eben,  ersterer  im  Anfange  desselben  Jahres  erwählt  worden. 
Aus  einem  „Bischöfe**  im  Jahre  646  war  also  Eugen  IL  im  Jahre  656 
wenigstens  erster  d.  i.  ältester  Metropolit  geworden. 


')  Die  Aechtheit  der  hieher  gehörigen  Actenstficke  ist  mehrfach  and  neae- 
stens  wieder  von  (Helfferich  and)  FeL  Dahn  angestritten  worden. 
«)  IIb,  101. 
•)  Espana  sagrada,  VI,  187, 


•<  j  * 


218  Aditea  Baoh.    Zwölftes  Kapitel. 

Bnmiio  Aber  grosse  Ereignisse  treten  nicht  plözlich   ein;   sie   kündigen 

^gBU^sicli  dorcli  Vorzeichen   an^  und   bereiten   sich   allmälig   vor.    Bischof 

Branlio   von   Saragossa   liebte  seinen   Archidiakon  Eugen  wie   seinen 

Sohn.    Als  Engen  aber  Erzbischof  von  Toledo  geworden ,   so    schreibt 

ihm   Branlio    „als    seinem    vorzugsweisen   Herrn,    dem    Engen,    dem 

PrfniBg   der  Bischöfe*^  ^).    War  es  eine  Schmeichelei,   welche  Branlio 

dem  Engen  ü.  sagte,   oder  war  es  der  Ansdrnck  der  Realität?    Wir 

haben  mehrfach  gelesen,  dass  unter  Engen  IL  dem  Bischof  von  Toledo 

die  Wurde  eines   Primas   von  Spanien  übertragen  worden   sei»    Als 

Beweis  der  Primatie    wird  angefahrt,    dass   Isidor   von   Sevilla  den 

Bischof  (Honorius?)  vor  Corduba  vor  das  Gericht  des  Bischoüs  Hella- 

;;  dins  von  Toledo  gewiesen  habe^),  damit  er  abgesezt  werde.    Allein  — 

auch  Martianns   von  Astigi  ist  ohne  Zweifel  von   Isidor  und   seinen 

Soffiraganen   abgesezt  worden,   ohne  Dazwischentreten  von  Toledo«  — 

Anoh  heute  ist  bei  einer  Klagsache  gegen  einen  Erzbischof  oft  der 

r,  benachbarte  Bischof  die  erste  Instanz,  ohne   dass  er  deaswegen  über 

i  dem  Erzbischofe  steht.    In  diesem  Falle  aber  wollte  Isidor  wahrschein- 

^  lieh  nicht  selbst  richten,   weil  der  gefallene  Bischof  aus   dem  Klenis 

der  Elrche  von  Sevilla  war*).    Im  Jahre   636  aber   schreibt   er  an 

Bugen  L,  als  an  „seinen  liebsten  Herrn,  an  den  durch  Tugenden  her^ 

vorragenden  Bisehof  Eugenius^. 


■3-. 


§.  4. 

Sq.  Es  ist  wahr,  dass  auf  den  beiden  Synoden  von  655  und  656  Eugen 

'^^  allen  anderen  Bischöfen  voransteht*  Aber  die  daraus  gezogene  Folgerung} 
FriiDM.  dass  im  Jahre  653,  sei  es  vom  Papste,  sei  es  von  Konig  Receswinth,  sei  es 
von  der  achten  Synode  von  653,  ihm  der  Primat  von  Spanien  übe^ 
tragen  worden,  ist  nicht  gegründet*  Denn  er  unterschreibt  im  Jahre  655 
als  der  einzige  anwesende,  im  Jahre  656  ab  der  älteste  anwesende 
Metropolit^)«  —  unter  der  Regierung  des  Udefons  fanden  keine  (Jod- 
cilien  statt.  Man  ersieht  nur  aus  seinen  Schriften^  dass  er  an  deo 
Vorrechten  der  Ejrche  von  Toledo  festhält,  und  die  Vertheidiger  de^ 
selben  belobt.  Wir  haben  von  Quiricus  von  Barcelona  zwei  Briefe 
an  Bdefons.    In  der  üeberschrift  des  ersten  nennt  er  ihn  Bischof  des 


')  EtpaOa  sagrada,  XXX,  369.  ,J)omino  ringuUmUr  fMo,  EugeM 
PrimoK  Episeoporum,  Braiulio  aerous  inuHlis  aanUorum  Dei**. 

«)  Hb,  108. 

^  OognooimiU9  etiimHispäleniem  Corduhenria  eeelesiae  sacerdoiem  inpom- 
i^ficali  cuknine  eamali  labe  dilapwm.  Die  Adresse  ist:  DominU  meU  0t  Jki 
tervif  HMadio  coeferM^ue,  qui  cum  eo  sunt  eoiidunati  episcopis,  IMofnu* 

«)  ^loras,  VI,  284. 


Erhebung  und  Ueberhebung  von  Toledo.  213 

Sizes  von  Toledo.  Die  Ueberschrift  des  zvreiten  lautet:  „Dem  heiligsten 
Herrn,  und  dem  mir  ganz  besonders  angehörenden  Ildefons,  dem  Erz- 
bischof'^),  —  Man  sieht,  dass  Quiricus  nicht  so  ganz  schmeichelhaft 
schreibt,  wie  Braulio,  Ein  anderer  Quiricus  folgte  im  Jahre  667  dem 
Udefons  in  der  Regierung,  der,  gevnss  ein  würdiger  Bischof,  von  dem 
Ruhme  seines  Vorgängers  und  seines  Nachfolgers  verdunkelt  wurde. 
Er  salbte  im  Jahre  673  den  Wamba  zum  König.  Es  ist  diess  der 
erste  uns  bekannte  Fall  der  Salbung  eines  Königs.  Er  hielt  im  Jahre  675 
ein  Provinzialconcil,  welchem  keine  anderen  Metropoliten  anwohnten. 
Hier  nennt  er  sich:  Ich  Quiri^cus,  Metropolitanbischof  der  Königsstadt ^). 
Nach  den  Bischöfen  unterschreibt  der  ,,unwürdige  Abt''  Julianus,  der 
sechs  Jahre  später  „unwürdiger  Primas**  wurde. 

Zunächst  wurde  Julian  noch  unter  Wamba  Erzbischof  von  Toledo.  Joiütn 
Bald  darauf  erfolgte  die  schmähliche  Entthronung  Wamba's  durch  Erwig.  jj^* 
—  Ob  dabei  Julianus  in  das  Geheimniss  eingeweiht,  oder  in  irgend 
einer  Weise  dabei  betheiligt  war,  liegt  im  Dunkeln.  Neuere  Schrift- 
steller gehen  hierin  vielleicht  zu  weit.  Aber  die  abhängige,  die  pre- 
cäre  Lage,  welche  sich  Erwig  bereitet  hatte,  trug  zur  Erweiterung  der 
Macht  und  des  Einflusses  des  Julian  bei.  Ohne  Julianus  konnte  Erwig 
sich  nicht  halten.  Julianus  aber,  um  die  Auctorität  des  Königs  zu 
heben,  salbte  denselben.  Es  ist  diess  der  zweite  in  der  Geschichte 
erwähnte  Fall  der  Salbung  eines  Königs  durch  einen  Bischof.  Zwar 
bei  der  Taufe  des  Chlodoväus,  des  Königs  der  Franken,  soll  ein  Engel, 
nach  Andern  eine  weisse  Taube  —  das  Chrisma  vom  Himmel  gebracht 
haben.  Aber  es  war  das  Chrisma  zur  Besiegelung  und  Yollendimg 
der  Taufe,  es  war  die . „conßimatio  sacramenW.  Bei  Erwig  aber  war 
es  die  Salbung  zum  Könige,  welche  Julianus  vollzogt).  Die  katholi- 
sche Kirche  aber  wird  im  Allgemeinen  mehr  Einfluss  und  Blüthe  er- 
langen unter  Fürsten,  wie  Wamba  und  Karl  dem  Grossen,  welche  die 


*)  Damno  sanctissimo,  et  vere  mihi  spedaliter  pertinendo  Hdephonao  ar- 
chiepiscopo,  Quiricus  servtdtut  vester.  Hier  kommt  das  Wort:  „Erzbischof*  neben 
und  nach  (vielleicht  auch  etwas  vor)  der  Synode  von  Emerita  znm  zweiten  Male  vor 
(s.  oben,  S.  142). 

')  Ego  Quiricus  urbis  regiae  (al.  urbis  regiere  ecclesiae  sanctae  Mariae) 
mefrapolitanus  episcaptts  haec  gesta  synodica  a  nobis  definita  svJbscripsi, 

')  Ueber  die  Krönung  und  Salbung  der  Könige:  Histor.-polit.  BlStter,  Bd.  20, 
S.  221.  Bei  der  Salbung  Wamba's  soll  sich  Aehnliches  ereignet  haben:  nam  mox 
e  vertice  ipso,  ubi  oleum  ipsum  perfusumfueratf  exporatio  guaedamfiimo  simi- 
lis  in  modum  columnae  sese  erexit  in  capite,  et  e  loco  ipso  capitis  apis  visa 
est  prosiliisse.  Quod  utique  Signum  cuiusdam  felicitatis  secuturae  spedem  por- 
tenderet.  —  Vita  Wambae  regis,  cp.  4.  ap.  Florez^  VI,  544.  -—  Die  Beschreib- 
ung der  Salbung  gibt  indess  der  Vermuthung  Baum,  dass  dieselbe  schon  vor  Wamba 
stattgefunden  habe. 


214  Aditoe  Baoh.    Zwölftes  Kapitel 


sdiüsen,  ab  unter  Forsten,  welche  von  der  Ejrche   gescfanzi 
werden  müsaen,  wie  Erwig  und  Ludwig  der  Fromme. 
MiM«i  Bald  nachher  fimd  die  zwölfte  Synode  von  Toledo  statt  (681), 

welche  Julianus  unbedingt  leitete.  Zum  ersten  Male  heissen  hier  die 
Versammelten  JPontificeB^.  Hier  nun  —  steht  Julianus,  seit  Kurzem 
Erzbischoi^  vor  den  drei  andern  Erzbischöfen.  Bei  Surius,  Mariana, 
Morales  u.  a.  steht  vor  ihm  Jolianus  ron  Sevilla.  Doch  da  die  Mehr- 
zahl der  Handschriften  seinen  Namen  voranstellt,  so  sezen  die  neuesten 
Concilienaosgaben  ihn  an  erster  Stelle  als  ,9 Julianus,  unwürdiger  Me- 
tropolitanbischof  der  ELonigsstadt'' ^).  „Ich  glaube^S  sagt  Florez,  „dass  in 
der  That  Sanct  Julianus  in  diesem  (zwölften)  Goncil  die  Ehre  ausza- 
üben  begann,  Allen  voranzugehen  ohne  Rücksicht  auf  das  höhere  Alter 
(der  Ordination);  und  wenn  ich  dieses  beweise,  so  scheint  es,  dass 
nicht  bloss  die  Codices f  welche  ihn  als  Prilsidenten  darstellen,  eine  neue 
Kraft  erlangen,  sondern  dass  auch  der  Ehrenvorrang,  um  den  es  sidi 
handelt,  eine  neue  Stüze  erhalten  wird^.  Dann  meint  er,  Julianas 
habe  vermöge  eines  seinem  Size  inhärirenden  Vorrangs  den  Vorsix 
geführt  Da  aber  Julian's  Vorgänger  diesen  Vorrang  bis  jezt  nicht 
entdeckt  hatten,  so  wäre  Julianus  zwar  nicht  der  Gründer,  aber  doch 
der  Erfinder  der  Primatie  von  Toledo ,  was  der  Substanz  nach  dasselbe 
ist  —  Auf  dieser  Synode  sind  allerdings  die  entscheidenden  Schritte 
zur  Erklärung  der  Primatie  geschehen.  Aus  diesem  Grunde  finden 
wir  im  Anhange  an  diese  Synode  das  berühmt  gewordene  Decret  des 
Königs  Grundemar  vom  Jahre  610  über  den  Vorrang  Toledo's  vor 
jedem  Bisthume  der  Carthaginensischen  Provinz,  einen  Vorrang,  wel- 
chen der  König  „die  Ehre  des  Primates^  gemäss  der  alten  Auctorität 
der  Synode  nennt  ^). 

§.  5. 

joitaB  Julianus   war  dem  König  Wamba,   so   lange   er   regierte,   ohne 

J*^l.  Zweifel  sehr  zugethan.  Sicher  hatte  Wamba  ihn  auf  den  Stuhl  vos 
Toledo  erhoben,  welchen  er  8Vf  Monate  vor  der  Entthronung  Wamba'i 
bestieg.  Desswegen  ist  auch  die  Sprache,  welche  Julianus  und  seioe 
Synode  gegen  den  nun  unschädlich  gemachten  Wamba  führte,  auffid- 
lend.  Es  wird  dem  Wamba  als  furchtbares  Verbrechen  angerechnet, 
dass  er  in  Aquis  und  in  der  Vorstadt  von  Toledo  einen  Bischof  ein- 
sezen  liess     Aber  welchem  der  folgenden  Könige  wird  es   zum  Vo^ 


•)  FhreiL,  71,  286^287. 

^  Aber  ans  der  Synode  unter  Montanns  ISsst  sich  dieser  Primat  nicht  ab- 
leiten, hOohstenSy  dass  Montanns  den  Primat  angestrebt  habe.  —  In  diesem  Decret 
hiisst  der  Bischof  von  Toledo  wirklich  ,,Prima8". 


Jaliamifl  wird  Primas.  215 

warfe  gemacht,  dass  sie  Bisthümer  gründeten,  welche  nach  einiger 
2ieit  wieder  eingingen  (wie  Simancas,  Valpuesta,  Oca  [zum  zweiten 
Mal  gegründet],  Ribagorza,  Pallas,  Roda  u.  a.)?  Wamba  aber  hat 
einerseits  aus  Leichtsinn,  anderseits  mit  seinem  gewohnten  Eigensinn 
(cum  consuetis  ohstinationibiis)^'^  vielmehr  Hartnäckigkeit  gehandelt,  und 
dieses  ist  eine  „insolente  Frechheit  der  Verstörung"  *)  von  Seite  Wamba's 
gewesen,  der  indess,  so  lange  er  regierte,  keinen  Tadel  oder  Widerstand 
erfuhr,  und  gegen  den  Julianus,  der  Leiter  dieser  Synode,  sicher  vor 
dem  14.  October  680  keine  so  „gar  wenig  höfliche"  Sprache  ge- 
fuhrt hätte« 

Julianus  wirft  ihm  vor,  dass  er  durch  „insolente  Frechheit"  die 
Ordnung  der  Kirche  „verstört"  habe.  Wir  glauben  nicht,  dass  Wamba. 
die  „Verstörung"  der  kirchlich^  Ordnung  zugegeben  hätte,  welche 
Julianus  gleichzeitig  wagte  und  durchsezte,  zu  welcher  König  Erwig 
und  sämmtliche  Bischöfe  Spaniens  ihr  „Placet^  ertheilten.  Sogleich 
nach  der  „Abwandlung"  des  Königs  Wamba  wird  der  ;,grundstürzende" 
Kanon  vorgelegt: 

„Auch  das  hat  sich  uns  nach  gegenseitiger  Besprechung  zur  Be-  jaiunv 
schlnssfassung  dargeboten^),  dass  in  einigen  Städten  bei  dem  Ableben  ^[[J^„ 
des  Bischofs,  während  die  Ordination  des  Nachfolgers  lange  verzögert 
wird,  die  heiligen  Officien  keinen  geringen  Schaden  erleiden,  und  ein 


0  principem  amsilio  levitaiis  agentem,  cum  consuetis  obstinationibus  de- 
finisse  —  pro  tarn  insolenti  hujusmodi  disturbationis  licentia  —  etc. 

*)  lüud  quoque  collaiione  mutua  decemendum  nobis  occurrit,  quod  in 
quibusdam  citritatibus  decedentibus  episcopis  propriis,  dum  differtur  diu  ordi- 
natio  successor^y  non  minima  creatur  et  officiorum  divinorum  offensio,  et  ecde- 
sictstiasticarum  rerum  nocitura  perdüio,  Nam  dum  longe  lateque  diffusa  tractu^ 
terrarum  commeantum  impeditur  cderitcLS  nuntiorum,  quo  aut  non  queat  regiis 
auditibus  decedentis  praesvlis  transitus  innotesci,  aut  de  successore  morientis 
episcopi  libera  principis  electio  prciestolari,  nascitur  saepe  et  nostro  ordini  de 
relatione  taliüm  difßcuUas  et  regiae  potestati,  dum  consulium  nostrum  pro  sub- 
rogandis  pontificibus  susHnet  injuriosa  necessitas.  ünde  placuit  omnibus  pon- 
tifidbus  Hispaniae  atque  OcUliae  (in  drei  Codices  fehlt:  Qxdliae),  ut  salYO  pri- 
Tilegto  uniuscujiisque  provinciae  licitum  maneat  deinceps  Toletano  pontifici 
quoscunque  rtgalis  potestas  elegerit  et  jam  dicti  Toletani  episcopi  Judicium 
dignos  esse  probaveritf  in  quibuslibet  provinciis  in  praecedentivm  sedium  prae- 
ficere  praestdeSf  et  decedentibus'  episcopis  eligere  successores:  ita  tarnen ,  vt 
quisque  iUe  fuerit  ordinatus,  post  ordinationis  suae  tempus  infra  trium  Tnen- 
sium  spatium  proprii  metropolitani  praesentiam  visurus  accedat,  qualiter  ejus 
auctoritate  vel  disdplina  instructiu  condigne  susceptae  sedis  gubemacula  teneat, 
Qy>od  si  per  desidiam  aut  neglectu  quolibet  constituti  temporis  metas  excesserü, 
quibus  metropolitani  sui  nequeat  obtutibus  praesentari,  excommunicatum  se  per 
omnia  noverit,  eoccepto  si  regia  jussione  impeditus  se  esse  probaverit  Hanc 
quoque  definitionis  formulam,  sicut  de  episcopis,  ita  et  de  caeteris  ecclesiarum 
rectoribus  placuit  observandam. 


216  Achtes  Bach.    Zwölftes  Kapitel. 

verderblicher  Verlust  den  kirchlichen  Dingen  erwächst.  Denn  da  bei 
der  weiten  Ausdehnung  des  Landes  unmöglich  die  Boten  schnell  hin- 
und  zurückgehen  können,  so  dass  der  König  sehr  spät  den  Tod  des 
verstorbenen  Bischofs  erfährt,  oder  die  freie  Wahl  des  Nachfolgers 
durch  den  Fürsten  auf  sich  warten  lässt,  so  erwächst  oft  unserm 
Stande  aus  solcher  Verzögerung  (vielleicht  aus  der  Berichterstattung  in 
solchen  Fällen)  eine  Schwierigkeit,  so  wie  auch  der  königlichen  Macht, 
(den  Bischof  zu  wählen) ,  da  unser  Gutachten  für  die  Bischofswahlen 
abgewartet  wird,  ein  gehässiger  Nothstand.  Darum  hat  es  allen  Bi- 
schöfen von  Spanien  und  Gallien  gefallen,  dass,  OübCSChadCt  der  Pri- 
vilegien jeder  Provinz,  es  hinfort  dem  Toletanischen  Pontifex  erlaubt 
sein  solle,  alle  Jene,  welche  die  königliche  Gewalt  (zu  Bischöfen)  er- 
nennt, und  welche  das  Urtheil  des  erwähnten  Toletanischen  Bi- 
schofs für  würdig  erachtq^,  in  allen  Provinzen  als  Bischöfe  ein- 
zusezen,  und  den  verstorbenen  Bischöfen  Nachfolger  zu  ernennen: 
so  jedoch,  dass,  wer  immer  ordinirt  ist,  er  innerhalb  der  Zeit  von 
drei  Monaten  nach  seiner  Ernennung  seinem  eigenen  Metropoliten 
sich  vorstelle,  damit  er  durch  dessen  Auctorität  und  Disciplin  das 
Steuerruder  des  übernommenen  Bisthums  geziemend  festhalte.  Wenn 
er  aber  aus  Trägheit  oder  irgend  einer  Geringschäzung  die  festgesezte 
Zeit  verstreichen  lässt,  und  seinem  Metropoliten  nicht  unter  die  Augen 
tritt,  so  möge  er  wissen,  dass  er  durchaus  excommunicirt  sei,  es  sei 
denn,  dass  er  nachweist,  dass  ein  Befehl  des  Königs  ihn  daran  ver- 
hindert hat.  Die  gleiche  Entscheidung,  wie  in  Betreff  der  Bischöfe, 
treffen  wir  auch  für  die  übrigen  Rectoren  der  Kirchen". 

§.  6. 

D^r  „Ein  grosses  Wort  sprach  er  (Julianns)  gelassen    ans",    und    di- 

nnbo-  Uebrigen  sprachen  es  ihm  nach.  El)en  noch,  als  sie  den  l)eseitii(tii. 
taPri-  Wamba  abstrafen  wollten,  weil  er  zu  EhnMi  des  Märtyrers  Pinionin' 
"»*•  ein  Bisthum  gestiftet  hatte,  da  citiron  sie  sauimtliche  alte  Cdtmues^  die 
ihnen  zur  Verfügung  stehen,  um  ihr  Gericht  zu  begründen  und  /o 
rechtfertigen.  Was  Wamba  gethan ,  war  eine  verscliwindende  Kleinig- 
keit gegen  das,  was  jezt  Julianus  that,  diess  war  eine  unerhörte  um. 
ungeahnte  Neuerung,  es  war  der  völlige  Umsturz  der  ganzen  i\\Ui 
Verfassung  und  Regierung  der  Kirche.  Keine  Kirche  des  Morgen- 
oder Abendlandes ,  die  mit  Rom,  in  Verbindung  stand  und  blieb,  kaniiu 
oder  hatte  diesen  unumschränkten  Primat  und  Principat.  Der  Pap^^ 
selbst  schüzte  und  stüzte  die  Metropolitanverfassung,  welche,  wie  dtr 
Primat  selbst  und  der  Episcopat,  in  der  Anschauung  der  alten  Kinli? 
von  deren  Stifter  grundgelegt  war  (und  ist).  Und  nun  --  <la  dir>' 
göttliche  Einrichtung  für  Spanien  (weg -)fallen  soll,  beruft  sich  JuIianiL^. 


Der  annnuiohrftiikte  Primat.  217 

„der  selbstgeschaffene  Primas^,  nicht  auf  die  alten  Eirchengeseze, 
nicht  auf  die  Canones  der  spanischen  und  ausserspanischen  Kirche, 
nicht  einmal  in  unbestimmten  Ausdrücken  oder  Redewendungen.  Für 
den  Neubau  der  spanischen  Nationalkirche,  den  er  in  Angriff  nahm, 
gab  es  keine  Analogieen  oder  vorbereitende  Geseze  in  der  Vergangen- 
heit der  Kirche.  Er  konnte  auch  nicht  sagen,  wie  die  Juden,  bevor 
sie  den  Saul  als  König  erhielten,  sprachen:  Weil  die  andern  Volker 
Konige  haben,  so  wollen  auch  wir  einen  König.  Denn  Gallien,  Bri- 
tannien, Germanien,  Italien,  der  Orient,  hatten  keine  Primaten  nach 
Toletanischer  Omnipotenz.  Afrika  hatte  Primaten  Aber  der  jyEpi" 
scopua  primae  Sedis'^  wechselte,  der  Primat  ging  von  einem  Bisthume 
auf  das  andere  über,  und  gab  eine  sehr  unbedeutende  Gewalt. 


Da  aber  die  Schaffung  der  neuen  Primatie  von  Toledo  irgendwie    b«- 
motivirt  werden  musste,   so  sah  man  sich   auf  das  Nüzlichkeitsprincip  ,J^^ 
angewiesen,  womit  man  von  jeher  jede  Gewaltthat  und  jeden  Umsturz  Primsti 
beschönigt  hat.    Die  Bisthümer  werden  schneller,   als   bisher,   besezt. 
Dieser  Grund   soll  die  Primatie   empfehlen.     Aber  wenn   der   Primas 
und  der  König  eine  Wahl  verzögerten,   aus  Nüzlichkeitsgründen,   wer 
konnte  sie  richten  oder  sie  zwingen? 

Mit  der  Schaffimg  dieses  Primats  waren  sämmtliche  fünf  Metro- 
politansize  in  Spanien  abgeschafit.  Es  ist  ein  leeres  Wort,  dass  die 
Primatie  „unbeschadet  der  Privilegien  der  Metropoliten**  ent-  und  be- 
stehen sollte.  Dieser  „Gesammtepiscopat^'  von  Spanien  verschlang  Bi- 
schöfe wie  Erzbischöfe.  Der  Metropolit  hatte  weiter  Nichts  zu  thun, 
als  drei  Monate  auf  den  Bi^such  des  neuen  aus  Toledo  gesandten  Bi- 
schofs zu  warten,  vielleicht  sich  auch  von  demselben  beaufsichtigen 
zu  lassen. 

Wer  wählte  die  Bischöfe?  Dem  Namen  nach  der  König,  der 
Sache  nach  der  Primas.  Wer  bestätigte  die  Bischöfe?  Der  Primas 
allein.  Wer  bestätigt,  kann  auch  verwerfen.  Wer  weihte,  wer  sandte, 
wer  instruirte  die  Bischöfe?  Der  Primas,  und  er  allein.  Er  besezte 
die  Bisthümer.  Darum  konnte  er  auch  die  Bischöfe  versezen  und  ab- 
sezcn.  Woher  nahm  er  die  Bischöfe?  Naturgemäss  aus  dem  Schoosse 
des  ihm  bekannten  und  am  Herzen  liegenden  Klerus  von  Toledo,  er 
nahm  solche,  auf  die  er  sich  verlassen  konnte.  Wollten  Nicht-Toleta- 
ner  Bischöfe  werden,  so  mussten  sie  in  den  Augen  des  Primas  un- 
tadelig sein,  also  eine  Zeit  lang  unter  seinen  Augen  gewandelt  haben. 
Aber  nicht  genug,  sämmtliche  Rectoren  der  Kirchen,  das  heisst  wohl: 
I^farrer   oder   Kirchenvorstände    wurden    von    dem    Primas    eingesezt. 


218  Aehtos  Baeh.   ZwOlftM  Ki^itel. 

■ 

Die  spanische  Earche  war  in  Toledo  centralisirt,   der  Primas    war   ihr 
Ptmiifw  maaBimus  ohne  Schranken,  ohne  Controle  der  Macht. 

§.  8. 

»•Bz.  Was  sagten  denn  die  bisherigen  Metropoliten  zu  ihrer  Degrada- 

^^J^tion?  Sie  sprachen  Ja  und  Amen,  und  schafften  sich  selbst  ans  der 
Welt.  Indem  ^Stephanns,  der  Bl8€llOf  des  Emeritensischen  Sizes^ ,  auf 
Verlangen  Wamba's  einen  Bischof  für  Aquis  weihte,  that  er  nichts 
Unrechtes.  Er  that,  was  jeder  Andere,  auch  Julianus,  an  seiner  Stelle 
gpthan  hatte.  Aber  dafür  sollte  er  büssen  und  gezüchtigt  werden. 
In  ihm  wurden  die  Metropoliten  gezüchtigt  und  zum  Stillschweigen 
verwiesen.  Er  musste  also  vor  Julianus  und  vor  der  ganzen  Synode 
hervortreten  und  sich  verdemüthigen.  Weil  er  Etwas  that,  was  „die 
kanonische  Einrichtung^^  in  keiner  Weise  zulässt,  so  warf  sich^der  eben 
erwähnte  Mann  auf  die  Erde  nieder,  und  bat,  dass  ihm  nach  unserm 
heilenden  Gebote  Verzeihung  ertheilt,  und  dass  durch  den  Urtheils- 
spruch  unsers  Mundes  entschieden  werde,  was  mit  der  Person  des  von 
ihm  Ordinirten  zu  geschehen  habe^).  Stephanus  that  auf  der  Erde 
*.S  liegend  Busse;  er  büsste  auch  für  seinen  Vorganger  Proficias,  der 
V  „ohne  und  vielleicht  selbst  gegen  Toledo*^  im  Jahre  666  seine  Synode 

lu  halten  gewagt  hatte.    Die  „P<mUfiees^  aber  unterschrieben  die  Syn- 
ode in  folgender  Ordnung  und  Weise: 

1)  Ego  Jtdianm  ifuUgnua  urbia  regiae  ToUtanae  aedia  episeopua 
haee  aynodica  inaiituta  a  nobia  edita  aubacripai. 

2)  Julianua  Dei  gratia  Hiapalenaia  Ecdeaiae  aedia  epiacopua  haac 
aynodica  etc. 

3)  Ego  lAuva  indignua  Bracarenaia  aedia  epiacopua  haec  aynodica 
inatituta  ete. 

4)  Ego  Stephanua  Emeritenaia  aedia  epiacopua  aubacripai, 
6)  Aaphaliua  Äbilenaia  aedia  epiacopua  aubscripai, 

Asphalius  war  der  erste  und  älteste  Bischof,  der  unterschrieb. 
Wer  aber  sonst  nicht  weiss,  dass  Merida  ein  Erzbithum,  Avila  em 
Bisthum  ist,  der  bemerkt  es  nicht  an  dieser  Unterschrift.  Stephanna 
hatte  der  Metropolitanwürde  entsagt. 


')  praediciua  idem  vir  (Stephanua)  prostratiiB  hämo  medicamine  noairi 
praaeepti  et  aihi  dari  veniam  petiit,  et  quid  potiaaimum  fieri  oporferet  de  per- 
aona  ^ua  qui  iUio  ordinatua  fiiertU  noatri  oria  aententia  decemendum  popoacit. 


0   % 


Der  new  Primai  219 


§.  9. 

Nach  zwei  Jahren  auf  der  Synode  des  Jahres  683  sprachen  auch 
die  andern  vormaligen  Metropoliten  durch  ihre  Unterschriften  ihre  Ver- 
zichtleistung  auf  die  frühere  Würde  aus.  Sie  überlassen  dem  Primas 
die  Macht,  die  Würde  und  den  Namen«    Unterschriften: 

„Ego  Julianus  indignus  sanctae  Ecdesiae  Toletaruie  metropolüanus 
episcopus  insütuta  a  nolis  definita  subscripsi'^. 

Ego  Liuva  Bracarensis  et  Dumiensia  episcopus. 

Ego  Stephanus  Emeritensis  episcopus. 

Ego  Floresindus  Hispalensis  episcopus, 

Ego  Leander  llidtanus  episcopus. 

Und  so  alle  andern.  Dem  Wortlaut  ihrer  Unterschrift  wie  der 
Sache  nach  hatten  sie  verzichtet.  Sie  waren  zu  einfachen  Bischöfen 
herabgesunken.  Zwar  gingen  sie  noch  den  übrigen  Bischöfen  in  den 
Unterschriften  voran,  sie  heissen  noch  dann  und  wann  episcopi  „primae 
Sedis'%  aber  sie  waren  nicht  mehr»  als  die  andern  Bischöfe.  Der 
Primas  bestätigt,  weiht  und  sezt  sie  ein;  sie  sind  nicht  immovibi^ 
les,  sondern  —  ad  ntUum  ejus  amombiles.  Wenn  man  fragt,  ob  Ju- 
lianus  ihnen  diese  wegwerfende  Unterschrift  befohlen,  oder  ob  sie  von 
freien  Stücken  auf  ihre  Würde  verzichtet  haben,  so  antworten  wir,  sie 
thaten  das,  was  dem  Julianus  angenehm  war,  und  es  war  ihm  ange- 
nehm, seiner  Primatialwürde  der  Sache  und  der  Form  nach  den  schärf* 
sten  Ausdruck  zu  geben  ^).  Als  Julius  Cäsar  längst  eine  mehr  als 
königliche  Würde  hatte,  streckte  er  seine  Hände  auch  nach  dem 
Diadem  aus,  und  Antonius,  der  es  ihm  darreichend  aufhörte,  sein 
Nebenbuhler  zu  sein,  war  ihm  eine  angenehmere  Person,  als  jene,  welche 
ihre  Entrüstung  ob  solcher  Knechtschaft  und  Wegwerfung  nicht  zurück- 
halten konnten. 

Der  neue  Primat  war  unmittelbar  in  das  Leben  getreten.  Nach  dem 
Decret,  welches  König  Erwig  am  25.  Januar  681  erlassen,  sollten  die 
Beschlüsse  des  Concils  sogleich  in  Vollzug  treten.  Ausserdem  be- 
schliesst  die  Synode  des  Jahres  683  in  ihrem  neunten  Kanon  in  den 
schärfsten  Ausdrücken,  über  welche  die  (lateinische)  menschliche 
Sprache  gebietet,  die  Unverlezbarkeit  und  die  ewige  Dauer  des  Pri- 
mates  von   Toledo^).     „Durch   die   ganze  Ewigkeit  der  Zeiten"    soll 


*)  In  den  Acten  der  Synode  von  683  ist  noch  von  einer  Mehrheit  von  ,|Metro- 
politen**.  die  Rede. 

')  Licet  unafiimi  consensionis  nostrae  judicio  gesta  synodaUa  Toletani 
condlii  duodecimi  acta  sunt  atgue  disposita  (der  „gmndstürzende"  Kanon  ist 
allerdings  fein  zwischen  harmlosen  Verordnungen  versteckt),  nunc  tarnen  iterato 


220  Achtes  Budu    Zwölftes  Kapitel. 

Geltung  haben  „die  dem  Pontifex  von  Toledo  durch  die  allgemeine 
Synode  verliehene  Gewalt,  dass  die  Bischöfe  einer  andern  Provinz  mit 
der  Genehmigung  der  Fürsten  in  der  Königsstadt  ordinirt  werden.** 
Diejenigen,  welche  den  Primat  von  Toledo  allmälig  und  aus  der  Tra- 
dition sich  entwickeln  lassen,  finden  ihre  Widerlegung  in  obigen  Wor- 
ten. Dieser  Primat  ist  im  Jahre  681  in  Folge  des  Beschlusses,  viel- 
mehr „der  Connivenz^  der  damals  versammelten  Bischöfe,  und  der 
„Connivenz**  des  Thronräubers  Erwig  gegründet  worden.  Er  sollte 
zwar  dauern  „für  die  ganze  Ewigkeit  der  Zeiten".  Aber  der  Herr  der 
Kirche  hatte  es  anders  beschlossen.  Er  dauerte  kein  Menschenalter. 
Er  dauerte  höchstens  bis  zum  27.  Juli  des  Jahres  711,  und  nachdem 
Julianus  selbst  aus  der  Zeit  in  die  Ewigkeit  übergetreten  war,  konnte  er 
für  die  ewige  Dauer  seines  Primats  nicht  mehr  thätig  sein^). 

Die  fünfzehnte  Synode  des  Jahres  688  war  die  lezte,  in  welcher 
Julianus  als  Primas  auftrat.  Egiza  war  der  zweite  König,  den  er  am 
20.  November  687  gesalbt  hatte.  Egiza,  eben  ein  Anfänger  in  der 
Regierung,  tritt  ein,  und  „wirft  sich  zur  Erde  nieder^,  sich  den  Ge- 
beten der  Bischöfe  empfehlend.  Die  Synode  beschäfligte  sich  aber 
diessmal  nur  wie  im  Vorübergehen  mit  dem  Könige.  Die  Hauptsache 
war  vielmehr  die  Lection,  welche  Julianus  in  Gegenwai*t  sänimtlicher 
Bischöfe  Spaniens  den  römischen  Päpsten  ertheilte,  weil  einer  dersel- 
ben sich  ein  paar  mündliche  Bemerkungen  über  Julian's  dogmatische 
Ausdrücke  erlaubt,  und  demgemäss  an  Julian's  Unfehlbarkeit  zu  zwö- 
feln  schien.  Aus  den  Verhandlungen  selbst  ersieht  man  nicht,  ob  Jq- 
lianus  im  Jahre  688  noch  Metropoliten  neben  sich  anerkannte  oder 
duldete.  Sieht  man  aber  auf  die  Fassung  der  Unterschriften,  so  gab 
es  ausser  ihm  nur  noch  Bischöfe  in  Spanien.     Denn: 

„Ich  Julianus,  Metropolitanbischof  der  Königsstadt,  habe  diej>^ 
Statuten  der  Canmies  unterschrieben". 

„Sunifredus ,  BlSChOf  des  Narbouensischen  Sizes ,  habe  diese  Sta- 
tuten der  Canones  unterschrieben". 

Floresindus,  Bischof  des  Ilispalensischen  Sizes,  ebenso. 

Faustinus,  Bischof  des  Bracarensischen  Sizes,  ebenso. 


InconYnlsIbllls  nostrae  definitionis  asaeiisu  ea  ipsa  gesta,  prout  gesfa  sunt  w! 
caruscripta,  omni  tempornm  aeternltate  valitura  decernmvs  et  omnimodae  soli- 
ditatfs  vigore  firmamus  juxfa  ordinem  capifulorum.  Die  einzelnen  Kapitel  wer- 
den nun  kurz  angeführt.  Darunter:  Item  —  de  concessa  Tolct<itw  ponfifici  gem-  • 
ralis  synodi  potestate,  ut  episcopi  alterius  provinciae  cum  connivetUia  princi- 
pum  in  urbe  regia  ordinentur, 

')  In  dem  Kanon  9  der  Synode  von  68.'J  heisst  Erwig  „gloriosissimus  rex'. 
und  in  seiner  Bestätigung  dieser  Synode  sagt  er,  dass  die  zwölfte  Synode  in  dem 
leersten  Jahre  unserer  Glorie**  gehalten  worden. 


Der  PrimaB  Siabert  221 

Maximns,  Bischof  des  Emeritensischen  Sizes,  ebenso. 

Idalius,   Bischof  des  Sizes  von  Barcino,  habe  so  unterschrieben. 

Zwischen  den  früheren  Metropoliten  and  den  übrigen  Bischöfen 
ist  hier  nur  noch  der  Unterschied,  dass  jene  vor  den  Bischöfen  unter- 
zeichnen und  dass  sie  die  Worte  Julian's:  jfJuiec  canonum  statuta  »ulh- 
scripsi^  nachschreiben,  sein  ,,Ego^^  aber  und  sein  „Metropolitanus^  nicht 
nachschreiben,  während  die  übrigen  Bischöfe  nach  dem  Vorgänge  des 
ältesten  Bischofs  Idalius  nur  sagen:  „ita  mbscripsi'^.  Idalius  wollte 
wenigstens,  soweit  er  es  vermochte,  einen  Unterschied  zwischen 
sich  und  jenen  statuiren  und  in  seinem  Briefe  an  Sunifredus  von  Nar- 
bonne')  nennt  er  diesen  einen  Metropoliten  und  auch  für  Julianus  hat 
er  keinen  andern  Titel.  Cyprian,  Erzbischof  von  Tarraco,  war  allein 
von  den  firühem  Metropoliten  nicht  zugegen.  Er  hatte  för  sich  einen 
Yicarius  entsendet,  der  als  der  erste  nach  den  anwesenden  Bischöfen 
sagt:  „Sesuldus,  Erzpriester,  vertretend  die  Stelle  meines  Herrn  Gypria- 
nus,  des  BUChOft  des  Tarraconensischen  Sizes,  habe  so  unterschrieben'^. 

• 

§.  10. 

„Hochmuth  kommt  vor  dem  Falle*^.  Diess  Spruchwort  findet  auf 
aUe  Sterbliche  seine  Anwendung,  und  auch  ein  Primas  von  Toledo  ent- 
zieht sich  derselben  nicht.  Als  der  Primas  Julianus  im  Jahre  690  mit 
Tode  abgegangen  war,  trat  der  Primas  Sisbertus  an  seine  Stelle.  Er 
war  nahe  verwandt  mit  König  Egiza,  und  soll  der  erste  Bischof  To- 
ledo's  aus  gothischem  Geschlecht  gewesen  sein.  Auf  der  Synode  von 
688  hatte  er  als  „Sisbertus,  Abt^  unterschrieben,  mitten  unter  7  Aeb- 
ten,  im  Jahre  684  unter  5  Aebten  als  der  fiinfte,  im  Jahre  683  unter 
9  Aebten  als  der  sechste,  im  Jahre  681  findet  er  sich  noch  nicht. 

Sisbertus,  der  nächste  Nachfolger  des  gewaltigen  Julianus,  mochte    Der 
sich  mit  der  Würde  eines  Universalbischofs  von  Spanien  nicht  begnü-  ^[JJJJ 
gen.    Es  war  ihm  unertraglich,   dass  neben  ihm  König  Egiza  waltete,     to^ 
dem   er  seine  Erhebung  zu    danken  hatte.    Die   Erhebung   schlug   in 
Ueberhebung  um,   und  die  Ueberhebung  brachte  ihn  zum  Falle. 

Sisbert,  der  Kirchenfurst,  wollte  den  König  stürzen,  nicht  bloss 
so,  wie  Erwig  den  Wamba  gestürzt  hatte.  Er  wollte  ihn,  die  Königin, 
die  Söhne  und  die  Töchter  des  Königs  durch  Mord  aus  dem  Wege 
räumen.  Dann  hoffte  er  unbestritten  der  £2rste  im  Gothenreich  zu 
sein^).  Sein  Plan  wurde  entdeckt,  er  selbst  abgesezt  und  verbannt. 
Ueber  sein  weiteres  Schicksal  herrscht  Stillschweigen.  Dass  es  aber 
schon  mit  dem  zweiten  Primas  ein  so  schreckliches  Ende  nahm,  lässt 


«)  Üb,  S.  180. 

*)  Die  Synode  von  693  wirft  ihm  ffSuperbia*^  and  ^perjurivm^  vor. 


282  Adita  Bodk   Zwölftes  Kapitel. 

die  Piimaswfirde  *  selbst  nicht    im  besten  Lichte  erscheinen.  — 
solches  jisitdiches  Ungeheuer^  weist  der  romische   „Primat^  in  acht- 
zehn Jahrhunderten  nicht  anf. 


§.  11. 

»«r  An  die  Stelle  des  Verrilthers  trat   der  Erzbischof  Felix.     Dieser 

j^u^  Felix  war  einer  jener  Bischöfe,  welche  von  Toledo  aus  über  Spanien 
sich  verbreiteten,  nm  die  Bande  der  neuen  Primatie  festigen  zo  helfen. 
In  den  drei  der  Synode  von  693  vorhergehenden  Concilien  nnterzeicb- 
net  sich  ein  Felix,  Erzpriester  (von  Toledo)^  im  Jahre  693  erscheint 
dieser  Erzpriester  nicht  mehr,  also  schliesst  Florez,  dass  er  inzwischen 
Erzbischof  geworden  ^).  —  Wenn  es  derselbe  Felix  war,  so  war  er 
auch  vielleicht  der  erste  den  Sevillanem  von  auswärts  zugesandte  Kir- 
chenforst.  Za  Obigem  kommt  hinzu,  dass  die  Lobrede,  welche  er  co 
Gunsten  seines  Vorgangers  Julianus  hielt,  auf  eine  nähere  Bekannt- 
schaft der  Beiden  schliessen  lasst  Diese  Lobrede  lasst  den  Jolianu 
in  dem  glänzendsten  Lichte  erscheinen,  tmd  einige  ihm  ertheilte  gün- 
stige Piädicate  haben  wir  oben  selbst  anerkannt. 

Die  Bischöfe  Spaniens  hätten  jezt  Gelegenheit  gehabt,  die  ihnen 
entzogenen  Rechte  zurückzufordern;  wir  finden  nicht,  dass  sie  dieselbe 
benüzt  haben.  Wahrscheinlich  aber  ist,  dass  Felix  die  Zügel  der 
Gewalt  weniger  stramm  an  sich  gezogen  hat,  als  Julianus,  nnd  dar 
,, Judas*  ^  Sisbertus.    Bescheidener  als  Julianus,  unterzeichnet  er: 

„Ich  Felix,  unwürdiger  Bischof  der  Eönigsstadt,  habe  diese 
von  uns  ausgegebenen  Synodaldecrete  unterschrieben^.  Lidem  er  den 
,^Metropo]iten^  in  seiner  Unterschrift  fallen  lasst,  und  sich  nur  Bischof 
nennt,  hat  er  vor  den  Erzbischofen  von  Sevilla,  Merida,  Tarraco  und 
Bracara  eben  nur  den  ersten  Plaz  voraus. 

Weitere  Handlungen  des  Felix  und  seiner  nächsten  Nachfolger, 
worin  sie  dem  Primat  von  Toledo  einen  Ausdruck  gegeben,  sind  nicb 
zu  unserer  Kenntniss  gelangt. 

§.  12. 

Gleichen  Schritt  mit  der  Erhebung  und  Ueberhebung  der  Kircbe 
von  Toledo  zu  der  Primatie  über  Spanien  hielt  die  Lockerung  und 
Lösung  der  Verbindung  mit  der  romischen  Kirche.  In  den  Jahren  589— 
604   war    diese  Verbindung    am    innigsten,    überhaupt   zu    der  Zeit 


*)  Hare»,  V.  299;  IX,  250. 

*)  io  nennt  ihn  die  Synode  von  69S. 


Iddor  Aber  den  Primat  Petri.  223 

Gregor's  L,  des  Leander  und  Reccared.    Dass  in  den  Jahren  604 — 636    Der 
ein  Verkehr  mit  Rom  stattfand,    finden   wir  nicht    Dass   aber  Isidor  Primat 
der  getreue  Erbe  der  Gesinnungen    seines  Bruders  war,    ist   nicht   zu 
bestreiten.     Doch  machten  sich  schon  in  der  lezten  Zeit  seines  Lebens 
Tendenzen  geltend,  die  ihn  schmerzlich  berührten.    Engen  L  von  To-  eu^üL 
ledo   wurde   im  Februar,   vielleicht  Januar  des  Jahres   636   zum  Erz-    ^®* 

,  ,  ,  Toledo. 

bischofe  gewählt,  und  zum  Antritte  seines  Amtes  schrieb  er  an  Isidor, 
und  sprach  seine  Bedenken  gegen  den  Primat  der  römischen  Kirche 
aus.  Eugen  ging  auf  die  Quelle,  auf  die  Einsezung  der  Apostel  durch 
Christus  zurück,  und  scheint  behauptet  zu  haben,  dass  Christus  keinem 
Apostel  einen  Vorrang  vor  den  übrigen  gegeben  habe.  Ihm  antwortet 
Isidor  u.  a.  *):  „Wenn  der  gleiche  Rang  der  Apostel  behauptet  wird, 
so  ragt  vielmehr  Petrus  über  alle  hervor,  dem  der  Herr  sagte:  Du 
wirst  Kephas  genannt  werden;  du  bist  der  Fels  (und  das  Uebrige); 
nicht  von  irgend  einem  Andern,  sondern  von  dem  Sohne  Gottes  und 
der  Jungfrau  hat  (Petrus)  zuerst  die  Ehre  des  Pontificats  in  der  Kirche 
erhalten.  Zu  ihm  sprach  auch  der  Sohn  Gottes  nach  seiner  Aufer- 
stehung :  Weide  meine  Lämmer,  indem  er  unter  dem  Namen  der 
Ltfimmer  die  Bischöfe  der  Einzelkirchen  verstand.  Obgleich  die  Würde 
seiner  Gewalt  auf  sämmtliche  katholische  Bischöfe  übergegangen  ist, 
so  bleibt  sie  doch  durch  ein  besonderes  Privilegium  dem  römischen 
Oberhirten,  als  dem  Haupte,  das  erhabener  ist  als  die  übrigen  Glieder, 
bis  zum  Ende  der  Zeiten  in  ausgezeichnetem  Grade.  Wer  ihm  also 
nicht  in  Ehrfurcht  den   schuldigen  Gehorsam   leistet,  der  trennt  sich 


*)  Den  Brief  Eugen's  hat  er  (Febraar  oder  März  636)  durch  Eagen's  Boten 
Verecondas  erhalten,  nnd  freut  sich,  dass  Gott  dem  Engen  die  Gesundheit  des 
Leibes  nnd  der  Seele  erhalte.  Er  meint  sodann,  Engen  habe  Erfahrung  genug,  um 
die  dem  Isidor  vorgelegten  Fragen  selbst  beantworten  zu  können.  Von  diesen 
Fragen  betraf  eine  den  Primat  Petri,  und  nur  auf  diese  geht  Isidor,  damals  dem 
Tode  nahe,  ein:  Quod  vero  de  parilitate  agüur  apostolorumy  Petrus  praeemi- 
net  caeteriSf  quia  a  Domino  audire  meruit:  Tu  vocaberis  Cephas,  tu  es 
Petrus  et  aietera,  et  non  ab  alio  aUquo,  sed  ab  ipso  Dei  et  virginis  filio 
honorem  pontificatus  in  Christi  ecclesia  primus  suscepit.  Oui  etiam  post 
resurr ectionemfilii  Dei  ab  eodem  dictum  est:  Pasce  agnos  meos  (Joann.  21  ^  16), 
agnorum  nomine  ecdesiarum  praesules  notans.  Cujus  dignitas  potestcdis  etsi 
ad  omnes  catholicaiiim  episcopos  est  trantfusa,  specialius  tarnen  Romano  anti- 
stiti  singuktri  quodam  privilegio,  velut  capiti,  caeteris  membris  cdsior  perma- 
net  in  aetemum. 

Qui  igitur  debitaim  ei  non  exhibet  reverenter  obedientiam,  a  capite  se- 
jundus,  Acephalorum  schismati  se  reddit  obnoxium,  quod  sicut  iUud  saneti 
Äthanasii  de  fide  sanctae  Triniiatis  saneta  Ecdesia  approbat,  et  custodit,  quasi 
Sit  fidei  catholicae  articulus:  Quod  nisi  quisque  fideliter  firmiterque  credidetit^ 
gahus  esse  non  poteriL  —  Haec  vestrae  dulcissimae  eharitati  breviter  praeli" 
bavi,  cansiderans  iüud  philosophi,  pauea  s/uffiMre  sapUitiH,    Isidori  ep.  8. 


von  dem  Haupte,  steuert  dem  Schisma  der  Akephaler  zu,  nw 
jene  Worte  in  dem  Glaubeasbekenntnisse  dee  Athanasins  geg 
anwenden:  Wenn  Jemand  dieses  nicht  treu  und  fest  glaubt,  c 
nicht  selig  werden.  Dieses  habe  ich  Euer  Licbden  kurz  vorj 
erwägend  den  Ausspruch  des  Philosophen,  dass  Hir  eiDea  weiai 
wenige  Worte  genügen". 

Die  Zurechtweisung   war   entschieden   und   verdient.     Ef 
aber  eine  Umstimmung  mcht  eingetreten  zu  sein. 
[„j„r  ^^9  ^^^  Briefe  Isidor's  an  seinen  Erzdiakon  ßedemptus 

■MB  R<.-  gleichfalls  die  grosse  Sorge  des  Heiligen  um  die  Erhaltung 
heit  mit  der  römischen  Kirche  hervor,  „Diejenigen",  sagt  er, 
vom  wahren  Wege  nicht  abweichen,  welche,  nach  der  Gewok 
römischen  Kirche,  das  heUige  Opfer  des  Leibes  nud  Blutes  d 
zu  vollbringen  streben".  Am  Schlüsse  sagt  er:  „Untersuc 
genau,  und  du  wirst  finden,  dass  die  Gewohnheiten  der  heilig 
sehen  Kirche  in  Nichts  von  den  göttlichen  Einsezungen  auch 
Mindesten  abweichen'"). 

Nach  dem  Tode  laidor's  (<S36)  fanden  die  schismatiscben 
zen,  welche  sich  in  dem  Briefe  Eugen's  ankündigten,  einen  | 
g^niiQ  Widerstand.  Wir  glauben,  dass  Braulio  den  Brief,  welche 
»nP'p"  Interesse  dieser  Tendenzen  im  Jahre  638  nach  Rom  schrieb, 
,jn, ,  Zeiten  Isidor's  nicht  geschrieben  hätte.  Zur  Zeit  der  sechsten 
von  Toledo  (638)  oder  kurz  vorher  traf  daselbst  ein  Brief  des 
Honorius  ein.  Den  Inhalt  dieses  Briefes  lernen  wir  nur  sehr 
hall  aus  der  Antwort  des  Braulio  kennen;  denn  ausser  den 
„canea  muH",  stumme  Hunde,  finden  wir  kein  wörtliches  Cital 
Unter  den  44  Briefen  des  Braulio,  welche  im  Allgemeiuen 
ihrer  Abfassung  nach  aneinander  gereiht  sind ,  wesswegen  die  1 
Isidor  voranstehen,  der  Brief  an  Fructuosus  die  Sammlung  : 
ist  das  Schreiben  an  Honorius  der  einundzwaozigste.  Es  ist  i 
des  Braulio  „im  Namen  des  sechsten  Toletanischen  Concils"  ; 
ben  an  „den  bochwürdigsten,  und  wegen  der  Verdienste  dei 
lischen  Glorie  zu  ehrenden  Papst  Honorius";  ihm  schreiben 
Spanien  eingesezten  Bischöfe"").  Der  Eingang  ist  höflich;  ia 
des  Briefes  aber  bricht  die  Gereiztheit,  ja  Bitterkeit  hervor.  D 
entspreche  seiner  Stellung  und  Würde,  indem  er,  auf  die  W 
Kirche  Christi  gestellt,  die  Gegner  der  wahren  Lehre  und  dei 
„durch    das   Schwert     des    göttlichen   Wortes,     durch    den    1 


*)  Diligenter  omma  inspice,  et  reperies,  sancto«  Romanae  Eedt 
Buetudinea  a  divinis  aucioribUibua  in  nuUo  aliquatenua  deaian. 

*)  Domino  reverendissimo,  et  Apostolicae  gloriae  meritU  hmorant 
Honorio,  untvern  ^nscopi  par  Hieptmiam  conttitntt. 


Papst  Honorins  und  die  Spanier.  225 

himmlischen  Eifers  durchbohre.  Gleiche  Gesinnung  trage  der  König 
Chintüa  in  sich,  und  habe  dieselbe  durch  die  Berufung  aller  Bischöfe 
Spaniens  bekundet,  als  eben  durch  den  Diacon  Tuminus  „das  Dekret^  ^) 
des  Papstes  den  Bischöfen  zukam,  das  sie  kräftiger  im  Glauben,  fri- 
scher in  dem  Kampfe  gegen  die  Ungläubigen  (perfidi)  machen  sollte. 
So  scheine  Gott  es  gefugt  zu  haben,  der  dem  Papste  und  dem  Könige 
die  gleichen  Gedanken  und  Wunsche  inspirirt  habe.  Aber  auch  die 
Bischöfe  habe  keine  solche  Erschlaffung  erfasst,  dass  sie,  vergessend 
ihrer  Pflicht,  durch  keinen  Anhauch  der  göttlichen  Gnade  zu  bewegen 
wären;  nur  sei  nach  der  Lage  der  Zeit  eine  gewisse  Milde  eingetreten, 
mehr  aus  Klugheit,  als  aus  Nachgiebigkeit  und  Furcht,  indem  sie  auf 
die  Rückkehr  der  Sunder  ho£%en^). 

Am  nächsten  liegt  es,  die  Vorwürfe  des  Papstes  auf  die  Be- 
handlung der  Juden  zu  beziehen.  Bratdio  aber  geräth  jezt  in  Aufreg- 
ung, und  sagt,  die  ungebührlichen  Vorwürfe  des  Papstes  treffen  sie 
nicht;  mit  Unrecht  heisse  man  sie  stumme  Hunde,  welche  nicht  bellen 
können,  ein  Wort,  nicht  des  Ezechiel,  sondern  des  Jesaias^.  Denn 
sie  wachen  mit  unermüdeter  Sorge  über  der  Heerde  des  Herrn,  sie 
,,  erschrecken  die  Wölfe  durch  ihr  Beissen,  die  Diebe  durch  ihr  Bellen^, 
denn  der  Herr,  der  Israel  behüte,  schlafe  und  schlummere  nicht  in 
ihnen.  Damit  er  sich  wirklich  davon  überzeuge,  so  übersenden  sie 
ihm  die  Verhandlungen  der  früheren  Zeiten  mit  den  gegenwärtigen 
Akten,  d.  i.  wohl  die  Akten  der  spanischen  Synoden.  Daraus  könnte 
man  folgern,  dass  diese  Zusendung  früher  nicht  geschehen  sei.  Dann 
spricht  Braulio: 

„Wir  glauben,  dass  Verläumder  geho£^  haben,  dass  die  Ohren 
Eurer  Sanftmuth  leicht  ungünstigen  Berichten  sich  erschliessen,  da  oft 
ein  falsches  Gerücht  ohne  Urheber  ausschwärmt,  durch  sein  leichtes 
Gewicht  in  unbeständige  Gemüther  eindringt,  so  dass  sie  die  Lüge  der 
Wahrheit  vorziehen.  Aber  weil  Gott  den  Mund  derer,  die  Ungerech- 
tes reden,  verwüstet,  so  glauben  wir  nicht,  dass  das  Gebilde  der 
Schlange   seine   Fusstapfen  gesezt   habe  auf  den  Felsen   Petri^),   von 


')  vesirum  nobis  est  aUcUvm  decretum.  Es  scheint,  dass  HonorioB  einen 
Brief  an  den  König  nnd  einen  an  sSrnrntliche  Bischöfe  Spaniens  schrieb. 

*;  Quocirca  artificioso  temperamento  agere  voluimuSf  id  quos  vix  indi' 
nari  posse  disciplina  rigida  cemebamus,  chrütianis  hlanditiia  ßecteremus,  et 
genuinam  duritiem  assiduia  et  longinquis  praedicatümum  fomerUis  svbigeremua. 

*)  Damach  hätte  sich  Honorios  „verschrieben'*.  „Licet  nos  horum,  quae  in 
cbjurgationem  nostri  vestra  SancHtas  indebite  protulit,  pro  hcLC  dwmtaxat 
cbctume  nihil  omnino  respectet,  praecipue  tarnen  iUud,  non  Ezechielis,  sed  Esajae 
testimanium,  quamquam  prophetae  omnea  uno  prologuantur  spiritu:  Cane» 
muti,  nan  valentes  latrare  — -  ad  nos  nüUo  modo  pertinet 

*)  Quoniam  degtruit  Dens  os  loqueniiwn  iniqua,  ideo  figmentum  eolu- 
bri(i8)  non  credimus  fecisse  vestigium  in  Petra  Petri  etc,  —   Non  credimus, 

Oamsi  spaa.  Kirch*.    II.  2.  15 


Achtes  Bach.    Zwfllftea  Kapitel. 

dem  sie  M'isBen,  dass  Christus  selbst  ihn  eingesezt;  sie  gU' 
dasB  diese  traurige  Gift  der  Lüge  in  seinem  Herzen  Eingan 
habe,  da  sie  wissen,  dass,  je  besser  ein  Herz,  es  um  so  i 
Böse  glaubt.  Der  Hstige  und  stets  lauernde  Feind  des 
gcschlechts,  da  er  sein  Mühen  vergeblich  sieht,  will  durci 
und  Verläumdung  die  Herzen  der  Verdammten  trösten". 

„Du  aber,  Ehrwürdigster  unter  den  Männern  und  Heil 
den  Vätern,  halte  au,  halte  an  durch  die  Tugend,  in  der  Di 
stark  bist,  durch  die  Predigtgabe,  die  Dir  eigen  ist,  durch 
keit,  die  Dich  schmückt,  und  führe  die  Feinde  des  Kreuze 
Anbeter  des  Antichrist  ja  recht  bald  auf  jedem  Wege  tn  d 
der  Multerkirche  zurück.  Die  Kirche  des  Morgen-  wie  < 
laudes,  erschüttert  von  Deiner  Stimme,  und  im  Gefühle  dej 
Dich  nahenden  Hilfe  Gottes  eile,  die  Arschläge  der  Bösen 
ren;  Du,  ein  zweiter  Elias,  während  Du  die  unseligen  Prop 
züchtigst,  und  vom  gewaltigen  Eifer  durchpeinigt,  weheklf 
Du  allein  übriggeblieben  seiest,  mögest  die  Stimme  von  O 
dass  viele  übrig  geblieben,  welche  ihre  Kniee  nicht  vor  Bf 
haben.  Diess  aber  legen  wir  nicht,  vom  Geiste  der  Prahlen 
Stolzes  aufgebläht,  Eurer  Heiligkeit  nahe,  sondern  als  Ve 
Wahrheit,  damit  Du,  nauhdem  die  Demuth  vorhergegangen 
die  Wahrheit  vernehmest,  und  diess  Dir  zu  beherzigen  zu  gi 
wir  für  gut  befunden,  damit  unter  uns  die  Wahrheit  bestet 
Ungläubigen  sich  von  der  Eitelkeit  täuschen  lassen". 

„Und   obgleich    wir  Dir  auf  das  Einzelne   antworten 
haben  wir  doch,   damit  die  lange  Rede   nicht  lästig  falle,   ; 
aber  wie  uns  dünkt,  doch  hinreichend  geantwortet.     Denn  d 
Manne  genügen  wenige  Worte". 

Er  möge  ftir  sie  an  den  Gräbern  der  seligen  Apostel 
Heiligen,  wenn  er  für  die  ganze  Kirche  bete,  dringend  furl 
den  König,  die  Bischöfe  und  das  Volk,  wie  auch  sie  zu  thu 
chen.  Noch  fügen  sie  Beilagen  hinzu,  damit  der  Papst  ui 
die  Schuldigen  wirklich  so  strenge  bestraft  werden  sollen,  i 
rius  verlangt  habe.  Denn,  »wir  finden,  dass  Solches  nir^ 
niemals  in  den  Akten  unserer  Väter,  oder  in  den  Ausspn 
Neuen  Testaments  enthalten  sei". 

Da  wir  den  Brief  des  Honorius  nicht  besizen,  können 
seinen  Inhalt  nicht  urtheilen.     Man    hat   über    den  Brief  Bra 


tarn  funesti  venenum  meadadi  in  pectoris  vestri  placiditate  locu« 
ijoienisse;  scimus,  oplimae  esse  mentis  itidicium  prava  di/ßcilius 
Catlidus  et  ubique  insidiosus  humani  generis  inimtcu»  -^  ex  mendi 
damnatorwm  nitifv.r  eorda  solari. 


Bnnlio  nnd  Tajo  in  and  Ober  Rom.  227 

eben,  und  in  demselben  sogar  den  Glauben  Spaniens  an  die 
;he  Unfehlbarkeit  gefunden.  Wir  finden  in  ihm  eine  Bitterkeit 
ssigkeit,  für  welche  moderne  katholische  Spanier  kein  Verstand- 
ben,  da  sie  den  Hohn  als  tiefen  Ernst  auffassen.  Es  ist  zunächst 
-ache  eines  tief  Beleidigten,  die  aus  dem  Briefe  spricht,  der 
Pein  aber  wird  in  ihm  nicht  geleugnet.  Insofern  war  es  besser, 
raulio  schrieb,  als  wenn  Eugen  I.  geschrieben  hätte  ^). 

§.  13. 

.uf  diese  bittere  Polemik,  auf  die  Bischöfe  Eugen  I.  und  Braulio  Tajo  in 
die  Bischöfe  Eugen  II.  »von  Toledo  und  Tajo.  In  die  Jahre  ^""' 
50  wird  die  Reise  Tajo's  nach  Rom  verlegt.  In  den  Briefen 
•'s  wird  diese  Reise  nicht  erwähnt.  Der  Hauptzeuge  für  sie  ist 
ef ,  welchen  Tajo  bei  Uebersendung  seiner  Sentenzen  an  Eugen  II. 
.  —  Spanier  sezten  die  Erzählung  in  Umlauf,  dass,  als  Tajo 
tom  gekommen,  um  die  „Moralia^  Gregorys  I.  zu  suchen,  dort 
nd  ihm  dieselbe  habe  verschaffen  können.  Da  wandte  sich  Tajo 
Bknnfl  an  Gregor  I.  selbst  Er  äbemachtete  in  der  Feterskirche, 
liienen  ihm  ein  Engel,  Petrus  und  Paulus,  Gregor  und  ein  Un- 
iter, nnd  Gregor  I.  zeigte  ihm  das  Fachwerk,  wo  in  der  Vati- 
len  Bibliothek  seine  „MoraLia^  zu  finden  wären, 
loch  nicht  fünfzig  Jahre  nach  dem  Tode  Gregorys  also  wären 
sine  Werke  verschwunden  gewesen.  Auch  Baronius  hat  es  in 
^malen  aufgenommen^).  Tajo  selbst  aber  erzählt  das  gerade 
ttieil  davon.  Seinem  ^^heiligsten  und  ehrwürdigen  Herrn  Eugenius, 
Ikchofe  der  Stadt  Toledo  schreibt  Tajus,  der  lezte  Knecht  der 
le  Gottes,  der  Bischof  von  Saragossa^ ^): 

|Wir  sahen,    wir  sahen  unsern  Gregorius,   den   in  Rom   befind- 
\  nicht  mit  leiblichem  Auge,  sondern  mit  dem  Blicke  des  Geistes^). 


\  Braulumis  epistola  21.  —  Espana  sagrada,  t.  30,  p.  848--352. 
)  Baronius  (649,  80—85)  beruft   sich  aaf  Roderich  von  Toledo,  de  rebus 
riae,  II,  20. 

)  Wie  Tajo  nach  der  alten  Litargie  den  Papst  „Romensis** ,  statt  Romanus 
BL  160),  BO  nennt  er  sich  nach  Gregor's  Vorgang  „Servus  servorum  Dei^, 
rinick,  der,  von  Gregor  gegenüber  dem  „oecumenischen"  Patriarchen  Joan- 
I  Constantinopel  angenommen,  später  den  Päpsten  allein  übrig  blieb,  wie 
Im  „Paps,^  allein  blieb. 

^  Vidimus,  vidimvs  Qregorium  nostrum  Romae  positum,  non  visibus 
m  sed  obtutüms  mentis.  —  Die  Legende  steht  zuerst  bei  Isidor.  Pacen- 
Wg  Chindaswinth  lässt  den  Tajo  auf  dessen  Bitten  zu  Schiff  nach  Born 
"'Der  Papst  verspricht  lange,  ihm  die  „Moralia^'  zu  geben,  und  gibt  sie 
Jh  flbernaehtet  Tiyo  am  Grabe  Petri,  nnd  „ein  EngeP  zeigt  ihm  den  betref- 

15  • 


S28  Aclites  ßoch.    Zwölftes  EapEtel. 

Wir  haben  ihn  gesehen,  niclit  bloss  in  seinen  Geheimsch 
damals  noch  lebten),  sondern  auch  in  seinen  Hausgenoi 
seinen  leiblichen  Dienet  besorgten,  und  ihren  Bericht  übt 
genden  haben  wir  gehört".  Eine  sehr  anschanliche  Beschr< 
Vorzüge  folgt  jezt,  „Pa  ich  mich  also,"  fährt  er  fort,  , 
fand,  nnd  fleissig  nach  denjenigen  seiner  Schriften  forsi 
bei  nns  in  Spanien  sich  nicht  finden,  als  ich  sie  fand,  und 
Hand  sie  abschrieb",  sei  er  von  ihrer  Lieblichkeit  ganz  entzü 
Er  habe  olle  Schriften  Gregor 's  mit  grossem  Zeitaafwaade 
und  namentlich  die  Anwendung  und  Erklärung,  welche 
Stellen  der  heiligen  Schritl  gebe,  und  habe  dieselben  u 
Rubriken  gebracht,  woraus  seine  „Sentenzen"  entstanden. 


§.  u. 

Die  Verehrung  Gregor's  I.  in  Spanien  mag  theilweif 

mutb  zurückgedrängt  haben,    der    sich  in  den  Jahren  63G- 

den  Papst  manifestirte.     Bis   zu    dem  Tode   des  Qniricus 

ja    bis    znm    fünften    Jahre    des    PrimAS    Julianua    erfahrcc 

Weiteres  von  einem  frenndlichen  oder  unfreundlichen  Verkel 

•  TL  mit    Rom.     Als    nun    in    der    sechsten    allgemeinen    Synod 

SjrTode  i^^™«^"-'  ^•=''  Monothdctei.  verdamnit  worden  war,    solltv.i 

D.  sp>-  welche  die  Akten  der  fünften  allgemeinen  Synode  niemals  i 

Dien,   long  ihrer  Concilien  aufgenommen  haben,  zur  Anerkeunuu: 

ten  Concils  vermahnt  werden.    Dem  Papste  Agatho  folgte  i 

Leo  II.  Leo  II.     Dieser  richtete  im  Jahre  683  vier  Briefe  an  die  S 

™^    erste    trägt    den   Titel  r     An    alle    Bischöfe    (praesiäibus)    i 

Christi  in  Spanien.     Er  berichtet  über  die  Verhandlungen 

allgemeinen  Synode,  auf  welcher  Theodor  von  Pharan,  t'yr 

Sergius,    Petrus    und   Paulus    verworfen,    aber    auch    das  l 

Honorius   1,    gesprochen  wurde,  „welcher   den  Brand    der 

Lehre  nicht,  wie  es  die  Pflicht  des  Inhabers  des  apostoli^« 

war,  in  seinem  Aufkeimen  erstickte,  sondern  durch  Gleiche 

gegen    sie    nährte'").     Weil    aber,    siigt   er,   die    Verhani 


fenden  Schrank.  Jezt  erst  ist  der  Papat  (Papa  Romensis)  voll  Eifei 
Ha"  mitzutheilen.  Isidor  redet  von  dem  „Engel",  von  Petras,  Pan 
(und  Augustinus),  als  seien  sie  erschienen.  —  Isid.  Pac.  c.  13.  —  .M 
thaten  wiederholt  den  Isidor  Poderic.  Ximenes,  de  rebus  Hispaitiue 
')  Q,ui  (Honoriua)  flammam  haeretici  doffiiuttis,  non,  ut  dtcui 
aitctoritatem,  incipientem  extinxit,  sed  negligendo  coiifovit.  —  Es 
boguen,  dtus  die  Spanier  hier  im  Jahre  <i^3  eine  geviase  äatisfaclioa 
des  Honorius  1.  vom  Jahre  038  erhidten,  und  es  liegt  die  Vtnnutbt 
ferne,  dasa  Leo  II.  aus  diesem  Grunde  Beinen  VorgKoger  nicht  getci 


Rom  und  SpaniOD,  683-685.  229 

ingsten  Concils  in  griechischer  Sprache  verfasst,  und  noch  nicht  mit 
Genauigkeit  in  unsere  Sprache  übersezt  sind,  so  übersenden  wir  euch 
orläufig  die  Hauptentscheidung  des  Concils,  und  die  dem  frömmsten 
[aiser  dargebrachte  Glüctwünschung,  welche  Prosphoneticus  genannt 
rird,  ebenso  das  kaiserliche  Edikt  zur  Bestätigung  der  Synode,  alles 
US  dem  Griechischen  in  das  Lateinische  übersezt,  durch  den  Trager 
ieser  Briefe,  den  Kegionar-Notar  unserer  heiligen  Kirche,  und  wir 
werden  seiner  Zeit  auch  die  vollständigen  Akten  übersenden^).  —  Die 
(Bcielle  Uebersezung  der  Akten  musste  allerdings  von  Rom  ausgehen, 
nd  sie  erforderte  Zeit.  In  Spanien  war  stets  die  griechische  Sprache 
3n  Wenigen  gekannt.  (Aber  durch  die  Titel,  die  er  seinen  Schriften 
üb:  Prognosticon  (fviuri  saeculi)  und  AnHkeimenon  (ävuxHfAivmv) 
olltc  auch  hier  Julianus  von  Toledo  seine  Kenntniss  der  griechischen 
prache  manifestiren.  In  dem  Dichter  Prudcntius  hatte  er  einen  Vor- 
Inger  in  der  Wahl  solcher  Titel).  Die  Bischöfe  mögen  diese  Be- 
^hlüsse  schleunig  unterzeichnen  und  verkündigen*  Petrus  sollte  die 
Dterschriften  zurückbringen. 

§.  15. 

Es  folgt  ein  Brief  an  den  Bischof  QuirictM,  dem  er  Mittheilung  Brief« 
3n  den  drei  andern  Briefen   macht,   und  den  Notar  Petrus  empfiehlt.  ^^'•"• 
\b  Geschenk  sendet  er  ein  Kreuz,  in  dem  ein  Nagel  von  den  Banden  Bpanier 
es  Apostels  Petrus  sich  befand,  „damit  das  Verdienst,  Bischof  zu  sein, 
ie  Liebe  Gottes   und  des  Nächsten  festige^,   und  durch  das  Zeichen 
es  heilbringenden  Kreuzes,  mit  Christus,   der   an  ihm  erhöhet  wurde, 
er  Schlüssel   der   göttlichen    Gebote   die  Glieder   des   ganzen   Leibes 
erbinde  und  die  also  Verbundenen  Petrus,    der  die  Thore   des  Him- 
lels  öffnet  und  schliesst,  in  die  himmlische  Freude  eintreten  lasse^. 

„Dem  herrlichsten  Herrn  und  Sohne,  dem  Könige  Erwig^'  schreibt 


panier  williger  zur  Unterwerfung  anter  die  neue  Synode  zu  machen,  und  eben 
adarch  näher  an  Rom  zu  ziehen.  Honorins  aber  wird  nicht  der  Häresie,  sondern 
er  Gleicbgiltigkeit  gegen  das  Aufkommen  derselben  bezüchtigt.  In  dem  „Ldber 
mmtis'*  (ou  r ecueil  des  formides  usiiies  par  la  chanceUerie  paniificale  du  5, 
u  IL  sücle  —  par  Eugen,  de  Rozüre,  Paris  1869),  S.  198,  widersagt  der 
idesmalige  Papst  auch  dem  „Honorius,  qui  pravis  eorum  intentionibus  fomen- 
im  impendiV,  Cf.  die  Abhandlang  das.  S.  317—339.  Roziöre  hat  a.  a.  185i 
e  „Formtdae  Wisigothiccie*'  edirt 

')  Quia  quaeque  in  concilio  currenie  ceUbrato  gesta  sunt,  —  in  Oraeco 
mscripta  sunt,  et  necdum  in  nostrum  eloquium  examinate  translata,  defini- 
onem  interim  cancilii  et  acclamationem,  quae  prospfumeücus  dicUur,  fac/tam 
i  ptissimum  principem,  partterque  edicium  —  imperatoris  —  per  Petrum  no- 
trium  regionarium  vestrae  dilectioni  direximus. 

')  ut  praesulare  (f)  merüum  Dei  et  proximi  charitas  vinciai. 


Man  nimmt  ohne  Weiteres  an,  dass  Simpliciu 
beamter  bei  Erwig  war,  und  ds  sein  Käme  auf  den  C 
sich  nicht  findet,  hat  Baronius  an  der  Aechtheit  dea  '. 
sowie  er  aus  einigen  andern  Gründen  diese  vier  Briel 
in  dem  Briefe  an  Quiricas  steht,  daes  der  Papst  auc 
sen  Comes"  schreibe.  In  dem  Namen  „Simplicius"  k 
obwalten,  worunter  die  Aechtheit  des  Briefes  nicht 
würfe  des  Baromas  gegen  die  vier  Briefe  sind  ohne 

§.  16. 

B«M.  Der  Notar  Petras  war  noch  nicht  von  Rom  abg 

i°t  n.^Qi  3,  Juli  gg3  starb.  Benedictus  II.  war  gewählt, 
^DiOT.  besUtigt  nnd  nicht  geweiht  (was  erst  am  26.  Juni  6 
der  Notar  Petrus  wartete  auf  einen  Bescheid.  Da  sc 
dictns,  der  Presbyter,  nnd  im  Namen  Gottes  Erwäl 
apostolischen  Stuhles"^),  dass  I^eo  IL  ihm  die  Reis 
Spanien,  zu  dem  herrlichBten  and  christlichsten  Kön 
heiligsten  Erzbischöfen*),  and  zu  den  Bischöfen  aller 
nnd  zugleich  an  den  erlauchtesten  Comes  öbertragen 
diesen  Auftrag  za  vollziehen"  °). 


'}  una  cum  eis  Honoriva  Romaniu,  qui  immacuiaita 
Honia  regvtam,  quam  a  praedectaaoribus  «hm  accepä,  mat> 


Qairicna  und  Jnlianas  von  Toledo«  231 


§.  17. 

Nach  dem  24.  Juli  683  reiste  Petrus  ab.  In  Toledo  aber  kam  sbehof 
er  nach  dem  13.  November  683  an,  nachdem  die  dreizehnte  Synode ^"*^"" 
des  Jahres  683  geschlossen  war,  und  die  Bischöfe  sich  zerstreut  hatten. 
Er  konnte  seine  Briefe  nur  dem  Könige  Envig,  dem  Comes,  und  viel- 
leicht einigen  Bischöfen  geben.  An  Bischof  Quiricus  aber  konnte  er 
keinen  Brief  abgeben,  denn  Quiricus  von  Barcelona  war  wenigstens 
seit  667,  Quiricus  von  Toledo  war  seit  679  todt.  Die  Einen  sagen, 
man  habe  in  Rom  den  Tod  des  Quiricus  noch  nicht  gewusst.  Die 
Bollandisten ,  und  wir  mit  ihnen,  finden  diess  fast  unglaublich^).  Wenn 
man  dort  von  König  Erwig  und  dem  Comes  Simplicius  wusste,  so  noch 
mehr  von  Bischof  Julianus.  —  Pagi  meint,  Quiricus  sei  nicht  der  von 
Toledo  gewesen,  oder  die  Abschreiber  haben  Quiricus  statt  Julianns 
geschrieben  (!).  Florez  schliesst  sich  an  die  Meinung  des  Cajet.  Cenni 
an,  dass  man  in  ßom  von  Quiricus  gewusst,  weil  er  viele  Jahre  Bischof 
gewesen,  während  Julian's  Wahl  vom  Jahre  680  datire^). 

In  Rom,  sagt  Florez,  hatte  man  keine  Verpflichtung  zu  wissen, 
wann  der  Nachfolger  eintrat.  Es  sei  kein  Grund  zur  Annahme,  dass 
man  in  Rom  von  der  Weihe  Julian's  gevmsst.  —  Ich  neige  mich  za 
einer  andern  Erklärung.  Wenigstens  die  Mehrzahl  der  Metropoliten, 
wenn  nicht  der  Bischöfe,  glaube  ich,  schrieben  an  den  Papst,  um  in 
Gemeinschaft  mit  ihm  und  der  römischen  Kirche  zu  treten  und  zu 
bleiben.  Unter  diesen,  die  ihm  ihre  Wahl  angezeigt,  war  auch  Qui- 
ricus  von  Toledo.  Sein  Nachfolger  Julianus  hatte  die  Anzeige  unterlas- 
sen, darum  lebte  für  Rom  so  zu  sagen  noch  Bischof  Quiricus.  Es  ist 
diess  eine  Hypothese.  Ebenso  ist  es  eine  Vermuthung,  dass  im 
Jahre  636  Eugen  I.  an  Isidor  seine  Zweifel  über  den  Primat  Fetri 
schrieb,  um,  wenn  Isidor's  Antwort  ihm  entspräche,  von  der  Pflicht 
oder  der  Uebung  befreit  zu  werden,  dem  Papste  seine  Wahl  anzuzei- 
gen.   Aus  dem  Unterlassen  dieser  Anzeige  und  andern  Unterlassungen 


sogleich  ordinirt  werden  könne.  —  Jaffi,  Regesta  PorUifieum,  p,  168—169,  — . 
AguirreCatalani,  IV,  297.*  —  Mansi,  XI,  1050—1065,  1085,  —  M.  Vülanmo, 
Summa  Conciliorum  Hispanuie^  Madr.  1786,  t  II,  p.  83—96. 

')  Acta  Sanctorum,  8.  Mart,,  Matt,  I,  784, 

')  Mirum  solummodo  Uli  erit,  qui  antiqucie  inacius  disciplinae  Episcopo- 
rum  omnium  ohüum  et  ordinatianem  cum  recenti  componit  Cenni,  de  discipL 
eccL  Eispaniae,  II,  202.  —  Florez,  V,  276.  Hier  aber  dOrften  sich  Florez  wie 
Cenni  täuschen.  Die  Gewohnheit,  dass  die  gewählten  Bischöfe  sich  von  Rom  con- 
firmiren  Hessen,  oder  wenigstens  ihre  Wahl  anzeigten,  war  viel  allgemeiner,  als 
Cenni  glaubt  Cf.  Rozitre,  liber  diurnua  roman.  pontif.,  p.  18,  20,  21,  22,  23, 
S3,  71,  147,  167,  245,  248,  261,  252,  266,  269  entiialten  viele  Formeln  der 
Wahl  and  Bestätigung  der  Bischöfe  durch  die  Päpste. 


Achtes  Bacb.    ZvOlfles  Kapitel. 

fioss  vielleicht  der  gereizte  Briel,  den  Honoiius  iin  Jahre  638 
Spanien  schrieb.  —  Florez  aber  iiud  der  Romer  Cenni  scheine 
im  Irrthume  eich  zu  befinden  mit  der  Annahme,  dass  man  in  R 
Jahre  683  von  Jnliunus  nichts  wueste.  Wir  glanben,  dass  mai; 
iich  verlangte,  ihn  nnd  durch  ihn  die  Kirche  von  Spani«i  wiedei 
an  Rom  za  ziehen;  beweisen  aber  können  wir  ee  nicht. 


I  §.  18. 

Was  die  Päpste  Leo  U.  und  Benedict  II.  gewünscht, 
sich  theilweise  erst  in  der  Provincialsynode,  die  Julianas  zu 
rnoii«  am  ]  4.  November  684  hielt.  Erwig  hatte  diese  Synode 
■*'*'Ias8t,  um  dem  Willen  des  Papstes  zu  entsprechen;  ja  in  einer 
befahl  er,  dass,  weil  alle  Bischöfe  nicht  zusammentreten  könnt 
nigstens  die  einzelnen  Provinzen  sich  versammelten,  dass  a 
Synode  von  Toledo  vorangehe,  dass  die  Bischöfe  „der  übriget 
Size"  durch  die  Berichte  ihrer  Stellvertreter  von  dem  io  Tolei 
bandelten  vergewissert,  es  in  ihren  Provinzen  vcrktioden  sollten 
Unterschriften  ihrer  Stellvertreter  sollten  fiir  ihre  Mandatare  vi 
tend  sein.  Demnach  blieb  den  Bischöfen  der  ersten  Size  nicbt 
als  Zustimmung  und  Unterwerfung. 

Die  Briefe  und  die  Einladimg  des  Papstes  sei  den  ein/el 
Echöfen  mitgetheilt  worden").  Sic  erkennen  an,  dass  die  neut 
gemeine  Synode  den  orthodoxen  Glauben  bekannt  habe.  Dan 
Winter  683 — 684)  haben  sie,  zu  ihrer  Vertheidigung  (dass  ; 
nicht  versammeln  können),  eine  Denkschrift  an  den  Papst  g 
und  ihren  Glauben  in  „der  reinsten  Ausdruckeweise  ^)  dargclegf 
weil  darin  „über  den  doppelten  Willen  und  die  Wirkungswi 
Sohnes  Gottes  reichhaltig  und  klar  dasjenige  hervorgehoben  wi 
die  Wahrheit  ist,  was  durch  spanische  Boten  schon  nach  H 
bracht  wurde,  so  bleibe  übrig,  dass  sie  jezt  feierlich  die  Bf 
(gegen  die  Monotheleten)  annehmen,  dass  die  übrigen  Provi 
dieser  Annahme  ihnen  nachfolgen,    dass   endlich   dieselben  dei 


')  Hier  erscheint  das  Wort  Metropolit  noch  einmal:  ex  quo  omniii 
polilaiWTwm  fiiissel  (ctmcüium)  et  asse/tsiftus  promulgafum.  Die  Sj-noi 
nnr  von  dem  Briefe  an  Erwig  nnd  dem  an  alle  Biscböfe.  Die  Briefe  sind 
Romanae  sedis  nnd  o  Romano  praesvie  nuntiatum  est.  Der  Bote  heis; 
lus  Romani  praeaidis.  Leo  II.  beisst:  arUiquae  Romae  pontifex,  e 
einen  ffratiomw  (al.  gloriasu»)  epistolae  tractus.  Die  AosdrQcke  sind  et 
daaa  sie  den  Primat  Petri  einerseits  nicht  BUBspreclien,  imderseita  nicht  läi 

')  sparst»  sedibus  atque  locis  praefatas  gestorum  reguias  pertr 
tutcepimus,  susceptas  perlegimus. 

*)  pttriasima  ver&orum  enodatione. 


Synode  von  Toledo,  684.  233 

kundgethan  werden.  Gleichzeitig  sollte  die  Antwort ,  die  Julian  schon 
nach  Rom  gesandt,  vorgelegt  und  gebilligt  werden,  was  ohne  Wider- 
spruch geschah. 

In  der  einen  Person  Christi  erkennen  sie  an  die  unzertrennlichen  nie  mo- 
Eigenschaften  zweier  Naturen,  welche  wie  ungetheilt  und  unzertrenn- °**|^*" 
lieh,  so  un vermischt  und  un vertilgbar  bleiben,  die  Natur  der  Gottheit 
und  die  Natur  des  Menschen,  die  eine,  welche  aus  Gott  dem  Vater, 
die  andere,  welche  aus  Maria  der  Jungfrau  geboren  ist.  Als  Gott  und 
Mensch  vollständig  ist  Christus  ohne  alle  Sünde  in  der  Einzigkeit 
einer  Person.  Aus  der  Natur  der  Gottheit  besizt  er  es,  dass  er  nicht 
sterben  kann,  aus  der  Substanz  der  Menschheit,  dass  er  nicht  sterben 
will  und  dennoch  sterben  kann,  nach  der  einen  unsterblich  ist,  nach 
der  andern  dem  Loos  der  Sterblichkeit  unterliegt;  in  dem  ewigen 
Willen  seiner  Gottheit  besass  er  es,  dass  er  die  Menschheit  angenom- 
men (dass,  indem  er  sich  des  Menschen  annahm,  er  selbst  den  Men- 
schen annahm),  indem  es  in  dem  Willen  des  von  ihm  angenommenen 
Menschen  lag,  dass  der  menschliche  Wille  Gott  unterworfen  war. 
Darum  sagt  er  selbst  zu  dem  Vater:  Vater,  nicht  mein,  sondern  dein 
Wille  geschehe,  indem  er  dadurch  zeigte,  dass  der  Wille  der  Gottheit 
ein  anderer  sei,  in  dem  er  den  Menschen  annahm,  ein  anderer  der 
Menschheit,  in  der  er  Gott  gehorchen  muss^).  —  Und  darum  sind 
auch  gemäss  der  Verschiedenheit  dieser  beiden  Naturen  die  Eigen- 
schaften zweier  untrennbarer  Willensäusserungen  und  Thätigkeiten  in 
Christus  anzuerkennen. 

Die  apologetische  Antwort  unsrer  Vertheidigung  aber,  welche  wir 
zur  Bestätigung  dieser  (Lehren),  zum  Unterricht  für  Viele,  und  zum 
Frommen  der  kirchlichen  Zucht  herausgegeben  haben,  siegeln  wir  mit 
derselben  Kraft  der  Ehre  und  der  Hochachtung,  und  wir  sezen  fest, 
dass  dieselben  in  der  Weise  von  Decretalbriefen  festgehalten  werden 
sollen^).  —  Julianus  also  befiehlt,  dass  seine  Erlasse,  wie  päpstliche 
Decretalbriefe  aufgenommen  und  als  solche  dem  spanischen  Kirchen- 
recht  einverleibt  werden,  während  die  von  Rom  im  Jahre  683  gesand- 
ten Decretalbriefe  keine  Aufnahme  fanden.  Julian's  Primat  schliesst  den 
Primat  Petri  aus.  —  Von  dem  Briefe  an  Quiricus  erwähnt  Julianus  nichts.  * 

')  quod  suscephim  Tiominem  svmeref,  Jiabens  in  suscepti  hominis  vohmtate, 
ut  humana  voluntas  Deo  subdita  esset.  Unde  et  ipse  dicU  ad  pairem:  Pater, 
non  mea  voluntas,  sed  tua  fiat;  aUeram  videlicet  ostendens  voluniatem  divini' 
tatis,  qua  susceptus  est  homo,  aUeram  hominis,  qua  obediendum  est  Deo.  Et 
ideo  secundum  harum  duarum  differentiam  ncUuramm  duarum  quoque  insepck 
rabilium  proprietaies  praedicandae  sunt  voluntatum  et  operum. 

^  lUa  igüur  apologetica  defensionis  nostrae  responsa,  quae  ob  ist&rvm 
eonfirmationem  sunt  edita  pro  mtUtorum  instrtidione  et  tttüitate  ecdesiasticae 
disciplinae,  simili  honoris  et  revererUiae  vigore  firmamus  atque  ad  vicem  decrer 
talium  epistolarum  ea  permanenda  sancimus. 


284  AditMBmdL    ZwMftes  Kq^L 


§.  19. 


BjnodB  Diese  Angelegenheit  konnte  wohl  als  abgeschlossen  gelten«    Aber 

«wM8.es  gefiel  dem  Jnlianus,  dieselbe  zam  fisust  aosschliesslichen  Gegenstand 
der  nächsten  Nationalsynode  (688),  der  ersten  nnter  Konig  Egica^  zo 
machen,  weil  es  ihm  unerträglich  war,  dass  ein  romischer  Papst  g^en 
einige  seiner  Ansdräcke  mündliche  Bedenken  aasgesprochen  hatte. 
Zwei  Jahre  vor  diesem  Concile  habe  der  romische  Papst  Benedict  IL 
seligen  Andenkens  dorch  den  Ausdruck  seiner  Briefe  uns  ermahnt, 
welche  Ermahnungen  er  jedoch  nicht  mit  eigener  Hand  gab,  sondern 
er  trug  unserm  Boten  auf,  sie  niederzuschreiben,  worauf  ihm  schon  in 
demselben  Jahre  eine  genügende  und  entsprechende  Antwort  sn  Theil 
wurde  ^). 
bm  V.  Indem  wir  aber  jezt  das  von  unserm  Boten  Notirte  aufinerksamer 

^^'**™  lesen,  fluiden  wir,  dass  in  jenem  Buche  der  Erwiderung  unsers  Glao- 
bens,  welches  wir  durch  Petrus,  den  Regionär  der  romischen  Kirche, 
abgesandt  hatten,  das  erste  Ejtpitel  jenem  Papste  unvorsichtig  (ineaute) 
ausgedrückt  zu  sein  schien,  worin  wir  in  Betreff  der  gottlichen  Wesen- 
heit sagen:  Der  Wille  hat  erzeugt  den  Willen,  sowie  auch  die  Weis- 
heit die  Weisheit  erzeugte.  Was  jener  Mann  im  flüchtigen  Lesen 
fibersehend  meinte,  dass  wir  diese  Namen,  das  ist:  der  WiUe  und  die 
Weisheit  nicht  nach  der  Wesenheit,  sondern  entweder  vergleichswase 
oder  in  der  Vergleichung  des  menschlichen  Geistes  (mit  dem  gottlichen) 
gesezt  haben.  Darum  meine  der  Papst,  man  könne  nicht  sagen,  dass 
der  Wille  aus  dem  Willen  erzeugt  werde*).  Julianus  aber  habe  den 
Willen  als  Wesen  gesezt.  „Denn  bei  Gott  ist  Sein  dasselbe  wie 
Wollen,  Wollen  wie  Wissen,  was  bei  dem  Menschen  nicht  der  Fall 
ist^).    Denn  ein  anderes  ist  es  bei  dem  Menschen,   dass   er  ist,    ohne 


')  pro  quffms  (capittdis)  muniendis  ante  hoc  biennium  beaiae  memoriae 
Romantts  papa  Benedictus  nos  literarum  srutrum  significaUone  monrAerat,  qtiae 
tafnen  non  in  scriptis  suis  annotare  curavit,  sed  homini  nostro  verbo  (veiiaf) 
renotanda  injunxit,  ad  quod  Uli  jam  eodem  anno  sufficienter  conffnieque  respon- 
sum  est  „im*'  beziehe  ich  aaf  den  Papst,  andere  beziehen  es  auf  den  „homo" 
Julian's. 

')  voluntas  genuit  vohmtaiem,  siciä  et  sapientia  sapientiam.  Quod  —  vir 
iUe  incuriosa  lecHonis  transcursione  praeteriens  existimavit  haec  tpsa  twmifUk 
id  est  voluntatem  et  sapientiam,  non  secundum  essentiam,  sed  atU  seamdum 
relatirmm  aut  secundum  comparationem  hvmanae  mentis  nos  posuisse:  et  ideo 
in  ipsa  renotatione  sua  ita  nos  admonere  visus  est  dic^ns,  etc. 

*)  Hoc  enim  est  Deo  esse  quod  velle,  hoc  veüe  quod  sapere,  quod  tarnen 
de  fufmine  dici  non  potest.  Aliud  quippe  est  homini  id  quod  est  sine  velle,  fi 
aiiud  velle  etiam  sine  sapei'e.  In  Deo  avJtem  non  ita  est,  quia  simplex  ibi 
natura  est,  et  ideo  hoc  est  Uli  esse,  quod  velle,  quod  sapere. 


Jolianns  und  der  Pftpst  235 

das  Wollen,  und  ein  anderes  der  Wille  ohne  die  Weisheit.  In  Gott 
aber  falle  Sein,  Wille  und  Weisheit  zusammen.  Wer  diess  verstanden 
hätte,  dem  hätte  unsere  Erklärung  kein  Bedenken  erregt.  Wer  unser 
Werkchen  mit  Fleiss  und  Aufmerksamkeit  liest,  der  wird  darin  auch 
die  Stelle  aus  Athanasius  finden,  dass  in  Gott  der  Wille  nichts  ande- 
res ist,  als  die  Natur.  Also  ist  in  Gott  der  Wille,  was  die  Natur, 
die  Natur,  was  die  Substanz  oder  die  Essentia.  Der  Sohn  Gottes  ist 
derselben  Substanz  mit  dem  Vater,  also  ist  er  auch  Wille  aus  dem 
Willen  des  Vaters,  nicht  zwei,  sondern  ein  Wille;  denn  der  Wille 
Gottes  ist  nichts  anderes,  als  seine  Natur.  Die  Auffassung  unsrer 
Worte  (durch  Benedict)  ist  möglichst  „absurd^  ^).  Augustin  sage  im 
fünfzehnten  Buche  von  der  Trinität  dasselbe.  Jeder  Verständige  sieht 
demnach  ein,  dass  nicht  wir  hier  geirrt,  sondern  ,Jene  sich  vielleicht 
durch  ihr  unaufmerksames  Lesen  geirrt  haben^. 

In  einem  besondem  in  die  Akten  der  Synode  aufgenommenen  joiim 
Aufsaz  behandelt  und  vertheidigt  Julianus  seine  Behauptung,  dass  drei  °^^ 
Substanzen  in  Christus  bleiben').  Er  schäme  sich  nicht,  das  Wahre 
zu  vertheidigen,  aber  gewisse  (Leute)  werden  sich  vielleicht  schämen, 
nicht  zu  wissen,  was  das  Wahre  ist^).  Jeder  Mensch  bestehe  aus 
zwei  Substanzen,  Leib  und  Seele.  Wenn  nun  in  Christus  die  gott- 
liche Natur  mit  der  menschlichen  sich  vereinigt,  so  könne  man  von 
drei  besondem,  und  im  tropischen  Sinne  von  zwei  Substanzen  spre- 
chen^). —  Aber  nicht  auf  das  „Können^  Julian's  kam  es  an,  sondern 
die  Frage  war,  ob  damals  und  überhaupt  der  kirchliche  Sprachgebrauch 
drei  Substanzen  in  Christus  kannte.  Es  kam  nicht  auf  die  Ausdeutung, 
sondern  auf  den  Gebrauch  des  Wortes  „Substanz^  an.  Bestimmend 
für  alle  Earchen  lateinischer  Zunge  war  der  Sprachgebrauch  der  römi- 
schen Kirche.  Dem  Julianus  war  es  nicht  gestattet,  hierin  gleichsam 
nach  eigenen  Heften  zu  lesen.  Wer  in  Glaubenssachen  seine  beson- 
dere Sprache  redet,  wird  allmälig  anderes  glauben  und  bekennen  als  Joiua 
die  Kirche.  Die  Berufung  Julian's  auf  Augustin  und  Fulgentius  ist  ^^^ 
nicht  durchschlagend.  Denn  nicht  jeder  Ausdruck  Augustin's  ist  mit 
der  kirchlichen  Ausdrucksweise  vereinbarlich  oder  recipirt  worden. 

Auf  diese  zwei   und  noch  zwei  andere  Bedenken  habe  Julianus 
vor  zwei  Jahren  „nach  jener  Gegend  hin**  geantwortet*).    Wenn  jene 


*)  putati  svmus  dixisse :  voluntas  ex  voluntate  (nach  der  Analogie  des 

HenBohen),  quod  tdique  dici  vel  serUiri  absurdissimum  est, 

')  „De  tribus  svbstantiis  in  Christo  manentibus  domini  JtUiani  (usertio 

manifesta**. 

')  foTsan  quosdam  pudebit,  quae  vera  sunt  ignarare, 

*)  possent  et  tres  propriae  et  dtiae  trcfpice  appellari  svbstanÜae, 

*)  Sane  guatuor  specialitates  capittdorum,  gtuze,  üb  a  nobis  solida  ej^ke- 

rerUwr,  hortati  sunt  (d.  i.  nor  der  Papst  Benedict  II.),  quid  a  quo  fwrii  doeiore 


286  AditesBiieh.    Zwölftes  Kapitel 

(Bomer)  in  Znkaiift,  entg^en  den  dogmatischen  AoBsprächen  der 
Vater  anders  denken ,  so  darf  man  mit  ihnen  nicht  weiter  streiten, 
sondern,  indem  wir  geraden  Schrittes  wandehi  in  den  Fosstapfen  der 
Vorfahren,  wird  in  Folge  des  göttlichen  Gerichtes  unsere  Antwort  den 
Liebhabern  der  Wahrheit  erlialieil  CrMflielBeil,  wmn  de  BlA  m- 
Wl886lldeil  N6ll61lllllld6ni  nicht  stichhaltig  (?)  za  sein  scheint. 

§.   20. 

So  sprach  Juliano^  der  Primas,  und  überliess  Rom  seinem  Schick- 
sal. Hatte  er  doch  ^fur  alle  Zeiten  der  Ewigkeit^  seinen  Primat  ge- 
gründet Die  Spanier  aber  sagten,  dass  man  in  Rom  voll  Bewonder- 
nng  Jnlian's  Reden  aufgenommen,  und  ihm  in  Allem  recht  gegeboi 
habe«  Schon  Isidor  Pacensis  weiss  es  (c.  754):  „Würdig  und  fromm 
nimmt  Rom  Julian's  Antworten  auf,  und  es  befiehlt,  dass  Alle  sie  lesen 
und  dem  höchsten  Ejtiser  (in  Ostrom)  theilt  Rom  die  Antwort  mit, 
rufend:  Dein  Lob,  o  Herr,  (geht)  bis  an  die  Enden  der  Erde«  Dieser 
aber  (der  Ejdser?  oder  der  Papst?)  sandte  dem  Herrn  Julianns  durdi 
die  erwähnten  Legaten  ein  Rescript  sehr  ehrenvoll  zur  Danksagung 
snrück,  erklärend,  dass  Alles,  was  Julianus  geschrieben,  recht  und 
fromm  sei^  *)• 

§.  21. 

Mächtig  hatte  der  Chronist  in  die  Trompete  gestossen,  und 
mächtig  stiessen  die  Andern  nach  ihm  in  ihre  Tompeten,  Allen  voran 
Roderich  von  Toledo,  des  Julianus  Nachfolger*).    In  demselben  Tone 


prolatum^  congesto  m  uno  responsionis  nostrae  libro,  ante  hoc  biennium  parti 
Uli  porreximvs  dignoscendum.  Jam  vero  si  post  haec  et  ab  ipsis  dogmatünu 
Patrum,  quilms  haec  prolata  sunt  in  quociinque  dissentiunt,  nonjam  cum  iUii 
est  amplius  contendendum ;  std  majonim  directo  calle  inhaerentes  vestigiis,  erü 
per  divinum  Judicium  amatoriJbus  veritatis  responsio  nostra  sublimis,  etiam  «t 
ab  ignorantibu^  aemulis  censeatur  indocilis.  Wir  wissen  keinen  passenden  deat- 
sehen  Ausdruck  Hlr:  indocilis, 

*)  Isidor,  Pac.  26.  quod  Borna  digne  et  pie  recipit,  et  cunctis  legendum 
indicit:  et  summa  Imperatori  satis  acdamando:  Laus  UtaDeus  in  fines  terrae^ 
cngniium  facit.  Qtii  et  rescriptum  Domino  Juliano  per  supra  fatos  legatos  satis 
cum  gratiarum  actione  honorifice  remittit,  et  omnia,  quaecunque  scripsit ,  justa 
et  pia  esse  depromit. 

*)  de  rdms  Hispaniae^  3, 14.  Quod  Roma  digne  et  pie  recipiens,  cunctis 
legendum  indixit,  atque  Imperator,  (alias  Papa)  acdamando:  Lau^  tua  Dms 
in  fines  terrae,  lectnm  saepliu  notmn  fecit:  qui  et  rescriptum  domino  Juliano 
per  supra  fatos  legatos  cum  gratiarum  actione,  et  cam  bonore  remisü,  et  omnia, 
quaecynque  scripsit,  justa  et  pia  esse  deprompsit 


Rom  und  Jnliairas.  237 

ging  der  Jubel  fort,  bis  auf  die  neuere  Zeit.  Nur  der  Jesuit  Mariana 
und  der  Kardinal  Baronius^)  erlauben  sich  Bedenken,  ob  denn  Julianus 
in  seinem  Rechte  gewesen  sei.  Andere,  wie  die  BoUandisten  im 
lieben  Julian's^)  und  Kardinal  Lorenzana  drücken  die  Augen  zu,  loben 
den  Papst,  und  schweigen  zu  den  „Invectiven"  Julian's^,  Florez 
endlich  glaubt  und  erzählt  treuherzig  nach,  welchen  Jubel  des  Julianus 
Antwort  in  Kom  hei-vorgerufen.  Der  Tadel  aber  einiger  Ausdrücke 
Julian's  sei  nicht  vom  Papste,  sondern  von  Rom  (einigen  Romern?) 
ausgegangen.  Denn  ,,11Ild6nkbftr^^  ist  es  einerseits,  dass  Julianus  so 
von  einem  Papst  gesprochen,  anderseits,  dass  derartige,  gegen  die 
Ehre  Spaniens  laufende  Vorwürfe  ihn  trafen.  „Ich  wenigstens,  sagt  er, 
verstehe  die  Sache  so;  denn  in  Rom  fassten  sie  die  Sache  zu  Gunsten 
Julian's  auf«*). 

"Wir  aber  fassen  die  Sache  so,  dass  der  Weg,  den  Julianus  wan« 
delte,  zum  Schisma,  zur  Trennung  von  Rom  führte,  dass  das  Schisma 
des  Westens  dem  Schisma  des  Ostens  vorhergegangen  wäre,  wenn 
nicht  Gott  in  seinen  verborgenen  und  allzeit  anbetungswürdigen  Rath- 
schlüssen  die  Kirche  und  das  Volk  der  Westgothen  in  die  Gewalt  der 
Feinde  gegeben  hätte,  um  dieselbe,  die  Kirche  Spaniens,  bei  ihrer 
Wiederherstellung  mit  neuen  und  festern  Banden  an  die  römische,  an 
die  katholische  Kirche  zu  knüpfen.  Wie  die  frommen  Spanier,  sagen 
auch  wir,  dass  Gott  Spanien  (im  Jahre  711)  für  seine  Sünden  habe 
züchtigen  wollen,  aber  die  Züchtigung  war  auch  eine  Heimsuchung, 
eine  Gnade,   und  in  der  Strafe   verherrlichte  sich  der  erbarmungsvoUe 


')  (nnnium  scriptorum  Ecdesiasticorum  doctorum  arhitrum  esse  Romanvm 
Antistitem,  atque  de  his  singulis  esse  judicem  Apostolicam  sedem. 

Sed  avdi  modo  Joannis  Marianae  de  ^rismodi  Jvliani  sententia  Judicium 
gravi  lance  perpensum,  cUgue  ita  proUxbum :  „Nofns,  inquit,  cHiquanto  liberior 
visa  est,  quam  tU  JiUiani  Tnodestiam  erga  Romanum  Fontificem,  summum 
JScclesiae  doctorem  deceret.  Et  nimirum  de  ingenii  laude  cui  quicquam  con- 
cedat,  rarus  est,  et  in  ardore  dispviandi  modum  teuere  difficüe.  Erat  enim 
JvUanus  eruditionis  laude  ea  aetate  celehris,  ut  ejus  libri  ttstantur,  ac  prae- 
sertim  opus  quod  Prognosticon  saecidi  venturi  nominavit,  liberque  de  sex  aeta- 
tibus,  qui  libri  ad  nostram  aetatem  conservati  sunt,  alii  injuria  temporum  desi- 
deraniur.  Fuit  ex  Judaeorum  sanguine  propagatus,  Eugenii  tertii  discipulus*^, 
etc.  ista  quidem  ipse.  Ex  Judaeis  (ut  vidimi^)  Julianus  ad  Ecdesiam  veni- 
ens,  doctrina  fidgens,  nomine  celebris  ad  primaria^  in  Hispania  Ecclesiae 
Episcopatum  ex  neophyto  evectus  est,  quod  in  primitiva  Ecdesia  nonnisi  Apo- 
stolica  indtdgentia  licuisset,  prohibente  Apostolo  ordinari  neophytum,  ne  (ut  ait) 
in  superbiam  elatus,  in  Judicium  incidat  diaboli,  Nos  reliqua  prosequamur 
historiae.    Annales,  688,  nr,  3—5. 

')  Act.  Sanetarum,  Mart.  I,  p,  784, 

*)  Patres  Toletani,  t  II,  p,  XIX. 

*)  Florez,  V,  280. 


33n  Ao}it«aBncb.  Zwölftes  Kapitel.  —  Rom  und  Jaliuiiu. 

Gott,  der  Spanien  in  die  Uand  seiner  Feinde  gab,    damit   er  es  wun- 
derbar aus  der  Hand  seiner  Feinde  errette'). 


')  Hier  sollte  Ncb  eine  weitere  ÄbbandluDg  über  die  Sammlung  des  altspftoi- 
oehca  Kirctienrcchts  (Corpus  Canonum  ecctesioE  Hispaniac)  einreihen.  In  ciaer 
frUbcrn  Abhandlung  sachte  ich  theils  nacheuwcisen,  tbeils  wnhrscbeiiüich  su  macbea, 
dasB  die  Summlung  tu  Toledo  nm  610— tili  dnrch  den  Erabiscbof  Anrosiaa  ange- 
legt oder  Angeregt  worden,  im  Interesse  der  Machtansprüobe  der  Kirche  von  Toledo, 
Diese  Theorie  ist  durch  die  Einwürfe  des  Canonisten  Maasscn  nicht  erschüttert  wor- 
den. Weil  mir  diese  Einwürfe  aber  erst  ror  wenigen  Wochen  zur  Kenntniss  geJfom- 
men,  so  halte  ich  ca  ftlr  pAsscnd,  die  crwühnte  Abbandlnng  spütcr  einzareihen,  stJit 
ira  et  cum  sttidio.  Die  Correspondcnz,  welche  ich  in  dieser  Frage  mit  mehreren 
Gelehrten  anknüpfe,  bindert  mich,  dieselbe  jezt  uilzutbcilen. 

Ebenso  wird  unten  in  Kürze  von  den  christlichen  Inschriften  in  Spanien  ge- 
handelt werden,  da  das  Werk  Em.  IlUbner's  über  diese  Inschriften  mir  gleiclif«lls  enl 
vor  wenigen  Wochen  bekannt  wurde. 


^ 


Neuntes  Buch. 


Die  zwei  ersten  Jahrhmiderte  der  Enechtsclialk. 

Von  Govadonga  nach  Compostella. 


ErstesKapitel. 

Die  Katastrophe.  —  Die  Zeit  von  711— 75S. 

§.1. 

Nach  achttägiger  Schlacht  war  das  Heer  und  Volk  der  Gothen  spaniM 
vernichtet  (Juli  711).  Der  Schrecken  der  Betäubung  fiel  über  Spanien.  "*■"• 
Fast  widerstandslos  fiel  das  durch  die  Natur  so  befestigte  Land  in  die 
Gewalt  der  Mauren.  Fast  ohne  Widerstand  fielen  Malaga,  Slvira, 
Mentesa,  Sevilla,  nach  einigem  Widerstände  Corduba,  Emerita  und 
Orihuela,  fast  ohne  Widerstand  die  feste  Königsstadt  Toledo,  dann  die 
Orte  zwischen  Toledo  und  Saragossa,  nach  hartem  Widerstand  das 
allzeit  standhafte  Saragossa  (713^,  es  fielen  Barcelona,  Gerona;  das 
hochragende  Tarragona  wurde  ein  Trämmerhaufe.  Die  Reste  der 
Streitbaren  flüchteten  in  die  Hochgebirge  und  in  die  tiefen  Schluchten 
von  Cantabrien,  von  Asturien  und  Galicien^). 

Bald  aber  überschritten  die  Mauren  das  Grenzgebirge  der  Pyre- 
näen.   Es  galt  einen  hohen  Preis,  ein  hohes  Ziel,  es  galt,  ganz  Europa  xampf 
dem  Halbmonde  zu  unterwerfen.    Die  Völker,   die  anbetend  vor  dem    "" 
Sohne  Gottes  knieeten,  sollten  an  Muhamed,  als  den  Gesandten  Gottes 
glauben.  —  In  denselben  Tagen,  in  welchen  der  Apostel  Bonifacias 


*)  „(CatUiverio)  Captimtaa  de  los  Saracenoa"  ist  bei  den  Spaniern  der 
stehende  Ansdrack  für  die  Zeit  der  Manrenhenrschaft 


Nenntu  Buch.    Erstes  Kapitel 

ans  dem  Lande  der  Aiigdsaclisen  auszog,  um,  mit  dem  Seger 
Verbindaiig  mit  der  romischeu  Kirche  Dentschland  zu  cbris 
und  das  Frankenreicli  kirchlicb  neu  zu  organisircu ;  Bonifacius, 
wie  die  frommen  Spanier  aller  Zeiten,  die  Niederlage  der  Sp 
Jabre  711  als  ein  göttlifbes  Strafgeric^hi  fiir  ihre  Sünden  betra 
brachen  die  Araber  mit  grossen  Heeren  durch  die  E^ugpässe  d 
näeu,  überschwemmten  das  ganze  südlicbe  Gallien,  drangen 
bis  gegen  Toura  und  die  Loire  vor,  überscbritten  die  Kbt 
erreichten  Autun  und  Lyon.  —  Zu  derselben  Zeit,  besonder 
Jahren  717 — 719  belagerten  sie  dreizehn  Monate  lang  Consti 
daa  als  sichere  Beute  vor  ihnen  lag,  zur  See  ond  zu  Lai 
Landheer  ging  durch  einen  strengen  Winter  und  durch  Seuch 
zu  Grunde,  die  Flotte  wurde  wieder  durch  das  griechische  F' 
atort'}.  —  In  Gallien  war  es  zuerst  der  Herzog  Eudes  von  At 
welcher  die  Mauren  bei  Toulouse  schlug  (721).  —  Karl  Hart« 
sie  in  entscheidender  Schlacht  zwischen  Tours  und  Poitiers. 
fuhrer  Abderrhhaman  fiel  im  Kampfe  (i.S2). 


k  Die  Chronik  des  sogenannten  Isidor  von  Pacc,    welche 

.  nadi  die  nächste  Quelle  der  Ereignisse  vom  Jahre  711  an  i 
i' dei)  Titel:  Isidori  Pacensis  episcoj^i  chronicon,  und  stellt  j^ic 
gedrängter  chronologischer  Abriss  der  Geschichte  der  ostr 
Kaiser,  von  Heraclius  an  (610),  der  Herrscher  der  Aral 
Jahre  622  oder  dem  ersten  Jahre  der  Hegira),  bis  zum  Jah 
Die  Chronik  will  eine  Fortsezung  der  Weltchronik  des  Is 
Sevilla  sein,  welche  bis  zum  Anfang  der  Itegierung  des 
reichte.     Sie  wurde  nach  dem  Jahre  1100  ans  einem  Codex  / 


')  Bonifacms  EtheUialdo  rtgi,  tp.  62  (ann.  74!i) :  aimt  ulü 
Hispaniae,  et  Provinciae  (die  Provence  wur  damula  von  den  Araberu  t 
et  Burgundionum  poputis  c/mtigit,  quat  sie  a  Dm  recedenfes  fornkv 
judex  omnipotens  taUum  criminum  uUrices  potnas  per  ignorantiuvt 
et  per  Saracenos,  venire  et  saevire  permiint. 

')  Schon  ia  den  Jahren  671— C7S  hatten  sie  wiederhult  ConslaiiÜE 
gert  ConatAntin  Porphyrogen.  behauptete  im  Jahre  949,  das  griechische  Feu< 
einen  Eogel  Conatantin  dem  üroasen  anvertraut  worden.  Wer  das  Geheioi 
BereitDng  verrathe,  solle  ewig  verflucht  und  ausgestoBsen  sein.  Spater  s 
den  Arabern  das  Geheimniss  verrathen,  und  ConsCantinopel  selbst,  so  o( 
vertheidjgt,  erlag  später  seiner  zerstörenden  Wirkung,  cf.  Eucyklopädie  < 
und  Gniber,  I.  Bd.  91,  S.  8,  Leipz.  1871. 

*>  IiKtpit  epitotne  Imperatorum  vel  Arabiint  Ephemerides,  atqi 
BIO«  chronographia  tub  uno  volttmine  coUeda. 


Chronik  von  711—754.  241 

fundcn  und  abgeschrieben,  und  stand  hinter  der  Chronik  des  Isidor 
1  Sevilla.  Der  Verfasser  der  Inhaltsangabe  des  Codex  schreibt  diese 
ironik  dem  „Isidor,  Pacerms  ecclesiae  episcoptia^  zu. 

Es  ist  klar,  sagt  R.  Dozy^),  dass  der  (abschreibende)  Mönch  die 
Ibe  „Hi8^  bei  Hispalensis  wegliess^  was  im  Mittelalter  gewöhnlich 
rde,  und  dass  er  „pacensis^  statt  y,palen8%8^  las.  Die  aus  dem 
lex  gezogenen  Folgerungen  seien  falsch,  dass  es  einen  Isidor,  Bischof 
1  Face,  gegeben,  der  diese  Chronik  verfasst  habe. 

Dozy  sagt,  dass  die  Stadt  Face  in  dieser  ganzen  Chronik  gar 
ht  vorkomme,  dass  sie  aber,  wenn  der  Verfasser  in  Face  gelebt 
:te,  wegen  eines  Aufstandes  der  Facenser  gegen  einen  maurischen 
ittbalter  hätte  vorkommen  müssen,  von  dem  der  Schriftsteller  Maccari 
'ichtet^).  Er  nimmt  an,  dass  der  uns  unbekannte  Verfasser  zu  Cor- 
ba  gelebt  habe,  wegen  der  grossen  Anschaulichkeit  und  Vorliebe, 
mit  er  die  dortigen  Ereignisse  beschreibt,  so  dass  man  an  einen 
igenzeugen  derselben  denken  müsse.  Das  Werk  selbst  ist  in  ge- 
mter  Frosa,  und  von  Jemand,  der  mitten  unter  den  Arabern  lebte, 
verweist  auf  einige  andere  früher  von  ihm  verfasste  Geschichts- 
Tke^).  —  Dozy  hat  weiter  an  Beispielen  nachgewiesen,  dass  mehrere 
^llen  interpolirt  seien,  d.  i.  dass  Glossen,  welche  die  Abschreiber 
r  Erklärung  des  Textes  an  den  Kand  sezten,  im  Laufe  der  Zeit  in 
1  Text  selbst  gekommen  sind.  Der  lateinische  Styl  des  Chronisten 
tbeils  sehr  originell;  theils  sehr  unverständlich.  Wir  treten  im 
Igemeinen  den  Annahmen  Dozy's  bei.  Die  Thatsachen,  welche  sich 
3  dieser  Chronik  für  die  Kirchengeschichte  Spaniens  in  den  Jah- 
I  711 — 754  entnehmen  lassen,  sind  spärlich. 


')  Recherches  sur  Vkistoire  et  la  lütirature  de  VEspagne  pendant  le 
yen  age^  par  K.  Dozy,  2  idit,  Leyden,  1861^  t.  I,  2^15  (Chronique  d^Isi- 
•e  de  Bija). 

^)  Maccari^  t  II,  p,  17,  edit.  de  Leyden, 
*)  z.  B.  70.    Quisquü  vero  hujus  rei  gesta 
cupit  scire^  singvla  in  epitome  temporwn  legat 
quam  dudum  coüegimus,  in  qua  cuncia 

reperiet  enodata: 
ubi  et  prodia  Maurorum  adveraua  Ckiltum  dimicantium  euneta 

reperiet  scripta 
et  Hispaniae  bella  eo  tempore  imminentia  releget 

annotata  (cf,  c.  65). 
c.  78.    Reliqua  vero  gesta  eorum  —  nonne  Tiaec  scripta  sunt  in  libro 
verborum  dierum  saectUi,  quem  Chronicis  praeteritis  ad  singula  addere 
procurauimus  f 
Leztere  Redewendnog  mahnt  an  jüdisch  -  orientalische  Sprache.    Eines  von 
sen   zwei  oder  drei  Werken  kann  die   Continuatio  Ckronici  Joann,  Bicla- 
isis  sein  (Fiorez  VI,  430—441),  die  mit  dem  Siege  des  Herzogs  Endes  im 
ire  721  schliesst 

O^xoB,  Mj^Ok.  Kirch«.    IL  8.  16 


§.  3.     Sindered  und  Oppas. 

UiilPi"  Witiza  wurde  Sindered  Primas  von  Toledo,  ( 
suiiliclio  Frömmigkeit  zwar  der  Clironiat  auerkennt,  dem  e 
Kcliwereo  Vorwurfe  maclit,  daE>8  er  aus  Rücksicht  gegen 
i'ilteren  Mitglieder  des  Klerus  heftig  getadelt  habe,  uud  de 
Nt-hwerern,  dass  er  beim  Heraouahcn  der  Gefahr  die  ihm 
Heerde  feige  im  Stiche  gelassen  habe,  und  nach  Rom  gel 
Tu  der  Tliat  finden  wir  den  Diechof  Sindered  unter  denen, 
rümificlie  Synode  des  Jahres  721  unterschrieben,  wornacli 
das»  er  überhaupt  nicht  mehr  nach  Spanien  zurückkehrte.") 
kern  Worten  noch  bezeichnet  Roderich  von  Toledo  seine  '. 
Feigheit  ")■ 

Unter  denen,  welche  die  Sache  Spaniens  verrathen  b 
in  erster  Linie  der  Bischof  Oppas  von  Sevilla  genaumt.  ] 
Bruder  Witiza's.  Er  soll  mit  den  Sühnen  des  Ijezteru  i 
gegangen,  und  die  Mauren  zatn  Einfall  aufgefordert  haben 
nach  neuem  Forschungen  der  Abfall  der  Söhne  Witiza's  i 
S<'hlacht  am  Guadalete  erfolgte,  so  fällt  damit  das  Ersti 
Aber  auch  von  seinem  Antheilc  an  der  Schlacht  schweigen 
Nach  der  Katastrophe  aber  scheint  er  einen  traurigen  Antl 
vülligen  Unterwerfung  des  Landes  gehabt  zu  haben.  Musf 
herr,  eilte  nach  Toledo,  und  bediente  sich  dabei  der  Hilte 
„Einige  angesehene  Adelige,  welche  zurückgeblieben  waren, 
wollten,  liess  er  durch  Oppas,  den  Sohn  des  Königs  Egica 
Dieser  Opas  erscheint  auch  in  einigen  Verzeichnissen  als 
Toledo.  —  Weiler  berichtet  Roderich  von  Toledo  (nn. 
Quellen,  wissen  wir  nicht),    Oppas  sei  mit  dem  Araber  AI 


')  Isidor  Pac.  c.  35. 

')  Pac.  c.  35:  qui  et  post  modtcum  ineursus  Ardbum  erpa 
iit  pastor,  sed  vt  mercenarius  Christi  ovea  contra  decreta  major, 
Roinanae  patriae  sese  adventat  (dasa  Sindered  nicht  ans  Rom  stauDi 
verstÜDdlirh,  olif;lcic)i  der  iinlichilflic^be  Ausdrack  des  ChroDiaten  es  verc 

')  Jlis  diebiLi  Sinderedus,  urbis  regiae  }>raesui  et  Primaa 
Arafmm  expavexceits,  et  Vitizae  innvientiis  fatigatve,  Romanac 
iledil,  oves  deserens,  ut  mercenarius,  non  ut  pastor.  Roder.  3,  Ih 
Sjnode  von  T2I  nennt  er  sJcli :  „episcoptts  ex  Ilispania' ,  und  nnlcn 
den  Bischöfen  aus  Italien. 

*)  Musa  nonnuUos  seniores  (i.  e.  nobües  viros),  qm  ufcum 
aerant,  per  Oppatn  filivm.  Egieae  regis  a  Toleto  fugam  arripifn/ein  ( 
moint  JJozy),  gladio  patihvii  jugiUat,  H  per  ejt*s  occasioneiii  c 
dcfnmrat.  Is.  P.  cp.  36. 


Die  BimMfe  von  711—754.  243 

nach  Asturien,  bis  zu  der  Hohle  gedrungen,  in  der  Pelagius  wohnte« 
Hier  seien  vor  der  Höhle  des  Berges  Auseva  an  20,000  Araber  ge- 
fallen, mit  ihnen  Alchamam,  Oppas  aber  sei  in  die  Hände  des  Pela- 
gius gefallen  0. 

§.  4. 

Während  der  Abwesenheit  des  Bischofs  Sindered  in  Rom  wurde 
Urban,  sei  es  zum  Verweser,  oder  zum  wirklichen  Erzbischof,  durch 
den  Klerus  erwählt.  „Um  diese  Zelt,  sagt  der  Chronist'),  waren  Fredo- 
arius  (ed.  S.  Frodoariua),  der  Bischof  des  Accitanischen  Sizes,  Ur- 
banus,  der  „melodische  Veteran^  (Domcantor?)  der  königlichen  Stadt 
Toledo,  und  Evantius,  Archidiakon  desselben  Sizes,  gar  sehr  durch 
Wissenschaft,  durch  Weisheit,  auch  durch  Heiligkeit  berühmt,  und  — 
nach  der  Schrift,  (stark)  in  allem  Glauben,  aller  Hoffiiung  und  Liebe, 
zur  Stärkung  der  Kirche  Gottes**'). 

Fredoarius  von  Acci  blühte  um  das  Jahr  720.  Nach  Vasäus 
wäre  sein  Tod  um  das  Jahr  721  erfolgt,  aber  diese  Angabe  finden  wir 
nicht  mehr  in  der  Chronik^). 

Zum  Jahre  737  berichtet  der  Chronist:  Um  dieselbe  Zeit  wan- 
derten die  Lehrer  der  Kirche,  die  Leuchten  in  heiligem  Wandel,  Ur- 
banus  und  Evantius,  freudig  zu  dem  Herrn,  und  ruhen  im  Frieden^). 

lioderich  nennt  den  Urban  einen  „erwählten^  EIrzbischof.  Viel- 
leicht war  er  Stellvertreter  zu  Lebzeiten  des  Sindered ,  und  nach  dessen 
Tode  (nach  720)  wirklicher  Erzbischof«). 

Zum  Jahre  746  berichtet  der  Chronist:  „Um  diese  Zeit  wurde 
Petrus  Pulcher,  der  Diakon  von  Toledo,  in  Spanien  für  einen  gefeier- ^^«'«'^• 


*)  de  rebus  Hispaniae,  3,  2,  —  Oppa  autem  a  Pelagio  captus  mansit 
Ab  cUiquibus  dicitur  Oppa  fuisse  filius  Vitizae,  ab  aliquibus  f rater  comUis 
Jvliani.  Sed  verius  filius  fuit  Egicae  et  frater  Vitizae.  8ed  —  certum  eit 
fuisse  Architpiscopum  Hispalensemi  (d.  h.  nicht  von  Toledo).  Andere  geben  die 
Zahl  der  Gefallenen  auf  124.000  an. 

*)  Isidfxr,  Pac.  nr.  49,  —  Roder.  3,  3, 

')  Per  idefin  tempus  Fredoarius,  Äccitanae  sedis  episcopus^  ürbanus  To- 
letanae  Sedis  urbis  regiae  cathedralis  veteranus  melodicus,  atque  ejusdem  sedis 
Evantius  Archidia^onus ,  nimium  doctrina,  et  sapientia,  sanctitate  quoque,  et 
in  omni  secundum  scripiuram  Spe^  Fide,  et  Charitate  ad  confortandam  ecde- 
siam  Dei  dari  habentur, 

*)  Florez,  VII,  40—42.  Petr.  Suarez,  Historia  del  Obispado  de  Quadix, 
1696,  p.  134. 

')  c.  62,  Per  idem  tempus  viri  doctores,  et  sancHmoniae  studio  satis 
pollentes,  ürbanus  et  Evantius,  laeti  ad  Dominum  pergentes  quiescwU  in  pace. 

•)  Florez,  V,  318—323.  —  Perez  sagt:  Hie  Oppas  intrusus,  et  ürbanus 
functus  munere  absentis  episcopi.    Florez  glaubt,  daas  er  nicht  geweiht  worden. 


tom 


tcn  Musiker,  ja   fiir  sehr  bewandert   in    allen  Schriften   geh 

l  die  Bewohner  von  Sevilla,   welche  Ostern   zur  unrechten  Ta 

I  richtete  er  eine  treffliche  Schrift,  in  der  er  sie  aus  den  Zeiij 

Väter  belehrte'),  zu  welcher  Zeit^sic  das  Ostei-fest  begehen 

Von  der  Schrift  des  Petrus  ist  Nichts  erhalten"), 

§■  5. 

Nachdem  viele  arabische  Statthalter  im  schnellen  Wccb 
beherrscht  hatten,  gründete  der  Ommijade  Abderrahhman  el  Dal 
sonderesChälifat  (getrennt  von  dem  zu|Damascus)  von  Cordnba 
clier  bis  zum  Jahre  788  über  Spanien  regierte.  Sein  Sohn  Hesclu 
der  Regierung  (bis  79ti).  ElHhakem  regierte  bis  822.  In  Asturi 
zuerst  Don  Pelayo  (Pelagius),  von  der  Höhle  Cova  (Cava)  I 
gehend,  gegen  die  Araber  und  gegen  Üppas,  den  Renegaten. 
Rgifta  erster  Herrseher   des   christlichen  Reiches  Asturien.     Die   K 
■   T™    hoben  sich  aas  ihren  Trümmern.     Nach  einer  Regierung  voi 
,      '"andern  19  Jahren  (f  739?)  folgte  sein  SohnFavila,  welcher 
Jahren  anf  der  Jagd  umkam.    Alfoae,  der  Katholische,  der  Seh 
Felayo's,  folgte  ihm,  welcher  über  Asturien  und  Cantabrien  \ 
,  £r  zog  durch  Oalicien,  und  durchzog  siegreich  das  Land  b 

Sfllamanca  und  Avila.  Die  befreiten  Christen  führte  er  mit  -. 
Berge  seines  Reiches,  das  von  Astorga  bis  zur  Rioja  sich 
Nach  einer  Regierung  von  18  Jahren  starb  er  (c.  739 — 75 
Sein  Sohn  Fruela  I.  kämpfle  siegreich  gegen  die  Ai 
Fontumium  in  Galicien  sollen  allein  54,000  Mauren  gefallen 
unruhigen  Vasconen  züchtigte  er.  Er  erbaute  die  Stadt  O 
in  ihr  die  Kirche  San  Salvador),  welche  lange  Zeit  Hatip 
Asturien  war.  Das  Bisthum  Oviedo  entstand  im  Anfang  d 
Jahrhunderts  (802—814)*).  Als  aber  Fruela  aus  falschen 
seinen  Bruder  Yimaran  hatte  ermorden  lassen,  wurde  nach 
gierung  von  11  Jahren  auch  er  ermordet  (768 — 770).  Sein 
Don  Äurdio  regierte  6  Jahre  (769 — 774).  Dessen  Nachl 
war  Schwiegersohn  des  Alfons  I.,  er  starb  ohne  Nachkommen 


')  Petras  Toletanae  sedis  DiaconiM  Pulckev  apud  Hispaniam 
melodicus,  atque  in  omnibus  scripfuria  aapientissimun ;  (ad)  hahilat 
pali  propter  paseJias  erroneas,  ,9uae  ab  eis  sunt  celebratae,  libell 
atque  diversis  auetoritatibus  puhhre  compositum  conscripsit,  ep.  71 

']  Isidori  ehronicon  —  ed.  Pntdentiua  Sandoval.  Pampetonaf, 
-  ibid.  1634.  ~  Espaüa  sagrada,   VIII,  269-282.  325-339. 

'j  Florez  Riaco,  t.  37,  p.  77  sq. 

')  Esp.  $agr.,  t.  37.  App.  6—8.  —  JUasdeu,  Bist.  crit.  dt  Esp.. 


Könige  von  Afitorien.  246 

jähriger  friedlicher  Regierung  in  seinem  Wohnorte  Pravia  (783).  Der 
Eindringling  MaureccU,  ein  Sohn  des  Alfons  I.,  erhielt  sich  bis  zu  seinem 
Tode  (789)  zu  Pravia  in  der  Gewalt.  BermudOj  Sohn  Fruela's,  ein 
Diakon,  vrurde  gegen  seinen  Willen  durch  die  Grossen  des  Reichs 
auf  den  Thron  erhoben.  Nach  3  Jahren  dankte  er  zu  Gunsten  seines 
Neffen  Alfons  II.  ab  (792)0- 


*)  Chronicon  Alb(v)elden8e,  anch  Aemüianense  oder  Dulcidii  genannt,  ap. 

"^   FloTtz,  Xllly  433 — i66,   —    Chronicon  Sebcutiani  iSalmanticensis  (alias  AI- 

'  /oim  ///.,  ibidem,  p.  477-492.  —  Lembke,  316-326;  352-366.   —  Doxy, 

Rtcherches  sur  Vhistoire  du  Royaume  des  Agturies  et  de  Idon^  l.  c.  t  L  90^138. 


Zweites    Kapitel. 

(J.  756—783.) 
Die  Bischöfe  €Ixlla,  Odoarius  nnd  Egila.    Die  Higi 


Als  Nachfolger  des  ürban  auf  dem  SIzb  von  Toledo  voi 
diiB,  dem  Adoptianer,  worden  genannt  Sunifrcdus  (738 — 758), 
diu8  758 — 774),  und  nach  diesem  der  Schriftsteller  CixUa,  we 
das  Juhr  7S2 — 783  gestorben  sein  soll.  Anderseits  kann  es 
dass  er  unmittelbar  auf  Urbiin  inn  das  Jahr  7;!8  gefolgt  eei. 
ihof  Zum  Jahre  744  berichtet  nämlich  der  sogenannte  Isidur 

■''*  nUm  diese  Zeit  ist  der  heiligste  und  von  Kindheit  an  in  doii 
iBdo.  Gottes  stehende  Cixila  Bischof  in  der  Stadt  Toledo.  Und 
seit  dem  Eintritt  der  Araber  in  dieser  Stadt  war,  so  wurde 
Metropoliten  ordinirt:  denn  er  war  im  heiligen  Leben  nntenii 
Wiederher  stell  er  der  Kirchen,  voll  vom  Geiste  des  Glnnbenii,  i 
nung  und  der  Liebe,  und  seine.  Verdieuste  sind  Allen  bekanu 
wollte  ein  Sabelhaner  in  die  Kirche  treten.  C'ixila  befragte 
über,  und  der  Mensch  läugnete  Alles.  Aber  sogleich  wuidi' 
Dämon  so  ergriffen,  dass  die  ganze  Menge  in  Staunen  geriitli 
aber  der  Heilige  zu  beten  begann,  so  übergab  er  denselben  ■ 
gen  Kirche  gesund  und  unverlezt.  Neun  Jahre  verwaltete  er .' 
und  in  der  Liebe,  in  der  er  gelebt,  starb  er"'). 

Da  die  Chronik  das  Jahr  7.'»4  nicht  überschreitet,  s' 
Cixila  in  den  Jahren  738 — 748  Bischof  gewesen  sein.  Auf  di 
Seite  fehlt  dieses  Kapitel  in  mehreren  Handschriften  des  C 
und  es  kann  in  den  Text  durch  eine  spätere  Hand  gekommen 
Wenn  wir  aber  die  Schreibweise  des  Cixila   mit   dem  Style  c 


')  ChTon.  Pac.  e.  69  (Florez,  8.  319). 


Cixila  and  der  heilige  Udefons.  247 

Isidor  Facensis  vergleichen,  so  finden  wie  aufTallende  Aehn- 
Q,  die  ihren  Gmnd  auch  in  der  gegenseitigen  oder  damals 
aen  „Stylverwilderung**  haben  können. 

n  Cixila  besizen  wir  das  „Leben  des  Metropolitanbischofes  des  ^*  '^''- 
n  Toledo,  S.  Ildefons".  Siehe,  sagt  er,  die  honigsossen  Spei-  houigc^ 
s  Herrn  Qdefons,  welche  er  raubend  aus  dem  Paradiese  Gottes,  «wefouH 
streuend  durch  das  ganze  Hesperien,  wodurch  er  unsem  Hunger 
ine  unendliche  Beredtsamkeit  gesättigt  hat.  Darnach  scheint  die- 
m  eine  Vorrede  zu  Bdefons  Schriften  zu  sein.  Udefons  sei  von 
iligen  Papste  Eugen  (II.),  dem  Metropoliten  von  Toledo,  an  Isidor, 
hrer**  und  „Spalensischen^  Metropoliten  gesandt  worden.  Von 
ivurde  er  festgehalten,  und,  wie  man  sagt,  in  irdische  Bande 
I,  damit  er  in  dem,  was  an  Wissen  ihm  noch  fehlte,  vollkom- 
iterrichtct,  zu  seinem  Pädagogus,  dem  Herrn  Eugenius,  zurück- 
Er  war  Diakon  in  der  Kirche  der  heiligen  Cosmas  und  Da- 
der  Vorstadt  von  Toledo,  und  wurde  sodann  Abt.  In  seinem 
sbald  hervorleuchtend  hat  er  sogleich  zwei  Messen  zum  Lobe 
incr  Herren ,  welcher  man  an  ihrem  Feste  sich  bedienen  sollte, 
ser  Kenntniss  der  Melodie  verfasst,  „welche  Messen  ihr  unten 
erdet**. 

ne  Tugend  als  Bischof  habe  hell  hervorgeleuchtet.  Als  er  am 
3r  heiligen  Leocadia  deren  Reliquien  dem  Volke  zeigte,  habe 
Grab,  worin  sie  bis  heute  bcigesczt  sei,  cröfthet,  der  Grab- 
den  kaum  zwanzig  Männer  erheben  könnten,  habe  sich  wie 
eis  Händen  gehoben,  sie  habe  den  Schl(»ier,  dessen  sie  sich 
a  bedient,  gezeigt,  und  sei  mit  ihm  hervorgetreten.  Die  Bi- 
iie  Fürsten,  die  Priester,  die  Diakonen,  der  Klerus  und  das 
:>lk  rief:  „Gott  sei  Dank  im  Himmel,  Gott  sei  Dank  auf  Er- 
d  Niemand  schwieg.  Sie  selbst  aber^)  erhob  mit  dem  ganzen 
re  Stimme  und  rief  laut:  „Gott  sei  Dank.  Es  lebt  meine 
nrch  das  Leben  des  Udefons",  und  diess  wiederholend  sang 
US  mit  Kraft:  „Allelujah*',  und  das  Lied,  welches  der  Herr 
vor  Kurzem  gemacht  hatte:  „Herrlich  ist  sie,  Allelujah:  und 
hlgeruch   ist  wie  reiner  Balsam",    und    Anderes,    was   in    der 


1  sancto  Papa  Eugenio  -—  ad  Doctorein  (Isidorum)  Spalensem  — 
am  sc'wltis  videbaiur,  adeo  ab  eo  teiitus  et  elimaius  est,  et  ut  fcrunt 
ferro  corustrictus,  ut  si  quid  scientiae  deeraf,  pleidus  instrudus,  ad 
fn  suuin  domnum  Eugenium  rameaiis,  luxii  post  midtos  dies  adhuc 
ojßduni  peragens,  in  Ecclesia  SancUrruin  Co»niae  et  Dnmiani,  quae 
%  suburhio  Toletano,  Abha  praeficeretur.  —  Kein  Schriftsteller  des  sie- 
hrhandcrts  berichtet  Aehnlichcs,  und  wir  wollen  Andern  überlassen,  den 
m  Gehalt  dieses  ^Lebens"  zu  ermitteln. 
nanibtAS  statim  complexans  et  adstringens  (den  heiligen  Udefons?). 


CixiU  nnd  lldefons.    Flucht  der  Reliquien.  249 

diesem  Leben  geschmückt^  und  im  kommenden  Leben  sollst  za  mit 
den  andern  Knechten  meines  Sohnes  dich  in  meinen  (seinen?)  Wohnun- 
gen erfreuen^). 

Diess  ist  die  ursprüngliche  Form  einer  Erzählung,  die  im  Laufe 
der  Zeiten  auf  die  verschiedenste  Weise  umgestaltet  wurde.  In  dem 
weiter  ausgeführten  Leben  des  heiligen  Ildefons  von  dem  Schriftsteller, 
den  Florez  „Fr*  RodflgO  d  Cerratense^  nennt,  und  der  im  dreizehnten 
Jahrhundert  lebte,  heisst  es  u.  a.:  „Auf  diesem  Size  (dieser  Cathedra) 
wirst  du  sizen.  Wer  aber  nach  Dir  es  wagen  wird,  dieses  EJieid  an- 
zuziehen, und  auf  dieser  Cathedra  zu  sizen,  der  wird  der  Strafe  nicht 
entfliehen.  Mit  diesen  Worten  verschwand  sie,  und  hinterliess  ihm 
ein  Gewand;  welches  wir  „Albe*'  nennen"').  ■ —  Nach  Rodrigo  von  To- 
ledo (t  1247)  ist  bloss  die  seligste  Jungfrau  dem  Ddefons  erschienen, 
am  18.  December,  begleitet  von  den  Choren  der  Apostel,  der  Mär- 
tyrer und  der  Jungfrauen.  In  ihrer  Ansprache  an  Ildefons  spricht  sie 
nur  vom  diesseitigen  Leben;  sie  sagt:  „empfange  das  Gewand  aus  den 
Schäzen  meines  Sohnes,  damit  du  schon  in  diesem  Leben  mit  dem 
Gewände  der  Glorie  geschmückt,  und  an  DlClncn  Ond  dCU  FCSteU 
meines  Sohnes  mit  demselben  bekleidet  werdest').  —  Es  scheint  mir, 
dass  der  Bericht  des  Cixila  den  Vorzug  verdiene.  Florez  untersucht 
die  Frage,  waruu)  die  Zeitgenossen  des  Ildefons  über  diese  Erschein- 
ungen geschwiegen  haben,  und  findet  die  Antwort  darauf  in  dem  Plane 
des  Cixila,  von  Ildefons  das  zu  berichten,  was  dessen  Zeitgenossen 
ausgelassen  hatten^). 

Verwandt   mit   vorstehendem   Berichte   ist   der   Bericht   von    der  di^  r, 
Flucht   oder   Rettung   der   Heiligthümer   der  Christen  #nach   Asturien.  liQ«*«« 
Urbanus,   der   Nachfolger   des   Sindered    (erzählt  Roderich),    soll   die     tct- 
Lade  (arcam)  der  Reliquien,   die  Schriften   des  Ildefons  und  Julianus, 
und  das  heilige  Kleid,  das  die  seligste  Ji^ngfrau  dem  Ildefons  gegeben^ 
nach  Asturien  gebracht  haben,   wo  sie  von  Ort  zu  Ort,   wie    die  Ver-    ■ 
folgung  es  erheischte,  von  den  Gläubigen  getragen  wurde*).    Derselbe 


*)  Florez,  V.  482^601,  in  fwturo  in  promptuariia  meia  cum  aliis  servis 
Füii  tnei  laeteris. 

*)  MabilUm,  annales  0,  8.  B,,  t  I,  1. 16,  n.  Z.  Albam  absolute  guando- 
que  vocabant  Caaulam  illam,  quod  ex  panno  aWo  co^fecta  esset.  —  Vita  8,  II- 
defonsi  por  el  Cerratense,  ap.  Florez,  V,  602^606. 

*)  Roderic.  Toi  lib.  2,  cp.  22. 

*)  Florez,  V,  493-498;  600-501. 

')  Roderic.  4,  3,  Die  Unwissenheit  des  Boderich  über  die  Lage  der  Christen 
anter  den  Arabern  ist  erstaunlich. 


260  Nemitoi  Btioh.    Zweites  KapUel 

sagt,  dass  diess  die  Ardie  der  zahlreichen  Reliquien  gewesen,  welche 
sich  in  Oviedo  befanden  haben  ^).  Ganz  nahe  bei  Avil»  zeigt  man 
eine  Stelle,  wo  die  Träger  der  Reliquien  aasgemht  haben.  Diese 
Stelle  weist  anf  die  Richtung  von  Toledo  hin« 

Wahrscheinlich  ¥rurden  verschiedene  Reliquien  za  verschiedenen 
Zeiten  nach  Asturien  gefluchtet,  je  nachdem  Grelegenheit  oder  Gre&br 
war;  viele  wohl  auch  heimlich,  woher  sich  die  Erscheinung  erklart, 
dass  sich  dieselben  sowohl  an  dem  ursprünglichen  als  ao  dem  Orte 
der  Uebertragung  befinden  sollten.  Viele  Kostbarkeiten  wnrden  auch 
vergraben,  und  so  verloren.  Diess  gesdiah  mit  den  goldenen  Kronen, 
von  denen  eine  den  Namen  des  Receswinth  tragt  Man  fand  im  Jahre 
1868  in  dem  Oratorium  Guadamur  bei  Guarrazar  (nahe  bei  Toledo) 
acht  Kronen  der  gothischen  Konige  (?),  geschmückt  mit  Gammen, 
y^^^  Etfdelsteinen,  Kreuzen,  und  Inschrifien,  deren  zwei  sich  im  Mu- 
seum Cluny  zu  Paris,  die  übrigen  in  der  königlichen  Bibliothek  zu 
Madrid  befinden*).  Die  grosste  Ejrone,  ein  hängendes  Kreoz  ohne 
Buchstaben,  tragt  die  Inschrifl:  Becesumthua  rex  offerei  (der  Konig 
Receswinth  opfert);  die  kleinere  E[rone  ohne  Buchstaben,  ein  schwe- 
bendes Kreuz  mit  der  Inschrifl:  In  Domini  Nomine  offeret  Sonnica 
Sancte  Marie  in  Sorbacee  (im  Namen  des  Herrn  opfert  diese  Krone 
Sonnica  der  heiligen  Maria  in  Sorbaces). 

Die  dritte  Krone  ist  mit  den  Buchstaben  geschmückt:  Suintiü' 
kmiu  rex  offeret  (Konig  Swintila  opfert).  Die  vierte  Krone  tragt 
ebenso  die  Inschrifl:  Offeret  mumisculum  aancto  Stephano  Tkeodostu» 
ahba  (es  opfert  diese  geringe  Gabe  der  Abt  Theodosius).  Ferner  ein 
goldenes  Kreuz  mit  der  Inschrift  auf  der  Rückseite:  In  nomine  d(o7iü)nif 
in  nomine  8(anct)i  offeret  Lticef  pins  (im  Namen  des  Herrn,  im  Namen 
des  Heiligen  opfert  der  fromme  Luce?)^. 

Eine  Zeit  lang  glaubte   man   die  Kronen  des  Receswinth,    seiner 


*)  4,  8,  Die  Arche  sei  aus  Jerusiilciu  nach  Toledo,  von  da  nach  Oviodo 
gtkommen,  wo  sich  auch  das  Messgewand  des  heiligen  Ildefons  befanden  habe. 

')  So  sagt  in:  Inecriptiones  Hispaniae  Christianae,  ed,  Aemilitu  Hübntr, 
Berol.  1871,  p.  50.  Als  ich  im  Jahre  ISr»!  diese  Kronen  in  Paris  sah,  waren  a 
sieben.  Entweder  sind  sie  später,  als  Hübner  in  Spanien  war,  nach  Paris  gekuui- 
nien,  oder  die  kleinem  sind  von  Paris  nach  Spanien  zurückgekommen.  Jedenfiüls 
ist  es  geradezu  unbegreiflich,  wie  man  ein  solches  Nationalgut  in  das  Ausland 
wandern  Hess. 

")  Ferd.  de  Lasteyrie,  description  du  trhor  de  Ouarrazar,  accompagnh 
de  recherches  itur  toutcs  les  questions,  qui  s'y  rettrachent,  Paris  1860^  4*,  — 
Jose  Ämator  de  los  Kios:  El  arte  latino-bizantino  y  las  Coronas  visigodas  di 
Ghiarrazar,  Madrid  1861,  4\  —  Ders.  in  „Monumenlos  arquitectonicos  de  Espana, 
fasc.  21.  —  FeL  Dahn,  Verfass.  der  Westgothen,  S.  514.  —  Die  Araber  fanden 
die  Kronen  von  23  gothischen  Königen  zu  Toledo. 


Die  Reliquien.    Odoariiis  von  Logo.  251 

angeblichen  Gemahlin  Sonnica,  und  seiner  Kinder  zu  besizen.  Indess 
sind  diese  Kronen  religiöse  Weihegeschenke  in  Kirchen,  vielleicht 
gerade  in  die  Kirche,  wo  sie  gefunden  wurden.  Auch  bei  Longobarden 
und  Franken  war  es  Sitte,  hängende  Votivkronen  zu  opfern.  Die  be- 
rühmteste dieser  Kronen  ist  die  sogenannte  eiserne  Krone  des  Königs 
Agilulf,  mit  der  Inschrift:  Agilulf,  von  Gottes  Gnaden  glorreicher 
König  von  ganz  Italien,  opfert  (diese  Krone)  dem  heiligen  Johannes 
dem  Täufer  in  der  Kirche  von  Monza'). 

§.  3. 

Florez  sucht  den  Beweis  zu  führen,  dass  die  Reliquien  nicht  so 
frühe,  als  es  Rodrigo  angibt,  nach  Asturien  geflüchtet  worden  seien. 
Als  Beweis  seiner  Behauptung  fährt  er  die  Worte  des  Cixila  an,  dass 
der  heilige  Leib  der  Bekennerin  Leocadia  bis  zum  heutigen  Tage  in 
Toledo  ruhe').  Daraus  allein  würde  Nichts  folgen.  Denn  nicht  alle 
heiligen  Leiber  vrurden  geflöchtet.  Er  sagt  sodann,  dass  Abderrahhman  I. 
eine  grosse  Wuth  gegen  Leiber  der  Heiligen  gehabt,  und  überall  sie 
zu  entweihen  und  zu  vernichten  gesucht  habe.  Damals,  meint  er,  sei 
auch  der  Leib  der  heiligen  Leocadia  nach  Norden  geflüchtet  worden, 
und  diess  sei  geschehen  kurze  Zeit ,  nachdem  Cixila  seine  Schrift  über 
Udefons  geschrieben  habe.  Die  unklare  Weise,  in  welcher  Koderich 
von  dieser  Sache  redet,  lässt  ersehen,  dass  man  auch  im  Mittelalter 
nichts  Sicheres  über  die  Flucht  der  Reliquien  wusste^). 

Unter  den  Bischöfen  des  achten  Jahrhunderts  ragt  Odoarius  von  BiMbof 
Lugo  hervor.     Er  war   der   erste  Bischof  dieses  Sizes    seit   dem  Ver-   ^^^•" 
laste  von  Spanien.     Er    war    aus    dieser  seiner  Vaterstadt   in    die  Ge-    i^jo. 
birge  geflohen.     Als  aber  Alfons  I.  (um  740?)   Lugo   wieder  eroberte, 
kehrte  er  als  erwählter  Bischof  auf  seinen  Siz  zurück.     »Wir  fanden", 
sagt  er  in  seinem  Testamente,  »den  Siz  selbst  verödet  und  unbewohn- 
bar".   Er   stellte   die  Kathedrale-  der  seligsten  Jungfrau   wieder   her, 
gründete  viele  Kirchen ,  sammelte  das  christliche  Volk  zu  neuem  Leben. 
Unter  andern  Kirchen  gründete   er   die  des  heiligen  Jacohus   von  Ma- 
milani.     Sein  erstes  Testament   ist  datirt  vom  15.  Mai   747,   worin   er 
sich    M  Odoarius,   von   Gottes   Gnaden   Erzbischof"  nennt.   —   Bracara 


*)  f  AgiltUf,  grat  di.  vir.  glor.  rex  totiua  Ital.    offeret  sco.  Johanni 
Baptiste  in  ecdesia  ModicicL 

*)  twmdus,  in  quo  aandtvm  ejus  eorptisculum  usque  hodie  twmdatwm  e$t, 
•)  Florez,  V,  312-318. 


Wti  Netuites  Bnoh.    Zweites  Esplt«!. 

stellte  er  vor  dem  Jalire  763  wieder  her.  Nach  langer,  gros 
kirchlicher  Tbätigkeit  starb  er  am  21.  September  786.  Er  n 
Stiize  und  SÜnle  der  Kirche  in  jenen  Gegenden,  ein  würdige 
eiferer  dee  heiligen  Fractaosus  von  Braga'). 

§.6. 

Der  erete  bekannte  Bischof  von  Elvii'a  =  Granada  (?)  seit  der 

'  herracbafl  war  Egila.     Er  hatte  Bieh  in  verBchiedeiien  Aiifragei 

Papst  Hadrian   I.   gewandt,    deren   Inhalt  wir   nur    sehr    iiuvo 

aus  der  Antwort  erkennen.     Die  erste  Antwort  des  Papstes  ha 

nicht  erhalten.     Egila  liess  durch  Karl  den  ßrossea  nnd  diese 

durch  den  Bischof  Petrus  von  Pavia  den  Papst  um  eine  Antwo 

I         Dieser  liess  den  in  den  päpstlichen  Archiven  aufbewahrten  Bri« 

I'        abschreiben,    und  ihn  durch  Bellerofonsns  und  (seu7)  den  Kle 

tiu-    Hannes   wieder    an    Egila    abgehen.      Jene    frechen   Häretiker 

i~m.' seinen  orthodoxen  Glauben  zn  untergraben  suchten,  welche,    ■ 

^°f   Seiten  ihn  beengend,  Aengste  und  viele  Stürme  über  ihn  brinj 

^   '  er,  nach  der  Lehre  der  Apostel,  nach  der  einen  und  andern 

I  Weisung  als  Heiden  nnd  Zöllner  betrachten   und    meiden.     „^ 

!  der  Lehre  der  heiligen  katholischen  und  apostolischen  römischt 

folgest,    so    tiast  du  kein  Uebel    zu   befürchten,   denn    der    rr 

Führer  und  ihr  Gründer,  der  selige  Petrus,  der  die  Schlüssel  i 

melreicbes  trägt,   ist  mit  dir  bis  zum  Ende,    wie  der  Herr  ve 

„Siehe,   ich  bin  bei  euch  bis  zur  Vollendung  der  Zeiten".     Er 

angefragt  über  das  Fasten  am  Freitag  und  Samstag.     Nach   c 

Ueberlieferuug  solle  er  das  Fasten  am  Samstage  festhalten. 

bezeuge   es,    dasa  Ambrosius   die  entsprechende  römische  Pra 

gelobt  habe*).     Der  zweite,  resp.  erste  Brief  ist  gerichtet  „an 

geliebtesten  Bischof  Egila  und  an  den  Priester  Johannes.     De 

Saranus  und  der  Kleriker  Victorinus  hatten  den  ersten  Brief  i 

nach    Rom   gebracht   und    mündlich   Näheres    berichtet.      So 

diesem  Briefe,  als  aus  dem  Briefe  des  „Wulcharius,   des  Erz 

der  Provinz  Gallien"  (von  Sens?)  hatte  der  Papst  Günstiges  ü1 

erfahren.     In  der  Zeit  der  Osterfeier  sollen  sie  sich  an  die  Ents 


*)  Eapana  sagrada,  p.  Manuel  RUco,  t.  40,  p.  89—105. 

')  Der  ScblusB  heisst:  quia  gerente  spiriht  sancto,  ntälis  ten 
sitperari  ttiam  almitatem  conjicimus,  eas,  quas  superius  poUiciti  aumu. 
exarationü  pagina  imtituemus  series.  —  „Series"  acheint  die  Abtheilang 
SUD  die  sich  aneinander  Khliesaenden  Zeilen  dea  ersten  Briefes  eq  beden 
nscti  obiger  kürzere  Brief  mit  dem  in  zweiter  Abschrift  abgegugeoen 
Brief  loglelcb  abgeachiokt  worden  wäre. 


Papst  Hadrian  I.  nnd  Spanien.  258 

der  Synode  von  Nicaa  halten,  welche  stattfinde  am  ersten  Sonntag  nach 
dem  Vollmond,  nach  dem  vierzehnten  Tage  des  Mondes  (Nisan). 
Sieben,  und  nicht  acht  Wochen  liegen  zwischen  Ostern  und  Pfingsten. 
Femer  spricht  sich  der  Papst  gegen  die  Unsitte  dortiger  Christen  aus, 
Blut  von  Rindern,  Schweinen,  und  Ersticktes  zu  gemessen.  Wer  diess 
thue,  sei  nicht  bloss  roh,  baar  des  gewohnlichsten  Wissens,  sondern 
verfalle  dem  Anathema. 

Fälschlich  lehrten  Andere  oder  dieselben,  die  Vorherbestimmung 
zum  Leben  oder  zum  Tode  liege  bei  Gott;  Andere  hingegen:  Warum 
bitten  wir  zu  Gott  um  Sieg  in  der  Versuchung,  da  wir  doch  durch 
die  Kraft  des  freien  Willens  siegen  können?  Er  widerlegt  aus  Ful- 
gentius  und  Eugippius  die  falschen  Prädestinatianer.  Für  die  Bösen 
hat  Gott  nicht  den  bösen  Willen  oder  die  bösen  Werke  prädestinirt, 
sondern  er  hat  für  sie  die  gerechten  und  ewigen  Strafen  vorherbestimmt. 
Wer  zur  Glorie  nicht  vorherbestimmt  ist,  der  ist  vorausgewusst  zur 
Strafe  ')• 

Viele,  die  sich  Katholiken  nannten,  führten  dort  ein  gemeinsames 
Leben  mit  Juden  und  mit  ungetauften  Heiden,  in  Speise  und  in  Trank, 
und  sagten,  dass  fremde  Irrlehren  sie  nicht  beflecken,  und  ziehend  an 
einem  Joche  mit  den  Ungläubigen  geben  sie  ihre  Töchter  den  Fremden 
zur  Ehe,  und  so  werden  sie  den  Heiden  überliefert  werden^. 

Weiter  —  wurden  Priester  ohne  alle  Vorbereitung  geweiht  und 
als  Seelenhirten  eingesezt  —  Es  war  die  schreckliche  Unsitte  eingeris- 
sen, dass  bei  Lebzeiten  des  Mannes  dort  Pseudo-Priester  die  Weiber 
zur  Ehe  nehmen,  und  noch  vieles  Andere^).  Diess  sei  die  Irrlehre 
des  Priscillian^).  Allem  diesem  Unwesen  solle  Egila  mit  den  Gesezen 
der  Kirche  entgegenwirken,  damit  nicht  längst  unterdrückte  Aerger- 
nisse  wieder  hervorbrechen,  und  aus  der  ausgerotteten  Irrlehre  in  jener 
Provinz^  ein  neues  Unkraut  emporschiesse,  das  den  Nachwuchs  der 
heiligen  Kirche  im  Keime  vergifte.  Die  Widerstrebenden,  Kleriker 
wie  Laien,  sollen  aus  der  Gemeinschaft  der  Kirche  ausgestossen  werden. 
—  jyUnd  wie  ihr,  sei  es  durch  Uns,  sei  es  durch  den  Erzbischof  zur 
Fredigt  der  wahren  Lehre  gesendet  wurdet,  möget  ihr  in  Eintracht  mit 
der  heiligen  römischen  Kirche  aus  Liebe  zu  dem  seligen  Fürsten  der 
Apostel  Petrus  predigen,  damit,  wie  einer  unser  Hirte  ist,  Christus, 
der   Sohn  des   lebendigen   Gottes,    wir  Alle  vereinigt  in  demselben 


')  quisquis  mm  est  praede^tinatua  ad  ghriam,  iwoenitur  sine  dubio  prae- 
sdtus  ad  poenam. 

*)  ipsi  filias  stuu  cum  alio  benedicard,  et  sie  papulo  geniüi  tradenitur. 
Vielleicht  ist  za  lesen:  cum  aliis  cqpulant 

')  mulieres  in  connubio  sibi  sorfianiur  ipsi  pseudosaeerdotes. 

*)  quid  muüis  vobis  haeresum  singula  scribam  f  qiUa  olim  tempus  est 
quod  Priscüliani  dogmatis  impleverunt 


Nean(«s  Bnoh.    Zweites  Kaintel. 

Schafstalle,  wie  wir  die  Glieder  eines  Hauptes,  ein  Leib  ■ 
Cbristus  Jesus  unserm  Hcrro" ').  Egila  befuDd  sich  vor  sei 
in  Gallieu  und  wurde  geweiht  von  dem  Erzbischof  Wulci 
Bens?)  ata  Itegionarbiadiof  iür  Spanien.  Bischof  von  Elvir 
ohne  ganz  sichere  Beweise  genannt,  weil  im  Verzctclmisse  d 
dieser  JCirche  ein  Egila  voikommt,  während  man  um  diese 
andern  Egila  nicht  findet.  Floiez  hält  ihn  für  einen  Gall 
cbariuB  hatte  den  Papt  ersucht,  dass  er  den  Egila  weihen  d' 
er  ihn  dann  zur  Predigt  des  Evangeliums  nach  Spanien  s 
Papst  verlangte,  dass  Egilu  nicht  nach  einem  fremden,  <L  i. 
sezten  Bisthiime  trachte. 


§.  6. 

1-  Die  beiden  vorstehenden  Briefe  sind  um   das  Jahr  781 

"  schrieben.  Einen  dritten  Brief  schrieb  der  Papst  im  Jahre 
gegen  obigen  Egila  und  gegen  Migetius,  theils  gegen  die 
Elipandns  und  Ascaricus.  Die  IHlgetiaser  sind  so  zn  sag 
unsern  Tagen  erst  an  das  Licht  gebrachte  Häresie,  welche 
zeitig  AA.  Hdfferick  nnd  J.  Hefdo  aus  der  Verborgenheit  i 
mgrada  hervorgezogen  haben.  *).  Ueber  Migetius  sind  wir  nur  bi 
haft  unterrichtet.  lu  dem  dritten  Briefe  Uadrian's  an  alle 
Spanien  wird  nur  erzählt,  Bischof  Egila  sei  mit  deni  Priest 
niu-\i  Spanien  gekommen,  dort  habe  er  einige  Irrthnmcr  seir 
Mingc-ntius  angenommen,  sei  von  der  katholischen  Kirchen? 
wichen,  «nd  in  mehreren  andern  l'unkten  solle  er  seine  Pr 
gen  den  Christen  autdrängen.  „Wenn  dem  so  ist,  so  ni 
Liebden,  welche  die  Kegel  und  die  Zucht  unsrer  heiligen 
Kirche  festhalten,  anf  keine  Weise  an  den  Wahnsinn  (di 
und  Egila)  glauben  und  denselben  Folge  geben;  vielmehr  i 
crmahnen  und  sie  zum  wahren  nnd  rechten  Glauben  zuri 
trachten".     Migetius  oder  Migentius  erseheint  danach  als  Ve 


')  et  sictU  per  nos,  seu  Ätmum  Archifpiscopum,  in  praedkc 
iloxae.  ßdei  directi,  Sanclae  Romano«  Eccteniae  lA  amorem  Beafi 
cipis  Aposlolorum  concordes  praedicafe,  ut  —  unutn  efficiamuT  corpi 
Jesu  Domino  nostro.  —  Wer  ist  der  Erzbischof?  Ich  zweifle  d 
Wulchar  ist,  der  den  Titel:  „almvs",  der  erlaacbte,  erhält.  —  Der  N: 
ziemlich  häutig'  in  Spanien. 

")  Florez.  V,  p.  621,  524-535.  —  Masdeu,  XIII,  225.  -  I 
logische  Quartalschrift,  18Ü8,  S.  86—96.  —  Ooncillcngcschlchte,  3,  Bd.  I 
!>f*3.  -~  A.  Helfferich,  der  Weitgothischo  Arianiamns  und  die  sp.ii 
geschiclite,  1860,  8.  81-SG.  —  K.  Werner,  Geschichte  der  apologeli» 
lemischen  Literatur  der  chriatlichen  Theologie,  2.  Bd.  Scfaaffh.  1862,  ä. 


ElipandoB  nnd  Hfgetilu.  255 

Regionarbischofs  Egila.  Den  Brief  des  Elipandus  an  Migetias,  worin 
sich  Näheres  über  diese  Häresie  findet,  fanden  um  das  Jahr  1727  die 
Benedictiner  Martin  Sarmiento  und  Frego  Mecolaeta  zu  Toledo,  und 
Florez  hat  ihn  zuerst  veröffentlicht^).  Nach  diesem  wohnte  Migetius 
in  der  Provinz  Baetica,  vielleicht  in  oder  bei  Sevilla.  Migetius  hatte 
vorher  an  Elipandus  geschrieben,  der  ihm  in  einem  wahrhaft  schauer- 
lichen Tone  u.  a.  antwortet:  „Deinen  Brief,  welcher  aus  dem  schreck-  Eiip«i- 
lichen  Grabeshügel  deines  Herzens  erstanden,  aus  dem  ascheerfüllten  m^^tig^ 
Grabe  deiner  Brust  hervorgegangen  ist,  geschrieben  nicht  in  dem  Tone 
des  Fragenden,  sondern  mit  dem  Befehle  des  Lehrenden,  haben  wir 
früher  zum  Lesen  erhalfen.  Wir  sahen  und  verlachten  den  thorichten 
nnd  abgeschmackten  Wahnsinn  deines  Herzens:  wir  sahen,  und  wir 
erachteten  die  Trägheit  deiner  Einsicht  für  würdig,  verlacht  zu  werden. 
Wir  sahen,  dass  jener  durch  deinen  Mund  geredet,  der  sprach:  Ich 
bin  ein  lügenhafter  Geist  in  dem  Munde  seiner  Propheten. 

„Indess  bevor  die  Schriften  deines  Wahnsinns  an  uns  kamen, 
bevor  der  überaus  hässliche  Geruch  deiner  Worte  uns  anwehte,  glaub- 
ten wir  auf  das  Gerede  des  unverständigen  Volkes  hin,  dass  bei  Dir 
Einiges  richtig  sei.  Als  wir  aber  selbst  das  Trauerlied  deiner  Thor- 
keit  lasen,  hat  sogleich  nicht  bloss  uns,  sondern  jeden  Stand  des  katho- 
lischen Glaubens  vor  dir  und  der  ganzen  Lehre  deines  Gestankes 
Schrecken  erfasst,  wir  haben  sie  verdammt  und  mit  dem  beständigen 
Anathcma  geschlagen^.  In  dieser  Weise  reihen  sich  bei  Elipandus  die 
ärgsten  Ausdrücke  aneinander,  die  sich  in  den  lezten  Tiefen  des  mensch- 
lich-lateinischen Sprachgebietes  auftreiben  lassen,  wie:  Gräber  der^*««*'*" 
Häresieen,  tiefer  Sarkophag  des  Anathema,  Gestank  der  Worte  etc. 
„Indem  uns  der  Sohn  Gottes  in  der  Wolkensäule  am  Tage,  in  der 
Fcuersäule  in  der  Nacht  vorangeht,  bewafihet  mit  Glaubenseifer,  dir, 
dem  wahrhaften  Feinde  Christi,  entgegen  zu  gehen,  wollen  wir  hervor- 
treten, sprechend:  Es  schelte  der  Herr  dich,  Satan ,  es  schelte  dich 
der,  welcher  Jerusalem  erwählt  hat.  In  dir  ist  gesagt,  Migetius,  der 
du  den  Beinamen  hast:  Weiche  zurück.  —  Es  ist  nicht  ein  Hund, 
gegen  den  wir  leichthin  bellen.  Nicht  mit  Wein  und  Oel  ist  deine 
Krankheit  zu  heilen,  sondern  deine  beständige  Fäulniss  ist  mit  dem 
zweischneidigen  Schwerte  zu  treffen.  Mit  dem  Widder  der  Gerechtig- 
keit wollen  wir  den  Thurm  deines  Ilochmuthes  niederwerfen,  damit 
kein  Schatten  deines  Irrthumes  als  verderbliche  Ejrankheit  sich  den 
Gläubigen  mittheile.  Vorerst  wollen  wir  das  Gebäude  deines  Wahn- 
sinns mit  dem  Steine  der  Vernunft  verwerfen;  darin,  dass  du  nicht  das 
Amt  des  Fragenden  ^  sondern  des  Lehrenden  dir  angemasst:  da  doch 
der  Erloser  in  dem  Tempel  zuerst  gefragt,  und  nicht  gelehrt  hat.    Zur 


n«r. 


')  Esp.  sagr,  V,  1750,  p.  624-^635. 


(Galat.  1,  1),  von  welclipin  der  Psaltnist  sage:  Spii 
omnia  vitiua  eorum;  und  weil  Christus  von  ihm  sage: 
eher  von  meinem  Vater  ausgeht,  wird  euch  alle  Wabi 
fuhrt  den  Isidor  gegen  Migetius  an. 

Wie  könne  David  Gott  der  Vater  sein,  der  von 
In  Ungerechtigkeiten  hin  ich  empfangen,  und  in  S 
meine  Mutter  gehören?  Seine  Lehre  von  Christus  füt 
nur  für  einen  Menschen  zu  halten.  Hier  aber  hricb 
Lehre  von  zwei  Söhnen  schon  hervor,  dem  aus  dem  '. 
ters  von  Ewigkeit  gezeugten,  und  dem  Sohne  Maria' 
los  sei  des  Migetius  Lehre  vom  heiligen  Geiste. 

Nach  der  zwar  nicht  schwierigen,  aher  doch  v 
aas  gelungenen  und  erschöpfenden  Widerlegung  diese 
Trinilätslebre  fällt  Elipandus  wieder  in  seinen  polternd 
fenden  Ton  zurück,  „Erkenne,  Elender,  wie  viel  Fala 
Bauche  du  redest;  erkenne,  o  Kczer,  wie  viel  Böse 
Krebs  behafteter  Mund  hervorgebracht.  Erkennen  so 
aus  der  Masse  des  Verderbens  (der  Verlorenen)  gesan 
durch  deine  Irrlebren  betrogen  wurde,  aber  auch  jenes 
Gottes  Guade  von  deinen  Irrthümeni  bewahrt  ward 
den  Kezem  ist  dir  gleich,  keiner  ist  dir  ebenbürtig.  E 
von  allen  bist  du;  doch  mit  dem  Gifte  aller  Kezer  eil 
>■■  Migetius  fragte  femer,  warum  die  Priester  sich 

^'bekennen,  w«nn  sie  wahrhaft  Heilige  seien?    Oder  «< 
hcit  Sünder  zu  sein  cestehen,  wamm  sie  dem  h^litrei 


Elipandos  und  Migetins.  257 

,  da  der  Herr  sage,  seid  heilig,  weil  auch  ich,  der  Herr  euer 
heilig  bin^}?  Wenn  wir,  erwidert  Elipandus,  so  sprächen,  so 
Jeder  von  ans  gleich  dir  ein  Lügner  sein.  Aber  wir  sagen  mit 
Lpostel:  Wenn  wir  sprechen,  dass  wir  keine  Sünde  haben,  so 
ren  wir  uns  selbst,  und  die  Wahrheit  ist  nicht  in  uns  etc.  Welche 
leit  sei  es,  wenn  sich  Migetius  einen  Heiligen  nenne?  Dagegen 
a  Schrift-  und  Väterstellen,  unter  dem  Namen:  die  heiligen  Väter, 

Alle  Heiligen  nennen  sich  selbst  Sünder,  weil  alle  Vieles  an 
:u  beklagen  haben,  sind  es  nicht  Vorwürfe  des  Gewissens,  so 
es  doch  die  Unbeständigkeit  und  Wandelbarkeit  der  menschlichen 
').  —  Fulgentius  von  Ruspe  und  Joannes  Chrysostomus  werden  zum 
se  dagegen  angeföhrt.  Die  Zurückweisung  des  Migetius  ist  treiFend. 
r  beunruhigte  sich  Migetius  mit  der  Frage  nach  Speise  und 
•).  Aber  Nichts  verunreinige  den  Menschen,  ausser  der  Genuss 
lenschenfieisch.  Er  aber  sage,  dass  die  Speise  der  Ungläubigen 
erzen  der  Gläubigen  beflecke.    Wenn  er  mit  Sündern  nicht  essen 

so  halte  er  sich  für  besser  und  heiliger,  als  der  Herr  selbst, 
it  Sündern  und  Zöllnern  oft  gegessen   habe.    Augustinus,   Gre- 

und  Hieronymus  werden  dagegen  angeführt.  So  gut  die  Wider- 
;  an  sich  ist,  so  befinden  sich  doch  hier  Elipandus  und  seine 
le  im  relativen  Unrechte.  Sie  hatten  gegen  sich  die  Tradition 
irche  Spaniens,  wie  wir  sie  in  den  Jahren  250—254,  306,  589 — 
)rgefnnden  haben.  Mit  Juden,  mit  Heiden,  überhaupt  mit  Un-> 
;en  sollten  die  Christen  nach  dieser  Tradition  nicht  unbeschränkt 
lg  haben.  Denn  der  beständige  Verkehr  mit  ihnen  war  dem 
m  gefährlich.  Ausserdem  lauten  die  oben  angeführten  Briefe 
ipstes  anders. 

Lber  gerade  in  lezterem  Punkte  bietet  die  Gegenschrift  des  MigeUaa 
dus  und  seiner  Freunde  die  stärksten  Blossen.  Migetius  soll  ^^' 
;  haben,  „dass  in  Rom  allein  die  Macht  Gottes  sei,  dass  Chri- 
i  Born  wohne.  D«r  Prophet  aber  spreche:  Er  (Christus)  wird 
len  von  Meer  zu  Meer,  und  von  den  Flüssen  (vom  grossen 
i)  bis  zu  den  Grenzen  des  Erdkreises:  nur  dort  sei  die  katho- 
Elirche,  wo  alle  Heilige  seien  ohne  Makel  und  ohne  Flecken''. 
ist  insoweit  gut  gesprochen,  aber  unmittelbar  daran  schliesst  sich 
ilagnung  des    Primates   Petri    (wovon    unten).     Wenn   Migetius 

Primat  mit  Uebertreibungen  festhielt,    so    war  er  der  Wahrheit 


)  Hier  steht  im  Texte:  stote  sancti,  statt  estote. 

)  si  non  reprehensione  conscientiae,  certe  mobilitate  et  mutdbilitate  con- 

I  hu/manae. 

)  e.  11.    C^iod  atUem  de  escis,  et  stercore  ventris  disptdare  conaris. 

By  span.  Kirche.  II.  2.  1'J 


t 


258  Neuntes  Bach.    Zweites  Kapitel. 

näher,  als  Elipandus,  der  ihn  mit  dürren  Worten  läfignete.  —  Recht 
hatte  er,  zu  sagen,  dass  nach  Gregor  I.  viele  Böse  iu  Rom  gewohnt 
haben,  ^ic  in  jeder  andern  Kirche  und  Gemeinschaft.  —  Mit  dieser 
„romischen  Frage"  schliesst  die  Abhandlung  gegen  Migetius,  ohof 
eigentlichen  Abschluss,  ohne  eine  Conchmo,  welche  Abhandlung,  mh 
Ausnahme  der  persönlichen  Ausfalle  des  Elipandus,  eine  nach  Foini 
und  Inhalt  sehr  gelungene  Streitschrift  ist.  Schwer  allerdings  wari 
Migetius  nicht  zu  widerlegen;  aber  diess  thut  der  Widerlegung  selki, 
wie  sie  vorliegt,  keinen  Eintrag.  Der  oder  die  Verfasser  bekundfc 
eine  ungewöhnliche  Begabung  und  Gewandtheit. 

Mit  dieser  widerlegenden  Schrift  hielt  Elipandus  die  Sache  nick 
für  abgethan.     Er  that  weitere  Schritte  gegen  Migetius.     Er  sezte  fsA 
iu's  Einvernehmen  mit  Bischöfen,  ohne  Zweifel  im  Süden  von  Spania 
und  es  scheint   ihm   gehmgcn   zu  sein,    des  Uebels  Herr    zu    werden 
Aber  ihm  nicht  allein.     Denn   der   dritte  Brief  des  Papstes  Adrian  i 
auch  gegen  Migetius  gerichtet.    Da  Elipandus  der  einzige  uns  bekaioki 
spanische  Bischof  ist,    welcher   damals   den  Primat  Pctri    läugnete,  si 
dürfen  wu*  wohl  annehmen,  dass  bei  den  übrigen  Bischöfen  die  Stirn« 
des  Papstes   (gegen  Migetius)   Gehör   fand.     So   aber   sagt  Elipanotj 
in  seinem  Briefe  an  den  Abt  Fidelis'):     Er  und  seine  übrigen  Br 
(im  Episcopate)   haben  sich   lange  Zeit  Mühe  gegeben,    gewisse  n 
den  „Sevillancrn"  herrschende  Irrtliümer  und  Missbräuclie  auszurottd 
Mit  der  Hilfe  Gottes  ist   ihm  dieses   gelungen.     In  der  Frage  von  i 
üsterfeier  und  gegen  die  andern  Irrthiimcr  der  Migetianer  hat  Elip 
dus  mit  Erfolg  gearbeitet. 

Wer  sind  die  „Ispalitaner"  des  Elipandus?  Zunächst  sind  esfl 
Hispalenser,  die  Einwohner  und  wohl  auch  Umwohner  von  Sevilla,  i 
weitern  Sinne  können  es  die  Bewohner  von  Andalusien  überhaupt  sfl 
deren  kirchliche  Metropole  Sevilla  war.  Diese  Stadt  oder  ihre  l« 
gebung  scheint  der  Schauplaz  der  Thiitigkeit  des  Migetius  gewesen 
sein.  Wer  war  Migetius?  Wir  wissen  es  nicht.  Dass  er  Pri(^ 
war,  wie  Masdeu  sagt,  oder  gar  Bischof,  lässt  sich  nicht  erhär« 
Er  wird  Lehrmeister  des  Bischofs  Egila  genannt;    er   konnte  trozi 


')  Ignominia  erit  mihi,  si  intra  difionem  Toletanam  (in  traditione  T 
tana)  hoc  mal  um  fuerit  avditum  (dass  Beatas  kein  Adoptianer  sein  Wüllttv: 
qiLod.  egn  et  coferi  fratres  mei  in  Ispalitaals  tanto  tempore  dijudicarimtLi. 
Di'o  aiu'iliante,  taut  in.  festis  pasclialium,  quam  in  ceteris  erroribus  Migd 
norum  haeresim  cmtfulavirnus;  nunc  Uli  e  contrario  inveniunt,  umh  nos 
guant.    (Florcz,  V.  537.) 


Migetianer.  259 

I  Laie  sein.  Aber  das  Meiste  über  ihn  liegt  im  Dunkeln«  Wir 
ben  nur  die  Anklage  gegen  ihn,  nicht  seine  Vertheidigung. 

Angenommen,  dass  er  in  Allem  so  gelehrt  habe^  yfie  ihn  Elipan- 
is  lehren  lässt^  so  stand  er  mit  seiner  Häresie  jenseits  des  Ghristen- 
ums.  Er  war  yielleicht  ein  Mann,  in  den  sich  Christenthum,  Juden- 
iim,  Muhamedanismus  nnd  verschiedene  Häresieen  thciltcn,  und  sich 

II  seinen  Besiz  stritten ').  Man  sagt,  dass  Elipandus  gegen  ihn  um 
IS  Jahr  782  zu  Sevilla  eine  Synode  gehalten  habe.  Da  Elipandas 
'Vi  Primat  der  Toletanischen  Kirche  über  ganz  Spanien  aufrecht  zu 
klten  äusserst  beflissen  war,  da  er  als  eine  sehr  thätige  und  ener- 
sehe  Persönlichkeit  uns  entgegentritt,  so  scheint  es  mir  sehr  wahr- 
licinlich,  dass  er  in  Sevilla  eine  Synode  gehalten  habe.  Aber  ich 
iche  nach  einem  positiven  Beweise  dafür;  auch  ist  das  Jahr  782  nur 
ne  Vermuthung. 

Uefele  zwar  sagt  bestimmt,  Elipandus  habe  im  Jahre  782  mit 
inen  Mitbischöfen  „tn  Ispalitanis^^  d.  i.  in  Baetica  eine  Syn- 
le  gehalten,  „dass  auf  dieser  Synode  „in  HispaHtanis^'  d.  i.  zu 
■jvilla*)  oder  in  der  Umgegend  die  Irrthümer  der  Migetianer  verwor- 
n  wurden".  Aber  das  einzige  Wort  „dijudicavimua^'  —  „wir  haben 
3richtet",  scheint  mir  nicht  entscheidend  zu  sein^). 

Aus  dem  Briefe  Adrian's  an  alle  spanischen  Bischöfe  ist  nur  zu 
itnehmen,  dass  Bischof  Egila  von  den  Irrthümern  des  Migetius  sich 
istecken  liess.  Aber  die  Woile:  „nt  fet^tur'^,  und:  y^quod  si  ita  est^, 
:ellen  die  Thatsache  selbst  doch  nicht  sicher.  Egila  kann  in  dem 
Inen  und  andern  Punkte,  z.  B.  in  der  Anschauung  von  der  Heiligkeit 
er  Stadt  Rom,  in  de'm  Verkehre  mit  Andersgläubigen,  auf  dem  Stand- 
Qükte  des  Migetius  gestanden  sein.  Nicht  unwahrscheinlich  ist  uns, 
ass  er  der  Abhängigkeit  von  spanischen  Bischöfen  sich  entzogen,  und 
adurch  in  eine  schiefe  Stellung  gekommen  sei.  Den  spanischen  Bi- 
2höfen  konnte  ein  von  Rom  und  Gallien  gesandter  Bischof  von  An- 
mg  an  gemischte  Gefühle  erwecken^  und  die  Stellung  des  Elipandus 
11  der  römischen  Kirche  konnte  dem  Egila  unmöglich  bei  diesem  eine 
ünstige  Au&ahme  verschaffen. 

*)  Seine  Lehre,  sagt  Helfferich,  entspricht  genau  dem  jQdisch-mohamedani- 
shen  Prophetenthom ,  wiewohl  die  —  Weltanschauang  der  Priscillianisten  —  nicht 
wesentlich  davon  abwich.    S.  84. 

')  Dieses  Wort  kann  sich  aber  aach  aaf  die  rfratres  mei  in  Hispalitanis*^ 
eziehen. 

^  l.  c.  p.  589.  Noch  bestimmter  sagt  Helfferich:  ,,In  seiner  Eigenschaft 
ils  Krzbischof  von  Toledo)  hatte  Elipandas  zur  Vcrartheilung  des  Migetius  eine 
ymxle  im  Si^vilhinischcn  abgchalton'^.  S.87.  —  Er  hat  aber  auch  keine  andere  Quelle, 
Is  die  angeführten  Worte  des  Elipandus,  nachweisen  können,  nnd  beide  scheinen 
em  Marufi,  Concilia,  XII,  p.  902,  gefolgt  zu  sein,  der  „dieses  Concilium  His- 
>anum*'  in  das  Jahr  783  sezt. 

IT* 


260  Nennte«  Buch.   Zweites  Kapitel.  —  Migetini. 

In  dem  Briefe,  den  Elipandns  und  die  spanischen  Bischöfe  an 
die  Bischöfe  Ton  Gallien,  Aquitanien  undAustrien  richteten,  sagen  sie: 
„Mit  wem  sollen  wir  den  Beatns  (von  Liebana)  vergleichen,  mit  wem 
sonst,  als  mit  Migetius,  dem  Lehrer  der  Casianer  und  Salibaner?  Als 
er  geisteskrank  von  seinem  Arzte  am  Kopfe  gebrannt  wurde,  so  er- 
wählte er  sich,  ein  anderer  Christas,  zwölf  Apostel,  und  zu  einem 
mitleidigen  Weiblein  sprach  er:  Wahrlich,  ich  sage  dir,  heute  noch 
wirst  du  mit  mir  im  Paradiese  sein^^).  Als  er  krank  war,  so  gelobte 
er,  dass  er  in  drei  Tagen  wieder  auferstehen  werde.  Aber  er  stellte 
sich  nur  krank,  er  stand  am  dritten  Tage,  gelähmt,  vom  Bette  auf. 


')  Opera  Älcuini,  ed.  Frohen,  t  IL  in  appendice,  p,  1330. 


Drittes  Kapitel. 

Die  Adopflaner  (783—800). 

§.  1.    Nestorianer  und  Adoptianer. 

Elipandus  war  der  Nachfolger  des  Cixila  auf  dem  Stuhle  von 
Toledo  (um  782 — 783).  Er  war  eine  Herrsehematur  in  dem  der  Natur 
les  ersten  Julianus  entgegengeseztem  Sinne,  eine  Natur,  die  unbedingt 
md  ohne  Widerspruch  herrschen  wollte,  und  sich  selbst  nicht  beherr- 
ichen  konnte. 

In  Elipandus  bildete  sich  die  Ansicht  aus,  dass  Christus,  der 
Sohn  Gottes,  seiner  menschlichen  Natur  nach  nicht  der  wirkliche, 
ondern  der  adoptirte  Sohn  Gottes  sei,  eine  Ansicht,  die  mit  innerer 
^othwendigkeit  zu  der  Annahme  von  zwei  Personen  in  Christus 
rängt,  deren  historischer  Zusammenhang  mit  der  Lehre  der  Nestoria- 
er  zur  Zeit  noch  nicht  nachgewiesen  ist,  welche  aber  doch  sachlich 
ie  unverkennbarste  Aehnlichkeit  mit  ihr  hat. 

Die  aus  dem  römischen  Reiche  vertriebenen  Nestorianer  (c.  489)  noho- 
»nden    in    dem  persischen  Reiche   Aufnahme,    Schuz   und   sehr   weite  ^^^^ 
^erbreitung.     Bis  nach  Indien  und  nach  China  breiteten  sie  sich  aus^sianmid 
nd  noch  im  vierzehnten  Jahrhundert  waren   mehrere  Gemahlinen   der^  ^^ 
fongolenherrscher    in    Cambalu    (Pecking)    nestorianische    Christinen, 
if  an  kann  den  Nestorianem  einen  grossen  Eifer  in  der  Verbreitung  des 
^hristenthums  nicht  absprechen. 

Als  die  Araber  das  persische  Reich  stürzten  (636 — 639),  fanden 
ie  daselbst  die  Nestorianer  (Chaldäer)  sehr  mächtig.  Mahomed  stand 
lit  einem  nestorianischen  Mönche,  Sergius,  in  genauer  Verbindung, 
hm  soll  er  bei  der  Verfassung  seines  Koran  viel  verdanken.  Als  er 
ur  Gewalt  kam,  stellte  er  den  Nestorianem  einen  Schuzbrief  aus.  Sie 
raren  vom  Kriegsdienste  befreit,  ihr  Klerus  frei  von  Abgaben.  Ihre 
rebräuche  und  Geseze  sollten  geachtet  werden.    Die  Reichem  mussten 


!r  ■  ■    '  ■  *         ■  ■  *.■.-;.*  — 

6,  .  •  ^  -  ■ 

262  NeuBtes  Booh.   Dritte  KafiiteL 

als  Abgabe  swolf,  die  Aermem  vier  Groldstficke  entrichten')*  XJfber 
die  glückliche  Lage  der  Nestorianer  unter  den  Arabern  schreibt  der 
Patriarch  Jemijah  an  Simon,  den  Metropoliten  einer  persischen  Stadt: 
Sogar  die  Araber,  denen  in  diesen  Tagen  der  Allmächtige  die  Herr- 
schaft der  Erde  gegeben,  befinden  sich  unter  uns,  wie  da  weisst.  Sie 
▼erfolgen  aber  die  christliche  Religion  nicht,  sondern  rahmen  im  Ge- 
gentheil  ansem  Glauben,  und  ehi^n  die  Priester  und  Heiligen  des 
Herrn,  nnd  beschenken  seine' Kirchen*). 
0^**^  Damals  war  die  orientalische  Gelehrsamkeit  vorzugsweise  bei  den 

h  cto-Chaldäem  zu  finden.  Durch  ihre  Kenutoisse  und  ihre  Gewanddieh 
erlangten  sie  (von  der  Mitte  des  siebenten  bis  zur  Mitte  des  neunten 
Jahrhunderts)  die  Gunst  der  Ghalifen,  die  sie  zu  ihren  Geheimscfarei- 
bem,  Aerzten  und  Schazmeistern  erwählten.  Sie  bemühten  sich  mit 
Erfolg  für  den  Schuz  ihrer  Glaubensgenossen.  Durch  sie  kamen  die 
griechischen  Werke  (u,  a.  Aristoteles)  zu  den  Arabern.  Auf  den 
Schulen  zu  Edessa,  Nisibis,  Seleucia  (Modaina)  und  Dorkena  wurde 
das  Chaldäische,  Syrische  und  Griechische  gelehrt,  femer  Grammatik, 
Bhetorik,  Poesie,  Dialektik,  Arithmetik,  Geometrie,  Musik,  Astrono- 
mie, Medicin.  Die  Scdiriften  der  Lehrer  wurden  in  ofl^tlichen  Biblio* 
theken  aufbewahrt^.  Die  Werke  der  griechischen  Aerzte  und  Hiilo-  ■ 
sophen^  welche  schon  früher  in  das  Ohaldäische  übersest  worden,  | 
wurden  auf  den  Befehl  der  Ghalifen  von  Nestorianem  in  das  Arabische 
übertragen.  Der  Chalife  AI-Mamun  (809—833)  schickte  gelehrte 
Nestorianer  nach  Syrien,  Armenien  und  Aegypten,  um  Mannscripte 
und  Gelehrte  zu  sucheu.  J.  S.  Assemani,  welcher  die  Geschichte  der 
Nestorianer  und  Eutychianer  schrieb,  gibt  ein  langes  Verzeichniss  vod 
Uebersezem  und  Erklärern  des  Aristoteles^). 

Ueber  das  Verhältniss  der  Nestorianer  zu  den  Arabern  sagt 
Alex.  Humboldt*):  ,^In  den  wundersamen  Bestimmungen  der  Welt- 
ordnung lag  es,  dass  die  christliche  Sccte  der  Nestorianer,  welche 
einen  sehr  wichtigen  Einfiuss  auf  die  räumliche  Verbreitung  der  Kennt- 
nisse ausgeübt  hat,  auch  den  Arabern,  ehe  diese  noch  nach  dem  viel- 
gelehrten   und  streitsüchtigen  Atexandrien   kamen,    nüzlich    wurde,  ja 


« ■ 


')  Ueber  das  sogenannte  testamentum  Mahumeti,  über  welches  Bar  Bf- 
hraeiis  Maris  und  Amrus  berichten,  s.  Assemani^  Bibliotheca  orientcUiSy  IV,  5^. 
Die  meisten  Neuem  bestreiten  die  Aechtheit 

*)  l.  c.  ///,  131,  —  Oust  Bickdl,  Canspecius  rei  Syrorum  lUerariai^ 
Manast.  1871,  p.  38. 

•)  Assemani,  IV,  943, 

*)  Jos.  Sim.  Assemanus,  Bibliotheca  orientalis,  t.  i— 4,  Rom.  17 19—1736 , 
t  IV,  743. 

*)  HwnboUU,  Kosmos,  IL  Bd.,  S.  247. 


Nestorianer  tmd  Araber.  263 

dass  der  christliche  Nestorianismns  unter  dem  Schnze  des  bewaffneten 
Ishim  tief  in  das  östliche  Asien  dringen  konnte.  Die  Araber  wurden 
nämlich  mit  der  griechischen  Literatur  erst  durch  die  Syrer,  einen 
ihnen  yerwandten,  semitischen  Stamm,  bekannt,  während  die  Syrer 
selbst,  kaum  anderthalb  Jahrhunderte  früher,  die  Kenntniss  der  grie- 
chischen Literatur  erst  durch  die  Nestorianer  empfangen  hatten.  Aerzte, 
die  in  den  Lehranstalten  der  Griechen  und  auf  der  berühmten  von 
nestorianischen  Christen  zu  Edessa  —  gestifteten  medicinischen  Schule 
gebildet  waren,  lebten  schon  zu  Mohammed's  Zeiten,  mit  diesem,  und 
mit  Abu-Bekr  befreundet,  in  Mekka". 

§.  2. 

Wohin  immer  die  Araber  drangen,  dahin  folgten  ihnen  die  Nesto- 
rianer. Seit  der  Herrschaft  der  Mauren  in  Spanien  herrschte  ein 
sehr  reger,  wissenschaftlicher  Verkehr  zwischen  Spanien  und  dem 
Orient.  Es  ist  staunenswerth,  wie  auf  die  Kunde  von  den  Reichthümern 
Spaniens  der  Strom  der  Auswanderung  vom  Orient  nach  Spanien  zog.  „Die 
Völker  der  Syrer  und  Araber,  der  Aegypter  und  Palästiner,  Perser 
und  Afrikaner  standen  in  bunter  Vermischung  neben  einander;  jedes 
von  ihnen  verlangte  die  blühendsten  Gegenden  als  sein  Eigenthum,  und 
in  dieser  gegenseitigen  Eifersucht  lag  der  Keim  nie  erlöschender  Zwie- 
tracht Um  diesen  zu  entfernen,  unternahm  es  der  Statthalter  (Abul 
Khatar),  einem  jeden  dieser  Völker  feste  Wohnsize  anzuweisen,  und 
damit  ihr  Besiz  einen  desto  grösseren  Reiz  für  sie  haben  möchte,  sah 
er  bei  der  Vertheilung  darauf,  dass  die  neue  Heimath  der  verlassenen 
in  Hinsicht  der  Lage,  der  Ausdehnung^  des  Himmelstriches  und  der 
Erzeugnisse  so  viel  wie  möglich  entsprechend  wäre.  Die  ¥011  Danuisk 
verlegte  er  nacll  Elblra,  die  von  Hems  (Emessa)  nach  Sevilla,  die 
Ijcutc  von  Kennasrin  nach  Jaen,  die  vom  Jordan  nach  Raia  und  Malaga, 
die  Palästiner  erhielten  Sidonia  und  Xerez,  die  Aegypter  Ossonoba, 
Bcja  und  Tadmir*).  Die  entlegenen  Provinzen  fielen  denen  aus  Irak 
und  Kairwan  zu.  Die  neuen  Wohnsize  wurden  nun  mit  den  Namen 
der  alten  Heimath  belegt**"). 

Warum  sollten  mit  diesen  Völkern  gerade  keine  Nestorianer  ge- 
kommen sein,  deren  Heimath  besonders  Syrien  und  Persien  war?  — 
Die  Syrier  waren  unter  dem  Feldherm  Bal(e)di  eingewandert,  welche 
einen  Aufstand   der  Berbern    gegen    die   Araber    in   Spanien   nieder- 


»)  Murcia  hiess  z.  B.  Todmir,  Dozy  (cf.  p.  264),  I,  260,  268. 

')  Isidor.  Pacensis,  cp,  64^67.  El  Codhai  apud  Mich.  Casiriy  Mblio- 
theca  arabico'hispana  escuriaUnsis,  Matrüi  1760—1770,  2  tom.  1. 11^  32,  — 
Lembke,  301.  —  Dozy,  I,  268. 


264  Neuntes  Buch.   Drittes  Kapitel. 

schlugen  (741).  Sie  bemächtigten  sich  der  Stadt  Corduba,  vertrieben 
den  Statthalter  Abdalmelic,  und  proclamirten  den  Baledi  als  Statthalter 
von  Spanien  (20.  September  741).  —  Baldi  nahm  in  sein  Heer  so 
viele  Christen  auf,  dass  diese  vielleicht  die  Mehrzahl  seiner  Soldaten 
bildeten.  Zwar  fiel  Baldi  (742)  im  Kampfe,  aber  die  Syrier  kehrten 
als  Sieger  nach  Corduba  zurück')  —  Erst  nach  ihm  gelangte  Aböl 
Khatar   zur  Gewalt,   der  gleichfalls  aus  Damaskus  in  Syrien  stammte. 

§.  3. 

Wir  geben  jezt  einige  Hinweisungen,  welche  die  von  uns  aus- 
gesprochene Vermuthung  begründen  sollen,  dass  die  Adoptianer  von 
den  in  Spanien  cingowandeilen  Nestorianern  ausgegangen  sind.  Der 
Siz  der  Maurenherrschaft  und  aller  gelehrten  Schulen  in  Spanien  war 
Corduba.  Nach  Corduba  zog  es  die  Nestorianer;  wenn  sie  überhaupt 
in  Spanien  waren,  so  waren  sie  dort.  Nun  schreibt  Elipandus  an 
Felix  (799):  „Ich  habe  deinen  Brief  nach  Corduba  an  die  Bruder  ge- 
sendet, welche  das  Rechte  über  Gott  lehreu,  Ulid  welChe  YiClCS  SD 
mlCll  geschrieben  liabeili  was  ich  zu  deiner  Unterstüzung  dir  mitthii- 
len  sollte.  Aber  ich  habe  auch  Mittheilung  davon  gemacht  dem  Erz- 
kezer  Alb i7iU8  (Alcuin.),  dem  Schüler  des  Beatus,  des  Mannes  des  Wider- 
spruches"). —  Der  Brief  des  Elipandus  an  Alcuin  weist  gleichfalls 
auf  die  „rechtgläubigen  Brüder'^  in  Corduba  hin.  Denn  Alcuiu  sagt  in 
einem  Briefe  gegen  Elipandus  vom  Jahre  801 :  ^Vorzugsweise  ist  der 
Ursprung  dieser  Irrlehre  von  der  Stadt  Cordnba  luiygej^aiigcir^'. 
Alcuin  scheint  nicht  zu  wissen,  dass  von  Corduba  aus  ein  starkor  uii'i 
beständiger  Verkehr  mit  dem  Orient  war,  und  dass  die  Nestoriantr 
Die  im  Reiche  der  Araber  einen  so  umfassenden  Einflnss  besassen.  Es  b* 
»BrUder  gj^,|jgj.^  (]jjgg  Eüpandus  in  den  „reehtgläubigen  Brüdern"  zu  Cordiil.' 
Corduba  eine  starke  Stiize  und  Ermunterung  Jiatte.  Sie  waren  es,  yiWüKlie  !>'• 
weisstellen  für  die  neue  Lehre  sammelten''*).  —  Das  Sammeln  «i»^ 
Stellen  war  aber  so  ziemlich  die  Hauptsache.  In  denselben  sollte  <li 
Zusammenhang  der  neuen  Lehre  mit  der  alten  Lehre  der  Kirche  nachge- 
wiesen werden.  Der  Spanier  Villanueva  trägt  (mit  uns)  kein  Bedenken,  ^lii» 


')  R.  Dozy,  Histtnre  des  Musidmans  d'  Esjjagnc  (711  -  fl  10),  Let/d   f.  / 
1861,  p.  260  sq.  '  *  i 

')  Ego  vero  direxi  epistolam  tuam  ad  Cordobam  fratribuSy  qui  de  /•■  i 
recta  seyitiunt,  et  mihi  rnnlta  scrlpsernot,  qaae  Id  tuo  adjutorio  debaerani  dtri-  ] 
gere.  Scd  ad  ipso  (ipsum)  haeresiarcham  Albini  (i.  e.  um)-(ttf)  Miftjtst>- 
Antifrasio  Beato  direxi  relegenda, 

^)  maxime  origo  hujus  perfidiae  de  Cordiiha  civitate  proce^sit.    Alcuii  • 
ep,  IL  ad  Laidradum  etc.,  —  Opera  ed.  Migne,  t.  II,  p,  234. 

*)  Hefele,  Conciliengeschichte,  III,  601. 


Ursprung  der  Adoptiaoer.    Ephraem,  der  Syrer.  265 

Bruder  in  Cordiiba"  als  die  eigentlichen  Urheber  der  Häresie  zu  be- 
trachten, ohne  indess  iibcr  Corduba  hinauszugehen.  „Der  Irrthuui," 
sagt  er,  „hatte  seinen  Ursprung  in  Corduba ,  wo  die  Araber  bereits 
blühende  Schulen  hatten  und  viele  christliche  Leluer  n)it  den  Arabern 
in  Verbindung  standen.  Diese  neue  Lehre  von  Andalusien  war  der 
Grund,  aus  welchem  Elipandus  den  Felix  (von  Urgel)  um  Rath  fragte, 
und  dass  sich  dieser  über  die  (Irr-)  Lehre  aussprach^  ^). 

§.  4. 

Die  Spanier  waren  nur  im  Besize  von  wenigen  lateinischen  Kir-  wanice 
chenvätern.     Isidor   von  Sevilla  besass  nicht   den  ganzen  heiligen  Au-  ^"l^" 
gnstin.     Der  Schriftsteller  Apringius  von  Face  war  im  siebenten  Jahr-  spaaian' 
hundert   nicht   mehr  aufzufinden.     Um    ein   Exemplar   der   „Mondia*^ 
Gregorys  I.  zu  erlangen,  musste  Tajo  nach  Rom  reisen,  und  es  daselbst 
mühsam  abschreiben.     Von  seinen  „Sentenzen'^   besass  Tajo  höchstens 
zwei  Exemplare.     Obgleich  er  das  Werk  dem  Quiricus  widmete,  musste 
es  ihm  Quiricus  doch  zurückschicken.     Die  Spanier  hatten  nur  Werke 
oder  die  Werke  des  heiligen  Cyprianus,  Hilarius,  Ambrosius,  Augusti- 
nus, Leo  L,  Gregor  I.     Wir    sind    bis  jezt   keinem    Citat   aus    einem 
griechischen  Schriftsteller   begegnet.     Elipandus   gehörte   gewiss   nicht 
zu  den  gelehilesten  Spaniern,   und   die  Zeit  von  711 — 782   war   nicht 
geeignet  zur  Sammlung  von  Büchern. 

Aber  siehe!  In  dem  Kampfe  gegen  Migetius  citirt  er  nicht  bloss 
den  Chrysostomus,  sondern  sogar  den  seligen  „Efren**.  Es  war  wohl 
das  erste  Mal,  dass  Efren,  i.  e.  Ephräm,  der  Syrer,  in  Spanien  er- 
wähnt wird.  „Dass  Nestorianer  Ephräm's  Namen  nach  Spanien  ge- 
bracht, ist  sicher  sehr  wahrscheinlich^^).  War  dem  also,  so  mussten 
Ephräm's  Schriften  zunächst  sich  in  Corduba  befinden.  Diess  wird 
indirect  dadurch  bestätigt,  dass  Alvanis  von  Corduba  (c.  839 — 862) 
ein  Jahrhundert  später  denselben  Ephräm  kennt  und  anfuhi-t.  Der- 
selbe Alvarus  citirt  auch  mehrere  andere  griechische  Kirchenväter, 
denen  wir  bisher  in  Spanien  nicht  begegnet  sind^). 


*)  „El  cual  (desvariö)  tuvo  su  origen  en  Cördova,  donde  ya  fenian  escue- 
las  florecientes  los  drabes,  y  can  dlos  egtaban  mezclados  muchos  doctores  cristia- 
nos.  Y  esa  nueva  doctrina  de  la  BHica  ftie  la  ocasion  de  que  Elipando  con- 
sultase  d  Felix,  y  de  que  este  dogmatnase  sobre  ello".  —  J.  Villanueva,  Viage 
literario  d  las  tglesias  de  Espana,  Val,  1821,  t  X  (Urgel),  p,  22. 

')  So  schreibt  mir  auf  meine  Anfrage  P.  Pius  Zingerle,  0.  S.  B.,  in  Heran. 

*)  Florez,  XI,  48.  —  Die  Schrift  „scintillae''  wird  aber  auch  andern  Ver- 
fassern, als  dem  Alvarus,  zugeschrieben. 


NcQiites  Buch.    Drittw  KiplteL 


% 


§.5.      ' 

Man  8agty*da88  Elipandiu  sohon  in  seiner  Wideiiegnng  des  Mi- 
getioB,  deren  Substanz  nach  unserer  Annahme  von  den  ,yBrfideni  in 
Mo-  Gordnba*  in  einer  an  Inhalt  nnd  Form  sdiacenswerthen  AUiandlnng 
*  geliefert  wurde,  seinen  Adoptianismns  im  Keime  Terrallien  habe,  nur 
das  Wort  nnd  die  Begründung  fehle  noch.  Ich  gehe  weiter,  und 
sage,  dieser  Adoptianismns  im  Keime  war  der  ungefalsohte  Nestorianis- 
mus,  ausgesprochen  in  unverblfimter  Weise  von  wirklich^i  Nestoria- 
nem.  Sie  sagen  ^),  die  Person  des  Sohnes  Grottes  ist  dieienige,  wddbe 
▼or  aller  Zeit  von  Gott  dem  Vater  gezeugt  ist,  welche  Tor  Annahnw 
des  Fleisches  durdi  den  Propheten  spricht:  Vor  den  Hügeln  bin  ich 
.  geboren,  noch  hatte  er  die  Erde  nicht  erschaffen,  als  ich  schon  war. 
Nach  der  Annahme  des  Fleisches  aber  (ist  er  nicht  die  Person),  voo 
der  du  annimmst,  dem  Fleische  nach,  von  der  er  selbst  sagt:  Der 
Vater  ist  grosser,  als  ich,  sondern  jene,  von  welcher  er  selbst  sagt: 
Idi  und  der  Vater  sind  eins«  und  wieder:  Ich  bm  in  dem  Vater  und 
der  Vater  ist  in  mir*).  Bei  aller  ündeutlichkeit  der  Fassung  ist  doch 
so  viel  deutlich,  dass  hier  zwei  Terschiedene  Personen  in  Christus  ge- 
lehrt werden,  die  Person,  welche  sagt:  ich  und  der  Vater  sind  eins, 
und  die  Person,  welche  sagt:  der  Vater  ist  grösser,  als  ich.  Eis  wer- 
den zwei  Naturen  und  zwei  Personen  in  Christus  unterschieden.  Nor 
ein  Nestorianer  kann  sagen:  dass  die  Person  dessen,  der  gesagt  hat: 
der  Vater  ist  grosser  als  ich,  eine  andere  sei,  als  die  Person  dessen, 
der  sagte:  Ich  und  der  Vater  sind  eins. 

Bald  nach  diesem  ging  Elipandus  vollständiger  in  die  Falle  der 
Brüder  von  Cordaba.  Er  war  ihr  Schüler,  sie  aber  Hessen  ihm  die 
Ehre  des  Vortritts. 

§.  6. 

Unter  den  zahlreichen  Märtyrern,  welche  Corduba  in  den  Jahren 
849 — 859  hatte,  sind  zwei  Orientalen,  Der  Mönch  Georgius  war  aas 
dem  Kloster  des  heiligen  Sabbas  bei  Jerusalem  nach  Afrika,  um 
Almosen  zu  sammeln,    und   von    da    nach   Spanien    gekommen.     Er 


*)  c.  7  advers,  MigeÜvm, 

*)  Post  adsumptionem  vero  earnis,  non  eam  quam  tu  asseris  aecundum 
camem,  de  qua  ipse  dicit:  Pater  major  me  est;  sed  eam,  de  qua  ipse  dieit: 
Ego  et  Pater  unum  sumus.  Et  iterum:  Ego  in  Patre,  et  Pater  in  me  est. 
„Namentlich  wird  zwischen  dem  ewigen  Sohne  Gottes  und  dem  aus  David^s  Samen 
stammenden  Messias  die  Schranke  eines  unaosgleichbaren  Gegensazes  aufgerichtet''. 
Helffmch,  p.  88. 


Nestorianer?  in  Spanien*    Adoptianer.  367 

schwankte,  ob  er  nacli  Gallien  gehen,  oder  dircct  in  sein  Kloster orienta- 
znrückkehren  sollte  (852).  Der  Mönch  Servio  -  Dei  war  aus  dem  J*V^ 
Oriente  gekommen,  und  hatte  sich  zu  Elvira  niedergelassen;  er  kam 
mit  seinem  Freunde  Rogellus  nach  Corduba,  und  vollendete  dort  als 
Märtyrer,  852.  —  So  ist  es  auch  nichts  Unerhörtes,  anzunehmen^  dass 
schon  hundert  Jahre  früher  Christen  aus  dem  Morgenlande  nach  Spa- 
nien gekommen.  Von  solchen  Ncstorianern  ist  in  der  Kegel  anzunehmen, 
dass  sie  das  Griechische,  Arabische  und  Lateinische  verstanden.  Aber 
von  Georgius  rühmt  Eulogius  dasselbe*).  Von  dem  Verfasser  der 
Chronik  des  Isidor  Pacensis,  den  wir  für  einen  Orientalen  zu  halten 
geneigt  sind,  müsste  man  dasselbe  annehmen. 

Der  Araber  Jbn-Khaldoun  nennt  den  Bischof  von  Corduba  (um 
962)  den  „Catliolico^.  Daraus  folgt,  sagt  Dozy,  dass  man  zu  Corduba 
diesen  Namen  desswegen  dem  Bischöfe  gab,  weil  man  denselben  im 
Orient  dem  Bischof  der  Nestorianer  gab^).  Hieraus  folgt  zunächst 
nur,  dass  den  Arabern  die  kirchlichen  Aemter  der  Nestorianer  bekannt 
waren,  und  dass,  weil  Corduba  die  Hauptstadt  des  maurischen  Spa- 
niens war,  die  Araber  den  Bischof  dieser  Stadt  für  den  Obersten  der 
Bischöfe  Spaniens  hielten. 

Wir  haben  oben  schon  genug  der  Beispiele  angeführt,  wie  viele 
der  Spanier  nach  dem  Orient,  wie  viele  der  Orientalen  nach  Spanien 
wanderten.  Wenn  wir  diesen  nun  auch  die  Nestorianer  beizählen,  so 
waren  sie  weder  die  Ersten  noch  die  Lezten. 

Die  Qaellen  des  Adoptianismus  sind  die  Schriften  des  Elipandus 
nnd  des  Felix  von  Urgel,  sowie  ihrer  Gegner  in  Spanien,  des  Abtes 
Beatus  und  des  Bischofs  Etherius  von  Osma,  der  dritte  Brief  des 
Papstes  Hadrian  I.,  die  Gegenschriften  des  Alcuin,  Paulinus,  Leidrad 
und  Agobard  von  Lyon,  die  Acten  der  Synoden  von  Regensburg, 
Frankfurt  und  Kom.  —  Unter  dem  Titel:  „de  las  Cosas  de  Elipando^ 
finden  sich  die  wichtigeren  Actenstücke  (in  Espana  sagrada,  t  F,  edit.  3, 
Madr,  18n0)  gesammelt,  nämlich  die  drei  Briefe  Adrian^s,  wovon  der 
dritte  hieher  gehörige:  omnihus  episcopis  per  universam  Spaniam  com- 
morantibus,  maxime  tarnen  Elipando  vel  Ascarico  cwn  eorum  consenta- 
neis,  jyro  haeresi  vel  blasphemia^  quod  ßlium  Dei  adoptivuni  nominant  etc. 
(V,  518 — 520).  Cf.  Caj.  »Cenni,  Monumenta  daminationis  ponHßciae 
(c.  Codex  Carolinus,  Rom.  1760,  /,  443).  —  Mami,  Concil.  XII,  757, 
807 -- 814;  XIII,  814 — 873.  —    Muratori^  verum  Italic,   scriptores,  Illy 


*)  Eulogius,  Memorial.  Sanctorum,  II,  10,  12. 
^)  Doxy,  Histoire  des  Musuhnans,  III,  103. 


\  '  ■    ■ 


868  NeimlM  Biudi.   Dritte«  KapIteL 

2,  277.  —  2)  ^Üpütola  EUpandi  ad  Fiddem  abbaUm  (Flaregj  V,  536). 
8)  EpUkia  Elipmudi  ad  Cardtm  M.  (hoiia  hoy)  bis  1751  (no  pwAUcada, 
gegen  Beaiu$),  p.  537—542.  —  4)  EpUkia  EUpandi  ad  AOmm 
(Akuimmh  eine  Abhandlnng),  p.  543—557.  —  5)  Epitiola  ElipaM 
ad  Fd\e0m  (nuper  conoenum,  799)j  war  ein  Begleitsdireiben  za  tot- 
stehender  Abhandlnng,  —  6)  EpUkla  epUcoporwn  BUpamae  ad  ^pucopa 
OaUiae,  Aqmkmiae  €i  AmtHae  (ohne  Zeitangabe  nnd  Unterechriftai), 
tntor  Alemni  opera,  ed.  FMenita^  Appendix  II.  dogmaiiea  (Migne^ 
P.  laL,  i.  101,  p.  1322—1331);  neu  edirt  von  Hdfferich,  p.  1^—161. 

—  7)  EpUkia  m/nodiea  ConeUii  FraneofurUenrii,  ad  epieoopoe  JSt* 
pantaa  mieea^  vom  Jahre  7d4,  ist  eine  Widerlegung  des  Briefee  «r.  6. 

—  Matm.  Xm,  864—899.  —  Aleuin.  l  e.  p.  1331—1346.  —  8)  Ept- 
eiola  CaroU  M.  ad  Elipandwn  et  epiee.  Biepamae^  inter  ejne  apera, 
ed.  Migme,  t.  98,  p.  899. 

Von  Felix  von  Urgel  beaizen  wir:  Oonfeseio  Fidei  FeUeU  OrgdU- 
tatd,  poet  epretum  errarem  (1799)^  Schreiben  an  die  Priester  von  ürgd 
(Manei,  XIH,  1034 — 1039).  Von  den  in  Spanien  gegen  EHipandns  ver- 
fiuwten  SduHlften  ist  nnr  erhalten:  Heterii  et  Saneti  Beati  ado. 
EUpandum  liJhi  II.  Das  zweite  Buch  hat  den  besondem  Titel:  in 
Ckrieto  et  ef^  corpore,  quod  eet  eedeeia,  et  de  diabolo  et  efue  corpon 
gwod  eet  AsUiehrietue,  ann.  1785.  eeript.,  ap.  Joe.  Basnage,  Uiseaierui 
mummmentorum  eedeeiaetieorum,  1725,  11^  1,  p.  279 — 374  ^). 
hpiu.  Idteratnr:   1)  Jac.  Baenage,  Obeerv.  hietcr.  drca  Fdidtmam  W 

*>'^'*rsnm.  in  Theeaurue  monumenL  ecdesiast.  Amsterdam.  1725,  t.  II.  I, 
tar.  p.  284.  2)  Madrisi  gab  in  seiner  Ausgabe  der  Werke  des  PatUinus 
Aquü.  mehrere  Abhandlungen  über  die  Seete,  von  denen  eine  gegen 
Basnage  gerichtet  ist,  1737.  —  3)  Walch,  historia  Adoptianorum^y  Gott- 
ting.  1755,  verbessert  in:  4)  Kezerhistorie,  Bd.  IX,  S.  667 — 940,  mit 
Angabe  der  Literatur  bis  1780.  —  5)  Gegen  Walch:  Enhuebery  Disser- 
tcttio  JUstarica  de  haeresi  Elipandi  et  Fdids  in:  opera  Alcuini,  ed, 
Probenius,  1804,  p.  923 — 943^  woran  sich  schliesst:  6)  Dissertat.  dog- 
mat.  historica,  gegen  Christ  Walch,  worin  «7.  B.  Enhueber,  O.  S.  B, 
(von  S.  Emmeran)  zeigen  will,  dass  die  Adoptianer  Nestorianer  seien, 
das.  p.  944^1003.  Dazu  in  demselben  Werke:  7)  Epistolae  des  Spa- 
niers Gregor.  Mayans  von  Valencia:  Acta  et  scripta  Elipandi  HlustraH- 
tes,  ib.  Append.  II,  p,  688 — 596.  —  8)  Carl.  Hefde ,  Conciliengeschichte, 
der  Adoptianismus,  t.  III,  1858,  p.  600—680.  —  9)  Ad.  Helffetich, 
der  westgothische  Arianibmus  und  die  spanische  Kezergeschichte,  1860, 
S.  88—104  (der  Verfasser  sieht  in  Vielem  das  Richtige,  aber  die  fixe 
Idee,  überall   westgothischen  Arianismus   finden   zu   wollen,   fuhrt  ihn 


*)  ap,  OaUandiy  Bibliotheca  veterum  pairum,  t.  XIII,  1779,  p.  290—350. 
—  Migne,  P.  lat,  t.  96,  p.  894. 


Lehre  der  Adoptianer.  269 

vielfach  irre).  —  Im  Anhange  hat  derselbe  das  dogmatische  Schreiben 
der  spanischen  an  die  gallischen  Bischöfe  zur  Vertheidigung  ihres 
Adoptianismus,  die  ofQcielle  Streitschrift  derselben,  aus  einem  Codex 
von  Toledo  neu  herausgegeben.  —  10)  Carl.  Werner^  apol.  und  polem. 
Literatur,  SchaflFh.  1862,  II,  434—453. 

§.  8. 

Die  LelirC  der  Adoptianer  nimmt  in  Christus   die   göttliche   und  i^i^r« 
die  menschliche  Natur  an,  aber  statt  der  Vereinigung  beider  Naturen  ^d^pt^^. 
(zu  einer  einzigen  gottmenschlichen  Persönlichkeit),   durch   welche  die    «>«'• 
göttlichen   und   menschlichen  Eigenschaften   dem  untheilbaren  Gottes- 
und   Menschensohne    zukommen,    lehrt    sie,    dass   die   Menschheit  in 
Christus   von  Gott  dem  Vater   adoptirt,    wurde.     Der   Mensch  oder 
die  Menschheit  Christi  ist  nicht  hypostatisch  vereinigt  mit  der  Gottheit 
des  Sohnes,   sondern   von   der  Gottheit   (sei   es  bei   der   Empfangniss 
oder    Taufe,    oder    Himmelfahrt    Christi)     zu    Gnaden    angenommen 
worden.     Christus   als  Mensch   ist  nicht  der   natürliche,   sondern   der 
Adoptivsohn  Gottes. 

Wir  bekennen,  schreiben  die  Adoptianer,  nach  den  Aussprüchen 
der  heiligen  ehrwürdigen  Väter  Hilarius,  Ambrosius,  Augustinus,  Ihe- 
ronimus,  Fulgentius,  Isidor,  Eugenius,  Ildefonsus,  Julianns  und  der 
i'ibrigen  rechtgläubigen  und  katholischen  Väter:  und  wir  glauben,  dass 
Gott  (und)  Gottes  Sohn  vor  allen  Zeiten  ohne  Anfang  aus  dem  Vater 
erzeugt,  gleichewig,  gleichähnlich  und  gleichen  Wesens  nicht  durch 
die  Adoption,  sondern  die  Geburt,  und  nicht  durch  die  Gnade,  son- 
dern durch  die  Natur  (sei),  indem  derselbe  Sohn  dieses  bezeugt:  Ich 
und  der  Vater  sind  eins,  und  das  Uebrige,  was  von  seiner  Gottheit 
derselbe  wahrhaftige  Gott  und  wahrhaftige  Mensch  zu  uns  geredet  hat; 
dass  er  aber  für  das  Heil  des  menschlichen  Geschlechts  am  Ende 
der  Zeit  aus  jener  innersten  und  unaussprechlichen  Wesenheit  des 
Vaters  heraustretend  und  vom  Vater  nicht  zurücktretend  in  die  Nieder- 
ungen dieser  Welt  kommend,  und  im  Angesichte  des  menschlichen 
Geschlechtes  erscheinend,  dass  er  der  unsichtbare,  einen  sichtbaren 
Leib  annehmend^  in  unaussprechlicher  Weise  im  Leibe  der  unbefleckten 
Jungfrau  gebildet  ist  nach  der  Ueberlieferung  der  Väter:  wir  bekennen 
und  wir  glauben,  dass  er,  gebildet  aus  dem  Weibe,  unterworfen  dem 
Geseze,  nicht  seinem  Geschlechte  nach  der  Sohn  Gottes  sei,  sondern 
durch  Annahme  (an  Kindesstatt),  auch  nicht  durch  die  Natur,  sondern, 
durch  die  Gnade').    Denn,  sagt  der  Sohn:   der  Vater  ist  grösser,  als 


')  Confitemnr  et  credimiu  Deum  dei  filium  ante  omnta  tempara  sine 


1^^    ,         970  HenntaBadu  Dritt«  K^^itaL 

ich,  und  der  Bnuigelist:  Der  Knabe  aber  wodba   ao   Weiabeil 
Gbade. 

2jwei  Personen  in  Christus  aber  wollten  die  Adoptianor 
sageben.  Wenn  man  ihnen  Nestorianismos  vorwarf,  ao  bethe 
sie,  dass  sie  die  hypostatische  Vereinigang  der  beiden  Natai 
Christas,  aasgenommen  die  Sünde  in  der  einen  Person  des  1 
nach  der  Lehre  der  Synode  von  Chalcedon  festhalten.  „In 
and  demselben  Grottes-  and  Menschensohne,  in  einer  Person,  al 
swei  Natormi,  die  vollständig  and  vollkommen  sind,  Gottes  an 
Menschen,  des  Herrn  and  des  Knechtes,  des  Sichtbaren  und  d< 
i;  femer  in  drei  Sabstansen,  des  Wortes,  der  Seele  m 
(ist  Christas),  so  dass  geglaubt  wird,  dass  in  einer  an 
selbcai  Person  Gh>ttes  and  des  Menschen  sowohl  der  Gotti 
(homo  dirifiicm)^  als  der  Mensch  gewordene  (humanatu^)  Gott  ist** 
Worten  den  Nestorianismas  verwerfend,  verfielen  sie  thatsS 
den  Lrrwq^en  desselben.  Sagend,  dass  die  Gk>ttheit  dem  Loge 
Nator  eigen  sei,  dass  er  aber  die  Menschheit  nar  angenommen 
pfor»,  xaweilen  aach  ocbtniMre^,  folgerten  sie,  dasa  Christas 
Menschheit  nach  nar  Adoptivsohn  Gottes  sei,  darch  Chiade  od 
freien  Willen  Gottes.  ^Der  Eingebome  ist  der  wahre  Sohn  Gott< 
Brstgebome  aber  der  Adoptivsohn^.  Das  ¥rar  die  Häresie,  di 
aach  die  Menschheit  in  Christas  adoptirt  werden,  zu  Gnaden  ano 
Hessen,  so  dass  der  „primogemiut  inier  mulldf  fratreg^  zaglei 
der  erste  mit  Gott  versöhnte  (sündige)  Mensch  erscheint.  Die 
menschliche  Natur  nannten  sie  Sohn.  Die  adoptirte  d.  i.  im 
Sinne  angenommene  (asaumta)  menschliche  Natur  in  Christus 
weder  Adoptiv-  noch  wirklicher  Sohn  Gottes  heissen.  Der  £ing 
und  der  Erstgeborne  ist  derselbe  wahre  Sohn  Gottes  von  Natur. 
Christus  ist  durch  Gnade  Das  geworden,  was  er  nicht  war,  si 
in  ihm  und  wegen  seiner  sind  die  Sünder  begnadigt  worden. 
Adoptianer  mussten  consequent  Christum  der  Erbsünde  unterv 
wenn  er  nicht  von  Natur  aus  als  Gott  und  Mensch,  als  die  ein 
theilbare   Person   Gottes  Sohn   war.    Der  Menschensohn    Christ 


tTii^o  ex  paire  genitum  aetenvum  et  cansimüem  et  consubsiarUialei 
adobtUme  sed  genere,  neque  grcUia  sed  natura^  id  ipsut  eodem  fiLio  adtt 
ego  et  ptäer  uwum  svmuSj  et  cetera  que  de  divinitcUe  sua  idem  venia  c 
verus  hämo  nobts  loquutue  est :  pro  sdLute  vero  humani  generis  in  fine  te 
ex  illa  intima  et  ineffabüi  Pcttria  substantia  egrediens  et  a  patre  tum  re 
huius  mundi  infima  petens,  ad  publicum  humani  generis  apparens,  inv 
visibile  corpus  adsumens  de  Virgine  ineffabüiter  per  integra  virginalia 
cnixus  secundum  traditwne8(em)  patrum;  confitemur  et  creditnus  eum . 
ex  midiere,  factum  sub  lege  non  genere  esse  filium  dei,  set  adobtion^, 
natura  set  gratia. 


Beweis  stellen  der  Adoptianer.  271 

der  menschgewordene  Sohn  Gottes.  Indem  sie  den  Adoptivsohn  von 
dem  fiUxts  ncUuralis  imd  aetemua  unterschieden,  hatten  sie  zwei 
Sühne  und  zwei  Personen,  und  waren  mit  oder  wider  Willen  Ne- 
storiancr. 

Die  Adoptianer,  nach  meiner  Annahme  die  Nestorianer  in  Cor- 
dubn,  Hessen  bei  der  Beweisführung  für  ihre  Lehre  Ephräm,  den 
Syrer,  den  heiligen  Chrysostomas ,  überhaupt  griediische  Väter  fallen. 
Sie  hätten  sich  so  selbst  verrathen,  und  was  sie  in  den  griechischen 
Vätern  fanden,  das  boten  ihnen  auch  die  lateinischen  dar,  eine  Menge 
von  Stellen,  die  man  nach  Belieben  erklären  kann,  wenn  man  sich  den 
allgemeinen  Synoden  und  dem  Lehrkörper  der  Kirche  nicht  unter- 
werfen will- 

§.  9. 

Die  Stellen  aus  Hilarius,  Ambrosius  u.  s.  w.  übergehen  wir  fug- Die  oi- 
lich.  Es  ist  bekannt,  dass  diese  einen  adoptirten  Christus  nicht  ge-  ***•  *" 
lehrt  haben,  wenn  auch  manche  Redewendungen  derselben  eine  solche 
Auslegung  zuzulassen  schienen.  Die  Stelle  aus  Isidor  aber  stehe  hier: 
Eingeboruer  wird  er  genannt  gemäss  der  einzigen  Gottheit,  weil  er 
ohne  Brüder  (ist):  Erstgeborner  gemäss  der  Annahme  des  Menschen, 
in  welcher  er  durch  die  Annahme  der  Gnade  Brüder  zu  haben  sich 
würdigte,  von  denen  er  der  Erstgeborne  wäre*).  Hier  nun  tritt  das 
Missverständniss  sonnenklar  hervor,  dem  die  Adoptianer  stets  unterlagen. 
So  weit  sie  Spanier  waren,  verstanden  sie  nicht  die  Sprache  oder  die 
Redeweise  ihres  eigenen  Volkes;  so  weit  sie  reine  Nestorianer  waren, 
verstanden  sie  die  Sprache  des  ihnen  fremden  Volkes  nicht.  Nicht 
Christus  ist,  nach  Isidor,  zu  Gnaden  angenommen  worden,  sondern 
durch  seine  freiwillige  Annahme  der  Menschheit  sind  die  Menschen  seine 
Brüder,  und  von  Gott  zu  Gnaden  angenommen  worden  (non  Christin 
per  grcUiam  ctdoptatus  est,  aed  fratres  ejus  adoptionem  gratiae  acceperunt). 
In  diesem  Sinne  bezieht  sich  die  „adoptio^'  stets  auf  die  Menschen, 
nicht  auf  die  menschliche  Natur  in  Christus.  Bezieht  sie  sich  aber 
auf  leztere,  so  bedeutet  adoptio  stets:  cuaumtio.  Diess  mussten  Spanier 
wissen.  Ausländer  konnten  es  wissen,  ausser  sie  fanden,  was  sie 
suchten,  Beweise  für  die  nestorianische  Häresie. 


ner. 


*)  Igitur  beahts  laidorus  in  libro  Ethimologiarum  ita  dicit:  wiigenitus 
autefin  voccUur  secundum  diviniiatis  excdlentiam  quia  sine  fratrihiis:  primo- 
genUvs  seciindum  susceptionem  hominis,  in  qua  per  cuioptionem  gratie  fratres 
obere  dignatus  est,  quibiis  e^set primogenitus.  Etymol.  7,  2.  cf.  l,  10,  adoptitms, 
quia  est  palam  optatus  in  filium,  and  9y  6,  adoptione  dicimtis:  Pater  noster, 
qui  es  in  coelis. 


272  NennteB  Buch.    Drittes  Kapitel 


§.  10. 

Quellen  Am  meisten  Aufhebens  machten,   das   grosste  Aufsehen    erregten 

i^'^  die  Adoptianer  durch  ihre  Berufimgen  auf  die  spanische  Ijiturgie.  Dass 
zu  diesem  Zwecke  Stellen  in  derselben  gefälscht  worden  seien,  haben 
wir  niemals  geglaubt.  Die  Liturgie  bot  ächte  Stellen  in  grosser  An- 
zahl dar,  von  welchen  sich  Jene  täuschen  Hessen,  welche  die  Sprache 
dieser  Liturgie  nicht  verstanden.  Diese  Liturgie  gebraucht  das  Wort: 
adoptarey  adoptio,  cidoptivua  ohne  Bedenken  in  dem  Sinne  von  assumere, 
asaumtio  und  assumtua.  Ebenso  das  Wort:  homo  in  der  Regel  (ur 
natura  humana.  Homo  adoptivtut  heisst  also:  in  und  von  Christus  ist 
die  menschliche  Natur  angenommen  worden.  Ebenso  gebraucht  sie  die 
Worte:  adoptio  filiorum  dei  —  in  dem  Sinne,  dass  die  Menschen  durcb 
Christus  zu  Gnaden  angenommen  worden.  Christus  selbst  aber,  oder 
die  menschliche  Natur  in  ihm  ist  niemals  von  Gott  zu  Gnaden  ange- 
nommen worden. 

Darnach  lauten  die  citirten  Stellen  im  Einzelnen:  In  der  Messe 
auf  Gründonnerstag  heisst  es  in  der  lulation:  Qui  (Christus)  per  adob- 
tivi  hominis  pa8sione(m),  dum  suo  non  indidsit  corpori,  nostro  demum  id 
est  iterum  non  pepercit  *)  —  Christus  hat  durch  das  Leiden  in  der  von 
ihm  angenommenen  Menschheit  seinem  eigenen  Leibe  an  Leiden  Nichts 
nachgelassen,  und  hat  dadurch  unsers  Leibes  geschont. 

Und  anderswo^):  qtti  pietate  tua  per  adobtivi  hominis  passion^(m) 
quasi  quasdam  in  presentis  populi  adquisltione  manubias  quum  non  ex- 
hibuerit  e  celo,  exhibuerit  e  trinmpho,  et  qnmn  non  habuerit  divimta$  \ 
immutabilis  pugnam,  abuerit  fragilitas  adsumia  victoriani.  D.  i.  Chri- 
stus hat  durch  das  Leiden  in  der  von  ihm  angenommenen  menschliche:. 
Natur  der  Liebe  seines  himmlischen  Vaters  in  der  Erwerbnn<r  de? 
gegenwärtigen  Volkes  eine  gewisse  Beute  zwar  nicht  vom  Himmel  her. 
sondern  durch  seinen  Triumph  (am  Kreuze)  zugeführt;  und  obgloKl. 
die  unwandelbare  Gottheit  den  Kampf  nicht  gefuhrt,  so  hat  doch  dit 
von  ihr  angenommene  (menschliche)  Gebrechlicheit  den  Sieg  erfochten. 

In  der  Missa  in  ascensione  Domini  steht  die  Stelle:  Odie  salvator 


*)  Ich  glaube,   dass   es  zneret  lautete:   nostro   demum  pepercit.     Heiß  er  id 
liest  nach  einem  vollständigen  Missale  in  Toledo:  qui  j)er  adoptionem  7iativifati<  | 
suae,   dum  suo  non  induiget  corpori,  nostro  d&)num  non  pepercit.     Von   diese:   - 
Stelle  nahm  man  an,  dass  sie  sich  nirgends  finde,  cf.  Leslei,  praefatio,  nr.  32  sq    I 
—  IlefelCy  p,  608.    Schon  Alcuin  findet,  dass  die  Stelle  so  (mit  demum  non  pepercit  • 
keinen  Sinn  gebe  (II,  7,  adv.  Elip.), 

')  f'eria    V  post  Pascha.    Die  heutigen  Ausgaben  lesen  hier :  per  adsumpti 
hoininis. 


Die  Adoptianer  nnd  die  Liturgie.  273 

noster  post  adohtionem    camia  sedem  recepit  DeitcUis.     Odie  hominem     Die 
simm  intulit  patri,   quem   obtulit  paasioni.     Heute   hat   unser   Heiland,  ^^°'*'^" 
nachdem  er  das  Fleisch  angenommen,   den  Siz  seiner  Gottheit  wieder  die  li- 
eingenommen.     Die    Stelle   enthält   gar  nichts  Verfängliches;    adobtio  *•**"*'"' 
ist  aber  heute  doch  durch  assumtio  ersezt. 

Aus  der  Messe  des  heiligen  Speratus  führen  sie  die  Stelle  an: 
adoptivi  hominis  non  horruisti  vestimentum  sumere  camia;  die  Stelle  ist 
entfernt  worden,  wollte  aber  nur  sagen,  dass  Christus  die  menschliche 
Natur  angenommen  habe. 

Aus  einer  der  Messen  für  die  Abgestorbenen  fährten  sie  die 
Worte  an  (die  sich  nicht  mehr  nachweisen  lassen):  quos  fecisti  adop- 
tionia  participea,  jubeas  haereditcUis  ttiae  eaae  conaortes:  Du  hast  es  er- 
langt, dass  sie  von  Gott  als  Kinder  angenommen  werden,  mache  sie 
nun  auch  zu  Genossen  deiner  Herrlichkeit. 

Die  zwei  folgenden  Stellen  finden  sich  in  feria  4  und  5  der 
Messe  nach  Ostern:  reapice  Domine  ttuynim  fidelinm  mtdHtudinem : 
quam  per  adoptionia  gratiam  flio  tuo  facere  dignatua  ea  cohaeredem. 
Und  feria  V:  praeceaait  in  adoptione  donum.  Aber  hier  ist  nicht  von 
Christus,  sondern  von  den  Gläubigen  die  Kede. 

Es  ist  klar,  in  diesen  und  allen  andern  Stellen  bedeutet  adoptio 
entweder  die  Annahme  der  Menschheit  durch  Christus  (von  der  die 
Spanier  allzeit  sagen:  Christus  hat  den  „Menschen^  angenommen),  oder 
die  Annahme  der  Gläubigen  an  Kindesstatt  wegen  der  Verdienste 
Christi.  Gebome  und  halbwegs  gebildete  Spanier  mussten  diess  ein- 
sehen. Ausländer  konnten  durch  das  Wort  adoptio  sich  irre  leiten 
lassen.  Die  Synode  von  675  hatte  gegen  die  Bonosianer  erklärt,  dass 
der  Sohn  Gottes  durch  die  Natur,  und  nicht  durch  Adoption  Sohn  sei. 
Die  ganze  Lehre  der  Adoptianer  aber  beruht  nur  auf  scheinbaren 
Gründen. 

§.  11. 

Die  Anllftllger   des  EHpandus   in  Spanien   waren  Felix,   Bischof  Anbin- 
von  Urffel,  und  der  Bischof  Ascaricus.  Lezterer  wird  in  Hadrian's  Briefe  «®'  **•• 
an  die  spanischen  Bischöfe  genannt  und  schrieb  an  Elipandus^).    Man    ,ins. 
hält  ihn  für    den  Metropoliten    der  Provinz   von   Galicien,   aber   nicht 
mit    dem     Size     in    Bracara.       Da    aber    der    Bischof    von     Lugo 
Erzbischof  von   Galicien    war,    so    möchte    ich    den     Ascaricus    lür 
den    Metropoliten   von    Mcrida   halten^).    —   Zu   den   Anhängern  darf 


*)  Lezterer  legt  dessen  Brief  Beinern  Schreiben  an  Abt  Fidelis  bei. 
^)  Wenn  es  überhaupt  sicher  wäre,  dass  er  Metropolit  war. 

Garns,  span.  Kirche.  IL  2.  13 


274  NeoDtes  Bnoh.   Dritte  K«|rftoL 

wohl  der  Abt  Fidelia  in  Astarien  gezahlt  werdieii.  l&idKch  et 
Bischof  Jonas  von  Orleans,  dass  er  in  Astarien  Schaler  des  EKps 
gesehen,  welche  er  als  wahre  Antichristen  bezeichneL  Er  habe  • 
Lente,  deren  änssere  Erscheinung  eine  sehr  angunstige  gewesen, 
Kezer  gemieden^). 
!»•  Zahlreicher  waren  seine  66gll€f  •    Zaerst  traten  gegen  ihn  ao 

^^  Abt  Beatas  von  Libana  und  der  noch  jange  Etherias,  adion  783  Bi 
sHpaii-  Yon  Osma.  Mit  diesen  war  ein  sonst  nicht  bekannter  Felix  verbin 
Aus  den  Schriften  des  Paulus  Alvams  von  Cordaba  erfidireo  wir 
drei  froher  nicht  gekannten  Gegnern  des  Eilipandos..  Der  erste 
der  (Ens-)  Bischof  TBudula(ila)  von  Sevilla.  Von  ihm  sagt  Ahn 
qZu  jener  Zeit,  als  die  Pest  des  Elipandus  in  wahnwisiger  Wutb 
sere  Provinz  verwüstete,  hat  euer  jezt  schmerzlich  vermisster  Bü 
Teudtda  nach  vielen  und  mannigfiMshen  theologischen  Erörterungen 
die  Eigenschaften  Christi  dieselben  in  den  Schlussworten  znsami 
gefieust:  Wer  immer  behauptet,  dass  das  Fleisch  (die  Menschl 
Christi  vom  Vater  adoptirt  sei,  der  sei  aosgeschloasen^^ 

Der  einzige  aus  jener  Zeit  uns  bekannte  Bischof  von  Südspt 
war  ein  Gegner  der  Irrlehre;  ebenso  Bischof  Etherius«  Namen 
Stellung  der  Uebrigen  sind  für  uns  im  Dunkel  geblieben.  Aber  Ü 
BMOit-rns  fahrt  fort:  Höre,  was  BasüiMcus  zu  Elipandus  sagt:  Es  spn 
einer:  Gott  der  Vater  hat  das  Fleisch  (Christi)  nicht  gezeugt  i 
selbst  gestehe  es  —  aber  den  Sohn,  dessen  ist  das  Fleisch,  hit 
gezeugt').  Kein  Vater  erzeugt  die  Seele  seines  Sohnes,  sondeni 
Fleisch,  dessen  die  Seele  ist**).  Denn  dort  erzeugt  Gott  Vater  i 
Geist  den  Geist,  nicht  das  Fleisch;  hier  aber  der  irdische  Valeri 
Fleisch  das  Fleisch,  und  nicht  den  Geist;  dort  Gott  der  Vater* 
Natur  und  die  Person,  hier  der  Mensch  nur  die  Natur,  nicht  i 
Person*).  —  Darnach  wären  sämmtliche  Seelen  der  Kinder  gleicbs 
von  deren  Eltern  adoptirt,  deren  uneigentliche  Kinder.  —  Wer  ßaj 
liscus  sei,  ist  nicht  ermittelt.  Er  wird  nicht  Bischof  genannt  Goa 
Bravo,  der  die  Briefe  des  Alvarus  entdeckte,  meint,  er  sei  jener  B 
schof ,   der   mit  Froyla  als  Gesandter   Alfona  des   Keuschen  bei  Ki 


')  Der  Brief  des  Jonas  —  ap,  FUn^ez,  F,  560--56L 
^)  Eo  tempore,  quo  Elipandi  lues  vesano  fiirore  nostram  v<ut<Aatff^ 
vinciam,  et  crudelior  barbarico  gladio  lethali  pectnra  dissipabat  fortiUf 
fea  (romphaea),  vester  nunc  requisitus  Kpiscopus  Teudula  post  multa  ei 
de  proprietate  Christi  veneranda  eloquia  txili  Jine  toHus  suae  dispositionis 
dusit  epitoma,  ut  diceret:  Si  quis  camem  Christi  adoptivam  dixerit  PaU\ 
thema  sit.    Amen.  —  Ep,  IV,  Älvari  ad  Joannem^  Esp,  s.  XI,  1 22— 123, 
*)  sed  filivm,  cujus  coro  est,  genau» 
*)  sed  camem,  cujus  est  animam  (anima),  generat, 
*)  /.  c.  p.  124.  —  ep.  4,  nr,  28. 


Gegner  des  Elipandns.  275 

dem  Grossen  gewesen,   und   demselben   ein   manijisclics  Zelt   zum  Ge-  . 
schenke  machte*).    Morales  nennt  ihn  Basilius,  Mariana —  Basilicus^). 
Ebenso  der  Chronist  Kegino  zum  Jahre  798;   andere  Franzosen  dage- 
gen: Basiliscus«    Bischof  wird  er  nirgends  genannt.    Florez  ist  geneigt, 
ihn  für  einen  Cordubonser  zu  halten*). 

Endlich  führt  Alvarus  einen  „Lehrer"  mehrfach  an,  den  er  „un-  vincen. 
Sern  Vincentius"  heissf*).  Er  lebte  zur  Zeit  des  heiligen  Eulogius  und 
des  Abtes  Speraindeo^  und  war  noch  ein  Zeitgenosse  des  Alvarus. 
Gomez  Bravo  sagt  nur  über  ihn:  Es  scheint,  dass  er  über  Christus 
und  seine  Eigenschaflen  schrieb.  Bei  Alvarus  findet  sich  nur  ein  Citat 
desselben,  welches  aus  einem  kirchlichen  Officium  entnommen  zu  sein 
scheint.  Alvarus  nennt  ihn  femer:  den  sehr  gelehrten  Vincentius, 
und  vertheidigt  ihn  gegen  den  Vorwurf,  dass  er  der  Menschheit  Christi 
ein  vorzeitliches  Sein  zuschreibe,  da  er  nur  die  Einheit  der  Gottheit 
und  Menschheit  in  Christus  betonen  wollte. 

Hiernach  scheint,   dass  Elipandns  „und  die  Brüder  in  Corduba^^ 
selbst  iu  Spanien  mehr  Gegner,  als  Anhänger  zählten. 

§.  12. 

Unter  den  Gegnern  ragt  der  Abt  und  Priester  Beatus^)  her-  Abt 
vor,  gegen  dessen  siegreiche  Polemik  Elipandns  nur  Verwünsch-  ^«•**»*' 
ungen  und  Verleumdungen  hatte.  —  In  seiner  nicht  alten  „TOa** 
heisst  es,  dass  E^lipandus  unter  dem  Könige  Mauregatus  dem  Cixila 
nachgefolgt  sei,  „weil  der  lluhm  seiner  Lehre  und  Heiligkeit  durch 
ganz  Spanien  ging''.  Ihn  habe  von  frühester  Jugend  an  ein  gewisser 
Felix  (von  Urgel)  unterrichtet.  Daraus  allein  geht  der  geringe  histo- 
rische Werth  dieser  j^Vita^  hervor;  Jeder  weiss,  dass  Elipandns  um 
das  Jahr  719  geboren,  bedeutend  älter  als  Felix  war.  Mabillon  nennt 
den  Verfasser  einen  Schriftsteller  aus  „neuerer  Zeit*'  (recentioris  aetatis'^), 


')  Juan  Oomez  Bravo,  Catalogo  de  los  ohispos  de  Cordoba.  2  tom.    Cor- 
doha  1778,  I.  p.  114. 

')  Morales^  Coronica  general  de  Espana^  l.  13,  31,  —  Mariana,  7,  9.  — 
Regina,  Chron,  ad  798. 

')  Esjy.  sagr.  XI,  p.  6—8  (de  Basilisco). 

^)  Noster  nunc  doctor  Vincentius,  e/>.  Alvari,  1,  nr,  13;  4,  nr.  29,  Go- 
mez Bravo,  p,  114. 

^)  Uehor  Beatus  cf.  Yepes,  Coronica  de  la  orden  de  san  Benito,  III, 
280—282.  —  Seine  Vita  zuerst  edirt  von  Tamajo  (ex  legendario  Asturicensi)  ad 
19.  Febr.  —  Acta  Sand.  Febr.  t  III,  p.  147-^148.  —  Acta  Sand.  0.  S.  B. 
ed.  Mabillon,  saec,  1 V,  1,  p.  735—738.  —  Tamajo  mag  Manches  aus  Eigenem  der 
.„Vita*'  bcigcfTigt  haben,  denn  Elipaodus  wird  möglichst  rein  gewaschen ,  Felix  aber, 
^ein  Gallier",  ranss  ihn  verführt  hahen. 

18* 


Beatos  und  Etherius.  277 

(^ach  der  ,fViia^^  des  Beatus  hätte  Elipandus  endlich  eine  Synode 
zu  Toledo  gehalten,  und  vor  ihr  seine  Irrthümer  widerrufen,  und  da- 
selbst den  Beatus  gelobt  und  gepriesen;  das  ist  Erfindung  des  Tamajo, 
der  den  Beatus  am  19.  Februar  798  sterben,  während  er  ihn  in  der 
angeblichen  Synode  von  c.  799 — 801  wieder  leben  lässt.) 

Beatu8  und  Etherius  schreiben  dem    „eminentesten   und  von  Gott  b«**«" 
geliebten  Elipandus,  dem  Erzbischof  des  Sizes  von  Toledo".     Sie  haben  Eiipan- 
den  Brief  Elipand's  an  Abt  Fidelis,   geschrieben  im  October  785,    am    <*"• 
26.  November  785  gelesen;    zu  Fidelis  sind   sie   aus  Anlass   des  Ein- 
tritts der  Königin  Adosinda,  der  Wittwe  Silos,  in  das  Kloster,  gekom- 
men und  vernahmen,    dass  der  Brief  gegen  sie   in   ganz  Astnrien  ver- 
breitet sei. 

Das  Schiff  der  Kirche,  in  dem  Petrus  und  sie  sind,  wird  nicht 
Gefahr  leiden;  wohl  aber  das  Schiff,  in  dem  „Judas'*  fährt.  Die  Geg- 
ner (d.  i.  Elipandus)  „heulen,  aber  behandeln  nicht  die  Schrift.  Und 
weil  sie  heulen,  sind  sie  Wölfe,  wandeln  im  Dunkeln,  das  ist,  predigen 
unter  den  Unwissenden:  bringen  dunkle  und  verworrene  Disputationen 
zum  Vorschein,  durch  welche  sie  die  Unwissenden  täuschen.  Die 
Hirten  der  Kirchen  wagen  sie  hinwegzunehmen,  damit  sie  die  Schafe 
Christi  leichter  erdrosseln.  Brüder,  trauet  ihnen  nicht,  stosset  sie  von 
euch.  —  Sind  sie  nicht  Wölfe ,  die  euch  sagen :  Glaubet  an  den  adop- 
tirten  Jesus  Christus,  und  wer  diess  nicht  glaubt,  werde  ausgerottet 
(exterminetur)*'  *)? 

Aber  Etherius  und  Beatus  sind  für  ihren  Glauben  Exil  und  Tod 
zu  leiden  bereit.  Und  käme  auch  vom  Himmel  herab  ein  Engel,  der 
euren  ausländischen  Glauben  uns  predigen  würde,  ihm  würden  vrir 
Anathema  Maranatha  entgegenrufen  ^). 


^)  et  episcopus  metrqpolitanus ,  et  princeps  terrae,  pari  certamine  haere- 
:  ticorum  Schismata,  unus  verbi  gladio,  alter  virga  regiminis  ulciscens,  de  terra 
j  vestra  funditus  auferantur,  —  et  tum  solum  per  Asturiam,  sed  per  totam  His- 
paniam,  et  usque  ad  Frandam  diwlgaium  est,  quod  duae  quaestiones  in  Astu- 
ricensi  ecdesia  ortae  sunt.  Et  sicut  duae  quaestiones,  ita  duo  populi  et  duae 
ecclesiae,  una  pars  cum  altera  pro  uno  Christo  contendunt  Cujus  fides  vera 
an  falsa  sit,  grandis  inventio  est:  et  hoc  non  in  minuta.  plebe,  sed  inter  epi- 
scopos  est,  Una  pars  episcoporum  dicit,  quod  Jesus  Christus  adoptivus  est 
humanitate,  et  nequaquam  adoptivus  divinitate.  Altera  pars  dicit:  nisi  ex 
tUraque  natura  tmi4sus  est  Dei  patris  filius  proprius,  non  adoptivus,  in  tantum 
proprius,  ut  ipse  sit  Dei  filius  Deus  verus;  et  ipse  adoretur  et  colatur,  qui 
sub  Pontio  Pilato  est  crucifixus.  Haec  pars  nos  sumus,  id  est  Heterius  et 
Beatus  cum  caeteris  ita  credentibus.  Wer  ist  der  MetropoHtanbischof,  der  „durch 
das  Schwert  des  Wortes"  ausgetilgt  werden  soll?  Wir  kennen  nur  den  Odoarins 
von  Lngo,  welcher  im  September  786  starb. 

'}  vestram  fidem  peregrlnam.    In  der  That  war  dieser  Glaube  ans  Asien 
eingewandert. 


Beatas  und  Elipandns.  279 

in  der  Tugend  (?)  nnd  dem  Irrthum,  Verkehr,  Bonosus  und  Beatus  sind 
wegen  des  gleichen  Irrthums  vcrurtheilt.  Jener  glaubte  an  Christus, 
als  den  von  der  Mutter  adoptirten,  und  nicht  an  den  von  dem  Vater 
vor  aller  Zeit  gezeugten,  nicht  aber  den  (nur)  aus  der  Mutter  in  der 
Zeit*)  adoptirten.  Wem  soll  ich  ihn  (den  Beatus?)  vergleichen,  wenn 
nicht  dem  Manichäer  Faustus?  Faustus  hat  die  Patriarchen  und  Pro- 
pheten verdammt:  dieser  verdammt  die  alten  und  die  neuen  Kirchen- 
lehrer. Ich  bitte,  dass  ihr  von  der  Hize  des  Glaubens  entzündet,  in 
'  dem  Eifer  erglühet,  dass  ihr  den  erwähnten  Irrthum  aus  eurer  Mitte 
entfernet:  damit,  gleichwie  Gott  durch  seine  Knechte  die  Migetianischc 
Häresie  aus  dem  Gebiete  von  Baetica  ausgerottet  hat,  er  durch  euch 
die  Beatianischc  Häresie  aus  dem  Gebiete  von  Asturien  bis  zur  Wurzel 
austilge.  Weil  ich  aber  vernommen  habe,  dass  der  Vorläufer  des 
Antichrist  in  eurer  Mitte  erschienen,  der  verkündet,  dass  der  Anti- 
christ selbst  schon  geboren  sei,  so  bitte  ich,  du  mögest  ihn  ausfor- 
schen, wo  und  wie  und  wann  jener  lügenhafte  Prophetengeist  entstan- 
den, der  aus  ihm  redet,  imd  uns  Sorgen  um  ihn  machf*. 

So  weit  Elipandus;   und  Beatus  fährt  fort:    Diess   ist  dein  Brief.  Boatu« 
Diess  sind  deine  Worte.    Diess  ist  dein  Glaube.    Diess  ist  deine  Lehre,  eh^h- 
Diess  ist  deine  Weisheit,  und  du  befiehlst,  dass  wir  uns  zu  derselben    dm. 
hinneigen.     Weil  wir  es  nicht  thun,    so  schreist    du,   dass   wir   Kezer 
und  Vorläufer   des    Antichrist   seien.    Und   deinem  Fidelis    sagst  du: 
Forsche,  wo  er  geboren,  und  seze  uns  davon  in  Kenntniss.     Diess  ist 
nicht  eine  Unbild  gegen  uns,  sondern  gegen  den,  welchen  wir  anbeten. 
3    —  Elipandus,  Erzbischof  von  Toledo,   wird  mit  Arius,  Sabellius,  Bo- 
:    nos(i^us,  Marcio(n),  Basilides  —  auf  gleiche  Linie  gestellt.  —  Er  sage 
t    von  sich:  Jener  ist  Christus,  wir  aber  sind  Christi:  jener   ist  Knecht, 
i    und  wir  sind  Knechte^).     Dass   der,   den    die   Jungfrau   geboren    hat, 
,     nicht  Sohn  Gottes  sei,  das  ist  der  Glaube  des  Elipandus. 

Das  zweite  Buch  des  Beatus  gegen  Elipandus  hat  den  Titel:  Von  zweites 
Christus    und   seinem   Leibe,   welcher    ist   die  Kirche,    und    von    dem    ^^^^ 
Teufel  und  seinem  Leibe,  welcher  ist  der  Antichrist    Weil  die  Schrif-  Boatat. 
ten,   in  denen  sie  von  Elipandus  Kezer,    Unwissende  im  Glauben    und 
Schüler  des  Antichrist  genannt  werden,    schon    in    verschiedenen  Län- 
dern verbreitet  seien,  so  dass  Alle,  welche  sie  lesen,    ihn    für  den  ka- 
tholischen Doctor  des  Sizes  von  Toledo,  fiir  den  neuen  (novdlum)  Erz- 
bischof,  sie  aber  für  unwissende  Libanenser^   Kezer   und   Schüler  des 


*)  et  non  de  mcUre  temporalttei\ 

')  Als  Beispiel,  wie  Cbristus  und  Christiani,  führt  er  an  --  Wifiza  und  Wi- 
tizani:  ned  multi  hodie  ab  ipso  nomen  sumunt  Witizani,  etiam  pauperes  ^  vt 
per  nomen  agnoscatur,  quod  de  stirpe  regia  est.  Daraus  kann  man  vielleicht 
folgern,  dass  der  Name  des  Vitiza  am  Endo  des  achten  Jahrhunderts  in  keinem 
üblen  Rufe  stand. 


Elipandus  gegen  Beatus.  281 

ndig  nicht  erhalten^).  Den  Elipandus  brachte  es  nicht  auf  bessere 
age.  Aber  die  Katholiken  in  Spanien  hatten  nun  eine  Fahne,  um 
816  sich  sammeln  konnten,  und  Elipandus  war  nicht  im  Stande, 
n  Beatus  zu  antworten.  Er  brachte  es  über  ohnmächtige  Scbmähun- 
I  nicht  hinaus.  Er  erfand  die  „Beatinische  Kezerei^,  dichtete  dem 
ttns  alle  möglichen  Irrthumer  und  Laster  an,  u.  A.:  dass  er  in 
ler  Yerlomen  Schrift  über  die  Apocalypse  das  nahe  Ende  der  Welt 
phezeit  habe,  und  nennt  ihn  desswegen  Antiphrasius,  um  auszu- 
icken,  dass  er  ^schlich  sich  „Selig*^  nenne. 

In  dem  Briefe  des  Papstes  Hadrian   an   die   spanischen  Bischöfe  H«dr.  i. 
■liaüpt  erscheint  Ascaricus  neben  Elipandus  als  Häretiker.  Zunächst  ^\J^^ 
Pen  wir  nur,   dass   er   einen   höflichen  Brief  an  Elipandus   schrieb 
I  von  ihm  lernen,  ihn  nicht  belehren  wollte.    Es  scheint  uns,   dass 
pandos  dem  Brief  eine  Deutung  gabj  der  über  die  Absichten  seines 
ifiulsers  hinaus^ng. 

Papst  Adrian  soll  sich  in  dieser  Sache  auch  an  Karl  den  Grossen 
nndt,  und  dieser  desswegen  die  Synode  von  Narbonne  berufen 
Pen  (788*).  Diese  Synode  sagt:  Im  Jahre  788  der  Menschwerdung 
r  Herrn  kamen  wir  wegen  vieler  kirchlichen  Angelegenheiten,  beson- 
k  wegen  der  „giftigen  Lehre"  des  Bischofs  Felix  von  Urgel  etc. 
imen.  Aber  die  Acten  handeln  nur  über  die  Grenzen  der  Diöcese 
»nne.  Von  dem  Irrthum  der  Adoptianer  ist  keine  Rede,  wohl 
ist  Felix  von  ürgel  unter  den  anwesenden  Bischöfen  unterschrie- 
nicht  wie  ein  Verklagter,  sondern  wie  ein  Zeuge  und  Richter^)' 
Akten  der  Synode  sind  wahrscheinlich  falsch,  die  chronologischen 
pBD  harmoniren  nicht.  Viele  andere  Gründe  sprechen  gegen  die 
ihtheit. 

§.  13. 

Die  Angelegenheit  der  Adoptianer    wurde  zuerst  auf  der  Synode  synod« 
I  Regensburg  792  behandelt.  —  Bevor  ich,  sagt  AIcuin,  nach  Frau-      *" 
1  kam,    ist  die  Secte  deiner  Irrlehre  unter  dem  Vorsiz  des  Königs    bürg. 
rl  in  Gegenwart  des  Felix,  den  du  sehr  zu  loben  pflegst,  und  wel- 
r  damals   der   Vcrtheidiger   eurer  Partei    war,    an    dem    berühmten 
;e  Reiginisburg  behandelt  (ventilata),  und  durch  den  Synodalanssprnch 
Bischöfe,  welche  aus  verschiedenen  Ländern    des  christlichen  Rei- 
ft   zasamroengekommen    waren,     mit    ewigem    Anatheni    verurtheilt 
rden,   ja   auch   von  dem   damaligen  Papste  Hadrian   gründlich  aus- 


')  Caetera  desiderantur  in  auiographo, 

*)  Nach  andern  791  gehalten. 

*)  Felix  Episcopus  ürgellitanae  Sedis  subacripsi. 


2^2  Neuntes  Bach.    Drittes  Kapitel 

geschlossen:  bis  derselbe  Felix  iiDglficklicher  Weise  in  eure  Gegenden 
ziirückfloh,  und  auf  euren  Antrieb  die  schlammernde  Asche  der  Kezerei 
Aviedcr  zu  erwecken  strebte.  Alcnin  habe  ihm  liebevoll  gesehrieben'). 
Vergebens  u.  s.  w. 

Eginhard  schreibt  (792):  (Felix)  wurde  zu  dem  Hoflager  des 
Königs,  damals  zu  Uegino,  einer  Stadt  in  Baiem,  gefiihrt,  dort  worde 
er  von  einer  Synode  gehört,  und  des  Irrthums  überfuhrt,  und  sodann 
zu  Papt  lladrian  I.  nach  Korn  gesendet').  —  Papst  Leo  HJ.  selbst 
sagt  (799):  Dieser  Erzkezcr  (Felix)  hat  dreimal  falsch  geschworen, 
zuerst  auf  der  Synode  zu  llegensburg,  die  auf  Befehl  des  Königs  Karl 
gehalten  wurde,  wo  er,  wie  er  sagte,  von  freien  Stucken  seine  Häresie 
verflucht  hat^).  Er  hat  den  Beschluss  des  Concils  unterschrieben,  und 
jedem  Anathema  gesprochen,  welcher  den  Sohn  Gottes  dem  Fleische 
nach  Adoptivsohn  Gottes  nennen  wüide.  Bestätigend  erzählt  Paulinm 
von  Aquileja:  Felix  habe  vor  dem  Kaiser  und  in  seiner  Gegenwart  airf 
die  heiligen  Evangelien  geschworen,  geschworen,  der  Irrlehre  zu  ent- 
sagen, und  die  Kegel  des  Glaubens,  der  er  jezt  zugeschworen,  ^ulTe^ 
änderlich  festhalten  zu  wollen''). 

Die  Acten  der  Synode  von  lli^gensburg  sind  nicht  erhalten. 

§.  14. 

Von  Karl  im  Geleite  Angilberts  nach  Rom  gesandt  (792),  schwv 
Filix  in  der  Petorskirche  vor  lladrian  I.  aufs  Nene  seine  Irilhiiner 
ab.  Im  (icianpjnisse  (in  vincnUs)'^)  schrieb  er  eine  orthodoxe  Schrß 
in  der  er  b(?kanntc,  dass  Christns  der  eigne  und  wahre,  auch  s 
Mensch  nicht  Adoptivsolin  Gottes  sei.  Er  legte  diese  Schrift  auf  Cr 
lieiliujen  Mysterien  in  der  Patriarchalkirche  (des  heiligen  Johannes)  uti 
wieder  auf  den  Leib  des  heiligen  Petrus.  —  Von  Rom  kehrte  er  ri 
.seinen  IJischofssiz*'')  zurück.  Von  hier  scheint  er,  weil  er  den  alti'j 
Jrrlhum  wieder  lehrte,  seiner  Sicherheit  wegen  sich  in  das  Gebiet  Jo: 
Mauren  begeben  zu  haben'). 

Um  diese  Zeit  kehrte  Alcuin    nach  Frankreich    zurück,    und  ht- 
kämpfte    etwa    8   Jahre    lang  (793 — 801)    die  Häresie    der  Adoptianer. 


')  advers.  Elipanduiii  L  IV;  (1,  16). 

';  Annales  Einhardi,  nd  ann.  792. 

')  cnnfessus  est,  «c  sc  ipsa  (ipso?)  hacresi  male  dixisse  (vielleicbl  auri 
V(dedi:t'isse). 

*)  Jfarduin,  IV,  927.  -  Mansi,  XII l,  103L 

^)  in  JUistJindi^tT  Haft  oder  Busse  V 

**)  Analisfa  Saxo:  menutquG  rcverfi ,  ad  propriae  i*ursu.^  rt-fii/OtJui" 
sedis  honorem. 

')  Harduin,  IV,  928.  —  LnbbeCohfi.    IX,  64.   ~  Mansi,    XIII,  P^'il- 


\ 


AlcuiD  an  Folix^  793.  283 

8t  richtete  er  (793)  einen  liebevollen  Brief  an  Felix.  Diesen  lange  Aienin 
renen  Brief  hat  Abt  Froben  \vieder  aufgefunden  *).  „Dem  verehr-  *°^^3"* 
w'ürdigen  und  in  der  Liebe  Christi  zu  umfangenden  Bischof  Felix 
*ibt  der  demüthige  Levite  Alcuin^.  Alcuin  hat  ehedem  von  einem 
ter  ans  jener  Gegend  den  herrlichen  Ruf  des  Felix  gehört,  und 
dessen  Fürbitte  empfohlen.  Er  möge  jezt  doch  in  den  Schooss 
wahren  Kirche  zurückkehren.  Keiner  ist  Häretiker,  ausser  aus 
tsncht.    Streite   nicht  umsonst.    Die   evangelische  Lehre   erglänzt 

der  ganzen  Welt.  Nicht  neue  Namen  wollen  wir  ersinnen,  nichts 
liortes  vortragen,   nicht  unserm  Namen  durch  die  Neuheit  irgend 

Lehre  einen  eitlen  Ruhm  erwerben.  Die  Kirche  ist  entweder  bei 
oder  bei   euch.     Der  neue  Name   y^Adoptio^   komme   im  ganzen 

und  neuen  Bunde  nicht  vor.  Ob  sie  denn  glauben,  dass  die 
s  Kirche  nur  bei  ihnen  sei?  Ist  Petri  Fels  gefallen,  ist  seine 
alt  dir  übertragen,  dass  über  dir  am  Ende  der  Zeit  und  der  Erde 
lene  Kirche  aufgebaut  würde?  Er  möge  die  von  ihm  Verführten 
skfübren  in  die  Kirche.  Was  ist  ein  Adoptivsohn,  wenn  nicht  der 
tic  Sohn?    So   viel  Wahres  stehe   in   seinen  Schriften.     Er   möge 

wegen  dieses  einzigen  Namens  „Adoption^  von  den  heiligen  Vä- 
abweichen.  „Sei  nicht  mit  wenigen  Liebhaber  deiner  eigenen 
Lung,  sondern  mit  Vielen  Vcrtheidiger  der  Wahrheit;  verliere  nicht 
jkrbeit  eines  religiösen  Lebens  von  früher  Jugend  an**.  Er  fnhil 
en  aus  Hilarius,  Athanasius,  Cyrillus  von  Alexandrien,  Au- 
iDUS,  Gregor  L,  aus  Chroniatius,  dem  Vorsteher  der  heiligen  römi- 
D  (?)  Kirche,  an.  „Ermahne  deinen  Bruder,  den  ehrwürdigen 
-)  Bischof,  den  ich  mit  Liebe  nenne,  den  Elipandus,  dass  er  mit 
and  der  unzählbaren  Monge  der  Heiligen  zu  dem  Thore  der  ewigen 
t  emporsteige.  Wollet  nicht  Christi  Heerde,  die  euch  zur  Hut 
rtraut  wurde,  verderben,  wollet  sie  retten.  Nur  in  dem  einzigen 
te  der  Adoption  weichet  ihr  ab  von  der  heiligen  und  a[)ostoliseheu 
he.     Leicht  ist  es,  mit  Gottes  Gnade,  diess  Wort  zu  ändern,  und 

der  evangelischen  und  apostolischen  Worte  zu  bedienen.  Wie 
ich,  wie  lobwürdig  und  heilsam  ist  euere  Bekehrung  zu  der  Kin- 
des Friedens  und  des  Glaubens,    und  welchen  Ruhm  iiabt  ihr  bei 

und  seinen  Heiligen!  Möchte  doch  meine  Wenigkeit  euere  Briefe 
I,  damit  it;h  freudig  schaute,  dass  die  Bitten  meiner  Innigkeit  und 
e  eine  Frucht  brächten.  Seid  nicht  Liebhaber  der  eigenen  Weis- 
mit  Wenigen,  sondern  V^erthcidiger  der  Wahrheit  mit  Vielen.  Es 
me  euch  zuvor  die  göttliche  Gnade  im  heiligen  Geiste,  damit  ihr 
Quet  und  lehret  den  wahren  Glauben,  und  dass  ihr  unbefleckt  und 


*)  e  codice  Salisburgensi. 


284  Neunfes  Buch     Drittes  Kapitel. 

gekrönt  vor  dem  llicliterstuhle  des  höühsten  Richters  die  Worte  höret: 
Kommet,  ihr  Gesegncteu  meines  Vaters*^. 

§.  15. 

Brief  Um  dieselbe  Zeit ,  und  vielleicht  noch  bevor  AIcuin's  Brief  nach 

Dter^^im  »^P*'"cn  kam,  richteten  Elipandus  und  die  Seinigen  an  Karl  den  Gro«- 
Karidon  8cn  und  die  tränkischen  Bischöfe  zwei  Schreiben  (793 — 799).     Im  Ein- 
®"***"  gange  des  ersten  Briefes  *)  singen  sie  zuerst  Dithyramben  des  Lobes  dem 
ruhmreichen    Herrscher,    dessen  Name    die    ganze  christliche  Welt  er- 
füllte.     Zur    Erde    ausgestreckt   bitten    sie   Gott    für    ihn    um    lange 
Herrschaft. 

„Diess  vorausgeschickt,  fahren  sie  fort,  gelangte  die  Kunde  zn 
dem  Ohre  deiner  Knechte,  dass  die  stinkende  Schrift  des  fälschlich  so 
genannten  Beatus  die  Herzen  einiger  wenig  Nachdenkenden  (parvipenden- 
tinm  sacerdotum)  mit  ihrem  (Hfte  besudelt  hat.  Dieser  anselige  Priester 
und  falsche  Prophet  lehrt,  der  Sohn  Gottes  habe  nicht  aus  dem  Leibe 
der  Jungfrau  die  Adoption  des  Fleisches  angenommen^).  Gegen  diesn 
Wahnsinn  haben  wir  einen  Brief  an  die  Bischöfe  eures  Reiches  geridh 
tet,  der  auch  eueren  Augen  unterbreitet  werden  soll.  Du  mögest 
Richter  sein,  zwischen  Bischof  Felix,  dem  dir  nächsten  Vertheidiger 
unsrer  Sache,  und  denen,  welche  den  sacrilegischen,  durch  schändliche 
Fleischeslust  gemästeten  Antifrasius  Beatus  vertheidigen,  ohne  allfi 
Oel  der  Schmeichelei.  Dann  möge  der  Herr  deine  Feinde  dir  s 
Füssen  legen,  und  die  Ehre  derer,  die  dir  widersprechen,  zu  Staof 
verwandeln.  Was  wir  hier  näher  nicht  ausfiihi'en  konnten,  haben  t. 
dem  Träger  unsers  Briefes  anvertraut.  Aber  von  übermässigen  Schmer 
durchbohrt  sind  wir  gezwungen,  dir  das  Wort  des  Herrn  vorzuhalta 
Lernet  von  mir,  denn  ich  bin  sanftmüthig  und  demüthig  von  Herzet 
Und  das  andere  Wort,  das  der  Herr  zu  der  im  Ehebruch  ergriffen« 
Sünderin  sprach,  dass  sie  ihre  Sünde  nicht  wiederhole." 

Elipandus  überfliesst  von  Höflichkeiten  gegen  Karl.  „Darum  wi: 
ausgestreckt  vor  dir  bitten  wir  mit  Thräncn,  dass  du  deinem  t)ieuc. 
Felix  sein  Bisthum  zurückgebest,  dass  du  der  durch  reisseude  Wolle 
versprengten  Heerde  ihren  Hirten  wiedergebest^.  Sie  erinnern  ihn  aß 
Constantin  den  Grossen,  der  durch  den  „seligen  Sylvestrius"  aus  eioen 
Gözondiener  zum  Christen  bekehrt,  später  durch  die  Schlange,  sein; 
Schwester,  verführt,  von  der  Lehre   der   318    Väter    von  Nicäa  abfit'. 


')  Op.  Alcuini,  ed.  Frohen,  p.  783—787.  —  Es  scheint  nicht,  dass  dieser 
Brief  bis  jezt  in  Spanien  bekannt  sei.  In  dem  Werke  gegen  Elipandns  (I^  It 
weist  Alcuin  auf  denselben  hin. 

')  Dcifilium.  —  nequaquam  ex  ufero  virghiis  camis  adsumsisse  adoptionfv.. 


ElipaodQB  an  (gegen)  Karl  den  Grossen.  285 

1  in  beweinenswerthem  Sturz  bis  zur  Holle  versenkt,  sein  Leben 
Joss^).  Wieder  bitten  sie,  dass  er  die  Lehre  des  stinkendsten  anti- 
astischen  Beatas,  des  Läugners,  dass  Gottes  Sohn  wahrhaft  Fleisch 
[enonimcn  aus  Maria  der  Jungfrau,  aus  seinem  Reiche  austilge,  „und 
8  du  dem  dir  untergebenen  Volke  den  katholischen  Glauben  mit 
ren  Worten  festzuhalten  gebietest^. 

Aber  in  Ländern,    wo  die  Heiden   nicht   herrschen   (in   Asturicn 

[  der  spanischen  Mark?),   gehen   doch   unzählige  Seelen   durch   den 

Fleischeslust  ergebenen  antiphrastischen  Beatus  verloren,  welche  er 

sich  in  den  ewigen  Brand  der  Hölle  hinabzieht ^).     Da  möge  Knil 

ichreiten,  sich  erinnernd,  dass  auch  Petrus  von  dem  Jüngern  Puu- 

offentlich  sich  zurechtweisen  Hess.     „Den  Rath   so  Vieler  verachte 

nicht  allein;   nämlich    die  Aussprüche   so   vieler  ehrwürdiger  Väter 

r  die  Adoption  des  Fleisches  Christi  weise   du  allein  nicht  zurück. 

in  man  sagt,  dBSS  du  Tlele  dureh  den  Schrecken  Yor  deiner  Ge- 
I,  und  nicht  dorch  die  Serechtlgkelt  fiele  flberwelsest    Es 

ge  deiner  Frömmigkeit  leid  thun,  dass  dieser  stinkende  Beatus  nach 
ler  Bekehrung  wieder  und  wieder  zu  dem  Lager  der  Sünderin 
ackkehrend')  sich  rühme,  und  nach  allen  Weltgegenden  hin  schreibe, 
■  er  den  König  Karl  im  katholischen  Glauben  befestigt  habe. 
.  Aber  auch  die  nichtige  Meinung  ist  unter  den  Heiden  verbreitet, 
le  zu  glauben  gottlos  ist,  dass  du  nach  Art  der  Heiden  läugnest, 
Christus  der  Sohn  Gottes  des  Vaters  ist.  Nachdem  wir  diess 
iwickelt^  haben,  bitten  wir,  dass  im  Stillen  deine  Antwort  uns 
jtochte  und  uns  erfreue,  und  dass  das  Gebet  deiner  Knechte  deine 
Ipbene  Herrschaft  erhöhe.  Amen*).  —  Die  Unterschriften  werden 
biisst;  aber  nach  Durchlesung  dieses  Briefes  nmsste  sich  Karl  viel- 
jlit  gestehen,  dass  er  noch  nie  einen  so  scharfen^  ihn  in  die  Hölle 
Rammenden  Brief  erhalten  habe,  wenn  er  nicht  zu  der  Fahne  des 
ptndas  schwören  würde. 

§.  16. 

Der  dogmatische  Brler  EUpand'S  ist  „an  die  Herrn  und  in 
ristus  verehrtesten  Brüder,  an  alle  Hohenpriester  von  Gallien  und 
idtanien  und  Austrien^  von  uns  „unwürdigen  und  kleinen  Vorstehern 


';  et  ad  infemum  flenda  ruina  demersus,  diem  clauait  extremam. 

*)  ad  infemum  ignis  aetemi  incendio  exurenda  secum  perducat 

■)  €id  thorum  scorti  reversus. 

*)  opinio  iniäilis  in  geniibus  divulgata  est,  quod  credi  nefas  est,  eo  quod 
ft  gentilivfm  Christum  negaveris  IJei  Patris  esse  fiHum,  His  explosiv  peti- 
»  ii  dam  (vor  den  Sarezenen)  nos  reciprocatus  sermo  vester  inliuffret,  qui  nos 
^et,  et  oratio  servomm  fuonim  imperii  vestri  culmun  exaltet.    Auitn. 


gtuuiiiiiien  iiai--^.  wuii  loigi  uie  ooen  ^g.  o}  niiigeiueiiie 
Sclireibens,  worin  sie  iiiren  Adoptiauisiaus  klar  und  unverhül 
eben.  Für  ihre  Lehren  führeu  sie  an  missverstandeDe  Stellet 
brosiiia,  Hilarins,  ÄnguBtjnue,  Isidor  (dos  Uebrige  wie  ol 
den  Fasetapfen  der  Väter  haben  sie  bescbloseen,  oiclit  ah 
In  Christna  ist  der  iomo  deißcus  und  der  humanatus  D«hb. 
Annahme  des  Menechen  ist  keine  Vierbeit  in  Gott  entstaade 
die  Trinität  ist  geblieben.  In  der  Gestalt  des  Knechtes  ist  • 
und  darum  adoptivus.  Sie  meinen,  atrvus  sei  viel  niedriget 
ptivuB,  aber  sie  vergessen,  dasa  Niemand  vor  ihnen  Chris 
Adoptivsohn  nannte.  Der  Prophet  sagt:  Wir  haben  ihn 
Anssözigen  erachtet,  nnd  du  scheust  dich,  ihn  einen  Adop 
nenueii?")  Nach  einigem  Weitem  kommt  ilmen  wieder  der 
liehe  Beatua  in  den  Sinn  und  sie  erschöpfen  wieder  ihren  Sp 
um  den  Schrecklichen  zu  zeichnen,  den  Naburzardan,  dco  F 
Kirche,  den  Niederreisser  der  Mauern  Jeraealems^J,  diesen 
Faustus,  der  die  Patriarchen  Marktleule  nannte,  dieser  zweite 
Als  Beatus,  berauscht  vom  Weine,  sich  niederseztc,  unt 
dummen  Thiere  einen  Abt  ordinirte,  Unfinns  mit  Namen,  ] 
seinem  Schlage,  waa  Uufiuus  mit  eignem  Munde  bezeugt*), 
er,  sich  seH>st  für  Christus  haltend,  (zu  Ka6nus)  zu  drei< 
Simon  Petrus,   liebst  du  mich?     Weide   meine  Schafe.     Wie 


*)  Wu  dnrcbana  erdichtet  ist  Ueberhaapt,  was  Elipandiu  von  Be 
tet,  verdient  nur  dann  Be&chtang,  wenn  es  auch  von  anderer  Seite  bec 
Möglich  ist,  dui  BeatDB  wohlbeleibt  war.  Aber  die  Kirche  sShlt  mi 
beleibte  Selige  und  Heilige  (wie  Thomas  von  Aqiiin),  nnd  nnr  die  alte 
Hchrilten  eeiren  derartiee  Aiuwflchsc  von  Staatswesen  ein. 


Elipandiis  über  Beatos.  287 

IJbdj  da8S  er  nach  drei  Tagen  auferstehen  werde,  so  prophezeite  Bea- 
I  in  der  Ostervigil  dem  Hordonius,  in  Gegenwart  des  Volkes  von 
ibana,  dass  die  Welt  am  Ende  sei.  Erschreckt  nnd  wie  besessen 
im  das  Volk  in  jener  Nacht  keine  Speise  zu  sich,  und  soll  an 
tern  bis  zur  neunten  Stunde  gefastet  haben.  Ein  gewisser  Hordo- 
18  (Honorius),  da  der  Hunger  ihm  zusczte,  soll  zum  Volke  gesagt 
>en:  Lasset  uns  essen  und  trinken,  und  wenn  wir  todt  sind,  wollen 
'  wenigstens  satt  sein.  Beatus  stellte  sich  krank,  und  wollte  nach 
fi  Tagen  auferstehen.    Aber  er  war  todt'). 

'Sie   sagen  Anathem   dem    Bonosus,   dem  Sabellius,   dem  Arrius^  Eiipan. 
D  Maniceus  (Manes).     Wir   anathematisiren   den  Antiphrasius   Bea-  (]|!1'||'^ 
,  den  der  Ausgelassenheit  des  Fleisches  ergebenen,  und  den  Wsild-  «^••niem 
1,    den   Etherius,    den   Doctor   der  Bestien   (f  lestialium) ,   welche 
ren,   dass  der  Sohn  Gottes  keineswegs   die  Adoption   des  Fleisches 
sh  der  Gestalt  der  menschlichen  Knechtschaft  (an  sich)  gehabt  habe. 

„Darum  beschwören  wir  euch,  ehrwürdige  Kirchenvorsteher  in 
ristus,  bei  der  Ankunft  des  Herrn,  bei  seinem  schrecklichen  Gericht, 
}B  ihr  über  das,  was  wir  oben  gesagt,  eifrig  nachforschet,  und  es 
D  Könige  Karl  zum  Lesen  vorleget.  Wollet  nicht  richten  vor  der 
it,  bis  der  kommt,  der  die  Geheimnisse  der  Finstemiss  erleuchten, 
i  die  Absichten  der  Herzen  offenbaren  wird.  —  Mit  welchem  Ge- 
hte  ihr  richtet,   mit  dem  werdet   auch   ihr   gerichtet   werden.    Wir 

Eeuch,  dass  wir,  die  wir  das  Zeichen  desselben  Christus  tragen, 
Frieden,  den  Christus  seinen  Jüngern  anempfohlen  hat,  uuvcr- 
unter  uns  bewahren  mögen.  Wenn  aber  eure  Klugheit  anders 
l^t,  80  erleuchtet  durch  eure  Antwoii  unsre  Scbläfrigkeit;  das  Licht 
I  Wahrheit  möge  durch  den  Strahl  des  wahren  Dogma  die  Abgründe 
irer  Herzen  durchleuchten,  damit  C'hristi  Liebe  in  uns  bleibe;  damit 
^y  welche  Christi  Keichthum  fruchtbar  macht,  die  Entfernung  der 
Inder  nicht  von  einander  trenne. 


§.  17.     Synode  von  Frankfurt,  794. 

Die  genaue  Piüfung,  welche  die  Spanier  wünschten,  Hess  nicht 
r  sich  warten.  Carl  sandte  den  Brief  der  Spanier  an  Papst  Hadrian, 
1  holte  seinen  Ilath  ein.  Für  den  Sommer  (Juni  und  Juli)  794 
ief  er  die  Synode  von  Frankfurt,  welche  viele  Chronisten  eine  „all- 
neine^  nennen.  Sic  wurde  berufen  wegen  „der  Häresie  des  Felix", 
Ichen  die  Abendländer  allein  persönlich  kannten.  Die  Bischöfe  Theo- 
\ßaet  und  Sfephanvs  waren  als  päpstliche  Legaten  abgesandt  worden  ^), 


')  Die  Sfellc  iftt  nicht  mehr  zu  entziflern. 

*}  Ein  Bischof  Sfephnnus  von  GaloHc  erscheint  Ti'?.\  im  .lubre  SiKJ  erscheint 


f^  '' 


■  ,"* 


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288 


HenftM  Boeh.   Driftto  KapitaL 


Adrum  schrieb  (noch  793?)  an  die  Spanier  *X  ^^  ^^'^'^  Wi|WBdM, 
dem  Enbischofe  von  Toledo  an  den  Konig  Karl  geeimdten  Briefis  ^Ikr 
die  Adoption*  Jesu  Chriati,  des  Sohnee  Gottes  dem  Fleisehs  nsfl^ 
seien  ihm  äbergeben  worden.  Alle,  weldie  dieser  fidschea  Lehre  fblg^ 
werden,  wenn  sie  nicht  snm  Glauben  zarackkehren,  der  Tg^ftnawiM. 
cation  verfidlen*).  Ans  Italien  waren  noch  gekonunen  Fanlinos  «■ 
Aqoileja,  Petrus  von  Mailand.  Ans  Britannien  hatte  EjkA  mtkm 
Gelehrte  berofen.  Zugegen  sollen  gewesen  sein  Benedict  iFon  Aan^ 
Beda,  Ardo  Smaragdns,  deren  Schüler  Ingeila,  Aimo^  Rhaban«  wi 
Greorgplos.  Felix  war  nicht  erschienen.  Carl  führte  wenigBtens  im 
Ehrenvorsia'). 

,iAls  eines  Tages*,  berichtet  Panlinns,  ,|im  Saale  des  Palastes  da 
BischSfe  Tersammelt  waren,  die  Priester,  Diakonen  und  übrigen  Kuie 


im  Kreise  nmherstanden,  in  Anwesenheit  des  Forsten^  wuide 
Brief  von  Elipandns,  dem  Urheber  der  Terderblichen  brldire^ 
Br  wurde  auf  Geheiss  des  Königs  vorgelesen.    Der  Konig  stand 
trat  auf  die  Stufen  des  Thrones,  sprach  ausfuhrlich  über  den 
streit,  und  fragte:  Was  dünket  euch?    Seit  einem  Jahre  hat 
jenen  Landern  dieser  thorichte  Wahn  weit  Tarfareitet     Wcna 
Bewegungen  auch  an  den  äusserst^  Grensen  unsera  Beichs  fw 
gehen,   so  muss  der  Irrthum  doch  durch  das  GMdit  des 
abgeschnitten  werden. 

Es  wurde  eine  Frist  von  mehreren  Tagen   angesect, 
welcher  Jeder  seine  Ansichten   niederschreiben,  und   sie   dem 
überreichen   sollte^).     Die   italienischen  Bischöfe   und  die   übrigen 
flammen  theilten  sich  in  zwei  Gruppen.    Vielleicht  geschah  dieses, 
die  Spanier  nicht  an  die  Italiener  geschrieben  hatten^).     Sie  sei 
in  Form  eines  Tractates,  jene  in  Form  eines  Briefes.     Der  TracUli 
der  von  Paulinas   verfasste  „Ubdlus  sacrosyllabtu^^,     nich,  Pi 
unwürdiger  Bischof  von  Aquileja  in  Hesperien,  zugleich  mit  dem 
würdigsten  Bischof  Petrus  von  Mailand   und  allen  Grenossen,   Bi 
und  Mitbiscböfen  von  Ligarien,  Austrien,  Hesperien  und  Aemilieo 


fltlJ. 
[nizi: 

[  / 

I 

lii. 


ein  Bischof  Stephanus  von  Rimini.    Theophylactus  war  Bischof  von  Todi,  der 
als  Legat  nach  Enghuid,  794  nach  Frankfurt  ging.    Gerade  von    760—^ 
die  meisten  Bistbümer  des  Kirchenstaates  Lttclsen  aufzuweisen.    Ptrtz,  Mc 
1,  190,  p.  181  (Einhardi  annaUs  ad  794). 
*)  Sacerdotibus  Oaliciia  Spaniisque, 
»)  Mansi,  XIII,  866.  —  AguirreCatalani,  IV,  93. 
')  Baronius  (794,  1)  kennt  an  300  Versammelte  ohne   n&here 
*)  Mansi,  XIII,  873.  —  Paulinus,  libellus  sacraayllahtis. 
')  Walch,  Kezerhistorie ,  S.  760. 

•)  Harzheim,  Concil.  Qermaniae,  /,  296-^303.  —  Harduin,  IV,  873- 
—  Mami  XIII,  873^883,  -  op.  Paulini,  ed,  Madrisi,  /,  151-^166. 


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Synode  von  Frankftirt,  794.  S89 

jene  Tborheiten  (des  Elipandns)  nach  meiner  schwachen  Einsicht 
irorten.  Einige,  deren  Namen  nicht  im  Buche  des  Lebens  stehen, 
en  eine  alte  Irrlehre  erneuert.  Faulinus  zeigt  die  absurden  Folgen 
Adoptionslehre,  und  wie  sie  der  heiligen  Schrift  widerspreche.  Es 
den  sehr  viele  Schriftstellen  zur  Widerlegung  angefahrt  Er  wider- 
die  Redeweise,  dass  der  Erlöser  eine  Person  aus  drei  Substanzen 
Wort,  Seele  und  Fleisch.  Es  genäge,  zu  sagen,  eine  Person  aus 
i  Naturen.  Die  Widerstrebenden,  besonders  Elipandus  und  Felix, 
en  ausgeschlossen  werden,  „unter  allseitigem  Vorbehalt  des  Vorrech- 
des  obersten  Bischofs,  unsers  Herrn  und  Vaters  Hadrian,  des  selig- 
.  Papstes  des  ersten  Sizes^. 

Während  diese  Abhandlung  die  Irrlehre  vorzugsweise  aus  der 
igen  Schrift  zu  widerlegen  sucht,  sandten  die  heilige  Synode  und 
ehrwürdigen  Väter  in  Christus,  mit  allen  Bischöfen  Germaniens, 
Bens  und  Aquitaniens,  mit  dem  ganzen  Klerus  der  katholischen 
lieinschaft,  an  die  Ejrchenvorsteher  von  Spanien  und  die  übrigen  dor- 
II  Trager  des  Namens  der  Christenheit,  in  Gott  dem  Herrn,  dem 
ften  and  eigenen  (proprio)  Sohne  Gottes,  Jesus  Christus,  den  Gruss 
^ewigen  Heiles^).  In  der  Confeagio  fidei  der  Spanier  haben  sie  mit 
|berz  wahrgenommen,  dass  die  Spanier,  abweichend  von  den  Lehren 
l'Yater,  Neues  einfuhren,  und  klüger  sein  wollen,  als  die  Väter, 
wagen  es,  über  die  ewige  und  zeitliche  Geburt  des  Sohnes  Gottes 
iuehungen  anzustellen,  von  der  es  heisst:  Wer  wird  seine  Geburt 
\)  erzählen?  Isaj.  63,  8.  —  Bei  den  angeführten  Väter- 
haben die  Spanier  Buch  und  Kapitel  der  Verfasser  nicht  citirt, 
sie  leichter  aus  Eigenem  einfügen  könnten.  Sie  haben  einer 
ans  Augustin  die  Worte  angehängt:  non  gener e  esse  flium  Dei 
Hone,  ebenso  einer  Stelle:  adopHone  et  gratia  f actus  est  (hominis) 
L  was  eine  grosse  Fäbchung  sei.  Andere  Stellen  sprechen  gerade 
pi  sie.  Ihre  Schriftstellen  beweisen  Nichts  zur  Sache.  Eine  Stelle 
fiieronymus  haben  sie  gefälscht.  Wenn  Augustin  sage:  der  Mensch 
1  adoptirt,  so  meine  er  nicht  Christus,  sondern  die  Menschen.  Er 
ne  keineswegs  denjenigen  „adoptatus^,  der  bei  Johannes  Ev.  (1  Joh. 
1)  unser  „Advocatus^  heisse. 

Die  Spanier  berufen  sich  auf  ihren  Ildefons,  und  ihre  Liturgie. 
|bi  sei  es  ein  Wunder,  wenn  so  schlechte  Gebete  nicht  erhört  wer- 
y    und   Spanien    der  HerrschafT  der   Mauren   verfallen   sei^)?  — 


')  Harduin,  IV,  882-896.  -  Mansi,  XUI,  883-^98.  -  Harzheim,  I, 
'-^/tf.  —  Opp.  Älcuini,  ed.  Proben.,  II,  1331-1346.  —  Migne,  Patr.  lat.  1. 101. 

*)  Eine  viel  bessere  Antwort  gab  später  Alcuin:  Äfflictis  non  est  addenda 
tftio, 

0p«n.  KIrehe.    II.  2.  J9 


^euiiiiiii  HLTUtj;  UK'a»  uutr  nnmu  t  ui'^itiiuiiuugtiii,  ./Yuopiiv&i 
kein  Bild.  Die  Adoptianer  seien  echon  in  der  Häresie  der 
Terdammt  worden,  deren  Irrtbümer  sie  jezt  nur  mit  ne 
wiederholen.  Elipandus  und  seine  „Legion"  wird  zur  L 
Bessern ng  ermahnt. 

Eugen  (II.),  Ildefons  und  Julianue  von  Toledo  werde 
genannt,  deren  Namen  der  heiligen  und  allgemeinen  Kircbc 
geblieben  wären,  wenn  euer  Schisma  sie  der  Welt  uicbt  b 
macht  faütte.  Daraus  folgt,  dass  Ildefons,  nnd  mehr  noc 
damals  nusserlialb  8[ftuiicns  nicht  verehrt,  ja  dass  ihn 
und  Kamen  nicht  einmal  bekannt  waren.  Mit  Geringschäzi 
sie  den  Ildefons  „esaler  fldefonnta",  der  doch  wenigstens 
Frage  sehr  orthodox  war.  Aber  es  ist  eigen,  dass  die  Sei 
Spanier  dem  Auslände  fast  immer  unzugänglich  blieben, 
uadrin  Ein  Schreiben  des  Papstes  Iladrian  an  die  spanischen  Bise 

•o  .IIa  jjig  dritte  Antwort  den  Spaniern  zugesandt  Es  erhellt  aber 
TU.  '  die  Beschlüsse  der  Synode  zur  Sanctionirung  nach  Rom  gesan 
Der  Papst  schreibt  an  die  geliebten  Bruder  und  Mitpriest 
den  galiciscben  nnd  spanischen  Kirchen  vorgesezt  und,  wcc 
so  nennen  darf,  die  im  Glauben  mit  uns  nicht  einig  sind, 
liebteater  Sohn  und  geistlicher  eompater  Carl ')  hatte  ihm  dci 
Elipandua  mitgetheilt,  worin  Vieles  zu  tadeln  und  zn  be 
Die  Adoption  Christi  nach  dem  Fleische  habe  die  KircJie  i 
Die  Lehre,  Christus  sei  Adoptivsohn  und  Knecht  Gottes. 
phemiscb.  Wie  mögen  sie  den  einen  Knecht  nennen,  der  i 
Kuechtschall  Satans  errettet,  in  die  ihr  durch  euere  Irrthömc 
zuräekkebren  wollt?  Durch  seinj  Gnade  bat  er  eooh  zn  Ad( 
Gottes  gemacht.     Zum  Danke  dafür  lästert  ihr  ihn  wie  belle 


Gari  an  die  Spanier,  794.  291 

nde  mit  der  alten  Schlange  den  Schuldbrief  erneuern,  den  Christus 
lem  Blute  ausgetilgt.    Sie  verwerfen  selbst  das  Zeugniss  Gottes. 
dgcn  'wählen  zwischen  Leben  und  Tod,  Segen  oder  Fluch.   Wenn 
sich  gehen,  sollen   sie  in  die  Gemeinschaft   der  Kirche  zurück- 
i,  durch  Busse  ihre  Sünden  sühnen,  und  ihre  Aemter  beibehalten, 
werde  sie  der  Papst  in  der  Auetoritat  des  heiligen  Stuhls   und 
posteis  Petrus  mit  ewigem  Anathema  fesseln*). 
!3arl   sandte   diese   drei  Urkunden   mit  einem    eigenen  Brief  an 
idus   und   die  übrigen  Bischöfe  in  Spanien.    Er  werde  stets  den 
1  Glauben  schüzen,  und  er  meint,  dass  die  Spanier  nur  im  Interesse 
Ediren  Lehre  an  ihn  und  die  Bischöfe  geschrieben  haben,  obgleich 
klar  sei,   ob  sie  belehren  oder  belehrt  werden   wollen.     Er  liebe 
)anier  und  es  schmerze  ihn,  dass  sie  in  der  Knechtschaft  der  Un- 
gen   seien.     Trauriger  wäre   es,   wenn   sie   in   die  Knechtschaft 
i  und  in  das  Schisma  fallen.    Er  wünscht  und  hoffl;  ihre  Besscr- 
Ueber  die  neue  Erfindung  der  Adoption  habe  er  drei-  und  vier- 
oten  an  den  Papst  gesandt,  um  zu  hören,  „was  die  heilige  römi- 
ürche,  belehrt  durch  die  apostolische  Tradition^,  in  dieser  Streit- 
antworten werde.    Auch  aus  Britannien  habe  er  Gelehrte  beige- 
Was  er  ihnen  jezt  übersende,   sei  aus  der  Untersuchung  und 
'einstimmung  der  Väter  der  Synode  hervorgegangen.    Der  Brief 
an's  zeige,  was  der  Papst  mit  der  heiligen  römischen  Kirche  über 
rage  urtheile. 

Wenn  sie  ihn  vor  dem  Schicksale  des  Constantinus  warnen,  so 
i  er  sich  wohl  hüten,  sich  weder  von  Beatus,  noch  von  einem 
m  verleiten  zu  lassen.  Sie  selbst  aber  mögen  ihren  Sinn  nicht 
iatan  verkehren  lassen.  Er  wünsche  sehr,  sie  mit  der  Eorche 
r  vereinigt  zu  sehen.  Sie  sollen  ihre  Privatmeinung  der  Lehre 
{esammten  Kirche  nicht  vorziehen^).  —  Die  erste  Arbeit  dieser 
ie  war  die  Yerurtheilung  des  Adoptianismus.  Daran  schlössen 
>4  Canones  verschiedenen  Inhalts. 

Paulinus  verwarf  im  Jahre  "{96  auf  seiner  Synode   zu  Friaul  auf 
^eue  den  Adoptianismus. 


<)  Harduin,  IV,  865-872.  -  Mam^h  XIII,  866-872.  -  Harzheim,  I, 

296.  —  Codex  Carolinus,  ap.  Migne,  P.  lat  t  98,  p,  374—386. 

•)  Harduin,  IV,  896-903.  -  Mansi,  XIII,  899.  —  Harzheim,  I,  316- 

—  Opp»  Carolin  l.  c.  t.  98,  p.  899—906.  —  Bintei'im,  dentoche  Concilien, 

67. 


19 


Synode  von  Aachen,  799.  293 

sm  Auespruch  der  Väter  weichen.  Endlich  bekannte  er  seinen 
iHin« 

Jezt  schrieb  er  einen  Brief  über  seine  Bekehrung,  gerichtet  an 
Priester  Eman,  den  Priester  Ildesind,   an  Exsuperius,   Gundefre- 

Sidonins,  Ennegild  (Namen,  die  auch  sonst  beglaubigt  sind), 
die  übrigen  Priester,  ebenso  dem  Diakon  Vittildus  und  Witiricus, 
an  die  übrigen  Kleriker  im  Sprengel  der  Earche  von  Urgel,  und 
Grlanbigen  überhaupt  Er  habe,  vor  den  E^aiser  geführt  und  ihm 
sstellt,  die  Erlaubniss  zur  Disputation  von  ihm  erhalten,  „wie  es 
ehrwürdige  Herr  Bischof  Laidradus  uns  in  Orgellum  versprochen 
,  über  seine  Lehre  „von  der  Adoption  des  Fleisches  (in  dem  Sohne 
es)^  ^).  Seine  Irrlehre  sei  aber  aus  Stellen  des  Cyrillus,  Gregorys  L, 
B  I.,  und  Anderer,  die  ihm  vorher  unbekannt  gewesen,  femer  durch 
^uctoritat  der  neulich  hierüber  in  Rom  gehaltenen  Synode,  besiegt 
len.  Durch  das  Gewicht  der  Wahrheit  und  den  Consens  der 
en  Ejrche  überwiesen ,  ist  er  aus  ganzem  Herzen  zu  der  allgemei- 
Kirche  zurückgekehrt,  nicht  mit  Vorbehalten,  wie  ehedem,  sondern 
dem  Bekenntnisse  des  Herzens  und  Mundes.  Was  wir  auch  vor 
D  Bischofen  und  Mönchen  bekannt  haben,  bereuend  unsem  alten 
nm  und  den  nicht  gehaltenen  Eid.  Er  spricht  jezt  ein  correctes, 
pdoxes  Bekenntniss  aus'). 

!  Er  lehrt:  Wir  bekennen  in  beiden  Naturen,  der  Gottheit  und 
bchheit,  einen  proprius  et  vertks  JUius,  unigenitum  Patria,  unicum 
p  ejus;  die  „proprietates^^  beider  Naturen  sind  geblieben,  die  Gott- 
des  Logos  ist  nicht  in  die  menschliche  Natur  verwandelt,  die  vom 
bs  angenommene  (assunUa)  menschliche  Natur  ist  nicht  in  die  gött- 
I  verändert  worden.  Von  der  Empfängniss  im  Leibe  der  seligsten 
naa  an  sind  beide  in  der  Einheit  der  Person  (singvlariiate  per- 
m  80  mit  einander  verbunden,  dass  der  eine  Sohn  Gottes  aus  dem 
m  der  seligsten  Jungfrau  unversehrt  hervorging.  Der  vom  Logos 
bommene  Mensch  ist  aber  nicht,  wie  der  Logos  selbst^  aus  der 
fauiz  des  Vaters  geboren  (genitus)^  sondern  aus  der  Substanz  der 
er.  Aber  der  aus  Maria  gebome  Mensch  ist  vom  Augenblick  der 
Suigniss  an  der  wahre  und  eigene  Sohn  Gottes;  es  ist  nicht  ein 
rer  der  Sohn  Gottes  und  ein  Anderer  der  Menschensohn,  sondern 
und  Mensch  sind  der  eine  wahre  und  eigene  Sohn  Gottes  des 
B,    nicht   durch  Adoption,   nicht   durch   blosse   Benennung   oder 


I)  seu  de  nuncupatione  in  humanitate  ejus;  seiner  Menschheit  nach  nannten 
ifltos  auch  ^deua  nuncupativua^ , 

•)  ManH,  XIII,  1034^1039.  —  Harzheim,  I,  336-340.  —  Felicia  epi- 
ip.  Migne,  t  96,  p.  882--888. 


*  ElipandoB  an  Felix.  296 

^  war  der  rechtgläubige  Bnider  Milita  nicht  in  Toledo.  Er  hatte 
lieh  an  Elipandus  vier  Quatemionen  (von  Schriften)  gesandt,  die 
iBiidiia  gegen  Beatas  gerichtet  hatte.  —  Milita  ist  sonach  der  grosse 
lakannte,  der  den  Elipandus  stüzt,  hält  und  treibt. 
'  Den  Brief  des  Felix  hat  er  wie  einen  vom  Eümmel  gesandten  im 
^  empfimgen^  und  ^mit  ausgestreckten  Armen  habe  ich  meinem 
|b  unendlichen  Dank  gesagt,  der  mich  bei  den  täglichen  verzehren- 
(Uebehi  der  Welt  durch  dich  erfreut  hat,  Uebeln,  in  denen  wir  uns 
liehr  fortschleppen  als  leben^^). 

'  Aber  „den  stinkendsten  Brief  des  Sohnes  des  höllischen  Feuers,  eh- 
koa,  des  neuen  Arrius,  der  sich  in  dem  Lande  Austria  zur  Zeit  p*"''^' 
aniliinreichen  Fürsten  (Carl)  erhoben,  nicht  des  Schälers  Christi,  Feiix. 
pam  jenes,  welcher  sprach:  Ich  will  meinen  Thron  im  Norden  auf- 
bn,  und  ich  werde  ähnlich  sein  dem  Allerhöchsten.  Von  dem  ge- 
feben  steht:  Von  uns  sind  sie  ausgegaugen,  aber  sie  waren  nicht 
\;  denn  wären  sie  aus  uns  gewesen,  so  wären  sie  bei  uns  ge- 
(habe  ich  empfangen?).  „Gegen  ihn  habe  ich,  wie  ich  wollte, 
ipt  abgegeben,  und  habe  es  mit  den  Sentenzen  der  orthodoxen 
lolischen  Väter  unterstüzt^.  Felix  solle  ausharren,  obgleich  ein 
in  Mitte  der  Wölfe.  Seinen  Brief  hat  er  auch  an  die  recht- 
Brüder  in  Corduba  gesandt,  die  ihm  so  viel  geschrieben, 
dem  Felix  zur  Hilfe  übersenden  sollte;  auch  dem  Kezer  Albi- 
er  geschrieben.  Diese  Schrift  möge  Felix  vorher  dem  Könige 
,  bevor  sie  in  die  Hände  Alcnin's  gelange*).  —  Diese  Briefe 
heimlich  durch  Juden  besorgt  werden,  welche  dort  (in  Frank- 
-i  ihre  Weiber  und  Kinder  hatten,  welche  also  des  Handels  wegen 
.{Spanien  kamen.  Bruder  „Ermedeo^  befand  sich  bei  Felix.  Ein 
^Bruder^  war  (in  Gallien?)  gestorben,  an  welchen  Elipandus 
J^Bncher  der  Briefe  des  heiligen  Hieronymus,  und  kleine  Schriften 
teligen  Isidor  gesandt  hatte.  Den  „Ermedeo^  möge  Felix  be- 
llen. —  „Wisset,  dass  ich,  schon  ein  abgelebter  Greis,  am  25.  Juli 
Ä2.  Xiebensjahr  angetreten  habe";  betet  stets  für  uns,  wie  wir 
^ch^). 


')  Zho  meo  ulnis  extensis  immensas  gratias  egi,  qui  me  fecit  tuis  eloquiis 
tfari  inier  ipsa  quotidiana  dispendia  mundi,  quibiis  duramus  potius  quam 
IIP. 

^  tu  vero  dirige  scriptum  illud  pro  tuo  fidele  gloinoso  principale  (prin- 
»  antequam  venuU  ad  ipso  filio  mortis  Albinus,  qui  non  credit  camis 
wmem  in  filio  Dei. 

*)  fne  tarnen  cognoscite  senectute  jam  decrepita  octuagenario  secundo  anno 
4fei€nH}  Kalend.  Äug.  ingressus  fiiisse,  et  orate  pro  nobis  sicut  et  nos  fa- 
pro  vos  assidue,  ut  nos  Deus  in  regione  vivorum  pariter  jungat.  Sed 
JriUribus  demandavimus,  vJt  pro  vos  sacrificium  Deo  offerant.    Merear 


I 


39ft    Neuntes  Baeh.   Drittes  K&pl(e1.  —  EUpandns  und  die  Klmische  SMie. 

hahea  sich  die  alten  Irrthiimer  bt-ftinden.    I>ie  Spanier  Bageu,  dass 
KierauB  Nichts  gegen  ihn   bewuiBcn    lasse.     Es    können   auch  Seh 
gewesen  sein,  welche  ihm  aus  Toledo  and  Cordalm  Ktifresandt  W( 
'  Das  Dunkel  zu  erhellen,  in  welches  sich  Klipandiis  in  de» 

"'  Jahren  seines  Lebens  einhiillt,  welüher  um  das  Jahr  808  geel 
sein  soll,  wohl  neunzig  Jahre  alt,  ist  uns  nieht'gegeben.  So 
der  Ilußbung  Itaum,  daas  er  sich  bekehrt  habe.  Zum  SchlosBe  ■ 
wir  noch  Huf  seine  Anschannng  von  dem  römischen  Primale 
Da  nur,  meint  er,  ist  die  katholische  Kirche,  wo  alle  Heilig- 
ohne  Makel  und  ohne  Flecken.  Nur  von  dieeer  Kirche  gilt  das 
Du  bist  Petrus,  und  auf  diesen  Felsen  will  ich  meine  Kirche 
„Wir  glauben,  dass  der  Herr  nicht  bloss  von  Rom  zo  Petrus  t 
du  bist  der  Fels,  das  ist  die  Festigkeit:  sondern  toq  der  ganzen 
liBchen  Kirche,  die  im  Frieden  auf  dem  ganzen  Erdkreise  vei 
ist.  —  Wanun  ist  denn  Liberius,  Pontifex  der  römischen  Kirche 
den  Kezern  verdammt  worden?  Warum  sagt  der  selige  Gregor 
Bo  viele  Gottlose  in  Rom  seien"?  Petrus  nennt  Rom  (aber  dai 
nisuhe)  Babylon,  indem  er  an  Einige  schreibt:  Es  grtisst  eu 
Kirche,  welche  in  Babylon  ist. 

Diese  rationalistische  Ausdeutung  der  Worte  Christi  langt 
ganzen  Primat  Petri,  den  ganzen  Vorrang  der  römisclien  Kird 
dieser  Läugnung  wandelte  EHpandus  in  den  Fnsstapi'en  wen 
zweier  seiner  Vorgänger,  des  Eugen  I.  und  des  Jidianus,  wlIi 
terer  Petri  Vorrang  in  Worten  weder  läugnete  noch  bekannte, 
That  aber  verlängnete.  Den  Primat  Toledo's  hatte  Elipandu 
vergessen,  und  es  war  schwer,  neben  diesem  den  römischeu 
anzuerkennen.  Mit  solcher  Hartnäckigkeit  hielt  er  seine  Irrleh 
weil  er  überzeugt  war,  dass  die  Kirche  von  Toledo  von  Auf; 
eine  unerschüttertc  Säule  der  Orthodoxie  gewesen.  Ein  Papst  z 
als  Kezer  verdammt  worden;  aber  kein  Bischof  von  Toledo  is 
einer  Irrlehre  verfallen*):  so  sprach  und  dachte  Elipandus,  dei 
diesen  Stuhl  von  Toledo  so  sehr  durch  seinen  häretischen  Troz  be 
Liberius  ist  als  Kezer  von  der  Kirche  nicht  gerichtet,  nicht  ver 
worden.  Die  Kezerei  der  Adoptiancr  ist  aber  schon  auf  der  i 
von  Epbesus  (431)  gerichtet  worden,  und  seit  dem  Jahre  1'^. 
ist  sie  auPs  Neue  verurtheilt.  Elipandus  wollte  mit  Wenigi 
schmalen  Weg  des  Lebens  gehen;  aber  nicht  um  Tugend  nnd 
keit,  sondern  um  die  wahre  Lehre  haudcite  es  sich,  in  der  n 
nicht  irre  geht,  der  mit  der  ganzen  Kirche  geht, 

')  advers.  Migetium,  cp.  12. 

')  AiifTallenrl  ist,  dass  Elipandus  zu  Felix  sagt  (799):  seie  mich  io  K. 
wer  in  Rom  aufgestellt  ist  (certifica  me.  qut  est  positas  in  Jioma). 


^1- 


i 

* 

Viertes    Kapitel. 

Bekenner  und  die  Märtyrer  von  Cordaba  (839—864). 

§•  1. 

Wie   aus   dem    Dankel   anerwartet,   überraschend  Elipandas   mit 

erneuten  Nestorianismus  hervortritt,  so  erhebt  sich  ein  Menschen- 

nach  seinem  Zurücksinken  in  das  Dunkel  in  lieblicher  Blüthe,  in 

ider  Starke  die  Kirche  von  Cordova,    und   erneuert   in  Spanien 

dtalter  der  Märtyrer  des  vierten  Jahrhunderts.    Welche  geistigen 

sich  hier  gesammelt,  hier  zu  einem  Ganzen  sich  vereinigt  haben, 

unser  Staunen,  unsere  Bewunderung.    Weil   aber  die   Kirche 

ittes  Reich  auf  Erden  nicht  bloss  aus  menschlichen,  sondern  auch 

[otllichen  Kräften  sich  erbaut,    so   können   wir   zwar  beschreiben, 

geworden,  nicht  aber,  wie  es  geworden  ist. 

Die  Kirche  hat  in  ihrem  Berufe,  in  ihrer  Sendung,  alle  Volker  zu 
zu  fuhren,  stets  die  grössten,  die  volkreichsten  Städte  zuerst  auf- 
it,  um  von  der  Mitte  aus  nach  allen  Seiten  zu  wirken.  Die  politi- 
Haoptstädte  waren  stets  auch  Size  der  Metropoliten.  Sevilla  erhielt 
Zeit  lang  den  kirchlichen  Primat  über  Spanien,  weil  es  in  der 
Z^eit  des  romischen  Westreiches  politische  Hauptstadt  von  Spa- 
war.  Die  kirchliche  Centralstellung  Toledo's  ruhte  ausschliesslich 
Toledo,  als  der  Königsstadt  (womit  wir  den  exclusiven  Primat  des 
nicht  in  Schuz  nehmen  wollen).  Seitdem  Cordova  Hauptstadt 
rarischen  Spaniens  und  Siz  des  Chalifats  war,  war  es  auch  die 
liehe  Hauptstadt  des  maurischen  Spaniens.  Die  Bischöfe  von 
|edo,  Merida  und  Sevilla  behielten  den  Namen  von  Erzbischöfen, 
m  der  Bischof  von  Corduba  hatte  den  einflussreichsten  Bischofssiz, 
jl  die  uns  bekannten  Synoden  fanden  nur  in  Corduba  statt.  Die 
oster  in  und  um  d>ese  Stadt  beherbergten  die  Blüthe   der  Frommen 


r 


SOO  NeutosBaeh.    VteriaiK^MeL 

unter  den  Christen.    Die  Bekenner  und  MMrtyrer  strömten  ans  Nih 
nnd  Fem  in  Gordaba  zosammen. 


§.  2. 


Die  Lage  der  Christen  im  maorisohen  Spanien  war  dieselbe,  «ie 
die  in  allen  den  Arabern  unterworfenen  Ländern.    Sie  wmren  gedridl, 
aber  nicht  erdrückt;  sie  worden  zum  Abfidl  nidit  gezwungen  ^  aber  da 
Abfall  bot  den  grossten  aossem  Gewinn.    Sie  bezahlten  monatlich  ah 
Abgabe   wenigstens  den   fünften  Theil  ihres  EinkonuneDS,   manriiail 
anch  zwei  Fünftel  nnd  mehr.     So  viel  Einsicht  hatten   in   der  R^ 
die  Maaren,  die  Christen  nicht  ganz  aussnsangen,   um   in   ihnen  mt 
gesicherte  Qoelle  der  Einnahmen  zu  beMzon.  —  Die  Ghristoi  hatta 
überall  ihr  eigenes  Recht  und  ihre  eigenen  Obrigkeiten^   nidit  iomcr 
zu  ihrem  Schnz,  oft  anch   zu  ihrem  Di(aoke  nnd  ihrer  Anssaogam 
Ihre  höchsten  Beamten  in  Gordnba  hiessen  Chmiie$   (Gonden).     Da 
Arzt    Romanos    in    Sevilla    nennt    Alvaros:     rtSermutsimut^.     Dm 
er  war  der  Christen  Richter  oder  Oberster  aller  Christen  ^).  -—  Der 
Erzprieeter  Cyprianos  nennt  zwei  andere  Christen  „(hmüen^,  Adiil( 
den  ^icrlanchten  Grafen*^  nnd  ,|den  hehren  GhTafen**  Ghiifredas*). 

Ein  Anderer,  Servandos,  ein  hochmüthiger  und  geiziger  Mcnd^ 
erlangte  das  Comitat  über  die  Stadt  Cordnba,  ohne  durch  Abkil 
befalügt  zn  sein,  Tielmehr  stammend  ans  den  KürchensolaTen.  Er  fl| 
ans  nnd  quälte  die  Christen  in  Cordoba.  Die  einen  machte  or  m 
Sciaven  des  Staates,  und  zwang  sie  zum  Abfall ,  andere  zwang  er,  du 
Mauren  unendlichen  Tribut  zu  bezahlen,  ja  selbst  die  Todten  riss  i 
aus  ihrer  Ruhestätte^).  Alle  christlichen  Kirchen  machte  er  zinspflicl 
tig,  legte  Abgaben  auf  alle  Gaben  an  die  Kirchen.  Er  zwang  & 
Kirchen,  die  Priester  zu  nehmen,  die  er  ihnen  vorsezte. 

Die  Christen  bekleideten  die  Aemter  von  Censoren^)  nnd  Ezoef- 
toren^)  der  Mauren,  worin  eine  starke  Versuchung  zum  Missbrancl, 
zu  Erpressungen,  zum  (innem  und  äussern)  Ab&ll  vom  Glauben  hj 
und  versahen  am  Hofe  der  Cbalifen  verschiedene  einflussreiche  Disnili 


*)  Omnium  catholicorum  aymmus  dominus;  ptUemUcta  vettra;   steh  mIM|  i 
nennt  er  seinen  Sohn;  (serenissimus;  princeps  Ramanorum).    Alwxri  sp.  P. 

')  Cfypriani,  epigramm.,  tet  4,  hoc  opus  tUustri  comiUU  ciarescU  Ads4'\ 
—  ComiÜs  cUmi  (Oidfredi), 

')  Samsonis  abbcdis  apologeticus,  II,  6^9  (praefott.). 

*)  ein  gerichtliolies  Amt  —  semotus  ab  admimstratUmejudicii^  Eulog,  3Ji\ 
wohl  soviel  als  Alkalde. 

')  Notar,  Schreiber,  anch  Verwalter,  Administrator  (puUiccrum  oact^o^l 
exceptor,  wohl  Ärrendador), 


Die  ChaUfen.    Glans  imd  Bltttiie  von  Cordnb«.  301 


§.  3. 

Nach   dem  Chalifen  Hakem  (795—821)  führte   Abderrahman  II. 

lange,  und  im  Ganzen  glückliche  Kegiemng  (821 — 852).  Abder- 
nan  11.  übertraf  alle  seine  Vor^nger  in  dem  Bestreben  ^  die  Stadt 
iova  ZQ  hoher  Blüthe  zu  bringen^).  Die  mit  schonen  Steinen  ge- 
lierten Strassen,  die  herrlichen  Wasserleitungen  sind  sein  Werk, 
er  ihm  entbrannte  aber  auch  die  erste  heftige  Christenverfolgung, 
leren  Mitte  er  starb.  Sein  Nachfolger  Mahomed  (852 — 886)  ver- 
I  die  Christen  an  dem  Tage  seiner  Krönung  aus  seinem  Palast, 
arte  sie  unwürdig  aller  Aemter,  den  Feinden  der  Christen  aber 
'gab  er  die  einflussreichsten  Stellen.  Er  liess  die  ärmlichen  Kirchen 
erreissen,  welche  die  Christen  zur  Maurenzeit  erbaut.  Er  wollte 
ai  den  Christen  aber  auch  die  Juden  austilgen. 


§•  4. 

In  der  Zeit  des  Friedens  hatten  die  Christen  bei  den  Kirchen 
nne  mit  Glocken.  Die  Kirchen  hatten  ihre  Sänger,  Psalmisten, 
boren,  Leviten  und  Priester^).  Die  Feste  wurden  regelmässig 
ilten  und  wer  von  ihrer  Feier  sich  ausschloss,  gab  schweres  Aer- 
188^).  Zu  allen  kanonischen  Stunden  rief  die  Glocke^).  —  Es 
neben   dem  Bischof  der  Erzdiakon  und  der  Erzpriester. 

In  Corduba  bestanden  nicht  bloss  die  Kirchen  aus   früherer  Zeit  kitoIimi 
,  viele  waren   restaurirt,  manche  in  der  Zeit   des   Friedens   neu-  ^^^^ 

'  dalw. 


*)  Etdogiua,  memoriaL  martyrum,  II,  1.  Era  788  (anntis  Christi  750), 
tUaiua  (id  est  Chalifatus)  Habdarrdhagman  anno  29:  cujus  temporibua 
9  et  dignitate  gens  Arabum  in  Hispaniis  aacta,  totam  pene  Hiberiam  diro 
leffio  occupavit;  Cordubam  vero,  quae  olim  Patricia  dicebatur,  nunc  sessi- 
ma  Urbem  regiam  appelUxtam,  summa  apice  extulit ,  honoribus  sublimavit, 
a  düaUwity  divitiis  cumtdavit,  cunctarumque  delitiarum  mundi  affluentia 
a  quam  credi,  vd  did  fas  est)  veJiementius  ampliavit:  ita  vi  in  omni 
Hl  saectdari  praedecessores  generis  sui  reges  excederet,  superaret  et  vinceret 
que  svb  ejus  gravissimo  jugo  Ecclesia  orthodoocorum  gemens,  usgue  ad 
iium  vaptdaret^  etc, 

*)  Denn  von  der  Zeit  der  Yerfolgang  sagt  Enlogins:  non  promit  Cantor 
lum  Carmen  in  publico:  non  vox  Psalmistae  tinnit  in  Choro:  non  Lector 
ancUur  in  pidpito:  non  Levita  evangdizat  in  poptUo:  non  Sacerdos  thus 
t  aUarxbus. 

»)  Samson.  apolog.  2,  2,  praef. 

«)  Alvarus,  indicul,  Ivm.,  6.  basilicae  signum,  hoc  est  tinnientis  aeris 
!icm,  qui  —  horis  omnibus  canonicis  percutitur. 


802  HemitM  Badu   ViertM  K^itaL 

gebaut  worden^).  Diese  Bauten  wurden  von  jenem  Drittel  he 
das  von  jeher  für  Kirchenbauten  bestimmt  war,  and  das  a 
nicht  selten  seinen  Zwecken  entzogen  wurde  *). 


§.  5. 

Unter  den  Kirchen  in  Gorduba  ragen  hervor  die  Bas: 
Märtyrers  Äcisclus*).  Diese  Kirche  scheint  Kathedrale  gev 
sein,  weil  in  derselben  im  Jahre  864  die  luthronisiraog  des  in 
BisdiO&  Stephanus  volkogen  wurde^).  —  Die  zweite  Kirche 
prächtige  Basilica  des  heiligen  Zoylos,  die  Bischof  Agapius  ( 
618)  zugleich  mit  einem  Kloster  für  hundert  Mooche  erbaut 
Unter  den  Klerikern  war  damals  der  heilige  Eulogins,  Sami 
war  Abt  oder  Bector  der  Kirche^.  —  Die  dritte  Kirche  war 
heiligen  Fäustus,  Januarius  und  Martialis^,  gewohnlich  die  ^< 
ligen^  genannt.  —  Es  folgt  die  Kirche  des  heiligen  Bischofs  i 
tyrers  Gyprian^.  —  Die  Ejrche  des  heiligen  Genesins  wai 
Vorstadt  Tercios*),  mit  einem  Kloster  gleichen  Namens.  —  Di 
der  heiligen  Olalla  (Eulalia)  befand  sich  in  der  Vorstadt  Fraj 
—  Eine  Kirdie  der  seligsten  Jungfrau  bestand  wenigstens  im  Jahre 


*)  jvJM  (Mdhomed)  eeeUsias  nuper  äirucUu  dmnere^  ei  quidquid  % 
in  antiquds  baeUidi  gphndebat,  fiurialtque  temporünta  Arabum  rudi  / 
adjedum,  eUdere.  —  Aus  diesen  Worten  kann  nun  nicht  besthnmt  auf  ] 
Bchliessen.  Sicher  waren  manche  ElOster  and  Klosterkirchen  neuem  l 
Euiog.  memorial.  Sandor.  3,  3, 

*}  wie  von  dem  unwürdigen  Bischof  Hostegesis  von  Ifalaga,  von  de 
erzählt,  apolog,:  8ed  et  tertiam  oblationum  ecdesiae,  qu(»m  episcopi 
soleni  acdpere,  et  in  restauratione  basilicarum,  sumptusque  paupe: 
sumere,  extorquet,  ut  tum  jam  Tertiam  credatur  redpere,  sed  vecti 
tiu8  exigere  —  apol.  praef,  2,  2.  —  Florez  XI,  378^ 

»)  K.-G.  I,  358—369.  —  Eulog.  memar.  Sctor,  2,  1  et  5. 

*)  Samson.,  apd.  2, 8  (pra/ef.).  —  in  Banlicam  s.  Äcisdi  feeerunt 

»)  K.-G.  I,  861. 

")  €^L  prooem.  2,  2,  8. 

*)  K.-G.  I,   855.  —  Nach  MordUs  (Antig.  Hisp.    17,    6)  war 
Kathedrale. 

•)  Eulog.  2,  10.  -  5,  10. 

')  Etdog.,  memorialU  Sanctarum,  2,  10  (34). 
*•)  Eulog,  memor.  3,  10  (nr.  12),    Basilica  sancJae    Eulalia   v 
mariyris,  quae  in  vico  Frageliaa  constituia  est. 

*')  Esp.  sagr,  „Iglesias  deniro  de  la  ciudad*^ ,  X,  254^261. 


Kirchen  nftd  KlOater.  303 


§.  6. 

£inc  nicht  kleine  Anzahl  von  Kirchen  und  Klöstern  befand  sich  Kidstar 
ier  Umgebung  von  Corduba.  In  der  Ilegel  war  die  Kirche  mit  Jj*  ^^*^ 
I  Kloster  verbunden.     San  Christobal  (S.  Christophori)  lag  südlich 

Corduba  am  jenseitigen  Ufer  des  Bactis^),  mit  einer  Basilica. 
I  Kloster  S.  Cosmas  imd  Damian  lag  in  dem  Orte,  genannt  Colu- 
;  die  Kirche  lag  in  oder  ganz  nahe  der  Stadt ^).  —  Kirche  und 
Bier  von  San  Felix  lag  in  Froniano,  auf  dem  Gebirge  westlich  der 
it,  drei  Leguas  entfernt').  —  San  Martin  war  ein  Kloster  im  Ge- 
fe  von  Corduba,  an  dem  Orte  Rojana*).  —  Die  Kirche  des  heiligen 
rtin  war  zwei  Miglien  von  der  Stadt  entfernt,  wie  wir  ans  dem 
sebericht  des  Johann  von  Gorze  um  das  Jahr  957 — 960  ersehen^). 
In  dem  Innern  des  Gebirges,  in  der  Oertlichkeit  Fraga,  befand  sich 
Kloster  S.  Justus  und  Pastor,  sechs  Leguas  von  der  Stadt  entfernt^). 

Das  Kloster  San  Salvador  hiess  von  seiner  Lage  auch  Penna- 
uria^,  gelegen  am  Abhänge  eines  Berges,  vier  Miglien  nördlich 
der  Stadt,  gestiftet  von  den  Eltern  der  heiligen  Pomposa,  ein 
ipelkloster  für  Mönche  und  Nonnen.  Beide  Erlöster  hatten  zwar 
selben  Abt,  waren  aber  durch  hohe  Mauern  geschieden^.  Dieses 
Bter  bestand  noch  im  Jahre  858.  —  Das  Erlöster  des  heiligen  Zoylus, 
pnnt  M.  Armilatense,  lag  im  Norden  der  Stadt  in  schauerlicher 
Ikle,  an  dem  Flusse  Armilata^),  von  dessen  Fischen  die  Mönche 
en,  der  zweieinhalb  Leguas  oberhalb  Corduba  in  den  Baetis 
et.  —  In  Cuteclara,  westlich  von  der  Stadt,  bestand  das  Kloster 
edarense,  unter  dem  Namen  der  seligsten  Jungfrau^®),  ein  Franen- 
iter,  aus  dem  viele  Martyrinnen  hervorgingen. 

Das  sehr  gefeierte  Kloster  Tabanos  lag  sieben  Miglien,  etwas 
Iger  als  zwei  Leguas,  im  Norden  der  Stadt.  Dieses  Männer-  und 
lenkloster  heisst  gewöhnlich  Tabanense,  gestiftet  von  Jeremias  und 
er  Gemahlin  Elisabeth,  welche  ihr  grosses  Vermögen  zu  frommen 


*)  Etdog.  2,  4;  9;  10  (basilica  /3.  Christophori  martyris). 
*)  Oomez  Bravo,  Catalogo  des  los  obispos  de  Cordova,  Cord.  1778, 1 1, 139. 
•)  Esp.  sagr.,  t  9,appendiceiUtim0y  nr,  9  (Eulog,  memor.  Sctor.,  2,4;  8). 
^)  Etdog.  2,  11. 

*)  Ada  Sanetor,,  Februar,  27.,  nr.  118  (Vita  Joannis  GorzensisJ. 
•)  Fhrez,  X,  257. 

')  Eulog.  3,  7,    (MeUaris  pinaculi  =■  Ilonigberg,  Espana  sagrada   t  7, 
ndice  1.) 

•)  cf,  Synod.  IL  von  Sevilla,  Can.  11.  —  s.  oben  IIb,  «8. 

*)  heute  Bio  Almellato. 

*•)  Euiog.  ap.  Florez,  IX,  apend.  8,  nr.  1. 


804  NemttM  Badt   IHertM  KqiitoL 

Zwecken  und  milden  Stiftungen  vergaben.     Sie   selbst  und  fi 
ganze  Verwandtschaft  lebten  in  dem  Kloster  Tabaoos^)  in  so 
\\  -  Uebung,  dass  der  Rof  davon  gleichsam  das  Abendland  don 

Die  Araber  zerstörten   es  aber  schon  im  Jahre  853')«    Es  v 
wahre  Pflanzstatte  der  Märtyrer  dieser  Zeit*). 
\p'  Da  die  vorstehenden  Kirchen  und  Kloster  nur  aos   bes 

;:  AnlSssen  von  Eologius  und  seinen  Zeitgenossen   erwähnt  wer 

\   1  nimmt  man  an,  dass   noch  viel  mehr  Barchen  und  BHoster 

:/  den  haben. 


• 


k. 


§.  7. 


Die  Christen  hatten   an  der  hohen  Schule  zu  Cordnba  \ 
liehe  Lehrer,  troz,  vielleicht  zum  Theil  wegen  des   bestandige 

V  "  kehrs  mit  den  Muhamedanem.     Unter  ihnen  ragte  Eulogins 

der  u.  a.  unter  den  Mozarabem  die  ganz  vergessene  Metrik 
einfShrte.  Sein  Lehrer  war  der  Abt  Speramdeo;  es  blähten  der 
YincentiuSy  der  Abt  Samson,  der  Erzpriester  Gyprian,    der  I 

K*.  Leovigildi    Es  erhellt  aber  nicht,  ob  dieselben  auch  ofPentlich* 


^>,  den  Arabern  anerkannte  Lehrer  waren.  —  Diese  alle,  ja  die  I 

überhaupt,  behielten  ihre  klericale  Tracht  bei;  ebenso  die  Moncl 
Nonnen^.  Die  Religiösen  bedienten  sich  nur  der  Kleidoi 
Wolle.  Die  Laien  trugen  lange  Barte.  Die  Kleriker  folgten  im 
schiede  von  den  Ghiechen  der  Sitte  des  Occidents,  vom  AnfaD 
Elirche,  keinen  Bart  zu  tragen^). 

§.  8. 

g^iuiB.  ^  Sandoval  hat  zuerst  einen  angeblichen  Schuzbrief  veroffent 

brief  T.  "^eichen  im  Jahre  734  ein  arabischer  Befehlshaber  den  Christ 
Provinz  Coimbra  ausgestellt  habe.  Nach  dieser  Urkunde  zah 
gewohnliche  christliche  Kirche  jährlich  fünfundzwanzig  Pfund 
Tribut,  jedes  Erlöster  fünfzig  Pfund,  die  Kathedralkirchen  hundert 
Der  gewöhnliche   Christ  zahlt   doppelt   so  viel  Steuern  und  A 


»)  Efulog.  2,  2,  10. 

«)  ihid.  B,  10. 

")  Chmez  Bravo,  1 1,  130  sq.  —  Memorias  sagradas  del  Yermo  (i 
de  Cordoba^  per  Bart.  Sanchez  de  Feria  y  Morales,  Cord,  1782,  — 
X,  260—266  (Iglea.  y  monasterioa  fuera  de  Cordoba), 

*)  Euiog.  bedient  sich  gewölwlioh  des  Ausdrucks:  sHgmata  piae  n 
ferewtes. 

')  Gregor.  VII,  epüt.  7, 10  (gegen  das  Barttaragen  der  Kieriker  in  Sa 

•)  Sandovdl,  Cinco  obispos,  Pampel.  1615  (1634),  p.  87  sq. 


Abgaben  und  Lasten  der  Christen.  305 

[er  Junger  Muhamed's  ^).  —  Ein  Graf  sollte  die  Christen  der 
nz  nach  gothisoher  Sitte  richten«  Dieser  Graf  sei  aus  dem  Ge- 
shte  der  Christen,  und  erhalte  sie  in  ihrem  guten  Rechte,  nach 
alten  Gesezen;  er  lege  bei  die  Streitigkeiten,  die  sich  unter  ihnen 
len,  und  er  tödte  Niemand  ohne  die  Anordnung  des  maurischen 
fde  oder  Alguacil  (Kadi).     Dieser  muss  sagen:   Es   ist   gut  (bien 

er  erhält  dafür  hundert  Pfund  Silbers,  und  dann  werden  sie  den 
Idigen  tödten.  An  kleinen  Orten  haben  die  Christen  ihre  eigenen 
ter.  Tödtet  oder  beleidigt  ein  Christ  einen  Mauren,  so  entscheidet 
ladi  nach  den  Gcsezcn  der  Moslim.  Thut  ein  Christ  einer  Maurin 
Jt  an,  so  werde  er  Muhamedaner  und  heirathe  sie  oder  er  sterbe; 
68  um  so  mehr  dann,  wenn  sie  verheirathet  ist.  —  Wenn  ein  Christ 
Moschee  besucht,  wenn  er  von  Allah  oder  von  Muhamed  Uebles 
it,  so  werde  er  Muhamedaner  oder  sterbe;  die  Bischöfe  der 
ten    sollen    nicht    Uebles    sprechen    von    den   maurischen    Köni- 

oder  sie  sollen  sterben.  Die  Priester  dürfen  ihre  Messen 
lei  geschlossenen  Thüren  feiern;  sonst  müssen  sie  zehn  Pfund 
*  bezahlen.  —  Ist  die  Urkunde  auch  unächt,  so  kann  sie  doch 
Liifidrnck  oder  die  Darstellung  der  im  Allgemeinen  bestehenden 
nde  der  Christen  sein^  die  bei  allem  Drucke  bis  in  das  zwölfte 
nndert  sich  erhielten.  Dass^die  Christen  eine  Moschee  nicht  be- 
I  durften,  bezeugt  auch  Eulogius-);  ebenso  ist  bekannt  das  Ver- 
ICuhamed  zu  schmähen^).  Der  Moslim,  welcher  Christ  wurde, 
le  es  mit  dem  Tode  büssen. 


§.  9. 

Die  Tribute  waren  ordentliche  und  ausserordentliche.    Die  erstem  Tribute 
B  von  Anfang  an  festgesezt,  durch  welche  sich  die  Christen  freie     ^^f*" 
■ioDSÜbung  erkauften,  die  Erhaltung  ihrer  Kirchen,  Kirchendiener 
Grlocken.    Unter  dem  Chalifen  Izit  mussten  sie  den  fünften  Theil 

Güter  bezahlen.  Die  Contributionen  wurden  nicht  auf  die  Fa- 
ll repartirt,  soudern  die  Einzelnen,  wenn  sie  getrofi*en  wurden, 
en  zum  Zahlen  angehalten.    Jeder  bezahlte  für  sich.    Die  Bezahlung 


')  Portugaliae  nwnumenta  historica  a  saecid.  VIIL  Ulyss.  1865  (das 
oehiuen  ist  in's  Stocken  gerathen).  —  Esp.  sagr.,  t,  XIV  (Coimbra,  cp.  4). 
icente  de  la  Fuente,  t  II,  1855,  p.  71—135,  —  Ijembke  sagt  (I,  314): 
B  diese  Urkunde  acht,  so  hätten  wir  ein  sehr  schäzbares  Denkmal  der  btirf.;er- 
L  Verfassung  aus  diesem  Zeitraum,  allein  die  Unächtheit  ist  handgreiflich''. 

*)  Memorial,,  2,  IS,  qvod  apzid  iHos  grande  facinus  reputatur. 

•)  Alvarus,  Indimdiis  luminoifus,   Florez,  XI,  228,  nr,  6,  ut  qai  blasphe- 

U,  flageUetur. 

•I»an.  Kirche.    U.  2.  20 


Bischof  Sanlns  von  Corduba.  307 

be&nden  sich  die  heiligen  Jungfrauen  Flora  und  Maria,  welche 
L  24.  November  851  litten.  Diese  Heiligen  hatten  versprochen,  sie 
Uten  nach  ihrer  Vollendung  Gott  um  die  Befreiung  ilirer  Mitgefan- 
boi  bitten.  Sie  vergassen  nicht,  was  sie  verrsprochen  hatten.  Am 
November  trat  Saulus  aus  dem  Geiängnisse,  mit  ihm  seine  Leidcns- 
Shrten.  Als  derselbe  Chalife  im  Jahre  852  aufs  Neue  gegen  die 
listen  entbrannte,  die  offen  als  Glaubensbekenner  hervortraten,  so 
M  er  den  Bischof  wieder  in  einen  schrecklichen  Kerker  werfen^), 
demselben  Jahre  starb  Abdcrrhaman  und  vielleicht  aus  diesem 
ass  wurde  Saulus  frei.  Der  Chalife  Mahomed  erliess  im  Jahre  853 
Q  neuen  Haftbefehl  gegen  ihn,  woniuf  Saulus  die  Flucht  ergrifft). 
"Wenn  man  auf  Paulus  Alvaius  allein  hören  würde,  wäre  Saulus 
Bchlimmer  Bischof  gewesen;  aber  dem  Alvarus  konnte  es  Niemand 
Brden  recht  machen,  am  wenigsten  ein  Bischof.  Der  Vorwurf,  dass 
US  sich  verberge,  ist  ungerecht;  diess  haben  die  Bischöfe,  dicss 
Papste  in  der  Kegel  getban^  welche  zu  der  Zeit  der  Verfolgungen 
ie  Katakomben  flohen,  und  den  Ort  ihres  Aufenthaltes  oft  wech- 
ou  Wahrend  Alvarus  sagt:  „Ich  wundere  mich,  warum  er,  der 
ice  L#ebrer,  sich  verbirgt,  warum  er  aus  Menschenfnrcht  von  den 
i^en  getrennt  durch  verschiedene  Orte  schweift^,  antwortet  ihm 
baaz  „Was  kannst  du  mir  entgegenhalten?  da  du  mich  ja  (in  Cor- 
')  gegenwärtig  hasf*^)?  Den  Christen  also  war  det  Aufenthalt 
^ischofs  bekannt;  die  Araber  brauchten  ihn  nicht  zu  wissen.  Es 
Int  aber,  dass  Alvarus  mit  dem  abgefallenen  Bischof  Samuel  (von 
n)  Umgang  hatte,  und  dass  darum  Saulus  sich  von  ihm  ferne  hielt ^). 
Um  das  Jahr  860 — 862  folgte  dem  Saulus  Bischof  Valentins.  Bi«chot 
ihm  haben  wir  nur  durch  den  Abt  Samson  Kenntniss.  welcher  ^'*'*'**' 
-:  ^nach  der  Ordination  meines  Herrn ,  des  Bischofs  Valentins,  wel- 
I  die  Ejrche  von  Corduba  im  Jalire  862  als  ihren  Leiter  zu  erhalten 
Brdigt  wurde"  ^)  u.  s.w.  Er  nennt  ihn  einen  Mann  „voll  des  Glaubens, 
ert  mit  der  Jungfräulichkeit,  voll  Enthaltsamkeit,  ruhend  in  dor 
ratb,  feurig  in  der  Liebe,  brennend  im  Eifer  der  Wahrheit,  gelehrt 
en  Schriften,  Freund  des  Rechtes  und  der  Gerechtigkeit"*). 


■)  denuo  PorUifex  korribili  carcenim  specui  traderetur,  Eulog.  2,  15. 

*)  sed  ipse  fugae  pracventua  remedio  HoLvatur,  EtUog.  S^  7. 

^}  epist,  IS.  Alvari,  nr.  4,  —  epist  12,  2,  , 

«)  Oomez  Bravo,  I,  148.  —  Samson,  prolog.  apologet  2,  nr.  4. 

*)  Sanison,  apologet,  2,  proL  7,  nr.  7. 

•)  Samson,  apologet  2,  prolog. 


20 


Die  Biflchöfe  Hostegeaia  und  Becafred.  309 

age;  und  in  der  Betrunkenheit  begingen  diese  Leute  die  schwersten 
iesse«  —  An  seinen  Thüren  hielt  er  sich  eine  Wache  von  Soldaten, 
▼erschafite  sich  ein  Zeugniss  aller  Christen  seines  Bisthums  bis  zu 
Ejndem.  Dann  zeigte  er  dieselben  den  Mauren  an,  damit  sie  den 
isten  schwerere  Tribute  auflegten,  selbst  den  Kindern.  Täglich 
l  er  sich  (da  er  gewohnlich  in  Corduba  wohnte)  antichambrirend 
len  Wohnungen  der  Machthaber  ein;  selbst  während  der  Vesper 
18.  December  863,  als  alle  Christen  in  die  Kirchen  eilten,  harrte 
in  der  Thüre  irgend  eines  Mächtigen.  Auch  zur  Verfolgung  der 
taten  von  Corduba  verband  er  sich  mit  andern  Bösewichtern,  be- 
iers  mit  dem  schon  geschilderten  bösen  „Grafen^  Servandus,  der 
Nichte  des  Hostegesis  heirathete,  mit  den  beiden  Antropomor- 
(n  Komanus  und  Sebastian,  Vater  und  Sohn.  Gegen  ihn  erhoben 
u.  a.  der  Abt  Samson  und  der  Priester  Leovigild.  —  Welches 
i  Hostegesis  genommen,  ist  nicht  bekannt. 

§.  13. 

jNach  dem  Erzbischofe  Teudula,  dem  Gegner  des  Elipandus,  um  Buch&fe 
fahr  800,  erscheint  als  nächster  Bischof  von  Sevilla  Johannes,  welcher 
Synode  des  Jahres  839  in  Corduba  anwohnte.  Er  unterzeichnet: 
nnes,  Bischof  und  Metropolitan  des  Ispalensischen  Sizes^).  — 
Brich  von  Toledo  berichtet  von  einem  auch  bei  den  Arabern  gefei- 
I  Bischöfe  Sevillas  „in  dieser  Zwischenzeit^  der  maurischen  Herr- 
ft,  dem  sie  den  Ehrennamen  Caeit  Almatran  gaben.  Beide  bicssen 
iniies;  allein  dieser  Name  allein  genügt  nicht,  den  Johannes  des 
es  839  und  den  „Lehrer  der  Weisheit^  als  eine  und  dieselbe 
cm  zu  erklären^). 

Um  das  Jahr  850 — 852  ist  Recafredus  Erzbischof  von  Sevilla,  und 
n  Jahre  839  ein  Recafred  als  Bischof  von  Corduba  unterzeichnet, 
at  Florez  geschlossen,  dass  derselbe  um  das  Jahr  850  nach  Sevilla 
!zt  worden  sei.  Ich  kann  nicht  umhin,  dieser  Vermuthung  beizu- 
a,  da  wir  dem  Namen  Recafred  sonst  nicht  begegnen,  da  er  nicht 
Johannes,  sehr  häufig  vorkommt.  Er  steht  in  einem  bösen  Licht 
Ruf.  Abderrhaman  II.  bediente  sich  seiner  Dienste,  die  Christen 
balten,  sich  vor  den  Richtern  unaufgefordert  als  Christen  zu  be- 
BD,  and  den  Muhamed  zu  schmähen.  Recafred  erklärte,  dass  die- 
en  nicht  als  Märtyrer  zu  betrachten  seien,  welche  also  handelten. 


von 
Serillt. 


')  Joannes,  IspcUensis  Sedis  Episcopus  et  Metropolitanus  haec  statuta 
Hpsi. 

*)  JSimonet  weist  in  Betreff  des  Caeit  Almatran  auf  hinterlassene  Manu- 
e  des  Buriel  S,  J,  hin,  die  ich  nicht  einsehen  konnte. 


gcn^J.    Möglich  aber  ist,  dass  damals  llecalredus  Doch  lebt 
Jahre  937  ist  keio  weiterer  Bischof  von  Sevilla  bekaont. 


§.  14. 

Nach  Elipandtis  ist  Gvmeaiiidut  der  nächste  nns  beka 
po]it  von  Toledo,  welcher  nur  ans  Catalogcn  bekannt  ist,  < 
gemeinen  mit  dem  Jahre  820  verbunden  wird,  welchem  Floi 
Itegicrungsjalmf  von  SOS — 82S  zathcilt.  Es  ist  zuzuges 
dieser  Erzbischof  historisch  nicht  genügend  beglanbigt  ist. 
erregt  es,  dass  gerade  in  dieser  Zeit  zu  Toledo  ein  andere 
dus  heranwuchs,  welcher  dntcr  den  Märtyrern  von  Toledo 
vollendet  wui-de.  Dagegen  ist  Bischof  Wistremir  dorch  E 
Corduba  beglaubigt.  Dieser  sagt:  Ich  katu  (c.  849)  von  1 
Toledo'*),  wo  ich  unsern  »Itea  und  beiligsten  Erzbischof  Wis 
die  Fackel  des  heiligen  Geistes,  die  Leuchte  tod  ganz  Span 
heiliges  lieben  den  ganzen  Erdkreis  erleuchtet,  dessen  fa 
Umgang  ich  viele  Tage  gcuoss.  Dieser  Brief  ist  im  Jali 
schrieben.    Die  Reise  selbst  fiel   in  die  Jahre  848 — 860. 


')  Oomez  Bravo,  p.  128. 

')  Mvanui,  Vita  Evlogii,  cp.  2.  —  Tandem  Recafndm  epi* 
eedeKias  et  dericos  quasi  lurbo  vUiteatus  inaiiuü.-  omneaqtte  Sace, 
potuit,  carcerali  vinado  aUigavü.  Inier  quo«,  u/  electiu  ariea  (Et 
cilur,  et  cwn  pontifice  suo,  vel  aliü  aacerdotifma  vindtttr. 


WiBtremir  toh  Toledo.    Synoden  und  HSresieen.  311 

)giu8  keimen  die  Bischöfe  Wäerindua  von  Famplona,  Senior  von 
igossa,  Sisemundus  von  Siguenza,  Venerius  von  Complutnm*  Im 
B  849  war  Wistremir  hoch  auf  Jahren;  schon  im  Jahre  839  hatte 
en  Vorsiz  anf  der  Synode  zu  Gorduba  gefuhrt. 

Die  Namen  der  äbrigen  Bischöfe  dieser  Zeit  lernen  wir  theils 
den  Goncilien,  theils  aus  dem  Berichte  des  Abtes  Samson  kennen. 
lach  scheint  es,  dass  in  den  Jahren  839 — 864  kein  einziges  der 
bümer  eingegangen  war,  welche  zur  Zeit  des  Einfalles  der  Mauren 
}  bestanden  hatten.  Denn  wir  finden  die  Brzbischofc  von  Toledo, 
x>ime,  (Tarraco  war  zerstört),    Bracara,   Emerita  imd  Sevilla*  — 

finden  die  Bischöfe  von  Pamplona,  Saragossa,  Signenza,  Com- 
im,  Uici,  Acci,  Basti,  Beatia,  Tucci,  Urci,  Malaga,  Elvira,  Egabra, 
Luba,  Astigi,  Elepla,  Asido.  Mentesa  war,  wie  Tarraco,  zerstört, 
günstiges  Geschick  hat  uns  aber  gerade  aus  den  Jahren  839 — 864 
Namen  so  vieler  Bischöfe  erhalten,  wozu  noch  die  Bischöfe  des 
hes  von  Asturien  und  der  spanischen  Mark  kommen. 

§.  15. 
(Synodeu  und  Häresieen  in  den  Jahren  839 — 864.) 

Das  im  Jahre  839  zu  Corduba  gehaltene  Concil  wird  von  keinem  synod« 
ern  Schriftsteller  erwähnt  oder  angedeutet    Diess  ist   um   so  auf-  ^•^^• 
Inder,   als   Eulogius,  Alvams   und  Samson   eine   so  grosse  Menge 
Nachrichten    über    die   Ereignisse    ihrer    Zeit    mittheilcn.     Man 
Dt  dieses    das  zweite  Concil  von  Corduba;    das   erste   soll   Hosins 
das    Jahr  350  gehalten   haben;    aber   dasselbe   ist   nicht    beglau- 
;.      Im   Jahre  1753  gab  Florez   den  zehnten  und  eilften  Band   der 
jpana  sagrada^  heraus,  welche  eine  unschäzbare  Fundgrube  für  die 
chengeschichte  Spanien's  in  jener  Zeit  enthalten,  aber  von  der  Sy- 
e  des  Jahres  839  hatte  er  keine  Ahnung.    Einige  Jahre  später  er- 
t  er  von  Leon  die  Abschrift  eines  Bestandthcils  der  sechsten  Synode 
Toledo  von  638,  betreflTend  die  Absezung  des  Bischofs  Marcianus, 
Astigi  *),   und    die  Abschrift   der   Synode   von   Corduba.    Leider 
das  Manuscript  in  einem  Zustande,  dass  wesentliche  Bcstandtheile 
lelben  nicht  mehr  zu  enträthseln  waren.    In  der  Vorrede  des  funf- 
iten  Bandes,    erschienen    1759,    thcilte  Florez   diese  Actenstücke 
,    und    wies    auf  die    zahlreichen  Bereicherungen   hin,    welche   die 
intniss  der  spanischen  Kircliengeschichte   aus    diesen  Entdeckungen 
'onnen  habe,  als  welche  er  bezeichnet: 

1)  Die  Anwesenheit  und  nähere  Feststellimg  der  Zeit  des  Metropo- 


»)  K.-G.  IIb,  121. 


f 


*  liten  Wistremir  von  Toledo;  2)  die  Feetstellnng  der  Zeit  des  M 
politcu  Joliannes  von  Sevilla,  wenn  es  näjnlicb  lucbt  mehrere  ßn 
d,  N.  gab  ');  3)  Bischof  Recafred  von  Cordtiba  war  im  Febni» 
zugleich  Ädniinistrator  des  Bistbums  Egabra.  Diese  Vereinigoiij 
zui'ällig  und  zeitweilig,  denu  vorher  und  nacbher  hatte  Eg&hrt 
eigenen  Bischöfe.  4)  Emerita  war  auch  im  Jobro  839  im  Bcsixe 
Metropoliten,  von  den  Einen  Ariull",  von  Andern  AliulfuB  gc 
Ariulf  lebte  noch  im  Jahre  862=).  5)  Der  Bischof  Quiricos  voi 
ist  der  nächste  uns  bekannte  Nachfolger  des  Frodoariug  (um 
er  unterzeichnet  als  der  älteste  unter  den  auwesendeD  Soffirag: 
Seine  Entdecknng  spricht  gegen  jene,  welche  aus  Mangel  an  N» 
teil  behaupten,  die  kleinern  und  abgelegenem  Städte  im  mau 
Spanien  haben  ihre  Bischöfe  verloren.  G)  Es  erscheint  im  Jah 
ein  bisher  uubekannter  Bischof  Leobeaindus  von  Astigi*).  7)  D 
ist  der  Fall  mit  dem  nur  hier  genannten  Bischof  ArHcdeemd 
Malaga,  der  vor  HostegeeiB  einzureihen  ist^).  8)  Der  Name  d 
fridius  von  Elvira  war  bekannt,  aber  unbekannt  seine  Seit. 
spanischen  Bischöfe  unter  der  Mau renherrs ehalt  waren  io  den 
der  Ruhe  durch  nichts  verbindert,  Synoden  zu  halten*). 

§•  16. 

Die  Bischöfe  sind  wegen  der  Angelegenheit  des  göttlii,be 
Spruches  des  katholischen  Cilaubens  versammelt,  und  um  d:is  l 
der  Irrlehren  auszureissen.  Da  trugen  „plÖzlicb"  unsere  Brrii! 
Mitbischöfe,  Recafred  von  Corduba  und  Egabra  und  Q'dricus  vi 


')  Florez.  IX.  242  (271). 

')  Wean  aUu  Äscaricua  Biachof  von  Merida  war,  so  war  er  in  ' 
Metropolit. 

')  Floroi,  VII,  42.  —  Fs  ist  auch  mügticb,  daaa  maD  ihn  wegen  di 
ecines  BisthuniB  hinter  den  Metropotiten  DnlerzeichDen  lieaa. 

■)  Florez,  X,  111. 

»)  Florez,  XII,  324  0:i3). 

*l  Ad.  Hdfferkh,  Westgolh.  Arianismas,  p.  lOS.  —  Noch  Jtn  J.i! 
sagt  Nilfferieh,  dasa  die  Acten  der  Sjiio<)e  von  Cordaba  ausserhalb  $p.i 
gut  wi(i  iinbekHDDt  geblieben  seien.  Aus  der  Espana  sagrada  nahm  dlt' 
■uerat  auf  in  seine  ^Summa  Conciliorum  Hispauiae,  quolquot  inveniri  p" 
ad  usqtte  safctiliim  16^  Matthias  de  Vil/anuäo ,  O.  S.  B.,  Matriti 
2  tarn.  p.  •Jh'3-271  (Condlium  Cordvhens': .  Äera  677,  sei*  anno  839. 
SM»  Artphnhg  congregatum.  Xiate  primum  collectioni  coneiliorum  in 
—  Dem  VitltiituHo  folgte  Juan  Tejada  y  Bamiro  in  seiner  Coleecion  dt 
MM  y  de  Mof  los  condlios  de  Espana.  I.  III,  Sladr.  I8>9,  p.  L'2- 
Nicht  minder  II<ljferieh  am  a.  0.,S.  tOS-lH.  während  Ilefde,  Cunciheuj« 
Bd.  tV,  dicM  und  die  folgende  ^aode  von  r.  862  über^ht. 


Synode  von  839.  313 

y   dass   in   ihren   Sprengein   gewisse  Acepbaler    (Separatisten)    mit 

len   Cla8{8)ianer   sich    befinden,    welche,    auf  gewundenen    Pfaden 

Ind,    allmälig    vom   Ufer   des    Meeres    her    sich    eingeschlichen 

,    und  jezt  in  Epagro,  im  Gebiet  von  Egabra,   in  Winkeln  und 

len  ihr  Unwesen  treiben,    behauptend,  dass  sie  mit  ihren  Lehren 

Gebrauchen,   welche   mit   unsem  Lehren    nicht   harmoniren,   von 

gesandt  worden  seien.    Sie   hatten  oder  beriefen   sich   auf  einen 

lUchen  Bischof,   den  weder  die  Geistlichkeit  noch  der  Verein  der 

erwählt,  der  auch  einem  Metropoliten  sich  nicht  vorgestellt^ 

von  Rom  aus  gesandt  zu  sein  vorgab.     (Hier  sind  die  Lücken 

»88,  dass  der  Sinn  nur  errathen  werden  kann.)    Kein  Bischof  und 

leriker   darf  absolut,  ohne   bestimmten  Ort,    geweiht  werden^). 

Leute   hatten    dunkle   und    verbotene   Traditionen,   welche   ihr 

Cassianus  mit  seinen  Schülern  und  Mitschuldigen  festhält,   die 

die  heilige  Kirche   zei'fleischen.     Diese   Sektirer,   die  Cas(s)ianer, 

J'a(o)venianer,  die  Simonistcn,  erlauben  Ehen  mit  Blutsverwandten 

mit   Ungläubigen    (?).      Desswegen  verfassen  wir    einen   Artikel 

.  die   Casianisten,    die    sich    der  Speisen    der  Heiden    enthalten, 

r.sie  unrein  seien,  gegen  die  Lehre  des  Apostels  (I.  Cor.  10,  25.  — 
1,  15.)  und  des  Herrn  (Matth.  15,  17.).    Hiemit  ist  ja  auch   die 
lie  der  Manichäer  verwebt,  welche,   wenn  Weihnachten  auf  den 
fallt,    fasten,    worauf  die   Väter   das   Anathem  gelegt  haben. 
ie  ist  es,  sich  zu  trennen  von  der  katholischen  Kirche,  nach  der 
des  Datan   und  Abyron.   —  Wie   Vigilantius  verehren   sie   die 
[nien  der  Heiligen  nicht,  besonders  der  Märtyrer,  auf  deren  Namen 
Ie  Kirchen  geweiht  sind.     Wer   die  Heiligen   und  ihre  Keliquien 
ehrt,  der  gelte  für  keinen  Christen,    sondern  für  einen  Novatia- 
t  und  Vigilantianer.     Ist  es  ja  doch  ungereimt,  Holz  von  Steiucichen 
1^. geweihte?)  Steine  in  die  Altäre  zu  legen,  was   eigentlich  Gözen- 
ist*).     Bei  der  Taufe   und    der  Salbung   mit  Chrisma   legen   sie 
Unrecht)  Speichel   in  den  Mund,   und   sagen  wie   Jesus:   Ephefa 
dich).     Dicss  sind  Acephaler,  ja  monströse  Uippocentauren,   die 
nur  unter  einander  durch  die  Urheber  ihres  Irrthums  weihen,   als 
_      sie  am  römischen  Stuhle  gewcDit,  und  darum  als  wahre  Heuch- 
-i,'»ich  für  besser  halten,    als   alle  Andern.    Wir  wundern   uns   über 


•)  Et  iterum  mm  habeatur  epücopus,  quem  nee  elerus,  nee  populus  pro- 
dvitoHs  exquisivit.    Aber  hat  z.  B.  Sevilla  die  Bischöfe  Felix,  Faustinus  (G93) 
'Becalredus  (850),  hat  Elvira  den  Samnel,  Malaga  den  Hostegesis  gewählt? 
•)  nam  absurdum  et  profanum  est,  silieis  suis  altaribus  recondere  tarn 
jB^Ü»  Sanctorum  reliquiae,  cum  inauditum  sit  lapides  trahere  et  in  öenedictiane 
recondere  quod  est  idolorum  servitus;  aber  der  geweihte  Altarstein  ist 
■ehr  alte  Praxis  in  der  Kirche. 


Sitte  sei,  dasB  die  Anhänger  dieser  Seilte  auswärts  über 
Commnaion  empfangen.  Sie  werdeo  ferner  abgehalteo,  bei 
am  Ende  des  Lebens  eine  Busse  zu  iibemehmen.  Oiese  1 
kein  bekanntes  oder  anerkanntes  Hanpt,  sie  s^en,  dass 
Emcntia?)  allein  zum  Bischof  geweiht  habe,  was  durch  k< 
begründet  ist^.  Wir  mahnen  darum  alle  Katholiken  toi 
Ohr  nnd  Herz  diesen  Leuten  zu  Terschlieseen,  den  Casit 
Jnvenianisten,  den  Simonisten,  welche,  wie  Lamech,  zu 
Weiber  zu  haben  gestatten,  welche  die  von  einem  Anden 
zu  beirathen  gestatten,  welche  ihre  Töchter  den  Ungläubig 
geben,  ja  auch  den  Priestern  Uogebübrliches  gestatten^. 
Schenken  zu  sein,  weltliche  Gescliäfte  zu  betreiben  und  i 
Frauen  zusammenzuwohnen.  Mutter,  Tante  von  Vater 
Seite  and  Schwester  sind  von  dem  Verbote  ansgeaommen. 
wird  ciogeschärft,  dass  Adoptirte  (adoptivaa),  Blutsyer 
Fremde  ferne  von  ihnen,  von  ihrem  Anblicke  wohnen  solle 
Diese  Casiancr  wohnten  in  dem  Orte  S.  Casiano?'); 
eiuc  auf  Sandboden  erbaute  Kirche  (wahrscheinlich  in  der  : 
grossen  Steppe  von  Cabra,  die  weit  und  breit  nnfrochtbai 
Kirche    des    heiligen  Uasioniis,   vielleicht  dem  Märtyrer  C 


')  et  de  diversit  catieie  comtnuntcanfes  ex  auorvm  8acrament 
IholicU  mori&EM  manent  respuenda,  qttae  extimeretur  «uorum  etm 
ac  mvHerea  mors  Uvitarum  eis  eucharistiam  tn  manu  porrigunt, 
stt^pieione  Jvdaeorum.  atqve  Jutereticomm  quasi  ad  os  ducens  ii 
cttnibua  porrebant.    Hit  Aasnahmc  der  Iczten  Anadrflckc  bio  idi  nid 


Synode  von  839.  315 

ka,  oder  dem  von  Pnidentius  besungenen  Märtyrer  Casianus  von 
la  geweiht,  lag  also  auf  dem  Territorium  von  Egabra,  ^in  der  Villa, 
beEpagro  heisst,  und  nahe  bei  der  Stadt  Egabra  ^).  Diese  gehört 
Metropole  von  Sevilla,  während  jezt  Wistremir  Metropolitanbischof 
Size  von  Carpetanien^),  Johannes  Metropolitan  von  Sevilla,  Ajul- 
Metropolitan  von  Lusitanien  ist^. 

Die  acht  Bischöfe  sind  mit  einem  Collegium  von  Priestern  und 
„einem  Keil""  von  Klerikern  versammelt,  und  sie  „verwerfen  jene 
ammenswerthe  Lehre  mit  ihren  Urhebern,  oder  jenen  Antifrasius 
\erieu8^)  mit  seinen  Genossen,  welche  nicht  das  Uebel  besiegen, 
em  das  Volk  verfuhren,  und  ein  fanatisches  Leben  fuhren^).  Wir 
ihnen  alle,  wo  immer  sie  sind,  in  die  Einheit  der  katholischen 
he  zurückzukehren.    Wir  empfehlen  unserm  Mitbischofe  Recafredus, 

er  mit  aller  Sorgfalt  die  Verführten  auf  den  bessern  Weg  leite. 
3en  sie  verstockt,  so  soll  ihr  Antheil  sein  mit  Judas,  dem  Ver- 
sr.  Jene  Kirche  aber  bei  Epagro  erklären  wir  für  ein  profanes 
Aude,  da  sie  kirchlich  nicht  eingeweiht  wurde.  Eine  Spelunke  ist 
keine  Kirche,  sie  soll  niedergerissen  werden.  Bekehren  sie  sich, 
ollen  sie  eine  durch  die  Hand  des  Bischofs  Becafred  geweihte 
be  haben,  unter  der  Aufsicht  des  Metropoliten  Joannes^),  von 
auch  sollen  sie  die  Weihe  mit  dem  Chrisma  erhalten^. 

Wistremir  unterschreibt  zuerst;  zulezt  Nifridus  von  Elvira.  Dann 
n  sie:  «Wir  versammelten  Bischöfe  haben  mit  eigener  Hand  diese 
bandlungen  bekräftigt,  und  haben  sie  auch  den  Priestern  zur  Unter- 
rift  übergeben,  am  21.  Februar  839  Flavius,  Presbyter  (an  der 
2he  der  heiligen  drei  Märtyrer)  unterschreibt  zulezt. 

Die  Anklänge,  die  Aehnlichkeiten  der  Sekte  der  Casianisten, 
die  von  der  Kirche  S.  Casianus   ihren  Namen   zu   haben  scheinen, 

den  Migetianem  und  den  Anhängern  des  Missionsbischofs  Egila 
.  so  zaiilreich  und  unverkennbar,  dass  wir  die  Sektirer  des  Jahres 

von  den  Anhängern  des  Egila  ableiten.  Ausgeschlossen  bleibt 
t,    dass  inzwischen   ein  neuer  Missionsbischof  aus  Gallien,   Italien 


«)  K.-G.  IIa,  11. 

*)  Diess  ist  entweder  nicht  richtig ,  oder  Carpetanicn  hat  hier  die  Bedeutung 

Carthaginensis,    Denn  die  Bisthiimcr  Acci,  Basti,   Urci,  Ilici  u.  a.  gehörten 

nnd  anch  jczt  zu  Toledo.    Aber  auch   so  hat  Wistremir  die  alte,  allerdings 

dauernde  Primatie  von  Toledo  fallen  gelassen,  und  ist  (erster?)  Metropolitan 

B  zwei  andern  Metropoliten. 

*)  hier  erscheint  wieder  ein  Antiphrasius.  Das  Wort  kann  doch  „Geist  doH 
Bm^uches*'  bedeuten.    Quniericus  mahnt  an  das  Wort  Uunericli  oder  Gundcrich. 

*)  qui  quiescendo  favoi'em    in   religione  prophanantium    vitam    dticunt 

Uieam. 
*)  sub  conditione,  mit  Genehmigung? 


Von  Carl  dem  Grossen  erzählt  u.  a.  Wilhelm  von  Tyn 
stets  seine  milde  Hand  geö&et  habe  ancb  für  die  Christen 
Da  nnn  diese  Christen  später  ganz  verschwinden,  ao  kÖnx 
Schaarea  derselben  nach  Spanien  sich  verirrt  haben.  Doch 
nach  Helffericb,  die  Ableitung  der  Casianer  von  den  Mig 
meiste  Wahrscheinlichkeit) 

§•  17- 

Um  das  Jahr  838  fiel  der  Hofcaplan  Ladwig's  des 
'-  Bodo,  aus  alemanniBcbem  Geschlecht,  auf  einer  Reise  nach  E 
fen,  zum  Judenthum  ab,  and  verkaufte  mittelst  der  Jaden  s 
liehen  Begleiter  an  die  Heiden  (i.  e.  Maaren).  Nor  einen 
hielt  er  bei  sich.  £r  nannte  sich  nun  Eleazar,  nahm  die  1 
Kriegers  an,  neben  der  Beschneidang,  heirathete  ein  Judi 
und  zwang  auch  seinen  Verwandten  zum  Abfall.  Im  Augof 
er  mit  andern  Juden  nach  Saragossa.  König  Ludwig  ko 
oder  nicht  vermocht  werden,  an  diesen  Abfall  zu  glaabei 
hoffte,  den  Cbalj/en  und  dessen  Häthe  von  der  Nothwen 
überzeugen,  dass  alle  mozarabischen  Christen  entweder  J 
Moslim  werden  müssten;  oder  „sie  müssten  getödtet  werden", 
beängstigt,  sandten  die  Mozaraber  (c.  847)  eine  Klageschr 
König  Carl  den  Kahlen  und  alle  westfränkiscben  Bischöfe, 
König  den  Apostaten  Bodo,  als  fränkischen  Unterthanen,  zui 
möchte.  So  weit  bericbteu  die  Annalea  Bertinieati.  Aus  d 
des  Alvaro  ersehen  wir,  dass  Eleazar  sich  schon  840  nac 
begeben  hatte,   wo  er  den  Christen    mehr  schaden   konnte. 


Alvanis  nnd  Eleazar.  317 

yhristas  gewinnen  mochte.  Er  kämpft  gegen  ihn  als  gegen  einen 
»igen  Juden  von  gutem  Willen,  der,  wenn  er  die  Wahrheit  des 
itenthums  erkannt ,  sich  auch  zu  demselben  bekennen  würde.  Elea- 
ntwortete  ^seinem  geliebten  Alvarus*'*).  Aber  nur  wenige  Worte 
3  Schreibens  sind  uns  erhalten.  Ein  Besizer  des  Codex  Cordttben- 
ßseitigte  den  Brief,  indem  er  zwölf  Zeilen  unleserlich  machte,  das 
;te  Blatt  aber  ausschnitt.  In  seiner  Antwoit  (Brief  16)  nennt  ihn 
•o  „ehrwürdigster  Bruder**,  und  „geliebter  Eleazar***).  Eleazar 
1  den  weltlichen  Wissenschaften  hinreichend ,  in  der  Theologie 
r  unterrichtet;  er  wisse  nichts  von  der  jüdischen  Geschichte.  Er 
.  ihn  einen  „Gallier^  (homo  GaUus).  Er  sagt,  dass  Eleazar  selbst 
chandlichen  Umgangs  mit  yerschiedenen  Frauen  sich  gerühmt^). 
Ivaro  handelt  jfon  den  verschiedenen  Ausgaben  und  Lesarten  der 
aginta,  und  erhebt  den  heiligen  Hieronymus  als  ersten  Exegcten, 
seine  Bibelübersezung.  In  die  Einzelheiten^  in  die  er  eingeht, 
Q  wir  ihm  nicht  folgen.  Er  schreibt  in  der  878  Era^  im  Jahre  840. 
ahre  867  sollte  aber  nach  Eleazar's  Erwartung  der  „ZabvluB^  (der 
ias?)  der  Juden  erscheinen^),  und  die  Juden  erl5st  werden.  — 
'o  kennt  und  citirt  die  jüdische  Geschichte  des  Josephus  Flavius. 
»r  hatte  seinen  Brief  mit  den  Worten  geschlossen:  ,Lebe  wohl, 
iialte  deinen  Jesus  fest,  jezt  und  allzeit**,  worauf  Alvaro  dreitach 
an**  spricht. 

Von  einem  weiteren  Brief  Eleazar's  sind  nur  einige  Zeilen  erhal- 

Die  Antwort  Alvaro's^)   ist  eine  lange  Abhandlung.     „Willst  du 

n,   sagt  er  ihm  ,(c.  16),    wer  Urheber   (deines  Judenthums)    ist? 

Weih  ist  es.    Was  du  übel  begonnen,  vollendest  du  noch  schlim- 

Du  bist  Knecht   der  Venus  geworden.    Wenn   die   Lust   dich 

,  so  suche  nicht  die  Juden,    sondern  die  Muhamedaner^)  auf,  wo 

lanzen,  wo  du  nicht  eine,    sondern  mehrere  Frauen   nehmen,   wo 

I  Saus  und  Braus  leben  kannst**.    Eleazar  will  nicht  dem  Gebelle 

wütbenden  Hunde  antworten').     Würde   er   in  Alvaro  ein  Fünk- 

der  Hoffiiung   eines   besseren  Glaubens   entdecken,   so   würde   er 

ausführlicher  antworten,  damit  er  einsähe,  dass  er  selbst  nur  „ein 

pilator  sei,  und  dass  die  Bücher,  auf  die  ihr  euch  beruft,  irren**. 


')  ep,  15  tnter  ep.  Alvari, 

*)  ferner:  mi  germane,  mif rater,  nr,  10;  wohl,  weil  Alvaro  (früher)  Jude  war. 

■)  ep.  16,  2,  ita  tU  passim  per  diversarumfeminarum  concubiius  in  templo 
>  (f)  te  glories  diUces  tibi  hubitere  complextis, 

*)  Ueber  ihn  lässt  sich  Alvaro  in  Ausdrucken  ergehen,  die  sich  vielleicht  nur 
ndalasier  erlanben  konnte. 

*)  epist  18. 

')  Mamentianoa  =  Mahometanos. 

*)  ep.  19. 


pbiioD.  weit  verbreitet  war.  Sie  behaupteten,  daes  Gott  me 
habe,  dass  er  in  der  Höhe  des  Himmels  wobnc,  T«n 
schaae  mid  leite,  wie  mit  leiblichen  Augen  und  Hän< 
dasB  das  Znsammenleben  mit  den  Arabern  diesem  In 
geleistet  habe.  Namentlich  waren  viele  vornehme  O 
Trrtham  verstrickt,  wie  die  „Crrafen"  Komanns  ond 
und  Sohn,  Hostegesis,  der  Gottes  reale  Allgegenwarl 
fanden  es  unwürdig  Gottes,  dass  er  allen  Dingen  gi 
Sagte  man,  dass  Gott  in  allen  Wesen  zugegen  sei, 
dass  olle  Dinge  in  dem  Menschen  enthalten  oder  vereit 
Gon,  alz  vorzüglicher  Gegner  der  Irrlehre,  wurde  von 
und  bei  den  Bischöfen  angezeigt.  Er  schrieb  dagegen 
„Confeano  Jidei".  Im  Jahre  862  traten  einige  BischöJ 
einem  Concil  zosammen. 


§.   19. 

Zwischen  dieses  und  das  im  Jahre  S39  gehaltene  C 
dcrcs  in  das  Jahr  852^),  von  dem  Eulogius  berichtet, 
Ezccptor,  Christ  dem  Namen  nach,  Christenfeind  in  "^ 
dem  versammelten  Concil  der  Bischöfe  die  Christel 
welche  gegen  die  Mnbamcdftncr  auftraten').  Die  Bise 
diesem  Anlasse  (um  den  allzu  grossen  Eifer  der  Chiie 


Gondl  von  862.  319 

8  yerschiedenen  Provinzen  „von  dem  Könige'^,  d.  i.  dem  Chalifen  synodaa 
Mlerrhaman  U.  nach  Corduba  berufen  worden,  hätten,  sei  es  aus  !?*  ^ 
LTcht,  oder  sich  dem  Gutachten  der  Metropoliten  fugend,  ein  Decret 
l^hen  lassen,  in  dem  sie  verboten,  sich  selbst  zum  Martyrtod  zu 
uigen.  Der  Erlass  selbst  aber,  an  dem  Eulogius  einigen  Antheil 
habt  zu  haben  scheint,  war  so  unklar  gefasst,  dass  man  darin  auch 
le  flmpfehlnng  der  Märtyrer  finden  konnte*).  Tadel  also  legten  die 
schöfe  auf  das  gewaltsame  Drängen  zum  Martyrium,  die  Märtyrer 
übst  aber  loben  sie.  Denn  Gott  hatte  für  sie  entschieden  und  ihnen 
ft  Gnade  der  Ausdauer  verliehen^). 

Ein  weiteres  Concil  vom  Jahre  860 — 861  wird  aus  den  Briefen 
I  Bischofs  Saulus  gefolgert  oder  erschlossen.  Es  handelte  sich 
nun,  das  Schisma  unter  den  Christen  von  Corduba  zu  heben,  da 
I  strengem  Christen  den  Umgang  mit  den  nachgiebigen  vermieden. 
B  Bischöfe  entschieden  sich,  gestuzt  auf  zahlreiche  Zeugnisse  der 
Aer  und  der  Geschichte,  für  die  müdere  Praxis,  und  es  scheint  nicht, 
■B  sie  Widerspruch  fanden^). 

§.  20. 

Die  Bischöfe  des  (vierten)  Concils  von  Corduba  vom  Jahre  862, 
t  Zeit  des  Bischofs  Valentins,  prüften  und  billigten  zunächst  das 
m  Abt  Samson  verfasste  Glaubensbekenntniss ,  welches  derselbe  drei 
■jp  vor  Eroffiiung  der  Synode  einreichte^).  Aber  Hostegesis  drang 
pseinem  Anhang  in  die  Synode  ein,  legte  den  Bischofen  eine  von 
|D  entworfene  Formel  vor,  liess  dieselbe  vorlesen,  und  zwang  diescl- 
a  g^en  ihren  Willen  zur  Unterschrift  derselben.  Selbst  der  fromme 
■ohof  Valentins  von  Corduba  unterschrieb,  damit  er  nicht  den  Bischö- 
i^  welche  ihn  vor  Kurzem  ordinirt  hatten,  zu  widerstreben  schiene. 
:]iofite  die  Bischöfe  durch  personlichen  Umgang  für  die  Wahrheit 
"gewinnen  und  dann  den  Abt  Samson   in  sein  Amt  wieder  einsezen 

können^). 

^^—  ■  ■ 

')  eademque  scheda  minime  decedentium  agonem  impugnans,  quod  futuros 
^abilUer  extolleret  müites,  percipitur,  2,  14, 

*)  cf.  Canon.  60,  von  Elvira,  K.-G.  IIa,  124.— r/.  Tejada  y  RamirOy  f.  III, 
37 — 32  (ConcUio  de  Corduba  del  anno  852). 

*)  JSpiscopt  (et,  ut  apparet  Sauli  Cordubensis)  ad  alterum  episcopum 
figtola,  nr.  10,  inter  epist.  Alvari,  Florez,  XI,  156—163,  nr.  2.    Metropo- 
mwrwn  partim  epistolari  decreto  partim  praesentiali  participatinnis  commu- 
mid  nr.  5 :  Metropolitanorum  sancHonibtis  in  praeterito  et  pracsenti  in- 
eonfinnatum.    Also  war  wenigstens  ein  Metropolit  zugegen.    Tejada  denkt 
beiden  Erzbischöfe  von  Sevilla  und  Mcijda;  Concil.  de  860,  III,  p.  32—33. 
L  Fiorez,  X,  365-366,  edit.  3.) 
•)  Samson,  apologet.  2,  1. 
*)  apolog.  tiamsonis,  2,  7. 


Kirche  Gebrauch  ist  Der  Gottlose  behauptet,  dass  die  G 
AUmöchtigen  so  ansgcgossea  ist,  wie  Erde,  oder  Feacht 
Lnft  oder  das  Licht.  Er  lehrt,  dass  Gott  ia  gleicher  Vi 
den  Propheten,  wenn  sie  prophezeien,  wie  in  dem  Teufel, 
der  Liait  zerstreut*),  oder  in  dem  Idol,  das  von  den  Unglä) 
ehrt  wird,  ja  sogar  in  den  kleinsten  Mücken  enthalten  ist. 
glauben,  dass  er  in  Allem  vermöge  der  Snbtilität,  nicht 
Wesenheit  enthalten  sei  ^).  Samson  nimmt  neben  den  dre 
in  Gott  dem  Vater,  dem  Sohne  und  heiligen  Geiste,  deren 
senheit  nicht  in  Frage  steht,  noch  andere  gewisse  Aehnlict 
die  er  nicht  Geschöpfe,  sondern  Schöpfer  nennt,  so  dass  e 
Heiden  eine  Vielheit  der  Gotter  einführt.  Darum  verdammt 
Irrthum  zugleich  mit  seinem  Urheber.  Er  sei  ansgeschlossc 
raubt  seiner  priesterlichen  Würde,  abgesezt  für  immer  von  je 
kaliscben  Amte,  ja  beraubt  jeder  Mitgliedschaft  an  der  Kin 
Bischöfe  mussten  diese  Bannbulle  nnterBchreiben,  ihre  Unt 
aber  sind  nicht  erhalten. 

Die  Bischöfe  suchten  ihren  Fehler  gut  zu  machen,  un« 
^1*  dem  Samson  theils  mündlich,  theils  durch  ihre  Briefe,  dass  ; 
oinen  guten  Katholiken  halten,  und  er  wnide  in  sein  Amt  i 
gesczt.  „Die  Bischöfe  (sagt  Samson)"),  welche  durch  i 
mich  von  aller  Schuld  freisprechen  zu  sollen  glaubten,  sind: 
welcher  dem  Concil  nicht  beigewohnt  hatte,  Metropolitanb 
Emeriteneischen  Sizes    (den    derselbe  sfwtestfins  seit  839  i 


')  2,  3  —  exemplar  sententiae  aub  nomine  concilii  ab  Haste  J 
'1  consdbrini. 


Bynode  von  862.  —  Die  UBityrer.  321 

0,  Bischof  des  Stuhles  Yon  Beatia,  der  gleichfalls  in  der  vorher- 
enden  Versammliiiig  sich  nicht  eingefunden  hatte.  Auch  Reculfus, 
!sbof  von  Egabra  (das  jezt  «wieder,  nach  839,  seinen  eigenen  Bischof 
e).  Aber  auch  Beatus,  Bischof  von  Astigi,  welcher  seinen  Aus- 
ich in  die  Hände  des  Bischofs  Valentins  niederlegte.  Joannes  aber, 
shof  yon  Basti,  Oenesius,  Bischof  von  Urci,  aber  auch  Teudegutus, 
itkot  von  Elche,  glaubten  mit  eigenem  Munde  (vor  Bischof  Valen- 
)  die  ungerechte  Verdammung  durch  eine  gerechte  Lossprechung 
jSD  ZU  sollen.  Miro  aber,  Bischof  des  Sizes  von  Asido,  als  er  die 
ife  seiner  Mitbischofe  las,  und  ihren  Sinn  erwog,  indem  er  zugleich 
meinem  Herrn,  dem  Bischof  Valentins,  sich  berieth,  beschloss, 
firOheren  Urtheilsspruch  aufisuheben,  und  mich  in  der  vorigen 
isde  wiederherzustellen,  was  er  auch  sogleich  that.  Ja  auf  Bitten 
JQeriker  und  der  Gemeinde  der  Kirche  des  heiligen  Zoilus,  in 
isker  der  Leib  desselben  ruht,  beschloss  er,  mich  Untauglichen,  der* 
fga  vorzusezen  ^).  Darüber  waren  die  Feinde  aufs  Aeusserste  er* 
Wim  Durch  den  Befehl  des  Chalifen  Hessen  sie  also  den  Bischof 
ins  absezen,  und  den  Stephanus,  genannt  Flacco,  drängten  sie 
ichof  ein.  Den  Metropoliten  (Recafired?)  beriefen  sie  darum  nach 
iba,  den  Reculf  von  Egabra  und  den  Beatus  von  Astigi,  welche 
Drohungen  eingeschüchtert  hatten,  und  sezten  den  Stephanus 
Kirche  des  heiligen  Acisclus  ein.  Da  keine  Katholiken  erschie- 
raren,  hatten  sie  Juden  und  Moslim  in  die  Kirche  berufen.  Weiter 
unsere  Kenntniss  über  die  Schicksale  des  Valentins,  Stephanus 
lon  nicht. 

I  §.  21. 

^  Wir  gelangen  endlich  zu  den  Märtyrern  dieser  an  traurigen  und 
pBg^n  Ereignissen  so  reichen  Zeit.  Die  Geschichte  dieser  Märtyrer 
gder  ruhmreichste  derselben,  „der  liebliche  Blutzeuge  Christi^  Eulo- 
jl  in  seinem  „Memorials  Sanctorum^  geschrieben,  so  kräftig,  so  an- 
Ipibdi,  so  erbaulich,  dass  der  heilige  Geist  ihm  die  Feder  gefuhrt 
|bben  scheint^). 

4  Adulfus  und  Joannes  erlitten  den  Martyrtod  in  dem  Anfange  der 
|p»rung  Abderrahmans  U.  (c.  824).  Aber  Eulogius  sezt  den  Priester 
Iperfectus  vom  Jahre  850  allen  andern  Märtyrern  voran.  Die  Acten 
Sr  verfasste  der  Abt  Esperaindeo,  sie  sind  aber  nicht  erhalten^). 


')  Valentias,  nnd  nicht  Bischof  Miro  hat  diess  gethan. 
_    ^  ut  in  pyxide  spiritus  S.  calamum  intinxisse  videatur. 
•)  Eidog,  2,  8,  cp.  8. 

m,  Span.  Kirche.  II.  2.  21 


Am  Pascha  der  Moslim  (18.  April)  etarb  er  als  Mai 
sten  begruben  ihn  neben  dem  Leibe  des  heiligen  Ac 
wart  des  Bischofs,  des  Klerus,  der  Mönche  nnd  des  \ 
Usuardus  kam  sein  Name  (18.  April)  in  das  von  il 
tyrologiam,  von  da  in  die  übrigen  und  znlezt  in  d 
tyrologiam  des  Baronius.  —  Die  laxem  Christen  in 
ihn  in  Schuz,  weil  er  zuerst  (den  Thatbestand  der  A 
und  nachher  im  Stande  des  Zwanges  siuh  befand.  I 
seine  spätere  Standhaftigkcit,  in  der  er  aus  der  t 
machte,  und  Gott  freiwillig  sein  Leben  opferte').  E 
Christen  nichts  über  oder  gegen  Muhamed  gesprocl 
FerfectuB  das  Stillschweigen  gebrochen,  da  erhoben 
voll  Muth,  und  wie  in  den  Jahren  304 — 305  die  B 
nicht  aufgesucht  hervorgetreten  waren  in  den  Kampf, 
Jungfrauen,  so  tiaten  jezt  selbst  die  Mönche  aus  ihre 
vor.  und  verlangten  nach  der  Krone  des  Martyriums. 
u  Joannes,  geuaont  „Confasaor" ,  bot  sich  nicht  frt 

tern  dar,  sondern  wurde  von  den  Mauren  angeklagt 
Wohlstand  hatte  den  Neid  derselben  erregt.  Sie  besc 
Schmähung  Muhamed's  und  dass  er  in  seinem  Name 
Er  sollte  gepeitscht  werden,  bis  er  Christus  verläu|i;ne 
hundert  Streiche  erhielt  er.  So  zugerichtet  wurde  er 
nnd  die  Tempel  der  Christen  geführt,  während  der 
werde  gestraft,  wer  über  den  Propheten  und  sei 
redet"  ^).     Diess   trcschah    ein  Jalir   und   darüber    nae 


tsaac,  der  Märtyrer.  •  323 

nge  Zeit  blieb  Joannes  im  Gefangniss.  Zu  dieser  Zeit  befand  sich 
eh  £rilogia8  im  Gefangnisse,  und  .sah  dort  den  Johannes.  Später 
trde  er,  wahrscheinlich  mit  dem  Bischöfe  Saulus  nnd  Enlogius,  ans 
m  Gefängnisse  entlassen.  Er  scheint  im  Frieden  gestorben  zu  sein. 
sr  £rzpriester  Cyprian  yerfasste  auf  ihn  die  Grabschrift:  Ueber  dem 
nbeahügel  des  heiligen  Bekenners  Joannes.  Gefangniss  und  harte 
lerne  Bande  hat  Joannes  aus  Liebe  zu  Christus  ertragen.  Sein  Leich- 
m  ruht  in  dieser  Halle  ^). 

§.  22. 

Der  Märtyrer  Isaac  stammte  von  Corduba,  Sohn  adeliger  und  is^ae. 
Ir  reicher  Eltern,  die  als  gute  Christen  lebten.  Isaac  wurde  im 
■ore  824  geboren.  Er  erhielt  Unterricht  in  der  arabischen  Sprache, 
ff  er  Tollstandig  erlernte^.  Er  bekleidete  das  Amt  eines  öffentlichen 
%fiC6ptar^'.  Als  er  24  Jahre  zählte,  und  von  weltlichen  Ehren  wie 
tncht  war,  ergriff  ihn  plozlich  die  Gnade;  mit  fröhlichem  Herzen 
er  allen  Gütern,  und  verliess  die  Welt  (848).  Er  suchte  das 
yon  Tabanos  auf,  wo  der  heilige  Jeremias,  sein  Oheim,  lebte, 
rieh  fast  mit  seiner  ganzen  Verwandtschaft  dahin  zurückgezogen 
mit  seinem  Vermögen  dieses  Kloster  gestiftet  hatte.  —  Martin,  der 
[er  der  Frau  des  Jeremias,  war  daselbst  Abt;  unter  seiner  Leitung 
Isaac  drei  Jahre,  ganz  versenkt  in  die  Betrachtung  der  ewigen 
'heiten.  Getrieben  vom  Eifer  des  Herrn  erschien  er  vor  dem 
iter,  und  lud  ihn  ein,  ihm  Grund  und  Wesen  seines  Glaubens  zu 
Der  Richter,  wähnend,  dass  Isaac  Moslim  werden  wollte, 
es,  so  gut  er  es  vermochte.  Isaac  erwiderte:  Dieser  &lsche  Pro- 
hat gelogen  und  euch  irre  geführt,  er  verführte  so  viele  Seelen, 
sie  in  den  Abgrund,  und  für  seine  Uebelthaten  wird  er  ewig 
Wie  mögt  ihr,  die  ihr  Weise  zu  sein  euch  rühmt,  euch  nicht 
isen  von  diesen  Gefahren?  Warum  entsagt  ihr  nicht  der  Pest 
T  verworfenen  Lehren,  um  anzunehmen  das  sichere  Heil  des  Chri- 
In?     Der  Richter  wusste  auf  solche  Reden  nichts   zu   antworten,   er 

Ldem  Bekenner  nur  einen  Schlag  mit  der  Hand.    Selbst  die  Mauren 
ten  diese  Handlung  nicht  vertheidigen,  da  Isaac  ohnedem  sterben 
BBBte.  —  Er  wurde  zum  Tode  verurtheilt  und  starb  am  3.  Juni  851*). 
Der  Laie  Sanctius  (Sancho),  ein  Gallier,  starb  zwei  Tage  später 
t:  den  Glauben*).    Wieder  nach  drei  Tagen,  am  8.  Juni,  vollendeten 


*)  Haofunctus  in  avla  quiescU, 
')  EtUog.  lih,  I,  prolog, 

21 


VerfolgQDg  TOD  den  Heiden  (MoBÜm)  aueging;  wir  habt 
dass  auch  die  Unsrigen  im  Eifer  (für  die  Ehre)  Gotte« 
Menschen,  sich  erhoben  haben.  Waa  also  findet  ihr  hier» 
Zögert  nicht,  es  zn  sagen.  Sie  sahen  entbrannt  den  heii 
angethan  mit  dem  Panzer  des  Glanbena  haben  sie  eilige 
mit  anverdroesenem  Schritte  —  den  herrlichsten  Kri^ 
Nachdem  sie  den  einen  getödtet,  den  andern  verwandet  sal 
sie  wegen  der  Fnlme  der  Glorie  auf  das  Schlachtfeld  ge< 
war  die  Anschannng  nicht  nnr  des  Älvams  und  Eulogii 
aller  gläubigen  Christen  überhaupt,  auch  der  Bischöfe. 

Abderrahman  II.  erliess  neue  Edicte  gegen  die  Cbri 
Tribute  er  erhöhte.  Anf  seinen  Befehl  liess  der  Erzbiscl 
den  Eulogins  in  das  Gefängniss  werfen,  weil  er  die  Mar 
tbigte.  Er  erklärte  die  für  excommnnicirt  nnd  ebrloa,  ' 
Martyrthnm  eich  drängten.  Die  Leiber  der  Märtyrer  wnrde 
ihre  Asche  in  den  Flnss  geworfen. 

Die  Jnnglrauen  Nonilo  nnd  Alodia  litten  im  October  I 
den  Tod  für  den  Glauben*).  Nach  langem  Gefängnisse 
Jnngfrauen  Flors  von  Corduba  nnd  Maria  von  Elepla,  di 
des  Märtyrers  Walabonsne,  am  25.  November  für  den  Gls 
sie  es  vor  ihrem  Tode  vorhergesagt,  wurden  sechs  ' 
Bischof  Panlua  nnd  Eulogius  aus  dem  Gefängnisse  entlasst 


')  Btdog.  2,  4. 
^1.2,5. 

•J  l.  2,  6. 


Märtyrer  von  852  und  853.  325 

§.  23. 
Am  13.  Jannar  852  litten  Gnmesindns,  Priester  von  Toledo,  und  ^^y- 

r   vo 
852. 


^önch  Servusdei  den  Tod  für  Christns*).    Die  heiligen  Märtyrer'*'  ^"° 


sliiis,  Felix  von  Corduba,  mit  ihren  Frauen  Sabigotho  und  Liliosa, 
ihnen  der  Mönch  Georgius  aus  Syrien  erlangten  am  27.  Juli  die  Krone 
IhKartyrer^).  Ihnen  folgten  am  20.  August  auf  demselben  Wege 
Vollendung  die  Mönche  Christophorus  von  Corduba  und  LeovigU- 
r^on  Elvira^.  —  Am  15.  September  wurden  Emila  und  Jeremias 
i2Ck>rduba  gekrönt;  der  Mönch  Rogellus  von  Elvira  und  der  Mönch 
Dei  aus  Syrien  wurden  am  16.  September  nach  verschiedenen 
enthauptet.  Erschreckt  durch  die  Standhaftigkeit  so  vieler 
suchte  auf  das  Neue  Abderrahman  durch  den  Bischof  Reca- 
die  Christen  einzuschüchtern.  Den  Christen  wurde  ein  Eid  ab- 
ieHy  dass  sie  vor  den  Richtern  nicht  erscheinen  sollten. 

§.  24. 

Als  Mahomed  zur  Regierung  gekommen  war,  brach  die  Verfolg-  Many 
mit   erneuter    Heftigkeit  aus.     Mahomed    zerstörte    die  Kirchen ''^L^^'^ 
isten*).  —  Diess   ist  die  dritte  Christen  Verfolgung  in  Corduba. 
13.  Juni  853  starb  Fandila ,  Priester  und  Mönch  von  Acci,  als 
•er*).  —  Am  folgenden  Tage ,  den  14.  Juni,  erlangten  der  Mönch 
iester  Anastasius,  Felix,  Mönch  von  Complutum,  die  Gott  ge- 
Jungfrau  Digna   den   Siegeslorbeer*).     Die   Matrone   Benildis 
am  15.  Juni  gemartert').  —  Die  heilige  Columba  von  Corduba, 
ttgeweihte  Jungfrau,   wurde  am  17.  September   enthauptet®).  — 
^16.  October  folgte   ihr  die  Jungfrau   und  Martyrin   Pomposa  im 
nach'). 


40 

')  EtOog.  2,  9. 

*)  2,  10. 

•)  2,  11. 

')  3,  /-*. 

')  3,  7. 

•)3,  8. 

')  3,  9. 

•)  3,  10. 

•)  3,  11. 

lucci,  retnis  juoqcd  aas  ^oruciDa,  uuuovicus  aus  v^c 
Martyrtod  gekrönt*).  Der  Greis  Witesiodus  ans  Egal 
selben  Jahre  für  den  Gtlaabea.    Den  Tag  bat  Ealo^ns  i 

jtbrS6e  Im  Jahre  856,  am  17.  April,  litten  Elias,  Presl 

nien,  die  Mönche  Paulus  und  Isidor  den  Tod  für 
Ärgimirus,  Mönch  von  Egabra,  wurde  im  Bekennti 
38.  Juni  getödtet*).  Die  Gott  geweihte  Jongirau  Auf 
der  Märtyrer  Adulphus  und  Johannes,  erlangte  am  li 
des  Martyrthums. 

iihrff-7  Im  Jabre  857,  am  19.  März,  erlitten  Rudericue 

Salonio  den  Tod  für  den  Glauben. 

Das  folgende  Jahr  858  hat  bei  Eologius  keinen 

§.  26. 

Im  Jahre  859  starb  Eulogius  selbst  als  Mait^ 
Viele  zum  Martyrthum  gefuhrt  und  ermuthigt,  und  d 
so  vieler  Märtyrer  der  Nachwelt  erhalten  hat.  Mit  I 
Spanien  dieses  grosseo  Mannes,  der  die  Bhreunam< 
Vater,  der  Kirchenlehrer,  die  Säule  der  Kirche"  u.  a 
Mitten  einer  dunkeln  Zeit  als  hellleuchtender  Stern  er; 
stammte  aus  einer  vornehmen  Familie  in  Corduba  und 
der  Kirche  des  heiligen  Zoilus  zum  Manne  heran,  i 
der  Abt  Sperundeo.  Als  Kleriker  wie  als  Mönch  i 
aus.     Er  wurde   znm  Diakon   und   zum  Priester   gew< 


Enlogios  von  Cordaba.  327 

lesicht,  glänzend  seine  Rede.  Was  er  lernte,  was  er  wusste,  das 
te  er  die  Andern.  Durch  seine  Lieblichkeit  zog  er  alle  Gemüther 
dcli.  „In  sich  vereinigend  die  Strenge  des  Hieronymus,  die  Beschei- 
beit  des  Augustinus,  die  Milde  des  Ambrosius,  die  Geduld  des 
gorius  in  der  Unterweisung  der  Irrenden  stüzte  er  die  Kleinem, 
lügte  er  die  Grossem,  ertrug  er  alles  Schreckliche,  und  zeigte  in 
mt  eine  wunderbare  Vielseitigkeit^.  Um  zwei  seiner  Brüder  aufzu- 
hen,  welche  des  Handels  wegen  angeblich  nach  Mainz  gegangen^ 
her  eine  Reise  nach  Frankreich  an,  gelangte  aber  nur  bis  Pam- 
|i^  c  844 — 849.  Durch  Handelsreisende  erfuhr  er  ihren  Aufenthalt, 
me  kehrten  nach  einiger  Zeit  wohlbehalten  zurück.  Ueberall  be- 
Eulogius  die  Bischöfe  und  Kloster.  Sein  nach  dieser  Reise  an 
chof  Wilesind  von  Famplona  geschriebener  Brief  gibt  uns  die 
»ten  Nachrichten  über  die  damalige  Lage  der  Christen  in 
Von  dieser  Reise  brachte  Eulogius  kostbare  Handschriften 
Corduba  zurück. 

Bei  seiner  Rückkehr  —  um  849  —  lebte  noch  der  Erzbischof 
ipiremir  von  Toledo,  dessen  Todesjahr  sich  nicht  bestimmen  lässt 
I?)»  Die  auf  Eulogius  gefallene  Wahl  zu  dessen  Nachfolger  lehnte 
ler  ab.  —  Wiederholt  theilte  Eulogius  das  Gefangniss  der  Bekenner 
l  der  Märtyrer.  Stets  unerschrocken  tröstete,  stärkte,  begleitete  er 
-bis  zum  Tode,  und  sammelte  ihre  heiligen  Leiber.  In  der  Zeit  der 
l|Bten  Bedrängniss  hielt  er  Alle  und  Alles  aufrecht.  Von  der  Noth 
ler  Zeit  sagt  Eulogius: 

'  »Die  innersten  Gefängnisse  sind  erfüllt  mit  den  Schaaren  der 
r;  beraubt  ist  die  Kirche  des  heiligen  Dienstes  der  Bischöfe 
Priester.  Die  Tabernakel  Gottes  sind  in  schrecklicher  Verlassen- 
die  Spinne  hat  den  Tempel  umwoben.  Alles  ruht  im  Stillschwei- 
▼erwirrt  sind  die  Priester  und  die  Diener  des  Altares,  weil  die 
des  Heiligthums  über  alle  Strassen  ausgestreut  sind.  Während 
ttlichen  Gesänge  in  den  Kirchen  verstummt  sind,  wiederhallen  die 
borgenen  Gefängnisse  von  dem  Gebet  der  heiligen  Psalmen^. 
?!  Nachdem  Eulogius  so  Viele  zum  Martyrtod  gestärkt  und  gefuhrt 
le,  sollte  er  zulezt  selbst  als  Märtyrer  sterben.  Er  und  seine 
Pfwester,  die  Nonne  AnuUo;  hatten  ein  maurisches  Mädchen  Leocritia 
^tfosa)  im  Christenthimi  unterrichtet,  und  verbargen  es  vor  deren 
im.  Leocritia  wurde  endlich  ergriffen,  und  mit  ihr  Eulogius.  Auf 
(Frage  des  Richters,  warum  er  solches  gethan,  antwortete  Eulogius: 
r  Befehl  zu  predigen  ist  uns  gegeben,  und  unserm  Glauben  kommt 
zu,  dass  wir  denen,  die  uns  befragen,  das  Licht  des  Glaubens  dar- 
len,  dass  wir  keinem,  der  auf  den  Pfaden  zur  Wahrheit  wandeln 
II ,  das,  was  zum  Heile  dient,  zu  geben  verweigern.  Weil  nun  diese 
Bgfirau  die  Regel  des  heiligen  Glaubens  von  uns  zu  erlangen  wünschte. 


Enlogins'  Schriften.  329 


§.  27. 

Die  Hauptschrift  des  heiligen  Eologius  ist  1)  das   H6morial6  San-  scbrif- 

ten  dM 
Enlogina 


etorum  in   drei  Büchern.     Das   erste   Buch   ist  gerichtet   gegen  jene*®"  ^^ 


(Christen),   welche  die  Ehre   dieser  Märtyrer   angriffen,   weil   sie   von 

freien  Stücken  die  Gefahr  und  den  Tod  aufsuchten,   und   nicht  durch 

äussere  Gewalt  zur  Verleugnung   ihres  Glaubens   gezwungen   wurden. 

Das  zweite  und  dritte  Buch  enthalten  die  Geschichte  der  Märtyrer  bis 

zum  Jahre  856. 

X-  •  2)  Apologeticus  sanctorum  martyrum  schildert  den  Martyrtod   der 

:^  heiligen  Bodericus  und  Salomo  (857),  und  vertheidigt  auf  das  Neue  die 

2  Märtyrer  von  Corduba. 

fe  3)  Das  „Documentum  martyrii,  quod  in  carcere  poaitus  virginibus 

s.   Christi  Florae  et  Mariae  ergastulo  mancipcUis  dicavit^  sollte  diese  Jung- 
r  firauen  zur  standhaften  Erduldung  des  Todes   ermuntern.    Am  Schluss 
S'   ist  noch  eine  „oratio  ad  Deum^  beigefügt. 

s  4)  Die  Briefe.    Erster  Brief  an  Alvarus,  über  das  Martyrthum  der 

i  Jangfranen  Flora  und  Maria.  Brief  an  die  Baldegotho,  die  Schwester 
;  der  Flora.  Brief  an  den  Bischof  Wiliesindus  von  Pamplona,  womit 
er  ihm  Reliquien  des  heiligen  Zoilus  und  Aciselus  übersendet,  und 
aber  die  Verfolgung  der  Kirche  von  Corduba  berichtet.  Er  nennt  die 
Namen  der  bis  zum  November  des  Jahres  851  vollendeten  Märtyrer. 
Der  Brief  ist  zu  der  Zeit  geschrieben ,  als  die  Jungfrauen  Flora  und 
Maria  taglich  auf  ihre  Vollendung  warteten. 

§.  28. 

^_  Die  Werke    des  Eulogius   hat  zuerst  vollständig  Amhrosius  Mo- 

TcleB  von  Corduba  mit  sehr  ausfuhrlichen  Schollen  herausgegeben.   Com- 

^pluti,  1564,  fol.     Sie    wurden   abgedruckt   in   der   Hispania  illustrata, 

^  td.  Franc.  Schott,  Francf.  1603—1608,  4  vol.  f.,  in  t.  IV,  p.  223;  in 
.^der  Bihliotheca  patrum  Lugdunensis  maxima,  1677 ,    t.  XV,  p.  277  sq, 

"^Ferner  in  der  Ausgabe  der  ,f Patres  Tdetani*^  von  Franc.  Lorenzana: 
Sancti  Eulogii  Cordubensis  martyris,  decti  Archiepiscopi  Toletani,  opera 
iHnnia,  t  II,  Matrit.  1785,  p.  391 — 619;  endlich  ap.  Migne^  Patrologia 

^  latina,  t.  115,  p.  705—960. 

Ueber  Eulogius  schrieben  sehr  ausfahrlich:  Morales  in  seinen 
Schollen;  Nie.  Antonio^  Bihliotheca  Hispana  vetus^  /,  p.  463 — 467.  — 
^lorez,  Espaila  sagrada,  t.  X,  passim  (am  genauesten  und  er- 
schöpfendsten), Masdeii,  t.  XII.  —  J,  Christ  E.  Bourret,  de  schola 
Corduhae  christiana,  suh  gentis  Ommiaditarum  imperio,  Paris.  18ööy 
p.  38 — 58  (S.  Eulogius).  —  Vic.  de  la  Fuente,   H.   edes.   de  Espana, 


330  Nanotes  Buch.   Viwtea  Kqiitel. 

(.  //,  1853,  p,  124—126.  —  Ad.  HdfferUh,  der  westgotliische  Arianis- 
mu8,  1860,  S.  120—126.  —  Bdnhard  Boa/ ,  Bütoin  de»  MymimuiM 
^Espafpie.  (711^1110),  t  II,  Leydm  1861,  p.  1 — 162  (mit  eotochie- 
deoer  Pftrteiuahnie  gegen  die  Cbristen). 


Bvis'ikin  Von   dem   Abte  Speroüideo,   dem  Lehrer   des    heiligen  Ealt^oi, 

'""''  gewisEermassea  dem  ersten  Träger  dieser  grossen  geistigen  Erbebnng 
iD  Spimica,  i^t  uns  weder  Käheres  bekannt,  noch  etwas  SduiftUcbei 
erhalten ').  Enlogias  erwähnt  einen  Commentar  deseelben  g^en  da 
Koran.  „T)ieEe  Frage  hat  der  beredte  Mann  TortrefiBicb  entwickelt 
diesea  grosse  Licht  der  Kirche  in  onaem  Zeiten"  (indem  er  den  Kocu 
aus  Bciucm  ei^eu  Inhalte  widerlegte)*).  Er  oemit  ihn  femer  da 
„bei-ühmtesten  Lehrer",  welcher  den  siegreichen  Ausgang  der  Mar^ 
Adiilphiii)  und  Johannes  beschrieb.  „Die  glänzenden  Thatea  (" 
leiirhtcuden  Geetinie  hat,  zum  Nuzen  der  heiligen  Kirche,  zum  V(v- 
bild  für  die  Schwachen,  der  Greis,  unser  Lehrer  glückseligen  Ande»- 
kens,  in  atisriihrlicher  Erzabinng  dargestellt"*). 

§.  30. 

OrpHa-  Cyprieatits   ist  nur  bekannt   aas   dem   von  Mondes    vielgenanaM 

'^'  Codex  von  Azagra,  der  nach  Toledo  kam,  und  dessen  sich  auch  hr 
renzana  bediente.  Unter  dem  Titel:  »Des  Herrn  Cyprianns,  ErTprifr 
sters  des  Sizes  von  Cordnba  (Domini  Cypriam,  ArchiprtabyteH  Cord^ 
bensis  Sedis)'^  stehen  eioige  Gedichte.  In  dem  ersten  seiner  Epigranim: 
lobt  er  den  Conde  Adolfos,  welcher  der  Kirche  des  heiligen  Acisclns 
eine  Bibel  schenkte.  Der  Sohn  des  Conden,  Fredenand  (Ferdinand' 
wird  gebeten,  das  zu  schüzen,  was  sein  Vater  geschenkt.  Das  zvm 
Epigramm  lehrt  uns  einen  Archidiacon  Saturninus  kennen,  für  welcbti 
Zo'ilas  eine  „Bibliothek"  geschrieben  hatte.  Eine  Bibliothek  bedeaB 
hier  das  Alte  und  Neue  Testament.  Das  dritte  Epigramm  ladet  z^v 
Fröhlichkeit  wegen  des  wiederkehrenden  Frühlings  ein.  —  Das  vierte 
Epigramm  lobt  den  Grafen  Gutfredus,  der  „in  der  heiligen  Taufe  de» 
Namen  Guifredus  erhalten  hat"*).  Seine  Gemahlin  Guisinda  erhJw 
hier  zum  Geschenke  einen  Fächer,  um  die  Hize  von  sich  abzuwehrea 
Es  folgen  drei  Epitaphien,   auf  das  Grab   des  Abtes    Samson,   dessn 


')  Nicol.  Antonio,  l.  c.  l.  VI,  ep.  7;  8. 

')  Eutog-,  memOT.  actor.  1,  1. 

*)  ZMd,  2,  8.  —  Alvari  Vita  Eutogii.  —  Flores,  XI,  p.  3—5. 

')  Nomine  Guifredtts  ex  aacro  gurgite  dictus. 


Abt  Samson.  331 

im  ganz  ^Hesperien^  feiere  und  welcher  im  hohen  Alter  gestorben 
nämlich  am  21.  Juli  ^er  Aera  928   (Jahr  890);    auf  das  Grab  der 
ligen   Nonne  Ilermildis,   ein   drittes   auf  das  Grab   des  Bekenners 
lannes. 

Aus  diesen  Versen  lässt  sich  nur  entnehmen,  dass  der  Erzpriester 
prian,  dem  ein  Erzdiacon  zur  Seite  stand,  um  das  Jahr  890  lebte, 
l  dass  die  wenigen  von  ihm  erhaltenen  Verse  eine  für  die  Christen 
dlichere  Zeit  vermuthen  lassen*). 


§.  31. 

Der  Presbyter   und  Abt  Samson   wurde  zu  Corduba  am  Anfang     am 
neunten  Jahrhunderts  geboren,   um  das  Jahr  810.    Zu  jener  Zeit,  ^°^^^ 
welcher  die  Uebung  der  lateinischen  Sprache    sehr   in  Verfall  gera- 
a,    und  aus    dem  verfallenen  Latein    sich    sehr   langsam    eine    neue 
ache  bildete,  galt  Samson  als  so  gewandt  im  Gebrauche  der  latei- 
;hen   Sprache,   dass   man   sich   seiner    am  Hofe   des    Chalifen   zum 
Dersezen  der  Briefe  an  den  Hof  von  Frankenreich   aus  dem  Arabi- 
en in  das  Lateinische  bediente*).    Er  zeigt  in  seinen  Schriften  grosse 
intniss    der    positiven   Theologie,    der   Dogmatik,    Polemik   in    der 
elastischen  Form.     Obgleich   er   den   Namen   „Abt^   fiihrt,   war  er 
h  Kleriker  oder  Priester  von  Corduba,  der  im  Jahre  858  zum  Abte 
Klosters  Pinamelaria   gewählt  war.     Auf  Bitten   der  E^leriker  und 
Volks  wurde  er  aber  im  Jahre  862   als  Rector  (oder  Pfarrer)   der 
che  des  heiligen  Zoilus  in  Corduba  eingesezt^). 

Vorher,  um  das  Jahr  861,  befand  er  sich  zu  Corduba,  wo  er  die 
che  gegen  die  Angriffe  des  Hostegesis  vertheidigte.  Desswegen 
rde    er   verbannt.     Seine  Kämpfe   sind   oben   erwähnt.     Die  Schrift 

Samson    „apologetictts^    besteht   aus    drei   Büchern.     Voraus    gehtApoJogt. 

3  Vorrede:  „Samson,  der  Baiecht  der  Baiechte  Gottes  (wünscht)  dem  g^^*" 

nmen   Leser  Heil".     In   dieser  Schrift   schildert   er   seinen  Gegner? 

er    war,    vertheidigt    sich     gegen     dessen    Angriffe    auf    seinen 

luben    und  seine   Sitten.     Er   schildert   ihn   wie   als   einen   schlech- 

Menschen,  so  als  einen   unwissenden  Theologen  und  Grammatiker. 

3   erste  Buch  handelt   von  dem  Glauben;   vom  Lobe  des  Glaubens, 

.    den  Zeugnissen    für  Gott   den   allmächtigen   Vater   als    die   erste 

son   in   der    Gottheit,    von    den    Beweisen,    dass    Gott    der  Sohn 

der  Wesenheit   des  Vaters   erzeugt    sei,   von  dem   heiligen  Geist, 


')  Florez,  XI.  p.  8—10, 

')  prolog,  ad  apologet  Samsonis,  l,  2,  nr,  9, 

*)  Yepes,  Coronica  etc.  ad  annum  859. 


333  Nenntes  Bnoh.   VieitM  K^tel. 

*■  dass  er  von  dam  Vater  nnd  dem  Soline  sosgehe,  tihi  der  EinlHit  da 
^  Wesens  der  göttlichen  Dreieinigkeit.  Er  handelt  von  der  M'w^M 
des  Sohnes  Grottes,  dass  sie  erschaffen  sei,  dass  in  dem  «änai  Sohne 
Gottes  eine  Person  and  zwei  Naturen  seien;  dass  die  Maischhot  da 
Sohnes  Gottes  in  dem  Leibe  der  seligsten  Jnngfran  erschaffen  w<»deii; 
dass  Gott  nicht  amachlosaen  (nicht  begrifiTen)  werden  könne*),  im 
Gott  überall  sei. 

Das  zweite  Bach  „des  Apologeticua  contra  perßdo»'*  beginnt  mS 
einer  Vorrede  oder  einem  Gebete  an  Gott  Dann  folgt  der  Bericht 
über  die  Streitigkeiten  mit  Hoategesis.  Daa  zweite  Buch  selbst  kf- 
fallt  in  zweinndzwanzig  Kapitel.  E^  enthält  die  Gonfesaia,  welck 
Samson  im  Jahre  862  den  Bischöfen  überreicbte,  nnd  die  darüber  g» 
pflogeDcn  Vefliandlimgen  (cp.  1 — 8).  Gottes  Natar  sex  ein&cb;  ebt 
Blasphemie  sei  es,  zQ  sagen:  Wir  glauben,  dass  Gott  vermöge  sei- 
ner SubtilitÄt  in  allom  sei,  and  nicht  vermöge  seiner  N&tar  (ep.  9). 
In  Cp.  10 — 12  spricht  er  gegen  die  Gtrammatik')  und  die  zahlroc^ 
Wideisprüebe  des  Ilostegeais').  Cp.  13.  In  dem  Theile  des  Körpei^ 
welcher  das  Herz  genannt  wird,  war  Christus  nicht  eingeschlosaea 
Hostegcsia,  oder  wer  ihm  die  Feder  geführt,  hatte  nämlich  in  eniea 
zweiten  Schriflstöcke  n.  a.  behauptet,  der  Logos  sei  nicht  in  des 
Schoosse,  sondern  in  dem  Herzen  Maria's  Fleisch  geworden  (cp.  13 — tSj. 
—  Weiter  widerlegt  er  die  Änscbanangen  der  Gegner  in  Betreff  dl 
AUgegenwart  Gottes.  Er  lehrt  (cp.  17),  dass  die  Gottheit  in  dem  e» 
gebomen  Sohne  Gottes  unversehrt  sei.  Ferner  sage  man  von  dem  faciliga 
Geiste,  dass  er  eich  nähere  nnd  sich  entferne,  in  Beziehung  anf  seilt 
Gnade:  vermöge  seiner  Natar  ist  er  aber  überall  ganz  und  angethei 
(i^,  18).  Er  zeigt,  was  es  heisse,  dass  Gott  komme  und  d.iss  Gik 
bleibe  fcp.  19);  was  man  unter  Himmel  verstehe  (cp.  20).  Alles,  wt 
der  allmächtige  Gott  geschaffen  hat,  ist  gut  vermöge  seiner  Kaim 
Was  gut  ist,  wird  erfüllt  von  dem  guten  Gott.  Was  man  unter  den 
„All"  verstehe.  Von  den  Unterschieden  der  Geschöpfe  ("cp.  21^', 
Der  Gott,  welcher  die  Geschöpfe  der  ersten  Ordnung  erfüllt,    verlääs 


')  quod  inconclusibilis  sit  Dens. 

*)  Id  cp.  5  ateht:  Exemplar  credulütUis  eorwn,  qui  hosH  Jesu 
eaiU,  eine  zweit«  Schrift  des  HoategeaiB  oder  seines  Anhangs   —   ülier  Gottea  Ü- 
gegenwart.    Samson  unterscheidet  ein  „primumnndBeamdum  pittadum"  dessflbo. 

')  Eostegesis  hatte  gesagt:  Contenii  siote  stipendia  vestra  —  was  Samsi 
alao  berichtigt;  Non  diant  Evangelista  per  Twminativum  casum:  ContaUiM 
stip.  vestra  sicut  tu  novae  laiinitatis  inveniur  ais,  sed  eoiitenti  stole  stipaidii 
vtstris  per  dativum  (f)  casum  pronuntiavit.  Das  yfStote"  aber  bestand  schon  i* 
Zeitalter  des  Elipandaa.  Hostegeaia  achrieb :  contenti  sunt  (sacerdotts)  simplicil'^ 
ckriatiaTta,  die  Priester  sind  zufrieden  mit  der  christlichen  Einfalt  Er  schrie* 
quidam  (i.  e.  quaedam)  pestis;  idolatrix  vir  für  idolm-um  cullor. 

')  der  lebloaen  Dinge. 


Abt  SamsoD.  ,  333 

)  Naturen  der  dritten  Ordnung,  welche  sicher  die  bessere  ist,  nicht; 
QU  er  trägt  Sorge  für  Alle  (cp.  24).  Vor  Gott  gibt  es  kein  Uebel, 
wer  die  Schlechtigkeit  der  vernünftigen  Geschöpfe,  vor  Gott,  dem  die 
iSter  abschreckend,  die  Tugenden  ein  süsser  Wohlgeruch  sind.  Zu- 
t  (cp.  26 — 28)  handelt  er  von  der  Weise  der  Gegenwart  Gottes  bei 
r  VoUbringung  des  Bösen,  ;^ welcher  ist  Zeuge  der  Gottlosigkeit  und 
höpfer  des  Menschen^,  und  von  der  Gegenwart  Gottes  (in)  den 
«en.  —  Nach  Form  und  Inhalt  ist  diess  eine  der  gelungensten  theo- 
^chen  Schriften  überhaupt,  und  besonders  für  jene  Zeit 

Samson  verbindet,  wie  Eulogius,  mit  einem  umfassenden  Wissen  sam- 
le  grosse  Tiefe  und  Innigkeit  des  Gemüthes.  Er  ist  innerlich  mit  ^■*^''** 
i^  geeint,  wahrhaftig  gottinnig.  Er  bittet  Gott  um  seine  Gaben 
18  Richtige  und  Wahre  zu  schreiben),  und  dankt  ihm  demüthig  ftir 
sselben.  —  Unter  den  Auetoritaten,  die  er  anführt,  ist  auch  „Julia - 
B  (von  Toledo)  der  vortreffliche  Lehrer*^  ^),  die  übrigen  Schriftsteller 
mt  er  „selig**  oder  „heilig".  Unter  ihnen  ist  Fulgentius  von  Ruspe, 
mdianus  (den  er  weder  selig  noch  „Lehrer**  nennt).  —  Es  ist  zu 
chten,  dass  Samson  zwar  ankündigt,  sem  Werk  werde  aus  drei 
diem  bestehen,  dass  uns  aber  nur  zwei  vorliegen,  das  zweite  von 
entend  grösserem  Umfange  als  das  erste.  —  Endlich  ist  zu  beach- 
»  dass  auch  Samson  eine  Stelle  aus  dem  seligen  „Ephren**  anführt; 
i8t  aber  dem  Sinne  nach  dieselbe,  welche  in  dem  Schreiben  des 
Nandus  an  Migetius  steht  ^). 

Samson   lebte   bis    zum  Jahre  890,    und   starb  80 — 90  Jahre  alt, 
chtet    von   ganz    Spanien.     Darnach   ist   es   eine  Erdichtung,    dass 
Qson  zwar  durch   den  Erzbischof  Bonitus   von  Toledo  von  den  Au- 
gen der  baetischen  Bischöfe  freigesprochen  worden,  aber  zu  Toledo 
Rest  seines  Lebens  in  der  Verbannung  zugebracht  habe^). 

Nachdem  Morales  reichliche  Auszüge  aus  der  Schrift  des  Samson 
getheilt,  nachdem  noch  Nie.  Antonio  berichtet,  dass  dieselbe  noch 
:cdruckt  in  einem  sehr  alten  Codex  von  Toledo  verborgen  sei,  in 
^  man  auch  die  Schrift  des  Beatus  gegen  Elipandus  finde,  war  es 
^  Florez  vorbehalten,  die  Werke  des  Samson  zum  ersten  Mal  her- 
zugeben*). 

<)  2,  20  (3).  Dagegen  23,  2:  ^Sanctus  Jvlianus  in  missa  quotidiana^. 
im  wiederholt  er:  (11,  13  [2]),  vielleicht  wegen  der  Worte  des  Felix  von  To- 
:  scripsit  (Julianus  librum  missarum  de  toto  anni  circtUo).  Die  Stellen 
',  welche  Samson  anführt,  sind  nicht  aus  dem  Kanon  der  Messe  genommen,  son- 
I  die  eine  ist  eine  Paraenese  vor  der  heiligen  Commnnion,  die  andere  ist  aus 
r  Prä£ation. 

*)  fl.  oben  S.  265. 

*)  So  dichten  Psendo-Luitprandus  und  Tamajo  de  Salazar  (29.  August).  — 
XicoL  Antonio,  L  VI,  cp.  7,  nr,  142—144. 

*)  Esp,  sagr.  t.  XI,  Madr.  1753  (wieder  1775  und  1792):  „Vida  y  escritos 


Gemeinscbafl  zu  halten  —  und  ausserhalb  Corduhf 
dass  Leovigild  Dachgegeben  habe.  Er  brachte  es  ; 
Hoetegeeis  öffentlich  in  der  Kirche  seinen  Irrtt 
Gott  sei  nicht  überall  der  Substanz  nach  zugegen 
habe  in  dem  Herzen  der  seligsten  Jungfrau  Fleis 
Ebenso  entsagte  Sebastianus  seinem  Änthropomorphisi 
Leovigild  mit  ihnen  Kirchengemeinschaft.  Aber  er  « 
solche  Gegner  nicht  Herr*).  Nach  ihm  kam  Samson, 
den  Hostegesis.  Diess  geschah  um  964.  Weiteres  ii 
des  Leovigild  nicht  bekannt. 


§•  33. 

Im  Jahre  858  wird  scheinbar  ein  anderer  Leovigild, : 
Dl«    Äbadsolomes,    genannt.     In   diesem  Jahre   kamen    dii 

ü*mM  ÜBuard  nnd  Odilardus  nach  Spanien,  wegen  Reliquiei 
und    Heiligen.     Der  Mönch  Aimoin  ans  S.  Germain   des  I 

oduud  fagggj.  (]gg  „gg  erbalteueu  Reiseberichtes^.    Man  hatt 


ineditoa  del  Abad  Samson',  Vida  p.  300—324.  Dm  Werk  ; 
615,  von  welchem  Flarez  eise  Abachrift  von  dem  Bchon  erwähnter 
Mecolaeta  (Sarmiento)  erhielt,  welche  der  Domherr  Juan.  AtU( 
mit  dem  zn  Toledo  aofbewahrten  gothischen  Origindl  verglich. 
SamsOD  ist  dem  Abbd  Migne  entgangen  und  SaniHon  bt  diesseil 
ziemlich  nnbekatint  (namentlich  von  Fei.  Bahr  Übergangen}. 
p.  127—135.  —  Bourret,  p.  31—35. 


Die  gallischen  Mönche  in  Gorduba.  335 

,  dass  man  in  Valentia  den  Leib  des  heiligen  Vincentius,  dessen 
men  damals  noch  das  Erlöster  S.  Germain  des  Pres  trug,  leicht  er- 
ben konnte,  wegen  der  Verwüstung  der  Stadt  Valentia  durch  die 
Dren.  Die  Mönche  erfuhren  aber,  dass  der  Bischof  Senior  in  Sara* 
sa  den  Leib  des  Heiligen  erhalten  habe,  doch  unter  einem  andern 
men  (Marinus).  Die  beiden  Gallier  befanden  sich  nun  rathlos  in 
\^ona.  Dort  erfuhren  sie  von  den  zahlreichen  Märtyrern  aus  jung- 
'  Zeit  in  Cordnba,  sie  beschlossen,  troz  aller  Abmahnung,  die  Reise 
in  zu  wagen,  und  wurden  an  einen  Priester  Leovigild  empfohlen, 
reisten  über  Saragossa.  In  Corduba  begaben  sie  sich  zu  der  Kirche 
heiligen  Cyprianus,  wo  die  Leiber  der  heiligen  Adulfus  und  Joan- 
begraben  waren.  Von  einem  Diacon  dieser  Kirche,  Hieronymus, 
-den  sie  freundlich  aufgenommen.  Auch  Leovigildus,  mit  dem  Bei- 
len Abadsolomes,  erschien,  und  nahm  sich  ihrer  an.  Dieser  zog 
Priester  Samson  in  das  Geheimniss.  Samson  und  Leovigild  hatten 
leid  mit  den  gallischen  Mönchen,  die  unter  solchen  Lebensgefahren 
h  Corduba  gekommen.  Sie  konnten  aber  nicht  hofiPen^  dass  die^ 
isten  in  Corduba  freiwillig  auf  die  dort  aufbewahrten  heiligen  Leiber 
dchten  würden;  jedenfalls  mussten  sie  eine  grosse  Aufregung  der 
nüther  besorgen^).  Die  Leiber  waren  zu  Pinnamelaria,  welchem 
ster  Samson  eben  als  Abt  vorgesezt  worden,  beigesezt.  Zuerst 
'den  einige  Brüder  des  EJosters  in  das  Geheimniss  gezogen,  welche 
r  bei  den  übrigen  Mönchen  einen  entschiedenen  Widerstand  fanden. 
Uich  verglich  man  sich  dahin,  dass  man  der  Entscheidung  des  Bi- 
Dfis  sich  fugen  wolle. 

Damals  führte  der  Chalif  Muhamed  Krieg  gegen  den  aufständischen 
bthalter  von  Toledo,  gegen  welchen  er  ein  grosses  Heer  nicht  bloss 
Muhamedanern,  sondern  auch  von  Christen  aufbot,  so  dass  die 
dt  Corduba  sehr  leer  an  Männern  wurde.  —  Inzwischen  erlangten 
Gallier  von  dem  Bischöfe  Saulus,  dem  sie  mit  wahrhaft  franzö- 
liem  Ungestüm  zusezten,  nach  äusserstem  Widerstreben  kaum  die 
ahnte  Einwilligung'^).  Feierlich  wurden  von  Priestern  die  heiligen 
ber  erhoben,  und  mit  dem  Sigel  des  Bischofs  verschlossen.  Es 
en  die  Leiber  des  Mönches  Georgius,   des   heiligen  Aurelius  ohne 


')  Claustris  arcani  Sacerdoti  (Sacerdotiif)  retectis,  beatorum  Reliquias 
rgii  BetTüeemüae  (dessen  Absicht  es  gewesen,  noch  nach  Gallien  zu  kommen), 
de  Aurelii  Cordutbensis  viri  popularis,  si  tarnen  posse  praestaret^  utrisque 
lere  libet  —  Bei  der  sehr  unklaren  Fassung  der  Worte  neige  ich  mich  zu  der 
Uunng,  dass  Samson  und  Leovigild  die  Grüfte  öffneten  oder  öffnen  Hessen ,  es 
r  den  beiden  Galliern  überlassen  wollten,  die  heiligen  Leiber  herauszunehmen. 

*)  dum  prolixius  canceriatum,  plurimumque  precüms  ab  episcopo  collu- 
^mm  fuissety  praebetur,  dure  quidem ,  vJti  ab  invictis  (invitis  f),  vix  toUendi 
Bensus.  —  Ita  —  opus  secretum  honeste  perficitur. 


iBii,  uuu  wu  am  li  Aage 
das  von  dem  Blute  des  seligen  Märtyrers  Felix  überstri 
von  da  in  die  Metropole  Narbonne,  wo  sie  am  Grabe 
kenners  Paulus  weilten,  endlich  nach  Beziers,  „das 
des  Leibes  des  seligen  Bischofs  Afrodisius  gefeiert  is: 
genommen  von  dem  „Primaten"  Gerinua,  die  von  ihner 
•  ligen  Leiber  in  dem  Oratorium  der  seligsten  Jungfj 
Hier  gcacliah  das  erste  Wnndcr  durch  ÄDruüing  diese 
Wegen  des  verschiedenen  Beinamens  unterscbei 
Cordubenscr  mit  dem  Namen  LeovJgild.  Wir  neigen 
zu  der  Ansicht,  dass  es  derselbe  Leovigild  war,  dei 
spanischen,  auch  einen  arabischen  Beinamen  trug. 
Leovigild  „de  habilu  dmcarum"  ist  ausschliesslich  m 
das  Exemplar  (ans  dem  Escurial)  ganz  lückenhaft;  de: 
sich  Florez,  aus  demselben  nur  die  Vorrede  mitzotheiJ 
brige  für  die  Geschichte  keinen  Werth  hat'). 

§•  34. 

Mit  grosser  Vorliebe  und  Ausfübrlicbkeit  bandel 
Florez  von  dem  Cordnbenser  Alvarua  (Älvaro),  den  e 
Zeit  Paulus  genannt  hat.  Es  ist  ungewiss,  ob  er  aug 
gothischem  Geschlecbte  stammte.  Für  Beides  lasse 
Briefen  an  Eleazar  Anhaltspunkte  finden.  Manche  li 
Gothen  in  Spanien  mögen  zum  Judenthnme  abgefkUea 


AlvaroB.  337 

uibt,  dass  Alvaros  nur  dnrch  eine  Nebenlinie  oder  Verwandtschaft 
D  den  Gothen  abstammte.  Sicher  ist,  dass  er  sich  der  Abstammung 
D  Abraham  und  den  Gothen  zugleich  rahmte.  Mit  Eulogius  genoss 
den  gleichen  Unterricht  bei.  Abt  Speraindeo.  Alvarus  war  sicher 
I  Laie.  Ihm  legte  Eulogius  sein  Werk:  Memoriale  Sanctorum  (Ge- 
ikbnch  der  Heiligen)  zur  Prüfung  vor.  Ihm  schrieb  der  Abt  Spera- 
leo,  damit  er  eine  Schrift  von  ihm  verbessere.  Ueber  das  Leben  des 
laros  sind  wir  auf  Vermuthungen  angewiesen.  Mit  Eulogius  lebte 
}m  Frieden,  mit  Bischof  Saulus  im  Unfrieden.  Er  wollte  die  Eir- 
pobnsse  wegen  einer  schweren  Krankheit  übernehmen.  Von  Verfolg- 
gegen  ihn  ist  nichts  Sicheres  bekannt.  Seine  Haltung  aber 
it  uns  immer  wieder  an  Tertullian.  Er  war  herb,  reizbar,  tadel- 
;,  unzufrieden.  Den  Frieden^  die  Sanftmuth  und  die  Gelassen- 
seines  Freundes  Eulogius  finden  wir  nicht  bei  ihm.  Florez  dagegen 
ite  ihn  in  allen  Tugenden  dem  Eulogius  gleichstellen.  Er  sezt  den 
des  Alvaro  in  das  Jahr  861,  Andere  in  die  Jahre  869 — 870. 

1)  Seine  Confessio  ist  ein  Glaubensbekenntniss,  in  Form  des  Ge- 
an  Gott  gerichtet,  und  zugleich  ein  Bekenntniss  der  menschlichen 

^hheit  und  Schuld.    Sie  ist  nach  Florez  um  860  verfasst. 

2)  Es  folgt  das  „Buch  der  Briefe  des  Alvarus^  welche  einigen,  wenn 

nicht  tiefem  Einblick  in  die  damaligen  Zeitverhältnisse  gewähren. 

sie  sind  vielfach  unverstandlich.    Von  den  zwanzig  Briefen  sind 

von  Alvanis.    Es  sind  sechs  Briefe  gewechselt  zwischen  Alvarus 

dem  vornehmen  Sevillaner  Joannes,  einem  Laien,  wovon  aber  nur 
von  Johannes  sind.  Es  werden  verschiedene  Fragen  hier  behan- 
It,  von  dem  Gebrauch  der  heidnischen  Classiker,  von  dem  Ursprung 
r  Seelen,  über  die  Menschwerdung  Christi.  Der  siebente  Brief  ist 
Abt  Speraindeo,  damit  er  eine  Kezerei  gegen  die  Trinität  und  Gott- 
Christi  bekämpfe.  Im  achten  Briefe  antwortet  lezterer  dem  Al- 
Der  neunte  Brief  ist  an  den  Arzt  Romanus,  um  861,  geschrieben, 
zehnte  Brief  ist  von  einem  ungenannten  Bischof  (Saulus?)  an 
Bischof  (Metropoliten?)  gerichtet.  Der  eilfte  Brief  ist  an  Bischof 
Ins  wegen  der  von  Alvarus  übernommenen  Kirchenbusse  gerichtet, 
zwölften  -Briefe  antwortet  der  Bischof;  worauf  (13)  Alvarus  wieder 
;egnet.  Die  Briefe  14 — 20  enthalten  den  erwähnten  Briefwechsel 
fischen  Alvarus  und  dem  Apostaten  Eleazar. 

F  3)  Das  Werk:  „Indiculus  luminosus^  schrieb  Alvarus  zur  Ver- 
pdigung  der  Märtyrer.  Er  lobt  die  heiligen  Märtyrer.  Dann  (cp.  21) 
wnpft  er  die  Irrlehre  Muhamed's,  der  ihm  ein  falscher  Prophet  und 
BHaufer  des  Antichrist  ist.  Die  nicht  vollendete  Schrift  ist  veriasst 
F'Jahre  854.  —  Ob  einige  Gedichte,  die  in  dem  Codex  der  Schriften 
^  Alvarus  stehen,   von  ihm  stammen,   ist  zweifelhaft.    Vorstehende 

span.  Kirche.  II.  2.  22 


der  Väter",  Augastmus;  „Collattones"  (Gespräche  der 
von  Cassian),  Gregorias  und  Isidor.  Die  hier  angefüh 
Väter  sind  nach  unserer  Annahme  durch  die  Nestoriau 
gekommen,  denn  früher  fanden  sie  sich  nicht  in  Span 
hat  64  (73)  Kapitel. 

Weil  die  Schrift  keine  Beziehungen  zu  der  Gesi 
nien  hat,  wollte  sie  H.  Florez  nicht  herausgeben.  Di< 
veFBchiedenen  aüdem  Verfassern  zugeschrieben  wird  (( 
erschien  nur  einmal  unvollständig  zu  Basel,  ohne  Nai 
sers  und  des  Jahres  (?). 

Eine  Gesammtanagabe  der  Schriften  des  Alvarus 
erschienen.  Vergl.  über  ihn:  Nie.  Antonio,  Vetu»  Bibl 
ep.  8,  p.  475—481.  —  H.  Floraz,  Esp.  sagr.,  t.  Xj 
p.  10  —61.  —  Juan  Gomez  Bravo,  Catalogo  de  loa  obi 
Cord.  1778,  t.  I,  p.  118  eq.  —  Jos.  Christ.  Ernst  B, 
Bischof  von  fiodez),  de  schota  Cordvbae  chrittiana  ai 
diiarum  imperio.    Par.  1855.  p.  59 — 72. 


>)  Esp.  sagr.  XI,  62-80-218—275—290.  Duaua  M 
p.  397—566. 

')  Opera  Enlogii. 

')  lü>er  scinÜliarum  Alvari  Cordubeiuis,  coUeetua  dt 
Tum  patmm. 


Fünftes   Kapitel 


;  Keteh  Asturien  (Leon)  und  die  spanische  Hark  im 

neunten  Jahrliandert. 

§.  1- 

Konig  Alfons  IL,  der  Keusche  (792—842),  führte  eine  sehr  lange    ax- 
relativ  glückliche  Regierung  über  das  Reich  Astarien.    Unter  ihm  '**"■  ^• 
ie  Oviedo  die  Residenz  der  Konige.    Er  machte  viele  Schenkungen 
die  Auschmückung  und   den  Dienst  der  Kirche  von  Oviedo*).  — 
hdem    er   eine   Schlacht   über  die  Mauren   gewonnen,   machte   er 
\se   Schenkungen   an   die  Kirche   von  Lugo^)   in  den  Jahren  832, 
841.  —  Im  Jahre  804  verlieh  er  der  Kirche  von  Valpuesta  (bei 
gos)  ein  Privilegium^.    Im  Jahre  811  bestätigte  er  die  Besizungen 
Klosters  San  Julian  de  Samos  in  Galicien  gegen  die  Eingriffe  von 
tn^).     Alfons,  der  kinderlos  war,  bestinunte  seinen  Vetter  Ramiro, 
Sohn  des  Königs  Bermudo  I«,   zu  seinem  Nachfolger  (842 — 850).  Bamiro. 
en   ihn  erhob    sich   Nepotian,   der  Comes   Pal(xHu    Mit   einem   in 
eien  gesammelten  Heere  zog  Ramiro  gegen  das  aus  Asturiern  und 
3onen  gesammelte  Heer  des  Nepotian.    Nepotian,  von  seinen  Trup- 
verlassen,  wurde  gefangen,  geblendet,  und  in  ein  Erlöster  verwie- 
£in  zweiter  Palastgraf  Avito   (auch  Aldervito),    der  sich  gleich- 
empörte,   wurde   ebenso  geblendet  (845).    Ein   dritter  Palastgraf^ 
iolo,  empörte  sich  mit  seinen  sieben  Söhnen  (848).  —  Die  Frevler 
den  hingerichtet.     Den   Normannen  brachte  Ramiro  im  Jahre  843 


*)  Esp.  mgrada,  t  37,  appendic.  4  et  5. 
^  l.  c.  t  40,  app.  7  et  8. 
*)  t  26,  app,  2. 

^)  Z.  c,  t,  40,  app.  3.  —  cf.  Coleccion  de  documentos  ineditos  para  la 
Tia  de  EspanOy  t.  22,  Madr,  1853  (p,  P.  Sainfi  de  Baranda),  p.  130. 

22» 


glückliche  Kriege  gegen  die  Mauren^).  Im  Jabre  854  unterst 
Aufstand  der  Toletaner,  in  welchen  auch  die  Mozaraber  vem 
Sie  wurden  aber  geschlagen,  und  8000  Chrinten  kamen  Qm.  Eii 
war  mit  seinem  ganzen  Geschlechte*)  zu  dem  Mohaminedaiiis 
len,  empörte  eich  aber  später  gegen  den  Ohalifen  von  Gordal 
lange  Zeit  Glück  und  liess  sich  den  dritten  König  in  Spai 
neben  den  Herrschern  von  Corduba  und  Astarien.  Er  hatt 
Stadt  Albailda  gegründet  Diese  belagerte  Ordonno  I. 
grossen  Heere  kam  Muza  herbei.  Ordonno  griff  ihn  mit 
seines  Heeres  an  und  schlug  ihn.  Hier  sollen  mehr  aU  1 
naten"),  mit  dem  ganzen  Geschlecbte  Garsea  (Garcia),  oI 
meinen,  gefallen  sein.  Muza  kam  schwerrerwundet  ans 
und  erholte  sich  nicht  mehr.  Ordonno  zerstörte  die  Sta 
Lnpue,  des  Muza  Sohn,  der  „Consol  über  Toledo"  wai 
sich  mit  all'  seinen  Leuten,  und  führte  mit  Ordonno  vi 
gegen  die  Mauren.  Ordonno  eroberte  die  Stadt  Coria 
Könige  Keth";  die  Stadt  Salamanca^  „mit  ihrem  Könige  1 
seiner  Gemahl  in".  —  Die  aufständischen  Vasconen  band 
Wieder  hatten  die  Normannen  mit  hundert  Schiffen  die  1 
••Galicien  furchtbar  verheert.  Sie  wurden  durch  den  Gb 
zurückgeschlagen,  und  iubreu  weiter  nach  „Spanien"'),  d 
Seeküste  sie  mit  Feuer  und  Schwert  verwüsteten.     Dann 


*)  adver  sta  üaracenoa  bis  ■proeiiamt  et  vidor  exstitit.  Chron 
•)  /.  c  fabricam  mirae  ptdcritudinis  perfetHque  decarüi  (^ut 


Ordonno  IL,  Alfons  IIL,  866—910.  341 

nach  Africa,  grijSen  die  Stadt  Nachor  in  Mauritanien  an,  und  todteten 
dort  viele  Chaldäer.  Dann  griffen  sie  die  Inseln  Majorica,  Fermentella 
(Fermentera)  und  Minorica  an.  Später  fuhren  sie  nach  Griechenland 
und  kehrten  nach  drei  Jahren  in  ihre  Heimath  zurück. 

Ordonno  bevölkerte  die  von  den  Mauren  verlassenen  Städte  Tude, 
Astorica,  Leon,  und  das  ,,Patricische  Amaja^.  Er  war  so  geliebt  von 
seinem  Volke,  dass  er  den  Ehrennamen  ,, Vater  des  Volkes^  verdiente. 

Am  Tage  vor  seinem  Tode  (an  Pfingsten,  26,  Mai  866)  Hess  er 

seinen  Sohn  Alfons  m.  zum  Konige  krönen.    Die  von  Alfons  II.   der 

Kirche  von  Oviedo  gemachten  Schenkungen  bestätigte   und  vermehrte 

er  im  Jahre  857*),  sowie  er  im  Jahre  860  dem  Bischof  Frunimius  von 

;  Lieon  verschiedene  Güter  überwies*). 

§.  2. 

Alfons  HL,  der  Grosse,  Konig  von  Asturien,  zählte  bei  seinem 
Regierungsantritte  erst  18  Jahre.  Aber  seltene  Fähigkeiten,  erlangte 
Kenntnisse  und  Erfahrungen,  da  er  4  Jahre  lang  Mitregent  seines 
Vaters  gewesen,  auch  körperliche  Vorzüge  zeichneten  ihn  aus.  —  Der 
Chraf  Froila,  unter  dem  Galicien  stand,  erhob  sich  and  zog  gegen 
Oviedo.  Er  nahm  zwar  die  Stadt  ein,  wurde  aber  in  Bälde  ermordet. 
Alfons  nahm  nun  seinen  Wohnsiz  in  Leon.  Er  befestigte  sich  in  dem 
Besize  des  von  seinem  Vater  ererbten  Reiches  und  erweiterte  es  durch 

r 

Broberungen.  Er  unterwarf  sich  die  bedeutendsten  Städte  Lusitaniens, 
_*drang  über  den  Duero,  den  Tajo,  selbst  bis  über  die  Guadiana  in  der 

Nähe  von  Merida.  Am  Oxifer,  einem  Ausläufer  der  Sierra  Morena, 
^  erfocht  er  über  die  Mauren  einen  glänzenden  Sieg.    Den  Christen  war 

die  Aussicht  eröffiiet,  ganz  Spanien  wieder  zu  erobern.  Die  verlasse- 
.  Hen  Grenzstädte  stellte  er  wieder  her  und  bevölkerte  sie,  u.  a.  Zamora, 
,  Sijotiancas,  Duenas  und  den  Landstrich,  genannt  Campi  Gothorum,  bis 
%n  den  Duero.  Viele  feste  Burgen  und  Kirchen  wurden  erbaut.  Die 
^arch  den  Grafen  Didacus  auf  Befehl  des  Königs  befestigte  und  be- 
völkerte Stadt  Burgos  war  eine  Schuzwehr  des  Reiches  gegen  Osten. 
Cä-egen  die  Angriffe  der  Normannen  baute  er  das  Castell  Gauzo  am 
^»antabrischen  Meere,  das  nahe  bei  dem  Seehafen  Gijon  lag.  Trozdem 
tiatte  Alfons  III.  stets  gegen  Empörungen,  selbst  seiner  eigenen  Brüder, 
^alezt  seiner  Gemahlin  und  seiner  Söhne  zu  kämpfen. 


')  E9fp,  sagr.  t.  37,  app.  10. 
*)  ib.  t  34,  append.  1  (2). 


des  Eoderic.  Ximenes  fiir  die  höcbete  Ehre  —  von  ( 
nigs  Wamba,  and  wollte  sie  bis  zu  der  Zeit  des 
Sohnes  Alfons  HI.,  fortsezen.  Es  geht  ein  kurzer  Br 
Sebastian  voraus,  worin  er  ibn  an  die  Ausfnhmag  st 
ihm  Sebastian  dnrch  den  Priester  Dtücidius  mitgetb 
scheint '). 

Aber  Isidor  konnte  seine  Chronik  der  Gotbea  u 
König  Wamba  fortsezen.  Vielmehr  haben  verschic 
Verfasser  die  Cbromk  Isidor's  fortgesezL  Alfons  & 
unklaren  Briefe  dem  Sebastian  Beitriige  für  dieses  Gl 
sprechen.  Sebastian  und  Alfons  berufen  sich  nur  ax 
richte  und  üeberliefernngen.  Es  ist  indess  klar,  da 
uns  bekannten  schriftlichen  Qn eilen  schöpfen.  Von 
Königen  der  Gothen  weiss  der  Chronist  Weniges  tu 
Der  Chronist  erzählt,  dass  man  zu  seiner  Zeit,  ah 
Christen  wieder  bevölkert  warde,  dort  in  einer  Kir 
mit  der  Inschrift  gefunden  habe:  „Hier  ruhet  Bndei 
Gotheu"^.  Es  ist  möglich,  dass  die  Gothen  den  Leid 
in  dem  Flosse  Gnadalete  wieder  fanden,  and  ibn  1 
bis  Viseo  führten. 

Der  Chronist  kommt  an  Felagins.  Die  Christen 
durch  das  Schwert,  sondern  aach  durch  den  Hunger 
Pelagius  verbarg  sich  in  der  Hohle  „der  heiligen  Ma 
hielt  eine  Anrede  an  ihn,  worauf  Felagins  sehr  gerne 
risch  antwortete.     Nach   dieser  Darstellung  lüttte  sit 


K 


Ghronicon  Albeldense.  343 

in  der  Hohle  eine  Kirche  der  Mntter  Gottes  befunden,  welche  doch 
erst  später  dort  erbaut  wurde.  124,000  „Chaldäer^  fielen,  63,000  aber 
flohen,  und  „entflohen  nicht  der  Rache  des  Herm^.  Denn  ein  Berg 
erhob  sich,  stürzte  sich  auf  sie,  und  begrub  60,000  in  dem  Flusse,  wo 
man  heute  noch  ihre  Waffen  und  Gebeine  sieht.  „Es  geschah,  was 
mit  den  Aegyptiem  im  rothen  Meere  geschah^. 

Von  Alfons  I.  sei  „Bardulien",  welches  jezt  Castella  (Alt-Casti- 
lien)  heisse,  bevölkert  worden.  —  fVoila  erfocht  viele  Siege  gegen  „den 
j    Feind  von  Corduba**.    Diese  Chronik   redet   stets   von   „Spanien**   als 
,    von  einem  fremden,  d.  i.  den  Mauren  unterworfenen  Lande.    Die  Chro- 
^  nik  selbst  reicht  nur  bis  zum  Jahre  866,   oder  zum  Anfange   der  Re- 
gierung Alfon's  TTT. 

Die  Chronik  gab  zuerst  Prud.  Sandoval  heraus,  (Cinco  ohispos, 
;  1615  (1634);  eine  bessere  Ausgabe  gab  Juan  de  Ferreras,  Historia  de 
Eapana,  t.  16,  Matr.  1727,  append.  9.  —  Dieser  folgte  die  Ausgabe 
des  Florez,  Esp.  aagr,,  t.  13  (secund.  edity  1816),  append.  7.  — 
„Chronicon  dd  obispo  Sebastiano^,  p.  467 — 477.  Text  des  Chron. 
p.  477—492. 

§.   4. 

Das   Chronicon  Albeldense,  oder  auch  Emilianense,  ist  die  zweite  ckrm 

Quelle  der  Geschichte  dieser  Zeit.    Es  hat  zuweilen  den  Titel  Chroni-  ^^ 

^  cm  des  Dulcidius.    Jos.  Pdlicer  gab  es  zuerst  unter  diesem  (unächten 

Titel)  heraus  (Didcidii  presbyteri  Toletani  chronicon.  Barcinone,  1663,  4^.) 

—    P«  Joseph  Moret^)   nennt   dasselbe    desswegen    Chronicon  Aemüia' 

L.  nense   oder   von   S.  Millan ,    weil   es   in   dem  Archive   dieses  Klosters 

gefunden  wurde.     Denselben  Titel  gaben  ihm  Franc.  Bergamd^),   und 

^  der  Benedictiner  «7uan  ddSaz^),  weil  sie  dasselbe  aus  zwei  gothischen 

fiandschriften  des  Klosters  S.  Millan  abgeschrieben  hatten;   H.  Florez 

20g  den  Namen  Chronicon  Albeldense  (auch  Ahddense  und  Albaildense) 

vor,    weil   Juan    P,  PereZj   Juan    Vazquez  de  Marmol,  Mariana  und 

Jfirreras*)  sich  dieses  Namens  bedient  hatten,  weil  das  Chronicon  sich 

zCiemer  in  dem  berühmten  Codex  der  Concilien   befand,   der  aus  dem 


')  J.  de  Moret,  InvesHgacumes  historicas  de  las  aniigtüdades  del  reyno 
de  Navarra,  Pamplona,  1665,  fol.  —  cf.  l,  II,  cp.  2. 

*)  Chronicon  Emüianense,  ap,  Franc  Berganza,  Antiguedades  de  Espana, 
jpropugnadas  en  las  noticias  de  sus  reyes,  y  condes  de  CastiUa  la  vie^a;  en  la 
historia  del  Cid  Campeador,  y  en  la  Cronica  del  monasterio  de  iSan  Pedro  de 
Cardenna,  Madrid,  1719  el  1721,  2  vol.  f.  {t.  11,  p.  648), 

')  Chronic,  de  Espana  Aemüianense,  cum  notis  Joann.  dd  8az,  Madrid, 
1724,  S\ 

*)  Juan  de  Ferreras,  Histcyria  de  Espana,  t  XVI,  1727,  p.  66, 


344  Netmtcs  Buch.    Ffinßes  Kapitel. 

Kloster  Albelda  staaimt,  und  sich  im  Esciiiial  befand,  aber  auch  von 
ciuem  Mönche  jenes  Klosters  „Virgilanus'*  heisst,  der  denselben  im 
Jahre  976  geschrieben  hat ').  König  Ordonno  I.  zerstörte  die  von  Muzi 
gegründete  Stadt  Albailda,  2  Leguaa  von  Logronno  gelcgeu.  Im  folgenden 
Jahrbiindtirtc  wurde  hier  ein  Kloster  des  heiligen  Bischofs  and  Betenneis 
Martinua  von  dem  Könige  Smicho  Abarca  von  Navarra  gegründet;  du 
KJoBter  aber  {wie  der  mebrerwälinte  Codex  der  Concilieu)  biege  M.  AM 
rfeniri").  Pclllcer  hielt  den  Priester  Dulcidias  von  Toledo  für  den  Ver&ssa. 
In  der  That  kommt  er  ain  Schluas  des  C'hronicon  vor,  aber  es  heisi 
nicht  von  ihm,  dass  er  dasäclbe  geschrieben  habe,  sondern:  „Vtae 
König  (AlfoDs  ni.)  sandte  als  seinen  Legaten  den  Priester  Dulciduis 
ans  der  Stadt  Toledo  mit  Briefen  an  den  König  (Maliamed)  von  Coi- 
dnba  im  September  des  Jahres  883,  von  wo  er  in  diesem  Monai  Ko- 
rember  nodi  nicht  zurückgekehrt  ist" ').  Ebenso  enrähnt  Alfoss  IE 
in  seiner  angeführten  Vorrede  einen  Priester  Dnlcidins,  als  MittelsmiB 
zwischen  ihm  und  dem  Bischof  Sebastian.  Aber  der  Schreiber  d« 
ChroDicon  redet  von  Dulcidius  als  von  einer  dritten  Person.  —  P.  Sb 
hält  D.  Roman,  Prior  von  S.  Millan,  für  den  VeriäsBer  des  Chnmio« 
weil  Roman  im  Jahre  871  über  die  Psalmen  Davids  schrieb.  Vorlü^ 
ist  der  Verfosser,  der  im  Grebiete  Alfona  IIL  schrieb,  unbekannt  D« 
Kloster  Albelda  wurde  mehr  als  40  Jahre  nach  dem  Jahre  883  £^ 
gründet  Der  Mönch  Vi^a  von  Albelda  aber  hat  das  Chronicon  tktS- 
weise  bis  zu  sräier  Zeit  (976)  fortgesezt  Das  (Jhronicon  bis  qi.  ff 
wurde  im  Jahre  881  geschrieben.  Der  Verfasser  benüzte  den  lödv 
von  Sevilla. 

Voran  steht  eine  sehr  kurze  und  seltsame  Geographie'*).  Es  fd^ 
die  D.irstellung  von  Spanien"),  wo  wir  erfahren,  dass  die  „Zucht  oi 
die  Wissenschaft  von  Toledo"  ausgehe*),  wenigstens  in  der  Zeit  (fa 
Gothen.  Noch  kleinere  Abschnitte  verschiedenen,  vielleicht  zerstrenta 
Inhalts  folgen.  Darunter  werden  die  im  Jahre  881  lebenden  Biscbä 
des  Reiches  Asturien  genannt^).  Mit  gelungenen  Versen  wird  Alfona  ID' 
gefeiert,  der  der  ganzen  Welt  bekannt  geworden  sei,  berühmt  hei  d« 


')  DsB  Kloster  hiess  früher  von  dem  obeo  erwäfantea  Muza  Albailda  (A 
weisse  nnd  schOoe  Stadt). 

*)  Einige  sohreiben  Alvelda  statt  Albelda,  tezteres  aber  zieht  Flore:  ib 
conformer  der  Etymologie  vor.  Das  Alter  des  im  Jahre  976  geschriebenen  Cü*i 
ist  bekannt,  nicht  aber  das  der  zn  San  Millan  gefundenen  M.  S.,  die  wahrscherDlJi* 
jÜDgeren  Datums  sind. 

')  Chron.  Alheldense,  cp.  75. 

')  Keqw'gitio  totiits  mundi. 

')  expositio  Spaniae. 

')  Mel  de  Qallicia.     Disciplina,  atque  ncientia  de  Toledo. 

')  cf-  §  9 


Chronicon  Albeldense.  345 

oriem,  stark  anter  den  Vasconen,  Rache  übend  an  den  Arabern, 
Izend  die  Bürger.  Es  folgen  die  romischen  Konige  nnd  Kaiser  von 
ms  Cäsar  an,  der  „vier  Jahre  Imperator^  war.  Philippus  sei  der 
e  christUche  Kaiser  gewesen,  „er  glanbte  an  Christus  im  Jahre 
t€Süd  der  Stadt^  Rom^).  Jolianns  ist  „ans  einem  Kleriker^  Kaiser 
Heide  geworden,  und  hat  „die  Idole  angebetet^.  Aus  Liebe  zu 
ianus  „ist  das  ganze  Heer  christlich  geworden^.  —  Die  Berichte 
r  die  westgothischen  Konige  in  Spanien  sind  sehr  mager. 

Ausfuhrlicher  wird  die  Erzählung  von  Pelagius  angefangen,  und 
Les  findet  sich  wieder,  was  in  der  Chronik  Sebastian's  steht.  Der 
Ctfser  scheint  in  Oviedo  längere  Zeit  gelebt  zu  haben.  Alfons  H. 
j^die  ganze  Ordnung  der  Gothen,  wie  sie  in  Toledo  gewesen,  zu 
iU>  sowohl  in  der  Kirche  als  in  dem  Konigspalast  eingeführt^. 
imir  hat  den  „Magiern  durch  Feuer  ein  Ende  gemacht^.  Damals 
anen  die  Lordomanen  (Normannen)  zuerst  nach  Asturien^.  Dem 
dien  Nepotian  und  dem  Tyrannen  Aldoitrus  hat  er  die  Augen  aus- 
ben  lassen^. 

§.  5. 

Wir  komen  hier  noch  einmal   auf  das   sogenannte  Chronicon  Pa-  chroni- 
B  zurück.    Die  beiden  vorerwähnten  Chronisten  hatten  keine  Kennt-    ^^^' 

▼on  demselben.  Ich  halte  den  sogenannten  Pacenser  für  einen 
Utalen,  für  einen  Nestorianer,  oder  wenigstens  orientalischen  Chri- 
^  der  um  das  Jahr  740  mit  dem  grossen  Heere  der  Araber  zuerst 
it  Afrika,  und  dann  mit  dem  Heere  des  Baldri  nach  Spanien  kam. 
aoner  eigenen  uns  nicht  erhaltenen  Schrifl  hat  er  den  Krieg  des 
t]to8^  (Kouldoun)  gegen  die  aufständischen  Mauren  oder  Berbern 
inrieben.  Ein  Spanier  konnte  diess  nicht  leisten.  In  seiner  uns 
ütenen  grosseren  Chronik  zeigt  er  eine  Kenntniss  der  arabischen 
bfaichte,  welche  ein  Spanier  jener  Zeit  nicht  erlangen  konnte,  nicht 
Igt  hat.  Die  gereimte  Prosa,  in  der  er  schrieb,  kam  bei  den 
niem  nicht  vor,  wohl  aber  bei  den  Orientalen.  Er  schrieb  1)  ein 
Hne  temporum,  das  wenigstens  bis  740  reichte  (cp.  70).  2)  Die  uns 
Itene  Chronik  der  griechischen  Kaiser,   der  Araber   und  der  Spa- 


*)  Er  benQzt  nicht  nur  den  Lsidor,  sondern  anch  den  Idatins. 

^  oculos  ab  eorum  frontibus  ejecit.  Die  Aehnlichkeit  des  Inhalts  mit  dem 
•nicon  Sehastiani  lässt  mich  vermnthen,  dass  die  Verfasser  beider  Chroniken 
"^nd  einer  Verbindung  stehen,  z.  B.  die  erstere  Chronik  der  Entwurf  oder 
^beit  Alfons  III.  oder  des  Dalcidias,  leztere  (Chron.  Albeldense)  das  Werk 
«dan's  sei.  —  Florez,  XIII,  (Jhronicon  Albeldense,  17 -432-^466.  -d  4, 
^ozy,  Rcherches  etc.,  t  I,  p,  16-^23. 


MeUto  and  Mflita.  347 

r.  ^QiUk^  und  „Mdito^  kann  dieselbe  Person  sein  und  derselbe 
Ktto^,  der  Vor  dem  Jahre  799  den  Elipandus  nnterstüzte,  kann 
jitfiisser  der  Chronik  des  Melito,  oder  der  Ueberarbeitnng  des  ächten 
klor,  Fortsezer  der  Chronik  des  Johannes  von  Biclaro,  und  Verfasser 
t  Chronik  des  sogenannten  Isidor  Pacensis  sein. 

Zwei  starke  Bedenken  heben  sich  bei  näherer  Betrachtung.  Wenn 
Kta  oder  Melito  noch  im  Jahre  799  lebte,  warum  hat  er  denn  seine 
todSJl  nur  bis  zum  Jahre  754  fortgeführt?  Ich  antworte,  im  Jahre  756 
len  die  Ommajaden  und  Abderrahman  I.  zur  Regierung,  welcher 
agstens  in  der  spätem  Zeit  die  Christen  verfolgte.  Die  Zeit  des 
ii  lebenden  und  zu  Corduba  noch  herrschenden  Königs  mag  Melito 
Mschreiben  nicht  für  rathsam  gehalten  haben.  Denn  er  musste 
und  unter  den  Arabern  leben.  Zweitens:  wenn  Melito  um  das 
r  740  nach  Afiika  und  Spanien  kam,  wie  konnte  er  noch  im 
ra  799  als  Schriftsteller  thätig  sein,  und  dem  Elipandus  „vier  Qua- 
iimen^  Schriften  zusenden?  Er  konnte  es.  Wenn  er  im  Jahre  740 
2eit  seiner  Auswanderung  aus  Syrien  25  Jahre  zählte,  so  konnte 
m  Orient  seine  vollständige  theologische  und  historische  Ausbildung 
■gt  haben,  die  er  zu  Corduba  verwerthen  und  erweitem  konnte, 
bt  nicht  nothwendig  anzunehmen,  dass  er  seine  „vier  Quatemionen^ 
Ijbi  Jahre  799  schrieb,  er  kann  sie  auch  im  Jahre  797  oder  noch 
Br  geschrieben  haben,  im  Jahre  797  aber  zahlte  er  gerade  82  Jahre. 
Nun  tritt  uns  im  Jahre  799  Elipandus  mit  82  Jahren  in  vollster 
ttrischer  Waffenrüstung  entgegen.  Den  ganzen  Sommer  dieses 
ries  schreibt  er  unermüdlich.  Was  das  Feuer  verzehrt  hat,  schreibt 
ttrerdrossen  zum  zweiten  Male.  Was  Elipandus  mit  82  Jahren 
■n  konnte,  das  konnte  auch  „Bruder  Milita^  mit  82  Jahren  voU- 
11^.  So  spreche  ich  denn  die  Yermuthung  aus,  dass  er  der  Ver- 
ar  der  verschiedenen  erwähnten  Chroniken,  zugleich  Helfer  des 
iftndus  gewesen,  vielleicht  auch  Verfasser  des  gelungenen  Aufsazes 
Migetius. 


§.  6. 

In  dem  uns  vorliegenden  Zeitraum  sollen  4  Concilien  zu  Oviedo 
gefunden  haben.  Das  erste,  ohne  Unterschriften  der  Bischöfe,  vom 
e  791,  dürfte  apokryph  sein.  S.  Aguirre  hat  die  Akten  eines  (des 
sn)  angeblich  im  Jahre  811  gehaltenen  Concils  mitgetheilt,  an 
n  Aechtheit  die  Mehrzahl  der  Spanier,  u.  a.  auch  Buriel  S.  J.  und 
«OS  gezweifelt,  das  erst  Risco  (1789)  und  neuestens  (1859)  Tejada 
uniro  vertheidigen.  Die  versammelten  Bischöfe,  und  mit  ihnen 
ig  ^dephonsus  der  Keusche^  ^),  haben   den  Rath   des  frömmsten 

^  So  wird  er  hier  schon  zu  Lebzeiten  genannt. 


Bischöfe  im  nennten  Jahrhundert.  349 

^)ttigenen  S&nden  gefallen^),  und  der  Herr  hat  Asturien  anserwählt. 
&  den  Bergen  von  Astarien  können  bequem  20  Bischöfe  leben  und 
'm  Unterhalt  finden.  Sie  sind  auf  Geheiss  und  den  Ruf  des  römi- 
AEi  Bischofs  Johannes  versammelt  in  Oviedo.  Ein  Papst  Johannes 
B  im  Jahre  707  und  ein  anderer  Johannes  in  den  Jahren  872 — 882; 

ist  dieses  Ooncil  im  besten  Falle  interpolirt  oder  verstiimmelt. 
■  j^Privilegium**  selbst  ist  vollzogen  worden  am  14.  Juni  der  Era  849 
äfE^Sll)^).  Unterzeichnet  ist  Adefonsus,  der  König,  Adulfus,  Bischof 
'rOriedo,  Theodemir,  Bischof  von  Columbria,  Argimundus  von 
moTBy  Didacus  von  Tude,  Theoderindus  von  Iria,  Wimaredus  von 
B^  Oomellus  von  Astorga,  Vincentius  von  Leon,  Abundantius  von 
ptia,  Joannes  von  Osca. 

»  Adulfus  ist  der  erste  Bischof  von  Oviedo;  das  Bisthum  selbst 
li  das  Erzbisthum)  wurde  in  den  Jahren  802 — 812  errichtet.  Ein 
Imn  Columbria  besteht  nicht.  Entweder  ist  hier  das  Bisthum 
nbra  oder  Dumium  (nach  Mondonnedo  verlegt)  gemeint.  Argimun- 
^TOn  Bracara  wird  nur  hier  genannt.  Ein  Bischof  Didacus  von 
P  erscheint  sonst  in  den  Jahren  890 — 900,   möglich,   dass   ein  an- 

Didacus  80  Jahre   früher  lebte;   Bischof  Theoderindus   von  Iria 

lleicht  jener  Theodemir,   zu    dessen  Zeit  der  Leib  des   heiligen 
entdeckt  wurde.    Bischof  Wimaredus   von  Lugo  kommt  nur 

ror.  Gomellus  von  Astorga  erscheint  sonst  nach  850,  ebenso 
5  im  Jahre  852  Oviedo  einen  Bischof  Gomellus.  Im  Jahre  900 
yi  sich  ein  Bischof  Vincentius  von  Leon,  aber  nicht  im  Jahre  811. 
^Bischof  Abundantius  von  Palentia  erscheint  nur  hier;  sonst  besteht 
^>  Jahre  693  bis  1035  eine  Lücke  in  dem  Kataloge  der  Bischöfe  von 
pitia.  Endlich  —  ein  Bischof  Joannes  von  Osca  erscheint  nur  hier; 
^gen  um  das  Jahr  800  Bischof  Nitidius,  um  das  Jahr  802  ein 
shof  Frontinian,  809  ein  Ferriolus.  Die  erwähnten  10  Bischöfe 
SD  wohl  nicht  alle  im  Jahre  811  gelebt;  wenn  aber  auch  alle,  so 
oisen  die  Unterschriften  nicht  die  Aechtheit  der  Synode.  Bei  den 
liofen,  die  sonst  nicht  vorkommen,  können  wir  weder  beweisen, 
I  sie  damals  gelebt,  noch  auch,  dass  sie  nicht  gelebt  haben,  an 
llachtsgründen  aber,  dass  auch  diese  Namen  theilweise  fingirt  seien, 
I  es  nicht  ^). 


*)  jvdicio  autem  divino  propter  peccata  retroacta  cecidit  Toletus. 

•)  actum  Privilegium.  —  D.  i.  Der  Kirche  von  Oviedo  ist  das  Privilegium, 
Vorrecht,  Metropole  .za  sein,  an  dicBem  Tage  zugesprochen  worden.  Hier 
■dt  das  Wort  ^privilegivm^  in  demselben  Sinne  vor,  wie  oben  in  dem  Briefe 
Bischofs  Montanus  von  Toledo  an  die  Palentiner  (IIa,  S.  440). 

*)  Florez,  t  4,  tract.  3,  3,  p,  6;  §.  4;  t  2G;  Bisco,  t.  34,  cp.  7.  Derselbe, 
7  jfdisertacion  sobre  el  concilio  Ovetense*^  (ap.  Äguirre,  II,  155),  p,  166— 


360  Achtes  Bnch.    Fünftes  Kapitel. 

§•'• 

lodB  Zur  Zeit  des  KÖuigs  Ramiro   (842 — 850)    wurde    ebe  Sy 

"  Astorga  gebalten.  Zugegen  war  der  König  Ramiro,  nod  der 
NovidinG  von  Astorga.  Eb  wurde  bestimmt,  dass  dem  Biathnm 
alle  jene  Bezirke  und  Pfiirreien  wieder  zufallen  sollen ,  welche  e 
den  Einfall  der  Sarazenen ,  und  an  beuacbbarte  Bistbümer  verlor 
Zugleich  wurde  dae  Bistbum  Simancas  nach  sehr  kurzem  Bestand 
unterdrückt.  Nacb  Jahrhunderten  tiat  au  die  Stelle  von  Simai 
Bisthum  Valadolid.  KÖnJg  Ordonno  beätatigte  dem  Bischof 
diese  Rückerstattungen,  „und  in  seinen  Zeiten  erwählte  er  no< 
Bischof  in  der  Stadt  Septimanca,  aber  einen  andern  Bischof 
nicht  mehr".  Im  Jahre  974  wurden  diese  Beschlüsse  wieder  bcf 
In  die  Jahre  872 — 876  soll  ein  weiteres  ConcU  von  Ovi 
fallen  sein,  in  dem  auf  das  Neue  Oviedo  zur  Metropole  eriiobt 
dieses  Concil  fand  aber  wahrachetnlich  erst  später,  oder  garnii 


BiMhBiu  Auf  üdoarius,   den  Erzbischof  von  Logo,   gestorben  786 

"""  Odo,  Bischof  voll  Lugo  und  Braeaia,  wdcher  diese  Städte  . 
Rechte  seiner  Vorgänger  innehatte".  Er  scheint  Bischof  ulitr  I 
Galiciens,  von  Dumium,  Bracara,  Tude,  Orense  und  Iiia  gi\* 
sein.  Nach  ihm  folgte  vielleicht  der  oben  zum  Jahre  Sil  ; 
Wimaredus.  Nach  dem  Jahre  811  begegnet  uns  „Atlmlt'i 
Orense  und  Braga;  im  Jahre  835  Froylan.  Nach  der  Wieder 
ung  der  Städte  Braga  und  Orense,  wurde  das  Bisthum  Braga 
Neue  an  Lugo  übertragen,  so  dass  Lugo  Metropole  aller  ^ 
Galicien  und  „Portucalien"  war.  Im  Juli  BÜl  erscheint  Gladil 
Bischof  von  Bracara  und  Lugo;  im  Jahre  807  Flavianus  ;!l> 
von  „Brachare".  Ihm  folgte  Kcccaredus,  „welcher  Alles,  h: 
Vorgänger  besassen,  festhielt"-}.  Vom  Jahre  875  wird  KcL-ar 
Metropol itanbi 3 chof  von  Lugo  genannt,  bis  zum  Jahre  92o. 

193.  —  Tejada  y  Ramiro,    Concilios  de  Espaäa.  III,  p.  7—21   (Ab- 
AbhaodluDg  Uisco's). 

')  Esp.  sagr.,  t.  XVI,  2  edic,  p.  315—316;  ajipendicc  nr.  10.  - 
y  Ramiro,  Concilios,  t.  III,  p.  26—27. 

'1  qni  tributa  sibi  omnia  viiidicavit. 


Bischöfe  von  881-883.  351 


§.  9. 

In  dem  Chronicon  Albddense  besizen  wir  ein  Yerzeichniss  der 
fkofe  Asturiens  vom  Jahre  881 — 883.  Den  königlichen  Siz  hatte 
(menegild 'inne.  Er  war  im  Jahre  881  Bischof  von  Oviedo,  nnd^wedo, 
i  noch  891.  Erst  im  Jahre  905  erscheint  sein  Nachfolger  Gomellns. 
knus  war  Bischof  von  Braga,  er  hatte  den  Titel  von  Braga,  wohnte 
f  in  den  Bergen  von  Asturien.  Er  kommt  hier  und  bei  dem  Bis- 
1  LfUgo  vor  im  Jahre  867.  Risco  dagegen  meint,  so  ähnlich  auch 
Name  Flajanus  dem  des  Flavianus  sei,  so  seien  doch  zwei  Perso- 
za  unterscheiden*),  weil  ja  im  Jahre  881  Flavianus  von  Bracara'ßraciir» 
ebend  neben  Recafred  von  Lugo  angefahrt  werde,  was  sich  nicht 
irklichen  konnte  ausser  durch  den  Tod  seines  Vorgängers  Flavia- 

ivie   man  in  dem  alten  Kataloge   der  Bischöfe   von  Lugo   lese: 

Flavian  gestorben  war,  folgte  ihm  Beccaredus  nach^;  Flavian  sei 
wenigstens  im  Jahre  875  schon  todt  gewesen.  Ich  aber  bin  ge- 
(,  in  Beiden  Eine  Person  zu  finden,  annehmend,  dass  Flavian  meh- 
JTahre  vor  seinem  Tode  resignirt,  und  sich  mit  dem  Titel  eines 
^afüB  von  Braga  begnügt  habe.  Denn  der  Name  Flajan  oder 
kn  kommt  sonst  nur  hier  vor,  und  wir  finden  gerade  im  neunten 

zehnten  Jahrhundert,  dass  manche  Bischöfe  von  Asturien  firühe 
jEarien,  und  noch  viele  Jahre  in  Klöstern  lebten,  so  der  heilige 
oadius  von  Astorga  (um  929),  Bischof  Maurus  von  Leon  (um  904), 

l^achfolger  Cixila  U.,  der  sich  schon  im  Jahre  914  in  das 
fter  des  heiligen  Cosmas  zurückzog,  und  wenigstens  bis  zum 
p  938  lebte,  dessen  Nachfolger  Fronimius  ü.,  der  schon  928 
qvorückzog,  aber  noch  953  lebte,  so  dass  es  eine  Zeit  lang  drei 
liofe  von  Leon  gab,  femer  Bischof  Yelascus  von  Leon,  der  um 
'resignirte,  auch  der  heilige  Rudesindus  von  Dumium,  der  im 
e  d42  seinem  Bisthum  entsagte,  und  erst  35  Jahre  später  starb. 

^Seccaredus  war  im  Jahre  881  Bischof  von  der  Burg  Lugo^; 
gauros  aber  von  Dumium,  der  zu  Mondonnedo  wohnte;  denn  umDamium 
Jshr  866  war  Bischof  Sabaricus  von  Dumium  in  das  nördliche 
[den  geflohen,  und  seine  Nachfolger  nannten  sich  mehrere  Jahr- 
lerte  Bischöfe  von  Dumio.  Es  ist  aber  zu  beachten,  dass  nach 
m  Zeugnissen  Rudesindus  I.  in  den  Jahren  877 — 907  Bischof  von 
iiom  war.  Es  ist  demnach  möglich,  dass  Tudemir  zwar  in  den 
en  881 — 883  diesen  Titel  führte,  aber  in  der  Nähe  von  Oviedo  in 
n  Kloster  wohnte,  wie  manche  andere  Titular-Bischöfe  jener  Zeit. 

Im  Jahre  881 — 883  war  Sisnandus  I.  Bischof  von  Iria,  ^mächtig 


')  Esp.  sagt.,  t,  40,  p.  122. 


Bteus  bi8  zum  Jatu-e  üfH.  üjT  hatte  als  ISactitoIger  im  . 
Bischof  Censericus,  Censericus  aber  hat  die  Aasstatt 
tham  aaf  schmäUiche  Weise  vergeudet,  sogar  verkauft, 
Meistbietenden  den  Preis  in  Empfang  genommen"). 
Weggange  war  nnn  im  Angust  886  Somna  der  dritte 
Orense*),  welcher  am  28.  August  886  von  dem  Könige 
nngen  seines  Bisthams  durch  eine  neue  Stiftougsarktu 
sen  wurde.  Schon  im  Jahre  899  erscheint  Effia  als 
Orense,  und  die  Bischofsreihe  -des  zehnten  Jahrhunderts 
brochen  fort,  so  daiSS  vielleicht  Orense  eines  der  wenif 
ist,  von  welchem  wir  seit  seiner  Wiederherstellung  um 
bis  zu  seiner  zweiten  UnterbrechuDg  oder  Zerstörung  d 
falle  der  Normannen  am  das  Jahr  977  sammtliche  Bise) 


'}  Ädvettiente  Sebastiano  ArdKAientis  peregrino  Epiacopo, 
bona  mirahüittr  hone  Sedem  (t.  e.  Aurienaem)  Uli  concMnmta, 
eexiemam  antütea  fuit  {f).  —  Esp.  sagr.  1 17,  2  edii.,  p  235  (Ad 
Aurienaem  Eedeaiam  et  ejiia  doUm  inatatirat  atmo  Regni  ejy 
Atigusto,  (^riati  88S).  Die  Worte:  qui  primua  idem  Eccleaiani 
Bcheinen  xü  bedeoten,  dasB  Sebutianas  der  erste  Bischof  des  wii 
Orense  war,  —  denn  Alfons  III.  fährt  fort:  post  pasaaHonem  vitae 
cum  tn  toeo  ejt«  Epiaeopum  ordinavänita, 

']  Sed  profanator  Anüatea  Ceaaericwi  maligno,  et  tnuna 
arreptua  beneficio  non  sohimviodo  vi»us  est  noslra  pia  diaao 
etiam  in  tanta  inhaesit  veeania,  tä  ipsam  ecdesiae  dotem  diasip 
HcücUion&n  cum  precio  ab  emptoribua  accipere.  —  Und  wiedei 
factom  EccUaiaa  iaxavimus,  malitiase,  id  superius  diximua,  et  a 


Bisthnm  Attorga  und  Leon«  353 

Jostus  war  im  Jahre   881 — 883  Bischof  von  Portacale,   wohnte  Porta- 
r  in  Astnrien.  — ;  Alvaros  wird  Bischof  von  Velegia  genannt.    Ein    *^** 
rlies  Bisthnm  kennen  wir  nicht.    In  dem  Jahre  876 — 877  erscheint 
r   ein   Titularbischof  Theodemir    „Vesensis",   d,  i.   Ton  Viseo,   und  ^^•®- 
der  im  Jahre  905   trägt  Gundemir  den  Namen    „Yesensis^.     Statt 
ftle^ia''  ist  also  vielleicht  ^Veseo^  oder  „Yesea^  zu  lesen. 

Felmirus,  auch  Vellemirus  und  Felemirus  war  im  Jahre  881 — 883 
diof  von  Osma,  konnte  aber  wahrscheinlich,  wie  hundert  Jahre  ^■"^** 
hier  Etherius,  in  seinem  Bisthume  nicht  wohnen,  wohl  aber  Bischof 
mllbs  von  Astorga,  der  in  den  Jahren  881 — 898  mehrfach  genannt 
L  In  den  Jahren  841 — 881  erscheinen  vier  Bischöfe  von  Astorga.  ^^rs** 
ft  693  (oder  711)  bis  841  ist  die  Bischofsreihe  unterbrochen,  und 
leicht  hat  das  Bisthum  etwa  ein  Jahrhundert  lang  au%ehort. 

§.  10. 

läne  eigenthümliche  Erscheinung  bietet  das  Bisthum  Leon  dar. 
kette  einen  Bischof  im  Jahre  306;  dann  scheint  in  der  ganzen  Zeit 
^:  €k>then  das  Bisthum  Leon  eingegangen  zu  sein.  Die  Spanier,  l^ob. 
Hke  diess  nicht  zugeben  wollten,  aber  doch  nicht  läugnen  konnten, 
B^enf  keiner  Synode  nach  306  bis  zum  Jahre  693  ein  Bischof  von 
m  unterschrieben  sei,  haben  sich  daran  erinnert,  dass  Leon  ein 
■ites  Bisthum  sei,  und  seine  Bischöfe  von  dem  Besuch  der  Con- 
QD  dispensiii  gewesen  seien.  Sie  haben  aber  nicht  bewiesen,  dass 
rom  vierten  bis  siebenten  Jahrhunderte  in  diesem  Sinne  exemte  Bis- 
■eer  in  der  katholischen  Kirche  gegeben  habe.  Dagegen  begegnet 
^eehon  um  das  Jahr  792  ein  Bischof  von  Leon^  und  die  Errichtung 
ikm  Bisthums  scheint  noch  in  das  achte  Jahrhundert  zurückzureichen, 
^gleichzeitig  mit  der  Errichtung  des  Bisthums  von  Oviedo  zu  sein. 

Jahre  792  wird  Bischof  Suintila  genannt;  es  folgen  Quintila  811 
*  820,  Cixila  L  853  und  855,  Frunimius  860  und  875,  und  S.  Pela- 
i  875,  gestorben  878,  Maurus  878,  welcher  resignirt  zu  haben 
9int,  da  er  904  noch  lebte,  aber  899  schon  einen  Nachfolger  hatte. 

ITach  der  Reihenfolge   der   von   dem  Chronisten   angeführten  Bi-  BiMiiOfo 
Bfe  hat  der  von  Oviedo  den  ersten,   der  von  Bracara   den  zweiten    ^^ 

,  .  AttarUa 

,  keiner  aber  von  allen  diesen  Bischöfen  wird  Metropolit  genannt  ^). 


i^ 


*)  Item  notitia  episcaporum  cum  aedibus  8u%s. 
Begiamque  Sedem  Hermenegüdua  teneL 
FU^anua  Bracarae:  Luco  Episcopus  arce  Reccaredug. 
TudeminiB  Dumio,  Mendunieto  degens: 
SUnandm  Iriae  Sancto  Jacobo  poüens: 
NauiUcua  ienens  Canimbriae  Sedem. 

fpta.  Kirch«.    U.  S.  23 


3M  Nenntea  Bncb.    FQBftes  Kapitel. 


§.  11. 

B«.  Im  Jahre  788  gewann  Carl  der  Grosse  die  Stadt  Gteron 

Bistlifimer  Gerona  und  Urgel  waren  nicht,  oder  nar  kurze  Z< 
brechen.  Der  Bischof  Adolf  von  Gerona  wie  der  Bischof  I 
Urgel  wohnten  der  im  Jahre  788  oder  791  gehaltenen  Syi 
Narbonne  bei.  Ludwig  der  Fromme  wollte  sich  Barcelona  nnl 
Nach  langer  nnd  harter  Belagerung  ergab  sich  die  Stadt  im  Oct 
So  entstand  die  sogenannte  spanische  Mark,  das  spatere  Füi 
Catalonien,  das  in  einer  gewissen  Abhängigkeit  von   dem  Ri 

c6.  Franken  stand.     Die  Grafen  von  Barcelona  wachsen   an  M; 

^*   Bedeutung,  und  bei  dem  Zerfiül  des  Frankenreichs    machten 
unabhängig.  —  Im  neunten  Jahrhundert  treten  auch    die  Eoi 

v  Sobrarbe  (Oberaragon)  und  die  Grafen  von  Aragon  aof.     Im  J 

»'  fielen   der  Eonig  Sancho  Garces   und  der  Graf  D.  Jimeno  i 
E^onpfe  mit  den  Mauren.    Die  Christen  konnten   sich   kaum 
und  Ainsa  halten.    Innige  Jimenez  Arista  erscheint   als   erst 

-  von  Sobrarve  um  das  Jahr  860,  und  suchte  im  Kampfe  g 
Franken  und  Mauren  seine  Unabhängigkeit  zu  behaupten.     I 

trr«  auch  Konig  von  Navarra.  Die  Stadt  Pamplona  blieb  in  der  I 
Christen.  Der  Konig  Garcia,  Sohn  des  Arista,  fiel  im  Jahr< 
Kampfe  gegen  die  A&uren. 


§.  12. 

In  seinem  im  November  858  an  den  Bischof  Wielesim 
Pamplona  geschriebenen  Brief  berichtet  Eulogius  Einiges  über  c 
der  Kirche  in  Navarra.  Eulogius  weilte  länger  bei  dem  Bische 
ihm  die  Weiterreise  nach  Gallien  unmöglich  war.  Von  Pampl 
besuchte  er  die  nahen  Klöster  und  heiligen  Orte,  besonders  das 
des  heiligen  Zacharias  am  Fusse  der  Pyrenäen  und  dem  FIussi 
„das  durch  das  Streben  in  der  Ausübung  der  strengsten  regulärei 


n- 

la. 


Brandericus  quogue  locum  Lamecensem: 
Sebastianus  quidem  Sedem  Auriensem, 
Justusque  simüiter  in  Portticalense, 
Älvarua  Vdegiae,  Fdmirus  Uxomae. 
Maurua  Legione,  RanvXfus  Astoricae. 
Und  mit  anderer  Schrift: 

Praefatique  praestdes  in  Ecdesiae  plebe, 
ex  regia  prudentia  emicant  clari. 
')  Eodem  anno  Oerundenses  homines  Gerundam  ctvitatem  Karol 
tradiderunt 


Enlogins  in  N«y>r».  355 

I 

ibbenihmt,  im  ganzen  Abendlande  hervorleuchtete''^).     Dorthin  gab 
Bischof  ihm  fromme  Brüder  zur  Begleitung.    Bevor  er  dahin  kam, 
ilte  er  mehrere  Tage  in  dem  Kloster  San  Salvador  de  Leyre^),   wo  Loyre. 
in  Frömmigkeit  ausgezeichnete  Männer  traf.     Von  da  durchwanderte 
verschiedene   Orte,   und   gelangte   endlich   in   das  Zachariaskloster,  zaeh«- 
Ichem  der  Abt  Odoarius  vorstand,   ein  Mann   von   hoher  Heiligkeit  J^*^, 
i  seltener  Wissenschaft,  der  ihn  mit  grösster  Liebe  aufnahm. 

^In  jener  frommen  Genossenschaft,  welche  fast  die  Zahl  von 
idert  Brüdern  überschritt,  leuchteten  wie  die  Gestirne  am  Himmel, 
einen  durch  diese,  andere  durch  andere  Verdienste  und  Tugenden 
TCMT.  In  Einigen  blühte  die  vollkommene  Liebe  Christi,  welche  jede 
reht  vertreibt:  die  Meisten  erhob  die  Demuth  auf  eine  hohe  Stufe, 
irelcber  sich  Jeder  für  den  Niedrigsten  von  Allen  betrachtete.  Viele, 
j^eich  leidend  an  Gebrechen  des  Leibes,  bemühten  sich  eifrig,  alle 
Ibote  zu  erfüllen.  Alle  hielt  das  Band  des  Gehorsams  zusammen. 
Bftteifemd  arbeiteten  Alle;  der  Eine  den  Andern  ermunternd,  war 
ior  bemüht,  der  Erste  zu  sein.  Gegenseitig  wurde  der  Eifer  entzün- 
1^  Gott  und  den  Brüdern  zu  gefallen,  und  jeder  übte  die  ihm  eigene 
jppst^  zum  Frommen  des  Ganzen.    Einige  nahmen  sich  mit  Sorgfalt 

I: Fremden  und  der  Gäste  an,  und  sich  neigend  vor  dem  in  ihnen 
I  nahenden  Christus,  waren  sie  allen  Ankommenden  zu  Diensten. 
-Viele  es  ware/i,  kein  Murren,  keine  Anmassung  wurde  bemerkt. 
le  waren  eifrig  im  Stillschweigen,  sie  verbrachten  die  ganze  Nacht 
fiicbsam  im  verstohlenen  Gebete  oder  in  der  Betrachtung^). 

Als  Eulogius  mit  schwerem  Herzen  von  ihnen  schied,  warfen  sich 
le  vor  ihm  zur  Erde  nieder,  klagten,  dass  er  sie  sobald  verlasse, 
d  baten  ihn  um  seine  Fürbitte  für  sie.  Mit  ihm  war  auf  der  ganzen 
der  Diakon  Theodemundus  von  Corduba.  Der  Abt  Odoarius 
der  Propst  (Prior)  Joannes  gaben  ihnen  eine  Tagereise  weit  das 
te.  Mit  dem  Kusse  des  Friedens  von  ihnen  sich  trennend,  kehrte 
Jpogius  zu  dem  Bischöfe  von  Pamplona  zurück^).  Die  Sehnsucht, 
pe  fromme  Mutter  Elisabeth,  seine  Schwestern  Niola  und  Anulo, 
irie  den  Jüngern  Bruder  Josef ^)  wieder  zu  sehen,  führte  den  Eulo- 
tB  nach  Corduba  zurück.    In  Saragossa  weilte  er  eine  Zeit  lan^c  bei   ^*^' 


0  beati  Zachariae  ascystervum  —  quod  famosissimis  in  exercitaiione  re- 
iaris  disciplinae  siudiis  decoratum,  toto  refidgebat  ocdduo. 

*)  Legerense  monasterium. 

')  propriae  artis  indusiriam. 

*)  totamque  per  noctem  furtivis  precibus  inctimbentes. 

^)  ad  te,  apostole  Dei,  e  vestigio  repedavimus.    Der  Ausdrack  „repedare'^ 
^ßm  Sinne  von  „zarfickkehren**  findet  sich  sehr  hantig  bei  dem  sogenannten  Chro- 

von  Face,  von  dem  wir  gleichfalls  annahmen,  dass  er  in  Corduba  schrieb. 

*)  Die  beiden  älteren  Brüder  hiessen  Alvarns  nnd  Isidor. 

23  ♦ 


damit  er  za  Ehren  dieser  Heiligen  eine  Kirche  baue,  w 
Bischof  gelobt  hatte.  Dann  berichtet  er,  dass  in  diei 
schöfe,  Priester,  Aebte,  Leviten  und  der  ganze  Klerus  i 
unter  ihnen  er  selbst.  Er  fugt  ein  Verzeichnise  der  t 
tyrer  bei.  Er  bittet  za  grüssen  den  Abt  Fortunius  von 
seiner  ganzen  Genoesenschafl;  AthiUas,  den  Abt  dee 
Cillas"),  gleichfalls)  mit  seinem  Convente;  den  Abt 
Klosters  von  Serosa^  mit  den  Brüdern;  den  Scemeaas, 
sters  von  Ygal^,  mit  seiner  ganzen  Schaar;  den  Dadilf 
KJosters  von  Urdaz"),  mit  seinen  Brüdern. 


■}  B.  oben  S.  311  nad  386. 

*)  apud  Seniorem  episeopum,  gut  twic  rec^  vüae  monbi 
regebat.     Senior  lebte  noch  im  Jahre  8-58. 

*>  Taptim  per  Segoncican  transiena  civitatan,  in  qua  t 
gerebat  vir  prudenÜMimui  Sisanunduä. 

')  evm  ab  antiatite  Complulensi  Veneria   digne  tadper 
diem  ToUtum  reverti.    Das  nun  Folgende  b,  oben  S.  310  Anm. 
riDS  hat  dem   heiligen  Enlogiiu  auch   aber  den  Hsrtertod  der  h( 
Nnnilo  und  Alodia  berichtet. 

*)  vos  autem  POmpilona  locati,  Christicolae  prineipit 
dominio. 

*)  CeUentia  monorierü. 

'')  Seraeienais  Tnotuuierii,  i.  e.  zum  heiligen  Zaohariaa.  H 
nehmen  hier  an,  dass  dasselbe  Kloster  und  denelbe  Abt  gerne! 
meint,  der  frflher  genannte  Abt  Odoarins  sei  im  Jahre  851  schon  t 
ersoheiDende  Odoan'na  Abt  eines  andern  Klosters  gewesen.  M 
0.  8.  B.,  ann.  86/.  nr.  26  t'n  ßne.  Lorenzana  entscheidet  si 
TWWnni    Tl.  MI).  —  Tenex.   Cnrimira.  IV.  ».  75.  —  Ich  tmtp 


Nftvarra.  357 


§.  13. 

Ueber  die  einzelnen   hier  genannten  Kloster  hat  A.  Yepes  spar-  Klöster 

Nachrichten  gegeben.  Nach  ihm  ist  das  Kloster  zum  heiligen  jnJ^^„^ 
ler  von  Leyre  das  älteste  in  dieser  Gegend.  Im  sechzehnten  Jahr- 
eri  waren  keine  Spuren  mehr  des  Klosters  zum  heiligen  Zacharias. 
Ehester  Urdaspalense,  später  Urdaz  genannt ,  war  zu  Zeiten  des 
lies  ein  Kloster  der  Praemonstratenser;  es  lag  jenseits  der  Pyre- 
,  nicht  weit  von  Bajonne^).  Wenn  dieses  Kloster,  wie  Yepes 
k,  nrsprünglich  den  Benedictinern  gehörte,  so  ging  es  durch  die 
le  von  drei  Orden. 

Um  das  Jahr  860,  als  Pamplona  für  eine  Zeit  lang  in  die  Hände 
dCaaren  fiel,  vielleicht  sogar  zerstört  werde,  musste  sich  der  Bischof 
Pamplona  flüchten,  und  die  Kathedrale  wurde  in  das  Kloster  von 
e  übertragen^,  welches  in  rauhen  Bergen  lag.     So  blieb  bis  zum    san 
B   1023  die  Kirche  dieses  Klosters  Kathedrale  des  Bisthums.    Viele  ^^^ 
ge  von  Navarra  sind  in  diesem  Kloster  begraben.     Der  Benedic- 

Benito  de  Ozta  übersandte  dem  Chronisten  Yepes  das  Verzeich- 
der  Klöster  und  Villen,  welche  unter  dem  Kloster  von  Leyre 
len.  Es  sind  nicht  weniger  als  72  Klöster,  unter  diesen  auch  das 
ter  von  Urdax,  und  Ygal,  deren  Aebte  Eulogius  grüssen  lässt. 
^en  wird  das  Kloster  zum  heiligen  Zacharias  und  das  Kloster 
Cillas  hier  nicht  mehr  genannt,  welche  entweder  eingingen,  oder 
re  Namen  erhielten.    Ferner  besass  das  Kloster  57  Flecken  (Villas) 

andere  Oertlichkeiten  in  Navarra,  Aragon  und  Castilien.  Yepes 
;  die  Gründung  des  Klosters  bis  auf  die  Zeit  der  Gothen  zurück, 
sagt,  dass  die  Mönche  des  Klosters  (eine  Zeit  lang)  den  Bischof 
Pamplona  erwählten.  Die  Reform  der  Cluniacenser  wurde  in  dem- 
n  eingeführt,  später  die  der  Cistercienser.  Yepes  führt  bis  zu 
r  Zeit  (1613)  41  Aebte  auf;  als  den  ersten  bekannten  den  Abt 
mius  (vom  Jahre  849). 


*)  Nor  wenige  Zeilen  über  dieses  Kloster  enthält  die  ^Ghllia  chrisHana'^, 
p»  1326.  —  Urdacium^  Ourdach*  Haec  abhatia  dioecssis  Baionensis,  filia 
M'Dei,  ard.  Praemonstr,  S.  ScUvatori  dicata  est,  sita  inier  Brenae- 
M  in  regno  Navarrcte,  sed  in  ipso  pene  Gcdliae  vestibulo.  Cum  fuisset 
dÜo  canonicorum  Regtdarium  8.  Augustini,  ann.  1209,  Pr€iemonstr<Uense 
exa  est  institutum,  cf.  Oihenart,  notitia  Vasconiaey  L  2,  cp,  3,  p,  102. 
tpes^  IV f  75. 

•)  Sandoval,  OaUü.  de  los  obispos  de  Pamplona,  1614,foL  19  b.  —  O.  Fem. 
i,  Historia  de  la  igles.  y  obispos  de  Pamplona,  M,  1820,  /,  p.  37.  — 
f,  p.  76. 


tigea.  Selra  warf  sich  sogar  zum  Metropoliten  aof,  u 
das  durch  den  Tod  des  Theotarius  (f  886)  erledigte  Bistbi 
Priester  Ermemir  ein,  und  verdrängte  den  von  Volk  u 
mblten  Bischof  Serrus  Dei.  Hierin  boIUd  ihm  die  Bist 
von  Barcelona  und  Godemar  von  Vieh  Dienste  geleist 
die  Klagen  der  vertriebenen  Bischöfe  seien  Selva  (Sclaa 
dorch  Papst  Stephan  VI.  abgesezt  worden,  welche  Abae: 
Concilien  von  S.  Gines  de  Montanis,  von  Portns  nnd  zi 
im  Jahre  992  auf  das  Nene  bestätigt  worden  sei ').  — 
selbst  ist  richtig,  aber  nicht  die  Nebenumstände  derseibi 
vielmehr  Sclua,  Suniarius  war  Graf  nicht  von  Urgel 
Ampurias.  Aecht  sind  vielleicht  nur  zwei  Briefe  des  I 
sns  vom  Jahre  892  an  den  Bischof  Servus  Dei  von  Ger 
Papstes  Romanns  vom  15.  October  897,  worin  dieselbe 
gen  der  Kirche  von  Gerona  bestätigen.  Nach  dem  en 
ServUB  Dei  selbst  nach  Rom,  und  nahm  für  sein  Bisl 
losein  Majores  und  Minorca  in  Anspruch,  worauf  doch 
gründete  Ansprüche  halte').  Nach  der  anerkannt  ftc 
Papstes  Komanus  kam  Servus  Dei  selbst  nach  Rom.  Si 
acht,   eo   machte   er  die  Reise   zweimal*).     Jedenfalls 

')  Petrm  de  Marca,  Marca  httpamca,  tive  Umea  Hispat 
seriptio  Cataloniae,  Rimeionvi,  etc.,  ab  anno  817  ad  onn.  1268 
ehroniea,  et  appendix  acf.onim  veteram  .  .  .  ad  Auitu  hiatoria 
etc  tdit.  Stephan.  BaluzH,  Paris.  1688,  f.  —  DicBea  Werk  ist 
damals  —  neuen  Docamenteii,  sber  anch  an  falachen  DooameDten. 

*)  K.  O.  IIa,  S-  1«9.  Den  Brief  des  P.  PonnoBUs  halten 
niiavn  flir  nnlirht    h«i  .Tniff   Rpttntla  r    P.  Hteht  er.  wie  der  des 


Urge),  Gerona,  Barcelona  tind  Yich.  359 

ein  Eindringling  in  das  Bisthnm  Gerona,  in  dem  sich  nun  Servus  Dei 

eine  Reihe  von  Jahren  behauptete.    Aach  Sclua  ist   beglaubigt  durch 

ein  achtes  Document,   nach   welchem  nach  dessen  Tode  nnd  auf  den 

Wunsch  des  Sterbenden  der  Bruder  des  Sclua,  der  Priester  Egila,  die 

Besizungen  des  Sclua  in  der  Grafschaft  Cerdanna  an  die  Kirchen  von 

Urgel  vergabte*).    Die   Schenkungsurkunde   ist  vom   Jahre  924,   und 

;   kurze  Zeit  nach  dem  Tode   des  Eindringlings  Sclua  verfasst,   welcher 

i  demnach  die  rechtmässigen  Bischöfe  von  Urgel,  Ingobertus  (885 — 893) 

2  und  Nantigisus  (900 — 914)  überlebte^.    In  einem  alten  Bischofscatalog 

.  von  Urgel  heisst  es,   dass  Sclua  das  Bisthum  anderthalb  Jahre  inne 

hatte,  dann  aber  weichen  musste^). 

Ob  die  Bisthumer  Gerona,  Vieh  und  Barcelona  eine  Zeit  lang  nach  B«ro« 
dem  Einfalle  der  Mauren  ihre  Bischöfe  verloren,  oder  ob  dieselben  nur   ^^"** 
ons  nicht  bekannt  geworden   sind,   lässt   sich   nicht  ermitteln.    Nach 
der  Vergleichung  mit  andern  Bisthümern   muss   man  das  Leztere   an- 
nehmen.   Nach  dem  Jahre  693  wird  uns  erst  im  Jahre  858  wieder  ein 
Bischof  von  Barcelona  bekannt,  aus  Anlass  der  Reise  zweier  gallischer 
'  Mönche  nach  Corduba.     Dieser  Athaulfus  wohnte   mit  seinem  Metro- 
politen Fredold  von  Narbonne   der  Synode  von  Tousi  im  Jahre   860 
^  AD.     Ihm  folgte  Bischof  Joannes  (c.  860 — 875),  und  diesem  der  eben 
^  genannte  Frodoinus,  welcher  vom  Jahre  877 — 890  erwähnt  wird.    Er 
^  erhielt  von  Carl  dem  Kahlen  Geld  zur  Wiederherstellung  seiner  Kirche. 
'  IVodoin    musste   erst  von   dem  Metropoliten  Sigebodus  von  Narbonne 
aogetrieben   werden,   nach   dem   in  Vergessenheit   gekommenen  Grabe 
;  der  heiligen  Eulalia  zu  suchen,   deren  Reliquien  er  in  der  Kirche  der 
Heiligen  Maria  del  Mar  fand^)  (877),  und  welche  mit  grosser  Feier- 
<lichkeit  in  die  Kathedrale  übertragen  wurden. 

In  der  Reihenfolge   der  Bischöfe   von  Vieh  (Ausona)   findet  sich  amohi 
^ine  Lücke  vom  Jahre  693  an,  bis   erst  im  Jahre  886   der  schon  er- 
^^ivähnte  Bischof  Godemar  erscheint,  der  um  das  Jahr  899  starb. 

Von   Saragossa  ist   uns   in  den   Jahren  693—849   kein  Bischof  8&ra< 
bekannt.    Bischof  Senior  lebte  849  und  858.    Dann   folgt  eine  Lücke  ■^'^ 

')  in  sanctas  Dei  ecclesias.  —  Haec  omnia  dono  aique  cancedo  egoEgUa 
^jpresbgter  propter  remedium  animat  frairis  mei  domno  Sduvani  episcopi  (f), 
^^mcui  iüe  mihi  juncsit.  Aber  erst  nach  dem  Tode  des  Egila  soll  Alles  der  Kirche 
mm  Urgel  zufallen  (ad  ecclesiam  sanctae  Mariae  sedem  Oridensem,  seu  ad  co- 
fumicos,  qui  ibidem  Deo  aerviunt).  Egila  will  einerseits  seinen  Bruder  als  wirk- 
'ftchen  Bischof  erhärten,  anderseits  für  dessen  Seelenheil  die  Kirche  von  Urgel 
-'keschenken. 

*)  Villanueva,  X,  74— 7P.  Appendice  XII,  p.  244—247.  —  Mofdeu, 
Bistor.  crit  de  Espana,  t  XV,  Madrid,  1795,  lüustr.  20,  p.  202-^206  leugnet 
B^perkritisch  die  ganze  Reihe  von  Thatsachen. 

')  Sdoa,  anno  1  et  semis,  et  postea  perdidit  episcopaium, 

*)  K.-G.  I,  317. 


711 — 900  tritt  die  gleichsam  begrabene  Eircbe  von  Sf 
mal  in  das  Licht  der  Geschichte,  durch  Elipandus,  dei 
traurigeo  Gestalt,  ood  seine  Irrlehre,  und  durch  dit 
Märtyrer  von  Corduba,  deren  Vorkämpfer  and  zugl 
Schreiber  der  „liebliche  Blutzeuge  Christi",  der  nie  gen 
heilige  Enlogins  war,  der  mit  dem  grossen  heiligen 
»od  so  vielen  heiligen  Gefährten  das  Volk  wid  die  Kiri 
verherrlicht  hat 


*)  Jatme  Pa$qitcd,  diacuno  higtorieo  aobre  el  antiquo  ol 
m  Cotaiunna,  3V«mp.,  1785,  foL 


Zehntes  Buch. 


Jacobus,  der  Apostel  und  Patron  von  Spanien. 
Von  Compostella  nach  Toledo. 

(J.  900—1085.) 


Erstes  Kapitel. 

Jaeobos,  der  Aeltere. 

§.  1- 

Zu  seinen  Aposteln  sprach  der  Herr:  „Gehet  hin  in  alle  Welt,  und 
bret  alle  Völker^  (Matth.  28,  20).  Dieser  den  Aposteln  gegebene 
aftrag  wurde  scheinbar  von  zwei  Aposteln  nicht  vollzogen,  von  Ja- 
*S>us,  dem  Aeltern,  dem  Sohne  des  Zebedäus  und  Bruder  des  Apo- 
^is  Johannes,  und  von  Jacobus,  dem  Jüngern,  dem  „Bruder^  des 
6rrn.  Denn  Jacobus,  der  Jüngere,  starb  als  Bischof  von  Jerusalem, 
^<i  hatte  wohl  nie  die  Grenze  Judäa's  überschritten,  Jacobus,  der 
ältere  aber  starb  schon  am  12.  April  des  Jahres  41  zu  Jerusalem  als 
^^rtyrer.  Die  damals  ausgebrochene  Verfolgung  der  Christen  wurde 
^1*  erst  der  Anlass,  dass  sich  die  Apostel  von  Jerusalem  entfernten 
d  den  Auftrag  des  Herrn  an  sie  vollzogen.  Jacobus,  der  Jüngere, 
U^^g  ihn  auch  dadurch,  dass  er  in  Jerusalem  blieb,  denn  die  Apostel 
^^^"^0  nicht  bloss  zu  allen  Völkern  der  Heiden,  sondern  auch  zu  den 
^€D  gesendet  Indem  Jacobus  in  deren  Mitte  blieb,  erfüllte  er  die 
^   gewordene  Sendung. 

Jacobus,  der  Aeltere,  aber  konnte  scheinbar  den  Auftrag  des 
'^m  nicht  erfüllen,  da  er  schon  im  Jahre  41  getödtet  wurde*).    Es 


*)  Die  von  mir  in  der  Schrift:  „Das  Jahr  des  Martertodes  der  Apostel  Petras 


i 


TOiizienen,  acr  loa  trat  mnaefna  aazwiscnen.  J^er  a 
gegeben  uad  masste  vollbracht  werden.  £r  wurde  t 
hunderte  nach  dem  Tode  des  Apostels,  indem  der  H 
das  unter  dem  Drucke  der  Maaren  Benizende,  und  beina) 
christliche  Spanien,  welches  er  nicht  ontergehen  li 
wunderbar  erretten  wollt«,  in  die  Hände  des  Apostel 
stiger  Weise  übergab,  und  dnrch  die  Fürbitte  ui 
des  Apostels  Jacobus  eine  solche  Fülle  von  geistiger  ] 
christliche  Spanien  ausgoss,  dass  es  den  sonst  unmc 
gegen  seine  Todfeinde  siegreich  führte,  als  Sieger  hervc 
Kampfe,  und  nach  acht  Jahrhunderten  den  Besiz  d 
Schlacht  von  acht  Tagen  verlornen  Landes  wieder  erla 
Pyrenäen  und  dem  Cap  Finis  Terrae  bis  zum  Cap  Sa 
von  Colpe  (Gibraltar). 


§.2. 

Jacobus,  der  Apostel,    trat   als  Patron    von  Spani 

dem   nennten    christlichen  Jahrhundert.     Mit   der  im  J 

Comp»-  zogenen  Weihe  der  in  Gompostella  ihm  zq  Ehren  erbaute 

■uiu.  dig  Verehrung   desselben   in    weitere  Kreise,   nnd    es  vi 

Auslände  bekannt,  dass  zu  Santiago  de  ComposteUa  dei 

ligen  Jacobns  ruhe  und  verehrt  werde. 

Wir  stellen  demnach  die  doppelte  Bebauptang  &i 
jezt  der  Beweis  nicht  geffihrt  worden,  dass  Jacobas  in 
digt,  und  dort  einige  wenige  Schüler  gefunden  habe,  a 
über   ieden  Zweifel   erhabene  Thatsache,   dass   der  Lei! 


Der  Leib  des  heiligeii  AposteLi  Jaeobus.  363 

»bas  von  Jerasalem  nach  ComposteHa  gebracht  wurde.  Diese  Ueber- 
QDg  aber  erfolgte  (nach  meiner  Hypothese ,  welche  ich  schon  mehr- 
igedeutet  habe^)),  in  folgender  Weise. 


§.  3. 

Jacobus,  der  Apostel,  ist  wahrscheinlich  am  12.  April  41  zu  Je- 
ilem  als  Märtyrer  gestorben^).  Sein  Leib  lag  dort  begraben,  bis 
das  Jahr  528 — 530  Justinian  die  Kloster  des  Berges  Sinai  und  von 
Üku  erbauen  Hess.  Nachdem  durch  die  räuberischen  Ueberfalle  der 
ixenen  viele  Mönche  schon  ihr  Leben  verloren,  das  Leben  der  An- 
i  beständig  gefährdet  war,  sandten  die  zahlreichen  Mönche  um  den 
bi  an  Kaiser  Justinian  I.,  und  baten  ihn  um  Schuz  und  Hilfe.  Er  siost- 
)$  zwei  mächtige  Klöster  bauen,  das  eine  am  Berge  Sinai  selbst,  ^<>■'•'• 
i  der  Kirche  der  Verklärung.  Es  war  ein  sehr  fester  Bau,  aber 
to  ihm  wurde  noch  ein  Fort^)  errichtet  und  Soldaten  in  es  gelegt, 
h  Scbuze  der  Mönche  gegen  alle  Ueberfalle^).  Die  Kirche  soll  an 
I Stelle  erbaut  worden  sein,  wo  schon  die  heilige  Helena  eine  Ka- 
ie gebaut  hatte.  Die  Kirche  der  heiligen  Jungfrau  stand  tief  gegen 
IFuss  des  Berges. 

Das  zweite  Kloster  wurde  erbaut  zu  Raithu  (auch  Rayeh),  süd-  Kiotter 
itlich  vom  Sinai.  Der  Legat  des  Kaisers  baute  auch  in  Kolzum  die  ^**^"' 
"cbe  des  heiligen  Athanasius. 

Der  Kaiser  schenkte  den  Mönchen  eine  grosse  Anzahl  von  Scla- 
I  zum  Schuze  des  Klosters,  Klostersclaven  oder  Klosterknechte,  Kloster- 
lohe  besondere  Wohnungen  in  der  Umgebung  der  Mönche  erhielten, 
«n  Zahl  auf  1000  angegeben  wird,  und  die  im  Laufe  der  Zeit  sehr 
inicbsen.  Lange  erhielt  sich  hier  das  Christenthum  wie  in  einer 
Be.  Gegen  das  Ende  des  siebenten  Jahrhunderts  verbreitete  sich 
;er  ihnen  der  Islam.  Es  kam  zum  Kampfe  unter  ihnen  selbst. 
de  wurden  erschlagen,  andere  flohen,  die  Zurückbleibenden  waren 
Siamedaner.  Noch  im  zehnten  Jahrhundert  hiessen  diese  Kloster- 
M^bte,  und  bekannten  den  Islam. 

In  das  Kloster  des  Berges  Sinai  wurde  der  Leib  der  heiligen  Heiug« 
tharina  von  Alexandrien  übertragen,  sehr  wahrscheinlich  in  dieser  ^^" 
it.     Als  dieselbe  später  durch  Wunder   zu    leuchten    begann,   erhielt 


')  K.-6.  von  Spanien,  IIa,  S.  285—299  (Jacobus,  der  Aeltere,  und  Hosiiu 
B  Corduba).  —  Jahr  des  Martyrtodes  der  Apostel  Petrus  und  Paulus,  S.  63  (der 
ozösischen  Ueberseznog). 

')  Der  Beweis,  L  c,  j>.  16, 

*)  Procopius,  de  aedifidis,  V,  8  (ed.  Bonnae,  t.  III,  327). 


Dien,  aber  alle  drei  waren  Mönche  aus  Raithu*). 

Aaf  einem  Wege,  über  dessen  Richtimg  ich  ke 
habe,  brachten  sie  das  kostbare  Heiligthum  in  die  £ 
ond  es  wnrde  in  der  Crypta  der  Kirche  del  Pilar  l 
zeigen  sich  Spnren  der  hohen  Verehning,  in  welcher  di 
in  Spanien  stand.  Athanosiae  nnd  Theodor  behüteten 
Schaz  nnd  sie  wurden  neben  dem  heiligen  Jacobas  begi 
in  Saragossa  oder  an  dem  Orte  der  dritten  Uebertragi 
Stella  geschah,  darüber  habe  ich  keine  Ansicht.  Von 
sie  die  ersten  Bischöfe  von  Saragossa  genannt,  wie  icl 
mit  Recht.  Florez  meint,  die  Kirche  von  Sari^^ssa 
Zierden,  dass  sie  aaf  diese  verzichten  könne.  Ebenso  ii 
Fortsezer,  so  aufrichtig,  za  gestehen,  dass  der  Beweis 
schöfe  gewesen,  sich  nicht  fuhren  lasse").  —  Florez  at 
an,  dass  Petras,  genannt  Ratbensis,  der  erste  Bischof 
als  welcher  er  erst  im  Mittelalter  genannt  wird*).  Ti 
aber  sagen:  Es  möge  djess  den  Bracarensern  überlass' 
ihn  verehren*).  —  Es  scheint  mir,  dass  aacb  Petms 
Bischof  war.  Diese  drei  Mönche  von  Rattba,  welche 
heiligen  Jacobns  nach  Spanien  trachten,  sind  im  Mitt 
aaf  die  neueste  Zeit  mit  den  von  Rom  gesandten  „! 
confimdirt  worden.  Von  der  Zeit,  wo  die  Reise  des  j 
nach  Spanien  vergessen  war,  wo  nar  Jacobus  im  Munde 
Spanier  lebte,  wurden  die  sieben  Apostelschüler  Junge 
Jacobas  genannt,  und  ihnen  Athanasias  und  Theodor, 
Petrus  Ratbensis  beigefügt. 


TraDBlationen  jAi  heil^;eo  Jacobos.  365 


§.  4. 

Der  Leib  des  heiligen  Jacobus   wnrde   nach  der  Eroberang  Spa-  Dritt« 

dnrch   die  Araber  in   ähnlicher  Weise   geflüchtet,   wie   so   viele  ^^^ 

re  Reliquien.     Die  Zeit  wissen  wir  nicht  zu  bestimmen,  vermuthen  dea  L«i- 

»    es  sei  vor  dem  Jahre  757  geschehen.    Denn   unter  den   Docu-  ^*Jj,^ 

en,   die  aus   der  Zeit   des  Bischofs  Odoarius   von  Lugo   erhalten  jaeobua. 

erscheint  ein  Document:  „Gründung  der  Villa  von  Avezano  und 
eriz  durch  eine  Familie  des  Bischofs  Odoarius,  mit  der  dem  heili- 
Jacobus  geweihten  Kirche*^     Zu  „Ehren  des  heiligen  Apostels  Ja- 
18,  den  der  Herr  in  seine  Glorie  aufzunehmen  sich  vdirdigte,   und 
er  uns  als  Patron  aufgestellt   hast^),   gründen   sie   diese  Oertlich- 
n^.     „Oftmals,''  sagen  sie,  „haben  wir  grosse  Lichter   an   diesem  sparen 
I  gesehen,   auch  in  der  Villa,    genannt  Avezano,   und  Gott  hat  es  verehr- 
in  das  Herz  gegeben,  dass  ich  (Anzano)  die  (von  mir  geschaute?)  «of^n 
be  baue,  mit  meiner  Gemahlin  Adosinda,  im  Namen  meines  Herrn  101^757. 
i  Christi,   und   seines  Jüngers,   des   seligen  Jacobus,    wie   wir   in 
er  Villa  Avezano   am  Minho-Flusse   eine  Kirche  gebaut  haben  ^).^ 
beten:  „O  heiliger  Jacobus,  du  Bewohner  des  Himmels,  wolle  für 
^  Sünden  fürbitten   bei   deinem  Meister  und   Herrn,   damit  nach 
rm  Tode  Alles  in  dem  Stande  bleibe,   wie   wir   es   gegeben   und 
«findet  haben'' ^.    Jacobus   wird  Patronus   der  Einwohner  genannt, 
von  Gott  ihnen  gegebener  Beschüzer. 
Li   einem    Documente   vom   Jahre  760   erzählt  Bischof  Odoarius   odo«- 
liogo,  „dass  in  dem  Lande  „Africa^  die  „Ismaheliten'^  aufgestan-  '*luIo° 
I  dass  sie  Spanien  den  Christen  entrissen'',    und  dass  er  selbst  in  (t  786) 
[er  Verbannung  gelebt.     Gott  aber  habe   durch   die  Fürsten  Pelajo  ^^'^^^^ 
I  Alfons  I.  (f  c.  757)  den  Christen  wieder  geholfen.    Auf  die  Kunde  J«eobot. 
PD  sei  er  „mit  seinen  vielen  Familien  und  mit  dem  übrigen  Volke 
£dlen  und  Nicht -Adeligen  zu   dem   Size  von  Lugo   gekommen". 
\  baue  er  die  Kirche  der  seligsten  Maria,   und   er  errichte  auf  das 
le   die   zerfallene  Stadt,   und    habe  neue  Orte  rings  herum   erbauen 


')  quem  tu  excUtare  in  gloriam  tuam  fecisti,  et  nobis  Domine  patronum 
UuUti, 

*)  Vidimus  per  multaa  vices  magna  luminaria  in  Jtunc  locum,  et  in  viUa 
'iata  Avezani,  unde  inspiravit  Dominus  in  corde  nostro,  ut  et  Avezano  Ecde- 
%  visam  edificarem,  cum  uxor  mea  Adosinda  in  nomine  D,  n.  J,  Chr.^  et 
I  discipnli  beati  Jacobi, 

*)  0  Sande  Jacobe  Coelicole^  ei  Apostole  Dei^  qui  gratiam  accepisii 
Mi  et  solvendi,  intercede  pro  nostris  piaculis  ad  tuum  Magistrum  D,  J,  Chr., 
^  eustodienda,  et  omnia  possidenda  post  obitum  nostrvm.  —  Esp,  sagr.,  40, 
^end.  IL 


cbidiakone,  11  Presbyter,  9  Diakone,  9  Kleriker,   18  La 


§.5. 

I-  Von  jezt  an  aber  scheint  der  beilige  Jacobus  in  G&l 

^  weise  Vergessenheit  gekommen  zu  sein.  Es  wird  erz 
I-  Orte,  wo  sein  Leib  ruhte,  haben  die  Umwohner  wieder! 
and  sich  bewegende  Lichter  in  dem  dichten  Gebüsche  erb 
das  vergessene  Grab  des  Apostels  Spaniens  überwucbe 
dass  dieses  Grab  Niemand  mehr  bekannt  gewesen  sei, 
Vergessenheit  anheimzutallen  drohte,  bis  dasselbe  za 
Königs  Alfons  U.  von  Ästurien  und  des  Biscbofa  Theod 
wieder  aufgefnnden  wurde").  —  Lange  Zeit  beriefen  sicl 
als  Beweis  für  die  Zeit  nnd  die  Axt  dieser  AafBndang  auf  t 
Papstes  Leo  III.  (799 — 816),  in  welcher  n.  a.  gesagt  wi 
Joden  nach  der  Enthauptung  des  Apostels  den  Leib  i 
die  Stadt  Jerusalem  den  Tbieren  zum  Baube  gebracht 
Schüler  seien  aber  sclion  zu  Lebzeiten  von  ihm  ermahnt 
möchten  nach  seinem  Tode  seinen  Leib  nach  Spanien 
hätten  also,  wie  derselbe  Papst  Leo  bezeuge,  den  gan 
dem  Haupte  in  Eile  von  Jerusalem  an  das  Meeresufer  (t 
bracht,  und  voll  Angst,  wie  sie  denselben  nach  Spanien  bri 


■)  Poat  perada  heue  omnia,  /edmb»  imprimäer  EecU* 
facen  qwxm  dieunf  Saneti  Jacobi  de  Mamüani  supsr  portum  . 
jpundata  in  Villa  Ävaani,  et  posuitmts  et  et  Dextros  (f)  in  die 
ita  vi  lex  docet,  tt  instiper  hereditatea,  et  plantadoa,  et  iUa  Vi 


WiedeiaoffindniMyles  Mligen  Jacobns,  367 

n  sie  ein  vom  Himmel  ihnen  zubereitetes  Schiff  am  Ufer  vor-  bqUo 
iden,  es  freudig  bestiegen,  seien  der  Scylla,  der  Charybdis  und  den  ^*!f'^ 
sn  glücklich  ausgewichen,  und  seien  in  glücklicher  Fahrt  zu  dem 
%£en  Iria  in  Galicien  gelangt;  dann  haben  sie  den  heiligen  Leib 
sn  Ort,  der  damals  „Liberum  donum^j  jezt  aber  (im  zwölften  Jahr- 
ert)  Gompostella  heisse,  gebracht,  und  ihn  unter  marmornen  Ge- 
en  (areubua)  nach  kirchlicher  Sitte  beigesezt^). 

§.  6. 

Der  Verfasser  der  sogenannten  Hiatoria  Compostdlana  lebte  im 
ften  Jahrhundert,  und  damals  galt  die  angebliche  Bulle  des  Pap- 
Ijeo  als  acht.  Was  in  ihr  stand,  galt  als  wahre  Geschichte.  Viele 
re  ähnliche  Berichte  finden  sich.  Nach  einem  derselben  wurde 
Schiff  (der  Kahn,  raus)  ohne  Segel  und  ohne  Ruder  bloss  durch 
es  Hand  von  Joppe  durch  das  ganze  Mittel-  und  einen  Theil  des 
tmeeres  in  der  kurzen  Zeit  von  einer  halben  Stunde  gefuhrt. 

I)ie  Angaben  über  die  Zeit  der  Auffindung  des  heiligen  Leibes 
ken  zwischen  den  Jahren  772 — 829.    Lange  begnügte  man  sich  zu 

hdie  Auffindung   sei  zu  der  Zeit  KarPs  des  Grossen  geschehen, 
e  man  die  Bulle  Leo's  III.  für  acht  hielt,   konnte   man    nicht 
las  Jahr  816  zurückgehen.    Nicht  Wenige  hielten  am  Jahre  772 
Die   zahlreichen   ächten,   in   der  Espana  sagrada  mitgetheilten 
■mente  aber  scheinen  die  Annahme  zu  rechtfertigen,  dass  der  hei- 
Leib  des  Apostels  erst  in  den  Jahren  824—829  gefunden  worden  sei. 

§.  7. 

In    der  Aera  867,   das   heisst  im  Jahre   829   (nicht  Aera  862)    ai- 
libt  Konig  Alfons   II.:    „Durch    diesen   unsem  Befehl  geben   "odj^"^*^ 
Bhen   wir  diesem  seligen  Apostel  Jacobus  und  dir,   unserm  Vater  heilig« 
bdemir  dem  Bischof,  drei  Miglien  in  dem  Umkreise  der  Tumba  des  •'■^*^•• 
psk   Apostels   Jacobus.      Denn    der   heilige   Leib   dieses   seligsten 
stels  ist  in  unsrer  Zeit  geoffenbart  worden'' ').    Als  er  dieses  hörte. 


^  l  c.  p.  6. 

*)  huius  enim  beaiissimi  Apostoli  pignora,  videlieet  Sanctüsimum  Corpus, 
liliifii  est  in  nostro  tempore.  Quod  ego  audiens  cum  magna  devatione,  ei 
ikaiume  ad  adorandum  et  venerandum  tarn  pretiosum  thesaurum  cum 
fnbus  nostri  Palatii  cucurrimus,  et  eum  sicut  Paironum  et  Dominum  totius 
feiiiui«  cum  Uurymis  et  predbus  müUis  adoravimus,  et  supradictum  munu- 
Ml  ei  voluntarie  amcesimus,  et  in  honorem  ejus  Eedesiam  construximus, 
'fensem  8edem  cum  eodem  loco  Sancto  eonjunximus  pro  anima  nostra  et 


Id  der  Zeit  vor  Theodcmir  werden  einige  Bischöfe 
tuuint,  da  aber  bloss  ihre  Namen  erscheinen,  ohne  Vert 
Thatsachen  oder  Jahre'),  so  neige  ich  mich  zq  der  Annal 
Siz  von  Iria  etwa  ein  Jahrhundert  lang  aufgebort  habe,  d 
Bistham  im  achten  Jahrhundert  za  Logo  gehört  habe.  A 
Theodemir  der  erste  durch  Docamente  beglaabigte  Bis 
Zeit  der  Maaren.    Wir  wissen  daraus  nur,  daes  er  am  daa  i 

Zu  ihm  kamen,  nach  dem  sehr  spät«B  Berichte  dei 
TOQ  üompostella",  einige  Personen  von  grossem  Ansehen 
teteo,  dass  in  dem  über  dem  Grabe  des  Apostels  erwachi 
während  der  Nacbt  mannigfoltige  Lichter  erschienen  am 
stimmen  gehört  worden.  Der  Bischof  begab  sich  an  dii 
erblickte  dieselben  Lichter.  Er  fand  den  kostbaren  L 
stds  in  einem  Grabe,  welches  mit  einem  Gewölbe  vor 
schlössen  war.  Dem  Könige  Alfons  II.  machte  er  Mittl 
Ueber  dem  Grabe  erhob  sich  eine  Kirche.  Von  Iria  w 
schofssiz  an  das  Grab  des  Heiligen  übertragen.  In 
wohnten  die  Bischöfe  vrährend  des  Advents  and  der  F 
grösaern  Rnhe  wegen,  in  Iiia. 


P^       '        Der  Ursprung  und  die  Bedentung  des  "Wortes  „Gmn 

■MUh  im  Dunkeln.     Das  „Chronieon  Iriense",  wohl  aus  dem   x 

handert,  erzählt,   dass   nach   der    AufGndung    des  Leibei 

Jacobns   Uänner   zasammenkamen ,    und    sprachen:    „W( 


Oowfpodtella.  d6d 

en  wir  diesem  Orte  geben?  Einige  sagten:  „heiliger  Ort'',  Einige: 
reies  Geschenk^,  Einige:  „Zusammengelegter  Landstricli'',  woher  es 
»mpostella''  heisse^). 

Der  Chronist  entscheidet  sich  för  keine  dieser  Erklärungen.  Die 
Järnngen  selbst  sind  unhaltbar.  Alfons  IL  nennt  Compostella  829 
t  ^heiligen  Ort''.  „Liberum  donum^  kommt  in  der  unächten  Bulle 
»'s  m.  von  —  Gewöhnlich  erklärte  man:  y^Campus  stdlae^^  Ort  des 
mes  oder  der  Lichter,  die  hier  erschienen,  woraus  das  Volk  „Compo- 
la"  gemacht  habe.  Diess  war  im  achtzehnten  Jabrhundeit  die  ge- 
bnliche  Erklärung.  Aber  die  ,J,umincma^  waren  (nach  Florez)  keine 
me.  Man  kenne  nicht  genau  die  Zeit,  in  der  der  Name  „Oompo- 
ia"  aufgekommen.  Er  meint,  dass  aus  den  Worten  der  Wallfahrer, 
wbo  Apogtolo,  oder  „Oiacomo  Pasiolo^  oder  „t/toc  Apostol^  sich  leicht 
knoposteUa"  gebildet  habe,  wie  der  Jesuit  Harduin  —  zu  Plinius, 
b  natur.  4,  20,  8.  v.  Capori  erklärend  sage  *).  —  In  der  Landschaft 
na  befand  sich  ein  Ort,  Namens  Compostella,  wo  die  Wallfahrer 
r  den  Fluss  Sil  sezten,  um  nach  Compostella  zu  gehen.  Im  ganzen 
bten  Jahrhundert  kommt  das  Wort  noch  nicht  vor.  Noch  im  An- 
m  des  zehnten  Jahrhunderts  nennt  Konig  Ordonno  II.  den  Sisenand 
llria  „Bischof  des  heiligen  Ortes"  ^).  Dagegen  heisst  es  schon  in 
m  Schrift  vom  Jahre  914  (wenn  keine  Interpolation  stattgefunden) 
FStadt  Compostella«). 

§.  10- 

Im  Jahre   842   kam   Ramiro  I.    zur  Regierung  von   Asturien^).    Ra- 
leh   der  langen    und  im  Ganzen   glücklichen  Regierung  Alfons'  II.  ^^'^  ^ 
gte    ihm   unter    den   ungünstigsten  VerhSUtnissen   sein    Verwandter 

*)  Compositum  tdus,  a  quo  dicitur  Compostella,  et  qui  voluerit  dicere 
iam  dicat  propter  Trin,  et  qui  voluerit  dicere  TUiam  dicat  propter  filiam 
^jani  principis:  et  qui  voluerit  dicere  bisriam  dicit  propter  duo  flumina, 
f$  et  üliam  (bisria,  i.  e.  iterum  rto),  zwei  Fifisschen,  Sare  et  Ulis,  zwischen 
leben  Compostella  liegt.  Einige  sagen:  „Compotem  SteUam^,  woraus  „Compo- 
la*  entstanden.  So  erklärt  noch  Seb,  de  Minnano:  Dicdonario  geografico- 
Wiistico  de  Espana  y  Portugal,  Madr,  1827,  t.  8,  p.  130. 

*)  Compostella,  quae  vox  conflata  a  duabus^  Jacomo  apostolo,  Sancti 
tobi  apostoli  fanum  sonat,  cf.  Isaac,  Vossius  zu  Mela,  Oeogr.  3,  cp,  1,  — 
ffani  dixere:  ^Oiacomo  Postolo"^  unde  contracium  Compostela. 

*)  Aera  950^  Jahr  912,  apud  Tepes,  Coronica,  t  IV,  Escritura  12.  Utile 
Mwi  fidtj  ui  Iriense  Episoopium  ad  hunc  apostolicum  transferreiur  locum. 

*)  SisnandiiSy  divino  nutu  Iriensis  episcopus,  et  ecdesiae  Sancti  Jacobi 
terdas  Apostolicus  (d.  h.  Bischof  des  Apostels)  concedimus  monasterio  S.  Mar- 
^  de  Pignario,  quod  situm  est  in  urbe  Composteüa.  —  Escritura  13^  l  c. 
K  eagr.  t.  19,  p.  72  (edic.  2,  1792). 

*)  8.  oben,  S.  339. 

NuBfl,  tpan.  Kirobe.    II.  9.  24 


IUI.    i^ioYigu,      n»^.uc     uivui.     ucgiauuigL     ibl,     UCUI     üt^ 

sichtbar  erschien,  ihm  voranging,  selbst  eingriff  in 
dem  Kri^smantel  bekleidet,  mit  dem  Hammer  bewaf 
mit  eigner  Hand  3000 — 300,000  Araber  niederhäm] 
diess  wirklich  getban,  nnd  sonst  Nichts,  so  wäre  das  c 
nicht  aus  der  Hfuid  der  Mauren  erlöst,  nicht  wiederfai 
Nicht  eine  Schlacht  wurde  im  Jahre  843  (al.  844) 
Sieg  ober  die  Mauren  errungen.  Aber  in  der  Zeit  c 
drängniss  daroh  innere  and  äussere  Feinde,  durch 
Nordmiuiner  erschien  Jacobas,  der  Apostel,  dem  Kön 
man  gewöhnlich  sagt,  im  Tranmgeeicht,  and  kündig 
Gottes  an,  den  Schuz  in  allen  Nöthen  und  Gefahren, 
Führer  und  Schüzer  dem  chrisÜicben  Spanien  vorange 
Im  Jahre  844  soll  Bamiro  der  Kirche  des  heil 
Ptirat.  sogenannte  „Privilegium  voiorum"  ausgestellt  haben,  c 
"^l^  übernommene  Verpflichtang  zn  gewissen  Lüstnngen 
gegen  den  heiligen  Apostel  Jacobus.  ^Der  König  Rai 
Gott  mit  ihm  verbundeoe  Königin  Urraca,  zugleich  x 
Ordonno,  and  seinem  Bruder,  dem  Könige  Garsia,  hi 
das  wir  dem  ruhmreichsten  Apostel  Gottes  Jacobns 
Zastimmang  der  Erzbiachöfe,  Bischöfe,  Aebte,  unser 
aller  Christen  von  Spanien  jezt  in  dieser  Schrift  ; 
damit  nicht  etwa  unsere  Nachfolger  aus  Unkenntnis 
gcthan  haben,  wieder  aufbeben*'. 

Diese  Einleitung  macht  die  Aechtheit  der  SchriÜ 
Erzbisohöfe  gab  es  im  Jahre  843  nicht;  das  Land  di 
nicht  Spanien,  sondern  Asturien.    Ob  die,  oder  eine 

<1»o    TT^^-in-c   TT.^a»<>     hiBBB       ist    nlfkt     an    HnnmatnaalioK 


Bamiro  I  oad  der  heilige  Jacobns.  371 

inigs  Brader,  wissen  wir  nichts  Sicheres.  —  Die  vier  Könige  von 
tonen  nnd  Leon,  welche  den  Namen  Ramiro  tragen,  sowie  deren 
mahlinen,  sind  hier  offenbar  confandirt,  und  unser  Schriftstück  dürfte 
bt  vor  dem  eilften,  vielleicht  erst  im  zwölften  Jahrhundert  cntstan- 
i  sein.  —  Dennoch  enthält  es  ächte  Bestandtheile,  vielmehr  ruht 
I  in  demselben  Berichtete  auf  einem  wahren  geschichtlichen  Hin- 
gmnde. 

EJs  wird  weiter  erzählt,  dass  die  früheren  Konige  vor  Ramiro  I. 
B  Arabern  jährlich  hundert  der  schönsten  Mädchen  ihres  Landes 
■geliefert,  fünfzig  aus  adeligem  Blute,  fünfzig  aas  dem  Volke,  um 
k  den  Frieden  auf  diesem  schmählichen  Wege  zu  erkaufen.  Als  er 
t Bamiro  —  die  Regierung  angetreten,  habe  er  beschlossen,  diesen 
jtoBahlichen  Tribut  abzuschaffen  (welchen  demnach  vor  Allem  sein 
Mjpmger,  Alfons  der  Keusche,  entrichtet  hätte),  und  habe  sich  darüber 
Mhen  mit  den  Elrzbischofen,  Bischöfen,  Aebten,  Religiösen,  nachher 
I  aDen  Fürsten  des  Reiches.  Nach  dieser  Berathnng  gab  er  bei 
ion  Geseze,  und  befahl,  „dass  in  sämmtlichen  Provinzen  des  Reichs 
Gewohnheiten  festgehalten  werden  sollen^.  Dann  rief  er  „von 
entferntesten  Grenzen^  seines  Reiches  die  streitbarsten  Männer  zu 
dazu  auch  die  Erzbischofe  u.  s.  w.  Sein  Befehl  wurde  erfiillt 
die  schwächsten  Männer  blieben  zum  Anbau  des  Landes  zurück, 
seinem  Heere  zog  nun  Ramiro  nach  Naxara  (Najera),  von  da 
«h  Albaida,  welche  beiden  Orte  etwas  südlich  vom  Ebro,  zwischen 
fegos  und  Calahorra,  liegen.  G^en  ihn  sammelten  sich  sämmtliche 
hher  diesseits  des  Meeres,  durch  Briefe  und  Eilboten  wurden  auch 
|l  Schaaren  jenseits  des  Meeres  aufgeboten.  Das  Heer  Ramiro's 
hlob  in  wilder  regelloser  Flucht«  Die  Uebrigen  sammelten  sich  auf 
hl  Hügel  Glavigium  (Clavigo),  wo  sie  fast  die  ganze  Nacht  in 
bftnen  und  Gebeten  zubrachten.  Ramiro  sank  in  Schlaf.  Da  erschien 
ii  in  leiblicher  Gestalt  der  selige  Jacobus,  der  Beschüzer  von  Spanien  ^). 
k^Wnndert  fragte  er  ihn,  wer  er  sei.  Er  bekannte,  dass  er  der  Apostel 
ttes,  der  selige  Jacobus  sei").  Als  Ramiro  bei  diesen  Worten  über 
Maassen  erstaunte,  fiihr  der  selige  Apostel  fort:  Wusstest  du  denn 
bt,  dass  unser  Herr  Jesus  Christus  die  andern  Provinzen  zwar 
itien  andern  Brüdern,  den  Aposteln,  ziitheilte,  dass  er  aber  ganz 
inien  wie  durch  das  Loos  meiner  Obhut  übergab,  meinem  Schuze 
Ueilte^)?     Indem   er    mit  seiner  Hand   meine   Hand   an   sieh   zog 


*)  Beatus  Jacobus  Hispaniarwn  protectar  corporali  specie  est  se  prae- 
Köre  dignaius.    Im  Jahre  843  hatte  das  christliche  Spanien  noeh  nicht  den 
„Hispaniae'^* 

*)  Apostolum  Dei,  Beatum  Jaeobum,  se  esse  confessus  est 
*)  Dominus  noster  «7.  Ch,  alias  promncias  aliis  fixüribus  meis  Apostolis 

24^ 


aer  selige  Apostel  uottes,  zur  scmacDt  ermutuigeo 
hemmend  nnd  aas  einander  schlagend  die  Scbaaren  i 
Die  Christen  riefen:  »Hilf  ans  Gott,  and  dn  seliger  Jaco 
Rof  wnrde  von  da  an  in  Spanien  gehört  Mit  diesen 
der  Ver&sser,  dass  er  selbst  lange  nach  dem  Jahre  84i 
auf  eine  frühere  Zeit  zurückweist,  ans  welcher  diese 
der  Spanier  stammte. 

An  jenem  Tage  seien  etwa  70,000  Sarazenen  g< 
verfolgte  die  Fliehenden,  nahm  die  Stadt  Calaforra  (C 
und  unterwarf  sie  der  christlichen  Religion.  Fnr  di 
wollte  Ramiro  dem  Apostel  Jaoobos  sich  dankbar  erw« 

Er  will  also,  nnd  gelobt,  dass  in  ganz  Spanien)^} 
Landstrichen  desselben,  welche  Gott  unter  dem  Namen  (^ 
des  Apostels  Jacobos  aus  der  Hand  der  Sarazenen  ' 
Ton  jedem  Joch  Ochsen*)  ein  gewisses  Maass  der  t 
nach  der  Weise  der  Brstlingsfrüchte,  ebenso  vom  Weil 
halte  der  Kanoniker  an  der  Kirche  des  heiligen  Ji 
werde,  welahe  jährlich  an  dieselbe  za  entrichten  sind, 
dass  die  Christen  in  ganz  Spanien  von  aller  Bente 
zenen  „nach  dem  Maasse  des  Antheües  eines  Soldaten 
reidien  Patron,  dem  Beeohüzer   von  Spanien,  dem  ae 


digtribumt,  totam  Hiaponiam  mea»  tuttlae  per  »ortem  dtputaa 
mitiuet  proUctioni. 


ro*«  Qm- 
Ittbde. 


Bamiro*8  Gelflbde.  373 

)en  ^).  Der  Eonig  bittet,  dass  Gt)tt  unter  Vermittlung  seines  Apostels 
lobns  diese  Graben,  und  ihn  selbst  in  Gnaden,  und  einst  in  die  ewi- 
i  Wohnungen  aufnehmen  wolle« 

Die  Erzbischofe  und  Bischöfe  behaupten  am  Schlüsse,  dass  sie  ^^i 
I  Wunder  der  Erscheinung  des  Apostels  in  ülavigo  selbst  gesehen. 
ir  das  Gelübde  des  Königs  nicht  erfülle  oder  breche,  sei  maledicirt, 
{KMnmunicirt,  und  wir  verdammen  ihn  mit  Judas  dem  Verrather  zur 
idigen  Höllenstrafe  ^),  was  doch  etwas  zu  stark^ist,  da  Gott  allein 
))  Höüe  verdammen  und  selig  machen  kann.  „Unsere  Nachfolger, 
sbischofe  und  die  Bischöfe  sollen  jährlich  mit  Frömmigkeit  diess 
lolen  (diese  Maledictionen?).  Thun  sie  es  nicht,  so  seien  sie 
die  Auetoritat  des  allmächtigen  Gottes,  und  die  unsrige  verur- 
iy  sollen  der  Excopmunicatiön  anheimfallen,  und  der  ihnen  von 
verliehenen  Gewalt  beraubt  werden^.  Gemacht  ist  die  Schrift 
|;  Tröstung,  Schenkung  und  Widmung  in  der  Stadt  Calaforra  am 
i  Mai  der  Aera  872  (834)^. 

Dulcis,  der  Erzbischof  von  Cantabrien,  unterschreibt  Sodann 
ios,  Bischof  von  Oviedo,  was,  wäre  die  Urkunde  acht,  ein  Beweis 
die  angebliche  Synode  von  811 — 814  wäre.  Es  unterschreibt 
%,  Bischof  von  Asturien,  Salomo,  Bischof  von  Astorga,  Rodericus, 
»f  von  Lugo,  Petrus,  Bischof  von  Iria,  welche  sämmtlich  zugegen 
I,  und  verschiedene  Grossen,  von  denen  jeder  den  Titel:  „potesUu 
sich  beilegt.  Endlich  unterachreiben  ^^alle  Bewohner  der  Land- 
von  Spanien,  die  zugegen  und  Zeugen  der  Erscheinung  des 
Is  Jacobus  waren". 
Einen  Erzbischof  von  Cantabrien  gab  es  nie.  Ein  Suarius  von 
lo  erscheint  sonst  nicht,  dagegen  könnte  er  zwischen  813  und  852 
haben.  Einen  Bischof  von  Asturien  gab  es  nie.  Im  Jahre  841 
^int  Fortis,  842  Novidius  als  Bischof  von  Astorga,  ein  Salomo 
in  den  Jahren  931 — 952;  ein  Bischof  Roderich  von  Lugo  erscheint 
'  in  den  Jahren  1181 — 1218.  Ein  Bischof  Petrus  von  Iria  (Compo- 
la)  erscheint  erst  in  den  Jahren  986 — 1000. 

Wir  haben  ein  unächtes  Aktenstuck  aus  sehr  später  Zeit  Aber  nach 
der  Ansiebt  erschien  doch  der  Apostel  Jacobus  dem  Könige  Ra- 
>  im  Anfange  seiner  Kegierung,  wohl  zu  Clavigo,  wo  zum  Andenken 
iiese  Erscheinung  noch  in  unserm  Jahrhundert  eine  grosse  könig- 


*)  ad  mensuram  portionü  unius  militis  glorioso  Patrono  no9tro,  et 
Harum  Protectori  Beato  Jacobo  fideliter  attrünuxtur, 

')  eum  maledicimus,  et  excommunicamus,  et  cum  Juda  traditore  gehenali 
>a  damnamus  in  perpetuum  cruciandum, 

*)  Andere  besser  Äera  882. 


des  Apostels  Jacobns  zur  Erhebung  nnd  Errettung  von  i 

§.  u. 

OrdoDiDs ,  der  Nachfolger  des  Königs  Bamiro , 
'  Jahre  854  an  den  Bischof  Athaolfns  II.  von  Iria  (Athai 
in  den  Jahren  848 — 851,  vielleicht  unmittelbar  nach  The< 
er  ans  Ehrfurcht  vor  dem  seligen  Apostel  Jacobns,  den  < 
Male  „seinen  Patron ,  und  den  Patron  von  ganz  Spt 
„dessen  Leib  beigesezt  ist  in  Gallaetia,  in  dem  Gebiete 
den  Bischof  in  dem  Besize  jener  drei  Miglien  bestätige, 
Voi^ioger,  Alfofia  der  KeuBohe,  zu  Ehren  des  Apostels  Jaoo! 
habe.  Er  selbst  gibt  gleichfalls  „zum  Heile  seiner  Seele 
Ehre  desselben  Apostels"  andere  drei  Miglien,  so  dass  c 
sechs  Meilen  sind'),  und  dass  das  ganze  Volk,  welches  da 
dem  heiligen  Orte  ebenso  diene,  wie  es  mir  und  meinet 
gedient  bat"*). 


§.  12. 

AI.  Alfons  der  Grosse  machte  im  Jahre  866  (Era  904 

*"  «^  Bischöfe  Athaulf  IL  eme  neae  Schenkung.  Er  gibt  and 
haiiif*  »den  heiligsten  Ort  uosers  Patnms,  des  heiligm  Apoe 
^**'>°^mit  Allem,  was  seit  langer  Zeit  zn  diesem  Orte  gehört  1 


Pftdron. 


Alfons  III.  und  der  heilige  Jacobns.  375 

I  gehört,  was  seine  Vorgänger  und  er  selbst  bisher  gegeben  und 
titigt  habe^.  Er  fugt  hinzu  den  Bischo&siz  von  Ina,  wo  die  Kirche 
heiligen  Jungfrau  Eulalia  ist,  mit  allen  Einwohnern,  wie  die  Bi- 
^e  Theodemir  und  Athaulf  (I.)  es  besassen.  Von  dieser  Zeit  an 
or  sich  der  Name  „Iria^  mehr  und  mehr,  und  „Iria^  erhielt  den 
Ben  „Ei  Padron^,  den  es  heute  noch  besizt,  weil  es  Eigenthum  „des  _  bi 
Kma^  von  Spanien  war*).  El  Padron  liegt  etwa  4  Leguas  von 
^KMtella,  2%  Leguas  von  dem  Meere  entfernt,  während  das  alte 
I  etwas  näher  dem  Meere  lag.  Diess  erklärt  sich  vielleicht  theils 
Bk  das  Zurücktreten  des  Meeres,  theils  dadurch,  dass  £3  Padron  in 
Richtung  von  Compostella  neu  gebaut  oder  erweitert  wurde.  Bis  in 
neuere  Zeit  wird  El  Padron  eine  Hafenstadt  genannt,  da  der  FIuss 
'  (vereinigt  mit  dem  Flusse  Ulla)  bedeutend,  und  die  Meeresfluth 
tu  einer  Miglie  von  dem  Orte  heraufsteigt^). 

§.  13. 

Im  Jahre  880  (Era  918)  gab   Alfons  III.   dem  Bischöfe^  Sisnan-     ai- 
I  der  schon  869  als  PresbytiT  und  Verweser  des  Bisthums  genannt  '<»"•  "^ 
I,  auf  das  Neue  die  Bestätigung  in  allen  Besizungen  des  Bisthums 

besonders  „das  Haus  des  heiligen  Apostels  Jacobus,  unsers  Pa- 
i ,  mit  allen  Leistimgen  an  es.  Diese  „Cancesaio^  und  „ConiestaHo^ 
le  ausgestellt  am  30.  Juni  880  (Era  918)^). 

In  den  Jahren  88ö  und  886  schenkte  Alfons  lU.  die  Güter  zweier 
ichwörer  und  Rebellen  gegen  ihn  dem  heiligen  Jacobus,  „unserm 
on'^.     Neben  dem  König  wird  seine  Gemahlin  Ekemena  genannt. 

§.  14. 

Manche  andere  Schenkungen  an  den  heiligen  Jacobus  müssen  hier 
gangen  werden,  welche  von  Laien  oder  Priestern  gemacht  wurden^ 
Zungen,  welche  zum  Theil  weit  entfernt  lagen,  z.  B.  in  Leon  oder 
»ira.  Um  das  Jahr  895  hatte  Alfons  III.  vorübergehend  Coimbra 
ert,  und  er  schenkte  aus  Dankbarkeit  verschiedene  Orte  und  Kir- 
i  in  der  Nähe  dem  heiligen  Jacobus^).     Diese  Schenkung  geschah 


*)  ÄDdere  ErkläruDgen  gibt  Florez,  t  19,  p,  3  sq.,  welche  mir  unhaltbar 
inen,  z.  B.  dass  König  Ferdinand  II.  1164  den  Ort  viUa  P^wni  nenne;  es 
I  wohl  heissen:  Patroni;  FLorez  meint:  Petronii. 

*)  Minnano,  s.  v.  Padron. 

*)  Esp.  sagr.,  t.  19,  append.  7. 

*)  Viüas  in  suburhio  Conimbricensi,  guas  nuper  Dominus  de  manu  Oen- 
m  abstuUt. 


376  Zeholes  Baclj.    EntM  KafUtL 

»m  30.  December,    wo    man   von    Altefs   her,    nnd    MK&   du 
Hanptfest  den  heiligen  Jacobus  in  Spanien  fflieite* 

§•  IS. 

Die  alte  nnd  erste  Kirche   des   heiligoi  Jaoobns    ratspt*' 

mehr  der  neuen  glänzenden  Zeit.     Alfons  IL    hatte    ne   uu  S 

ßrdc  gebaut;  sie  war  zu  klein.     Sisenand  bat  Alfinw  HL,  dass 

Neim    Apostel  einen  herrlichem  Tempel  bane.    Ans  weiter  Feme,  za  L 

xbxba  gp^^  ]jjg  ^^^  Porto,   und  dem  zerfallenen  Area,   woiden  die  B 

Comp«-  und  der  Marmor  her  beigebracht.     Alfons  III.  aandte   an  Papel 

•^"•-  nes  IX.  (898—900)  als  seine  Gesandten  den  Serems  und  Side 

der  Angelegenheit  der  Kirche  von  Santiago  nnd  des  Bisthams 

Der  Papst  billigte  die  Anträge   nnd    sandte  den  BainsldoB   als 

Nuntius.     Der  König  bestimmte  nun  als  den  Tag  der  fänweibi 

neuen  Kirche  den  6.  Mai  899. 

Es  waren  zugegen  die  BiEcböfe  Joannes  von  Oaca  (oder  l 
Vincentius  von  Leon,  Gomellus  (oder  Geaoadins)  von  Astorgi 
menegildus  von  Oviedo,  Dulcidina  von  Salamaoca,  Jacobne  voi 
Nansti  von  Coimbra,  Argimir  von  Lamego,  Theodorich  (oder 
deniir)  von  Viaeo,  Gumadus  von  Porto,  Argimir  von  Braga,  I 
von  Tny,  Egila  von  Orenee,  Sisnondus  von  Iria,  ReoaredosTOD 
Theodesindus  (Rudesindns  1.  ?)  von  Britoninm,  Eleca  von  Sarag 

Der  König  kam  am  festgesezten  Tage  mit  seiner  Gei 
seinen  Söhnen,  und  mit  all'  seinen  Grossen  (oder  Grafen)'), 
Namen  Sampiro  aufzählt.  Viel  Volk  strömte  zusammen.  Am  I 
wurde  die  Kirche  geweiht;  einzelne  Altäre  von  einzelnen  Bis< 
Der  Hanptaltar  war  dem  Heiland  der  Welt  geweiht;  zu  seiner  K 
stand  der  Altar  der  Apostel  Petrus  und  Paulus,  zu  seiner  Linki 
Altar  des  Apostels  Johannes. 

Der  Altar  über  der  Gruft  (dem  heiligen  Leibe)  des  A[ 
Jacobus,  sei,  sagt  Sampiro,  welcher  1035  Bischof  von  Astorga 
von  den  sieben  Schülern  des  Jacobus  eingeweiht  worden,  deren  I 
sind :  Calocerus ,  Pius ,  Basilius ,  Grisogonus ,  Maximns,  Theo 
Athanasiiis,  mit  Ausnahme  der  zwei  Leztern  ganz  fingirte  Name 
dichtet  mit  Rücksicht  auf  die  von  Rom  nach  Spanien  ges 
Siebenmänner, 

Kein  Bischof  wagte  diesen  Altar,  der  sehr  wahrscfaeinhc 
712 — 756  über  dem  Grabe  des  Apostels  errichtet  -worden,  wie 
weihen.  Nur  die  Oration  und  die  Messe  wurde  anf  demselben  gesui 

')  CKronicon  Sampiri,  Eap.  sagr.,  t.  14,  p.  442  (456). 

')  cum  univtrih  Potestatibus. 
')  Chronirou  ü'umpiri,  p.  457. 


Nene  Kirehe,  geweiht  899.  377 

Am  6.  Mai,  dem  Tage  der  Weihe,  stellte  Alfons  III.  die 
ide  der  neuen  erweiterten  Schenkung  an  die  Kirche  des  heiligen 
US  ans^),  „dem  Himmelsbewohner,  unserm  ruhmreichen  Herrn 
?atron,  dem  heiligen  Apostel  Jacobus,  dessen  ehrwürdiges  Grab 

marmornen  Bogen  ist*)  —  in  der  Provinz  Gallecia'';  er,  die 
;e  Exemena,  mit  „unserm  Vater'^  dem  Bischof  Sisnandus,  auf 
ti  Antrieb  er  das  Grab  erneuert  und  erweitert^  habe.  Er  schenkt 
„heiligen  Altar^'  des  Apostels  verschiedene  Kirchen  und  Villen, 

S.  Christophorus  am  Ufer  des  Minho,  mit  der  Villa  Nugaria, 
len  Wald  Magnimiri,  die  Kirche  der  heiligen  Eulalia  in  Monteni- 
die  Kirche  der  heiligen  Maria  in  Arenoso  am  Flusse  Thena,  und 
e  Villen,  u.  a.  die  Familie  der  heiligen  Eulalia  des  Sizes  von 
das  Kloster  des  heiligen  Bischofs  Fructuosus  im  Orte  Monteselios 
raga^),  Dumium  mit  seinem  ganzen  Gebiete;  die  ganze  Villa 
tia  mit  der  Kirche  des  heiligen  Petrus;  die  Insel  Acnes  mit  der 
e  des  heiligen  Martinus,  die  Insel  Arauca  mit  der  Kirche  des 
en  Julianus,  die  Insel  Saltare  mit  ihrer  Kirche,  die  Insel  Ocobre 
er  Kirche  des  heiligen  Vincentius,  die  Kirche  der  heiligen  Maria 
ies  heiligen  Romanus  in  der  Vorstadt  von  Leon,  viele  Villen  im 
te  von  Astorga,  Oviedo  und  Coimbra.  Diese  Villen  und  Kirchen 
it  er  zur  Vergebung  seiner  Sünden  dem  seligen  Apostel  Jacobus. 
künftiger  Bischof  des  heiligen  Ortes  möge  auf  eine  dieser  Besiz- 
.  Verzicht  leisten,  oder  Versuche  gegen  seinen  Besizstand  gleich- 

und  sorglos  zulassen.  Ebenso  werden  die  Nachfolger  Alfons'  HI. 
im  ermahnt,  seine  Vermächtnisse  an  den  heiligen  Jacobus  nicht 
Igten,  oder  antasten  zulassen.  Er  schliesst  mit  der  Bitte:  „Nimm 
ir  bitten  dich,  o  Herr,  diese  Gaben,  welche  wir  darbringen  in 
Tempel  deiner  Ehre  (in  der  Kirche)  deines  Apostels  Jacobus, 
reiche  wir  in  die  Hände  deines  Bischofs  Sisnandus  legen,  welcher 
ch  mit  uns  dieses  Gelübde  vollzogen  hat.  Wir  bestätigen  Alles, 
nsere  frömmsten  Ahnen  und  unsere  Eltern  diesem  deinem  Hause 
srt  haben,  unser  Urgrossvater  seligen  Andenkens,  der  Fürst  Al- 
II.),  unser  Grossvater^  der  Fürst  Banimir  guten  Andenkens,  und 

Vater,    der   Fürst  Ordonius^    welche   mit   keuschem    Sinne   auf 
[  heiligen  Altare  viele  Gaben  und  Geschenke  dargebracht  haben^^ 
ischehen  am  Tage  der  Kirchweibe,  am  6.  Mai  899. 
"Es  unterzeichnen  die  Bischöfe  (nach  ihrem  Weihealter)  Theodemir 


■)  Dotatio  Ecclesiae  Sancti  Jacobi  per  regem  Adrfansum  IIL  in  die  con- 

4mis  templi,  Era  937  (899), 

*)  mb  arcis  marmoricia  (oder  anch  marmorner  Tnmba). 

*)  studuimus  Aulam  tumtdi  tui  instaurare,  et  ampliare, 

*)  cf.  oben,  S.  151—155. 


Bis  jezt  hatte  man  sieh-nocU  mcbt  die  Frage  vor; 

Weise  und   aaf  welchem  Wege   der  Leib  des    heilig 

Compostella  gekommen  sei;  noch  viel  weniger  hatte 

Nachricht,  dass,  oder  ob  der  Apostel  lebend  nach  S 

sei.    Man   besass  den  kostbaren  Schaz  seiner  Beliqui 

und   verehrte   den  Apostel   als   den  Patron   des    chri 

Mehr  wusste  man  nicht.     Der  König  AU'ons  III.  erhi 

Dl«  Tn-  seinem  Tode  um  das  Jahr  906  einen  Brief  von  dem 

j^^'i'von  Tours,  auf  welchen  er  im  Jahre  906  antwortet,  n 

tont  in.  hülb  Dcagierig,  halb  zweifelnd  über  den  kostbaren  S 

^^    erkundigten.     Diess  war  ihnen  aber  eine  Nebensache 

mehr  dem  Alfons  III.  eine  goldene  Kaiserkrone  znm  I< 

„der  König  von  Spanien"^),  antwortete   d^m    chmtlit 

den  Hütern   des   Grabes    des  heiligen  Bekenners  Chr 

Martinus  von  Tours".     Sie  hatten  ihre  Briefe  durch  J 

dem  Bischof  Sisnand  übergeben  lassen.     Er  beklagt, 

nen  den  Dom  des  heiligen  Martinus   in  Tours    verbr 

neser  wollten  ihn  wieder  bauen,  und  darum  wabrscbeii 

Krone  verwerthen. 


')  Vietleicbt  mnss  es  heiuen:  Gomadiu  (von  Oporto),  Vi 

M  dasB  diese  iwei  Bischttfe  nur  ihre  Namen  nnterscbriebeo  faSi 

*}  Er  beisat  aonit  Theodemtr  und  ist  vielleicht  der  o 


Alfons  m.  an  die  Tnroneser  (906).  379 

Sie  hatten  wiederholt  geschrieben,  dass  sie  eine  kaiserliche,  aus  nir« 
Jd  nnd  Eklelsteinen  gezierte  Krone,  würdig  seiner  Fürstlichkeit^  KAia«r- 
MQ,  nnd  sie  hatten  den  Bischof  Sisnand  gebeten,  seinen  Einfluss 
f  den  Konig  geltend  zu.  machen,  dass  er  sie  ihnen  abkaufe.  Gern 
bt  er  auf  das  Anerbieten  ein.  Zwischen  ihm  nnd  seinem  Freunde, 
IB  Herzog  Amalvinus  von  Bordeaux,  bestehe  ein  Verkehr  zur  See^); 
( Monate  Mai  (906)  fahren  seine  Schiffe  nach  Bordeaux,  mit  ihnen 
Ute  von  seinem  Hofe^),  während  sie  ihre  Krone  bis  Mitte  Mai  an 
ben  Freund  senden  möchten.  Er  werde  ihnen  ohne  Zögern  die  ganze 
niune  bezahlen;  er  wolle  ihre  Kirche  nicht  schmälern,  sondern  sie 
reichem.    Er  sende  ihnen  auch  Geschenke  zu  ihrem  neuen  Kirchenbau. 

JE!r  bittet   sie,   ihm   die  Berichte   über   die  Wunder   des  heiligen    Heu. 
riinns  von  Tours  zu  senden;   er   bietet  ihnen  dagegen  „das  Leben  ^^*^' 

Vüer  von  Merida"^)  an. 
,,Wenn  ihr  im  Uebrigen   fragt,   welches  Apostels  Grab  sich   bei  Aifont 

befinde,  so  wisset  ganz  sicher,  dass  wir  das  Grab  des  Apostels  ^"'^^^ 
>1yiis,  des  Zebedäus  Sohn,  des  Boanerges,  der  durch  Herodes  ent-de«heii. 
jvtet  wurde,  in  marmornen  Gewölben*),  in  der  Provinz  Galicien, •'*~^"*- 
Ben.     Denn  durch  die  Leitung  der  Hand   des  Herrn  ist  sein  Leib, 

*^ele  wahrhaftige  Berichte  aussagen,  bis  dahin  durch  einen  Kahn 
bnseug?)  gebracht  und  hier  begraben.  Sein  Grab  leuchtet  bis  heute 
dh  viele  Wunder:  Besessene  werden  hin  und  her  geworfen^),  den 
iden  wird  das  Augenlicht  wieder  gegeben ,  den  Lahmen  ihr  gerader 
1^,  den  Tauben  das  Gehör,  den  Stummen  die  Sprache,  und  viele 
5s»e  Wunder  geschehen,  von  denen  wir  gehört,  und  die  wir  gesehen, 

die  uns  die  Bischöfe  und  Kleriker  erzählt  haben. 

,^enn  wie  er  zu  Jerusalem  von  Herodes  enthauptet  wurde,  wie 
^her  geführt  und  begraben  wurde,  zu  welcher  Zeit  und  auf  welche 
^mej  diess  ist  Allen  bekannt  und  sonnenklar,  und  die  wahrhaftigen 
kCb  unsrer  Erzbischöfe,  die  Geschichten  der  Väter  und  die  Aussagen 
bezeugen  es*). 


')  navalem  remigationem  inter  vos  (nost),  et  amicum  nostrum  ÄtncUui- 
Dticem  Burdelensem  inesse* 

*)  cum  pueria  pakttii  nostri. 

*)  S.  oben  S.  118. 

*)  in  archis  Marmoricis.  Manu  enim  donUni  gubemante^  ut  muUae  veri- 
^  cantinent  historiae^  usque  ibidem  per  rotem  ccrpus  ejus  perlatum  est 
CK  sepuUvm, 

*)  ladnantyr  daemones. 

^  Nam  quomodo  in  Jerosolima  ah  Herode  deeollatus  est,  et  huc  sport€h 
Ugue  sepuUusy  vel  quo  tempore,  vet  quomodoy  evidenter  manifestum  omni- 

et  veridicae  nostroi^m  Ärchiepiscoporum  Epistolae,  et  Palrum  historiae, 
"^^torum  testantur  cloquia,    Q,uod  si  ad  singida  modo  voluerimus  ea  vohis 


aem  \jne,  wejcner  „Ziwei-f  lusse-  (,oienaj  tieisst,  aas  iBt 
Biedio&siz  Iria  der  heUigea  Ealalis  zehn  HiglieD,  von  h 
SD  seinem  herrlichen  Grabe  zwölf  Miglien  sind.*' 

Von  einem  Weilen  des  Apostels  in  Spanien  sdbst  m 
Luidstriche  weiss  Älfons  III.  im  Jahre  906  noch  Nicht« 
des  Apostels  kam  durch  ein  kleineres  Schiff')  nach  Ir 
Bisiia  heisst,  and  von  da  in  das  Innere  des  Landes.  W 
diesB  geschehen,  daräber  weiss  Alfons  III.  Nichts  zn  ga 
sollen  sie  das  Nähere  er&hren.  Sonst  vird  der  Brief  zo 
die  Boten  haben  Eile. 

Was  weiter  geschah ,  wissen  vir  nicht,  Alfons  IIL  s 
und  weitere  Docnmente  sind  nicht  zur  Hsod"). 

§•  17. 

Früher  waren  zur  Zeit  der  Verödung  ihrer  Size  d 
von  Tay  nnd  Lamego  Pfarreien  nnd  Kirchen  im  Bisthui 
wiesen  worden.  Der  König  Ordonno  U.  nnd  seine  Geo 
schenkten  dnrch  Urknnde  vom  29.  Janaar  915  diese  Deca; 


narrare,  in  Itmgiua  vexetur  ttibu,  quo  modum  exademtu  Epittdta 
ft^mationem  gerulomm  gm  nolvermU  remoran.  Sed  opütUm 
vatri  ad  not  dtvetierint  Clerici,  omnia  liguidiut  et  emtcUaie,  i 
hrvtione  retenla,  ged  Quod  a  aanetia  Patribvs  aceepimtu,  et  tat« 
vabi»  dirigere  von  dentgamus,  Deo  amntente,  tt  amota  omm  Aoei 
cndali»,  quod  rectum  ti  jtutum  lenemiu.    Quod  autem  escquinttit 


WaohseDde  Yerehrnng  des  heüigen  JacobuB  (906—962).  381 

Bisthum  Iria  zurück^).    Denn  die  starke  Hand  der  Vorfahren  des  i>erh«i. 
onno,   |,der  Kaiser,  seiner  Grossväter   und  Väter,   hat  einen  Theil  ^^tm^ 

alten  Spaniens  zurückerobert,   er   selbst  hat  den  ,,Nacken   seiner  »i«  v^- 
de  gebrochen^,  und  mit  Betrübniss*)  sind  sie  in  der  Holle  begra-  ^^^. 
worden,   die  noch  übrigen   (Mauren)    denken  bereits   daran   (?  ?),  »«r  spa- 
n  zurückzukehren,  von  wannen  sie  gekommen  sind.    In  den  erober-  ^^^^ 
Gebieten  sind  die  Size  von  Tuy  und  Lamego  bereits  wieder  her- 
ellt.    Bei  dieser  Wiederherstellung   waren   betheiligt   die  Bischöfe 
uredus  von  Lugo,  Froarengus  von  Coimbra^,  Jacobus  von  Coria, 
nadius  von  Astorga,  Savaricus  von  Dumio,  Asuri  von  Orense,  Ad- 
von  Zamora,  Fronimius  von  Leon,  Oveco  von  Oviedo,  Ansericus 

Viseo.  Diese  Bischöfe  müssen,  so  weit  sie  können,  zu  ihren 
n  zurückkehren,  damit  dem  Bisthum  Iria,  welches  „mit  dem  Orte 
srs  Patrons,  des  heiligen  Apostels  Jacobus  verbunden  ist'',  sein  un- 
dirankter  Bezirk,  wie  es  von  Alters  her  war,  bleibe:  Möge  kein 
marozer^)  des  Fiscus  die  Pforte  des  heiligen  Jacobus  beunruhigen, 
Aer  au%estellt  ist,  die  Seelen  aller  Einwohner  aus  den  Gebieten 
niens  bei  dem  Tage  des  Gerichtes  (dem  Richter)  darzustellen''^).  — 
r  bricht  die  ebenso  erhabene  als  wahre  Idee  durch,  dass  Jacobus 
et  der  leibliche  Vorkampfer  Spaniens  in  blutigen  Schlachten,  son- 
a  der  geistige  Fürbitter  für  dasselbe,  besonders  für  die  Seelen  der  jamInm 
geschiedenen  bei  dem  Gerichte  Gottes  sei;   es  liest  in  dieser  Idee  ^  ^^' 

^  »  o  bitter. 

unleugbare  Bestätigung  unsrer  Anschauung.  Gott  hat  femer  dem 
Lonius  durch  die  Vermittlung  des  heiligen  Apostels  eine  nicht  ge- 
*c  Zahl  von  Christen  unterworfen^  wesshalb  er  neue  Schenkungen 
Liand  den  alten  beifügt.  Nach  seinem  Tode  möge  ihn  dafür  der 
ige  Jacobus  und  die  heilige  Eulalia,  seine  Hechte  und  Linke  hal« 
ly  in  das  ewige  Leben  einführen*). 

In  einer  andern  Urkunde  desselben  Königs  vom  Jahre  915  wird 

romische  Kirche  „die  Mutter  der  Christenheit''  ^  genannt.    In  einer 
ainde  vom  Jahre  927   des  Königs  Sancius  wird  der  Apostel  Jaco- 

lyUnser  von  dem  Herrn  erwählter  Patron'^  genannt.  In  einer  Ur- 
de  des  Königs  Ramiro  U.  vom  Jahre  934  heisst  es,  dass  der  Leib 


*)  ad  honorem  sancti  Jacobi  Apostoli,  cujus  heneoolwn  eorpua  turmdaium 
agnoseUur  Promncia  Ocdleciae,  8ub  arcia  marmorieis  in  finibus  Amaeae. 
^  cum  amaritudine,  nostra  relinquentes^  in  infemo  demerH  sunt. 
*)  FroareDgüs  von  Coimbra  wird  sonst  nicht  genannt;  die  Uebrigen  passen  zu 
I  Jahre  915. 

*)  es  heisst  scurro  fisci,  wahrscheinlich  scwrra. 

')  qui  omnium  finium  Hispaniae  ad  judicii  dient  ju99ua  est  praesentare 

*)  l.  c  t  19,  append.  14. 

Ö  quae  est  mater  ChrisHanitatis. 


Abt  Ciisariitt.  388 

Bah   in   seiner  nächsten  Nähe   die  Bisthumer  Barcelona,   Gerona, 
>na,  Urgel,  Lerida,  Derios^  Hnesca,  Tarragona,  Pampelona,  aber 
Herz  überwallte  vom  Schmerze ,   als  er  die  alte,   ehrwürdige  Me- 
>le  Tarraco  in  Trümmern  sah,   nnd  es   schnitt  ihm   in  die  Seele, 
die  Bischöfe  dieses  schonen  Landes  ihren  Metropoliten  jenseits 
Pyrenäen,  im  Lande  der  Gallier,  zu  Narbonne,  hatten.    Er  fühlte 
ich  einen  unwiderstehlichen  Drang,   er  hielt   sich   von  Gott   dazu 
(Ssn,   die  alte  Metropole  Tarraco  wiederherzustellen,  und   er  fand 
lieses  gottgefällige  Werk  einen  geeigneteren  Mann  nicht  yor,   als 
selbst.    Sofort  ergriff  er  seinen  Wanderstab  und   er  lenkte  seine 
itte  zu  dem  Grabe  des  Apostels  und  Patrons  von  Spanien.    Was 
weiter  geschah  und  nicht  geschah,  theilen  wir  aus  seinem  (viel- 
wegen  Schwulstes   nicht  übersezbaren)  Briefe  an  den  Papst  Jo- 
les  XII.  mit  (905-964)*). 
Nach  einer  unendlich  schwulstigen  „capfcttio  benevolentiae^  spricht  osmiiia 
^Meinem    Herrn    Joannes   (XII.):     Ich,    Cäsarius,    von    Gottes   ^'^"^ 
den  unvTÜrdiger  Erzbischof  der  Provinz  Tarracona,  welche  gegrün-  compo- 
ist    in  Spanien.    O    Herr,    mein    Vater,    heiligster  Apostolicus,  •**"^ 
i  mich,  Vater y    wie  ich  gewandert  bin   zu  dem  Dome  des  hei- 
i  Jacobus   des   apostolischen   Sizes,  welcher  begraben  ist   in  sei- 
apostolischen Size  in  Gallicia,  und  ich  unwürdiger  Vorgenannter 
m  dem  Hause  des  heiligen  Jacobus,   und   ich  habe  gebeten  um 
Benediction   (d.  i.  die  Uebertragung)  der  Provinz  Tarragona   und 
*  Zugehörigkeiten^),   d.  i.  Barquinona,  Egara,  Jerunda,   Ympurias 
«  Ampurias),  Ausona,  Urgellum,  Hilerta  (d.  i.  Lerida),  Hyctum^), 
iiiosa   (Dertosa),   Cäsaraugusta,   Oscha   (d.  i.  Huesca),   Pamplona, 
ba  (d.  i.  Oca),  Calahorra,  Tirasona.    Und  es  werden  (sein)  sech- 
.  Städte  unter  der  Metropole  von  Tarraco  (mit  dieser  selbst).    Ich 
I  also  um  die  Benediction  mit  der  oben  genannten  Provinz  gebeten, 
ich  habe  (sie)  gefunden.    Nämlich  einen  (gewissen)  ruhmreichsten 


■)  Die  Eiuleitnng  des  Briefes  können  wir  nur  lateinisch  geben,  da  sie  jedes 
lehes  einer  Uebersezong  spottot  Er  betitelt  den  Piqwt:  Sydereo  fidgore  vduti 
poU  luminaria  virtutum  meritis  radianÜ,  florerUi  ut  olore  opinione  alma, 
mti  ut  lÜium,  pudicUiae  dngtUo  rubenti  ut  rosa,  prolixa  execratione  (?) 
B9iagticae  ut  apparet  gaudium  jejuniorum  trigüiarumque^  ac  obedienHae 
wubmUtentivm,  fragranti  respersione,  odorifera  unitate^  (inf)dis80ciabüi 
t^  amorisy  ac  henignitatis,  et  suatntaHs  vinctdis  conneocum,  quorum  oratio 

Uo  aeihereoque  throno  penetrat  sicut  incensum nitore  et  humilüatia 

üo  retpUndet  color  (vielleicht  violaceo  resplendenti  colore),  et  laus  ac  end- 

wd  prope  resonare  cemitur,  Domno  meo  Joanni  ego  Caeaarius  indigmu 

ÜB  Dei  Archiepiscopus  Provinciae  Tarracona,  quae  est  fimdata  in  Spania. 

")  petivi  benediciionem  de  Provincia  Tarragona,  vel  mUs  nrnnificentiis. 

*)  Hyctum,  es  könnte  Jacca  sein. 


'  weiben,  nna  es  sclmeU  tban. 

Wiliolfus,  der  strahlendste  Mann,  Bischof  von  Tod« 
vtdlem  Anblick'),  sprach:  Unser  Vorhaben,  es  zu  tbun*),  { 
Denn  von  anaern  Fürsten  ist  es  (uns?)  befohlen  word 
Concilien  von  Toledo  geordnet,  so  dass  wir  die  Gewalt 
wir  als  Recht  erkannt  haben,  auch  zn  than.  Wir  wollen 
ist  gerecht.  (Der  heilige)  Rudesindns,  Bischof  von  Dom! 
salluB,  Bischof  von  Leon  (951 — 967),  Adovarins,  Bischof« 
Afltorga  (sonst  Odoarios,  952 — 962) ,  Dominicus  von  Numa 
jezt  Zamora  genannt  wird  (960 — 968),  Tudemandus,  Biscl 
von  Salamanca  (welcher  nur  968  nnd  962  genannt  wird 
Bischof  des  Sizes  von  Orense  (erscheint  nur  im  J^ire  96 
Bischof  des  tamacenBiscben  Sizea  (Lamego)*),  Didacos, 
Sizes  von  Fortacale'),  stimmten  bei. 

Der  Abt  Adamantias,  der  heiligste  und  gotteefürcbti] 
heiterm  Angesicht  sprach:  In  der  regulären  Unterwerfong 
halten,  die  wir  innehalten  müssen,  womach  dieser  die  ^ 
Oberbirten  erlangen  mnss'). 


^  wahnoheinlioh  feUt:  die  Bi>ohBfe  der  Pioviiu  beiwohnten. 

^  S.  VÜiuyiu,  erscheint  seit  952,  rerignirte  am  97a 

*)  noiira  prativmtio  faäendi, 

*)  In  der  bis  jeit  bdamnten  IMhenfblge  der  BiachOfe  von  l4 
grosse  Llloke  von  Pantsleon  933  bis  Jaoobos  im  Jahre  981',  da  der  1 
aarias  erst  ans  den  gKIseeUaiieen*  des  BaluEins  (t.  7,  p.  57)  in  die 
grada'  überging.  Da  loh  die  „Siamoria  dtronologica'^  der  BimliSfi 
Usboa  1789,  nicht  anffinden  konnte,  weiss  Ich  nicht,  ob  Ornates  < 
JedenMs  tätt  er  in  die  grosse  lAtke  von  932  bis  981  ein,  die  er 


Cisariofly  als  Enbischof  fiweiht  385 


Viele  Andere  aber  sprachen  mit  grossem  Frohlocken:  VfBhf  ISt 
).  Wir  wissen,  dass  der  yorgenannte  Diener  Gottes,  derAbtCae- 
B  (ein  vortrefflicher  Mann  ist?),  znm  Erzbischofe  mässen  wir  ihn 
iilen. 

„Ich  Sancio  (König  von  Galicien)  habe  diese  Provision  unter- 
sben  —  29.  November  (c.  96i^).  Dieses  Alles  bestimmen  und 
tigen  wir  in  einem  einzigen  CoUegium''. 

Die  oben  angeführten  Bischöfe  salbten  mich  und  segneten  mich 
ler  Provinz  Tarraco,  und  ihren  Angehörigkeiten,  den  erwähnten 
Hen.  Und  ich  Cäsarius  kehrte  als  Archipräsol  (Erzbischof)  in 
3  erwähnte  Provinz  zurück,  und  es  widersprachen  mir  die  Bischöfe  ciMriu 
folgenden  Namen:  Petrus,  Bischof  von  Barcelona  (962—972);]^^^ 
Iphos,  welcher  vordem  Bischof  von  Gerona  war^);  Atto,  Bischof 
Aosona  (957 — 971);  Wisaldus,  Bischof  von  Urgel*),  und  Emeri- 
Metropolitanbischof  des  Sizes  von  Narbonne  (927 — 977).  Diese 
löfe  also  sagten:  jenes  Apostolat,  welches  genannt  wird:  „Spanien 
Abendland^,  war  nicht  das  Apostolat  des  Apostels  Jacobus;  weil 

Apostel  nach  seinem  Martyrtode  hieher  kam,  keineswegs  in  sei- 
Leben*).  Ich  aber  habe  ihoen  eine  Antwort  gegeben  nach  der 
nbchen  Auetoritat  aus  dem  Concil  von  Nicaa,  wo  318  Bischöfe 
li,  und  nach  dem  Kanon  von  Toledo,  wo  66  Bischöfe  unterschrie- 
kaben^),  im  Jahre  3  des  Königs  Sisenand*^. 

O  Herr  (Papst),  wisset  doch,  dass  nämlich  Petras  Rom  (als 
)  erhielt,  Andreas  Achaja,  Jacobus,  welches  bedeutet  (?)  Sohn  des 
daus,  der  Bruder  des  Apostels  Joannes,  predigte  in  Spanien  und 
Abendland,  und  unter  Herodes  starb  er  dnsch  das'  Schwert^. 
068,  welcher  bedeutet  den  Sohn  des  Zebedäus,  hat  in  Asien  und 
phesus  gepredigt.  Thomas  hat  in  Indien  gepredigt,  Matthäus  in 
sdonien,  Philippus  in  Galatien,   Bartholomäus   in  Lichaonien,   Si- 


*)  alii  avtem  plures  cum  magna  exultatione  dixerunt:  Verum  est  hoe. 
nu8  quia  hie  famulus  Dei  praedictua  Catsarius  Alba  Ärchiepiscopum  eum 
mis  eligere. 

^  Amnlph,  954,  f  17.  April  970.  Der  Brief  des  Cftsarins  kann  nicht  erst 
dar  spSter  geschrieben  sein,  denn  Papst  Joannes  XII.  lebte  nor  bis  964.  Man 
Termathen,  dass  Bischof  Arnulph  entweder  abdankte,  oder  Cäsarius  die  falsche 
loht  von  seinem  Tode  erhalten  hatte. 

*)  sonst  Wisadns  II.,  der  vom  Jahre  942—978  vorkommt 

^  quia  istum  Apostolatum,  quod  e$t  nominaium  Spania  et  Occidentalia, 
wnt  non  erat  ApostolaJtum  S.  Jacobi;  quia  iüe  Apottoltts  interfedus  hie 
,  tmUo  modo  autem  vivua. 

*)  aof  der  vierten  Synode  von  Toledo  waren  56  Bischöfe  nnd  7  Vicarien  (im 
lA  69  Unterschriften). 
^  Bpaniam  et  occidentalia  loca  praedicavit,  et  sub  Herode  gladio  cae$u$ 

f  paa.  KIrehe.  IL  S.  25 


Vater,  bei  Gott  dem  allmächtigeo  Vater,  dass  ibr 
eure  Briefe')  mir  darch  diesen  Priester  NameDs  Gi 
wollet.  Und  sobald  icb  selbst  es  vermag,  will  ich 
fiircht  eilen  zu  den  Schwellen  des  seligen  Apostels  P 
reriange  eure  Füsse  zu  küssen,  und  euer  Angesicht 
Ich  bitte,  dass  ihr  mir  von  euren  Käthen  einen  solt 
ich  mich  ihnen  gegenüber  retten  kann^).  Nur  Uinet 
und  wendet  meinen  Bitten  euer  Ohr  zu,  Herr  und  el 
Amen.  Es  geschehe"'). 
„  C^isarins  hatte  mit  der  „Benedic-tion" ,  die  er  io 

in  Cataloniea  keinen  Eingang  gefunden.  Hier  wollte 
am  Grabe  des  Apostels  Jacobos  geweihten  Metropoli 
Es  war  auch  schwer,  da  Tanraco  noch  in  Rainen  tag. 
von  Tarraco  anzuerkennen.  Cäsarius  wandte  seine 
nach  den  Bergen  von  Astnrien,  aber  von  Asturien  kau 
Da  erinnerte  er  sich  Borns,  und  wie  Elipandns  den 
kundige  dich  doch,  wer  in  Rom  aufgestellt  ist",  er, 
der  römischen  Kirche  läugnete,  so  ei^ondigte  sich  G 
Namen  des  römischen  Papstes;  es  war  Joannes  XU. 
kens.  Der  Papst  sollte  dem  Cäsarius  helfen,  sich  vo 
Papste  zu  trennen.  Der  Papst  sollte  eine  Theorie 
durchfuhren  helfen,  welche  die  Eine  Kirche  in  zwölf 
welche  die  römische  Kirche  auf  Rom  nnd  Italien  bei 
nien  aber  nnd  das  Abendland",  also  auch  Britannien 
Compostella  binden  wollte.    Dazu  konnte  auch  Joani 


Jieobofly  ,PiUron  von  Spanien".  387 

er  blieb  Abt,  nach  wie  vor,  and  Tarraco  lag  noch  zwei  Jahrhan-* 
)  in  Roinen. 

Aber  bis  jezt  haben  wir  von  Niemand  gehört,  dass  Jacobas  lebend 
L  Spanien  gekommen  sei.  Sobald  Cäsarins  zam  ersten  Male  diess 
nptet,  findet  er  energischen  Widersprach  bei  den  spanischen  Bi- 
fen  selbst.  Nicht  im  Leben  ist  er  gekommen,  sondern  sein  heili- 
Leib  warde  nach  Spanien  gebracht    Sie  behaupten  genaa  daaselbe, 

ich  b^aapte. 

§.  19. 

Welche  Ansicht  die  Bischöfe  hatten,  ▼on  denen  Cäsarias  seine  du z«it 
lie  erhalten,  wissen  wir  nicht  Wenn  wir  aber  den  Wortlaut  der^\!??" 
Dnden  nach  dem  Jabre  962  in  das  Aage  fassen,  so  ist  auch  in 
n  von  einer  Predigt  des  Apostels  in  Spanien  noch  nicht  die  Bede. 
Siaenand  II.  Menendez,  der  im  Jahre  970  von  den  Normannen  er- 
det worden,  folgte  der  heilige  Radesindus  als  Verwalter  des  Bis* 
aa  Compostella;  diesem  im  Jahre  977  als  Bischof  Pelagius  Kodri- 
B»  Er  nennt  sich  (978)  von  Gottes  Gnaden  Bischof  des  Sizes  von 
imd  auch  „des  Apostolischen  Sizes^  ^).  Bischof  Pelagius  resignirte 
lahre  985.  Seit  986  erscheint  Bischof  Petras  (Martinez  de  Mo- 
rio).  Er  nennt  sich  um  987  „Petrus  Bischof  von  Ina  und  des  Apo- 
aohen  Stahles""'). 

Im  Jahre  991  nennt  sich  König  Veremund  II.  „den  E^necht  Gottes 
•eines  Apostels,  auf  welchem  die  Starke  seines  Reiches  ruhet, 
all  dessen  Vermittlung  er  das  gnädigste  und  heiligste  Erscheinen 
^dem  Richterstahl  des  gerechten  Richters  hofft,  damit  er  darch  die 
ttiltlang  des  Apostels  vor  dem  Richter  so  rein  erfunden  werde,  als 
i^  der  heiligen  Taafe  hervorging*^  ^.  Er  will  von  den  Geschenken 
|k|B  an  ihn  Gott  und  seinem  heiligen  Apostel  Etwas  wiederschenken« 
V  reiche  Stiftangen  warden  damals  überhaupt  für  die  Wallfahrer, 
M^  Fremde,  für  die  Gefangenen  u.  s.  w.  gemacht,  so  dass  zahl- 
%»  Pilger  in  Compostella  umsonst  leben  konnten.  —  Neben  sehr 
OD  Ortschaften  schenkte  der  König  damals  dem  heiligen  Jacobas 
b  die  Seestadt  (Pharum)  Brigantiam  ^). 

*)  Ego  licet  immerito  PeUigius  Dei  graüa  Irienait,  ei  etiam  Apostolicae 
if  Epiaeapue.    Esp.  eagr,,  U  19^  p.  373. 

*)  Donnua  Petrtu  Iriense  et  Apostolieae  Sedis,  L  c.  p.  375. 

^  Damii$ii  Servue,  et  Apaetoli  ejus^  in  cujus  Provincia,  ei  nomine  vel 
m  regni  noetri  potentia  manet,  et  per  cujus  tnanus  benignissimam  atque 
^Üssimam  nos  speramus  praesentiam  ante  justi  judids  iribunal,  ut  tales  nos 
par  vüeroeassiionmfi  im»eniat  esoanwnOtio  futura^  guales  regenerami  sancU 
«Ut  unda. 

^  Der  Hafen  Coraima.  —  c/.  L  e.  p.  379-382. 

25* 


nana  aer  Mauren  una  iNormannen  allmalig  zu  beln 
Bermado  III.,  König  von  Leon,  schenkt  im 
heUigen  Herrn,  nnd  nach  Gott  uneerm  stärksten  I 
die  Unterhaltmig  der  Kleriker,  für  die  Unteretözoi 
die  Au&ahme  der  Fremden"  verschiedene  Besiznogi 
dem  Urkunde  vom  Jahre  1033  nennt  derselbe  Koni 
cobns  nach  Gott  seinen  stärksten  Patron. 


Wir  sind  bis  jezt  nirgends  der  Anschauung  be 

bns   zu    Lebzeiten   nach    Spanien    gekommen.      Den 

Patron,  als  mächtigster  Scbüzer  und  Fürbitter  des  cli 

verehrt  und  angerufen,   weil  er   sieb   als   aolchen   ei 

vollbrachte  das  ihm  von  Gott  übergebene  Apostolat 

nennten  Jahrhundert   an   und   vom  Himmel   herab. 

einzige  Heilige,  dem  nach  seinem  Tode  die  Obhut 

nen  von  Oott  übergeben  wurde.     Haben   nicht   in   c 

des   deutschen  Reichs   im  Mittelalter   die  Deutschen 

and  Führung  des  heiligen  Michael  ihre  Feinde  besi^ 

geschehen  heute  nicht   mehr,   weil   der  Glaabe    an 

Dl*  hiii.  Himmel  fehlt.    Zunächst  erinnem  wir  uns  hier  an  i 

'^^  rina  von  Alexandrien  nnd  von  dem  Beige  SinaL     Me 

dar  htu.  war  ihr  heiliger  Leib  am  Sinai;  aber  sehr  siwt  erst  1 

''*°^"*  Wunder^.    Die  zahlreichen  Mönche  auf  dem  Sinü 


Die  heilige  Katharina  von  Sinai.  389 

^  aas  dem  Abendlande  nicht  bloss  Jerusalem  und  das  beilige  Land, 
lern  auch  den  Sinai  besnchten.     Ja  man   glaubte   die  Wallfahrt  in 

lieilige  Land  nicht  vollbracht  zu  haben ,  virenn  man  nicht  auch  den 
u  besuchte.  Die  Pilger  gingen  von  da  nach  Rom,  wenn  sie  nicht 
V  schon  gewesen.  Eine  vollständige  Wallfahrt  war  aber  die  in  das 
i^  Land  nebst  dem  Sinai,  nach  Korn  und  Gompostella.  Das  Grab 
leiligen  Katharina  war  jezt  sehr  weit  von  dem  Grabe  des  heiligen 
^bas  entfernt  Aber  zahlreiche  oder  zahllose  Christen  knieeten  und 
len  anf  dem  Sinai  wie  in  Gompostella. 

Zwischen  Sinai  und  dem  Abendlande   war   ein   bestandiger,  reger    <>*• 
kehr.    Immer  war  eine  Anzahl  Mönche  vom  Sinai  im  Abendlande,  deAeii. 

dort  milde  Gaben  zu  sammeln.  Unter  diesen  rairt  der  Mönch  Katiia- 
mon  hervor,  welcher  das  ganze  Abendland  durchreiste,  zu  Compo- ^^  i^or- 
m  imd  in  Galicien   längere  Zeit   wirkte.  —  Zwei  Jahre   war   er   in  »»n«»*»- 

Ji^ormandie  (1027).  Er  weilte  mit  einem  Gefährten  bei  dem  Vi- 
Ae  Gosselin  von  Ronen.  Ihm  schenkte  Simeon  einen  Finger  (we- 
rtens  einige  Theile  desselben)  der  heiligen  Katharina,  welche  er  vom 
id  mitgebracht.  Gosselin  gründete  sofort  das  Kloster  zur  heiligen 
harina  oder  der  heiligsten  Trinitat  (in  monte),  wozu  der  Herzog  Robert 
fc  der  Normandie  reiche  Graben  schenkte.  Am  16.  August  1030 
Wk  die  Kirche  zu  Ehren  der  heiligsten  Trinitat  geweiht    Eine  Unzahl 

Personen  kamen  zur  Verehrung  der  heiligen  Katharina,  eine  Art 
ijfpen  Oeles  oder  Balsams  floss  aus  ihren  Reliquien,  und  gab  den 
Kiken  die  Gesundheit.  So  kam  es,  dass  nicht  bloss  die  Kirche, 
Bern  auch  der  Berg,  auf  welchem  sie  gebaut  war,  den  Namen  der 
l^^en  Katharina  erhielt.  Genau  so  war  es  auf  Sinai  selbst  gegangen. 
'Kirche  der  heiligen  Katharina  wurde  ganz  neu  gebaut  im  Jahre  1107. 
flUire  1310  und  wieder  1466  wurden  prachtvolle  Stufen  des  Weges 
Felsen  des  Katharinenberges  hergestellt.  Das  Kloster  bestand 
siebzehnten  Jahrhundert^). 
Wie  bei  so  vielen  andern  Reliquien,  ist  aber  auch  hier  der  Irr- 
entatanden, dass  überhaupt  der  Leib  der  heiligen  Katharina  im 
Jahrhundert  vom  Sinai  nach  Frankreich  übertragen  worden. 
Ife  ist  nicht  so.  Am  25.  März  1833  kam  der  Trappist  und  Reisende 
^«  Jos.  Geramb   in   das  Kloster  des  Sinai.    Die  Katholiken  hatten 


*)  Franc  Pommeraye,  0.  S.  B,,  hütoire  de  Vabbaye  de  la  tr^-sainie  Tri- 
ik  deptsiM  de  Sete.  CaÜierine  du  M&nt  de  Bauen.  Bauen,  1662,  fol. 
Iffiur  BmoiMtler,  Neuetria  pia,  seu  de  omnibua  et  singuUs  aX^baÜis  et  pria- 
%m  Mkt»  Narmaniae.  Bothomagi,  1663,  fol  p.  408  aq.  —  KaMllon,  Anna- 
Ord.  8.  BenedicH,  t  IV,  Paris,  1707  (ad  ann.  1027),  p.  342).  —  Mabnion, 
»  Sandorum  Ordinie  8.  BenedicH,  8aecul.  VI,  P  L,  Par.  1701,  p.  368.  — 
u  fliqiel,  la  France  pantificale,  Bauen  (Par.  1868),  p.  371. 


Obern  und  die  ganze  Gemeinde  war  id  der  Kirche.  — 
waren  noch  fünfzig  arabische  Familien  Eigenthnm 

§.  21. 

1-  Giner  der  stärksten  Beweise  für  unsere  Theo 

*  and  Wirksamkeit  des  heiligen  Jacobus  in  Spani« 

-  I^tnrgie.    Die  spaniBche  Litar^ie  der  Gotbenzeit 

''Fest  des  Apostels  Jacobos,  am  39.  December,  da 

übrigen  Apostel,  mit   sechs  Mitren  gefeiert  wordi 

Spanien  irgend  eine  Tradition  über   die  Wirksam 

dem  lAnde  bestanden,  oder  wäre  sein  heiliger  L 

worden,  so  wäre  es  undenkbar,  dasa  das  Of&cina 

Festes  ^nzlich  mit  Stillschweigen  darüber  hinweg 

Im  Laufe  des  Mittelalters  aber  traten   in   di 

allmälig  in  der  Richtung  von  Nordwesten  nach  Oi 

Compostella  nach  Toledo  zwei  andere  Feste   des  i 

gefüert  wurden  seit  der  Auffindung   des  Leibes   i 

in  Compostella.     Am  30.  December  wird  das  Fes 


*)  Qeraimb,  Pllg«rrelae  nach  Jerasalein  und  anf  den 
ren  1881-1838.  Angsb.  1837,  UI,  3.  177  f.  —  Vgl.  JVocop 
(Jvatiniani  I.  imp.),  V,  S.  —  Evlydm  Alexandrini  (c  i 
1668  (apudUigne,  Patnlogia  graeca^  t  111,  Parit,  186i 
Bttter»  Geographie,  die  SinaihalbiaMl.  1348,  I,  S.  12,  13, 
249.  «KR  *:«   iii  SOi-Rin   ^^rt_■;^;o   ^^l(^  coi    _    n^.t 


Der  heilige  Jacobns  in  der  spanischen  Liturgie.  391 

osteis  begangen.  Der  Hymnus  dieses  Festes  thnt  meiner  Theorie 
Ben  Eintragt).  Der  Hymnus^)  dankt  dem  Apostel  för  seine  Wohl- 
€en  gegen  Spanien,  welches  von  Gott  gewürdigt  worden  ist,  seine 
ligen  Gebeine  zn  besizen.  Als  Spanien  in  dunkler  Nacht  (des  Hei- 
■thnrns?)  begraben  lag,  hat  er  den  verlassenen  Spaniern  das  erste 
^t  des  Heiles  „erworben'^.  Damit  ist  weder  gesagt  nocÜ  angedeu- 
p  dass  er  selbst  nach  Spanien  gekommen  sei,   er  erscheint  vielmehr 

Forbitter  für  Spanien  vor  dem  Throne  Gottes,  damit  andere  Glau- 
Bsboten  dahin  kämen,  und  es  ist  nicht  ungereimt,  zu  sagen  oder  zn 
aken,  dass  die  Macht  seiner  Fürbitte  den  Apostel  Paulus  und  die 
Mtolischen  Siebenmänner  nach  Spanien  gezogen  oder  begleitet  habe. 

sagt,  dass  Jacobus  sichtbar  in  der  Schlacht  erschienen,  und  die 
Ellren  mit  seinem  Schwerte  niedergeschlagen  habe;  wir  aber  lassen 
lern  hierin  seinen  Glauben,  halten  es  aber  für  keinen  Glaubens- 
ikel,  dass  Jacobus  sein  Schwert  gegen  die  Mauren  gezückt  habe. 

'  Die  Oration  der  Festmesse  lautet:  O  Gott,  der  du  durch  deine 
aderbare  Anordnung  gewollt  hast,  dass  der  Leib  des  seligen  Apo- 
ll Jacobus  von  Jerusalem  übertragen,  und  in  Compostella  herrlich 
(^ezt  werde:  verleihe  uns,  wir  bitten  dich,   dass   wir  durch   seine 

Kienste  und  Fürbitten  in  das  himmlische  Jerusalem  übertragen 
en*).  Da  der  Name  Compostella  vor  dem  Jahre  1000  n.  Chr. 
Iit  in  Gang  kam ,  so  kann  diese  Oration  kein  Zeugniss  dafür  sein, 
BS  der  Leib  des  heiligen  Jacobus  sogleich  nach  seinem  Tode  nach 
anien,  dass  er  dahin  zur  See  und  durch  einen  „Kahn^  gekommen. 
Geleite  von  (7?)  Schülern  des  Apostels.  Dagegen  streitet  die 
lAion  nicht  gegen  meine  Theorie,  dass  dieser  heilige  Leib  erst  im 
l)e!nten  oder  achten  Jahrhundert,  und  dass  er  auf  dem  Umwege  über 
i  Erlöster  Raithu  am  Sinai,  und  über  Saragossa  vor  dem  Jahre  757 


')  Festum  TransUUumis  8.  Jacobi,  Apostoli  et  Hispaniae  Patroni, 
*)  Er  laatet: 


D«f6iwor  Alme  HiipADiae 
Jaeob«  Tlndex  hoaüom 
Tonftml  qamn  filiam 
Dei  Tooayit  FUioi : 
Hne  coeli  ab  altit  s«di1yat 
ConT«rt6  dextar  lanin« 
Andiqa«  laeti  debitM 
Ormtet  tibi  quM  •olvimiu. 
GhrfttM  refert  HiipanU 
Felix  too  qnae  nomine 
Te  glortotor  jngiter 
Difnate  saeris  oMibos. 


Tn,  eeeea  nox  atqae  impU 
Noe  com  teneret  TanltM 
Lneem  Mlntis  primitu 
Orbit  (?)  n>erit  Ja^pcfro«. 
Ta  bell»  onm  noe  einferent 
Es  ▼irae  ipeo  in  proello 
Eqnoqoe  et  enee  aoerrimoi 
Blenroe  ftirentee  etemere. 
Freti  tno  noa  pignore 
Lergnm  tno  te  monere 
RogamoB  omnee,  nt  tnae 
Spe  protegat  praesentiae. 


*)  DevSj  qui  dispositiane  mirabüi  corpus  beaü  Jacobi  Apostoli  tui  de 
fosoLymis  ad  Hispaniam  transferri,  et  in  ComposteUa  gloriose  sepeliri  volu- 
i:  eoneede  quaesumus,  %U  ejus  meritis  et  precibus  in  codesti  JvrusdUm  coUo- 
*i  mereamur. 


392  Zohotes  Bncb.    Erstes  Kapitel. 

an  den  Ort  gekomia*;!!  sei,  der  Bchr  viel  spater  CompostelU  hiea. 
Die  Worte  aber,  „durch  wiiDderbare  Veranstaltung  Gottea"  sei  die« 
üebertrnguDg  von  Jeriisülem  nach  Compostella  geschehen,  fugen  üd 
vortrefflich  zu  meiner  Theorie. 

In  der  zweiten  Noctuni  des  Festes  lesen  wir  nur:  Es  wird  doni 
die  Denkmale  der  Kirche  von  Compostella  überliefert,  dass  der  [^ 
des  heiligen  Jacobiis  aus  der  Stadt  Jerusalem,  durch  das  weiteste  Meer, 
durch  die  wunderbare  Vorsehiiug  Gottes  geführt,  an  den  äussema 
Gestaden  von  Spanien  angelangt  sei.  Da  er  zuerst  in  dem  Hafen  t« 
Iria  stehen  blieb,  wurde  er  (später)  nicht  weit  von  diesem  Haien  u 
dem  Orte,  der  jezl  Compostella  heisst,  beigesezt,  blieb  aber  wegen  da 
langen  Verfolgungen  lange  Zeit  verborgen.  Der  heilige  Schaz  wurdi 
endlich  xn  der  Zeit  des  Königs  Älfons  Ü.  von  Leon  darch  höbtn 
Fügung  geoffenbart,  und  der  König  schmückte  ihn  dnrcb  eine  ho? 
liehe')  BasUica  und  andere  Geschenke, 

Die  „Denkmäler"  der  Kirche  von  Compostella  köonea  nach  da 
ganzen  Zusammenhang  niebtH  Anderes  sein,  als  die  sogenannte  „hitOrii 
Compostdtana" ,  verfasst  im  Anfange  des  z^fföifl«n  Jahrhunderts,  mi 
das  sogenannte  „Privilegium  volorum"  des  Königs  liaiuiro  L,  in 
frühestens  im  eili'ten  Jahrhundert  eutstand.  Von  einer  Tradition  ods 
gleichzeitigen  Berichten  ist  keine  Bede.  Die  „Monumente"  eines  B»- 
tbnms  aus  dem  Mittelalter  können  die  UeberlragUDg  des  Leibes  da 
heiligen  Jacobus  aus  Jerusalem  im  ersten  cbristlichcD  Jahrhoiidet 
nicht  bezeugen  und  nicht  verbürgen. 
pmi»  Der  Hymnus  \o  den  „Landes''    des  Festes  enthält  keine  And«*- 

"bu  "^"S  ^^^  Spanien.  Die  Antiphon  zu  dem  Bmedictus:  „(Gott)  hat  dm 
heimgesucht  durch  seinen  heiligen  Apostel,  und  hat  uns  die  Errettm) 
gegeben  über  unsere  Feinde",  ist  eine  Bestätigung  meiner  Theorie') 
Ebenso  gilt  diess  von  der  unten  stehenden  Antiphon  zu  dem  Magnificat^ 

§.  22. 

Am  23.  Mai  wiid  dos  Pest  der  Erscheinung  des  heiligen  Jacob« 

gefeiert,  welches  dieser  Erscheinung,   dereu  Köuig  Ramiro  I.   um  d« 

Jahr    843    in    Clavigo    gewürdigt    wurde,    eine    gesicherte    historidi! 

Unterlage  gibt.    Der  Hymnus  zur  ersten  Vesper,   zu  den  Laude»  undn: 


<)  vielmehr  armliche,  ola  herrliclie  Basilica.  Alfoua  II.  war  EBnigvonAMriK 
')  Visitavit  nos  per  sandum  suum  Aposlolum,  et  fecit  »aiuiem  dt  äifö^ 
noetrie  Dominus  Dnm  nostcr 

')  0  beatum  AposMam,  qiti  inter  primos  electua,  primna  omnium  Jpo* 
lorum  Domini  calicem  bibere  meruit!  0  glorioxtim  Hiapaniae  rtgtitm,  1^ 
pignvre  ae  patrono  munitum,  per  quem  feät  HU  magna,  qui  potena  tat. 


Der  heilige  Jacobns  nnd  seine  Feste.  393 

tutin  yerherrlicht  nur  die  Grosstbaten  des  Apostels  in  dem  Kampfe 
mieiis  gegen  die  Mauren^). 

Die  Oration  des  Festes  ist  der  Faden  der  Ariadne,  welcher  sicher 
oh   das   Labyrinth   der  Jacobus-Frage  hindurchfuhrt:    0  GOtt^  ÖßT 

taA  Tolk  Spaniens  barmlienlg  dem  Sehnze  deines  seligen  Apo- 

^  Jaeobus  übergeben  hast,  nnd  der  dn  es  durch  Ihn  wnnder- 

Ton  dem  sldiem  Untergange  errettet  hast:  verleihe  uns,  wir 

BD  dich,  dass  wir  unter  dem  Schuze  desselben  (Apostels)  des  ewi- 
Friedens  geniessen  mögen*). 

So  ist  es!  Gott  hat  das  christliche  Spanien  in  die  Hände  seines 
igen  Apostels  Jacobus  übergeben,  um  es  vor  dem  bevorstehenden 
«rgange  durch  die  Muhamedaner  zu  erretten.  Gott  hat  es  geistig 
Briet  nnd  aufgerichtet,  dass  es  aus  diesem  Kampfe  siegreich  her- 
ging. Um  das  Jahr  843  ist  der  Apostel  wirklich  dem  Ramiro 
4iienen,  und  um  diese  2^it  ergoss  Gott  über  die  Christen  in  ganz 
änen  eine  Fülle  von  geistiger  Kraft.  Dieser  neue  heilige  Geist  hat 
Li  auch  über  die  Bekenner  und  Märtyrer  von  Corduba  ergossen, 
m  dem  heiligen  Jacobus  wurde  nicht  bloss  das  Reich  Asturien, 
3nm  ganz  Spanien  von  Gott  übergeben. 

§.  23. 

In  dem  Werke  Isidor's  von  Sevilla:  de  artu  et  olritu  ptxtrum  — 
mt  die  Stelle  vor:  „Jacobus,  der  Sohn  des  Zebedäus,  Bruder  des 
■niDes,  der  Vierte  in  der  Reihenfolge,  schrieb  an  die  zwölf  Stamme, 
abe  in  der  Zerstreuung  unter  den  Heiden  leben,  und  er  predigte 
oaien  und  den  Heiden  der  Lander  des  Abends,  und  er  goss  im 
indlande  das  Licht  der  Predigt  aus.  Er  starb  durch  das  Schwert 
Tetrarchen  Herodes.    Er  ist  begraben  in  Marmarica*^'). 


>)    OrmtM  rafsrt  Hiipuil»  Pnwtiis  Intzpagnabtl« 

Felix  tao  qoa«  nomine  Rolmr  «Ubee  Ramirio 

Dnefenqne  peratat  Über»  Per  te  redempUe  Tirglnee 

Vitetqne  gentla  dedecns  Lendl«  rependant  eantlea 

Ta,  enm  Jaeeret  barberia  Notqne  e  trfbttto  llberi 

Cedena,  et  Imper  hoaUbns  Hymni  trlbntnm  pendünnf. 

*)  Deu8,  gut  Hispaniarvm  gentem  beato  Jaeobo  Äpostolo  tuo  protegendam 
^rieorditer  tribuieH,  et  per  eum  a&  imminenti  exiHo  mirabilüer  libercuti; 
«de  quaesumus,  ut  eodem  protegente  paee  perfruamur  aeterno.  Proprium 
wtorum,  quorum  officia  in  Hispaniarvm  regnis  ex  eanceeeione  apastolica 
kmtur,  Ratisbonae,  1863.  —  Miseae,  quae  in  Hispania  recitantur,  Ratisb, 
5  (23.  Mai). 

')  quartus  in  ordine  duodedm  tribubus,  quae  sunt  in  dispersione  gentium, 
MJI,  atque  Hispaniae,  et  occidentalium  locorum  gentibta  Evangelium  prae- 
wU,  et  in  occasu  mundi  lucem  praedicationis  infiidit.  Hie  ab  Herode  tetrar- 
ifladio  eaesus  occubuH.    SepuUue  in  Mcmnariea. 


itwor  Fragen   wir,   waa   Isidor   sonst  über   den    Äpi 

hduaü  1°  seinen  Etymologieen  (7,  9)  lesen  wir:  „Jacobas 
'"*"•  Vater  (Sohn)  des  Zebedäns,  den  erverUess,  and  er 
dem  wahren  Vater.  Sie  sind  die  Söhne  des  Blizei 
Festigkeit  and  Stärke  ihres  Glaahens  anch  Boanerg 
ist  Jacobns,  Sohn  des  Zebedäns,  Bruder  des  Joani 
nach  der  Auferstehang  des  Herrn  von  Herodes  get 
Von  einer  Fredigt  in  Spanien  ist  hier  keine  Rede. 

Im  vierzehnten  Bache:  von  der  Erde  und  ihi 
er  eine  Geographie;  im  Kapitel  5  wird  von  Libyi 
bandelt.  Kr  fuhrt  in  der  Richtung  von  Osten  nach 
an:  1)  Aegypten,  2)  Cyrene,  3)  Pentapolis,  4)  Tri] 
Das  Wort  „Marmaiica"  kennt  er  gar  nicht.  Es 
Römerberrschaft  ganz  and  gar  ausser  Gebrauch  ge 
Name  war  auch  früher  selten  gebraucht  An  siel 
unmöglich,  dass  bei  der  Uebertragang  des  heilig* 
Sinaihalbineel  nach  Spanien  derselbe  eine  Zeit  lang 
theitweise  mit  dem  li-ähem  Marmarics  zusammenf 
Auch  Oroeius  brachte  die  Reliquien  des  heil 
dem  Seewege  des  Mittelmeeres  nach  Mahon  aof  M( 
Es  ist  femer  zu  beachten,  dass  hier  Jacobns 
Reibenfolge  der  Apostel  heisst,  irährend  er  bei  c 
Apostel  in  den  Etymologieen  als  der  Fünfte  erscbeii 
Andreas,  Joannes,  Jacobus). 

Dio   nn     alA    ä/«»i(P  Sf-hrift,  Isidnr'n    hat    hpi    H* 


Jaeobufl,  Apostel  und  Patron  von  Spanien.  396 

r  Meereaufers  aber  in  Edelsteine  *)•    Anf  Bitten  des  Volkes  erweckte  itidor 
lemer  eine   Wittwe,   nnd  rief   die   Seele  in   den    wiederbelebten    "^ 
Hl  eines  Jünglings  zurück.    Trinkend   einen  tödtlichen  Trank,   ent-     na« 
1   er  nidit  bloss   der  Gefahr,   sondern   die  von   demselben   Trank  ^^•»«•^ 
Mob)  Niedergeworfenen  stellte  er  lebend  wieder  her. 
i    ^Als   er  im '  siebenundsechzigsten  Jahre    nach  dem   Leiden   des 
tKÜ  den  Tag  seines  Hinüberganges  herannahen  fühlte,   so   habe  er 
|i  selbst  ein  Grab  ausgraben  lassen,   dann   stieg   er  lebend  in  seine 
Bft,   und   wie   in   einem  Bette   ruhte   er   sofort   in   demselben   aus. 
mm  sagen  Einige,  er  lebe  noch  in  seinem  Grabe,  namentlich,  weil 
"t  die  Erde  immer   von   der  Tiefe  nach   der  Höhe   dringt,   zu  der 
Mirflache  des'  Grabes  emporsteigt,    und  wie  unter  dem  Hauche   eines 
■ifenden  der  Staub  von  Unten  nach  Oben  sich  erhebt.^ 
'Solche   fast  läppische  LfCgenden  finden    sich   sonst  nirgends    bei 
lor.     Sie  sind  Zuthaten  späterer  Zeit    Fast  alle  Schriftsteller  ausser- 
p  Spaniens  halten  die  Stelle  über  Jacobus  für  interpolirt.    Fabricius 
^  sagen,  sie  sei  durch  Papst  Calixt  U.  eingefügt  worden. 


\ 


§.  24. 


z   In  Spanien  hat  man,  besonders  seit  dem  siebzehnten  Jahrhundert^  jaeoims 
I  seitdem  Widerspruch  gegen  die  Predigt  des  Apostels  Jacobus  sich  *>«*«^>«>* 
loben,  das  Hauptgewicht  auf  seine  Gegenwart    zu  Lebzeiten   gelegt,    dem 
9  darüber  sein  späteres  Apostolat  übersehen.     Ich  darf  nicht  hoffen,   '^**** 
il  meine  Anschauung  sobald  Eingang   finde.     Ich    habe    die  richtig 
^rtandenen   Traditionen   Spaniens   mit   der  wirklichen  Geschichte   zu 

C'hnen  gesucht.  Ich  habe  die  Herrlichkeit  der  Kirche  Spaniens 
angetastet,  nicht  gemindert,  vielmehr  bewiesen,  dass  der  Apostel 
rins  lebend  in  Spanien  wirkte,  der  Apostel  Jacobus  „todt  nach 
■nien  kam^^),  und  das  todte  christliche  Spanien  zu  neuem  geistigem 
ben  auferweckte. 

Grosser  ist  Gott  in  seinen  Werken,  herrlicher  in  seinen  Wundern, 
ktungswürdiger  in  seinen  Rathschlüssen,  der  den  Apostel  Jacobus  sein 
ostolat  so  viele  Jahrhunderte  nach  seinem  Tode  vollbringen  Hess, 
1  der  das  von  ihm  geliebte  und  auserwählte  Volk  der  Spanier 
die  geistige  Obhut  dieses  Apostels  übergab,  damit  er  es  aus  der 
nd  seiner    innem   und   äussern   Feinde   befreie.      Diese   Ehre   und 


*)  item  gemmarum  fragmina  in  propriam  mutavit  naturam  t 
*)  intmftcStus  hie  venit,  nuUo  modo  atdem  vivus,  sagen  die  Bischöfe  vom 
16  962. 


i 


Zebntes  Bacb.  Eratei  Kapitel.  JacobnB,  Apostel  a.  Pitn)n  v.  Spuden. 

AnszeichnoQg  eines  Volkes  ist  einzig  in  der  Geschichte.  An  ihr  tit 
nehmen  auch  die  übrigen  Völker  des  Ahendlandee  Tbeil.  Denn  iri; 
Spanien  ganz  muhame dänisch  geworden  und  geblieben,  so  «üreduii 
der  Mitte  hegende  christliche  Europa  von  Westen  und  von  Osten  m 
spannt,  und  von  den  Jüngern  des  falschen  Propheten  wohl  erdrät 
worden.  Darum  hat  auch  König  Ordonno  III.  Recht,  welcher  in  ei« 
Urkunde  des  Jahres  954  den  heiligen  Jacobus  „unsem  nnd  den  PiHi 
der  ganzen  Welt"  nennt. 


J 


Zweites   Kapitel. 

Die  Reiehe  Astorien,  Leon  und  CastUien  (1KN)'-108S). 

§.  1. 

Nach  der  Einweihung  der  Kirohe  des  heiligen  Jacobns  za  Com-    ai- 
tella  im  Mai  899  kehrten   die  meisten  Bischöfe,   welche   an  ihren  '**"*  ^* 
en  noch  nicht  residiren  konnten,  nach  Oviedo  zurück.    Die  Spanier 
afen  sich  auf  zwei  Briefe  des  Papstes  Joannes  ES[.  (898 — 900)  ^)| 

eine  gerichtet  an  Alfons  III.,  „den  christlichsten  König'',  an  die 
chöfe,  Aebte  und  orthodoxen  Christen  überhaupt;  der  zweite  an 
.  König  Alfons  III.  allein,  worin  er  die  Einweihung  derSarche  des 
[igen  Jacobus,  und  die  Versammlung  der  Bischöfe  zu  einem  Concil 
lehmigt,  dagegen  Alfons  IQ.  um  Uebersendung  einiger  bewaffiieten 
Auriscen^  zur  Hilfe  gegen  die  Saracenen  bittet^.  Aber  unter  den 
ligen  ächten  Briefen  dieses  Papstes  stehen  diese  beiden  nicht 
iericus  erzählt  nun  weiter: 

„Als  der  König  diese  Briefe  gesehen,   wurde  er  von  Freude  er- 
t,  er  sezte  einen  Tag  fest,  an  dem  die  Edlen,  die  Magnaten,  und 

Bischöfe  zusammenkommen  sollten,  um  die  Kirche  des  heiligen 
iobus  einzuweihen.  Als  die  Weihe  vollbraoht  war,  kehrten  Alle  mit 
mden  in  ihre  Heimath  zurück.  Bei  der  Weihe  selbst  aber  waren 
le  Bischöfe:  Vincenz  von  Leon,  Gomellus  (Gennadius)  von  Astorga 

Obgleich  die  Könige  von  Astnrien  ehedem  die  Städte  dieser  Bi- 
öfe  inne  gehabt  hatten,  so  waren  sie  doch  jezt  von  Feinden  besezt, 


*)  Rodertc.  Ximenei,  4^  17.  --  Mariana,  Hidoria  de  Eepana, 
reZ'Biteo,  37,  p.  228^-229. 

*)  guae  Hiepani  eaoaüoe  Alphamioee  wecaä. 
*)  c/  S.  87«. 


liten  bo*; 
!□,  wtihiM 

ricdo,  diM^ 


398  Zebnt«  Bnofa.    Zweitet  Kkint«!. 

T.  oder  sie  lagen  in  Ruinen    biB    zu    der    Zeit    des    Könige   Alfom  (VI,^ 

"  welcber  Toledo  wieder  eroberte.  Die  Bischöfe  dieser  Slidte  vmi 
nach  Asturien  geflotken,  und  wohnten  tbeils  in  der  Stadl,  theili  ii 
Bisthum  Oviedo,  indem  einzelne  Distriüte  ihnen  zugetheilt  wiaa, 
Darum  beisst  Oviedo  in  einigen  alten  Si'brifl«n  die  Stadt  ia  ft 
schöfe.  Nachdem  aber  1 1  Monate  vergangen  (vom  Mai  839),  k4 
Alfons  III.  mit  seiner  Gemahlin,  seinen  Söhnen,  den  BischöfeD,  Gntt 
und  Magnaten,  vermöge  der  Ermäc^^htigang  des  Papstes  Joanne«^ 
in  Oviedo  zur  Feier  der  S}mode  zusammen,  in  der  mit  aIlg«iiHv 
Zustimmung  die  Stadt  Oviedo  zum  Erzbistbum,  Bischof  Uerownffl] 
aber  als  Erzbischof'  erhoben  wurde'),  weil  Spanien,  da  fünf 
thümer  in  der  Hand  der  Feinde  waren,  seines  Metropoliten  Imik 
war.  Die  Prälaten,  welche  dem  Schwerte  entflohen  waren 
dcD  engen  Grenzen  Asturiens. 

Diess  heiast  gewöhnlich  das  zweite  Concü  von  Oviedo, 
Aechtheit  von  Vielen  angegriffen,  besonders  von  Manuel  Eis« 
theidigt  wurde*).  —  Aber  der  Inhalt  der  angeblichen  Synode  fiät 
nicht  mehr  zu  der  Lage  des  Königs  reich  s  Asturiea-Leon  irnJahntH^ 
Die  Bischöfe  von  Leon,  Aatorga,  Tuy,  Orense,  Iria,  Moiuiaadif- 
sowie  der  Erzbischof  von  Lugo,  welche  Size  ausserhalb  Äiiflrt 
liegen,  konnten  an  diesen  Sizen  residiren.  Es  war  nicht  nothvoi^ 
das8  sie  sich  nach  Asturien  zurückzogen.  —  Mach  einer  andcn  fr 
rintion  des  Berichtes  wären  den  Bischöfen  nur  tur  die  Zeit  dfr  Sj» 
oden  besondere  Pfarreien  und  Klöster  um  Oviedo  zu  ihrem  Untetf 
angewiesen  worden"). 

Die  oben  erwähnten  Briefe  des  Papstes  Joannes  IX.  wenta  !■ 
Jaffe  anter  den  ächten  Briefen  des  Papstes  Joannes  VIII.  und  to 
Jahre  876  angeführt'').  Da  aber  die  Weihe  der  Kirche  vod  S**P 
vom  Jahre  899  nicht  getrennt  werden  kann,  da  die  bei  dersells'* 
tbeiligten  Bischöfe  im  Jahre  899,  aber  nicht  872—876—882  M« 
Bo  bestehen  gerechte  Zweifel  gegen  die  Aechtheit  der  Briefe.  —  '• 
die  angebliche  Synode  des  Jahres  900,  nach  Andern  902  belnft,  • 
hat  sie  jedenfalls  einen  Ertblg  nicht  gehabt.     Denn  im  Jahre  9l2-^W 

,,  unterschreibt    sich  Oveco    als    „Biscliof"    des    Sizes    von   üvied».  !• 
Jahre  92 1    beisst  Hermenegild    „Bischof"   des    Sizes    von  Oviedo.  b 

'■Jahre  922  beisst  Oveco  {II.?  bis  953)  wieder    „Bischof"    von  OviA 
—  Einen  Erzbischof  finden  wir  nicht.     Dagegen  heissen  in  dies«  M 


')  et  Uennenegitdits  in  archiepiscopum  sv&timatur. 
')  Esp.  sagr.,  t.  37  (Oviedo),  p.  231  sq. 
')  Aber  es  lEsst  sich  überhaupt  keine  SjDode  von  Oviedo 
')  Paffi,  CYitica  ad  annates  Baronii,  ad  arm.  882.  —  Agm.m-Cst'i* 
Concü,  ir,  355-356.  -  Mami,  Concü.,  XVU,  224-225. 


Ovieda  —  Könige  von  Leoo,  910—1085.  399 

Bischöfe  von  Lago  —  ^Metropoliten^«  Ein  Liebhaber  der  Grösse 
des  Ruhmes  von  Oviedo  scheint  verschiedene  Concilien  fingirt  zu 
sn^).  —  Dagegen  läagnen  wir  nicht,  dass  in  dieser  Zieit  einige 
{hofe  in  Astnrien  wohnten,  die  nicht  residiren  konnten,  wie  der 
thof  Eleca  von  Saragossa,  der  Bischof  Nausti  von  Coimbra,  die 
ibofe  von  Salamanca,  Coria,  Huesca  u.  A.  Die  Bischöfe  dieser 
[konnten  in  ruhigem  Zeiten  residiren,  zu  Zeiten  der  Verfolgungen 
Bien  sie  in  die  Berge  von  Astnrien  fliehen. 

§.  2. 

Gegen  König  Alfons  III.   hatten   sich   seine  Gemahlin  Ximena^     Ai- 
seine eigenen  Söhne  verschworen.    Es  kam  zum  Burgerkrieg  zwi-  ^^^  ™* 
Bi  Alfons  und  seinen  Söhnen.     Um  ihm  ein  Ende  zu  machen,  über- 
Alfons    die   Regierung  an    seinen    ältesten    Sohn    Qorcia.     Sein 
iler  Sohn   Ordonno   erhielt   Galicien;   Fruela  residirte   in  Oviedo, 
"tia    in   Leon.     Nach    seiner   Abdankung   wallfahrtete  Alfons   III.    <^- 
b  Compostella.     Noch   einmal   zog   er  in   den   Kampf  gegen   die  ^,^1^.. 
Er    kehrte   als   Sieger   zurück,    und    starb  in   Zamora  am 
cember  910.    Elr  wurde  in  Astorga,  später  in  Oviedo  beigesezt. 
(ihm   hört    die  Reihenfolge   der  Könige   von  Asturien   auf.    Mit 
Ifia  I.  beginnt  die  Reihe  der  Könige  von  Leon').  —  Grarcia  selbst 
hrte  nur  drei  Jahre.    Er  starb  ohne  Nachkommen  am  19.  Januar  914. 
a  Bruder  Ordonno  wurde  in  demselben  Jahre  als  König  zu  Leon  ordon- 
mnt.    Er  führte   glückliche  Kriege   gegen   den   mächtigen  Chalifen  °^  '^ 
£)arrahman   III.    Er  starb    im  Jahre   924,   und  der   dritte  Bruder, 
lila  II* j  der  sich  bisher  König  von  Asturien  genannt  hatte,   folgte   Fma- 
lals  König  von  Leon,  starb  aber  schon  nach  14  Monaten  (925).        **"* 
,    Sein  Neffe  Alfons  IV.   wurde   nun   als   König  ausgerufen.    Im     Al- 
pe 928  resignirte  er  und  trat  in  das  Kloster  Sahagun  ein,  während '^'^' ^' 
i  Bruder  Bamiro  II.   König  wurde.    Weil  Alfons  IV.  wieder  der    b»- 
iralt  sich  bemächtigen  wollte,  wurde  er  gefangen  und  geblendet.       ^^ 

Ramiro  II.  (931 — 950)  führte  glückliche  Kriege  gegen  die  Mauren, 
nahm  den  Ort  „Madrid^  ein,  der  hier  zum  ersten  Male  vorkommt, 
1  erfocht  bei  Talavera,  unterhalb  Toledo's,  einen  glänzenden  Sieg, 
de  Städte  stellte  er  wieder  her,  und  bevölkerte  sie.  Am  6.  Januar 
)  l^te  er  die  Regierung  nieder.  Elr  stiftete  eine  Menge  von  Kir- 
sn  und  Klöstern,  u.  a.  das  Kloster  San  Salvador  zu  Leon,  in  welches 
ne  Tochter  Elvira  eintrat,  und  worin  er  selbst  begraben  wurde. 


•)  FUyreZ'Rüco,  t  37,  p.  231-248. 

*)  Hufui  dissennonis  caiusa  fuit  Regina  Xemena.  Bödme.  Tolet ,  4,  19. 

*)  Eine  üriLunde  von  921  sagt:    Oareia  principe  regnum  Legionis  tenenie^ 


der   Mauren    unter  AlmaDoor   war   Beine   Regierung 

Die  Maaren  zerBtörten  Leon  und  Santiago.    Glücklieb 

AI-     Sohn  AUbnB  V.,  unter  dem  sich  Leon  wieder  erhob. 

°M»_ '  g«gen   d'fi   Maaren   (1028).     Sein    mindeijähriger    S< 

ins.   fiel  im  Kampfe  gegen  die  Navarresen  (1037),  mit  ibt 

^^^'  liehe  Linie  der  Könige  von  Leon  ans. 

Twii-  Ferdinand,  Sohn  des  Königs  Sancho  Ton  Nav 

»^  '■  Saneha,  Schwester  Bermndo'a  III.,  erbte  das  Reich 

umudsm  22.  Januar  1037   als  König  von  Castilien,  das   < 

^^  regiert  hatte,  und  von  Leon  gekrönt,  und  luhrte  eine  la 

loes.    gierang.    Aber  zwischen  ihm  und  seinem  altem  Brai 

von  Navarra,   brach  endlich  der  Bürgerkrieg    ans. 

mit  dea  Maaren  verbündet.    In  der  Schlacht  bei  S 

wurde  Ciarcia  getödtet.     Der  Christen   schonte   Ferd 

sehen  Hilfsvölker  wurden  grösstentheils  gefangen  odi 

glückliche  Kriege  führte  Ferdin^d  gegen  die  Mann 

mego  und  Yisea  ein.     Im  Jahre  1060  folg.  rückte  Fi 

Spaniens  gegen   Carlagena   vor.     Der  Emir   von  Toi 

Geschenke    und  versprach   Unterwerfung.     Mit  rwc 

Ferdinand  nach  Leon  zurück.    Wieder  rückte  Fert 

südliche  Portogal  bis  gegen  Sevilla  vor,  deseen  Ka 

grossen    Geschenken    entgegenkam    und    um    Fried« 

Zolezt  eroberte  der  König   nach  einer  Belagerrmg  vc 

feste  Coimbra.    Von  der  Belagerung  Yalencia's  kefa 

Jahre  1065  krank  nach  Leon   zurück.     Die  Emir 


Synoden  im  Reiche  Leon.  401 

Jeele  nach  ihrem  Hinscheiden  aus  dem  Leibe  gnädig  aufzoneh- 
Er  legte  ab  die  Zeichen  der  Herrschaft,  nahm  das  Busskleid 
i  anrufend  die  Gnade   des  Herrn,   starb   er   am   27.  December 

den  Armen  der  Priester. 
Dn  seinen  drei  Söhnen  hi^tte  Alfons  Leon  und  Asturien,  Sancho,     ai- 
iste,  Castilien,  Garcias,  der  jüngste,   Galicien  erhalten.    Schon  ^^^  ^' 
ihrten  Alfons  und  Sancho  Ejrieg  gegen  einander.    Die  Castilia- 
^n.    Später  wurde  Alfons  gefangen  und  nach  Toledo  verwiesen, 
irarcias  musste   vor  Sancho   nach  Sevilla  fliehen.     Vor  Zamora 
ncho  um  das  Leben  (7.  October  1072).    Alfons  floh  ans  Toledo 
rde  König  des  ganzen  Reiches.    Dreizehn  Jahre  später  zog  er 
rer  in  Toledo  ein. 


§.  3. 

Is  König  Gurcias   I.  im  Januar  914  gestorben  war,   so   kamen  synode 
gnaten   und   12  Bischöfe  in  Leon  zusammen,   welche   den  Or-  ▼•  ^^^^ 

914  ? 

LI.  zum  Nachfolger  wählten  und  ihn  krönten  (Juli  914).  Ob 
;höfe  Beschlüsse  in  kirchlichen  Dingen  gefasst,  ist  nicht  bekannt, 
m  1.  September  946  berief  König  Ramiro  U.  auf  Bitten  des 
s  Salomo  von  Astorga  eine  Synode  nach  Astorga  oder  Irago^), 
er  nur  der  König,  Bischof  Salomo  und  verschiedene  Aebte  an- 
1,  die  Aebte  von  Santiago,  Santa  Martina,  Santa  Leoca- 
T  beiden  Klöster  mit  dem  Namen  San  Andres,  von  Cosmas 
imian,  von  San  Facundo,  San  Martin^  San  Pedro,  San  Justo, 
jucia  und  Santa  Maria  de  Tabladillo.  Man  handelte  über  die 
^enheiten  der  Religion  und  den  gemeinsamen  Nuzen  der  Kirche. 
)ind  nicht  vorhanden^). 

a  Jahre  1020  versammelte  König  Alfons  V.  die  (12)  Bischöfe  synode 
Reiches  zu  einer  Synode  nach  Leon.  Die  Zeitangabe  schwankt  ^-  ^®*»" 
n  1012,  25.  Juli,  und  1020^  1.  August.  Ambrosius  Morales, 
und  Risco  sind  für  das  Jahr  1020.  Es  war  diess  ein  gemisch- 
3hstag,  worin  für  das  Reich  Leon  neue  Geseze  (fueros)  erlassen 
,  die  noch  im  dreizehnten  Jahrhundert  galten.  Die  Bischöfe, 
ind  Optimaten  waren  in  der  Kathedrale  der  heiligen  Maria  ver- 
t.  1)  Li  allen  künftigen  Concilien  sollen  die  kirchlichen  Ange- 
lten zuerst  verhandelt  werden.     2)  Was  durch  Testamente  der 


Concilium  Asturiense  oder  Iracense  genannt,  vom  Berge  Jrago. 
Esp.  sagr.y  t.  16  (Astorga),  2  edit,  p.  60,  p.  438—441,  Appendice  7. 
um  ap.  moiitem  Irago  sub  Episcopo  Salomone.    Era  984  (946).  — 
y  Ramiro,  t.  III^  p.  56. 

span.  Kirche.  II.  2.  26 


selbst  ihr  Kecht  nicht  erlangeu  kano,  so  weade  sie 
jorinuB  des  KÖDigs').  6)  Sind  die  AngelegeDheite 
schlichtet,  so  behandle  man  die  des  Königs,  dann  de 
mand  kaufe  das  Erbe  eines  Kirchenknechtes.  Wer 
sammt  dem  Preise.  —  Daran  reihen  sich  42  .fW 
Geseze"). 
,1  Im  J^re  1050  berief  Ferdinand  I.  «ne  gemiscl 

'"  lung  nach  Coyanza  (Coyaza'),  später  Valencia  di 
Herstellung  der  Christenheit*'  in  seinem  Reiche,  ve 
die  Königin  Donna  Sancha  anwohnte.  Es  waren  zu 
Froylan  von  Oviedo  (1036—1073),  CyprianuB  von  I 
Didacus  von  Astorga  (lOöO — 1061),  Oomez  voo  ' 
1063),  Joannes  von  Pamplona  (1050—1067),  Petras 
1056),  Cresconius  von  Compostella  (1048—1066),  B 
(104U— 1062),  endlich  Bischof  Gomez  „Visocenei«'' 
vorkommt,  und  der  Bischof  von  Viseo  oder  Occ 
Sic  beschliesseu:  I)  Jeder  Bischof  vollziehe  den  kin 
seinen  Klerikeru  in  der  Ordnung  und  in  seiner  Kirc 
und  Aebtissinen  sollen  ihre  Kloster  nach  der  Begel 
dict  leiten.  Sie  seien  ihren  Diöcesanbiscböfen  unt< 
fremde    Mönche  und  Nonnen   nur  im  Einvernehmen 


■)  lieber  ihn  Helfferich,  Westgotbenrecht,  S.  313  ig. 
•)  Etp.  sagr.,  t.  35,  p.  334—347.  —  Daniu  Tgada  \ 

75.  —  Ad.  Helferich,  l  c.  v.  250.  275.  299-314. 


Concil  von  Goyansa,  1050.  403 

shmen.  3)  Die  Elleriker  stehen  unter  ihrem  Bischöfe.  Die  Laien 
n  keine  Gewalt  über  die  Kleriker.  Die  Ornamente  in  den  Kirchen 
I  wiirdig,  z.  B.  die  Kelche  dürfen  nicht  von  Holz  oder  Thon  sein. 
Priester  trage  beim  heiligen  Opfer  den  Amictus,  die  Albe,  das 
;alam,  die  Stola,  die  Casula,  den  Manipel.  Ueber  den  Altar- 
.y   die  Hostie  und  den  Opferwein  wird  bestimmt,    was  noch  heute 

Die  Priester  und  Diakonen  sollen  nicht  in  den  Krieg  zielien, 
Tonsur  immer  tragen^  ihren  Bart  rasiren  (lassen)'),  nur  Mutter, 
reeter,  Tante  oder  Stiefmutter  bei  sich  haben.  Sie  sollen  die 
1er  das  Symbolum  und  Vater  unser  auswendig  lernen  lassen. 
9ter  und  Diakonen,  die  hierin  fehlen^  zahlen  ihrem  Bischof  60  So- 
nnd  verlieren  ihre  Würde.  —  4)  Die  Archidiakonen  und  Priester 
ai  zur  (öffentlichen?)  Busse  rufen. die  Ehebrecher,  Diebe,  Mörder, 
berer^),  die,  welche  Incest  und  Bestialität  begangen^).  Wenn  sie 
t  Busse  thun,  so  werden  sie  von  der  Gemeinschaft  der  Kirche 
geschieden.  5)  Die  Erzdiakonen  sollen  an  den  Quatembertagen  zur 
ihe  fuhren  die  (Ordinanden),  welche  das  ganze  Psalterium,  Hymnen, 
inge,  Episteln,  Orationen,  Evangelien  völlig  innehaben.  Bei  Hoch- 
m  dürfen  die  Priester  nur  erscheinen,  um  die  Benediction  zu  er- 
fen.  Kleriker  und  Laien,  die  bei  Todtenmahlen  erscheinen,  sollen 
Ü  Gutes  für  die  Seele  der  Verstorbenen  vollbringen.  Hiezu  soll 
i  besonders  Arme  und  Gebrechliche  laden.  6)  Am  Samstag  Abends 
m  alle  Christen  in  die  Kirche  kommen,  am  Sonntag  Morgens  sollen 
Üe  heilige  Messe  und  alle  „Horen^  hören,  keine  knechtliche  Arbeit 
ly  nicht  reisen,  ausser  wegen  einer  Wallfahrt,  Beerdigung,  Kranken- 
Ichs,  oder  wegen  des  Geheimnisses  des  Königs,  oder  des  Sturmes 
Saracenen.  Kein  Christ  wohne  mit  Juden  in  Einem  Hause,  oder 
^,  mit  ihnen.  Wer  hiegegen  fehlt,  thue  sieben  Tage  Busse;  wer 
ü  nicht  will,  sei  ein  Jahr  ausgeschlossen;  ist  es  Jemand  vom  ge- 
pen  Stande,  so  erhalte  er  hundert  Streiche.  Nr.  7  handelt  von  der 
btaverwaltung    der  Grafen   und  Majorini.     Ebenso   der  achte  Titel 

den  Gerichten  und  Strafen.  Castilien  hat  ein  anderes  Recht  und 
€z,  als  Leon,  Galicien,  Asturien  und  Portugal.  9)  Das  dreijährige 
ht  der  Verjährung  findet  auf  das  Kirchengut  keine  Anwendung. 
DieChristen  sollen  an  den  Freitagen  fasten,  zur  bestimmten  Zeit  essen 

arbeiten.  12)  Flieht  ein  Mensch  wegen  einer  Schuld  in  die  Kirche, 
darf  ihn   Niemand   innerhalb   des   Raumes    des   Asyls  ^),    welcher 


*)  semper  Coronas  apertas  habeant,  harbas  radant. 
*)  maleficos, 

*)  incesttiosos,  dann  folgt:  sanguine  mistos,  was  eine  Erklärung  des  ersten 
lies  zu  sein  scheint;  Tejada  aber  übersezt:  incesttiosos,  sanguinarios, 
*)  infra  dextros  EccUsiae. 

26* 


[Fcliörig  vorbereitete  ürdinanden  vorstellea  sollen.  E 
der  Priester  30  Jahre  alt.  Weltliche  Waffen  sollen 
Für  Ordioation,  Taufe  oder  andere  kirchliche  Dien 
verlangt.  3)  In  der  Kirche  und  einem  Umkreis  von 
kein  Laie  und  kein  Weib ')  wohnen.  Die  kirchliche 
mit  Ziegeln  bedeckt  und  solid  gebant,  Kreuze  und 
Silber.  Auswärtige  Frauen  sollen  keinen  Verkehr  i 
Mönchen  hahen,  ausser  Mutter,  Tante  und  Schwe 
aber  als  Nonnen  tragen  sollen.  —  Abgefallene  Priest 
genommen,  sollen,  wenn  sie  sie  entlassen  hahen,  znr 
zugelassen  werden.  —  Ein  Christ,  der  mit  zwei  ! 
Frau  seines  Bruders  lebt,  werde  ansgeschlossen.  K 
geln  für  die  Klosterfrauen,  fintlanfene  Mönche  and 
lange  von  den  Kirchen  und  den  Christen  getrennt 
Busse  thun  und  zurückkehren.  —  Kapitel  6  gibt  Rege 
Verschiedene  Arten  des  Aberglaubens  werden  verhol 
von  Blutsverwandten,  Priestern  und  Diakonen  sind  de 
schrieben:  „der  durch  göttliche  Hilfe  gestözte  Cresco 
Apostolischen  Sizes";  der  „durch  die  Hilfe  Christi  { 
Bischof  von  Dumiuro"^);  „in  Gottes  Namen  Vistrwi 
ti'opolitanbischof  von  Logo". 


')  Baronius,  ad  ann.  10S6,  nr.  ^6.  —  Agmrre,  Com 
212.  —  Bsp.  sagr.,  U8,  p.  246-257;  261-266.  ~  T«ji 
p.  95—100.  -  Ad.  mifferich.  p.  314-316. 


Synode  von  Gompostella,  1056 ,  S.  Bosendo.  405 


§.  4. 

Unter  den  Bischöfen  dieser  Zeit  wird   mit  besonderm  Lobe   der  s.Rade. 
ge  Radesindus  von  Mondonnedo  genannt.    Er  stammte  aus  könig-  ^^^^^ 
sm  Geschlechte.    Sein  Grossvater  Hermenegild  wohnte  der  Kirch-    und 
le  za  Santiago  im  Jahre  899  als  ^Graf  von  Tuy  und  Portugal"  an.  ^^°'^- 

Vater  war  Gutierre  Menendez,  seine  Mutter  Ilduara  (Alduara), 
hter  des  Grafen  Hero.  Bosendo  wurde  am  26.  November  907  ge- 
01.     Erst   18  Jahre  alt,   wurde   er   im  Jahre   925,  jedenfalls   vor 

xam  Bischof  von  Dumium  erwählt^).  Er  war  ein  vollendetes 
bild  jeder  christlichen  und  bischöflichen  Tugend.  Er  erbaute  und 
Vierte  Kirchen,  gründete  mehrere  Eioster,  u.  a.  das  von  Cabeyro, 
[Kloster  Samos  erhob  er  zur  Abtei.  Die  Nächte  verbrachte  er  im 
«fte.  Da  er  aber  auch  am  Tage  nur  mit  Gott  verkehren  wollte, 
Uoss  er,  auf  das  Bisthum  zu  verzichten.  Darum  gründete  er  das 
■tar  S.  Salvador  in  Villar,  in  welches  er  sich  zurückziehen  wollte. 
ndit  Jahren  vollendete  er  dieses  Kloster,  das  unter  dem  Namen 
inova  so  berühmt  geworden  ist.  Es  liegt  einige  Meilen  südlich 
HOrense  und  vom  Minho.  Ans  vielen  Klöstern  sammelte  er  die 
pchsten  Mönche.  Den  heiligen  Franquila  sezte  er  zum  Abte  ein* 
Ekr  diesem,  der  vorher  Abt  von  St.  Stephan  de  Ribas  de  Sil  ge- 
ta,  trat  S.  Rosendo  als  einfacher  Mönch  ein,  und  bekannte  die 
9I  des  heiligen  Benedictus,  welcher  das  Erlöster  noch  im  acht- 
■len  Jahrhundert  folgte.  Als  Franquila  gestorben,  nahm  er  die 
Ü  zum  Abte  an.  Aebte  und  selbst  Bischöfe  legten  ihre  Würden 
riir  und    stellten   sich   unter   seine  Leitung.      Viele  Männer-   und 


K<?opie  gibt  Florez  nach  einer  Handschrift  der  Kirche  von  Leon.  Hier  sind 
iwirieben  die  Bischöfe  Froyla  von  Oviedo,  Cresconins  von  Iria  nnd  Sisnand 
Fortacale.  Bei  Florez  finden  sich  diese  drei  verschiedenen  Copieen  beisammen 
K  sagr.,  t,  19,  edic.  2,  p.  396-400,  403—406).  —  Cf.  Baronius  ad 
-1056,  —  Pagi,  OriHca  ad  ann.  1066.  —  In  der  Gopie  von  Leon  schreiben 
HioliOfe  einen  Brief  an  den  Bischof  Enscemenns  (Ximenes?),  dass  er  ihre  Arbeit 
Iren  und  verbessern  möge;  and  ^haltet  einConcil  mit  enren  Brüdern,  den  Bischö- 
enid  schärfet  ein  die  Regel  des  heiligen  Glaubens ;  denn  wir  wünschen  euch  Glück 
im  EJngheit.  Femer  theilen  wir  ench  mit,  dass  wir  fünfzehn  Tage  vor  dem 
mg  der  Fasten  das  Concil  in  der  Stadt  Logo  wiederholen  wollen.  Zögert  nicht, 
m  zu  kommen."  Noch  sprechen  sie  von  dem  Bischof  von  Nagera,  nnd  einem 
pi  Ordonins,  nnd  bitten,  dass  zwei  oder  drei  Bischöfe  (aus  jener  Gregend)  zu 
b  kommen  möchten.  £r8t  in  den  Jahren  1063—1065  erscheint  der  Bischof  Xi- 
p  von  Leon ,  und  einzelne  Schriftsteller  haben  unsere  Synode  dem  Jahre  1064— 
-lügewiesen. 

0  Schon  im  Jahre  919  unterschreibt  er  sich  in  einer  öffentlichen  Urkunde  als: 
Oiindus  filitu  Outerri. 


406  ZehntM  Boeh.    Zwdtas  KafiM. 

Franenkloster  wünschten  nnter  seiner  Fahnuig  m  stehe 
mnsste  der  Heilige  aus  seiner  Kloeterstille  in  das  amn 
znriickkehren.  Znr  2ieit  der  Einfalle  der  Maaren  und  der 
hatte  ihm  der  Konig  die  Leitnng  nnd  die  Veitheidigimg  t 
übertragen.  Es  gelang  ihm,  die  Normannen  sn  TertreibeD. 
Manren  mnssten  sich  vor  ihm  zurückziehen.  Um  das  Jahr 
der  Heilige  im  Triumphe  nach  Santiago  zurfick.  Als  die  '. 
wieder  einfielen,  fiel  Bischof  Sisenand  L  im  Stampfe  gegen 
und  Bodesind  musste  nun  bis  zu  seinem  Tode  die  Verws 
Oompostella  fuhren  ^).  Bald  darauf  (971)  erlitten  die  Normi 
entscheidende  Niederlage.  Rudesindus  starb  am  1 .  Harz  des  < 
in  seinem  Kloster  GeUanova^.  Dieses  EGloster  gelangte  in 
der  Reliquien  des  heiligen  Torquatus*).  Das  Ltehen  des  H< 
▼er&sst  von  dem  Mönche  Stephanus  in  Cellanova,  der  nm  lll 
Rudesindus  gilt  als  Erneuerer  der  EGlosterzucht  in  seiner  ! 
Kloster  GeUanova  war  durch  Jahiiiunderte  Mittelpunkt  des 
Lebens  im  Nordwesten  von  Spanien  und  in  PortogaL 
Ornate  Um    das    Jahr    899    wurde    der    heilige    Gkmiadius 

^I^J^  Gewalt  durch  Alfons  HL  dem  Bisthum  Astoiga  vorgese 
IM-Moohen  und  EGloster  zu  gründen  war  sein  hoohstes  Bemüh 
grossen  König  Alfons  HL  musste  er  stets  begleiten,  we]< 
durch  seine  Weisheit  und  Heiligkeit  leiten  liess.  Er  stand  d 
auch  bei  seinem  Tode  zur  Seite,  welcher  nodi  durch  ihn  den 
Jacobus  eine  Summe  von  500  Gx)Idmünzen  übergeben  ü 
Jahre  920  kehrte  Gennadius  in  die  ersehnte  Einsamkeit  de^ 
zurück.  Sein  Schüler  Fortis  war  sein  Nachfolger.  Elr  starb 
Auch  der  Bischof  Salomon  (931 — 952)  nennt  den  heiligen  ( 
„seinen  Vater  seligen  Andenkens^  ^). 
BiaehSfe  Am  Ende  dieses  Abschnittes    —  zierten  den   Biscbofl; 

°'  von  Leon,  die  damalige  Konigsstadt,  ausgezeichnete  und  heilig 
Gyprian  Der  heilige  Cyprian  erscheint  als  Bischof  in  den  Jahren  1040 
Er  resignirte   im  April   des  Jahres    1057.     Er   lebte    aber  a 
noch  im  Mai  des  Jahres  1085,  und  durch  eine  ihm  geworde 


■)  In  einer  Urkunde  des  Jahres  974  nennt  er  sich:  IndignMS  ei  f 
nuu  Apogtolicae  Caihedrae  et  Sedis  Iriensis  Rudegindus  £^.  eomm 

*)  Ä.  Yepes,  Coronica,  t  F,  p.  0—27,  36-^158.  —  ÄpendicA 
(enthält  sein  Testament),  nr.  4,  5,  6,  7.  —  Ada  8anctorum  0.  S.  E 
büUm,  9aec.  V,  p.  624—643.  --  Acta  Sanctorum,  L  Mari.,  p.  10 
Flarez,  Esp.  sagr.,  L  18  (edü.  2.),  p.  73—106;  t  19,  p.  161—166. 

*)  K.-G.,  L  149. 

*)  Flarez,  t  18  —  apendice  32  —  p.  374-409,  „Vida  de  S.  1 
PortugaUae  wumiumenta  Uistorica^  /,  p.  34 — 43—46. 

*)  Etp.  sagr.,  t.  16,  edic  2,  p.  129—166;  349.    Apendic  2,  ^ 


BiflohOfe  Ton  Leon  (Astorien).  407 

ämmte  er  den  Konig  Alfons  VI.,  die  Belagerung  von  Toledo  nicht 
sogeben.     Wenige   Tage   nachher  starb  Cyprian.    Zum  Nachfolger 
IBischof  hatte  er  den  heiligen  Alvitus  (1057 — 1063).     Er  war    ein  amiüb. 
Dch  des  Klosters  von  Samos.  —  Die  Königin  Donna  Sancha  wollte 

Kirche  des  heiligen  Johannes  des  Täufers  in  Leon,   die  ihr  Yater 
DOS  y.  gebaut  hatte,   auf  besondere  Weise   ehren,   da  dieselbe  die 
griUbnissstatte  der  Konige  von  Leon  war,  bestimmt,  auch  die  Begi^b-  * 
Mtatte  ihres  Vaters  Sancho  el  Major  von  Navarra,  ihre  eigene  und 

ihres  Gemahles  Ferdinand  I.  zu  sein.  Ferdinand  sandte  die  Bi- 
Bfe  Ordonius  von  Astorga  und  Alvitus  von  Leon  nach  Sevilla,  um  Leon  a. 
ft  den  Leib  der  heiligen  Justa  zu  erhalten,  nachdem  er  vorher  den  ^*^"^* 
wk  Benhabet  zum  Frieden  gezwungen^).  Aber  Niemand  wusste  zu 
jDa  den  Ort,  wo  die  Gebeine  der  heiligen  Justa  ruhten  und  ver- 
sochten  die  Bischöfe  nach  ihm.  Statt  dessen  aber  fanden  und 
sie  durch  göttliche  Fügung  den  Leib  des  heiligen  Isidor. 
selbst  starb  in  Sevilla.  Sein  Leib  wurde  mit  dem  des  heiligen 
Imr  nach  Leon  gebracht.  Viele  Wunder  geschahen  während  der 
beriragong  des  heiligen  Isidor  nach  Leon.  Derselbe  wurde  in  der 
■MrwUmten  Kirche  beigesezt^  welche  von  da  an  die  Kirche  San 
ho  hiess,  der  Leib  des  Bischofs  Alvitus  aber  in  der  Kathedrale  der 
llgen  Maria  (de  Regia)  ^).  Das  Kloster  an  der  Kirche  des  heiligen 
Bor  war  durch  Jahrhunderte  eine  Pflanzstatte  der  vortrefflichsten 
fttinttj  aus  welcher  gefeierte  Bischöfe  und  Schriftsteller  hervorgingen. 
p'  Bischöfe  von  Lugo  hiessen  in  diesem  gaiizen  Zieitraume  noch  Me-  Lngo. 
ipoliten.  Wegen  der  Einfälle  der  Normannen  und  Araber  wurde  nach 
P^  Jahre  970  das  Bisthum  Tuy  mit  dem  von  Compostella,  das  Bis- 
lü  Orense  mit  dem  von  Lugo  vereinigt,  bis  zum  Jahre  1071.  Braga 
V  ohnedem  mit  Lugo  verbunden,  und  wurde  erst  im  Jahre  1071 
idftr  hergestellt  Der  Bischof  Suarius  U.  Bermudez  von  Mondon- 
Iji  (1015 — 1022)  wird  genannt  Bischof  von  Dumium,  Lugo,  Orense 
vTay.   —  In   den  Jahren  915 — 922  blühte   der   heilige  Ansurius, 

riof  von  Orense^).     Dieses  Bisthum  war  an  70  Jahre  eiligegangen,  oreme. 
wurde  erst  am  13.  Januar  1071  mit  allen  seinen  Besizungen  wieder 


»    *)  S.  oben  S.  400. 

^  Acta  Sanetorum,  t.  I,  April,  (4),  p.  330—362.  Vita  8.  Isidari  auctore 
ton.  regulari  eoenobii  Legionmsis  ü.  hidori,  forte  Luca  TSAdensi  (f  1250), 
.Mb.  ToUiano.  —  HisUnia  et  Acta  translatianis  Undein,  p.  352-364;  900— 
t»  —  Mabiüon,  A.  S8.  0.  S.  B.,  saee.  II,  p.  582.  —  ^Actct»  de  la  trculacian 
&  laidoro*'  in  Esp.  sagt,,  t  9  (tere.  edic.),  p.  406—412;  t,  35  {Leon), 
96-92-97. 

*)  Acta  Sanctonm,  26.  Januar,  (J.  II),  jp.  751—752.  —  Esp.  sagr.,  1. 17 
ic.).  q.  64-70, 


gestellte  Bisthum  Coimbra  lieisst  von  da  an  „Siz  der  be 
oporio.  ^  ^^11  Jahren  1029 — 1065  wurde  gleichfalla  das  Sisthum 
Siz  der  heiligen  Maria",  wieder  liergestellt.  Nach  dei 
aber  wurde  die  Reibenfolge  der  Bischöfe  wieder  nnterbro< 
Archidiakonen  von  Bracara  verwalteten  daa  Bisthum.  — 
Visen  vrurde  um  dieselbe  Zeit  voräbergehend  eroeaer 
Jahre  1101  vereinigte  Papst  Paschalis  II.  Visen  und 
Coimbra;  Viseu  tritt  als  getrenntes  Bistham  erst  im  Jahre  1 1 


§.5. 

Die  Chroniken   des  Sebastian   von  Salamanca    und 
von  Älvelda  schliessen  mit  der  Regieiang  Älfons'  IIL*). 
der  Mönch  Vigila  einige  8[^lichc  Znsäze  über  Navarra  i 
bis  976  reichen.     Quellen  der  Geschichte  nnsrer  Zeit  sine 
ken  des  Mönches  von  Silos,  des  Bischofs  Sampims  von  As 
Fortsezers,  des  Bischofs  Pelagius  von  Oviedo,   das   sogei 
nicon  von  Portugal,  die  Chronik  von  Iria.    Geschichtsquelle 
die  zahlreichen  Urkunden,   welche  von  Königen,   Bischof 
und  Lüen,  zu  Gunsten  von  Kirchen,   Klösteni,   Städten 
Ortschaften  ausgestellt  wurden. 
Buehof  Sampiro,  früher  „Presbyter"  und  „Notar"  des  Koni, 

flunpira  (SanctuB  Pirus  genannt),   erscheint  in  den  Jahren    1035   1 
,^,,^,1^  Bischof  von  Astorga.    Es  gab  im  zehnten  Jahrhundert 


'}  Duo  episcopi,  Didcidiiu  Sahnanticetuis  et  Sermognu  Tt 
mttU  eomprehensi  et  Oordubam  adducti  —  chron.  de  Sampiro,  iw 


Der  Chronist  Sampiro.  409 

sses  Namens,  im  Jahre  990  erscheint  ein  „Presbyter**  Sampiro'). 
n  Abt  Sampiro  unterschreibt  im  Jahre  920  neben  dem  heiligen  Gen- 
d^ns,  dem  Bischof  von  Astorga.  Es  ist  kaum  denkbar,  dass  ,,der 
it*  des  Jahres  920  mit  dem  ,,Presbyter^  des  Jahres  990  dieselbe 
irson  sei,  obgleich  der  Sfnst  so  scharfsinnige  Sandoval  Beide  ver- 
■ehselt^).  Unser  Sampiro  kommt  als  Notar  in  verschiedenen  Docu- 
■iten  vor.  Es  heisst  von  ihm  u.  a.:  Sampiro  hat  notirt  (d.  i.  ge- 
hrieben oder  dictirt)  und  bekräftigt^  (Jahr  1018).  Als  Notar  des 
inigs  schrieb  er  sein  Chronicon,  das  mit  dem  Jahre  866  oder  der 
inmbesteigung  Alfons'  UI.  beginnt,  wo  Sebastian  von  Salamanca 
Ifons  III.  selbst?)  geschlossen  hatte,  und  das  er  bis  zum  Jahre  982 — 
A  fortfahrt  Aus  Klugheit  scheint  er  nicht  die  i^eit  der  Könige 
«mudo'II.  und  Alfons'  V.  (982—1028)  behandelt  zu  haben.  —  Sam- 
^  nennt  die  Könige  von  Leon  „katholische  Könige^,  ein  Name,  den 
i  spanischen  Könige  bis  in  die  neueste  Zeit  gefuhrt  haben.  Der 
JTonist  beschäftigt  sich  fast  ausschliesslich  mit  den  Schicksalen  und 
Segen  der  Könige  von  Leon.  Auch  dieser  Zeitraum  ist  erfüllt  von 
■em  Empörungen,  von  Bürger-  und  Bruderkämpfen.  Von  König 
maus  L  (957 — 966)  erzählt  der  Chronist,  dass  er  über  die  Maassen 
labt  gewesen,  dass  er  aber  durch  ein  von  den  Arabern  ihm  mit- 
ikeiltes  Heilmittel  ganz  schlank  geworden  sei^).  —  Er  und  seine 
liwester  Elvira  erbaten  sich  von  Corduba  den  Leib  des  Märtyrers 
lagins.  An  der  Spize  dieser  Gesandtschaft  stand  der  damalige 
■chof  Velascus  von  Leon  (966 — 969).  Des  Sancius  I.  Sohn  zählte 
I  seinem  Tode  erst  5  Jahre,  „wesswegen  seine  Tante,  die  Gott  ver- 
Me  Herrin  Königin  Gelvira  (Elvira),  von  grosser  Klugheit^,  die  Re- 
ktschaft  föhrte.  Der  junge  Ramiro  UI.  war  „aufgebläht,  falsch  und 
jjl  unbedeutenden  Kenntnissen^^),  und  durch  Worte  undThaten  kränkte 
i^iehr  die  Grafen  von  Galicien,  Leon  und  Castilien,  welche  sein  « 
jipii  abschüttelten.  Bis  zu  seinem  im  Jahre  984  zu  Leon  erfolgten 
iie  reicht  unser  Chronicon. 


^  *)  Samphirus  presbyter,  qui  di(fi)tavit,  et  post  Astoricense  Sedis  episcopus 
if.  —  Lezteres  ist  entschieden  Zosaz  eines  Späten^  aber  ein  sicheres  ZeugüiBB 
Ar,  dass  der  „Presbyter**  und  „Notar**  des  Königs  mit  dem  spätem  Bischöfe  von 
Inrga  eine  und  dieselbe  Person  sei. 

*)  Sobre  el  Monasterio  de  S,  Pedro  de  Mordes,  fol.  62  b. 

*)  Sampinu  peceator  notavit  et  confirmavit 

*)  8aneitut  rex,  quum  esset  crassus  nimi»,  ipsi  Agareni  herbam  attulerunt, 
erassitudinem  eftis  abstvlerunt  a  venire  ejus,  et  od  prisHnam  levitatis  astu- 
m  redtictus,  consüium  iniit  cum  Sarracenis,  qualiter  ad  regnum  sibi  ahla- 
n  perveniret,  ex  quo  ejedus  fuerat, 

*)  Eex  Ranimirus  —  cum  esset  ekdus,  et  falsüoquus,  et  in  modica  seien- 
ipasUus. 


Der  Verfasser  der  Chronik,  welche  den  Titel  füh 
Sileniii  ehronicon",  wollte  die  Geschichte  Älfons  VI.  s< 
Toledo  wieder  eroberte,  er  nahm  aber  in  sein  Bach  anch  < 
über  die  Könige  der  frühem  Zeit,  und  anter  ihoeD  die 
Bischöfe  Sampiro  auf). 


')  Ansgaben:  Pntd.  Sandooal  (Bischof  von  Punplonii)  in: 
cinco  obispos,  oder :  Hiatarias  de  Idacio  obispo,  de  Isidoro,  olriapo  i 
de  Sebastian,  obispo  de  Salamanea,  de  Sampiro,  obiapo  da  AMtor^ 
obiapo  de  Oviedo:  nunca  haeta  agora  impreaas,  am  otra»  notam 
Pampkma  16i6,  Duaelbe(iiiitTerSiidertemTitel)etachieDwieder:  Fa 
Dte  dritte  Aasgabe  ist  von  Ferreras,  Historia  de  Espana,  t.  XVI, 
der  sich  auf  andere  Hanoscripte  BtDzte.  Zwei  Jabre  spiter  edirte 
den  „Ferreras  conveneido'  —  den  OberwieaeneD  Ferreras,  Madr. 
einen  Terbesserten  Text  ^b,  wfihrend  er  ichon  aoht  Jahre  IHIber  in 
gvedadea  de  Espana,  t.  II,  Madr.  1721  dieselbe  Chronik  «dirt  Im 
Hamen  des  HOndtes  von  Siloa.  Einen  verbesserten  Text  ^b  H.  Fl 
sagrada,  1762,  t.  14,  2  edic.,  Madr.  1786.  ~  C^ronictm  de  Sa: 
de  Ast&rga,  p.  432—440-461—473.  —  CTirontcon  de  Pelayo,  p.  4, 
—  H.  Schäfer,  Geschichte  von  Spanien,  Bd.  IT,  Hamb.  1811,  S.  256- 
berg-Kert-Brisdutr,  Oescbjcbte  der  Reli^on  Jesu  Cbriati,  Bd.  46,  ] 
E,  Dozy,  hisloire  des  Mitsrtlmans  äEspagne  {711—1110),  t,  III, 
p.  33  sq.  —  Derselbe:  R^cherches  sur  l'hiatoire  et  la  Htt&ature 
pendmt  le  vtoyen  age,  2  edic.,  Leyde  1860,  t  I,  p.  164—220;  t 
mands  en  Espagne,  p.  271—331. 

*)  e/.  Monarehia  Luaitana,  t.  III,  auei.  Brandano,  appeM 
p.  415^2  [ed.  Z). 

•)  .Bsp.  sagr.,  i.  11  (2  edic),  p.  284—300. 


Drittes    Kapitel. 

i  Reiehcr  Kavarra,  Aragon  nnd  Catalonlen  (900—1081»). 

§.  1. 

König  Alfons  IH.  von  Astnrien  nahm  Ximena  aus  dem  Für-  Kdntge 
liaosc  von  Navarra  zu  seiner  Gemahlin*  Zu  dieser  Zeit  war  Na-  ^^^ 
m  vom  Frankenreich  wie  von  Astarien  unabhängig.  Ihr  Vater  war 
^»aa  Inniguez.  Aber  erst  dessen  Sohn  Sancho  Gurcias  nahm  (905) 
Titel  eines  Königs  an,  welcher  die  Saracenen  wiederholt  mit  Glück 
ampfte ,  nnd  sein  Land  aasdehnte.  Zum  Dank  für  seine  Siege  grün- 
^  er  im  Jahre  924  das  berühmte  Kloster  Albdda.  Bei  seinem  Tode 
3)  waren  alle  Saracenen  aus  seinem  Reiche  vertrieben. 

Sein  Sohn  Garcias  (925  —  970)  lieferte  den  Saracenen  viele 
lachten.  Er  hatte  zwei  Sohne ,  Sancho  und  Ramiro,  von  denen 
ix  ihm  in  der  Regierung  nachfolgte,  und  (unter  dem  Beinamen 
cho  el  Major)  das  Reich  Navarra  zu  seiner  höchsten  Blüthe  brachte,  saneho 
^rlanirte  den  Besiz  von  Castilien  und  Theile  des  Reiches  Leon.  ^^ 
a  den  Pyrenäen  bis  Najera,  südlich  vom  Ebro,  herrschte  er,  ver- 
b  er  alle  Saracenen,  ja  eine  Zeit  lang  gebot  er  von  den  Grenzen 
liciens  bis  zu  den  Pyrenäen.  Aber  wie  manch'  anderer  grosse  Re- 
t  schwächte  und  zerstückelte  er  sein  eigenes  Reich  durch  Yertheil- 
l  an  seine  Söhne.  Er  starb  im  Jahre  1035.  Der  älteste  Sohn  Gar- 
I  erhielt  Navarra,  Yiscaya  und  einen  Theil  des  Landstriches  der 
ga,  Ferdinand  erhielt  Castilien  und  das  Land  zwischen  den  Flüssen 
nerga  und  Cea,  Ramiro  erhielt  die  Gra&chaft  Aragon.  Die  Theil- 
l  war  eine  bleibende.  Castilien  wurde  mit  Leon  verbunden,  und 
ib  bei  ihm.  Aragon  aber  blieb  selbstständig,  und  verleibte  sich 
ter  Catalonien  ein,  während  Navarra  seine  engen  Grenzen  nicht 
hr  erweitem  konnte,  und  in  Abhängigkeit  von   seinen  mächtigern 


Zebat«  BniA.    DriU«  Kapitel. 

Nachbarn  kam '),  Sancho  der  Grosse  hatte  vom  Juni  970  bi*  F^ 
briiar  I03&,  64  Jahre  cnd  8  Monate  regiert.  Sein  Sohn  Garciiu  (ID,) 
regierte  nach  ihm  über  das  engere  Navarra  vom  7.  Februar  1035  bis  imt 
I.  September  1054;  Sancibo  III,,  Sobu  dieses  Garcia ,  an  22  Jahre,  k 
zum  Juni  1076.  Dann  trat  das  Reich  Navarra  in  freiwillige  Abhio- 
gigkeit  von  dem  Königreiche  Aragon*). 

§•2- 

iBchöfa  Der  Konig  Sancho    der    GroBSe    hatte    Beine    Erziehnug   in  da 

""  Kloster  Leyre^)  erhalten,  und  suchte  dieses  Kloster  in  jeder  War 
zu  heben.  Er  berief  im  Januar  1022  eine  Synode  in  dieses  Klo«, 
welches  von  der  Zeit  des  Bischofs  Wielesindus  bis  zum  Jahre  1023  St 
des  Bisthums  Pamploua  war,  so  dass  die  Aebte  von  San  SaWidofi 
Leyre  zugleich  die  Bischöfe  waren.  Seit  1014  war  Don  Siuicbi»  i 
Mayor,  d.  i.  der  ältere,  Abt-Bischof  von  Leyre,  In  demselben  J»ln 
schenkte  der  König  Don  Saticho  dem  Kloster  Leyre  das  Kloster  m 
die  Kirchen  von  (Alt-  und  Neu-)  San  Sebastian  am  Meerbiwiu  w 
Biscaya.  Die  drei  Kirchen  sind  heute  noch  die  drei  Pferrciöi  •• 
San  Sebastian  in  Gaipiizcoa  (Santa  Maria,  San  Vicente  nnd  Siali- 
bastian  o!  antiguo).  Leztere,  jezt  ausserhalb  der  Mauern  dttSw^ 
war  damals  ein  Kloster.  Als  im  Jahre  1023  die  B^sizangen  imda 
Pum-  dem  Kloster  Leyre  und  dem  Bisthiim  Pamplona  getheilt  wurdia,  bW 
f''™'-  leztere  Kirche  dem  Bischof,  welcher  sich  dcsswegen  Abt  von  All-Sü 
Sebastian  nuunte.  Die  Schenkungsurkunde  des  Jahres  1014  isi  aot* 
zeichnet  von  den  Bischöfen  Mancins  von  Aragon,  welcher  soosH"* 
Bischof  von  Jacca  heisst,  denn  Osca  oder  Huesca  wurde  er»" 
Jahre  1096  wieder  den  Maiireu  entrissen,  von  Sancho  von  li* 
d.  i.  Pamplona,  von  dem  Bisehof  Garcia  von  Naxera,  dem  Bi** 
Munius  von  Alava  nnd  Julianus  von  Oca. 
Bbtiinm  Julianus  erscheint  in  den  Jahren  l(X)3— 1033  als  Bischof  yonO«i 

°°'-  dem  alten  Auca,  Nunnus  erscheint  im  Jahre  1079  als  derlezteBiw* 
von  Oca;  diess  Bisthum  wurde  nach  ihm  mit  dem  von  Burgos  '«*•" 
nigt.  Nagera  ist  das  römische  Tricium.  Es  kommt  im  Jahre  Sf'-" 
Nazera  vor,  später  als  Nazara,  wesswegcn  die  Einwohner  der  Si» 
auch  Nazarener  genannt  wurden^}.     Eine  Zeit  lang  bestand  ein  Hencf 

')  Haaptqueller   Chronicon  monachi  Silensis. 

')  Masdeu,  hütoria  critica  de  Eipana,  t.  XV,  2T4.  —  Scltii/er,  Ge«W* 
von  Spanien,  U,  ö.  313—3^1. 

')  B.  oben  S.  ;i57. 

')  hiatoria  Compostülana,  I,  73.  Raderich  XJmenas  schreibt:  J«ja'^ 
das  Chronicon  Albeldense  schreibt:  Nagerensin  wrbis;  gewöhnlich  heiMt  tt:l* 
jara  oder  Naxara. 


Bisthflmer  in  Navarr».  413 

Q  „Cantabrien^ ,  dessen  Hauptstadt  dieses  Najera  war  ^).  Die  ganze 
dschaft  selbst  heisst  und  hiess  die  Rioja.  Im  Jahre  923  wurde  Na- 
i  von   dem  Könige  Ordonno  U«   von  Leon  erobert*),   zugleich   mit 

benachbarten  Stadt  Veguera,  welche  südostlich  von  Nagera  und 
ich  von  Albelda  liegt«  Weil  damals  allein  noch  Calahorra  in  der 
(ralt  der  Saracenen  lag,  das  zwar  erobert,  aber  wieder  verloren 
den  war,  erschien  es  passend,  den  Siz  des  Bisthums  nach  Nagera 
verlegen.  Theodemir  erscheint  in  den  Jahren  950  und  962  als 
er  Bischof  von  Nagera.  Im  Jahre  971  war  Benedictus  Bischof; 
ISO  in  den  Jahren  983  und  988.  Auf  ihn  folgte  vielleicht  Alto  oder 
centius;  Belasco  erscheint  996 — 997,  Garcias,  den  wir  oben  ge- 
Dt,  in  den  Jahren  1001 — 1014,  im  Jahre  1020  Benedictus,  Garcias  IL 
Jahre  1023—1024,  Fruela  im  Jahre  1024.    Im  Jahre  1028  wurde 

Bisthum  Nagera  dem  Bischöfe  Sancho  IL  von  Famplona  über- 
;en^);  im  Jahre  1030  heisst  Sancho  nur  Bischof  von  Nagera;  wie 
CO  meint,  gab  es  damals  zwei  Bischöfe  dieses  Namens  Sancho. 

Im  Jahre  1035  erfolgte  die  Wiederherstellung  des  Sizes  von  Pa-  Bi-thnm 
ia,  der  seit  dem  Einfalle  der  Mauren  verödet  war.    Es   war  diess  p*»««»^ 

der  lezten  Thaten  Königs  Sancho  des  Grossen,  welcher  mit  seiner 
Qahlin,   den  Bischöfen   und   den  Grossen   seines  Hofes   in  Palentia 

einfand.  Zugegen  waren  drei  Bischöfe,  unter  ihnen  der  Bischof 
cius  in  Najara^).  Bemard  war  der  erste  Bischof  des  neuen  Palencia. 
Später  (1042)  erscheint  ein  Bischof  Sancho  von  Nagera  neben 
che  von  Pamplona.  Im  Jahre  1044  unterschreibt  ein  Bischof  Go- 
anus  von  Nagera  neben  Bischof  Garcia  von  Alava,  Sancho  von 
iplona,  Wilhelm  von  Urgel,  Alto  von  Oca  und  Bemard  (?)  von 
intia*). 

Endlich    wurde   im  Jahre   104Ö    die   feste    Stadt   Calahorra   den  Biitham 
Iren  entrissen,    in    deren   Händen    es    mehr    als    drei  Jahrhunderte    ^^*^* 
csen  war.     König  Garcia  von  Navarra  nahm  es  ein.     Die  Christen 
den   ermuntert  durch   die  Erscheinung   des  heiligen  Aemilian  (San 
lan)^  stehend  über  den  Mauern  der  Stadt,  welcher  den  Christen  die 
Ue  zeigte,   wo   sie  den  Sturm  wagen    sollten.    Nachdem   im  Früh- 

die  Stadt  genommen  worden,  stellte  der  König  sogleich  den  Stift- 


*)  ducattis  Cantabriae,  cujus  Sedes  fuit  Änagarum  ab  anüquo.  —  Ro- 
Tc.  Ximenes,  6,  26. 

*)  Chronicon  Sampiri  (Ordonius  II), 

')  Er  schreibt:  Ego  Sancius  Pamplonensis  atque  NajaUnsis  Episcopus, 
Jahre  1030  heisst  er:  Sancio,  Pamplonensis  seu  NajaUnsis  episcopus. 

^  Pedro  Femandez  de  Pidgar,  Historia  secular  y  ecUsiastica  de  la  ciudad 
Palencia;  Madr.  lÖTO-^lßSO,  3  fol.  {t.  II,  p.  41). 

*)  Dieser  soll  schon  1040  gestorben  sein,  und  zum  Nachfolger  den  Miro  (oder 
0  gehabt  haben.  —  Morel,  Anales  de  Aragon,  I,  673. 


414  Zehntea  Bnoh.    Drittel  Kapitel. 

uugsbrief  d<js  erneuertt-n  Bistliiims  aus  (30.  April  l04ä),    Derbiäbmji 
UiEchof  Sanoho  von    Najera   wurde    nun  Biechot'  der   „heiligen 
und  der  heiligen  Märtyrer  Emeteriua  und  Chelidonias"  you  CalilKnii 
Von  nun  fin  war  und  bliob  das  Bistbura  Nagera  aafgegangen  in 
TOD  Calahorra*). 
"°  Wir    haben  oben    auch    von    einem  Bischöfe   yon   Älaba  gchüit 

AJaba  bestand,  wie  Nagera,  nur  im  zehnten  und  eilften  JahrhmidA 
Alaba  war  und  ist  die  sndliche  der  drei  baskiachen  ProTimen.  N'vl 
der  Eroberung  von  Nagera  wurde  auch  dieses  Biathum  errichtet, 
cheB  den  frühem  nördliiiL  vom  Ebro  gelegenen  Tbeil  des  Bisün» 
Calahorra  umfasste,  und  go  ziemlich  dein  heutigen  nea  erriduM 
Bistbum  Vittoria  entspricht.  Muniua  wird  im  Jahre  927  als  SaU 
genannt.  Im  Jahre  956  erscheint  wieder  ein  Munius,  BiscW  <■ 
Alaba;  ein  anderer  Munio  im  Jahre  1014,  welcher  die  obige  Scbat 
nng  von  San  Sebastian  an  das  Kloster  Leyre  unterschrieb.  Im  Juli«  I HD 
wohnte  er  der  Erhebung  und  der  Uebertragung  der  Reliquien  in  » 
ligen  Aemilian  dureh  König  Sancho  den  Grossen  an.  Noch  kbt«  d 
im  Jahre  1033.  In  demselben  Jahre  tritt  Bischof  Johannes  t'a,  ■ 
Jahre  1037  Bischof  Garcia.  Im  Jahre  1053  nennt  er  sich  ,0»* 
Alabensischer  Bischof  oder  (B.)  in  Vizkaya".  Einen  besUmmtn  ü 
seines  Bisthums  scheint  er  nicht  gehabt  zu  haben.  Vom  Jahre  l(ffi  • 
lebten  noch  die  Biscböle  Fortunius,  Vigila,  Munio,  VigtliU.  f)i 
üarcia,  Munio,  Vigila  III.  (?),  Munio,  Fortiiuio.  Nach  dem  Toi 
dieses  lezten  Fortunius  wurde  um  1088  das  Biathum  Alava  dem  "* 
Calahorra  einverleibt,  und  Petrus  Nazar  war  erster  Biscbol  deä  »■ 
vereinigten  Nagera,  Alava  und   Calahorra"). 

Durch  die  Einfalle  der  Mauren  war  Stadt  und  Kirche  »on  P» 
plona  an  zwei  Jahrhunderte  verödet.  König  Sancho  der  Grosae  l«!" 
sich  im  Jahr  1022  nach  Leyre,  um  mit  den  dort  versammelt» f» 
laten  und  Grossen  das  Bisthum  nach  Pamplona  zarückzu verleg»  • 
dem  Decrete  des  Königs  wird  Sancho  der  Aeltere  Bischof  ml* 
des  Klosters  von  Leyre  genannt.  Die  Könige,  seine  Vorgangs'"' 
tizB  und  Uoderich  seien  in  die  Hände  der  verfluchten  Secte  dwls»* 
liten  gefallen,  weil  sie  die  Wege  des  Herrn  und  die  Decrete  d«>* 
ligen  Väter  verachtet  haben.  Hurend,  dass  die  Lehre  des  scligm  * 
heiligen  Benedlctus  durch  die  ganze  W^clt  mit  grossem  Glani«  sDiMr 
verlange  er  dieselbe  auch    in    seine  Lande  zu    verpflanzen').    Er  W 


')  Esp.  sagr.,  p.  M.  Risco,  t.  30,  Madr.  1781,  corUiene  ta»  an(i>'^ 
de  Calahorra ,  y  tos  memimas  cmcemUntes  h  Ics  obiapadoa  de  NAg<rrtx  y  ^ 
p.  193-222. 

'j  Egp.  sagr..  t.  33,  Memoritis  de  /a  provincia  de  Alaba,  y  obiip^' 
Alaba  in  Armtntia.  p.  230-  371. 

')  Hier  ist  die  Kefurm  von  Clugny  gemeint,   welcher   sieb  damals  »p»«^ 


Biathnm  Pamplona,  102a  415 

onen  seines  Vertrauens  in  das  Kloster  Clugny  gesendet,  von  dort- 
den  Abt  Ptxttimua  erhalten,  mit  ihm  eine  Genossenschaft  von  Mön- 
,  und  sie  in  das  Kloster  des  heiligen  Johannes  Baptista  (von  Pena) 
ordnet  ^].  Aus  Anlass  der  Wiederherstellung  des  Iruniensischen  Sizes 

er  das  Kloster  von  Leyre  (welches  den  Bischofssiz  verliert)  mit 
D  Privilegien  schmücken,  es  unter  den  Schuz  der  Apostel  Petrus 
Paulus  steUen.  Wegen  der  Wiederherstellung  von  Pamplona  be- 
er dahin  eine  Synode   für   das  nächste  Jahr.     Das   Document   ist 

21.  October  1022,  als  Sancho  in  „Castilien,  Astorga,  Alava,  Pam- 
%j  Aragon,  in  Sobarbe,  in  ganz  Gascognien,  in  Leon,  in  Asturien^ 
ichte.  Zeugen  waren  die  Königin  Ximena,  des  Königs  Mutter, 
i^onigin  Maria,  vier  Fürsten,  Mancio,  Bischof  von  Aragon,  Sancho, 

von  Leyre  und  Bischof  von  Pamplona,  Garcia,  Bischof  von  Na- 
y  Arnulf,  Bischof  von  Ribagorza,  Munius  von  Alava,  Jnlianus  von 
ilien  und  Oca,  Poncius  von  Oviedo,  Patemus,  Abt  von  San  Juan, 
^,  Abt  von  Onna*). 

Im  September  des  Jahres  1023  trat  die  Synode  von  Pamplona 
mmen,  welche  dieses  Bisthum  wieder  herstellte.  Wir  besizen  als 
ibniss  dieser  Synode  das  Königliche  und  Bischöfliche  Privilegium 
Shren  der  heiligen  Maria  des  Sizes  von  Pamplona,  und  zugleich 
Klosters  von  San  Salvador  von  Leyre. 

König  Sancho  fohlt  sich  nicht  würdig,  in  irgend  Etwas  gleich- 
et zu  werden  den  heiligen  Königen  (der  alten  Zeit),  aber  er  will 
ihnen  wetteifern  in  jedem  Werke  der  Heiligkeit  und  der  Gerech- 
^it.  Jezt  hat  er  die  Bischöfe  versammelt,  um  den  Iruniensischen 
herzustellen.  Bischof  und  Abt  Sancho  soll  die  frühem  Einkünfte 
Bisthums  wieder  erhalten,  aber  auch  die  Ordnung  der  klösterlichen 
^t  in  aller  Strenge  einfuhren.  Vom  Kloster  Leyre  aus  soll  sich 
t  Zucht  über  das  ganze  Reich  ausbreiten,  aus  dessen  Mitte  die 
»nden  Bischöfe  zu  erwählen  seien.  Die  Bischöfe  sollen,  neben 
n  vortrefflichen  Eigenschaften,  auch  „berühmte  Redner,  wohl- 
gj  eintrachtig,  mitleidig,  fromm,  gerecht,  durchaus  keusch  sein^. 
Beien  gut  unterrichtet  in  den  kirchlichen  OfBcien,  sie  seien  Psal- 
en,  Computisten,  Sänger,  Leser  und  voll  des   heiligen  Glaubens. 


er  anaohloBsen,  und  in  welches  Kloster  sich  spanische  Bischöfe  nach  ihrer  He- 
don  Borflckzogen. 

•)  K.-G.,  I,  16*. 

*)  Affuirre-Catalam,  IV j  389.  —  Sandaval,  Catalogo  de  los  obispos  de 
fon,  p.  34^36,  —  (?.  Fr.  Perez,  Obispos  de  Pamplona,  1820,  7,  84S7.  — 
da  y  Ramvro,  III,  76-77. 

*)  Diese  Bischöfe  seien:  honitate  largissimi,  affabüitate  mitissimi,  humi- 
-unabiUs,  desiderabiles,  probabües,  celebres  oratores,  benefactores ,  Concor- 
misericordes,  pii,  justi,  mansueti,  benigni,  pacifiei^  castissimi. 


ist,  im  gegenwärtigen  Leben  Belbat  „aufheben",  die  k 
die  Macht  des  Königthums  ihm  nehmen,  nnd  sie  dei 
lieben,  im  kommenden  Leben  sei  er  getrennt  tod 
aller  Christen,  er  soll  die  Gemeinschaft  haben  mit 
ron  nnd  Judas,  dem  Verrither,  in  der  tiefsten 
Strafen  des  ewigen  Feuers  erleiden.  Et  selbst  aber, 
möge  die  Verzeihung  seiner  Sünden  erlangen,  and  sie 
reiche  glücklich  mit  Christus  erfreuen. 

Die  Bischöfe  Mancius  von  Aragon,  Sancho  von 
von  Najera,  Ämulph  von  Bibagorza,  Munius,  Bische 
lianus,  Bischof  von  Castilien '),  Pontius,  Bischof  voi 
zeichnen.  Ärduin,  der  „Grammatiker,  der  Schreiber 
tes",  ist  Zeuge'). 

§.  8. 

BftmlrO  L|  der  älteste  unter  den  Söhnen  Sut 
erhielt  bei  der  Keicheiheilung  Aragon,  das  von  jetzt  a 


')  CaaUUenna  ^ücoptig.  Er  kommt  in  den  Jahren  1003 
von  Oca  (Anca)  vor,  welches  Bisthum  um  das  Jahr  1079  in 
übergiBg. 

■)  PoDtins  erscbeint  Dur  in  den  Jahnn  1028—1085.  In 
mehrere  gleichseitige  Bischöfe  toit  dem  Titel  von  Oviedo  vor,  w 
der  sich  Erzbischof  neoDt 

*)  Arduiaus  Oramttnüicus  (Notar),  scriptor  htgus  b 

Icnnflo^   ipjltill        F.in    Tpatiimonf    nr-ir  h   «nfh    inanforn       aia   an   Br 


res. 


Aragon  1035-1104.  417 

heint  (1035).  —  Das  Land  bestand  aus  den  Grafschaften  Bibagorza,  Reich 
rarbe  und  Aragon.    Sobrarbe  und  Ribagorza  erhielt  Don  Gonzalo,  ^"fi^"- 
EoDigs   vierter  Sohn,   die  Grafschaft  Aragon   aber  Ramiro,   zwar 
ter,  aber  illegitimer  Sohn  Sancho  des  Grossen.    Bamiro  nahm  als  Ramiro 
des  kleinen  Landes  den  Titel  ,,König^   an^).    Er  erwarb,,  nach-      '' 
sein  Bruder  Gonzalo  durch  Meuchelmord  gefallen  war,  die  Land- 
%en  Sobrarbe  und  Bibagorza.     Bamiro  selbst  fiel  im  Kampfe  gegen 
Idauren,  nachem  er  32  Jahre  regiert^. 

Nach  ihm  regierte  sein  Sohn  Sancho  Bamirez,  nur  achtzehn  Jahre  sanebo 
Er  verdrängte  die  Mauren  aus  ihren  letzten  Besizungen  in  den  ^™'' 
eten  von  Aragon,  Sobrarbe  und  Bibagorza')  Er  eroberte  Barbastro 
ahre  1067,  wobei  der  tapfere  Graf  Ermengol  von  Urgel,  Sancho's 
TOideter,  fiel.  Dann  bewegte  sich  der  blutige  Krieg  um  die  frucht- 
i  Landschaften  zwischen  Barbastro  und  dem  Ebro.  Als  König 
ho  IV.  von  Navarra,  der  im  Jahre  1054  seinem  Vater,  Garcia  IV., 
^T  Regierung  von  Navarra  nachgefolgt  war,  von  seinem  Bruder 
Dn  im  Bunde  mit  seiner  Schwester  Ermesenda  ermordet  worden 
L  1076),  so  bemächtigte  sich  Sancho  von  Aragon  Pamplona's,  der 
>tstadt  von  Navarra,  während  Alfons  VI.  von  Castilien  Naxera  und 
borra  besezte.  Navarra  bis  zum  Ebro  blieb  mit  dem  Beiche 
:on  vereinigt  bis  1134.  Mit  neuer  Kraft  erhob  sich  nun  König 
lio  Bamirez  gegen  die  Mauren.  Er  nahm  —  lOf^  —  das 
D88  Monion,  im  Jahre  1080  Padrillas  am  Ebro,  an  der  Südgrenze 
irras.  Aber  noch  widerstand  das  feste  Huesca.  Im  Jahre  1081 
1  er  Bolea,  das  als  Vormauer  von  Huesca  galt,  im  Jahre  1089 
k  er  Monzon  *)  südlich  von  Balbastro  am  Flusse  Cinca,  erbaute  die 


')  La  Ripa^  Defenaa  del  Reino  de  Sobrarbe,  Zar,  1676.  —  Abarca,  Ana- 
B  Aragon,  1682,  —  Don  Ramiro  /,  cp.  2,  §,  17, 

•)  Eisp.  sagr.,  46,  344  (Necrologium  ex  Breviario  Ecclesiae  Rotensis): 
sirenue  regeret  regnum  suum,  interfectua  eat  a  Mauris  in  obsidione  Gfradus, 
liebte  von  Spanien  von  Lembke  n.  H,  Schäfer,  II,  335.  —  Esiudios  histo- 

iobre  ei  reino  de  Aragon,  por  Josi  Morales  Santisteban,  Madr,  1851,  p,  16. 

')  Die  Grafschaft  Aragon  lag  nnd  liegt  zanächst  Ostlich  von  Navarra,  mit  dem 
torto  Jacca;  an  Aragon  grenzte  östlich  Ribagorza  (RipacurHa),  beide  dicht 
^1886  der  Pyrenäen ;  südlich  von  diesen  beiden  lag  das  kleinere  Sobrarbe  (Su- 
^um).  Um  das  Jahr  1100  ist  Sobrarbe  und  Ribagorza  verschwunden;  das 
g^ich  Aragon,  das  aber  noch  einen  weiten  Weg  vom  Ebro  nnd  von  Saragossa 
rot  Ist,  hat  in  seinem  Rücken  die  Pyrenäen,  im  Osten  Catalonien,  im  Westen 
Königreich  Navarra,  südlich  aber  die  arabischen  Emirate  Arlith  und  Seiton. 
'•  Spruner-Menke,  Handatlas  für  die  Geschichte  des  Mittelalters.  Gotha,  1871. 

*)  Etp.  sagr.  l.  c  p.  341.  —  Ziurita,  Anales  de  Aragon,  J,  29.  (Famosum 
n^m,  quod  dicitur  Monzon.) 

UM,  fpan.  Kirehe.    II,  2.  27 


418 


Zehntes  Boä 


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An 


Bargen  Äyerbe  und  Laliorra'),  Caatellav  (1091)  ond  Mwtarago 
Jahre  1094  schlug  er  die  Mauren  vor  Hacsca,  und  bclsg« 
Uuescii    selbst.      Im    Anfang    Juni    1094    sUtrb    er,    durch  eina 

I.  getrofl'en,  vor  Huesca.  Sein  Sohn  Pedro  I.  setzte  die  Beh 
fort,  vom  sterbenden  Vater  daxu  ermahnt').  Zuerst  schlug 
Alcoraz  ein  mächtiges  zur  Hilfe  heranrückendes  Heer  der  1 
in  welcher  Schlacht  10,000  Feinde  gefallen  sein  sollen.  Nad 
gen  Tagen  ergab  sich  Ilueaca  —  November  1096,  Pedro  « 
Calasanz  (109s)  und  wieder  Barhastro  —  IlOO*).  Er  6t«b  M 
Jahre  1104. 

Dl  Das   Bisthum    Kuesca   war  vom  Jahre  713   bis   znm  Jahi 

'■  unterbrochen.  Statt  dessen  treten  die  Bischöfe  von  Aragon  um 
hervor.  In  den  Jahren  800  und  802  werden  noch  zwei  Bischi 
Hueaca  genannt,  ob  mit  dem  Sitze  in  Uuesca,  ist  nicht  dcuUii 
Jahre  809  erscheint  Ferriolns  als  Bischof  beim  heiligen  Pelnn 
Jacca.     Encco  ist  842  Bischof  von  Aragon,  SSO  wird  Mancius 

1  von  Aragon  und  Jacca  genannt,  ebeuso  Forlunius  (889  —  f  ^06) 
lus  heisst  bald  Bischof  von  Aragon,  bald  von  Jauca.  Aragon  b 
das  Land,  Jacca  den  Sitz  des  Bischoles  (921 — 927);  ebeuM 
(971).  Mantius  (1005—1014)  beisst  Bischof  von  Jacca.  ImJiibi 
beisst  Sancbo  II.,  dem  (858)  Sancho  I.  vorausgegangen  war,  1 
von  Aragon.  Wegen  hohen  Altera  dankte  er  1076  ab.  Im  Jak 
iviirdet'.aivias  (Goii/.itlczl  lüsrhuf  vou  Amf;iiii,  welcher  aiicb  d(f 
Bischof  von  Jacca  genannt  wird  (1086).     Stephan  L  erscbeiut  10 

i.funaer  Bischof  von  Jacca.  Petrus  1.  1090—1099  war  letzter  l 
von  Jacca,  und  erster  Bischof  des  wieder  hergestellten  Hoesa. 
folgte  Stephan  II.  (November  1099  —  t  1130).     Noch  im  Jahre 

:  beisst  er  „erwählter  (?)  Bischof  von  Huesca,  Jacca  und  Barbasir 

'   Jacca   war   also  ein-,    vielmehr   auf  Huesca   übergegangen.    Bar 
wurde  erst   1571    als  eigenes  Bisthum  errichtet,   ebenso  Jaci^ 
Bisthümer  sind  aber  im  Jahre  1851  wieder  aufgehoben  worden'}. 
Der  Mönch  Patemns  hatte  längere  Zeit  im  Kloster  Clngnj  g 


')  westlich  von  Bolca,  nordweatlich  von  Hneaca.  Ueber  Laham  c/ E.< 
13.  Die  hier  vorliegcodo  Form  Ltthorra,  woraos  später  Loarre  entstand,  ixöt 
Beweis  der  Ablcitnog  des  Wortes  von  Calagnrris  Fibnlaria,  das  fm  J.  3i>4  c 
Echofsais  wsr. 

•)  Hoderic.  Tolelan.  6,  1,  adjuravit  filios  suos  Petrum  et  Äldth 
qitod  mmquam  ab  ofmdione  recederent,  dtmec  ävitas  caperetur:  ef  ipso  > 
ex  fulnere  finiente,  corpus  ejus  tnhumatutn  lamdiit  servav^unt,  doatc  o 
( Osca)  fuit  capta. 

^  Eap.  sa^.,  46,  p.  149,  350.     Lembke-Schäfcr ,  II.  324-342. 

')  Diego  Aynsa,  Fundacion  de  Huesca,  H.  1619,  fol.  p.  iÖ-Ä 
liamon  de  Huesca,  Teatro  de  la  8.  Iglesia  de  Huesca,  t.  5—7,  —  de  /<u  /j* 


Aragon  1035—1104.  419 

mehreren  Gefährten  aus  Spanien,   von  wo  ihn  Konig  Sancho  der  Pater- 
lese  wieder  zurückrief,  um  in  Navarra  die  Regel  von  Clogny  einzu-  "^  ^^' 
ren.*)    Nach  seiner  Heimkehr  setzte  ihn  der  König  zum  Abte  des 
i  gegründeten  Klosters  von    San  Juan   de  la  Fena  in  Aragon  ein,  Kloster 
Iches  er  vor  1022  gegründet  hatte,  und  das  er  mit  reichen  Frivile-    ^^ 
[|  austattete*).  —  Nach  kurzer  Zeit  berief  der  Konig  den  Fatemns  ^  pena. 


in  das  Kloster  Leyre.    Die  Bischöfe  und  Grossen  baten  denselben 
Qig,  dass  er. die  verbesserte  Klosterzucht  auch  in  dem  Kloster  San 
Tftdor   de  Ona  in  der  Froyinz   Burgos  einfuhren  möchte,   das   vor  Ki<Mt«r 
aigen  Jahren  (1002 — 1011)  der  Graf  Sancho   gestiftet  und   auf  das   ona. 
dkste  ausgestattet  hatte  ^.     Es  war  dies  ein  s.  g.  Doppelkloster,  in 
Ichem  schon  im  Jahre  1032   unter  den  Nonnen   die  strenge  Zucht 
äigdassen   hatte.     Im  Jahre  1032  gehörte  das  Gebiet   von  Ona   zu  ^^tt  Pa-' 
n  Reiche  von  Navarra  und  Aragon.    Fatemus  kam  nach  Ona,  ent-  terniu. 
Ute  die  Nonnen,  Hess  nur  die  Mönche  daselbst,  und  unterrichtete  sie 
den  ^Gewohnheiten  von  Clugny^.    Der  König  ernannte  sodann  den 
ircia  zum  ersten  Abte  nach  der  Reform,  und  Patemus  kehrte  nach 
b  Juan  zurück.  —  Dort  erhielt  er  von  dem  heiligen  Abte  Odilo  aus 
bgny  einen  ermuthigenden  Brief,   der   nach  dem  Tode  Sancho^s  des 
(iBsen  geschrieben  ist.    Denn  er  wünscht  (vergebens),  dass  die  Söhne 

Verstorbenen  im  Frieden  unter  sich  leben.    Er  betet  besonders  für 

Konig  Redimir  (Ranimir  von  Aragon),  dem  der  in  Clugny  weilende 
ohof  Sancho  (II.  von  Aragon?)  das  beste  Zeugniss  gab.    Für  Rani- 

Tcrrichtete  die  Gemeinde  zu  Clugny  taglich  bestimmte  Gebete^). 
all  dem  Könige  Garcias  III.  von  Navarra  (1035 — 1054)  schreibt  der 
ige  Odilo.    Er  klagt  über  die  grosse   und   drückende  Noth,  unter 

sie  und  das  ganze  Land  durch  Misswachs  seit  2^/^  Jahren  leiden. 
bittet  dringend  den  König  um  Hilfe. 


iragan,  Zaragoz.  1792  — 1797.  —  P.  Oams ,  Series  episcoporum  ecclesiae 
holieae,  Raüsbon.  1873,  p.  36, 

')  virwn  religiosum  et  timoratum  vocitatum  Patemum,  cum  devoto  comi- 
u  religiosorum  sociorum,  misimus  ad  praedictum  Cluniacense  coenobium,  vt 
j|MO  perfectionem  monasticae  vitae  cognosceret  ac  disceret:  qua  suffiderder 
mtius,  ad  patnam  nostram  redtret  et  sitienti  patriae  nostrae  potum  monasti- 
jmffeaHonis  propinaret.    Florez-Rüco,  t.  30,  2  edicion,  p.  220, 

*)  Es  ist  also  nicht  erst  um  1080  gestiftet.  —  Eütoria  de  la  fundacion  y 
l^u%dades  de  San  Juan  de  la  Pena  (cf,  K  G.  I,  163),  von  «7.  Briz  Marti- 
1620,  p.  398. 

•)  Flarez,  t.  27,  edic.  II,  p.  125—176.  —  Yepes,  Coronica,  t  7,  p.  319 
<i«    Escritura^  43—46,  —  Mabiüon,  Anncdea  0.  8.  B.,  ad  annum  1022^ 
S9^S0;  annus  1033,  nr.  26. 

*)  Der  Brief  ist  unvollständig  erhalten,  cf.  d'Ächery,  Spicilegtum,  t,  III, 
tßl.  —  Migne,  Patrol,  tat,  t  142,  p.  942  (opusc.  8.  Odilonü),  Der  Bischof 
dns  kann  auch  der  von  Leyre-Pamplona  sein;  denn  er  bat  resignirt. 

27* 


mit  dem  mannsclien  Uauptlmg  Alcliagib  ron  Sara) 
gehen  zu  wollen.  Den  Vertrag  untcrschriebeD  aucl 
Barcelona,  Vieh  and  Urgel.  Dies  war  keine  zu  £ 
Synode  dreier  Bischöfe^). 

Dagegen  soll  im  Jalire  1062  eine  Synode  zu  Si 
stattgehabt  haben,  nach  welcher  in  Zukunft  die  B 
aus  den  Mönchen  dieses  KlosterB  genommen  werden 
Inhalt  der  angeblichen  Acten  der  Synode  machen 
dächtig*),  welche  das  Datum  des  25.  Jnni  der  Aera 
im  Jahre  1024  war  lianimir  noch  nicht  Herrscher  tc 
genannten  Bischöfe  Pontius  von  Oviedo  und  Julianus 
lebten  vor  der  Zeit  des  Könige  Ranimir.  Es  schei 
ungeschickte  Copie  des  BeschluBses  der  Synode  t 
Jahre  102.^  vorliege,  dass  die  Bischöfe  Famplona's  t 
Leyre  gewählt  werden  sollen. 

Im  Jahre  1063  berief  König  Uamiro,  mit  sei 
eine  Synode  von  9  Bischöfen  an  den  Ort,  der  „von 
Jacca  genannt  wurde".  Alte  kirchliche  Bestimmung 
ncnert,  besonders  aber  das  Bisthum  Huesca,  das  ' 
angegriffen  nnd  zerstört  worden,  an  dem  Orte  Jacca 
(da  die  bisherigen  Bischöfe  von  Aragon  Wander- 
Der  König  und  sein  Sohn  schenken  dem  Bisthnm  d 
mit  allen  seinen  Gütern,  das  Kloster  Lierdi  mit  sein 
das  Kloster  Sicbcnquellen,  das  Kloster  Sirasia,  d 
und  das  Kloster  S.  Maiia;  ferner  alle  Kirchen,  die 


Synode  von  Jacca,  1063.  421 

1  in  Zukunft  erstehen  werden^  yom  Ursprünge  des  Flusses  Cinga  ^),  Bisthum 
in  das  Thal  Luparia,  soweit  vordem  das  Bisthum  Osca  rcichtej  ^^^ 
in  in  der  Richtung  von  Südost  nach  Westen  bis  zn  dem  Orte,  der 
WIM  major  heisst,  dann  wieder  nördlich  zu  den  Pyrenäen,  eingeschlos- 
I  das  Thal  Orsela,  und  das  ganze  Pintanum  mit  den  Pfarrkirchen 
I  Hlera,  Pena,  Sos,  Lopera,  Uno  castello,  Susia,  Librana,  Eliseo, 
iteQo-manco,  Aguero  und  Moriello. 

Prozesse  der  Geistlichen  sollen  nur  von  dem  Bischof  und  seinen  Synode 
oiiidiakonen  entschieden  werden.  Ranimir  schenkt  Gott  und  dem  ^"^^^ 
ligen  Fischer  (piscatori,  i.  e.  Petrus)  allen  Zehenten,  den  er  bisher 
\  Christen  und  Saracenen  bezog,  an  Gold,  Silber,  Frucht,  Wein  und 
derem.  Von  seinen  eigenen  Gütern  verspricht  er  den  Zehenten,  so- 
i  von  seinen  Einkünften.  Von  Caesaraugusta  aber  und  von  Tudela 
"ipricht  er  den  dritten  Theil  seines  Zehentens. 

^Ich  aber  Sancho,  Sohn  des  obgenannten  Königs,  gebe,  entzündet 
3  gottlicher  Liebe,  Gott  und  dem  seligen  Schlüsseltrager  (Petrus) 
i  Hans,  das  ich  in  Jacca  besitze,  mit  seinem  ganzen  Zubehör.^ 

Sollte  einst  das  Haupt  des  Bisthums,  Huesca,  wieder  erobert 
vden,  so  sei  Jacca  ihm  unterthan,  und  eins  mit  ihm.  Diese  Schenk- 
isnrkunde  ist  ausgestellt  im  Jahre  der  Geburt  Christi  1063,  in  der. 
^  1101,  der  dreizehnten  Indiction.  —  Dass  in  der  Urkunde  das  Jahr 
liati  Toransteht,  wird  vielleicht  durch  die  Anwesenheit  der  französi- 
en   Bischöfe   erklärt.     Neben   dem  König,   seinem   Sohne  Sanctius, 

einem  andern  Sanctius,  dem  Bruder  desselben,  unterschrieben: 
tindus,  der  Erzbichof  von  Aux  (1055 — 1068),  Guillermus,  Bischof 
TJrgel  (1041—1075),  Heraclius,  Bischof  von  Bigorra  (Tarbes,  1056— 
l),  Stephanus,  Bischof  von  Oleron  (1060 — 1063),  Gamesanus,  Bi- 
tf  von  Calahorra  (1050 — 1063),  Joannes,  Bischof  von  Ley(u)re 
K) — 1067),  welcher  im  Jahre  1067  abdankte,  und  sich  nach  Clugny 
ifskzog;  Sanctius ,  Bischof  von  Jacca  und  der  Bischof  Patemus  von 
ii^ossa;  endlich  Amulphus,  Bischof  von  Roda  (Lerida).  Vclasco 
t  als  Abt  des  Klosters  vom  heiligen  Joannes  (von  Pena),  Banzo 
Abt  des  EJosters  zum  heiligen  Andreas ,  Garusus,  Abt  von  Asino '). 

Der  Bischof  Patemus   von  Saragossa  wird  hier  zum  letzten  Mal 

Uuit.    Mit  Erlaubniss  seines  Klerus  schenkte  er  dem  Bisthum  Jacca 

Kloster  und  die  Kirche  S.  Engracia  in  Saragossa^).  —  Gleichzeitig 

cle    die   Weihe    der   Kirche   von   Jacca   vollzogen*).    —  Julianas, 


')  entspringt  nordöstlich  von  Jacca  in  den  Pyrenäen. 

«)  Aguirre- Catalani ,  IV,  422-^424.  —  Harduin,    VI,  1136-^1138.  — 
tm,  XIX,  930''934,  -  Tqjada  y  Rcmiro,  III,  118-121. 
•)  K.-G.  I,  329.  —  Florez-Eisco,  t  30,  222. 
^  Morety  Investigaciones,  l.  2,  cp.  II,  p.  494. 


n 


''Jahr  919  zorück*).  Im  Jahre  919  war  oder  wti 
GandeDÜOB  war  Äbt  im  Jahre  970.  Manina  war  . 
Damals  war  das  Kloster  des  beiligea  Sebastiso  von 
and  konnte  kaom  drei  Mönche  nnterhalten.  Üute 
fromme  Licinian  Gott  in  DemtiÜi,  Fasten  and  Gebt 
von  guten  Werken.  Damals  war  der  Mönch  Donü 
naob  Bargos  gekommen,  fliehend  vor  dem  Könige  i 
Ferdinand  übergab  ihm  im  Jahre  1041  die  Leitan 
Silos.  So  viele  nnd  grosse  Wander  vollbrachte  e: 
dem  Tode,  dass  das  Kloster  den  alten  Namen  S 
and  den  neuen  San  Domingo  de  Silos  erhielt,  wie 
im  Jahre  1076  nennt  Im  Rafe  der  Heiligkeit  t 
20.  December  1073.  Schon  im  Jahre  1076  erhob  i 
tnnins  den  Leib  des  Heiligen  und  Übertrag  ihn,  in 
Prälaten,  in  die  Kirche.  Damals  lebte  im  Kloster 
dos,  welcher  das  älteste  Leben  des  Heiligen  schiii 
Im  Jahre  1071  wnrde  zuerst  im  Kloster  Si 
der  römische  lUtns  statt  des  mozarabischen  eingefi 
über  die  Eiofühnuig  der  römiechen  Litai^e  in  , 
früher  gdiondelt'). 


■)  T^ea,  l.  c  V,  338.  —  MabiOon,  Afmaha,  ad 
Acta  Sanctonm  0.  8.  B.,  8.  VI,  P.  11,  p.  104—107.  - 
—178.  Nach  Mabüloa  Ist  er  Im  Jahre  1057,  nach  FJort 
Yieente  d«  la  Fueate  im  Jahre  1071  gestorben. 


Die  Bereogaere.  423 


§.  4.    Catalonien. 

Die  frohere  spanische  Mark  bestand  ans  den  vier  Bisthümern  Bar- 
a,  Vieh,  Gerona  nnd  Urgel,  und  den  Grafschaften  Barcelona, 
na,  Besalü,  Ampurias,  Lampnrdan,  Urgel,  Cerdagna,  Pallas,  Au- 
^  mit  der  Hanptstadt  Barcelona*).  Diese  Grafen,  anch  Herzoge 
Barcelona  genannt,  waren  zugleich  Grafen  der  spanischen  Mark 
Herzoge  von  Septimanien.  Seit  865  war  Septimanien  von  der 
icdiaft  Barcelona  getrennt  Wifred  ist  der  erste  uns  bekannte 
^be  Graf  von  Barcelona.  Nachdem  er  das  Land  von  den  Mauren 
it,  gründete  er  das  Kloster  Ripoll  (vor  880),  in  welchem  er  be- 
sn  wurde  (907)*).  Sein  Sohn  Wifred  11.  starb  914  kinderlos,  und 
Igte  ihm  in  der  Markgrafschaft  sein  Bruder  Miro  (f  929),  diesem 
Sohn  Seniofred  (929—967).  Borrel  (977—993)  hinterliess  seinem 
e  Kamen  die  Gra&chaft  (f  1017). 

Mit  dessen  Sohne  Bamon  Berenguer  I.  tritt  die  Dynastie  der 
Qgaere  ein.  Er  regierte  von  1017 — 1076.  Im  Jahre  1053  ging 
ne  zweite  Ehe  mit  der  Gräfin  Almodis  ein,  welche  in  den  von 
erhaltenen  Urkunden  stets  neben  ihm,  und  wie  eine  Mitregentin 
leint.  Sie  erbauten  mit  dem  Bischöfe  Guilabert  die  neue  Käthe- 
t,  die  am  18.  November  1058  eingeweiht  wurde  ^).  Im  Jahre  1070 
leint  Ramon  Berenguer  als  Graf  von  Carcassone  und  Rasez.  Von 
(elben  wurden  die  Landesgesetze,  welche  Usages  (UsaHci  Bar  cht- 
ises)  heissen,  festgestellt  und  verkündet.  Ein  Chronist  berichtet, 
zwölf  maurische  Emire  ihm  Tribut  entrichteten.  Aber  in  seinen 
in  Jahren  ging  er,  verlockt  durch  Gold,  Bündnisse  mit  den  Mau- 
iin,   und   er   führte  Christen   gegen   Christen  in  den  Kampf.    Er 

am  27.  Mai  1076.    Seine   Sohne   Berenguer  Ramon  und  Ramon 
dguer  n.  stritten  um  das  Erbe.    Letzterer,  der  jüngere,  fiel  durch 
lerhand  1082.     Der  ältere  Bruder  starb  auf  einer  Wallfahrt  nach 
Alem   1092.    Ramon   Berengar  III.   folgte.     Er  erweiterte   durch  Bamon 
k  und  Klugheit  die  Grenzen  seines  Landes.    Im  Jahre  1112  nannte  b<'i^><^' 
ch  ^von  Gottes  Gnaden  Markgraf  von  Barcelona  und  von  Spanien,  ^^ 

von  Besalü  und  Provence^).  —  Im  Jahre  1114  nahm  er  die  Insel 

ein.  Im  Jahre  1115  fiel  Majorca  vorübergehend  in  die  Hand  der 
}ten;  30,000  Christensclaven  wurden  an  einem  Tage  befreit.  Ramon 
en,  der  Bischof  von  Barcelona,  fiel  in  diesem  Kampfe. 


»)  Marca  Hispanica,  p.  253.    Pertz,  Man.  Germ.,  lU.  198. 

•)  Marc.  Hisp.  p.  817,  nr.  45.  —  ViUanueva,  Viage  liter.,  8,  209. 

*)  Acta  dedicai.  ap.  Marca,  App.  p.  1113,  nr.  248. 

*)  Marca  Hisp.  p.  1247.    Histoire  de  Languedoc,  II,  368. 


Aroustus,   der  Erzbischof  vod  Narbonne   (896  — 911— 913)  i 
seine  Nachfolger   bis    zum  Jahre  971   erschemcn    aia  Metropoliw  i 
iiiibam  spanischen   Maik.     Das    Bisthum  Vieh   war    iiu  Jahre  883  dank  i 
Tioji    (jrafen  Wifred  wieder  hergestellt  worden.     Thcodard,  Vorgiagii 
m"    Arnustus,  hatte  den  Godmar  als  Bischof  von  Vieh  ordinirt  (S8W«i 
and  verlangt,   dass    er  und  seine  Nachfolger  jährlich   der  Kirdie 
Narbonne  ein  Pfund  Silber  entrichteten.     Arnost   verlangte  die«  Gril 
von    Idalcarius,    dem   Nachfolger    des   Godmar.     Er    versunm^ 
synoiie  Jahre  906  (al.  907)  eine  Synode  zu  Barcelona,    welcher  dii 
'"  »"^Servus  Dei  von  Gerona  (896—887—906),  Renaud  (Renardos)  tm 
»09.    ziers,  Nantigisus  von  Urgel,  Idalcarius  von  Vieh,  Tendericos  raoi 
celona    und    Adolf  von   Pallares    anwohnten.     Auoh  Graf  Wifrd 
zugegen.     Hier  beschwerte    sich  der  Bischof   von  Vit;h   über  des 

I  auferlegten  Tribut').  Da  die  Bischöfe  ihm  beistimmten,  ao  avi 
Amust,  dass  hier  keine  vollständige  Synode  tage,  welcher 
12  Prälaten  anwohnen  müssten.  Im  folgenden  Jahre  nun  (901),  b« 
ten  die  Acten,  fand  wirklich  eine  Synode  in  dem  Klostor  d«  W 
Tiberius  im  Gebiete  von  Agde  statt,  der  neun  Bischöfe  aowoU 
Alle  beschlossen,  dass  eine  bischöfliche  Kirche  nicht  zinsbar  ga 
werden  könne.  Darnach  liess  Arnustus  seine  Forderung  Mka 
erklärte,  dass  die  Kirche  von  Vidi  liir  alle  Zeit  nnbelüttigt  \k 
solle.  Unterschrieben  sind  die  (9)  Bischöfe  und  der  Kleriker  Sh. 
nus,  der  „diesen  Decret"^  der  heiligen  Kirche  von  AuaoM  iiw* 
und  unterschrieb  an  dem  Tage  und  Jahre  wie  oben*).  In  der  Vdu- 
schrift  fehlen  die  Bischöfe  von  Barcelona,  Vieh  und  Nismes.  Disf»» 
die  Bischöfe  von  Toulouse  und  Uzes  gefehlt  haben,  wie  Tej»d»  ap> 
finden  wir  ganz  begreillich;  sie  gehörten  ja  nicht  zu  der  Kiniaq'f 
vinz,  wie  sie  damals  bestand. 

Im  Jahre  911    fand  die  Synode  von  Fuen-Cubierta  in  der  Köo« 

Narbonne  statt,  unter  dem  Vorsize  des  Metropoliten  Amoatas,  "ü(w 

BkiitiDm  10  Bischöfe  imd  ein  Vertreter  des  Bischofs  von  Vieh  anwohoten.  S* 

^'«^  tigisus,   Bischof  von   Urgel,   führte    hier   Klage,    dass   vor  23  J»li« 

tara.   Adulfus  einen  Thcil  der  Diöcese  Urgel,  die  Grafschaft  Pallas  (P»ll«ö^ 


')  Aguirre-Catalani,  4,  369. 

')  Gegen  Masdeu,  welcher  die  Aechlheit  dieser  Synode  bestritt  (fli*'" 
critica,  XV,  224),  verthoidigle  dieselbe  siegreich  VÜlanaeva  (VI,  12Sl.  W 
Baluze  (Miscellan.  VII,  51)  und  Flor^  {28,  248)  theilt  er  ein»  b(* 
Teit  der  Synode  mit  (VI,  262—266). 

*)  huHc  decretum. 

')  aber  oben  atelit  kein  Tag,  und  dos  Jahr  ist  nicht  besümmt  Via^^ 
Fuente,  II,  69.  Tyada  y  Eamiro,  III,  53—53.  Wir  wollen  die  Aeditbeil  ä* 
beiden  Synoden  nicht  beetreiten,  aber  der  Cloriker  Stephanae,  der  ,dM  IW 
schrieb,  scbeint  uns  etwas  aus  Eigenem  hinzugethan  an  haben. 


Sjmode  von  Fontana  947  (?).  —  Erzbisthum  Ansona.  425 

sich  gerissen,    und   sich   nun  als  „Palliarensischer  Bischofs   gerire. 

vorher  habe   es  einen  von  Urgel   getrennten  Bischof  von  Pallares 

eben.    Dieses  Gebiet  fiel  vrieder  an  Urgel  zurück,  bis  zum  Jahre  957, 

welchem  ein  Bischof  von  Roda  eingesezt  wurde,  dessen  Siz  später 

Barbastro,  von  hier  auf  Lerida  überging  ^). 

Im  Jahre  947  soll  eine  Synode  zu  Fontana  bei  Elna  stattgefunden 
en,  in  der  die  vom  Papst  verhängte  Absezung  der  Bischöfe  von 
^  ("und  Gerona)  vollzogen  werden  sollte.  Die  beiden  Bischöfe 
-^en  aber  unmittelbar  nachher  in  ihre  Würden  wieder  eingesezt. 
Der  vnirde  festgestellt,  dass  nach  dem  Erzbischofe  von  Narbonne 
Bischof  von  Elna  den  Vorsiz  sowohl  bei  den  Concilien  als  bei 
linationen  der  Bischöfe  haben  solle.  Acten  der  Synode  sind  nicht 
üanden  *). 

Bischof  von  Urgel  war  damals  Wisadus  (942 — 978) ,  von  Gerona  wina- 
anar  (943—951).    Wisadus  schenkte  am  13.  April  947  dem  Kloster  ^^f^! 
heiligen  Petrus  von  Roda  die  Kirche  von  Ulceja  in  der  Grafschaft  urgeu 
-dagna^.  —  Im  Jahre  951   erhielt  er  von  Papst  Agapet  II.   eine 
le  der  Bestätigung  der  Güter  seiner  Kirche^).    Bischof  Gotmar  von 
't)na  weihte  am  16.  October  des  Jahres  947  die  Kirche  des  Schlosses 
cstres^).     „Da  es  aber  sicher  ist,^   sagt  Antol.  Merino,  ^dass  diese 
len  Bischöfe   im  Jahre  947  Kirchen   eingeweiht  und   Schenkungen 
nacht,  so  sehe  ich  nicht  ein,  welchen  Grund  die  Behauptung  haben 
Ji,  sie  seien  in  der  Synode  von  Fontana  abgesezt  worden^  ^). 

Um  das  Jahr  962  widersprachen  die  Bischöfe  Arnulf  von  Gerona  Metro- 
L  der  erwähnte  Wisadus    von  Urgel    den   Ansprüchen   des   Abtes    p^^ 
Bsarins  auf  das  Erzbisthum  Tarraco.  Die  Abhängigkeit  der  Bischöfe  der 
nischen  Mark  von  dem  Metropoliten  von  Narbonne  schien  aber  doch 
bt  mehr  im  Interesse  und  in  den  Wünschen  der  Bischöfe  von  Cata- 
ien  zu  liegen.    Da  Tarraco  nicht  wieder  hergestellt  war,  sollten  sie 
1  unter  einen  provisorischen   Metropoliten   in   dem   eigenen  Lande 
Jen,  und  dieser  war  der  jeweilige  Bischof  von  Vieh.  Fast  drei  Jahrhun- 
te hatten  sich  die  Kirchen  von  Gatalonien  freiwillig  unter  den  Metro-  Enbis- 
iten  von  Narbonne  gestellt,  und  Nichts  war  vernünftiger  und  natürlicher   *•»«" 
dieses.    Denn  politisch  gehörten  sie  zu  dem  Frankenreich.   Narbonne  bonne. 


')  Tefada,  III,  53.  -  Villawueva,  Z,  88.  Ada  hujus  Synodi,  X,  ap- 
dies  14. 

«)  ÄguirreCatalani,  IV,  380. 

*)  Marca  Hispan.,  p.  391  und  append.  nr.  82. 

*)  Ibid.  nr.  88. 

*)  Ibid,  p.  860.  —  Esp.  sagr.f  t  43,  append.  18. 

^  Esp.  sagr.,  t.  43,  p.  128.  Selbst  Marca  meint,  die  Synode  sei  im  In- 
«se  der  Ansprüche  von  Elna  erdichtet    Marca  Hisp.,  p.  369. 


I 


lag  ihnen  politisch  und  räumlich  näher,  als  Toledo,  onter  dem  tk  nie 
gestanden  waren,  and  der  ferne  Bischof  von  Lugo  konnte  nicBl  äa 
Mcti'opolit  sein.  —  Wollten  sie  ja  auch  im  Jahre  962  Nicht»  von  mna 
in  Astorieu  geweihten  Metropoliten  wissen.  Der  politische  and  kircl»- 
liehe  Schwerpunkt  Cataloniens  lag  seit  Gründung  der  spanixchra  Hiui 
im  Frankenreiühe.  Daher  nahmen  aoch  die  4  Bisthümer  der  MaH 
die  Regel  der  Kanoniker,  d.  h.  die  von  Chrodegang  in  Metz  und  »jitf 
in  Aachen  816  festgestellte  Lebensweise  der  Kanoniker  an  den  Kiiic 
dralen  an.  Im  Jahre  9ö7  bestand  diese  „vita  canomca"  za  Barcdou 
Dieselbe  Ordnung  bestand  auch  zu  Vieh  im  Jahre  957.  Die  Zeil  te 
Einfuhrung  lässt  sich  aber  nicht  ermitteln. ') 
j.  Atto   erscheint   als   Bischof   von   Vieh    seit    dem  September  dl 

1  Jahres  957.  Er  war  im  Jahre  945  schon  Kanoniker  in  Vieh  ffsmm, 
und  hatte  die  Urkunde  der  Herstellung  des  Klosters  der  hetligai  U- 
cilia  auf  Montserrat  unterzeichnet.  Florez  nennt  ihn  Lehrer  des  VifSä 
Sylvester  II.  (Gerbert  von  Kheims ,  der  in  Spanien  studirt  halte). 

Florez  beweist  durch  drei  Bullen  des  Papstes  Joannen  XDL 
(9G5 — 972)  die  Erhebung  des  Bisthums  Vieh  zur  Metropole*),  Ii 
Januar  971  schrieb  der  Papst  an  die  Bischöfe  von  Gallien,  udco  9 
also  die  spanische  Mark  zu  Gallien  rechnet,  dass  Graf  Borell  aiuAt' 
dacht  die  Gräber  der  Apostel  besucht  und  sich  dem  Papst  zn  F^m 
geworfen  habe,  bittend,  er  möge  das  Erzbisthum  Tarraco  dem  BiülkW 
Ausoua  unterwerfen,  d.i.  mit  ihm  verbinden,  weil  es  jezt  nicht  mc^ 
sei,  Tairaco  herzustellen.  Darum  beschliesst  jezt  der  Papst,  dBäsdff 
Bischof  von  Ansona  die  Gewalt  und  den  Primat  der  Kirche  von  I*' 
raco  haben  solle,  welcher  hinfort  die  neuen  Bischöfe  zu  ordiniren  b* 
nachdem  er  selbst  vom  Papste  bestätigt  worden  sei,  Otho  (Ado)  ™ 
Vieh  wird  zum  Erzbischof  ernannt,  und  keiner  der  folgenden  IV 
dürfe  ihn  in  dieser  seiner  Würde  beunruhigen^).  Dem  ältesten  Bisn* 
der  Provinz,  dem  ehrwürdigen  Wisad,  dem  Petrus  von  BarcelM* 
(962—972),  und  dem  Bischöfe  Soniarius  von  Elna  (968—977)  «to* 
er,  dass  er  dem  Erzbischof  Atto  das  Pallium  gegeben,  dass  m  Ü* 
als  ihrem  Metropoliten  gehorchen  sollen,  der  ihre  Nachfolger  m  «»'■ 
niren  und  zu  weihen  habe^). 


1 

i 


')  Villamieva,   VI,  37,  i23,  139. 

')  Florez,  28,  92-100.  —  Vülanueva,  VI,  152—156.  -  Chrom-K»  l»" 
dimense  ad  tmn.  983.  (Oerbertas)  Haüani  cuidavi  Epiacopo  troditu* 
inslifuendus. 

')  Diago,  Historia  de  loa  Condea  de  Barcelona,  B.  1603,  f..  p. ''  ' 
Pujiiden,  Oronica  —  dtl  principato  de  Catalom,  Bare.  1829,  4'.  (./-*>•'* 
174.  —  Marlene  et  Durand,  Veter.  Script.  —  amplUa.  Coüeclio,  (-  !-■•  " 
1724.  1,  323.  —  Mami,  XVIII,  489.  —  Florez,  25,  102. 

*,  Pujadea,   VII,  174.  -  Florez,  28,  96. 


Erzbisüiam  Vieh.  427 

Der  Inhalt  des  zweiten  Briefes  scheint  eine  directe  Wideriegung 
angeblichen  Synode  von  947  zu  sein.  An  den  Bischof  von  Gerona 
dieser  Brief  nicht  gerichtet,  weil  Bischof  Arnulf  im  April  970  ge- 
rben war.  Vielmehr  schreibt  der  Papst  wohl  in  demselben  Jahre 
n  |,rQhmreichsten^  Grafen  von  Barcelona(?)*),  der  neugewählte  Bi- 
lof  von  Gerona  sei  nicht  in  dem  Dienste  der  Kirche  auferzogen; 
verwerfe  darum  die  Wahl  dieses  schon  geweihten  Neophyten,  der 
n  Volke  nicht  erwählt  worden  sei,  und  bestelle  den  Erzbbchof  Atto 
Q  Verweser  und  Verwalter  des  Bisthums  Gerona'). 

Den  drei  von  Florez  mitgetheilten  Briefen  des  Papstes  Joannes  XIII. 
J.  Villanueva  zwei  weitere  beigefugt  Den  einen  fand  er  im  bischöf- 
len  Archiv  zu  Vieh.  Er  ist  gerichtet  an  den  Bischof  Suniarius  von 
la,  an  seinen  Vater  Gaucefred,  Grafen  von  Boussillon,  an  den  Erz- 
kon und  Klerus  von  Gerona,  leztere  mögen  den  Atto  als  Metropo- 
n  und  als  den  Verwalter  ihres  Bisthums  anerkennen.  Damals  aber 
te  Gerona  schon  seinen  Bischof  Miro.  Der  Brief  datirt  vom  Ja- 
ir  971.  Der  zweite  (oder  fanfte)  Brief  ist  gerichtet  an  Atto  selbst, 
1  er  seinen  „geliebten  Sohn^  nennt,  dem  er  das  Pallium  verleiht, 
I  er  an  den  Festen  von  Weihnachten,  Erscheinung  Christi,  Ostern 
3  Christi  Himmelfahrt,  an  Pfingsten,  am  Feste  der  Apostel  (Petrus 
i  Paulus),  der  Geburt  und  Himmelfahrt  Maria,  bei  der  Weihe  der 
ichofe  und  am  Feste  der  Earchweihe  (des  heiligen  Petrus  von  Vieh) 
sranchen  därfe^  und  ist  gleichfalls  vom  Januar  971^. 

Florez  meint,  in  Bischof  Atto  sei  in  Folge  der  Bemühungen  des 
»tes  Cäsarius,  dessen  Kloster  Montserrat  im  Bisthum  Vieh  lag^  der 
Dusch  entstanden,  selbst  Erzbischof  zu  werden,  er  habe  den  Grafen 
rell  für  diese  Idee  gewonnen  und  er  sei  mit  ihm  im  Jahre  970  nach 
m  gereist*).  Vielleicht  findet  diese  Hypothese  darin  einige  Bekräf- 
^ngj  dass  der  Papst  in  dem  Briefe  an  ihn  nicht,  wie  sonst,  sagt: 
be,  wir  senden  dir  das  Pallium^  sondern:  wir  geben  es  Dir.  —  Die 
Vorragenden  Eigenschaften  des  Atto  aber  schienen  ihn  wohl  einer 
^hen  Auszeichnung  würdig  zu  machen.  Seine  Würde  aber  konnte 
lücht  lange  führen.      Denn   er   starb    schon   am   22.   August   des 


')  gerade  an  dieser  Stelle,  wo  der  Name  stehen  sollte,  ist  eine  Lücke. 

»)  proüisarem  et  gvbematorem  ipsi  ecdesiae  in  omnibiM  praeesse  canstitui- 
h  Florez,  t  28,  99,  252—253. 

•)  PcUlewn  fratemitati  tuae  ex  more  ad  missanmi  solemnia  celebranda 
Hw.  Villanueva,  VI,  165,  appendices  17  und  18,  (Diese  zwei  Briefe  sind  in 
Aegesta  Pontif.  E.  von  Jaff^  noch  nicht  angeführt.) 

♦)  Eap.  sagr.,  28,  97.  —  In  der  That  heisst  es  in  dem  Chroniccn  Virdunense 
f^b^,  Biblioth.  M.  8.  1,  157):  PraedUdo  duce  cum  epitcopo  Ramam  eunte, 
^  (Oerbertus)  cum  eis  profectus  est. 


.4S8  Zehntes  Buch.    Dritte«  Ka|)ltel. 

Jahres  971.  Auf  ßeinea  Nachfolger  Fruyaii  koDotc  er  sein  Aoil,  niiil 
aber  seine  Eigeoschaflen  übertragen.  lu  Narbonne  war  der  ansgEsaeli- 
nctc  Eisuhoi'  Aimeric  (927 — 977),  welcher  nach  wie  vor  die  Jmh^ 
tion  als  Metropolit  in  Catalonien  austibte,  während  Bischof  Fnja 
sich  nicht  Erzbiscbof  nannte. 
ü-  Noch  lebte  auch  im  Jahre  971  der  Abt  Cäearias  von  MoDteerm 

'  Wieder  wandte  er  sich  bittend  nach  Korn.  Weil  er  diessiuals  G«r» 
geres  verlangte,  wurde  er  erhört.  Bencdictna  VI,  gewährte  ihm  lai 
seinem  Kloster  Bestätigung  und  Exemtion  von  dem  Diöcesanbiselinfc'^ 
~  CäBarius  war  erster  Abt  und  Gründer  dieses  Klosters  seil  9^5, 
welches  die  Regel  des  heiligen  Benedict  aunahm.  VillanueT»  betnA 
tet  es  als  sicher,  dafis  derselbe  Cäsarius  sich  Krzbischof  nannte,  meiil 
aber  vor  dem  Jahre  945  (um  938),  weil  es  in  einer  Inschrift  hoast, 
er  war  zuerst  Erzbiscbof,  dann  Abt.  Allein  die  oben  genanntoi  Bi- 
schöfe in  Asturien  und  in  Catalonien  lebten  nicht  im  Jahre  938,  son- 
dern 961  —  962.  Sodann  war  Cäsarius  nach  dem  Jahre  962  owi 
20  Jahre  Abt  auf  Montserrat;  denn  erst  980  oder  später  starb  er,  »tw 
er  begnügte  sich  nicht  mit  dem  Titel  eines  Abtes,  und  hörte  nidit  td, 
sich  Erzbischof  zu  nennen.  Nach  den  von  Villanueva  beig^bndiiB 
Zeugnissen  heisst  er  959  Abt  oder  Erzbischof,  973  heisst  er  EabisW 
und  Abt  der  heiligen  Cäcilia,  im  Jahre  978  heisst  er  von  bG"*" 
Gnaden  Herr  Erzbiachof  Cäsarius."  Endlich  am  2.  Februar  980  note- 
zeichnet er:  „Cäsarius,  der  ich  wegen  Krankheit  des  Leibes  niifc 
schreiben  kann,  und  nur  mit  meinem  Finger  unterzeichne"*).  Im  Ar 
gesiebt  des  Todes  also  hört  er  auf,  sich  Erzbischof  zu  nennen.  Bio 
macht  nur  das  Jalu-  959  Bedenken.  Allein  nach  den  verschieda» 
Jahres-  und  Zeitrechnungen  kann  959  auch  mit  dem  Jahre  960  n- 
sammenfallen ;  Cäsarius  kann  zu  Compostella  geweiht  sein,  seiDenBria 
nach  Kom  aber  erst  um  962  geschrieben  haben.  Im  Jahre  957  vis  ö- 
auch  nach  Villanueva,  noch  nicht  Erzbischof,  wurde  es  aber  im 
Jahre  958.  Die  Differenz  zwischen  ihm  und  Florez  ist  also  anbe- 
deutend ^. 

Montserrat   lag    und  liegt  heute    noch    im  Gebiete    des  BistbnK 
Vieh.     lü  demselben  Bistbum  liegt  das  berühmte  Kloster  Santa  M»"» 


')  Marca  Ilisp.  app.  nr.  111.  Das  Datum  ist  nicht  richtig.  Bonedi«^ 
war  ioi  Deceniber  Ü7I  noch  nicht  Papst.  Marca  fand  das  ActeDStQck  nnr  in  ä« 
Archiv  von  Hontacrrat. 

')  Caesarius  qui  propter  egritudinem  corporis  tum  possmn  scribtrt,  rf* 
gilo  firvto. 

')  ViUamieva,  VII,  157—170.  —  Die  Exemüousbnlio  des  Kloslc"  •« 
Dticember  U7I  sciicint  erdichtet  zu  sein.  Marca,  append.  nr.  ///.  Jedeoftlh  »« 
Benedict  VI    damnlB  noch  nicht  Papst, 


Bisthum  und  Kirche  von  ürgel.  429 

von  Ripoll,  nördlich  von  Ausona.  Es  erscheint  im  Jahre  888  aus  Kioit«r 
Anlass  der  Einweihung  seiner  Kirche,  und  vorher  schon  im  Jahre  880 ').  ^*'*^*^ 
Der  vierte  bekannte  Abt  Arnulf  war  später  Bischof  von  Gerona  (954 — 
970),  er  blieb  aber  dennoch  Abt  von  Ripoll.  Unter  dem  fünften  Abte 
Widisclus  wurde  am  17.  November  977  die  Kirche  von  Kipoll  zum 
dritten  Male  eingeweiht.  Zugegen  waren  die  Bischöfe  Froya  von  Vieh, 
Miro  von  Gerona;  Wisadus  II.  von  Urgel  hatte  einen  Stellvertreter 
gesandt.  Denn  in  diesem  Jahre  war  er  wegen  „der  Reise  zum  heiligen 
Petrus^,  d.  i.  nach  Rom,  abwesend.  In  der  Einweihungsurkunde  stehen 
aber  noch  die  Bischöfe  Suniarius  von  E21na,  und  Vivas  (Vivens)  von 
Barcelona  (974 — 995),  welche  das  Kloster  Ripoll  in  dem  ungestörten 
Besitz  seiner  Güter  und  Rechte  bestätigen'). 

Der  Bischof  Wisadus  IL  von  Urgel  weihte  noch  am  30.  Juli  978  Butham 
eine  Kirche  zu  Ehren  des  heiligen  Jacobus.  Damals  hatte  er  wenig-  ^''®'' 
stens  36  Jahre  regiert,  und  wird  hier  zum  lezten  Male  genannt  Sein 
Nachfolger  Salla  führte  eine  ebenso  lange  als  thätige  Regierung  (981 — 
1010).  Im  Jahre  991  hielt  er  eine  Synode  mit  dem  Bischof  Vivas 
von  Barcelona  und  dem  Bischöfe  Aymerich  von  Ribagorza  (auch  Roda, 
Barbastro,  später  Lerida),  mit  den  Elanonikern,  Priestern  und  Mönchen 
von  Urgel.  Salla  excommunicirte,  d.  i.  belegte  mit  dem  Interdicte  „das 
ganze  Bisthum  von  Cerdagna  und  Bcrga,  d.  i.  die  Grafschaften  dieses 
Namens,  welche  zum  Bisthum  von  Urgel  gehorten.  Einige  Uebelthäter 
hatten,  gestüzt  auf  die  Auetoritat  der  Gräfin  Ermengardis  von  Cerdana 
und  ihrer  Söhne,  sich  der  Pfarreien  und  Kirchen  bemächtigt,  und  wei- 
gerten sich,  dem  Bischöfe  den  schuldigen  Tribut  zu  bezahlen.  Die 
Gräfin  aber  und  ihre  Söhne  nahm  Salla  von  der  Excommunication  aus, 
schloss  dagegen  aus  ihre  Räthe  und  Diener,  Amaldus,  Radulfus  und 
alle  ihre  Gehilfen.  Umlaufsschreiben  ergingen  an  alle  Bischöfe,  damit 
sie  den  Urtheilsspruch  bestätigen  und  vollziehen  helfen^).  Um  diese 
Zeit  schon  war  es  im  Plane,  dass  sein  Neffe  Ermengol  dem  Bischöfe 
Salla  nachfolgen  sollte,  was  erst  19  Jahre  später  geschah. 

Im  Mai   des  Jahres    1001    erliess  Papst  Sylvester  IL   auf  Bitten 
des  Bischofs    Salla    eine   Bulle   der   Bestätigung   der   Besizungen    der 


')  monasterium  RivipuUense.  —  Marca  Hispan.  append,  nr.  45. 

*)  Marca,  append,  nr.  123.  Fruya,  der  sich  Frngifer  nennt,  und  Miro  liahcn 
die  Kirche  eingeweiht.  —  ViÜanueva,  VIII,  p.  2—60, 

*)  universis  epücopis  circumquaque  ubique  commanentibus  per  quadrifida 
dimata  cosmu  —  Marca  Hispanica,  p,  415,  —  Aguirre  -  Catalani ,  IV, 
384-385.  —  T^ada  y  Ramiro,  III,  57  -58.  -  J.  Villanueva,  X,  117-118, 
et  appendice,  nr.  22  et  23  (ex)  autogr.  in  archiv.  eccl.  ürgell.  Schon  vorher 
hatte  Balme  in:  Capitvlaria  regum  Francorum  (2  vol.,  Par.  1780,  p.  675)  die 
Ewoi  Urkunden,  die  erste  die  Excommunication,  die  zweite  das  Kundschreiben  an 
die  Bischöfe  mitgetheilt. 


430 


Zehntes  Buch.    Dritt««  Knpitel 


Kircbo  von  Uigel').  YillanueTa  berichtet,  dasa  Salla,  am  d 
XU  erbalten,  nach  der  Gewohnheit  der  Bischöfe  jener  Zeit,  si 
Rom  gereist.  In  Itom  sei  er  mit  dem  Crrat'en  Grmengol  I.  < 
gewesen,  znm  Zwecke,  die  Vereinigung  der  beiden  Klöster  S 
von  Codinct  iind  S,  Andreas  von  Tresponts  durcbzusezeo  *). 

PiT  Bischof  Miro  von  Gerona  wird  erwähnt  in  den  Jj 
bis  98!,  ohne  dass  vnt  wüseten,  ob  er  derjenige  war,  den  Pa 
nea  XIII.  fiir  nicht  würdig  eines  solchen  Amtes  erklärte*).  ] 
icheint,  aber  erst  im  Jahre  985,  Bischof  Gundemar  (Goli 
'.  bis  zum  Jahre  993,  vom  Jahre  995  an  Odo  (Otto)  bis  zam  J« 
—  Er  erlangte  im  December  1002  von  Papst  Sylvester  etni 
Bestätignng  der  Beeidungen  seiner  Kirche*).  —  Es  ist  m  I 
dass  diess  das  erste  Documcnt  ist,  in  welchem  eine  Kirche  voi 
die  Kirche  des  heiligen  Felix  und  Narcissns  heisst').  —  Im  JaJ 
weihte  Bbchof  Odo  die  Kirche  des  Klosters  zum  heiligen  Pe 
Beealb  ein.  Der  Bischof  Fruya  von  Vicb  hatte  schon  im  Ja 
25.  Februar,  vom  Papste  Benedict  VII.  eine  Balle  der  Bea 
der  Güter  seiner  Kirche  erlangt,  welche  er  persönlich  in  Bo 
gesucht  hatte*).  In  der  Zeit  von  975 — 984  hatte  sich  ein 
Giiadaldns  als  Bischof  von  Vicb  eingedrängt,  und  halte  noch  im  J 
einen  Anhang.  Fruya  starb  im  Jahre  992.  Im  Februar  993 
iinlfiis  Bischof,  der  den  Erzbischof  Ermengaod  von  Narbonw 
WIÜ)  ale  seiueii  Metiopoliten  anerkannte,  indem  er  sich  von 
Empfehlungsschreiben  für  seine  Wallfahrt  nach  Jerusalem 
len  Hess'). 

Noch  immer  aber  gerirte  sich  Guadaldns  als  Bischof  von 
Arnulf  brachte  seine  Angelegenheit  vor  den  Papst  Gregor  V., 
im  Mai  998,  in  Gegenwart  des  Kaisers  Otto  III.,  eine  Synode 


')  Marca  Süpanica,  Appmdix,  nr.  149,  p.  957.  —  Viilanytt 
{1821),  p.  119-120. 

')  Id  einer  Urkunde  dei  Qrafen  von  1004  bebst  es:  Baec  eo  (Pn 
dicente,  una  Titecum  adstabat  Salla  presul  cum  suis  cltrieis  ( Villan.  p.  • 
Romreiae  Beider  fallt  wohl  in  das  Jahr  1001.  Im  Juli  1002  vir  iM 
in  Urgel. 

')  Im  Jahre  9GS  erscheint  ein  Graf  Miro,  wohl  der  Bisehof  ron  :■:■' 
')  Die  Bulle  beginnt  gleichfalls  mit:  Desiderium  —  qtiod  —  Marta, 
nr.  ISO,  p.  958. 

')  Marca,  p.  418.   —    Villanveva,    XIII,   87.    Narcisti,  q<tt^  " 

portam  civitatis  Oerundae.    Et  ecdesiam  Sanctae  Mariae,  qua»  dinai 

palem  Imdgo  Lebtsbal),  wahrend  die  Kathedrale  voo  Urgel  S«>,  ilie  ponuj* 

Cathedraleo  So  {Sedes)  heiaaen.   Esp.  sagr.  t.  43,  p.  145.  —  Appt»d.  L'i. 

•)  Fbrrez,  28,  254.  —  ViUanueva,  VI,  app.  19,  p.  280. 

')  ViUanueva,   VI,  166,  Append.  nr.  21,  p.  282  {vom  Jik«  li>*) 


£ 


I) 


Bistham  Vieh,  971—1002.  431 

hielt.  In  der  am  9.  Mai  aDSgestellten  Urkunde  des  Papstes  ist  gesagt, 
dass  Ermengold,  Sohn  des  Markgrafen  Borrel,  zugegen  war  mit  seinen 
Optimaten  und  Klerikern,  dem  Bischöfe  Amulph,  „mit  Guadald,  dem 
herbeigerufenen  Bischofs '),  welche  vor  der  Synode  sich  über  den  Besiz 
des  Bisthums  Ausona  stritten.  Guadald  versicherte,  dass  Amulph  ihn 
mit  Gewalt  und  Unrecht  seines  Bisthums  beraubt  habe.  Amulph  er- 
widerte, er  sei  von  dem  eigenen  Metropoliten  von  Narbonne,  unter 
dem  das  BlSthom  stehe '),  consecrirt  worden.  Guadaldus  soll  zu  Leb- 
zeiten des  Bischofs  Fruya  von  einem  andern  gallischen  Erzbischof  Oddo 
(wohl  dem  von  Auch)  geweiht,  von  dem  Papste  Joannes  XY.  in  einer 
Versammlung  von  Bischofen  (worüber  die  Acten  fehlen)  mit  dem  Ana- 
them  belegt  worden  sein,  auf  Klagen  des  Bischofs  Fruya,  den  Guadaldus 
mit  seinem  Bruder,  einem  nahen  Verwandten  und  mehreren  Andern  habe 
ermorden  lassen.  Ermengaud  und  die  übrigen  Spanier  bestätigten  diese 
Aussagen,  namentlich  dass  Bischof  Fruya  unschuldig  von  Guadaldus 
ermordet  worden^).  Guadaldus  gestand,  dass  er  das  Bisthum  zu  Leb- 
zeiten Fruya's  an  sich  gerissen,  von  einem  fremden  Metropoliten  ge- 
weiht worden,  und  einen  Aufstand  erregt  habe,  in  welchem  Fruya  von 
den  Seinigen  sei  ermordet  worden.  Guadaldus  wurde  abgesezt.  Bene- 
dict, der  Archidiakon,  und  Rotber,  der  Oblationarius,  zogen  ihm  den 
Bing  ab  von  seiner  rechten  Hand,  zerbrachen  den  Hirtenstab  über 
seinem  Haupte,  zerrissen  die  Dalmatica^  und  ihn  aus  der  Ordnung  des 
Pontificates  schaffend,  machten  sie  ihn  zur  Erde  niedersizen.  Dagegen 
erhielt  Arnulph  den  Ring  und  Stab,  und  damit  das  ganze  Bisthum  • 
Ausona.  Die  Urkunde  trägt  unter  Anderm  die  Unterschrift  des  Kaisers 
Otto  UI^).    Guadaldus,  der  Eindringling,  lebte  noch  viele  Jahre. 

Im  Juli  des  Jahres  1002  wurde  ein  Congress  zu  Ausona  gehalten,  ^^g^^^f 
dem  der  Erzbischof  Ermengauld   von   Narbonne,    die  Bischöfe  Sal(l)a  Amaiph 
▼on  Urgel,  Eizus  (oder  Aetius)  von  Barcelona,  Bischof  Amulph^),  die  ^^ 
Grafen  Ramon  Boreil  von  Barcelona  nebst  Gemahlin  Ei-mesindis^),  sein 
Bruder,  Graf  Ermengol  von  Urgel,  zudem  andere  Yisconden  und  Edle 
anwohnten.   Vor  ihnen  beklagte  sich  Siugfred,  Abt  von  Ripoll,  über  die 
Entreissung  seines   Castrnm  Camba.     Es  wurde  befohlen,  dass  es  ihm 


')  GhuUdaldo,  advocato  episcopo. 

*)  cuius  Dioecesis  fore  debet, 

*)  Pruianum  a  praefato  Oualdaldo  tnnocerUer  occisum  a  suis,  wahrschein- 
Jich  den  Lenten  des  Guadaldus. 

*)  Baluz.  MisceUanea,  t.  II,  117,  t  VII,  p.  62.  -  Atansi,  Z/Z,  227.  — 
J^orez,  28,  257-261.  —  Vülanueva,  VI,  158  sq. 

*)  Er  heisst:  in  omni  studio  phüosophiae  plenissime  eruditus, 

*)  Sie  heisst :  Venustissima  efus  uxor  magnificeque  nominanda  Ermesinda 


438  ZabBtaBoelu   Drittat  KapitaL 

■ 

suruckgestellt  werde ').  —  Auch  Bischof  Salla  voo  Uigd  erii 
die  Anerkeimaiig  semes  BeeiarechteB  auf  das  Gastmni  Kmalt 
Aniidf  woUte  im  Jahre  1005  eine  Wallfiüiri  nadi  FaE 
treten,  fiut  100  Jahre  vor  dem  Anfimg  der  Ej-eossoge.  Neoer 
ungen  haben  aber  nachgewiesen,  daas  beaonders  im  eilften  Ja 
die  Zahl  der  Beisenden  in  das  heilige  Land  ansserardentliofa  gr 
Dacn  stellte  ihm  der  BrEbischof  Brmengaiüd  Ton  Narboime  d 

^'  pass  (liiierae  f&rmaim)  ans*    Dieses  Docnment  ist  aehr  widi 

es  einsig  in  dieser  Art  ist  Bs  ist  sdir  schwer  ▼erstandlic 
haben,  heisst  es,  alle  Bischöfe  unserer  Diocese  berufen,  nnd 
fragt,  was  wir  thnn  sollen.  Denn  ein  Bischof  dsurf  nicht  li 
drei  Wochen  abwesend  sein  nach  den  heüigen  Canones;  aber 
ist  entstanden  in  der  heiligen  Eirche,  dass  die  Bisoliöfe  bis 
Gräbern  der  heiligen  Apostel  Petms  nnd  Paulas  walUahrtetei 
nach  gestatten  wir  auch  dem  Amnlfdi  die  Beise  in  das  heilig 
Er  habe  den  Beisepass  auch  den  Griechen  ▼erstiuidlidi  (ons 
nnverstandlich)  geschrieben  *)• 

Da  Amnlf  mehrere  Jahre  nicht  erwähnt  wird,  aofaeint  er 
die  Beise  nach  Palastina  gemacht  xn  haben.  Sein  Namen  \ 
wieder  im  Jahre  1009  gttiannt  Im  Jahre  1009.  war  an  Barcel 
Versammlang  von  Bischofen  nnd  Grossen.  Zagegen  waren  C 
mand  mit  seiner  Gemahlin  Ermesinda,  sein  Brnder  Eärmeni 

[  Urgel  and  OnnS  Bemard  von  Besalü,  die  Bischöfe  Aetins  voi 

«    lona,  Amnlf  von  Vieh,  Odo  von  Gtorona,   Salla  von  Uigel  ni 

Die  Ka-  You  Elna.    Man  verhandelte  aber  die  Wiederherstellung  der  ^ 

L  nonikar^g^  Kanoniker,  welche  in  der  Zeit  Carls  des  Elahlen  erbaut  w 

I  <  T.  Bar-        , 

eeiona.  reicher  Elaufinann,  Robert,  war  nach  Barcelona  gekommen,  m 

dem  Canonicus  Bonucio   überlassen,   über   sein   Vermögen    za 

■  seiner  Seele  zu  verfugen.    Bonucio   sammt   den  Kanonikern  Ih 

das  Geld  für  die  Wiederherstellung  der  „Canonica^  (der  Wohl 
Kanoniker)  zu  verwenden.  Der  Graf  und  die  Grafin,  sowie  der 
billigten  nicht  bloss  diese  Verwendung,  sondern  jene  gaben  d: 
Summe  Goldes,  und  verlangten,  dass  die  Kanomker  unter  sie 
Abt  und  Propst  wählten,  welche  dem  Ganzen  vorstanden.  Am 
1009    bestätigten    die   Bischöfe    das   Vorstehende.      Andere   d 


k 


*)  VüUaiueoa,  VI,  165,  append.  20,  p.  281. 

*)  Wil,  Jufüanann^  de  peregrinationibtis  et  eacpeditümibus  9ac\ 
synodum  Claromontanam.    VratUlav,,  1859, 

*)  Weder  Florez  noch  Villanueva  hat  die  mystischen  Zahlen  und  Ba« 
des  Briefes  verstanden.  Das  Datom  ist  vom  8.  Man  1005.  —  Flora,  2 
261^263.  —  ViUamkeva,  VI,  166,  append.  21,  p.  282-^285. 


Feldzag  gegen  die  Manren,  1010.  Bistfaiim  Gerona.  433 

ichenke  traten  hinza.    Die  Kirche  der  heiligen  Maria  am  Meere  sollte 

Kirche  der  Kanoniker  sein^). 

Das  Jahr  1010  war  für  die  obenerwähnten  5  Bischöfe  verhäng- 
i¥oll.  Nnr  Oliva  von  E21na  überlebte  dasselbe.  Der  Graf  Ramon 
Bmahm  einen  Feldzng  gegen  die  Manren  von  Corduba,  die  er  in 
»n  eigenen  Lande  angreifen  wollte,  wie  sie  selbst  stets  neue  Ein- 
e  in  seinem  Lande  machten.    Ihn  begleiteten  mehrere  Grafen;  ferner 

Bischöfe  Aecius  von  Barcelona,  Odo  von  Gerona  und  Arnulf  von 
li.    In  der  Schlacht  selbst  bei  Corduba  fielen  die  Bischöfe  von  Bar-  sehiacht 
»na  und  Gerona.    Ueber   den  Tag  der  Schlacht  widerstreiten  sich^^coi^- 

Angaben.    Eine  Grabschrift  auf  den  Bischof  von  Gerona  sagt^   er   ^o^o. 

am  1«  September  1010  umgekommen.  Aber  auch  der  Bischof  Ar- 
E  von  Vieh  wurde  tödtlich  verwundet,  kehrte  aber  nach  Ausona 
nck,  machte  sein  Testament  am  29.  Juli,  und  starb  wenige  Tage 
Uier  am  1.  August  lOlO.  Antol.  Merino  unterscheidet  darum  zwei 
feiachten,  die  eine  im  December  1009   bei  Cantiche,   die  zweite  am 

Juni  1010  bei  Accavatalvacar.  In  der  ersten  waren  nur  Castilier, 
der  zweiten  nur  Catalanen').  Damach  fielen  die  Bischöfe  von  Bar- 
^na  und  Gerona  am  21.  Juni,  sowie  der  Graf  Ermengol,  der  Bischof 
L  Vieh  starb  in  Folge  seiner  Wunden  am  1.  August  1010;  der  Bi- 
^  von  Urgel  aber  starb  in  Folge  hohen  Alters.  Er  wohnte  der 
«hl  des  neuen  Bischofs  von  Vieh,  Boreil,  im  August  lOlO,  an^). 
■1  Tod  erfolgte  am  29.  September  1010.  Unverzüglich  folgte  ihm 
a  schon  erwähnter  Neffe,  der  heilige  Ermengol,  vorher  Archidiakon. 
lon  im  November  dieses  Jahres  stellte  S.  Ermengold  das  kanonische 
ben  sammt  der  Wohnung  der  Kanoniker  wieder  her.  Er  hätte  aber, 
int  Villanueva,  ein  so  grossartiges  Gebäude  nicht  in  so  kurzer  Zeit 
stellen  können,  wenn  nicht  der  Bau  unter  Bischof  Salla  schon  weit 
{geschritten  wäre. 

Auf  sein  Ansuchen  bestätigte  Papst  Benedict  VIII.  am  1.  Decem- 
.2  die  Besizungen  und  Privilegien  seines  Bisthums^).  —  Der  Bischof 
arus  Bodgarius  von  Gerona  (1010 — 1050)  führte  die  „Vita  canonica*'  synode 

seiner  Kirche  wieder  ein.    Am   20.  November   1019  versammelten  *«  ^^ 
h  um  ihn  die  Bischöfe  Ermengold  von  Urgel,  Deodatus  von  Barce-    loie! 
■a  (1010 — 1029),   Berengar  II.  von  Elna,   Adalbert  von  Carcassone, 
to  von  Conserans,   7  Aebte,   die  Archidiakonen   und  Kanoniker  der 


')  Marca  Hisp.  Äppend.  nr.  169,  p,  968—971.  —  Aguirre-Catalani,  IV, 
5.  —  Mansi,  t.  XIX,  1774,  p.  295-298.  —  FUyrez,  t  29,  (2  edic.  1859), 
210,  —  T^ada  y  Ramiro,  III,  61. 

*)  In  Esp.  sagr.,  t  43,  Madr,  1819,  disertcunon  sobre  d  dia  y  circunstan- 
4de  la  hatdlla  de  C&rdova,  en  que  muriö  el  OMspo  Odon  y  otros,  p.  147—169. 

*)  Marc.  Hisp.  append.  nr.  171. 

*)  Marca,  Ap.  nr.  169,  p.  992.  —  Villanueva,  Z,  135. 

Ctami,  iptn.  Klrebo.  U.  2.  28 


434  Zehntes  Bach.    Drittes  KApitd. 

Kirche  von  Gerona,  die  Grafin  Wittwe  Ermesinde  and  ihr  Sohn  Be- 
renguer,  und  viele  Kleriker.  Sie  beschlossen,  dass  für  den  Dienst  Gott« 
nnd  seiner  Mutter  die  ^Canonie^  (das  Haus  der  Kanoniker)  gebant  und 
reichlich  ausgestattet  werde.    Der  Bischof  Petrus ,   die  Grafin  und  ihr 
Sohn  wetteiferten  in  reichen  Geschenken   an   das  Hans  der  KanoDiker 
mit  vielen  Andern^).  —  In  diesem  oder  dem   folgenden  Jahre  erbaute 
auch   der  Bischof  Berengar  II.  von  Elna,   der  nur   in    diesen  beidci 
Jahren  erwähnt  wird,   seine  neue  Kathedrale,    und  weihte   in  ihr  dco 
Hauptaltar  zu  Ehren  der  heiligen  Eulalia«    Am  5.  October  1022  weihte 
der  Erzbischof  Wifred   von  Narbonne  (1019 — 1079)    die    neue  Kirche 
des  Klosters   des   heiligen  Petrus   in  Roda  ^n^.     Es    waren  zugegen 
die  Bischöfe  Stephanus   von   Apt,  Stephan  IL   von  Agde,   nnd  Olin 
von  Vieh   (1018—1046).     Das  Kloster   sollte  unmittelbar   unter  dem 
romischen  Stuhle  stehen.   —  Im  Jahre   1027   hielt  Bischof  Oliva  mit 
zwei  andern  eine  Versammlung  zu  Vieh;  Acten  der  Verhandlungen  sind 
GottM-  nicht  vorhanden.   —  In   demselben  Jahre    wurde   der    .Gottesiiiede' 
1097!'  (^^^  Dei)  auf  der  zu  Tulujas  bei  Elna  gehaltenen  Synode  in  (^at»- 
lonien  eingeführt.    Berengar  III.  von  Elna  war  auf  einer  überseeischen 
Wallfahrt  begrüSen.     Bischof  Oliva  von  Elna  führte  den  Vorsiz.    Em 
weiterer  Bischof  wird   nicht   genannt.     Dagegen   waren   Herzoge  nod 
viele  Laien,  Manner  und  Frauen,  anwesend.    Der  schon    früher  zwi- 
schen   Oliva  und  Berengar  III.   vereinbarte  Gottesfiiede    wurde  bier 
feierlich  bestätigt.     Niemand   sollte  vom   Samstag  Abends   9  Uhr  bis 
zur  ersten   Stunde   des  Montags   Jemand  angreifen,    Jedej*    sollte  deo 
Sonntag  heilig  halten.     Andere  Bestimmungen  über  Angriffe  auf  Kir- 
chen und  kirchliche  Personen,  über  Verwandtschaftsgrade,  UnauflGslicL- 
keit  der  Ehe  —  schlössen    sich   an.     Mit  den  Exeommunicirten   düne 
Niemand  verkehren.   —   Diese  Synode   beschränkte  einerseits    die  Zeit 
des  Gottesfriedens,   anderseits  dehnte  sie  denselben  auf  alle  Personen. 
die  sich  nicht  vertheidigen  können,  Priester,  Mönche  und  Fraueo,  au: 
das  ganze  Jahr  aus^). 

Ueber  die  Beschlüsse  einer  zu  Ausona  im  Jahre  1029  gehaltenen 
Versammlung  von  drei  Bischöfen  ist  fast  Nichts  bekannt.  Bischoi 
Guadallus  Domnucius  von  Barcelona  (1029 — 1035),  Nachfolger  deji 
Deodatus,  gab  das  Schloss  von  Banyeres  seinem  Capitel  als  Lehen. 
—  Der  Bischof  Petrus  von  Gerona  kam  im  Jahre  1030  nach  Kom, 
und  da  er  sah^  welches  Verlangen  Papst  Joannes  XIX.  trage,  für  die 


')  Marca,  append.  nr.  182,  p.  1016—1019,  —  Esp.  sag^r.,  t  43^  Apend. 
nr,  28,  p.  425-430,  —  Tejada,  61^65. 

')  Marca,  p,  431,  Appeiul,  nr,  194,  p,  1034,  —  Mansi,  XIX,  407— 4u9. 
—  Aguirre-Catalani,  IV,  390-391,  —  'rejada,  III,  77—79, 

»)  narduin,  VI,  841-842.  —  Mansi,  XIX,  483.  —  AguirreCatalani 
IV,  393-394.  -  Tejada,  III,  82-84. 


Gottesfriede.    Kloster  RipoU.    Bisthnm  Barcelona.  435 

Befireiong  spanischer  Christensclaven  aus  der  Hand  der  Mauren  thätig  Bischof 
zn  sein,  so  erklärte  ihm  Petrus,  er  wolle  und  könne  für  das  Seelenheil  ^^^'J* 

'  ,  '  .         von  Ge- 

des  Papstes   (jährlich?)  30   Sclayen   loskaufen,   wenn   der  Papst  ihm   rou. 
wenigstens  12  Male  im  Jahre  das  Becht,  das  Pallium  zu  tragen,  ver- 
leihe.   Darauf  ging  der  Papst  ein,  und  bestimmte  die  12  Tage  im  Jahre, 
darunter  das  Fest  des  heiligen  Saturninus,  und  bei  einem  in  der  Provinz 
zu  haltenden  ConciP). 

Am    15.   Januar    1032   fand   die   vierte  Einweihung  der  Kirche 
B.  M.  V.   des  Klosters  von  RipoU   statt,  welche  Oliva,   Bischof  von 
Yich  und  Abt  von  Oliva,  mit  grosser  Pracht  hergestellt  hatte.    Neben 
Oliva  waren  zugegen  Berengar  IV.,  Bischof  von  Elna  (1032 — 1054),  Gua- 
dallus  von  Barcelona,  Guifredus,  Bischof  von  Carcassone  (1031 — 1054) 
und  Amelius  U.  von  Alby.    Das  für  die  Unversehrtheit  der  Besizungen 
des  Klosters  erlassene  Decret  haben  weiter  unterzeichnet  die  Bischöfe  Synode 
Eriballus  vonUrgel,  welcher  erst  im  Jahre  1036  als  Bischof  erscheint,  ^J^^^ 
Bemardus  von  Conserans,  Guilabertus  von  Barcelona,  beide  seit  1035,    loss- 
Petrus  von  Gerona,  Arnaldus  von  Toulouse,   Guifredus,    „des  heiligen 
ersten  Sizes^  von  Narbonne,  u.  a.^)    Der  Bischof  Gualtherus  von  Al- 
bano  bestätigt  Alles  ( —  um  1096). 

Im  Jahre  1035  starb  der  Bischof  Guadallus  Domnucius  von  Bar-  Biitham 
celona;   sein  Nachfolger   war  Guislabertus  (Guilibert),   der   durch   den   ,^^' 
vielgenannten  Erzbischof  Guifredus   von  Narbonne   am  21.  September 
1035  die  Weihe  erhielt.    Das  Andenken  an  die  Metropole  Vieh  ist  wie 
erloschen.    Es  ist,  wie  wenn  der  Bischof  von  Vieh  zu  klein  wäre,  den 
Bischof  von  Barcelona   zu   consecriren«      Guilibert  regierte   mit   nicht 
geringem   Glänze   seine  Kircho   an   30  Jahre  (1035 — 1062).    Emengol  Der  w 
von  Urgel  hatte   am   14.   Dec.    1033    sein  Testament  gemacht^);    am  g^™*"^ 
3.  November  1035  starb  er  in  Folge  eines  Sturzes  zwischen  Felsen*),  urgei. 
Schon  im  Jahre  1044  wurde   er  als  Heiliger  verehrt;   im   Jahre    1070 
war  im  Bisthum  Vieh    schon  eine  Kirche  unter   seiner  Anrufung  ein-  Kath» 
geweiht    Unter  seinem  Nachfolger  Eriballus  wurde  am  23.  October  1040  ,  ^{]V 
die  von  Ermengoldus   gebaute  Kathedrale   der  seligsten  Jungfrau  ein-    1040. 
geweiht,   in  Gegenwart  des  Erzbischofs  Wifred,  Berengars  von  Elna, 
des  Arnulf  von  JEloda,  des  Bemard   von  Conserans,    und   des   Wifred 
von  Carcassone.    Die  Kirche  von  Urgel  hatte  damals  nicht  weniger  als 
40  Canonici  majores.    Sogleich  nachher   machte  der  Bischof  Eriballus 


')  Marca,  append.  nr.  203,  p.  1044.  —  ViUanueva,  XlII^  p.  98.  —  E$p. 
sagr.,  t  43,  ap.  29,  p.  430-432. 

»)  Marca,  app.  nr.  208,  p.  1050-^1052.  —  Aguirre-Catalani,  IV,  396-- 
398.  —  Tejada,  III,  84-87. 

')  Marca,  ap.  nr.  210. 

1)  Viüanueva,  X,  147.   Er  wollte  gehen  „ad  limina  beati  Jacobi  apostoli, 
sana  mente,  et  memoria  inJLegra".  —  Append.  nr.  30. 

28* 


436  Zehntes  Bnch.    Drittes  KapiteL 

sein  Testament,  and  trat  die  Reise  in  das  heilige  Land  an.    Aber  er 
erreichte   es   nicht;    er   starb    im   Kloster  Pomposa    in    Italien  —  am 
19.  December  1040"). 
Käthe-  Zwcj  Jahre   früher  war  die  Elathcdrale    von  Gerona   eingeweiht 

dnia  V.  v^orden,  welche  Bischof  Petrus  erbaut  hatte.  An  der  Spize  der  tw- 
1033. '  sammelten  Bischöfe  stand  auch  hier  Wifred  von  Narbonne;  dann  waren 
Oliva  von  Vieh,  Eriballus  von  Urgel^  Bemardus  von  Conseram, 
Guilabertus  von  Barcelona,  Berengar  von  Elna,  Gnifredus  von  Carcas- 
sone  und  Arnaldus  von  Mageluone  zugegen.  Die  Weihe  (and  am 
21.  September  statt  Zugegen  war  auch  die  Grafin  Wittwe  Ermesiode, 
die  Schwester  des  Bischofs  von  Gerona.  Auch  die  Häuser  der  Kano- 
niker waren  zugleich  erbaut,  die  Kanoniker  mit  Einkünften  geziemend 
ausgestattet.  Die  versammelten  Bischöfe  bestätigen  und  bekräftigen  die 
Kanoniker  in  ihrem  Eigenthum^). 

Bischof  Oliva  von  Vieh  (1018 — 1046)  war  zugleich  Abt  von  EipoD 

und  von  S.  Michael  von  Cuxa  in  der  Grafschaft.  Roussillon.    Als  aol- 

cher  verordnete  er  im  Jahre  1027  die  feierliche  Verehrung,    welche  dm 

Der  hu  ehemaligen  Dogen  Petrus  Urseolus   zu  erweisen  sei,    der  19  Jahre  m 

urt^  diesem  Kloster  gelebt,  und  daselbst  im  Jahre  997  gestorben  war^ 

Käthe-  OUva  liess  im  Jahre  1038  seine  Kathedrale  der  heiligen  Apostel 

draie  y.  Petrus  uud  Paulus   durch  Gnifredus  von  Narbonne    einweihen.    Olm 

Vifih. 

hatte  die  Kirche  von  Grund  aus  mit  grossen  Kosten  aufgebaut,  und 
mit  vielen  Reliquien  geschmückt  Neben  Wifred  und  Oliva  wohntea 
der  Feier  an:  Bischof  Berengar  IV.  von  Elna,  Guislabert  von  Barc^ 
lona,  Eriballus  von  Urgel ,  und  Guifredus  von  Carcassone,  welche  die 
der  neuen  Kirche  von  Oliva  und  Andern  gewidmeten  Güter  und  das 
Bisthum  Ausona  in  seinem  ganzen  Umfange  bestätigten  (31.  Äugest 
1038).  Unterzeichnet  sind  noch  die  Erzbischofe  Kaimbaldus  von  Arles, 
und  Poncius  von  Aix^).  Guifredus  hat  „diese  Kirche  seiner  Metro- 
polis geweiht".     Der  Priester  Ermimir  hat  die  Urkunde  vcrfasst*). 

Am  16.  Juli  des  Jahres  1045  wurde  die  Kirche  des  heiligen 
Michael  de  Fluviä,  welche  dem  erwähnten  Kloster  Cuxa  gehörte,  in  der 
Grafschaft  Ampurias,  eingeweiht  Die  Weihe  vollzog  wieder  der  Erz- 
bischof Guifrcd;  nur  er  und  Bischof  Oliva  unterzeichnen  die  Stiftuoirs- 

9 


10S8. 


»)  Marca  Hispan.,  ap.  nr.  220,  p.  1069.  —  Aguirre-CatcUani,  IV,  400^ 
401.  -  Tejada,  90-93.  —  Vülanueva,  X,  ap.  nr.  34,  p.  326. 

«)  Marca,  ap.  218,  p.  1065.  —  Aguirre-CatdUmi,  IV,  898-^99.  —  £4. 
sagr.,  t  43,  ap.  29,  p.  432—437. 

')  Justus  Fontanini  (archi'ep.  Ancyranua),  de  S.  Petro  ürseolo,  Duu 
Venetorum,  postea  monacho  0.  S.  B.,  Romae  1730. 

*)  Wohl  Poncius  IL,  der  1049  erscheint 

*)  Sie  steht  nicht  bei  Marca;  mangelhaft  bei  Florez,  t.  28,  ap.  13,  p.  282^ 
285;  correcter  bei  Vülanmva,  VI,  apend.  26,  p.  294-298. 


Kathedrale  Yon  Ansona,  1088.    Oliva  von  Ausona.  437 

nrkunde.  Der  Ort  liegt  in  dem  Sprengel  des  Bischof  Petrus  (von  Ge- 
rona).  Die  Urkunde  nnterzeichneten  später  Bemard  von  Conserans,  Ar- 
nold von  Maguelone,  Frotarius  II.  von  Nismes  (1027 — 1077),  Beren- 
gar  IV.  von  Elna,  Arnulf  von  Roda  u.  a. ') 

In  die  lezte  Zeit  des  Bischofs  Oliva  gehört  noch  eine  zu  Nar- 
bonne  gehaltene  Synode,  in  der  er  sich  über  Eingriffe  in  die  Güter 
seiner  Kirche  beschwerte.  —  Nach  Marca  fand  im  März  1043  eine 
Synode  zu  Narbonne  statt,  in  welcher  die  Excommunication  ausgespro- 
chen vmrde  gegen  die,  welche  sich  an  den  Gütern  des  Klosters  Cuxa 
▼ergreifen  würden  •).  Zugegen  waren  Wifred,  Bischof  Petrus  von  Ge- 
rona,  Guifredus  von  Carcassone,  Berengar  IV.  von  Elna,  Wilhelm  von 
Urgel,  Bemard  von  Conserans  und  Bemard  von  Beziers.  Lezterer 
kommt  nur  hier,  d.  i.  im  Jahre  1043  nach  der  Angabe  Marca's  vor'). 

Petros  Oliva  ragt  unter   den  Bischofen   dieser  Zeit  hervor.    Er  BUchof 
war  dritter  Sohn  Oliva's,  Grafen  von  Besalü,  weihte  sich  Gott  in  dem   yJ^J' 
Kloster  RipoU,  wurde  Abt  von  Ripoll,  und  zwei  Jahre  später  Abt  von 
Cuxa.    Im  Jahre  1018  vmrde   er  Bischof  von  Ausona.    Einige  sagen,    • 
dass  er  trozdem  38  Abteien   geleitet  habe.    Er  starb  in  dem  Kloster 
von  Cuxa  am  30.  October  1046,   wo   er   auch  begraben  vnirde.     Die 
EJöster  von  ßipoU  und  Cuxa  erliessen  ein  Umlaufschreiben,  besonders 
an  die  benachbarten  Klöster  über  seinen  Tod,   welches   erst  Villanueva 
za  Ripoll  auffand.    Sie  nennen  ihn  den   „Vater  des  ganzen  Vaterlan- 
des^,  den   sie  nach   Gott  am  meisten  geliebt   haben.    Eigene  Boten 
tragen  dieses  Schreiben  in   die  einzelnen  Kloster.    Aus  mehr  als   80 
Kirchen  und  Klöstern  erfolgten,  theils  in  Versen,  theils  in  Prosa,  die 
Antworten,  von  welchen  Villanueva  Beispiels  halber  nur  zwei,  die  der 
Kirche  von  Ausona,  und  die  des  Klosters  von  Caroffum  mittheilt ^). 

Oliva's  Schriften  hat  zuerst  Florez  gesammelt  herausgegeben^). 
Oliva  richtete  u.  a.  ein  Dankschreiben  an  den  Erzbischof  Gauslin  von 
Boni^es  (1014 — 1029),  welcher  ihm  seine  Theilnahme  über  den  Tod 
aeines  Bmders  Bemard,  Grafen  vod  Besalü,  bezeugt  hatte,  1020;  der 
Brief  des  Erzbischoüs  ist  gleichfalls  erhalten.  Einen  andern  Brief  schrieb 
Oliva  an  die  Mönche  von  Ripoll  um  das  Jahr  1023  über  verschiedene 
Ajiliegen,   theils   ernst,  theils  scherzend  gehalten^).  —  Den  ausfuhr- 


')  Marca,  append.  nr.  228,  p.  1087.  —  Aguirre-Catalani,  IV,  4Ol'-402. 
—  Mansi,  XIX,  611-614.  Tejada  y  Ramiro,  III,  93-95. 

*)  Das  Actenstück  ap.  Florez,  t  28,  p.  127,  p.  286— 287^  apend.  14. 

')  Marca,  p.  442. 

*)  Charoux,  S.  Sauveur,  bei  PoUiers.  —  ViUanuem,  VI,  apend.  nr.  29, 
p.  302—306. 

^)  Esp.  sagr.,  t.  28,  Oliva»  Auson.  ep.  scripta,  265—282.  —  Daraas  ap. 
Migne,  Patr.  tat,  t.  142,  p.  598—608. 

•)  Diese  drei  Briefe  apud  Marca,  p.  1025,  app.  nr.  188—190. 


438  Zehntes  Bneli.    Drittes  Kaptto). 

liebem  Brief  OÜva's  an  den  König  Sancho  von  Navarra  vom  Jihre  M 
j  hat  Florez  zuerst  veröfientlicht.  Er  hebt  die  Verdienste  des  Könp 
-  mit  gebührendem  Lobe  hei'vor,  der  wie  so  viele  Andere,  auch  ilnB 
Uath  gefragt  hatte  über  die  Gründe,  ana  welchen  Ehen  unWr  uii 
Verwandten  verboten  sind.  Ohva  entnimmt  sie  der  heiligen  S<iri 
und  der  Vernunft.  Einer  der  Grossen  an  dem  Hofe  Sancba'i  \m 
eine  Ehe  mit  seiner  eigenen  Schwester  schliesseu  wollen.  Drti  T» 
brechen  waren  es,  welche,  nach  Oliva,  damals  daa  Keich  bcimsQiJiM 
der  lucest,  die  Trunkenheit  und  der  Aberglaube,  der  an  Abgi 
grenzte.  Florez  hat  unter  Oliva'a  Namen  noch  eine  Predigt  über^ 
heiligen  Narcissna  von  Gerona  —  Augsburg,  und  einen  lierichl  tts 
die  Bekehrung  der  heiligen  Afra  mitgetheilt.  Darnach  war  Narrä« 
aus  dem  Orient  nach  Augsburg  gekommen.  Von  hier  kam  a  nd 
Girona,  und  litt  drei  Jahre  später  mit  Felix,  seinem  Diakon,  demAfo 
kauer,  das  Martyrium ').  Näher  angesehen  ist  der  Unterschied  ti- 
schen der  Legende  des  Narciasus  diesseits  und  jenseits  der  PTrenio 
der,  dass  die  diesseitige  Legende  den  Narcissus,  die  Verfolgnog  fc- 
hcnd,  von  Gerona  nach  Augsburg  kommen  lässt,  während  jene  i^ 
selben  vom  Orient  nacli  Augsburg,  und  von  da  nach  Spanien  konas 
lässt.  Diese  Version  klingt  an  sich  weniger  onwahrscheinlicli.  Ällä 
der  Name  des  Narcissus  wird  in  Spanien  vor  dem  Ende  des  uIb» 
Jahrhunderts  nicht  gehört''). 

Am  25.  August  1054  bestätigte  eine  Versammlang  von  BiscbÖfci 
zu  Narbonne  den  allgemeinen  Landfrieden.  Am  20.  November  lOM 
traten  die  Bischöfe  Guialabert,  Wilhelm  von  Ausona  (1046 — 1015),  » 
Berengar  von  Gerona  zu  einer  Synode  zusammen,  in  Folge  dweodB 
Graf  Kamen  Berengar  1.  mid  die  Gräfin  Adalmodis  den  Beschlnss  l«- 
stäligten,  dass  hinfort  Niemand  die  Rechte  und  Güter  der  Kanonia 
von  Barcelona,  deren  Zahl  40  erreichte,  antasten  dürfe,  UnWraücbfl 
sind  neben  dem  Grafen  und  seiner  Gemahlin  AJmodis  Giiislibwöi 
Bischof  von  Barcelona,  Wilhelm  von  Vieh  und  Berengar  von  Go*; 
nebstdem  haben,  wie  uns  scheint,  die  Urkunde  später  unterwid«* 
<•  die  Erzbisehöfe  Guifred  von  Narbonne  und  Raimbaldns  von  in* 
'■  Im  Jahre  1058  war  der  Bau  der  neuen  Kathedrale  von  Bar«!'* 
welche  Ifamon,  Almodis  und  Bischof  Guislabert  errichtet  hatlen,  * 
Ende  geführt.  Am  18.  November  desselben  Jahres  wurde  diet* 
eingeweiht.  Zugegen  waren  die  Erzbischöfe  von  Arles  und  Narbo^ 
die  BisohÖle   von  Urgel,  Vieh   und    Gerona,    Amaldug    von  Eh»,  • 


')  K.-G.  I,  302. 

')  Nicol.  Antonio,  Bibl.  vetus,  II.  5.  —  Uistoire  liUirain  de  la  P™* 
(.  VII,  p.  S(i6  -  370  (ed.  novvdle).  -  Kemy  Cdtlier,  Autcurs  etcih .  (dU.  w  . 
velk,  t.  XIII,  133.  i 


Kathedrale  y.  Elna.  Ctottetfriede,  1065.  Synode  v.  BeaalA,  1077.        439 

Patemoa  Yon  Tortosa;    mit  Gnislabert  zwei  Erzbischofe   und  sechs 
BiBchofe. 

Damals  erlangte  der  Bischof  von  Barcelona  yon  dem  Emir  yon 
Denia  das  sogenannte  ^Priyilegium^,  dass  sein  geistlicher  Sprengel  sich 
auch  über  die  Christen  yon  Denia,  Orihuela  nnd  die  Balearischen  In- 
seln erstrecken  solle.  Eine  solche,  mit  den  Unterschriften  aller  anwe- 
senden Bischöfe  versehene  Ausdehnung  scheint  nns  eine  Bestätigung 
unserer  Behauptung  zu  sein,  dass  yon  Alters  her  der  Siz  von  Barce- 
lona Metropolitanrechte  auf  die  Balearischen  Inseln  theils  ausübte,  theils 
in  Anspruch  nahm^).  Nach  der  Weihe  der  Kathedrale  des  heiligen 
Kreuzes  und  der  heiligen  Eulalia  yon  Barcelona  wurde  in  demselben 
Jahre,  am  10.  December,  23  Tage  nach  dem  Feste  in  Barcelona,  auch 
die  Kathedrale  der  heiligen  Eulalia  (von  Merida)  in  Elna  eingeweiht.  Kanh»- 
Hier  war  wieder  an  der  Spize  der  Bischöfe  Guifred  yon  Narbonne;  ^'**«  ^' 
mit  ihm  sein  Bruder  Bischof  Berengar  yon  Gerona,  Guifred  yon  Car-  jo^' 
cassone  mit  Berengar  IV.  yon  Elna,  welcher  seinen  Elanonikem  da- 
mals den  Ort  Salellas  schenkte*).  —  So  wurden  im  Laufe  yon  20  Jah- 
ren die  Kathedralen  sämmtlicher  fünf  Bisthümer  des  Marquisats  yon 
Barcelona  ausgebaut  und  eingeweiht,  zum  sichern  Beweise  des  regen 
hirchlichen  Lebens  in  jener  Zeit. 

Dem  yerdienten  Bischof  Gnislabert,  gestorben  um  1062,  folgte 
Berengar  I.  yon  Barcelona,  unter  welchem  im  Jahre  1064  der  römische 
Legat  Hugo  Candidus  zuerst  den  Versuch  machte,  die  altspanische 
Liturgie  abzuscha£fen,  diesmal  noch  ohne  Erfolg.  —  Im  Jahre  1065 
ynirde  auf  einem  zweiten  Concil  zu  Tulujas  bei  Elna  der  Gottesfriede  ooum- 
eingeschärft,  und  im  Einzelnen  naher  bestimmt.  Auf  drei  gemischten  ^^*> 
Versammlungen,  welche  im  Jahre  1068  zu  Barcelona,  Gerona  und  Au- 
8ona  gehalten  wurden,  wurde  derselbe  Gottesfriede  angenommen  und 
eingeschärft,  yon  Bischöfen,  Achten,  Magnaten ').  ^ 

Im  December  1077  war  eine  Synode  yon  3  Bischöfen  zu  Besalü,  synod« 
welche   der  Legat  des  Papstes   Gregorys   VII.,  Amatus,  Bischof  yon    ^» 
Oleron,  gegen  Simonie  und  yerwandte  Laster  hielt,  unter  dem  Wider-    1077. 
Spruche  des  Metropoliten  Guifred  yon  Narbonne,  der  zwei  Jahre  später, 
nach  einem  Pontificate  yon  60  Jahren ,   starb.   —   Zugegen  waren   die 
Bischöfe  yon  Agde,    Carcassone  und  Elna,  yon  welchen   allen  Jener 


')  K.-G.  II,  1,  p.  189.  —  Marca,  append.  nr.  248,  p.  1113-1116.  — 
Aguirre-Catalani,  IV,  416-418.  —  Fhrez,  t  29,  p.  228—230.  —  Tejada, 
III,  109-113. 

»)  Marca  Hisp.,  nr.  250,  p.  Uli.  -  Aguirre-Catalani,  IV,  418-419.  — 
—  T^ada,  III,  114-116. 

*)  Marca,  Ap.  nr.  268—269.  —  Aguirre-Catalani,  IV,  425-434.  — 
Mansi,  XIX,  1070-1073.  -  Tejada,  III,  122-134.  -  Esp.  sagr.,  t.  43, 
p.  229—236. 


440  Zdmtet  Badu   Drittes  KspItoL  —  Gondl  von  G^koom,  lOTO. 

alte  Feind,  der  NarboneoBer,  exGommimiGirt^y  und  aUe  aimonifltisdiBi 
Aebte  aas  der  Grafschaft  Besalü  vertrieben  wurden.  Andere  Aebte 
worden  gemäss  der  strengen  Begel  des  heiligen  Benedict  ängesest 
Jede  einzelne  Abtei  wurde  verpflichtet,  einen  Beitrag  for  das  «Wesk 
des  heiligen  Petras*'  *)  za  geben«^  Es  waren  6  Abteien ,  nnd  die  „Com- 
niea*'  von  Besalü,  woselbst  eine  Zeillang  ein  Bischof ,  vielmehr  Chor« 
bisohof  im  Bisthum  Urgel,  angestellt  war. 
oo,^  Im  Jahre  1078  brachte   derselbe  Legat  Amatns   ein  Concil  a 

▼OB  Oerona  zu  Stande,  in  welchem  derselbe  13  CanoneB  erlieea.  Sie  sind 
1078. '  gerichtet  gegen  die  Ehen  der  Geistlichen,  gegen  Simonie,  scUiessa 
die  Sohne  von  Klerikern  von  priesterlichen  Worden  ans,  ezcommniii- 
oiren  Kleriker,  welche  Waffen  tragen,  scharfen  die  Tonsur  em,  ?s^ 
bieten  den  Ellerikem  einen  Bart  zu  tragen,  verbieten  Elhen  zwisdiea 
Blutsverwandten,  gebieten,  den  Zehenten  der  Kirche  zn  geben,  — 
Diese  Beschlüsse  unterzeichnen  nach  dem  Legaten  Amatns  —  Berat- 

[  gar  von  Gerona  (1050  —  1093),    Berengar  von  Vieh  (1078  —  1099), 

Raymund    von   Elna,    Raymund  von   Roda,    Humbert    von    Baro»- 

'  lona  (1069—1085).  —  Ghiifred  von  Narbonne,  der   sich  dem  Fapite 

gegenüber  auf  den  Fuss  völliger  Gleichheit  stellte,   oder  sich  von  3is 

»:  emancipiren  wollte,  war  auf  zwei  romischen  Synoden   excommmiidit 

worden.  In  die  Zeit  von  1068 — 1085  fallt  auch  in  der  M^Affd' 
Schaft  von  Barcelona  die  Ersezung  der  spanischen  durch  die  rSmiiok 
Liturgie*). 


')  censum  constitui  od  opta  Beati  Petri, 

')  Aguirre-CatcUani,  IV,  444.  —  Mawn,  t  XX,  p.  491 — 492;  p.  StS- 
620.  —  E»p.  sagt.,  t.  43,  p.  237-^239.  -  T^ada,  lU,  138-^140. 


Viertes    Kapitel. 

Die  Christeii  unter  den  Haaren  (900—1085). 

Es  ist  nicht  möglich,  auch  nur  im  Entferntesten  eine  Geschichte 
'  Mozaraber  in  dieser  Zeit  zu  schreiben,  die  ohne  allen  Zusammen- 
ig  unter  sich  ihre  Existenz  mühsam  gegen  die  Araber  vertheidigten, 
1  deren  einzige  Hoffiiung  in  dem  Fortschritte  der  Eroberungen  der 
risten  bestand.  Das  Christenthum  ging  in  Africa  völlig  unter,  weil 
dortigen  Christen  in  keiner  Berührung  mit  den  Christen  anderer 
ader  standen.  Die  Christen  in  dem  nuturischen  Spanien  hielten  und 
leiten  sich,  weil  ihre  Verbindung  mit  dem  christlichen  Spanien  nicht 
geschnitten  werden  konnte.  Wie  es  den  Christen  zunächst  in  Cor- 
ba  von  der  Mitte  des  neunten  bis  zur  Mitte  des  zehnten  Jahrhun- 
is  ging,  wissen  wir  nicht.  Wir  verdanken  es  einem  günstigen  Zu- 
e,  oder  dem  Ansehen  des  deutschen  Elaisers  Otto's  I.  auch  unter 
1  Mauren^  dass  wir  aus  den  Jahren  950 — 970  einige  Künde  über  die 
;e  der  Christen  zunächst  in  Corduba  haben. 


Der  Chalife  Abderrhaman  III.  (912—961),  der  grosste  und  glück- 
iste  unter  den  arabischen  Herrschern  in  Spanien,  war  m  sich  kein 
rfolger   der  Christen,   aber   dennoch  brachen  zu   seiner  Zeit  spora- 
che  Verfolgungen  aus.    Die  heilige  Argentea  litt   zu  Cordoba  den  dio  u. 
xtyrtod,  zugleich  mit  dem  heiligen  Vulftura,  im  Jahre  931.    Argentea  ^^^' 
tpmte  aus   der  Stadt  oder  dem  Orte  Bibistro  (Bigastro?)   in  Anda-        ^ 
ien,   dessen  Lage  sonst  nicht  bekannt  ist.    Dieser  Ort   wurde  im 
ire  929  zerstört.    Darum  zog  Argentea  mit  ihren  Brüdern   und  an- 
u  Landsleuten  nach  Cordoba,  wo  sie  auch  unter  den  Mauren  als 


442  Zehntes  Bach.    Viertes  KapiteL 

Tochter  des  vomehmsten   Christen  in  Bibistro    bekannt   wurde.    Ihr 
Vater  hicss  Samuel,    ihre  Mutter  Columba.     Argentea  entsagte  der 
Welt  und  kam   besonders   den  Nothleidenden    zu  Hilfe.    Nach  den 
Tode  ihrer  Mutter  sollte  sie  die  Leitung  des  Hauswesens  übernehmen,  al» 
sie  weigerte  sich  dessen.    Damals   lebte   ein  Religiöse    in   der  Stadt, 
ganz  ergeben  dem  Fasten  und  den  guten  Werken,  brennend  vom  Ye^ 
langen  nach  dem  Martyrium.    Gleiches  Verlangen  erglühte  nun  in  Ar- 
gentea und  zugleich  in  zwei  Jungfrauen  ihrer  Umgebung.    Sie  trat  i 
schriftlichen  Verkehr  mit  dem  Mönche,   der   ihr  antwortete,  dass  dk 
eine  Ton  ihren  Gefahrtinen   den  Tod  vor  ihr  erleiden  werde,   dass  & 
andere  nicht  als  Martyrin   sterben   werde,   dagegen   sie,    die  Argentei^ 
wenn   auch   erst  nach   einiger  Zeit.    Freudig    bereitete   sich  Argentei 
durch  Fasten    und  andere  gute  Werke  auf  ihr  Leiden  vor.    In  ema 
der  Kämpfe,  welche  Abderrhaman  lU.  mit  den  Gegnern  seiner  Hen^ 
schafl  führte,  wurde  Bibistro  zerstört.  —  Als  Argentea  nach  dem  Todi 
ihres  Vaters  nach  Corduba  gezogen  war,  wurde  sie  vollendeter  in  jedff 
ner  hl.  Tugend.    Der  Gallier  Vulfura  kam  nach  Cordova,  tun  den  Mauren  da 
^^^*' wahren  Glauben  zu  predigen,  und  wurde  in  das  Gefangniss  gemada 
Dort  besuchte  ihn  Argentea,  und  bekannte  sich  offen  als  Christin,  b 
Gefangnisse  blieb  sie  standhaft.    Beide  wurden    zum,  Tode   yemitlNi 
und  enthauptet  am  13.  Mai  931.    In  der  Nacht  nahmen  die  Christa 
ihre  Leichname  hinweg,  und  begruben  in  Gegenwart  des   Bischofs  ds 
Leib  der  heiligen  Argentea  in  der  Kirche  der  drei  Märtyrer,  denTil- 
fura's  in  einer  andern  Kirche.     „Bis  heute, ^  sagt  der  unbekannte  Be 
richterstatter,  „erglänzen  sie  unter  uns  in  Wundern  ohne  Zahl,  bda 
sie  die  Kranken  von  verschiedenen  Leiden  befreien;    obgleich   geireiBl 
durch  den  Ort  des  Begräbnisses,  wirken  sie  vereinigt  Wunder^'). 


§.  2. 

Seit  dem  Jahre  864  sind  wir  keinem  Bischöfe  von  Cordnba  be 
gcgnct,  in  welchem  Jahre  Valentius  verdrängt,  und  Stephanus  euet- 
drängt  wurde.  Im  Jahre  931  wird  ein  Bischof  erwähnt,  sein  N»* 
Bischöfe  aber  verschwiegen.  Es  könnte  der  Bischof  Joannes  vom  Jahre  SS 
Cordova  ^^^°«  Sicher  scheint  es ,  dass  die  Reihenfolge  der  Bischöfe  v» 
Jahre  864  an  nicht  unterbrochen  wurde,  obgleich  wir  schwache 
nung  haben,  dass  ihre  Namen  je  bekannt  sein  werden. 


')  Wie  S.  Jacobns  in  Compostella  and  die  heilige  Catharina  am  Sinti 
Berganza ,   Franc,   0,  S,  B.,  la  Oronica  del   Real   monasterio  «f«  ^ 
Pedro  de  Cardenna  (Antiguedxides  de  Espana),  Madr,   1719,  2  foL,  Üb.  ^ 
cap.  7.  —  Florez,  X,  3  edicion,  p.  475—481.  —  Adu  eorum,  p.  o88-S$4. 


Abderrhaman  IIL  und  Otto  I.  443 

Die  Christen   genossen   unter   Abderrhaman  III.   eine  theilweise 
Duldung.     Die  Kriege  mit  den  christlichen  Reichen  in  Spanien  ruhten 
eine  Zeitlang.    Als  im  Jahre  951    sein  Kampf  mit  den  Fatimiden  in 
Afirika  aufs  Neue  ausbrach,  sandte  er  an  Kaiser  Otto  I.  Bevollmäch- 
tigte,   um   Friede  und  Freundschaft  ihm  anzubieten,   an   deren  Spize 
ein  christlicher  Bischof  stand.    Die   Gesandten   überreichten  Ehrenge- 
schenke  und  einen  Brief  ihres  Herrn,   dessen  Inhalt  die   christlichen 
Gefühle  des  Kaisers  verlezte.    Die  Gesandten  wurden  nicht  freundlich 
behandelt;  Otto  I.  traute  der  Aufrichtigkeit  des  Chalifen  nicht.    Drei 
Jahre  wurden  sie  in  Deutschland  zurückgehalten.    Dann  schickte  Otto 
I  selbst  Gesandte  nach  Cordova,  theils,  um  die  Angriffe  auf  die  Christen 
abzuwehren,  sodann,  weil  er  hofile,  mit  Hilfe  des  Chalifen  die  räuberi- 
;  flehen  Araber    von    Frainet   in    den   westlichen    Alpen    zu    verdrän- 
:  gen,  welche  die  Oberhoheit  des  Chalifen   anerkannten.    Nach  langem 
i  Soeben  bot  sich   freiwillig  Johannes,  Mönch   im  Kloster   Gorze   bei  joannti 
r  Metz,  an,  als  Gesandter  nach  Cordova  zu  reisen.    Ihn  begleiteten  der    ''^^ 
',  Kaufmann  Ermenhard  aus  Verdun,  der  öfters  in  Spanien  gewesen  war, 
Graraman,    ein   im   Schreiben   gewandter  Klosterbruder,   und   mehrere 
Diener.    An  diese  schloss   sich   ein  spanischer  Priester   an,  Begleiter 
des  erwähnten  spanischen  Bischofs,  der  in  Deutschland  gestorben  war. 
< —  In  dem  Leben  des  Johannes  von  Gorze  steht  ein  Bericht  über  seine 
Gesandtschaft 

§.  3. 

Im  Herbste  953  verliess  Johannes  Deutschland  mit  einem  Brief  des  reiat 
Kaisers  und  dem  Auftrage,  ihn  dem  Chalifen  selbst  zu  überreichen.  °*^ 
Die  Reise  ging  über  Toul,  Langres  und  Dijon  nach  Lyon.  Auf  der  96s. 
Rhone  wurden  die  Gesandten  von  Räubern  geplündert;  kaum  retteten 
sie  das  Leben  und  einen  Theil  ihrer  Habe,  lieber  Barcelona  kamen 
sie  in  die  erste  Stadt  der  Araber,  nach  Tortosa.  Hier  mussten  sie 
einen  Monat  warten,  bis  Antwort  von  dem  Chalifen  kam.  Eine  halbe 
Meile  von  Cordova  erhielten  sie  Wohnung  in  einem  Palaste,  der  dem 
Sohne  des  Chalifen  gehörte.  Dort  sollten  sie  angeblich  drei  Mal  drei 
,  Jahre  auf  Audienz  warten.  Der  Chalif  hatte  Kenntniss  erhalten,  dass 
Otto's  I.  Brief  Angriffe  auf  die  Lehre  Muhamed's  enthalte,  da  doch 
jedes  derartige  Wort  unter  Todesstrafe  verboten  war.  Selbst  der  Chalif 
sollte  sterben,  wenn  er  das  Todesurtheil  nicht  vollziehe.  Das  Volk  der 
Mauren  war  gereizt.  —  Der  Chalif  suchte  vergebens  den  Mönch  zn 
bestimmen,  den  Brief  Otto's  zurückzubehalten.  Nach  einigen  Monaten 
kam  ein  spanischer  Bischof,  und  erklärte  dem  Johannes,  dass  er  Au- 
dienz erhalten  werde,  falls  er  nur  die  Geschenke  überreiche,  den  Brief 
aber  nicht.    Johannes  zürnte  dem  Bischof,   der  ihm  zurouthete,   gegeA 


444  ZelinteR  Baeli.    Tfertei  KapHel. 

Eiire  und  Gewisaen  zu  handeln.  Er  sagte  zu  ihm:  „Ich  bore,  imh 
ench  sogar  beschneiden  laast,  und  der  Speisen  euch  enthaltei ,  die  ik 
Arabern  verboten  sind."  Hierin,  meinte  der  Bischof,  hätten  »ciinDdi 
ChriBten  der  frühem  Zeit  nachgegeben.  Der  Chalife  drobte  nim.- 
Nur  an  Sonntagen  durften  er  und  seine  Begleiter,  unter  Escort«  n 
12  Personen,  in  eine  nahe  Kirche  geben.  Eiumal  anf  dem  Wfp» 
die  Kirche  erhielt  er  einen  Brief  des  Chalilen,  dass,  wenn  et  nÜt 
nachgebe,  alle  Christen  im  Reiche  hingerichtet  werden  würden,  t» 
nen  ausgenommen.  „Bedenke,"  hiess  es,  «wie  die  Seelen  it 
Ermordeten  dich  vor  Gott  anklagen  werden".  Er  antwortet«  i» 
Chalifen  voll  Math  and  Gottvertranen,  er  müsse  den  Auftrag 
Herrn  vollziehen.  —  Indess  fand  man  den  Aueweg,  eine  nene  Gc«* 
Schaft  an  König  Otto  zu  senden,  ob  er  etwa  dem  Johann  neoeVri» 
or  ungsbefeble  senden  werde.  Als  Gesandter  bot  sich  Kecesmund  «i. 
'^  strenger  Christ,  beschäftigt  in  der  Kanzlei  dea  Chalifen,  weil  «  k 
1.  Lateinische  und  Arabische  verstaDd.  Er  verlangte  aber,  dass  Mit 
erledigte  ßiethum  Elvira  übertragen  würde.  Es  geschah.  Er  «u  »■ 
Laie,  erhielt  sogleich  die  heiligen  Weihen,  wurde  als  Biscbof 
sezt  und  trat  ohne  Verzug  die  Keise  an.  In  zehn  Wochen  ku  « 
nach  Gorze  und  zum  Bischof  Adalhero  von  Metz.  Im  Man  956 
pfing  ihn  Otto  I.  zu  Frankfurt.  Johann  erhielt  den  Auftrag,  den  ftV 
hem  Brief  zu  unterdrücken,  die  Geschenke  zu  überreichen,  dieZuräi- 
ziebimg  der  Räuber  von  Gardo-Frainet  in  den  Alpen  zu  verlaigts, 
und  ein  Freuudschaftsbündnias  mit  dem  Chalifen  zu  scbliessen.  Doiä 
aus  Verdun  wurde  mit  neuen  Geschenken  und  einem  ncnen  Siiral« 
des  Kaisers  an  den  Chalifen  abgesandt,  worin  über  Muhamed's  W* 
Nichts  gesagt  war.  Zu  Ende  des  März  verlieasen  Recesmniid  • 
Dudo  Gorze,  im  Anfang  des  Juni  waren  sie  in  Cordova.  Der  CM 
liess  nun  zuerst  den  Johann  und  die  Seinigen  mit  seinen  Gesctoö 
„  eintreten.  Da  Johann  sich  in  andere  Kleider  hüllen  sollte,  sanda  ■ 
'"  der  Chalif  10  Pfunde  Silbers;  er  aber  gab  sie  sogleich  an  die  Aj* 
erklärend,  andere  lOeider  kann  ich  nicht  anziehen,  denn  es  ist  ** 
die  Kegel  meines  Ordens,  Der  Chalif  entgegnete:  „Daran  erkenM" 
den  unbeugsamen  Sinn  des  Mannes;  doch,  ich  will  ihn  sehen." 

Am  Tage  der  Audienz  war  der  ganze  Weg  von  dem  PalisB« 
der  Stadt  bis  zum  Palaste  des  Chalifen  auf  beiden  Seiten  mit  Krif!* 
besezt.  Fusssoldaten  standen  hier,  die  Lanzen  auf  die  Erde  gesi^ 
dort  andere,  die  ihre  Speere  in  die  Lufl  warfen  and  kriegerische^ 
anftührten.  Unter  diesen  standen  leichtbewaflfaete  Reiter,  und  •* 
zurück  die  schwerere  Keiterei,  die  ihre  Pferde  tummelte.  Das  Ei«* 
war  (es  war  eben  Sommerszeit)  ganz  trocken,  Alles  in  Staub  emg«* 
Vornehme  Hofbeamte  führten  die  Gesandten  in  den  Pallast,  (i<ä* 
höchster  Pracht  erglänzte. 


BiBohOfe  im  minriflohen  Spanien.  446 

Der  Chalif  reichte  dem  Johann  die  innere  Seite  der  Hand  zum 
nsse,  was  nur  wenigen  Auserwählten  zu  Theil  wurde.  Dann  liess  er 
n  auf  einem  Sessel  Plaz  nehmen.  Er  lobte  den  Muth  und  die  Um- 
cht  des  Mönches,  der  nun,  obgleich  vorher  sehr  gereizt,  auch  be- 
üftigt  war,  nachdem  er  drei  Jahre  hatte  warten  müssen  auf  diese 
udienz.  Dann  wurde  die  zweite  Gesandtschaft  eingeführt,  welche  in 
^hann's  Gegenwart  ihre  Geschenke  überreichte. 

Nach  einiger  Zeit  wurde  Johann  wieder  zu  dem  Chalifen  berufen,  johan- 
jr  die  Macht  und  das  Heer  Otto's,  aber  mehr  noch  sein  ^igßi^cs  "^^'^^ 
hmte.  Johann  meinte,  er  kenne  auf  der  Welt  keinen  König,  „der  so 
el  Land  und,  ein  so  mächtiges  Heer  besizt,  als  unser  König.^  Der 
halife  tadelte  an  Otto,  dass  er  nicht  die  ganze  Gewalt  in  seinen 
änden  behalte,  sondern  den  Seinen  eine  grosse  Selbstständigkeit  ge- 
ähre,  und  ihnen  Theile  seines  Kelches  überlasse.  Er  befordere  da- 
irch  den  Uebermuth  und  Troz  der  Grossen,  wie  erst  kürzlich  sein 
^hwiegersohn  Conrad  ihm  den  eigenen  Söhn  (Liudolf)  verführte  und 
e  Ungarn  in  das  Land  rief.  —  An  dieser  Stelle  bricht  der  Bericht 
özlich  ab.  Das  Räubemest  in  den  Alpen  wurde  nicht  eingezogen, 
»ndern  von  den  benachbarten  Fürsten  allmälig  gebrochen.  Im  Jahre  960 
urden  die  Araber  von  Set.  Bernhard  vertrieben,  fünf  Jahre  später  aus 
jr  Gegend  von  Grenoble^). 

§.4. 

Die  Wohnung  des  Johannes  von  Gorze  war  in  der  Nähe  der 
irche  von  San  Martin,  welche  er  drei  Jahre  lang  an  den  Sonn-  und 
esttagen  besuchte^).  —  Zu  ihm  kam  im  Jahre  956  (oder  957)  ein 
ischof  Namens  Joannes,  von  dem  Florez  annimmt,  er  sei  Bischof 
)n  Corduba,  „da  es  eben  seine  Sache  gewesen,  für  die  ihm  anver- 
auten  Christen  zu  sorgen^').  Von  einem  andern  Bischof  Joannes 
m  Corduba  ist  in  der  gothischen  Bibel  von  Toledo  die  Bede^),  und 


0  Vita  Johannü,  abbat.  Oorziensis  (f  973)^  auct.  Johanne,  abbat,  S.  Ar* 
dfi  (in  Metz),  Monum,  Qermaniae,  scr,  IV,  335—377  (g^eBchrieben  980,  reicht  bis 
m  Jahre  956).  cf.  Acta  Sctor.,  27.  Febr.,  Febr.  III,  p.  686—690—716.  — 
abülon,  Act.  0.  S.  B.,  V,  p.  365 — 412.  —  Contzen,  die  Geschichtschreiber  der 
chsischen  Kaiserzeit,  p.  126—135.  —  Ofrörer,  Rirchengeschiohte,  III,  3,  p.  1595, 
Ofrörer,  Greschichte  Gregor'a  VII.,  t.  IV,  p.  235.  —  Oiesebrecht,  Geschichte 
r  deatochen  Kaiserzeit,  2.  Aufl.,  1861,  p.  503—512,  779,  825—826. 

')  Ad  ecdesiam  proximam,  quae  erat  in  Tumore  8.  Martini,  Vita,  cp.  118, 
^4.  —  Florez,  X,  236  (edic  3.).  —  cp.  122  heisst  erniur:  „epuoopus  quidam 
>annes.^ 

*)  Florez,  X,  292. 

*)  FJorez,  VII,  93. 


r  440  Zelmtes  Bncli.    Vtert«  KtjdM. 

zugleich  noch  von  mehreren  andern  Bischöfen,  wesswegen  nix  k 
Insclirift  ans  jener  Bibel  einiiigen: 

In  nomine  Domtni  Salvatorta  nostri  Jesu  Christi  axtcUiT  poi 
ip«  hujus  libri,  in  quo  ■oetua  lUimtmque  omne  »acrum  teatatMota 
tinelur,  Servandus  dive  memoria  fuit  qm  enimvero  nataa  ervdit» 
beala  apaletms  sede  poatea  Catkedram  Basligitane  meruit  loten- 
inclito  viro  coneamu  est  hie  codex  Jokanni  Sodali  tnlimwfwt  i 
etiam  post ,  . .  quam  in  hano  eximiorem  Sedem  Spatenxis  nati 
i  a   patmo    svo    beate    memoria    Stefano    sapientiaaimo    luculenlii 

onensia  Epiacopo  eriiditua  ac  Sacerdolii  ordine  dtdicatut ' 

tnginem  Sedem  miasus  est  Ejnacopus.  El  item  inde  Iranilaii* 
matpia  regieqiie  Sedis  presid  electus  ex  g»to  Sede  egregie  incdm 
para  ac  mente  decrevit  hunc  Codtcem  comple  perfectum  Domino 
ftn'e  in  mprafata  Spalensis  Seda  penes  memoriam  San<ie  semper' 
ginis  Maria. 

Decimo  Kalendas  Janvanas  Era  milesima  XXVI'). 

Diese  In-    oder   WidmuDgBschrifl   des  Codex   ist   ebe  m 

Bchäscbare  Bereichening  der  sonst  so  dunkeln  Kirchengeschiclili 

Zeit     Aus   ihr   und   andern   Quellen  erfahren   wir,    daas  Corf 

^    niaciuMs  Jahre  931  einen  Bischof  hatte.     Wir  wissen,    dass   ein   Biscbi 

t   nui»  Gegend  in  Deutschland  in  den  Jahren  950 — 953   atarb;   Tiellöt 

^^"~        es  jener  Bischof  von  Elvira,  an  dessen  Stelle  lieccsmund  im  Ji 

trat.  —  Wir   begegnen   im  Jahre  956 — 957  dem  Bischof  Join 

oder  doch    in  Corduba.     Ein   anderer   Joannes    ist   in    oder  v 

Jahre  988  sein  Nachfolger,   der   von   dem  Bisthnme  Cartagcoa 

stro)  nach  Corduba  veraezt  wurde.     Er   hatte   seine  Erziehun:; 

Kirche  von  Hispaüs  erhalten.     Sein  Oheim  Stephanus,  gleiclil! 

noniker  an  derselben  Kirche,    und    von    da  Bischof oiwj 

worden,  war  wohl  im  Jahre  988  schon  gestorben.  Am  nächst 
zu  vermuthen,  er  sei  Bischof  von  Sidonia  gewesen;  auch  0 
könnte  gemeint  sein;  aber  von  688  bis  1188  erscheint  keia 
dieser  Stadt,  während  Asido  noch  im  zwölften  Jahrhundert  einen 
hatte.     Servandus,   gleichfalls   vor    988    gestorben,    war  Bisci 


')  Der  Anctor  nnd  Besizer  dieser  Schrift  des  Alten  und  Neneo  Tc« 
war  Servandus  eeltgcn  Andcnkena,  der  geboren  nnd  erzogen  in  der  Kliebt 
Villa,  später  das  Biathum  von  Baati  (oder  Astigi)  crlugte.  Er  gab  äicif 
Beinern  innigsten  Freunde  und  Genossen  Joannes,  der,  wie  er,  erzogen  bei  A 
von  Sevilla,  und  naterwicsen  von  seinem  Oheim,  dem  weisen  nnd  herrlichen 
des  Sizea  von  (Aaido?)  als  Bischof  nach  Carlhagena  entsendet,  von  da  »f« 
Bistlium  der  herrlichen  KfJnigsstadt  Cordoba  veraeEt,  noch  kräftig  in  Geisii 
diesen  Codex  der  Kirche  von  Sevilla,  dem  Size  der  seligsten  Jnngfraa  Maria  ^ 
den  23.  Dccembcr  988. 


BfifleBmnnd  von  Elvirt  und  Lnitpnmdna  von  Cremoiui.  447 

sti,   wahrscheinlicher    (nach   Florez)    von   Astigi    gewesen.   —  Im 
bre  937  war  Jnlianus  Erzbischof  von  Sevilla. 

So  finden  wir  in  der  Mitte  des  zehnten  Jahrhnnderta  besezt  die 
jthümer  Sevilla,  Cordnba,  Attdo?,  Astigi  oder  Basti,  Cartagena, 
^ira,  und  wir  dürfen  annehmen,  dass  die  übrigen  südspanischen 
ithümer  noch  nicht  verwaist  oder  eingegangen  waren. 

§.  5. 

In  dem  Verzeichnisse  der  Bischöfe  von  Elvira,  welches  der  Codex  Reeas- 
milianennsj  verfasst  zwischen  962—974,  enthält,  befindet  sich  der  ^^J- 
me   des  Bischofs   Recesmund    (Regimund,  Becemnnd)  nicht  mehr,    nnd 
Icher  um  957—958  Bischof  von  Elvira  wurde.    Die  beiden  lezten   ^'"* 

prftnttT« 

imen  sind  Pirricius  und  Gapius,  welche  einen  fremdartigen  Edang  cremo- 
Den.  Indess  auch  einen  zweiten  Elipandus  finden  wir  nicht;  dennoch  ^^ 
:  der  eine  und  einzige  wirklich  gelebt  Recesmund  traf  und  lernte 
r  seiner  Reise  nach  Deutschland  den  spätem  Bischof  Luitprand  von 
emona  kennen  (956),  der  mehrere  Jahre  in  Deutschland  in  der  Ver- 
inung  lebte,  aber  bei  Otto  hohen  Einfluss  erlangte.  Recemund  bat 
1  Luitprand,  dass  derselbe  eine  Geschichte  seiner  Zeit  schreiben 
»ge.  Luitprand  begann  dieses  Werk  im  Jahre  958,  das  er  „Antapa- 
m^',  die  Wiedervergeltung,  nannte^).  Die  drei  ersten  Bücher  um- 
sen  die  Zeit  von  893 — 931,  verfasst  von  dem  „Diakon^  Luitprand 
hrend  seiner  Verbannung,  an  Recemundus,  den  Bischof  der  Kirche 
1  Elvira  in  der  Provinz  Spanien').  Er  nennt  ihn  „den  ehrwürdigen 
3r  Heiligkeit  vollen  Herrn  Recemundus,  Bischof  der  Liberitanischen 
rche^.  Zwei  Jahre  habe  er  gezögert,  den  dringenden  Wunsch  Re- 
nuud's  zu  erfüllen^  die  Thaten  der  Kaiser  und  Könige  von  ganz 
ropa  darzustellen.  —  Ek*  beginnt  mit  der  Beseznng  des  Alpenpasses 
ainet  (Fraxineium)  nicht  weit  von  Frejus,  durch  spanische  Mauren. 
Higuera  und  die  spanischen  Geschichtsdichter  haben  den  Luit- 
kud,  Diakon  von  Pavia  und  Bischof  von  Cremona  zum  Subdiakon 
:  Kirche  von  Toledo  und  spanischen  Geschichtschreiber  gestempelt, 
1  ihn  als  Verfasser  des  „ChrorUcon^  und  der  „Adversaria^  einzu- 
imuggeln  gesucht.  Higuera  lässt  den  Bischof  „Tractemundus"  (statt 
cemundus)  an  Luitprand  schreiben,  dass  er  sich  in  der  Stadt  Gra- 
ia  ganz  nahe  von  Elvira  unter  den  gläubigen  Mozarabern  befinde, 
ese  Romane  zu  lesen  würde    sich  der  Mühe  nicht  lohnen,   wenn 


*)  Der  Herausgeber  in  Pertz  Monum.  O,  sagt,  Reoesmond  sei  vom  6.  Januar 
Palmsonntag  in  Frankfurt  gewesen,  dann  aber  im  Juni  naeh  Corduba  zurfickge» 
irt     Otto  weilte  sowohl  im  Jahre  956  als  958  in  Frankfurt 

')  ad  Rtcemundum^  Hispqniae^otnnciae  IMerüanae  ecdeaiae  episcopunk 


ucui  ouuuu  uuu  iiiuMiiuigcr  /xuutjrruiuuttu »  n±,  yijuij, 
gewidmet.  Eb  war  natürlich  arabiacli  geecliriebeD.  Der  ] 
Arabist  Beinh.  Dozy  hat  es  aii%efa&deD,  welcher  es  i 
Franz  Xaver  Simonet  in  Gh-anada  mittlieilte,  □.  a.  nait 
kend:  H.  Florez  wäre  entzückt  gewesen,  wenn  er  dasae 
prächtige  Erpana  tagrada  hätte  benüzen  können,  Dozy  f 
in  einem  sehr  spaten  arabischen  Mannscripte.  In  ei 
mit  einer  historischen  Einleitong  nnd  Erklämngen,  g 
net  herans"),  —  Aas  arabischen  Schriftstellern  war  beka 
BiBchof  Rabi  Ben  Zaid   ans  Cordoba   stammte,    dass    er 

Bmm-  Abderrbamau'B  IH.  mehrere,  anch  artistisdie Reisen  machte, 
«u"«-  ^^'"   Schaze   Alhacam's   IL    die   astronomischen   Stadien 

Mner.  mehrere  astronomische  Schriften  ver&sste,  n.  a.  einen  trel 
nomischen  and  Arznei-Ekalender,  den  er  diesem  Uonart 
genannt  das  Bach  „von  der  Eintheilang  der  Zeiten   nnd 


')  Muratori,  Scriptora  rer.  Ibüie.,  II,  1,  p.  423—476.  ~- 
menta  Qnnium.,  taript.  III,  p.  264—339.  —  Dantu  op.  Mtfftu 
t.  136,  p.  769—1480.  (Dabei  «loh  Pteudo-lMÜprtmd ,  nnd  die  i 
Nicol.  Antonio  darftber;  (.  /,  58B).  —  ß.  A.  Koq?k«,  tU  vita  et 
prandi,  Berl.  1842.  —  Wattenitaeh,  Dentacblaads  GeachiditaqaeUei 
S.  Aufl.,  p.  209-212,  S43. 

*)  Santoral  Hi^aiio-Moiarabe,  eacrito  en  961  por  Rabi  Be 
de  Iliberü.  PublKodo  y  awAado  por  Don  Francüco  Javier  Sm 
tico  de  tengva  Ärabe  (en  Oranada),  Madrid  1871,  pp.  37,  —  Hei 
mich  melir  ala  irgend  ein  uiderer  Spanier  in  meinen  Arbeiten  luitf 
(Srdert  hat,  hatte  die  Gate,  mir  dieses  „Santoral"  %a  Moden.  Als 
I6t>5  in  Oranada  var,  hatte  er  eine  wichtige  Arbeit  an  Ende  geflUirt 


Becemünd*8  Sohriften.    Calendarium  Recemnnd's.  449 

heitspflege  der  Leiber".    Zwischen  den  Jahren  956 — 961  hatte  er  eine 
grössere  Reise  nach  Constantinopel  und  Jerusalem   gemacht,   von   der 
er  Marmorsäulen   von   wunderbarer  Arbeit,    welche  Abderrhaman  UI. 
in  dem  Alcazär  von  Medina  Azzahra  aufstellen  liess,   sowie  eine  ver- 
goldete und  geschnlückte  Badewanne  zurückbrachte.    Er  war  vor  dem 
16.  October  961   zurückgekehrt.    In  den  Jahren   955  —  962   hatte   er 
kaum  Zeit,  sich  längere  Zeit  in  Elvira  aufzuhalten.   —   In  seinen  Ka- 
lender vom  Jahre  961  nahm  er  die  vorzüglichen  Feste  der  Mozaraber  Kaion- 
auf,  mit  Angabe  der  Kirchen  in  Cordova,   wo   sie   besonders   g^f^^^^t  ^Rpce«** 
wurden.     Daraus  erhellt,  dass  im  Jahre  961  die  Christen  ihren  Gottes-  mnnd, 
dienst  ungehindert  übten.     Obgleich  er  die  Schrift  dem  Chalifen  wid-    ^^*' 
mcte,  so  fuhrt  er  doch  keinen  den  Arabern  heiligen  Tag  an,  und  zeigte 
dadurch,  dass  er  vorzugsweise   einen  Kalender  für  Christen   schreiben 
wollte.     Er  fürchtete  sich   nicht,   die   christlichen  Märtyrer  zu  feiern, 
welche  durch   die   Mauren  Märtyrer   geworden.     Der   arabische  Text 
des   Calenders     war    verloren.      Die    vorliegende    lateinische   üeber- 
sezang  fertigte,   wie  es  scheint,   im   dreizehnten  Jahrhundert   der   be- 
rühmte Arzt  und  Astronom  Gerhardus  von  Cremoua  (oder  Carmona), 
der  viele  andere  arabische  Werke  übersezte  ^).     Gerhardus  arbeitete  eine 
Zeit  lang  in  Toledo,  wohl  unter  dem  Seh  uz  „Alfons  des  Weisen^  ^). 

Das  Verzeichniss  der  Heiligen  ist  hier  reicher  als  das  der  gothischen 
Liturgie.  Es  waren  neu  hinzugekommen  die  Feste:  des  heiligen  Udefons 
von  Toledo;  Bekehrung  des  Apostels  Paulus,  Fest  des  heiligen  Gregor  I., 
der  heiligen  Jungfrau  Theodosia;  heiligen  Isidor  von  Sevilla;  Gregorius, 
Bischof  von  Granata;  der  Märtyrer  Victor  und  Basilius  von  Sevilla; 
Mancius  von  Elbora;  heiligen  Maria  Magdalena;  heiligen  Mames  u.  a. 

Nach  diesem  Kalender  befand  sich  der  Leib  des  heiligen  Crispi- 
nus  noch  ganz  in  Astigi;  die  Leiber  der  heiligen  Celidonius  und  Eme- 
terius  in  Calahorra;  der  heiligen  Servandus  und  Germanus  im  Gebiete 
von  Cadix;[  der  heiligen  Facundus  und  Primitivus  im  Gebiete  von 
Leon;  der  heiligen  Eulalia  in  Merida;  der  heiligen  Leocadia  in  Toledo; 
und  in  verschiedenen  Kirchen  von  Cordova  die  Leiber  des  heiligen 
Zoilus,  Acisclus,  Perfectus,  Pelagius,  und  des  Abtes  Speraindeo. 

Die  Christen  besassen  in  Corduba  und  seinem  Umkreis  mehr  als  Kirchen 
20  Kirchen  und  Heiligthümer,  von  denen  nicht  alle  bei  Florez  stehen.  *°|^^®'" 
Unser  Kalender  selbst')   hat  im  Januar   13  Feste.    Das   Fest   Christi    sei.' 


*)  Boncompagni,  della  vita  e  delle  opere  di  Gherardo  Cremonese  e  de 
Oherardo  de  Sabioneta,  Ram<iy  1851. 

')  Abubecri  Rhazae  Macmethi  opera  exquisitiora  y  per  Gerardvm  Toleta- 
num  medicum  Oremonensem  IcUinitate  donata,  Basal,  1544,  fol.  Alfons  selbst 
nennt  den  Bischof  Recemond  „Abemayt*^.  —  cf,  Libros  del  Saber  de  astronomia^ 
ed.  Rico  y  Sinobas. 

•)  Santoral  Hispano-Mozdrabe  sacado  dd  Cakndario  astronomico,  Jiber 

Oams ,  spaiL  Kirobe.   U.S.  29 


Toledo."  Sein  Fest  wurde  demnach  zur  Zeit  der  Ms 
eingeführt  Zorn  2ö.  Janoar  ist  „Pauli  BekehmDg"  , 
neaeres  Fest. 

Der  Febmar  hat  nur  vier  Feste:  Am  5.  der  heil 
—  am  12.  das  »Fest  der  heiligen  Eulalia,  welche  erm 
ist  in  der  Stadt  Barchinona.  Und  dort  ist  sie  gemartert 
Kloeter  aber  befindet  sich  in  Sehelaü  (Ort  bei  Cordoba), 
Versammlong«  (wohl  ihr  Fest  am  12.  Februar).  Ihr  i 
Kirche  und  ein  Kloster  in  dem  fernen  Cordoba  geweiht, 
die  andere  heilige  Eulalia  ilire  eigene  Kirche  hatte.  —  Ai 
ist  das  Fest  der  Kathedra  des  Apostels  Simon  Petras  an 
zu  Antiochien);  —  am  24.  Febmar  ist  das  Fest  des  Apos 

Der  März  hat  sechs  Feste:  3.  März:  Fest  der  heilig 
und  Chelidoniua,  deren  Gräber  zu  Calagurris  sind.  —  Ai 
n.  a.  »der  Eingang  Christi  zu  dem  Altäre,"  vielleicht  sc 
im  Tempel.  Simonet  meint,  es  hege  hier  eine  Brioneru 
des  Bischofs  in  den  Orient  vor.  —  Am  12.  März  haben 
das  Fest  Gregor's,  des  Herrn  von  Rom";  auch  dieses 
nenerer  Zeit  eingeführt  worden.  —  Am  13.  März:  Fest 
Leander,  Erzbischofes  von  Sevilla,  das  gleichfalls  in  der 
nicht  stand.  —  Am  21.  März:  Fest  des  Heiligen  (hier  seht 
niscfae  Uebersezer  den  arabischen  Text  nicht  verstanden  i 
22.  März:  Die  Christen  haben  das  Fest  des  Rücklaofes 
Jahres  (Sonnenstillstand),  und  es  ist  der  Anfang  der  Ze 
and  der  Beginn  der  österlichen  ZeiL  (Der  Uebersezer  I 
arabischen  Text  nicht  verstanden,  der  u.  a.  sagen  wollte, 
nie  vor  den  22.  März  falle.)     Sonst  galt  im  Mittelaltw  < 


Mozarabiscber  Kalender  vom  Jahre  961«  451 

Der  April  hat  acht  Feste«  Neu  ist  am  3.  dieses  Monats  das  FestFeuaim 
der  Theodosia,  Jungfrau;  am  4.  das  Fest  „des  heiligen  Isidor,  Erz-  ^^'^ 
bischofes  von  Sevilla^.  —  Zur  Zeit  Usuard's  (853)  wnrde  es  in  Spa- 
nien schon  gefeiert.  —  20.:  Fest  des  Märtyrers  Secundinus  (Secundus?) 
in  Corduba  in  der  Vorstadt  Tiraceo  (hier  war  das  Grab  des  heiligen 
Zo'ilus).  —  22.:  Fest  des  Apostels  Philippus  in  Jerusalem.  —  24.:  ^^Fest 
des  heiligen  Gregorius  in  der  Stadt  Granata.^  Elvira  hiess  demnach  Qrego- 
schon  961  Granata;  da  Gregor  Bischof  von  Elvira  war,  so  ist  Elvira  '^^  ^• 
und  Granada  der  nämliche  Ort.  Femer  war  die  Feier  Gregor's  nur 
auf  Granada  beschränkt,  wurde  aber  wahrscheinlich  schon  vor  853  be- 
gangen, weil  ihn  Usuardus  in  sein  Yerzeichniss  aufgenommen  hat  Als 
ich  in  Granada  war  (Februar  1865),  fand  ich  keine  Spuren  einer  Ver- 
ehrung desselben,  seine  Messe  ist  dort  de  „Cammuni  Pontificum^.  Ich 
ersuchte  Herrn  Simonet,  zu  ermitteln,  ob  eine  unansehnliche,  längst 
eingegangene  Kirche,  die  die  Inschrift:  159L  trug,  diesem  Gregor  oder 
dem  römischen  Papst  gewidmet  war;  er  konnte  nichts  Bestimmtes  er- 
fahren, und  erfuhr  überhaupt  erst  von  mir  Etwas  von  der  Gregorius- 
frage.  Gregorius  war  nie  ein  Heiliger  des  Volkes ,  aber  auch  nicht  der 
Kirche,  so  wenig  als  Julianus  von  Toledo,  über  dessen  Verehrung 
oder  Fest  unser  Kalender  schweigt^).  —  25.  April:  Ist  der  lezte  Tag 
des  Osterfestes  (das  nicht  nach  diesem  Tage  einfallen  kann).  An  die«> 
Sern  ist  das  Fest  des  Evangelbten  Marcus,  des  SChfllOrS  PCtri,  in 
Alexandrien;  dieses  Fest  fehlt  in  der  alten  spanischen  Liturgie.  — 
27.  April:  Die  Christen  nennen  diesen  Tag  „die  Sieben^  (i.  e.  die 
Apostelschüler),  den  Torquatus  und  seine  Gefährten;  sie  selbst  nennen 
8ie  die  sieben  Gesandten  (nunüos).  Die  sieben  Tage  vom  27.  April 
bis  3.  Mai,  deren  Mittel  der  erste  Mai  war,  waren  dem  Andenken  der 
Siebenmänner  gewidmet,  ein  neuer  und  erfreulicher  Beweis  ihrer  hohen 
Verehrung  auch  im  Mittelalter.  —  30.  April:  Fest  des  heiligen  Perfec- 
tos;  sein  Grab  ist  in  der  Stadt  Corduba. 

1.  Mai:  Fest  des  Torquatus  und  seiner  Gefährten;  sie  sind  die^^^i^ 
sieben  Boten.  Seine  Festlichkeit  ist  in  dem  Kloster  Gerisset  und  dem  uaL 
Ort  Keburiene.  (Beides  von  unbekannter  Lage).  —  2.  Mai:  Fest  des 
Diakon's  Felix,  Märtyrers  in  SeviUa.  —  3.  Mai:  Diess  ist  der  lezte 
der  Tage,  welche  die  Christen  die  „sieben  Boten^  nei^nen.  Diess  ist 
zugleich  das  Fest  des  heiligen  Kreuzes;  denn  an  ihm  ward  das  Kreuz 
gefunden,  das  in  Jerusalem  begraben  war.  Die  Festfeier  ist  in  dem 
Erlöster  Penamelaria  und  in  dem  Kloster  Catinas  (?).  —  4.  Mai:  Fest 
der  Jungfrau  Treptecis  in  der  Stadt  Estica.  —  Diese  Heilige  steht 
nicht  im  gothischen  Brevier,  vielleicht  ist  sie  auch  aus  der  Zeit  der 
Mauren,  in  welcher   das   alte  Astigi   den  hier   schon   vorkommenden 


»)  K.-G.  I,  174;  n,  1,  p.  311. 

29 


452  Zehntes  Bach.    Viertes  KapiteL 

Namen  Estica  (Ecija)  annahm.  Simonet  vermuthet  hier  eine  Verwecb- 
lung  mit  der  heiligen  Florentina,  die  sonst  am  20.  Juni  vorkommt 
Da  ihre  beiden  Brüder  in  diesem  Kalender  stehen,  so  wird  sie  aller- 
dings in  ihm  gesucht.  —  7.  Mai:  Fest  der  Esperenda,  Martyrin,  ^und 
sie  ist  in  Corduba.  Ihr  Grab  ist  in  der  Kirche  des  Ortes  Atirez* 
(Tiraceo?).  Simonet  denkt  hier  an  den  Abt  Speraindeo,  der  aber  kein 
Märtyrer  war.  —  12.  Mai:  Das  Fest  des  Victor  und  Basilins  in  S^ 
villa.  Sie  kommen  weder  in  der  alten  Liturgie,  noch  in  dieser  Zu- 
sammenstellung in  den  Martyrologien  vor.  —  20.  Mai:  Das  Fest  des 
Mjirtyrers  Baudilius  aus  Nismes,  ist  aus  Gallien  gekommen.  —  21.  Msi: 
Das  Fest  des  (Märtyrers)  Mantius  in  Elbora  wurde  vielleicht  id  Söd- 
Spanien  schon  in  der  Gothenzeit  gefeiert. 
Feste  im  Der  Juui  hat  10  Feste.    3.:  Feier  der  Uebertragnng  des  Leib« 

^"°'*  des  Apostels  Thomas  aus  seinem  Grabe  in  Indien  in  der  Stadt  (jhr 
mina  nach  Edessa,  sonst  am  3.  Juli  gefeiert.  —  13.:  Fest  der  beiliga 
Julitta  (im  Orient).  —  16.  (sonst  17.):  Hadrian  und  Genossen  in  Nt- 
comedien.  —  17.:  Das  Fest  (Hadrian's?)  in  dem  Kloster  Lanitos.- 
18.:  Fest  des  Quiriacus  und  der  Paula,  Märtyrer  in  Cartbagena,  i.  ei 
Cartbago*),  welche  auch  in  dem  gothischen  Brevier  stehen.  „IhrFed 
ist  auf  den  Höhen  von  S.  Paul^  in  der  Nähe  von  Corduba.  - 
19.:    Fest  der  heiligen  Maityrer  Gervasius  und  Protasius  in  Maüaiid. 

—  24.:  Fest  Johannes  des  Täufers,  den  auch  die  Muselmänner  in 
Spanien  feierten.  —  26.:  Fest  des  Pelagius.  Sein  Grab  ist  in  der 
Kirche  Tarsil  (bei  Corduba).     Märtyrer  wurde    er    erst    im  Jahre  9?i 

—  27.:  Fest  des  heiligen  Zoilus^).  —  29.  Juui:  An  diesem  Tage  babrc 
die  Christen  das  Fest  der  beiden  Apostel,  welche  ermordet  worden  ir 
der  Stadt  Rom,  und  welche  sind  Petrus  und  Paulus,  und  ihre  Gnk: 
sind  daselbst.  „Und  das  Fest  Beider  ist  in  dem  Kloster  Nubiras* 
(Colubris?). 

Poiteim  Der  Monat    Juli   weist   10  Festtage  der  Christen  nach.     1.:  K- 

•^"*'-    Apostel  Simon  und  Judas,  Märtyrer  in  Persien,  sonst  am  28.  Üctobr/ 

gefeiert.   —   10.:    Fest    des    Christoforus,    sonst   am    25.    Juli   getVien^ 

„Sein  Fest  ist  in  dem  Wundergarten,    der   auf  der    andern  Seite  tod 

Corduba  sich  befindet,   jenseits    des  Flusses,    wo   die    Kranken   sind/ 

—  11.:  Fest  der  heiligen  Martiana.  —  17.  (sonst  16.):  Fest  der  kili- 
gen  Justa  und  Rufina  von  Sevilla.  „Die  Feier  Beider  ist  in  de» 
Kloster  Auliati"  (Aulia?).  —  18.:  Fest  des  Märtyrers  Speratus,  ^de^ses 
Grab  in  Carthago  der  Grossen"  ist.  —  22.:  Das  Fest  der  heilig«' 
Maria  Magdalena.  —  24.:  Fest  des  Apostels  Bartholomäus,  „dessei 
Grab  in  Indien  ist".  —  25.:  Fest  des  Cucufat,   „welcher  begraben  i» 


')  Die  Araber  nannten  das  alte  Carthago,  wie  Cartagena  in  Spanien  „CartageaM* 
')  K..G.  I,  360-362;  II,  2,  p.  302. 


KirchenfMe  der  Mozaraber.  453 

in  der  Stadt  Barcinona.  Aber  sein  heiliger  Leib  war  schon  835  nach 
S.  Denys  bei  Paris  gekommen  *).  „An  diesem  Tage  ist  auch  das  Fest 
des  heiligen  Jacobus  und  des  heiligen  Christophorus^.  Jacobus,  der 
Aeltere,  kommt  nur  hier  vor;  er  wird  an  zweiter  Stelle,  und  wird  nicht 
Apostel  genannt.  Also  war  er  im  Jahre  961  in  Südspanien  noch  nicht 
als  Patron  und  Apostel  Spaniens  bekannt  und  anerkannt.  Dass  aber 
Rabi  Ben  Zaid  der  Bischof  den  Ort  seines  Grabes  nicht  nenne,  sucht 
Simonet  so  zu  erklären,  weil  es  vielleicht  allgemein  bekannt  war;  denn 
in  dieser  Zeit  war  die  Wallfahrt  nach  Santiago  in  Galicien  berühmt 
im  Abend-  und  im  Morgenlande  und  Niemand  war'  diess  unbekannt 
in  Corduba.  Es  war  auch  Niemand  unbekannt,  dass  das  Grab  der 
Apostelfursten  in  Rom,  das  Grab  des  heiligen  Felix  in  Gerona  sei, 
und  dennoch  nennt  der  Kalender  überall  den  Ort  des  Grabes.  Alle 
Welt  sagt:  der  Papst  in  Rom,  und  alle  Welt  weiss,  dass  er  in  Rom 
ist.  Die  Erklärung  ist  verunglückt.  So  wenig  um  961  die  erwähnten 
Bischöfe  im  Nordosten  von  Spanien  dem  Grab  des  heiligen  Jacobus 
einen  Vorrang  einräumen  wollten  —  denn  die  Sache  hatte  auch  eine 
politische  Bedeutung  —  so  wenig  hielt  es  der  Bischof  von  EHvira,  der 
mit  dem  Chalifen  sOvVortrefflich  stand,  dass  er  ihm  ein  Verzeichniss 
der  christlichen  Feste  vorlegte^  für  angemessen,  die  „Jacobusfrage^  zu 
berühren.  —  26.  Juli:  Fest  der  Martyrin  Christina;  ihr  Grab  ist  in 
i  der  Stadt  Tiro  (in  Toscana,  am  See  von  Bolsena).  „Ihr  Fest  ist  in 
der  Kiische  des  heiligen  Cyprian  zu  Corduba.**  —  31.:  Fest  des  heili- 
gen Fabius,  dessen  Grab  in  der  Stadt  Cäsarea  ist. 

Der  August  weist  10  Feste  der  Christen  nach.  1.:  Fest  des  hei- Fest«  im 
Jigen  Felix,  begraben  in  Gerona,  das  in  der  Villa  Jenisen  (Froniano?)  Aof«*- 
nof  dem  Gebirge  von  Corduba  begangen  wird.  Zugleich  Fest  des 
lieiligen  Petrus  „ad  vincula^j  das  in  der  alten  Liturgie  fehlt.  —  6.:  Fest 
der  „heiligen  Justus  und  Pastor  von  Complutum^  das  in  ihrem  Kloster 
begangen  wird^.  —  7.:  Fest  des  Mames,  begraben  in  Cäsarea,  das 
irfiher  nicht  vorkommt.  —  Ebenso  10.  August:  Das  Fest  des  Bischofs 
Syxtus,  und  des  Soldaten  Hippolytus,  dagegen  „des  Archidiakon  Lau- 
rentius,  ermordet  in  der  Stadt  Rom;  ihr  Fest  ist  im  Kloster  Anubra- 
riß?**  —  15.:  Fest  der  Aufnahme  Maria's,  durch  welche  (uns)  Heil 
werde.  —  24.:  Fest  des  heiligen  Bartholomäus,  der  begraben  ist  in 
der  Stadt  Esturis  (vielleicht  Daras).  Es  mag  eine  Verwechslung  sein, 
dass  derselbe  am  24.  Juli  und  24.  August  vorkommt  —  25.:  Fest  des 
heiligen  Genesius,  begraben  in  Arles;  seine  Feier  in  der  Kirche  in  der 
Vorstadt  Tercios.  —  26.:  „Fest  des  Geruncius,  Bischofs  in  Talica."  — 
28.:  Fest  des  ^Augustinus,  des  Philosophen^.  —  30.:  Fest  des  Bischofs 


»)  K  -G.  I,  304. 


454  Zehntes  Baeh.   Yiertes  KipHeL 

Felix,  der  in  Noia  begraben  ist    Beide  leztem  Feste  smd  in  spittnr 

Zeit  eingeführt 
FMUim  ^^^  Monat  September  hat  wieder  10  Feste.     In  der  alten  litiff- 

Septem-  gie  standen  schon  —  8.  September  —   ^Mariä  Grebnrt**;   14.:  Cyprai 
'    von  Carthago,  der  „weise  Bischof^,  dessen  Fest  in  der  Kirche  sem 

Namens  begangen  wird;  20.  (21):   Apostel    und  ETangelist  Milthü«. 

den  Aglinns,  Konig  von  Aethiopien  todtete;  29:  Michael,  der  Erxengd. 

—  Nebstdem  findet  sich  am  1.  September  das  Fest  des  Bischöfe  Reo 
tinianas  ^)  nnd  seiner  Gefährten,  Märtyrer  (zu  Todi  in  UmbrieD).  - 
15.:  Fest  des  heiligen  Emilianns  (Emila),  sicherlich  des  Märtyrers  tu 
Corduba,  wie  oben  bei  Perfectns  und  Pelagins,  nennt  der  Bischof  nich 
den  Ort  des  Martyriums.  —  16.:  Fest  der  Martyrin  £npheniia  inUai- 
cedon.  —  27.:  Fest  des  Adnlfas  und  Johannes  in  Cordaba.  —  30.:  Fa- 
gang  des  Priesters  Yeronimns  in  Betlehem  nnd  Fest  des  E?angelisio 
Lucas  (dieses  sonst  am  18.  October). 

Fetiaim  Der  Octobcr  hatte  in  der  alten  Liturgie  nur  2  Feste;  hier  hat  er 7. 

^"^^•Am  13.:  Fest  der  drei  üeiligen  von  Corduba,  sonst  am  28.  Septeokr 
begangen.  —  23.:  Die  Märtyrer  Servandus  and  G-ermanus,  die  \ia 
„Mönche^  heissen.  Ihr  Fest  ist  in  dem  Orte  ^Qnartas^,  einer  TiBi 
in  Corduba.  —  29.  (sonst  28):  Fest  der  Apostel  Simon  nnd  Thaddift 

—  Neu  sind  hinzugekonmien,  1.  October:  Fest  der  Jnlia,  und  ünr 
Gefahrtinen,  die  zu  Lissabon  am  Ocean  ermordet  wnrden.  Siesol 
unter  Diocletian  gelitten  haben,  steht  aber  nicht  in  der  gotfakba 
Liturgie.  —  22.:  Fest  der  Märtyrer  Cosmas  und  Damian,  steht  in  fe 
frühem  Liturgie  am  27.  September.  —  28.:  Fest  des  „Vincentins,  dff 
Sabina  und  Christeta,  die  in  der  Stadt  Abula  durch  die  Handd^ 
Präfecten  Daciau  ermordet  wurden."  —  30.:  Marcellns,  Martyre 
in  Tingis. 

Feste  im  Zum  Novembcr  sind  15  Gedächtnisstage  angegeben.    Aus  früberc 

Novem- Zeit  Stammen:    11.:  Martinas    von  Tours.  —  18.  (17.):    Acisclos  toc 

ber. 

Corduba.  —  19.  (18.):  Romanus  von  Antiochia.  —  19.  (20.):  Crisp- 
nus  von  Astigi.  —  22.:  Cäcilia  von  Rom.  —  23.:  Clemens  von  Koa 
dritter  Bischof  nach  Petrus,  gefeiert  in  der  Villa  „Ibtilibes**? - 
29.:  Satuminus  von  Toulouse,  gefeiert  in  der  Villa  „Casas  Albas" - 
30.:  Andreas,  der  Apostel,  gefeiert  in  der  Villa  „Tercios".  —  Das  Fes: 
„Allerheiligen" -kommt  in  unscrm  Kalender  (noch)  nicht  vor.  Dageg« 
am  1 .  November  das  Fest  der  Uebertragung  des  Märtyrers  SatnnÜDO» 
in  Tolosa.  —  4.:  Das  Fest  der  Uebertragung  des  heiUgen  Zoüns^ 
seinem  Grabe  in  dem  Stadttheile  Cris  (oder  Crucis?)  in  die  Kirch 
seines  Namens  in  dem  Stadttheile  „Tiraceo".  —  6.:  Fest  des  Evangfr 
listen  Lucas.  —  7,:   Fest  des  Albarus  (Alvarus)  in  Corduba.  weick 


')  Terentiantisf 


Feste  der  Mozaraber.   Lage  der  Mozaraber.  455 

ausschliesslich   in  diesem  Kalender   vorkommt.    „Seine  Verehrung  ist 
nicht  so  sicher,  wie  die  (gute)  Meinung  von  seiner  Heiligkeit^^  ^).    Er 
war  eine  Zeit  lang  Cordubensischer  Local-Heiliger,   und   ist  es  heute 
nicht  mehr.    Um  so  schmerzlicher  wird   S.  Eulogius   in   diesem  Ver- 
:.  zeichnisse  vermisst    Entweder  hatte  er  im  Jahre  961  keinen  Cult,  oder 
i  der  Verfasser   lässt   ihn  ans  Rücksichten  weg,   das   eine   oder  andere 
L  wäre  nicht  ehrenvoll.    Was  für  ein  Priester  ,,Aemilianu8^'  am  12.  No- 
li  vember  verehrt  wurde,  wissen  wir  nicht.   —   27.:  Fest  der  Märtyrer 
:.  Facundus  und  Primitivus,  begraben  in  dem  Kloster  Sahagun. 
i  Endlich  der  December  hat  12  Feste.    Das  Fest  der  heiligen  Leo-  FwtöU 

cadia  (9.  December)  wird  begangen  in  der  Kirche  des  heiligen  Cyprian.  ^•••" 
—  Zum  10.  December  lesen  wir:  Die  Christen  haben  das  Fest  der 
getodteten  Eulalia,  und  ihr  Begräbniss  ist  in  Emerita.  Und  sie  nennen 
dieselbe  Martyrin.  Ihr  Fest  aber  ist  in  der  Villa  Careilas  (wohl  Fra- 
gellas) bei  Corduba.  —  14.  December:  Andenken  des  heiligen  Justus 
I  und  Abundius.  —  18.:  Fest  der  Erscheinung  (Erwartung)  Maria's,  der 
,  Mutter  Jesu.  —  21.:  Fest  des  Apostels  Thomas,  der  in  Indien  ermor- 

►  

j  det  wurde.   —  25.:    Christi  Geburt  —  26.:   Stephanus.   —   27.:  Fest 
,   der  Aufnahme  (in  den  Himmel)  des  Apostels  und  Evangelisten  Johan- 
j  Des.  —  28.:   Fest  des  Apostels  Jacobus,   welcher  der  Bruder  Christi 
,  genannt  wird.    Sein  Grab  ist   in  Jerusalem   (welches  Fest   sonst   am 
1.  Mai  begangen  wird).   —  29.:  Fest   der   unschuldigen   Kinder.   — 
,  30«:  Die  Martyrin  Eugenia,  deren  Grab  zu  Rom  ist,  sonst  am  12.  De- 
cember begangen.  —  31.:  Fest  der  heiligen  Columba  von  Sens,  sonst 
ebenfalls  auf  den  12.  December  fallend  *). 

Was  ist  nun  der  historische  Gewinn  aus  dieser  Schrift?  Ein 
mehrfacher  und  ein  erfreulicher.  —  Die  Mozaraber  waren  ein  Bestand- 
theil  der  katholischen  Kirche  und  nahmen  an  der  Entwicklung  ihres 
Lebens  lebendigen  AntheU.  Sie  nahmen  stets  neue  Heilige,  neue  Feste 
in  den  Kreis  ihres  Earchenjahres  au£  —  Die  Mozaraber  betrachteten 
jene  Christen,  welche  wegen  des  Christenthums  von  den  Muhameda- 
nem  getödtet  worden  waren,  als  wirkliche  Heilige,  und  erwiesen  ihnen 
kirchliche  Verehrung.  —  Die  Mozaraber  waren  vom  Jahre  864,  wo 


')  Baranda,  in  ^Coleccion  de  Documentos  intditoa^,  t  23,  p,  336, 
')  Neulich  hat  R.  Dozy  selbst  das  ganze  Werk  herausgegeben  a.  d.  T.:  ^Le 
Calendrier  de  Cordove  de  rannte  961,  Texte  arabe  et  andenne  traduction  la- 
tine,  pubia  par  R.  Dozy,  Leyde  1873.  —  p.  p.  107  (mit  einigen  wenigen  An- 
merkungen). Ldbri  hatte  eine  lateinische  Ueberseznng  schon  1838  herausgegeben. 
jB.  Dozy  fand  den  arabischen  Text  in  oder  nach  dem  Jahre  1866,  unter  den  M.  S« 
der  (niederländischen)  Nationalbibliothek.  Derselbe  ist  erst  im  vierzehnten  Jahrhun- 
dert geschrieben  und  vielfach  incorrect.  —  Mir  selbst  scheint  nicht  zweifelhaft,  dass 
die  Substanz  des  in  mehrfacher  Redaction  vorliegenden  Calenders  von  dem  Bischöfe 
von  Granada  stammt 


tcniitM  Steh  ihre  Gescliiclito  für  uns  in  Dunkel  gehüllt  hat,  bis  znm  Jahn  9(1, 
"''''"wo  ein  vorübergehendes  Licht  auf  sie  fällt,  nicht  zarückgegiogen,  linlt 
loadso.  unterdrückt  worden.     Sie  hatten  sich  besonders    unter   der  lugeiib 
gierung  Äbderrhaman's  II[.  und  seines  nächsten  Nachfolgere  eiset  ri    j 
tiv   günstigen   Behandlung   zu   erfreuen.    Sie  hatten  wenigstens  «li    ( 
Kirchen  und  Klöster,  als  864,  wahrscheinhch  mehr.     Sie  hielleoiba    l 
Gottesdienst  so  offen  und   ungehindert,   dass    sie   vor  Nicnümd,  m1    ), 
dem  Haupt  der  Mauren  nicht,  davon  Etwas  verbargen.     Wie  inü 
duba,   so   war  es  ohne  Zweifel    in   dem   ganzen  Lande.  —  thnRük    [ 
Bisehofe  stehen    hochgeachtet    und   einSussreicli  da.     Die  wenignt 
schöfe,  denen  wir  in  den  Jahren  950 — 988  begegnen,  machen  lof» 
den  Eindruck,  dass  sie  ihren  Beruf  kannten,  und  ihm  entfiprai'hciL  A 
Vorwürfe  des  Joannes  von  Gorzc  beruhen  auf  mangelhafter  KetuM 
der  Dinge,    über   die  er  urtheilte.     Recesmund   erscheint  in  dnr-lia 
vort  heil  hafte  m  Lichte.     Er  hielt  nicht  Itesidenz  zu  Elvira.    Das  tkH 
auch  die  Bischole,   darunter  selbst  Heilige  nicht,  die  mit  ülioL« 
deutschen  Staat  und  die  deutsche  Kirche  regierten.     Im  ganzen  Milri- 
alter  zogen  die  Bischöfe  mit  in  den  Krieg.     Das  war  eine  b  dfuto 
Verhältnissen  liegende  Erscheinung.     Ueberall   stehen  dieselben  tnia 
Spize  der  Gcsandtscliaf^en ,  weil  sie  überall  gleich  hoher  Acbtimgua 
erfreuten.     Recesmund  konnte   am  Hofe   zu  C'orduba   seiner  Getnnut' 
zu  Elvira  sich  viel  nüzlicher  erweisen,   als   wenn   er   immer  mla  ^ 
geweilt.     Wie  er  die  Gemütber  anzuziehen   und   zu   belierreclieii  '«■ 
stand,  ersehen  wir  aus  seinem  Verhältnisse  zu  Luitprand. 

Ist  es  einerseits  schmerzlich  tur  uns,  dass  wir  über  die  Ge6cli'd« 
der  Mozaraber  in  Spanien  in  dieser  Zeit  nicht  mehr  wissen,  so  »oll* 
wir  auch  für  das  Wenige  dankbar  sein,  dankbar  besonders  dum 
weil  wir  es  den  Beziehungen  Spaniens  zu  dem  neuen  deutscben  hai 
unter  Otto  dem  Grossen  verdanken. 

§■  ^■  I 

Ahderrhaman  HI.  war  am  15.  October  961  gestorben.  AH* 
cam  II.  regierte  bis  zum  September  976.  Sein  Sohn  HescbiolL 
zählte  nur  10  Jahre').  Der  Iladschib  Muhnmed,  bekannt  nater  ^ 
AimMi  -  Namen  Almansor,  zog  die  Gewalt  an  sich,  besiegte  die  Chrisiai  ■ 
'"■  glücklicheu  Kriegen.  Er  eroberte  und  zerstörte  Leon  (997),  Zm»» 
Astorga,  nahm  zweimal  Compostclla  (988  und  994),  und  verbräi* 
die  Kirche  des  heiligen  Jacobus.  Die  silbernen  (kleinen)  Glocken  '^ 
dem  Grabe  des  Apostels  liess  er  durch  Christen  nach  Cordova  in^ 
Selbst  Barcelona  fiel  vorübergehend   in  die  Gewalt  der  Mauren  1?^ 


')  Schäfer,  21,  202.  -  Gfrörer,  IV,  293. 


Almansor.    Gregor  YIL  im  Verkehr  mit  Spanien.  457 

Das  ganze  christlictie  Spanien  schien  aufs  Neue  den  Mauren  unter- 
worfen zu  sein.  Gegen  Almansor  vereinigten  sich  die  Könige  von 
Leon  und  Navarra,  Der  Graf  Garcias  Fernandez  von  Castilien  führte 
das  Heer.  Im  Juni  995  siegte  Almansor  bei  Alcocer  am  Duero. 
Garcias  Fernandez  schwer  verwundet,  starb  als  Gefangener.  Im 
Jahre  1000  schlug  Almansor  die  Christen  entscheidend  bei  Cervcra 
(an  der  Grenze  von  Navarra).  Sieger  in  mehr  als  fünfzig  Schlachten 
erlag  er  bei  Caltannazor;  schwer  verwundet  Hess  er  sich  nach  Medina 
Celi  tragen,  wo  er  am  1.  Juli  1002  starb.  —  Die  Christen  lebten 
i^ieder  auf.  Von  da  ging  es  allmälig  abwärts  mit  der  Herrschaft  der 
Mauren.  Es  folgten  nun  lange  wechselvolle  Bürgerkriege  unter  den 
Mauren,  in  welche  sich  auch  die  christlichen  Fürsten  als  Vasallen  ver- 
wickeln Hessen.  In  diesen  Kämpfen  kam  Hescham  U,  um  (c.  1013). 
Kurz  nacheinander  regierten  Abderrhaman  IV.,  welcher  bald  vor  Gra- 
nada  fiel,  1023,  und  sein  Bruder  Hescham  HI.  starb,  kaum  anerkannt,  im 
Jahre  1037.  Mit  ihm  starben  die  Chalifen  der  Omajaden  aus;  das 
arabische  Spanien  löste  sich  in  eine  Anzahl  Fürstenthümer  oder  Emi- 
rate auf. 

§.  8. 

Wenige  Tage  nach  seiner  Wahl  zum  Papste  (22.  April  1073) 
schrieb  Papst  Gregor  VH.  an  die  Fürsten,  welche  (zum  Kampfe  gegen 
die  Mauren)  nach  Spanien  ziehen  wollten.  Das  Königreich  Spanien 
habe  von  Alters  her  als  Eigenthum  dem  heiligen  Petrus  angehört.  Die 
alten  Rechtsansprüche  seien  durch  die  Eroberung  nicht  verloren  ge- 
gangen. Er  habe  darum  mit  dem  Grafen  Ebulo  (II.)  von  Roucy,  in 
der  Champagne,  einen  Vertrag  geschlossen,  womach  demselben  etwaige 
Eroberungen  in  Spanien  unter  der  Oberhoheit  der  römischen  Kirche  gehö- 
ren sollten.  Ebulo  zog  mit  Heeresmacht  nach  Spanien.  Doch  schweigen 
die  spanischen  Chroniken  über  ihn^).  —  Der  Papst  sandte  den  Car- 
dinal Hugo  als  seinen  Legaten  nach  Spanien.  Aber  auch  Gerald,  Bi- 
schof von  Ostia,  war  im  Jahre  1073  römischer  Legat  in  Spanien^. 
Am  19.  März  1074  schrieb  Gregor  VU.  an  die  Könige  AJfons  VI. 
von  Leon-Castilien  und  Sancho  I.  von  Aragon,  der  Apostel  Paulus 
bezeuge,  dass  er  nach  Spanien  gekommen;  später  seien  die  sieben 
Schüler  von  den  Aposteln  Petrus  und  Paulus  nach  Spanien  gesandt 
worden,  welche  dort  auch  die  römische  Liturgie  eingeführt  hätten. 
Darum  mögen  die  Spanier  wieder  die  Ordnung  und  das  Officium  der 


*)  Brief  vom  30.  April  1073.  —  Registrum,  I,  7.  —  Bouquet,  Scriptorea 
rerum  Frcmcicarum,  XII,  14,  —  Qfroerer,  Gregor»  VII.,  Bd.  IV,  75, 471, 473. 
«)  Registrum,  I,  16.  -  Mansi,  XZ,  72. 


si 


KBniio.  jgjj  2u  senden,  besonders  in  der  Angelegenheit  eines 
von  Roda,  der  wirklich  1075  abgesezt  wurde"). 

Am  9.  Mai  desselben  Jahres  schreibt  er  an 
TOD  Castilieo,  nnd  an  die  Bischöfe  seines  Reiches, 
Panlas  Monio  gemäss  seiner  Vorladang  in  Rom  ge« 
sprechen  habe,  die  römische  Litni^e  in  seinem  Bt 
Der  König  möge  ihn  in  sein  Biethnm  wieder  einsez 
meinen  sein  Reich  in  Gerechtigkeit  regieren'^. 

Am  34.  Jannar  1075  schrieb  er  dem  Könige  i 
wegen  der  Abdankung  des  Bischofs  Sancho  IL  tc 
welcher  dieselbe  persönlich  in  Rom  nachgesocht 
möge  mit  Hilfe  der  Nachharbischöfe  sein  Amt  noch 
nnd  einen  Priester  zu  seinem  Coadjntor  wählen.  "VI 
heit  des  Bischofs  zunehme,  so  möge  dann  dieser  P 
zur  Bestätigung  vorgeschlagen  werden,  so  er  inzwii 
habe.  — •  Im  Jahre  1076  erscheint  nach  Sancho  IL  < 
von  Aragon-Jacca.  Der  Papst  erklärt,  es  sei  nichl 
von  nicht  legitimer  Geburt,  auch  bei  den  besten 
Bischöfe  zu  bestätigen*). 

Im  Mü  1076  antwortet  er  dem  Bischöfe  Sim(e) 
nes  von  Bnrgos)  nnd  freut  sich  seiner  Anhänglichkf 
Kirche.  Die  römische  Litni^e  müsse  eingeführt  w 
einen  Kirche  dürfen  keine  Spaltungen  sein.  Es  se 
Gegner  „die  Söhne  des  Todes",  Briefe  von  ihm  em 
sie  aussprengen,     .Soree  also,  dass  die  römische 


Gregor  VIL  im  Verkehr  mit  SpanieD,  1079.  459 

Am  28.  Januar  1077  erliess  er  ein  Kandschreiben  an  sämmtliche 
Könige,  Grafen  und  andere  Fürsten  in  Spanien,  worin  er  sagt,  dass 
das  Reich  Spanien  nach  den  alten  Constitutionen  dem  Apostel  Petrus  und 
der  romischen  Kirche  als  rechtmässiges  Eigenthum  übergeben  sei.  Er 
ermahnt  sie,  dem  heiligen  Petrus  den  schuldigen  Dienst  zu  erweisen. 
Er  empfiehlt  ihnen  Amatus,  den  Bischof  von  Oleron  und  den  Abt  von 
S.  Pons  als  seine  Legaten.  Gleichzeitig  schrieb  er  aus  demselben  An- 
lasse an  die  „Erzbischofe  und  Bischöfe,  Aebte,  Konige,  Fürsten,  auch 
Kleriker  und  Laien  in  dem  Narbonnensischen  Gallien,  in  Guasconia,  und 
in  der  Spanischen  Gegend^,  und  empfiehlt  ihnen  den  Amatus,  den 
Bischof  von  Oleron,  als  seinen  Legaten^). 

Am.  2.  Januar  1079  schrieb  er  an  den  Bischof  Berengar  Wilfred  Brief« 
von  Gerona  (1050—1093),  er  möge  die  Sohne  des  Grafen  Raimund  ®^''' 
Berengar's  (I.),  dessen  personliche  Anhänglichkeit  an  ihn  er  erfahren 
habe,  unter  einander  aussöhnen.  —  NothigenfiEÜls  wolle  er  ihm  eigene 
Legaten  zusenden,  und  vor  einer  Excommunication  des  Schuldigen  nicht 
zurücktreten.  Ueber  den  Erfolg  möge  er  baldigst  an  ihn  berichten, 
oder  besser  noch,  selbst  nach  Rom  kommen«  Er  betrübe  sich  sehr 
„über  das  Verderben^  Guifred's  von  Narbonne,  dessen  Bruder  der 
Bischof  von  Gerona  war;  er  möge  alle  Kraft  aufbieten,  denselben  zu 
bekehren.  —  Guifired  starb  noch  in  demselben  Jahre  ^.  Auf  der  römi- 
schen Synode,  die  am  11.  Februar  desselben  Jahres  stattfand,  wurde 
auf  das  Neue  die  Excommunication  über  den  Erzbischof  von  Narbonne 
ausgesprochen. 

In  seinem  Briefe  vom  15.  October  1079  wünschte  Gregor  VIL 
dem  Könige  Alfons  VI.  von  Castilien  Glück,  dass  durch  sein  Bemühen 
die  Wahrheit  und  Gerechtigkeit,  welche  so  lange  vom  Irrthnm  und  der 
Halsstarrigkeit  unterdrückt  gewesen,  wieder  aufzuleuchten  beginnen.^ 
Er  ermahnt  ihn  zur  Ausdauer«  „Was  eure  Person  betrifft,  erwarten 
wir  das  Beste.  Denn  aus  den  Berichten  unsers  Legaten,  des  Gardi- 
nais Richard,  den  wir  zum  zweiten  Male  an  Euch  senden,  ersehen 
wir,  dass  Euer  WiUe  gut  ist  —  Aber  seid  stets  der  Rechenschaft 
eingedenk,  die  Ihr  einst  vor  Gott  ablegen  müsset.^  Er  habe  dem 
Legaten  noch  andere  Aufträge  gegeben,  welche  er  mündlich  auszu- 
richten habe^). 

In  dieses  gute  Einvernehmen  kam  ein  trauriger  Zwischenfall^  der 


—  Ttjada  y  Ramiro,  III,  14O'-208.  Disertacion  —  de  la  Misa  antigua  de 
Espaina» 

»)  Registrum,  IV,  28.  —  Mann,  XX,  234;  622^623.  —  Gfroerer,  IV,  474. 

')  Registnm,  VI,  16.  -  Äguirre,  III,  252.  —  Mann,  XX,  270.  —  Vü- 
lanueva,  XIII,  111.  —  Esp.  sagr.,  t  43,  190-191. 

*)  RegiHrum,  VII,  6.  —  Mann,  XX,  29  i. 


460  Zehntes  Bach.    Viertes  Kai^tel. 

es  störte.  Ein  Mönch,  Robert,  aas  dem  Kloster  oder  der  Congrega- 
tion  von  Qugny  hatte  im  Reiche  Castilien  grosse  Verwirrung  angestiftet 
Am  27.  Juni  1080  schrieb  Gregor  VII.  an  den  Abt  Hugo  von  Clagny, 
er  solle  diesen  Robert  züchtigen ,  der  sich  gegen  die  Auctoritit  da 
heiligen  Petrus  erhoben,  dass  er  eine  Menge  von  hunderttanseDd 
Menschen,  welche  im  Begriffe  gewesen,  den  Weg  zur  Wahrheit  ein- 
zuschlagen, in  den  alteu  Irrthnm  zurückgeworfen  und  die  Kirche  Spi- 
niens  der  grossten  Gefahr  preisgegeben  habe.  99  Ich  befehle  dir,  da 
besagten  Irrlehrer  Robert  ohne  Verzug  auszuschliessen.  Dem  Könige 
aber,  der  durch  den  Trug  des  Mönches  verfuhrt  worden,  sollst  du 
schreiben,  dass  er  sich  den  Unwillen  des  heiligen  Petrus  zugen^ 
hat,  und  dass  ihn,  wenn  er  sich  nicht  bessert,  empfindliche  Strafe  fir 
die  unwürdige  Behandlung  treffen  wird,  die  unserm  Legaten  wider- 
fahren  ist  Wenn  er  nicht  Genugthuung  leistet,  sind  wir  entschlossen, 
den  Bann  über  ihn  auszusprechen,  und  alle  guten  Kutholiken  Spaniens 
gegen  ihn  aufzurufen.  Wenn  unsere  Befehle  nicht  genau  vollzogen 
werden,  so  werden  wir  nicht  davor  zurücktreten,  selbst  nach  Spaniei 
zu  reisen,  um  dort  das  Nöthige  anzuordnen.  Wir  ermahnen  dich  noc^ 
dass  du  alle  Mönche  deines  Ordens  ^  die  gegen  die  Regel  über  Spanien 
zerstreit  sind,  in  das  Kloster  zurückrufest.  Keine  dort  ertheilte  Weihe 
soll  giltig  sein,  wenn  sie  nicht  durch  unsem  Legaten  bestätigt  wird.' 

Gleichzeitig  (29.  Juni)  schreibt  er  dem  Konige  selbst,  er  möge 
den  falschen  Mönch  Robert,  der  ihm  schlechte  Rathschläge  gebe,  tob 
sich  entfernen,  die  mit  einer  Verwandten  seiner  Gemahlin  eingegangene 
sündhafte  Verbindung  aufgeben  *),  und  den  Ratbschlägen  seines  Legaten 
Richard  Gehör  schenken.  Diesen  selbst  ermahnt  er  in  einem  besOT- 
dem  Schreiben  zur  Geduld,  und  sezt  ihn  in  Kenntniss,  dass  er  an  d« 
Abt  von  Clugny  geschrieben  habe. 

In  diese  Zeit  fallt  wohl  das  Concil  von  Burgos,  das  die  Einluhr- 
ung  der  römischen  Liturgie  in  Castilien  beschloss.  Aragon  war  se« 
dem  Jahre  1071  vorangegangen.  In  Castilien  erhob  sich  in  des 
Jahren  1074 — 1080  eine  sehr  starke  Opposition.  Constantia,  die  zwew 
Gemahlin  Alfons  VI.  (von  1080 — 1092),  eine  Französin,  machte  ihrea 
Einfluss  fiir  die  römische  Liturgie  geltend.  „Der  Klerus  und  das  Volk 
von  Spanien,  sagt  Roderich  Xiraenes'^),  kamen  in  Unruhe,  weil  si^ 
von  dem  Könige  und  dem  Legaten  (Richard,  der  im  Jahre   1079  Abt 


')  8.  Roderic.  Ximenes,  6,  20  tider  die  Frauen  und  die  „nobilof  concvln- 
nas''  des  Königs  Alfons  VI.  —  c/.  Florez,  Reynas  Catolicas  etc.,  1,  p,  163- 
230,  der  ex  professo  über  seine  Frauen  und  seine  ,.amxgas*'  handelt,  unter  denen 
die  Maurin  Zayda  Tochter  des  Königs  von  Sevilla  war.  —  c/1  Registrum,  VUl 
2,  3,  4,  —  Mansi,  XX,  315^317. 

')  De  rebus  Ilispaniae,  L  6,  25,  de  commutatione  officii  Toletani,  AI» 
auch  Rodericb  kennt  nur  eine  Toletanische,  keine  spanische  Liturgie,  c/.  o66n  p.  166- 


Oregor  VIL  und  Spanien.  461 

von  S.  Victor  in  Marseille  geworden),  gezwungen  wurden,  „das  galli- 
caniscbe  Officium  anzunehmen'^  Der  Bischof  Simon  von  Burgos  be- 
mühte sich  seit  dem  Jahre  1074  sehr  iür  die  Einfuhrung  der  römischen 
Liturgie.  Vom  Jahre  1077  an  bemühte  sich  besonders  der  König  Einfuhr- 
dafur,  vom  Jahre  1080  an  noch  mehr,  in  Folge  seiner  Heirath  mit'^JI^ 
Constantia,  und  der  Briefe  des  Papstes.  —  Es  kam  zuerst  zum  Duelle. 
(Ob  im  Jahre  1077,  ob  im  Jahre  1080,  oder  erst  nach  der  Einnahme 
von  Toledo  im  Jahre  1085,  ist  noch  nicht  ermittelt.)  Der  Ritter  für 
den  alten  Ritus  war  ein  Castilianer  aus  dem  Hause  Matanza's.  Der 
Zweikampf  fand  (nach  Florez)  am  Palmsonntag,  den  9.  April  1077 
statt,  wie  ein  Chronicon  von  Burgos  sagt:  „In  diesem  Jahre  (1077) 
kämpften  zwei  Ritter  für  das  römische  und  Toletanische  Gesez,  am 
Tage  der  Palmen;  der  eine  Ritter  war  ein  Castilianer,  der  andere  ein 
Toletaner,  und  dieser  wurde  von  jenem  besiegt."  —  Wir  können  uns 
für  das  Jahr  1077  um  so  weniger  entscheiden,  als  Constantia  erst 
drei  Jahre  später  Gemahlin  des  Königs  wurde.  —  Im  Jahre  1080  soll 
der  Legat  Richard  eine  Synode  zu  Burgos  gehalten  haben.  Das  der 
Zeit  nach  nächste  Zeugniss  ist  die  Chronik  des  Pelagius  (um  1124), 
welcher  sagt,  der  Papst  habe  den  Abt  Richard  von  Marseille  auf  des 
Königs  Ersuchen  nach  Spanien  gesandt,  „welcher  bei  der  Stadt  Burgos 
ein  Concil  hielt,  und  die  römische  Liturgie  in  dem  ganzen  Reiche  des 
Königs  Alfons  VI.  bestätigte  im  Jahre  1085^). 

Ist  die  Jahresangabe  richtig,  so  muss  man  eine  wiederholte 
Kinfuhrung  des  römischen  Ritus  in  Castilien  annehmen*).  Denn 
nach  dem  lezten  uns  erhaltenen  Briefe  Gregorys  VII.  vom  März  des 
Jahres  1081  an  König  Alfons  VI.  freut  sich  der  Papst  über  die 
Annahme  des  römischen  Ritus  in  den  Kirchen  von  Castilien.  Ucber 
die  Gemahlin  des  Königs,  und  über  die  Abtei  des  heiligen  Secundus 
(Facundus?)  werde  ihm  der  Legat  des  Papstes  Bescheid  geben.  Eben- 
so möge  er  bei  der  Wahl  eines  Erzbischofes  auf  den  Rath  dieses  Le- 
gaten hören.  Dem  von  dem  Könige  Vorgeschlagenen  fehle  es  an  der 
nothigen  Wissenschaft.  Finde  sich  in  Castilien  Niemand  vor ,  so  solle 
er  einen  Fremden  herbeirufen  (was  später  auch  geschah).  —  Er  solle 
nicht  länger  gestatten,  dass  die  Juden  in  seinem  Reiche  über  Christen 
herrschen  oder  Aemter  bekleiden.  Der  Allmächtige  habe  ihn  über 
alle  Könige  Spaniens  erhöht,  habe  mehr  als  eine  Million  Unterthanen 
ihm  gegeben^).  Er  dankt  dem  Könige  für  die  ihm  übersandten  präch- 
tigen Geschenke. 

')  FUyrez,  t  3,  p.  321;  t.  13,  p.  488.  -  Äguirre-Catalmi ,  IV,  p.  449.  — 
Ofroerer,  IV,  477. 

*)  Ofroerer,  IV,  479.  .Es  handelte  sich  zu  Burgos  nicht  um  EinfÜbrang, 
Bondem  um  Bestätigung.' 

*)  Tibi  ultra  mük  hominum  millia  subjecU.  —  Registrum,  9,  2.  —  Mansi, 


I 


462 


Zehntes  Bach     Viertes  Kapitel.  —  Toledo  erobert,  lOK 


I 


In  den  Jahren  1073— lOSl  waren  die  Kämpfü  mit  den  Miura 
eingestellt.  Vom  Jahre  1082  begannen  die  Kämpfe  aufa  Nene,  Hk 
Emire  Aben  Abed  von  Sevilla  und  Jahia  Alkadir  von  Toledo  ^a 
im  Streite  mit  einander.  Der  Eratere  schlosa  mit  AlfoDs  VI.  dn  ^ 
niss  gegen  den  Emir  von  Toledo.  Jezt  machte  Alfons  VI.  wiedeiin» 
Einfalle  in  das  Gebiet  von  Toledo.  Nach  drei  Jahren  belagerte  n  k 
Stadt.  Zwar  wollten  die  Saracenen  den  Plaz  bia  auTs  Aenssersti;  w- 
theidigen.  Aber  wegen  der  grossen  Hungersnoth  in  der  Stadt  veilii^ 
das  Volk  stürmisch  die  Uehergabc ').  Der  Emir  versprach  die  t'^ 
gäbe  unter  den  Bedingungen,  dasa  Leben  und  Eigentbum  allErE* 
wohner  gesichert,  dase  keine  Moachee  zerstört,  der  öffeDtlicbf  Cd 
des  Islam  nicht  gehindert  werde.  Die  Mauren  behalten  ihre  cip« 
lüchter  (Cadi),  welche  nach  den  üblichen  Gesezen  entscheiden.  J* 
kann  auswandern,  wohin  er  will.  —  Der  Emir  selbst  und  die  i» 
nehmsten  Saracenen  zogen  mit  ihren  Scliäzen  nach  Valenui». 
5  Am  25.  Mai    1085,   an   einem  Sonntage,   zog    Alfons  VL  isA 

'das  nordwestliche  Thor,  welches  man  beute  noch  zeigt,  in  Toledo«. 
,,  Der  25.  Mai  1085  war  auch  der  Todestag  des  Papstes  Gregor'tTl 
„Ks  war  derselbe  Tag,  an  welchem  die  Gotben  in  die  Maneni  til^ 
do's  einzogen,  und  das  Kreuz  wieder  über  den  Thoren  der  lita 
Landeshauptstadt  aufpflanzten.  Während  am  Tajo  die  Lot^iEÜff 
der  befreiten  Spanier  ertönten,  schwang  sich  za  Saleroo  die  von  L(^ 
banden  gelöste  Seele  des  Gerechten  zum  Urlichte  empor,  aus  i"" 
eie  stammte"'), 


XX,  340.  Die  Briefe  Grcgor'a  VII.,  die  er  nach  Spanien  sandte,  steheii  n- 1 
sammelt  bei  Aguirre,  am  ScLlusae  des  t.  III  der  allen,  des  (.  IV  der  nci» 
gäbe  von  Aguirre  (nnd  Catalani);  t,  IV,  p.  4H8-448. 

')  Gfroerer  Bagt,  „der  P«bcl  —  das  heiast  die  Mozaraber  iind  dieJ*" 
drohten  mit  Empörung,  wenn  man  die  Uebergabe  länger  verzögere',  IV,  *W 

■)  Chromeon  Pelagii,  ap.  Fiorez,   t.  14,  p.  488.  —  Ofroertr,  P'i«'  * 
gorins  und  sein  Zeitalter,  17,  484;  VII,  968. 


Anhang  I. 

Das  altspanisctae  Kirebenreeht 


Untersnchimg  über  den  Ort  und  die  Zeit  seiner  Entstehung. 

Die  Collectio  canonum  Ecdesiae  HUpanae,  das  Kirchenrecht  der  vom 
^rianismus  befreiten  spanischen  Kirche  wird  ohne  Grund  dem  Isidor  von 
Sevilla  als  Verfasser  zugeschrieben.  Weil  der  Sammler  sich  nicht  nennt, 
md  sonst  nicht  bekannt  ist,  weil  die  Sammlung  muthmasslich  in  der  Zeit 
[sidor's  entstanden  ist,  wurde  die  Auetorschaft  ihm  in  ähnlicher  Weise 
sugeschrieben,  vne  die  der  alten  spanischen  Liturgie.  —  Die  Mehrzahl 
ier  Schriftsteller,  welche  dem  Isidor  die  Auetorschaft  absprechen, 
bat  sich  für  keinen  andern  Verfasser  ausgesprochen.  —  Die  Samm- 
lung besteht  ans  103  päpstlichen  Decretalen,  und  aus  63  Synoden. 
Da  der  Sammler  die  Collectio  des  Dionysius  Exiguus  benüzt  hat,  so 
muss  seine  Sammlung  um  ein  Erhebliches  später  entstanden  sein. 
Schon  vor  544  hatte  die  spanische  Kirche  einen  ihr  cigenthümlichen 
Codex  canonum,  der  auch  die  spanischen  Provinzialconcilien  und  die 
an  spanische  Bischöfe  gerichteten  päptlichen  Decretalen  enthielt  Diese 
älteste  Sammlung  enthielt  anfangs  wohl  nur  die  Beschlüsse  der  Syno- 
den von  Elvira,  Nicäa,  Ancyra,  Neocäsarea  und  Gangra.  Dazu  kamen 
die  Canones  von  Sardica  in  dem  lateinischen  Original,  und  noch  später 
aus  einem  griechischen  Codex  die  Uebersezung  der  Canones  von  An- 
tiochien,  Laodicäa,  Constantinopel  (381)  und  Chalcedon.  Zwar  ist 
die  Existenz  dieser  Sammlung  ausser  Zweifel,  doch  hat  sich  bis  jezt 
kein  Exemplar  derselben  geftmden.  —  Von  ihr  sind  die  sogenannten 
84  capitida  des  Metropoliten  Martin  von  Braga  zu  unterscheiden. 

Von  der  im  siebenten  Jahrhundert  geltenden  Sammlung  haben 
sich  verschiedene  Abschriften  gefunden^  von  welchen  die  einen  mit 
der  dritten  Synode  von  Toledo  (589)  die  Sammlung  scfdiessen,  andere 


464 


Anhang  I. 


noch  die  vierte  von  633,  andere  alle  folgenden  zum  Theil  oder  ganz 
enthalten.  Die  Brüder  Ballerini  sprachen  sich  desshalb  fnr  die  Jahn* 
633 — 636  als  die  Zeit  der  Entstehung  der  Sammlong  aas.  Deatsobe 
Canonisten,  u.  a.  O.  Phillips,  Fr.  Schulte  u.  A.  machten  dagegen  gel- 
tend, dass,  wenn  die  Sammlung  mit  der  dritten  Synode  von  Toledo 
schloss,  also  zwischen  589 — 633  entstand,  es  sehr  leicht  und  natürlich 
war,  dass  den  einzelnen  Exemplaren  die  später  gehaltenen  SjnodeiL 
vor  allen  die  grosse  Synode  von  633,  beigefugt  wurden. 

Der  entscheidende  Beweis,  dass  die  Sammlung  vor  dem  Jahre  C3d 
entstand,  liegt  darin,  dass  die  Vorrede  unsrer  Sammlung  in  die  Ety- 
mologieen  Isidor's  aufgenommen  wurde,  welche  im  Jahre  631,  mit  Aus- 
schluss der  Eintheilung  in  Kapitel,  schon  vollendet  waren.  (Faiulih. 
Artvalo,  hidoriana,  P.  I,  cp.  21,  27),  —  Sie  waren  aber  wahrschein- 
lich viel  früher  vollendet,  da  sich  Braulio  darüber  beschwert,  cUss 
Exemplare  derselben  schon  im  Umlaufe  seien,  "^rährend  er,  der  Venm- 
lasser  des  Werkes,  noch  keines  erhalten  habe.  Dass  aber  die  Vorrede 
der  Sammlung  nicht  aus  Isidor  entnommen  sei,  springt  bei  genaoer 
Vergleichung  sofort  in  die  Augen: 


Praefatio  Canonum 
Canones  genercdium  conciliorum 
n  temporibiis  Conatantini  coeperurU; 
in  praecedentibua  namqi^  annia 
peraectitione  fe)*vente,  docendanim 
plehiitm  minime  dabatur  facultas: 
deinde  christiamtas  in  diversas 
haereses  scissa  est,  quia  non  erat 
licentia  episcopis  sanctis  in  unum 
convenire  nisi  tempore  supradicti 
imperatoris;  ipse  namqiie 

dedit  facultatem  Qiristianis 
libere  congregari.  Sub  hoc 
etiam  Scnicti  Patres  in  concilio 
Nicaeno^  de  omni  orbe  tei*rarum 
conveiiienteSy  juxta  fidem  evange- 
licam  et  apostolicam  secundum 
post  apostolos  symbolum  tradi' 
derunt.  Quatuor  autem  principalia 
esse  concilia,  ex  quibus  plenissimam 
fidei  doctrinam  tenet  ecclesia  tarn  de 
Patris  et  Filii  et  Spiritus  Sancti 
divinitate,  quam  de  praedicti  Filii 
et  Salvatoris  nostid  incamatione. 


laidor.  etymoL   VI,  c  16. 
De    canonibus    conciliorun. 
Canonea  autem  generalium  conc^lk- 
rum  a  temporibus  Conatantini  coiff 
runt.  Inpraecedentilnta  namque  anii 
peraecutione    fervente     docendaru» 
plebium   minime    dabatur  facvhn. 
Deinde    Christian  itas     in    divcr^vt 
haereses    est  scissa,    quia  non  rrai 
licentia  episcopis  in  vuns 

convenire,  nisi  tempore  avifrallcü 
imperatoria.  Ipse  navKjhi 

dedit        facultatem  ChristMii 

libere       congregari.  Sub      h-< 

etiam  sancti  Patres  in  concilio 
Nicaeno  de  omni  orbe  t^rrarm 
convenientes,  juxta  fidem  evangt- 
licam  et  apostolicam  secundm 
post  apostolos  symbolum  iradi- 
derunt.  Inter  caetera  autem  conciik 
quatuor  esse  (scimus)  venerabiles  sy.i- 
odos,  quae  totam  principaliter  fh^ 
complectuntur,  quasi  quatuor Evamir 
lia,  vil  totidem  paradisi  ßmnina. 


AltspaniBches  Kirohenrecht 


465 


So  nimmt  Isidor  fast  wörtlich  die  Vorrede  der  Sammlang  in  sein 
erk,  wie  er  überhaupt  wörtliche  Auszüge  ohne  Angabe  der  Quellen 
machen  liebte,  und  sein  ganzes  Werk  fast  aus  lauter  Excerpten 
\tert8  lecHonis^^,  d.  i.  dessen,  was  er  zu  irgend  einer  Zeit  gelesen 
te,  besteht.  Nur  dann  tritt  bei  ihm  eine  Abweichung  von  unserer 
raefatio'^  ein,  wo  ihm  ein  allzu  barbarischer  Ausdruck  in  den  Weg 
t;  z.  B. 

Iridar: 

dans  symboli 
formam  quam  tota 

flraeeonun  e^Latlnonim  confessio 

in  Ecdesiia  praedicaU 


Praefatio: 
.unda  synodus  dans 

lus  (!)  symboli  formam,   quam 

i      flraeeia      et      Latinltas 

Ecdesiis  praedicat 

Am  Schlüsse  lesen  wir: 

Hae  sunt  lU  praediximus  guatuor 
ncipales  et  venerabiles  synodi 
%m  fidem  complectentes.  Sed  et  si 
le  sunt  synodi  quas  Sancti 
tres  spiritu  Dei  pleni  ganxenrnt, 
^t  istarum  qi^tuor  ai^oritatem 
ni  manent  stabüitae  vigore 
trum  etiam  gesta  in  hoc  opere 
dita  continentur. 


Quaiuor  hae  sunt  synodi 
prindpales ,  fidei  doctrinam 
plenissime  praedicantes.  Sed  et  si 
qua  sunt  concüia  quae  sancti 
Patres  spiritu  Dei  pleni  sanxerunt, 
post  istorum  quatuor  auctoritatcm 
omni  manent  stabilita  vigore, 
quorum  gesta  in  hoc  corpore 
condita  continentur. 


Es  leuchtet  ein,  dass  die  lezten  Worte  wohl  für  die  Vorrede, 
)r  nicht  in  die  Etymologieen  passen.  Wer  so  viel  wörtlich  aus  an- 
n  Büchern  zusammenträgt,  wie  Isidor,  wohl  auch  Auszüge  macht, 
1  nicht  unwahrscheinlich  fremde  Hände  herbeizieht,  d.  i.  Excerpte 
rch  sie  anfeiligen  Insst,  dem  kann  es  wohl  begegnen,  dass  sich  auch 
passendes  einschleicht.  Die  Abschreiber  jener  Zeit  waren  ein  grosses 
euz  der  christlichen  Schriftsteller.  Sie  schrieben  nicht  (wie  sich 
3ronymus  und  Augustinus  beklagen),  was  sie  lasen,  sondern  was  sie 
b  dachten,  wobei  sie  sich  auch  manchmal  Nichts  dachten.  Aber  es 
einleuchtend,  dass  der  Verfasser  der  Vorrede  nicht  die  Schrift 
lor's,  sondern  Isidor  vielmehr  die  Vorrede  vor  sich  gehabt  habe, 
ire  die  Vorrede  eine  Copie  aus  den  Etymologieen,  so  hätte  der  Vor- 
ner  gewiss  nicht  aus:  Oraecorum  et  Latinorum  confessio  —  das  un- 
iinische,  höchstens  aus  der  Volkssprache  genommene:  „Oraecia  et 
linitas*'  gemacht,  welches  Wort  (nach  Ducange)  erst  in  viel  späterer 
t  sporadisch  in  dem  Sinne  von:  lateinisAe  Kirche  vorkommt.  Der 
rredner  war  ein  Mann,  des  Schreibens  nicht  kundig,  dem  die  Feder 
bt  geläufig  war. 

Neuestens  aber  bat  Fr,  Maassen  das  in  obiger  Thatsache  liegende 
;ument  zu  entkräften,  und  den  Beweis  zu  führen  gesucht,  dass  nicht 


3am8 ,  span.  Kirche.  II«  2. 


30 


^ 


r  466  Anhang  I. 

der  Auszug  in  den  Etymologieen  aus  der  Vorrede ,  soudeni  die  Vo^ 
rede  jenen  eDtnommen  sei.  Er  meint,  es  sei  mAg'llebt  das3  hk 
und  der  Verfasser  der  Vorrede  aus  einer  genaeiDBchaftlichen  Qil' 
geschöpft  haben.  Möglieh  wohl,  aber  der  Beweis  fehlt.  Aber  Maim 
will  die  blosse  Muglichkeit  zur  Wahrscheinlichkeit  erheben.  „Es  It 
offenbar  viel  mehr  für  sich  anzunehmen,  dass  der  Autor  der  sputiKis 
Sammlung,  als  dass  Isidor  Aenderungcn  vorgenommen  habe.*  tt« 
ist  eine  willkürliche  Annahme.  Den  Ausdruck  „Groecia  et  LalnM 
hat  der  Vorredner  gewiss  aus  keiner  frühem  Sammlung  genomao; 
er  kommt  bei  ihm  zum  ersten  Mal  in  dem  Sinne  vor:  „die  Isteioi)^ 
Kirche".  Ducange  und  die  Mauriner  haben  in  ihrem:  „Glo$tariimd 
scriptorea  medtas  et  tnßmae  lalinUatis",  Paris.  1733,  s.  v.  „LatinHf 
unsere  Vorrede  übersehen,  und  sie  führen  die  einzige  Stelle  «mO» 
dericUB  Vitalis,  gestorben  nnch  1142,  an:  inviolabUiter  m'e'gerat  tettai  i 
omni  Latinitate  (hisior.  eccles,  l.  10).  Vielmehr  sind  die  aoedtui 
ächten  Citate  Isidor'a  aus  andern  Quellen  vielfach  verändert,  IGl 
Möglichkeiten  können  wir  nicht  rechnen.  Die  Thatsache  liegt  « 
dass  Isidor  sein  Capitel  irgendwo  entnommen,  und  da  wir  es  täipsäi 
als  in  der  „Vorrede"  finden,  schliessen  wir  mit  Recht,  dass  fr  o 
dorther  genommen.  Nun  versucht  aber  Alaassen  den  Beweis,  difs  da 
Etymologieen  im  Jahre  630 — 633  noch  nicht  vollendet  gewesen,  i* 
führt  die  Stelle  an:  Cadicem  Etymologiarum  cum  aliia  codidbut  diii 
nere  transmisi,  et  licet  inemendatiim  prae  valeludine,  tarnen  tibi  ttsi 
ad  emendandum  sfatueram  offerre.  —  Wir  iibcrsezen:  Das  Werk  da 
Etymologieen  ist  von  mir  wegen  Unwohlsein  nicht  durchgesehen,  nict' 
corrigirt  worden,  sei  es,  dass  es  Isidor  selbst,  oder  ein  Anderer,  od« 
mehrere  Andere  es  geschrieben  haben').  Damm  sendet  er  es  dd 
Braulioj  dass  er  das  "Werk  corrigirc.  Ein  nicht  corrigirtes,  nicht  dnni- 
gesehenes  Werk  ist  darum  noch  kein  unvollendetes  Werk.  Er  H^ 
nicht,  dass  er  es  nicht  zu  Ende  gefuhrt,  sondern  es  nicht  ausgebeär«^ 
habe.  Ueber  die  Vollendung  oder  Nichtvollendung  dieses  WeAö 
liegen  drei  Aussagen  vor,  die  des  Isidor  selbt^l,  die  seines  Freond« 
Braulio,  und  die  des  Ildefons  von  Toledo,  welcher  um  ein  Menscb*- 
alter  .=päter  schrieb.  Wir  stellen  sie  gleichfalls  neben  einander,  dus 
sie  sich  beleuchten  und  erklären.     Isidor  also  sagt: 

Codicetn  Etymalogiarum  de  itinere  tranamisi,  et  licet  inemmiiä^ 
prae  valeludine,  tarnen  tibi  modo  ad  emendandum  etatueram  offetn. ' 
ad  dextinal^an   condlii  tocum  pervenissem^).    Ein  nur  nicht  corrigirtc 


')  Selbst  den  kleinen  Brief  nr.  9  ap.  Arevalo  h&t  Isidor  an  ßraiilio  nicht*'** 
gBBchriebcn,  denn  es  stirbt  am  Scliliisa:  Et  manii  aua:  Ora  pro  nobit;  ebn*'^ 
Brief  U  und  13  an  denselben.  J 

')  epiil.  Isidori  13.  *  m 


Verscbiedene  An^sigon  über  das  Werk  Isidor's  „Origines^.  46f 

Werk  ist  ein  seiner  Substanz  nach  vollendetes  Werk.  In  der  Wid- 
luaug  an  Braulio  sagt  Isidor:  En  tibij  sicut  pollicitus  sum,  misi  opus 
de  origine  qtiarumdam  verum  ex  veteris  lectianis  recordatione  collectum, 
et  ita  in  quibiudam  lade  adnotatum,  sicut  exiat  conscriptum  atylo  majo- 
rum  (d.  i.  wohl:  die  Citate  sind  als  solche  kenntlich  gemacht,  während 
spätere  Abschreiber  die  Anführungszeichen  wegliessen).  —  Dass  das 
Werk  unvollendet  sei,  findet  man  von  dem  Verfasser  desselben  nicht 
behauptet.  Man  beruft  sich  ferner  auf  Braulio  von  Saragossa.  Dieser 
hatte  geraume  Zeit  vor  Vollendung  des  Werkes  an  Isidor  geschrieben: 
Suggero  sane  et  deposcOj  ut  librum  Etymologiarum,  quem  jam  favente  Do- 
mino audivimus  GOnSDIDIlUltlllllf  servo  vestro  dirigere  juheatis^). 

Dagegen  sagt  Braulio  in  seiner  Vorrede  zu  den  Schriften  Isidor's, 
die  gewöhnlich  am  Schlüsse  von  Isidor's  Buch  de  viris  iUustrihus  steht: 
„Eiymologiai^m  (edidit)  codicem  nimia  magnitudine,  distinctis  ab  eo 
titulis,  non  libris,  quem  quia  rogatu  meo  fecit,  quamvis  lmp6rf6CtaiIl 
ipse  reliquerit,  ego  in  viginii  libros  divisi.*^  Das  Werk  Isidor's  nennt 
Braulio  unvollendet,  nicht,  weil  es  der  Substanz  nach  nicht  vollendet 
war,  sondern  weil  es  nicht  in  Bücher  abgetheilt  und  nicht  gehörig 
revidirt  war.  Braulio  sagt  nicht,  dass  er  das  Werk  vollendet,  sondern 
dass  er  es  eingetheilt  habe;  desswegen  besteht  die  Nichtvollendung  im 
Sinne  Braulio's  in  der  mangelhaften  oder  fehlenden  Eintheilung.  Er 
unterscheidet  also  zwischen  „imperfeetus^^  und  „non  consummatus'^,  zwi- 
schen: „nicht  zu  Ende  geführt,  und  nicht  vollendet,  nicht  vollkom- 
men.^ Ein  Widerspruch  zwischen  den  Aussagen  Braulio's-  und  Isidor's 
findet  sich  nicht.  Der  Widerspruch  tritt  erst  durch  einen  Dritten, 
lidefons  von  Toledo,  ein^).  Er  schreibt:  scripsit  quoque  in  ultimo  ad 
petitionem  Braulionis  Caesaraugustani  episcopi  librum  Etymologiarum, 
quem  cum  multis  annis  conaretur  perficere,  in  ejus  opere  diem  extremum 
visus  est  condusisse.  —  lidefons  lebte  ein  Menschenalter  nach  Isidor, 
und  wir  halten  es  für  wahrscheinlich,  dass  er  das  Buch  der  Etymolo- 
gien gar  nie  gesehen  habe,  in  Anbetracht  der  mangelhaften  Verbreit- 
tung  der  Bücher  in  jener  Zeit,  indem  schon  damals  das  Werk  des 
ApringiuB  von  Face  ganz,  das  Werk  des  Dichters  Dracontius  zum 
grössten  Theile  verloren  war,  das  Werk  Justinian's  von  Valencia  viel- 
leicht nur  in  Auszügen  bei  lidefons  erhalten  ist.  Jedenfalls  ist  das 
nicht  wahr,  was  Udefons  von  diesem  Werke  schreibt.  Er  hat  es  nicht 
zulezt  geschrieben,  sondern  in  der  Blüthe  der  Jahre,  spätestens  um 
622.  Er  hat  es  nicht  geschrieben  auf  Bitten  des  Bischofs,  sondern 
des  Archidiakon's  Braulio.    Er  hat  es  zu  Ende  gebracht  wahrscheinlich 


')  epistola  10  Isidori,  ed,    Arevalo ,  et  Braulionis  S,  ed.  Bisco,  30, 
p.  320,  Bsp,  sagr, 

')  de  viris  iüustr.  cp^jfi. 


nn  * 


I 


466  Aahmg  J. 

in  äeroselben  Jabre,  in  welchem  Braulio  Bischof  wurde.  DieBägfdü 
nicht  vor  G31.  Aber  in  dieser  Zeit  schreibt  Braolio  genide  «cU^ 
gend  an  Isidor,  es  seien  bereits  sieben  Jahre  verflossen,  Bcitda« 
den  Isidor  nm  die  damals  schon  vollendeten  EtyniologiecD  ^ 
habe.  Er  sagt:  „Sepfimum,  ni  fallor,  annum  tempora  gyraui,  a  fi 
me  memini  Ubroa  a  fe  eondItOS  Origenum  poatulasee,  seil  «uidli  & 
Hone  modo  necdum  esse  perfCCtOSi  modo  necdum  gcrtptOS,  tRK'ii  •■ 
liäeras  intercidisse  —  ad  katic  «sgwa  diem  pervenimus  (ep.  Ji).  Ü« 
schon  nm  das  Jahr  624  hatte  BranUo  gebort,  dass  das  Weti  loil» 
det  sei,  von  da  dürfen  wir  noch  wm  3 — 6  Jabre  zoruckgeben,  dt  • 
angefangen  wurde,  etwa  um  618 — Ö22.  —  Es  war  vielleicht  du  ml« 
vollendete,  nicht  zulezt  angefangene  Werk  Isidor's.  Dnsa  Isidorii 
vrührend  dessen  Abfassung  gestorben  sei,  diess  sagt  lldefons  liHt 
er  hat  den  Braulio  nicht  verstanden.  Niemand  hat  noch  Lfickai* 
dem  Werke  entdeckt,  Niemand  vermisst  Etwas.  Es  ist  eine  Toilaiicii 
Encyclopädie  des  Wissens  jener  Zeit,  es  handelt  von  allem  Wissl«« 
im  Himmel,  auf  Erden  und  unter  der  Erde. 

Nun  schlagt  aber  Maaa»en  bei  der  Frage,  ob  Isidor'e  Weiwl- 
leodet  sei,  den  Weg  ein,  dass  er  Ildefons  als  Hauptzeuga  pte" 
wissen  will.  Weil  Ildefons  sagt,  das  Werk  sei  nicht  vollendet  p"^ 
aen,  so  war  es  nicht  vollendet.  Ein  späterer  Zeuge  ist  keb  Üap-" 
seine  Aussage  kann  gegen  die  des  Zeitgenossen  und  Freundes  BnA  - 
nicht  beweisend  sein.  Wenu  sodann  die  Aussagen  Braulio's  iii»i  If»" 
dor's  sich  ohne  Mühe  vereinigen  lassen,  der  Widerspruch  aber  rt 
durch  Ildefons  eingeführt  wird,   so  darf  Ildefons  nicht  gehört  «wl» 

„.Wir  behaupten  also,   Isidor's  Werk  war  vollendet    der  Substaniu* 

>-  wenigstens  5  Jahre  vor  seinem  Tode,  es  war  nur  unvollendet,  i"- 
unvollkommen  in  der  Form,  es  war  nicht  gefeilt  und  eingetliedt-  W 

■  Eintheilnng  rührt  zum  Tbeil  von  Braulio.  Die  Feile  konnte  et  m 
nicht  geben;  sie  fehlt  heute  noch.  Wenn  Isidor  wollte  und  sieb  «* 
nahm,  so  war  seine  Diction  auch  gewählt  und  gefeilt. 

'■  Demnach  behaupten  wir,    dass,    als   Isidor   am    siebenten  Biw^ 

seiner  Etymologieen  schrieb,  er  den  „Codex  Canonum  ecdesiae  fli^ 
Hoe"  schon  vor  Augen  hatte,  und  dass  er  die  Einleitung  desäflbeo" 
sein  Werk  herübernahm,  das  spätestens  um  das  Jahr  Ö31  "!»»■ 
det  wiu'de. 

Wir  behaupten  ferner  wie  früher'),  dass  die  äammlung  onnJ" 
Jahr  610 — 611  durch  den  Erzbischof  Aurasius  von  Toledo  sni-sJ^ 
oder  angeregt  wurde.  Dass  die  Sammlung  nicht  vor  589  entstand* 
sei,  geben  alle  zu.  Sie  kann  frühestens  598  entstanden  sein,  ««111» 
ältesten  Exemplare,  welche  nur  die  dritte  Synode  von  Toledo  üi''»'' 


')  B.  TUbiDger  theologische  Quartal Bchrift.  Jnhag.  1867,  S.  1-23. 


Toledo,  Metropolis  der  Provinz  Garüuigeiia.  469 

der  Zeit  nach  mit  der  Synode  von  Haesca  598  sohliessen.  Es  ist 
-dings  eine  Hypothese,  dass  die  Sammlung  gerade  610 — 611  ent- 
den  sei;  aber  wir  bringen  unsere  Gründe  für  diese  Annahme.  — 
jhof  Enphemius  von  Toledo  nannte  sich  in  seiner  Unterschrift  zu 
Synode  von  Toledo  Ö89  „Metropoliten  der  Provinz  Carpetanien**, 
.  von  Neucastilien,  und  virohl  auch  einem  Theile  von  Altcastilien. 
bisch  waren  bisher  die  Bischöfe  von  Toledo  mehr  nicht  gewesen. 
Jahre  597  war  Adelphins  Bischof,  und  diesem  folgte  Aurasins 
303 — 615).  Er  machte  den  Versuch,  sich  zunächst  die  Anerkenn- 
ais Metropolit  über  sämmtliche  (23)  Bischöfe  der  Carthaginen- 
aen  Provinz  zu  verschaffen.  Diese  Aufgabe  hatte  grosse  Schwie- 
citen;  80  Jahre  früher  hatte  Montanus  kaum  die  Bischöfe  von  Neu- 
ilien  dahip  gebracht,  ihn  als  Metropoliten  anzuerkennen,  und  Eu- 
DQins  hatte  vor  wenigen  Jahren  sich  mit  dem  Landstrich  Carpeta- 
a  begnügt.  Als  der  katholische  König  Gundemar  zur  Regierung 
,  nahm  Aurasius  die  günstige  Gelegenheit  wahr,  Toledo  war  einmal 
tptstadt  des  Reiches,  und  es  nahm  auch  eine  höhere  kirchliche 
long  in  Anspruch.  Aurasius  sezte  es  durch,  dass  er  von  den 
3ten  Bischöfen  der  Provinz  als  ihr  Metropolit  anerkannt  wurde, 
irch  gemeinsame  Wahl  haben  sie  beschlossen,  dass  der  Stuhl  der 
i^eiligen  (sacrosanctae)  Kirche  von  Toledo  Namen  und  Würde  der 
tropole  haben  solle,  und  dass  er  ihren  (der  Suf&agane)  Kirchen 
£hre  und  an  Verdiensten  vorangehe.  Kein  Bischof  der  Provinz 
hinfort  in  eitlem  und  verkehrtem  Hader  dem  Ptllllftt  (primatui) 
Toledo  sich  widersezen,  bei  keiner  Bischofs  wähl  solle,  wie  bisher 
ishehen,  diese  Kirche  übergangen  werden.  Wer  von  ihnen  oder 
n  Nachfolgern  dieses  Statut  übertrete,  der  sei  Anathem  unserm 
nn  Jesus  Christus,  und  —  herabgeworfen  von  der  Höhe  des  Sa- 
htitmi  —  werde  er  zum  Voraus  durch  die  Sentenz  der  bestandigen 
3ommnnication  gerichtet.^  Die  Erklärung  der  Bischöfe  trägt  das 
:Qm  vom  23.  October  610.  Aber  von  den  23  Bischöfen  der  Pro- 
E  waren  nur  15  beigetreten.  Bemerkbar  macht  sich  namentlich  die 
ende  Unterschrift  von  Acci,  dessen  Bischof  wohl  an  seinem  Privi- 
ium  der  apostolischen  Kirche  festhielt.  In  Toledo  konnte  und 
Ite  man  aber  hierin  keine  Concessionen  machen;  denn  die  ganze 
mnz  durfte  nicht  in  zwei  oder  mehrere  Metropolen  zerfiülen. 

Nach  der  Erklärung  der  Bischöfe  erliess  auch  der  E^önig  das 
enannte  Deoretum  Oandemari.  Er  könne  nicht  gestatten,  sagt  er, 
8  die  Provinz  unter  zwei  Metropoliten  gegen  die  Beschlüsse  der 
:er  getheilt  werde.  (Die  zweite  wäre  vielleicht  Acci  oder  Bigastro- 
thagena  gewesen.)  Toledo  habe  den  Vorrang  des  Alters  und  der 
idenz  des  Königs.  Wenn  aber  vor  20  Jahren  auf  der  „allgemeinen 
ode  von  Toledo  der  ehrwürdige  Bischof  Euphemius  sich  als  Metro- 


470  Anhang  J. 

polit  von  Carpetanien^  bezeichnet  habe,  y^so  .  verbessern  wir  hiermit 
den  Ausspruch  seiner  Unwissenheit^,  denn  der  Lfandstrich  Carpetaniaa 
sei  keine  Provinz,  vielmehr  ein  Theil  der  Provinz  Carthaginensis^). 

Wir  sprechen  aber  hier  die  Hypothese  aus«  dass  die  „Cclled 
cananum  Hispantxe^^  in  einem  sachlichen  Zusammenhange  mit  den  & 
inühungen  der  Jahre  610 — 611  stehe.  König  Gundemar  that  eisa 
scharfen  Machtspruch.  Der  weltliche  Arm  streckte  sich  aus,  umdk 
Kirche  von  Toledo  zu  erheben  und  zu  schüzen.  Aber  dieser  materidk 
Schuz  konnte  dem  Aurasius  nicht  genügen.  £s  mussten  die  Ansprüd» 
def  Kirche  von  Toledo  auch  geschichtlich  begründet  werden;  es  mm-' 
ten  die  Anstände  und  Bedenken  gehoben  werden ,  welche  ans  de. 
frühem  Decretalen  und  Concilien  gegen  Toledo  erhoben  werden  koio- 
tcn.  Die  früher  von  mir  angeführten  Gründe.^),  nach  den^n  dieSamB* 
lung  im  Interesse  der  Machtaussprüche  Toledo's  angelegt  worden,  b: 
Maassen  kurz  „abgefertigt^.  Mein  erster  und  zi^eiter  Grund  ist  woki 
hinfallig;  den  dritten  und  vierten  aber  halte  ich  aufrecht.  Die  30  (31). 
Decretale  enthält  den  Brief  des  Papstes  Innocenz  I.  vom  Jahre  4C4 
ffOd  universos  episcopos  in  ToZo^a'^ '(muss  heissen:  qui  Toleti  congngä 
erant).  Zwischen  dem  vollständigen  Briefe  des  Papstes  und  dem  Bride, 
wie  ihn  die  spanische  Sammlung  enthält,  ist  aber  ein  grosser  Umo' 
schied.  In  der  Sammlung  sind  alle  diejenigen  Stellen  hiuweggekso, 
welche  einer  andern  Kirche,  als  der  von  Toledo,  ein  Metropolitanredä 
einzuräumen  scheinen  konnten.  —  Der  Sammler  will  sich  aber  do(i 
den  Anschein  geben,  dass  er  den  ganzen  Brief  des  Papstes  mittheik 
denn  er  hat  seinen  Auszug  auch  in  die  sechs  Abschnitte  getheili,  ß 
die  der  unverkürzte  Brief  zerfällt.  Nur  den  ersten  Saz  der  Einleitoi* 
theilt  unser  Sammler,  und  diesen  willkürlich  verändert  mit  —  Dan; 
lässt  er  das  ganze  erste  Kapitel  mit  vier  Abschnitten ,  sowie  das  zweit 
und  dritte  Kapitel  gauz  aus.     Warum  dieses? 

Die  Einleitung  erzählt,    dass   der  Bischof  Hilarius,    welcher  i 
Synode  von  Toledo   im  Jahre  400  augewohnt  habe,   klagend  über  c; 
kirchliche   Lage   Spaniens   nach    Rom   gekommen    sei.     Hilarias  b^ 
nach  Rom,  weil  er  Metropolit,  und  wahrscheinlich  der    carthaginenä- 
sehen  Provinz  war,    als  welcher  er  das  Recht    und    die  Pflicht  hatte, 
für   die  Ausführung   der  Beschlüsse   von  Toledo    zu    sorgen;    er  vr 
wahrscheinlich   Bischof  von   Carthagena,   vielleicht    auch    von  Casta!   j 
(K.-G.  U,  1,  S.  187),  jedenfalls  nicht  von  Toledo.     Seiner  Reise  lucii 
Rom  wollte  man  in  Toledo  keine  Erwähnung  thun;  es  sollte  verges^eü 
werden,  dass  Toledo  nicht  von  Anfang  an  Metropole  war.  —  Üeber- 
gangen   ist   die    Angelegenheit    der    Bischöfe    Rußnus    und    Miüinw 


')  Das  Uebrige  b.  oben  S.  75. 
')  TUbinger  Quartalschrift,  /.  c. 


Alf  spanisches  Kirchenrecht  471 

Rufinas,   In    der  Provinz  Carthaginensis,   hatte  Bischöfe   ordinirt,   da 
doch   Hilarins  als   Metropolit  allein   dazu    das  Recht  hatte.    Rufinus 
hatte   im  Jahre  400  Verzeihung  erhalten,   aber   sich   nicht  gebessert. 
Unser  Sammler  aber  hatte  ein  Interesse,   darüber  zu  schweigen,   dass 
ein  anderer  Metropolit,   als   der   von  Toledo,  jemals  existirt  habe.  — 
Madssen  fragt,  wo  denn  bei  diesen  Auslassungen  von  Metropoliten  die 
Rede  sei?    Diess  habe  ich  früher  nachzuweisen  gesucht^).    Es  ist  aber 
=  nicht  nothwendig,   dass  jede  weggelassene  Stelle  von   diesem  Gegen- 
2  Stande  handle.  —  Wenn  aber  Maassen  meint,   der  Sammler   habe   das 
;  Historische  in  dem  Briefe  weggelassen,   und  sich  mit  der  Wiedergabe 
i  der  Decrete  begnügt,  so  ist  diess,  genau  betrachtet,  nicht  eine  Erklär- 
ung, sondern  eine  Ausrede').     Denn  sogleich  kehrt  die  Frage  wieder: 
warum  denn  blos  diese  Decretale  verstümmelt  sei,  warum  die  übrigen 
Sriefe  des  Papstes  Innocenz  I.  und   der   übrigen  Päpste   ganz   mitge- 
theilt  seien,   obgleich   sie  mit  grossem  historischem  Ballaste   versehen 
sind?    Hätte  der  Sammler   überall  nur  die  Decrete  gegeben,    die   oft 
historische  Motivirung  der  Papstbriefe  aber  auslassen  wollen,  so  hätte 
seine  Sammlung  sehr  klein  werden  müssen,  abgesehen  davon,  dass  es 
znr  Natur  der  Sache  gehört,   päpstliche  Decretalen   ganz  und   unver- 
stümmelt  mitzutheilen. 

Noch  mehr  scheinbare  Berechtigung  hätte  es,  zu  sagen,  der 
Sammler  habe  diese  Stellen  weggelassen,  weil  ihr  Inhalt  wenig  ehren- 
voll fiir  die  spanische  Kirche  gewesen.  Dann  hätte  er  aber  in  seinem 
verkürzten  Briefe  und  in  andern  Papstbriefen  noch  manches  Andere 
weglassen  müssen.  So  lange  als  Maassen  eine  bessere  Erklärung  für 
den  also  verstümmelten  Brief  des  Papstes  Innocenz  I.  nicht  beibringt, 
glauben  wir  an  unserer  Erklärung  festhalten  zu  sollen. 

Der  Papst   Hormisdas    (514 — 623)    schrieb    drei  Briefe   an   den 
2if  etropoliten  Joannes  (von  Tarraco).    Der  Papst  bestellt  ihn  zu  seinem 


<)  R.-G.  II,  1,  S.  395  einen  Anszng  des  Briefes,  S.  443,  über  die  Person  des 
Hilarius.  Man  beachte  noch,  dass  des  Hilarias  Name  nicht  blos  an  achter,  sondern 
auch  an  vierter  Stelle  unter  den  Unterschriften  von  Toledo  steht.  Patrainns,  der 
erste,  war  dann  Metropolit  von  Merida,  Marcellas,  der  zweite,  von  Sevilla,  wie  von 
Vielen  zugegeben  wird,  Aphrodisins  war  dann  Metropolit  von  Tarraco,  Hilarias,  der 
vierte,  Metropolit  von  Carthaginensis,  während  Sjrmphosius  von  Astorga  Metropolit 
von  Galicien  war. 

Auch  Oarcia  Loaysa  nnd  Florez  (V,  128)  läagnen,  dass  Hector,  Bischof 
von  Cartagena,  im  Jahre  516  sich  als  Metropolit  (za  Tarraco)  nnterzeichnet  habe. 
In  den  Samminngen  von  Loaysa  (ad  marginem:  episcopua  Carthaginis)  Aguirre 
und  bei  Coleti  heisst  er  einfach:  episcopua  Carthaginis. 

*)  Der  Manriner  Constant  nennt  die  Verstümmelung  des  Briefes  ein  ,J^acinus**, 
dessen  er  den  Isidor  Mercator  beschuldigt.  Ganz  mit  Unrecht  Das  „fadnus"  be- 
ging ein  Spanier,  denn  Exemplare  des  Pseudo-Isidor  kamen,  wie  Hinschius  nach- 
gewiesen hat,  erst  am  Ende  des  Mittekilters  nach  Spanien. 


472  AnhAog  L 

Vicarias  über  ganz  Spanien.  Mit  dieser  Uebertragang  widi  er  msk 
von  den  alten  romischen  Ueberliefemngen  ab.  Kurz  vor 'dem  Untff- 
gange  des  Westreiches  hatte  Papst  Simplicios  den  Bischof  Zm 
von  Sevilla  zu  seinem  Vicarias  bestellt.  Sevilla  war  Haoptstidt  da 
romischen  Spaniens  seit  Constantinns  dem  Grossen.  —  Zor  Zeit  da 
Papstes  Hormisdas  waren  die  Hauptstädte  der  Westgothen  Narbom 
and  Barcelona  in  Spanien  (viel  später  wurde  es  Toledo).  Der  BiscU 
von  Barcelona  war  Suffiraganbischof  von  Tarraco,  ond  konnte  ab  » 
facher  Bischof  nicht  wohl  Vicarias  des  Papstes  sein,  dagegen  wä 
sein  Metropolit  Joannes  von  Tarraco,  dessen  Verdienste  wir  oben  da^ 
gestellt  haben.  —  Bei  der  Uebertragang  des  Vicariats  an  ihn  inza 
wohl  zwei  Dinge  entscheidend,  die  Tüchtigkeit  des  Joannes^  und  dk 
Bedeutung  der  Städte  Barcelona  und  Tarragona.  (Aach  im  zwotba 
Jahrhundert  wurde  Tarraco  von  Barcelona  aus  wieder  hergestellt] 

Aber  unser  Sammler  schreibt:  Epistcla  Harmisdae  papat  ai  Jt- 
hannem  episcopum  IlUcltaiUie  ecdedae,  nicht  Tcurmconenris  tcfläm 
MaoBsen  sagt,  dass  erstBaronius  den  Joannes  als  „Tarraconendif'  be- 
zeichnet habe.  Glaubt  denn  Maassen,  der  Papst  habe  vrirklich  da 
Bischof  vom  E3che,  und  nicht  dem  Erzbischof  von  Tarraco,  das  Tn- 
riat  übertragen?  Baronius  durfte  diese  Einfügung  sich  erlauben,  lA 
Bischof  Joannes  Niemand  anders,  als  der  von  Tarraco  sein  \aät 
Diess  wusste  man  wohl  in  Toledo,  dennoch  machte  man  ihn  zum  fi- 
schof  von.  Ilici.  Sollte  denn  wirklich  Papst  Hormisdas,  von  den  T» 
ditionen  seiner  Vorgänger  abweichend,  den  Bischof  einer  ganz  ^n^^ 
deutenden  Diöcese  zum  (ständigen)  Vicarius  über  ganz  Spanien  2^ 
sezt  haben? 

Aber  Maassen  musste  zuerst  beweisen,  dass  es  einen  Biscfix 
Johannes  von  Ilici  gegeben,  noch  mehr,  er  musste  beweisen,  dassö 
in  den  Jahren  517 — 524  überhaupt  einen  Bischof  von  Dici  gegcbe 
habe.  Wenn  er  die  „Espana  sagrada^  beigezogen  hätte,  so  hätte? 
gefunden,  dass  der  erste  uns  bekannte  Bischof  von  Ilici  im  Jahre  tt 
zu  Toledo  unterschreibt,  es  war  Serpentinus.  Im  Jahre  689  gab  ß 
noch  keinen  Bischof  von  Ilici.  Das  Bisthum  ist  also  zwischen  5?3 
und  633  entstanden,  oder  von  Elotana  nach  Ilici  verlegt  worden.  Iß  1 
Jahre  611  konnte  diess  schon  geschehen  sein.  Der  Sammler  erlaub« 
sich  also  hier  einen  Zusaz.  Denn  der  Bischof  Joannes  konnte  nor  dt 
sonst  bekannte  Bischof  von  Tarraco  sein. 

Ich  spreche  es  als  Hypothese  aus,  dass  die  erwähnten  AusIässqb- 
gen  im  Briefe  Innocenz's  I ,  und  diese  Einfügung  in  den  Brief  i^ 
Hormisdas'  im  Interesse  der  Ansprüche  Toledo's  geschehen  sei,  —  W 
bin  wahrlich  nicht  der  Erste,  der  Solches  von  den  Toledanern  annimB^ 
Felix  Dahn,  dessen  Bemerkungen  sicher  bei  Maassen  viel  mehr  „kritisci 


I 


Altspanisches  Kirohenrecht.  473 

las  Gewicht  fallen^,  als  die  meinigen ^),  sucht  zu  beweisen,  dass 
h  das  y^Decretum  Oondemari^  ein  unterschobenes  Machwerk  sei,  dass 
bt  Eonig   Gundemar   dieses   Decret  im   Jahre   610   erlassen,   dass 

Späterer  (etwa  Julianus?)  es  ihm  unterschoben  habe.  Er  er- 
int  zahlreiche  „Fälschungen  von  Privilegien  für  die  Kirche  von 
tdo^  (mit  Hinweisung  auf  Pedro  Boyas^  historia  de  la  ciudad  de 
cZo,  Madr.  1654,,  p,  574;  Pisa,  historia  de  la   civdad  de  Toledo^ 

1617,  p.  88—116;  MoraleSy  Coronica  de  Espana,  V,  p.  377,  569. 
ifarciaa  Loaysa,  de  primatu  ecdea.  Toletanae,  ap.  Aguirre,  ConciL 
p.  II,  437  (alte  Ausgabe);  Florez,  F",  (edic.  3.),  p.  176  (gegen 
widius).  Joann.  B^  Perez,  epist.  de  concil.  Htspan.,  apud  Aguirre, 
t.  Lardizahalj  Fuero  Juzgo,  Madr.  1815,  p.  14.  —  Lembke,  1, 141. 
^ei  anerkennt  Fei.  Dahn  indirekt  auch  meinen  Versuch  (E.-G.  II, 
u  444),  den  Hilarius  als  Metropoliten  der  Provinz,  in   der  Toledo 

zu  erweisen. 

Welcher  Schriftsteller  ausserhalb  Spaniens  nimmt  noch  einen 
cnius  I.  von  Toledo,  den  angeblichen  Schüler  des  angeblichen  Dio- 
138  Areopagita  von  Paris  und  S.  Denys  an?    Keiner,  alle  anerken- 

die  yjraue  pia^  der  Bischöfe  von  Toledo  seit  1085,  welche  die 
^he  Spaniens  nicht  nur  an  die  römische,  sondern  auch  an  die  gal- 
^e  anknüpfen  wollten.  Verglichen  mit  dieser  viel  grösseren  ,Jrau8 
^  hat  der  Sammler  der  spanischen  CoUectio  Canonum  nichts  so  Un- 
artes oder  Ungeheures  gethan,  wenn  er  seine  Sammlung  im  In- 
Bse  der  Toletaner  Machtansprüche  redigirte. 
Welcher  Gesehichtskenner  kann  aber  leugnen,  dass  man  in  To- 
sich in  den  Jahren  610 — 800  gegen  einen  Vorrang  der  Kir- 
^  von  Tarraco,  Sevilla  oder  Bracara  sträubte?  Die  Primatie 
ddo's  hat  Julianus  durchgeführt,  sie  wurde  aber  seit  610  bewusst 
r  tmbewusst  angestrebt,  Tarraco  und  Sevilla  trat  hinter  Toledo 
Ick,  Toledo  war  Intestaterbe  der  kirchlichen  Machtstellung  von  Se- 
fe  und  Tarraco.  Diess  war  im  Grunde  von  dem  Tage  an  entschie- 
B  an  welchem  die  westgothischen  Könige,  welche  Toledo  zu  ihrer 
idenz  gemacht  hatten,  zur  katholischen  Kirche  übergetreten  waren, 
»t  Gregor  I.  hatte  dem  Leander  von  Sevilla  das  Pallium  gesendet, 

damit  ihm   einen  Vorrang   in  Spanien  gegeben.     Der   Brief  an 


*)  Maassen:  „Die  neuen  Gründe,  die  Oame  bringt,  fallen  kritisch  kaam  in*B 
idit»  (p,  686).  —  Damit  bin  ich  »kaum*  widerlegt,  höchstens  „abgefertigt**.  — 
SB  Dahn:  Die  Könige  der  Germanen  (VI,  die  Verfassung  der  Westgothen, 
ab.  1871,  S.  410),  S.  440-442  sucht  mit  sehr  starken  Gründen  die  Aechtheit  der 
Synode  vom  Jahre  610  und  des  s.  g.  Decretum  Chndemari  anzustreiten 
I  diese  Actenstficke  wirklich  unächt  oder  interpolirt,  so  flllt  die  ,Jrau8  pia" 
ie  Zeit  Jolian's  von  Toledo,  denn  beide  stehen  als  Anhang  hinter  dem  von  Julian 
ütenen  zwölften  Concil  zu  Toledo  im  Jahre  681). 

ita«,  tpaa.  Xirehe.  U.  8.  31 


474  Anhang  1. 

Leander  konnte  ans  der  Sammlang  nicht  weggelassen  weiden,  di  « 
in  aller  Händen  war.    (Doch  ein  Theil  der  Handschriften  hat  die  Stdie 
pallium  vobis  transminmus ,    wirklich   aasgelassen.^      Andeneits  iber 
sachte  man  die  Bedeatang  des  Pallinms  abzuschwächen.    Es  sollte  di 
einfaches   persönliches  Geschenk  des  Papstes   an  Lieander   sein,  nkk 
weniger,  aber  auch  nicht  mehr.    In  den  „excerpi/i  amonum^  oder  de 
nach  bestimmten  Rubriken  geordneten  Uebersicht  des  Inhalts  ierCi- 
lectio  HUpana^  welcher  Anszng  in  10  Bücher  nnd  jedes  Bach  in  Tti 
oder   Kapitel  zerfallt,   enthält   der  lezte  Titel    des    lezten  Bach«  it 
Ueberschrift:  „Von  den  (aas  Rom)  übersendeten  Geschenken"^).  Fener 
„Ueber  die  an  Leander  gerichtete  Pastoralregel^,  ep.  98.  —  Ueber  di 
vom  Stahle   des  heiligen  Petras  übersendete  PtUlium^,   99.  —  Ueh 
die  vom  Könige  Reccared  dem  seligen  Petras  übersendeten  GesdidK.! 
Ueber  das  Schlüsselbein  des  heiligen  Petras,    die    fibersendete  Kmu-I 
Partikel   nnd   über   das   an   Bischof  Leander   gerichtete  PoCivm,  M 
Das  Pallium  ist  also,  wie  „das  Buch  der  Hirtenregel^,  ein  Gesdiedt 
eine  Höflichkeitsbezeagang  des  Papstes,   and  es    ist  kein  Grand  iv> 
banden,  dass  sich  Sevilla  dessen  allzusehr  rühme.     Die  Bischöfe  h 
ledo's,  besonders  nach  dem  Tode  Isidor's  luttten  kanm  eine  FeMck 
gethan,    wenn   sie  sich   am  das   Pallium  nach  Born    gewendet  fr 
ten;   aber   sie   sachten    keine   nähere  Verbindung    mit   der    ronnsds 
Kirche.    Die  „Excerpta  canonum^  reichen  bis  zur  fünfzehnten  Späk 
von  Toledo  von  688;   damals   war  Julianus,   der    gelehrteste  alkrfi' 
schöfe  von  Toledo,   noch  am  Leben.    Ich  halte  den   Julianus  iSrda 
Verfasser  oder  Veranlasser  der  „Excerpta  Cananum'^^    aber   anch  k 
der  Form    nach    fein  ausgearbeiteten,  dem    Inhalte    nach    ver3chwo> 
menen  und  auf  Stelzen  gehenden  Gedichtes  am  Anfange  „der  Ccäettit 
canonum^: 

Cdsa  terribili  codex  qui  sede  locaria 
Quis  tu  es? 

Und  vom  „erhabenen  Pfuhl '^  herab  antwortet  der  Codex:  „Vitii 
ordo/^  Auf  die  weitere  Frage:  Quod  inest  tibi  nomenf  antworte:  i 
Codex:  „Codestis  dicor  sanctarum  regula  voce^.  Der  Codex  eanm 
sollte  ein  Nationalheiligtbum  und  gegen  alle  Angriffe  gefeit  sein. 

Von  Aurasius  von  Toledo,  den  ich  für  den  Veranlasser  ot 
Sammler  der  CoUectio  halte,  sagt  Udefons  von  Toledo:  „Seine  Ahäi 
ging  mehr  auf  die  Vertheidigung  der  Wahrheit,  als  auf  die  Gre^raDi 
heit  im  Schreiben;  desswegen  ward  er  den  vollkommensten  MinB0 
an  die  Seite  gesezt.    Denn  was  die  Predigt  ihres  Wortes  aussiete,dif 


')  AllerdiDgs  entdeckte  erst  Caj.  Cenni  die  „Excerpta'^ ,  nnd  kein  Ejbs^i 
davon  fand  sich  bis  jezt  in  Spanien.  Diess  beweist  nicht  ihren  auasei^ttai^l 
Ursprung,  eher  deren  geringe  Verbreitung. 


AltBpaniBchea  Kirchenreoht.  47Ö 

seine  Sorge  und  sein   Schnz   vorher  gesichert  (quia  quae  de  verbo 
'wan  praedicatio  seminavit,  defensiorda  hujua   custodia  praemunivit). 

heisst  wohl,  seine  Nachfolger  im  Amte  hätten  nicht  so  viel  wirken 
aen,  wenn  er  nicht  durch  die  Erhebung  der  Metropole  von  Toledo 
m.  den  Grund  gelegt.  Diese  vielleicht  mit  Absicht  unklaren  Worte 
.T)e  ich  auf  das  sogenannte  Decretum  Qundemari,  und  sollte  dieses 
:dbt  sein,  auf  die  Beibringung  der  Unterschriften  von  15  Carthagi- 
iischen  und  26  anderen  spanischen  Bischöfen  für  die  Erklärung 
^o's  als  Metropole,  sowie  auf  die  Anlegung  der  „Collectio  Cano- 
.^  beziehen  zu  dürfen. 

Einen  positiven  Beweis  für  den  Ort  der  Sammlung  und  den  Ur- 

3r  der  spanischen  Sammlung  hat   bis  jezt  Niemand   beigebracht, 

n  Maassen  nicht.    Ueber  den  Ort  der  Entstehung   und   die  Person 

Verfassers  geht  er  schweigend  hinweg.    In  Betreff  der  Zeit  meint 

die   Sammlung   sei  nach-  633  entstanden,   während   vielleicht   die 

vzahl  der  deutschen  Canonisten  die  Sammlung  am  Ende  des  sechs- 

oder  Anfang  des  siebenten  Jahrhunderts  entstehen  lassen^  also  zu 
eher  Zeit,  wie  ich.  Die  von  mir  dargelegten  Wahrscheinlichkeits- 
nde  für  meine  Hypothese  (für  Aurasius,  und  die  Jahre  610 — 611) 
en  so  lange  Anspruch  auf  Beachtung^  bis  ein  positives  Zeugniss 
«n  sie  aufgefunden  wird.  Ein  solches  hat  Maassen  nieht  beige- 
sht;  er  hat  nicht  bewiesen,  dass  die  Sammlung  nach  633  entstanden 

Er  hat  von  den  vier  Gründen  für  die  Annahme  einer  tendenzio- 
Anlage  der  Sammlung  nur  zwei  abgeworfen.    Hätte  er   auch   die 
i  andern  beseitigt,  so  wäre  damit  die  Hypothese  noch  nicht  definitiv 
erlegt. 

Wenn  man  über  diese  Frage  sprechen  will,  so  muss  man  sich  in 
spanischen  Eirchengeschichte  umgesehen  haben.  Maassen  hat  nicht 
nal  die  y^Espana  sagrada^  beigezogen.  So  wenig  ich  „über  die 
eilen  des  canonischen  Rechts^  Studien  gemacht  habe,  daher  in  die 
n  zugegebenen  Irrthümer  verfallen  bin,  so  wenig  er  über  die  spani- 
e  Kirchengescbichte.  Nicht  wenige  seiner  hieher  gehörigen  Angaben 
1  unhaltbar,  und  längst  widerlegt.  Z.  B.  er  spricht  von  dem  „Mar- 
>]ogium  der  heiligen  Justa  und  Rufina^  von  Sevilla  (p.  720),  Ein 
'hes  gibt  es  nicht  Wohl  aber  eine  ^Passio'*  derselben.  —  Er  sagt, 
'  der  Brief  Innocenz's  I.  vom  Jahre  404  an  die  „auf  der  Synode  zu 
ido  versammelten  Bischöfe  sich  auf  eine  andere  Synode,  als  die  des 
"68  400  beziehe'^  Man  weiss  wohl,  dass  im  Jahre  397  der  Ver- 
^,  eine  Synode  zu  Toledo  zu  halten,  misslungen  ist.  Von  einer  Tole- 
r  Synode  aber  zwischen  den  Jahren  400  und  527  (Ö31)  hat  Nie- 
d  berichtet,  sie  ist  eine  Erfindung  (Maassen,  p.  700),  wenn  auch 
^tant  diese  Hypothese  ausspricht.  Ebenso  ist  eine  allgemeine 
ische  Synode,  gehalten  nach  dem   21.  Juli  447,   eine  Erfindung. 

31* 


476  Anhaag  I. 

Papst  lieo  I.  hat  den  Wunsch  ausgesprochen,  die  Bischöfe  mhäßn 
sich  versammeln.  Sie  haben  sich  aber  nicht  Tersammdt,  weder 
in  Cklicien,  noch  in  dem  übrigen  Spanien.  Die  Glanbensregd 
welche  die  Bischöfe  der  Provinzen  von  Tarraco,  Carthaginensis,  Lib- 
tanien  und  Baetica  mit  dem  Befehl  des  Papstes  Lieo  I.,  an  den  Bisck 
Balcojiins  von  Galicien  übersandten  (Mcuzssen,  p.  217),  ist  Nichts,  il 
die  von  den  Bischöfen  des  Concils  von  Toledo  I.  den  galicischen  E- 
scböfen  zur  Annahme  übersandte  Glaubensformel.  Der  Bischof  Bil- 
conius  wi^  vor  dem  Jahre  415  Bischof  von  Braga,  nnd  wird  in  Leo'sl 
Briefen  nicht  erwähnt,  bei  welchem  neben  dem  Bischöfe  Turibiasm 
Astorga,  nur  der  Bischof  Ceponius  (von  Braga?)  nnd  der  Chrons 
Idatius,  Bischof  von  Aquae  Flaviae,  vorkommen.  Wäre  nach  da 
Juli  447  überhaupt  eine  Synode  zusammengetreten,  so  hätte  Idttii 
in  seinem  y^Chronicon^  darüber  nicht  geschwiegen.  —  Unrichtig  is 
femer,  wie  gesagt,  dass  Papst  Hormisdad  im  Jahre  517  an  einen  Bi- 
schof Joannes  von  Elche  geschrieben,  da  dieses  Bisthnm  erst  h 
Jahre  633  vorkommt. 

Die  von  Anton  Gonzalez,  dem  Herausgeber  der  „CoUecHo  Ci» 
num  ecdesiae  Hiapanae^ ,  benüzten  neun  Codices  reprasentiren  versdiie- 
dene  Ausgaben  dieser  Sammlung.  Ebenso  die  ausserhalb  Spaniens  n?- 
handenen  Handschriften,  die  gallischen,  italienischen  and  die  vs 
Wien.  —  Wir  nehmen  an,  dass  die  „Hispana^^  vor  dem  Jahre Ö5 
nur  in  wenigen  Abschriften  vorhanden  und  ausserhalb  Toledo'«  t?- 
breitet  war.  Eines  der  wenigen  Exemplare  erhielt  Isidor  vonToIrt 
Als  er  zur  Begrüssung  des  Königs  Sisebut  (um  612  flg.),  dem  wsti: 
Werk  „de  natura  rerum^  widmete,  in  Toledo  war,  konnte  er  einei^-- 
die  erwähnte  Zustimmung  zu  der  Metropolitanwürde  von  Toledo  gele 
anderseits  ein  Exemplar  dieser  Sammlung  erhalten ,  oder  eine  Ab- 
schrift derselben  sich  besorgen  lassen.  —  Ich  nehme  femer  an,  di? 
nach  dem  vierten  Concil  von  Toledo  (December  633),  dem  alle  spc 
sehen  Bischöfe  anwohnten,  der  schon  bestehenden  Sammlung  dkr 
vierte  Synode  einverleibt,  und  die  so  vermehrte  Sammlung  in  rids 
Exemplaren  über  das  Land  verbreitet  wurde,  so  dass  ich  die  eigentlicif 
Ausgabe  (Verbreitung)  der  Sammlung  in  die  Jahre  633 — 6V4,  i< 
Sammlung  selbst  aber  in  die  Jahre  610—611  anseze.  —  Femer  fe 
der  Augenschein  der  einzelnen  Codices,  dass  auch  nach  dem  Jahre  tK^^ 
634  beständig  erweiterte  Ausgaben  der  Sammlung  statt  hatten,  indes 
allmälig  derselben  die  spätem  Synoden  (von  Toledo)  von  der  fis^* 
ten  bis  siebenzehnten  einverleibt  wurden.  Besonders  tritt  die  ^ 
Maassen  sogenannte  „vermehrte  Hispana  der  jüngsten  Forra^  k^* 
vor,  enthaltend  die  Concilien  von  680  —  694,  und  die  allgeroeia-J 
Synode  vom  Jahre  680,  welche,  mit  Hinzufugung  der  ,j-Erceppl 
Canonum'^  vom  oder  nach  dem  Jahre  688  einen  gewissen  Abschloss  c^  I 


I 


Altspanifidbes  Kirohenreoht  477 

SammloDg  (dnrch  die  Hand  Jnlian's  von  Toledo?)  darstellt.  —  Die 
beiden  Codices,  Aemilianensis  (von  922)  und  Alvddensis  (von  976),  beide 
aus  dem  zehnten  Jahrhundert,  welche  die  reichste  Sammlung  der  spa- 
nischen Concilien  bis  zum  Jahre  694  enthalten,  können  kaum  eine 
,inene  Ausgabe^'  der  „Collectio  Hiapana^  genannt  werden.  Sie  wurden 
zu  einer  Zeit  angelegt,  als  das  altspanische  Eirchenrecht  nur  noch  in 
der  Geschichte  vorhanden  war,  und  enthalten  verschiedene  Provinzial- 
concilien  (von  Toledo  vom  Jahre  597,  zweites  Concil  von  Barcelona 
699,  Concil  (?)  von  Toledo  vom  Jahre  610,  das  Concil  von  Egara  614, 
Concil  von  Merida  vom  Jahre  666,  das  dritte  Concil  von  Saragossa 
vom  Jahre  691),  welche  sich  in  der  von  Toledo  ausgegangenen  Samm- 
lung nicht  befinden. 

(Petr,  et  Hier.  Ballerini,  de  antiquis  tum  editis  tum  ineditis  colle- 
ctionibus  et  collectoribus  canonnm  —  in  Opp,  Leonis,  curant.  Ballerini^ 
Venet.  1755—1757,  in  Tom.  IIL  —  Abgedruckt  bei  Oallandi,  de  vestus- 
Ha  canonum  collectionibus  dissertationum  Sylloge,  Venet.  1778,  2°. 
p.  500  sq.  —  Mogunt.  1790,  2  vol.  4°.  —  Mit  Noten  wieder  abgedruckt 
in:  S.  Isidori  Hispalensis  opera  omnia^  ree.  Faust,  ArevalOj  Romae  1797 
—1803,  in  t.  II  („Isidoriana''),  cap.  91,  p.  160—219  (Migne,  Patr. 
lat.,  t.  81).  —  Carl.  Santander  de  la  Semoj  Praefatio  historico-critica  in 
veraim  et  genuinam  collectionem  canonum  ecclesiae  Hispanae.  Bruxell.  an. 
VIII  (1800),  wieder  abg.  ann.  XI  (1803),  und  ap.  Migne,  P.  lat.  t.  84; 
Collectio  Canonum  Eccles.  Hispanasy  ed.  J.  A.  Gonzalez ,  Matriti,  1808,  1821 
(nach  9  spanischen  Codices).  Die  von  P.  Buriel  vorbereitete  Ausgabe  ist 
nicht  erschienen.  —  M.  E.  Begenbrecht,  de  canon.  Apostol.  et  codice 
Hispano ,  Vraiisl.  1827.  —  K.  F.  Eichhorn  j  die  spanische  Sammlung 
der  Quellen  des  Kirchenrechts,  Berlin  1834,  mit  Zusätzen  in:  Zeitschrift 
für  geschichtliche  Rechtswissenschaft,  Bd.  XI,  S.  129  (1842).  — 
O.  Phillips,  Kirchenrecht,  4.  Bd.,  Regensburg  1851,  §.  172.  Die 
spanische  Sammlung,  S.  46 — 61.  —  Paul.  Hinschius,  Decretales  Pseudo- 
Jsidorianae  et  Capitula  Angilramni,  Lips.  1863  (handelt  nicht  ausfuhr- 
lich von  unserer  Sammlung).  —  Garns,  das  altspanische  Kirchenreht; 
über  den  Ort  und  die  Zeit  seiner  Entstehung;  in  Tüb.  theolog.  Quartal- 
schrift, 1867,  S.  1 — 23  (ohne  Angabe  der  Literatur).  —  Fr.  Maassen, 
Greschichte  der  Quellen  und  der  Literatur  des  kanonischen  Rechtes  im 
Abendlande,  Gratz,  1870.  —  (Vergl.  die  betreffenden  Paragraphen  in 
den  Lehrbüchern  des  Kirchenrechtes  von  F.  Walter,  Schulte,   Phillips, 


^    Richter  (-Dove),  Gerlach,  2  Aufl.  1872,  Vermg,  Freib.  1874). 


Jnseriptiones  Hispamae  chrtstianae,  Edif.  AeintHua  Hadner.  (ü- 
jecta  est  tabula  geograjthica.)  Bervl.  187 J,  4".  pp.  120.  Der  Veriasaei  Kit 
eeiner  {in  der  von  der  Berliner  Academie  der  Wissenschaften  Teraortil- 
teten  Sammlung  «Her  lateinischen  Inschriften)  SammlnDg  der  äpäuu- 
sehen  Insehriften  in  2  Bänden  als  Anhang  die  vorliegende  Sammlmig 
christlicher  in  Spanien  bis  jezt  aufgefundener  Inschriften  beig^tJ», 
Diese  Inschriften  reichen  nicht  iiher  die  Zeit  der  Wc-.^tgolhen  Mr'-si. 
Der /'.Juan  Soöreyra,  Benedictiner,  hat  im  Manuscript  eine  ungednKfat 
Sammlung  der  lateinischen  Inschriften  von  537 — 1633  hinterlasseo,  die 
sich  in  der  Academie  der  Geschichte  zu  Madrid  beBndet.  Nach  ihm  bt 
Fr.  Masdeu  im  neunten  Bande  seiner  sogenannten  „kritischen  Gescbidiu 
von  Spanien"  (Madrid  1789),  eine  allgemeine  Sammlung  der  spaniAcbec 
Inschriften  vom  Jahre  41ö  oder  416  an  bis  zum  Jahre  1300  gegeben, 
darunter  auch  die  kirchlichen  Inschriften,  welche  Sammlung  vor  dtr 
Kritik  wenig  Gnade  gefunden  hat.  Aemüivs  Huehner  wirft  ihm  ror. 
dssB  diese  Sammlung  den  „gewöhnlichen  Leichtsinn  and  die  Arrogsu* 
des  Auetors  kundgebe.  Der  Historiker  Äureltan.  Guerra  üi  Madrid, 
dessen  Freundlichkeit  und  gute  Dienste  auch  ich  erfahren,  halte  die 
christliciiea  Alterthümer  Spaniens  überhaupt  bis  zum  neunten  JahrbiiD- 
dert  gesammelt  (Arte  en  Espana,  vol.  4,  ISHö,  p.  49  sq.),  und  war  im 
Jahre  1865  entschlossen,  sein  Werk  zu  Lyon  erscheinen  zu  lassen- 
Aber  dieselbe  Ungunst  der  Zeiten,  welche  das  Erscheinen  der  Schrift 
von  Simonet  über  die  Mozaraber,  eines  Werkes  des  Professors  Gangon 
zu  Grnnada  über  die  Alterthümer  und  Inschriften  Andalusiens  verhin- 
dert, scheint  auch  dem  Werke  Gnerra'a  hindernd  entgegengetreten  a> 
sein.  —  Neben  Guerra  nennt  der  Verfasser  als  die  Förderer  seiner 
Arbeiten  die  Herren  Berlanga  in  Malaga  und  Saavedra  in  Madrid.  Er 


Spaniaehe^Inschrüten.  479 

hat  in  seiner  Schrift  etwa  200  Inschriften   mitgetheilt,  von   denen  er 
etwa  60  selbst  sah  und  erklärte.    Nebstdem  theilte   er  an  80  erdich- 
tete Inschriften  mit.     Er  gibt  die  Inschriften  entsprechend  den  einzel- 
nen Provinzen   des   alten  Spanien's,   zuerst   die   von  Lusitanien,    dann 
von  Baetica,  sodann  von  Gallicien   und   Asturien,   von  Tarraconensis, 
wozu  die  Provinz  Carthaginensis  nebst  Toledo  gehört.    Lusitanien  ge- 
hören 44  Inschriften,    90  der  Provinz  Baetica,   etwa   60  der    Provinz 
Tarraconensis  an.    Zu  beachten  ist,   dass    an   den  Orten  am   meisten 
christliche  Inschriften  sich  fanden,  wo  sich  verhältnissmässig  die  mei- 
sten heidnischen  Inschriften   geftinden  hatten.    Drei  Viertheile   sämmt- 
licher  Inscripiiones  sind  Inschriften  auf  Begräbnissen.    Daneben  erschei- 
nen 21  Inschriften  zur  Weihe  von  Kirchen  oder  Klostern,   12  auf  Re- 
liquien  von   Heiligen.    Es   fanden   sich    sehr   wenige   griechische  In- 
schriften.  Die  meisten  Inschriften  stammen  aus  dem  fünften  bis  achten 
Jahrhundert  (Jahr  465  bis  782),  die  Hälfte  etwa  richtet  sich  nach  der 
spanischen  Aera.    Unter  den  Namen,  die  auf  den  Inschriften  erschei- 
nen, finden  wir  keinen  Narcissus,  keinen  Cucufat,  keinen  Jacobus,  aber 
auch  keinen  Isidor   oder  Leander;   keinen  Julian,   aber   eine  Juliana, 
keinen  Mantius,  keine  Justina,  aber  einen  Justus  und  eine  Justa,  einen 
Acisclus,  aber  keine  Victoria,  keinen  Pastor,   keinen  Ildefons,  keinen 
Quiricus,   keinen  Elipandus,  keinen  Gerontius,   aber   einen  Crispinus, 
einen  Dei  Donum,  einen  Dexter,  einen  Dominicus,  eine  Eugamia,  eine 
Eulalia,  einen  Florentius   und  eine  Florentia,   einen  Fulgentius,   einen 
Gregorius,  einen  „Onoratus  antistea^ ,  einen  Abt  Honorius,    einen  Fl. 
Hyginus,  Comes  und  Praeses  der  Provinz  Mauritania,  in  Corduba  u.  a. 
—  Die  Kirchweihe  heisst  stets   „dedicoHo   basilicae^,   die  Begräbniss 
stets  „d&positio^  und  „requievit  in  pace^.     Es  findet  sich   auch    die 
Formel:  ctccqpta  poenitentia  requiemt  in  pace^%  und  ''requiwcat  in  pace. 
Amen^^.  —  Die  häufigste  Formel  ist:  „recessit  in  pac^^  und  ,^cum  poe- 
nitentia recessit  in  pace^,  selten  „receasit^  allein;  „requievit"  findet  sich 
gewöhnlich   in   Lusitanien   (22  Inschriften   daselbst,    10   in   Baetica), 
30  Inschrift^en  in  Baetica  haben  „recessit^;  nur  einmal  findet  sich  hier 
„reqniescit^ ;  die  Formel  „requieseit^  und  „requieacat^  findet  sich  wieder 
vorwiegend  in  Tarraconensis.    Andere  Ausdrücke  sind:  ,,in  hoc  tumulo 
jacet,  procumbity  sepultus  quiesdt,  mortuus  est,  deposita  (est),  obiit,  obiit 
in  pace  Dei,  transivit,  depoHtus  in  pace^  mortutbs  fuet,  in  isto  loco  se- 
ptdtus  est,  situ»  est  etc.    Nirgends   aber  findet  sich  der  Ausdruck  aus 
der  spanischen  Liturgie:  „pauscU^^  oder  „pausavit^.  —  In  den  Inschriften 
kommen   die  Träger   folgender  kirchlicher  Würden  vor:   Abba  (Abt) 
antistes  für  Bischof  viermal,   anteetis  einmal,  episcoptu  neunmal,    epi' 
8cupu8  einmal,  einmal  episcopattu,  pontifex  tmd  ponHficatua  fünfinal, 
sacerdos  für  Bischof  zwei-   (oder   dreimal),   sacerdos  für  Abt   einmal, 
presbyter  —  Priester  —  neunmal,  Diacon.  dreimal,  monachua  dreimal. 


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